trillern,
vb. ,
triller machen; trällern. ende des 17.
jh. gebildet zu 1triller.
s. auch 2trillen (
sp. 520). 11) trillern,
von der menschlichen stimme. 1@aa)
einen triller kunstgerecht singen oder schlagen: mit der stimme trilleren, zittern, coloriren
gorgheggiare, coloreggiare, trillare colla voce Kramer 2 (1702) 974
c; was ist es nicht für ein zwang für unsere jungen stutzer, dasz sie auf italienisch trillern müssen
anmuth. gelehrsamkeit 3, 754
Gottsched; so singen zween castraten oder verschnittene in den singspielen einander entgegen, wann ein duettchen getrillert wird v. Schönaich
ästhetik in einer nuhs (1754) 121; sie schlug ein breites buch geschwänzter noten auf, sang hohl und trillerte, und machte manchen lauf J. Fr. Löwen
schriften (1765) 3, 14; ein verschnittener ist kein mann mehr. ein trillernd weib ist er ohne ausdruck und empfangbarkeit eines tiefen affekts im gesange Herder 8, 277
S.; [] manchmal seh ich auf der bühne einen dummkopf mit stolzer miene singen, trillern und nichts ausführen, schlecht anschlagen und distonieren Meisl
theatral. quodlibet (1820) 6, 72; die Italiäner sind verhältnismäszig nicht besser. man trillert sehr viel und singt sehr wenig Seume 2, 41; er läszt das zarte wesen Scala singen und trillern und harpeggiren Bauernfeld
ges. schr. 8, 128; Mozart dagegen war mit der damaligen gesangsweise gar nicht zufrieden; 'sie (
die sänger) jagen oder trillern und verschnörkeln' O. Jahn
Mozart (1856) 3, 298; Georg hörte während des singens mit entzücken, wie Anna mitsang und künstlich in hoher stimme trillerte G. Freytag
ges. werke (1886) 11, 82; insbesondere haben die mädchen eine hohe stimmlage und überlassen sich gerne dem weichen wiegen und trillern des tons L. Steub
drei sommer in Tirol (1895) 2, 230; doch darf niemals im intervall der übermäszigen sekunde getrillert werden Riemann
musiklex.9 1218
b.
mit einer erweiterung, die den erfolg der verbalhandlung begreift; meist dichterisch: wieder ein anderer sprach der tonverständigen männer: sage mir einer hinfort, zur harmonika klinge gesang nicht! sänge die kehl' in der oper, sie trillerte alles in aufruhr! Voss
gedichte (1802) 1, 195; ein-, hineintrillern: manchen hat ins elend sie (
Venus) gestrudelt, eingetrillert mit sirenensang Schiller 1, 190
G.; (
Jenny Lind) eine frau erlöserin, die vom himmel herabgestiegen, um unsere seelen durch ihren gesang von der sünde zu befreien, während die andern cantatricen ebenso viele teufelinnen seien, die uns hineintrillern in den rachen des satanas Heine 6, 461
Elster. 1@bb)
im weiteren sinn wird trillern
in gleicher bedeutung wie trällern,
zu dem es ja als im ablautverhältnis stehend empfunden werden kann, gebraucht, vgl. trällern
teil 11, 1, 1174: andre, mit hefen beschmiert und auf ihren karren sitzend, trillerten mit dem glase in der hand dem gott der trinker zu ehren ein liedchen Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 2, 286; es trillert in dem saal und singet auf den gassen, der stutzer und das volk, ein zärtlich lied vom hassen Zachariä
poet. schr. (1763) 2, 59; er trillert kleine französische liederchen
sammlung v. schauspielen (1764) 3, 53; bey aller ihrer arbeit war sie immer munter, trillerte ein liedchen oder scherzte mit ihren brüdern Miller
Siegwart (1777) 1, 100; (
Spiegelberg) trillert ein liedgen Schiller 2, 89
G.; sondern so bald das exerziren vorbey war, flogen wir miteinander in Schottmanns keller ... und trillerten ein schweitzerlied Ulr. Bräker
sämtl. schriften (1789) 1, 129; wenn die junge kehle schon in der jugend eigene melodien trillert, dann ist musikalisches genie vorhanden Schubart
ästhetik d. tonkunst 369; kann er einige parisische gassenliedchen trillern, so verwundert er sich recht im ernst J. v. Müller
sämtl. werke (1810) 4, 298; während seine (
Donizettis) melodien freudegaukelnd die welt erheitern, während man ihn überall singt und trillert, sitzt er selbst, ein entsetzliches bild des blödsinns, in einem krankenhause bei Paris Heine 6, 463
Elster; (
Gertrud) begann eines ihrer schelmenlieder zu trillern, mit denen sie im hause treppab und auf zu fliegen liebte Th. Storm (1899) 2, 54; er trillerte und er sang ein altes lied Rosegger (1895) 2, 281.
wie bei a
erweitert: lasz einen empfindsamen buben kommen und dir das herz aus dem leibe mit balladen trillern Klinger
theater 4, 168;
reflexiv: dein Velten wandelt seinen stillern und sichern fuszsteig ruhig fort; kein ziel für ehrenraub und mord, darf er sich froh durchs leben trillern Tiedge
epist. (1796) 1, 81. 1@cc)
seltenere anwendungen: jede der sprachen ist arm, die von dem, was am schönsten der alte sagte, nur stammelt, sobald sie zu ihm dolmetschend sich aufschwingt. neben dieser dürftigkeit drückt noch ein anderer mangel, wenn sie die besten gedanken des neueren auch nur lallet, oder, erliegend der noth, mit gewähnter verschönerung trillert Klopstock
sämtl. werke (1823) 7, 323;
[] ich kann den häufigen gebrauch derselben (
der wortspiele) blosz mit dem verwerflichen beyspiel des Aristophanes rechtfertigen, der den Sokrates über die stimme
βροντὴ und den hauch
πορδὴ so schwatzhaft trillern läszt Hamann 2, 82
R.-W.; ich habe erlaubnis, da ich gestern abend, vom holdseligen gegenüber bezaubert, sechs volle stunden kaum einen ton habe trillern lassen, heute laute selbstgespräche mit mir zu halten Fr. Arndt
bei E.
M. Arndt
schriften f. u. an s. l. Deutschen 1, 13.
von einem gelächter: (
besser) als dasz sie vor kollegialem mitgefühl mit dem saufbruder freudvoll kreischen und trillern
filmwoche (1935) 244. 22)
von den vögeln: der ort ware einsam, und die ruhe ... wurde durch die trillerende vögel und durch das sanfte geräusch des vorbey schleichenden flusses gleichsam eingesäuset Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 84; lockt und pfeift! schlagt und trillert, zieht und pfeift
theater d. Deutschen (1768) 12, 390; ich sah sie (
Julie), wann die vögelein dem morgen trillerten im hain, im leichten frühlingskleide Hölty
gedichte 142
Halm; die vögelein trillerten traulich Timme
d. empfindsame Maurus (1781) 4, 135; ihr vögel in den zweigen schwank, wie seid ihr froh und frisch und frank und trillert morgenchöre Platen 1, 45
Redlich; ich bin ein kleines vöglein, das hoch herunter sieht auf wald und strom und berge und singt ein trillernd lied O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 35. der buchfink trillerte, die drossel pfiff D. v. Liliencron (1896) 8, 60; da trillerte die schwalbe frisch und klar: 'thut's sparen! thut's sparen!' Rosegger
Jakob d. letzte (1914) 198; es war so still, die kanarienvögel der schiffsoffiziere trillerten vom bootsdeck H. Fr. Blunck
die weibsmühle (1927) 27;
am gebräuchlichsten vom gesang der lerche: sie singt aus ehrfurchtsvollem grimme, sie zieht, sie trillert, mengt und paart Schwabe
belustigungen (1741) 1, 558; er wuszte alle vögel nachzuahmen, und zwar mit solcher täuschung, dasz man nicht wuszte, ob eine nachtigall gluckte, eine lerche trillerte Schubart
ästhetik d. tonkunst 206; dort verlor sich ein heer steigender lerchen einen augenblick in hohen lüften, liesz sich dann sanft wieder nieder, und trillerten in die wette U. Bräker
sämtl. schriften (1789) 2, 136; die lerche jubelnd in die lüfte dringt, mir, dir zur lust ihr trillernd lied sie singt U. Hegner
ges. schr. 210; lerchen stiegen um die wette schwirrend und trillernd auf H. Laube (1875) 9, 98; und hoch mit trillerndem gepränge steigt lerchengottesdienst empor Ad. Stifter
erzählungen (1869) 2, 304; die sich trillernd zum himmel entschwingt, was mahnet die lerche? 'singe zufrieden dein lied, ob es auch keiner vernimmt'
M. Greif
gedichte3 425; trillernd, ein liederquell, schwebt sie unter der drohenden wolke E. Leibl
d. kleine wagen (1934) 53;
sprichwörtlich: am trillern erkennt man die lerche Zoozmann
zitatenschatz 21445.
ungewöhnlich vom eulengeschrei: fürchterlich trillern deine schlafkameraden, alter Schiller 2, 164
G. (
Räuber IV, 5).
als redensart: bei dir trillerts wohl?
du bist wohl verrückt u. ä., s. A. Lasch
berlinisch 129.
die redensart erklärt sich aus gleiches bedeutenden, wie: du hast wohl einen vogel? bei dir piepts wohl?
vgl. auch 1triller 4 b. 33) die flöte, die pfeife trillert: ein liedchen trillern auf der siebenstimmigen flöte Schöpfel
Thomas Jmgarten (1777) 143; mit dem lumpensack durchstreife, trillernd auf der pfennigspfeife, ich die stadt der kreuz und quer Gaudy
sämtl. werke (1844) 1, 95;
[] die zeit ist kostbar. die pfeife des zugführers trillert G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 48; der bremser auf dem ersten wagen hielt die trillernde pfeife im mund, die einen langen ton von sich gab
das Schmidtbonn-buch (1927) 140; es rief und es trillerte, und es schrie langgezogen ringsumher P. Alverdes
Reinhold (1931) 35.
vgl. trillerpfeife.
ungewöhnlicher: und aus des schlosses offnem fenster trillert die spieluhr künstlich durch die stille luft Eichendorff
sämtl. werke (1864) 3, 525; der donner trillerte ganz süsziglich ins ohr v. Petrasch
sämtl. lustspiele (1765) 1, 290; während ab und zu eine verirrte kugel durchs geäst klaschte und sich trillernd überschlug E. Jünger
in stahlgewittern (1934) 5. 44)
aus dem hör- in den seheindruck übertragen; mit besonders anschaulichem übergang: man musz die triller mit allen fingern fleiszig üben ... auszer dem werden auch gewisse gedanken sehr schwer herauszubringen seyn, wenn man nicht so gar die kleinen finger fleiszig trillern läszt Ph. E. Bach
art, das clavier zu spielen (1759) 1, 64; nun mocht er (oder war ichs? denn ich schlage zuweilen auch solche pralltriller auf dem tische) mit dem finger einen solchen schlagen ... da er's schon längst gewuszt, dasz Ernestine die kitt- und heftkatze vier abende vorher täglich privatissime auf den tisch stellte und sie abrichtete, auf die finger loszufahren, wenn sie trillerten Jean Paul 1, 33
Hempel; von reiner bewegung: (
ein teufel auf dem weg zum Blocksberg) seht, ihm trillert vor lust, wie dem saugenden lamme, das schwänzlein Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 266; auf, eya heran, ihr kinderchen, häufig schreiend und blöckend mir der schäfelein und ranzigen geisze liederchen, folgt alle nach mit trillerndem schwanz
ders., Aristophanes deutsch (1821) 3, 318;
vgl. auch Droysen
Aristoph. (1835) 1, 58; endlich kam die junge wirthin aus dem hause und gab mir ein zeichen, welches ich gar nicht verstand. sie streckte nämlich die hand nach der erde zu und trillerte ein paarmal mit den fingern in der luft v. Gaudy
sämmtl. werke (1844) 2, 76; (
die vortänzerin des ballets) wiegte sich wie eine ähre, trillerte in die höhe, schnellte ihre füszchen hinaus und winkte mit den armen, alles so jugendlich, so anmuthig, so liebreizend L. Steub
bilder aus Griechenland (1841) 2, 170.
hierher zu gehören scheint mundartliches: trillern
mit flachen steinen so über eine wasserfläche werfen, dasz sie mehrfach aufhüpfen Mensing
schlesw.-holst. 5, 162;
vgl. rhein. wb. 1, 1495.
s. auch 3trillern.