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graben

mhd. bis spez. · 20 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

graben vb.

Bd. 8, Sp. 1546
graben, vb. herkunft und form. gemeingerm. wort; got. graban; altisl. grafa, norw. grava, aschwed. grava, græva, nschwed. gräva, n. grave; ae. grafan, engl. grave; ahd. graban, mhd. nhd. graben; as. (bi)graBan, mnd. graven, nd. grafen; mnl. nl. graven (über afries. grēva s. Wissmann nom. postv. 76, 1). von der zweiten hochstufe der idg. wurzel *ghrebh-: *ghrobh- 'kratzen, scharren, graben' gebildet, zu deren erster hochstufe sich im germanischen aschwed. græva und auszergerm. bildungen stellen wie lett. grebju, grebt 'schrapen, aushöhlen, mit dem grabstichel eingraben'; slov. grébem, grébsti 'scharren, kratzen, graben'; tschech. hřebu, hřésti 'graben, begraben'; poln. grzebę, grzésċ 'kratzen, graben, begraben'; ferner akslaw. pogrebǫ, pogreti 'begraben'; russ. pogrebjú, pogrebstí 'begraben'. dazu ableitungen wie graben, m., grube, f., graft, gracht, f., gruben, vb. (s. überall dort) mit ihren germ. und auszergerm. entsprechungen. vgl. Walde-Pokorny 1, 653 f. graben flektiert im deutschen, wie überhaupt in den germ. sprachen, regelmäszig stark. schwache flexion neben der starken zeigt engl. grave. für das deutsche verb sind nur vereinzelt schwache formen bezeugt: gegrabt neben unausgegrabt, nachgrabt (part. prät.) (1639) in: schweiz. id. 2, 683; grabete (3. sing. ind. prät.) Teresa v. Jesu opera (1732) 439. hinsichtlich der bedeutung besteht kein unterschied zu dem sonstigen gebrauch des verbs in starker flexion, so dasz diese fälle nicht verglichen werden können mit schwach flektierten, unter dem einflusz von ahd. grabo, m. (s.graben, m.) gebildeten präfixkompositen mit der bedeutung 'mit einem graben versehen' (eine andere möglichkeit der erklärung bei Wissmann a. a. o. 76) wie ahd. gigrabôn: (nec) oppilauerunt (loca occulta) gigrapotvn, -un (10.—12. jh.) (1. Makk. 2, 36) ahd. gl. 1, 690, 44f. St.-S.; aber auch: (in hortis) sarculatis kigrapotan (11. jh.) ebda 2, 449, 58; ein vielleicht verschriebenes gigraponum zur gleichen stelle ebda 4, 95, 8; vgl. Graff 4, 305; ferner ahd. bigrabôn, mhd. begraben, vgl. Graff 4, 305; Lexer 1, 147; mhd. vergraben teil 12, 1, 1, sp. 483. der formenbestand des verbs zeigt nur wenige besonderheiten: in der 2. und 3. sing. ind. präs. ist der umlaut gelegentlich unter mundartlichem einflusz beseitigt; vgl. die mundartwbb. und besonders den unpersönlichen gebrauch unter C 4; ferner für die 3. pers.: Seb. Brant narrensch. 6 Zarncke; Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 25b; Calepinus dict. (1579) 352b; Lori slg. d. baier. bergrechts (1764) 35; Meisl theatr. quodlibet (1820) 1, 48. der imperativ sing. lautet bis ins 16. jh. hinein grab, noch bei Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 29; 1, 195; 2, 121; Paracelsus opera (1616) 2, 546; jünger so nur noch mundartlich oder aus rhythmischen gründen. grabe begegnet hier und da seit dem 14. jh.: Tauler dt. pred. 393 V.; (Hes. 8, 8) erste dt. bibel 3, 313 Kurr.; Hes. 8, 8; (Magdeburg 1524) städtechron. 27, 176; es setzt sich seit der mitte des 16. jhs. durch. das part. prät. zeigt im frühnhd. vereinzelt präfixlose form: Hans Sachs 1, 55 lit. ver.; 4, 148; 8, 79 u. ö.; Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 17a; 19a. bedeutung und gebrauch. das verb entspricht in seinen bedeutungen A, B, C, D, oft bis in die einzelheiten der weiteren konstruktion hinein, dem lat. fodere, das es in zahlreichen übersetzungsfällen wiedergibt, ohne dasz, von einzelfällen abgesehen, lehnübersetzung anzunehmen wäre. in der bedeutung E dagegen entspricht graben anderen lat. ausdrücken wie namentlich sculpere, scalpere, caelare. AA. erde mit hilfe eines geeigneten werkzeuges umwerfen, vor allem zu dem zweck, land für den anbau von gewächsen [] herzurichten; vgl. pastinare graben (md. 15. jh.), grauen vel vme don (nd. 15. jh.) Diefenbach gl. 416a; s. v. fossorium spade, om tzo grauen (Köln 1507) ebda 244c; graben die erden auffwerffen, fodere, defodere, fodicare, pastinare Henisch thes. (1616) 1718. A@11) meist in objektloser verwendung. A@1@aa) oft und bereits im frühesten gebrauch verbindet sich mit der konkreten tätigkeit des grabens die vorstellung einer schweren arbeit. in der übersetzung von Luk. 16, 3 für gr. σκάπτειν, lat. fodere: graban ni mag, bidjan skama mik got. bibel 1, 145 Streitberg; ih ni mag graban, betolôn scamên mih Tatian 108, 2 Sievers; graben mag ich nicht, so scheme ich mich zu betteln Luk. 16, 3; Weise erznarren 46 ndr.; bei ihnen heiszt es: graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln Jahn w. 2, 954 Euler. freier: bistu aber swach worden, vnd kanst nitt mer penitentzliche werck wirken, so du nu nit magst graben, nit bescham dich zu beetlen Keiserserg predigen teütsch (1508) 39b. aus dem biblischen gebrauch gelöst: das graben wird ihm saur, zum handwerk taugt er nicht Rachel satyr. ged. 64 ndr.; er erkundigte sich vorher sorgfältig, ob er auch in seiner einöde täglich frisches brodt bekommen könne; ... ob man ihn nicht nöthigen werde zu graben oder holz und wasser zu tragen Zimmermann einsamkeit (1784) 1, 228. sprichwörtlich: der soll graben, der essen haben will Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 222b. A@1@bb) ohne besonderen akzent von der tätigkeit des umgrabens: prouidentia uueiz tiu ding sament, fatum recchet siu einzen; uuanda dâr einêr fore begrûob, tarazûo hafta fatum; daz anderêr sîd târ grûob, zûo dîen zuein hafteta be nôte diu inuentio dritta Notker 1, 309, 16 Piper; ebda 308, 30; dede wir (dem ackerland) keyne bezzerunge an myst, dunge adir an grabin, da suldin sie uns dar fuor duon als des landis gewonheyt ist (1339) hess. urkundenb. 2, 477 Wyss-R.; das fúcht ertrich ain wenig gegraben ist nútz der inlegung (der weinstecklinge) Österreicher Columella 1, 214 lit. ver.; herr, las jn (den unfruchtbaren feigenbaum) noch dis jar, bis das ich vmb jn grabe, vnd betnge jn Luk. 13, 8; spahte ... ist ein werckzeug, damit man grAebet Gueintz rechtschreibung (1666) 136; und dann kommst du auf's krautland und gräbst Göthe I 17, 253 W.; ich werde heut nachmittag in ihren garten kommen und graben helfen Fontane ges. w. I (1905) 5, 134; die mutter grub noch immer ... die hälfte des ackers war bereits umgeworfen Gerhart Hauptmann d. ges. w. (1942) 1, 249. A@1@cc) neben anderen verben: gartner ..., der selb ... in dem felde vnd in den äckern mit graben mit pflantzen vnd mit wässern arbait hatt Niclas v. Wyle translat. 276 Keller; wie nütz sey ackeren vnd graben Petrus de Crescentiis v. ackerbaw (1531) 17a; weil wir seind kein leibeigen knecht, vnd gleichwol ohn alles verschonen also sollen graben vnd fronen Ayrer dramen 300 Keller; man egt, man gräbt Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 15; das erntefest habe ihm zwar ganz wohl, das bebestellen hinterdrein, pflügen, graben und abwarten keineswegs gefallen Göthe I 25, 1, 2 W.; ich will ... pflügen und graben Fontane ges. w. (1905) I 6, 147. redensartlich: graben und hacken macht (gibt) schmale backen Fischer schwäb. 3, 780. A@1@dd) mit adverbialer ortsbestimmung (präposition mit dativ): das ich dich nit ersech im acker graben Terenz deutsch (1499) 69a; (sie) wären gewahr worden, dasz in dem gärtgen nur gegraben gewesen Thomasius ged. u. erinn. (1720) 1, 7; (Amadeus) erinnerte sich, wie er als kind im garten gegraben hatte E. Wiechert missa sine nomine (1950) 555. A@22) transitiv mit dem akkusativ der sache, die erde, das feld u. ä. graben; vgl.garten graben hortum pastinare [] Henisch thes. (1616) 1718; Stieler stammb. (1691) 687: und (der mensch) sol rechte tuon also der ackerman der ... keret sin ertterich umb und grebet es mit grossem flisse Tauler pred. 97 V.; in dem mertzen sol man die newen weingAerten graben, vnd gleich als ein puluer jr erdtrich klein machen Petrus de Crescentiis v. ackerbaw (1531) 46b; mit einer grabschauffel, als ob er ... das erdtrich grube Paracelsus opera (1616) 2, 571; wie könnt ihr euch so wunderlich behaben, als wolltet ihr des nachbarn weinberg graben? Göthe I 4, 286 W.; (Amadeus) wuszte nicht mehr, dasz es eine erde gab, die man nicht zu graben oder fortzukarren brauchte (wie im kz) E. Wiechert missa sine nomine (1950) 63. als objekt kann auch eine maszangabe fungieren: item 5 m. ane 2 scot (gezahlt) vor 60 zeil zu graben uf des meisters rosgarthen (1399—1409) Marienburger treszlerb. 7 Joachim; anders mit neigung zu B, aufgraben: we dar de straten graft vnde maket des nicht weder to van stunden an, de breckt 3 mark (Flensburg 15. jh.) d. d. jütischen low verwandten stadtrechte 77 Thorsen; ebda 192; derhalben ist vor alten zeiten in Italia durch gesatz verbotten worden, daz keiner des ertzes halben die erden grübe, die fruchtbaren feld sampt den weinbergen vnd ölgärten verwüste Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 6; und (Amyntas) hub an, einen starken damm vor den baum hinzubauen, und grub frische erde S. Gessner schr. (1777) 1, 39. BB. die nord- und wetsgerm. sprachen (für das gotische nur in zusammensetzungen bezeugt: bigraban περιβάλλειν, ufgraban, usgraban) kennen gebrauchsweisen des verbs, denen gemeinsam ist, dasz sich die tätigkeit des grabens als ein eindringen in die tiefe des erdreichs darstellt. freilich vermag graben diese tätigkeit kaum prägnant, in intransitivem oder absolutem gebrauch, zu bezeichnen (1). differenzierte anwendungsmöglichkeiten gewinnt das wort erst dadurch, dasz es über die blosze tätigkeit des grabens hinaus auf etwas zielt, das durch das graben in die tiefe betroffen oder erzeugt wird (2; 3; 4). hier begegnet neben der vorherrschenden transitiven eine intransitive verwendung, bei der geeignete präpositionale bestimmungen an die stelle des akkusativobjekts treten. in erweiterung einzelner anwendungsweisen und vor allem fester wendungen des eigentlichen gebrauchs bilden sich zu verschiedenen zeiten und in unterschiedlicher art uneigentliche und übertragene gebrauchsweisen heraus, die ihrerseits eine eigene weiterentwicklung erfahren können. B@11) die bedeutung 'in die tiefe graben' eignet dem verb nicht unmittelbar; es gewinnt diese spezifische färbung erst aus dem weiteren zusammenhang, besonders mit hilfe bezeichnender adverbialer bestimmungen. der hier in frage kommende intransitive, manchmal auch absolute gebrauch scheint erst unter voraussetzung des meist transitiven gebrauchs unter 2 und 3 ermöglicht zu sein; in den selteneren anwendungen unter a und b kann allerdings auch der gebrauch unter A den ausgangspunkt bilden. B@1@aa) tief graben: ane sin (des richters) orlof mut man wol graven also diep, also en man mit eneme spaden upgeschieten mach die erde Sachsenspiegel, landr. 3, 66 § 3 Homeyer; Constantinus der herre gut grub und grub also tief (beim bau des münsters) passional 71, 1 Köpke; was schetzend wir also tieffer zuo graben, so wir die reb mit als ainer nidren mAvsz inlegend? Österreicher Columella 1, 230 lit. ver.; er ist gleich einem menschen, der ein haus bawete, vnd grub tieff, vnd legete den grund auff den fels Lukas 6, 48; grab' mal fünf fusz tief? was ist da dann? was? ... thon, mein junge! eine mächtige schicht vom feinsten thon! Frenssen Jörn Uhl (1917) 469. vergleichbar: sie gräbt noch ein stück tiefer Werfel Bernadette (1948) 204. B@1@bb) mit kennzeichnenden präpositionalen ausdrücken. [] B@1@b@aα) (bis) auf, zu etwas graben: sîn (des Marienlobs) ende ich nimmer vünde und grüebe ich ûf den dillestein (das fundament der erde) Konrad v. Würzburg d. goldene schmiede 33 Gr.; also grueb man gantz und gar bisz auf den grund des nidergefallnen turns und zoch die grosze stain alle herausz (Augsburg 15. jh.) städtechron. 5, 320; (die das wasser darstellende jungfrau) sprach, wa ir binzen finden, da graben zuo der wurtzel, da finden ir mich, da bin ich daheim Pauli schimpf u. ernst 17 Ö.; und als man nun grub zu dem grundt, den tempel drauff zu bawen Hans Sachs 15, 463 lit. ver. in übertragener anwendung, etwas unterhöhlen, zum einsturz bringen; vgl. 5 b α: name der ... teüffel, die aller Aergesten ausz der kirchen ..., denen auch bewiszt der kirchen heymligkait, damit er jhr deszter basz kündte zum grund graben, brauchet er sie für seine offentliche diener J. Nas evang. warhait 2 (1570) 126. B@1@b@bβ) mit unter: der zustand, da der mensch unter sich graben und über sich fliegen lernte Herder 13, 50 S. vgl.: eine paraque ging in brandt; die leütte im hausz wolltens verhehlen, gruben unten nunder undt meinten, den brandt zu leschen Elisabeth Charlotte v. Orléans br. (1719) 6 Holland. B@1@b@gγ) etwas häufiger in mit akkusativ: man grebt in das ertrich Seb. Münster cosmogr. (1550) 4; man grub daher in die erde und fand drei aus gediegenem silber gearbeitete bildsäulen br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 13. uneigentlich: dan wann man jm (dem raffgierigen, der das gold nicht nur in säcken, sondern auch im munde fortträgt) ins chrysostomisch oder guldenmaul grüb, so käm man darnach bald inn magen, da fänd man, das nicht alles gold sei, was gleiszt Fischart w. 3, 98 Hauffen. B@1@cc) ohne kennzeichnende bestimmung. die bedeutung 'in die tiefe graben' ist an nebenvorstellungen gebunden, die sich aus dem zusammenhang der rede ergeben. B@1@c@aα) graben mit dem zweck, etwas zu suchen und zu finden (vgl. 2). adverbiale bestimmungen dienen hier keiner kennzeichnung wie unter b, sondern bloszer ortsbestimmung: ther thia einûn (ein talent) intfieng gieng inti gruob in erda (fodit in terra) inti gibarc scaz sînes hêrren Tatian 149, 2; als sie nun begunden zu graben (um Eulenspiegel auszugraben), da was er gleich faul (1515) Eulenspiegel 144 ndr.; nim die wurtzel, so bald du kanst (dann je bAelder sie nach dem graben geschnitten vnd bereit wrdt, je besser es ist) Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 188; von der Sachsen silberbergen kam nun eine tapfre schaar, die im graben wirklich kunstreich, und im wühlen ämsig war Schönaich Heinrich d. Vogler (1757) 90; Toby ... begann emsig zu graben, aber die groszen wurzeln (des baumes) ... lieszen ihn nicht recht von der stelle kommen Fontane ges. w. (1905) I 6, 248. bezeichnenderweise meist in lockerer verbindung mit finden oder sinnverwandten verben: Egyptii gruôben unde suôhton scaturigines aquarum, sie funden aber sanguinem pro aquis Notker 2, 318, 17 P.; niwan ein wenic er do grub, alzuhant man da entsub, wie sich daruz ein wazzer hub als ein richlich gesprinc passional 663, 49 Köpke; alda grub er und fand ain schacz von gold Steinhöwel Äsop 61 lit. ver.; auch gruben Isaacs knechte im grunde, vnd funden daselbs einen brun lebendiges wassers 1. Mos. 26, 19; es kamen aber meine durstige Deutschen, welche an vielen orten brunnen zu finden gruben, auf eine ... wasserleitung Lohenstein Arminius (1689) 1, 485a; grabt in der mine, so findet ihr gold Sturz schr. (1779) 1, 187; er hielt leute, die für ihn sammelten und gruben Justi Winckelmann (1866) 2, 1, 129. B@1@c@bβ) seltener für das blosze ausheben von vertiefungen (vgl. 4): dar heft he (der totengräber) overich vul lOen [] ane vor sin arbeyt to gravende, grote und cleyne graff to makende (1452) urkundenb. d. st. Hildesheim 7, 68 Doebner; vnd sonderlich in ewer stad, man tAeglich viel zu graben hat (um gräber für die toten anzulegen) Rollenhagen froschmeuseler (1595) G 2a; es meldete sich ein ehrlicher mensch zum todengräberdienst; weil er sah, dasz er zum graben so wenig als zum predigen geboren war, so wurde er ein küster Hamann schr. 1, 453 Roth; nun grub der gute bärenhäuter sehr emsig (ein loch für den bären) Brentano ges. schr. (1852) 5, 477. anders, vgl. einen ähnlichen transitiven und präpositionalen gebrauch unter 5 c α: da macht es die mutter zur strafe dem knaben, den weg durch die (schnee-)mauer zu brechen. da musz er nun schaufeln, da musz er nun graben Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 166. B@22) das verb ist, seiner bedeutung und der syntaktischen konstruktion nach, auf gegebenheiten gerichtet, die durch die tätigkeit des grabens gewonnen werden; etwas (aus der erde o. ä.) graben, nach etwas graben 'etwas ausgraben, suchen'. die sehr häufige transitive fügung mit dem bloszen akkusativ der sache (s.a) ist, wohl in anlehnung an ebenso konstruiertes lat. fodere, bereits ahd. bezeugt, während die konstruktion mit präpositionalem ausdruck (nach etwas graben, s.c und unter 3) erst für das mhd. nachweisbar ist. dagegen scheint das ae. in dieser anwendung nur die präpositionale konstruktion zu kennen; vgl. se forma feohʒitsere ... grof aefter golde (vor 1000) bei Murray engl. dict. 4 (1901) 375b s. v. grave. in anord. quellen sind beide fügungsweisen bezeugt; vgl. víat sniglar hafa gull mitt allt grafit Gautrekssaga 10 Ranisch; grafa til vatns bei Cleasby-Vigfusson iceland.-engl. dict. 210b. B@2@aa) mit dem bloszen akkusativ der sache für das durch graben gewonnene, zu tage geförderte. B@2@a@aα) in der erde befindliche dinge ausgraben, besonders bodenschätze wie erze, kohle abbauen; vgl. fodere argentum silber graben Frisius dict. (1556) 573a; ertz graben fodere metalla Henisch thes. (1616) 1718: zi nuzze grebit man ouh thar (bei den Franken) er inti kuphar, joh bi thia meina isine steina Otfrid I 1, 69; mit wess gunst man golt grebet (1217) in: dt. rechtswb. 4, 1043; auf dem gepirg und dâ pei, dâ man salzerz grebt Konrad v. Megenberg buch d. natur 112 Pf.; als man silber grebt Tauler pred. 150 V.; wa man bei solchen bAedern schwebel grebt Ryff spiegel u. regiment d. gesundth. (1544) 119b; wem sind nicht bekandt die vielen metallen so in Schlesien gegraben werden Prätorius blockes-berges verrichtung (1668) 80; auf dem Dürnberg, da man jetzt ... aertzt grabt vnnd arbaith Lori baier. bergrecht (1764) 35; eisen war theuer, aber es wurde von den östlichen stämmen (der Germanen) gegraben und geschmolzen G. Freytag ges. w. 17 (1888) 68. selten von einem maschinellen graben: zuweilen kommt aber doch ein erwachsener und fragt (den Dummhans, der mit einem bohrer in der heide kies sucht): 'gräbst du gold?' dann sagt er: 'ich suche sand; aber ich finde ihn nicht' Frenssen Dummhans (1930) 342. auf vergleichbare dinge bezogen: Jhesus aines tages gieng mit andren kinden fúr das tor uff ainen aker, was da vor, und fundent da gegraben lain geberret ligen allain Wernher Marienleben 5249 Päpke; en stucke phanes (moor) dar men eede (torf) uppe graven mach (ostfries. 1415) in: dt. rechtswb. 4, 1043; nur der erbzinsmann darf steine brechen, lehm graben, holz hauen Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 5, 366. schätze, geld graben: trisiuuet iu treso in himile, thar noh rost [] noh miliuua iz ni furmelit noh thioba ni grabent (effodiunt) noh ni furstelent (Matth. 6, 20) Tatian 36, 1 Sievers; wir (die fahrenden schüler) kön warsagn und schätz graben Hans Sachs 9, 78 lit. ver.; goldmacherei und lotterie, nach reichen weibern frein, und schätze graben, segnet nie Bürger s. w. 24b Bohtz. uneigentlich: doch heimlich freut vielleicht sich manch geheimer feind, der die gemachte schuld noch zu verleugnen meynt, (über deinen schlechten gesundheitszustand) er will aus deiner grufft verbothne schätze graben, und wenn du stirbst, von dir noch was zu leben haben Pietsch geb. schr. (1740) 285; dieses (hohe ämter) sind die gruben, wo ich geld zu graben hoffe Haller Fabius u. Cato (1774) 141. B@2@a@bβ) erdfrüchte, pflanzen, besonders heilkräuter ausgraben; vgl. radicare wurzeln graben Diefenbach gl. 482c; kräuter graben eruncare herbas Dentzler clavis germ.-lat. (1716) 139a: batonje sô ist ez (eine pflanze) genant und grabent altiu wîp Neidhart 187, 4 Wiessner; der mit sin negeln der hend in eim steinachten acker wurtzeln grebt Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) k 4b; so wer mir weiter nicht not kräuter zu graben buch d. liebe (1587) 158b; grabe hirschwurtzel ... im meyen zwischen den 2. frauentagen M. Böhme vieh-artzney (1682) 20; doch warnen musz ich — fliehe diesen baum, bleib nicht allein, und grabe keine wurzeln um mitternacht, bereite keine tränke Schiller 13, 177 G.; (der wettermacher) wuszte ... wann es zeit sei, seine wurzel zu graben H. Hesse glasperlenspiel (1943) 2, 257. in älterer sprache häufig rüben graben, meist mit dem nebensinn, dasz es sich um eine schwere und verachtete arbeit handelt: diu næhste rüebe in mînem garten grüebe, diu tanze ûf mîner slâ Neidhart 43, 23 Wiessner; bî dem (bauern) muostu niuwen, dehsen, swingen und bliuwen und dar zuo die ruoben graben meier Helmbrecht 1361 Panzer; her hauptman, ich gedenck vil mehr, er (ein israelischer hauptmann) wöll auff dem berg ruben graben, das sie ein weil zu scharren haben. von kriegs wegen sinds nit auszzogen Hans Sachs 10, 137 lit. ver. redensartlich: den schwachen laszt ir rüben graben (behandelt ihn verächtlich) Heinrich v. Neustadt Apollonius 342 Singer; es ist bös rüben graben mit kappen, zypffeln, als man saitt (zu jeder arbeit gehört das richtige werkzeug) liederb. d. Hätzlerin 282 Haltaus; eid schwern ist leichter, denn ruben grabn Hans Sachs fastnachtsp. 3, 138 ndr.; Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 157a; Lehman floril. polit. (1662) 2, 946. anders: mit der nase rüben graben (von leuten, die sich das gesicht beschmutzen oder die häufig hinfallen) Stieler stammb. (1691) 1609. in jüngerer mundart stumpen graben 'baumstümpfe roden', übertragen für 'sehr schwere arbeit verrichten' bei Fischer schwäb. 3, 780. vielleicht bezeichnet auch absolutes graben als forsttechnischer ausdruck prägnant das roden von stümpfen: das sie (die unterforster) recht haben zu duwen holz, zu meszigen wintfellen, zu kin, zu graben, zu heid und wipfeln (Oberpfalz 1410) weist. (1840) 6, 111. B@2@a@gγ) in der beziehung auf tiere. (eszbare weinberg-) schnecken graben: auch das kainer dem andern kaine schneggen zu schaden grab (1570) österr. weist. 5, 289; (sie) fiengen frösch, krebseten, gruben schnecken Fischart Garg. 304 ndr.; im winter grub sie schnecken [] Grimmelshausen Simpl. 318 Sch. besonders im hinblick auf jagdbares wild, das durch aufgraben seines baues gefangen wird: der hof will schlechterdings haben, dass unsre kavaliere noch zu etwas mehrerm zu gebrauchen sind, als füchse zu graben Rabener s. schr. (1777) 4, 132; und wer schneeglöcklein graben will und hat das glück dabei, der gräbt wohl einen bären aus und gräbt auch ihrer zwei Scheffel ges. w. (1907) 2, 159; einen dachs graben 'durch anbohren im bau fangen' Fischer schwäb. 3, 780. sprichwörtlich: er sieht aus, als habe er mäuse gegraben (von einem beschmutzten menschen) Schellhorn sprichw. (1797) 64. B@2@a@dδ) von γ her mundartlich in übertragener anwendung, ein liebespaar bzw. einen ortsfremden liebhaber im hause der geliebten belagern und ausheben: d's Zedi und der Jogg sind ulängst an-ire samstignacht van den ledegen g'graben worden in: schweiz. id. 2, 683. B@2@bb) mit adverbialer ortsbestimmung neben dem akkusativ der sache; in vornhd. zeit nur vereinzelt, dann häufiger. B@2@b@aα) in der beziehung auf bodenschätze, pflanzen u. ä. wie unter a: uuer uuas îo daz, ter êristo grûob ûzer erdo gold unde gimmâ (qui primus fodit pondera tecti auri gemmasque) Notker 1, 98, 11 Piper; item 4 scot vor 2 spaten, do mete man die steyne us der erden hat gegraben (1399—1409) Marienburger treszlerb. 247 Joachim; (metalle,) die syn lüt usz den bergen gruoben Steinhöwel de claris mul. 19 lit. ver.; wo man das silber aus der erden grebet, do findet man hundert tausend menschen, die es einen schatz nennen Luther 47, 227 W.; des krauts mandragora wurtzel ist von natur eben so formiret, als ein kleiner nackender mensch, die graben diese betrieger aus der erden Joh. Prätorius saturnalia (1663) 160; man gräbt einen unförmlichen stein aus der erden vernünft. tadlerinnen 1, 340 Gottsched; an einem gebirge, aus dessen einer seite sie eisen, aus der andern kupfer graben Ritter erdkunde (1822) 1, 102; die gelben brüche, aus denen man den lehm für die nahe ziegelei gräbt A. Supper holunderduft (1910) 130. sprichwörtlich: geld grAebt man ausz der erde, vnd vergrebt es als bald wider in den kasten, vnnd das hertze mit Petri d. Teutschen weiszh. (1605) E e 8a. in bildlichem zusammenhang: (Christus spricht:) ain yetlich zwy, das da nit ist gezwigt von minem vater oder gefrigt, das sol man die lenge nit behaben, sunder usz dem ertrich graben schausp. d. mittelalters (1846) 2, 208 Mone; anfertigung des röm. bienenkorbes: der mörtel ... vermengt ... mit sand, der ausz der zerfallenen gruben menschlicher superstition oder aberglaubens gegraben wird, wol vndereinander gearbeitet Fischart binenkorb (1588) 261a. B@2@b@bβ) über a hinausgehend auch in anderen, mehr gelegentlichen, z. t. persönlichen beziehungen: und wenn man erde oder rasen aus dem selbigen wasser oder teich gräbet und setzets in ein ander wasser, so wachsen aus derselbigen erde fische Luther tischr. 6, 41 W.; vil fuoszknecht seindt gefunden worden bei dem see Copidem genant, alda seindt die verstorben leichnam ausz dem schleym gegraben Carbach Livius (1551) 246a; eh die nachwelt meine gebeine aus dem kirchhof eines herzogthums gräbt, soll sie sie auf dem rade zusammenlesen Schiller 3, 157 G.; (ich) grub eine marmorne heldenschulter aus dem schutt Hölderlin ges. dicht. 2, 74 L. B@2@b@gγ) die wendung jemanden oder etwas aus der erde graben (wollen), in konjunktivischer oder futurischer umschreibung, kann im älteren nhd. als komplexes bild das meist einem anderen unterstellte dringende verlangen ausdrücken, gegenwärtig verachtete personen oder einrichtungen wieder zu ehren zu bringen und sich nutzbar zu machen: o wenn wyr wisten, was straff solch willige [] scham rodt fur keme und wie gnedigen got sie machet, das der mensch yhm tzu ehren sich selb szo vornichtiget und demutiget, wyr wurden die beycht ausz der erdenn graben und ubir tausent meyl holen Luther 8, 176 W.; jha, man wird ihnen (einen frommen prediger) zehen ellen tief aus der erden graben ... wollen, welchen man itzt nicht leiden kan (1530/32) ebda 33, 576; jetzt, weil ich (Christus) hie bin ..., so wolt ihr mich nicht haben ... aber wen ich hinweg kommen werde, so werdet ihr mich hundert ellen tief wollen aus der erden graben. aber ihr werdet mich nicht ein harrbreit finden (1530/32) ebda 33, 574; ihn (einen verstorbenen rektor) würde Torgau, gieng es an, mit nadeln aus der erde graben, und könnt ihn Hirschberg wieder haben, man wendete wohl noch mehr dran Stoppe Parnasz (1735) 374. ähnlich in mehr abstrakter fassung: warum ist das liecht gegeben den mheseligen, vnd das leben den betrbten hertzen? (die des tods warten vnd kompt nicht, vnd grben jn wol aus dem verborgen, die sich fast frewen vnd sind frölich, das sie das grab bekomen) Hiob 3, 21. in indikativischer form für den bloszen sachverhalt: du (Erasmus) hast yn kurtz vergangner zeit die ... gestorbene gotselikeyt, mit deinen schrifften, gleich als mit negeln, widerumb ausz der erden graben, das evangelium wider an tag bracht (pietatem refodiebas) Hutten opera 2, 216 B. B@2@b@dδ) uneigentlich im sinne von 'herausreiszen, hervorholen' von tätigkeiten, die dem ausgraben lediglich vergleichbar sind. dem eigentlichen gebrauch sehr nahe stehend: ein ort do man die wetzstein grabt oder auszbricht Calepinus dict. (1579) 352b s. v. cotaria; wie die Witzenbrger einen mlstein gruben und einer darmit hinweg lieffe (überschrift). es haben die bauern ... in einer steingruben einen stein gehauen grillenvertreiber (1670) 137. im älteren gebrauch meist im sinne einer gewaltsamen handlung: doch getorstest dû die ougen dîn eir ûz dînem kopfe graben, eir dû in (Tristrant) torstest jagen Eilhart v. Oberge 6875 Lichtenstein; (1498) Tristrant u. Isalde 148 Pfaff; man süll zum ersten die schaben vsz der hüle mit ainer nadeln graben Mynsinger v. d. falken 27 lit. ver. in abstrakter bedeutung: got wil uch im zu dienste haben. nu sult ir von dem herzen graben und uch reinegen damite swaz an uch ist alder site väterbuch 31506 Reissenberger; ich hab in ... ausz meinem hertzen gegraben und erkenn ihn für keinen son mehr Wickram w. 2, 37 lit. ver. jünger mehr bildhaft anschaulich in unmittelbarer anlehnung an den eigentlichen gebrauch: nun zupfte sich der polizeimann die handschuhe ab, grub das notizbuch aus der brust und tat etwas, was man 'zum protokoll schreiten' zu nennen beliebt Steguweit d. törichte jungfrau (1937) 52. B@2@cc) in der präpositionalen konstruktion nach oder auf etwas graben ist der nebensinn des suchens betonter als unter a gegeben. diese fügung ersetzt gelegentlich diejenige mit dem akkusativ der sache: aber alle Egypter gruben nach wasser vmb den strom her, zu trincken 2. Mos. 7, 24 gegenüber: wann alle die Egiptier die gruoben das wasser durch den vmringe des flosz das sy truncken erste dt. bibel 3, 241 Kurr.; vgl. auch das kompositum nachgraben: samlet euch aber schetze im himel, ... da die diebe nicht nach graben noch stelen Matth. 6, 20 gegenüber Tatian 36, 1 Sievers (s. unter a α). mit sicherheit erst seit dem mhd. nachweisbar: daz man nâch dem wazzer muoz tiufe graben manigen fuoz Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3471 Weinhold; und (Ypolitus) hofte ouch na dem gute, darnach der keiser also grub passional 380, 73 Köpke; [] do gruoben Allexanders man nach dem schacz har und dan (var. B; hs. 15. jh.) Lamprecht Alexander 3547 Kinzel; gleych wie man ynn eyner zustOereten stad ynn der asschen nach den schetzen und kleynoten grebt (1524) Luther 15, 50 W.; alle drey und vier jahr wird nach dem sssen holtz gegraben Hohberg georg. cur. (1682) 2, 68a; ich sah die armen knaben drauf in die wälder gehn, nach wilden wurzeln graben, das war hart anzusehn Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 192; selbst die rohen Athabaskenstämme haben auf kupfer gegraben Peschel völkerk. (1874) 459. sprichwörtlich: wo man gold graben kann, gräbt man nicht nach silber Wander sprichw. 1, 1795. uneigentlich wie b δ: (der bader) mit einem instrument anhub und wider nach dem doren (im fusz eines mädchens) grub Hans Sachs 17, 274 lit. ver. B@33) in mehr oder weniger engem anschlusz an einzelne punkte des eigentlichen gebrauchs unter 1 und 2 wird graben auf ein geistiges streben und suchen übertragen. B@3@aa) nach einer sache streben, mit der präposition nach oder auf, besonders mhd.: vernim, wie sich daz hüebe, daz ê mîn herze grüebe nâch dîner werden minne Konrad v. Würzburg Partonopier 1770 Bartsch; daz Hector, der küene, dô nâch hôhem prîse tiefe gruop ders., trojan. krieg 4007 Keller; er were hie oder dort, ... so was er dran ie balde daz er grub uf wisheit passional 402, 21 Köpke. vgl.nach unglück graben unt. 4 c β δδ am ende. ohne zusammenhang mit dem älteren gebrauch als spontane bildprägung: wenn so ein musje von, sich da und dort, und dort und hier (in der liebe) schon herumbeholfen hat ..., schmekts meinem guten schluker freilich, einmal auf süsz wasser zu graben Schiller 3, 357 G. B@3@bb) im sinne von 'forschen, nachforschen'. die von C her verständliche vorstellung eines intensiven eindringens, eines intellektuellen bohrens ist meist mitgegeben; vgl. die stärkere ausprägung dieser bedeutung in der schon ahd. bezeugten iterativbildung grübeln (teil 4, 1, 6, sp. 612). B@3@b@aα) absolutes graben begegnet namentlich in älterer sprache: ich enkan nindert vinden an dem man ein rechte sache swaz ich grabe d. alte passional 67, 36 Hahn; der gute man begonde graben unde biten harte vlizeclich daz er (ein in sünde gefallener mönch) vor im niht burge sich väterbuch 15 706 Reissenberger; sic nemo illa profunda scripturarum videt, und wen man anhebt zu graben, so kan man sie nit gnug erauszgraben Luther 14, 269 W. jünger noch in spontanem bildgebrauch: aber der dichter hätte diesen schlüssel grösser machen sollen, er ist zu klein. ein kritiker, der gräbt und schaufelt und umhersieht, konnte ihn wohl finden Börne ges. schr. (1829) 1, 190. in der verbindung mit tief in nhd. zeit häufiger: kain maister sol darümb nit diefer graben fastnachtsp. 2, 694, 13 Keller; gräbt und ahndet es (das herz) nicht tiefer und bringt gleichsam das unsichtbare ans licht? Herder 15, 151 S.; doch hab ich leute unter ihnen gefunden, die tiefer gruben und gründe aufsuchten Schubart leben 1 (1791) 224; es sollte ein besonderer hymnus auf Rosenberg, den philosophen und künder der reinen lehre sein, der tiefer grabe und höher hinauflange als Goebbels Klemperer l. t. i. (1949) 255. [] B@3@b@bβ) mit angabe des bereichs, in dem geforscht wird: also lange er (der priester) an ir (der unruhe der mönche) grub untz daz ir iegelich entsub wie er in houbt sunden lac väterbuch 11029 Reissenberger. oft im zusammenhang ausgeführter bilder. von der vorstellung eines zielgerichteten forschens her, mit präpositionalem akkusativ und häufig mit adverbialem tief: nim vur dich, du tummer man, prufe und grab mit sinnes grabestickel in die vernunft d. ackermann a. Böhmen 8 Hübner; welches die ... folge hat, dasz er gerade in die fundgrube der sprache nur so tief gräbt, als seine Berl. vorgänger vor ihm gegraben hatten Gerstenberg rezensionen 4 lit.-denkm.; o ihr dreymal seligen erdbewohner, die ihr mit eurem verstande nur bis dahin grabet, wo gold- und silberadern anzutreffen sind Heinse s. w. 3, 108 Schüddekopf. in die tiefe graben: (Goethes 'Wilhelm Meister') bereitet sich gleichsam schon vor, in die äuszersten tiefen des innern menschen zu graben Athenäum (1798) 1, 2, 170 Fr. Schlegel. in reflexiver fügung, von D 2 c her: die geschichtsforschung wandte der neueren zeit den rücken und grub sich in die urgeschichte, wohin sie die mythologische forschung der philologen wies Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 574. erst jünger, von einer mehr statischen auffassung her, mit präpositionalem dativ: dir im innern lieget edelgestein und gold; da grabe in den grüften Herder 27, 29 S.; Leszing grub in den schätzen seiner bibliothek und fand, was man in bergwerken findet, gold- und erzadern, silber und steine ebda 5, 265; sie kommen aus der musen stillen stuben, wo sie in ernster weisheit schachten gruben Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 28; in dieser welt des geistes mit allen fasern zu graben und zu arbeiten E. Wiechert d. Jerominkinder (1945) 123. B@3@b@gγ) mit angabe des gegenstandes oder des zieles, nach dem geforscht wird. älter gelegentlich mit richtungsadverb: da fellt dir zorniger gedannck ein, du suochst die selben floch (d. h. gedanken, die dich wie flöhe quälen), das ist, du gedennckst jm nach, du griblest vnd grebst ymmermeder hinnach Keisersberg granatapfel (1510) c 6c; man mus aus der schrifft den rechten schatz, den kern ... nemen, welches ist das exempel des glaubens und der liebe, darauff sol man sehen, wo es gott heraus geschrieben hat, da darffest du nicht tieff darnach graben (1524) Luther 16, 72 W. mit abhängigem satz: der keiser wart do vurbaz graben wer der bischof were passional 17, 54 Köpke; ob der richter merckte, das ein gezeuge stammelnde seine aussage angebe, sol er ... fleissig darauf mercken vnd darnach graben, ob der gezeuge falsch oder gerecht sey (1561) in: dt. rechtswb. 4, 1043. mit präpositionalem ausdruck. nach etwas graben: in den negermährchen nach sagen der urwelt zu graben Herder 13, 418 S.; das hochgepriesene grübeln und graben nach neuen vorstellungsarten dürrer und fruchtloser wissenschaft Zimmermann einsamkeit (1784) 2, 42; wir sehen in der gelehrten welt ein rastloses forschen und graben nach neuer kenntnisz Riehl d. dt. arbeit (1861) 284; graben sie in sich nach einer tiefen antwort (1903) Rilke br. (1950) 1, 41. bildlich zu der wurzel graben 'die ursache für etwas suchen': dasz z verhuetung ubels vor allen dingen die ursach desselben hinweck z nemen und also, wie man sagt, z der wurtzel zu graben sein mueszt (Augsburg 1548) städtechron. 32, 79. mit dem bloszen akkusativ der sache, bildlich in engem anschlusz an den eigentlichen gebrauch unter 2 a: ihr werdet alles schön und doch verschieden finden und den zu reichen schatz (der naturwunder) stäts graben, nie ergründen Haller ged. 36 Hirzel; [] Schwabe tintenfässl (1745) 87; wenn wir für nache und noth, für ἀνάγκη und nanciscor nactus scheinbar dieselbe wurzel graben Jac. Grimm kl. schr. (1864) 3, 170. B@3@b@dδ) etwas aus einer sache graben 'eine erkenntnis gewinnen'; von dem eigentlichen gebrauch unter 2 b her in bildlicher vorstellung: mag ich hüt nit die warheit vss dir graben Terenz deutsch (1499) 69a; könnt ich aus deinen augenschächten graben, was mich so seltsam überlegen beugt Fr. v. Unruh ein geschlecht (1918) 42. B@3@b@eε) bei der erst in jüngerer zeit begegnenden attributiven anwendung des part. präs. tritt das intensitätsmoment besonders hervor: den boden zu jenen majestätischen sittlichen gebäuden eben und baufest zu machen, in welchem sich allerlei maulwurfsgänge einer vergeblich, aber mit guter zuversicht auf schätze grabenden vernunft vorfinden Kant 3, 249 akad.; unsere fortwährend grabende phantasie H. Laube ges. schr. (1875) 1, 255; der umsonst nach erkenntnis grabenden philosophie Alverdes dank u. dienst (1939) 74. B@44) graben mit dem ziel, bestimmten zwecken dienende vertiefungen auszuheben; diese erscheinen syntaktisch gewöhnlich als (inneres) akkusativobjekt; vgl. ae. þæt ic grofe græf (vor 1000) bei Murray engl. dict. 4 (1901) 375b s. v. grave; anord. grafa grǫf bei Cleasby-Vigfusson iceland.-engl. dict. 210b. B@4@aa) brunnen u. ä. graben: si gruoben zallen stunden uile harte tieffe brunnen Wiener exodus 100, 10 Hoffmann; d. anegenge in: Hahn ged. d. 12. u. 13. jhs. 1, 45; in welhe weis ich gruob disen brunnen (1. Mos. 21, 30) erste dt. bibel 3, 107 Kurr.; sieben lemmer soltu von meiner hand nemen, das sie mir zum zeugnis seien, das ich diesen brun gegraben habe 1. Mos. 21, 30; daselbst musten die königischen ... im lAeger brunnen graben Rätel chron. d. herzogth. Schlesien (1607) 257; J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 419; meine leute graben mir im park einen artesischen brunnen Fontane ges. w. (1905) I 4, 111. in bildlichem zusammenhang im anschlusz an Jer. 2, 13: sy haben mich gelassen das lebendig wasser vnd haben jn selber gegraben ain cysterne die kain wasser entheldt Tauler pred. (1508) 51c; verlest mich und grebst faule born Zwingli v. freiheit d. speisen 35 ndr.; Spee güld. tugendbuch (1649) 426. B@4@bb) ein grab, im gleichen sinne auch eine grube u. ä. graben. B@4@b@aα) eigentlich: (Joseph) mit der erde dich (Jakob) petrôret, da du dir selbe leger gruobe, ê du dich dannen huobe d. altdt. genesis 5048 Dollm.; daz man ir balde ein grap grabe, swenne ir diu sêle ûzgê Stricker mären 26 Rosenhagen; item 4 scot den zigil ofzu brechen, das grab zu graben und den estrich mit dem zigil wider machen in der kirchen (1399—1409) Marienburger treszlerb. 274 Joachim; und mitleidig grub er mit eignen händen ein grab ihm (dem ertrunkenen) Herder 26, 21 S.; hat dieser kerl kein gefühl von seinem geschäft? er gräbt ein grab und singt dazu Shakespeare 3 (1798) 325; und unter diesem zarten gewebe lag das schweigen der gräber und der jahrhunderte seit den tagen, wo dieser zweig alemannischen volkes sich hier festgesetzt und die erste grube gegraben G. Keller ges. w. (1889) 1, 182. vereinzelt und wohl nur auf grund eines fodere der lat. vorlage '(schon vorhandene) gräber aufgraben': dâ grûben grebere sîne (Alexanders) man, dâ sî zô den stunden inne genûc vonden guldîner nepphe (erant enim in ipsis locis sepulcra mortuorum. et fodientes ibi invenerunt vasa aurea et argentea) Lamprecht Alexander 3547 Kinzel. [] B@4@b@bβ) uneigentlich. jemandem oder einer sache das grab graben 'den tod, untergang bereiten' (vgl. unter c β δδ): wo wird ein schAefersinn zu knsten angestrenget, so, wie zu Jhen (d. i. Jena) gemein? da mancher schAeferstab, indem er knste liebt, grAebt seines todes grab vnd macht sein sterben todt S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 8; die falten meiner stirn, jetzt voller blut, sind königsgrüften oft verglichen worden; denn welches königs grab konnt' ich nicht graben? Shakespeare 8 (1801) 332; so halfen denn jene wilden Obonten ... aus der zeit des dreiszigjährigen krieges dafür auch die staatsgewalt kräftigen, aber gruben eben damit ihrer institution selbst das grab Meinecke Boyen (1896) 1, 184. in reflexiver beziehung (sich) sein (eigenes) grab graben: der bey gewürzter kost und starkem essen lebt, und da sein eigen grab mit seinen zähnen gräbt slg. v. schausp. (1764) 1, 67; vergebliche wünsche graben sich früh ihr eigenes grab Nestroy ges. w. (1890) 5, 25. anders mit präpositionalem ausdruck: schon gräbt der tod an eurer gruft Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 118. B@4@cc) eine grube graben. B@4@c@aα) eigentlich: mit sinen vingerlin es (das Jesuskind) gruob ain grbli vil klaine Wernher Marienleben 3728 Päpke; dass ein grosze, tieffe gruben gegraben werde Kirchhof wendunmuth 2, 347 Ö.; er befahl, eine tiefe grube zu graben, und Anthien nebst zwei groszen hunden hinein zu werfen Bürger s. w. 267a Bohtz. speziell im hinblick auf eine fall- und fanggrube: wenn die jäger ainen pern vâhen wellent, sô grabent si ain gruob Konrad v. Megenberg buch d. natur 163 Pf.; eine mit reisern bedeckte wolfsgrube, die kannte Gockel gut, denn er hatte sie selbst gegraben Brentano ges. schr. (1852) 5, 61. B@4@c@bβ) der übertragene gebrauch der wendung, jemandem in hinterhältiger weise zu schaden, ihn ins unglück zu stürzen versuchen, lebt von der bildhaften vorstellung der grube als einer fall- und fanggrube; vgl. einem ein gruben graben fodere foveam Henisch thes. (1616) 1718; einem eine grube graben insidias alicui struere, parare, moliri Stieler stammb. (1691) 689. die wendung ist in diesem sinne bereits alttestamentlich bezeugt, sie findet schon früh durch übersetzung des lat. vulgatatextes und dann besonders durch die Luther-bibel eingang in die deutsche literatur- und umgangssprache. B@4@c@b@aaαα) in der eingliedrigen formel (jemandem) eine grube graben, gewöhnlich mit persönlichem dativobjekt. in wörtlichem anschlusz an biblischen gebrauch: unz demo sundigen gruôba gegraben uuerde, dâr er in sturze unde furder ûf nestande (donec fodiatur peccatori fouea) (ps. 93, 13) Notker 2, 396, 15 P.; die stolzen graben mir gruben, die nicht sind nach deinem gesetze ps. 119, 85. in der übersetzung sachlich entsprechender, aber anders formulierter stellen des hebr. textes: ists recht, das man guts mit bösem vergilt? denn sie haben meiner seelen eine grube gegraben Jer. 18, 20 (auch die vulgata und die vorlutherischen bibeln haben die wendung an dieser stelle gegen den hebr. wortlaut eingesetzt); ir fallet vber einen armen waisen, vnd grabt ewern nehesten gruben Hiob 6, 27 (der hebr. text hat ו 'ihr grabt, d. i. stellt nach' ohne akk.-obj.; die vulgata setzt entsprechend subvertere nitimini amicum vestrum). aus dem biblischen zusammenhang gelöst: der ... grosse hauffe in der welt ... trachtet wie man Christo eine grube grabe, oder einen kumpff lege Mathesius fastenpred. (1570) 28b; ich sehe es leicht vorher, es wird einigen dieser thörigt vorkommen, welche es der klugheit gemäsz zu seyn erachten, den vorher zu stürtzen, der uns eine grube graben will Wolff ged. v. d. menschen thun (1720) 583; wenn es einem ... auch noch so lang [] glückt, fällt er doch endlich ... in eine grube, die ihm, gott weis wer, gegraben hat Göthe I 37, 129 W. ohne persönliches dativobjekt: (Atropos:) sehen sie da den herzbuben? (Lachesis:) aber die trefdame grabt eine gruben Meisl theatr. quodlibet (1820) 1, 48. B@4@c@b@bbββ) in sprichwörtlicher fassung zur zweigliedrigen formel erweitert in dem sinne, dasz ein einem andern zugedachtes unglück auf den urheber selbst zurückfällt. ebenfalls schon alttestamentlich, aber, wie auch in Luthers übersetzung, noch ohne persönliches dativobjekt: der do grebt die gruobe der velt in sy (qui fodit foveam, incidet in eam; prov. 26, 27) erste dt. bibel 8, 72 Kurr.; wer eine grube grebt der fellt selbs drein spr. 26, 27; Sir. 27, 29; offt einer grebt ein grub, allein sein nechsten zu bringen in pein, unnd zu-letzt felt er selb darein Hans Sachs 5, 84 lit. ver.; ebda 19, 115. gewöhnlich mit dem dativ der person: vil dicke er selbe drinne lît, der dem andern grebt die gruoben minnesangs frühling 22, 32 Kraus; also geschieht gemeinklich allen denen, die ander leüten ein gruben graben unnd zu letst selber darein fallen Schumann nachtbüchlein 59 Bolte; wer sich aus übermuth erhebt, und andern eine grube gräbt, der pflegt zuerst hinein zu fallen Triller poet. betracht. (1750) 1, 558; Brentano ges. schr. (1852) 5, 61 u. ö. auf bestimmte vorgänge bezogen. biblisch: sî indeta diê gruôba, dar si Christum befellen uuolta. unde sî gruôb sîa, unde in diâ selbûn sturzta sî (ps. 7, 16) Notker 2, 19, 25 Piper; sie gruôben mir gruôba, unde siê sturzton darain (ps. 56, 7) ebda 2, 216, 17; ebda 2, 362, 11; er hat eine gruben gegraben vnd ausgefrt, vnd ist in die gruben gefallen, die er gemacht hat ps. 7, 16; ps. 57, 7. auszerbiblisch: dû hâst mir aine gruobe gegraben, dû muost selbe den scaden haben kaiserchronik 7512 Schröder; die groue hetich gegrauin, ich moz dar selue in uarin könig Rother 4528 de Vries; sus in dî grûbe, dî er grûb, der Loket vallis selb entsûb Nicolaus v. Jeroschin 27623 Strehlke; int grueben, die er graben hat, mes er auch schentlich fallen Hans Sachs s. fabeln u. schwänke 4, 148 ndr.; der (ist) selbst in die grube gefallen, so er dir gegraben engl. comedien u. tragedien (1624) F 6b; jeden, der mir eine grube graben wollte, sah ich immer noch selbst hineinfallen Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 252. B@4@c@b@ggγγ) reflexiv sich selbst die oder eine grube graben. wohl unter voraussetzung von ββ, aber, da grube auch im sinne von grab geläufig ist, oft nahezu gleichbedeutend mit übertragenem sich sein grab graben (s. unter b β): manger ein gruobe hât gegraben im selben, daz er sich dar an gar wênic leides versan unz er die wârheit ervant Heinrich v. d. Türlin krone 16 827; ebda 12 003; da grabend jr vnsinnigen tobenden ... euch selb ain gruob vnd fallen darein reformat. flugschr. 1, 112 Clemen; wir graben selber uns die grube, und wissen's alle nicht, ein jeder, der auf seiner stube für volksaufklärung ficht Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 259. sinngemäsz: beweinenswürdig ist des stolzen ende — wann er die grube seiner grösze gräbt Hölderlin ges. dicht. 1, 51 Litzm. B@4@c@b@ddδδ) gelegentlich wird das substantiv der wendung eine grube graben durch ausdrücke ähnlicher bedeutung ersetzt. durch grab (vgl.b β): [] mancher grAebt eim andern ein grab, darein er doch vor selbsten fällt lied. a. d. winterkönig 303 Wolkan. besonders durch abgrund: (er) wurde mit wuth zwischen sich und der schönen Luceja den abgrund gewahr, den seine unvorsichtigkeit selber grub Kretschmann s. w. (1784) 5, 274; es liegt um uns herum gar mancher abgrund, den das schicksal grub Göthe I 10, 229 W. auch in präpositionaler fügung: der ihnen so laut und schrecklich warnend den abgrund zeigte, an dem sie so thätig und rastlos graben, als könnte er sie nicht früh genug verschlingen Klinger w. (1809) 8, 157. ähnlich durch kluft: ihre (der liebe) sympathie fülle die kluft, die ich grub Görres ges. br. (1858) 1, 56. auch abstraktere ausdrücke treten, dem abgezogenen sinn der wendung entsprechend, ein: 'si fren uber sich selbst ein schnell verdamnis'. denn ym ebreischen mag diser text auch also lauten: bis dem got losen das verderben gegraben werde. 'verderben' und 'gruben' fast auff eins stymmet (zu ps. 94, 13; vgl. Notker 2, 396, 15 unter αα) (1526) Luther 19, 590 W.; und so gräbt uns das schicksal einen banquerout (1826) Göthe IV 41, 29 W. auch die deutschen übersetzungen von sprüche 16, 27 gehören wohl zu diesem typus. wörtlich dem hebr. text und dem der vulgata entsprechend: der vngeng mann grebt das vbel (vir impius fodit malum) erste dt. bibel 8, 46 Kurr. seit Luther mit präpositionalem ausdruck anstelle des akkusativobjekts, vielleicht schon in anlehnung an 3 a: ein loser mensch grebet nach vnglck, vnd in seinem maul brennet fewr sprüche 16, 27. ganz von 3 a her verstanden: wer sich in gwalt zu hoch erhebt der grebt jm selbs nach grossem vnglck Forster frische teutsche liedlein 182 ndr.; grab nit nach unglück, du wirst es finden Dentzler clavis germ.-lat. (1716) 139a. B@4@dd) einen grund, ein fundament graben 'einen baugrund ausheben'; vgl. fundament graben fundamentum, aut fundationes fodere Henisch thes. (1616) 1718; einen baugrund graben fundationes fodere Stieler stammb. (1691) 687: als nun dieselbigen mönche im kloster bauen wollten und das fundament gegraben, da hatte man in der erde zwölf töpfe gefunden Luther tischr. 6, 283 W.; als nun der platz geraumpt vnd ... weitte vnnd grösse abcirckelt ward, fieng mann an gewaltig die gründ zu graben Seb. Franck Germ. chron. (1538) 313b; (die Karthager) disz orts ankamen vnzertrennt, vnd gruben der statt fundament Spreng Äneis (1610) 12a; auf Trinita di Monte wird abermals ein obelisk aufgerichtet ..., der grund wird schon gegraben (1787) Göthe IV 8, 154 W.; (sie) steckten das viereck aus und den schmälern chor nach der morgenseit' und gruben den grund (beim kapellenbau) Mörike ges. schr. (1905) 1, 250. übertragen: es sind die heiligsten, gelehrtesten, erfahrensten männer aller zeiten, die ... ihr (derm.-kathol. kirche) einen grund gegraben und eine brustwehr aufgeführet Göthe I 19, 298 W. B@4@ee) im hinblick auf horizontal verlaufende vertiefungen, einen graben, gang, kanal u. ä. graben. B@4@e@aα) eigentlich: was die maisterschaft gebiet und der bumaister weg ze bessern und graben ze graben (1302, nach einer abschrift von 1700) württ.ndl. rechtsqu. 2, 862; demnach hat der Gnotzamer ... ein greblein ... graben lassen (Nürnberg 15. jh.) Tucher baumeisterb. 218 lit. ver.; die ärme des Niels ... hatte der schaltkönig schon zuvor graben lassen Zesen Assenat (1679) 545; er habe durch ganz Ägypten ungeheure kanäle graben lassen Hegel w. (1832) 9, 208; endlich war es uns gelungen, einen gang zu graben Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 5, 272; er ... grub teiche und flüsse Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 204. [] B@4@e@bβ) in verschiedenen, auf einem bildgebrauch des objekts beruhenden übertragungen: da er ihr (einer verheirateten geliebten) also nicht entsagen, und doch der hölle gern entgehen wollte, so bediente er sich des bekannten seitenwegs, den man in Rom aus gold- und herrschsucht neben der religion gegraben hat, und liesz sich durch absolution seiner sünden die zukunft zusichern Klinger w. 3 (1815) 184; wer stiege nicht gern hinauf zu einer älteren zeit, ... da die völkerströmungen sich ihr selbstgewähltes bett gruben Börne ges. schr. (1829) 6, 51; mein helfer gräbt getreulich seine gänge, doch wär' ich richter, faszt' ich seinen hals G. Freytag ges. w. 3 (1887) 227. B@4@ff) in anderen, mehr gelegentlichen beziehungen: was schiffend auf den wellen schwimmt, und in den erden höhlen gräbet; das alles brennt, das alles glimmt, wenn es der liebe glut belebet Gottsched ged. (1751) 1, 222; einen kleinen keller zu graben Schnabel insel Felsenburg 179 Ullr.; dann hab ich ein loch gegraben zwischen den ... wurzeln der pappel Bettine Brentanos frühlingskranz (1844) 41. in anscheinend kontinuierlicher übersetzungstradition von Matth. 21, 33: inti (der mann) gruob in imo (dem weingarten) calcaturûn (et fodit in eatorcular) Tatian 124, 1; ein man ... pflantzt ein weingarten ... vnd gruob ein presz in im erste dt. bibel 1, 81 Kurr.; es war ein hausvater, der pflantzet einen weinberg, vnd fret einen zaun drumb, vnd grub eine kelter drinnen, vnd bawet einen thurn Matth. 21, 33. B@4@gg) selten mit präpositionaler bestimmung zur kennzeichnung dessen, in das hinein eine vertiefung gegraben wird. als präposition begegnet vereinzelt unter mit dem akkusativ: der liesz im graben mit begerden ein grosse hül undter die erden Hans Sachs 2, 75 lit. ver. meist in mit dem akkusativ: man gräbt ein rundes loch in die erde Kotzebue s. dram. w. (1827) 2, 270; er grub die löcher in die weiche erde G. Keller ges. w. (1889) 6, 159. übertragen: wenn yhr euch denn selbs (in der hl. schrift) also habt wol vnterweyset, so habt yhr schon eyn kunstbrun ynn ewer hertz vnd gedancken ... gegraben, der nymmer mehr ausstrcknen noch versiegen màg Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 189 ndr. B@55) spezielle anwendungen erfährt graben, im wesentlichen an den gebrauch unter 4 anknüpfend, im bereich des kriegswesens. B@5@aa) im befestigungsbau von verschiedenen schanzarbeiten, so der anlage von befestigungsgräben: do grub man einen burc graben dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 34, 15 Diemer; so grept man ainen tieffen graben dar vmb (um das kastell) (14. jh.) Wackernagel altdt. pred. 55; item so man etwan eins lands ort, thal, feldt oder lAeger befestigen wil, ... so grAebt man gleich darvor oder darhinder (dem palisadenzaun), wo es am besten ist, ein graben Fronsperger kriegsb. (1596) 1, 109a. vom aufwerfen der schanzen, vgl. graben, m. A 1 b α 'wall, damm': sie (die Trojaner) hizzen graben irn graben. als iz vf was erhaben ... zv hant wart ir kraft so starg Herbort v. Fritzlar liet v. Troye 1781 Fr.; die (bauern) muoss man zu dem heerzüg haben, splanaden machen, schanzen ze graben N. Manuel 98 Bächtold; der sammlet jeden seltnen stein, ... der sucht nur pflanzen, der dort gräbt schanzen Stephanie s. singsp. (1792) 19. überhaupt auf die errichtung von befestigungsanlagen bezogen: de rad mach de sulven landwere graven laten vestenen unde buwen (Braunschweig 1387) städtechron [] 6, 113; das man nachreyse thue, ader ricke, landtwere graben ader andern fridt machen solle angeverde (15. jh.) weist. (1840) 3, 531. um sich graben 'sich mit wall und graben umgeben': târ Romani herebergotôn, dârumbe grûoben sie sih unde uuurfen dia erda innenân uuider selben den graben Notker 1, 46, 22 P.; in dem frid gruoben die stet umb sich und machten ir mür so si best mochten (Augsburg 1376) städtechron. 4, 48. absolut in dem allgemeinen sinne 'schanzen, an den befestigungsanlagen arbeiten': dieweil er (Scipio) sein wagenburgk schluog vnd befestnen wolt hett Mago vnnd Masinissa der von Carthago hauptleüt, zuo jhnen allen jren reysigen zeüg genommen, überranten die ROemer die weil sie gruoben Carbach Livius (1551) 163b; auff den sontag gruben und schantzten sie Hennenberger erclerung d. pr. landtaffel (1595) 41. rechtssprachlich in dem besonderen sinne, dasz eine allgemeine verpflichtung zu solchen arbeiten besteht: das die vicarier noch pfaffheit ... keinen unpfefflichen dinst der statt ... nicht thon sollent, es sei mit graben, wachen, reiszen (Mosbach 1335) in: dt. rechtswb. 4, 1043 (ebda weitere belege); hat in ain rat sein lebtag gefriet stuirns, wachens, raisens, grabens (1467) bei Fischer schwäb. 6, 2060. B@5@bb) in der belagerungstechnik: B@5@b@aα) gräben gegen befestigungsanlagen vortreiben, besonders in dem sinne, dasz mauern untergraben, unterminiert werden. oft in absolutem gebrauch: die drei fursten ... zogen vor Bocksberg schloss vnd statt vnd nothigten das mit geschutz vnd graben drei wochen lang (15. jh.) Kemnat chron. Friedrichs I., d. siegreichen 51 Hofmann; hebet der feindt an zu graben ... so soll jhr grOester fleisz vnd sorg seyn, wie sie jhme entgegen kommen, vnd tieffer, dann er, einsencken mOegen: oder wie sie im graben etwa gelegenheit mOegen finden, auch ein feur vnd sprengwerck zuzursten, vnd dasselb vnter den feind, wann er zum strmen kompt, anzuznden Schwendi kriegs discurs (1593) 70; ob sich nun wol die besatzung in Falckenaw anfangs sehr muthig erzeigt, ... haben ihnen doch die Sächsische ... mit graben dermassen zugesetzt, dasz ... sie endlich den 1. aprill sich ergeben mssen Abelin theatrum Europäum (1652) 1, 507b. mit präpositionalen bestimmungen. unter etwas graben, für sonst übliches untrennbares untergraben (s. d. II 3 a β); aber vgl. oben 1 b β: hostes suffodiunt cuniculos graben vnder die statt Alberus nov. dict. (1540) A 2a. in mit akkusativ: in des feindes wercke zu graben vnd zulogiren Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 46a. gelegentlich mit dem akkusativ der sache für die unterminierte befestigungsanlage: aber die selben schütten (die aufgeworfenen wälle) werden von den feynden leychtlicher gegraben ... vnd gewunnen, dann die so gemauert vnd fest sind A. Dürer befest. d. stett (1527) F 2a. ein sachlich entsprechender übertragener gebrauch von einem anderen ansatzpunkt her unter 1 b α. B@5@b@bβ) eine mine graben 'eine sprenggrube anlegen'. nur selten im eigentlichen gebrauch; vgl. cuniculum agere, terram suffodere Stieler stammb. (1691) 1278. häufiger auf andere verhältnisse übertragen, wie andere auf dem bildlichen verständnis von mine beruhende und vorwiegend an französischen sprachgebrauch anschlieszende wendungen (vgl. unter mine 2, teil 6, sp. 2236); vorbereitungen treffen, um eine sache zum scheitern zu bringen: grabet minen, pflanzet stcke, brauchet theils gewalt, theils tcke Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 2, 92; ich denke nicht, dasz ich mit seinem freunde rede, der nun wider mich arbeitet, und die minen leicht entkräften kann, die er selbst gegraben hat Göthe I 8, 63 W.; man hat ein paar mal eine überraschung versucht, aber ... keine minen gegraben Ranke s. w. 9 (1876) 250. B@5@cc) im gleichen bereich und in der nachahmung des entsprechenden gebrauchs von lat. fodere bzw. perfodere bildet sich eine anwendung des verbs auf das durchbrechen oder durchbohren einer sache heraus. [] B@5@c@aα) auf das gewaltsame durchbrechen von mauern bezogen. in der wörtlichen nachbildung lat. konstruktion mit dem bloszen akkusativ der sache, im anschluz an Hes. 8, 8: fode tibi parietem krap dir uuant (9. jh.) ahd. gl. 2, 200, 36 St.-S.; sun des menschen grab die wand. vnd do ich het durch graben die wand: ein túr die derschain erste dt. bibel 9, 273 Kurr. gewöhnlich mit der präposition durch; vgl.durchgraben 1 a: (gott spricht zum propheten:) grabe durch die muren in den tempel von Jherusalem Tauler pred. 393 V.; du menschenkind, grabe durch die wand, vnd da ich durch die wand grub, sihe, da war eine thr Hes. 8, 8; die Macedonier ermahnet, die rüstungen an die mauren geführet, durch dieselben angefangen zuo graben Xylander Polybius (1574) 262. vielleicht von hier aus in uneigentlichem gebrauch und in reflexiver fügung: durch den Acheron selbst grub sich Alcides arm. nichts ist sterblichen, nichts zu hoch Herder 26, 227 S. B@5@c@bβ) nur älter, den begriff 'verwunden' veranschaulichend, von der vorstellung her, dasz körperteile (mit geräten, waffen) durchbohrt, durchstoszen werden. prägnant mit dem bloszen akkusativ der sache: si gruôben, daz chit, si durchstiêzzen mine hende unde mine fuôzze (foderunt manus meas et pedes meos) Notker 2, 69, 15 Piper; die knaben haben ... sy ... mit grifflen vnd pfrymen yre glider durchstochen vnd graben Hedio chron. Germ. (1530) 3a. mit der präposition durch; vgl.durchgraben 1 c: vil sêre und ouch vil harte daz swert er ûf ze berge huop. mit deme sluoc er unde gruop Hermanne durch daz hirne Konrad v. Würzburg Partonopier 15 914 Bartsch. dazu, wenn nicht zu graben E, eine nominale ableitung: chirurgus crafo dicitur (10./11. jh.) ahd. gl. 4, 234, 22 St.-S.; vgl. ebda 2, 340, 3. CC. in differenzierten anwendungen für tätigkeiten, die sich dem eigentlichen graben gegenüber mehr als ein scharren, wühlen oder bohren darstellen. entsprechende bedeutungsnuancen scheinen dem verb von alters her zu eignen, wie sie sich z. b. schon ahd. in der iterativbildung grübeln (s. d.) abzeichnen, dazu norw. dial. gruvla 'wühlen, graben (krabbeln)'; vgl. ferner oben B 3 b. prägnanter gebrauch in diesem sinne aber ergibt sich im deutschen erst sekundär im anschlusz an einzelne fügungsweisen des eigentlichen gebrauchs unter A und B. C@11) auf die einem graben vergleichbare tätigkeit von tieren bezogen. C@1@aa) in vereinzelten frühen belegen lateinischer konstruktion nachgebildet, vgl. die entsprechende fügung unter A 2: ([das schwein] pede) prosubigit (terram) grepit (11. jh.) ahd. gl. 2, 638, 49 St.-S.; es (das scharrende rosz) grebt die erd mit den klauwen (terram ungula fodit, Hiob 39, 21) erste dt. bibel 7, 230 Kurr. C@1@bb) mit innerem objekt, unmittelbar an B 4 anschlieszend: nach dem grub die lOewin ein tieffe grube in der insel mit jhren spitzigen klauwen buch d. liebe (1587) 5c; ein loch, wie maulwürfe sie zu graben pflegen A. v. Arnim s. w. 1 (1839) 305; die höhle, welche er (der ziesel) sich gräbt, geht schräg, doch ziemlich steil in die erde Nehring tundren u. steppen (1890) 80. in anderer konstruktion, zu B 2 b stimmend: man sagt, der dachs ... wurzelt, wenn er nahrung aus der erde gräbt Brehm tierl. (1890) 1, 646 P.-L. C@1@cc) prägnant in intransitiver anwendung: solche ... sind keine leute, sonder den wilden sAewen, die allenthalben whlen unnd graben, ... zuuergleichen Lorichius pädag. princ. (1595) 307; cuniculus fodicando facit cuniculos das caninchen machet löcher vnter der erden mit graben nomencl. lat.-germ. (1634) 182; die ... arme (des maulwurfs) erlahmen im wasser ... weniger als beim graben Brehm tierl. (1890) 2, 371 P.-L.; graben heiszt das klopfen des holzwurms (anobium pertinax) Fischer schwäb. 6, 2060. selten mit präpositionaler [] bestimmung. von B 1 b γ her: so die hunde in die erde graben, vnnd am morgen heulen, das zeyget grosz vngewitter an M. Herr d. feldbau (1551) 15a. zu A 1 d stimmend; in bildlichem zusammenhang: und was bei uns im aase gräbt, heiszt adler oder schwan Strachwitz ged. (1850) 23; wer kann hoffen, wenn in des frühlings knospe schon ein wurm gräbt? maler Müller w. (1811) 3, 282. C@22) von verschiedenen wühlenden und bohrenden tätigkeiten des menschen; stets mit adverbialer bestimmung: inn der erden mit dem messer graben, grübelen facere, fodere scrobiculos culto Henisch thes. (1616) 1718; warzu nutzt aber solches grblen vnd graben (mit instrumenten) in der wunden? Würtz wundartzney (1624) 48; grabe dann in deinen nase-lOechern mit den (!) kleinen finger persian. baumgarten (1696) 78b Olearius; da sah er das blasse kindlein auf der erde sitzen und emsig mit den fingern in den dielenritzen graben und wühlen br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 22; Max gräbt sich mächtig im struppigten haar mit seiner hand Hebbel w. 7, 45 Werner. C@33) in absolutem gebrauch in unterschiedlichen beziehungen. C@3@aa) von der wühlenden, aushöhlenden bewegung des wassers: auch sol niemant kain holz slahen vor den güetern, da die guss möcht angeen und das gross wasser, wo das graben möcht oder schaden tuen (16. jh.) österr. weist. 5, 525, 14; entlang der schlucht, in deren tiefen gischtend das wasser grub und brauste Rosegger schr. (1895) I 2, 97; ein offener sarg, herausgespült von der flut mit graben und nagen B. v. Münchhausen balladen u. ritterl. lieder (1922) 117. C@3@bb) im hüttenwesen in der beziehung auf erze, die den boden des schmelzofens angreifen, vgl. Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 143a: wo es (das schmelzen des erzes) aber des sonderbaren grabens im gestübe, auch bingens im ofen, und anderer gefahr wegen über acht tage sich nicht wil practiciren lassen Schönberg ausführl. berginform. (1693) 1, 131; grabende ertze, werden genennet diejenigen, welche hart und unflüszig sind, und wenn das gestübe nicht fest und schwer gemachet worden, so dringt das ertz hinein und verhindert das schmeltzen Minerophilus bergwercks-lex. (1730) 308. C@3@cc) mundartlich 'vom holze, das beim spalten an der spaltfläche furchen wirft, vertiefungen bekommt' schweiz. id. 2, 683. C@44) im sinne von 'bohren, wurmen, sorgen' in junger übertragung auf seelische zustände; vorzugsweise mundartlich und in unpersönlichen wendungen: hier schleicht es herum tut wonniglich graben und bringt mich noch um (von der liebe) Mörike ges. schr. 1, 45 Göschen; und hat sich halt gegrabt und gekümmert um die zukunft Zingerle Tirols volksdichtungen 2 (1854) 186; das grap' mi 'das kümmert mich, wurmt mich' Lexer Kärnten 119; es grabt in mir 'wurmt mich' Fischer schwäb. 6, 2060; es grabt-mer noch allzit im g'wissn (herz) umha (von gewissensbissen) schweiz. id. 2, 683; es grabt ihm 'es wurmt ihn' Follmann Lothr. 214. die gleiche wendung auch in konkreterer vorstellung vom hungergefühl ebda. gern als attributives part. präs.; im ersten beleg stärker vom eigentlichen gebrauch her bestimmt und lediglich in bildlichem zusammenhang: o so komme du mir zu hülffe jammer, und du reue, höllische eumenide, grabende schlange Schiller 2, 59 G.; Apollonia spürte das, oder machte sie ihr grabender schmerz in den knochen empfindlich, ihr groll argwöhnisch? P. Dörfler um d. kommende geschlecht (1932) 197; Unrat sann mit grabendem hasz über Lohmann nach H. Mann d. blaue engel (1950) 25. DD. jemanden oder etwas begraben, eingraben. nur in transitiver fügung mit dem akkusativ der person oder sache. [] D@11) ein von der vorstellung 'jemanden mit erde bedecken' ausgehender gebrauch steht in seinem ansatzpunkt trotz scheinbarer nähe beziehungslos neben dem auf der vorstellung 'in die tiefe graben' (B) beruhenden unter 2. er ist im nl., engl. und nord., im dt. vorzugsweise im nd. und md. bezeugt und greift nur gelegentlich auf obd. gebiet über, wo in dieser anwendung das freilich auch im md. und nd. nicht seltene präfixkompositum begraben herrscht. D@1@aa) prägnant mit dem bloszen akkusativ der person. D@1@a@aα) bestatten; vgl. humare graben (obd. 15. jh.) Diefenbach nov. gl. 206b; pollingere die doeden grauen (Köln 1507) ders., gl. 445c. vgl. ferner Schiller-Lübben mnd. wb. 2, 141b: mit êren si di (toten) grûben Lamprecht Alexander 4752 Kinzel; er (Alexander) frâgete di von dem lande, wâ si des jâres wâren ... und alse si irsturben, wâ si begraben wurden, und ob si sih plêgen ze graben ebda 4828; daz si den lichnam muste graben passional 665, 79 Köpke; man grub in (den toten) sus väterbuch 17 519 Reissenberger; ebda 16 852; de seiken men ungerne laven wolde, noch de doden graven (Magdeburg 14. jh.) städtechron. 7, 3; ebda 7, 15; da man ein swester wolt graben ... und sie wolt in das grab legen (schwäb. 15. jh.) in: Alemannia 21, 111; mancher hat vil grosser acht ... das er im macht ein kostrych statt, do er syn keüben (kadaver) graben latt Murner narrenbeschwörung 137 ndr.; stirbstu, so grebt man dich mit der hawt, das thuot man eynem esel nicht Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) o 3b. mundartlich noch im jüngeren nd.: wi hebbet an en'n dag twei kindern graben laten Berghaus sprachsch. d. Sassen 1, 600a; vgl. brem.-nds. wb. 2 (1767) 539. D@1@a@bβ) 'jemanden lebendig begraben'; in der rechtssprache des späten mittelalters als strafe vornehmlich für weibliche verbrecher: stelen frouwen, die gravet man (Berlin 1350) in: dt. rechtswb. 4, 1043; da woerden die zwene jueden gehancgen, ind die juedinne solde man da graven (Köln 1377) städtechron. 13, 27; da grub man ein grosse diebin lebendig (Nürnberg 1487) städtechron. 10, 385. D@1@bb) der intralokalen bedeutung des verbs in dieser anwendung entsprechend, erscheinen gelegentlich hinzutretende präpositionale bestimmungen in nd., md. quellen im dativ: den tôten lîchnam man truc sunder messe, sunder recht, als einen unnutzen knecht und gruben in an dem velde Marienlegenden 78 Pfeiffer; (der priester zu der erscheinung eines toten:) herre min, wer bistu? und wer sin die geverten din, die bi dir da gegraben sin? passional 43, 12 Köpke. ähnlich in der wendung zur ruhe graben: Gheva sin (Widukinds) werdher vrowe wart zo Beleheym zo rowe gegraben by Osenbrucke braunschweig. reimchron. 403 Weiland. gegraben liegen: dusse (könig) heft gebuwet dat munster to Luttere unde licht darsulves gegraben sächs. weltchron. 595, 5 Weiland. aber auch mit präpositionaler bestimmung im akkusativ, so dasz hier eine scheidung von 2 a nicht mehr möglich ist: so schalmen ene vnde sine husurowen grauen in de vorschreunen cappellen (1365) urkundenb. d. st. Lübeck 3, 569; item schal her Benedictus grauen laten vp den kerckhoff sine kerspelbure vnde andere vrome lude (1442) ebda 8, 138; grabe ihn (den ohne sakrament bestatteten toten) uff und grabe ihn unter den galgen (Magdeburg 1524) städtechron. 27, 176. [] D@1@cc) vereinzelt in der beziehung auf gegenständliches (vgl. die häufigere konstruktion mit präpositionalem akkusativ unter 2 b); mit dem nebensinn des versteckens: sô gebe ih dîr den meisten scaz, der mîner forderen was, den si zesamene trûgen und in der erde grûben (sub terreis latibulis condiderunt) Lamprecht Alexander 3469 Kinzel. D@22) mit dem gebrauch unter 1 flieszt eine bereits im mhd. auftretende, sich im nhd. aber erst stärker ausprägende anwendung zusammen, die von B 'in die tiefe graben' her bestimmt ist. neben dem persönlichen oder sachlichen akkusativobjekt steht stets eine adverbiale ortsbestimmung im akkusativ zur kennzeichnung des bereichs, in das hinein jemand oder etwas gegraben wird; vgl. die präpositionalen fügungen unter B 1 b. D@2@aa) in der beziehung auf verstorbene personen wie unter 1 a α, nur vereinzelt über das ältere nhd. hinaus belegbar: ich weisz er den heiden irsluoch, under den sant er in gruob dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 34, 20 Diemer; man grûb sie beide (Tristrant und Isolde) in ein grab Eilhart v. Oberge 9509 Lichtenstein; es ist auch ze mercken, das sie chain toten begraben in dem rechten tempel ...; sie grabens auff das velt bey den landtstrassen Schiltberger reisebuch 88 lit. ver.; nun het man dem pfaffn verheissen thon von diser leich ein grossen lohn, wenn er mit lobe ihn erhüb, dass man ihn auff den kirchhof grüb Hans Sachs 17, 394 lit. ver.; sterb' ich dann, so bin ich todt, grAebt man mich in die rOeslein roth (1615) Erlach volkslieder d. Deutschen 3, 81; hier warfen mich die wellen an das land. hier grub mich todt, mit frommer hand, ein fischer in den leichten sand Lessing 1, 17 L.-M. noch mundartlich: so wär's doch ə schad, wenn mə'n tet it uff də godsacker grabə bei Fischer schwäb. 1, 361. D@2@bb) mit längerer lebensdauer in der beziehung auf dinge: und grab denn die barillen mit win und wasser under dich inn das sand, da du ligst (1486) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 148; der bauch schlägt unserm herrngott imerdar sein wort und wunder nider, aber man mus einmal ... den bauch und speise unter die erden graben (im anschlusz an 1. Kor. 6, 13) Luther 16, 296 W.; hernach grabs (das glas) eines knies tieff vnder die erden Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 11; die forme (wird) mit rinds-unschlicht wohl bestrichen, ferner gebrennt, dasz alle feuchtigkeit heraus gehet, in die erde gegraben, und inwendig mit kreide ... ausgeschlichtet Fleming vollk. soldat (1726) 60; (die trümmer) die man ... heimlicherweise auf florentinisches gebiet schafft und da in die erde gräbt Herm. Grimm Michelangelo (1890) 1, 31. ähnlich: darum grabt ihr diesen baum mit der wurzel in die erde Schiller 15, 1, 7 G. D@2@cc) reflexiver gebrauch begegnet erst im nhd.: der bergmann grAebet sich lebendig in die grffte in: Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 156; mir ist es unmöglich, mich wie ein maulwurf in ein loch zu graben und alles andere zu vergessen (1801) H. v. Kleist br. an s. schwester 51 Koberstein. D@33) in dem an 2 anschlieszenden übertragenen und uneigentlichen gebrauch zeigt graben häufig die unter C gegebenen nebenbedeutungen 'scharren, wühlen, bohren'. D@3@aa) in bildhafter übertragung im sinne von verscharren, hineinwühlen: wer samlet das zergenglich ist der grabt sin sel jn kott vnd mist Seb. Brant narrenschiff 6 Zarncke; [] die wahrheit eben ist's, die ihm das hertze frist, und die mich fr der zeit in asch' und staub wird graben Lohenstein Cleopatra (1680) 39. D@3@bb) in reflexiver fügung, dem eigentlichen gebrauch unter 2 c nahestehend: so behilff dich in dem stadel du! grab dich ins hew! Hans Sachs 12, 90 lit. ver.; jede wurzel gräbt sich in den boden und suchet ihre nahrung in der erde Herder 18, 235 S. anders in bildlichem zusammenhang: und ach! verschmähte liebe bräch ihren wanderstab getrost entzwey, und grübe sich vor der zeit ins grab studentensprache u. -lied in Halle (1894) 95. D@3@cc) jünger in gewählter und distanzierter redeweise von einer heftig, auch quälend in etwas eindringenden bewegung, oft mit weiteren nuancen wie denen des verbergens oder schutzsuchens: mit wahrer wuth gruben sie die ruder in die wogen Gaudy s. w. (1844) 5, 53; sie grub sich die nägel in die handflächen um nicht aufzuschreien Kahlenberg Eva Sehring (1901) 38; Suse hielt sich den kopf, ein jammer faszte sie an, schluchzend grub sie das gesicht in die arme Steguweit d. törichte jungfrau (1937) 98; der fette nahm sein geld zurück und torkelte, die hände in die hosen grabend, aus dem zimmer ebda 101. auch reflexiv: ich sah, wie ihre kleinen weiszen zähne sich tief in ihre lippen gruben Storm s. w. (1899) 2, 151; (Bärbes) hand grub sich in seinen ärmel A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 213. EE. die bedeutung 'gravieren' eignet dem verb bereits seit dem germanischen. in der abgrenzung gegen bedeutungsähnliche ausdrücke wie ritzen, schneiden, schnitzen, hauen wird graben vorzugsweise für die gravierende bearbeitung harter materialien wie metall und stein verwendet, auch in der art, dasz es sich um platten und prägstöcke handelt, die als negativ für einen abdruck vorbereitet werden. die von der sache her mögliche beziehung auf erhabene und plastische arbeit ist nur selten sicher bestimmbar, sie liegt aber in einzelnen fällen unter 1 c γ nahe, und in der glossierung von lat. caelare (s. unter 1 a) ist sie sicher. in der rein technischen verwendung (s. 1) wird graben seit dem 18. jh. stark eingeschränkt zugunsten mehr oder weniger spezieller ausdrücke für bestimmte techniken, wie stechen, schneiden, allgemeiner gravieren. dagegen bleibt graben bis in die gegenwart geläufig in einer gesteigerten bedeutung (s. 2) und in erweiterten anwendungen nicht technischer art (s. 3). E@11) in technisch-sachlichem sinne. E@1@aa) glossierungen und lexikalische buchungen: sculpes (in eis [lapidibus] nomina filiorum Israel) crebis (8./9. jh.) ahd. gl. 1, 291, 47 St.-S.; sculptam kagrapanaz (9. jh.) ebda 1, 243, 20; sculptis gigrapanen (10. jh. u. ö.) ebda 1, 582, 19; (dona ... auro gravia) secto(que elephanto) gigrapaniu (Aeneis III 464) (11. jh.) ebda 2, 652, 12; polire graben (11. jh.) Diefenbach gl. 445a; incastrare graben (md. 15. jh.) ebda 291a; sculpere graben, grauen (15./16. jh.) ebda 521c; s. v. forulus pilde in stein gegraben (obd. 1482) ebda 244b; sculpo graben, schneyden, schnätzlen, ein bildnusz machen in steinwerck oder sunst Frisius dict. (1556) 1190b; scalpo kratzen, scharren, graben ebda 1184a; celo graben (1470) Diefenbach mlat.-hd.-böhm. wb. 64; cælo erhabne oder tribne arbeit machen, graben, auszstAechen Frisius dict. (1556) 171b; graben, bilden, schnitzlen ... sculpere, cælare, scalpere, cavare, incidere, insculpere Henisch thes. (1616) 1718; grauiren, beschwähren ... heist auch in das ertz graben, aliquid in aes incidere Apinus gl. nov. (1728) 254. E@1@bb) in intransitiver verwendung allgemein von der tätigkeit oder kunst des gravierens: er (der schmied) smitte, er gruop, er vîlte, unz die slüzzel bereit wurden Heinrich v. Freiberg Tristan 6008 Bechstein; [] als bald nach gten meistern schriben, von alter vnd von newer zeit, bildhawer, maler, sinnreich leut, vnd die gar künstlich kunten graben C. Scheit frölich heimfart (Worms o. j.) F 3b; es meldet aber derselbe nicht, ob man mit diesen spizen nach art derer, die zieraten in holz ausschneiden, gegraben, oder ob man die eingefasseten diamanten in einem rade befestiget ... habe Winckelmann s. w. (1825) 5, 51. bezeichnungen des materials, in das graviert wird, werden häufig, wie stoffbezeichnungen auch sonst, mit bloszer präposition ohne artikel angefügt, die spezielle tätigkeit der kupferstecher, steinschneider usw. kennzeichnend; vgl. auch c β: casus aliquos effingere in auro in gold graben vnnd auszstAechen Frisius dict. (1556) 461b s. v. effingo; in stein graben in monumento incidere, inscribere aliqvid Stieler stammb. (1691) 687; der, so ein bild aus marmor haut, ... der, so in stein und kupfer gräbt Triller poet. betracht. (1750) 1, 961; das älteste eigentliche schreibmaterial, nachdem man nicht mehr blosz in steine grub oder in holz schnitt, ist ohne zweifel das egyptische papyr Schubert verm. schr. (1823) 3, 255; denn dasz man in der königszeit schon in metall grub, ist nicht wahrscheinlich Mommsen m. gesch. 1 (1912) 216. E@1@cc) in transitiver verwendung zielt das verb auf die eingravierten zeichen und bilder. E@1@c@aα) ohne jede stoffbezeichnung: der (der rose) blader dchten mich von golde doe ich de bas bescauwen wolde, ich sach meysterlich boicstavin beide gemalt und ouch gegravin mhd. minnereden 2, 160, 34 Brauns-Th.; da malet man jhn (Luther) mit weissen stifeln, etwann mit blossem kopff, man schnitzet jn, vnd gruob jn so mancherlay gattung J. Nas antipap. eins v. hundert 1 (1567) 64a; als er (der steinschneider) ganze personen graben wollte anmuth. gelehrsamk. (1751) 5, 567 Gottsched; als zugabe gedenken wir einer kleinen, länglich viereckten nachbildung des da Vinci'schen abendmahls, in metall ausgeprägt, ... von Putinati in Mayland gegraben Göthe IV 32, 183 W. E@1@c@bβ) bezeichnungen für stoffe oder gegenstände, auf die etwas graviert wird, werden präpositional mit in (älter dafür an) oder auf angeschlossen. der artikel fehlt häufig (vgl. oben unter b): er (gott) gruop in oblâtîsen sich selben lamp, des vane ist rôt Frauenlob spr. 233, 16 Ettmüller; jetzgemelter kOenig gebott, es solt seine bildtnis nur der Apelles abmalen, vnd der Pyrgoteles in holtz oder stein graben Heyden Plinius (1565) 52; so wird euch auf dem ersten blatt (des buches) die figur des hochg. herrn autors in das gesicht fallen, welche er zierlich in kupffer graben lassen discourse d. mahlern (1721) 1, 8; es verpflichteten sich mehrere ..., die sämmtlichen darstellungen in erz zu graben Göthe I 49, 412 W. mit artikel oder pronomen; in der dativrektion: an der maur (des münsters) lies er graben vil meimleiner tier in vil manigerlay zi Havich d. Kölner 4293 McClean; ebda 1879; eyn andechtigs gebett, welchs gegraben ist worden zuo Rom in sant Johans capeln in eynem stein d. ew. wiszh. betbüchlin (1518) C 3a; in diesen steinern tafeln hat nun gott ... ohne instrument ... selbs geschrieben, gegraben und gebildet Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 43. im plural auch ohne pronomen: die namen ihrer bewohner auf messingenen blechen gegraben Archenholz Engl. u. Italien (1785) 1, 2, 361. in der akkusativrektion: ez ist auch ân zweifel, man grab pild und ander gestalt in die stain nâch den mähten irr kreft Konrad v. Megenberg buch d. natur 431, 9 Pf.; wurde er (ein goldschmied) abir eyns andern zceichen uff sine [] erbeit graben und des obirkomen, dorumbe sal er pinlich gestrafft werden (15. jh.) Freiberger stadtrecht 291 Ermisch; die wände desz saals von kOestlichem gemeld gemahlet seind, ... auch alle alte historien in das kOestliche gemelde gemacht vnd gegraben buch d. liebe (1587) 167d; bitt ich mir ... zu ersinnen, was auff meinen stein zu hauwen, oder graben seyn möchte Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, J 4b; derjenige, der sie (die bäume) pflantzen lässet, musz ... ein zeichen in die rinde graben und darüber ein ordentlich register führen allg. haush.-lex. (1749) 1, 181b; ebenso wissen wir, dasz das auf mehreren geprägen kaiser Maximilians I. im feld vorkommende röschen erst 1517 in die stempel gegraben wurde Luschin v. Ebengreuth münzk. u. geldgesch. (1904) 43. sehr oft, namentlich älter, mit demonstrativem oder relativem adverb: do frumet er also schone uon golde eine crone, da was ein apgot ane gegraben dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 33, 15 Diemer; der sarc was grûne alse ein gras. des selbin tôten mannis name was gegraben dar ane Lamprecht Alexander 3536 Kinzel; ein blyen krützlin ..., darinn gegraben seint die namen der heligen dry künig H. Braunschweig liber de arte distillandi (1507) 85a; er ... gab mir sein groszes siegel zu arbeiten ...; darein grub ich zwei geschichten Göthe I 44, 10 W. seltener in der form gegraben stehen (auf, um o. ä.): an dero gimmo stûont tîefo gegraben ein gehelmot tîerna Notker 1, 786, 11 P.; da schickt jm der bapst ein güldin kron, darumb stund gegraben: Petra dedit Petro, Petrus diadema Rudolffo Seb. Franck Germ. chron. (1538) 128a; geschirr ..., so von krystall war, auf welchem gegraben stunde ein Cupido A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 723; auf der inneren seite (des ringes) ... standen lettern gegraben und eingeschmolzen Göthe I 50, 135 W. in der beziehung auf erhabene arbeit: vp desseme kamme stunden ghegrauen etlyke bylde hoch vorhauen Reinke de Vos 4975 Prien. E@1@c@gγ) das part. prät. steht im älteren nhd. häufig attributiv: epitaphium gegraben schrift (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 205b; toreuma gegraben werck o. gehawen (obd. 1516) ebda 588a; sculptile ein geschnitzlet oder gegraben bildwerck Calepinus dict. ling. sept. (1579) 1389; des Ptolomei gegrabene bildnsse Butschky Pathmos (1677) 7; dann sassen wir rings um den krug ... und jeder ... sang die darauf gegrabne geschichte Sal. Gessner schr. (1777) 1, 46. besonders in solchen verbindungen, die in metall oder stein gestochene oder gemeiszelte götterbilder bezeichnen: sculptile gegraben werg vel aptgot (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 521c; sy nam cc silberin vnd gab sy dem silberschmid: das er macht von in gegosne ding vnd gegrabne ding daz es wer in dem haus Miche (Richter 17, 4) erste dt. bibel 4, 405 Kurr. (Luther: ein bilde vnd abgott); du solt dir kein gegraben noch geschnitzt bild machen (1525) mon. Germ.d. 20, 126; Stumpf Schweizer chron. (1606) 221a. E@1@c@dδ) vereinzelt steht graben für sonst übliches schlagen, prägen (einen stempel oder ein prägeisen in oder auf etwas schlagen); in einem bild: die ketzer sieht man weinen ..., die valschen muonsere, dez glauben valschere. in die cristenheit sie (die ketzer) haben ir valsch ysen gegraben, da sie valsch slahent mite Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 6533 Singer. E@1@dd) das verb zielt, auch hier in transitiver verwendung, auf den gegenstand, in den etwas gaviert wird; vgl. ahd. glossierungen bei entsprechender konstruktion lat. texte: (et ipsum opus basium) interrasile (erat) gigrauan (3.n. 7, 28) (9. jh.) ahd. gl. 1, 296, 34 St.-S.; (omnes parietes templi per circuitum) sculpsit (variis cælaturis) crûop (10. jh.); grubh (11./12. jh.) u. ö. ebda 1, 435, 18. [] E@1@d@aα): der (edelstein) was an sime schine bleich und an dem geverte so grozelichen herte daz in nicht meisters mochte graben, der so vil sinnes mochte haben Heinrich v. Hesler apokalypse 21 607 Helm; der stein læt sich gar ungern graben Konrad v. Megenberg buch d. natur 447, 1 Pf.; der adamas musz also verliben als man yn findet, er mag dheyn hauwen dulden noch keyn graben Lancelot 1, 122 Kluge; Sebaldus versicherte ihn, dasz der ring sehr modern sey, und von einem petschierstecher in einer kleinen stadt in Thüringen sey gegraben worden Nicolai Seb. Nothanker (1773) 2, 216. E@1@d@bβ) besonders prägstöcke durch einstechen oder ausschneiden von spiegelbildlichen zeichen oder bildern handwerklich herrichten; siegel, münzeisen, stempel graben: das aindlefte (mittel, eine urkundenfälschung nachzuweisen) ist ob man ein ander insigel grebt nâch disem (dem gefundenen) Schwabenspiegel, landr. 419, 44 Wackernagel; dat neen goltsmed grave munteyserne, ane by vulbort des rades (1392) mecklenb. urkundenb. 22, 137; 1 fl. meister Bartholomeus dem isengraber von 8 monczeisen zu graben (Frankfurt 1430/31) bei Volckmann alte gewerbe (1921) 135; er (ein bürger) kund valsche insigl graben (Augsburg 15. jh.) städtechron. 5, 17; das soltu thun durch die steinschneiter, die da siegel graben 2. Mos. 28, 11; lass dir baldt eins (ein petschaft) graben W. Spangenberg ausgew. dicht. (1887) 326; so hat man, durch die bildsamkeit des wachses gelockt, die siegel tiefer gegraben Göthe IV 26, 173 W.; und so wird ... die vermuthung wahrscheinlich, es seyen die stempel zu den alten münzen ... durch steinschneider gegraben H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 1, 141. E@1@d@gγ) ein material graben mit zeichen usw., nur gelegentlich im frühnhd. anstelle der üblichen konstruktionen unter c β: der sattel und das fúrbúg und die stegereiff waren von wiszem helffenbeyn sere behendeclichen geschnitten und gegraben mit cleynen bildlin mit jungfrauwen und mit rittern Lancelot 1, 128 Kluge; vnd sie machten zween onicherstein, vmher gefasset mit gold, gegraben durch die steinschneiter, mit den namen der kinder Israel 2. Mos. 39, 6. E@22) in gehobener oder affektiver sprache erhält graben besonderes gewicht, wenn weniger an den technischen vorgang des gravierens gedacht wird, als daran, die gewichtigkeit einer sache zu betonen, ihr nachdruck und dauer zu verleihen. dieser gebrauch gründet in dem wissen, dasz vor allem in hartes material graviert wird, er ist aber auch im hinblick auf andere dauerhafte materialien wie baumrinden, pergament u. ä. möglich. E@2@aa) etwas zur erinnerung, mahnung und bewahrung in stein, metall, bäume usw. graben. in die rinden o. ä. graben schon seit dem mhd.: tief an des boumes rinden begund er schœne buochstaben mit sînem mezzerlîne graben ... sus wolt er âne tiuschen machen si (die geliebte) dô sicherhaft daz si mit ganzer kraft versigelt im ze herzen was Konrad v. Würzburg trojan. krieg 784 Keller; als sie aber bey sich fhlte, dasz die noth zum hertzen zielte, stund sie auff vom selben ort, gieng bald hin zu einer linden, grub in deroselben rinden, diese jetzt betrbte wort Venus-gartlein 5 ndr.; er nam den grabepfriem und seinen hrtenstab, gieng in den wald hinein, bald auff bald wieder ab, bisz er gefunden hat die schOensten erlenbeume, die glatter schaalen sind, in die er diese reyme mit seinem pfriemen grub Neumark lustwäldchen (1652) 144; wo werde ich bey meiner ankunft meine schöne finden? etwan unter diesen nie vergrünenden fichten, in die ich unsere nahmen mit hundert verschiedenen zügen grub? Ramler einl. i. d. schönen wiss. (1758) 1, 385; [] so gräbt ein junger hirt, in die noch weiche rinde des jungen ulmenbaumes, den namen der Celinde Cronegk schr. (1766) 2, 120. sieh die gleiche typische verbindung in anderer form unter b. in der beziehung auf andere materialien erst nhd., besonders seit dem 18. jh., in dem masze zunehmend, in dem die technische anwendung des wortes zurückgeht: (die Römer) liessen die recht der zwOelff taflen inn Oehren bletter graben vnd schneiden, vnnd die also auffschlagen zu ewiger gedechtnusz, das sich jederman darnach wüszt zuhalten Titus Livius (1533) 48b; er (Wodan) nimmt seine lose nicht wieder auf! auch zögert er mit der stunde (todesstunde) nicht, die er darein grub Klopstock s. w. (1854) 6, 360; das gesetz Moses in stein gegraben Herder 5, 426 S.; ficht ehrlich! war das symbolum, das der waffenschmied in die schöne klinge gegraben hatte W. Hauff w. (1890) 1, 44; es soll der schöne grusz mit goldenen buchstaben sein auf sein grab gegraben Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 92; mit einer nadel, dem gelock geraubt, gräbt sie 'ich komme' in des blattes weiche A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 242. unter gänzlichem absehen von der technik des grabens als eines einritzens: eine zeit, da noch kein gelehrter über büchern sasz und die geschichte seines volkes in das steife pergament grub Frenssen sandgräfin (1904) 97. E@2@bb) eine gewisse steigerung, die bis zum pathos führen kann, erfährt dieser gebrauch in fällen, in denen die möglichkeit des grabens zwar gegeben ist, nicht aber realisiert wird oder zu werden braucht. im vordergrund steht die intention des sprechers, der die form der aufforderung oder des wunsches entspricht: schreibt auff mein testament jhr unbewohnten haine, seid secretarien, wie ich umb unglück weine, grabts in die rinden ein, auff dasz es der gestallt wachs jmmerfort, wie jhr Opitz teutsche poemata 112 ndr.; Zesen Helicon (1649) 2, D 3a; heute schreibest du in sand. ..., was du gestern hAettest in marmol graben kOennen Butschky Pathmos (1677) 303; es mag Britannien, was Wilhelm ausgericht, nach dessen würdigkeit in ertz und marmer graben Besser schr. (1732) 1, 88; ich schnitt' es gern in alle rinden ein, ich grüb' es gern in jeden kieselstein W. Müller ged. (1906) 10; in erzschrift sei gegraben eur preis, dasz ihn kein mund der zeit bezwinge Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 17. ähnlich in hyperbolischer ausdrucksweise: die hoffnung glaubts und freuet sich, und gräbt diesz wort in baum und rinde Stoppe Parnasz (1735) 24; o Rosalinde! sey der wald mir schrift, ich grabe mein gemüth in alle rinden, dass jedes aug, das diese bäume trifft, ringsum bezeugt mag deine tugend finden Shakespeare 4 (1799) 219. E@33) in erweiterung der bedeutung 'gravieren' bildet sich z. t. schon in mhd., besonders aber in nhd. zeit und zumeist in gehobener sprache und gewichtiger rede ein uneigentlicher und übertragener gebrauch heraus, der, durch feste sprachliche fügungen gestützt, die verwendung des wortes in seinem technischen sinn zu überdauern scheint. das bewusztsein eines zusammenhanges mit dieser eigentlichen bedeutung geht in jüngster zeit vielfach verloren zugunsten einer umdeutung von graben B 'in die tiefe graben' und D 2 'etwas eingraben' her. dem ganzen gebrauch zu vergleichen ist ein in ähnlicher weise sich erweiternder gebrauch unter schreiben II 8 a und b, teil 9, sp. 1696. E@3@aa) der typus etwas in eherne tafeln (o. ä.) graben 'zu ständiger bewahrung und dauerndem gedächtnis überliefern' führt über den eigentlichen gebrauch unter 2 [] hinaus ins bildliche, insofern die realisierung des technischen vorgangs ausgeschlossen ist: aber wie es (die unzahl der konzilsbeschlüsse) menschen thad ist gewesen, szo ists auch mit der czeit vorschwunden, an(ohne) die stück, die den heyligen romischen stuel halten, die sind alleyn yn adamant gegraben und fester behalten thausent mal mehr, denn das euangelium Christi Luther 8, 150 W.; und ewer nam, lob, ruhm und preisz, von ewrer aignen tugent fleisz in der ewigkeit buch gegraben, werden hiemit wol mein gesang ... mit der unsterblichkeit begaben Weckherlin ged. 1, 98 Fischer; was Thucydides, Sallustius, Tacitus, Macchiavelli mit den flammenzügen ihrer groszen seelen in die ehernen tafeln der zeiten gruben, das ist unser geworden E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 2, 64; erlaubt dasz ich auf meine dächtnistafel den frühern gegner grabe — tu desgleichen! Stefan George d. jahr d. seele (o. j.) 79. E@3@bb) etwas, das der beachtung und bewahrung wert oder einen nachhaltigen eindruck zu machen geeignet ist, ins herz, jünger auch in die seele, in die brust (o. ä.) graben 'nachhaltig einprägen'. E@3@b@aα) mit persönlichem subjekt und in aktiver konstruktion: die rede ich in dîn herze grabe Winsbeke 50, 7 Haupt; sie soll, wan sie mir gibt die hand vor dem pfarrern, in ihr hertz graben, wie durch dises hailige band got ausz uns beed nur eins woll haben Weckherlin ged. 1, 279 Fischer; wer ists, der einen tag von tausenden erlebt, den nicht in seine brust die reu mit feuer gräbt? Haller ged. (1882) 123; wo ... dein vater dir die lehren der weisheit und des christenthums ins herz grub, da ist deine liebe, da ist dein vaterland E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 1, 271; ein bild, das uns in die seele gegraben wurde, verblaszt nie ganz wieder Fontane ges. w. (1905) I 5, 298. gelegentlich hinzutretende bestimmungen aus dem technischen bereich des gravierens verstärken den bildlichen charakter der wendung und verdeutlichen den zusammenhang mit der eigentlichen bedeutung; vgl. auch unter β: in mein herz hat er ihn (seinen namen) selbst mit blutigen zügen gegraben Klinger w. (1809) 4, 23; wir ... möchten mit ehernem griffel grundsätze in dein herz graben, welche der gefahr ewigen todes vorbeugen Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 3, 419; er hat ihr portrait mit solchen farben in mein herz gegraben Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 3, 217. E@3@b@bβ) mit sachlichem subjekt dessen, was eingeprägt wird oder was sich einprägt. in passiver konstruktion wird das bewahren eines eindrucks oder einer sache betont: die sunde Juda ist geschrieben mit eisern griffeln, vnd mit spitzigen demanten geschrieben, vnd auff die tafel jres hertzen gegraben Jer. 17, 1; mein heyland Jesus Christ, dein ssser nahme in mein herz gegraben, erlOese mich von allem ubel Bucholtz Herkuliskus (1665) 1144; was alle tugenden zum zweck der hoheit haben, das ist im überflusz in deine brust gegraben Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 47; beide haben recht und unrecht, eure chronik und mein gedächtnisz, jene mit ihren auf pergament gezeichneten buchstaben, ich mit den zeichen, die in mein herz gegraben sind C. F. Meyer d. heilige (1910) 168. seit dem 18. jh. auch in reflexivem gebrauch: wie leicht grub sich das andenken dieses tages in mein herz S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 77; des predigers worte gruben sich in mein gedächtnis Storm s. w. (1899) 3, 281. E@3@b@gγ) seit dem 18. jh. kann der zusammenhang mit der bedeutung 'gravieren' so sehr gelockert sein, dasz eine übertragung von graben D 2 'etwas eingraben' her und eine ins unsinnliche gewendete entsprechung zu dem dort [] anschlieszenden uneigentlichen gebrauch unter D 3 c offensichtlich wird. vor allem, wenn auch nicht ausschlieszlich, im hinblick auf starke seelische eindrücke und erlebnisse. bezeichnend sind häufige adverbiale umschreibungen mit tief. in aktiver konstruktion wie unter α: die (liebe) grubst du Adam tief in sein herz hinein Klopstock oden 1, 73 M.-P.; du haschest ihre stolze nacken ... und gräbst mit donnern tief in ihre felsenherzen, wie nichtig menschenfrevel sey Kretschmann s. w. (1784) 2, 85; als wolle er diese worte ... für ewig in sein bewusztsein graben Werfel geschw. v. Neapel (1931) 88. wie unter β, passivisch: der schimpf ist allzutief in meine brust gegraben König ged. (1745) 385; dein blut und deine thränen sind tief in mein herz gegraben Bauernfeld ges. schr. (1871) 3, 112. häufig bei reflexivem gebrauch: immer gräbst du (häszlicher gedanke) dich tiefer in meinen busen Sal. Gessner w. (1778) 2, 82; tief gruben sich diese scenen ... in die seele Raphaels Klinger w. (1809) 4, 8; die weisheitslehre dieser knaben grub sich tief in mein damals noch jüngeres herz Kürnberger siegelringe (1874) 77. E@3@b@dδ) intransitiver gebrauch ist sehr selten: wahr also ist es, ... dasz ... der wahre geist des schauspiels tiefer in die seele gräbt, schärffer ins herz schneidet und lebendiger belehrt als roman und epopee Schiller 2, 5 G.; wie gräbt erinnerung mit blutgen zügen und zeigt, was ich versehn, wie ich gefehlt Grillparzer s. w. 6, 245 Sauer. E@3@cc) seit dem 18. jh. steht graben in wendungen, die sichtbare zeichen intensiver, zumeist schmerzhafter seelischer oder körperlicher empfindungen bildlich umschreiben; schon in seinem ansatzpunkt weiter von der bedeutung 'gravieren' entfernt und unter unmittelbarem einflusz von graben B 4 'vertiefungen ausheben'. E@3@c@aα) im hinblick auf die furchen in dem gesicht eines menschen: wangen, wo die freude schwebet, und das lächeln grübchen gräbt J. E. Schlegel w. (1761) 4, 253; an den furchen, welche die angst auf seine stirne gegraben Klinger w. (1809) 3, 210; aber der kummer hatte ihr doch schon manche furche gegraben Ompteda Sylvester v. Geyer (1900) 1, 18. ähnlich: das bleiche antlitz des kleinen Kuno, in das der tod schon seine scharfen züge grub Storm s. w. (1899) 2, 274. reflexiv: falten gruben sich in sein gesicht H. Laube ges. schr. (1875) 5, 54; die linien graben sich quer durch die stirn A. Neumann es waren ihrer sechs (1947) 103. in passivisch oder reflexiv konstruierten wendungen kann, in form einer metonymie, die empfindung selbst als das eingegrabene erscheinen: zagen, martern, wuth und verzweiflung werden dein innres zerreiszen, und sich scheuszlich auf dein äuszres graben Klinger w. (1809) 2, 442; und tiefer grub in ihr gesicht sich hoffnungsloser gram Novalis schr. 4, 188 Minor. ähnlich: der geist las alles was er (der fischer) dacht, als ständ's ihm auf der stirn gegraben Wieland s. w. (1796) 18, 225. anders bei intransitivem gebrauch: welche lüste, welche schmerzen hatten an diesem menschengesicht gegraben? Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 312. E@3@c@bβ) der gleiche bildtypus wird auf das innere des menschen übertragen: schmerz und jammer, wenn sie tiefe furchen in die seele graben Herder 5, 7 S.; wohin käme man, würde das schicksal jedes angeklagten, der zweifel über die rechtlichkeit dieses oder jenes urteils seine spuren ins gemüt graben Werfel Bernadette (1948) 350. so vor allem wunden graben: [] o fluch der hand, die diese wunde grub Schiller 14, 107 G. weiterer übertragung: ich war's, welche die meisten wunden ihm (dem gesetz) grub Klopstock s. w. (1854) 4, 329. die aus dem bildgebrauch gewonnene konkrete vorstellung in einem andersartigen bilde: Melpomene hat zwei dolche. der eine ist blank, haarscharf geschliffen, schneidet schnell und gräbt glatte, rein ausblutende wunden; der andere, rostig, voll scharten, reiszt in das fleisch unselige zerstörung Immermann w. 4, 50 Hempel. FF. zusammensetzungen mit graben, vb. als erstem kompositionsglied sind in mehr als 100 bildungen bezeugt. fugenlose zusammensetzungen mit grab- überwiegen weitaus; jedoch zeigen frühe belege häufig den fugenvokal -e-, z. b. grabewunde (s. d.), gabehacke: grope hacke runcina Diefenbach n. gl. 322a, auch in zusammensetzungen, die ihn in nhd. zeit synkopieren, z. b. mhd. grabestickel statt des späteren grabstickel, -stichel (s. d.), mhd. und frühnhd. grabeschit, -scheit statt und neben grabscheit (s. d.), grabewerk (schon ahd.) statt grabwerk (s. d.). jüngere bildungen des 17. und namentlich des 18. jhs. bieten den fugenvokal in begrenztem umfang, den verbalen charakter des wortes betonend, z. b. grabegarten, -kelle, -knecht, -kosten (s. überall dort). bei fugenlosen zusammensetzungen kann eine volksetymologische beziehung auf grab, n. eintreten, z. b. grabschaufel (s. d.), oder aber eine eindeutige zuordnung zu graben, vb. oder grab, n. ist überhaupt erschwert, z. b. bei zusammensetzungen mit graben, vb. D 1 'bestatten' wie grabamt, 2grabgeld (s. d. 1 und 2), grablohn (s. d. 1) oder bei tiernamen wie grabkäfer allg. dt. bibl. 50 (1782) 495. die älteste und umfangreichste gruppe von zusammensetzungen betrifft bezeichnungen für grabwerkzeuge (vgl.graben A und B), z. b. grabeisen (in der form grafisarn schon as.), grabscheit (seit dem mhd.); dem nhd. gehören bildungen an wie grabschaufel (seit dem 15. jh.), 2grabgerät und grabhaue (seit dem 17. jh.) und, erst seit dem 19. jh. bezeugt, grabgabel, grabmaschine, grabwerkzeug (s. überall dort). dieser gruppe schlieszen sich zumeist jüngere bezeichnungen für grabwerkzeuge der tiere an wie grabbein Brehm tierl. 9, 30 P.-L., grabfusz (s. d.), grabklaue (s. d.). — seit dem 15. jh. ist ein zu graben D 1 'bestatten' gehöriger kompositionstyp bezeugt: grabamt (s. d.), grabegebühr schles. Robinson (1723) 1, 190, grabegesellschaft Campe 2 (1808) 435b, grabetag Herberger hertzpostilla (1613) 1, 157, 2 grabgeld (s. d. 1 und 2), grablohn (s. d. 1). — etwas jünger sind bezeichnungen für ländereien, die durch grabende tätigkeit hergerichtet, bestellt werden wie grabegarten, grabeland, grabsattel (s. überall dort). — mit einer kleinen, seit dem 17. jh. bezeugten gruppe von personenbezeichnungen wie grabmagd Stieler stammb. (1691) 1210, grabeknecht (s. d.), vielleicht grableute (s. d.) konkurriert eine bereits ältere gruppe mit gräber, m. (s. d.) als erstem kompositionsglied wie gräberhauptmann (s. d.), gräberknecht (s. d.), gräbermeister (s. d.; ferner Pöhnl volksbühnenst. [1887] 2, 29). — ein typus von tierbezeichnungen (vgl.graben C 1) scheint sich erst seit dem ende des 18. jhs. in der zoologie herauszubilden, z. b. grabbiene (s. d.). grabwespe (s. d.), ferner graberaupe Campe 2 (1808) 436b, grabkäfer allg. dt. bibl. 50 (1782) 495, grabfrosch Brehm tierleben 4 (1912) 314, grabgans Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 11, 534. — in der bedeutung 'gravieren' begegnet das verb mehrfach und z. t. schon früh in der komposition, z. b. 2grabkunst, grabmesser, grabstempel (s. überall dort); aber dieser typus vermischt sich leicht mit der an graben A und B anschlieszenden gruppe von werkzeugbezeichnungen, so dasz mehrdeutige zusammensetzungen entstehen, vgl. grabeisen, grabstichel. — auszerhalb dieser typen begegnen vereinzelt isolierte bildungen wie grabeseligkeit (s. d.), grabfähigkeit (von tieren) Brehm tierleben 7, 16 P.-L., grabekosten (s. d.).
100963 Zeichen · 1973 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    grabenstv. I, 4.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +11 Parallelbelege

    graben stv. I, 4. BMZ graben Greg. Parz. Herb. er grûb und grûb alsô tief Pass. K. 71,1. ein leger graben Gen. D. 101,22…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Graben

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Graben , des -s, plur. die Gräben, eine jede in die Erde gegrabene Öffnung von beträchtlicher Länge, besonders so fe…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    graben

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    graben auch subst 1 eine Vertiefung ausheben; öfter ‘einen Grund, Brunnen, Kanal g.’, ‘jdm eine Grube g.’ uä; auch in bi…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Graben

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Graben , die künstliche Vertiefung vor Festungswerken, 24—32' tief, 60—120' breit; die innere Seite heißt die Scarpe, di…

  5. modern
    Dialekt
    Graben

    Elsässisches Wb. · +13 Parallelbelege

    Grabe n [Krâpə S.; Krâwə Dollern O. Str. Han. Betschd. Wörth W.; Krôwə Geisp. K. Z. Ingw. ; Pl. Kráwə; Krǽwə Str. W. ] m…

  6. Spezial
    graben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    gra|ben (gräbt, grub, gegraben) I vb.tr. 1 (ausheben) ciavé (-va) 2 (grabend gewinnen) trá fora, tó fora 3 runcé (-cia) …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit graben

620 Bildungen · 183 Erstglied · 431 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von graben 2 Komponenten

gra+ben

graben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

graben‑ als Erstglied (30 von 183)

Grabenbeil

SHW

Graben-beil Band 2, Spalte 1433-1434

Grabengasse

SHW

Graben-gasse Band 2, Spalte 1433-1434

Grabenlilie

SHW

Graben-lilie Band 2, Spalte 1433-1434

Grabenrech

SHW

Graben-rech Band 2, Spalte 1433-1434

Grabenufer

SHW

Graben-ufer Band 2, Spalte 1433-1434

grabenabsteigung

DWB

grabenab·steigung

-absteigung ( gang, der in den graben führt ) Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 143 a ; L. Voch allg. baulex. (1781) 128 b ;

Grabenäcker

PfWB

Graben-äcker , Gräben-äcker Pl. : FlN, der an Entwässerungsgräben erinnert: An de Grawenäckeʳ [ LA-Nußd ]. In KL-Ramst sieht man in dem FlN …

Grabenäuwer

MeckWB

Wossidia Grabenäuwer Pl. -s n. Grabenufer; Ortsneckerei: de Dummen warden nich all', de Prestiner seigen all weck uppe Grabenäuwers Schw Sch…

grabenamt

DWB

graben·amt

grabenamt , n. : 'grāvenam(bach)t, n. städtisches amt, dem die befestigung, wälle, gräben unterstellt sind ' Lasch-Borchling mnd. wb. 1, 2, …

grabenarbeit

DWB

graben·arbeit

grabenarbeit , f. , arbeit an einem graben, älter besonders am stadt- oder festungsgraben: item wii die czechemeister und knappen clagen, wi…

grabenbau

DWB

graben·bau

-bau : grabenbauten Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 201 ;

graben als Zweitglied (30 von 431)

insigelgraben?

KöblerMhd

*insigelgraben? , V. nhd. „gravieren“ Hw.: s. insigelgraben (2) E.: s. insigele, graben W.: nhd. DW-

Aasgraben

MeckWB

aas·graben

Wossidia Aasgraben m. als FN.; in spöttischer Rda. vom Seemann, der nur auf der Nord- und Ostsee gefahren hat: dee is noch gor nich ut 'n Aa…

abe graben

MWB

abe graben stV. 1 ‘jmdm. durch Graben ein Stück Land entziehen’ 2 ‘(Erde) durch Graben abtragen’    1 ‘jmdm. durch Graben ein Stück Land ent…

Abflußgraben

PfWB

abfluss·graben

Ab-flußgraben m. : ' Entwässerungsgraben ', nach dem Schd., Abflußgrawe [verbr.]; vgl. PfWB Ablaßgraben .

abfluszgraben

DWB2

abflusz·graben

abfluszgraben m. : 1824 allg. dt. sachwb. 1,22 b L./Sch. 1909 Graebner pflanzenwelt 327. WDG 1,19 b .

abgraben

DWB

abgraben , fodiendo auferre, weggraben, einen hügel, berg abgraben. einen flusz abgraben, sein bett verändern. einen brunnen abgraben, dem w…

Ablaßgraben

PfWB

ablass·graben

Ablaß-graben m. : ' Entwässerungsgraben ', Abloßgrawe [ KU-Jettb PS-Hirschth ]; vgl. Abfluß- Ablauf-, Abzugs-, Faul-, Flut-, Moder-, Rumpel-…

Ablaufgraben

PfWB

ablauf·graben

Ablauf-graben m. : ' Entwässerungsgraben ', Ablaafgrawe [verbr.]; vgl. PfWB Ablaßgraben .

ABLEITUNGSGRABEN

DWB2

ableitung·s·graben

DWB2 ABLEITUNGSGRABEN m. : DWB2 DWB2 1774 ableitungs-graben Voch lex. hydraulik 2. 1795 wird .. die stagnation des ausgetretenen ( flusses )…

ABWÄSSERUNGSGRABEN

DWB2

abwaesserung·s·graben

DWB2 ABWÄSSERUNGSGRABEN m. DWB2 zu abwässerung 2: DWB2 ⟨1806⟩ die abwässerungs-graben in: Berg hdb. policeyrecht ( 1799 ) 7,96. ⟨1825⟩ die a…

Abwehrgraben

Campe

abwehr·graben

Der Abwehrgraben , des — s, Mz. die — gräben, ein Graben, durch welchen man etwas einschließt oder absondert, um z. B. Thiere davon abzuwehr…

abzugsgraben

DWB

abzug·s·graben

abzugsgraben , m. graben im feld, um das wasser abzuziehen: da nun die felder durch sehr breite abzugsgräben geschieden sind. Niebuhr kl. sc…

ACKERGRABEN

DWB2

acker·graben

DWB2 ACKERGRABEN m. DWB2 graben in einem acker: DWB2 1653 nachdemmahl der feind einen grossen vortheil aufm berge von einem ackergraben hatt…

afgraben

MeckWB

Wossidia afgraben ein Stück Land völlig umgraben: de Schult hett sin ganzes Land afgrawt Lu Ludwigslust@Tewswoos TewsW ; in FN.: Afgraben Mu…

Afnähmergraben

MeckWB

afnaehmer·graben

Wossidia Afnähmergraben m. Graben, der Wasser aufnimmt und zum Abfließen bringt Ro Rostock@Klein Bölkow KBölk .

Aftergraben

Adelung

after·graben

Der Aftergraben , des -s, plur. die -gräben, in den Bergwerken, ein Graben, durch welchen das After in die Aftergefälle gehet.

altvergraben

GWB

alt·vergraben

altvergraben [ Faust: ] Sorg’ du mir für ein Geschenk für sie. [ Meph: ] .. Ich kenne manchen schönen Platz | Und manchen alt vergrabnen Sch…

angraben

PfWB

angra·ben

an-graben st. : ' im Frühjahr mit dem Graben im Garten beginnen ', aaⁿgrawe [allg.]. BadWB Bad. I 51 .

Annäherungsgraben

Campe

annaeherung·s·graben

◎ Der Annäherungsgraben , des — s, Mz. die — gräben, Gräben, welche die Belagerer mannstief graben und nach der Festung führen, um sich ihr …

Arggraben

MeckWB

arg·graben

Wossidia Arggraben m. wohl zu arg ( s. d. ), unnützer Graben: Wat maakt dien Vadder? De treckt 'n Arggraben Wo. V. 1, 990, 3.

aufgraben

DWB

auf·graben

aufgraben , effodere, circumfodere, nnl. opgraven: das land, das beet, den boden aufgraben; einen weg, gang, ein loch aufgraben; einen schat…

Augraben

PfWB

aug·raben

Au-graben m. : ' Entwässerungsgraben ', Äägräwl (EgrEwl) [ GH-Hagb ].

Aukengraben

DRW

auke·n·graben

Aukengraben Krötengraben, Grenzgraben welcher ain aukgramb hat, der soll seinen nachpaurn friden in und auss 1523 ÖW. IX 863 Faksimile 16. J…

ausgraben

DWB

aus·graben

ausgraben , effodere, exsculpere, goth. usgraban, ahd. argrapan sculpere, ûʒgrapan effodere, nnl. uitgraven. du solt auch ein stirnblat mach…

Auspochgraben

Campe

aus·pochgraben

Der Auspochgraben , des — s, Mz. die — gräben, in den Pochwerken, große Tröge, in welchen Gefälle sind.

Außengraben

Adelung

aussen·graben

Der Außengraben , des -s, plur. die -gräben, in der Kriegsbaukunst, der äußere Graben, welcher um das Glacis, oder die Brustwehre der Contre…

Ableitungen von graben (6 von 6)

begraben

DWB

begraben , humare, terra condere, ahd. pikrapan, mhd. begraben, nnl. begraven. das goth. bigraban ist umgraben. 1 1) den leib, leichnam begr…

entgraben

DWB

entgraben , fodere: und wie des corrosifs art ist, friszt es umb sich in die weite und entgräbt zwischen haut und fleisch höle hinein. Parac…

ergraben

DWB

ergraben , effodere, exsculpere, goth. usgraban, ahd. arkrapan, irgraban ( Graff 3, 303 ), mhd. ergraben ( wb. 1, 561 b ), ags. âgrafan nebe…

gegraben

Lexer

ge-graben stv. I, 4. BMZ Griesh.

vergraben

DWB

vergraben , verb. durch eingraben verdecken, mhd. vergraben, mnd. vorgraven Schiller-Lübben 5, 357 b , zusammensetzung mit graben, dessen be…

zergraben

DWB

zergraben , verb. , durch graben aufwühlen, zerstören: ( schwäb. 1490) H. Fischer 6, 1134 ; der ( weingarten ) ... jetzund mit feuwer verbre…