graben,
vb. herkunft und form. gemeingerm. wort; got. graban;
altisl. grafa,
norw. grava,
aschwed. grava, græva,
nschwed. gräva,
dän. grave;
ae. grafan,
engl. grave;
ahd. graban,
mhd. nhd. graben;
as. (bi)graBan,
mnd. graven,
nd. grafen;
mnl. nl. graven (
über afries. grēva
s. Wissmann
nom. postv. 76, 1).
von der zweiten hochstufe der idg. wurzel *ghrebh-:
*ghrobh- '
kratzen, scharren, graben'
gebildet, zu deren erster hochstufe sich im germanischen aschwed. græva
und auszergerm. bildungen stellen wie lett. grebju, grebt '
schrapen, aushöhlen, mit dem grabstichel eingraben'
; slov. grébem, grébsti '
scharren, kratzen, graben'
; tschech. hřebu, hřésti '
graben, begraben'
; poln. grzebę, grzésċ '
kratzen, graben, begraben'
; ferner akslaw. pogrebǫ, pogreti '
begraben'
; russ. pogrebjú, pogrebstí '
begraben'.
dazu ableitungen wie graben,
m., grube,
f., graft, gracht,
f., gruben,
vb. (
s. überall dort)
mit ihren germ. und auszergerm. entsprechungen. vgl. Walde-Pokorny 1, 653
f. graben
flektiert im deutschen, wie überhaupt in den germ. sprachen, regelmäszig stark. schwache flexion neben der starken zeigt engl. grave.
für das deutsche verb sind nur vereinzelt schwache formen bezeugt: gegrabt
neben unausgegrabt, nachgrabt (
part. prät.) (1639)
in: schweiz. id. 2, 683; grabete (3.
sing. ind. prät.)
Teresa v. Jesu opera (1732) 439.
hinsichtlich der bedeutung besteht kein unterschied zu dem sonstigen gebrauch des verbs in starker flexion, so dasz diese fälle nicht verglichen werden können mit schwach flektierten, unter dem einflusz von ahd. grabo,
m. (
s.graben,
m.)
gebildeten präfixkompositen mit der bedeutung '
mit einem graben versehen' (
eine andere möglichkeit der erklärung bei Wissmann
a. a. o. 76)
wie ahd. gigrabôn: (
nec)
oppilauerunt (
loca occulta) gigrapotvn, -un (10.—12.
jh.) (1.
Makk. 2, 36)
ahd. gl. 1, 690, 44
f. St.-S.; aber auch: (
in hortis)
sarculatis kigrapotan (11.
jh.)
ebda 2, 449, 58;
ein vielleicht verschriebenes gigraponum
zur gleichen stelle ebda 4, 95, 8;
vgl. Graff 4, 305;
ferner ahd. bigrabôn,
mhd. begraben,
vgl. Graff 4, 305; Lexer 1, 147;
mhd. vergraben
teil 12, 1, 1,
sp. 483.
der formenbestand des verbs zeigt nur wenige besonderheiten: in der 2.
und 3.
sing. ind. präs. ist der umlaut gelegentlich unter mundartlichem einflusz beseitigt; vgl. die mundartwbb. und besonders den unpersönlichen gebrauch unter C 4;
ferner für die 3.
pers.: Seb. Brant
narrensch. 6
Zarncke; Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 25
b; Calepinus
dict. (1579) 352
b; Lori
slg. d. baier. bergrechts (1764) 35; Meisl
theatr. quodlibet (1820) 1, 48.
der imperativ sing. lautet bis ins 16.
jh. hinein grab,
noch bei Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 29; 1, 195; 2, 121; Paracelsus
opera (1616) 2, 546;
jünger so nur noch mundartlich oder aus rhythmischen gründen. grabe
begegnet hier und da seit dem 14.
jh.: Tauler
dt. pred. 393
V.; (
Hes. 8, 8)
erste dt. bibel 3, 313
Kurr.; Hes. 8, 8; (
Magdeburg 1524)
städtechron. 27, 176;
es setzt sich seit der mitte des 16.
jhs. durch. das part. prät. zeigt im frühnhd. vereinzelt präfixlose form: Hans Sachs 1, 55
lit. ver.; 4, 148; 8, 79
u. ö.; Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 17
a; 19
a.
bedeutung und gebrauch. das verb entspricht in seinen bedeutungen A, B, C, D,
oft bis in die einzelheiten der weiteren konstruktion hinein, dem lat. fodere, das es in zahlreichen übersetzungsfällen wiedergibt, ohne dasz, von einzelfällen abgesehen, lehnübersetzung anzunehmen wäre. in der bedeutung E
dagegen entspricht graben
anderen lat. ausdrücken wie namentlich sculpere, scalpere, caelare. AA.
erde mit hilfe eines geeigneten werkzeuges umwerfen, vor allem zu dem zweck, land für den anbau von gewächsen [] herzurichten; vgl. pastinare graben (
md. 15.
jh.), grauen
vel vme don (
nd. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 416
a;
s. v. fossorium spade, om tzo grauen (
Köln 1507)
ebda 244
c; graben
die erden auffwerffen, fodere, defodere, fodicare, pastinare Henisch
thes. (1616) 1718. A@11)
meist in objektloser verwendung. A@1@aa)
oft und bereits im frühesten gebrauch verbindet sich mit der konkreten tätigkeit des grabens die vorstellung einer schweren arbeit. in der übersetzung von Luk. 16, 3
für gr. σκάπτειν,
lat. fodere: graban ni mag, bidjan skama mik
got. bibel 1, 145
Streitberg; ih ni mag graban, betolôn scamên mih
Tatian 108, 2
Sievers; graben mag ich nicht, so scheme ich mich zu betteln
Luk. 16, 3; Weise
erznarren 46
ndr.; bei ihnen heiszt es: graben mag ich nicht, so schäme ich mich zu betteln Jahn
w. 2, 954
Euler. freier: bistu aber swach worden, vnd kanst nitt mer penitentzliche werck wirken, so du nu nit magst graben, nit bescham dich zu beetlen Keiserserg
predigen teütsch (1508) 39
b.
aus dem biblischen gebrauch gelöst: das graben wird ihm saur, zum handwerk taugt er nicht Rachel
satyr. ged. 64
ndr.; er erkundigte sich vorher sorgfältig, ob er auch in seiner einöde täglich frisches brodt bekommen könne; ... ob man ihn nicht nöthigen werde zu graben oder holz und wasser zu tragen Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, 228.
sprichwörtlich: der soll graben, der essen haben will Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 222
b. A@1@bb)
ohne besonderen akzent von der tätigkeit des umgrabens: prouidentia uueiz tiu ding sament, fatum recchet siu einzen; uuanda dâr einêr fore begrûob, tarazûo hafta fatum; daz anderêr sîd târ grûob, zûo dîen zuein hafteta be nôte diu inuentio dritta Notker 1, 309, 16
Piper; ebda 308, 30; dede wir (
dem ackerland) keyne bezzerunge an myst, dunge adir an grabin, da suldin sie uns dar fuor duon als des landis gewonheyt ist (1339)
hess. urkundenb. 2, 477
Wyss-R.; das fúcht ertrich ain wenig gegraben ist nútz der inlegung (
der weinstecklinge) Österreicher
Columella 1, 214
lit. ver.; herr, las jn (
den unfruchtbaren feigenbaum) noch dis jar, bis das ich vmb jn grabe, vnd betnge jn
Luk. 13, 8; spahte ... ist ein werckzeug, damit man grAebet Gueintz
rechtschreibung (1666) 136; und dann kommst du auf's krautland und gräbst Göthe I 17, 253
W.; ich werde heut nachmittag in ihren garten kommen und graben helfen Fontane
ges. w. I (1905) 5, 134; die mutter grub noch immer ... die hälfte des ackers war bereits umgeworfen Gerhart Hauptmann
d. ges. w. (1942) 1, 249. A@1@cc)
neben anderen verben: gartner ..., der selb ... in dem felde vnd in den äckern mit graben mit pflantzen vnd mit wässern arbait hatt Niclas v. Wyle
translat. 276
Keller; wie nütz sey ackeren vnd graben
Petrus de Crescentiis v. ackerbaw (1531) 17
a; weil wir seind kein leibeigen knecht, vnd gleichwol ohn alles verschonen also sollen graben vnd fronen Ayrer
dramen 300
Keller; man egt, man gräbt Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 15; das erntefest habe ihm zwar ganz wohl, das bebestellen hinterdrein, pflügen, graben und abwarten keineswegs gefallen Göthe I 25, 1, 2
W.; ich will ... pflügen und graben Fontane
ges. w. (1905) I 6, 147.
redensartlich: graben und hacken macht (gibt) schmale backen Fischer
schwäb. 3, 780. A@1@dd)
mit adverbialer ortsbestimmung (
präposition mit dativ): das ich dich nit ersech im acker graben
Terenz deutsch (1499) 69
a; (
sie) wären gewahr worden, dasz in dem gärtgen nur gegraben gewesen Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 1, 7; (
Amadeus) erinnerte sich, wie er als kind im garten gegraben hatte E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 555. A@22)
transitiv mit dem akkusativ der sache, die erde, das feld
u. ä. graben;
vgl.garten graben
hortum pastinare [] Henisch
thes. (1616) 1718; Stieler
stammb. (1691) 687: und (
der mensch) sol rechte tuon also der ackerman der ... keret sin ertterich umb und grebet es mit grossem flisse Tauler
pred. 97
V.; in dem mertzen sol man die newen weingAerten graben, vnd gleich als ein puluer jr erdtrich klein machen
Petrus de Crescentiis v. ackerbaw (1531) 46
b; mit einer grabschauffel, als ob er ... das erdtrich grube Paracelsus
opera (1616) 2, 571; wie könnt ihr euch so wunderlich behaben, als wolltet ihr des nachbarn weinberg graben? Göthe I 4, 286
W.; (
Amadeus) wuszte nicht mehr, dasz es eine erde gab, die man nicht zu graben oder fortzukarren brauchte (
wie im kz) E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 63.
als objekt kann auch eine maszangabe fungieren: item 5
m. ane 2 scot (
gezahlt) vor 60 zeil zu graben uf des meisters rosgarthen (1399—1409)
Marienburger treszlerb. 7
Joachim; anders mit neigung zu B,
aufgraben: we dar de straten graft vnde maket des nicht weder to van stunden an, de breckt 3 mark (
Flensburg 15.
jh.)
d. d. jütischen low verwandten stadtrechte 77
Thorsen; ebda 192; derhalben ist vor alten zeiten in Italia durch gesatz verbotten worden, daz keiner des ertzes halben die erden grübe, die fruchtbaren feld sampt den weinbergen vnd ölgärten verwüste Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 6; und (
Amyntas) hub an, einen starken damm vor den baum hinzubauen, und grub frische erde S. Gessner
schr. (1777) 1, 39. BB.
die nord- und wetsgerm. sprachen (
für das gotische nur in zusammensetzungen bezeugt: bigraban
περιβάλλειν, ufgraban, usgraban)
kennen gebrauchsweisen des verbs, denen gemeinsam ist, dasz sich die tätigkeit des grabens als ein eindringen in die tiefe des erdreichs darstellt. freilich vermag graben
diese tätigkeit kaum prägnant, in intransitivem oder absolutem gebrauch, zu bezeichnen (1).
differenzierte anwendungsmöglichkeiten gewinnt das wort erst dadurch, dasz es über die blosze tätigkeit des grabens hinaus auf etwas zielt, das durch das graben in die tiefe betroffen oder erzeugt wird (2; 3; 4).
hier begegnet neben der vorherrschenden transitiven eine intransitive verwendung, bei der geeignete präpositionale bestimmungen an die stelle des akkusativobjekts treten. in erweiterung einzelner anwendungsweisen und vor allem fester wendungen des eigentlichen gebrauchs bilden sich zu verschiedenen zeiten und in unterschiedlicher art uneigentliche und übertragene gebrauchsweisen heraus, die ihrerseits eine eigene weiterentwicklung erfahren können. B@11)
die bedeutung '
in die tiefe graben'
eignet dem verb nicht unmittelbar; es gewinnt diese spezifische färbung erst aus dem weiteren zusammenhang, besonders mit hilfe bezeichnender adverbialer bestimmungen. der hier in frage kommende intransitive, manchmal auch absolute gebrauch scheint erst unter voraussetzung des meist transitiven gebrauchs unter 2
und 3
ermöglicht zu sein; in den selteneren anwendungen unter a
und b
kann allerdings auch der gebrauch unter A
den ausgangspunkt bilden. B@1@aa) tief graben: ane sin (
des richters) orlof mut man wol graven also diep, also en man mit eneme spaden upgeschieten mach die erde
Sachsenspiegel, landr. 3, 66 § 3
Homeyer; Constantinus der herre gut grub und grub also tief (
beim bau des münsters)
passional 71, 1
Köpke; was schetzend wir also tieffer zuo graben, so wir die reb mit als ainer nidren mAvsz inlegend? Österreicher
Columella 1, 230
lit. ver.; er ist gleich einem menschen, der ein haus bawete, vnd grub tieff, vnd legete den grund auff den fels
Lukas 6, 48; grab' mal fünf fusz tief? was ist da dann? was? ... thon, mein junge! eine mächtige schicht vom feinsten thon! Frenssen
Jörn Uhl (1917) 469.
vergleichbar: sie gräbt noch ein stück tiefer Werfel
Bernadette (1948) 204. B@1@bb)
mit kennzeichnenden präpositionalen ausdrücken. [] B@1@b@aα) (
bis)
auf, zu etwas graben: sîn (
des Marienlobs) ende ich nimmer vünde und grüebe ich ûf den dillestein (
das fundament der erde) Konrad v. Würzburg
d. goldene schmiede 33
Gr.; also grueb man gantz und gar bisz auf den grund des nidergefallnen turns und zoch die grosze stain alle herausz (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 5, 320; (
die das wasser darstellende jungfrau) sprach, wa ir binzen finden, da graben zuo der wurtzel, da finden ir mich, da bin ich daheim Pauli
schimpf u. ernst 17
Ö.; und als man nun grub zu dem grundt, den tempel drauff zu bawen Hans Sachs 15, 463
lit. ver. in übertragener anwendung, etwas unterhöhlen, zum einsturz bringen; vgl. 5 b
α: name der ... teüffel, die aller Aergesten ausz der kirchen ..., denen auch bewiszt der kirchen heymligkait, damit er jhr deszter basz kündte zum grund graben, brauchet er sie für seine offentliche diener J. Nas
evang. warhait 2 (1570) 126. B@1@b@bβ)
mit unter: der zustand, da der mensch unter sich graben und über sich fliegen lernte Herder 13, 50
S. vgl.: eine paraque ging in brandt; die leütte im hausz wolltens verhehlen, gruben unten nunder undt meinten, den brandt zu leschen Elisabeth Charlotte v. Orléans
br. (1719) 6
Holland. B@1@b@gγ)
etwas häufiger in mit akkusativ: man grebt in das ertrich Seb. Münster
cosmogr. (1550) 4; man grub daher in die erde und fand drei aus gediegenem silber gearbeitete bildsäulen br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 13.
uneigentlich: dan wann man jm (
dem raffgierigen, der das gold nicht nur in säcken, sondern auch im munde fortträgt) ins chrysostomisch oder guldenmaul grüb, so käm man darnach bald inn magen, da fänd man, das nicht alles gold sei, was gleiszt Fischart
w. 3, 98
Hauffen. B@1@cc)
ohne kennzeichnende bestimmung. die bedeutung '
in die tiefe graben'
ist an nebenvorstellungen gebunden, die sich aus dem zusammenhang der rede ergeben. B@1@c@aα) graben
mit dem zweck, etwas zu suchen und zu finden (
vgl. 2).
adverbiale bestimmungen dienen hier keiner kennzeichnung wie unter b,
sondern bloszer ortsbestimmung: ther thia einûn (
ein talent) intfieng gieng inti gruob in erda (
fodit in terra) inti gibarc scaz sînes hêrren
Tatian 149, 2; als sie nun begunden zu graben (
um Eulenspiegel auszugraben), da was er gleich faul (1515)
Eulenspiegel 144
ndr.; nim die wurtzel, so bald du kanst (dann je bAelder sie nach dem graben geschnitten vnd bereit wrdt, je besser es ist) Gäbelkover
artzneyb. (1595) 2, 188; von der Sachsen silberbergen kam nun eine tapfre schaar, die im graben wirklich kunstreich, und im wühlen ämsig war Schönaich
Heinrich d. Vogler (1757) 90; Toby ... begann emsig zu graben, aber die groszen wurzeln (
des baumes) ... lieszen ihn nicht recht von der stelle kommen Fontane
ges. w. (1905) I 6, 248.
bezeichnenderweise meist in lockerer verbindung mit finden
oder sinnverwandten verben: Egyptii gruôben unde suôhton scaturigines aquarum, sie funden aber sanguinem pro aquis Notker 2, 318, 17
P.; niwan ein wenic er do grub, alzuhant man da entsub, wie sich daruz ein wazzer hub als ein richlich gesprinc
passional 663, 49
Köpke; alda grub er und fand ain schacz von gold Steinhöwel
Äsop 61
lit. ver.; auch gruben Isaacs knechte im grunde, vnd funden daselbs einen brun lebendiges wassers
1. Mos. 26, 19; es kamen aber meine durstige Deutschen, welche an vielen orten brunnen zu finden gruben, auf eine ... wasserleitung Lohenstein
Arminius (1689) 1, 485
a; grabt in der mine, so findet ihr gold Sturz
schr. (1779) 1, 187; er hielt leute, die für ihn sammelten und gruben Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 129. B@1@c@bβ)
seltener für das blosze ausheben von vertiefungen (
vgl. 4): dar heft he (
der totengräber) overich vul lOen
[] ane vor sin arbeyt to gravende, grote und cleyne graff to makende (1452)
urkundenb. d. st. Hildesheim 7, 68
Doebner; vnd sonderlich in ewer stad, man tAeglich viel zu graben hat (
um gräber für die toten anzulegen) Rollenhagen
froschmeuseler (1595) G 2
a; es meldete sich ein ehrlicher mensch zum todengräberdienst; weil er sah, dasz er zum graben so wenig als zum predigen geboren war, so wurde er ein küster Hamann
schr. 1, 453
Roth; nun grub der gute bärenhäuter sehr emsig (
ein loch für den bären) Brentano
ges. schr. (1852) 5, 477.
anders, vgl. einen ähnlichen transitiven und präpositionalen gebrauch unter 5 c
α: da macht es die mutter zur strafe dem knaben, den weg durch die (
schnee-)mauer zu brechen. da musz er nun schaufeln, da musz er nun graben Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 166. B@22)
das verb ist, seiner bedeutung und der syntaktischen konstruktion nach, auf gegebenheiten gerichtet, die durch die tätigkeit des grabens gewonnen werden; etwas (aus der erde
o. ä.) graben, nach etwas graben '
etwas ausgraben, suchen'.
die sehr häufige transitive fügung mit dem bloszen akkusativ der sache (
s.a)
ist, wohl in anlehnung an ebenso konstruiertes lat. fodere, bereits ahd. bezeugt, während die konstruktion mit präpositionalem ausdruck (nach etwas graben,
s.c
und unter 3)
erst für das mhd. nachweisbar ist. dagegen scheint das ae. in dieser anwendung nur die präpositionale konstruktion zu kennen; vgl. se forma feohʒitsere ... grof aefter golde (
vor 1000)
bei Murray
engl. dict. 4 (1901) 375
b s. v. grave.
in anord. quellen sind beide fügungsweisen bezeugt; vgl. víat sniglar hafa gull mitt allt grafit
Gautrekssaga 10
Ranisch; grafa til vatns
bei Cleasby-Vigfusson
iceland.-engl. dict. 210
b. B@2@aa)
mit dem bloszen akkusativ der sache für das durch graben gewonnene, zu tage geförderte. B@2@a@aα)
in der erde befindliche dinge ausgraben, besonders bodenschätze wie erze, kohle abbauen; vgl. fodere argentum silber graben Frisius
dict. (1556) 573
a; ertz graben
fodere metalla Henisch
thes. (1616) 1718: zi nuzze grebit man ouh thar (
bei den Franken) er inti kuphar, joh bi thia meina isine steina Otfrid I 1, 69; mit wess gunst man golt grebet (1217)
in: dt. rechtswb. 4, 1043; auf dem gepirg und dâ pei, dâ man salzerz grebt Konrad v. Megenberg
buch d. natur 112
Pf.; als man silber grebt Tauler
pred. 150
V.; wa man bei solchen bAedern schwebel grebt Ryff
spiegel u. regiment d. gesundth. (1544) 119
b; wem sind nicht bekandt die vielen metallen so in Schlesien gegraben werden Prätorius
blockes-berges verrichtung (1668) 80; auf dem Dürnberg, da man jetzt ... aertzt grabt vnnd arbaith Lori
baier. bergrecht (1764) 35; eisen war theuer, aber es wurde von den östlichen stämmen (
der Germanen) gegraben und geschmolzen G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 68.
selten von einem maschinellen graben: zuweilen kommt aber doch ein erwachsener und fragt (
den Dummhans, der mit einem bohrer in der heide kies sucht): 'gräbst du gold?' dann sagt er: 'ich suche sand; aber ich finde ihn nicht' Frenssen
Dummhans (1930) 342.
auf vergleichbare dinge bezogen: Jhesus aines tages gieng mit andren kinden fúr das tor uff ainen aker, was da vor, und fundent da gegraben lain geberret ligen allain Wernher
Marienleben 5249
Päpke; en stucke phanes (
moor) dar men eede (
torf) uppe graven mach (
ostfries. 1415)
in: dt. rechtswb. 4, 1043; nur der erbzinsmann darf steine brechen, lehm graben, holz hauen Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 5, 366. schätze, geld graben: trisiuuet iu treso in himile, thar noh rost
[] noh miliuua iz ni furmelit noh thioba ni grabent (
effodiunt) noh ni furstelent (
Matth. 6, 20)
Tatian 36, 1
Sievers; wir (
die fahrenden schüler) kön warsagn und schätz graben Hans Sachs 9, 78
lit. ver.; goldmacherei und lotterie, nach reichen weibern frein, und schätze graben, segnet nie Bürger
s. w. 24
b Bohtz. uneigentlich: doch heimlich freut vielleicht sich manch geheimer feind, der die gemachte schuld noch zu verleugnen meynt, (
über deinen schlechten gesundheitszustand) er will aus deiner grufft verbothne schätze graben, und wenn du stirbst, von dir noch was zu leben haben Pietsch
geb. schr. (1740) 285; dieses (
hohe ämter) sind die gruben, wo ich geld zu graben hoffe Haller
Fabius u. Cato (1774) 141. B@2@a@bβ)
erdfrüchte, pflanzen, besonders heilkräuter ausgraben; vgl. radicare wurzeln graben Diefenbach
gl. 482
c; kräuter graben
eruncare herbas Dentzler
clavis germ.-lat. (1716) 139
a: batonje sô ist ez (
eine pflanze) genant und grabent altiu wîp Neidhart 187, 4
Wiessner; der mit sin negeln der hend in eim steinachten acker wurtzeln grebt Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) k 4
b; so wer mir weiter nicht not kräuter zu graben
buch d. liebe (1587) 158
b; grabe hirschwurtzel ... im meyen zwischen den 2. frauentagen
M. Böhme
vieh-artzney (1682) 20; doch warnen musz ich — fliehe diesen baum, bleib nicht allein, und grabe keine wurzeln um mitternacht, bereite keine tränke Schiller 13, 177
G.; (
der wettermacher) wuszte ... wann es zeit sei, seine wurzel zu graben H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 2, 257.
in älterer sprache häufig rüben graben,
meist mit dem nebensinn, dasz es sich um eine schwere und verachtete arbeit handelt: diu næhste rüebe in mînem garten grüebe, diu tanze ûf mîner slâ Neidhart 43, 23
Wiessner; bî dem (
bauern) muostu niuwen, dehsen, swingen und bliuwen und dar zuo die ruoben graben
meier Helmbrecht 1361
Panzer; her hauptman, ich gedenck vil mehr, er (
ein israelischer hauptmann) wöll auff dem berg ruben graben, das sie ein weil zu scharren haben. von kriegs wegen sinds nit auszzogen Hans Sachs 10, 137
lit. ver. redensartlich: den schwachen laszt ir rüben graben (
behandelt ihn verächtlich) Heinrich v. Neustadt
Apollonius 342
Singer; es ist bös rüben graben mit kappen, zypffeln, als man saitt (
zu jeder arbeit gehört das richtige werkzeug)
liederb. d. Hätzlerin 282
Haltaus; eid schwern ist leichter, denn ruben grabn Hans Sachs
fastnachtsp. 3, 138
ndr.; Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 157
a; Lehman
floril. polit. (1662) 2, 946.
anders: mit der nase rüben graben (
von leuten, die sich das gesicht beschmutzen oder die häufig hinfallen) Stieler
stammb. (1691) 1609.
in jüngerer mundart stumpen graben '
baumstümpfe roden',
übertragen für '
sehr schwere arbeit verrichten'
bei Fischer
schwäb. 3, 780.
vielleicht bezeichnet auch absolutes graben
als forsttechnischer ausdruck prägnant das roden von stümpfen: das sie (
die unterforster) recht haben zu duwen holz, zu meszigen wintfellen, zu kin, zu graben, zu heid und wipfeln (
Oberpfalz 1410)
weist. (1840) 6, 111. B@2@a@gγ)
in der beziehung auf tiere. (
eszbare weinberg-) schnecken graben: auch das kainer dem andern kaine schneggen zu schaden grab (1570)
österr. weist. 5, 289; (
sie) fiengen frösch, krebseten, gruben schnecken Fischart
Garg. 304
ndr.; im winter grub sie schnecken
[] Grimmelshausen
Simpl. 318
Sch. besonders im hinblick auf jagdbares wild, das durch aufgraben seines baues gefangen wird: der hof will schlechterdings haben, dass unsre kavaliere noch zu etwas mehrerm zu gebrauchen sind, als füchse zu graben Rabener
s. schr. (1777) 4, 132; und wer schneeglöcklein graben will und hat das glück dabei, der gräbt wohl einen bären aus und gräbt auch ihrer zwei Scheffel
ges. w. (1907) 2, 159; einen dachs graben '
durch anbohren im bau fangen' Fischer
schwäb. 3, 780.
sprichwörtlich: er sieht aus, als habe er mäuse gegraben (
von einem beschmutzten menschen) Schellhorn
sprichw. (1797) 64. B@2@a@dδ)
von γ her mundartlich in übertragener anwendung, ein liebespaar bzw. einen ortsfremden liebhaber im hause der geliebten belagern und ausheben: d's Zedi und der Jogg sind ulängst an-ire samstignacht va
n de
n ledege
n g'grabe
n worde
n in: schweiz. id. 2, 683. B@2@bb)
mit adverbialer ortsbestimmung neben dem akkusativ der sache; in vornhd. zeit nur vereinzelt, dann häufiger. B@2@b@aα)
in der beziehung auf bodenschätze, pflanzen u. ä. wie unter a: uuer uuas îo daz, ter êristo grûob ûzer erdo gold unde gimmâ (
qui primus fodit pondera tecti auri gemmasque) Notker 1, 98, 11
Piper; item 4 scot vor 2 spaten, do mete man die steyne us der erden hat gegraben (1399—1409)
Marienburger treszlerb. 247
Joachim; (
metalle,) die syn lüt usz den bergen gruoben Steinhöwel
de claris mul. 19
lit. ver.; wo man das silber aus der erden grebet, do findet man hundert tausend menschen, die es einen schatz nennen Luther 47, 227
W.; des krauts mandragora wurtzel ist von natur eben so formiret, als ein kleiner nackender mensch, die graben diese betrieger aus der erden Joh. Prätorius
saturnalia (1663) 160; man gräbt einen unförmlichen stein aus der erden
vernünft. tadlerinnen 1, 340
Gottsched; an einem gebirge, aus dessen einer seite sie eisen, aus der andern kupfer graben Ritter
erdkunde (1822) 1, 102; die gelben brüche, aus denen man den lehm für die nahe ziegelei gräbt A. Supper
holunderduft (1910) 130.
sprichwörtlich: geld grAebt man ausz der erde, vnd vergrebt es als bald wider in den kasten, vnnd das hertze mit Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) E e 8
a.
in bildlichem zusammenhang: (
Christus spricht:) ain yetlich zwy, das da nit ist gezwigt von minem vater oder gefrigt, das sol man die lenge nit behaben, sunder usz dem ertrich graben
schausp. d. mittelalters (1846) 2, 208
Mone; anfertigung des rö
m. bienenkorbes: der mörtel ... vermengt ... mit sand, der ausz der zerfallenen gruben menschlicher superstition oder aberglaubens gegraben wird, wol vndereinander gearbeitet Fischart
binenkorb (1588) 261
a. B@2@b@bβ)
über a
hinausgehend auch in anderen, mehr gelegentlichen, z. t. persönlichen beziehungen: und wenn man erde oder rasen aus dem selbigen wasser oder teich gräbet und setzets in ein ander wasser, so wachsen aus derselbigen erde fische Luther
tischr. 6, 41
W.; vil fuoszknecht seindt gefunden worden bei dem see Copidem genant, alda seindt die verstorben leichnam ausz dem schleym gegraben Carbach
Livius (1551) 246
a; eh die nachwelt meine gebeine aus dem kirchhof eines herzogthums gräbt, soll sie sie auf dem rade zusammenlesen Schiller 3, 157
G.; (
ich) grub eine marmorne heldenschulter aus dem schutt Hölderlin
ges. dicht. 2, 74
L. B@2@b@gγ)
die wendung jemanden
oder etwas aus der erde graben (wollen),
in konjunktivischer oder futurischer umschreibung, kann im älteren nhd. als komplexes bild das meist einem anderen unterstellte dringende verlangen ausdrücken, gegenwärtig verachtete personen oder einrichtungen wieder zu ehren zu bringen und sich nutzbar zu machen: o wenn wyr wisten, was straff solch willige
[] scham rodt fur keme und wie gnedigen got sie machet, das der mensch yhm tzu ehren sich selb szo vornichtiget und demutiget, wyr wurden die beycht ausz der erdenn graben und ubir tausent meyl holen Luther 8, 176
W.; jha, man wird ihnen (
einen frommen prediger) zehen ellen tief aus der erden graben ... wollen, welchen man itzt nicht leiden kan (1530/32)
ebda 33, 576; jetzt, weil ich (
Christus) hie bin ..., so wolt ihr mich nicht haben ... aber wen ich hinweg kommen werde, so werdet ihr mich hundert ellen tief wollen aus der erden graben. aber ihr werdet mich nicht ein harrbreit finden (1530/32)
ebda 33, 574; ihn (
einen verstorbenen rektor) würde Torgau, gieng es an, mit nadeln aus der erde graben, und könnt ihn Hirschberg wieder haben, man wendete wohl noch mehr dran Stoppe
Parnasz (1735) 374.
ähnlich in mehr abstrakter fassung: warum ist das liecht gegeben den mheseligen, vnd das leben den betrbten hertzen? (die des tods warten vnd kompt nicht, vnd grben jn wol aus dem verborgen, die sich fast frewen vnd sind frölich, das sie das grab bekomen)
Hiob 3, 21.
in indikativischer form für den bloszen sachverhalt: du (
Erasmus) hast yn kurtz vergangner zeit die ... gestorbene gotselikeyt, mit deinen schrifften, gleich als mit negeln, widerumb ausz der erden graben, das evangelium wider an tag bracht (
pietatem refodiebas) Hutten
opera 2, 216
B. B@2@b@dδ)
uneigentlich im sinne von '
herausreiszen, hervorholen'
von tätigkeiten, die dem ausgraben lediglich vergleichbar sind. dem eigentlichen gebrauch sehr nahe stehend: ein ort do man die wetzstein grabt oder auszbricht Calepinus
dict. (1579) 352
b s. v. cotaria; wie die Witzenbrger einen mlstein gruben und einer darmit hinweg lieffe (
überschrift). es haben die bauern ... in einer steingruben einen stein gehauen
grillenvertreiber (1670) 137.
im älteren gebrauch meist im sinne einer gewaltsamen handlung: doch getorstest dû die ougen dîn eir ûz dînem kopfe graben, eir dû in (
Tristrant) torstest jagen Eilhart v. Oberge 6875
Lichtenstein; (1498)
Tristrant u. Isalde 148
Pfaff; man süll zum ersten die schaben vsz der hüle mit ainer nadeln graben Mynsinger
v. d. falken 27
lit. ver. in abstrakter bedeutung: got wil uch im zu dienste haben. nu sult ir von dem herzen graben und uch reinegen damite swaz an uch ist alder site
väterbuch 31506
Reissenberger; ich hab in ... ausz meinem hertzen gegraben und erkenn ihn für keinen son mehr Wickram
w. 2, 37
lit. ver. jünger mehr bildhaft anschaulich in unmittelbarer anlehnung an den eigentlichen gebrauch: nun zupfte sich der polizeimann die handschuhe ab, grub das notizbuch aus der brust und tat etwas, was man 'zum protokoll schreiten' zu nennen beliebt Steguweit
d. törichte jungfrau (1937) 52. B@2@cc)
in der präpositionalen konstruktion nach oder auf etwas graben
ist der nebensinn des suchens betonter als unter a
gegeben. diese fügung ersetzt gelegentlich diejenige mit dem akkusativ der sache: aber alle Egypter gruben nach wasser vmb den strom her, zu trincken
2. Mos. 7, 24
gegenüber: wann alle die Egiptier die gruoben das wasser durch den vmringe des flosz das sy truncken
erste dt. bibel 3, 241
Kurr.; vgl. auch das kompositum nachgraben: samlet euch aber schetze im himel, ... da die diebe nicht nach graben noch stelen
Matth. 6, 20
gegenüber Tatian 36, 1
Sievers (
s. unter a
α).
mit sicherheit erst seit dem mhd. nachweisbar: daz man nâch dem wazzer muoz tiufe graben manigen fuoz Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 3471
Weinhold; und (
Ypolitus) hofte ouch na dem gute, darnach der keiser also grub
passional 380, 73
Köpke; [] do gruoben Allexanders man nach dem schacz har und dan (
var. B;
hs. 15.
jh.) Lamprecht
Alexander 3547
Kinzel; gleych wie man ynn eyner zustOereten stad ynn der asschen nach den schetzen und kleynoten grebt (1524) Luther 15, 50
W.; alle drey und vier jahr wird nach dem sssen holtz gegraben Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 68
a; ich sah die armen knaben drauf in die wälder gehn, nach wilden wurzeln graben, das war hart anzusehn Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 192; selbst die rohen Athabaskenstämme haben auf kupfer gegraben Peschel
völkerk. (1874) 459.
sprichwörtlich: wo man gold graben kann, gräbt man nicht nach silber Wander
sprichw. 1, 1795.
uneigentlich wie b
δ: (
der bader) mit einem instrument anhub und wider nach dem doren (
im fusz eines mädchens) grub Hans Sachs 17, 274
lit. ver. B@33)
in mehr oder weniger engem anschlusz an einzelne punkte des eigentlichen gebrauchs unter 1
und 2
wird graben
auf ein geistiges streben und suchen übertragen. B@3@aa)
nach einer sache streben, mit der präposition nach oder auf, besonders mhd.: vernim, wie sich daz hüebe, daz ê mîn herze grüebe nâch dîner werden minne Konrad v. Würzburg
Partonopier 1770
Bartsch; daz Hector, der küene, dô nâch hôhem prîse tiefe gruop
ders., trojan. krieg 4007
Keller; er were hie oder dort, ... so was er dran ie balde daz er grub uf wisheit
passional 402, 21
Köpke. vgl.nach unglück graben
unt. 4 c
β δδ am ende. ohne zusammenhang mit dem älteren gebrauch als spontane bildprägung: wenn so ein musje von, sich da und dort, und dort und hier (
in der liebe) schon herumbeholfen hat ..., schmekts meinem guten schluker freilich, einmal auf süsz wasser zu graben Schiller 3, 357
G. B@3@bb)
im sinne von '
forschen, nachforschen'.
die von C
her verständliche vorstellung eines intensiven eindringens, eines intellektuellen bohrens ist meist mitgegeben; vgl. die stärkere ausprägung dieser bedeutung in der schon ahd. bezeugten iterativbildung grübeln (
teil 4, 1, 6,
sp. 612). B@3@b@aα)
absolutes graben
begegnet namentlich in älterer sprache: ich enkan nindert vinden an dem man ein rechte sache swaz ich grabe
d. alte passional 67, 36
Hahn; der gute man begonde graben unde biten harte vlizeclich daz er (
ein in sünde gefallener mönch) vor im niht burge sich
väterbuch 15 706
Reissenberger; sic nemo illa profunda scripturarum videt, und wen man anhebt zu graben, so kan man sie nit gnug erauszgraben Luther 14, 269
W. jünger noch in spontanem bildgebrauch: aber der dichter hätte diesen schlüssel grösser machen sollen, er ist zu klein. ein kritiker, der gräbt und schaufelt und umhersieht, konnte ihn wohl finden Börne
ges. schr. (1829) 1, 190.
in der verbindung mit tief
in nhd. zeit häufiger: kain maister sol darümb nit diefer graben
fastnachtsp. 2, 694, 13
Keller; gräbt und ahndet es (
das herz) nicht tiefer und bringt gleichsam das unsichtbare ans licht? Herder 15, 151
S.; doch hab ich leute unter ihnen gefunden, die tiefer gruben und gründe aufsuchten Schubart
leben 1 (1791) 224; es sollte ein besonderer hymnus auf Rosenberg, den philosophen und künder der reinen lehre sein, der tiefer grabe und höher hinauflange als Goebbels Klemperer
l. t. i. (1949) 255.
[] B@3@b@bβ)
mit angabe des bereichs, in dem geforscht wird: also lange er (
der priester) an ir (
der unruhe der mönche) grub untz daz ir iegelich entsub wie er in houbt sunden lac
väterbuch 11029
Reissenberger. oft im zusammenhang ausgeführter bilder. von der vorstellung eines zielgerichteten forschens her, mit präpositionalem akkusativ und häufig mit adverbialem tief: nim vur dich, du tummer man, prufe und grab mit sinnes grabestickel in die vernunft
d. ackermann a. Böhmen 8
Hübner; welches die ... folge hat, dasz er gerade in die fundgrube der sprache nur so tief gräbt, als seine Berl. vorgänger vor ihm gegraben hatten Gerstenberg
rezensionen 4
lit.-denkm.; o ihr dreymal seligen erdbewohner, die ihr mit eurem verstande nur bis dahin grabet, wo gold- und silberadern anzutreffen sind Heinse
s. w. 3, 108
Schüddekopf. in die tiefe graben: (
Goethes '
Wilhelm Meister') bereitet sich gleichsam schon vor, in die äuszersten tiefen des innern menschen zu graben
Athenäum (1798) 1, 2, 170
Fr. Schlegel. in reflexiver fügung, von D 2 c
her: die geschichtsforschung wandte der neueren zeit den rücken und grub sich in die urgeschichte, wohin sie die mythologische forschung der philologen wies Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 574.
erst jünger, von einer mehr statischen auffassung her, mit präpositionalem dativ: dir im innern lieget edelgestein und gold; da grabe in den grüften Herder 27, 29
S.; Leszing grub in den schätzen seiner bibliothek und fand, was man in bergwerken findet, gold- und erzadern, silber und steine
ebda 5, 265; sie kommen aus der musen stillen stuben, wo sie in ernster weisheit schachten gruben Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 28; in dieser welt des geistes mit allen fasern zu graben und zu arbeiten E. Wiechert
d. Jerominkinder (1945) 123. B@3@b@gγ)
mit angabe des gegenstandes oder des zieles, nach dem geforscht wird. älter gelegentlich mit richtungsadverb: da fellt dir zorniger gedannck ein, du suochst die selben floch (
d. h. gedanken, die dich wie flöhe quälen), das ist, du gedennckst jm nach, du griblest vnd grebst ymmermeder hinnach Keisersberg
granatapfel (1510) c 6
c; man mus aus der schrifft den rechten schatz, den kern ... nemen, welches ist das exempel des glaubens und der liebe, darauff sol man sehen, wo es gott heraus geschrieben hat, da darffest du nicht tieff darnach graben (1524) Luther 16, 72
W. mit abhängigem satz: der keiser wart do vurbaz graben wer der bischof were
passional 17, 54
Köpke; ob der richter merckte, das ein gezeuge stammelnde seine aussage angebe, sol er ... fleissig darauf mercken vnd darnach graben, ob der gezeuge falsch oder gerecht sey (1561)
in: dt. rechtswb. 4, 1043.
mit präpositionalem ausdruck. nach etwas graben: in den negermährchen nach sagen der urwelt zu graben Herder 13, 418
S.; das hochgepriesene grübeln und graben nach neuen vorstellungsarten dürrer und fruchtloser wissenschaft Zimmermann
einsamkeit (1784) 2, 42; wir sehen in der gelehrten welt ein rastloses forschen und graben nach neuer kenntnisz Riehl
d. dt. arbeit (1861) 284; graben sie in sich nach einer tiefen antwort (1903) Rilke
br. (1950) 1, 41.
bildlich zu der wurzel graben '
die ursache für etwas suchen': dasz z verhuetung ubels vor allen dingen die ursach desselben hinweck z nemen und also, wie man sagt, z der wurtzel zu graben sein mueszt (
Augsburg 1548)
städtechron. 32, 79.
mit dem bloszen akkusativ der sache, bildlich in engem anschlusz an den eigentlichen gebrauch unter 2 a: ihr werdet alles schön und doch verschieden finden und den zu reichen schatz (
der naturwunder) stäts graben, nie ergründen Haller
ged. 36
Hirzel; [] Schwabe
tintenfässl (1745) 87; wenn wir für nache und noth, für
ἀνάγκη und nanciscor nactus scheinbar dieselbe wurzel graben Jac. Grimm
kl. schr. (1864) 3, 170. B@3@b@dδ) etwas aus einer sache graben '
eine erkenntnis gewinnen'
; von dem eigentlichen gebrauch unter 2 b
her in bildlicher vorstellung: mag ich hüt nit die warheit vss dir graben
Terenz deutsch (1499) 69
a; könnt ich aus deinen augenschächten graben, was mich so seltsam überlegen beugt Fr. v. Unruh
ein geschlecht (1918) 42. B@3@b@eε)
bei der erst in jüngerer zeit begegnenden attributiven anwendung des part. präs. tritt das intensitätsmoment besonders hervor: den boden zu jenen majestätischen sittlichen gebäuden eben und baufest zu machen, in welchem sich allerlei maulwurfsgänge einer vergeblich, aber mit guter zuversicht auf schätze grabenden vernunft vorfinden Kant 3, 249
akad.; unsere fortwährend grabende phantasie H. Laube
ges. schr. (1875) 1, 255; der umsonst nach erkenntnis grabenden philosophie Alverdes
dank u. dienst (1939) 74. B@44) graben
mit dem ziel, bestimmten zwecken dienende vertiefungen auszuheben; diese erscheinen syntaktisch gewöhnlich als (
inneres)
akkusativobjekt; vgl. ae. þæt ic grofe græf (
vor 1000)
bei Murray
engl. dict. 4 (1901) 375
b s. v. grave;
anord. grafa grǫf
bei Cleasby-Vigfusson
iceland.-engl. dict. 210
b. B@4@aa) brunnen
u. ä. graben: si gruoben zallen stunden uile harte tieffe brunnen
Wiener exodus 100, 10
Hoffmann; d. anegenge in: Hahn
ged. d. 12. u. 13. jhs. 1, 45; in welhe weis ich gruob disen brunnen (
1. Mos. 21, 30)
erste dt. bibel 3, 107
Kurr.; sieben lemmer soltu von meiner hand nemen, das sie mir zum zeugnis seien, das ich diesen brun gegraben habe
1. Mos. 21, 30; daselbst musten die königischen ... im lAeger brunnen graben Rätel
chron. d. herzogth. Schlesien (1607) 257; J. H. Voss
antisymb. (1824) 2, 419; meine leute graben mir im park einen artesischen brunnen Fontane
ges. w. (1905) I 4, 111.
in bildlichem zusammenhang im anschlusz an Jer. 2, 13: sy haben mich gelassen das lebendig wasser vnd haben jn selber gegraben ain cysterne die kain wasser entheldt Tauler
pred. (1508) 51
c; verlest mich und grebst faule born Zwingli
v. freiheit d. speisen 35
ndr.; Spee
güld. tugendbuch (1649) 426. B@4@bb) ein grab,
im gleichen sinne auch eine grube
u. ä. graben. B@4@b@aα)
eigentlich: (
Joseph) mit der erde dich (
Jakob) petrôret, da du dir selbe leger gruobe, ê du dich dannen huobe
d. altdt. genesis 5048
Dollm.; daz man ir balde ein grap grabe, swenne ir diu sêle ûzgê Stricker
mären 26
Rosenhagen; item 4 scot den zigil ofzu brechen, das grab zu graben und den estrich mit dem zigil wider machen in der kirchen (1399—1409)
Marienburger treszlerb. 274
Joachim; und mitleidig grub er mit eignen händen ein grab ihm (
dem ertrunkenen) Herder 26, 21
S.; hat dieser kerl kein gefühl von seinem geschäft? er gräbt ein grab und singt dazu
Shakespeare 3 (1798) 325; und unter diesem zarten gewebe lag das schweigen der gräber und der jahrhunderte seit den tagen, wo dieser zweig alemannischen volkes sich hier festgesetzt und die erste grube gegraben G. Keller
ges. w. (1889) 1, 182.
vereinzelt und wohl nur auf grund eines fodere der lat. vorlage '(
schon vorhandene)
gräber aufgraben': dâ grûben grebere sîne (
Alexanders) man, dâ sî zô den stunden inne genûc vonden guldîner nepphe (
erant enim in ipsis locis sepulcra mortuorum. et fodientes ibi invenerunt vasa aurea et argentea) Lamprecht
Alexander 3547
Kinzel. [] B@4@b@bβ)
uneigentlich. jemandem
oder einer sache das grab graben '
den tod, untergang bereiten' (
vgl. unter c
β δδ): wo wird ein schAefersinn zu knsten angestrenget, so, wie zu Jhen (
d. i. Jena) gemein? da mancher schAeferstab, indem er knste liebt, grAebt seines todes grab vnd macht sein sterben todt S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 8; die falten meiner stirn, jetzt voller blut, sind königsgrüften oft verglichen worden; denn welches königs grab konnt' ich nicht graben?
Shakespeare 8 (1801) 332; so halfen denn jene wilden Obonten ... aus der zeit des dreiszigjährigen krieges dafür auch die staatsgewalt kräftigen, aber gruben eben damit ihrer institution selbst das grab Meinecke
Boyen (1896) 1, 184.
in reflexiver beziehung (sich) sein (eigenes) grab graben: der bey gewürzter kost und starkem essen lebt, und da sein eigen grab mit seinen zähnen gräbt
slg. v. schausp. (1764) 1, 67; vergebliche wünsche graben sich früh ihr eigenes grab Nestroy
ges. w. (1890) 5, 25.
anders mit präpositionalem ausdruck: schon gräbt der tod an eurer gruft Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 118. B@4@cc) eine grube graben. B@4@c@aα)
eigentlich: mit sinen vingerlin es (
das Jesuskind) gruob ain grbli vil klaine Wernher
Marienleben 3728
Päpke; dass ein grosze, tieffe gruben gegraben werde Kirchhof
wendunmuth 2, 347
Ö.; er befahl, eine tiefe grube zu graben, und Anthien nebst zwei groszen hunden hinein zu werfen Bürger
s. w. 267
a Bohtz. speziell im hinblick auf eine fall- und fanggrube: wenn die jäger ainen pern vâhen wellent, sô grabent si ain gruob Konrad v. Megenberg
buch d. natur 163
Pf.; eine mit reisern bedeckte wolfsgrube, die kannte Gockel gut, denn er hatte sie selbst gegraben Brentano
ges. schr. (1852) 5, 61. B@4@c@bβ)
der übertragene gebrauch der wendung, jemandem in hinterhältiger weise zu schaden, ihn ins unglück zu stürzen versuchen, lebt von der bildhaften vorstellung der grube als einer fall- und fanggrube; vgl. einem ein gruben graben
fodere foveam Henisch
thes. (1616) 1718; einem eine grube graben
insidias alicui struere, parare, moliri Stieler
stammb. (1691) 689.
die wendung ist in diesem sinne bereits alttestamentlich bezeugt, sie findet schon früh durch übersetzung des lat. vulgatatextes und dann besonders durch die Luther
-bibel eingang in die deutsche literatur- und umgangssprache. B@4@c@b@aaαα)
in der eingliedrigen formel (jemandem) eine grube graben,
gewöhnlich mit persönlichem dativobjekt. in wörtlichem anschlusz an biblischen gebrauch: unz demo sundigen gruôba gegraben uuerde, dâr er in sturze unde furder ûf nestande (
donec fodiatur peccatori fouea) (
ps. 93, 13) Notker 2, 396, 15
P.; die stolzen graben mir gruben, die nicht sind nach deinem gesetze
ps. 119, 85.
in der übersetzung sachlich entsprechender, aber anders formulierter stellen des hebr. textes: ists recht, das man guts mit bösem vergilt? denn sie haben meiner seelen eine grube gegraben
Jer. 18, 20 (
auch die vulgata und die vorlutherischen bibeln haben die wendung an dieser stelle gegen den hebr. wortlaut eingesetzt); ir fallet vber einen armen waisen, vnd grabt ewern nehesten gruben
Hiob 6, 27 (
der hebr. text hat ו '
ihr grabt, d. i. stellt nach'
ohne akk.-obj.; die vulgata setzt entsprechend subvertere nitimini amicum vestrum).
aus dem biblischen zusammenhang gelöst: der ... grosse hauffe in der welt ... trachtet wie man Christo eine grube grabe, oder einen kumpff lege Mathesius
fastenpred. (1570) 28
b; ich sehe es leicht vorher, es wird einigen dieser thörigt vorkommen, welche es der klugheit gemäsz zu seyn erachten, den vorher zu stürtzen, der uns eine grube graben will Wolff
ged. v. d. menschen thun (1720) 583; wenn es einem ... auch noch so lang
[] glückt, fällt er doch endlich ... in eine grube, die ihm, gott weis wer, gegraben hat Göthe I 37, 129
W. ohne persönliches dativobjekt: (
Atropos:) sehen sie da den herzbuben? (
Lachesis:) aber die trefdame grabt eine gruben Meisl
theatr. quodlibet (1820) 1, 48. B@4@c@b@bbββ)
in sprichwörtlicher fassung zur zweigliedrigen formel erweitert in dem sinne, dasz ein einem andern zugedachtes unglück auf den urheber selbst zurückfällt. ebenfalls schon alttestamentlich, aber, wie auch in Luther
s übersetzung, noch ohne persönliches dativobjekt: der do grebt die gruobe der velt in sy (
qui fodit foveam, incidet in eam; prov. 26, 27)
erste dt. bibel 8, 72
Kurr.; wer eine grube grebt der fellt selbs drein
spr. 26, 27;
Sir. 27, 29; offt einer grebt ein grub, allein sein nechsten zu bringen in pein, unnd zu-letzt felt er selb darein Hans Sachs 5, 84
lit. ver.; ebda 19, 115.
gewöhnlich mit dem dativ der person: vil dicke er selbe drinne lît, der dem andern grebt die gruoben
minnesangs frühling 22, 32
Kraus; also geschieht gemeinklich allen denen, die ander leüten ein gruben graben unnd zu letst selber darein fallen Schumann
nachtbüchlein 59
Bolte; wer sich aus übermuth erhebt, und andern eine grube gräbt, der pflegt zuerst hinein zu fallen Triller
poet. betracht. (1750) 1, 558; Brentano
ges. schr. (1852) 5, 61
u. ö. auf bestimmte vorgänge bezogen. biblisch: sî indeta diê gruôba, dar si Christum befellen uuolta. unde sî gruôb sîa, unde in diâ selbûn sturzta sî (
ps. 7, 16) Notker 2, 19, 25
Piper; sie gruôben mir gruôba, unde siê sturzton darain (
ps. 56, 7)
ebda 2, 216, 17;
ebda 2, 362, 11; er hat eine gruben gegraben vnd ausgefrt, vnd ist in die gruben gefallen, die er gemacht hat
ps. 7, 16;
ps. 57, 7.
auszerbiblisch: dû hâst mir aine gruobe gegraben, dû muost selbe den scaden haben
kaiserchronik 7512
Schröder; die groue hetich gegrauin, ich moz dar selue in uarin
könig Rother 4528
de Vries; sus in dî grûbe, dî er grûb, der Loket vallis selb entsûb Nicolaus v. Jeroschin 27623
Strehlke; int grueben, die er graben hat, mes er auch schentlich fallen Hans Sachs
s. fabeln u. schwänke 4, 148
ndr.; der (
ist) selbst in die grube gefallen, so er dir gegraben
engl. comedien u. tragedien (1624) F 6
b; jeden, der mir eine grube graben wollte, sah ich immer noch selbst hineinfallen Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 252. B@4@c@b@ggγγ)
reflexiv sich selbst die
oder eine grube graben.
wohl unter voraussetzung von ββ,
aber, da grube
auch im sinne von grab
geläufig ist, oft nahezu gleichbedeutend mit übertragenem sich sein grab graben (
s. unter b
β): manger ein gruobe hât gegraben im selben, daz er sich dar an gar wênic leides versan unz er die wârheit ervant Heinrich v.
d. Türlin
krone 16 827;
ebda 12 003; da grabend jr vnsinnigen tobenden ... euch selb ain gruob vnd fallen darein
reformat. flugschr. 1, 112
Clemen; wir graben selber uns die grube, und wissen's alle nicht, ein jeder, der auf seiner stube für volksaufklärung ficht Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 259.
sinngemäsz: beweinenswürdig ist des stolzen ende — wann er die grube seiner grösze gräbt Hölderlin
ges. dicht. 1, 51
Litzm. B@4@c@b@ddδδ)
gelegentlich wird das substantiv der wendung eine grube graben
durch ausdrücke ähnlicher bedeutung ersetzt. durch grab (
vgl.b
β):
[] mancher grAebt eim andern ein grab, darein er doch vor selbsten fällt
lied. a. d. winterkönig 303
Wolkan. besonders durch abgrund: (
er) wurde mit wuth zwischen sich und der schönen Luceja den abgrund gewahr, den seine unvorsichtigkeit selber grub Kretschmann
s. w. (1784) 5, 274; es liegt um uns herum gar mancher abgrund, den das schicksal grub Göthe I 10, 229
W. auch in präpositionaler fügung: der ihnen so laut und schrecklich warnend den abgrund zeigte, an dem sie so thätig und rastlos graben, als könnte er sie nicht früh genug verschlingen Klinger
w. (1809) 8, 157.
ähnlich durch kluft: ihre (
der liebe) sympathie fülle die kluft, die ich grub Görres
ges. br. (1858) 1, 56.
auch abstraktere ausdrücke treten, dem abgezogenen sinn der wendung entsprechend, ein: 'si fren uber sich selbst ein schnell verdamnis'. denn ym ebreischen mag diser text auch also lauten: bis dem got losen das verderben gegraben werde. 'verderben' und 'gruben' fast auff eins stymmet (
zu ps. 94, 13;
vgl. Notker 2, 396, 15
unter αα) (1526) Luther 19, 590
W.; und so gräbt uns das schicksal einen banquerout (1826) Göthe IV 41, 29
W. auch die deutschen übersetzungen von sprüche 16, 27
gehören wohl zu diesem typus. wörtlich dem hebr. text und dem der vulgata entsprechend: der vngeng mann grebt das vbel (
vir impius fodit malum)
erste dt. bibel 8, 46
Kurr. seit Luther
mit präpositionalem ausdruck anstelle des akkusativobjekts, vielleicht schon in anlehnung an 3 a: ein loser mensch grebet nach vnglck, vnd in seinem maul brennet fewr
sprüche 16, 27.
ganz von 3 a
her verstanden: wer sich in gwalt zu hoch erhebt der grebt jm selbs nach grossem vnglck Forster
frische teutsche liedlein 182
ndr.; grab nit nach unglück, du wirst es finden Dentzler
clavis germ.-lat. (1716) 139
a. B@4@dd) einen grund, ein fundament graben '
einen baugrund ausheben'
; vgl. fundament graben
fundamentum, aut fundationes fodere Henisch
thes. (1616) 1718; einen baugrund graben
fundationes fodere Stieler
stammb. (1691) 687: als nun dieselbigen mönche im kloster bauen wollten und das fundament gegraben, da hatte man in der erde zwölf töpfe gefunden Luther
tischr. 6, 283
W.; als nun der platz geraumpt vnd ... weitte vnnd grösse abcirckelt ward, fieng mann an gewaltig die gründ zu graben Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 313
b; (
die Karthager) disz orts ankamen vnzertrennt, vnd gruben der statt fundament Spreng
Äneis (1610) 12
a; auf Trinita di Monte wird abermals ein obelisk aufgerichtet ..., der grund wird schon gegraben (1787) Göthe IV 8, 154
W.; (
sie) steckten das viereck aus und den schmälern chor nach der morgenseit' und gruben den grund (
beim kapellenbau) Mörike
ges. schr. (1905) 1, 250.
übertragen: es sind die heiligsten, gelehrtesten, erfahrensten männer aller zeiten, die ... ihr (
der röm.-kathol. kirche) einen grund gegraben und eine brustwehr aufgeführet Göthe I 19, 298
W. B@4@ee)
im hinblick auf horizontal verlaufende vertiefungen, einen graben, gang, kanal
u. ä. graben. B@4@e@aα)
eigentlich: was die maisterschaft gebiet und der bumaister weg ze bessern und graben ze graben (1302,
nach einer abschrift von 1700)
württ. ländl. rechtsqu. 2, 862; demnach hat der Gnotzamer ... ein greblein ... graben lassen (
Nürnberg 15.
jh.) Tucher
baumeisterb. 218
lit. ver.; die ärme des Niels ... hatte der schaltkönig schon zuvor graben lassen Zesen
Assenat (1679) 545; er habe durch ganz Ägypten ungeheure kanäle graben lassen Hegel
w. (1832) 9, 208; endlich war es uns gelungen, einen gang zu graben Raupach
dram. w. ernster gattung (1835) 5, 272; er ... grub teiche und flüsse Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 204.
[] B@4@e@bβ)
in verschiedenen, auf einem bildgebrauch des objekts beruhenden übertragungen: da er ihr (
einer verheirateten geliebten) also nicht entsagen, und doch der hölle gern entgehen wollte, so bediente er sich des bekannten seitenwegs, den man in Rom aus gold- und herrschsucht neben der religion gegraben hat, und liesz sich durch absolution seiner sünden die zukunft zusichern Klinger
w. 3 (1815) 184; wer stiege nicht gern hinauf zu einer älteren zeit, ... da die völkerströmungen sich ihr selbstgewähltes bett gruben Börne
ges. schr. (1829) 6, 51; mein helfer gräbt getreulich seine gänge, doch wär' ich richter, faszt' ich seinen hals G. Freytag
ges. w. 3 (1887) 227. B@4@ff)
in anderen, mehr gelegentlichen beziehungen: was schiffend auf den wellen schwimmt, und in den erden höhlen gräbet; das alles brennt, das alles glimmt, wenn es der liebe glut belebet Gottsched
ged. (1751) 1, 222; einen kleinen keller zu graben Schnabel
insel Felsenburg 179
Ullr.; dann hab ich ein loch gegraben zwischen den ... wurzeln der pappel Bettine
Brentanos frühlingskranz (1844) 41.
in anscheinend kontinuierlicher übersetzungstradition von Matth. 21, 33: inti (
der mann) gruob in imo (
dem weingarten) calcaturûn (
et fodit in eatorcular)
Tatian 124, 1; ein man ... pflantzt ein weingarten ... vnd gruob ein presz in im
erste dt. bibel 1, 81
Kurr.; es war ein hausvater, der pflantzet einen weinberg, vnd fret einen zaun drumb, vnd grub eine kelter drinnen, vnd bawet einen thurn
Matth. 21, 33. B@4@gg)
selten mit präpositionaler bestimmung zur kennzeichnung dessen, in das hinein eine vertiefung gegraben wird. als präposition begegnet vereinzelt unter mit dem akkusativ: der liesz im graben mit begerden ein grosse hül undter die erden Hans Sachs 2, 75
lit. ver. meist in mit dem akkusativ: man gräbt ein rundes loch in die erde Kotzebue
s. dram. w. (1827) 2, 270; er grub die löcher in die weiche erde G. Keller
ges. w. (1889) 6, 159.
übertragen: wenn yhr euch denn selbs (
in der hl. schrift) also habt wol vnterweyset, so habt yhr schon eyn kunstbrun ynn ewer hertz vnd gedancken ... gegraben, der nymmer mehr ausstrcknen noch versiegen màg Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 189
ndr. B@55)
spezielle anwendungen erfährt graben,
im wesentlichen an den gebrauch unter 4
anknüpfend, im bereich des kriegswesens. B@5@aa)
im befestigungsbau von verschiedenen schanzarbeiten, so der anlage von befestigungsgräben: do grub man einen burc graben
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 34, 15
Diemer; so grept man ainen tieffen graben dar vmb (
um das kastell) (14.
jh.) Wackernagel
altdt. pred. 55; item so man etwan eins lands ort, thal, feldt oder lAeger befestigen wil, ... so grAebt man gleich darvor oder darhinder (
dem palisadenzaun), wo es am besten ist, ein graben Fronsperger
kriegsb. (1596) 1, 109
a.
vom aufwerfen der schanzen, vgl. graben,
m. A 1 b
α '
wall, damm': sie (
die Trojaner) hizzen graben irn graben. als iz vf was erhaben ... zv hant wart ir kraft so starg Herbort v. Fritzlar
liet v. Troye 1781
Fr.; die (
bauern) muoss man zu dem heerzüg haben, splanaden machen, schanzen ze graben
N. Manuel 98
Bächtold; der sammlet jeden seltnen stein, ... der sucht nur pflanzen, der dort gräbt schanzen Stephanie
s. singsp. (1792) 19.
überhaupt auf die errichtung von befestigungsanlagen bezogen: de rad mach de sulven landwere graven laten vestenen unde buwen (
Braunschweig 1387)
städtechron [] 6, 113; das man nachreyse thue, ader ricke, landtwere graben ader andern fridt machen solle angeverde (15.
jh.)
weist. (1840) 3, 531. um sich graben '
sich mit wall und graben umgeben': târ Romani herebergotôn, dârumbe grûoben sie sih unde uuurfen dia erda innenân uuider selben den graben Notker 1, 46, 22
P.; in dem frid gruoben die stet umb sich und machten ir mür so si best mochten (
Augsburg 1376)
städtechron. 4, 48.
absolut in dem allgemeinen sinne '
schanzen, an den befestigungsanlagen arbeiten': dieweil er (
Scipio) sein wagenburgk schluog vnd befestnen wolt hett Mago vnnd Masinissa der von Carthago hauptleüt, zuo jhnen allen jren reysigen zeüg genommen, überranten die ROemer die weil sie gruoben Carbach
Livius (1551) 163
b; auff den sontag gruben und schantzten sie Hennenberger
erclerung d. pr. landtaffel (1595) 41.
rechtssprachlich in dem besonderen sinne, dasz eine allgemeine verpflichtung zu solchen arbeiten besteht: das die vicarier noch pfaffheit ... keinen unpfefflichen dinst der statt ... nicht thon sollent, es sei mit graben, wachen, reiszen (
Mosbach 1335)
in: dt. rechtswb. 4, 1043 (
ebda weitere belege); hat in ain rat sein lebtag gefriet stuirns, wachens, raisens, grabens (1467)
bei Fischer
schwäb. 6, 2060. B@5@bb)
in der belagerungstechnik: B@5@b@aα)
gräben gegen befestigungsanlagen vortreiben, besonders in dem sinne, dasz mauern untergraben, unterminiert werden. oft in absolutem gebrauch: die drei fursten ... zogen vor Bocksberg schloss vnd statt vnd nothigten das mit geschutz vnd graben drei wochen lang (15.
jh.) Kemnat
chron. Friedrichs I.,
d. siegreichen 51
Hofmann; hebet der feindt an zu graben ... so soll jhr grOester fleisz vnd sorg seyn, wie sie jhme entgegen kommen, vnd tieffer, dann er, einsencken mOegen: oder wie sie im graben etwa gelegenheit mOegen finden, auch ein feur vnd sprengwerck zuzursten, vnd dasselb vnter den feind, wann er zum strmen kompt, anzuznden Schwendi
kriegs discurs (1593) 70; ob sich nun wol die besatzung in Falckenaw anfangs sehr muthig erzeigt, ... haben ihnen doch die Sächsische ... mit graben dermassen zugesetzt, dasz ... sie endlich den 1. aprill sich ergeben mssen Abelin
theatrum Europäum (1652) 1, 507
b.
mit präpositionalen bestimmungen. unter etwas graben,
für sonst übliches untrennbares untergraben (
s. d. II 3 a
β);
aber vgl. oben 1 b
β: hostes suffodiunt cuniculos graben vnder die statt Alberus
nov. dict. (1540) A 2
a.
in mit akkusativ: in des feindes wercke zu graben vnd zulogiren Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 46
a.
gelegentlich mit dem akkusativ der sache für die unterminierte befestigungsanlage: aber die selben schütten (
die aufgeworfenen wälle) werden von den feynden leychtlicher gegraben ... vnd gewunnen, dann die so gemauert vnd fest sind A. Dürer
befest. d. stett (1527) F 2
a.
ein sachlich entsprechender übertragener gebrauch von einem anderen ansatzpunkt her unter 1 b
α. B@5@b@bβ) eine mine graben '
eine sprenggrube anlegen'.
nur selten im eigentlichen gebrauch; vgl. cuniculum agere, terram suffodere Stieler
stammb. (1691) 1278.
häufiger auf andere verhältnisse übertragen, wie andere auf dem bildlichen verständnis von mine
beruhende und vorwiegend an französischen sprachgebrauch anschlieszende wendungen (
vgl. unter mine 2,
teil 6,
sp. 2236);
vorbereitungen treffen, um eine sache zum scheitern zu bringen: grabet minen, pflanzet stcke, brauchet theils gewalt, theils tcke Morhof
unterr. v. d. dt. sprache (1682) 2, 92; ich denke nicht, dasz ich mit seinem freunde rede, der nun wider mich arbeitet, und die minen leicht entkräften kann, die er selbst gegraben hat Göthe I 8, 63
W.; man hat ein paar mal eine überraschung versucht, aber ... keine minen gegraben Ranke
s. w. 9 (1876) 250. B@5@cc)
im gleichen bereich und in der nachahmung des entsprechenden gebrauchs von lat. fodere bzw. perfodere bildet sich eine anwendung des verbs auf das durchbrechen oder durchbohren einer sache heraus. [] B@5@c@aα)
auf das gewaltsame durchbrechen von mauern bezogen. in der wörtlichen nachbildung lat. konstruktion mit dem bloszen akkusativ der sache, im anschluz an Hes. 8, 8:
fode tibi parietem krap dir uuant (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 200, 36
St.-S.; sun des menschen grab die wand. vnd do ich het durch graben die wand: ein túr die derschain
erste dt. bibel 9, 273
Kurr. gewöhnlich mit der präposition durch; vgl.durchgraben 1 a: (
gott spricht zum propheten:) grabe durch die muren in den tempel von Jherusalem Tauler
pred. 393
V.; du menschenkind, grabe durch die wand, vnd da ich durch die wand grub, sihe, da war eine thr
Hes. 8, 8; die Macedonier ermahnet, die rüstungen an die mauren geführet, durch dieselben angefangen zuo graben Xylander
Polybius (1574) 262.
vielleicht von hier aus in uneigentlichem gebrauch und in reflexiver fügung: durch den Acheron selbst grub sich Alcides arm. nichts ist sterblichen, nichts zu hoch Herder 26, 227
S. B@5@c@bβ)
nur älter, den begriff '
verwunden'
veranschaulichend, von der vorstellung her, dasz körperteile (
mit geräten, waffen)
durchbohrt, durchstoszen werden. prägnant mit dem bloszen akkusativ der sache: si gruôben, daz chit, si durchstiêzzen mine hende unde mine fuôzze (
foderunt manus meas et pedes meos) Notker 2, 69, 15
Piper; die knaben haben ... sy ... mit grifflen vnd pfrymen yre glider durchstochen vnd graben Hedio
chron. Germ. (1530) 3
a.
mit der präposition durch; vgl.durchgraben 1 c: vil sêre und ouch vil harte daz swert er ûf ze berge huop. mit deme sluoc er unde gruop Hermanne durch daz hirne Konrad v. Würzburg
Partonopier 15 914
Bartsch. dazu, wenn nicht zu graben E,
eine nominale ableitung: chirurgus crafo
dicitur (10./11.
jh.)
ahd. gl. 4, 234, 22
St.-S.; vgl. ebda 2, 340, 3. CC.
in differenzierten anwendungen für tätigkeiten, die sich dem eigentlichen graben gegenüber mehr als ein scharren, wühlen oder bohren darstellen. entsprechende bedeutungsnuancen scheinen dem verb von alters her zu eignen, wie sie sich z. b. schon ahd. in der iterativbildung grübeln (
s. d.)
abzeichnen, dazu norw. dial. gruvla '
wühlen, graben (
krabbeln)'
; vgl. ferner oben B 3 b.
prägnanter gebrauch in diesem sinne aber ergibt sich im deutschen erst sekundär im anschlusz an einzelne fügungsweisen des eigentlichen gebrauchs unter A
und B. C@11)
auf die einem graben vergleichbare tätigkeit von tieren bezogen. C@1@aa)
in vereinzelten frühen belegen lateinischer konstruktion nachgebildet, vgl. die entsprechende fügung unter A 2: ([
das schwein]
pede)
prosubigit (
terram) grepit (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 638, 49
St.-S.; es (
das scharrende rosz) grebt die erd mit den klauwen (
terram ungula fodit, Hiob 39, 21)
erste dt. bibel 7, 230
Kurr. C@1@bb)
mit innerem objekt, unmittelbar an B 4
anschlieszend: nach dem grub die lOewin ein tieffe grube in der insel mit jhren spitzigen klauwen
buch d. liebe (1587) 5
c; ein loch, wie maulwürfe sie zu graben pflegen A. v. Arnim
s. w. 1 (1839) 305; die höhle, welche er (
der ziesel) sich gräbt, geht schräg, doch ziemlich steil in die erde Nehring
tundren u. steppen (1890) 80.
in anderer konstruktion, zu B 2 b
stimmend: man sagt, der dachs ... wurzelt, wenn er nahrung aus der erde gräbt Brehm
tierl. (1890) 1, 646
P.-L. C@1@cc)
prägnant in intransitiver anwendung: solche ... sind keine leute, sonder den wilden sAewen, die allenthalben whlen unnd graben, ... zuuergleichen Lorichius
pädag. princ. (1595) 307;
cuniculus fodicando facit cuniculos das caninchen machet löcher vnter der erden mit graben
nomencl. lat.-germ. (1634) 182; die ... arme (
des maulwurfs) erlahmen im wasser ... weniger als beim graben Brehm
tierl. (1890) 2, 371
P.-L.; graben heiszt das klopfen des holzwurms (
anobium pertinax) Fischer
schwäb. 6, 2060.
selten mit präpositionaler [] bestimmung. von B 1 b
γ her: so die hunde in die erde graben, vnnd am morgen heulen, das zeyget grosz vngewitter an
M. Herr
d. feldbau (1551) 15
a.
zu A 1 d
stimmend; in bildlichem zusammenhang: und was bei uns im aase gräbt, heiszt adler oder schwan Strachwitz
ged. (1850) 23; wer kann hoffen, wenn in des frühlings knospe schon ein wurm gräbt? maler Müller
w. (1811) 3, 282. C@22)
von verschiedenen wühlenden und bohrenden tätigkeiten des menschen; stets mit adverbialer bestimmung: inn der erden mit dem messer graben, grübelen
facere, fodere scrobiculos culto Henisch
thes. (1616) 1718; warzu nutzt aber solches grblen vnd graben (
mit instrumenten) in der wunden? Würtz
wundartzney (1624) 48; grabe dann in deinen nase-lOechern mit den (!) kleinen finger
persian. baumgarten (1696) 78
b Olearius; da sah er das blasse kindlein auf der erde sitzen und emsig mit den fingern in den dielenritzen graben und wühlen br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 22; Max gräbt sich mächtig im struppigten haar mit seiner hand Hebbel
w. 7, 45
Werner. C@33)
in absolutem gebrauch in unterschiedlichen beziehungen. C@3@aa)
von der wühlenden, aushöhlenden bewegung des wassers: auch sol niemant kain holz slahen vor den güetern, da die guss möcht angeen und das gross wasser, wo das graben möcht oder schaden tuen (16.
jh.)
österr. weist. 5, 525, 14; entlang der schlucht, in deren tiefen gischtend das wasser grub und brauste Rosegger
schr. (1895) I 2, 97; ein offener sarg, herausgespült von der flut mit graben und nagen B. v. Münchhausen
balladen u. ritterl. lieder (1922) 117. C@3@bb)
im hüttenwesen in der beziehung auf erze, die den boden des schmelzofens angreifen, vgl. Jacobsson
technol. wb. (1781) 2, 143
a: wo es (
das schmelzen des erzes) aber des sonderbaren grabens im gestübe, auch bingens im ofen, und anderer gefahr wegen über acht tage sich nicht wil practiciren lassen Schönberg
ausführl. berginform. (1693) 1, 131; grabende ertze, werden genennet diejenigen, welche hart und unflüszig sind, und wenn das gestübe nicht fest und schwer gemachet worden, so dringt das ertz hinein und verhindert das schmeltzen Minerophilus
bergwercks-lex. (1730) 308. C@3@cc)
mundartlich '
vom holze, das beim spalten an der spaltfläche furchen wirft, vertiefungen bekommt'
schweiz. id. 2, 683. C@44)
im sinne von '
bohren, wurmen, sorgen'
in junger übertragung auf seelische zustände; vorzugsweise mundartlich und in unpersönlichen wendungen: hier schleicht es herum tut wonniglich graben und bringt mich noch um (
von der liebe) Mörike
ges. schr. 1, 45
Göschen; und hat sich halt gegrabt und gekümmert um die zukunft Zingerle
Tirols volksdichtungen 2 (1854) 186; das grap' mi '
das kümmert mich, wurmt mich' Lexer
Kärnten 119; es grabt in mir '
wurmt mich' Fischer
schwäb. 6, 2060; es grabt-mer noch allzit im g'wissn (herz) umha (
von gewissensbissen)
schweiz. id. 2, 683; es grabt ihm '
es wurmt ihn' Follmann
Lothr. 214.
die gleiche wendung auch in konkreterer vorstellung vom hungergefühl ebda. gern als attributives part. präs.; im ersten beleg stärker vom eigentlichen gebrauch her bestimmt und lediglich in bildlichem zusammenhang: o so komme du mir zu hülffe jammer, und du reue, höllische eumenide, grabende schlange Schiller 2, 59
G.; Apollonia spürte das, oder machte sie ihr grabender schmerz in den knochen empfindlich, ihr groll argwöhnisch? P. Dörfler
um d. kommende geschlecht (1932) 197; Unrat sann mit grabendem hasz über Lohmann nach H. Mann
d. blaue engel (1950) 25. DD.
jemanden oder etwas begraben, eingraben. nur in transitiver fügung mit dem akkusativ der person oder sache. [] D@11)
ein von der vorstellung '
jemanden mit erde bedecken'
ausgehender gebrauch steht in seinem ansatzpunkt trotz scheinbarer nähe beziehungslos neben dem auf der vorstellung '
in die tiefe graben' (B)
beruhenden unter 2.
er ist im nl., engl. und nord., im dt. vorzugsweise im nd. und md. bezeugt und greift nur gelegentlich auf obd. gebiet über, wo in dieser anwendung das freilich auch im md. und nd. nicht seltene präfixkompositum begraben
herrscht. D@1@aa)
prägnant mit dem bloszen akkusativ der person. D@1@a@aα)
bestatten; vgl. humare graben (
obd. 15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 206
b;
pollingere die doeden grauen (
Köln 1507)
ders., gl. 445
c.
vgl. ferner Schiller-Lübben
mnd. wb. 2, 141
b: mit êren si di (
toten) grûben Lamprecht
Alexander 4752
Kinzel; er (
Alexander) frâgete di von dem lande, wâ si des jâres wâren ... und alse si irsturben, wâ si begraben wurden, und ob si sih plêgen ze graben
ebda 4828; daz si den lichnam muste graben
passional 665, 79
Köpke; man grub in (
den toten) sus
väterbuch 17 519
Reissenberger; ebda 16 852; de seiken men ungerne laven wolde, noch de doden graven (
Magdeburg 14. jh.)
städtechron. 7, 3;
ebda 7, 15; da man ein swester wolt graben ... und sie wolt in das grab legen (
schwäb. 15.
jh.)
in: Alemannia 21, 111; mancher hat vil grosser acht ... das er im macht ein kostrych statt, do er syn keüben (
kadaver) graben latt Murner
narrenbeschwörung 137
ndr.; stirbstu, so grebt man dich mit der hawt, das thuot man eynem esel nicht Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) o 3
b.
mundartlich noch im jüngeren nd.: wi hebbet an en'n dag twei kindern graben laten Berghaus
sprachsch. d. Sassen 1, 600
a;
vgl. brem.-nds. wb. 2 (1767) 539. D@1@a@bβ) '
jemanden lebendig begraben'
; in der rechtssprache des späten mittelalters als strafe vornehmlich für weibliche verbrecher: stelen frouwen, die gravet man (
Berlin 1350)
in: dt. rechtswb. 4, 1043; da woerden die zwene jueden gehancgen, ind die juedinne solde man da graven (
Köln 1377)
städtechron. 13, 27; da grub man ein grosse diebin lebendig (
Nürnberg 1487)
städtechron. 10, 385. D@1@bb)
der intralokalen bedeutung des verbs in dieser anwendung entsprechend, erscheinen gelegentlich hinzutretende präpositionale bestimmungen in nd., md. quellen im dativ: den tôten lîchnam man truc sunder messe, sunder recht, als einen unnutzen knecht und gruben in an dem velde
Marienlegenden 78
Pfeiffer; (
der priester zu der erscheinung eines toten:) herre min, wer bistu? und wer sin die geverten din, die bi dir da gegraben sin?
passional 43, 12
Köpke. ähnlich in der wendung zur ruhe graben: Gheva sin (
Widukinds) werdher vrowe wart zo Beleheym zo rowe gegraben by Osenbrucke
braunschweig. reimchron. 403
Weiland. gegraben liegen: dusse (
könig) heft gebuwet dat munster to Luttere unde licht darsulves gegraben
sächs. weltchron. 595, 5
Weiland. aber auch mit präpositionaler bestimmung im akkusativ, so dasz hier eine scheidung von 2 a
nicht mehr möglich ist: so schalmen ene vnde sine husurowen grauen in de vorschreunen cappellen (1365)
urkundenb. d. st. Lübeck 3, 569; item schal her Benedictus grauen laten vp den kerckhoff sine kerspelbure vnde andere vrome lude (1442)
ebda 8, 138; grabe ihn (
den ohne sakrament bestatteten toten) uff und grabe ihn unter den galgen (
Magdeburg 1524)
städtechron. 27, 176.
[] D@1@cc)
vereinzelt in der beziehung auf gegenständliches (
vgl. die häufigere konstruktion mit präpositionalem akkusativ unter 2 b);
mit dem nebensinn des versteckens: sô gebe ih dîr den meisten scaz, der mîner forderen was, den si zesamene trûgen und in der erde grûben (
sub terreis latibulis condiderunt) Lamprecht
Alexander 3469
Kinzel. D@22)
mit dem gebrauch unter 1
flieszt eine bereits im mhd. auftretende, sich im nhd. aber erst stärker ausprägende anwendung zusammen, die von B '
in die tiefe graben'
her bestimmt ist. neben dem persönlichen oder sachlichen akkusativobjekt steht stets eine adverbiale ortsbestimmung im akkusativ zur kennzeichnung des bereichs, in das hinein jemand oder etwas gegraben wird; vgl. die präpositionalen fügungen unter B 1 b. D@2@aa)
in der beziehung auf verstorbene personen wie unter 1 a
α,
nur vereinzelt über das ältere nhd. hinaus belegbar: ich weisz er den heiden irsluoch, under den sant er in gruob
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 34, 20
Diemer; man grûb sie beide (
Tristrant und Isolde) in ein grab Eilhart v. Oberge 9509
Lichtenstein; es ist auch ze mercken, das sie chain toten begraben in dem rechten tempel ...; sie grabens auff das velt bey den landtstrassen Schiltberger
reisebuch 88
lit. ver.; nun het man dem pfaffn verheissen thon von diser leich ein grossen lohn, wenn er mit lobe ihn erhüb, dass man ihn auff den kirchhof grüb Hans Sachs 17, 394
lit. ver.; sterb' ich dann, so bin ich todt, grAebt man mich in die rOeslein roth (1615) Erlach
volkslieder d. Deutschen 3, 81; hier warfen mich die wellen an das land. hier grub mich todt, mit frommer hand, ein fischer in den leichten sand Lessing 1, 17
L.-M. noch mundartlich: so wär's doch ə schad, wenn mə'n tet it uff də godsacker grabə
bei Fischer
schwäb. 1, 361. D@2@bb)
mit längerer lebensdauer in der beziehung auf dinge: und grab denn die barillen mit win und wasser under dich inn das sand, da du ligst (1486)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 148; der bauch schlägt unserm herrngott imerdar sein wort und wunder nider, aber man mus einmal ... den bauch und speise unter die erden graben (
im anschlusz an 1. Kor. 6, 13) Luther 16, 296
W.; hernach grabs (
das glas) eines knies tieff vnder die erden Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 11; die forme (
wird) mit rinds-unschlicht wohl bestrichen, ferner gebrennt, dasz alle feuchtigkeit heraus gehet, in die erde gegraben, und inwendig mit kreide ... ausgeschlichtet Fleming
vollk. soldat (1726) 60; (
die trümmer) die man ... heimlicherweise auf florentinisches gebiet schafft und da in die erde gräbt Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 31.
ähnlich: darum grabt ihr diesen baum mit der wurzel in die erde Schiller 15, 1, 7
G. D@2@cc)
reflexiver gebrauch begegnet erst im nhd.: der bergmann grAebet sich lebendig in die grffte
in: Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 156; mir ist es unmöglich, mich wie ein maulwurf in ein loch zu graben und alles andere zu vergessen (1801) H. v. Kleist
br. an s. schwester 51
Koberstein. D@33)
in dem an 2
anschlieszenden übertragenen und uneigentlichen gebrauch zeigt graben
häufig die unter C
gegebenen nebenbedeutungen '
scharren, wühlen, bohren'. D@3@aa)
in bildhafter übertragung im sinne von verscharren, hineinwühlen: wer samlet das zergenglich ist der grabt sin sel jn kott vnd mist Seb. Brant
narrenschiff 6
Zarncke; [] die wahrheit eben ist's, die ihm das hertze frist, und die mich fr der zeit in asch' und staub wird graben Lohenstein
Cleopatra (1680) 39. D@3@bb)
in reflexiver fügung, dem eigentlichen gebrauch unter 2 c
nahestehend: so behilff dich in dem stadel du! grab dich ins hew! Hans Sachs 12, 90
lit. ver.; jede wurzel gräbt sich in den boden und suchet ihre nahrung in der erde Herder 18, 235
S. anders in bildlichem zusammenhang: und ach! verschmähte liebe bräch ihren wanderstab getrost entzwey, und grübe sich vor der zeit ins grab
studentensprache u. -lied in Halle (1894) 95. D@3@cc)
jünger in gewählter und distanzierter redeweise von einer heftig, auch quälend in etwas eindringenden bewegung, oft mit weiteren nuancen wie denen des verbergens oder schutzsuchens: mit wahrer wuth gruben sie die ruder in die wogen Gaudy
s. w. (1844) 5, 53; sie grub sich die nägel in die handflächen um nicht aufzuschreien Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 38; Suse hielt sich den kopf, ein jammer faszte sie an, schluchzend grub sie das gesicht in die arme Steguweit
d. törichte jungfrau (1937) 98; der fette nahm sein geld zurück und torkelte, die hände in die hosen grabend, aus dem zimmer
ebda 101.
auch reflexiv: ich sah, wie ihre kleinen weiszen zähne sich tief in ihre lippen gruben Storm
s. w. (1899) 2, 151; (
Bärbes) hand grub sich in seinen ärmel A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 213. EE.
die bedeutung '
gravieren'
eignet dem verb bereits seit dem germanischen. in der abgrenzung gegen bedeutungsähnliche ausdrücke wie ritzen, schneiden, schnitzen, hauen
wird graben
vorzugsweise für die gravierende bearbeitung harter materialien wie metall und stein verwendet, auch in der art, dasz es sich um platten und prägstöcke handelt, die als negativ für einen abdruck vorbereitet werden. die von der sache her mögliche beziehung auf erhabene und plastische arbeit ist nur selten sicher bestimmbar, sie liegt aber in einzelnen fällen unter 1 c
γ nahe, und in der glossierung von lat. caelare (
s. unter 1 a)
ist sie sicher. in der rein technischen verwendung (
s. 1)
wird graben
seit dem 18.
jh. stark eingeschränkt zugunsten mehr oder weniger spezieller ausdrücke für bestimmte techniken, wie stechen, schneiden,
allgemeiner gravieren.
dagegen bleibt graben
bis in die gegenwart geläufig in einer gesteigerten bedeutung (
s. 2)
und in erweiterten anwendungen nicht technischer art (
s. 3). E@11)
in technisch-sachlichem sinne. E@1@aa)
glossierungen und lexikalische buchungen: sculpes (
in eis [
lapidibus]
nomina filiorum Israel) crebis (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 291, 47
St.-S.; sculptam kagrapanaz (9.
jh.)
ebda 1, 243, 20;
sculptis gigrapanen (10.
jh. u. ö.)
ebda 1, 582, 19; (
dona ... auro gravia)
secto(
que elephanto) gigrapaniu (
Aeneis III 464) (11.
jh.)
ebda 2, 652, 12;
polire graben (11.
jh.) Diefenbach
gl. 445
a;
incastrare graben (
md. 15.
jh.)
ebda 291
a;
sculpere graben, grauen (15./16.
jh.)
ebda 521
c;
s. v. forulus pilde in stein gegraben (
obd. 1482)
ebda 244
b;
sculpo graben, schneyden, schnätzlen, ein bildnusz machen in steinwerck oder sunst Frisius
dict. (1556) 1190
b;
scalpo kratzen, scharren, graben
ebda 1184
a;
celo graben (1470) Diefenbach
mlat.-hd.-böhm. wb. 64;
cælo erhabne oder tribne arbeit machen, graben, auszstAechen Frisius
dict. (1556) 171
b; graben, bilden, schnitzlen ...
sculpere, cælare, scalpere, cavare, incidere, insculpere Henisch
thes. (1616) 1718; grauiren, beschwähren ... heist auch in das ertz graben,
aliquid in aes incidere Apinus
gl. nov. (1728) 254. E@1@bb)
in intransitiver verwendung allgemein von der tätigkeit oder kunst des gravierens: er (
der schmied) smitte, er gruop, er vîlte, unz die slüzzel bereit wurden Heinrich v. Freiberg
Tristan 6008
Bechstein; [] als bald nach gten meistern schriben, von alter vnd von newer zeit, bildhawer, maler, sinnreich leut, vnd die gar künstlich kunten graben C. Scheit
frölich heimfart (
Worms o. j.) F 3
b; es meldet aber derselbe nicht, ob man mit diesen spizen nach art derer, die zieraten in holz ausschneiden, gegraben, oder ob man die eingefasseten diamanten in einem rade befestiget ... habe Winckelmann
s. w. (1825) 5, 51.
bezeichnungen des materials, in das graviert wird, werden häufig, wie stoffbezeichnungen auch sonst, mit bloszer präposition ohne artikel angefügt, die spezielle tätigkeit der kupferstecher, steinschneider usw. kennzeichnend; vgl. auch c
β:
casus aliquos effingere in auro in gold graben vnnd auszstAechen Frisius
dict. (1556) 461
b s. v. effingo; in stein graben
in monumento incidere, inscribere aliqvid Stieler
stammb. (1691) 687; der, so ein bild aus marmor haut, ... der, so in stein und kupfer gräbt Triller
poet. betracht. (1750) 1, 961; das älteste eigentliche schreibmaterial, nachdem man nicht mehr blosz in steine grub oder in holz schnitt, ist ohne zweifel das egyptische papyr Schubert
verm. schr. (1823) 3, 255; denn dasz man in der königszeit schon in metall grub, ist nicht wahrscheinlich Mommsen
röm. gesch. 1 (1912) 216. E@1@cc)
in transitiver verwendung zielt das verb auf die eingravierten zeichen und bilder. E@1@c@aα)
ohne jede stoffbezeichnung: der (
der rose) blader dchten mich von golde doe ich de bas bescauwen wolde, ich sach meysterlich boicstavin beide gemalt und ouch gegravin
mhd. minnereden 2, 160, 34
Brauns-Th.; da malet man jhn (
Luther) mit weissen stifeln, etwann mit blossem kopff, man schnitzet jn, vnd gruob jn so mancherlay gattung J. Nas
antipap. eins v. hundert 1 (1567) 64
a; als er (
der steinschneider) ganze personen graben wollte
anmuth. gelehrsamk. (1751) 5, 567
Gottsched; als zugabe gedenken wir einer kleinen, länglich viereckten nachbildung des da Vinci'schen abendmahls, in metall ausgeprägt, ... von Putinati in Mayland gegraben Göthe IV 32, 183
W. E@1@c@bβ)
bezeichnungen für stoffe oder gegenstände, auf die etwas graviert wird, werden präpositional mit in (
älter dafür an)
oder auf
angeschlossen. der artikel fehlt häufig (
vgl. oben unter b): er (
gott) gruop in oblâtîsen sich selben lamp, des vane ist rôt Frauenlob
spr. 233, 16
Ettmüller; jetzgemelter kOenig gebott, es solt seine bildtnis nur der Apelles abmalen, vnd der Pyrgoteles in holtz oder stein graben Heyden
Plinius (1565) 52; so wird euch auf dem ersten blatt (
des buches) die figur des hochg. herrn autors in das gesicht fallen, welche er zierlich in kupffer graben lassen
discourse d. mahlern (1721) 1, 8; es verpflichteten sich mehrere ..., die sämmtlichen darstellungen in erz zu graben Göthe I 49, 412
W. mit artikel oder pronomen; in der dativrektion: an der maur (
des münsters) lies er graben vil meimleiner tier in vil manigerlay zi Havich
d. Kölner 4293
McClean; ebda 1879; eyn andechtigs gebett, welchs gegraben ist worden zuo Rom in sant Johans capeln in eynem stein
d. ew. wiszh. betbüchlin (1518) C 3
a; in diesen steinern tafeln hat nun gott ... ohne instrument ... selbs geschrieben, gegraben und gebildet Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 43.
im plural auch ohne pronomen: die namen ihrer bewohner auf messingenen blechen gegraben Archenholz
Engl. u. Italien (1785) 1, 2, 361.
in der akkusativrektion: ez ist auch ân zweifel, man grab pild und ander gestalt in die stain nâch den mähten irr kreft Konrad v. Megenberg
buch d. natur 431, 9
Pf.; wurde er (
ein goldschmied) abir eyns andern zceichen uff sine
[] erbeit graben und des obirkomen, dorumbe sal er pinlich gestrafft werden (15.
jh.)
Freiberger stadtrecht 291
Ermisch; die wände desz saals von kOestlichem gemeld gemahlet seind, ... auch alle alte historien in das kOestliche gemelde gemacht vnd gegraben
buch d. liebe (1587) 167
d; bitt ich mir ... zu ersinnen, was auff meinen stein zu hauwen, oder graben seyn möchte Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, J 4
b; derjenige, der sie (
die bäume) pflantzen lässet, musz ... ein zeichen in die rinde graben und darüber ein ordentlich register führen
allg. haush.-lex. (1749) 1, 181
b; ebenso wissen wir, dasz das auf mehreren geprägen kaiser Maximilians I. im feld vorkommende röschen erst 1517 in die stempel gegraben wurde Luschin v. Ebengreuth
münzk. u. geldgesch. (1904) 43.
sehr oft, namentlich älter, mit demonstrativem oder relativem adverb: do frumet er also schone uon golde eine crone, da was ein apgot ane gegraben
dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 33, 15
Diemer; der sarc was grûne alse ein gras. des selbin tôten mannis name was gegraben dar ane Lamprecht
Alexander 3536
Kinzel; ein blyen krützlin ..., darinn gegraben seint die namen der heligen dry künig H. Braunschweig
liber de arte distillandi (1507) 85
a; er ... gab mir sein groszes siegel zu arbeiten ...; darein grub ich zwei geschichten Göthe I 44, 10
W. seltener in der form gegraben stehen (auf, um
o. ä.): an dero gimmo stûont tîefo gegraben ein gehelmot tîerna Notker 1, 786, 11
P.; da schickt jm der bapst ein güldin kron, darumb stund gegraben: Petra dedit Petro, Petrus diadema Rudolffo Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 128
a; geschirr ..., so von krystall war, auf welchem gegraben stunde ein Cupido A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 723; auf der inneren seite (
des ringes) ... standen lettern gegraben und eingeschmolzen Göthe I 50, 135
W. in der beziehung auf erhabene arbeit: vp desseme kamme stunden ghegrauen etlyke bylde hoch vorhauen
Reinke de Vos 4975
Prien. E@1@c@gγ)
das part. prät. steht im älteren nhd. häufig attributiv: epitaphium gegraben schrift (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 205
b;
toreuma gegraben werck o. gehawen (
obd. 1516)
ebda 588
a;
sculptile ein geschnitzlet oder gegraben bildwerck Calepinus
dict. ling. sept. (1579) 1389; des Ptolomei gegrabene bildnsse Butschky
Pathmos (1677) 7; dann sassen wir rings um den krug ... und jeder ... sang die darauf gegrabne geschichte Sal. Gessner
schr. (1777) 1, 46.
besonders in solchen verbindungen, die in metall oder stein gestochene oder gemeiszelte götterbilder bezeichnen: sculptile gegraben werg
vel aptgot (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 521
c; sy nam cc silberin vnd gab sy dem silberschmid: das er macht von in gegosne ding vnd gegrabne ding daz es wer in dem haus Miche (
Richter 17, 4)
erste dt. bibel 4, 405
Kurr. (Luther: ein bilde vnd abgott); du solt dir kein gegraben noch geschnitzt bild machen (1525)
mon. Germ. päd. 20, 126; Stumpf
Schweizer chron. (1606) 221
a. E@1@c@dδ)
vereinzelt steht graben
für sonst übliches schlagen, prägen (
einen stempel oder ein prägeisen in oder auf etwas schlagen)
; in einem bild: die ketzer sieht man weinen ..., die valschen muonsere, dez glauben valschere. in die cristenheit sie (
die ketzer) haben ir valsch ysen gegraben, da sie valsch slahent mite Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 6533
Singer. E@1@dd)
das verb zielt, auch hier in transitiver verwendung, auf den gegenstand, in den etwas gaviert wird; vgl. ahd. glossierungen bei entsprechender konstruktion lat. texte: (
et ipsum opus basium)
interrasile (
erat) gigrauan (
3. kön. 7, 28) (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 296, 34
St.-S.; (
omnes parietes templi per circuitum)
sculpsit (
variis cælaturis) crûop (10.
jh.); grubh (11./12.
jh.)
u. ö. ebda 1, 435, 18.
[] E@1@d@aα): der (
edelstein) was an sime schine bleich und an dem geverte so grozelichen herte daz in nicht meisters mochte graben, der so vil sinnes mochte haben Heinrich v. Hesler
apokalypse 21 607
Helm; der stein læt sich gar ungern graben Konrad v. Megenberg
buch d. natur 447, 1
Pf.; der adamas musz also verliben als man yn findet, er mag dheyn hauwen dulden noch keyn graben
Lancelot 1, 122
Kluge; Sebaldus versicherte ihn, dasz der ring sehr modern sey, und von einem petschierstecher in einer kleinen stadt in Thüringen sey gegraben worden Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 2, 216. E@1@d@bβ)
besonders prägstöcke durch einstechen oder ausschneiden von spiegelbildlichen zeichen oder bildern handwerklich herrichten; siegel, münzeisen, stempel graben: das aindlefte (
mittel, eine urkundenfälschung nachzuweisen) ist ob man ein ander insigel grebt nâch disem (
dem gefundenen)
Schwabenspiegel, landr. 419, 44
Wackernagel; dat neen goltsmed grave munteyserne, ane by vulbort des rades (1392)
mecklenb. urkundenb. 22, 137; 1 fl. meister Bartholomeus dem isengraber von 8 monczeisen zu graben (
Frankfurt 1430/31)
bei Volckmann
alte gewerbe (1921) 135; er (
ein bürger) kund valsche insigl graben (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 5, 17; das soltu thun durch die steinschneiter, die da siegel graben
2. Mos. 28, 11; lass dir baldt eins (
ein petschaft) graben W. Spangenberg
ausgew. dicht. (1887) 326; so hat man, durch die bildsamkeit des wachses gelockt, die siegel tiefer gegraben Göthe IV 26, 173
W.; und so wird ... die vermuthung wahrscheinlich, es seyen die stempel zu den alten münzen ... durch steinschneider gegraben H. Meyer
gesch. d. bild. künste (1824) 1, 141. E@1@d@gγ)
ein material graben
mit zeichen usw., nur gelegentlich im frühnhd. anstelle der üblichen konstruktionen unter c
β: der sattel und das fúrbúg und die stegereiff waren von wiszem helffenbeyn sere behendeclichen geschnitten und gegraben mit cleynen bildlin mit jungfrauwen und mit rittern
Lancelot 1, 128
Kluge; vnd sie machten zween onicherstein, vmher gefasset mit gold, gegraben durch die steinschneiter, mit den namen der kinder Israel
2. Mos. 39, 6. E@22)
in gehobener oder affektiver sprache erhält graben
besonderes gewicht, wenn weniger an den technischen vorgang des gravierens gedacht wird, als daran, die gewichtigkeit einer sache zu betonen, ihr nachdruck und dauer zu verleihen. dieser gebrauch gründet in dem wissen, dasz vor allem in hartes material graviert wird, er ist aber auch im hinblick auf andere dauerhafte materialien wie baumrinden, pergament u. ä. möglich. E@2@aa)
etwas zur erinnerung, mahnung und bewahrung in stein, metall, bäume
usw. graben. in die rinden
o. ä. graben
schon seit dem mhd.: tief an des boumes rinden begund er schœne buochstaben mit sînem mezzerlîne graben ... sus wolt er âne tiuschen machen si (
die geliebte) dô sicherhaft daz si mit ganzer kraft versigelt im ze herzen was Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 784
Keller; als sie aber bey sich fhlte, dasz die noth zum hertzen zielte, stund sie auff vom selben ort, gieng bald hin zu einer linden, grub in deroselben rinden, diese jetzt betrbte wort
Venus-gartlein 5
ndr.; er nam den grabepfriem und seinen hrtenstab, gieng in den wald hinein, bald auff bald wieder ab, bisz er gefunden hat die schOensten erlenbeume, die glatter schaalen sind, in die er diese reyme mit seinem pfriemen grub Neumark
lustwäldchen (1652) 144; wo werde ich bey meiner ankunft meine schöne finden? etwan unter diesen nie vergrünenden fichten, in die ich unsere nahmen mit hundert verschiedenen zügen grub? Ramler
einl. i. d. schönen wiss. (1758) 1, 385;
[] so gräbt ein junger hirt, in die noch weiche rinde des jungen ulmenbaumes, den namen der Celinde Cronegk
schr. (1766) 2, 120.
sieh die gleiche typische verbindung in anderer form unter b.
in der beziehung auf andere materialien erst nhd., besonders seit dem 18.
jh., in dem masze zunehmend, in dem die technische anwendung des wortes zurückgeht: (
die Römer) liessen die recht der zwOelff taflen inn Oehren bletter graben vnd schneiden, vnnd die also auffschlagen zu ewiger gedechtnusz, das sich jederman darnach wüszt zuhalten
Titus Livius (1533) 48
b; er (
Wodan) nimmt seine lose nicht wieder auf! auch zögert er mit der stunde (
todesstunde) nicht, die er darein grub Klopstock
s. w. (1854) 6, 360; das gesetz Moses in stein gegraben Herder 5, 426
S.; ficht ehrlich! war das symbolum, das der waffenschmied in die schöne klinge gegraben hatte W. Hauff
w. (1890) 1, 44; es soll der schöne grusz mit goldenen buchstaben sein auf sein grab gegraben Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 92; mit einer nadel, dem gelock geraubt, gräbt sie 'ich komme' in des blattes weiche A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 242.
unter gänzlichem absehen von der technik des grabens
als eines einritzens: eine zeit, da noch kein gelehrter über büchern sasz und die geschichte seines volkes in das steife pergament grub Frenssen
sandgräfin (1904) 97. E@2@bb)
eine gewisse steigerung, die bis zum pathos führen kann, erfährt dieser gebrauch in fällen, in denen die möglichkeit des grabens
zwar gegeben ist, nicht aber realisiert wird oder zu werden braucht. im vordergrund steht die intention des sprechers, der die form der aufforderung oder des wunsches entspricht: schreibt auff mein testament jhr unbewohnten haine, seid secretarien, wie ich umb unglück weine, grabts in die rinden ein, auff dasz es der gestallt wachs jmmerfort, wie jhr Opitz
teutsche poemata 112
ndr.; Zesen
Helicon (1649) 2, D 3
a; heute schreibest du in sand. ..., was du gestern hAettest in marmol graben kOennen Butschky
Pathmos (1677) 303; es mag Britannien, was Wilhelm ausgericht, nach dessen würdigkeit in ertz und marmer graben Besser
schr. (1732) 1, 88; ich schnitt' es gern in alle rinden ein, ich grüb' es gern in jeden kieselstein W. Müller
ged. (1906) 10; in erzschrift sei gegraben eur preis, dasz ihn kein mund der zeit bezwinge Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 17.
ähnlich in hyperbolischer ausdrucksweise: die hoffnung glaubts und freuet sich, und gräbt diesz wort in baum und rinde Stoppe
Parnasz (1735) 24; o Rosalinde! sey der wald mir schrift, ich grabe mein gemüth in alle rinden, dass jedes aug, das diese bäume trifft, ringsum bezeugt mag deine tugend finden
Shakespeare 4 (1799) 219. E@33)
in erweiterung der bedeutung '
gravieren'
bildet sich z. t. schon in mhd., besonders aber in nhd. zeit und zumeist in gehobener sprache und gewichtiger rede ein uneigentlicher und übertragener gebrauch heraus, der, durch feste sprachliche fügungen gestützt, die verwendung des wortes in seinem technischen sinn zu überdauern scheint. das bewusztsein eines zusammenhanges mit dieser eigentlichen bedeutung geht in jüngster zeit vielfach verloren zugunsten einer umdeutung von graben B '
in die tiefe graben'
und D 2 '
etwas eingraben'
her. dem ganzen gebrauch zu vergleichen ist ein in ähnlicher weise sich erweiternder gebrauch unter schreiben II 8 a
und b,
teil 9,
sp. 1696. E@3@aa)
der typus etwas in eherne tafeln (
o. ä.) graben '
zu ständiger bewahrung und dauerndem gedächtnis überliefern'
führt über den eigentlichen gebrauch unter 2
[] hinaus ins bildliche, insofern die realisierung des technischen vorgangs ausgeschlossen ist: aber wie es (
die unzahl der konzilsbeschlüsse) menschen thad ist gewesen, szo ists auch mit der czeit vorschwunden, an(
ohne) die stück, die den heyligen romischen stuel halten, die sind alleyn yn adamant gegraben und fester behalten thausent mal mehr, denn das euangelium Christi Luther 8, 150
W.; und ewer nam, lob, ruhm und preisz, von ewrer aignen tugent fleisz in der ewigkeit buch gegraben, werden hiemit wol mein gesang ... mit der unsterblichkeit begaben Weckherlin
ged. 1, 98
Fischer; was Thucydides, Sallustius, Tacitus, Macchiavelli mit den flammenzügen ihrer groszen seelen in die ehernen tafeln der zeiten gruben, das ist unser geworden E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 2, 64; erlaubt dasz ich auf meine dächtnistafel den frühern gegner grabe — tu desgleichen! Stefan George
d. jahr d. seele (
o. j.) 79. E@3@bb)
etwas, das der beachtung und bewahrung wert oder einen nachhaltigen eindruck zu machen geeignet ist, ins herz,
jünger auch in die seele, in die brust (
o. ä.) graben '
nachhaltig einprägen'. E@3@b@aα)
mit persönlichem subjekt und in aktiver konstruktion: die rede ich in dîn herze grabe
Winsbeke 50, 7
Haupt; sie soll, wan sie mir gibt die hand vor dem pfarrern, in ihr hertz graben, wie durch dises hailige band got ausz uns beed nur eins woll haben Weckherlin
ged. 1, 279
Fischer; wer ists, der einen tag von tausenden erlebt, den nicht in seine brust die reu mit feuer gräbt? Haller
ged. (1882) 123; wo ... dein vater dir die lehren der weisheit und des christenthums ins herz grub, da ist deine liebe, da ist dein vaterland E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Dtsch. (1845) 1, 271; ein bild, das uns in die seele gegraben wurde, verblaszt nie ganz wieder Fontane
ges. w. (1905) I 5, 298.
gelegentlich hinzutretende bestimmungen aus dem technischen bereich des gravierens verstärken den bildlichen charakter der wendung und verdeutlichen den zusammenhang mit der eigentlichen bedeutung; vgl. auch unter β: in mein herz hat er ihn (
seinen namen) selbst mit blutigen zügen gegraben Klinger
w. (1809) 4, 23; wir ... möchten mit ehernem griffel grundsätze in dein herz graben, welche der gefahr ewigen todes vorbeugen Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 3, 419; er hat ihr portrait mit solchen farben in mein herz gegraben Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 3, 217. E@3@b@bβ)
mit sachlichem subjekt dessen, was eingeprägt wird oder was sich einprägt. in passiver konstruktion wird das bewahren eines eindrucks oder einer sache betont: die sunde Juda ist geschrieben mit eisern griffeln, vnd mit spitzigen demanten geschrieben, vnd auff die tafel jres hertzen gegraben
Jer. 17, 1; mein heyland Jesus Christ, dein ssser nahme in mein herz gegraben, erlOese mich von allem ubel Bucholtz
Herkuliskus (1665) 1144; was alle tugenden zum zweck der hoheit haben, das ist im überflusz in deine brust gegraben Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 47; beide haben recht und unrecht, eure chronik und mein gedächtnisz, jene mit ihren auf pergament gezeichneten buchstaben, ich mit den zeichen, die in mein herz gegraben sind C.
F. Meyer
d. heilige (1910) 168.
seit dem 18.
jh. auch in reflexivem gebrauch: wie leicht grub sich das andenken dieses tages in mein herz S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 77; des predigers worte gruben sich in mein gedächtnis Storm
s. w. (1899) 3, 281. E@3@b@gγ)
seit dem 18.
jh. kann der zusammenhang mit der bedeutung '
gravieren'
so sehr gelockert sein, dasz eine übertragung von graben D 2 '
etwas eingraben'
her und eine ins unsinnliche gewendete entsprechung zu dem dort [] anschlieszenden uneigentlichen gebrauch unter D 3 c
offensichtlich wird. vor allem, wenn auch nicht ausschlieszlich, im hinblick auf starke seelische eindrücke und erlebnisse. bezeichnend sind häufige adverbiale umschreibungen mit tief.
in aktiver konstruktion wie unter α: die (
liebe) grubst du Adam tief in sein herz hinein Klopstock
oden 1, 73
M.-P.; du haschest ihre stolze nacken ... und gräbst mit donnern tief in ihre felsenherzen, wie nichtig menschenfrevel sey Kretschmann
s. w. (1784) 2, 85; als wolle er diese worte ... für ewig in sein bewusztsein graben Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 88.
wie unter β,
passivisch: der schimpf ist allzutief in meine brust gegraben König
ged. (1745) 385; dein blut und deine thränen sind tief in mein herz gegraben Bauernfeld
ges. schr. (1871) 3, 112.
häufig bei reflexivem gebrauch: immer gräbst du (
häszlicher gedanke) dich tiefer in meinen busen Sal. Gessner
w. (1778) 2, 82; tief gruben sich diese scenen ... in die seele Raphaels Klinger
w. (1809) 4, 8; die weisheitslehre dieser knaben grub sich tief in mein damals noch jüngeres herz Kürnberger
siegelringe (1874) 77. E@3@b@dδ)
intransitiver gebrauch ist sehr selten: wahr also ist es, ... dasz ... der wahre geist des schauspiels tiefer in die seele gräbt, schärffer ins herz schneidet und lebendiger belehrt als roman und epopee Schiller 2, 5
G.; wie gräbt erinnerung mit blutgen zügen und zeigt, was ich versehn, wie ich gefehlt Grillparzer
s. w. 6, 245
Sauer. E@3@cc)
seit dem 18.
jh. steht graben
in wendungen, die sichtbare zeichen intensiver, zumeist schmerzhafter seelischer oder körperlicher empfindungen bildlich umschreiben; schon in seinem ansatzpunkt weiter von der bedeutung '
gravieren'
entfernt und unter unmittelbarem einflusz von graben B 4 '
vertiefungen ausheben'. E@3@c@aα)
im hinblick auf die furchen in dem gesicht eines menschen: wangen, wo die freude schwebet, und das lächeln grübchen gräbt J. E. Schlegel
w. (1761) 4, 253; an den furchen, welche die angst auf seine stirne gegraben Klinger
w. (1809) 3, 210; aber der kummer hatte ihr doch schon manche furche gegraben Ompteda
Sylvester v. Geyer (1900) 1, 18.
ähnlich: das bleiche antlitz des kleinen Kuno, in das der tod schon seine scharfen züge grub Storm
s. w. (1899) 2, 274.
reflexiv: falten gruben sich in sein gesicht H. Laube
ges. schr. (1875) 5, 54; die linien graben sich quer durch die stirn A. Neumann
es waren ihrer sechs (1947) 103.
in passivisch oder reflexiv konstruierten wendungen kann, in form einer metonymie, die empfindung selbst als das eingegrabene erscheinen: zagen, martern, wuth und verzweiflung werden dein innres zerreiszen, und sich scheuszlich auf dein äuszres graben Klinger
w. (1809) 2, 442; und tiefer grub in ihr gesicht sich hoffnungsloser gram Novalis
schr. 4, 188
Minor. ähnlich: der geist las alles was er (
der fischer) dacht, als ständ's ihm auf der stirn gegraben Wieland
s. w. (1796) 18, 225.
anders bei intransitivem gebrauch: welche lüste, welche schmerzen hatten an diesem menschengesicht gegraben? Watzlik
pfarrer v. Dornloh (1930) 312. E@3@c@bβ)
der gleiche bildtypus wird auf das innere des menschen übertragen: schmerz und jammer, wenn sie tiefe furchen in die seele graben Herder 5, 7
S.; wohin käme man, würde das schicksal jedes angeklagten, der zweifel über die rechtlichkeit dieses oder jenes urteils seine spuren ins gemüt graben Werfel
Bernadette (1948) 350.
so vor allem wunden graben:
[] o fluch der hand, die diese wunde grub Schiller 14, 107
G. weiterer übertragung: ich war's, welche die meisten wunden ihm (
dem gesetz) grub Klopstock
s. w. (1854) 4, 329.
die aus dem bildgebrauch gewonnene konkrete vorstellung in einem andersartigen bilde: Melpomene hat zwei dolche. der eine ist blank, haarscharf geschliffen, schneidet schnell und gräbt glatte, rein ausblutende wunden; der andere, rostig, voll scharten, reiszt in das fleisch unselige zerstörung Immermann
w. 4, 50
Hempel. FF.
zusammensetzungen mit graben,
vb. als erstem kompositionsglied sind in mehr als 100
bildungen bezeugt. fugenlose zusammensetzungen mit grab-
überwiegen weitaus; jedoch zeigen frühe belege häufig den fugenvokal -e-,
z. b. grabewunde (
s. d.), gabehacke: grope hacke
runcina Diefenbach
n. gl. 322
a,
auch in zusammensetzungen, die ihn in nhd. zeit synkopieren, z. b. mhd. grabestickel
statt des späteren grabstickel, -stichel (
s. d.),
mhd. und frühnhd. grabeschit, -scheit
statt und neben grabscheit (
s. d.), grabewerk (
schon ahd.)
statt grabwerk (
s. d.).
jüngere bildungen des 17.
und namentlich des 18.
jhs. bieten den fugenvokal in begrenztem umfang, den verbalen charakter des wortes betonend, z. b. grabegarten, -kelle, -knecht, -kosten (
s. überall dort).
bei fugenlosen zusammensetzungen kann eine volksetymologische beziehung auf grab,
n. eintreten, z. b. grabschaufel (
s. d.),
oder aber eine eindeutige zuordnung zu graben,
vb. oder grab,
n. ist überhaupt erschwert, z. b. bei zusammensetzungen mit graben,
vb. D 1 '
bestatten'
wie grabamt,
2grabgeld (
s. d. 1
und 2), grablohn (
s. d. 1)
oder bei tiernamen wie grabkäfer
allg. dt. bibl. 50 (1782) 495.
die älteste und umfangreichste gruppe von zusammensetzungen betrifft bezeichnungen für grabwerkzeuge (
vgl.graben A
und B),
z. b. grabeisen (
in der form grafisarn
schon as.), grabscheit (
seit dem mhd.)
; dem nhd. gehören bildungen an wie grabschaufel (
seit dem 15.
jh.),
2grabgerät
und grabhaue (
seit dem 17.
jh.)
und, erst seit dem 19.
jh. bezeugt, grabgabel, grabmaschine, grabwerkzeug (
s. überall dort).
dieser gruppe schlieszen sich zumeist jüngere bezeichnungen für grabwerkzeuge der tiere an wie grabbein Brehm
tierl. 9, 30
P.-L., grabfusz (
s. d.), grabklaue (
s. d.). —
seit dem 15.
jh. ist ein zu graben D 1 '
bestatten'
gehöriger kompositionstyp bezeugt: grabamt (
s. d.), grabegebühr
schles. Robinson (1723) 1, 190, grabegesellschaft Campe 2 (1808) 435
b, grabetag Herberger
hertzpostilla (1613) 1, 157,
2 grabgeld (
s. d. 1
und 2), grablohn (
s. d. 1). —
etwas jünger sind bezeichnungen für ländereien, die durch grabende tätigkeit hergerichtet, bestellt werden wie grabegarten, grabeland, grabsattel (
s. überall dort). —
mit einer kleinen, seit dem 17.
jh. bezeugten gruppe von personenbezeichnungen wie grabmagd Stieler
stammb. (1691) 1210, grabeknecht (
s. d.),
vielleicht grableute (
s. d.)
konkurriert eine bereits ältere gruppe mit gräber,
m. (
s. d.)
als erstem kompositionsglied wie gräberhauptmann (
s. d.), gräberknecht (
s. d.), gräbermeister (
s. d.; ferner Pöhnl
volksbühnenst. [1887] 2, 29). —
ein typus von tierbezeichnungen (
vgl.graben C 1)
scheint sich erst seit dem ende des 18.
jhs. in der zoologie herauszubilden, z. b. grabbiene (
s. d.). grabwespe (
s. d.),
ferner graberaupe Campe 2 (1808) 436
b, grabkäfer
allg. dt. bibl. 50 (1782) 495, grabfrosch Brehm
tierleben 4 (1912) 314, grabgans Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 11, 534. —
in der bedeutung '
gravieren'
begegnet das verb mehrfach und z. t. schon früh in der komposition, z. b. 2grabkunst, grabmesser, grabstempel (
s. überall dort)
; aber dieser typus vermischt sich leicht mit der an graben A
und B
anschlieszenden gruppe von werkzeugbezeichnungen, so dasz mehrdeutige zusammensetzungen entstehen, vgl. grabeisen, grabstichel. —
auszerhalb dieser typen begegnen vereinzelt isolierte bildungen wie grabeseligkeit (
s. d.), grabfähigkeit (
von tieren) Brehm
tierleben 7, 16
P.-L., grabekosten (
s. d.).