grabeisen,
n. ,
bezeichnung verschiedener instrumente zum graben, schneiden oder gravieren, zu graben,
vb. (
s. d.).;
seit dem 12.
jh. bezeugt. bildungen mit fugenvokal finden sich selten: grabe ysen (
md. 1476) Diefenbach
nov. gl. 276
a; grabeeisen Grosser
anleit. z. d. landtwirtsch. (1591) G 4
a; (1615)
cod. dipl. Siles. 4, 232.
in frühen, meist nd. und md. quellen auch grab-, grafîsarn
u. ä.; z. b. grafisarn
kl. as. sprachdenkm. 95
b Wadstein; ebda 96
b u. ö.; runcina graueysern (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 504
a;
sarculus grabeysern (
md. 15.
jh.)
ebda 512
c; -yseren (
nd. 1420)
ebda; graffisern Golius
onomast. (1585) 241; grabeisern
Dapper Africa (1670) 364
a. 11)
als meiszel, stichel oder messer für verschiedene zwecke; vgl. graben,
vb. E 1.
kaum über das ältere nhd. hinaus gebräuchlich. in der frühesten bezeugung für scalpellum grafisarn
kl. as. sprachdenkm. 95
b Wadstein; ebda 96
b; grafisanr
ebda 105
b.
jünger noch von einem rebmesser: von der gestalt des reb messers ... das grab ysen, das darnach krum ist, wiert geheissen der nabel (
d. h. wohl schnabel:
scalprum quod deinde aduncum est, rostrum appellatur) Österreicher
Columella de re rustica 1, 269
lit. ver. vgl.: marra, instrumentum ferreum, quo exciduntur herbae ein grabeisen Faber
thes. (1587) 484
a;
tornus, instrumentum fabrile ein dreheisen, grabeisen
ebda 874
b.
glossierungen mit scalprum können auf ein messerförmiges instrument zielen, aber auch den grabstichel meinen, s. Diefenbach
gl. 515
c; Henisch
thes. (1616) 1719; Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 333.
sonst häufig für den meiszel und grabstichel verschiedenster form (
vgl. grabstichel):
a cęlo grashisarn (
l. grafhisarn)
kl. as. sprachdenkm. 74
a Wadstein; sculptile grabisen (
obd. 12.
jh.)
ahd. gl. 1, 650, 35
St.-S.; celium grabeysen (
obd. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 111
a;
celtes grab ysen (
obd. 15.
jh.)
ders., nov. gl. 83
b;
caelum grabeisen Golius
onomast. (1585) 207;
caelum ... das grabeisen, damit v. g. ein siegelgrAeber auszsticht Corvinus
fons lat. (1646) 127; grabeisen derer, so in metall graben
cæstrum, ferrum sculptorum acuminatum Frisch
t.-lat. (1741) 363
b.
auch literarisch: ungemach ist dem guoten menschen als diu vîle dem îsen: diu nimt im den rost abe; und als daz grabîsen dem goltvazze: daz machet ez lieht unde glanz
dt. myst. 1, 346, 15
Pfeiffer; die alten haben theils in stein geschrieben, als der hammer und das grabeisen feder und dinte gewesen Happel
relationes cur. (1685) 2, 184
a.
jünger nur in gehobener sprache: dasz sein bildnisz nicht anderst, als durch ... das grabeisen eines Lyssipus der ... nachwelt überliefert werde
dt. museum (1812) 1, 269
Fr. Schlegel. in der druckersprache auch '
ein gegossener buchstabe, zum drucken' Täubel
buchdruckerk. (1805)
anh. 32. 22)
in der verwendung für den spaten und ähnliche werkzeuge, wofür häufiger grabscheit (
s. d.).
wenn auch nicht weit verbreitet, so doch mit längerer lebensdauer als in der anwendung unter 1;
vgl. vango eyn grab ysen (1420) Diefenbach
nov. gl. 376
b;
pala grabe ysen (
md. 1476)
ebda 276
a;
fossile grab-ysen (
obd. 1486)
ebda 180
b;
sarculus grab-
vel nopyseren (
nd. 1420)
ders., gl. 512
c;
fossorium grabysen (
md. 15.
jh.)
ebda 244
c; grabeisen
bipalium Stieler
stammb. (1691) 373; Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 333: man schirret aben ein wenig erde mit dem grabeeisen hinweg, und rewmet zu den stOecken Grosser
anleitung z. d. landtwirtsch. (1591) G 4
a; so dann kan man es (
das erdreich) etwas düngen, und damit zum drittenmahl mit dem grabeisen oder spate umstechen Schröter
hauszverwalter (1712) 26; strichen sich die arbeiter rastend über die stirne, klangen silbern die grabeisen rumänischer soldaten aus den tälern herauf Zillich
zw. grenzen u. zeiten (1936) 402. —