graben,
m. ,
auf das deutsche beschränktes nomen acti zu graben,
vb. (
s. d.),
demgegenüber got. graba,
f. (grabai
Luk. 19, 43
Streitberg),
ae. græf,
m., n. (
vgl. Bosworth-Toller 1, 486
a),
engl. grave (
vgl. Murray 4, 373
c s. v. grave)
andere bildungsweise (
vgl. zu grab,
n.)
zeigen. ahd. grabo,
as. gravo,
mhd. grabe,
mnd. mnl. grave.
im nd. und in angrenzenden md. maa. gilt heute noch vielfach anders gebildetes graft (
s. d.),
welches obd. schon früh von grabo
fast völlig verdrängt wurde. der nom. sg. geht in ahd. belegen vom 10.
bis ins 12.
jh. regelrecht auf -o
aus. diese endung begegnet in glossenhandschriften (
abschriften ahd. vorlagen)
noch im 13.
jh. (
ahd. gl. 1, 607, 1
St.-S.; ebda 3, 310, 12; 4, 164, 12).
im 12.
jh. werden die ersten formen mit auslautendem -e
belegbar (
ahd. gl. 3, 262, 60
St.-S.; ebda 347, 3; 406, 62; Eilhart v. Oberge 7895
Lichtenstein).
sie behaupten bis ins 15.
jh. eine vorzugsstellung. mit dem 16.
jh. weicht grabe
gegenüber graben (
s. u.)
stark zurück, doch findet sich grabe
noch in wörterbüchern des 17.
jhs. (
vgl. Hulsius
dict. [1616] 144
a; Gueintz
rechtschrb. [1666] 76)
und weiter bis ins frühe 18.
jh.: ein grabe vor der contrescarpe (1715)
Berliner geschr. zeitungen 39
Friedländer. auf -e
ausgehenden nom. sg. verzeichnen für die lebenden maa.: schweiz. id. 2, 678; Fischer
schwäb. 3, 778; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 266; Follmann
Lothr. 214;
rhein. wb. 2, 1331; Schütze
Holstein 2, 64; Damköhler
Nordharz 64
b; Fischer
Samland 53
b.
nicht sicher zu entscheiden ist, wieweit sich hier alte nominative erhalten haben oder ob n-
abfall vorliegt. vom 15.
bis ins 17.
jh. finden sich neben -e-
und -en-
ausgang auch formen mit apokopiertem -e,
besonders im obd. (
vgl.grab altdt. pred. 55
Wackernagel; städtechron. 10, 188 [
Nürnberg 15.
jh.]
; ebda 4, 287; Diefenbach
gl. 502
c; Seb. Franck
sprichw. [1541] 1, 13
b; Stumpf
Schweizerchron. [1606] 400
a; Zehner
nomencl. lat.-germ. [1645] 105),
aber auch md.: (
es) ging ein grab darumb
Lancelot 1, 415
Kluge; Diefenbach
gl. 244
c.
wmd. und nd. begegnen in den lebenden maa. verschiedentlich endungslose nominative vom typ graf (
vgl. luxemb. ma. 157
a;
rhein. wb. 2, 1331; Kück
Lüneburg 600; Mensing
schlesw.-holst. 2, 462).
in fällen, wo fem. genus bezeugt ist, wie bei jräb,
f. Rovenhagen
Aachen 47
und bei fries. graw,
f. Jensen
nordfries. 168,
dürfte vermischung des bodenständigen dentalabstraktums (
vgl. afries. greft,
f. Holthausen
altfries. 35)
mit nd. grawen, graf,
m. anzunehmen sein. der heute herrschende nom. sg. graben (
vgl. Paul
dt. gramm. teil 3, § 27)
wird zuerst ende des 13.
jhs. belegbar: der graben ( : gehaben)
livl. reimchron. 9945
Meyer. häufiger dann seit dem 15.
jh.: vorago graben (1432) Diefenbach
nov. gl. 386
a; item under dem schlos ist ein graben (1496)
bei: Röhricht
pilgerreisen (1880) 340,
neben grove
ebda 269. —
für den gen. sg., dessen regelrechte ahd. form graben, grabin
lauten würde, finden sich erst im späteren mhd. belege: zwei tayl des graben
Marienburger treszlerb. 148
Joachim. der heute geltende gen. grabens (
vgl. noch Paul
dt. gramm. teil 3, § 25)
wird zufrühest im 16.
jh. belegbar: jenseit eines tiefen grabens Kirchhof
wendunmuth 2, 398
Ö. —
anstelle des zu erwartenden dat. sg. graben, grabin
begegnet ahd. eine vereinzelt bezeugte form grabun (11./12.
jh.)
ahd. gl. 2, 612, 48
St.-S., die aus dem acc. eingedrungen sein dürfte; seit dem 12.
jh. gilt hier graben. —
der acc. sg. geht ahd. auf -un
aus, seit dem 11.
jh., zuerst bei Notker 1, 46, 22
P., begegnen -en-
formen, die mit dem 13.
jh. regel werden. vereinzelt bleibt ein spätahd. grabin (12.
jh.)
ahd. gl. 1, 604, 19
St.-S., dessen endung wohl aus dem dat. sg. eingedrungen ist. im plural wird funktioneller umlaut seit dem 14.
jh. belegbar: auch han wir ... greben und auch mure (
ostfränk. 1397/1400)
hist. volksl. 1, 165
Liliencron (
vgl. auch PBB 27, 272,
wo ein Suchenwirt
-beleg [1390]
ohne stelle).
umlautlose pluralformen halten sich vereinzelt noch bis ins 19.
jh. in der schriftsprache: ich setze über zäune und graben Pfeffel
pros. vers. (1810) 1, 180; br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 294; Scheuchenstuel
berg- u. hüttenspr. (1856) 106.
vgl. ferner Paul
dt. gramm. teil 3, § 27
anm. 2.
mundartl. ist der umlaut nach ausweis der maa.-wbb. nicht durchgedrungen im bair. und in nd. maa. (
vgl. Schmeller-Fr. 1, 982; Schambach
Göttingen 68; Kück
Lüneburg 600; Damköhler
Nordharz 64
b; Mensing
schlesw.-holst. 2, 462; Dähnert
plattdt. wb. 160; Fischer
Samland 53
b).
umlautlose und umgelautete pluralformen nebeneinander werden für das elsäss., lothr. und westmd. nachgewiesen (
vgl. Martin-Lienhart 1, 266; Follmann
Lothr. 214;
rhein. wb. 2, 1331
f.).
der nom. pl. hat ahd. die endung -un,
seit dem mhd. gilt -en.
die nd. maa. fügen im plural noch ein -s
hinzu, wobei der vorhergehende nasal in den meisten fällen erhalten ist (
vgl. Woeste-
N. westfäl. 85
a; Böger
Schwalenberger ma. 151; Schambach
Göttingen 68; Damköhler
Nordharz 64
b; Kück
Lüneburg 600; Mensing
schlesw.-holst. 2, 462; Dähnert
plattdt. wb. 160).
für das rhein. nd. wird grāvəs
rhein. wb. 2, 1332.
für das samländische grwes Fischer
Samland 53
b nachgewiesen. —
der ahd. gen. pl. grabono
ist bis ins 12.
jh. anzutreffen, seither gilt die endung -en. —
der dat. pl. ist ahd. als grabon
belegt, wobei für das -o-
analog zu anderen schw. m. länge anzunehmen ist (
vgl. Braune ahd. gramm. § 221
u. anm. 6).
glossierungen wie fossis crapun, crupun
ahd. gl. 2, 425, 22
St.-S. und fossis crabun
ebda 475, 45,
beide 11.
jh., werden für den nom. pl. in anspruch zu nehmen sein. vom 12.
jh. an (
vgl. ahd. gl. 3, 408, 65
St.-S.)
ist -en
die endung des dat. pl. —
für den acc. pl. ist die ahd. zu erwartende endung -un,
bzw. -on
noch nicht belegbar. mit dem mhd. begegnet -en.
vereinzelt erscheint ein auffallender acc. pl. auf -er (
wenn nicht druckfehler vorliegt): ein schwan ist leichtlich ... inn die gräber oder weier zupringen Sebiz
feldbau (1579) 113;
vgl. noch: nü kien ick die grawer jens peile (
nordfries.)
in: PBB 49, 239.
zu den auf -en
ausgehenden kasusendungen ist allgemein zu bemerken: besonders in bair.-österr. quellen wird das e
häufig synkopiert: ein klainer grabn (1565)
österr. weist. 1, 205;
ebda 5, 608; Stieler
ged. 2, 12
Reclam; vgl. Schmeller-Fr. 1, 982; Lexer
Kärnten 119.
dabei durch assimilation gelegentlich n > m: grabm (1625)
österr. weist. 1, 14; 15.
vereinzelt auch grabem Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 105.
für die lebende ma. wird im schlesw.-holst. und im obersächs. zusammenfall von b
und n
in m
bei synkope des gedeckten -e-
der endung nachgewiesen: grm Mensing
schlesw.-holst. 2, 462; kraam Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 434
b; Albrecht
Leipziger ma. (1881) 13; 48. —
beim gen. dat. pl. begegnet obd. verschiedentlich -nen
als endung: gräbnen (1514)
d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 55
Franz; (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 50; Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 81.
auch mit partieller assimilation des ersten n: gräbmen
österr. weist. 1, 61.
sogar: grämbmen (
Salaberg 1523)
ebda 9, 863 (
andere lesarten dort: grabm [1523], gramben [17.
jh.]). —
belegbar wird -n-
abfall in: nüd öber de graba seh (=
sein) Tobler
Appenzell 234
a; gräba,
pl. Kuen
oberschwäb. wb. 21; in de grawe K. Bücher
arbeit u. rhythmus (1899) 284 (
nassauisch); auch soll käuffer die graebe ... erhalten (
schles. 1615)
cod. dipl. Siles. 4, 184; der, der im groba liegt Gerhart Hauptmann
d. ges. werk (1942) I 4, 210. AA.
in eigentlichem gebrauch. A@11)
dem ursprünglichen wortsinn entsprechend '
etwas durch grabarbeit hervorgebrachtes'. A@1@aa)
im allgemeinen eine offene, längliche vertiefung, meist im erdboden, die auf einen bestimmten zweck hin angelegt worden ist. im ahd., wo grabo
vorwiegend agger oder vallum glossiert und also in erster linie '
wall, damm'
bedeutet (
s. unten b
α),
ist das wort in der wiedergabe von fossa oder lacus im 10.
jh. nur vereinzelt (
ahd. gl. 2, 501, 35
St.-S. und ebda 1, 605, 1),
seit dem 11.
jh. dann etwas zahlreicher (
ahd. gl. 2, 425, 22
St.-S.; ebda 475, 45; 501, 35; 612, 48; 650, 29)
anzutreffen. —
im hinblick auf seinen bestimmungszweck steht graben
prägnant: A@1@a@aα)
für den befestigungsgraben um eine stadt, eine burg, ein schlosz oder ein feldlager; literarisch seit dem 12.
jh.: dar umme (
um die burgmauer) gîngen drî grabin. tîf und wît, hôrte ich sagin, ieglîcher grabe dâ wêre Eilhart v. Oberge 7893
Lichtenstein; der werde muoste stille haben. daz kam von eime tiefen graben der hine vor der brge gie Ulrich v. Türheim
Rennewart 30 554
Hübner; item 1452 jar da wart der grab ümb die stat hie volbracht (
Nürnberg 15.
jh.)
städtechron. 10, 188; vnd do sie (
die feinde) inn der nacht zuo Quintius heer kamen, fielen sie zuo rosz vnnd zuo fuosz inn die grAeben (
die um das feldlager herum ausgeworfen worden waren), also, das sie eynander tratten, vnd grosz vnordnung sich vnder jnen begab Carbach
Livius (1551) 43
b; graben ... heisset um einer festung die tiefe herum, woraus die erde zu erbauung der wercke in derselben genommen worden, und ist dieselbe entweder leer gelassen, oder mit wasser angefüllet Chr. Wolff
mathem. lex. (1747) 1, 598; und die gräben (
in Mannheim) dünsten einen so übeln geruch aus, ... dasz man oft nicht auf den sonst so schönen wällen spatzieren kann Gleim
briefw. 1, 440
Körte; jetzt tönt die losung, die reiterey sprengt gegen den feind und das fuszvolk ist im anmarsch gegen die gräben (
schanzgräben des feldlagers bei Lützen) Schiller 8, 288
G.; es ist ein alter wunsch, dasz sowohl der äuszere als innere thurm des Löberthors abgetragen und der graben ausgefüllt werden möge Göthe IV 29, 234
W.; adjes denn, ihr holden lieblichen auen ... ihr thürme und gräben Maler Müller
w. (1811) 3, 96; seine (
des städtchens) starken zinnen erheben sich noch wehrhaft über seine dächer,
aber die gräben hat der friede ausgefüllt Steub
drei sommer in Tirol (1905) 2, 25.
an vielen orten (
vgl. z. b. rhein. wb. 2, 1332
für Aachen, Dülken, Kempen, Kleve-Calcar)
hat die auf dem eingeebneten stadtgraben verlaufende strasze die bezeichnung graben
beibehalten (
vgl. auch die parallele entwicklung von frz. boulevard): das centrum der stadt, die Downingstreet von Wien, ist der sogenannte Graben Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 83; unter solchen umständen hat die nebenstrasze des Wiener Grabens ... etwas entschieden unheimliches
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 334.
in dieser bedeutung '
befestigungsgraben'
erscheint das wort auch in charakteristischen präpositionalverbindungen. besonders in älterer sprache oder von da her in der wendung auf dem graben,
der in lat. urkunden bezeichnungen wie in fossato hess. urkdb. I 1, 268
Wyss, in fossa ebda 131
und supra fossato ebda 370
entsprechen. dabei kann die wendung auf dem graben
sowohl, den noch vorhandenen graben
bezeichnend, 'am graben'
meinen, als auch auf die strasze bezogen sein, die über dem zugeschütteten graben
verläuft. in mittelalterlichen städten ist diese gegend vielfach das dirnenviertel (
vgl. auch unten B 3 a
α und γ): und diu gemeinen fröuwelîn, sie heizent aber niht fröuwelin, wan sie haben frouwennamen verlorn und wir heizen sie die bœsen hiute ûf dem graben Berthold v. Regensburg 2, 148
Pf.; her Pernolt der NOezel auf dem graben (1326)
Regensburger urkdb. 1, 517; her um hat he mir gegeben vier schillinge phenninge geldis jerliches cinses uf Ludewiges schuoren uf dem graben in der undergassen gelegen by mime gademe (
Marburg 1362)
hess. urkdb. I 3, 20
Wyss; ich ... thun kund ... das ich ... ze Louffenberg vor der statt, uff dem graben,
etc. vmb lehen ze richten offenlich ze gericht sasz (1393) Haltaus
gl. 746; ich war auff den graben logirt undt hatt eine angelruht mitt drey angellen mittgebracht, umb in dem graben zu fischen (1714) Elisabeth Charlotte v. Orleans
br. 3, 470
Holland; bleib hier, ich nehm dir ein quartier aufm Graben, du sollst fünfzehn parketirte zimmer in einer reih haben Meisl
theatr. quodlibet (1820) 2, 45; er hatte in Wien für die feinsten gewölbe auf dem Graben gearbeitet Gutzkow
ges. w. (1872) 1, 51.
seltener begegnet statt dessen die wendung am graben: Chrysostomus am graben, der ... ain zit lang bürger (
von St. Gallen) gsin (1532) J. v. Watt
dt. hist. schr. 3, 319
G. in verbindung mit in,
in älterer sprache gelegentlich in den graben
soviel wie '
um des grabens willen, für den graben': die galtnusse alle als davor geschriben stat, daz vor gerihte geschiht, diu sol des vogtes halbiu sin und der stat in den graben halbiu (1291?)
stadtb. v. Augsburg 237
Chr. Meyer; ebda 257. A@1@a@bβ)
in der bedeutung '
wasserstrasze'
für das erst mit dem 16.
jh. allgemeiner geläufig werdende wort kanal (
vgl. Kluge-Götze
etym. wb. 15357
b): an den tiden let de koning Karl enen groten graven maken van der Altmune wante an de Radenze, unde wolde, dat de schepe gingen van der Donowe wante an den Rin
sächs. weltchron. 149
Weiland; so muchten die czu Lubek usschiffen und vorbas durch den graben czu Hamburg ire guter brengen (1428)
akten d. ständetage Preuszens 1, 510; die schiffe die wir noch durch den gemachten graben bis nach Arsinoe ins meer geweltzet haben, sind ... angesteckt Lohenstein
Cleopatra (1680) 4.
in besonderer anwendung: graben, in dem die schiffe aufs land gezogen werden, als übersetzung von gr. οὐρός: nun entziehn sie den schiffen die stützen und säubern die graben, und ihr heimverlangend geschrei erreichet den himmel Stolberg
ges. w. (1820) 11, 49. A@1@a@gγ)
für einen graben zum hegen oder fangen von tieren: item under dem schlos (
in Rhodos) ist ein graben, da sindt uber 1000 canickel innen und dabey ist ein ander graben, da sind grosse strausse innen unnd andere thier (1496)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 340; da befalch der könig, das man Daniel her brechte, vnd worffen jn zu den lewen in den graben
Daniel 6, 16;
vgl. ebda 17; 19; 20
u. ö. das wort steht hier für sonst übliches grube (
vgl. erste dt. bibel: gruobe;
vulgata, itala: lacus).
gräben, namentlich festungsgräben, in denen wilde tiere gehalten wurden (
vgl. auch teil 16,
sp. 1273
s. v. zwinger B 2 b),
kannte Luther
vielleicht aus eigener anschauung und hat so diese vorstellung auch auf die biblischen verhältnisse übertragen. in anlehnung an den lutherbiblischen gebrauch wohl: aus den gruben, hier im graben hör ich des propheten sang; engel schweben ihn zu laben, wäre da dem guten bang? Göthe I 18, 347
W.; innewendig muss ... ein graben von zwey ellen tieff gemachet seyn (
zum fang von wildschweinen) Fleming
vollk. jäger (1719) 240
b; wir hatten die strasze, in welcher unser haus lag, den Hirschgraben nennen hören; da wir aber weder graben noch hirsche sahen, so wollten wir diesen ausdruck erklärt wissen. man erzählte sodann ..., da, wo jetzt die strasze sich befinde, sei ehemals ein graben gewesen, in welchem eine anzahl hirsche unterhalten worden Göthe I 26, 15
W. von fischgräben: dass er denn see fischen helffen unndt hernacher die gräben widerumb aussgemacht (1686)
bei Fischer
schwäb. 3, 778. A@1@a@dδ)
für den straszengraben: dy vorgenanten hern sullen ouch haben eynen gemeynen weg der sal syen vier ruten breyt genehalb dem Nagaten uff der burger vryheyt. uff dy selbyn sechs huben dy yn bewisit sint vnd sullen dy helfte dez selbyn wegis halden myt graben vnd czunen vnd temmen (1336)
cod. dipl. Pruss. 2, 208
Voigt; denselben graben soll der Herl alle jar raumen und der ander hinter im desgleichen, dadurch das wasser von der strosz an dem ent lauft (15.
jh.) E. Tucher
baumeisterb. 204
Lexer; wenn ein fuhrmann eine otter- oder schlangen-zunge in seine peitsche flichtet, so werden seine pferde, ohne schaden, die gröszesten lasten aus einem graben ziehen J. G. Schmidt
gestriegelte rocken-philosophia (1706) 1, 340; ein unglück sei unterwegs begegnet, der wagen in einen graben geworfen worden Göthe I 25, 205
W.; mit einem seufzer setzte sie sich an den chausseerand, liesz die füsze in den graben hängen und lehnte rücken und kopf an eine pappel Cl. Viebig
die vor d. toren (1949) 8. A@1@a@eε)
für den graben als einfriedigung und begrenzung: by dem graben, der vnser marke vnde velt, die zcu der Nassow gehorent, vnde marke vnde velt, die zcu Grobir gehorent, scheident (1364)
urkdb. d. hochstifts Meissen 2, 58
Gersdorf; dar usz ist aber entsprungen, das ertrich mit unterschiden graben und markstainen zetailen Steinhöwel
de claris mul. 37
lit. ver.; auch soll er ... alle garten-arbeit, fride, gräben, gehäge und zäune, ... verrichten lassen Hohberg
georg. cur. aucta (1682) 1, 19; die gräben, durch welche ... die 'fennen' von einander geschieden sind Storm
s. w. (1899) 1, 57; werden zwei grundstücke durch einen zwischenraum, rain, winkel, einen graben, eine mauer, hecke, planke oder eine andere einrichtung ... voneinander geschieden
BGB § 921. A@1@a@zζ)
für den be- und entwässerungsgraben: was die maisterschaft gebiet und der bumaister weg ze bessern und graben ze graben und wo es notürftig ist zu machen, wem den gebotten wird, der soll es halten und thun (1302
nach einer abschrift von 1700)
württ. ländl. rechtsqu. 2, 862;
lacuna ... wassergrab, oder grab dadurch das wasser fleust, wassergrab im acker da sich das wasser samlet Er. Alberus
nov. dict. (1540) Zz 1
b; an wasserigen, murigen vnd bimsechten orten musz man sich mit bekömmlichkeit desz wassers behelffen: welche jr zu offtermalen durch sondere wasserfallen, fürschürz, gräben vnd canäl solt ab vnd anwenden, anlaiten vnd führen, zu nutz vnnd verbesserung ewer weid, weyern oder seen Sebiz
feldbau (1579) 20; am fusze eines ... hügels, in welchem ein von alters her gezogener graben wasser von feldern und wiesen abhalten sollte Göthe I 33, 14
W. A@1@a@hη)
für sonstige zu- und ableitungsgräben. von einem feuerlöschgraben: auch öffnen wür, das wür zween gräben sollen haben, ob ain feur aufkäm, dasz man das wasser herein müg gelaiten (1660)
österr. weist. 2, 260.
in der bedeutung '
kloake'
: ruder kot grab (15.
jh., obd.) Diefenbach
gl. 502
c; graba (
m.),
der graben
od. kanal, der hinten an der '
brügi'
im kuhstall hinläuft zur aufnahme des fallenden düngers Bühler
Davos 1, 47. A@1@a@thθ)
für verschiedene formen militärischer feldbefestigungen, älter für die sappe, den laufgraben (
vgl. aber noch graben,
vb. B 5 b
α): theils führt auch schlangenweisz, trotz allem widerstand, der graben winkel-lauf hin nach des feindes graben Besser
schr. (1732) 1, 54;
vgl. J. Hübner
zeitungslex. (1748) 2, 77
b.
in jüngerer zeit prägnant für den schützengraben, den schiesz- und deckungsgraben des stellungskrieges, namentlich seit dem ersten weltkrieg (
vgl. auch kompositionstypen C 2 a
γ): keiner blieb zurück, wenn der befehl sie aus dem blutigen graben in den nächsten trieb E. Wiechert
d. Jerominkinder (1945) 459; die tiefe, finstere schlucht des grabens besasz etwas erdrückendes E. Jünger
d. abenteuerliche herz (1929) 162.
in präpositionalen wendungen wie in den gräben: ... des leidens wegen, das er sich in den flandrischen gräben geholt hatte Alverdes
Reinhold (1931) 137;
ebenso im graben: (
um Franz Marc hat sich) niemand gekümmert, keiner ihm den falschen idealismus ausgeredet, der ihn vielleicht im graben festhielt A. Zweig
einsetzung eines königs (1950) 171.
auch: aus den gräben
soviel wie '
aus dem schützengrabenkrieg': mehr als andeutungen weisz ich auch nicht, klagte Sophie, er bleibt wie zugestopft und schweigt wie die leute aus den gräben
ebda 427. A@1@a@iι)
für den als hindernis angelegten graben, namentlich im sport: ein graben (springgraben) ..., dessen borde oder ränder an einem ende sehr nahe sind, am andern weit auseinander laufen (
zum weitsprung) Fr. L. Jahn
w. (1884) 2, 33.
als hindernisgraben beim reitsport, s. z. b. unter grabensprung 1. A@1@bb)
seltener werden andere durch grabarbeiten geschaffene bodenformen mit graben
bezeichnet. A@1@b@aα)
für '
wall, damm'.
diese bedeutung, die im ahd. in glossierungen von vallum und agger diejenige von fossa überwiegt (
s. oben a),
ist noch bis ins 15.
jh. relativ häufig bezeugt, weicht aber in der folgezeit mehr und mehr zurück und wird zuletzt im 18.
jh. im nd. greifbar (
s. u.).
in der glossierung von Esaia 19, 6 (
vgl. vulgata: siccabuntur rivi aggerum; erste dt. bibel: die hochen stette des bachs werdent trucken):
aggerum grapono (10.
jh.)
ahd. gl. 1, 604, 17
St.-S.; vgl. ebda 18
und 19.
aggerem grapo (10.
jh.)
ahd. gl. 1, 607, 1
St.-S. (
glosse zu Esaia 29, 3,
wo 1.
dt. bibel: vmbhalbung, Luther: wallen [=
wälle]
übersetzen)
; vgl. ebda 606, 59 (10./11.
jh.);
uallo grauon (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 588, 34
St.-S.; târ Romani herebergotôn, dârumbe grûoben sie sih, unde uuurfen dia erda innenân uuider selben den graben. ûfen den grabohûfen saztôn sie sîne uuelbe spizze bouma Notker 1, 46, 22
Piper; vallo grapin (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 304, 39
St.-S. (
glosse zu Luk. 19, 43,
wo cod. Teplensis und 1.
dt. bibel graben, Luther,
vgl. gr. κάραξ, wagenburg
übersetzen); sie hizzen graben irn graben. als iz vf was erhaben und do vollen quam (
vollendet war) die graft Herbort v. Fritzlar
liet v. Troye 1781
Frommann; vallum grabo
vel phal (
Tirol 13.
jh.)
ahd. gl. 4, 164, 12
St.-S.; vgl. noch ebda 2, 594, 48; steet er (
der zaun) ebens grunds, so soll er ainem gleichen mann ans herzgriebl geen; so er aber auf ainem graben steet, so soll er einem gleichen mann an die zwischl geen (1654/68)
österr. weist. 1, 78; graven ... ein aufgeworfener schmaler damm ... hingegen nennt man einen graben, welchen man um wasser darin zu haben, gemacht, grefte Strodtmann
Osnabrück (1756) 76 (
s. auch unt. gräfte). A@1@b@bβ)
vereinzelt bezeichnet graben
die ausschachtung für das fundament eines gebäudes: wie sagst dann du, das der glaub sei das fundament, daz verantwurt sant Thomas in prima secunde, das in einem fundament seind zwei ding. es ist der grab, vnnd die mauer in dem graben Keisersberg
brösamlin (1517) 2, 20
b; als der meister anderen morgens mit seinen leuten an ort und stelle kam, fand er einen im regelmäszigen viereck gezogenen graben, und Krespel sprach: hier soll das fundament meines hauses gelegt werden E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 31
Gr. A@1@b@gγ)
gelegentlich im 16.
und 17.
jh. auch für einen unterirdischen '
graben',
einen tunnel oder einen schacht: als die vom schlosse einen heimlichen graben vnter der erden in die stad der kirchen zu gemacht hetten Schütz
hist. rerum Pruss. (1592) 6, J 5
b; nuon was zuo nechst bey der frstin gemach ... ein graben oder hOele vor langen zeyten in ein berg oder felsen gehawen. die selbige hOele het ir liecht von oben herab durch etliche löcher Montanus
schwankbücher 222
lit. ver.; die lenge aber der dritten schnur (
beim messen) zeiget an ... des stollens theil, zu welchen der graben des schachts, so da in daz geheng gesengt ist, fellet (
ad quam putei fossa depressa pertinget) Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 106 (
auch: die grube des schachts [
putei fossa]
ebda 92). A@22)
in erweiterter anwendung analogisch für verschiedene grabenähnliche formen, die nicht durch grabarbeit entstanden sind. gelegentlich auf der grenze zum bildlichen gebrauch (
vgl. unten B). A@2@aa)
als bezeichnung verschiedener natürlich entstandener grabenähnlicher formen. A@2@a@aα)
für ein bach- oder fluszbett: es hatte jüngst der klare bach aus seinem graben allgemach mit sanftem rieseln sich ergossen, der wiesen frisches grün stand mehrentheils beflossen Brockes
ird. vergnügen (1721) 4, 39.
vornehmlich bair.-österr., schweizer., elsäss. und moselfrk. für das rinnsal eines bergbaches, ein wildbachtal, eine kluft, eine bergschlucht mit oder ohne wasser (
vgl. Lexer
Kärnten 119;
d. dt. maa. 3, 462
Frommann; Schmeller-Fr. 1, 982;
schweiz. id. 2, 678; Seiler
Basel 145
a; Martin-Lienhart 1, 266;
rhein. wb. 2, 1332): er wolt daz ors niht ûf enthabn, mit sporn treib erz an den grabn (
die '
gefährliche furt'
guez perelleus, ein wildbach) Wolfram v. Eschenbach
Parzival 611, 12; auf allen wassern und wildpachen, auch graben und giessen (1505)
österr. weist. 5, 7;
vgl. ebda 2, 353; ein ander mall was ich in eim gar stotzenden graben, scht kleinne stralen, das sind christallen, deren vill drin funden wurden (1572) Th. Platter 12
Boos; als sich ye zu zeiten zutrAegt, dasz die pAech, so an vil ortten yber die zechen unnserer berckwerch herabrinnen ... grAeben auswaschen (1532) Lori
baier. bergrecht (1764) 209
b; eine jähe kluft am fusze des berges that sich vor ihnen auf, und zeigte gegenüber eine bisher verborgene hohe mauer ... ein tiefer graben trennte sie also von dem garten, in den sie unmittelbar hineinsahen Göthe I 24, 63
W.; der forst wird nirgends mächtig, doch sind die tiefen 'gräben', die wildbachsschluchten, die den berg da und dort durchrissen haben, gar schön mit nadelholz verkleidet Steub
wanderungen (1862) 178; Anzengruber
ges. w. (1890) 7, 178; die krähen hocken schwarz und dicht, der knecht das holz zum herd hin schlicht'. der brunfthirsch röhrt im graben drin, und regen regnet grau dahin Weinheber
s. w. (1954) 2, 320.
wo in rhein. maa. graben
in der bedeutung '
bach'
steht, fehlt das wort bach
völlig, vgl. rhein. wb. 2, 1332.
in allgemeinerer anwendung rhein. auch für ein kleines, stehendes gewässer, vgl. ebda. A@2@a@bβ)
in terminologischem gebrauch. A@2@a@b@aaαα)
der grabenbruch, in geologisch-geographischer fachsprache als morphologischer begriff: nach westen zu erstreckt sich Luabugiris machtbereich bis über den Kivu-see und den groszen centralafrikanischen graben hinüber Götzen
durch Afrika (1895) 188.
auch für den meeresgraben: charakteristisch sind zahlreiche schmale, aber sehr tiefe gräben nahe der pazifischen küste Meyer
konvers.-lex. (1907) 19, 37
b. A@2@a@b@bbββ)
nur gelegentlich für lat. aestuaria (
vgl. das besonders für die Garonnemündung gebrauchte frz. '
estuaire')
: aestuaria ein arm des meers, ein graben, in welchem sich das meer hinausz laszt wann es anlaufft, meersumpff oder meergraben Calepinus XI
ling. (1579) 50
a. A@2@a@b@ggγγ)
in der bergmannssprache: graben ... sind bey söligten flötzen vertiefungen oder sogenannte mulden, die vil länger als breiter(!) sind Jacobsson
technol. wb. (1781) 2, 143
a. A@2@a@gγ)
von formen des gesichts und des menschlichen körpers, namentlich in poetischer ausdrucksweise: (
die augen Christi waren) gar fin, clar, raine, nút ze gros, nút zeklaine, wol recht und nút mit tieffen graben, etwas hohelecht erhaben (
wohl von den augenhöhlen) (
um 1300) Wernher
Marienleben 5825
Päpke-Hübner; die wangen waren verschwunden, und hatten einen graben zurückgelassen, wo ein flusz von thränen flosz, der mir zu herzen gieng Heinse
s. w. 3, 480
Sch.; zwischen beiden wällen läuft ein seichter graben, die primitive zahnfurche (
vom kiefer eines embryos) Sömmerring
menschl. körper (1839) 6, 863. A@2@bb)
als benennung technischer vorrichtungen, besonders im berg- und hüttenwesen: graben ... dieses sind zwey löcher in der form (
gieszform), um das überflüszige bley abzuführen Jacobsson
technol. wb. (1793) 5, 723
a.
im folgenden beleg ist graben
wohl soviel wie gefluder: von unserm bergwercke raunt mir ein böser geist ins ohr: dasz das wasser (
zum maschinenantrieb) noch nicht herbeygebracht sey. zwar von der treibe (=
fördermaschine) bis zum treibhaus (=
förderhaus) sey der graben in ordnung; aber beym kohlenwercke mache das gefluder (
eine aus brettern genagelte rinne als wasserleitung beim berg- und mühlenbau) zu schaffen, wie an andern orten der graben auch noch wasser durchlasze Göthe IV 8, 27
W.; vgl. auch noch Minerophilus
bergwercks-lex. (1730) 308. A@33)
in geläufigen wendungen und stehenden verbindungen. A@3@aa)
in verbindung mit anderen substantiven in zwei- oder mehrgliedrigen ausdrücken. A@3@a@aα) mauern und gräben,
durchweg 1 a
α entsprechend: Rosche Sabbîns dort diu houbetstat den vierden ort (=
seite) begreif mit mûren und mit graben Wolfram v. Eschenbach
Parzival 681, 13;
pilgerreisen (1880) 101
Röhricht-Meisner; die mauern und gräben sind ein wichtiges denkmal der vorigen zeit Göthe III 2, 95
W.; aber sie (
die renaissance) blieb dabei stehen, den lustgarten mit mauern und gräben zu umgeben, als eine abgesonderte existenz zu behandeln Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 312. A@3@a@bβ) wall und graben
ebenfalls von 1 a
α her und in dieser verbindung für graben
die bedeutung 1 b
α ausschlieszend (
vgl. schon die lat. verbindung '
vallum fossaque'): hatte ein schön wohlgebautes haus mit seinen wällen und graben stattlichen Schweinichen
denkw. (1878) 125; keine spur von wall und graben war zu sehen (
auf Lotharios gut) Göthe I 23, 6
W.; schutz durch wall und graben Mommsen
röm. gesch. 1 (1856) 49. A@3@a@gγ) grube und graben,
auch in umgekehrter wortfolge, eine durch die alliteration gestützte verbindung, die an verschiedene bedeutungen anknüpft: dann sie (
die kirche) hat alter füchs art, welche vbel bändig zumachen sein: sie weisz vber alle zäun vnd hage, vber alle gruben vnd graben, vber stock vnd stauden gar fein zu springen Fischart
binenkorb (1588) 50
a; (
das ebene land ist) voller pfitzen, gruben vnd gräben Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 437; ein solcher märterer hat Daniel auch werden müssen, vnnd vber seinem gottesdienst sich in den graben und gruben der löwen werffen lassen
M. Walther
erläuterung d. proph. Daniel (1645) 879.
vgl. auch den ersten Göthe
-beleg ob. A 1 a
γ.
zur verbindung grab und graben
s. s. v. grab A 6a. A@3@a@dδ) graben und zaun,
auch umgekehrt: so ist daz vierde ros braun, daz kan graben und zaun vil rinklich uber springen (
ostmd. 14. jh.)
kl. mhd. erz. 186, 200
Rosenhagen; über thäler und höhn, durch dornen und steine, über gräben und zäune, durch flammen und see'n, wandl' ich, schlüpf ich überall, schneller als des mondes ball
Shakespeare 1 (1797) 196; wann der pauman anpaut, ... so soll er sein nachper, dem ain fridtgatern oder ester geburt anzehachen, demselben seinem nachtpern mit dem fritgatern nachfarn, sein nachpern und sich selb friden auch an den zaun und graben den fridt machen (17.
jh.)
österr. weist. 1, 56, 8; eine leichte befestigung mit zaun und graben, die ihn vor einem handstreich sicherstellte, besasz auch der herrenhof Dehio
gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 292. A@3@a@eε) gräben und hecken,
auch hecken und gräben,
typisch für das bild der offenen landschaft aus der sicht des reiters und jägers: stöber oder spionen sind hitzige hunde, stöbern alle graben und hecken, ... ecken und winkel ... aus Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 14;
Leipziger aventurier (1756) 2, 120; der renner sprang, der renner schwang sich über gräben und hecken Strachwitz
ged. (1850) 12; sein aug war wie der luchs ... und über hecken und gräben setzte er ohne anlauf Alexis
hosen (1846) 1, 48. A@3@a@zζ)
gelegentlich in mehrgliedrigen ausdrücken: wie ein toller furman, der mit pferd und wagen stracks zurennet, durch pusch, hecken, graben, wasser, berg und tal Luther 6, 261
W.; vber hecken, graben, stock vnd stein spring ich mein feind zv trvtze, stos alles niderr gros vnd klein, dem vaterland zv nvtze (1623) Ziegler
geschützinschr. (1886) 19; über stock, stein und graben Döbel
jägerpractica (1754) 2, 94. A@3@bb)
in verbindung mit bestimmten epitheta. A@3@b@aα) der tiefe graben: er (
Apollonius) stund in den toten di von im sind geschrotten recht als in ainem tieffen graben Heinrich v. Neustadt
Apollonius 7935
Singer; vornehmlich im bereich 1 a
α: ich meine, er solte für jm eine feste maur, starcken wahl, tieffen graben, harnisch und andere wehr und waffen, die zum streite gehOeren, bereiten, da mit er fr seinen feinden möchte sicher sein (1536) Luther 51, 289
W.; grosser fürsten, herrn, potentaten vnnd obrigkeiten vnüberwindliche festungen seynd nicht hohe wälle, dicke mawern, tieffe gräben, grosse büchsen vnd viel tonnen goldes, sondern ein weises vnd gerechtes regiment Lehman
floril. polit. (1662) 3, 252; die festungswerke Wittenbergs waren zwar keineswegs stark, aber ein breiter und tiefer graben sicherte sie doch vor einem sturme Meinicke
Boyen (1896) 1, 331. A@3@b@bβ) der breite,
älter auch der weite graben: ja es fleucht jderman und erschrickt fur der uberfart und weis nicht, wie ers sol anfahen, das er hinuber kome (
vom leben zum tode). als der einen weiten graben oder tieffes wasser fur sich hat, da er uber mus, und doch keinen steg und keine brücken sihet (1537) Luther 45, 503
W.; ein breiter graben voll schwarzbraunen wassers war unser wegweiser H. Laube
ges. schr. (1875) 1, 349. A@3@b@gγ) der trockene graben,
im gegensinn der nasse: dann der stat maur was an etlichen enden gar nider, ... und was ... kain grab darvor, dann ain trucken klain grab, es wär ainr daruber gesprungen (
Augsburg 1468)
städtechron. 5, 5; ein des deutschen lagers kundiger ... führte ihn durch den trockenen graben Lohenstein
Arminius (1689) 2, 283
a; Klopstock
oden 2, 24
M.-P.; am besten gedeiht sie auf moorboden am rand ... eines nassen grabens (
das sumpffettkraut) Schlechtendal
flora v. Deutschland (1880) 26, 34. A@3@b@dδ) der gefütterte
d. h. der ausgemauerte graben,
im anschlusz an 1 a
α in älterer sprache: fossa silicata gefuttert grobe (
Köln 1517) Diefenbach
gl. 244
a; aber in eyner treflichen stat, oder achtparem schlos, da die (
lies: die da?) mauren, thrn, vnd ob das sein mag gefettert grAeben vmsich haben, da sol man solche befestigung auch mauren A. Dürer
befestigung d. stett (1527) A 2
a; ausserhalb der stadt ist ein dryfacher gefütteter graben, sehr tieff, vnd anzusehen vnüberwindlich Schweigger
reysz-beschr. (1619) 248. A@3@cc)
innerhalb verbaler wendungen. A@3@c@aα)
mit präpositionalem objekt. am graben,
häufiger im graben arbeiten,
besonders mit bezug auf den stadtgraben (
s. oben 1 a
α)
als geläufige wendung älterer zeit: ieder man ... sol erwaten an dem graben umb die stat (
Nürnberg 1421—1440)
städtechron. 2, 17; die werchotend, es wär im graben, am murwerch oder in wingarten Richental
chron. d. Constanzer concils 86
lit. ver.; hat iglicher ... müssen ... raysen (
heerfolge leisten), wachen und dorhüten, auch arbaiten im graben (
als bürgerl. pflicht)
qu. z. gesch. d. bauernkr. aus Rothenburg 601
Baumann. an den graben kommen, stoszen: so' r ûf hin komet an den grabn, ich waen dâ müezt ir stille habn Wolfram v. Eschenbach
Parzival 225, 27; der dritt walt ... stosst morgenthalben an vorbemelte Valsander greben (17.
jh.)
österr. weist. 4, 311, 15; ich ging ohne verzug ... und kam anfangs an einen graben, allwo ein kleines haus stand, so, wie die mauthhäuser an unsern liniengräben sind Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 15.
namentlich mhd. ûf einen graben komen
u. ä. soviel wie '
an einen graben
kommen': min knecht sol uch wol wisen, wann ir off den uszersten graben koment, ein andern weg umb zwuschen dem hage und dem graben
Lancelot 1, 548, 27
Kluge; ebda 546, 32; sus traf ich eine veige vart, diu truoc mich unz uf einen graben Gottfried v. Straszburg
Tristan 2707
Ranke. in den graben fallen, stürzen: als ein phert das man zOeimet und do mit uf zúhet, ob es in einen graben vallen wolte Tauler
pred. 216
V.; und syn rosz kam gande in ein gebrúche, das von dem heiszen wetter drucken was worden, und gingen grosze graben da durch. sin rosz was mud und sturczt in eynen graben, das das rosz ein lang wile off im lag
Lancelot 1, 192, 13
Kluge; ein blind furt ein andern blinden vnd vallend beid in graben Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) C 4
a; er war in einen graben gestürzt Göthe I 24, 104
W. etwas
oder jemanden in den graben werfen: mit dîner übermoute wirf ich dich hiute in einen graben Stricker
Karl 4989
Bartsch; desgeleichen sol auch niemand nichts unsaubers werfen oder schütten in der statt graben (1600)
österr. weist. 2, 233, 29; nun erfuhr die alte von dem bedienten, ein unglück sei unterwegs begegnet, der wagen in einen graben geworfen worden, und was alles nachher sich ereignet Göthe I 25, 1, 205
W.; von oben warfen sie (
die gegner) handgranaten in die gräben, in denen ratten und läuse regierten A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 263. über den graben springen, setzen
u. ä. (
vgl. auch unten B 1 a): dô gîng der hêre unde sprang obir einen graben sêre wît Eilhart v. Oberge 7809
Lichtenstein; du zühest hynder dich (
wenn du der gefahr ins auge sehen sollst) wie ainer tuot, der an ainen graben kumpt vnd darüber soll springen, er forcht er fall darein Keisersberg
granatapfel (1510) dd 5
b; indem ich über den graben setzen wolte, kam ich zwar über, allein ich stürtzte mit dem pferde Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 249. A@3@c@bβ)
ohne präposition als objekt einer verbalverbindung: einen graben graben: so grept man ainen tieffen graben dar vmb (
um das castell) ... der grab bezeichent die diemuot (14.
jh.)
bei Wackernagel
altdt. pred. 55, 20,
vgl. schon oben Herbort v. Fritzlar
unter 1 b
α. einen graben machen: wir han gegeben ... der aldin stadt Megrinchusen ... al de graben, de se hebben odir machen nest erer mure, de om de stad geyt, also dat se darinne mogen vyssche teyn vnd hebben (1392)
bei Bauer-Collitz
Waldeck 302; in der jarzal unsers herren in dem 1376 jar do huob man an den graben vor Streffinger tor zuo machen und man hiezz iedermann sin hus abprechen; daz was der vorstat laid (
Augsburg 1447)
städtechron. 4, 45;
ebda 317; nachdem Michael Pfefferkorn auf beyderseits gräntz-raine einen graben, oder vielmehr kleinen wasser-lauff zu dem ende, dasz das wasser, so auf beyden feldern schaden thut, allda ablauffen können, gemacht (
Leipzig 1705) Klingner
dorf u. baurenrecht 1, 697. einen graben heben: man musz dergleichen gräben (
abzugsgräben) fleiszig heben,
d. h. nachbessern, und die hineingeschurrte erde wieder herauswerfen Leopold
hdwb. d. ökon. 252
b (
s. noch unter einen graben ziehen). einen graben auf-,
seltener auswerfen,
bis ins 18.
jh. belegbar: dat ze ... enen grauen moghen maken vnde vthwerpen laten vppe enen dam to velde ward (
feldwärts) (1444)
urkundenb. d. st. Lübeck 8, 306;
percutere fossam ein graben auffwerffen oder machen Frisius
dict. (1556) 573
a;
vgl. noch dt. städtechron. 4, 287; vnd der feldherr Camillus Montanus befahl, innerhalb der statt einen andern graben vnd newe bollwerck auffzuwerffen Zinkgref
apophthegmata (1628) 196; ohn sein (
des landrichters) urlaub mag man aber wohl graben aufwerfen, als tief ein mann mit seinen spaden aufschiessen kan die erde Klingner
dorf- u. baurenrecht 2, 649; Steinbach (1734) 1, 628. einen graben ziehen.
wie oben einen graben heben: soll auch ein jeder seinen graben an der strasse, desgleichen die feld-graben und wasser-furchen zu rechter zeit, wie es bräuchlich, heben, ziehen und halten (
Leipzig 1712) Klingner
dorf u. baurenrecht 1, 247.
aber auch dasselbe wie einen graben machen: wir muszten eines grabens wegen, der zur wässerung der plantagen gezogen war ..., bald wieder umkehren J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 300. einen graben um etwas führen:
circundare latam fossam alicui rei ein weyten graben darumb füren Frisius
dict. (1556) 573
a;
ähnlich: von den graben in der stat (
Sterzing), die man aus der stat furen sol
österr. weist. 5, 431. einen graben räumen
säubern: das er denselben graben pflichtig ist zu raumen und das wasser do durch soll leitten von der strosz (15.
jh.) Tucher
baumeisterbuch 204
Lexer; wann dann die dorfmaister ansagen, den pach und die gräben zu raumen, ze reiffen, ze firen ... oder anders ..., so soll ain ieder ... komen oder ainen nutzlichen arbaiter schicken (1624)
österr. weist. 2, 61. einen graben füllen, ausfüllen.
vornehmlich wohl für das zuschütten eines grabens in verschiedenartigem zusammenhang: item das im langst den alten graffen ein phellczaüm (
pfahlzaun) gemacht vnd den graffen ausgefuelt hat (1528)
qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 102; die graben wurden beydes an den schanzen und am walle bald gefüllet Bucholtz
Herkuliskus (1665) 48.
insbesondere in redensartlicher übertragung (
vgl. auch unt. grabenfüller:) so wil ich (
mit meinem leibe) einen graben auszfüllen, vnd an der eysern pestilentz sterben Reutter v. Speir
kriegsordnung (1594) 33; du bist schon gut einen graben zu füllen
tu servi già per riempire una fossa, met. soldato da niente M. Kramer
t.-ital. 1 (1700) 553
a. A@3@c@gγ) graben
als subjekt einer verbalverbindung. ein graben geht um, durch etwas: der plan was beslossen mit einer pforten, und ging ein grab darumb der tieff und wit was
Lancelot 1, 415
Kluge; auch sol ain graben gen durch daz gärtel ausserhalb sand Margreten
österr. weist. 5, 431. ein graben umzieht, umgibt etwas: der graben auch, der sich ums lager zog, (
war schnell) von diesen stürmschen schaaren überflogen Schiller 12, 352
G. nichts von dem, was sie (
die templer) angelegt hatten, war geblieben, als der graben, der tief und dunkel, wie einst noch den alten templerhof umgab Cl. Viebig
die vor d. toren (1949) 12. BB.
uneigentlich vor allem in redensartlichem und sprichwörtlichem, selten in auszerredensartlichem bildgebrauch (
s. 2 b). B@11)
an die vorstellung von der breite eines grabens
anknüpfend. B@1@aa)
für etwas hemmendes, eine schwierigkeit, ein hindernis, so ganz besonders in der redensart über den graben sein
oder kommen,
die sich in den sprichwörtersammlungen vom 16.
jh. bis in die gegenwart findet: encomia canere ante uictoriam juschreien ehe man über den graben kompt Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 3
b; als hab er darfür gefastet, vnnd sei schon über den graben
schöne weise klugreden (1548) 152
a; Eyering
proverb. copia (1601) 1, 319; auff erden nichts ohn mangel ist, jauchtz nicht, bisz dbern graben bist Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) J 5
b;
vgl. noch Lehman
floril. polit. (1662) 2, 867; Dentzler
clavis germ.-lat. (1716) 139
a; Schellhorn
sprichw. (1797) 147; Serz
teutsche id. (1797) 57
b; Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 136; Lüpkes
seemannsspr. (1900) 123.
auch: uber all gräbe
n springe
n sich über alle hindernisse und gefahren hinwegsetzen schweiz. id. 2, 678; über einen kleinen graben ist leicht springen Wander
dt. sprichw.-lex. 2, 119; es wollen viele über den graben springen, ehe sie darbey sind Rother
schles. sprichw. u. redensarten 292; wer andere über einen graben jagen will, musz auch springen (
können) Wander
dt. sprichw.-lex. 2, 119; besser über den graben gesprungen als eine eselsbrücke gebaut
ebda 118.
hieran anschlieszend oder doch von der gleichen grundvorstellung ausgehend: die oberkayt hett jn (
den juden) gern über den graben geholffen Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 201
a; doch wisse dabey, dasz du noch nicht über den graben, sondern mit gefahr deiner vernunfft in diese narren-kappe geschloffen bist Grimmelshausen
Simpl. 114
Scholte; gehe mit mir ... nimm aber mit dir einen stecken, dann es vonnöhten wird seyn, über manchen graben zu springen Abr. a S. Clara
mercks Wien (1680) 17; wenn ich nochmals damit (
mit einigen der Züricher novellen) über den graben komme, ohne unterzuplumpsen, so kann ich nachher noch manches machen G. Keller
br. u. tageb. 3 (1916) 146; wenn das anlaufen nicht über den graben hinüber kommt, so wird der fehler nicht auf das perenniren dieses anlaufens, sondern auf die methode desselben geschoben. die wahre methode aber wäre die, wodurch das wissen schon diesseit des grabens, in den spielraum des anlaufens selber, herüber gezogen und die philosophie auf die logik reducirt wird Hegel
w. (1832) 1, 281. B@1@bb)
für etwas trennendes, eine grenze zwischen gegensätzen: (
der tod) ist ein stiller dienstbarer genius, der der erschöpften pilgerin seele den arm bietet über den graben der zeit Schiller 3, 476
G.; ebda 3, 84; dann musz ich daran erinnern, dasz mein aufsatz aus zwei hälften besteht, einer theoretischen und einer practischen, und dasz sich zwischen beiden natürlich der bekannte breite graben befindet, der theorie und praxis überall, wie leib und seele, trennt Hebbel
w. 11, 19
Werner; O. Ludwig
ges. schr. 4, 6
Schm.-St. in der wendung einen graben ziehen (
vgl. oben A 3 c
β): ohne zweifel versuchte Domenico Pascarella mit athletischer anspannung sein haus abzudämmen, einen graben zu ziehen zwischen seiner familie und dem folgenschweren ereignis (
der plötzlichen verarmung) Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 175. B@22)
an die vorstellung von der tiefe eines grabens
anknüpfend. B@2@aa)
in redensarten und redensartlichen wendungen wird die tiefe des grabens
meist als etwas vorgestellt, was gefahr bedeutet oder verlust bringt. sehr selten mit der blosz sachlichen vorstellung einer vertiefung: wir sagen auch, wann man gar vngleichs wil vergleichen: er macht ausz einem graben einn berg Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 103
b. B@2@a@aα) jemand fällt in den graben,
seltener liegt im graben: wil sich ein blinde am andern haben, die vallent beide in einen graben Freidank
bescheidenh. 55, 12
Grimm; won der ze höch im stigen wil, der fleugt inn graben ze dem zil Wittenweiler
d. ring 1677
Wieszner; es heist in selbigem (
dem kananäischen) land: gemach mit der braut, damit die jungfrau nicht in graben fällt Abr. a S. Clara
etw. f. alle (1711) 2, 292; einem ... mann ..., der ... alle augenblicke in einen graben fiel Bettine
frühlingskranz (1844) 230; wer zweimal in denselben graben fällt, ist nicht zu beklagen Wander
dt. sprichw.-lex. 2, 119; dem, der im graben liegt, nützt es nichts, wenn ihm jemand vom thurme die hand reicht
ebda 118.
vergleichbar: jemand wird in einen graben geschlagen: gott erniedrigt ihn und schlägt ihn in den graben Jer. Gotthelf in:
schweiz. id. 2, 678. B@2@a@bβ) jemand tritt in einen graben
d. h. läszt sich auf etwas ein: doch wil ich euch gewarnet haben, nicht trett zu tieff in diesen graben Fischart
Eulenspiegel 443
Hauffen. ähnlich: man musz sich nicht in jeden graben niederkauern, es kann eine schlange darin lauern Wander
dt. sprichw.-lex. 2, 119; keyn grab ist jm zu tieff (
er scheut keine gefahr) Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 13
b. B@2@a@gγ) etwas liegt
oder ist im graben
d. h. ist fehlgeschlagen, miszlungen: wenn der wagen im graben liegt, so läuft jeder darüber Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 85
a; die geschichte mit der daily news (
titel e. engl. zeitung) ist im graben, und zwar habe ich gründe, zu vermuten, dasz monsieur Piepers indiskretion mir einen streich gespielt hat (1854) Fr. Engels
briefw. 2, 15
Bebel-Bernst. B@2@a@dδ) etwas ist in einen graben geführt worden
oder gegangen
d. h. ist zu schlechtem ende gekommen, ist zugrunde gegangen: wenn denn die sach zuletst in graben geführt, wils niemand (
von den kriegsanstiftern) than haben Burkard Waldis
Esopus 1, 92
Kurz; wenn die (
stadtverwaltung) nit wär g'sin, ze wärd unser schöns theater ganz in d'gräwe gange Martin-Lienhart
elsäss. 1, 266. B@2@bb)
in auszerredensartlichem bildgebrauch, wohl an oben A 1 a
α oder γ anknüpfend: seine (
Christi) wunden sind die stadt, da man schutz und freyheit hat; seine wunden sind die graben, die wir für die wölffe haben A. Silesius
heilige seelenlust 191
ndr. B@33)
von anderen gesichtspunkten her in redensarten und redewendungen. B@3@aa)
im anschlusz an die bedeutung '
stadtgraben'
u. ä. (
vgl. oben A 1 a
α). B@3@a@aα) auf dem graben gehen, umlaufen,
von dirnen: daz selbe sint die frouwen allermeist, die ez dâ sô nœtlîchen machent mit dem hâre unde mit dem gebende unde mit den sleigern, die sie gilwent sam die jüdinne und als die ûf dem graben gênt und als pfeffinne: anders nieman sol gelwez gebende tragen Berthold v. Regensburg 1, 115
Pfeiffer; suchet ... die rechten erfarnen artzet, dieweil jhr alle doch sehet, das die artzney erger vmblauffet, dann die huren auff dem graben Paracelsus
chirurgia (1618) 312
b. B@3@a@bβ) auf den graben kommen
d. h. '
auf den schindanger kommen': ein röszlein klein, khan nit vil traben, es khompt vileicht baldt auf den graben
Endinger judenspiel (16.
jh.) 41, 37
ndr. B@3@a@gγ) ein alter graben
mundartlich im rheinischen: etwas ist ein alter graben,
in Köln: dat es ne recht ale gr(
aben)
unordentliche haushaltung, alter krämpel, genannt nach dem früheren '
alten graben', ...
wo ... übelbeleumundetes volk zusammenwohnte rhein. wb. 2, 1332. alte gräben aufgraben: olde graves opgrawen
alte unangenehme vorkommnisse hervorholen rhein. wb. 2, 1332. B@3@bb)
an die bedeutung '
fischgraben' (
vgl. oben A 1 a
γ ende)
anknüpfend: er will in zwei gräben zugleich fischen Wander
dt. sprichw.-lex. 2, 119. B@3@cc)
an die bedeutung '
straszengraben' (
vgl. oben A 1 a
δ)
anschlieszend: je schlechter die gräben, je schlammiger die strasze Wander
dt. sprichw.-lex. 2, 119. B@3@dd)
von der bedeutung '
grenzgraben' (
vgl. oben A 1 a
ε)
her: dem der hagen, dem ist auch der graben
cujus est sepimentum, ejus quoque fossa est Pistorius
thes. paroem. (1715) 51. B@3@ee)
im anschlusz an die bedeutung '
wässerungsgraben' (
vgl. oben A 1 a
ζ): morgenroth bringt wasser in den graben Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 2
b; ein kleiner graben flieszt bald über Wander
sprichw.-lex. 2, 119; je mehr gräben je mehr gras
ebda. B@3@ff)
besonders: jemand am graben suchen können
als abweisung: du konnst mich am gruabn suchn Rother
schles. sprichw. 391. CC.
zusammensetzungen. als erstes glied in zusammensetzungen begegnet graben
vom 11.
jh. bis in die gegenwart. es komponiert sich vorwiegend mit substantiven; verbindung mit adjektiven und adverbien, die besonders im 19.
und 20.
jh. anzutreffen ist, bleibt mehr gelegentlich und wird kaum sprachläufig. die komposition geschieht in der regel mit dem alten gen. sg., dessen -en-
ausgang sehr bald nur noch als kompositionsmittel empfunden wird. jüngeres genitiv-s
wird in der fuge nur ganz vereinzelt belegbar (
vgl.grabensabdachung Zesen
kriegsarbeit [1672] 1, 34; grabensauszenrand
ebda 41).
der für graben
seit dem 14.
jh. nachweisbare umgelautete plural gräben
erscheint in kompositionsbildungen zuerst im 17.,
häufiger dann im 19.
jh., wobei gräben-
als erstes glied anscheinend nur im hinblick auf kleine gräben
gebraucht wird (
vgl. besonders graben-
kompositionstypen 2 a
β,
auch 2 c
und 4 a).
bildungen mit grab-
als erstem glied (
echte komposition)
finden sich gleichzeitig mit dem auftreten des apokopierten nom. sg. im 15., 16.
und 17.
jh. sowie in der lebenden mundart im alem. sprachgebiet (
vgl.grabboden Henisch [1616] 1719, grabherr
bei Eheberg
verf.-gesch. d. st. Straszburg 1, 522, grabmeister
städtechron. 5, 14 [
Augsburg 15.
jh.], Fronsperger
kriegsb. [1578] 1, g 1
a, grabstall [1537]
in: schweiz. id. 11, 18;
ferner: grabholz, -sohle Bühler
Davos 2, 20).
alem. und rheinfränk. werden auch nebenformen mit n-
abfall belegbar: grabegelt (
Mannheim 1387)
Mannh. gesch.-bl. (1903) 225; grabefeger (
Frankfurt 1736)
bei K. Bräuer
studien 2, 389; grabewand Schwan
nouv. dict. (1783) 1, 782; grabe
n-bir
schweiz. id. 4, 1486; grabe
n-spotter
ebda 10, 625; gräbe
n-roller Fischer
schwäb. 3, 781.
bei mnd. graueme(y)ster (
s. u. grabenmeister 1)
ist -n
lautgesetzlich (
vor l, m, w)
geschwunden (
vgl. Sarauw
nd. forsch. [1921] 1, 358).
in grabohûfen Notker 1, 46
P. setzt sich vielleicht alter fugenvokal fort. neben den genannten arten der komposition stehen, seit dem 18.
jh. häufiger, zusammenbildungen, die sich z. t. unmittelbar an feste verbale wendungen anlehnen (
vgl.grabenmacher [14.
jh.], grabenfüller [16.
jh.]
und jüngere bildungen wie grabenheben [19.
jh.], grabensetzer [19.
jh.]
und gräbenumzogen [19.
jh.],
vgl. ferner graben-
kompositionstypen 2 c).
kompositionstypen. kompositionstypen bilden sich einmal im anschlusz an allgemeinere bedeutungen des bestimmungswortes (1),
dann besonders von seinem spezielleren gebrauch her (2).
hier werden vom 14.
bis ins 20.
jh. die bedeutung '
befestigungsgraben' (2 a
α),
vornehmlich im 18.
und 19.
jh. die bedeutung '
straszen-, feld- und wässerungsgraben' (2 a
β)
und im 20.
jh. die bedeutung '
schützengraben' (2 a
γ)
zu besonders fruchtbaren sproszbezirken. andere bedeutungen des bestimmungswortes wie '
wall' (2 a
δ)
und '
natürlicher graben' (2 b)
haben sich weniger nachhaltig auf die kompositionsbildung ausgewirkt. zu eigenen gruppen finden sich bildungen zusammen, die an geläufige wendungen und verbindungen des bestimmungswortes anknüpfen (2 c),
die steuern und abgaben (3 a)
oder grabenpflanzen (3 b)
betreffen, sowie die kompositionen mit adjektiven und adverbien (4). 11)
im anschlusz an graben
in seiner allgemeinen bedeutung '
offene, längliche vertiefung'
sowohl vom künstlichen (
vgl.graben A 1 a)
als auch vom natürlichen graben (
vgl.graben A 2 a).
durchweg in substantivischen bildungen. 1@aa)
in bildungen, die form und masze eines grabens bezeichnen: grabenbreite Mothes
baulex. (1882) 1, 276;