zu,
adv. und präp., ahd. zuo, zi, ze, za,
mhd. zuo, ze,
as. afries. tô, ti, te,
ags. tô.
hierzu auch got. du. AA.
herkunft und geschichte der form. A@11)
die geschichte des zu
bietet besonders reichliche beispiele für die allgemeinen vorgänge, die in der ausbildung und umbildung der als adverbien und präpositionen gebrauchten partikeln immer wieder zu beobachten sind (
vgl. J. Grimm
gr. 2 2, 689
ff.; 3, 242).
es ist einmal die wechselnde erweiterung und verengung der wortform wie des gebrauches. von dem adverb spaltet sich als besondere anwendung die präposition ab, vgl. Delbrück
grdr. 2 3, 642
ff. diese scheidet sich im germ. regelmäszig als tonschwache form, die auch in der zusammensetzung mit verben ursprünglich ihre stelle hat, von dem betonten adverbium, zugleich der form der nominalen zusammensetzung, s. Sievers
Paul u. Braunes beitr. 5, 480, J. Schmidt
Kuhns zschr. 26, 24.
die spaltung gleicht sich wieder aus, indem die eine form den dienst der anderen übernimmt. diese einheitliche form hat dann wieder das streben, sich dem satzton entsprechend abzustufen. meist verallgemeinerte sich die betonte form des adverbs als die deutlichere, es kann aber auch die tonschwache form sich allein halten, wie es wohl in got. du
zu beobachten ist. ein weiterer anlasz zu veränderungen liegt darin, dasz sich der geltungsbereich von *tō
mit dem anderer präpositionen berührte und auf sie übergriff oder sie verlor. A@22)
die für das westgerm. allgemein bezeugte trennung der präp. *ti, te
vom adv. *tō
weist auf eine ältere stufe, wo *tō
auch als präp. gebraucht wurde. diese wird sich schon vor der trennung der germ. hauptmundarten aus dem älteren adv. umgebildet haben, worunter die enge syntactische beziehung zu einem subst. und feste verbindung mit einem casus zu verstehen ist, nicht die stellung. die gegentheilige auffassung, welche diese umbildung dem westgerm. sonderleben zuweist (Brugmann
grdr. 2 2, 2, 813)
beruht auf der auffassung des dat. als mischcasus, worüber bei der casusrection von zu
zu handeln ist. als ortsadv. stammt es aus dem idg., wie auch die in der bedeutung nahestehenden präp. sl. und lit. do,
air. do (Brugmann
grdr. 2 2, 2, 787).
sie gehen, wie auch die entgegengesetzten präp. lat. de,
osk. dat,
ir. dī '
von weg, von herab' Delbrück 1, 764,
auf hinweisende partikeln zurück. der in ihnen enthaltene pronominalstamm ist in den einzelsprachen durch eine ganze reihe von partikeln örtlicher bedeutung vertreten: av. da
in vaēsmanda '
zum hause',
gr. δε in οἴκαδε,
ἀγορήνδε,
Ἀθήναζε (
ζ =
σδ),
ὅνδε δόμον—
δε,
ὅδε,
ἐνθάδε,
δέ aber, δή,
lat. quan-do, denique, i-dem
u. s. w., got. unte Brugmann 2, 2, 790. 812; Delbrück 1, 766; Walde 166
f. auf hohes alter deutet auch got. du,
das regelmäszig nur in der verbalcomposition und als präp. erscheint. als solche stimmt es mit westgerm. ti, te, zi, ze
so nahe, dasz es unmöglich ist, die wörter zu trennen. daher wird man den der lautverschiebung widersprechenden anlaut wie auch den vocal von du
unbedenklich mit Delbrück
idg. forsch. 21, 35
daraus erklären, dasz es eine proklitische form ist. nun zeigt sich in unserem schriftgotisch du
schon wieder an tonstarker stelle, z. b. du ni waihtai,
s. W. Schulze
Kuhns zeitschr. 42, 329,
sogar als adv. in atgaggandei du
προςελθοῦσα Luc. 8, 44; bairandam du
Marc. 10, 13 (
oft besprochene stellen).
[] im nord. ist *tō
verschwunden. im an. wird seine stelle versehen durch das alte at,
lat. ad,
und das neugebildete til,
s. Noreen
gesch. d. an. 186
in Pauls grdr.3. at
als vertreter von gemeingerm. tō
ist besonders deutlich in der verbindung mit dem inf. das heutige dän. und schwed. hat es nur in dieser verwendung. neben die präp. til
ist hier hos
getreten, zu hūs
gehörig, nur persönlich gebraucht, wie frz. chez Falk-Torp-Davidsen 421. A@33)
die unterscheidung der formen des adv. und der präp. ist auf dem ganzen westgerm. gebiet immer mehr zurückgetreten. das engl. kennt schon auf der ags. stufe nur tō.
in Deutschland sind die kurzformen der präp. innerhalb der literarisch bekannten zeit immer mehr geschwunden. in den maa. findet neben dem adv. zuo
die präp. als za, zi, ze
nur wohl noch in den österreichischen Alpenländern, so im kärnt. Lexer 267.
anderswo beschränkt sich die kurzform auf überlieferte formeln. z. b. im Elsasz Martin-Lienhart 2, 889,
und bis ins nfränk. hinunter. die Mühlheimer ma. hat təxlīks '
zugleich', tryk '
zurück', tə '
allzu' Maurmann §§ 84, 151, 189.
auch das neunl. hat im formelhaften gebrauch te,
neben der herrschenden präp. tot
und dem adv. toe. A@44)
das vordringen der adverbialen form ist am deutlichsten im oberd., wo zuo
mit seinem diphthong von ze
lautlich am weitesten abstand. es meldete sich das bedürfnis, auch für die präp. eine betonte form zu haben. die alte regel der unbetontheit der präpositionen ist schon früh durchbrochen worden, indem sie vor dem sich an sie anlehnenden tonlosen pron. den ton an sich nahmen. diese betonungsweise ist heute wohl in allen germ. sprachen üblich, allerdings als die eine gegenüber der anderen, wo bei hauptton auf dem verb die gruppe präposition und pronomen als ganzes schwachtonig sind. so haben wir komm zú mir!
neben kómm zu mir!,
oder auf die frage wann géhst du zu ihm?
die antwort ich geh' níe wieder zú ihm. (
daneben ist komm zu mír
eine willkürliche gelegenheitsbetonung, die hier nicht in betracht kommt).
in solchen fällen trat das adv. zuo
an die stelle der präp. ze,
wie sich gelegentlich im reime deutlich zeigt: am dritten tage kam sein bruder und sprach zu ihm: ich kom auch zuder (
zu dir) H. Sachs 5, 270
Keller; ich bin frau Armuot, mein waltbruder, in groszen trewen kumb ich zu dir 3, 13.
die verschiedene betonung macht in der Schweiz die präp. sogar dreiformig zúə mer, zu der muəter, z'Arau, z'grosz;
adv. zuə: zuə luege A. Frey
analecta germanica (1906) 40.
zuerst erscheint dies bei Notker,
belege bei Graff
altd. präp. 246
ff., sprachsch. 5, 577.
da diese verbindung sehr häufig ist, verbreitete sich zuo
als präp. zunächst in Oberdeutschland in der mhd. zeit immer mehr Lachmann
z. Iwein 5873.
doch blieb es auf solche fälle beschränkt, wo es im satze den ton trug, wie sich auch in den seltenen beispielen zeigt, wo die präp. durch den schlusz des verses vom nomen getrennt wird: mîn reht ist daʒ ich grîfe zuo antwurte Wolfram
Willehalm 300, 4.
andere belege bei San-Marte
reimregister zu Wolfram 109. A@55)
zur alleinherrschaft ist zu
als präp. im md. gelangt, wo das alte zuo
zu zu,
im westen zo
vereinfacht wurde, welche formen zu den kennzeichen mitteldeutscher texte gehören. zu, zo
waren zunächst adverbien, sie konnten aber ze
leichter verdrängen, weil der einfache laut sich leichter als der Diphthong abschwächen und den unbetonten satzstellen anpassen kann. auszerdem sind adv. und präp, in der hauptbedeutung einander gleich und stehen in der anwendung so nahe bei einander, dasz sie manchmal schwer zu unterscheiden sind. auf md. gebiet werden seit dem 13.
jh. präp. und adv. in der schrift nicht mehr unterschieden. während die md. aussprache sich in der allgemeinen sprache durchsetzte, hielt sich die oberd. form in der schrift als zuo, zuo
oder auch zue. Brack
schreibt: viritim von man zuo man A 4
a;
appello zuo land scheffen;
canna der geradhalm von dem knöplin zuo dem andern
[] c 6
a. zue
ist im 17.
jh. eine beliebte orthographische form (
schles.?): das andere aber mit gutachten zue eur
f. gnaden und der andern herrn fürsten und stände resolution aufgestellet
acta publica 1, 40
Palm; zuer erledigung solcher differentz 45; von zeit zue zeit 39; so hat er mich und dieses mein Teutschland weitlich zuer bank gehauet Rist
friedewünschende Teutschland 18. Stieler
unterscheidet betontes zue
von der präp. zu: zuefall
accidens gegen zu fall; zuebereiten
apparare gegen zu bereiten
ad apparandum 2653.
vereinzelt ist zui: Fridrich marggraue zui Brandenburg, des saltzes halben in und durch unser landt zui faren
urk. des des markgrafen Johann v. Brandenburg (1484)
bei Grefe
salzdebit der Lüneburger saline 58.
wo sich die alte kurzform erhalten hat, wie im nl. und oberd. maa., beschränkt sie sich auf bestimmte erstarrte verbindungen, in denen die präp. eine von der allgemeinen abweichende bedeutung hat. A@66)
auch für ze-
als vorsilbe in der bedeutung zer-,
wie sie auf dem ganzen deutschen sprachgebiete bis in die frühmittelhochdeutsche zeit üblich war, ist im md. zu-
ebenso allgemein und zur selben zeit wie die präp. zu
eingetreten. desgleichen hat im mnd. und afr. to-
das ältere te-, ti
allmählich verdrängt, z. b. mnd. tobreken,
afr. tobreka Richthofen 1088
b.
mnl. ist noch teblouwen, tebreken
u. s. w. Verdam
handwb. 588
a,
im neunl. fehlt die partikel, dafür zusammensetzung mit ver-
oder stuk.
mit der ausbildung der gemeinsprache, besonders seit dem 17.
jahrh. tritt ihm das oberd. zer-
immer mehr an die seite, welches dem allgemeinen sprachgefühl, wie auch dem bedürfnis der sprachmeister, die nur in der betonung verschiedenen, in der schrift gleichen formen, wie etwa zúschlagen
und zuschlágen,
zu unterscheiden, sehr willkommen war. Stieler
verwirft es zuerst durchaus: zer-
praepositio inseparabilis minuendi, destruendi. improvidi Germanorum zer-
et zue
saepe pueriliter confundunt dicuntque pro zerschlagen
pertundere zueschlagen 2624; 2654. Gottsched
folgt ihm, ebenso verdammt Frisch
das zu
als veraltet 2, 472
a; 483
a.
damit ist die sache entschieden. vorher ist es aber nicht selten, in wbb. wie auch im literarischen gebrauch. das voc. theut. von 1482 (
Nürnberg)
hat nur zu-. Bas. Faber (1587)
hat meist zu-,
wechselt aber sogar im selben worte mit zer-;
ebenso Corvinus (1623),
der z. b. zubrechen, zureiben
neben zerbrechen, zerreiben
schreibt; immerhin überwiegt bei ihm zer-.
noch Schottel
braucht zu-
ohne bedenken, s. den beleg hierunter. Luther
hat auszerdem noch zur-,
z. b. zurschellen, zurschrecken Francke
2 1, 72,
s. bei zur-.
sonst hat er zer-, zu-
nebeneinander, und die lange erhaltung des zu-
mag auf sein beispiel sich gründen, noch bei Heynatz 2, 674
wird er als zeuge dafür angerufen. literarische belege: als widder einen gemeynen feynd und zustorer der christenheit Luther
christl. adel 31
neudr.; lieber herr gott, wie zuengstet sich zuweilen Augustinus do über
tischreden 375
b; zubrochens herzen
ps. 34, 19; zuschlagens und demütigen geists
Jes. 57, 15; (
Loth) der wird diesen Sodomitern fürgestellet, als wäre er ein narr, den müssen sie zuängsten und zudrängen J. Böhme 2, 400; demnach übergehe ich die unrichtigen gewonheiten, zutrette den stinkenden miszbrauch Schottel
sprachk. (1641) 7; nur zerreiszen und zubeiszen wolte ich das ungeheur
Reineke Fuchs (
Rostock 1650) 390; und ob wol unschuld den zähnen der verfolgung härter als kieselsteine wäre, so hülfe disz doch nicht zu ihrer erhaltung, sondern sie geriehte nur darüber unter die hämmer, und weil man sie nicht zubeiszen könnte, würde sie gar zermalmet Lohenstein
Arminius 2, 1337
a; grüszet herr
N. der gläser zubricht Menantes
neue briefe (1723) 347; andere pflegen auch krebsaugen zu zubeiszen oder etwas kreide hinunter zu schlucken (
gegen sodbrennen) Fleming
vollk. teutsche soldat (1726) 330.
vgl. th. 15
bei zer-. A@77)
das adv. trat früh zu der in form und bedeutung verflüchtigten präp. verdeutlichend hinzu, ein vorgang, welcher dem vorgeschichtlichen der umwandlung des ursprünglichen [] ortsadverbs in die präp. gleich ist. und zwar blieb es entweder getrennt: und kam ze Tintajœle zuo Gottfried
Tristan 3879,
oder es trat unmittelbar vor die präp., mit der es zu einem worte, einer neuen präp. verschmolz. ahd. zuoza, zuoze Graff 5, 575;
mhd. zuoze, zuoz, zutz,
mit dem pron. verschmelzend zuozim, zuozin
mhd. wb. 3, 852
b.
während diese bildung auf hochd. gebiete weit verbreitet war, beschränkte sie sich nördlich der lautverschiebung auf den westen; as. tote
belege bei Wadstein 228;
afr. Richthofen 1087
b;
mnd. tot '
mehr nl., doch zuweilen auch in rein nd. schriften' Schiller-Lübben 4, 593
a;
mnl. tot Verdam
handwb. 595
a;
im allgemeinen ist diese doppelform wieder verschwunden, doch ist im nl. tot
die herrschende form der präp. geblieben. ähnliche bildungen sind mhd. dâze, datz
mhd. wb. 1, 689
b; 3, 852
b,
und hinze, hinz Graff 5, 575; 3, 852
b,
beide ebenfalls verschwunden. das zweite lebt in der bedeutung '
jetzt'
im koburgischen fort th. 5, 1547.
ferner unze, unz
aus untze Graff;
mhd. wb. 3, 191
a; Lexer 2, 1992,
seit dem 14.
jahrh. verdrängt durch das aus bî ze
entstandene bisz. BB.
das adv. zu. B@II.
in selbständiger verwendung. B@I@11)
allgemeines zu
als adverb ist in seiner ursprünglichen bedeutung durchaus lebendig; nur ergiebt sich aus dieser eine einschränkung des gebrauchs. seiner herkunft von einem demonstrativ-stamme entsprechend, bezeichnet es die thatsache, dasz irgend eine richtung ins auge gefaszt wird. diese an sich klare eigenbedeutung reicht aber ihrer natur nach niemals aus, um eine deutliche anschauliche vorstellung auszudrücken. zu
bedarf daher immer eines ergänzenden wortes, mit dem es im satze in erster linie begrifflich zusammengehört. allein tritt es als adv. nur auf, wenn die ergänzung vorausgesetzt, aber nicht ausgesprochen ist. dann kann es aber gerade recht deutlich sein, im sinne von '
vorwärts', '
gradezu': sie zerrt das lippen-paar bald hin, bald wieder her, bald hoch, bald in die läng, bald zu, bald in die quer Rachel
satyr. ged. 132.
die nächste anlehnung bietet, wie bei allen solchen adverbien, das verb. daraus ist mit der ausbildung der besonderen deutschen wortstellung die sogenannte trennbare oder unfeste zusammensetzung entstanden (
vgl. Leinen
über wesen u. entstehung d. trennb. zus. des deutschen zeitwortes Straszb. 1891; Brugmann
über das wesen der sogenannten wortzusammensetzung, verh. der k. sächs. ges. d. wiss. phil.-hist. cl. 52, 358
ff.).
diese war schon bei beginn unserer literarischen überlieferung ausgebildet, aber sie hat, bei zu
ganz deutlich, eine entwicklung durchgemacht. im as., ags., ahd. und noch im mhd. und mnd. ist das begriffliche band zwischen verb und adv. noch loser, weil das adv. noch durchaus seine anschauliche räumliche bedeutung hat und darum selbständiger ist; vgl. die belege und hinweise bei Schmeller
Heliand 2, 118
b,
fürs ahd. auszer bei Graff
die specialglossare für Tatian u. Otfried, ferner die liste bei Lexer 3, 1180
ff. und San Marte
reimreg. 109.
es ist dann oft nicht leicht zu sagen, ob zuo
zum verb oder zu einem anderen wort in der nächsten beziehung steht: wem gefuor ie künegîn sô zuo? Wolfram
Willehalm 148, 20; der kêrte sîme herren zuo
Parz. 349, 27; dô sprach er Obilôte zuo 368, 13; wan dâ hœrt doch arbeit zuo Hartmann
Iwein 2735.
in der heutigen sprache wird das räumlich gebrauchte freie adv. in der bedeutung deutlich von der unfesten zusammensetzung unterschieden, welche dadurch enger geworden ist, dasz sie eine einheitliche, mehr oder weniger übertragene bedeutung bekommen hat. wir unterscheiden er ging langsam dem walde zu
gegen heute ging mir ihr schreiben vom 8. dieses monats zu,
oder er kam auf uns zu gelaufen
gegen der hund ist uns zugelaufen.
die form der sätze ist gleich, die bedeutung und die beziehungen von zu
sind wesentlich verschieden. wo wir zu
als selbständiges adv. empfinden, vermögen wir nicht [] den inf. für sich allein zu bilden; zugehen
und zulaufen
haben als solche nur die zweite bedeutung. auch haben die dem adv. vorangehenden, es bestimmenden wörter, wo das verb auf zu
folgt, bei stark hervorhebender sprechweise ihren eigenen ton, während sie im anderen falle sich dem ton des verbs unterordnen. in der orthographie wird der unterschied nicht immer beachtet. auch heute schreibt noch mancher wie Forster,
sinn- und tonwidrig: auch ist fast jede allee des Augartens ... zeuge der wünsche, die ich für sein ... wohl dem himmel zugebetet habe 7, 123.
andererseits übt die formale gleichheit der beiden ausdrucksweisen ihren einflusz auf die bedeutung aus. zu
nimmt auch allein eine bedeutung an, die ihm zunächst nur in der verbindung mit verben zukommt. so entstand die bedeutung zu '
geschlossen',
s. u. bei II 4.
ein ähnliches sich-trennen und sich-berühren ist zwischen der adverbialen und der präpositionalen construction zu beobachten. in der alten sprache ist kein unterschied der bedeutung zwischen er gie im zuo
und er gie ze im,
zwischen er sprach im zuo
und er sprach ze im.
es ist nicht viel mehr, als was es ursprünglich war, ein unterschied der wortstellung und damit des klangbildes des satzes, kein unterschied des sinns, sondern nur der stärke des ausdrucks. die neuere sprache unterscheidet aber sehr genau er sprach zu ihm
und er sprach ihm zu, er schwamm zum ufer
und er schwamm dem ufer zu,
vgl. u. bei II 1.
aber wiederum werden in mundartlicher ausdrucksweise solche wendungen, die zunächst mit der präp. gebildet sind, in die form des adverbialen satzes umgelegt. westf. hei wurr den herren seo fräch teo '
er wurde so frech gegen den herrn', da es mir dünne tau '
das ist mir zu klein'
zeitschr. f. d. phil. 16, 95.
das sind aber einzelne fälle, im allgemeinen beruht der heutige gebrauch des adverbs zu
auf seiner eigenen geschichte. B@I@22) zu
als allgemeines adv. der richtung wird ergänzt B@I@2@aa)
durch das entgegengesetzte ab,
in der formel ab und zu,
die fast gleichbedeutend ist mit hin und her
th. 5, 1373, hin und wieder 1374.
die sinngemäszere folge zu und ab
ist sehr selten: so ich mit einem öffentlichen, freien sichern geleite zu und abe gnugsam versehen würde Luther
protestation 1, 340
a. ab und zu
ist mhd. noch nicht belegt, erscheint aber schon im frühnhd., zunächst noch in bestimmter räumlicher bedeutung: münch Albrecht zuo manch malen .. von der schönen frawen ab und zuo gieng Arigo
decameron 262.
bald geht es über in die bedeutung des häufigen '
hin und her',
ohne rücksicht auf den ausgang oder das ziel der bewegung: lauf gschwind hurtig ab und zu, gleich wie ein vöglin, das heiszt ku Scheit
Grobianus v. 424; die segel gehen ohne ruh' in gröszter zahl mit waaren ab und zu: Weichmann
poesie der Niedersachsen 3, 57; viele fremde, .., ritten auf der Harlburg ab und zu Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 281; die freunde des verstorbenen und zahlreiche geschäftsleute gingen ab und zu, halfen und ordneten Keller 1, 30; Anne Lene ging in stiller geschäftigkeit ab und zu Storm 1, 76.
in der umgangssprache sehr beliebt ist die zeitliche anwendung im sinne von '
von zeit zu zeit, gelegentlich',
vgl.ab und an: ein geschöpf, das nicht ab und zu einmal in die stadt fährt Fr. L. Schröder 3, 9; aus der verfolgten gondel schallte ab und zu der heisere schrei des papageis Gaudy 13, 23.
ähnlich zu
und weg: aber .. alle 32 winde, sie mögen schöne tage zu- oder wegwehen, halten länger an als die windstille der ruhe! Jean Paul 15/18, 388. B@I@2@bb)
durch einen das ziel der bewegung bezeichnenden dativ. dieser ist nicht der casus der präp. zu,
sondern der seit alters in der '
bestimmungsgruppe verb mit substantiv und adverb'
übliche, s. Behaghel
Heliand-syntax § 332,
bes. s. 211. (Erdmann
unters. zur Otfrid-syntax 2, 226
bespricht nur die fälle mit ingegin
und nicht die mit zua.)
das ziel ist, wenigstens nach heutigem sprachgefühl, noch nicht erreicht gedacht, die bewegung also in [] ihrer dauer vorgestellt, im gegensatz zu der präpositionalen verbindung, die in der regel die erreichung des ziels einschlieszt, oder doch nicht ausschlieszt. wir unterscheiden danach er ging dem hafen zu
von er ging zum hafen,
was den ganzen verlauf der bewegung darstellt. die ausdrucksform ist ausgesprochen literarisch und in der umgangssprache nicht üblich, welche verbindungen mit anderen präpositionen vorzieht: ich gehe auf das haus zu, nach dem hafen zu
u. ä., s. u. darum wird sie gern und auch falsch gebraucht, um einen gewählten ausdruck zu erzielen. er fährt dem dorfe zu
im sinne von er fährt zum dorfe
ist ein beliebter fehler in tertianeraufsätzen. B@I@2@b@aα)
von wirklichen bewegungen: und ziehet ein jeder seinem losament zu Fronsperger
kriegsbuch 1, C 6
b; darnach fart er ... der Normandy zu Seb. Münster
cosmogr. l; der gantze hauf am selben end, versamlet sich in kurtzer weil und lief Atridae zu in eil Spreng
Ilias 2, 21
a; und wann es an ein nisen geht, dem nechsten zu der bey dir steht solt husten in sein angesicht Scheit
Grobianus v. 265; im taumel meiner wonne .. floh ich .. dem palaste meiner mutter zu Gerstenberg
Ugolino 244
Hamel; der pfarrherr mit dem vater gingen dem gemeindehause zu Göthe 25, 49; sie richtet ihren tritt der schwelle zu 11, 30; er eilt durch wiesen, die der thau befeuchtet, dem kloster zu, das ihm entgegenleuchtet 16, 173; schon zog der aar dem horste zu Droste-Hülshoff 2, 30; doch gottes engel kennt sie wohl, und schirmend breitet er die flügel den kreuzlein zu, die pflock an pflock sich reihen um den marmorblock 2, 13; und sah die collegen dem stadtthor zu ziehen Raabe
Horacker 17; damit wandte er sich ab, der wand zu Polenz
Grabenhäger 390.
auch übertragen: verbannung, tod, entwürdigung umschlieszen mich fest und ängsten mich einander zu Göthe 10, 371. einem zu wollen
hiesz in älterer sprache '
ihm zu leibe wollen': wo man dir von des evangelii wegen zu wil Luther 32, 395
Weim.; wenn man dem hunde zu wil, so hat er das ledder gefressen (
wenn man einen fassen will, so hat er leicht eine entschuldigung) 5, 270
b Jena. dazu: wo man dir mit gewalt nicht zu kan 394.
mnd. heiszt einem to wesen '
einem zu leibe gehn' Schiller-Lübben 4, 552.
das verb bleibt hier auch unausgedrückt: und weil S. Paulus zu wenig geleret, besserstu den harnisch mit einem langen spiesz, und flugs mir zu mit bloszem kopf, bloszer brust, bloszem bauch Luther
antwort auf das überchristl. buch bocks Emser 1, 366
b. B@I@2@b@bβ)
selten vom blick, weil leicht miszverständlich: und blickte ruhig der gegend zu, von wo der mächtige Attila herkommen sollte Fouqué
altsächs. bildersaal 175. B@I@2@b@gγ)
das ziel ist ein mehr oder weniger räumlich gedachter zustand: dem himel zu fahren, wie ein kuh in ein mäusloch Nas
warnungsengel 102; das seelosz verwegen volck aller kriegsknecht, das do gält näme und züge dem tüfel zu Eberlin v. Günzburg 1, 13
neudr.; das ist nun der schelmen mumia, der nichts soll oder nütz ist, dann allein in die erden mit ihm, den würmen zu Paracelsus 2, 311
c Huser; gib gott, dasz ich ersteh vom grab dem himmel zu Logau 375
Eitner, nr. 777; der abend kommt heran, ich geh dem tode zu
nr. 779; sein wöhr ein jeder bald ergriff und eilten der versammlung zu Spreng
Ilias 2, 15
a; so gehn die hochzeit-leut der trauung zu in aller erbarkeit Chr. Reuter
Harlequins hochz.-schmaus 66; er zwang das kirchenrecht in engere grenzen, einer gallicanischen kirche zu arbeitend Laube 4, 146.
[] B@I@2@b@dδ)
es wird, vom redenden aus geschaut, eine lage angegeben: von dem querschiffe, dem hauptaltar zu, enthält das hauptschiff den chor Stifter 14, 280. B@I@2@b@eε) zu
mit dem dativ vertritt auch eine trennbare zusammensetzung: lieb thier, es gilt dir, lieb kuh, mir zu, (
vom zutrincken) Lehman
florilegium 2, 780. B@I@2@cc)
durch eine vorausgehende präposition. auf. in dieser verbindung verliert auf
die bedeutung des '
hinauf',
man vergleiche ich gehe auf den turm
und auf den turm zu.
in der auffassung der bewegung stimmt diese verbindung mit der dativ-verbindung, aber sie ist allgemein, gerade in der umgangsprache, durchaus üblich: er zohe nach seiner wal bald ausz Teutschland auf Rom zu Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 23; ja er machte sich nach wenig monaten auf, und auf Nürnberg zu Nas
antipap. eins u. hundert 2, F vii
a; die mit so unzalbarem volck der Hunnen .. auf Gallien zu naheten Stumpf
Schwytzerchron. 192
a; (.. hawen auf einander zu,)
schausp. engl. com. 227
Creizenach (
scenische bem.); als ich solches hörete, gieng ich eiligst auf sie zu Chr. Reuter
Plissine 10
neudr.; zween äpfel fielen vom körbchen, und hüpften den hügel herunter, gerade auf mich, auf mich zu Sal. Geszner (1778) 2, 32; mein kleines singchor, ..., bildet sich recht hübsch und wirkt auch schon auf das theater zu Göthe IV 19, 475; und beide sind denn ein bischen auf Wilmersdorf zu Fontane I 5, 119.
auch zeitlich; er geht auf die fünfzig zu.
gegen. alterthümlich als bezeichnung der richtung, vgl. IV 1, 2211: also hat man die .. hohen gebirg in den wellischen Alben gegen abend zu auch beleget Mathesius
Sarepta 16
a; ob ich gegen abend oder gegen der sonne niedergang zu marschiren sollte Chr. Reuter
Schelmuffsky 13
neudr. in der regel zur angabe einer lage im raume, wobei das auge den gegenstand in einer bestimmten richtung sucht: der (
weg), gegen der rechten hand zu, war ein fuszpfad Moscherosch
gesichte 342; sondern es wäre auch ein bequem gartenhaus, das etliche fenster gegen dem garten zu hätte Chr. Weise
erznarren 69
neudr.; gegen die grenzen der wiesen zu war ein gebirgsbach, über welchen ein hoher steg führte Stifter 5, 1, 220.
man sagt auch zeitlich es geht gegen mittag zu,
wo zu
aber eine überflüssige erweiterung ist. nach. in richtungsangaben. nach heutigem sprachgefühl nur bei ortsnamen oder bestimmten ortsangaben: wo nach der Pleisze zu die schnellen posten eilen König
ged. 45; sie seyn jetzo auf der reise nach Egypten zu Schupp 294 (
Lucidor); ich ritt auf dem fuszpfade nach der hecke zu Göthe 23, 75; man ritt auf dem wege nach Langendamm zu Polenz
Grabenhäger 1, 33.
hart sind ausdrücke wie: sie ging nach einer groszen pfütze zu Ludwig 2, 23.
beliebt scheint die verbindung in der gelehrten poesie des 17.—18.
jhs. gewesen zu sein, auch des reimes wegen. dabei wird oft die bewegung als ganzes gemeint: der nach dem hofe zu, die in das königreich König 14; das gevögel in den lüften fleucht nach seinen löchern zu
M. Behm
Königsberger dichterkreis 87
neudr. in lagebestimmungen, vgl. bei b
δ: wir hatten ein paar grosze zimmer im seitenflügel nach dem hofe zu Göthe 25, 170; der untere gelbe saum nach dem weiszen zu II 1, 114; vor dem hause nach dem strande zu war ein fischerplatz Steffens
was ich erlebte 1, 29.
von einer gedachten richtung: der tüchtige mensch wird sich bald von auszen nach innen zu bilden Göthe 24, 273; Göthe hat die tragödie nach dem genrebilde zu zerstückelt und abgeschwächt Ludwig 5, 233.
zu, im ganzen selten und veraltet, zur genauen bezeichnung einer richtung: [] da stund vom Gisen zwar herauf zum kaufhaus zu, ein solcher hauf von mann und weibern, jung und alt Fischart
glückh. schiff 22
neudr.; trit zu ihm zu P. Gerhardt 3, 329
b Fischer-Tümpel; eines males sihet er zwene zimmerleute, mit einem langen zimmer, das sie auf den achseln tragen, zu einem engen geszlein zu Hayneccius
Hans Pfriem 4
neudr.; sie (
die bilder) werden, je nachdem der brechende winkel gehalten wird, vom beobachter ab oder zum beobachter zu gerückt Göthe II 2, 28.
die präp. wird durch das adv. wiederholt: oho, sasa, zum teufel zu I 16, 3; weil du ganz und gar keine lust zu nirgends zu hast Chr. Reuter
Schelmuffsky 12
neudr. B@I@2@dd)
durch ein anderes adverb. B@I@2@d@aα)
das adv. steht neben zu
und rückt mit ihm zu einem worte zusammen, ahd. hera zuo, (h)wara zuo, dâr zuo, dara zuo Graff 5, 578;
mhd. her zuo, hin zuo, zuo hin, zuo her, dâ zuo, war zuo
mhd. wb. 3, 516
a; Lexer 3, 686;
nhd. herzu, hinzu, zuhin,
bei Maaler zuhin fliegen,
von Frisch
als veraltet abgelehnt 2, 483
a, dazu, wozu, hinden zu Maaler 222
d, Frisius 1422
a, hindenanzuo Maaler, von hinten zu, gerade zu, nahe zu, stracks zu, gleiche zu,
veraltet Steinbach 2, 1122; zuwärts.
mehr mundartlich sind hinauf zu, neben zu, bei zu
th. 1, 1411 (
nordd. nach nd. bi to), heim zu
th. 4, 2, 885;
überhaupt wuchern diese bildungen in der alltagsprache, s. die musterkarte bei Martin-Lienhart 2, 889: und stilschweigen die lüt hinden zuo in arsz liesz sehen
Till Eulenspiegel 6
neudr.; frösche tügen hinten zu, fornen aber nicht zum essen Logau 336
Eitner; Johanna (ergreift ihn von hinten zu am helmbusch) Schiller 13, 279; bespottinge van achter tô doet einem wê Tunnicius
nr. 278
Hoffmann; dann und wann sah sie, wie nach hinten zu der kleine plättofen glühte Fontane I 5, 128; man musz zuweilen .. schimpfende, lächerliche und kurtzweilige reden je der gelegenheit nach neben zu einflicken Jac. Frey
gartengesellschaft 4
Bolte; wir wöllen heyme zu Fischart
geschichtsklitterung 139; ein lorberstreuszlin sie im liesz, das er heim zu ein zeichen brecht Scheit
frölich heimfart O iii
a.
hierher gehört das zeitliche iezuo,
aus welchem jetzt
entstanden ist, s. IV, 2, 2314. B@I@2@d@bβ)
das pron. adv. da, hier, wo
geht voran, im einfachen satz an dessen spitze. diese alterthümliche und rhythmisch bequeme ausdrucksweise ist auf die umgangssprache beschränkt, aber überall üblich, s. th. 2, 654
f., Paul
d. wb. 85
b.
seit die schulgrammatik sie gebrandmarkt hat, gilt sie als besonderes kennzeichen nachlässiger, ungebildeter rede. die literarischen belege dieser sogenannten abtrennung des zu
gehören der älteren zeit an oder einer absichtlich mundartlich gefärbten redeweise. auffällig sind einige stellen mit wo
in rein räumlicher bedeutung, welche das einheitliche wort wozu
ganz verloren hat. dagegen hat die verbindung mit da
mehr eine übertragene bedeutung: da gebe gott seine gnade zu Luther 23, 12
Weim.; da sagen die rechten heyligen neyn tzu 10, 1, 460 (
weitere belege aus Luther
bei Francke
2 2, 180); war zu man ihn brauchen wolte, da war er geschickt zu Alberus
fabeln 12
neudr.; ist mir nun dise büberei also geschehen euwers hus halben, da kan ich nit zu
Eulenspiegel 121
neudr.; ich gib nun aber kein geld zu 51; da sage ich nein zu Liscow 651; wo fahrt ihr denn zu? immer nach dem thore zu Chr. Reuter
Schlampampe 97; sagt, wiszt ihr, wo Marloff oder Friedheim zu liegt? Tieck 5, 74; neffe, sprich, gieb's von dir, wo du zu willst Müllner 7, 270. B@I@2@d@gγ)
das pronominale adv. unterbleibt nicht selten in älterer sprache oder lässiger rede; dann erscheint zu
ganz [] selbständig, die beziehung ist aber irgendwie hinzugedacht: vor kam ich allweg sichlich wol zuo
N. Manuel 470
Bächtold; ein kleinot woltest haben du, wie möcht ich aber kommen zu? Spreng
Ilias 4
a; noch manchen gott würd' ich so an die wand hinarbeiten (
malen), aber ich kann vor meinem bauch nimmer zu maler Müller 1, 166; was würde euer mann zu sagen? Tieck 1, 135.
dagegen haben wir noch einfach die alte räumliche bedeutung von zu
in beispielen des 17.
jahrh., wo wir allgemein hinzu
oder herzu
sagen: denn der krieg wäre ein gefährliches feuer, welches zu leschen alle kluge nachbarn zulaufen müsten Lohenstein
Arminius 2, 1278
a; der hirte läszt die herde stehn, läuft zu, um beim vorübergehn an deinen augen sich zu weiden Stoppe
Parnasz 3; Francesco springt zu und befreit Gaddo Gerstenberg
Ugolino 253
Hamel. B@I@33)
neben solchen verben, welche für sich schon eine bewegung in irgend einer richtung bezeichnen, giebt zu
diesem vorgang selber einen gewissen nachdruck. es wirkt etwa so wie die präp. do
und po
beim slav. verbum. es bezeichnet zunächst das einsetzen der thätigkeit, z. b. in schlag zu! stosz zu! schieszt zu!,
im mhd. zuoslâfen '
einschlafen' Lexer 3, 1187,
mnd. tōslāpen Schiller-Lübben 4, 589
b.
daraus entwickelt sich der begriff der beschleunigung Adelung
lehrgebäude 2, 136,
überhaupt der anspannung, der energischen verstärkung des thuns: ich will schnell zu arbeiten, feste zu hauen ordentlich zu schlagen.
dies ist besonders im nd. und in der vom nd. beeinfluszten sprache ausgebildet. so entstehen der form nach unfeste zusammensetzungen; darin ist zu
aber immer selbständig und hat überall die gleiche bedeutung, vgl. u. II 2.
hiermit berührt sich zu
in der bedeutung des ausharrens, der unablässigen thätigkeit. dies leitet sich unmittelbar von zu
im sinne von '
weiter', '
gerade zu'
ab, was immer weiter geht, läszt nicht ab. so spricht, deutlich scheidend, Steinbach
von der significatio festinandi vel continuandi 2, 1122.
die erste bedeutung geht von bildungen aus, die als unfeste zusammensetzungen aufzufassen sind, vgl. unten. aber schon durch die berührung mit der zweiten, die auf dem einfachen adv. beruht, zeigt sich die selbständigkeit dieses zu.
allgemein wird es auszerdem ohne eine anlehnung an ein verb gebraucht. in dem anruf nur zu
denkt man an gar keine besondere art von bewegung, sondern es genügt hier die allgemeine bedeutung des adv. B@I@3@aa)
verstärkendes zu.
sein besonderer platz ist in antreibendem zurufen: geh zu! drauf zu! schlag zu! zu, vorwärts! mach zu, dasz du fertig wirst!
belege: schlag zu, pehr zu, und blew im auch sein rucken so weich als ein bauch Sachs 14, 58
Keller-Götze; spann an! fahr zu! es hat kein noth Ayrer
dramen 308
Keller; da regnets eitel glück, dasz man im koth sitzt bis über die ohren, da hagelts mit reichsthalern zu, dasz es beulen gibt Schupp 531; kratzt und scharret nur zu; erst findet ihr moos an den wurzeln Göthe 50, 58
Weim. (
R. F. 5, 200); fahrt zu, Fricke, und fahrt wo möglich leise! Raabe
Horacker 176; da erst erstickte der jubelruf: zu braver junge! in dem angstruf: er ist verloren! Ludwig 1, 373; ich habe gestern und heute bis mittag papiere durchgesehn und verbrannt, und damit manches stück vergangenheit hinter mir geworfen, was ... unter dem lesen wieder so frisch aus dem grabe stieg dasz ich wollte, ich hätte lieber blind zugebrannt, dann wäre es mir wenig gewesen Droste-Hülshoff
deutsche rundschau 151, 292 (
an E. Rüdiger).
noch ein bezeichnendes plattdeutsches beispiel: 'bliev man ümmer hier, scholmeister,
[] denn kakt Anna god to' (
wenn der lehrer zum mittagessen kommt, wird besser gekocht) Fehrs 2, 98.
als verstärkung dieses zu
erscheint nur zu, wie nur fort! nur her! nur weiter
th. 7, 1006: (
Saladin) nur zu! ich habe nicht zuerst gezogen Lessing 3, 42 (
Nathan II 1); da ergriff ihn ein solcher schrecken, dasz er nicht aufhörte zum fuhrmann zu rufen: nur zu! nur zu! Göthe 43, 227; nur zu! bald sind sie da 9, 90
Weim. (
mitsch. 677); nur zu! rühr' mit dem ungeheuren spane den kessel um! Rückert 1, 12.
plattd. man to,
in nordd. umgangssprache in der mischform man zu
sehr beliebt, daher auch bei norddeutscher halbmundart: du sollst es uns erzählen! hier auf der stelle! man zu, Hein! Frenssen
Jörn Uhl 432. B@I@3@bb) zu
drückt das unablässige thun aus: wie sie mich dasselbe mal zu hertzte und zu leckte Chr. Reuter
Schelmuffsky 8
neudr. (
B).
meist in die vorstellung des angespannten, energischen übergehend: ich mahle zu und streiche zu, und sehe kaum mehr was ich thu Göthe 16, 151
Weim. (
künstlers apotheose); denn er läutete zu wie toll und törig 50, 39 (
R. F. 3, 294). ans werk, ans werk und laszt euch nicht ruh! gegraben, gehämmert, zu und zu! Raabe
nach d. gr. kriege 225.
so heiszt zue-mache
in Basel, im gegensatz zu der in Norddeutschland herrschenden bedeutung, '
fortfahren' Seiler 328
a.
meist ist es erweitert als in einem zu: es regnet, er gähnt in einem zu
s. th. 3, 116,
wie in einem fort 4, 9,
und als immer zu: er redet immerzu; es soll auch ein regent immer zu seine majestät und hoheit wol genau acht haben Schupp 556; womit ein neuer haven erst (
zuerst) gefüllet wird, darnach schmecket er immer zu 559; ich versprach, was sie begehrte, ich hätte zu und immer zu versprochen Göthe 25, 146; immer zu! immer zu! ohne rast und ruh! 1, 84; und du, du menschen-schifflein dort, fahr immer, immer zu! 1, 95. immer zu
mit beziehung auf ein verb. hat einräumende bedeutung, th. 4, 2, 2072: sturm immer zu.wir stehen fest Filidor der Dorferer
geharnschte Venus 43.
durch nur
erweitert nur immer zu: nur immer zu! euch ist die welt erschlossen Göthe 3, 25; nur immer grade zu, geh zu Adelen 4, 54; ihr auge bat: nur immer zu! je weher, desto besser Mörike 1, 60 (
Göschen). sing nur als zu
hessisch s. th. 1, 247. B@I@3@cc)
hierher gehört auch der vom 16.—18.
jh. oft belegte wunsch und grusz glück zu,
dem bergmannsgrusz glück auf
verwandt, s. th. 1, 604,
jetzt veraltet: glück zu, ir herrn und gsellen mein! H. Sachs 5, 97
Keller; hierauf ruft inen das volck zuo, glück zu, glück zu, mit guter rh, vollbringet frisch und gsund die reisz Fischart
glückhafte schiff 8
neudr.; glück zu, gevatterin! ich wil euch wunder sagen Rachel
satyr. ged. 25
neudr.; glück zu, o jüden-könig! P. Gerhardt 3, 304
Fischer-Tümpel; (
Franz) glück zu, Franz! weg ist das schooskind Schiller 2, 24.
eine erweiterung ist: glück zu auf meiner seiten Fr. Forster
teutsche liedlein 61
neudr. auch bei Seb. Franck
sprichw. (1541) A ii 3
b.
adv. ist zu
auch vor dem dativ: glück zu dem neueren künig
Züricher bibel (
1 kön. 10).
Pickelhäring verdreht es in strick zu, junker könig
schausp. engl. comöd. 78
Creizenach. B@I@44) zu,
prädicativ für '
geschlossen',
mit gegensätzlichem auf
im wechselgebrauch zusammengehörend (
vgl. Brugmann
[] grdr. 2 2, 2, 773)
ist eine abkürzung aus zusammensetzungen wie zugeschlossen, zugemacht
u. ä., in welchen die erklärung dieser abliegenden bedeutung zu suchen ist, u. II 4.
sie ist erst gegen ende des mittelalters in den allgemeinen gebrauch gekommen. mhd. nur einmal aus dem 14.
jh. belegt (zuo stân,
stelle aus den mystikern mhd. wb. 2, 2, 576
a z. 45).
im frühnhd. ist sie allgemein bekannt, wie im heutigen nhd., nd. und nl. diese kürzung lag sehr nahe, weil in den zusammengesetzten verbalformen die präp. die bedeutung beherrschte, besonders in zuotuon, zuogetâ
n. so tritt es dann in verbindung mit sein, bleiben, werden,
auch haben, halten, behalten.
eigenthümlich ist die verbindung mit gehen: das fenster geht nicht zu '
es läszt sich nicht (
vollständig)
schlieszen' Adelung
lehrgeb. 2, 136. B@I@4@aa)
frühe belege: do hatte der torworte der thor gereite dry uf geton, bisz uf eyn tor das uszerste, das was noch zu, und her slosz gereite doran, das behilt her kumme zu, wanne dy ausze worn, dy slugen mit exsen dar an und drungen dor an Stolle
thüring. chron. 2
Hessel; wo sol er (
Abraham) hyn? alle land sind yhm zu Luther 24, 450
Weim.; da war die thür des himmels zu Ringwaldt
evangelia k 7
b; es schlafen nit alle die die augen zu hond H. Bebel
klugreden 156
b; die thor sind numehr alle zu Eyering
proverb. 3, 129. B@I@4@bb) zu
wird zunächst von dem gesagt, was schlieszt, dann auch von dem, was verschlossen wird, wie die thür
ist auch das haus,
wie das augenlied
das auge zu.
es gesellt sich vorzugsweise zu solchen begriffen, die in der alltagsrede immer wiederkehren, in welcher es in erster linie zu hause ist. es hält auch bei übertragungen in den kreis des unsinnlichen die räumliche anschauung fest. der reichstag ist zu
kann in nachlässiger sprache heiszen '
das reichstagsgebäude ist verschlossen',
aber nie '
der reichstag ist geschlossen'.
bei einem so lebendigen brauche sind reichlichere belege am platze. bei thor, thür u. ä.: die ober stallthür, die ist zu H. Sachs 9, 258
Keller-Götze; mein begehren ist, dasz ihrs mirs noch einmal thun solt, die weil die thür noch zu ist Grimmelshausen 2, 420
Keller; nachdem er (
der Messias) aber kömpt, sind alle thüren zue Opitz
teutsche poem. 181
neudr.; es ist auch keine thüre, die nicht einmal aufginge, und wäre sie noch so lang zu gewesen Ludwig 2, 343.; er schlug noch mit der faust auf das eiserne Thor, recht freudig, dasz es einmal zu sei Stifter 2, 83; auf grünem kirchhof blieb ich stehn und sah ein haus fast grosz und schön, doch thür und fensterladen zu und alles still in todter ruh Boie 336
Weinhold; das haus ist sein, hat ers gern zu, ist billich dasz ers selber thu Scheit
Grobianus 2373; alle läden sind noch zu, und ist alles erst im anfang (
der fremdenzeit in Karlsbad) Göthe IV 19, 343; der präsident hat ihn einen naseweis geheiszen: ergo ist das glücksthür gesperrt, der schlagbaum ist zu Iffland 8, 18; wie kommts aber, dasz das begräbnüsz noch zu ist Chr. Reuter
Schlampampe 135
neudr. bei augen, ohren, nase: dein augen sollen zu sein über dich, die weil mein augen offen sind über dich Luther 18, 489
Weim.; behalt die augen zu, bisz es (
die draufgestrichene salbe) zergehet Gäbelkower
artzneyb. 1, 86, die augen waren zu, und die kleine hand war fest geschlossen Storm 1, 94; und doch hast du die augenlider zu H. v. Kleist 2, 276; sind des richters ohren zu? Logau 662
Eitner. die ober-erde ging zur ruh und hatte sinn und augen zu
geharnschte Venus 135
neudr.; die geisterwelt ist nicht verschlossen: dein sinn ist zu, dein herz ist todt! Göthe 14, 30.
[] sprichwörtlich: wer in fremde land reiset, der musz das maul zu und den säckel offen haben Lehman
florileg. polit. 2, 709; wenn das loch unter der nasen zu were, blieb viel bösz unterwegen 552 (
ähnlich schöne weise klugreden 21
a).
von der kleidung: dy manne trugen rocke, dy woren forne czu allirdinge Stolle
thüring. chron. 190
Hessel; ei, lasz doch die knöpfe zu, Anton! Iffland 2, 16; das fräle begriff nicht, wie ihr das kleid zu geworden sei Ludwig 2, 296; ... wiltu das pfeiffenwerck recht treiben so las die andern finger zu bleiben Agricola
musica instrumentalis deudsch 12.
sonstiges: abergläubische mägde .. kaufen .. vor dem heiligen abend .. semmel und zwar das letzte stöszchen, das auf einem ende zu ist Grimm
d. sagen 1, 89; wenn die Spree all nich zu wird (
zufriert, vgl. nl. toeliggen '
zugefroren sein'), denn bin ich in stücker dreivier tagen all widder retur von Berlin H. Hauptmann
biberpelz 23; halb aufgeblüht, und halb noch zu, ach, lächelst du auf mich R.
Z. Becker
Mildheim. liederb. 17; ihr wendet kaum den rücken, so ist auch schon das buch zu Göthe 43, 48; zet — u — zu, machs buch zu! (
kinderspruch) Brendicke 195
b. B@I@4@cc)
der imker sagt: die jungen immen sind zu (
vorher sind sie offen; wenn die brut die gehörige grösze hat, erhält sie einen deckel und liegt 9—10
tage verschlossen) Overbeck
gloss. melitt. (1765) 51. B@I@4@dd) zu
zeigt seine selbständigkeit ohne die stütze eines verbs, besonders in befehlendem anruf, in öffentlichen aufschriften tür zu! die augen zu! buch zu!: halt, halt, die nasen zu
schausp. engl. comödianten 95
Creizenach; 'du hast ein kleines beutelein es giengen kaum drey heller drein.' sie lacht und sprach 'nein nein, zu zu'. Forster
frische teutsche liedlein 106
neudr.; wirklich, es waren knallbonbons. .. 'aber nun müssen wir auch ziehen, Lene; halt fest und augen zu!' Fontane I 5, 138; nun einmal aufmerksam gelesen, gemessen, gewogen! dann buch zu! Bürger 179
b Bohtz. auch in einen satz eingefügt: schläft du auch mit augen zu, findet doch dein geist nicht ruh Heine 2, 230
Elster. B@I@4@ee)
von der prädicativen anwendung geht es auch hier in die attributive über, in welcher zu
sogar unbesorgt flectiert wird. dieser brauch ist mundartlich und in lässiger umgangssprache im ganzen sprachgebiet zu hause, wird aber in sorgfältiger sprache durchaus gemieden. die flectierte form heiszt zuer, zue, zues;
kärnt. zuoer, zuoe;
nd. toe;
im südwesten zuener, zuene: ein zuer wagen, eine zue droschke, er sitzt am zuene fenster Wunderlich
umgangspr. 229; Albrecht 241
b; Kleemann 26
b; Askenasy 48; Jecht 128
b; Lexer
kärnt. wb. 267; Schmid
schwäb. wb. 551.
in der literatur nur gelegentlich: so wären sie ... in einem zuenen wagen ... forttransportiert worden Bettine
dies buch gehört d. könig 1, 134. B@IIII.
verbale zusammensetzungen mit zu.
die verben mit zu-
bilden heute begrifflich eine einheit, in welcher die bedeutung des einfachen verbs mehr oder weniger verändert oder abgelenkt erscheint. zu unterscheiden ist dabei die hauptmasse der zusammensetzungen, worin die bedeutung von zu
als des in eine richtung auf irgend etwas weisenden adv. zur geltung kommt, von bestimmten einzelnen gruppen, in denen zu
jedesmal eine besonders abgezweigte und selbständig gewordene bedeutung hat. B@II@11)
die verben der hauptgruppe bezeichnen durchweg den vorgang, der sich vom subject auf das ziel zubewegt, nicht ausschlieszlich als einen räumlichen, sondern sie vermitteln durchweg irgend eine, bald leise anklingende, bald unbedingt herrschende innere beziehung zwischen dem subj. [] und dem ziel. dies erscheint, mit ausnahme der ersten untergruppe, stets als ein persönlicher oder '
persönlichgefärbter dativ' (J. Grimm
gr. 2 4, 812,
vgl. auch Erdmann-Mensing 2 § 258).
man kann ihn nicht mit Paul
wb. 572
a aus dem dativ der präp. zu
erklären, weil bei dieser die grundlegende räumliche bedeutung auch bei weiterer übertragung erhalten bleibt und weil die präpositionale verbindung gerade im gegensatz zur verbalen zusammensetzung verwandt wird: der vater bringt den sohn zur schule
gegen dieser lehrer bringt der schule neue schüler zu; er redete zu ihm
gegen er redete ihm zu.
die drei ausdrucksformen zu
als adv., zu
als präp. und zu
mit verb zeigen eine wachsende abschwächung der räumlichen auffassung und steigerung des persönlichen antheils: der vogel fliegt dem neste zu, der vogel fliegt zum neste, der vogel ist uns zugeflogen (
vgl. oben I 1).
geschichtlich gehen diese zusammensetzungen unmittelbar oder als nachbildungen auf solche zurück, wo zu
unzweifelhaft adv. ist, wie es der brauch des mhd. zeigt (
s. oben I 1).
die bedeutung dieser zusammensetzungen hat sich also seit dem mittelalter stark verschoben. diese verschiebung hat erst im 18.
jh. ihren äuszersten punkt erreicht (
s. u. bei g),
in älterem nhd. haben wir noch gelegentlich die stärkere räumliche anschauung: er (
der verliebte) war wie eine fliege, die, je mehr sie von dem zucker weggejagt wird, je mehr sie darnach wieder zuflieget Olearius
pers. baumgarten 40,
vgl. I 2 d
γ. B@II@1@aa)
am klarsten erscheint noch die bedeutung von zu
in zubeugen, -bewegen, -biegen, -drehen, -kehren, -neigen, -wenden (
vgl. Krömer
Paul u. Braune beitr. 39, 500
ff.),
die mit vorliebe reflexiv gebraucht werden. bei vorwiegend räumlicher auffassung liegt hier auch eine mehr oder weniger starke innere beziehung vor, die ihren ausdruck in dem dativ findet. dem entspricht auch die betonung, nach welcher zu
hier zum verb gehört: der hund kehrte die nase dem winde zu; aber sie wollten nicht aufmercken, und kereten mir den rücken zu, und verstockten ihre ohren, dasz sie nicht höreten
Sacharja 7, 11; zuweilen, wenn ich aus meinem fenster in den garten sehe, wie der wind unten die kaiserkronen, rosenäste, narcissen, oben die jungen pflaumenbäume, kirschbäume, pappeln zusammentreibt, und wie sie dann thun, als wenn sie sich einander zubeugten Arnim
an Bettine (1806) 24; alter gesellet sich jugend, jugend zum alter, aber am liebsten bewegt gleiches dem gleichen sich zu Göthe 4, 124. B@II@1@bb)
verben, die eine lange bewegung auf ein ziel hin bezeichnen, haben in der zusammensetzung mit zu
meist eine übertragene, einheitliche bedeutung, die sich von der räumlichen verwendung bei selbständiger bedeutung von zu
im mhd. zum theil recht weit entfernt. so zudrängen, -fallen, -gehen, -kommen, -laufen, -ziehen (
refl.),
auch -stehen, -stoszen, -flieszen, -fluthen, -strömen. B@II@1@cc)
verben, die nur eine besondere bewegungsart ohne die vorstellung der weiterbewegung ausdrücken, erhalten durch zu
die richtung auf eine person hin: zu-flattern, -hüpfen, -huschen, -rollen, -schleichen, -streichen, -stürmen, -stürzen. B@II@1@dd)
ähnlich haben sich die verben der rede entwickelt. im as. heiszt es: endi sprac im thô mið is wordun tô
Heliand 969.
vgl. die formeln bei Sievers 442.
ähnlich im Tatian 133, 8; 146, 4; 242, 1;
auch Otfrid I 19, 3; 4, 26; II 13, 13.
so noch bei Wolfram (
s. o.) und im Reinke de Vos: to hant spreken se Reinken to 6536.
ursprünglich wird die bedeutung gewesen sein '
sich mit der rede nach einem hinwenden' (
vgl. Krömer 507).
weit davon ab liegen die heutigen zureden, -sagen, -sprechen,
ferner zu-geloben, -schwören, -sichern, -stimmen. B@II@1@ee)
denen gegenüber haben verben, welche für sich eine besondere art der geräuschbildung ausdrücken, durch zu
den sinn des mittheilens bekommen: zuächzen, -brüllen, -dütteln, -flüstern, -girren, -jauchzen, -jubeln, -lispeln,
[] -murmeln, -rauschen, -raunen, -zischeln, -zischen,
auch zuklingen, -tönen, -blasen, -wehen.
hierher auch zubeben, vgl. bei g: wechselnd, von zwei klosterhügeln, schwebten glockentöne durch das thal der ruh; wie der trennungswechselseufzer, bebten sie verhüllt in nacht, einander zu Tiedge 2, 151. B@II@1@ff)
dasselbe ist bei den verben des sehens oder sichtbarwerdens. neben zusehen, -schauen
erscheinen neugebildet solche verben, die wieder eigentlich nur eine art der augenthätigkeit oder der lichterscheinung bezeichnen, mit zu
aber die beziehung auf eine person hinzu erhalten: zuäugeln, -blicken, -blinken, -blinzeln, -blinzen, -gaffen, -glotzen, -greinen, -gucken, -schielen, -zwinken.
ferner zulachen, -lächeln, -lugen, -weinen,
dann zublitzen, -funkeln, -glänzen, -glühen, -schimmern. B@II@1@gg)
diese beiden neuen gruppen der art zuächzen
und zuäugeln,
die sich in freier bildung ständig mehren, haben sich dadurch weiter entwickelt, dasz sie ein sachobject erhalten und so mit transitiv werden. es ist das eine lebhafte, anschauliche ausdrucksweise, die von Klopstock
besonders in den poetischen stil eingeführt worden ist, wo ihr bereich unbegrenzt ist: rausche, flüstre meinem sang melodien zu! Göthe 1, 101
Weim.; o mein führer! was blicket dein auge mir vor (
für) entsetzen zu? Klopstock
Messias 13, 804; weheten doch sanftrauschende winde sein innig verlangen, seiner seufzer laut, seine gesänge dir zu!
oden 1, 34.
noch stärker ist die umwerthung in zubeben: nieder sank sie zur erde, rabbuni! bebte sie ihm zu
Messias 15, 752; dank beb ich dir zu Platen 263. B@II@1@hh)
dieser brauch hat sein vorbild in den verben der bedeutung '
irgend etwas zu einer person hin bringen',
wie zubringen, -befördern, -bestellen, -schicken, -senden, -stellen, -tragen.
auch bei diesen verben überwiegt, vor der bedeutung des räumlich nahebringens, die, dasz der empfänger in persönliche berührung, in den besitz des übersandten gelangt, die verfügung darüber erhält. an diese verben schlieszt sich eine zahlreiche gruppe des sinnes, dasz einer person das ihr zukommende gegeben wird, oder dasz eine person dahin gestellt wird, wo sie hingehört: zuachten, -bescheiden, -bestellen, -bestimmen, -bieten, -billigen, -eignen, -erbieten, -ertheilen, -fügen (
anders hinzufügen), -kündigen, -messen, -ordnen, -rechnen, -schätzen, -theilen, -verordnen, -wägen, -weisen, -zählen,
auch zudecretieren und zudictieren
und die gruppe zugeben, -gestehen, -gewähren, -gönnen, -lassen.
weiter zuschanzen, -schustern, -spielen, -stecken. B@II@22)
verben mit zu
ohne dativ. bei verben, welche eine auf einen gegenstand gerichtete lebhafte oder gewaltsame thätigkeit ausdrücken, verstärkt zu
die vorstellung von dieser thätigkeit (
vgl. oben I 3).
das oder der angegriffene wird entweder gar nicht oder durch die präp. auf
hinzugefügt. nahe steht diesem zu,
in verbindung mit gleichen verben, los.
solche sind zufahren, -fassen, -greifen, -grapsen, -langen, -packen, -tappen, -tasten,
weiter zuhauen, -prügeln, -schlagen, stechen.
mhd. ist davon nur zuogrîfen
belegt, ein für Wolfram
charakteristisches verb, weitere verbreitung in der unliterarischen sprache aber nicht unwahrscheinlich. jedenfalls kennt das mhd. den damit zusammenhängenden antreibenden zuruf nu zuo!
u. ä. mhd. wb. 3, 856
b; Lexer 3, 1189,
s. o. I 3.
solche verben sind ferner zublättern, -bläuen, -feuern, -heizen,