gegen ,
contra, versus, adversus. II.
Form und nebenformen. I@11)
ursprünglich mit a (
d. h. kurz)
gagan, kagan, kakan,
dann gagen, gagin,
s. Graff 4, 135;
auch altn. gagn,
doch nur in zusammensetzungen, wie gagnvart
gegenüber (
ahd. gaganwart),
und als subst. n. (
s. II, 4).
auch mhd. noch einzeln diesz a,
z. b.: gagen Dario quâmen gevaren zwô unde drîʒich kuninge.
Alex. 1811
W., neben gegen 2230
u. ö.; sehet ingagen ime varn. 2304; (
pfeile) die man in engagen scôʒ. 2258; dâ sol der bischof bî sîn unde engagen.
Augsb. stadtb. 20. 80; ist der zegagen. 139; an daʒ gagensidele (
sitzen).
Nib. 571, 2 A; vil manic jungelincir zegagene stuont. 1621, 3.
im 14.
jahrh. z. b.: dem andern tail, der dâ engagen kumt. Höfer
urk. 293,
vom kais. hofgericht v. j. 1335; dâ herren unde ritter genuog engagen stuonden. 294; engagen sî
n. Münchner stadtr. 332 (
zur sache s. III, 5,
c).
ja noch im 15.
jahrh. alem., [] in zusammensetzungen: daby ir selben gagenwertig gewesen seit.
Augsb. chron. 2, 365, 16,
in einem ratsschreiben vom j. 1421,
vergl. gagenwortigen gewesen 366, 39, gagenwürtigkait 341, 11; disen gagenwurtigen brief.
Augsb. stadtb. s. 233 (15.
jahrh.). entgagnen
bei Osw. v. Wolkenstein.
s. auch gân
unter 3,
c, jagenwart
unter 4,
a, γ und zum ganzen II, 3. I@22)
mhd. gegen (
d. h. gĕgen),
das dann nhd. langen tonvocal erhielt; dasz es noch im 14.
jahrh. kurzen tonvocal hatte, zeigt z. b. die schreibung geggenwertig Merswin
n. felsen 24, keggin Jeroschin
s. 289
var. das ĕ
doch auch schon ahd. in ingegini
ex adverso, e regione, umgelautet aus ingagani Graff 4, 139 (
jetzt entgegen);
entsprechend altn. î gegn (
schwed. igen,
dän. igjen),
alts. aber angegin,
ags. ongegen, ongegn (ongeân, ongân, ongên) Grein 2, 344,
auch âgên
wiederum 1, 21 (
engl. again).
auch in zusammens. alts. geginward
anwesend, ags. gegncvide
gegenrede u. ähnl. I@33)
das vielgebrauchte wort muszte aber im schnelleren sprechen dem bedürfnis der zusammendrängung unterliegen, bequemer einsilbig werden, wie schon gĕgen
mhd. oft in handschriften als gegn
erscheint. I@3@aa)
so ward aus gĕgen (gegin)
einmal gein, schon im 11.
jh. Graff 4, 135,
mhd. frei mit gegen
wechselnd, z. b. in den Nib., im Parz.; auch in weiterbildung, z. b. engein
entgegen, geinwart
u. ähnl., besonders in md. sprache, wie geinfride Lexer 1, 784, geinôte
gegend, geine
gegend (
s.gegene), begeinen
begegnen, engeine
entgegen Herb. 6012,
noch im Eltviller voc. von 1472 Dief. 614
b,
auch eingein
das. aus einem rhein. voc. des 15.
jh.; gein
selbst z. b. noch nach 1400: also santent sü botten ... gein Troye. Königshofen
Straszb. chr. 289, 31; wolte sich gein den Römern ufrysten. 376, 3; er wolte sü fren gein Italiam. 378, 25 (
daneben gen
z. b. 445, 19).
und noch nach 1500,
z. b.: da sie nu zu allen seiten in die schranken kamen (
beim turnier), gein einander an der seilen hielten.
Wilw. v. Schaumburg 53; gein Mittersil.
österr. weisth. 1, 277, 27.
im allgemeinen aber ist diesz gein
nhd. erloschen, d. h. durchaus in gegen
zurückgebildet (
vergl. sp. 1597
ff.),
während die folgende form sich zum theil erhielt. und doch noch mundartlich, z. b. schwäb. ich bin geinder gangen,
dir entgegen (gein dir), er ht geimer gsait,
zu mir, auch geinem
zu ihm, geinös, geinich,
gein, zu uns, euch, s. Schmid 225;
auch md., wie in der Wetterau gân,
d. h. mit â
gleich mhd. ei. I@3@bb)
noch mehr zusammengedrängt gên, gerade oberd. (
vergl. gelênheit
gelegenheit Schaffh. richtebr. 88, 8). I@3@b@aα)
mhd. z. b.: si twanc gên einander der seneden minne nôt.
Nib. 292, 2; allen sînen willener in reden bat gên der küniginne. 405, 3.
ebenso denn gênwertic Höfer
urk. 229, begênen
begegnen Parz. 101, 71
u. ö. (
wb. 1, 494
a),
weisth. 2, 27 (16.
jahrh. rhein.),
nrh. Teuth. 101
a,
selbst begên Bon. 3, 19
in B, gênôte
gegend pass. H. 389, 69.
wie lebendig die formen noch im 14. 15.
jahrh. im bewusztsein beisammen standen, zeigt z. b. der wechsel von gegen, gein
und gên
in der Straszburger chron. s. 1100
a.
s. auch unter gegenander.
jenes begênen (begên)
begegnen ist übrigens noch md. gangbar, z. b. in Sachsen. I@3@b@bβ)
auch im 16.
jh. noch ganz lebendig, z. b.: der wind gehet gen mittag. Luther
pred. Sal. 1, 6; und sie kamen gen Haran. 1
Mos. 11, 31; do Petrus und Joannes gen Samarien gesendt wurdend. Zwingli
v. predigamt G ij
a (gegen A iij
a); was er grett (
geredet), brucht hab für ein gwalt gen mir mit trug und listikeit. Ruff
etter Heini 2984; also das gott gen üch hab gricht sin ougen gnädiglich und gsicht.
Ad. u. Heva 2125.
auch mit bezeichnung der länge, geen, wie schon im 14.
jh. Höfer
urk. 202
u. öfter: kam graf Froben geen Hechingen.
Zimm. chr. 4, 73, 21,
oder gehn: gehn Ow.
weisth. 1, 266; gehn dem gottshaus gen Ow. 268 (
s. dazu III, 4,
b, γ); ein man der gieng stracks gehn mir zu. Adrians
mitth. 403.
daraus dann selbst gehen bei übergewissenhaften schreibern (
denn gesprochen ward es nicht): und gehen em entgehen.
Alsfelder pass. 2554; der Vischbach nach ab (
geht die grenze) bisz gehen Trainmülln.
österr. weisth. 1, 15, 5
u. ö.; dasz er als spät nummen getörfte (
sich nicht mehr traute) gehen Biberach gohn.
Heggbacher chron. bei Baumann
quellen zur gesch. des bauernkr. in Oberschw. 280. 286
u. ö. (gen Biberach gon 286),
s. auch u. γ.
auch im 17.
jahrh. noch in volksmäszigem stil: (
kamen wir) auf die nacht gen D. Möhner
reise 55,
aber gegen Hafre 78,
öfter braucht er nach, auf,
auch in.
[] I@3@b@gγ)
übrigens ist es doch auch schon im 16.
jh. auf dem wege sich auf räumliche bedeutung und auf formeln zu beschränken, am geläufigsten aber vor ortsnamen; daher z. b. mit gegen
von der zeit zusammen: gen Weesen im Oberland gegen der nacht ist kommen ein reuter in ein wirtshaus. Wickram
rollw. 128, 13.
selbst mit räumlichem gegen
daneben: dis sind die namen der stemme ... von Hethlon gegen Hemath ... und von Damasco gegen Hemath, das sol Dan fur sein theil haben, von morgen bis gen abend. neben Dan sol Asser sein theil haben, von morgen bis gen abend
u. s. w. Ezech. 48, 1
ff., d. h. das zweite war formelhaft. aber doch noch nicht ausschlieszlich so, z. b.: einigkeit die vater und muter gen den kinden und die kinder gen in haben. A. v. Eybe 11
a; wach auf, es nahend gen dem tag. H. Sachs 4, 33
Göz (
wittemb. nacht.); dasz sie ... die anderen (
bauern)
gehen iren herrschaften auch aufrierig machen. Baumann
a. a. o. 281; gen dem Pilato. 282,
gegenüber, vor ihm, zu ihm; der Folkmerin gen haus geschenkt ein vergult pecher. A. Tucher
haush. 15,
ins hauswesen; verschenkt ich gen sant Katerina 54 droschel, mee gen Augustinern 40 droschel. 115;
s. auch Ruff
vorhin. weiteres s. unter gen
an seiner stelle. I@3@cc)
aber auch gân, d. h. găgen
zusammengedrängt; so alem. im 16.
jh., doch gewiss auch schon in mhd. zeit (
s. auch bair. unter d): do ich mit mim wib bin in Walles zogen gan Visp. Th. Platter 10; der was den schulen nachzogen gan Ulm und Minchen. 14; domit fur ich gan Frankfurt. 94
u. o., doch nur so vor ortsnamen wie es scheint, sonst braucht er gägend (
s. 5,
c);
s. auch nrh. tgaen
neben tgen
unter 4,
c, β,
in Luserna gan Zingerle 32
a.
Daher dann gôn, mit derselben beschränkung: kamen um mittag gon Losanna. Fel. Platter 141, gon Genf, gon Avinion 142,
bei einem flusz aber gegen Rhotten 143; gon Andorf, gon Mechel Keisersb. (Schm. 2, 51); kam ein junger gelerter man har gon Basel.
Basler chr. 1, 33, 14, gon Elsesz-Zabern 49, 15
u. o. (
aber gegen got 58, 22, gegen denen von Sollenthurn 129, 26); ein tag thet man beschreiben (
ausschreiben) gon Zell am Undersee. Soltau 2, 65, Lil. 3, 70
a. I@3@dd)
und noch kürzer endlich ge, ga, go,
das erste schon im 14.
jh. bei Closener,
in volksmunde also schon länger: do fuor er ge Türingen und starb do.
Straszb. chron. 39, 6; unde fuor do ge Mentze. 44, 25,
der schreiber mied oder berichtigte sich aber im verfolg die volksmäszige form (
vergl. sp. 1597).
noch jetzt schwäb. ge,
mit oder ohne nachklingendes -n,
s. Schm. 2, 51,
appenz. Tobler 216
a,
bair. aber noch ga oder gan (
s. c),
und nicht blosz von orten, wie gan albm
auf die alp, sondern auch z. b. ga'n beckn
zum bäcker, ga'n wunder,
bis zum wunder, d. h. selten, ga'n besten,
zum besten, ga'n essen
zum essen, wie auch schwäb. ge,
s. Schmeller
a. a. o. und auch
go noch (
s. c),
alem.: (
wo die Wiese) check go Todtnau aben (
abhin) ins thal springt. Hebel 12; vom bergwech abe go Schopfe. 28
u. o. I@3@ee)
auch auszer dem hd. trat solche kürzung ein, alts. gên
in gênwert
conspectus gl. Lips. 417
fg. (gaienwert 373
fg., d. i. gajen-),
ags. in ongeân, ongên
u. ä., engl. again,
s. u. 2,
vgl. ebenda schwed. igen,
dän. igjen,
schon altn. auch î gen Egilsson 232
b, î gin 241
b.
altfries. jen (
und ajen),
auch jon,
wie noch nordfr. jen,
saterl. jon,
s. Richthofen 843
b. I@44)
aber auch im anlaut anders. I@4@aa)
jegen, und zwar in allen drei hauptmundarten, hauptsächlich nd. und md.; zu dem j-
s. sp. 1108. I@4@a@aα)
mitteld. z. b., schon im 13.
jahrh.: unde tût sünde jegen
got. Eike
Sachsensp., gereimte vorr. 135; daʒ en (
den lesern) bejegene itteswat, daʒ mîn tumbe sin vermeden (
verfehlt) hât. 143; mich rûwet wêrlîche, dat ich î jegen dich gestreit. Berth. v. Holle
Crane 3088; dô Darifant daʒ wêger teil hette jegen den cuonen man, mit unwitzen sie dô began loufen jegen den vorsten wert.
dess. Darifant 180
ff., wechselnd mit gegen, gein, gên (
s. Bartschs
anm. s. 207
fg.),
den hd. formen mit denen hd. dichter eben so frei wechselten; jene beiden sind Niederdeutsche, die sich nur als dichter der md. sprache bestens bedienten. in echtem md. z. b.: her sol ôch ûfstân jegen in (
der lehnsmann gegen den herrn).
Sachs. lehnr. 3
nach der Quedl. hs. (Hom. II, 1, 146),
wie im nd. texte; oder se
[] virjâret sech jegen daʒ kint. 213 (
s. 200),
ebenso, vergl. jeginwerdich
im Görlitzer rechtsb. Hom.
Ssp. II, 2, 92. 245 (gegin 139),
in den Magdeb. fragen s. 263
b jegenôt, yenôt
gegend; zuo jegene
evangel. Nic., s. sp. 1108; Jhesus bejegente in. Haupt 9, 286,
übers. des evang. aus dem 14.
jh., hessisch, wie im 16.
jh., in einer hess. reimchronik: darjegen auch die stadt Hersfeldt gar ernstlich sich zur wehr gestellt. Adrians
mittheil. 182,
daneben doch gegen 192, gen Göttingen 157, gehn Rom 156 (gegend 145),
aber auch jehn: und brannten bisz jehn Fritzlar hin. 178.
auch im Rheinlande: darjegen soll der undersasz ...
weisth. 2, 702, 16.
jh.; die landsknecht sagen Münster ehr, das sie yn gethan haben yegenwere. Soltau 2, 190 (1534).
noch im 17.
jh.: o Amor .. warumb hastu mich in liebe bestricket jegen die, do ich mich nicht erkühnen darf sie anzusprechen.
engl. kom. II, P 5
a. I@4@a@bβ)
nd. nl.; zum nl. übergehend z. b.: alse die kertce jhegen dat vier (
feuer). Haupt 2, 357, enjegen 350; jegen
Teuth. 134
a,
vgl.jeghenen
neben beghegenen,
occurrere 101
a,
an erster stelle werden sogar jegen, tegen, kegen, tgheen
wie zur auswahl gestellt, d. h. sämmtliche nd. und md. formen. nl. jegen
contra Dief. 147
b,
auch bei Kilian 200
a jeghen
neben teghen, jeghenwoordich
neben teghenwoordich;
mnl. jeghen,
s. Oudemans 3, 258
ff. mnd. jegen, jeghen (geghen) Schiller
u. Lübben 2, 404
ff. (enjegen 1, 678
a),
auch jegenere
gegner, jegenode
gegend, jegendêl, jegenwardich
u. s. w.; im 16. 17.
jahrh.: hospitalitas fründlicheit jegen de frömden. Chytraeus 497;
antapocha, eine jegenquitanzie (
gegenquittung). 128.
noch z. b. hamb. jegenst Richey 305.
übrigens auch gein
mnd., geinwordig Höfer
urk. 278. I@4@a@gγ)
und selbst oberd. einzeln, wenigstens in Nürnberg: wann niemant den ruck jegen des keisers tisch kert ... Tuchers
baumeist. 299, 13; jegen der Kotgasz. 294, 21.
merkwürdig selbst jagenwart H. Sachs 3, 2, 24
d,
s. unten IV
2, 2186,
wie augsburgisch gagenwart
unter 1.
vgl. übrigens sp. 1108
und Weinhold
bair. gramm. s. 197. I@4@bb)
dem mitteldeutschen eigenthümlich ist kegen (
noch im mhd. wb. gar nicht erwähnt, auch bei Lexer
eigentlich nicht). I@4@b@aα)
so seit der zeit um 1300
in Meiszen und Thüringen und nach dem osten weiter, seltener oder fraglich nach dem westen zu, z. b.: wer kegen der jasse (
gasse) steinen adder hulzen obirschosse machen wel (
beim hausbau).
rechtsb. nach dist. II, 2, 3 (Ortloff 1, 108); unde sal (
beim bau des heimlichen gemaches) kegen der jasse .. temmen, alsô daʒ kein unflâd gê (
so l.?) kegen deme rîen unde kegen der jasse. II, 2, 7; so sullen denne dy korfursten czîn mit deme (
neugewählten) koninge kegen Ôche. VI, 9, 6,
das werk ist aus meisznischen landen; ist daʒ sich lûte werren kegen ein ander, vîre kegen anderen vîren oder sechse kegen anderen sechsen ..
Freiberger stadtr. 33 (Schott 3, 263); sweren kegen den heiligen. 27 (233),
aber auch gegen 1, 34 (161).
thüringisch z. b.: daʒ wi allir werrin .. di wi gehabt habn kegin der stat unde kegin den burgern zu Erfurt .. mit in gûtlich versûnit habn.
landgräfl. urkunde vom jahre 1310, Höfer
ausw. 87; an deseme kegenwerdigen brîve. 170. 172. 281,
vom jahre 1324. 1334; êr danne man zu strîte gêhit kegin ketzern unde heidin. Rothe
rittersp. 3102,
auch dokegin 81, dar kegin 101; das vier wassermeistere unde der frîbote kegenwertig sint. Michelsen
rechtsd. 122.
im westlichen mitteldeutsch finde ichs nicht, nur gein, gen,
s. aber hessisch kein,
mainzisch kênwerdig
u. β,
und kegen
im Theutonista unter a, β.
Dagegen im osten über Meiszen hinaus: kegen dem lantgrâven Salatîn erhîlt sich mit der rote (
schar) sîn ... gegen den Walhen streît Asar.
Ludwigs kreuzf. 6690,
nah beisammen mit gegen,
das überhaupt noch herschend ist; ab derselbe mordir sich umme den tôdslac berichte kegin den sachwaldin ..
Breslauer rechtssatzung vom j. 1327, Gengler
cod. jur. mun. 1, 364
a (gen Breslaw 381
a, 15.
jahrh.); ab man in .. vorvesten moge âne des nêstin keginwortigkeit.
Magdeb. fragen I, 2, 14; kegen dem herren, kegen der stad.
s. 215,
aus Schlesien. Im nordosten: begondin kegin in strîten. Jeroschin 2161; zugin kegin im mit craft. 2224; und dô ich wider wande (
ein pilger) mich kegn mîner gegenôt .. 8205;
[] dô hûb er sich kegn lande wart. 8163; dî hûben kegn den zehenen sich. 8127,
oft auch kegin,
dazu auch kegingelt, kegintreten
u. s. w., und immer so mit k- (Pfeiffer
s. 155. 180),
auch keggin Strehlkes
ausg. s. 289
var. u. öfter, inkeggin Pfeiffer lxvii (
s. u. 2).
in rechtsquellen: beschuldiget der rât irre burger keinen umme bruche dy her getân hôt kegen der stat.
Kulmisches recht III, 57,
s. Lemans
ausg. s. 224 (
gewöhnlich kên,
s.β), dôrkegen III, 63; daʒ .. kegen der mûwer (
stadtmauer) .. umme dy stat innewendig sal wesen eine strâsze einer rûten breit ûsgenomen daʒ teil der stat, daʒ kegen der Muttelaw ist gelegen.
Danziger handfeste vom j. 1378, Gengler
cod. j. 1, 712
b; uffwert kegen dem gebirge.
das. auch in Berlin oder Brandenburg, als sich da das ursprüngliche niederdeutsch mit mitteldeutschem durchsetzte: durch sunderlke truwe, die sie kegen in bewieset hebbin (
die bürger gegen die markgrafen).
urk. v. 1328 Gengler 1, 186
a (jeghen 187
b).
Die belege, die aber ein erschöpfendes bild nicht geben konnten, gehen nicht weiter als um 1300
zurück, z. b. das Freib. stadtr., denn die kegen
z. b. in Bertholds v. Holle
Demantin 428. 2273. 2295. 5593,
wie kein 5405. 5605 (
neben gein), zokein 423,
können noch nicht auf rechnung des dichters, nur der hs. kommen (15.
jh. Bartsch
s. 359). I@4@b@bβ)
dafür wieder auch kein, kên,
wie gein, gên 3,
a. b. kein z. b.: daʒ he virworcht heit kein den richtêre drû scherf unde ein phunt.
Mühlhäuser rechtsbuch bei Stephan
stofflief. 1, 52. 37
u. ö. (gegin 38),
noch aus dem 13.
jh.; hîr mite habn sie vervangen ir eigen kein dem richter.
Sachsenspiegel I, 2, 2
nach der Leipziger hs., gleichfalls wol noch 13.
jh., meisznisch; kein daʒ gerichte,
vor gericht. III, 88, 5 (
oft auch gein); sô spricht jenre dâ kein 'her richter'
u. s. w. richtst. landr. 13, 2; ein iczlich man sal sîn heimelich gemach kein sîme nâkebûr seczen kein deme rîen. Ortloff 1, 110 (
rechtsb. n. dist. II, 2, 7,
das. kegen); und sal daʒ (heimlich gemach) bewerken gein der gassin ... daʒ kein obirflôʒ moge gegên kein dem reine und der gassen. 1, 707 (
Eisen. rechtsb. III, 12); daʒ kein burger kein Obirwymar gê sal zu wyne noch zu byre.
Weim. stadtb. 14.
jahrh. bei Michelsen
rechtsd. 269; frouwe Sophie frouwete sich .. kein der zûkunft ires liebin sones. Ködiz 45, 30; darnâch zôch her kein Prâge. 47, 26; kein Antiocho er gevînc. Jeroschin 2217; dô er im kampfe kein im trat. 2407; her entpôt in kein Rôme.
deutsche chron. II, 86, 22.
und diesz auch hessisch 15.
jahrh.: bisz nahe kein dem tage.
Alsfeld. pass. 7381,
sonst doch nur gein, gen,
s. Greins
ausg. s. 313
a.
auch zokein
zugegen Darifant 423, keinwertig
richtst. landr. 8, keinwortig
Magd. frag. 265
b, keinwertikeit Ködiz 44, 19. 45, 12, Michelsen
rechtsd. 215
aus Rudolstadt (
doch gein 210. 216), bekeinen Ebernand 4055 (begeinen 4120,
hs. 15.
jahrh.).
darnach scheint man zur aufnahme der sprechform in die schrift zuerst bei dem häufigeren kein
den mut gewonnen zu haben, der sich dann auch auf kegen
erstreckte (
vgl. sp. 1597
vom widerstreben der schreiber gegen die volksmäszige sprechform).
Auch kên: begondin rittirlîchin strît zu ûbne kên den heidin. Jeroschin 642; dô er sich hûb kên lande wart. 964; missetût ein man kên den râtmannen adir kên der stat rechte adir kên der burger kore ..
Kulm. recht I, 13; is mag ouch ein vatir kên syme sone syn recht vorlysen (
verlieren). V, 49, 15; der kan sich kûme bewaren kên gote. V, 61, 3
u. oft. auch kênwerdig Höfer
urk. 324,
in einer urk. des Mainzer erzbischofs vom jahre 1338. I@4@b@gγ)
einzeln noch im 16. 17.
jh., obwol es da im allgemeinen wieder ausgestoszen, d. h. in gegen
rückgebildet erscheint (
d. h. zunächst im schreiben, denn im sprechen lebte es fort): gleich wie sanct Paul war kegen Petro. Luther
von d. bapstum 1520 D 1
b (Diez 2, 38
b); wie sie Christum kegenwertig furchten.
vom sacr. 1519 b 3
b (2, 40
a); kegenwertikeit.
ps. 102, 11
var., aber auch entkegen Diez 1, 539
a,
d. h. ungenau nach ε; ich solt mit im kegen Erfurt zihen und doselbst deutzsch schreiben und lesen lernen.
ein H. Berreuther im
j. 1515
briefl. an Ant. Tucher,
s. dessen haushaltb. h. von W. Loose
s. 164,
ebenso kegen mir
das., kegen Erfurt 165; und also kegen jung und alt. Ringwald
tr. Eck. 1591 L 2
b (
s. V, 394); do er nu kegen der Weiszenburg kam. Uhland
volksl. 285; dasz wir kegn sie kriegn künlich Soltau 2, 356 (1628);
[] ja wenn ich nur einen fusz und eine hand hette, wolte ich mich unterstehen, kegen dir zu streiten.
engl. kom. I, Y 1; were aber mein sohn vorhanden, der würde es dir fürwar nicht versagen, und solte er auch mit einer hand kegen deine beiden streiten.
das.; von wegen fräwlein Florianen, kegen die ich ein lange zeit verliebet gewesen. II, P 2
b,
daneben doch öfter gegen,
auch jegen II, P 5
a; ob gleich er nichts von deinem lobe weiszt, ohne dasz du maulfranke von dir selbst kegen ihn ... aufgeschnitten.
reime dich oder ich fr. dich Nordhausen 1673
s. 124 (Gö
d. grundr. 500);
auch inkegen (
s. unter ε): Hans Wurst inkegen hat den ehrenkranz verdienet. 139,
das gieng dann vermutlich in hingegen
mit auf, vgl. hingegen 1
gleich gegen, hingegenüber
gleich gegenüber. I@4@b@dδ)
im volksmunde musz es eben fortgelebt haben, denn noch jetzt halten es östliche mundarten fest: attkê
entgegen nordböhm. bei Hainspach (Petters
briefl.), hattkän
im Kuhländchen Meinert
volksl. 400 (
vergl. hatfolle
entfallen 31);
siebenb. kê Märmbrig,
nach Marienburg Fromm.
mund. 4, 278. 281,
wie auch schles. ke
fast allgemein Weinhold
dialektforsch. 82 (
s. auch unter II, 2,
b ei de kêne).
und auch noch voll keigen,
in der Zips z. b. in Kesmark, s. Schröer
darst. 60,
auch in Schlesien, in Glogau kaigen,
in Liegnitz akaigen
entgegen, s. Weinh.
a. a. o.; am vollständigsten aber zipserisch ankêgen
entgegen Schröer
nachtr. 35
b. I@4@b@eε)
das letztere in seinem ungrischen versteck gibt sogar noch die entstehung deutlich an; denn kegen
ist weder ein rest des ahd. kakan, kagan
noch eine spätere verhärtung von gegen,
was beides unmöglich ist, sondern eine kürzung aus entgegen.
wie nâmlich mhd. und länger z. b. entgelten
im munde notwendig auch zu enkelten
ward und oberd. noch wird (
s. unter K 3,
c),
das mhd. auch in der schrift zuweilen erscheint, ebenso enkegen, z. b. Nib. 389, 2
in A, und schon vorher wie nachher: dei stalt er an die dritten schar unde enkegen im dar. er tet siben venie, ê daʒ er im chôme enkegene.
gen. 66, 7. 8
D., wie enkelten
das. 56, 1
u. ä., enkinnen
für entginnen Diemers
gloss. 118
a; do er den rittern enkegen gieng.
gesta Rom. 171 (
wie enpeiszen
für entbeiszen
das., chospær
für kostbære 153); und gieng dem chaiser enkegen. 164; du solt enkegen reiten deinem herrn. 64.
daher auch enkegenen
begegnen: der enkegent in und gruost si. 119. 171.
dem gên (3,
b)
entsprechend auch enkêne schon Nib. 1658, 4
in A, encken
versus Dief.
nov. gl. 379
b 15.
jh., gewiss auch enkein.
Der abfall des en-,
das doch sein -t
so zu sagen in dem k-
zurückliesz, geschah dann unter mehrerlei einflüssen (
s. weiter II, 1,
b. c).
die übergangszeit zeigt sich z. b. in inkênwerdig,
thür. 13.
jh.: di tôti hant sal abir dâ inkênwerdic si.
Mühlh. rechtsb. bei Stephan 27. 29,
vgl. ebenda inkeit
für intgeit,
mhd. entgêt: inkeit dan di man demi herrin. 49
fg. (inpere 28
für intbere,
entbehre).
auch inkegen,
wie noch im 17.
jh. unter γ a. e.: dô ime Martha inkegin hatte gelaufen.
Beheims evang. Joh. 11, 30; Jhesus lîf en inkegin.
Matth. 28, 9 (
immer kegin
für gegen); Abrahê inkegin quam Melchisedech. Jeroschin 630.
vollständig z. b. nrh. entgênwordich Haupt 10, 40, 7. 43, 28,
Germ. 6, 156, intgeenwordich Höfer
urk. 314,
in reiner form aber ingeginwardich Homeyer
Ssp. II, 2, 245
im Görlitzer rechtsbuche (
vgl. III, 1,
b).
Nur bleibt aufzuklären, warum gerade in md. rede und auch da nicht durchgehends, die kürzung gerade so sich vollzog (
denn auch gegen
ist gekürzt, s. II, 1).
Aber spuren davon, ansätze finden sich doch auch im süden, z. b. alem.: sie wellen dich besehen (
d. h. als feinde, besuchen), setzen
ken dir lib und guot. Liliencron 2, 371
b, 10 (1495),
vgl. in den sog. cimbrischen gemeinden kan, ka,
z. b. ka schul
zur schule, kan perg,
s. Schmeller 133
a,
auch kegen, kigen,
z. b. kegen gotte,
und inkegene
entgegen 135
a.
und selbst auf gegend
übertragen, obwol da kein ent-
zu entfernen war, bair. 14.
jh.: santen sie vil ritter auʒ in die lant und
kegend der werlt.
gesta Rom. 170 (enkegen 171).
ein nd. kegen, kegenword
gegenwärtig Sch.
u. Lübben 2, 404
a, 29. 406
a, 5
wird nur md. einflusz sein, wie das kegenst 5,
a; freilich selbst ostfries. noch kägen
neben dem herschenden tägen
oder gägen, jägen,
s. Stürenburg 274
b. I@4@cc)
endlich auch tegen, im nd. und nl. I@4@c@aα)
nd. wie noch heute, s. z. b. Schambach 227
b, Richey 305 (
hier auch jegenst),
so im 15. 16.
jh., z. b.: tegen den strôm is quât swemmen. Tunnicius 888;
[] tegen Christum unde sîne lêre.
Claws bur 184 (
var. jegen); dat ik sîn vrûnt geworden bin unde he vorsônet is tegen mi.
Rein. vos 2589 (
oft auch jegen); he trat to richten tegen de dore.
Zeno 141 (jegen 144); dei tyd sik heft versatiget gar tegen einen söten somer klar.
Theoph. 13
Hoffm.; s. mehr bei Sch.
u. Lübben 4, 518.
auch nl. tegen,
die herschende form, mnl. und bei Kil. teghen
noch neben jeghen.
auch nrh. tegen
Teuth. 134
a (
s. a, β), entegen gaen
obviam ire gemma Cöln 1511 O 6
d,
wie mnd. Sch.
u. Lübben 2, 404
b, 19, enteghen
adversus Dief.
nov. gl. 10
a (
neben jeghen
in demselben gloss.),
auch eintegen
contra 111
b.
auch im nrh. gebiete noch jetzt, z. b. in Aachen teege Müller
u. Waitz 244. I@4@c@bβ)
älter aber tieghen Sch.
u. L. 2, 404, 1. 46. 4, 518
a, 26,
d. i. tjegen (
oder tiégen),
z. b.: dâr behalt he des lênes gewere allêne uppen den hilgen tiegen syneme heren. Homeyer
Ssp. II, 1, 364; tiegen synen genôten.
das.; dâr vrâg tiegen.
richtst. landr. 34, 3. 6. 43, 9 (
in der md. übers. dawider).
dasz tjegen
gemeint ist, wie z. b. Dähnert 485
b gibt, verbürgt nrh. tgegen: sprechen dae mit ire bijget (
beichte) tgegen
got. Harf
pilg. 152, 5; in deme tempel beneffen den Indianeren tgegen den Jacobiten oever. 175, 32; also traden wir under uns beiden tgegen den avont in den tempel. 178, 37.
auch tgen 277
a, tgheen
Teuth. 134
a,
selbst tgaen (
s. gân 3,
c),
tgain, wie untgaenwordig, untgainwordig
Cölner chron. 3, ccxxv; der gelîch worde hadde he vil tgain die êrbêre burgêre. 1, 307, 26;
von minierarbeit der belagerer von Neusz und der belagerten: trotzlich hant do gegraven dair ein tgaen den anderen (
gegen '
einander'). Wierstraat
Neusz 780; all tgaen den avent spade. 883.
wenn mnd. auch tigen vorkommt Sch.
u. L. 4, 518
a, 26 (entigen 1, 671
a, 31),
Zeno 144
var., van s. Marinen 276,
wie es jetzt noch westf. tigen
heiszt, osnabr. tygen (
neben teigen, jygen) Strodtmann 243,
so ist das begreiflich aus rascherer aussprache von tiégen,
wie tegen
selber. I@4@c@gγ) tjegen, tegen
selber ist schon eine kürzung, durch rasche aussprache erzeugt, doch nicht aus tojegen,
wie man begreiflich zunächst annahm (J. Grimm
oben III, 528, Schambach 227
b, Stürenburg 275
a),
sondern aus entjegen,
wie schon A. Höfer
zu Claws bur s. 87
sah (
s. nun auch W. Braune
beitr. 1, 7
in betreff des nrh.),
d. h. ganz wie das md. kegen
aus entgegen (
b, ε)
und das mhd. und unser gegen
selber aus engegen (
s. II, 1).
Neben tjegen
oder jegen
geht noch lange das volle entjegen
her, z. b.: do lachede dat kint jegen em ... wes lachestu mi entjegen?
Zeno 144. 147 (tegen 139); se spreken Reinken al entjegen.
Rein. vos 1880.
neben tegen
ebenso entegen (Sch.
u. L. 1, 671
a),
d. i. entiégen
rasch gesprochen, ja noch heute z. b. ostfries. sowol tägen gaan
als intägen gaan Stürenb. 275
a,
wie hamb. darentegen
dagegen (
neben tegen) Richey 305,
mnd. Sch.
u. Lübben 1, 486
b,
nrh. dairintgein
Cölner chr. 2, 635, 32, darintgain Harf 92, 3,
worin dâr
und das tonverhältnis dem en, in
schutz gab gegen das ausfallen (
vergl. das späte da entbinnen III, 498),
sodasz dartegen
gar nicht vorkommen dürfte, während sonst ein dem entjegen
oft vorausgehendes -en,
wie es z. b. unter β schon zu bemerken ist, den abfall beförderte (
s. weiter II, 1,
b).
Ebenso hat das nrh. tgain
lange sein vollständiges intgain u. ä. neben sich, z. b.: intgain deser kirchen oever steit ein hospitael. Harf 12, 26; ich neigde mijn heuft intgain ieme. 59, 17; intgain desem thoerne. 71, 12 (intgegen 69, 32. 74, 25),
wo denn auch ein -en
nicht vorausgeht; quam Lucius eme untgain zo stride.
Cöln. chr. 2, 378, 24; lach her Arnolt ... untgain herzoch Ailf. 3, 772, 24.
gerade das nrh. beweist ausreichend für entstehung von -tgegen
aus intgegen,
da to
dort zo
heiszt, also zgegen
die form sein müszte, aber nrh. zo
und nd. to
werden gar nicht so verkürzt. I@55)
bemerkenswert auszerdem I@5@aa)
mit -st
erweitert: kegenst 15.
jh. in den bruchstücken von Mösers
liederhs., deren mundart aus nd. und md. gemischt ist, s. Ettmüllers
Frauenlob s. 248. 258
var.; so noch hamb. jegenst
und tegenst Richey 305,
ostfries. tägenst Stürenb. 274
b;
es ist wie z. b. in md. mundarten aberst,
auch nd. äverst
weisth. 4, 703,
wie auch hd. nebenst, benebenst, benebst, nebst.
dahinter aber steht tägens
ostfries., mnd. tegens Sch.
u. L. 4, 518
a, 19. 28,
nl. teghens Kil.,
mnl. jeghens Oudemans 3, 262,
mnd. jegens (
s. z. b. jegensman Sch.
u. L. 2, 405
b),
und das -s
findet einen alten anhalt an alts. tegegnes
entgegen, ags. tôgegnes, tôgeánes,
altfries. tojenis,
auch schon jenst Richthofen 843
b,
wie noch engl. against.
[] I@5@bb)
merkwürdig aber alem. gägen Maaler 154
fg., getrennt von gegen 162
c ff., d. h. dieses mit hohem, jenes mit tiefem e;
belege: der Eck vermeint, die legati do zugägen (
bei dem religionsgespräch) sölten do urteilen. Th. Platter 47; der houptman kam mier am morgent entgä
gen. 58; begägnet uns. 78 (
s. auch c).
auch anderwärts, z. b. in Sachsen begegnen
mit tiefem e,
während gegen, entgegen
u. s. w. das richtige hohe e
hat; vergleiche im Kuhländchen kän
gegen 4,
b, δ,
ostfries. gägen, tägen
oben, im Siegerlande begähnde
gegend, wie Weigand
für das ganze gegen
die aussprache mit ä
angibt, auch niederd. entjägen Liliencron 3, 309
b. 310
a.
das ist eine seltene und sonderbare erscheinung. I@5@cc)
endlich, dem kegenst
oben ähnlich, gegend: ich lut (
läutete), das gägend über der gloggner ufstund. Th. Platter 47; gägend den hüsren. 11; aber gägend Zürich wolt man niemand (
über die brücke) laszen. 78,
d. h. in der richtung nach Zürich nicht, nur in der andern richtung (4,
b a. e.).
es ist wie zwischend
das. 133, morgent 58,
mundartlich nebent, ebent
u. a., und schon Platter
schreibt auch näbend 6
u. ö. IIII.
Ursprung und ausbildung. II@11) gegen
selbst kann nur aus engegen (
nhd. entgegen)
entstanden sein durch kürzung, da nur so der umlaut begreiflich wird. II@1@aa)
mhd. engegen
entspricht nicht dem ahd. ingagan (3,
b. 4,
b),
sondern ingagani,
mit umlaut ingegini (
wahrscheinlich mit -î) Graff 4, 139,
z. b.: thô sprach thâra ingeginî avur thiu selba menigî. Otfr. III, 16, 27; firliaʒ si sâr thia menigî joh îlta Kriste ingeginî. III, 24, 6.
daher denn mhd. häufig noch mit voller endung engegene,
im 12.
jh. auch noch ingegine, in gegini
u. ähnl. (
wb. 1, 493),
auch engeine
Servatius 1594, Herbort 6012 (: kleine), enkêne
Nib. 1658, 4
A, noch im 15.
jh. engeyne
versus Dief. 614
b aus dem Eltviller voc., ja noch in der sprache der sette comuni inkegene Schm. 135
a.
s. auch mhd. noch getrennt in gegen
u. III, 1,
a. II@1@bb)
der abfall des en-
im rascheren sprechen ist ein vorgang, der auch sonst sich häufig vollzog. so bei praep. mit en-
für urspr. in
bei zwischen,
urspr. in zwischen,
ahd. in zuiskên,
d. i. inter binos, mhd. enzwischen,
aber auch da schon blosz zwischen.
eigentlich auch bei mitten (
mhd. enmitten),
wo doch das en-
durch ein neues in
nachher ersetzt ist, und bei neben,
mhd. eneben (
auch enneben),
ahd. in eben,
eigentlich au niveau, wo nur das n
dem abfall entgieng durch seinen anschlusz an den tonvocal. wie man bei praep. den wechsel von fehlendem und stehendem en-
gleich in
gewohnt war, zeigt auch das lange nebeneinandergehen von mhd. oder md. binnen
und enbinnen (
vergl. entbinnen), bûʒen
und enbûʒen (
s.bauszen, erbauszen), boben (
s. d.)
und enboben,
wo das in
neben b-,
d. h. be, bî,
sogar überflüssig erscheint. vgl. auch mhd. widerstrît
aus ursprünglichem enwiderstrît,
in die wette. Aber auch andere en-
unterlagen diesem abfall. so ein en-
für eigentliches ent-
in dem phâhen
in der übergangszeit des ahd. ins mhd., s. sp. 1609;
es gibt dafür auch ungeschriebene belege aus der besten mhd. zeit (
vgl. sp. 1597
vom verhältnis des schreibens zum sprechen),
denn z. b. im folgenden ist von den beiden -en en-
fürs sprechen sicher nur eins gemeint (
oder -en'n)
nach der strenge des versbaues: mit wórt
en enphíeng er mich als wol. Lichtenstein 651, 11.
am häufigsten aber unterlag dem wechsel des stehens und fehlens und endlichem wegfall das en-
gleich ursprünglichem ne,
nicht, was noch zum heutigen weder (
eigentlich '
neutrum'), kein (
s. d.)
eigentlich notwendig gehört. so kann denn gegen
aus engegen
und das doch lange nebeneinandergehen beider nicht wunder nehmen, es liegt in einem ganzen strome, der jahrhunderte lang mächtig war in hin und her schwanken. unserm verständnis ist das nur schwer zugänglich, weil wir die sprache nicht mehr mit dem ohre bemessen, sondern mit dem auge auf dem papier. II@1@cc)
befördert ward der abfall durch den häufigen zusammenstosz mit vorausgehender endung -en,
wie bei dem worten enphieng
vorhin; s. auch gegenander
für gegenenander
und das ähnliche vereinfachen von -erer-
unter kriegen V, 2235 (
β),
auch unter I,
b, ε und c, γ die entstehung von md. kegen
und nrh. tgegen,
nd. tjegen,
worin sogar von ent-
das en-
verloren gieng. Auch diesz falsche ent-
vor gegen
aber liegt in einer solchen strömung, die ein paar jahrhunderte lang ent-
und en-
ohne unterschied der ursprünglichen bedeutung hin und her warf und vermischte. denn auch sonst erscheint ent-
für en
gleich in,
z. b. in entwadel
Helmbr. 848
hss., entbinnen
oben III, 498,
aber auch umgekehrt en
für ent,
wie mhd. vorherschend (
und schon ahd. in-)
vor verben, selbst z. b. in mhd. enrinnen
wb. 2
1, 717
a,
und [] wiederum ent-
für die negation en-
z. b. in entkein V, 491
unten (
s. enkein
das. 460), entwicht
für enwicht III, 657,
und auch vorm zeitwort, z. b.: were es, das einicher die gebötter (
gebote) nit enthielte.
weisth. 3, 756; gott der entlat der seinen nicht. Büheler
königst. v. Fr. 3074 (enlâst 1982); sô entsaltu nicht loszen.
Alsf. pass. 1511; dar umb entgleubet er mer nicht. 1724
u. o. (
neben en-),
s. Greins
gloss. 284
b.
aber gerade bei gegen
war das ent-
gut angebracht, da es hier der bedeutung entsprach, s. 2,
a. II@22)
also gegen
ursprünglich ein subst. zu ahd. gagan. II@2@aa)
ahd. gaganî
f., mhd. gegene,
gleichsam die gegenheit (
s. d.),
eigentlich eins mit gegend (
s. d.);
daher einem engegene komen, gên
u. s. w., in gaganî quëman
ursprünglich: ihm gleichsam in die gegend kommen, ins bereich, in sein bereich, die umänderung des en-
in ent-
verstärkte wol zugleich die verblassende bedeutung, da ent-
selber urspr. ein gegenüber, entgegen (
ἀντί)
bezeichnet. II@2@bb)
aber die alte auffassung ist bis heute mundartlich erhalten, wenn es im nördlichen Böhmen heiszt einem ai de gêne gîn,
entgegen gehn Fromm. 2, 31,
auch ei
oder in de geine
oder keine (kei, kê) gehn, laufen, fahren
o. ä., wie mir Petters
mittheilt, schles. in Glaz ei de kêne Weinh.
dialektforsch. 82 (
zu dem k-
s. I, 4,
b, δ),
d. i. in die gegne (
s. unter gegene),
und diese wendung mit eingesetztem artikel musz wol danach auch mhd. bestanden (
vgl. c a. e.)
und sich zufällig dort fortgepflanzt haben, da sie entstanden nur denkbar ist als in gegene
das subst. noch deutlich war. selbst in entgegen
könnte das t
den artikel mit enthalten. jenes ai de gêne
ist eins der merkwürdigsten beispiele von bewahrtem alterthum in mundarten; denn dasz das in die
erst aus ent-
gebildet sei durch misverständliche rückbildung (
wie sp. 1603
ähnlich),
ist weniger glaubhaft, da diese erscheinung mehr schreibern als der volksrede angehört. merkwürdig aber nordböhm. auch ins geine, ins geinde (Petters);
vergl. unter gegend. II@2@cc)
auch in dativischer wendung erscheint gegen
mit in
noch um 1500
als subst. gefühlt, mit abhängigem gen., alem.: geben uf xxij tag aberellen a. 997 .. vor und in gegen babst Gregori des
V. .. zuo Rom. G. Oheim
chron. von Reichenau 95, 12; in gegen unsers gaistlichen vatters Gregori. 93, 35,
also gleichsam in der gegene
gleich gegenwart,
nach lat. in praesentia,
denn es ist übersetzung des lat. originals (93, 4);
für gegend braucht Oheim
übrigens gegny 10, 27,
beide fielen ihm also nicht mehr zusammen. auch mit ze
für in,
bair. im 13.
jh.: ze gegen des Moroltingers,
und wirklich auch mit dem artikel (
s. unter b): ze der gegen mînes swehers.
mon. boica 3, 357, Schm. 2, 21,
wie ze gegenwart
mit gen. das. (2.
ausg.);
daher denn unser zugegen. II@33)
aber auch gagen, gagan
selbst war schon in gleichem gebrauch. II@3@aa)
zunächst eben so substantivisch, wie unter 2,
c, mhd., in beispielen, die Schmeller
gesammelt hat: ze des richters gagen (
auch begagen) Westenr.
beitr. 6, 118,
Münchner stadtb. v. 1453; ze gagen meniger unser burger. Gemeiners
Regensburger chr., vom j. 1244; vor uns und unser edler läut kagen.
mon. boica 3, 178,
vom j. 1291.
und merkwürdig auch pluralisch ze unsern gagen Meichelb.
hist. Fr. II, 1, 125,
vielleicht nur misverständlich in der vielgebrauchten formel für ze unser gagen,
wie überhaupt zu bemerken ist, dasz nur diese feste formel mit ihrem wichtigen klange und werte das alte so festgehalten hat; doch vergl. den plur. in ags. gegnum,
altn. î gegnum (
dän. igjennem,
schwed. igenom),
gerade aus zum ziele, hindurch, dazu ags. gegnunga,
alts. gegnungo
geradezu, sicherlich (
eigentlich wol sicher treffend, s. 4,
a),
dessen -ung
gleichfalls pluralische kraft hat (
s. u. gegat). II@3@bb)
ahd. nur éine deutliche spur des subst. mit gen. in dem incagan des tales,
ex adverso vallis Graff 4, 138,
Diut. 1, 510
b,
aus den Reichenauer gl. (8.
jh.),
wo das entsprechende lat. den gen. leicht festhielt (
vgl. auch III, 2,
e, besonders das intgegin dîn
dort);
gewöhnlich schon mit dem dat., den gegen
dann noch so lange fortführt (III, 2,
a)
und der das betreffende subst. mehr von der ganzen wendung als von gagan, ingagan
abhängig macht. darin ist aber in
mit acc. anzunehmen, wie bei in geginî
unter 2,
a, immerhin auch für bezeichnung des verweilens brauchbar, da in
auch dafür den acc. haben konnte, s. gramm. 3, 153
ff., selbst rein räumlich z. b. in alle criechische lant
Alex. 346
W., in daʒ lant (
wohnen) 6615. 5433.
ein ahd. ingagane,
dativisch, ist nicht bezeugt, wol aber mhd. zegagene, begagene,
die doch nicht beweisend sind, wie wol auch ingagene Notker 58, 6,
da vermischung mit ingegene
darin mitwirken kann. II@3@cc)
aber, was die frage zuspitzt, auch das blosze gagan
erscheint schon ahd. als reine praep. entwickelt, wie in zusammensetzung [] mit verbum und nomen, s. Graff
ahd. praep. 198
ff., sprachsch. 4, 135
ff.; z. b. in der Benedictinerregel kakanwarti
für praesens (
eigentlich zugekehrt, ausgesetzt) Hattemer 1, 56, kagan êro
für ob honorem 59 (
vgl. III, 5,
b, β), ob auditu auris obœdivit mihi
wird übersetzt kagan hôridu des oorin kaganhoorta mir 46,
also auch schon in unsinnlicher verwendung (
sonst widar
das.).
Die mühsame, von Graff
begonnene untersuchung hier fortzuführen ist unmöglich. die frage ist: kann auch das schon gekürzt sein aus inkakan, ingagan?
und was ist gagan
eigentlich? aber auch: kann ingegin
im Tat. und bei Otfried
kürzung sein von ingeginî?
oder gab es ein gegin
anderer entstehung als unter 1,
a, zumal in vergleich mit alts. gegin-,
ags. gegn-,
altn. î gegn (I, 2),
und besonders mit ags. gên, gêna
adv., noch immer, wiederum, altn. gegn
adj., tapfer, tüchtig u. ähnl. (
noch dän. gjen,
schwed. gen
adj.),
die nebst anderem auf eine alte, weit reichere entwickelung deuten. Wenn man sich aber das gein
schon im 11.
jh. und ge
schon im 14.
jh. (I, 3,
a. d)
zusammenstellt mit dem noch vollen engegene
im 13., engeine
im 15. (1,
a),
ja inkegen
im 17.
jh. (
sp. 2199), in kegene
noch jetzt in den sette comuni (1,
a),
so wird wol jene kürzung bei dem täglich gebrauchten worte auch so frühe glaubhaft und dasz die entwickelung weit entfernt war von einem vorgehen so zu sagen in gleicher linie, wie man sichs leicht denkt; das schwinden der laute im munde und das festhalten oder wiederherstellen in der schrift (
vgl. sp. 1597,
auch 1595)
auch bei demselben schriftsteller ist bei partikeln und den gebrauchtesten wörtern überhaupt durchaus in der ordnung. dazu scheinen die formen mit a
und e
früh in einander übergeflossen zu sein. übrigens s. unter 4,
b. II@44)
ein pfad oder blick durch das dickicht rückwärts thut sich im altn. auf. II@4@aa)
da zeigt sich ein subst. gagn
n., gewinn, vortheil, genusz, nutzen u. ä. (
noch schwed. gagn,
dän. gavn),
mit manigfacher weiterbildung der bedeutung; daher auch gagna
zum nutzen dienen (
schwed. gagna,
dän. gavne,
vergl. unter gegnen), gagnsamr
vortheilhaft, gagnlauss
nutzlos u. a. der sinnliche begriff verrät sich aber in hafa gagn, fâ
oder vinna gagn
u. ähnl., den sieg gewinnen Fritzner 186
b,
eigentlich doch den siegespreis, die beute, wie sich auch noch zeigt in vega gagn
erkämpfen, erbeuten (vega
davontragen),
s. Egilsson 218
b.
dann auf andern gewinn übertragen, z. b. von feld und flur, daher gagnauðigr
reich, eigentlich viel erndend (
auch gewinnen
hiesz ursprünglich besiegen, ersiegen, erbeuten, auch ernden).
Die vorstellung des schieszens und treffens aber verrät sich noch in gagnorðr ok skjôtorðr, '
schlagfertig'
in wort und rede (
z. b. vor gericht) Möb. 130,
eigentlich mit worten schieszend und treffend; selbst in schwed. rigta til gagns,
gut richten (
ein geschütz, einen bogen),
dasz es trifft. wol auch in gagnleiði, gagnvegr,
der kürzeste, gerade weg, dän. gjenvei,
eigentlich wol den der pfeil oder speer geht, die luftlinie (
vergl. î gegnum
gerade aus und hindurch 3,
a a. e.).
der ursprüngliche gebrauch im kampfe ist auch deutlich in gagnstaða
f. gleich môtstaða Fritzner 187
a,
entgegentreten, widerstand. das zielen aber blickt noch erkennbar aus einem norw. worte im gebirge, gjegne
n., merkpunkt, den man sich in pfadlosen strecken nimmt, z. b. an einem felsen, um den weg zu richten (Aasen 218
b),
also '
ziel'
das man sich setzt. II@4@bb)
also gagn
eigentlich '
was mir in den wurf kommt' (
d. h. des speeres eigentlich),
schuszgerecht, gagn
genannt sowol vor und unter dem schieszen als nach dem geglückten schusse (
diesz doch nur nord.),
wie beide seiten der bedeutung auch in dem in den wurf kommen
vorliegen. urgerm. ohne zweifel gagan
n. und gewiss auch ahd. ursprünglich, mir quimit in gagan (ingagan)
hiesz wol ursprünglich es kommt mir zur beute, in den schuszbereich (
vgl. unter III, 1,
a),
ein gegner oder wild, ja das blosze gagan
wäre so begreiflich: quimit mir gagan,
als beute, als schuszgerechtes ziel. erst später, mhd. auch zegagene (zegegene),
was ahd. zi gagane
wäre, als ziel u. s. w.; endlich ins begriffliche gezogen gaganî (
s. 2,
a),
auch altn. schon in î gegn.
davon selbst jetzt noch eine klare spur in tirol. keine gegent haben,
das ziel verfehlen Schöpf 182,
eigentlich doch: nicht die rechte schuszweite, womit sich ein schütz bei verfehltem schusse entschuldigt (
vgl. III, 3,
a),
s. unter gegend. II@4@cc)
alles weitere erklärt sich leicht: gaganî
f., erst der schuszbereich, dann der sehbereich, hörbereich (
was ja im vorigen schon von selbst mit enthalten ist, auch in krieg und jagd),
dann bereich überhaupt, dessen mittelpunkt ich augenblicklich bin (
vergl.gegene
als '
umgegend'),
doch wesentlich der bereich vor den augen, mit bezug auf etwas nach dem ich strebe, mit dem ich zu thun habe u. s. w. der übertritt in freundliche anwendung kann [] nicht wunder nehmen, sagen wir doch auch von einem freunde, dasz er uns in den wurf kommt,
dasz wir ihn '
festhalten'
können u. ähnl.; das einigende konnte z. b. der gewinn sein, den einer oder beide begegnende davon hatten. vermittelnd aber ist eine so zu sagen neutrale anwendung, aus der dann die bezeichnung von allerhand unmittelbaren beziehungen von mensch zu mensch, von ding zu ding überhaupt sich ergab. s. weiter III. II@55)
als stammesverwandter ist wol nun zweifellos goth. gageigan,
κερδαίνειν,
gewinnen, z. b. fairhvu allana,
die ganze welt (
eig. erobern)
Marc. 8, 36,
vgl. Luc. 9, 25;
die stämme geig (gîg)
und gag
als spuren einer noch älteren reicheren entwickelung oder als äste éines stammes. IIIIII.
Gebrauch und bedeutung. III@11)
das verhältnis zu entgegen,
mhd. engegen. III@1@aa)
wie gegen
aus engegen
entstanden ist (II, 1),
so ist auch die scheidung beider in praep. und adv. nicht ursprünglich, und ahd. ist das verhältnis zwischen gagan
und ingagan
dasselbe. III@1@a@aα)
nicht nur ahd. kommen fälle vor, wo man praep. und adv. gar noch nicht scheiden kann, z. b. im Ludwigsliede beim anritt zur schlacht: reit her thara in Vrankôn ingagan Northmannon. Müll.
u. Sch.
denkm. XI, 28,
wo zugleich der urspr. sinn noch dicht dahinter liegt: in gagan,
in den schuszbereich (II, 4,
b); scalcâ liofun ingegin imo,
servi occurrerunt ei. Tat. 55, 6,
ganz wie gagen
auch, z. b. gagen einemo loufan, ûf stân
u. ä. Graff 4, 136,
ihm entgegen oder gegen ihn. und ebenso noch mhd., obwol da die scheidung schon deutlicher wird, z. b.: nu stuont der reine bâbest dort, der trat in gegen (
so) in ze hant. Konr.
Silv. 2809,
wie sonst gegen (
das denn in den hss. auch mit engegen
tauscht, wie Iwein 7257),
z. b.: die riten unde giengen .. gegen im wol drîe tage. Hartmann
arm. H. 1391; zên juncfrowen ... gîngen ûʒ kegin dem brûtegume und der brût.
Beheims evang. Matth. 25, 1.
selbst mit der umstellung, wie bei entgegen: der herre ire gegen gie.
fundgr. 2, 35, 27. III@1@a@bβ)
anderseits ingegen, engegen
auch als volle praep., d. h. noch wie ags. ongeán,
altn. î gegn,
z. b.: waʒ zeichôno er in ougti ingegin theru dâti. Otfried II, 11, 32; in gegen got du si unreinis. Hartm.
glaube 2573,
gott gegenüber, vor ihm, im verhältnis zu ihm; engegen den herbergen.
gr. Rud. A
b, 4 (
s. 4,
h); ingegen in kêren (
reiten) her began. Berth. v. Holle
Crane 2866 (
hs. inthegen,
s. sp. 2200); ingegen der sunnen. Herbort 1303 (
s. u. 4,
f, δ); so kêrt hi engegen die stangen.
Germ. 12, 62, 28,
nrh. ja noch nhd. im 17.
jh., s. unter entgegen 1,
b aus Fleming 27 schutz entgegen alle spötter,
selbst mit dem acc. von gegen
wie vorhin nrh. 13.
jh. (
s. 2,
d);
es ist merkwürdig, wie richtig da so spät das ursprüngliche noch nachwirkt im sprachgefühl. III@1@a@gγ)
in der gewöhnlichen fügung unter entgegen 1,
a ist es eigentlich immer noch schwankend zwischen praep. und adv. (
die ganze scheidung ist eigentlich eine äuszerliche),
wie recht deutlich z. b. in der noch jetzt geläufigen wendung er hat, entgegen seinem versprechen, das gut doch verkauft.
der wesentliche unterschied ist, dasz entgegen
sich zum verbum neigte, mit dem es allmälich verwuchs, gegen
aber für sich stehend vorherschend ward; daher auch bei ersterem die voranstellung (
schon mhd. vorherschend),
bei letzterem die nachstellung des abhängigen subst., z. b. dem strom entgegen schwimmen
und gegen den strom schwimmen,
sachlich doch noch ohne unterschied. ursprünglich aber eben so gut gegen
beim zeitwort, noch im 15.
jahrh. z. b.: fur in glich gegen.
mitt. hausb. 39, 15 (
s. die stelle unter 3,
a).
s. auch nhd. unter 7,
a. III@1@bb)
einer untersuchung bedürfte auch das verhältnis beider in der zusammensetzung, die schon der frühesten entwickelung angehört; hier sind nur andeutungen möglich. mhd. hiesz es z. b. auch engegenwert, engegenwertec (
s. unter gegenwärtig),
ahd. doch nur geginwart
u. ä., aber auch mnd. entegenwerdicheit,
nrh. untgaenwordich (
s. sp. 2200).
gegenwärtig steht gegendruck
neben entgegendrücken, gegensatz
neben entgegensetzen, gegenstand
neben entgegenstehen
u. s. w., aber mhd. auch engegenvart
wie engegen varn,
anderseits auch gegenloufen
wie gegenlouf,
im 16.
jh. auch gegensetzen.
vgl. unten die zusammensetzungen. [] III@1@cc)
bemerkenswert ist, wie auch auswärts die doppelheit besteht schon in alter zeit, im ags. z. b. ongeán cuman
und geáncyme
occursus, ongeán faran
und geánfaru,
altn. z. b. gagnmæli
gegenrede, widerspruch zu mæla î gegn, gagnför
occursus Egilss. 218
b zu fara î gegn.
noch dän. z. b. give igjen
wiedergeben, aber gjengivelse
rückgabe (
altdän. giengift
gegengabe), klinge igjen,
aber gjenklang
widerhall, doch auch gjengive
und igjengive
und gjenklinge. III@22)
die casusfügung. III@2@aa)
der dativ ist nach vorigem der natürliche casus und hat sich denn auch gegen den eindringenden acc. (
s. d)
so lange behauptet, dasz er sich unter umständen noch im 18.
jahrh. und länger bei den besten schriftstellern findet, z. b.: du (
gott) wilst ein herz, das dich vernünftig kennt .. nur gegen dir in heiszer andacht brennt. Canitz 1727
s. 30 (1734 172), 51.
ps.; doch ist dein sinn auf bücher so erhitzt, so lasz ihn gegen mir hingegen nicht erkalten. 70 (212); die engel schenken ihm als einem kaiser ein, des Tagus güldner schaum ist gegen seinem becher ein schlecht geschätzter werth. Günther 678; o so blicke diese blätter so verliebt und freundlich an, als du damals in den eichen, weist du gegen wem? gethan! 852; ich habe mich zu der abhandlung dieses charakters gegen einem freunde anheiszig gemachet. Bodmer
poet. gem. 518; der codex ward gegen dem ausgange von 1607 nach Heidelberg versandt.
proben d. alt. schwäb. poes. s. ix; der grüne hauptschmuck der felsen ... spielt blendend gegen der sonne. E. v. Kleist 2, 42 (
vgl. 4,
f, δ); die Cleopatra des Corneille ... ist ein ungeheuer ihres geschlechts, und Medea ist gegen ihr tugendhaft. Lessing 7, 135 (
dramat. 30.
st.); die schönste that ohne kampf begangen hat gar geringen werth gegen derjenigen, die durch groszen kampf errungen ist. Schiller I, 65, 14; wenn er .. seine spitzen zähne gegen meinem degen bleckt. II, 166, 22; sie kommen über die haide, ich will gegen ihnen halten. Göthe 8, 96. 42, 123,
Götz v. B. (
s. dazu 4,
g); ihr werdet gegen der menge wenig sein. 8, 86
nach der ursprünglichen fassung (
d. j. G. 2, 309),
später in die
geändert (
s. Strehlke 6, 202
Hemp.),
aber kurz vorher auch ursprünglich jetzo geht der zug gegen mich; aber mein blut darf sich gegen dem eurigen nicht schämen. 57, 211 (
Claud. 1776
s. 114).
ebenso später noch oft genug, auch im hohen stil: treu blieb ihr bild, noch immer steht es gegen mir. 40, 401 (
Pandora 1810
s. 38); endlich nun doch tritt sie hervor! steht mir so scharf gegen dem blick! 412 (1810
s. 50),
wo man früh auch den
gebessert hat (
s. Strehlke 10, 593
H.); als wenn er unheil sänne, sasz er gegen mir. 41, 181 (
Faust II, 3); die fischer haben von der hechtsleber dieses merkmal ... wenn dieselbe gegen dem gallenbläschen zu breit .. ist
u. s. w. 43, 357 (
Rochusfest),
vgl. Adelung
unter c; der knabe .. stellte sich mit aller ehrerbietung gegen mir
an. 6, 151 (
zum div., schenkenbuch); mein herz brach auf gegen dir als eine rose.
das.; indem Abraham zu Hebron gegen dem hain Mamre bleibt. 24, 208; das gegenwärtige öhlgemälde verliert zwar gegen dem vorigen.
propyl. III, 2, 122; die übersendeten bücher habe wohl eingepackt bey Richters gegen dem schauspielhause niedergelegt.
br. an Wolf s. 105.
hatte er es doch im vaterhause gehört, denn seine mutter schrieb und sprach so, z. b.: räsonniren will ich, Bürgers frau Schnips soll ein kind gegen mir seyn. Dorow
remin. 136.
es war eben noch wie im 17.
jahrh., z. b. (
s. mehr unten): es ist unverwand mein herze, das ich trage gegen dir. Fleming 518; sehr freund- und liebreich er sich gegen ihr erweist. Werder
Ariost IV, 45, 8;
die landschaftliche rede führt den dat. heute noch fort, wie auch das hd. noch bei gegenüber (
s. 4,
g, γ)
und entgegen. III@2@bb)
der artikel dem
ward denn auch mit gegen
oder gen
verschmolzen, wie noch in am, im, vom,
bei denen die sonst erstrebte rückbildung doch nicht gelungen ist: der eilft sich dés beklagen musz .. schosz
gegem zeiger auf die seit. Grob
ausreden der schützen (Haupt 3, 251); als die cristen gegem tag auf die maur kamen.
volksb. von kais. Friedr., Haupt 5, 255; die wölf .. liefen wider hindersich gegem wald zu. Wickram
rollw. 176, 19; gegem nuwen jar waren vil denz und mummerien.
F. Platter (1878) 234;
[] sie theten auch vergessen nimmer der ehren gegem frawenzimmer. Frischlin
hohenz. hochz. 114; wer sich eim gröszern widersetzt ..
gegm backofen das maul aufsperrt (
s.gaffen II, 1,
b). Waldis
Es. I, 37, 14.
Auch gem, aus gen'm
oder dem gegm
vorhin: daher der schwank fleuszt, dasz man spricht gemeiniglich, in eim pfarrthurn hangen drei glocken, die erst und kleinest .. spricht, gem wein, gem wein, gem wein
etc. Frank
spr. 2, 50
a,
d. h. kommt zum wein; da sie nu zogen gem morgen. Luther 4, 66
b, 1
Mos. 11, 2.
So noch schweiz. wegem,
z. b.: er hätte seine frau wegen etwas anderem als wegem geld genommen? Gotthelf 2, 363
u. ö. aber auch noch voll gegenem,
alem.: furt ins Wiesethal, furt gegenem Husemer bergwerch. Hebel 20. III@2@cc)
das schwanken zwischen dat. und acc. III@2@c@aα)
es ist auch im 18.
jh. noch lange bemerklich in den wbb., die sich ja zuerst entscheiden sollten, z. b. bei Ludwig (1716),
einem denkenden beobachter, stehn sp. 710
fg. nacheinander gegen alle wahrscheinlichkeit, gegen das feuer halten, sich gegen einen rächen, sein mund hats gegen mir geredet, liebreich gegen die armen, seine liebe gegen ihr, gegen sein ende, gegen den Rhein, wolt ihr euch gegen ihm in vergleichung stellen,
also der dat. nur noch beim pron. pers., wie oft auch noch bei Göthe
vorhin und in den beispielen unter a überhaupt, wie unter ε nachher (
vgl. dazu unter e).
ähnlich bei Aler (1727) gegen ihn, gegen einen,
aber gegen mir, gegen dir
und auch gegen ihm.
noch Frisch 1, 329
a,
der Oberdeutsche, setzte den '
ablativ'
als regel an, den acc. für die fälle wo eine bewegung zu bezeichnen wäre (
vgl. unter d aus Luther). III@2@c@bβ) Adelung
verfolgt das schwanken mit sorgfalt, setzt zwar den acc. als regel an, behandelt aber auch den dat. so zu sagen noch mit achtung (
mit belegen aus dem Teuerdank, Luther, Opitz),
nur dasz er ihn wesentlich dem oberdeutschen zuweist; am ende aber: »
nunmehr ist es wohl entschieden, dasz dieses vorwort im hd. alle mahl die vierte endung erfordert, wenigstens gebrauchen es die besten und reinsten hd. schriftsteller, wenn sie mit kenntnis und bewusztsein schreiben, nicht anders«,
also der acc. doch noch mehr gefordert als so durchgesetzt wie heute, wo uns auch die stellen aus Göthe
oben fremd oder gar niedrig anmuthen; ja Adelung
selbst liesz noch einen dat. bestehn (
unter I, 1),
in der verbindung mit zu,
z. b. gegen der stadt zu wohnen,
nicht gegen die stadt zu,
wenn auch mit dem zusatze »
obgleich diese ganze art zu reden in der edlen schreibart unbekannt ist« (
vgl. Göthe 43, 357
unter a);
sonst gibt er auch noch getrennt gegen dem rathhause über
u. ähnl. (
s. 4,
g, ε). III@2@c@gγ)
auch im 17.
jh. schwankt z. b. Stieler,
bei schriftstellern erscheinen beide casus nahe beisammen und in derselben bed., z. b.: ich wil mich in meinem kaiserthum gegen
die unterthanen also verhalten, wie ich wünsche dasz .. andre kaiser sich gegen
mir verhalten. Rist
Parn. 75; kegen dir zu streiten und kegen deine beiden (
hände).
engl. kom. I, Y 1,
s. unter I, 4,
b, γ; ein kleinod, gegen
dem des mogols steine und der demand von Florenz fast wie eine hirtenscheune gegen
eine burg zu achten. Chr. Gryphius 1, 374.
auch im Simpl. schon: gegen ihre arbeit. 4, 92
Kurz. III@2@dd)
für das aufkommen des acc. fehlt es leider an genügender beobachtung; in der hauptsache hängt es ab von der verdunkelung der ursprünglichen vorstellung darin (II, 4,
c),
wobei zugleich der begriff der bewegung oft auf gegen
übergieng, der ursprünglich nur einem zeitworte dabei angehörte (
s. z. b. unter α Luther);
daher hielt sich auch der dat. da am längsten, wo vielmehr ein verweilen, ein zustand vorgestellt wurde, wie in den meisten beispielen unter a, wo gewöhnlich ein gegenüberstehen gedacht ist. übrigens konnte der acc. eine förderung finden an dem beispiel seines sinnnachbars wider,
das von je her auch den acc. bei sich hatte. III@2@d@aα)
im 16.
jh. ist z. b. bei Luther
neben regelmäszigem dat. der acc. doch schon nicht eben selten (Dietz 2, 38
b): die satzten sich gegen das grab.
Matth. 27, 61; das sie (
die räder) können gegen die vier ort der welt ... gehen.
vorr. zu Hesek. (
Binds. 7, 351); da mit (
mit dem farrenblute) auch sprengen forne gegen den gnadenstuel.
3 Mos. 16, 15,
kurz vorher gegen dem gn.
v. 14,
also auch schon gleichgültiges schwanken, doch scheint der acc. die vorstellung der bewegung zu unterstützen; die abtrünnige Israel ist from gegen die verstockte Juda.
Jer. 3, 11,
in vergleich (5,
a); gold ist gegen sie wie geringer sand und silber ist wie kot gegen sie zu rechen.
weish. Sal. 7, 9; zum streit gegen
[] die Philister.
1 Sam. 17, 2; das ir bestehen künd gegen die listigen anlauf des teufels.
Eph. 6, 11;
aus den einzelschriften nur ein beispiel bei Dietz: ob du auch liebe gegen deinen nehisten beweisist.
von beider gest. 1522 D ij
a,
wo das -n
doch von dem folgenden n-
beeinfluszt sein kann; in den bibelstellen drückt sich wol das schwanken in der Wittenberger rede von damals aus. hessisch z. b., im 16. 15.
jahrh.: (
sprach) gegen den herrn aus Meiszenland, rückt ihm auf, das er thet beistand
u. s. w. Adrian
mittheil. 192; gegen gar ein wackers meidlein entbrannte ein junger gesell in liebe. Kirchhof
wendunm. 1,
nr. 351; liesz sie sich gegen iren mann vernemmen.
nr. 350; seine danksagung gegen sie. 123; gegen seine arme freundlein.
das.; er gund im dorf gar umbher gehn .. bisz er kam wider gegens haus. Waldis
Es. IV, 22, 29; trid gen mich her.
Alsf. pass. 5274, gein mich 948.
also lauter md. beispiele, ob auch oberd.? nach Schmellers
worten 2, 20 (
gewöhnlich mit dem dat.)
müszte auch in bair. mundart der acc. doch jetzt eingedrungen sein. III@2@d@bβ)
auch in mhd. zeit ist er schon in md. landen zu finden, d. h. in gleichem schwanken mit dativ: swilches gezûges (
zeugnis) ein man vor gerichte oder kein daʒ gerichte volkomen sal.
Leipz. Sachsensp. III, 88, 5,
wie nd. jegen dat gerichte (kein dem richter I, 2, 2); her sol ... ûphstân jegen in (
der mann gegen den herrn).
lehnr. 3,
nd. jegen ine (Hom. II, 1, 146
fg.); die herre is âne schult jegen den man .. daʒ her sech verjâret habe jegen ine. 24, 1 (
s. 185),
gleichfalls wie nd., wo es doch auch noch heiszt z. b. jegen dîneme hêren
richtst. lehnr. 30, 6 (
s. 535);
nordthür. kein den richtêre
Mühlh. rechtsb. 52 (
s. sp. 2198).
ebenso bei Berthold v. Holle (
vgl. sp. 2198): dusen jach her dôt jegen mich.
Crane 450; der junge furste sich erwôch einer joste jegen einen man, der kêren jegen en began. 4169
ff.; swes hant tjuste kegen on gert.
Demantin 9414; he begunde kêren alzuhant kein die borg zu Gandarî
s. 3301;
s. Bartschs
anm. zu Crane 70 (
s. 207),
mehr beispiele u. I, 4,
a. auch engegen, zegegen
ebenso, vergl. 1,
a, β,
wo auch ein nrh. beispiel aus dem 13.
jahrh.: ingegen in kêren her began.
Crane 2866; zuhant die werde Demantîn zokein die stat sich kêrn began.
Demant. 423,
wie jetzt gegen die stadt zu (
vgl. Adelung
unter c);
daneben doch z. b. kegen om 2295. 2891, kein om 428.
auch im 12.
jh. schon so zegegen: zegegen si dô quam ein bote starke gerant (
geritten).
Alex. 4036
W. Ob aber auch oberd.? folgende beispiele sind nicht sicher: gegen rechten teil.
Schaffhauser richtebr. 79, 4 (
s. u. 5,
b, β),
wo doch das -n
vom t-
beeinfluszt sein könnte, denn auch bei den schreibern wirkte der anlaut des folgenden wortes so auf ein -n
zurück (
vgl. z. b. umgekehrt disem brief
cod. dipl. Sax. II, 1, 365
als acc., vom borgis wegen 8, 47); er wolte sü fren .. gein Italiam in daʒ guote lant.
Straszb. chr. 378, 25 (
vgl.zuo Athenas Brant 92, 28);
vgl. auch in gegen got
aus Hartm.
glauben unter 1,
a, β. III@2@d@gγ)
aber wirklich auch schon in ahd. zeit, wenigstens bei Williram, gegen mih 2, 17, gegen sînen vater (
apud patrem) 8, 10,
s. Graff
ahd. praep. 199,
vgl. sprachsch. 4, 138.
und ags. bei ongeán
neben regelmäszigem dat., z. b. ongeán þâ þeódnes mägð Grein 2, 344. Adelung (
anm. 2)
schrieb den hd. acc. dem einflusse der Niedersachsen zu, »
welche die dritte und vierte endung in ihrer mundart nicht alle mahl unterscheiden«
und traf damit in der hauptsache das richtige; es ist wesentlich das dort alte streben, den dat. und acc. in éine bequemere form zu verschmelzen, das ja im nd., nl., engl., nord. sein ziel erreichte, auch in die md. rede früh hereinwirkte, wie es ja auch im hd. durchgedrungen ist bei euch, uns,
bei letztem sogar schon im goth., bei euch
schon ahd. thätig (Müll.
u. Scherer
denkm.2 396);
dasz es auch beim sing. früh ansetzte, zeigt z. b. im evang. Nic. ich gab dich mîn himelbrôt Mones
anz. 4, 328,
vgl. bei Berth. v. Holle ir sult gelouben mich (: ich)
Demant. 4166
und um 1500
selbst schweiz. das will mich kein rug (
ruhe) laszen Lenz
Schwab. 78
a.
aber auch im mnd. mag die vorstellung der bewegung den acc. befördert haben, z. b. im folgenden: de bischop ging stan up de bank jegen
dem market (
nach dem markte zu, zur huldigung).
[] dar quemen de borgermeister mit dem rade up dat market jegen
den bischop.
Magdeb. chron. 1, 415, 30
fg. III@2@ee)
aber auch der gen. fehlt nicht, bair. heiszt es beim persönlichen pron. gegen meiner
u. ä. Schmeller
gramm. s. 288,
tirol. gegn mein, gegn sein Schöpf 182;
ein rest der ursprünglichen substantivkraft (II, 3,
b)
braucht das freilich nicht zu sein, da im bair. auch andere praep. gerade da den gen. annehmen, wie schon im 14.
jh. z. b. vor dein
gesta Rom. 74,
s. Jänicke
zu Bit. 682 (
heldenb. 1, 259),
wo auch mhd. neben mîn, after mîn
u. a. nachgewiesen ist, vergl. auch zu sîn nemen
weisth. 4, 205 (
elsäss.)
und mhd. vor des, in des
wie noch unterdes;
aber das intgegin dîn (
reiten),
das im Rother 4625
nach dem reime das wahrscheinliche ist, rührt doch so nahe an das ahd. incagan des tales (II, 3,
b),
als ob wirklich das alte subst. darin nachwirkte; vgl. auch wider birges
u. ähnl. wb. 3, 622
a.
merkwürdig auch norddeutsch eine spur in gegendessen, bis dahin, das Heynatz
antib. 2, 15
beibringt aus einem nicht genannten historiker: da die nachfolgenden streitigkeiten ins folgende jahr fallen, so müssen wir unsre nachricht davon verschieben, gegendessen werden vielleicht einige von den folgen sich zu zeigen anfangen;
so ostfries. tägendess,
gegen diese zeit Stürenb. 275
a;
doch wol nur nach indessen, unterdessen. III@33)
seinem ursprung entsprechend bezeichnet gegen
eigentlich alles was zwischen zwei gegnern vorgeht, wie auch das schusz- und gesichtsbereich selber, früh auch übertragen auf allerlei ähnliches verhalten zwischen mensch und sache oder sache und sache, natürlich auch von thieren. III@3@aa)
an den ursprung erinnernd noch nhd. z. b.: das lendlein Cassant .. gegen der Schleus (
Sluis) uf einen schlangenschusz weit ligent.
Wilwolt v. Schaumburg 119,
d. h. es ist ein seearm zwischen beiden, also für das heutige gegenüber (
s. 4,
g),
eigentlich aber die entfernung nach der schuszweite gemessen, zumal Sluis vom feinde besetzt ist (
vgl. das noch lebende tirol. gegent
von schuszweite unter II, 4,
b a. e.).
vom sehbereich z. b.: wie heiszt der ort, den wir gegen uns im gesicht haben? Olearius
pers. baumg. 7, 26,
jetzt vor uns
oder uns gegenüber (
vgl. unter 4,
c, α);
mhd.: gêt in daʒ kastêl, daʒ gegen iu ist.
Germ. 10, 466,
das ihr vor euch seht. von der richtung, die der angriff nimmt, z. b. im minenkriege bei einer belagerung: wolten sie aber zu dir under die erden graben .. do soltu inen engegen brechen .. so soltu hören (
lauschen) wo gegen sie sint, und far in glich gegen (
entgegen in gleicher richtung).
mitt. hausb. 39, 15, wogegen sie sint,
in welcher richtung oder '
gegend'
sie gegen die burg graben. III@3@bb)
die gegner gehn oder stehn (
s. d) gegen
einander, urspr. engegen,
in schuszweite und zum waffengebrauch (
s. die ahd. verse unter 1,
a). III@3@b@aα) und da sie übers blachfeld ans gebirge kamen, zogen gegen inen eraus die schützen.
Judith 6, 7; er macht sein ordnung und trat in ainer engen gassen, da nit mehr den sechs man neben einander gehn mochten, gegen den veinden.
Wilw. v. Schaumb. 113; traten also frolich mit unerschrocken menlichem gemt gegen iren veinden. 114; gegen dem riesen sich wendende, der seiner neben dem wasser wartet.
Amadis 120; dann es (
das pferd) sich nicht gegen dem löwen nähern wolt. 15,
eigentlich ihm ins bereich kommen; soll denn aller feinde haufen gegen mir zu sturme laufen? Hoffmannswaldau
getr. schäfer 17. III@3@b@bβ)
natürlich auch gegen einem werfen, schieszen
u. ähnl., intorquere telum Henisch 1422, 50: dann es unnatürlich wäri (
erwidert Tell dem landvogt), dasz er gegen sinem lieben kind solte schieszen. Tschudi 1, 238,
es als feind behandeln; auch aus versehen: schosz gegem zieler auf die seit. Haupt 3, 251 (
s. u. 2,
b). III@3@b@gγ)
und auch zur abwehr: unde begunden sich weren ingegen dem criechischen here.
Alex. 4348
W.; die vrowe hielt sich enwer gegen dem manne.
pass. H. 378, 80; und der könig gegen mitternacht wird sich gegen im streuben mit wagen, reutern und viel schiffen.
Dan. 11, 40; wenn er .. seine spitzen zähne gegen meinen degen bleckt. Schiller II, 166, 22. III@3@cc)
die bewegung wird übrigens auch noch besonders bezeichnet, mit dar, zu
u. ä.: nam sein schwert und tratt gegen ihnen dar.
Amadis 23; tratt stracks gegen dem löwen zu. 15; sie reizten an der (
belagernden) feinde schar, gegen der statt zu laufen dar. Spreng
Aen. 332
a.
[] ähnlich noch jetzt man gieng gegen den feind vor, gegen die schanze an,
welche an, vor,
wie dar, zu
im gefühl freilich zum zeitwort gezogen werden, zu dem sie doch an sich nicht mehr gehören als gegen.
s. auch gegen
mit her
und hin
verstärkt 4,
a a. e., mit über
und wärts 4,
g. h, und umgekehrt 'zu gegen' 7,
b. III@3@dd)
aber auch abgesehen von der bewegung, wie jetzt gegenüber: dô stuont unde warte (
blickte wartend)gegen in diu heidenschaft, wenne si versuochtinaber ir mannes kraft (
wieder angreifen würden).
Ortnit 322, 1; sihe, es ist ein volk aus Egypten gezogen .. und ligt gegen mir.
4 Mos. 22, 5,
drohend gegen mich gelagert; (
die landsknechte sollen) sich gegen dem feind ... unerschrocken und herzhaft beweisen. Kirchhof
mil. disc. 160,
wie heute vor dem feinde,
in seinem bereich, wenn auch der angriff vorzugsweis gemeint ist. von wort und witz gegen den feind gerichtet: unnutz gespei (
spötterei), blerren und geschrei .. sollen die belägerten gegen dem feind mit nichten treiben. 35,
wo doch die hohnworte zugleich als geschosse gedacht sind, gegen den feind geschleudert. III@3@ee)
übertragen auf alle anderen formen der feindschaft, z. b.: welcher gestalt die Hungern durch den langwierigen krieg, (
den) sie ... gegen dem Türken geübt, in ganz unvermögen kommen.
reichsordn. 1539 126
a (
reichsabsch. 1524 § 30); sie haben sich gegen mir verbunden und vereiniget. Luther 1, 37
a; so stellet er sich gegen mir. 4, 59
a; wann er schon gegen dir sich in den kampf einläszt. A. Gryphius 2, 508; die sich auflehnend gegen dir unwürdig deiner huld erweisen. Weckh. 5 (
ps. 2, 9); die hand gegen einem setzen. Olearius
pers. ros. 8, 63; gegen der hand eines gewaltigen.
das. III@3@ff)
mit acc., wie schon vor der nhd. zeit in md. sprache, z. b. jegen einen man
reiten, s. unter 2,
d, β: und rüsten sich zum streit gegen die Philister.
1 Sam. 17, 2; England rüstet gegen Ruszland; gegen den feind anrücken, vorgehen, den angriff gegen einen punkt richten
u. ä.; gegen einen die hand erheben, einen schlag führen, sich gegen einen auflehnen
u. ä.; sich gegen einen wehren, schützen, decken
u. s. w.; die unterdrückten stämme erhoben sich gegen ihren bedränger, konnten aber nichts gegen ihn ausrichten,
das gegen ihn
meint in gedrängtem ausdruck sowol im kampfe gegen ihn als auch im verhältnis zu seiner macht (
s. 5,
a),
wie es heiszt ihre macht war wie nichts gegen die seinige,
worin gleichfalls beides verflieszt (
wie oft solches verflieszen mehrerer seiten des begriffes sich zeigt);
ebenso: die Hanseestädte behaupteten die Ostsee lange gegen die Holländer ( Adelung); ein kind nur bin ich gegen solche waffen. Schiller
Wallenst. tod 3, 9; wir waren in der minderzahl, fünf gegen zehn,
wieder zugleich ein abmessen (5,
b, ε). III@3@gg)
bemerkenswert in formelhafter wiederholung desselben wortes, ohne artikel (
wie arm in arm, schritt für schritt
u. ähnl.): sich dranc dâ rote gegen rote (
im kampfe).
Ludwigs kreuzf. 6689;
viritim dimico, mann gegen mann. Alberus
dict. e 8
b.
ähnlich: vulpinor cum vulpe, fuchs gegen fuchs. g 1
a,
einem fuchs musz man als fuchs begegnen. noch jetzt mann gegen mann kämpfen.
auch im wortstreit z. b. da stand meinung gegen meinung, behauptung gegen behauptung.
s. auch u. 4,
g, α kirche gegen kirche
u. ä., unter 5,
b, δ bauer gegen bauer
u. ä. III@3@hh)
endlich erstreckt auf alle art gegnerschaft, z. b.: und er that seinen mund auf zur lesterung gegen gott.
offenb. Joh. 13, 6; er spricht, schreibt, agitiert gegen die regierung; die abstimmung fiel gegen den vorschlag aus, gegen das ministerium
u. ähnl.; die redner für und gegen ein gesetz; ich erkläre mich, ich stimme,
auch kurz ich
bin gegen den vorschlag (
vgl.wogegen sie sint
unter 3,
a); er hatte alle,
auch alle stimmen
u. ä. gegen sich; indem einer gegen viele hartnäckig behauptet, Marienborn
u. s. w. Göthe 30, 289; heftige widerrede gegen alles was von oben herein befohlen war.
das.; ich weisz gar nicht was du gegen mich hast, was du dagegen hast; und das ist vielleicht das meiste (
wichtigste), was ich gegen die liebe habe. Göthe
b. Schöll br. u. aufs. 58 (
d. j. G. 1, 256); feindschaft, feindseliges verhalten, auftreten gegen einen (
vgl. 5,
c),
auch hasz, erbitterung, bitterkeit
u. a.; kampf gegen misbräuche, gegen den unverstand ankämpfen; er stemmt sich gegen jede änderung; dagegen läszt sich nichts thun, nichts sagen, vorbringen; man kann nicht gegen ihn aufkommen, gegen seinen anhang, einflusz
u. ähnl. [] III@3@ii)
versteckt ist das feindliche gegen
auch noch ganz sinnlich in den wendungen mit dem kopfe gegen die wand rennen (
absichtlich oder auch nicht), im finstern gegen einen baum stoszen
u. ähnl., d. h. wie einst im turnier, aus dem sich das erhalten hat, wie das rennen
andeutet, daher noch mit dem begriffe des heftigen anpralls, der bei an
fehlt, an einen baum stoszen.
daher auch bei druck, drücken
u. ähnl.: ich fühlte einen druck gegen die brust; der druck des flüssigen körpers gegen den boden. Adelung (
unter I, 2); dagegen drücken; sich gegen die thür stemmen
u. ä. ebenso steckt es in gegen den strom schwimmen, gegen den wind segeln
u. ä., die da als gegner behandelt sind; dann man gleich so wol (
eben so gut) gegen als mit dem flusz seglet. Kiechel
reisen 107; ich kann nicht steuern gegen sturm und wellen. Schiller
Tell 1, 1.
und noch anders: gegen wind und wetter bedeckt liegen ( Adelung),
wie im kriegsleben sich gegen den feind decken. III@3@kk)
ebenso dann unsinnlich: gegen das gesetz, gegen die sitte verstoszen (
diesz noch sinnlich genug gedacht), gegen eines befehl handeln; das ist gegen recht und vernunft,
auch noch sinnlich 'läuft ihm zuwider'
u. ähnl.; gegen sein versprechen ist er ausgeblieben; das ist gegen alle erwartung geschehen; es ist gegen alle wahrscheinlichkeit. Ludwig 710.
auch arzenei, mittel gegen etwas
u. ä.: gegen diesz übel weisz ich kein mittel, keine hülfe, keinen rat,
womit man ihm begegnen,
entgegentreten, es bekämpfen könnte; maszregeln gegen die gefahren der gesellschaft, schutz gegen den wucher.
auch widerwille, ekel gegen
etwas (
aber auch neigung,
s. 6,
d). III@44)
aus dem feindlichen gegen
entwickelte sich zunächst auch eine bezeichnung des ähnlichen blosz räumlichen verhältnisses (
auch auf die zeit übertragen, s. e),
wieder sowol mit bewegung als in ruhe (
f). III@4@aa)
von haus aus musz doch bewegung dabei gedacht sein, sogar wie es scheint von beiden seiten zugleich, denn wir brauchen entgegen gehn
u. s. w. noch jetzt nur dann, wenn auch der andere, dem man entgegen geht, fährt, eilt
u. s. w., gleichfalls als sich nähernd gedacht ist, was wieder begreiflich ist aus dem angenommenen ursprunge im kampfe (
ebenso begegnen,
s. auch gegenseitig); gegen
aber, das sich ja durch den verlust des ent- (en-)
vom ursprunge weiter entfernt hat, gilt auch von einseitiger bewegung (
s. b).
Doch kann auch da eine gegenbewegung mit gedacht sein, z. b. beim empfang eines kommenden: zürne nicht, denn ich kan nicht aufstehen gegen dir (
wegen krankheit). 1
Mos. 31, 35; gieng geschwind gegen deren, so er mehr weder sich selbs liebet.
Amadis 23; lief gegen den junkher. 79.
von einem, der sich thöricht in gefahr begibt: der wil .. freilich gegen dem tode jagen.
Renner Frankf. 1549
s. 22,
mhd. vrîlich gên dem tôde nâhen 3816,
dem tode freiwillig in den rachen laufen. Deutlich mit entgegenkommender bewegung, wie jetzt bei entgegen: als der keiser und die keiserin die zukunft ihres sohns erhöreten, liefen sie gegen ihm.
buch d. liebe 314
a; mit groszer freud, triumph und solcher glory, die man gegen den (
zurückkehrenden) siegern zugebrauchen pfleget.
Amadis 103; als er kam in holn weg, nembt war, da lief ein hirsch gegen im her.
Teuerd. 16, 33; da kam der landvogt gegen mich daher. Schiller
Tell 3, 1,
wo her
und daher
die nahende bewegung ausmalen (
vgl. 3,
c),
es könnte auch gegen mich her
heiszen, wie auch hin
ähnlich dient, um die sich entfernende bewegung zu malen, z. b. als wir gegen den flusz hin kamen, der garten liegt näher gegen den flusz hin
oder zu (
s. unter d). III@4@bb)
von einseitiger bewegung, deren richtung oder ziel mit gegen
bezeichnet wird. III@4@b@aα)
mit dativ: dô kêrte er gegen der wildedurch daʒ gebirge dan gên der steinwende.
Wolfd. A 596, 1; am bach Crith, der gegen dem Jordan fleuszt.
1 kön. 17, 3,
wo freilich auch der Jordan entgegenkommend gedacht sein kann; sie kert sich (
die kranke im bett) gegen der wende und nam ein säligs ende. Uhland
volksl. 281 (
vgl. V, 417); der könig sich gegen seinem bett nähert.
Amadis 108; wirft es hinder sich uber den kopf gegen dem grab. Frank
weltb. 154
a,
nach dem grabe zu, in der richtung zum grabe, allenfalls noch jetzt gegen das grab hin
oder zu,
während das blosze gegen das grab
der bedeutung eine andere wendung gäbe: an das grab [] anschlagend, anprallend (
s. 3,
i); wie der adler über alle vögel hoch auf gegen der sonnen fliegen kan. Ayrer
proc. 2, 10,
vgl. unter f. s. auch gegen (gen) berg
u. ä. unter c, γ.
wie entwickelt der gebrauch ursprünglich war, zeigt z. b.: gen dem schwert sie all beid griffen.
Sigenot 102, 1
Sch., jetzt nur mit nach
oder zu. III@4@b@bβ)
mit acc. (
vgl. schon unter 2,
d, α); Adelung I, 2
gibt als beispiele sich gegen das gebirge wenden, sich gegen seinen gönner neigen (
vergl. 5,
c, γ), die füsze gegen einen kehren, die hand gegen jemanden ausstrecken; Matthäus wendet ... das gesicht links zu seinen beiden genossen, die hände hingegen streckt er mit schnelligkeit gegen den meister. Göthe 39, 98 (
Leon. da V. abendm.),
was uns doch alterthümelnd klingt, während das bei hinzugefügtem hin
oder zu
weniger der fall sein würde (
wie in Adelungs
beispiel das aus
von ausstrecken
nicht wol fehlen kann);
so gegen die sonne zu fliegen
u. ähnl., doch immer lieber nach der sonne, nach dem meister zu,
denn gegen
hat sich sonst zu entschieden zu seiner ursprünglichen gegnerischen bedeutung zurückgewendet. älter z. b.: und da der könig sahe Esther stehen, fand sie gnade fur seinen augen und der könig recket den gülden scepter in seiner hand gegen Esther.
Esth. 5, 2. III@4@b@gγ)
aber bei gewissen mehr formelhaften wendungen ist es noch in frischer geltung, zur bloszen bezeichnung der richtung (
der gegend),
wie gegen westen schiffen, gegen morgen
oder sonnenaufgang wandern, sich gegen abend wenden,
ohne artikel, vgl. aus Dan. 11, 40
unter f, β.
früher auch mit artikel: da sie nu zogen gem morgen.
1 Mos. 11, 2; und lagerten sich ... gegen der sonnen aufgang.
4 Mos. 21, 11 (
vgl. unter f, β).
veraltet aber klingt auch, aus dem 18.
jahrh.: gegen die rechte hand,
nach rechts hin, haltet euch nur immer gegen die linke hand, so könt ihr nicht irren. Ludwig 710.
aber gesellt mit richten, kehren, wenden
oder richtung, wendung
ist es auch jetzt noch ganz frisch (
vgl. 6,
d bildlich),
z. b.: 'das will ich' sagte der Sicilianer, indem er sich gegen uns kehrte. Schiller IV, 208, 22,
freilich mit einem anflug von gegnerschaft oder abwehr (
vgl. unter V, 422
u. c); der weg nahm eine wendung gegen den wald, hat die richtung gegen den flusz (zu
oder hin);
öfter doch bei ruhe (
s. f) gegen die strasze gekehrt, gerichtet
u. ä., und auch da ist nach
doch beliebter. oft auch so dasz gerichtet
u. ä. in den gedanken bleiben, z. b. gegen Drusenheim
u. c, α; nach einem anderthalbstündigen gefecht trieb man die Franzosen gegen die stadt (
Mainz) zurück. Göthe 30, 287,
in der richtung nach der stadt, in die gegend der stadt; vergl. gägend Zürich
unter I, 5,
c. verstärkung durch wärts
s. unter h. III@4@cc)
besonders auch vor ortsnamen u. ähnl. III@4@c@aα)
so früher: do was her Reusz von Blawen ... hinausz gegen Lauf geriten.
Nürnb. chron. 2, 195, 19,
in der richtung dorthin; gewöhnlich gên
u. ä. (
s. I, 2).
noch neuerdings: nun ritt ich auf dem fuszpfade gegen Drusenheim. Göthe 26, 83,
der nach Drusenheim zu führt, in der richtung gegen Dr. (
vgl. b, γ);
auch kann man noch sagen z. b. als wir gegen Wien kamen,
etwas anders als jenes gegen Drusenheim,
d. h. in die '
gegend'
von Wien, wo man es sieht (
vgl. unter 3,
a),
wo es den gesichtskreis oder auch den gedankenkreis beherscht; das wirkliche hinkommen wird nun mit nach
bezeichnet. aber früher auch gegen
oder gên
so: swer mit anderme koufe (
waare) .. veret gegen Selse zuo markete.
weisth. 1, 762 § 27 (
vorher gleichbed. zuo Selse § 26), 14.
jh., die fahrt ist eben in ihrer dauer gedacht; specereien, so man jährlich gegen Venedig bringet. Hohberg 3, 1, 553
b; ihm einen tag zu stimmen gegen Libenwerdt. Luther 1, 339,
einen tag zu bestimmen zur verhandlung in Liebenwerda; kamen also disen abent gehn Dorpt. Kiechel
reisen 121
u. o. diese kürzere form war damals und früher schon vorherschend in diesem falle, s. I, 3,
b ff. wie es vom hineinkommen noch verschieden ist, zeigt z. b.: kamen wir gen Villach .. als wir nun under das thor kamen, wolten uns diejenigen, so dorunder wachten, nicht innlaszen. Kiechel 147.
und dasz der weg, die richtung mit gedacht war: es hat sonsten wol einen nehern weg gen Venedig. 151;
daselbst übrigens auch schon von einem arm, uf welchem man pflegt
nach Venedig zue fahren,
auch nach
bezeichnet ja eigentlich nur die annäherung, nicht das erreichen, und zu
ebenso (
vgl. das Selser weisth. vorhin).
auch mit bis
verstärkt, um letzteres sicherer zu bezeichnen: zu gutschen bis gehn Wien zue fahren. 138; wie dann solche (
eingemachte aale) bis gehn Nürnberg gebracht werden. 124. III@4@c@bβ)
so mit besonderer kraft im amtlichen stil z. b. von dem orte, wohin leistungen gefällig sind, wohin ein rechtszug geht u. ä.: [] auch melden wir, das kain burger von Zell zu Mittersil kain zoll nicht schuldig ist ze geben .. darumben gibt man (
entrichten die von Zell) jerlich gein Mittersil zu der prugken 36
d. östr. weisth. 1, 277
u. o.; und soll denn der keller .. den zins gehn dem gottshaus gen Ow ain meil wegs antworten, namlich gehn Steckborn. J. Grimms
weisth. 1, 268,
d. h. der zins ist an das kloster zu Au zu entrichten und musz vom kellner nach Steckborn eingeliefert werden, aber alle drei bestimmungen sind mit gên
gegeben, d. h. gehn Steckborn,
weil es auf dem wege, in der richtung '
gegen'
Au liegt, gehn dem gottshaus
mit schon mehr innerlicher beziehung, den rechtskreis, gleichsam die rechtsgegend des klosters bezeichnend, gen Ow
dasselbe noch entschiedener, der mittelpunkt des rechtskreises von auszen her gedacht. so heiszt es in demselben weisthume: das ain keller des kellhofs .. ain hofjünger soll sein gehn Ow.
s. 266,
d. h. der zug seiner rechte und pflichten geht dorthin, hat dort seinen mittelpunkt, er '
gehört'
als hofjünger (
s. d.)
nach Reichenau; vergl.: Kaiserstuel .. hat auch ain schlosz .. welches gehen Costanz gehörig. Ernstinger
raisbuch 126.
s. auch das folg. gegen hof. III@4@c@gγ)
ähnlich dann gegen hof,
nach hofe, an den hof: die täglichen geschäft und hendel, so gegen hof gelanget. Lauterbeck,
Melanchthons orat. von herz. Johansen verdeutscht (
Frankf. 1563) 51,
ohne den artikel, wie mhd. gên hove,
z. b. vom hofbäcker: die brôtbechen, die gên hof bachent.
Meraner stadtr. 2, Haupt 6, 415.
so noch bair. gên schuel
in die schule, gên alben
auf die alpe, gên berg, gên tal
u. s. w., doch mit dem artikel ga'n herrn,
zum herren, ga'n becken,
zum bäcker, selbst mit inf. ge'n
oder ga'n essen, trinken,
s. Schm. 2, 51.
vergl. im 16.
jh. ein geschenk gen haus,
ins haus u. ä. A. Tucher
sp. 2196.
im 14.
jh. auch noch mit vollem gegen: wir sond gân gegen berg.
hoh. lied bei Merzdorf
historienbibeln 425,
dem berge zu, berg auf. III@4@dd)
gültig und gesichert ist es doch auch noch von allerhand gedachter oder wirklicher bewegung besonders in wendungen wie gegen das ende, die mitte
u. ähnl., gern mit hin
ausgemalt (
s. a a. e.),
z. b. gegen das ende des weges, der linie,
sich ihm nähernd, gegen die mitte des platzes hin,
und zwar sowol bei wirklichem kommen oder gehen als auch bei ruhe und stehen (
vgl. dazu f, γ),
z. b. der brunnen steht gegen die mitte der strasze hin, die stelle findet sich gegen das ende des buches (hin),
auch gegen oben, gegen unten
z. b. auf einer buchseite, d. h. der gedanke, die vorstellung geht die linie entlang, den punkt suchend; das haus liegt näher gegen den wald
zu (
wie vom walde
weg), es liegt gegen den Rhein hin Ludwig 711,
d. h. da ist es zu suchen mit der vorstellung, die in bewegung ist. in diesem falle hielt übrigens noch Adelung (I, 1)
den dat. fest, »
auch wenn das zeitwort eine bewegung bezeichnet«, gegen der stadt zu,
wie bei Göthe
noch im j. 1814 gegen dem gallenbläschen zu 43, 357 (
s. 2,
c, β und a),
aber: das getraide, das gegen die stadt (
Mainz) zu steht Göthe 30, 287,
aus Herders nachl. 1, 139,
zugleich dahin sich erstreckend gedacht. im 16.
jh.: richte dein angesichte gegen dem sudwind zu.
Ezech. 20, 46. III@4@ee)
daher denn auch von der zeit, die eben auch als bewegte linie in uns ist. III@4@e@aα)
den übergang aus dem vorigen zeigt z. b. gegen das ende der reise; er gieng zwar erst gegen die fünfzig. Pestalozzi 1, 116,
das leben als wanderung gedacht, zugleich mit anklang an gegen
beim zählen (5,
b a. e.). III@4@e@bβ)
dann blosz zeitlich gegen das ende der woche. Ludwig 711; gegen ein uhr. Göthe 30, 286,
aus Herders nachl. 1, 139; gegen mittag,
auch deutlicher als es gegen mittag gieng; es gieng gegen den sommer; gegen die messe komme ich wieder. Adelung
unter II, 4.
Auch da ursprünglich mit dat.: wacht auf, es nahet gen dem tag. H. Sachs
wittemb. nachtig.; und David schlug sie, von dem morgen an bis an den abend, gegen dem andern tag, das ir keiner entran.
1 Sam. 30, 17,
bis an den zweiten tag hinan; gegen dem lenzen stoszen sie jährlichs newe dolden. Bock
kräuterb. 2.
mhd. z. b. wachen gegen dem morgen fruo Walth. 105, 3,
von schlaflosen nächten. ohne artikel schon im 16.
jahrh.: gegen nacht wendt sich der wind. Kiechel 14; fueren hernach bis gegen abent. 109. III@4@e@gγ)
aber auch mit einmischung innerer beziehungen, z. b.: wehe allen denen, die ... ire sünde nicht fülen und sicher einher gehen gegen dem forchtsamen gericht gottes. Luther 1, 19
b,
zugleich zeitlich und räumlich und sittlich vorgestellt; freudigkeit haben gegen den tag des gerichts. Scriver
seel. 2, 262,
ihm freudig entgegen sehen
oder gehen (
er ist zugleich selber auf uns zukommend gedacht, s. a).
ähnlich noch im 18.
jh.: machet
[] alles fertig gegen unsere heimkunft (
against we come back) Ludwig 711,
wenn die zeit naht und zugleich für die heimkunft, wie altn. gera î gegn einum,
sich auf eines besuch rüsten Fritzner 196
a.
im 17.
jh.: ich komme aber jetzu zu e. gn. gold zufordern, wofür man gegen den morgenden packeten einkäufet.
engl. kom. I, N 6
b,
d. h. auf das einpacken los, für das einpacken. III@4@e@dδ)
mhd. gern von der erwartung, stimmung, mit dem man einer zeit '
entgegengeht': vröut iuch gegen dem meien schœne, vröut iuch gegen des meien zît.
MSH. 1, 354
b; dâ gegen vröut sich manec herze. 1, 44
b; nu hœhe im sîn gemüete gegen dirre sumerzît.
minn. frühl. 14, 10,
mache dasz er sich darauf freuen kann, ihr mit hohen gedanken entgegensehen, bitte an die geliebte; und spilet im sîn herze gein der wünneclîchen zît. Walther 120, 13; waʒ ich doch gegen der schœnen zît (
dem sommer) gedinges unde wânes hân verlorn. 95, 17,
verlorene, vergebliche freude darauf gehegt habe. so noch nhd. z. b. betrübt gegen
etwas: do antwurtet ir der herre und sprach, Martha, du bist sorgsam und würst betrbt gegen vil dingen. Keisersberg
post. 4, 16. III@4@ff)
aber auch in ruhe, doch eigentlich nur scheinbar. III@4@f@aα) stehen, sitzen gegen
einen oder einen ort, ihm zugekehrt (
vom feinde, vgl. 3,
d): frô Sælde teilet umbe sich (
gaben aus) und kêret mir den rügge zuo .. si stêt ungerne gegen mir. Walther 55, 39,
zugleich nach 6; als er seine augen aufhub und sahe, da stunden drei menner gegen im.
1 Mos. 18, 2; und am dritten tage zog sich Esther königlich an und trat in den hof ... gegen dem hause des königes, und der könig sasz auf seinem königlichen stuel .. gegen der thür des hauses.
Esther 5, 1; darnach treten die hackenschützen gegen der sonnen auf éiner seiten umbher (
bilden einen halbkreis). Reutter
kriegsordn. 67; und hat gemelte vestung gegen dem stättlin drei starker mauren. Kiechel 123.
auch im 16.
jahrh. schon mit acc. (
s. 2,
d): haben einen altar gebauet gegen das land Canaan.
Jos. 22, 11; Maria Magdalena und die ander Maria, die satzten sich gegen das grab.
Matth. 27, 61,
ἀπέναντι τοῦ τάφου (
vgl. g, β),
es wird bewegung dabei gedacht sein. III@4@f@bβ)
denn dasz auch dabei bewegung gefühlt war, tritt auch deutlich zu tage z. b. in folgendem: (
zogen sie) zu dem hohen berge Pisga, der gegen die wüsten sihet.
4 Mos. 21, 20,
die richtung zugleich als ein sehen, blicken (
wie gegner gegen einander blicken, s. im Ortnit unter 3,
d).
so ist denn das gegen
gedacht, das oft zur bezeichnung der himmelsgegend dient (
vgl. schon u. b, γ): und am ende wird sich der könig gegen mittage mit im stoszen, und der könig gegen mitternacht wird sich gegen im streuben.
Dan. 11, 40,
der von uns aus gegen mittag herscht; sprich zum walde gegen mittage ... alles was vom mittage gegen mitternacht stehet.
Ezech. 20, 47; Koppenhagen ist die hauptstatt im königreich Dennemark .. gegen dem land wenig vest. Kiechel 55.
besonders auch zur bezeichnung der grenznachbarn, indem man sich über die grenze hinausblickend dachte: Dorpt ist ein frontirstatt gegen des Moscowiters land. Kiechel 111; Finland, welches sich mit Schwedenreich grenzt gegen mitternacht. 69; Bayonne, die .. leste französische statt gegen Hispanien. Ernstinger 186.
von ruhiger richtung überhaupt: es ist e. g. unverborgen, dasz es in des königs gemach ein thüren gegen dem garten hinaus hat.
Amadis 20,
wo doch schon hinaus
die bewegung hinzuthut, es ist der gehende gedacht und von der thüre selber heiszt es ja sie
geht nach dem garten hinaus. III@4@f@gγ)
jetzt nur noch in gewissen fällen, z. b.: mit offnen armen stand ich (
Werther) gegen den abgrund und athmete hinab! Göthe 16, 152,
wo wir unwillkürlich in gedanken gekehrt
o. ä. ergänzen (
s. unter b, γ),
doch ist zugleich eine innere beziehung gemeint, ein inneres gegenüber (
s. 6);
ebenso: da seh ich wundernd das erschrockne thier (
die verfolgte hindin) zu einer nonne füszen zitternd liegen ... sie aber blickt mit groszen augen flehend mich
an. so stehn wir schweigend gegen einander — Schiller XIV, 43 (
braut v. Mess. 702);
und mit nur scheinbarer ruhe, lächeln gegen einen: eine leuchtende jünglingsgestalt, die unter Benonis bäumen wandelt und gegen uns lächelt. Klopstock
Mess. 15, 1123,
[] mehr dichterisch alterthümelnd, denn das gewöhnliche wäre uns entgegen lächelt,
das doch nicht ganz dasselbe ist, da es ein erwartetes gegenlächeln des andern voraussetzen würde (
s. a).
s. auch gegen den wald zu
u. ähnl. unter d. III@4@f@dδ)
von dingen, die gegen einander stehn o. ä. und auf einander wirken; mhd. z. b., wie die dienerin der Gudrun früh vor tage nach der ankunft des rettenden heeres ausspäht, das am strande schon lagert: dô kôs diu maget edeleein teil des morgens schîn, und gên des waʒʒers brehene,als eʒ solte sîn, sach si liuhten helmeund vil der liehten schilde.
Gudrun 1356,
gegen das schon blinkende meer (
s.brehen),
von dem sie einen streifen sieht, wie noch jetzt die umrisse des schlosses waren gegen den abendhimmel scharf zu erkennen, traten gegen das abendrot klar hervor, hoben sich gegen den himmel ab
u. ähnl. so gegen die sonne glänzen,
in ihrem widerschein: das blonde haar glänzte gegen die sonne wie gesponnenes gold. Freytag
handschr. 1, 114,
im 18.
jh. noch gegen der sonne Kleist 2, 42 (
s. unter 2,
a),
wie mhd. von sporen: gelîche der sunnen der spore ingegen der sunnen schein (
glänzte). Herbort
troj. kr. 1303,
spiegelte den sonnenglanz wieder (ingegen
s. 1,
a, β),
s. auch denselben unter h. III@4@f@eε)
und wieder etwas anders gegen dem feuer,
am feuer, ihm nahe gegenüber: so könt man das mit salz einmachen, gegen dem fewr dürren und bachen.
froschmeus. Dd ij
b (II, 2, 14),
zugleich: in der gegend
des feuers, seinem bereiche. ein hemd gegen
oder an das feuer halten, es zu trucknen Ludwig 710, ein blatt gegen das licht halten (
dasz es durchsichtig werde),
so dasz mans zwischen sich und dem lichte hat, was doch zugleich zu δ zurückkehrt. III@4@gg)
überhaupt ist oft, wie im vorigen wiederholt, ein gegeneinander oder gegenüber gemeint, ein beiderseitiges entgegen (
s. a),
wie ja auch die gegen einander stehn. III@4@g@aα)
wie in der formel mann gegen mann (3,
g),
so auch von bloszer nachbarschaft über die strasze (
vgl.gegennachbar): auch haben sich die geistlichen herren wohlbedacht (
in Regensburg). alles feld um die stadt gehört ihnen, in der stadt steht kirche gegen kirche und stift gegen stift. Göthe 27, 7 (
it. reise).
die formel dient auch trefflich zur bezeichnung des gegenseitigen verhältnisses: in weingärten gegen weingärten soll man keine trüeter (
spaliere) machen können, auch kein gebäu von mur oder holz, wo andurch schaden oder schatten (
für den wein) erfolgen könte.
weisth. 6, 374,
schweiz. 16.
jh.; in pünten gegen pünten (
s. beunde) sollen die wilde bäum auf denen marchen ... nicht gedultet werden. 375,
d. h. wo weingarten gegen weingarten, beunde gegen beunde steht, also in ihrem grenzrain, vgl. vorher das. einseitig die wilde bäum .. die gegen einem wingert oder krautgarten aufgewachsen. III@4@g@bβ)
auch ein einseitiges gegen
ergänzt sich leicht so von selbst, z. b.: gehe hin zu Pharao morgen, sihe er wird ans wasser gehen, so trit gegen im an das ufer des wassers
u. s. w. 2
Mos. 7, 15; wie es zugehe, das er (
der regenbogen) allemal gegen der sonnen stehet. Luther
bei Dietz 2, 38
b;
vergl. aus dem kriegsleben Cassant gegen der Schleus ligent
unter 3,
a. alterthümelnd wieder bei Voss: gegen sie sasz die mutter im saal.
Odyss. 17, 96,
urspr.: gegenüber sasz auf dem ruhesessel die mutter.
in biblischer haltung auch: eine zweifache höhle gegen den hain Mamre mag er sich schon früher ausgesucht haben (
Abraham zu seiner grabstätte). Göthe 24, 216,
nach 1 Mos. 25, 9 (
s. dazu unter γ mit über), gegen dem hain Mamre 24, 208;
vergl. unter f, α gegen dem hause, gegen der thür, gegen das grab,
die uns alle nun unwillkürlich in gegenüber
umschlagen, während z. b. im letzten falle Luther
auch das ἀπέναντι,
das er vor sich hatte, mit bloszem gegen
gab. es genügte eben aus alter zeit her, z. b. ahd.: der mâno foller gâendo gagen dero sunnû
n. Notker
Boeth., und noch landschaftlich, z. b. nd. im Göttingischen tegen der linne,
der linde gegenüber Schamb. 227
b.
brauchte doch noch Göthe
bis ans ende gern diesz blosze gegen,
gerade mit dat., auch im hohen stil, s. u. 2,
a aus der Pandora steht es gegen mir, steht mir gegen dem blick,
aus Faust sasz er gegen mir
u. a., wol auch aus der alltagssprache. III@4@g@gγ)
das über, das zur verdeutlichung hinzutrat, malt eigentlich den trennenden zwischenraum weiter aus, zwei stehn (
oder [] schieszen, blicken, reden u. ä.)
gegen einander über den flusz, den weg hin, zwei häuser über die strasze hin u. s. w.; ursprünglich war auch über
selber schon so gebraucht: dise zwên apostel ligen zu Rôme in sancte Peters munster, alse man în gêt, uffe die linken hant .. in eime phîlêre. dar
über oder dar
gegen uffe die gerechten hant dâ lît sente Symon
u. s. w. myst. 1, 123, 6,
wo das nachgebrachte gegen
dem über
gleichsam die deutlichkeit sichern soll, das übrigens noch landschaftlich genügt, z. b. nd. in der Altmark lîk öwr,
gerade gegenüber Danneil 127
a. III@4@g@dδ)
ähnlich dann unmittelbar verbunden über gegen, z. b. in der angabe einer tischordnung: der frouwen sitzen man beschiet
über gein Gâwân an den ort (
die ecke der tafel).
Parz. 762, 15; der herzoge von Gôwerzin unt Cundrîê daʒ wîp sîn über gein ein ander sâʒen. 762, 25.
ebenso altn. yfir gegnt
mit dat., als verdeutlichung von gegnt,
das auch allein schon gegenüber bedeutete, wie unser gegen (Fritzner 196
b, Möbius 134). III@4@g@eε)
aber herschend ward das umgekehrte: dise aposteln ligen zu Rôme in sente Pêters munstere, alsô man în gêt zû der mittelsten ture, unde
s. Jacobus und
s. Philippus ligen
gegen in
über. myst. 1, 228; daʒ er (
Saturn) alle zeit stêt gegen der sunnen underganch über. Megenb. 56, 12;
das ursprüngliche musz doch sein z. b. er stuont gegen mir über den wec, über daʒ waʒʒer
u. ähnl. die trennung galt dann auch bis ins 18.
jh., mundartlich noch heute, z. b.: Saxenhausen ligt gegen Frankfurt über (
den flusz). Alberus Hh 4
b,
vgl. im Götz v. B. gegen Frankfurt liegt ein ding über, heiszt Sachsenhausen. Göthe 8, 39; Ephrons acker, darin die zwifache höle ist gegen Mamre über. Luther
1 Mos. 23, 17 (25, 9
blosz die da ligt gegen Mamre); in der wüsten gegen Moab über.
4 Mos. 21, 11; gegen jemand über sitzen. Henisch 1422, 54; sobald mein auge den blick (
des feindes) gegen mir über sieht, so fehlt mein arm das herz gegen mir über nicht. Klopstock
Herm. schlacht (1769) 8; gegen mir über sasz ein junger mann. Lichtenberg 1, 36; wie ich aus deinem thore trat, stand er gegen mir über (
der wagen am himmel). Göthe 16, 188,
Werther 1787
s. 304,
ursprünglich nur gegen über 1775
s. 219; gegen ihnen über auf einem katheder .. die advocaten beider parteien. 27, 116; gegen ihm über entsprang Patroklus dem wagen. Wobeser
Il. 16, 733 (731).
noch bei Adelung (I, 1) »gegen über (
nicht gegenüber)«,
z. b. er wohnt dem rathhause gegen über
oder gegen dem rathhause über.
und so noch landschaftlich, z. b. nd. Ellierode lît tên Hardegen ower Schambach 228
a (
vgl. bloszes öwr
unter γ).
so mit ober
eigen auch oberd. im 16.
jh.: dann sie (
die beiden schlösser) zu gleich gegen einander ober ligen (
über den sund). Kiechel 57; stracks gegen gemelter kirchen ober hatte ich mein herberg. 96,
daneben gegen über 158.
s. auch unter gegenüber. III@4@hh)
ähnlich ward gegen
zur bezeichnung der richtung verstärkt oder verdeutlich durch wärts (
wie noch durch zu
oder hin,
s. 3,
c),
mhd. wart, wert (
wb. 3, 597): (vart) engegen den herbergen wart.
gr. Rud. A
b, 4; er (
der thurmwächter) gesach ûf der warte blicken (
blinken) gegen dem mere wert halsberc, schilt, helm, swert. Herbort 4189,
zugleich wie unter f, δ,
gegen das meer sich abhebend; wâren vrô der hervart hin gein Samelande wart.
livl. chron. 3940.
später genitivisch (
vgl. mhd. wb. 3, 598
b): Mauritania ein gegne zuo end Aphrice gegen Hispaniam wertz. Frank
weltb. 8
b; gen dem meer werts.
Bocc. 1, 297
a; gen wald-werts. 1, 99
a;
davon jetzt nur noch waldwärts, ostwärts
u. ä. mhd. auch engegenwert komen
u. ä. wb. 3, 597
b,
zusammengerückt wie gegenüber.
s. dazu unter gegenwart. III@55)
das räumliche gegen
wird aber von selber vielfach zu einer bezeichnung des verhältnisses zwischen zweien oder dessen was zwischen zweien überhaupt vorgeht. III@5@aa)
aus dem kampfleben unmittelbar begreiflich ist ein vergleichendes gegen. III@5@a@aα)
wie zwei gegner sich
mit einander messen,
wie wir noch sagen (
vgl. sp. 1497),
ihre kraft gegen einander messen, wer der stärkere sei, auch vor dem kampfe schon mit blicken und gedanken, so dient dann gegen
auch, wenn sonst zwei menschen oder dinge nach grösze, wert, kunst u. s. w. sich gegen einander messen oder gemessen werden, z. b.: [] dâ die vogele sâʒen, ir sanc gein sange mâʒen. Gotfr. v. Neifen 25, 20,
um die wette sangen, vergl. unter kämpfen 3,
altfranz. li uns encontre l'autre chante Haupt 10, 425,
mit sange vehten
Kolm. meist. 467; gegen wem messet ir mich, dem ich gleich sein solle? Luther
Jes. 46, 5 (
der andere als maszstab gedacht),
vorher wem vergleicht ir mich denn?
an kampf oder wettstreit erinnernd auch noch später, z. b.: was bin ich gegen dir, du starker Zebaoth? du bleibest ewig herr und ohne wandel gott
u. s. w. Fleming 23 (
Lapp. 10),
wie kann ich '
gegen dich auftreten'; und der baum ward so stolz darauf, dasz er alle andere bäume gegen sich verachtete. Lessing 1, 152.
auch so: die opfer im gesetze hub man empor gegen gott. Luther 3, 26
a,
machte sie wichtiger, gott gleichsam herabdrückend, wie auf der wage, wo ja auch zwei werte gegen einander
abgewogen werden, sich messen. III@5@a@bβ)
daher dann zur vergleichung überhaupt (
ebenso altfranz. en cuntre): mese, der zuivalti lengi habe gagen nete ... lichanos, der trivalta lengi habe gagen nete. Haupt 8, 108,
von musiknoten, die in ihrer länge verglichen werden; ein îtel wagen gibt halben zol gein eime geladenen.
Sachsensp. II, 27, 3,
im verhältnis zu ..., nach ihm gemessen; der swarz weirauch hât kainen adel gegen dem weiʒen. Megenb. 377, 19,
sie sind gegen einander gestellt gedacht (
vergl.δ); (
das einhorn) ist ain klain tier gegen seiner grôʒen kraft. 161, 20,
seine kleinheit und kraft gegen einander gehalten; so sichst du, wie unvolkumen du bist gegen inen. Keisersb.
baum der sel. 10
b; sie sollen klein sein gegen andern königreichen.
Ez. 29, 15; einer mag besser und geschickter sein dan der ander, gleich wie sanct Paul war kegen Petro. Luther
bei Dietz 2, 38
b; der goldschmide fewer ist wasser gegen diesem fewer.
schr. 5, 166
a; alle bücher sind nichts gegen der bibel.
tischr. 1
b; dasz die schönen knaben gegen dem heszlichen Esopo desto feiner ansehens hetten. Alberus
Es. 3,
beide sich gegenüberstehend gedacht vor den augen der beurtheilenden zuschauer; si haben auch seer kleine k und geisz gegen den unsern. Frank
weltb. 213
a; der weg, den ich noch zu gehen vor mir hatte, war gegen meinem wenigen gelde viel zu weit.
Simpl. 2, 287, 20
Kz., in verhältnis, für; er ist nichts gegen ihm. Stieler 633,
der sonst nur acc. gibt. gerade in dieser bedeutung hat sich der dativ noch im 18.
jahrh. länger erhalten, s. unter 2,
a aus Günther, Lessing, Schiller, Göthe 8, 86. 57, 211,
aus den propyl., vermutlich weil das gegenüber dabei noch vorgestellt wurde, das z. b. in dem ihr werdet gegen der menge wenig sein 8, 86
auch noch auf das kampffeld führt, vgl. ich will gegen ihnen halten (
zum kampfe) 8, 96. III@5@a@gγ)
aber der acc. auch schon im 16.
jh.: reichthum hielt ich fur nichts gegen sie .. silber ist wie kot gegen sie zu rechen. Luther
weish. Sal. 7, 8. 9,
s. u. 2,
d, α; gleich wie ein tröpflin wassers gegen das meer und wie ein körnlin gegen dem (
so) sand am meer, so geringe sind seine jare gegen die ewigkeit.
Sir. 18, 8; die castaneenbewme waren nichts gegen seine zweige.
Ezech. 31, 8; er (
der henker) handelt gegen dich in wahrheit viel gelinder: er straft ja nur allein, du machest arme sünder. Günther 553, '
auf ein weibesbild, als einer gehenkt wurde'; so grosz und stark zu sein, zwar immer noch ein zwerg gegen bäume und berge, gegen ströme wie gegen landstrecken, aber doch immer schon ein riese gegen gras und kräuter. Göthe 23, 95; ihr betragen machte einen seltsamen contrast gegen ihre kleidung. Adelung II, 3; es ist doch jetzt vieles besser gegen sonst. III@5@a@dδ)
das entgegen halten, setzen, stellen, treten u. dgl. wird auch dabei besonders ausgedrückt, ahd. z. b.: fone einemo gagen zuein gebotenemo,
uno duobus collato. Notker
Marc. C., biotan
für halten, hinhalten. nhd.: so man sie gegen andere thier helt, sind sie vil erger.
weish. Sal. 15, 18; setzt das eurige gegen (oder neben) das meinige. Ludwig 711,
zur vergleichung; du bist gegen uns (nemlich gehalten oder gerechnet) glücklich. Frisch 1, 329
a; der musz ein schwaches vertrauen auf die ewigen wahrheiten des heilandes setzen, der sich fürchtet, sie mit lügen gegen einander zu halten. Lessing 4, 53.
mit stehn,
d. h. sich stellen, auftreten: erinnere dich der vollglücklichen tage, da du in starker genügsamkeit gegen den armen standst, der des lebens bürde abwerfen wollte. Göthe 10, 171. III@5@a@eε)
auch mit vergleichen,
wo jetzt das mehr bildlose mit
herscht: ich wil auch hie die fürsichtigkeit des Ulyssis nicht gegen der hochtragenheit des unsinnigen Aiacis vergleichen.
Amadis 137; in vergleichung gegen einen andern. Kant 8, 80.
[] III@5@bb)
aber auch vom sinnlichen ursprunge weiter entfernt schon in früher zeit. III@5@b@aα)
das wetten zwar ist leicht zu erkennen als ein verhüllter kampf; wie man gegen einen wettet, eine wette eingeht (
jetzt doch lieber mit,
wie bei kampf
auch),
so wird da pfand gegen pfand gesetzt,
und noch jetzt nur mit gegen
z. b. ich wette zehn gegen eins,
d. h. z. b. zehn pfund gegen eins das der gegner setzt. III@5@b@bβ)
aber schon ahd. auch für gemäsz, entsprechend, s. Graff 4, 137,
z. b.: wile du mannolîchemo gagen sînen wirden lônôn,
vis aptam meritis vicem referre. Boeth. cons. 206; gagen des iʒ muoza sî,
quantum fas est. das., des
gen. neutr., dem oder welchem entsprechend; vergl. gagen des iʒ was 162 (172),
für ungefähr, so ziemlich, wie es scheint; s. auch kagan êro
ob honorem II, 3,
c. so mhd. für genaues entsprechen, nicht für ein ungefähres, wie mans im folg. meist nimmt (
nach dem jetzigen gegen
unter ζ a. e.): der guot mit iemanne hât gemeine .. der mag das geben sîner wirtinne (
gattin) gegen rehten teil.
Schaffhauser richtebr. 79, 4,
d. h. nur genau so weit, als er selbst theilhaber ist an dem besitzthum; si heten niht gebrestengegen einigem sporn.
Gudr. 1391, 2,
ein ausrückendes heer: nichts gebrach ihnen an der ausrüstung, auch nicht ein einziger sporn oder was ihm gleich war an wert, es musz im kriegsleben sprichwörtlich gewesen sein; dem schaffe ich sölche huote,daʒ sîn niht wirt verlorn daʒ iuch ze schaden bringegegen einigem sporn.
Nib. 1659, 4
Bartsch; er hete niht gegert gên einem phenninge.
Gudr. 297, 3,
auch nicht einen phenningwert,
wie es auch heiszt; kein sterblicher kann sich rühmen daʒ er hie fröude stæte gein einem tage hæte. Ulr. v. Eschenbach
Wilh. v. Wenden 6747,
d. h. auch nur éinen ganzen tag lang. III@5@b@gγ)
entstanden sein musz das aus der ältesten form des handels oder vielmehr tauschverkehrs, wo man zwei gegenstände des tausches vergleichend, abschätzend gegen einander hielt; von da übertragen auf das abmessen, wo man den gegenstand gegen das masz hielt, wie das noch herausblickt aus folgendem: tir is chunt alla dia erda sih kezîhen (
referri) wider demo himele gagen demo meʒe eines stupfes,
omnem terrae ambitum ad celi spatium puncti constat obtinere rationem. Boeth. cons. 85 (93),
gleichsam gegen das masz eines punktes gehalten; vergl. gegenmasz,
vergleichung. weiter dann auf das abrechnen zweier gegen einander übernommen (
s.ε)
und auf das abwägen, wo zumal die wagschalen mit ihrem inhalte auch sinnlich wie im streite gegen einander standen um sich auszugleichen (
vgl. gegengewicht, gegenwage);
daher z. b., zu a, β gehörig: eʒn wac ir êrriu rîterschaft engegen (
var. gegen) dirre niht ein strô.
Iw. 7257,
war dagegen nicht so schwer wie ein strohhalm in der wagschale. III@5@b@dδ)
daher vom tausch, austausch des einen gegen
das andere, wie es heute noch heiszt, auch bei auswechselung u. ä.: dasz sie auch ihr leben .. nicht gegen einem königreich austauschen wolten. Philander 1, 40,
auch bei eintauschen, vertauschen, umtauschen; waare gegen waare, geld gegen waare geben. Adelung II, 2.
selbst bei verkaufen: Esau hat dem Jacob seine erste geburt gegen eine schüssel voll linsen verkauft. Heynatz
antib. 2, 14
aus Imhoffs
historiensaal. in artikellosen formeln (
s. 3,
g): bauer gegen bauer,
jus talionis. Mones
anz. 6, 286,
aus kriegen der fürsten stammend, von gegenseitiger rache oder vergeltung, wie noch jetzt: es kann kein geheimnis bleiben .. also denn geheimnis gegen geheimnis! überraschung gegen überraschung. Göthe 20, 188.
aber auch einfach, vom entgelt oder ersatz: gegen einer belohnung sich erbote. Birken
ostl. lorb. 117; gegen bare bezahlung. Stieler 633; gegen entgelt, gegen vergütung
u. ähnl.; seine freiheit gegen bürgschaft erhalten, geld gegen quittung aufnehmen. Adelung.
auf eine erhaltene gabe fragt man was soll ich dir dagegen geben?
vgl.gegengabe, dagegen 3.
auch bildlich, als entsprechende antwort: und gegen meine seufzer bringt die welle nur dumpfe töne brausend mir herüber. Göthe 9, 3 (
Iph. 1, 1).
ähnlich, und doch noch anders: wir jungen münche saszen und sperreten maul und nasen auf, schmatzten auch für andacht, gegen solcher tröstlicher rede von unser heiligen müncherei. Luther 6, 23
a,
als antwort darauf, doch zugleich: ihr entgegen, begierig. [] III@5@b@eε)
der gebrauch musz sehr entwickelt gewesen sein, denn es findet sich selbst für anstatt: in haltung und hegen wirt es (
das notgericht) gehalten, wie vor gesetzt (
d. h. beim landgericht), auszerhalb gegen dem wort 'land' gepraucht man sich notgericht.
weisth. 4, 556,
d. h. ausgenommen die bezeichnung des gerichts, wo land
vertauscht wird mit not;
in fällen von todtschlag aber wirt das landgericht gehalten in maszen obsteet, und gegen dem wörtlin landgericht peinlich vermeldet.
das., d. h. der zentgraf bezeichnet in seinen formeln das landgericht
dann als peinlich gericht. III@5@b@zζ)
ebenso beim gegenseitigen abrechnen oder beim rechnen überhaupt, wo man summe gegen summe, posten gegen posten setzt (
vgl.gegenposten)
und ausgleicht, wie auf der wage: ist ein man schuldic (
einem andern) und ist man im wider schuldic, sô sal he schult gein schult slân, sô wirdit der wet.
Freib. stadtr. c. 4, Schott 3, 170.
so noch dagegen rechnen
u. ähnl., auch in gewissen wendungen, z. b.: es wäre ein wunder, da es gegen einen scharfsinnigen kunstrichter funfzig witzige gegeben hat, wenn ... Lessing 6, 373;
hierher auch das gegen uns gerechnet
u. ä. a, δ.
anders aber bei zahlen, um sie nur ungefähr anzugeben, wie es sind gegen hundert bücher,
den hundert sich nähernd; vgl. unter 4,
e, α aus Pestalozzi. III@5@cc)
im rechtsleben und allerhand verkehrsleben. III@5@c@aα)
im rechtsleben, wo auch gegner (
s. d.)
zuerst auftritt, galt gegen
von allem was die parteien zwischen einander handeln, der beklagte z. b. berichtet sich gegen den sachwalden (
gegner),
findet sich ab mit ihm, s. aus Breslau I, 4,
b, α; noch im 17.
jh. z. b.: so ward er gegen mir schon gefaszt. Ayrer
proc. 1, 7,
rasch mit der antwort bereit (
s.gefaszt); so hab ich mich keiner parteiligkeit gegen ihm zu befahren. 1, 5, gegen ihm,
im streite mit ihm, '
ihm gegenüber'
wie wir da sagen können. aber auch vom verhältnis der parteien zum richter: do her sweren sulte, do begerte her tag (
aufschub) kegen dem richter.
Magdeburger fragen s. 216,
wo uns auch gegenüber
noch nahe liegt; hîr mite haben sie vervangen ir eigen (
aller rechtsansprüche entledigt) kein dem richter, daʒ eʒ alles dinges von im ledic ist.
Sachsensp. I, 2, 2
u. o. vgl. engagen kumen
vom erscheinen vor gericht unter I, 1
aus Höfer,
auch zegegen
unter 7,
b und gegenwart, gegenwärtig,
das im rechtsleben sich besonders entwickelte. übrigens auch schwören gegen den heiligen,
die in den reliquien als gegenwärtig gedacht waren: man sol ouch sweren (
so) daʒ man die hant ûf gegen den heiligen habe (
halte).
Schwabensp. 146, 2; sô mûʒ der vorderer sweren kegen den heiligen, daʒ he rechte schult habe zû (
var. gein) dem widersachen.
Freiberger stadtr. 27, 7, Schott 3, 233.
jenes gegen
vom verhältnis zu behörden noch spät im 16.
jh.: wer das darüber thut (
die satzung bricht), der hat das (
gebraute) bier gegen den rath verloren.
Zeitzer stat. bei Schott 1, 269, gegen dem rath 270,
vgl.bruche, dy her (
der bürger) getân hôt kegen der stat.
Kulm. recht III, 57,
womit er das stadtrecht gebrochen; missetût ein man ... kên der stat rechte adir kên der burger kore. I, 13;
s. auch vor gerichte
oder kein daʒ gerichte
u. a. 2,
d, β. III@5@c@bβ)
weiter von allem was zwischen zweien verhandelt oder gehandelt wird, oft genug noch mit einer art gegnerschaft, mehr ins geistige gezogen, z. b.: dar nâch mûʒ die vrowe (
des verstorbenen) gein den erben mûsteilen alle gehobete spîse.
Sachsenspiegel I, 22, 3,
die vorräte im hofe theilen in verhandlung mit den erben; vergl. sich verjâren jegen einen I, 4,
a, α,
beides zugleich noch im rechtsbereiche. man kaufte
auch gegen
einen, md., nd., nl.: koufestu ein gedinge an eines mannes gûte jegin dîme herren.
richtst. lehnr. 30, 6,
nd. jegen dîneme hêren, Homeyer
Sachsensp. II, 1, 535; si cochten (
kauften) jegen een wijf twaelf broet. Oudemans 2, 258;
mhd. mit wider: von deme dinge, daʒ er koufet wider sînen gegenburgêre. Höfer
urk. 43.
auch nemen gegen,
von einem: daʒ selbe (
wechselnde schicksal) nim ouch gên dem werden
got. Suso
briefe 28,
vgl. das heutige entgegennehmen,
noch mit derselben vorstellung. III@5@c@gγ)
vom äuszeren verhalten zweier gegen einander: ir herrn, thut auch dasselbige gegen inen (
den knechten) und laszet das drewen.
Eph. 6, 9; die kleinen dieb henket man, gegen den groszen zeucht man die hüt ab.
Agric. spr. 17
b; könig Peter neigt sich gegen seinen turnirsgästen. J. Ayrer 410
b; der hofprediger neigete sich gegen dem fürsten. Schuppius 15; der stunde dann auf, machte gegen dem directorn ein reverenz. 41;
so noch jetzt, mit gedachter bewegung gegen den andern, doch mit acc. (
s. aber gegen mir
noch Göthe 6, 151
unter 2,
a),
vgl. [] aufstehn gegen einem
u. 4,
a. auch anders: thuo dein augen zuo gegen got und seinem lon. Keisersberg
baum d. sel. 11
a; so soltu dein herz nicht verherten noch deine hand zuhalten gegen deinem armen bruder.
5 Mos. 15, 7; ich weisz nicht, wie ich mich gegen ihn verhalten soll,
lieber doch jetzt ihm gegenüber. III@5@c@dδ)
gleichfalls noch gangbar ist gegen einen sich aussprechen
o. ähnl., im gegenüber mit ihm, in einer verhandlung mit ihm u. ähnl., blosz in fällen von einer gewissen wichtigkeit (
und so von zu
unterschieden): allen sînen willener in reden bat gên der küniginne.
Nib. 405, 3; so wollen wir ... herzlich für sie gegen gott bitten. Luther 4, 539
a; er hat mich aber gebeten, gegen e. g. für ihn zu bitten.
br. 2, 250; hab ich aus fürbitt gegen den schösser für ihn gebeten. 2, 206; weil sich der beklagte gegen dem gerichtsfrohnen (
bei der vorladung) zu erscheinen erbotten. Ayrer
proc. 1, 4; sein erzeigete begird und inbrünstiger flamm, die er gegen ihr erkleret.
Amadis 17; dasz gegen dir, herr, wir (dein volk) bekennen gern. Weckherlin 25; er hat gegen mir erwehnet. Rist
Parn. 84; ich habe dieses einsmahls gegen einem weisen gedacht. Olearius
ros. 7, 10; doch eben ward sein reden unterbrochen, als gegen seinen gast das herz am stärksten quoll. Göthe 13, 187; sich gegen einander (gegenseitig) erklären; sich gegen seine vorgesetzten über etwas beschweren. Adelung II, 5; sein herz gegen einen freund ausschütten.
das.; lasz dich nichts gegen ihn merken.
das.; er sei ganz offen gegen mich; er hat gegen mich nichts davon erwähnt, hat ihn gegen mich gerühmt.
man ersetzt das nun auch gern durch gegenüber. III@5@c@eε)
mehr ins innere übertretend (
s. 6)
in manigfachster weise, z. b.: sein herz hette mügen brechen gegen dem leben das er sahe. Luther 4, 109
b,
jetzt etwa im angesicht; darum bricht mir mein herz gegen im.
Jer. 31, 20; dasz sie zu keiner eidesleistung gegen der herrschaft sind verbunden gewesen. Micräl.
Pomm. 3, 344,
von dem ableisten des eides (
s.α)
erweitert zum pflichtverhältnisse; klaff, wie du wilt, gegen mir (
das) nichts gilt.
Ambr. lb. 72, 10,
ich mache mir nichts daraus; churfürst sagt, er hab vil sachen ir mst. (
dem kaiser) wichtiglich helfen ausfieren, find kain dank noch erkantnus, er gelt gegen dem kaiser nit so vil als sein schuchster daniden gegen ime. Schertlin
br. 34 (
dec. 1545); kein geburtsadel, keine graue ahnenbilder galten (
in alter zeit) gegen naturadel und bildung. Arndt
geist der zeit (1806) 30,
zugleich zu a, β. III@5@dd)
überhaupt ursprünglich von verhältnissen aller art, auch mit dem begriff der gegenseitigkeit wie äuszerlich unter 4,
a, z. b.: daʒ wi allir werrin, allir sachin und allir brüche, di wi habn odir gehabt habn kegin der stat und kegin den burgern zu Erfurt .. uns .. berichtit habn. Höfer
urk. 87,
von zerwürfnissen zwischen dem landgrafen und der stadt, das kegin
ist weniger feindlich gemeint, als von den beziehungen hinüber und herüber. III@5@ee)
auch sich vergehen gegen einen, gegen das gesetz verstoszen
u. ä. meint eigentlich mehr ihm gegenüber, im verhältnis zu ihm, als die feindlichkeit, die freilich mit eingeschlossen ist (
vgl. c a. e.).
ebenso verdacht haben gegen einen, mistrauen
u. ä., gegen alle ermahnungen taub sein, ungehorsam gegen den herrn,
aber eben so gut seine pflichten gegen einen erfüllen,
vgl. Adelung I, 3. III@66)
endlich völlig von innerlichen verhältnissen. III@6@aa)
auf der schwelle stehend, wo die äuszerung noch mit gemeint ist oder selbst in den vordergrund tritt, z. b. von gesinnungen wie sie sich äuszern, zeigen u. a.: für euer gutwilliges herz, so ihr gegen mir erzeigt habt. Luther
briefe 4, 586; vleisziget euch der ehrbarkeit gegen jederman.
Röm. 12, 17; wie ich mich gegen got stelle, so stellet er sich gegen mir.
über das 1.
buch Mos. a 4
a; diese völker ... gehorchen den ... weissagern, aber du solt dich nicht also halten gegen dem herrn deinem gott.
5 Mos. 18, 14; sie hat sich gegen ihme zänkisch .. gezeigt. Alberus
Es. 8; und stellt sich so grausam gegen ir, als wolt er sie übel schlagen. 12; aber Xanthus hielt sich doch rechtschaffen gegen dem magister. 14
b; wann sich ie eins gegen dem anderen ehrerbietig erweiset. Fischart
ehz. 13; auch sogar an Käthchen (
denke ich noch), von der ich doch weisz ... dasz sie gegen meine briefe sein wird,
[] was sie gegen mich war.
d. junge Göthe 1, 255; er hat sich brav benommen, gezeigt
u. ä. gegen sie. III@6@bb)
von der gesinnung selber, dauernder stimmung, empfindung u. ähnl. (
ihre äuszerung nicht ausgeschlossen): ir fürsten, tugendet iwern sin mit reiner güete, sît gegen friunden senfte, tragt gein vînden hôhgemüete.
Walth. 36, 12; gegen den feinden scharf und hart, aber gegn den freunden getrew. J. Ayrer 147
c (738, 28); also musz auch ein fürst bei seinen unterthanen ein friedlich herz und sie zuversicht gegen im haben. Luther 6, 71
b; weisz auch nicht, wie ich gegen im könne meineidig sein. 6, 21
a; nu weiszt du mich des herzen gegen dir, dasz mich dein glück nit wenig frewet.
Galmy 157; der in rechtem eiver gegen dem gesetz und seinem vaterlande hergieng. 8, 279
a; die grundlosen barmherzigkeit gegen allen menschen. Schmelzl
blindg. sohn 2
b; habt gnad gegen mir.
Amadis 116; mein dankbarkeit gegen ewern bewiesenen gutthaten. 120; solt ir der getröstlichen hoffnung gegen mir sein. 118; und weil deemüthig gegen dir mein herz und gnädig gegen mir dein herz stets bleibet. Weckherlin 56 (
ps. 17, 7), wir Teutschen allein, undankbar gegen unserm lande, undankbar gegen unserer alten sprache, haben ihr noch zur zeit die ehr nicht angethan
u. s. w. Opitz (1624) A 1
a; so mache mich recht dankbar gegen ihr. Fleming 276; sein herz ist gegen mir mit vatertreu entbrand. A. Gryphius 2, 341 (
son. 2, 28); meines herrn gunst .. ward je länger je gröszer gegen mir.
Simpl. 1, 93
Kurz; da sie eben in solcher andacht gegen ihre arbeit begriffen und deswegen stockstill sasze. 4, 92; war dieser gegen mich und den liebhabenden leser so gutherzig.
colica, vorrede; achtung, ehrfurcht gegen jemanden haben. Adelung; er ist gleichgültig gegen alles.
ders. III@6@cc)
uns befremdet es jetzt, dasz es einst auch von liebe, wie von hasz gebraucht war. vom letzteren z. b. (
vergl. 3,
h): ein sondern hasz tregt er gegen dem menschen. Forer
fischb. 80
b; mit was verbrechen sich seines vaters räthe gegen ihm verhasset gemacht. Olearius
pers. ros. 1, 10
aber ausdrücklich auch von liebe: du mit solcher groszen liebe gegen meiner allergnädigsten frauwen behaftet bist.
Galmy 115; mich kein unordentliche lieb gegen meiner allergnädigsten herzogin ... angefochten hat. 23; die lieb gegen dem vatterland .. sol euch bewegen zu der rach. Fuchs
mückenkr. 1, 491; die liebe gegen seiner schönheit. Olearius
pers. ros. 1, 42
anm. a; gleich wie dein gemüthe aus liebe gegen der reinen sprache der grammatica ergeben, also ist auch mein herz der liebe gegen dir ergeben. 5, 16; er hienge dem laster aus bloszer liebe gegen das laster nach. Bodmers
Milton 28
bei Heynatz
antib. 2, 14.
noch Adelung
gibt als regelrecht die liebe gottes gegen die menschen,
wie er umgekehrt aus Gellert
beibringt: ein mensch der nichts gegen seinen schöpfer fühlt,
ihm gegenüber, zu ihm hin. früher auch so: und da sie vor ihn kam, ward er sobald entzündet gegen ihr.
Judith 10, 19; wurde alsbald gegen dem mädchen entzündet. Olearius
pers. ros. 1, 27; fräwlein Florianen, kegen die ich ein lange zeit verliebet gewesen.
engl. kom. II, P 2
b,
vergl. das. P 5
a in liebe bestricket jegen die
sp. 2197. III@6@dd)
auch neigung, zuneigung
mit gegen
klingt uns nun fremdartig, obwol noch in diesem jh. z. b. Göthen
geläufig: sonderbare (
ungewöhnliche) zuneigung gegen alle gute künste und wissenschaften. Rist
Parn. 795; unsere neigung gegen die heldin. Göthe 33, 225; eine neigung, welche sie gegen Wilhelm Meister gefaszt. 33, 238 (
aus der jen. lit. zeit.),
es ist eine richtung nach dem gegenstand hin gedacht; daher auch, mit voller sinnlichkeit in das geistige übertragen: ich (
Eduard) habe versprochen keinen schritt gegen sie (
Ottilien) zu thun, und das will ich halten. aber was bindet sie dasz sie sich nicht zu mir wendet? 17, 186 (
wahlv. 1, 18),
wie wir ja noch von innerer annäherung, entgegenkommen
sprechen. ebenso von innerer neigung, als eine richtung gegen
etwas aufgefaszt: mehr als jemals war ich gegen offene welt und freie natur gerichtet. 26, 119,
wo sich ohne das gerichtet
eine gegnerische haltung notwendig ergeben würde; und indem er (
Klopstock) die schritte seines lebens bedächtig vorausmiszt, wendet er sich .. gegen den höchsten denkbaren gegenstand. 25, 290;
so ist auch blosz räumlich gerade bei richten, kehren
u. ä. gegen
noch gangbar auch ohne feindlichen sinn, s. 4,
b, γ.
auch gegen
mit wider
zusammen, dieses [] feindlich, jenes freundlich: dieser befehl (
für den neuen churfürsten zu beten) kam den
wider Moritz noch sehr erbitterten und
gegen ihren vorigen herrn sehr eingenommenen gemüthern ganz unerwartet für. Heynatz
ant. 2, 14
aus Strobel
anm. zu Ratzebergers gesch. s. 99. III@6@ee)
im allgemeinen aber hat es sich zu der gegnerischen bed., also zur ursprünglichen, zurückgewendet. die reste der freundlichen bedeutung sind solche, wo die freundlichkeit zu tage tritt, also ihre richtung zu bezeichnen ist, z. b. er zeigt sich dankbar gegen mich,
aber nicht mehr er ist dankbar gegen mich;
auch er ist liebreich gegen mich
meint die äuszerungen der liebe, nicht eigentlich die gesinnung; man sagt selten noch er ist freundlich gegen mich (
lieber mit mir),
wol aber noch er thut freundlich gegen mich,
zeigt sich so, ists aber nicht innerlich, oder das wird fraglich gelassen. auszerdem bleibt es in fällen die so zu sagen neutral sind, z. b. ich weisz nicht wie er gegen mich gesinnt ist,
sodasz die gesinnung doch auch eine freundliche sein kann, für die denn auch gegen
noch zulässig ist; diese neutrale mitte zwischen den beiden gegen
ist aber zugleich die quelle des freundlichen gegen
aus seiner ersten entstehung her, s. II, 4
a. e. III@6@ff)
auch von bloszem verhältnis (
lebloser dinge)
findet sich gegen
bis in neuere zeit, wo jetzt zu
herscht, doch ist gegen
lebhafter, z. b.: das verhältnis der betonung der wörter gegen einander (
in Otfrids versen). Lachmann
kl. schr. 1, 361.
ebenso bei beziehung, sich beziehen,
wo deutlich wieder eine bewegte richtung gedacht ist: eine gegen den mittelpunct sich beziehende systematische verfassung. Kant 8, 322. III@77)
bemerkenswert ist noch III@7@aa) gegen
gleich entgegen einzeln noch nhd., d. h. ein rest des ursprünglichen verhältnisses beider (
s. 1,
a): dem das glück gegen ist, bricht wol ein bein auf gleicher erd. Henisch 1660, 69,
damals um so möglicher, da es auch nach der regel geheiszen haben würde gegen dem das glück ist;
vgl. umgekehrt entgegen
als praep. 1,
a, β.
ähnlich gleich dagegen: ihr leute, wenn ihr gift wollt legen, so hütet doch die kinder gegen. Arnim
wunderh. (1845) 1, 48,
nach nordd. redeweise, nd. z. b. men stöt tegen,
stöszt dagegen Schambach 227
b.
doch auch oberdeutsch, in kürzestem ausdruck: noch mit noch gegen sein,
nec favere nec adversari. Henisch 1422, 66. III@7@bb) gegen,
ähnlich selbständig, mit zu
verstärkt, d. h. in der bedeutung gegenüber, vor augen, vorhanden, zu gegen (
daher das heutige zugegen,
vgl. umgekehrt gegen zu .. 3,
c): wie jederman zu gegen sicht.
Rein. fuchs 1583 82 (1, 26
a. e.),
eigentlich sich zugewendet, vor seinen augen; wo ist der gärten pracht, der blumen königinn .. die so nur gestern noch .. allhier zu gegen stunde? Fleming 135 (zugegen
Lapp. 41).
so mhd. zegegen,
d. h. vor gericht (
s. u. 5,
c, α): daʒ ist dâ von, daʒ er zegegen in niht versprach, als er solte.
Schwabensp. 243, 3,
dasz er ihn nicht öffentlich vertreten hat vor dem richter. mnd. auch bloszes jegen
so: dâr ûse ôm .. hertoge Otte hevet jeghen wesen. Sch.
u. L. 2, 404
b,
bei der versammlung. hochd. aber auch gehäuft zu entgegen: wider oder zu entgegen eines befelchs (
lies befelch) thun,
adversus edictum alicujus. Henisch 1423. III@7@cc)
endlich auch in substantivischer wendung, z. b. bei einem vorschlage das für und das gegen erwägen,
was dafür und dagegen anzuführen ist; lieber doch das für und wider. III@7@dd)
das verhältnis zu wider
bedürfte überhaupt der untersuchung. im vorigen jahrh. z. b. wollte sich eine richtung geltend machen, die für alle gegnerschaft gegen
verwarf und wider
verlangte, s. Heynatz
antib. 2, 14, Adelung im
wörterb. unter gegen II, 1
wider »
einige sprachlehrer (
z. b. Gottsched),
denen der reichthum einer sprache, wenn sie einen und denselben begriff mit zwey worten ausdrucken kann, ein ärgernisz ist«;
er selbst führt z. b. aus Luther
an: ich sucht unter ihnen, ob jemand sich eine maur machete und
wider den risz (
die bresche) stünde
gegen mir.
Ezech. 22, 30,
wo beide wol tauschen könnten; s. auch Strobel 6,
d a. e. bemerkt sei nur noch, wie sich unser gegen
von einem andern eintreten für wider
ferngehalten hat, in dessen zweiter bedeutung (
als wieder,
eig. gegen mich her),
das anderwärts entwickelt ist, im nord. z. b. dän. gjenbringe
wiederbringen, gjenfordre, gjenganger
gespenst (
franz. revenant),
schwed. gengngare, genljud
wiederhall, echo; ebenso in engl. again,
schon ags. âgê
n. III@7@ee)
in zusammensetzungen entgegen (
s. II, 1),
dann dargegen,
[] hingegen, hergegen, zugegen,
alle entstanden aus gegen .. dar
u. s. w. (
s. 3,
c, zugegen
u. 7,
b),
ferner dagegen, wogegen (3,
a),
auch hiergegen;
umgekehrt gegenüber (4,
g, ε).
Die folgenden zusammensetzungen sind noch so in frischem flusz des werdens, dasz an ein erschöpfen nicht zu denken ist; sie kreuzen sich übrigens zum theil mit wider, vergl. z. b. widerwärtig
und gegenwärtig, widerstand
und gegenstand, widerpart
und gegenpart, widerschein
und gegenschein, widerhalt
und gegenhalt.
dazu kommt, dasz man nun in gewissen fällen immer mehr auch das griech. anti (
ἀντί)
dafür verwendet, d. h. nach franz., engl. vorgang, oft barbarisch genug, z. b. antideutsch, antipreuszisch (
während es in antwort, antlitz,
auch ent-
noch als eigner urmitbesitz vorliegt),
oder das franz. contre, z. b. contredampf
statt gegendampf,
was denn wol auch zu contredruck
u. s. w. führen wird —
die '
bildung'
wächst eben wieder einmal in '
rapider progression',
ungefähr wie im 17.
jahrh.