steigen ,
st. v. verbreitung und form. gemeingerm. v. zur idg. wurzel stigh.
got. steigan,
ahd. stîgan,
mhd. stîgen,
as. stîgan,
mnd. stîgen,
ndl. stijgen,
afries. stîga,
ags. stîgan,
engl. (
veraltet) sty,
anord. stíga,
norw.-dän. stige,
schwed. stiga.
auszerhalb der germ. sprachen sind zu vergleichen: skr. stighnōmi
schreite, air. tíagaim
gehe, griech. στείχω schreite, steige, aslav. stignati
kommen, erreichen, lit. staigtis
sich beeilen, lett. staigaht
gehen, wandern. vgl. dazu das lat. vestigium,
das griech. στίχος,
στοῖχος und weitere parallelen der idg. sprachen bei Feist, Falk - Torp, Kluge, Schade.
das wort ist bis auf gelegentlich schwache conj. des imp. in st. flex. geblieben. auch der imp. ist noch im 16.
jh. nur in der form steig
bekannt. ältester beleg für die schwache conj. bei Schottel: du steige ber mich hin
friedens sieg 5
ndr. im 18.
jh. wird die unsicherheit gröszer. so begegnet steige
bei Gottsched
ged. (1751) 1, 319; Klinger
w. 3, 38; Göthe 15, 73
W. Arnim
w. 6, 10
Gr.; Droysen: o Bal ... steige zu deines grabes steinmal
4Aeschylos (1884) 184.
daneben wird steig
gebraucht, z. b. von Schiller 2, 36
G.; Körner
w. 1, 132
H. nebeneinander einmal bei Klopstock: steig oft, und stark, gebet, viel ist der gnade! steige mit wonne auf zu dem geber
oden 146, 14
f. M.-P. ältere wbb. wie Adelung (4, 332)
und Heinsius
geben beide formen an. nur steig
bei Schwan 2, 707
a.
im sing. des prät. ist die stammvocalangleichung an den plur. seit etwa 1600
vollzogen. starkes schwanken aber noch im 16.
jh. ausgleichformen finden sich z. b. bei Boltz, Scheit, Montanus, Fischart, H. Sachs.
an alten belegen vgl.: der styg yn den prinnenden ofenn Seb. Franck
Turckey (1530) H 1
a. als er auss dem schiff styge Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 19
b.
andrerseits sind belege für steig
noch gegen ende des 16.
jh.s zu finden. der gAeuckler mit dem pferdtgen in die lfft ubersich steig Nigrinus
von zäuberern (1592) 29.
mit dem prät. ich stieg
mischt sich im 16.
und 17.
jh. die nebenform stiege.
frühe belege bei Schwarzenberg
und Warbeck: als er ausz dem schiff styge Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 19
b; und stige (=
stieg) ir ein schmertzen und wehe in das haupt Warbeck
Magelone 46
B. er steige (
prät.!)
bes. bei Arigo
dekam. K. (
z. b. 38, 4; 88, 27.)
in der zusammensetzung mit hilfsverben erscheint seit ahd. zeit die verbindung ich bin gestiegen. haben
wird äuszerst selten verwendet, und nur in älterer zeit: so ... der dieb ... zum diebstall nit gestigen oder gebrochen hat
Carolina art. 157; darnach ligt es ('
des spillen teil'
bei der pumpe) so hoch, als es gestigen hat Ph. Bech
Agricolas bergwerkb. (1621) 144.
so vereinzelt auch schon früher. mhd. unz er mit lobe habe gestigen
Haupts ztschr. 7, 485.
auf die construction mit sein
weist von älteren lexikographen Heinsius 4, 771
a hin. bedeutung und gebrauch. II.
die bedeutung des rein sinnlichen schreitens. I@AA. st. =
gehen? die grundbedeutung der idg. wurzel (
schreiten, gehen)
ist im germ. eingeengt worden (Kluge (1910) 441; Falk-Torp 1162). — wird eine anhöhe so steil, dasz zu dem schritt eine bedeutende kraftanstrengung gehört und die schritte überhaupt mehr stufenweise geschehen, so nennt man die bewegung nicht mehr gehen, sondern st. Fr. L. Jahn
w. 1, 24
E. diese definition ist jedoch dahin zu erweitern, dasz unter st.
ohne rücksicht auf die grössere oder geringere kraftanwendung überhaupt zunächst ein nach oben oder unten schreiten zu verstehen ist, sei es in senkrechter oder schräger richtung, sei es éin schritt oder ein längeres derartiges gehen. ein gewisses wiederaufleben der idg. bedeutung zeigen die modernen nord. sprachen. vgl. z. b. sti[ge]
i nuv. bet. g Kalkar
ordbok 4, 129; stig fram,
tritt näher, komm näher. stig in,
herein! stig nu p!
geh nun zu Helms
svensk-tysk ordbok 377
unter stiga.
ebenso nd. compositionsbildungen mit kommen: an stigen kamen
mit langsamen tritten und aus widerwillen herbey kommen brem. nd. wb 4, 1033; an und tostigen kamen
angewandert kommen holst. idiot. 200.
vgl. ferner Richey
idiot. hamb. 291.
in Groningen ist st. zooveel als waden, loopen dor dick en dun Molema
wb. d. groningenschen ma. 403.
ähnliche verwendung gelegentlich auch im hd., wo st.
aber ebenfalls nicht das gewöhnliche gehen, sondern, mehr oder weniger deutlich, ein '
gehen mit hochgehobenen beinen' (Crecelius 808),
ein '
stolzes und affektiertes einhergehen' (Schmeller-Fr. 2, 741)
bezeichnet: im deutschen ist es (
d. h. st. '
gehen'), auszer im scherze, wo es sich allemahl auf die feyerliche erhebung der füsse zu beziehen scheint, in dieser bedeutung unbekannt Adelung 4, 333.
so schon mhd.: oberthalp des dorfes strâze steig er über den anger Neidhart 62, 31,
wie denn überhaupt st. durch
und st. über
öfters der alten grundbedeutung des verbums nahe kommen mag (
vgl. I, B, 1,
d, α).
aus späterer zeit: damit er (
der junggeselle) gravitätisch steige und seine schönen waden zeige Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727
ff.) 1, 373. zween bauern .., die ... auf einen jahrmarkt stiegen Pfeffel
poet. vers. (1802
ff.) 5, 180; da kommt ein alter kamerad gestiegen Vischer
auch einer 2, 285.
in ähnl. bedeutung als übersetzung des griech. βαίνειν: du ... steigst in die volksversammlung Wieland
Lukian 1, 134.
von thieren: der grausame wütrich (
Polyphem) ... tastete sorgsam die rücken aller steigenden widder J. H. Voss
Odüssee 166
Bernays. so besonders auch in verbindung mit adverbien: er (
der widder) steiget auf der weide ... siegprangend hin und her Pfeffel
poet. vers. (1802
ff.) 6, 89; mit schnellem schritte steigt er zum nächsten trödler hin 1, 79; kommt der alte herr
N. daher gestiegen O. Ludwig
ges. schr. 1, 144; der fremde stieg mit straffen schritten auf uns los Vischer
auch einer 1, 36;
in mundartl. verwendung: und wenn d' wiesen gmaht is, na steigt ma drauf rum Karl Stieler
ged. 4, 70
Reclam. fester ist st.
gehen in der gauner-, studenten- und pennälerspr.: stegen, st.
gehen, wandern, einkehren Avé-Lallemant 4, 611,
gehen Eilenberger
pennälerspr. 12; st. '
heisst gehen, mit der nebenbedeutung des emsigen, schnellen' (?) Burdach
studentenspr. 105.
besondere burschikose raa.: zu dorfe, zu biere st.: vater kann dir erzählen, wie die studenten ... nachmittags zu dorfe st. A. Müller
br. von der universität 3.
vgl. auch Kluge
studentenspr. 128; Müller-Fraureuth 2, 558. st. = '
weggehen'
in der Berliner ma. Meyer
d. richt. Berl. (1904) 115. I@BB. st.
nach oben und unten schreiten. die rein sinnliche grundbedeutung des verbs bleibt jedenfalls ein nach oben oder unten schreiten von lebewesen, die dementsprechend von der natur ausgestattet sind. vgl. die begriffsbestimmung früherer wbb. (
die definition bei Heinsius 4, 771
a '
überhaupt gehen, sich auf seinen füszen fortbewegen'
ist abzulehnen):
clere (=
ascendere) stigin, st. Diefenbach 127
a,
scandere stigen steygen climmen 516
b; st.
scandere, ascendere, inscendere Maaler 385
d; st.
monter, se transporter en un lieu plus haut que celui où l'on étoit Schwan 2, 707
a; st.,
montare, ascendere, salire, andar in sopra Hulsius 239
a.
vgl. auch Adelung 4, 302. I@B@11) st.
ohne besondere bedeutungseigenthümlichkeiten vom menschen gebraucht. I@B@1@aa)
ohne grammatischen zusatz. schon in ältester zeit: thô the stigun sîne bruoder ...; (
ut autem ascenderunt fratres eius)
ahd. Tatian 104, 3;
ähnl. 138, 15;
mhd.: den wilden getwergen wær ze stîgen dâ genuoc, dâ in sîn ors über truoc Wolfram v. Eschenbach
Willeh. 57, 25.
später: es war ain geszlin zwünschen Lucrecie und irs nâchpuren huse vast enge, da durch (wenne man sich mit den füssen in bed wende speren tett) lichtenklich mit stygen in ain venster Lucrecie was zekomen Nic. v. Wyle
transl. 57
K.; da es dan ... an ein klettern und st. gegangen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 463
b; einen baum zum st. bequem zu machen Grimmelshausen 1, 734
Keller; und wie ich stieg, zog von dem flusz der wiesen ein nebel sich in streifen sacht hervor Göthe 1, 3
W.; über vierzehn stunden ... hatte man zu st. Ritter
erdkunde 2, 93. I@B@1@bb)
mit zugefügtem adverbiellen ausdruck der richtung: er stieg aufwärts Göthe 24, 9
W.; wie oft sind wir bergauf, bergab gestiegen 11, 300; immer höher musz ich steigen immer weiter musz ich schaun 15, 234
W.; als ich ... durfte ... nur abwärts st. A. v. Droste-H.
w. 2, 115; mit lichtem blick steigst du nach oben Mörike
w. (1905) 1, 147; zwei stunden heiszen steigens in die höhe Steub
drei sommer in Tirol 1, 103.
andere adverbia wachsen noch mehr, als es gelegentlich auch bei diesen proben der fall sein mag, mit dem verbalbegriff zum compositum zusammen, so empor, herab, heran, herauf, heraus, herein, herunter, hervor, hinab, hinan, hinauf, hinein, hinunter, nieder (
vgl. dazu die einzelnen entsprechenden artikel).
der früheste beleg: saei inn ni atgaggiþ þairh daur in gardan lambe, ak steigiþ aljaþro, sah hliftus ist Ulfila
Joh. 10, 1. I@B@1@cc)
accusativverbindungen. schon der alten sprache ist die hinzufügung eines acc. zu st.
nicht unbekannt, der angibt, '
was man ersteigt'
oder ein acc. des durchmessenen raumes ist. belege aus dem anord. und ags. bei Delbrück
synkretismus 98.
im deutschen ist diese syntaktische verbindung zuerst as. nachzuweisen (
zusammen mit präpositionalem ausdruck): sie an thena hôhan wal stigun stên endi berg
Hel. 3117.
ähnl. als comp. mit einfachem acc.: up gistigun hô himilrîki 1499.
mhd.: gebirge steic er unde tobel Konrad v. Würzburg
troj. 5964.
ganz geläufig ist diese accusativconstruction, wenn sich mit dem verbalbegriff ein adv. verbindet und so zu den composita von st.
hinüberführt: als er ûf von der lîten den berc wolte stîgen Heinr. v.
d. Türlin
krone 27394; wie der tod hinein den sal stig H. Sachs 1, 440, 10
K.; disen berg auff und ab zuo st. Montanus 334, 15
B.; der schon die leiter hinauff gestiegen war v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 39
b; werde ich die treppe hinauf zu Zachariae ... st. Gleim
briefwechsel 1, 152
Körte; steiget voll muths die stuffen hinan Denis
lieder Sineds 92; steiget froh den berg heran Göthe 2, 30
W.; schon steigt er den berg herauf Klinger
neues theater 1, 8; ... stieg Opitz einen abhang nieder Fontane
ges. w. 1, 6, 27.
im nhd. haftet beim simplex diese construction an bestimmten substantiven, und zwar bes. an deren pluralformen '
mit den hauptwörtern treppe, leiter, stiege
ist es (st.)
in dieser form am üblichsten, seltener mit anderen' Adelung 4, 332.
zu ergänzen ist diese reihe jedenfalls noch durch berg, staffel, stufe
und ihre synonyma: scandere clymen, stighen, also eynen bOem, an leder Diefenbach
nov. gl. 329
a; ich steig ein tritt ... ein trapp, trep, staffel, stigel, spross an der leyter Alberus 123
a; eine treppe zu st.
ollapatrida 27, 21
Wiener ndr. ähnl. Chr. Reuter
Schelmuffsky 16; eine hohe wendelstiege, welche ihm ... schmertzlich zu st. war Ziegler
asiat. Banise (1689) 16; dasz ... die stufen den, der sie st. soll, ermüden Schwabe
belust. 2, 181; Daniens Friederich ists, welcher mit blumen dir jene höhen bestreut, die du noch steigen muszt! Klopstock
oden 1, 88, 46
M.-P. so viel berge ich noch gestiegen bin Lessing 3, 78
M.; bei jeder stufe, die er stieg Klinger
w. 3, 122; die berge muss ich steigen, und meine schmach durch alle wälder schrein Brentano 6, 396; steige die treppe Arnim
w. 6, 10
Gr. andere wendungen: berg und tal, stainwend und alle brüch ... ze stygen Steinhöwel
de clar. mul. 299
Dr.; er thet waten und stygen die waszer, berg und tal R. v. Liliencron
hist. volksl. 4, 142, 18; ich wollt ein bäumlein steigen, das nicht zu steigen war
F. L. Mittler 680; er steigt die gefährlichsten kanten im schlafe Göthe IV, 5, 1
W. weitere beispiele solcher accusativconstructionen s. sp. 1880. 1881. I@B@1@dd) st.
in verbindung mit präpositionalen ausdrücken. beispiele sind schon ahd. und as. nicht selten, zahlreich dann im mhd. veraltete wendungen: st. ab
und st. an,
seit dem 17./18.
jh. ausgestorben. vgl. die artikel ab
und an
und folgende belege: (st. ab) dem baum Maaler 385
d, dem dach Montanus 193
B., dem hohen thurn Wickram 1, 43, 18
B. (st. an) den berg
erste deutsche bibel 1, 16, 7
lit. ver., einen kreutzes pfahl Kempe
poesis triumph. 6.
andere präpositionale verbindungen sind bis heute im gebrauch geblieben, wobei die belege mit durch
und über
mitunter der bedeutung '
gehen'
nahekommen mögen. I@B@1@d@aα)
präp. zur bezeichnung der zurückgelegten wegstrecke oder des überwundenen hindernisses: st. durch: wo man drausz od drein will muosz man st. durch vil gefAehrlich geng Seb. Münster
cosm. 389; dieser (
der garnträger) steigt durch alle thäler und winkel Göthe 25, 109
W.; zwei knaben st. durchs gekräute Storm
w. (1897
ff.) 8, 248;
mehr redensartlich: durch dorn und disteln st. B. Schmolck
trost- u. geistr. schr. 1, 94.
st. über: (
er) über ein mauern steyge (
salito sopra un muretto) Arigo
dekam. 84, 31
K.; ungelumpt stig ubern tisch Scheit
Grob. 2629
ndr.; über die ... wand st. J. G. Riemer
polit. maulaffe (1679) 7; denen ... zeunen gleich, darber ein jeder st. wil Butschky
Pathm. 91; als hätten wir über eine leiter st. sollen Göthe 43, 285
W. auch vom überschreiten eines gebirges: die grossen berge, über die wir gestiegen sind? 24, 42
W.; die ... leute waren ... über die Pyrenäen gestiegen Mommsen
röm. gesch. 2, 182.
mit persönlichem objectsbegriff: wohl sinkt da in ewiges schweigen manch schlanke rittergestalt, die anderen über ihn steigen hurrah in den schönen wald. Eichendorf
w. (1864) 1, 397.
redensartlich ist: ich muss st. uber stock und stein
Königsb. dichterkr. 52
ndr. I@B@1@d@bβ)
präp. zur bezeichnung des zieles: st. auf. sehr häufig: (
sie) ... stigen auff die maur
summerteil d. heyligen leben (1472) 16
b; steigt auch ärszlings auf die dillen (=
den boden) H. Sachs 9, 80, 1
K.; auf die hOechste spitze der statt st. Fischart
ehzuchtb. 286, 4
H.; stiegen sie auff die linden
buch d. liebe (1587) 88
d; morgens stieg er auff die banck Logau 328
E.; allwo ich in einer hütten auff den schopff stiege Grimmelshausen
vogeln. 2, 407, 1
Keller; dasz ich der erste bin, der ... auf das schaffot steigt Schiller 3, 346
G.; einsam steig ich auf die höhe Schenkendorf
ged. (1815) 16; seit er auf dieses gebirge stieg brüder Grimm
sagen 2, 15; wir stiegen ... auf den ... dachboden Storm
w. (1897
ff.) 1, 243; stieg ... auf einen ... stuhl Fontane
ges. w. 1, 5, 4; stieg die ... gesellschaft auf den thurm fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 92.
st. gegen: dasz sie ... gegen die höhe st. konnten Ganghofer
schlosz Hubertus 2, 223
ges. schr. volksausg. st. in: thuo dich zuo wie katzen fleisch, das selber kan in hafen steigen Scheit
Grob. 1155
ndr. (
er) stig ... in ir hausz H. Sachs 2, 214, 7
K.; ins wasser Frey
gartenges. 31, 13
B.; ins meer Spee
trutznacht. (1649) 116; der landmann ... kann in volle scheuren st. Gottsched
ged. (1751) 1, 362; sie stiegen in den phaeton (
einen zauberwagen) Hölty
ged. 23
Halm; er entkleidete sich und stieg in das becken Novalis 4, 55
M.; stiegen die besten kletterer ... in die gipfel der ... linden Storm
w. (1897
ff.) 1, 83.
st. nach: anscheinend erst später gebraucht (
doch vgl. st. nach '
in seinen besitz bekommen wollen' II, A, 3,
b, β): nach Paulinzelle st. Göthe IV, 28, 228
W.; nach dem schlosse Novalis 4, 109
M.; nach dem Wittekindsthurm Moltke
ges. schr. 4, 193.
st. unter. selten: nun ... lassen sie uns unter die erde st. Göthe IV, 8, 339
W. st. zu: (
er) zuo dem stayne steyg
lied v. hürn. Seyfr. 46
ndr.; die zu den nestern st. Mynsinger
v:
d. falken 10
lit. ver.; der selb zuon vogelnAester stygt S. Brant
narrensch. 35, 36
Zarncke; unnd steig damit zu dem fenster
buch d. liebe (1587) 91
a.
späterhin scheint st. zu,
abgesehen von den formelhaft erstarrten ausdrücken der sondergruppen (
vgl. I, B, 1,
d, δ),
selten zu werden. man verwendet die verbindung bis zu
oder composita wie emporst.: in einem hinterhause stieg man bis zum vierten stock H. Steffens
was ich erlebte 1, 190; stieg sie zum söller empor Ebner Eschenbach
ges. schr. 1, 117.
einfaches zu
scheint sich mehr auf persönliche objectsbegriffe zu beschränken, zugleich in verbindung mit anderen präpositionalen zusätzen: und dieser jüngling will auf den Helikon zum Apoll und den musen st. Gleim
briefw. 1, 19
Körte. I@B@1@d@gγ)
präpositionen zur bezeichnung des ausgangspunctes: st. aus: stige er ausz dem fasz Lindner
rastb. 30
lit. ver.; Thetis stieg aus des wassers feuchtigkeit Spreng
Ilias (1610) 1, 8
b.
ähnl. aus der carosse Ettner v. Eiteritz
med. maulaffe 65; aus dem quell Pfeffel
poet. vers. (1802
ff.) 8, 59, aus dem wagen Göthe 21, 174
W., aus dem grunde Schiller 2, 166
G. st. von: stig von dem crucz
Alsf. passionssp. 180
Grein; desilire de curru vom wagen st.
nomenclator lat.-germ. (1634) 372; Apollo steigt von den höhen des Olympus Herder 3, 129
S.; vom bocke zu st. Holtei
erz. schr. 7, 15; man stieg unmittelbar von der bodentreppe in das gemach O. Ludwig
ges. schr. 2, 317. I@B@1@d@dδ)
sondergruppen zu d mit z. th. schon nuancierter bedeutung des verbs: I@B@1@d@d@aaaa) zu bett st.
u. ähnl. —
schon alt ist ins bett st.: in mîn bétte nestîgo íh Notker 2, 563, 21
P.; wer lAesset gern alle leute zusehen, wenn ... er in das bette steiget Weise
die drey klügsten leute (1675) 314; die gräfin stieg über den knaben ins bett Eichendorf
w. (1864) 2, 182.
andere präp. in ähnl. verwendung: e er auf des münches petlein steyge Arigo
dekam. 38, 4
K. erst später zu bette st. (
vgl. mhd. ze bette gân):
beleg aus Bürger
unter 3,
a, β. unser freund stieg zu bette Göthe 21, 82
W. entsprechend aus dem bette st.: eben war der major im begriff aus dem bette zu st. Göthe 24, 277
W. ähnl. Eichendorf
w. (1864) 2, 18; Storm
w. (1897
ff.) 1, 219.
metonymisch dafür aus den federn st.: stieg der wirth aus den federn
k.- u. h.-märchen (1812
ff.) 1, 33. I@B@1@d@d@bbbb) auf die kanzel st.
u. ähnl.: auf die kanzel st.
ascendere in concionem Frisius 124
b.
ähnl. nomenclator lat. germ. (1634) 483; auf die kantzel steygen, predigen Maaler 388
a.
die wendung eignet bes. dem 17.
und 18.
jh. rein wörtlich: nach verrichtem ... kirchengepreng steig der pfarrherr auff die cantzel Kirchhof
wendunmuth 2, 122
Ö. ähnl. Kortum
jobsiade (1799) 1, 53.
ggs. von der cantzel st. Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 42, 2
ndr. mit der nebenbedeutung: '
pfarrer werden': da st. wol grAeffliche und andere hohe standespersonen auff die cantzel und predigen Schupp
schr. (1663) 14.
ähnl. vom angehenden juristen Gottsched
ged. (1751) 1, 178. I@B@1@d@d@cccc) auf den thron st.
u. ähnl.: eine wendung des 17./18.
jh.s mit dem nebensinn: '
die regierung antreten': es were kein wunder, dass der pretendent lust hatt, wider auff einen thron zu st. Elis. Charl. v. Orleans 1, 214
Menzel; den wir bald auf den kaiserlichen thron werden st. sehen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 3.
aus späterer zeit: war ein könig auf den thron der Karolinger gestiegen Ranke
s. w. 14, 26; und da sie ihn (
die heuchler den antichrist) aufforderten, auf den thron zu st. Scherer
litteraturgesch. 78.
ohne diese, heute durch die ra. den thron best.
ersetzte nebenbedeutung: sie stiegen auf einen ... erhabenen thron A. U. v. Braunschw.
Octavia (1685) 1, 747.
ähnl. Klinger
w. 3, 21.
ggs. vom throne st. —
wörtlich: götter steiget selbst von euern thronen schützt die tugend, rettet Amymonen Pfeffel
poet. vers. (1802
ff.) 1, 49.
im sinne von '
abdanken': ein spanischer könig muszte ein rechtgläubiger prinz seyn, oder er muszte von diesem throne st. Schiller 8, 8
G. I@B@1@d@d@dddd) zu pferde st.
u. ähnl. (
mhd. nur ze orse sîn)
bezeichnet auch '
fortreiten, fortreisen, eine heerfahrt unternehmen'.
in älterer zeit allein in der form auf das pferd st.: die stigent auf LXX fll der eslin
erste deutsche bibel 4, 389, 16
lit. ver.; bald hat er seine lust auffs hOeltzern pferd zu st. Rachel
sat. ged. 70
ndr. aus neuerer zeit: ich steige mutig auf das rosz Schiller 4, 18
G.; und (
wir) stiegen dort auf kürassierpferde Moltke
ges. schr. 6, 297.
seit dem 18.
jh. bürgert sich der ausdruck zu pferde,
seltener zu rosse st.
ein: der unmuth ... stieg mit zu pferd Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 299; die knaben (
wollen) ... zu pferde st. Göthe 41, 2, 327
W.; wenn zu pferd stieg Artaxerxes Platen
w. 1, 7.
vgl. auch: uf Aristotelem staig ain frowe als uf ain rosse Niclas v. Wyle
transl. 32, 6
K. ähnl. zu rosse st.: der schon um vier uhr betrunken zu rosse stieg Tieck
schr. (1828
ff.) 4, 1.
deutliche nebenbedeutung '
in den krieg reiten': unter der regierung des königs war der adel besonders in den französischen kriegen immer zuerst zu pferd gestiegen Ranke
s. w. 38, 63.
ähnl. = '
fortreiten': noch versuchte er ... zu pferde zu st., um ... das volk in aufruhr zu bringen Herman Grimm
Michelang. 1, 84.
ggs. st. von,
in älterer zeit auch ab dem pferde.
ad pedes desilire schnell ab dem rosz steygen oder springen Frisius 28
b; wenn mein herr steigt vom pferdt H. Sachs 17, 23, 3
K.-G.; das sie wol endlich mit schanden die fAehnlein ... übergeben, von den pferden st., und also sich schimpfflich ruiniren müssen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 898
b.
synonym: und als er zu hause vom rOesselein stieg Göthe 1, 178
W.; ähnl. vom rosse st. Holtei
vierzig jahre (1843
ff.) 1, 4; vom matten thiere st. A. v. Droste-H.
Walther (1879) 213.
gelegentlich wird für pferd
auch das wort sattel
gebraucht: vom sattel will ich wohl st. Erlach
volksl. d. Deutschen 1, 420;
ggs. ähnl. in den sattel
st. F. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 93. I@B@1@d@d@eeee) zu schiff, ans land st.
u. ähnl. von jeher sagte man in das schiff st.
dafür schon verschiedene belege im ahd. Tatian. (52, 1; 54, 1; 80, 7; 82, 3; 89, 4).
später: conscendo auff steigen, in ein schiff st. Calepinus
XI ling. 324
a; die Arcades dess kriegs erfahren darein (
in die schiffe) zuhauff gestiegen wahren Spreng
Ilias (1610) 24
a; dasz diese ... mit in das schiff st. wollten Göthe 43, 222
W. üblich ist auch die präp. auf: (
er befahl einem knechte, dasz er) dar zuo (
zum schiffe) wüte und dar auf stige (
zu beachten ist der wechsel der präp.! vgl. das folgende.) Arigo
dekam. 108, 1
K.; steigt (
der Deutsche) auf ein schiff Jac. Grimm
kl. schr. 8, 466.
der ausdruck zu schiffe st.
begegnet zuerst im 18.
jh. ähnl. wie unter aa (ze bette gân)
entspricht mhd. nur die wendung ze schiffe gê
n. z. b. Parz. 548, 14;
Trist. 1557.
vgl.: steigt nicht der kummer ... auch mit zu schiffe Mastalier
ged. (1774) 135, 1; ach! mein mädchen verreist! sie steigt zu schiffe! Göthe 1, 329
W.; am 31 sten august 1496 stiegen die fürsten zu schiff Ranke
s. w. 1, 82.
ggs. st. aus,
in früherer zeit auch st. ab dem schiffe: der knecht ab dem schiffe steyg Arigo
dekam. 108, 8
K.; so bald er ... ausz dem mOerschiff stig Fischart
Garg. 1, 32
ndr.; da stigen aus den nauen wir Spreng
Ilias (1610) 45
a; wie die helden aus dem schiffe st. H. Brunn
kl. schr. (1898
ff.) 3, 225.
parallel damit: in freundlicher oder feindlicher absicht auf, an das land st.,
von einzelnen, mehreren personen, auch von ganzen heeren gebraucht: sind (
die herren) auffs land gestiegen A. Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 4
a; die türckische armada ... steig bey der statt L. ... an das land Stumpf
Schweizerchron. (1606) 29
b.
ähnl.: als ihr an diese ... küste stieget Schiller 13, 227
G. auch ohne dasz die landung unmittelbar vom schiffe aus geschieht: dô was eines boumes ast, den begreif der starke man ... er steic hin ûf an daz lant Wolfram v. Eschenbach
Parz. 602, 28; Casperl schwimmt auf den wellen und steigt ans ufer Pocci
komödienbüchl. (1859) 43. I@B@1@d@d@ffff)
andere wendungen, den vorhergehenden gruppen entsprechend, sind selten: als er zu wagen stieg Bürger 159
Bohtz; für den schwulst sie salbe suchte, auf den besen stieg und fluchte, wider will den ritt versuchte zu der klugen frauen runde Brentano 3, 394. I@B@22) st.
von thieren; ohne besondere unterschiede zum vorhergehenden, wenn die thiere zu ähnlichen bewegungen wie der mensch befähigt sind. so st.: ke Luther
bibel 91, 2
Bindseil. ähnl. A. v. Droste-H.
briefe 102
Schücking, elephanten Eppendorf
Plinius (1543) 8, 40,
die gemse
nomencl. lat. germ. (1634) 172, ein aff und bär Lichtwer
äsop. fabeln 20.
ebenso in accusativconstruction: die geys ... st. bergechte örter Sebiz
feldbau (1579) 143.
auch wirkliches nach oben und unten schreiten der vögel wird von jeher durch st.
bezeichnet: leyterlin ..., darauf die hüner zu dem fensterlin st. Sebiz
feldbau (1579) 101; ein schwanz zur unterstützung des körpers (
des spechts) beim st. Naumann
naturgesch. d. vögel 5, 248; st.
vom flug der vögel s. unter II,
A, 1,
b, α. st.
der lurche und insekten gehört anscheinend dem 16.
jh. an: die kleinen ameiszlein st. den leuten in die gerten Mathesius
Sarepta (1571) 23
b; die flöh (
werden) den weibern fast über die knie st. Fischart
praktik 5
ndr.; ich will ab dir stygen (
von einem floh) Steinhöwel
Äsop 188
lit. ver.; die krotten ... aus der erden st. Sebiz
feldbau (1579) 9.
als fachausdruck der jägersprache bezeichnet st.
das gehen von bär, otter und biber: der biber und fischotter st. aus dem wasser ans land ... (
der bär,) der nie geht oder schreitet, sondern immer steigt Behlen
forst- u. jagdkunde (1840
ff.) 5, 684; der otter steiget aus dem wasser H. W. Döbel
jägerpractica (1754) 1, 41
b.
ähnl. Brehm
thierleb. (1890
ff.) 1, 670;
Noel Chomel 8, 1597. I@B@33)
besondere färbungen der bedeutung. I@B@3@aa) st.
in geschlechtlicher erregung, auch =
begatten. I@B@3@a@aα)
von thieren. noch heute in der landwirts und thierzüchtersprache für gröszere und mittlere säugetiere auch weiblichen geschlechts gebraucht, bes. für rindvieh, für pferde, esel und schafe. belege aus älterer zeit, mit präpositionalem zusatz: wenn sie (
die kühe) ... auf den stier st. Sebiz
feldbau (1579) 96.
mit acc.: der schelchhengst, den man zu den stuten brauchen will, dieselben zu
st. M. Herr
feldbau (1551) 185
a; dieweyl kein gwild sein frOeuwlin mer steyget, wenn es tragendt wirt Geszner
thierbuch (1563) 16
b.
ohne zusatz: wann ... der stier nicht st. wolt Sebiz
feldbau (1579) 97.
ähnl. von elefanten Eppendorf
Plinius (1543) 46,
löwen 50,
pferden 91,
schafen Frisius 1081,
pferden v. Hohberg
georg. cur. aucta 8.
buch, 97
a. I@B@3@a@bβ)
vom menschen. coire ... onkuuscheit doen, stigen als die pferd Diefenbach 130
c.
grobsinnlich in der älteren umgangssprache: der abt ir nicht auf ir weiches leiblein steyge, sunder sy auf den seinen st. thet Arigo
dekam. 38, 7
K.; sagt man doch, es sey ein grosz wunder, dasz die leüt auff einander steygen und bedürffen keiner layttern nit ... dann unser knecht ... nun schier syben jar alle nacht auff mich gestigen ist Lindner
katzipori 142
lit. ver. daneben stehen ausdrücke, die den begattungsvorgang nicht unmittelbar berühren: ins ehebett st.
und noch etwas abgeschwächter zum mädchen st.: ja mit was grOeszerm kan der sultan mich ergAetzen, als, da er auf mein haus genad und auge neigt mein kind ausz staub auf gold in Oszmans bette steigt Lohenstein
Ibrah. sultan (1680) 23; nein! das (st.
ins ehebett) ist kein solches steigen, da man hals und beine bricht und im bette bey dem manne flieszt die böse Saale nicht. Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727
ff.)
23, 300; tanz uns den hochzeitsreigen, wenn wir zu bette steigen Bürger
w. 15
Bohtz; zu dem mädgen zu st. Lichtenberg
nachlasz 13, 30; (
wer) sich gestehen muss, dasz ein anderer zu seiner frau gestiegen ist Gutzkow
ges. w. 6, 363.
ähnl.: nachdem Pedrillo zu blondchen ins fenster gestiegen ist O. Jahn
Mozart 3, 82. I@B@3@bb) st.
als sonstiger t. t. I@B@3@b@aα)
in der sprache besonderer gemeinschaften bzw. berufsgruppen. —
unter st.
versteht der turner auch das sprossenst. an einer wagerechten leiter und zwar auf deren unterseite (
hangeln und st.
im hangstand)
vgl. Kunath
bez. der gerätübungen 275.
ferner kommt st.,
vom klettern auf leitern und gerüsten gebraucht vor: bei der feuerwehr: (
Berliner)
dienstanweisung (1900) 3, 1, A, 16;
bei zimmerleuten und maurern: mit gunst bin ich heraufgestiegen; dran seht ihr, dasz ich nicht kann fliegen. dieweil ich aber das nicht kann, so geh und steig ich als zimmermann Baumeister
zimmermannsspr. 68.
die bergmannsprache gebraucht st.
vom einfahren in den schacht und dem arbeiten, bzw. dem aufsichtsdienst darin: si heiszen darumb steiger umb das, das si steticlich st. (
perscandere), wan das (
ist) ir geschefte, das si tag und nacht alle perkwerk best. Jelinek
mhd. wb. 678; mein vater, der in gott nun ruhnde steiger, der keinen augenblick vom steigen ruhte Rückert
w. (1867
ff.) 3, 153.
weitere ausdrücke der studentenspr. s. sp. 1875,
der jägerspr. sp. 1880. I@B@3@b@bβ)
sondergruppe 1. —
in der landsknechtsprache und in militärischer verwendung nimmt st.
verschiedene färbungen an: so wird es in verbindung mit über
und von
für gebirgsmärsche eines heeres gebraucht: hat Annibal sich bemühet uber die Pyreneischen berg zu st. Xylander
Polybius (1574) 140; es sieht ihn (
den prinzen Eugen) WAelschland ganz bestrzt von nie erstiegnen Alpen st. Gottsched
ged. (1751) 21; dann stieg er über das gebirg nach Thüringen Ranke
s. w. 2, 150.
der einfachen grundbedeutung nahe steht auch st.,
vom klettern auf einem kriegsschiff gebraucht: und was desz mehr erfordert an personen, so behend mit der sachen schieszen, werffen, st. und klimmen, wissen umb zu gehen Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, 163
a.
im besonderen ist st.
aber erstürmen, so jedoch, dasz die eigentliche bedeutung dabei immer wieder stark durchscheint (
vgl. auch übersteigen A, 1,
a): kein irdisch gewaltsamkeit mit geschtz, stigen, strmen, noch werffen solich slosz gewinnen mag Riederer
rhetoric (1493) h 5
b; also ... der gemain hauf ... sich zu sturmen und st. gericht Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges 274
lit. ver.; in den städten, die mit gesten überleget gewesen, und die überfallen und gestiegen seind Schütz
hist. rer. pruss. (1592)
buch 7, 4
a.
ursprünglicher: auff disz gepirg sol man etliche feste warten setzen und also machen, das die feynd schwerlich darzu steygen mOegen A. Dürer
befest. d. stett (1527) D 1
a. I@B@3@b@gγ)
sondergruppe 2. — st.
in der gerichts- und verbrechersprache. in älterer zeit '
einbrechen' (
üblich dafür auch einst.),
meist in verbindung mit präp.: es sol niemant dem andern stigen oder geen in verschlossen obs-, wingart- oder krutgarten
der stadt Worms reformation (1513) 87
a; weliche aber neben in den schaffstal stygen, die sol man nit dulden H. v. Cronberg 112
ndr. ohne zusatz mit betontem unterschied zwischen st.
und stehlen: der teufel ... ist ein dieb, der st. kan, aber nicht stehlen Abr. a
s. Clara
etwas für alle 2, 195.
vgl. ferner: so eyner erstlich gestolen hat ... und der dieb ... zum diebstall nit gestigen oder gebrochen hat ..., ist eyn heymlicher und geringer diebstall
Carolina art. 157.
andere wendungen der älteren gerichtssprache sind in den turm st. '
ins gefängnis kommen'
und die leiter st. '
am galgen hingerichtet werden': er thuot es gern (
ironisch gemeint!), ja wie die bauren in thurm st.
spichw. schöne weise klugreden (1548) 85
b; man bracht ihn zum gericht hinaus, die leiter musz er steigen Arnim
w. 13, 201
Gr.; ähnl. 21, 85. IIII.
die mannigfachen noch übrigen verwendungsarten des verbums st.,
die das ahd. bereits anbahnt, das mhd. weiter entwickelt, sind alle bildhafter natur. II@AA.
bildliches '
nach oben und unten schreiten, sich nach oben heben',
bzw. '
nach unten senken'
und '
zum vorschein kommen'. (
in älterer zeit gern übersich
und untersich st.) II@A@11)
bei wirklicher bewegung, von einem aufwärtsbewegen, ohne dasz dazu füsze vorhanden seyn müssen Heinsius 4, 771
a;
vgl auch Schwan: st.
monter signifie aussi s'élever 2, 707
a.
im mhd. anscheinend noch kaum vorhanden. II@A@1@aa)
vom menschen gebraucht, ist dieses st.
ein ausdruck erst der heutigen zeit der zeppeline und flugzeuge. vgl.: als sie hörten, dasz ich mit kapitän Spiro in die luft gestiegen sei J. C. Heer
da träumen sie (1916) 95.
in früherer literatur sind vergleichbare stellen naturgemäsz selten: dasz der gAeuckler mit dem pferdtgen in die lfft uber sich steig Nigrinus
von zäuberern 29;
ähnl.: fühlte man sich vom boden der erde in die wolken st. Herman Grimm
Michelang. 1, 1. II@A@1@bb)
von thieren. II@A@1@b@aα)
von vögeln und insekten. bes. vom falken und der lerche: st., wenn der falk sich in die höhe schwinget Jacobsson 4, 273
b.
ähnl. Harsdörfer
frauenzimmergesprechsp. (1641
ff.) 3, 116; wo die schellen der steigenden falken klingen Fouqué
alts. bilders. 4, 75.
mitunter wird der flug selbst unter st.
verstanden, wie übrigens auch bei anderen vögeln (
s. unten): wenn sie fliegen, heyszt es gestigen Sebiz
feldbau (1579) 570; er (
der falke) steigt, wenn er von oben herab auf denselben (
den reiher) stOeszet
öcon. u. physical. lexicon (1750
ff.) 8, 234.
die steigende lerche scheint ein verhältnismäszig später ausdruck zu sein, bes. gern von dichtern des 18.
jh.s und der folgezeit gebraucht: die lerche steigt in die luft E. v. Kleist
frühling 1, 211; in die höhe Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 26: schmetternd steigt der lerchen chor Fr. Kind
ged. 1, 33; die erste lerche stieg jauchzend in die luft Storm
w. (1897
ff.) 1, 37.
auch in naturwissensch. zusammenhange: steigt das männchen (
der feldlerche) ... in die höhe Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 168.
übertragen: der steigenden lerche (
gemeint ist die Karschin) fehlte die himmelsluft Herder 20, 270
S. von anderen vögeln. raubvögel: der geier steigt über die berge Fr.
M. Böhme
volksth. lieder 336; kein adler, welcher steigt zur sunnen Fischart
Eulensp. 9, 209
H.; der steigende adler Schubart
bei D. Fr. Strausz
w. 9, 17.
entsprechend vom heraldischen adler: die fahne lasz zu Kolberg wallen, der adler bade in der see, er steigt dann wieder frisch zur höh Brentano 2, 83.
vögel der jagd: hinüber das gewölcke steiget der reiger Logau 619
E.; die endten stiegen ... in die luft K. Fr. Cramer
Neseggab 1, 200; wenn der fasanhahn in die luft stieg v. Polenz
Büttnerbauer 3, 343.
andere vögel, z. th. unter sichtlicher anlehnung an die bisher genannten: klagend steigt die nachtigall Arnim
w. 22, 50
Gr.; Droins (
ein sperling) steigt in die lüfte Jac. Grimm
Reinh. fuchs vorr. CXXXV; als ein taubenzüchter ein volk tauben in die luft st. liesz Fontane
ges. w. 1, 4, 5.
etwas modifiziert wird st.
auch vom auerhahn, überhaupt vom federwilde der hohen und mitteljagd gesagt, wenn es sich auf einen zweig begibt Behlen
forst- u. jagdkunde 5, 684.
ähnl. Heinsius 4, 771
a;
Noel Chomel 8, 1597; der auerhahn steiget oder tritt zu baume oder vom baume Döbel
jägerpractica 1, 45
b.
von insekten: nun steigt sie (
die mücke) in die luft Ramler
einl. (1758) 1, 298.
redensartliche verwendung vom st.
der vögel in älterer zeit: =
benebelt werden (?): dem philosopho fingen die tauben an zu st. B. Hertzog
schiltwache E 4 (
vgl.taube th. 11,
sp. 168); =
auf einen verrückten einfall kommen: Alexius ... was zuo zeiten im kopff verruckt ... einsmals, als ime die mucken stigend, gieng er zuo Urach in der kirchen uff und ab Frey
gartenges. 122, 6
B. II@A@1@b@bβ)
von fischen. (
vermischung von st. '
sich nach oben heben'
und der grundbedeutung.)
im besonderen bezeichnet st.
hier auch ein '
stromaufwärts schwimmen'
zum laichen oder um gedeihlichere nahrung zu finden: die steigenden oder dem flusse entgegengehenden fische
allgem. haushalt.-lex. (1749
ff.) 2, 369
a.
ähnl. B. Faber
thes. 1022
a; so st. die delphine ... in den Nilum Eppendorf
Plinius (1543) 61. st.
im sinne von einfachem '
nach oben schwimmen (?)'
an der stelle: so gern ich einen hecht geschickt hätte ..., es ist noch zu kalt, darum steigt keiner Göthe IV, 20, 53
W. stark an die grundbedeutung erinnert als fachausdruck der fischersprache: des nachts steiget und schleicht er (
der aal) aus dem wasser Döbel
jägerpractica (1754) 4, 80
a. II@A@1@b@gγ)
bei anderen, nicht in der luft oder im wasser sich bewegenden thieren bezeichnet st.
ein sich emporheben auf der hinterhand, ein sich bäumen. so noch heute vom pferde gebraucht, als untugend und zeichen der unruhe: eine weitere untugend der pferde ist das ... st. Lampe
illustr. tierheilkunde 257; Menas pferd scheute heftig und stieg kerzengrade D. v. Liliencron
w. 6, 283; der traber stutzte plötzlich ... stieg wild und prallte dann zur seite C. Viebig
d. schlafende heer 1, 39;
bei dichtern gilt dieses st. (
mit recht?)
auch als ein beweis für den mut des thieres: (
das rosz) stampfte, stieg und wieherte Mastalier
ged. 43, 6; das schlachtrosz steigt, und die trompeten klingen Schiller 13, 188
G.; steig, edles rosz, und bäume dich Körner
w. 1, 132
H.; die schnaubenden rosse st. 1, 18
H. dasz dieses st.
schon älteren ursprungs ist, beweist eine stelle bei Harsdörfer: einer führt einen steigenden goldlöwen ... in einem blauen schilde
frauenzimmergesprechsp. 4, 307.
die ausdehnung von st. '
sich bäumen'
auf andere thiere als pferde ist aber vereinzelt: unwillig steigt der greif (
gemeint ist der Pegasus, also eigentlich auch hier das pferd.) Schiller 11, 21
G. II@A@1@cc) st.
von allerlei dingen, die eine gleiche oder doch vergleichbare bewegung haben: II@A@1@c@aα)
gegenstände, die z. th. aus eigner kraft sich frei aufwärts heben. bälle, kugeln, ballons: bälle, die ... über die wolken hinaus ... st. Lichtenberg
verm. schr. (1800
ff.) 8, 341; heute habe ich ein kügelchen zum st. gebracht (
bei einem experiment)
br. 2, 116
L.; so liesz er ... eine der echten montgolfieren ... in die höhe st. Göthe II, 6, 103
W.; ein wildschwein von goldschlägerhaut, welches ich einmal als ballon ... st. sah Gaudy
w. 2, 100; der 'Sirius' (
ballon) aber stieg mit neuer kraft J. C. Heer
da träumen sie (1916) 43.
feuerwerkskörper: ir (
der schlösser) viel theten gar laute schmatz, auch ohn zal viel steygender fewer H. Sachs 2, 391, 16
K.; das Fridericus III ... sich ... einer steigenden raqueten verglichen Weise
polit. redner (1677) 576.
drachen. erst seit dem 18.
jh., das dieses z. b. bei den Chinesen längst bekannte spielzeug, im abendlande, jedenfalls in Deutschland aufgebracht haben dürfte: seht wie st. ihre drachen Göthe 16, 52
W.; pater Beccaria stellte einige versuche an ..., wobei er den papiernen drachen in die höhe st. liesz II 1, 12
W.; drachen st. zu lassen, war dieser grosze marktplatz ... sehr geeignet Kerner
bilderb. 9. II@A@1@c@bβ)
ebenso ist st.
der ausdruck für das '
sich heben'
von dingen, die auf ihrem wege durch die luft nicht freie bewegung haben, sondern, irgendwie befestigt oder gehalten, diese bewegung nur in engeren grenzen ausführen können. so vom hissen des segels und der flaggen: das segel steigt! das segel schwillt Göthe 4, 309
W.; da stiegen flaggen ungezählt A. v. Droste-H.
w. 1, 58.
von an seilen oder durch maschinelle vorrichtung in die höhe gezogenen oder nach unten gelassenen dingen: zwischen dem sinken und st. des vorhangs Göthe 24, 380
W.; an langem seil wird nahrung ihm gereicht, doch wunderbar, in stetem wechsel steigt ein wasserkrug mit brot, so hart wie steine, ein reiner korb zu ihm mit frucht und weine Fr. Kind
ged. 2, 79;
in übertragener bedeutung: wie unablässig die eimer des geschickes st. und fallen G. Keller
ges. w. 2, 186.
von der bewegung der schaukel; auf den schwung selbst übertragen: wenn Hanne nur in schaukeln schwebt, wie mutig steigt ihr schwung Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 99.
vom ruder: nach wenigen augenblicken sah Victor schon die beiden ruder taktmäszig st. und fallen Stifter
w. 3, 316.
auch vom schaukeln eines bootes selbst: doch weckte vom eisernen schlaf ihn nicht das st. und sinken des wiegenden nachens Lavater
verm. schr. 1, 282.
ein geläufiger ausdruck ist in diesem zusammenhange die steigende (
ggs.: sinkende)
wage, oft auch in übertragenem sinne gebraucht: die volle schale der scheinbaren glückseligkeit steige zur hölle Klopstock
br. 10
L.; ähnl. Raupach
w. ernster gatt. 5, 26; wenn die eine schale (
der wage) sank, so stieg die andere Storm
w. (1897
ff.) 1, 219.
in prägnanter bedeutung '
unglück haben': in dem augenblicke, da seine schale zu st. anfangt Gerstenberg
schlesw. litbr. 217, 29
dld. 30;
ursprünglicher noch: gott wog das recht, und Oskars schale stieg Müllner
dram. w. (1828) 3, 19.
das st.
der wage musz alt sein, wie der gegenstand es selbst ist. vgl.: leip und kint, leut und land uf wâge daz stîget oder sinket
jüng. Tit. 3180, C. Schulze
bibl. sprichw. 85. II@A@1@dd) st.
von flüssigkeiten, mitunter auch an die bedeutung st. C
erinnernd (
vgl. eindeutige belege dieser art unter II, C, 1,
b, γ): II@A@1@d@aα)
wasser u. ähnl. allgemein: dann das wasser steyget nit gen perg, man dring es den A. Dürer
bef. d. stett E 4
b; wenn das gefAesz halb mit wasser gefüllt ist und wir schütten den gewogenen sand in das wasser, so wird das wasser nun st. Liebig
chem. br. 78
anm. in anderem sinne: des menschen seele gleicht dem wasser. vom himmel kommt es, zum himmel steigt es Göthe 2, 56
W. von wellen und wogen: die wAellen stigen uber sich bisz an die wolken sichtbarlich Spreng
Aeneis 4
b; jeder welle seh ich nach: wie sie blinkt, steigt und sinkt R.
Z. Becker
mildh. liederb. (1799) 14; well auf welle steigt und springt Mörike
w. (1905) 1, 149.
übertragen: steigende welle des glücks Schiller 14, 48
G.; woge (
des urtheils) 12, 455
G.; des häufleins, das in den wogen der menschenfluth als welle steigt und sinkt Collin
Regulus 85.
von flüssen, mit starker personifizierung: der Scamander stieg in die hOeh, auff ihn (
Achill) zutrang, den edlen frsten hart bezwang Spreng
Ilias (1610) 296
b; Homer bezaubert mich; aber alsdann nicht, wann er mir einen flusz zeigt, der aus seinem bette steigt, einem menschen nachzulaufen Ramler
einl. (1758) 2, 72.
vom meere: die see, zur stirn der veste steigend
Shakespeare 3, 12; ich ... übergab mich dem steigenden meere Jean Paul 1, 198
H.; da (
im meere) ist jahr aus jahr ein einerlei st. und fallen J. G. Forster
s. schr. 7, 254.
recht eigentlich wird st.
so auch von sprudeln und den strahlen der wasserkünste gebraucht: er (
ward) einen mächtigen strahl gewahr, der wie aus einem springquell bis an die decke des gewölbes stieg Novalis 4, 55
M.; um zwölf stiegen die groszen fontainen Moltke
ges. schr. 6, 206. II@A@1@d@bβ)
entsprechend bei getränken und säften: lasz den trank im becher st. Platen
w. 1, 139; es steigt und steigt im hals der flasche, sieh und das liebliche nass schäumt über Mörike
w. (1905) 1, 226.
ein älterer beleg dieser art von den körpersäften einer entbundenen: darumb solche materi (
d. h. das blut) nicht mehr untersich sonder ubersich steiget, was uberflssig ist, zu den brsten daselbst in milch versamlet wirdt Ruoff
hebammenbuch (1580) 139.
häufiger vom saft der pflanzen: damit der safft, welcher von unten an uber sich gestigen ist, in die jungen zweige schlage Sebiz
feldbau (1579) 324; da der safft wieder in die stämme steigt J. Prätorius
winterflucht (1678)
vorr. A 4
a; solange die säfte im st. sind v. Görres
ges. br. 3, 622; ihr seht den saft in alle zweige st. Chamisso
w. (1836) 4, 4. II@A@1@d@gγ)
vom quecksilber: das quecksilber der glocke fing stark an zu st. Lichtenberg
br. 2, 87
L. aus älterer zeit mit verwendung eines compositums: so wird das quecksilber alles herber st. Ercker
mineral. (1580) 50
a.
vom quecksilber im wetterglase: mit dem st. und fallen der quecksilbersäule im barometer Ratzeburg
standortgewächse 196.
metonymische ausdrucksweise führt von hier zum st.
und fallen des barometers und thermometers selbst: die steigerung der stimmen bey steigendem barometer Göthe IV, 38, 12
W.; das thermometer ... konnte nicht höher st. 22, 292
W.; schnelles st. des wetterglases Jean Paul 45/47, 430
H. übertragen: das thermometer unserer erwartung stieg und fiel J. G. Forster
s. schr. 2, 5; je nachdem der barometer der mädchenlaune stieg oder fiel W. Raabe
hungerpastor 2, 122; wie ich eine weile ... nicht gezahlt hab und hab vom kellner was begehrt, so ist der barometer seiner dienstfertigkeit aufs hinauswerfen gstiegen Raimund 1, 7. II@A@1@ee)
staub, rauch, dampf, flammen u. ähnl.: der dampff übersich steigt Ryff
confectbuch (1548) 15
b; dampff unnd rauch Paracelsus
op. (1616) 2, 524
H.; flammen Lohenstein
Ibrah. sultan (1680) 5; man konte den aus seinem gipffel steigenden dampff ... observieren Schnabel
ins. Felsenburg 48, 14
Ullrich; stieg ... der staub in die luft Bürger 151
Bohtz. o steiget, Moskaus flammen, wie säulen himmelan Schenkendorf
ged. (1815) 4; aus dem lindenkranze stiegen gastliche rauchsäulen G. Keller
ges. w. 5, 32; eine maschinenwerkstatt, draus ... qualm und feuersäulen in die luft stiegen Fontane
ges. w. 1, 5, 226.
im besonderen vom tabaksqualm: er saugt begierig am geliebten rohr, es steigt der dampf an seiner stirn empor Göthe 2, 143
W. ohne comp.: rauchwolken, die ... aus den pfeifenköpfen st. Börne
ges. schr. 8, 103.
vom opferrauche: ein heiliger rauch stieg ... vom altar Klopstock
Messias 1, 349; der weihrauch stieg Stifter
w. 3, 140; aus der Akropolis hallenden kuppeln brauset der weheruf, steigt der altäre lodernder duftrauch Strachwitz
ged. (1850) 19.
in nichtwirklicher verwendung: wie kömmts, dasz öfter nicht mein weyrauch voller danck zu deinem throne steigt v. Canitz
ged. (1727) 4; da meiner seufzer glut bis an den himmel steiget Gottsched
dtsch. schaubühne (1741) 1, 3; o freiheit ... auf deinem heerde steiget die flamme der kühnen wahrheit grafen zu Stollberg
ges. w. 4, 52. II@A@1@ff)
nebel, dünste, wolken u. ähnl. nebel und dünste: der nebel steic als er ê pflac ûf gegen dem wolken wider Wirnt v. Grafenberg
Wigalois 6921; das ... solcher dunst und feuchtigkeit in offenen gengen und klfften über sich steigt J. Mathesius
Sarepta (1571) 62
a; wenn ... die dnste reiner st. Stieler
geharnschte Venus 65
ndr.; wie viel thau im mertz vom himmel steigen, so viel sich reiffen nach ostern zeigen v. Hohberg
georg. cur. aucta 3, 95
b; wenn der nebel steigt Fleming
teutsche jäger 269
a; die nebel stiegen und fielen Göthe IV 4, 101
W. (IV, 23, 1); wie der nebel zu wolken sich gestaltet, wenn er steigt Ratzeburg
standortgewächse 188.
personifiziert im volksglauben: seht, wie die feuchte nebelschicht schon an des pförtchens klinke reicht, ... der heidemann steigt A. v. Droste-H.
w. 1, 112.
wolken: steigend hoben sie (
die wolken) flügelartig die heilige gestalt empor Göthe 24, 185
W.; aber immer noch steigts und drängts (
in den wolkenmassen) O. Ludwig
ges. schr. 2, 13. II@A@1@gg)
von dingen, die anderen sinnesorganen als dem auge zugänglich sind: II@A@1@g@aα)
luft und luftströmungen: des sturmes, der aus den aufgerissenen klüften steigt Klinger
w. 3, 290; es stieg ein trüber nebelwind vom Rheine (
übertr.) Rückert
w. (1867
ff.) 1, 16; wenn ... ein feuchter wind sich genöthigt sieht, schnell an dem abhange einer bergkette in die höhe zu st. L. Laistner
nebelsagen 5.
bei starker personifizierung nähert sich st.
der bedeutung des tatsächlichen '
nach oben und unten schreitens': Zephyr steigt aus seinen höhlen Benj. Neukirch
ged. 27.
auch vom atem, überhaupt vom luftstrom, der aus dem munde ausgestoszen wird: den kopf musz man (
beim flötenspiel) beständig gerade ... in die höhe halten: damit der wind im st. nicht verhindert werde J. J. Quantz
anweisung d. flöte z. spielen 30; nur des odems steigen durchsäuselte den weiten hallenbau A. v. Droste-H.
w. 1, 60. II@A@1@g@bβ)
gase, düfte, gerüche: bis der sulphur ... nicht mehr steigt oder sich sublimieren wil L. Thurneyszer
magna alchymia (1583) 24; lasz, herr, des opfers düfte steigen Schiller 9, 230
G.; wanns anfängt in die luft zu st. wie verwesung Bettine
dies buch geh. d. könig 1, 40; ein labender duft stieg aus den ... feldern Eichendorf
w. (1864) 2, 105; aus diesen blättern steigt der duft des veilchens Storm
br. in d. heimat 87; beim erwärmen ... steigt (
das ammoniak) in das bierglas Stöckhardt
chem. feldpredigten 1, 32. II@A@1@hh)
vermischtes zu den gruppen c—
g. st.
vom spillentheil bei der pumpe: darnach ligt es (
das spillentheil) so hoch, als es gestigen hat Ph. Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 144.
vom sog. franz. oder zuhaltungsschlosz in übertragener verwendung: eine andere art der zuhaltung (
d. h. des eisenstückes im thürschlosz, das den riegel in jeder lage unverrückbar macht), welche man die steigende zu nennen pflegt, unterscheidet sich von der gewöhnlichen ... darin, dasz sie nicht um eine drehungsachse im bogen, sondern in gerader richtung sich bewegt, und unter rechtem winkel mit der längenabmessung des riegels auf und niedersteigt Prechtl
technol. encycl. 12, 470.
vom aufgehenden teig, zu st. II, C
hinüberdeutend: ich esz ein selig brot, mit schweisz zwar eingeteiget, doch das durch beckers kunst und hefen hoch nicht steiget Logau 55
E.; damit er (
der teig) gehe und über die form steige Amaranthes
frauenz. lexicon 1098.
von blasen beim kochen: aber das mütterchen gosz in die bräunliche kanne den kaffee ... strömte die quelle darauf, und stellt auf kohlen die kanne, hingekniet, bis steigend die farbige blase zerplatzt war J. H. Voss
Luise 1, 336.
vom inhalt des kessels bei der harzdestillation: das st. des kesselinhaltes musz durch gleichmäsziges rühren an der oberfläche ... niedergehalten werden Muspratt
chemie (1893) 4, 118. II@A@22)
mehr als in den wendungen unter 1
vermischen sich mit der nuance '
sich nach oben heben',
bzw. '
nach unten senken'
die spielarten '
nach oben und unten schreiten'
und '
zum vorschein kommen',
wenn die im verbum st.
liegende bewegung sich selbst ins bildhafte verflüchtigt. dabei nehmen die bedeutungsunterschiede der drei gruppen an plastischer kraft ab, und es entsteht ein eigenartiges ineinanderflieszen der bedeutungsarten. reichhaltiges material erst in neuerer zeit. II@A@2@aa)
dem bisher betrachteten stehen die fälle eines bildlich gedachten '
sich emporhebens',
bzw. '
sich nach unten senkens'
am nächsten. frühnhd. auch hier die wendung übersich
und untersich st.: II@A@2@a@aα)
von personen: steigt, steigt zugleich durch die bestirnte luft Horaz und du o deutscher Flaccus Pyra-Lange
Thirsis u. Damons freundsch. lieder (1745) 10; fühlte man sich vom boden der erde in die wolken st. Herman Grimm
Michelang. 1, 1. (
vgl. auch die sondergruppe '
zu gott, zum himmel, zur hölle st.' II, A, 3,
a, β,
bb.) II@A@2@a@bβ)
von sachbegriffen: es dunckt sie (
die trunkenbolde) oftmals, die erde steyge uber sich Ambach
vom zusauffen C 1
a; hoch steigt mir jetzt die welt gleich einem federballe Thümmel
reise in d. mitt. prov. (1791
ff.) 1, 6 (
vgl. zu diesem ausdrucke gehobener stimmung die sondergruppe steigendes herz
u. ähnl. II, A, 3,
a, α,
bb).
so auch vom '
gehoben werden'
auf dem glücksrade und in ähnlichen, allgemeineren wendungen: des gelücks gefährt und kind steigt und fällt mit seinem rade P. Fleming
dtsch. ged. 1, 81
L. ähnl.: kreisend ist der dinge lauf, steigt und fAellt dann wieder R.
Z. Becker
mildh. liederb. (1799) 50; im wechsel steigt und fällt das leben
F. M. Böhme
volksthüml. lieder 238.
auf das ästhetische übertragen: der bau des dramas soll diese beiden gegensätze ... zeigen, ... kampf und gegenkampf, st. und sinken G. Freytag
ges. w. 14, 93. Brentano
liebt den ausdruck steigender blick: es stieg und sank mein blick auf seinen zügen 2, 291.
bes. auch als symbol eines seelischen interesses, vor allen dingen erotischer erregung: blicke, die zu heftig steigen, plaudern alles fälschlich wieder, was die lippen zart verschweigen 2, 145; (3, 304). II@A@2@bb)
der grundbedeutung am nächsten kommt nicht selten st.
im sinne des einfach ins bildliche übertragenen '
nach oben und unten schreitens' (
ohne wirkliche bewegung!)
schon im ahd. vgl. zum folgenden α,
cc, falls nicht bedeutungsmischung mit II, C
vorliegt: so dû ze túgede gestiget (!) Notker 2, 548, 12
P.; ähnl. später: steic der herre ze tugente, von kintheit ze jugente
Rolandslied 1, 22
Gr.; êrste wil ich eben setzen mînen fuoz und wider in ein hôchgemüete stîgen Walther v.
d. Vogelweide 20, 3; er wolde vurbaz stîgen mit der rede ûf anderen sin
passional 83, 56
K. zu α,
aa: swer dise leitern stîgen sol (
die symbolische leiter, auf der man zu gott emporsteigt) Hugo v. Trimberg
renner 20227; lêre uns stîgen der tugende grât Albertus
st. Ulrichs leben 1511
Sch. II@A@2@b@aα)
von personen. II@A@2@b@a@aaaa)
im anschlusz an alte beispiele der letztgenannten art ist der vorstellungsinhalt von st.
zunächst derselbe wie bei der grundbedeutung des verbums, nur rein gedanklich gefaszt: sie st. ... auf den kampfplatz, der dem gegner bequem ist Göthe IV, 9, 299
W.; steige auf das theater und lasz hören, was du ... vorzubringen hast Klinger
w. 3, 38; diese ... aus dem boden gestiegene erscheinung Raabe
hungerpastor 2, 96.
entsprechend von gespenstern und geistern: der ihm des Varus furchtbarn geist aus einem blutgen sumpfe steigend weist v. Ayrenhoff 1, 278; diese ... gespenster sind ... aus dem abgrunde gestiegen, um mich zu ängstigen Göthe 23, 29
W. mit bildhafterem ziel- oder ausgangsbegriff: sie sind in die tiefe der ewigen pein gestiegen Wigand Gerstenberg
chron. 17
Diemar; die menschen, die ... in ihre alte snden fusstapfen st.
Reinicke fuchs (1650) 134; aus der tiefe der zeiten an das tageslicht gestiegen, sonnen sich diese menschen G. Keller
ges. w. 1, 12.
redensartlich sagt der Wiener die leute steign lassen
im sinne eines vergeblichen steigens, eines sie '
zum narren haltens' Hügel 156.
auch hier begegnen wieder accusativverbindungen: die erste staffel der hoheit, welche Simplicius gestiegen Grimmelshausen
Simpl. 5
ndr.; heimliche pfade, die ich st. wollte Grimm
dwb. vorr. III
a. II@A@2@b@a@bbbb)
in anderen fällen ist die zu grunde liegende vorstellung von st.
nicht mehr in wörtlichem sinne möglich, so in wendungen wie ins herz st.,
jemandem auf den kopf st.
überhaupt bei st.
in verbindung mit körpertheilen und entsprechenden synonyma, vgl. sondergruppe II, A, 3,
b, δ und II, A, 3,
a, β,
aa).
so ferner, den belegen unter aa)
nahekommend: also kOend ihr zuo hof nichts gwinnen gleich wie hie oben auch die spinnen. noch dOerfft ihr euern hochmuot zeigen und erst auch in ein mOenchskut steigen Fischart
flöhhatz 1596
ndr.; der ... steigt mir ... in den geldbeutel Ganghofer
schlosz Hubertus 2, 196
ges. schr. volksausg. mit personification des eigentlich nicht pers. subjectsbegriffes: und mutter Flora steigt allmehlich aus dem neste Chr. Reuter
Schellmuffsky 52.
vielleicht stehen solchen fällen die burschikosen raa., ins glas, in die kanne st.
und schon zum folgenden (
cc)
hinüberdeutend, ins examen, in die ehe st.
u. ähnl. nahe. vgl. O. Ladendorf
ztschr. f. d. wortforsch. 4, 313; Eugen muszte von Schnon aus in die kanne st. J. Buchhorn
3Hohenstaufen 45; ich habe schwer zu schanzen. ... im oktober steige ich ins examen 33. II@A@2@b@a@cccc)
häufig und schon alt (
vgl. oben zu b)
ist in diesem zusammenhange st.
in verbindung mit abgezogenem ziel- oder ausgangsbegriff: got ... erleücht ouch nit alle christen, die es auch understond zuo stygen uff die hohen rAete der keuscheit Eberlin v. Günzburg 1, 27
ndr.; die styeg der gnaden ..., daran er (
der mensch) nochmals steygen mag zuo gtem wesen Berth. v. Chiemsee
tewtsche theol. 409; sonderlich ist es nicht rahtsam, das man in den geheimen rahtschlus gottes ... st. wolle v. Butschky
Pathm. 127; als Jesus in das dreiszigst ... jahr gestigen war B. Ringwalt
evangelia (1646) F 1
b; aller elemente toben, osther ist es aufgehoben, wenn er (
Merkur) aus dem schlummer steigt Göthe 3, 362
W.; du, den aus nacht mit jungem glanze dein volk wie frühling steigen sah J. H. Voss
ged. (1802) 3, 3. und (
er) steigt in kurzer zeit zum vorigen vermögen Ramler
fabellese 1, 241.
gern bezeichnet der zielbegriff einen beruf oder besonderen stand: wiltu hie sagen: sie sind ... ynn eynen vollkommeneren stand gestiegen Luther 10, 1, 701, 23
W.; churfürsten, ... welche allein durchs ampt und nit durch angebornen adel in das churfürstenthumb steygen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 312
a. zum lehramt steiget man durch unterschiedene stufen Lichtwer
aesop. fabeln 84.
ähnl.: wenn er nach sekunda steigt, dürfen sie einen stock tragen Holtei
erz. schr. 15, 3. (
vgl. auch die oft ähnlichen fälle unter II, C, 2,
b, β,
bb.) II@A@2@b@bβ)
von sachbegriffen. II@A@2@b@b@aaaa)
entsprechend den fällen unter α,
aa. absolut gebraucht: das niderland würd zuost. haben, will es in das oberland Fischart
praktik 26
ndr. mit präpositionaler verb.: und das schermesser steyget nit auf sein haubt
erste deutsche bibel 5, 11, 30
lit. ver.; wächst aber wo die zung und steiget über zaun, derselben traue du! ich wil ihr nimmer traun Logau 157
E.; sie (
die flamme) steigt von balken zu balken O. Ludwig
ges. schr. 5, 451; jetzt ... sah er ... das ganze schlosz vor sich mitten im grün, als wollts in alle fenster st. Eichendorf
w. (1864) 3, 341;
ähnl.: die höhn und wälder schon steigen immer tiefer ins abendgold 1, 536.
mehr im sinne des '
zum vorschein kommens': das har stieg ihm durch sein huot Wickram 2, 111
B.; ein paradies der herrlichkeit und grösze stieg unter meiner zauberruthe schlag Schiller 15, 1, 10
G.; die wolke sank, und mählich stiegen glieder (
des priesters auf der kanzel) A. v. Droste-H.
w. 1, 66; (2, 31
u. 94.)
ebenso mit concretem zusatz als ziel- bzw. ausgangsbegriff: eine taube soll sich schwingen aus der gluth, soll friedenszweige der empörten erde bringen, dasz sie aus der zornfluth steige Brentano 2, 35; in lichtem glanze wandelt der helden heilger muth, es steigt das land verwandelt aus seiner söhne blut Eichendorf
w. (1864) 1, 386. —
ra. die
haare st. zu berge: horripilare hare zu berge stigen Diefenbach 280
c; die har stigen ihm zuo berg Wickram 2, 380
B.; zu berge steigt mein haar Schiller 6, 382
G.; weil
haut und
haar ihr
zu berge st. brüder Grimm
sagen 1, 130.
seltener im singular: ich läugne nicht, dasz mir
das haar anfing zu st. Schiller 4, 247
G. mundartl.: et stigt ne kein har Schambach 210
b.
mit genauer ortsangabe: die haar stiegen ihm auff dem haupt als igelsstacheln Moscherosch
gesichte (1650) 11.
mit allg. zielangabe: das ... haupthaar ... stieg himmelwärts Lenz
ged. 86.
in absichtlicher besonderheit: dem herrn bürgermeister stiegen die haare und die zipfelmütze in die höhe Storm
w. (1897
ff.) 4, 212. —
veraltet: gen berg st.: und stygen mir gAehen perg di har Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 135; Seb. Franck
sprichw. (1541) 48
b; der es in sein hertz nemme, dem wird dass haar bass gen berg st. Paracelsus
op. (1616) 2, 666
H. II@A@2@b@b@bbbb)
eine bedeutend geringere plastik des ausdruckes zeigen wendungen, die nicht concrete dinge als subjects- und zusatzbegriffe des ziel- bzw. ausgangspunctes zu st.
hinzufügen, sondern entweder nur an einer stelle noch concrete dinge aufweisen oder sich sogar an beiden stellen ins gebiet des abgezogenen verflüchten: mit noch concretem subjecte: disz haus steigt wieder in den stand, den es vor langer zeit besessen v. Besser
schr. 2, 768
König. mit noch concretem begriffe des zieles bzw. ausgangspunctes zu st.: und was will Cromer nicht vor fehler andern zeigen die doch bey dutzenden aus seinen schriften steigen Benj. Neukirch
bei Lohenstein
Arminius (1689
ff.) 2 a 7
b; du wirst doch nimmermehr mit allen grillen zeigen, dasz wollust, ehr und geiz aus einer wurzel steigen Benj. Neukirch
ged. 126; ihm stiegen die stunden zu langsam vom Olympos Wieland I 1, 200
ak. ausg.; und was uns blindes ohngefähr nur dünkt, gerade das steigt aus den tiefsten quellen Schiller 12, 249
G.; dieser witz ist ... aus der stinkenden grube der tiefsten depravation gestiegen E. Th. A. Hoffmann 14, 170
Gr. mit noch weiterer verflüchtigung ins rein gedankliche, zugleich sich wieder der bedeutungsspielart '
zum vorschein kommen'
nähernd, erscheint st.
etwa in folgenden belegen: geistige bilder stiegen aus dem zwielicht der erinnerung v. Salis
ged. (1793) 37; nun stieg der trübe wust von nebelbildern alter kränkung aus ihrer (
der brust) stillen nachtversenkung Lenau
s. w. 16
Barthel; nebelbilder steigen dämmernd aus der vorzeit dunkeln tagen
F. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 3.
beispiele mit ausgesprochen abgezogenen dingen als subjects- und ziel- bzw. ausgangsbegriffen zu st.
können wendungen wie ins gedächtnis, ins gemüt, in die seele, den sinn st.
herbeiführen, vgl. sondergruppe II, A, 3,
β,
aa. in einseitig abgezogener structur erscheint st.
so in absolutem gebrauche ohne weiteren zusatz: euer (
der sinnen) frevelndes beginnen will weiter, als es steigen kann Benj. Neukirch
ged. 33.
mit leichter bedeutungsfärbung: eure streitrede drfte uns ungelehrten weibsbildern schier zu hoch st. Bucholtz
Herkuliskus (1665) 638. II@A@33)
sondergruppen. II@A@3@aa)
ohne weitere modification der bedeutung: II@A@3@a@aα)
mit besonderen subjectsbestimmungen. II@A@3@a@a@aaaa) steigende gestirne, steigendes licht
usw. —
dasz das aufgehen der gestirne bereits im mittelalter ein st.
genannt wurde, läszt sich vielleicht aus der Walther-
stelle erschlieszen: sô stîgent mir die sinne hôher danne der sunnen schîn 118, 29.
sicher wird das sich erheben der sterne über den gesichtskreis (
vgl. Heinsius 4, 771
a)
schon frühnhd. so bezeichnet. von der sonne: als nun die liecht sonn usz dem tieffen mOer gestigen was Wickram 1, 104
B.; die sonne am hOechsten gestigen ist
volksbuch v. dr. Faust 86
Br.; weil ... der sonnen liecht ... an dem himmel höher steigt Opitz
teutsche poemata 51
ndr.; die sonne steigt und sinket Herder 26, 158
S.; die sonne steigt, die stunde naht, und du gehst ewig von mir fort Arend-Conradi-Henckel
moderne dichtercharaktere (1885) 70.
vom monde: was so innig bewegt; glühte das abendroth, stieg der trauliche mond, tönte die nachtigall? J. H. Voss
ged. (1802) 3, 47; des steigenden mondes Jean Paul 1, 343
H.; mit starker dichterischer anschaulichkeit: der mond stieg auf die linde Brentano 4, 74; die scene wechselt, langsam streicht ein wolkenvorhang sich zurück, und in die ganze wölbung steigt der mond mit seinem geisterblick A. v. Droste-H.
w. 2, 46.
von anderen sternen. allgemein im comp.: die sterne st. auf und nieder Körner
w. 1, 112
H.; im besonderen: der grosse bär gleichfals bey tag und nacht besunder nicht steiget in das meer hinunder Spreng
Ilias (1610) 264
a; vom glanzgestirn des Sirius, welches ... aus dem ocean steigt Göthe 41, 1, 274
W. —
die ra. sein stern ist im st. =
er hat glück, er kommt vorwärts scheint der neueren zeit anzugehören: Sullas stern blieb immer im st. Mommsen
röm. gesch. 2, 371.
ähnl. jahrb. d. Grillparzerges. 2, 319; sterne steigen, sterne sinken: unsre sind im niedergange
F. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 297.
im engsten zusammenhange mit dem st.
der sonne wird st.
vom licht, von der dunkelheit u. ähnl. dingen gebraucht, anscheinend noch nicht in früherer zeit und bes. in phantasievoll malender ausdrucksweise: über des tannenwalds schwermüthge schatten steiget das morgenlicht S. Mereau
ged. 1, 12; der morgen stieg ... aus den wäldern Eichendorf
w. (1864) 2, 284; der tag steigt glhend aus dem purpurbette
M. Beer
s. w. 3; wenn die dunkelheit schon aus den gründen der erde stieg Stifter
w. 2, 318; die nacht stieg aus der see E. v. Kleist 1, 118, ans land Mörike
w. (1905) 1, 116.
von jahreszeiten: der morgen graut; der herbst steigt von den bergen und wandert nach dem vogelheerd Fr. Kind
ged. 3, 24; und steigt zu thal der winter, soll unsre hochzeit sein Chamisso
w. (1836) 3, 143. steigendes licht
im sinne von '
zunehmendes licht'
s. unter II, C, 1,
b, γ. II@A@3@a@a@bbbb) steigender sinn, steigendes herz
u. ähnl. —
darin mischung von rein bildhaftem '
nach oben schreiten'
und '
sich emporheben'.
schon mhd. häufiger: ir schœne so vil freuden gît, da von diu herzen stîgent hô Ulrich v. Liechtenstein 423, 12.
vgl. auch Walther v.
d. Vogelweide 118, 28.
ohne grammatischen zusatz: mîn muot muoz stîgen Ulrich v. Liechtenstein 582, 4
ähnl. Werner v. Elmendorf 205.
später: (
der grosze sinn) steigt über sich zu gott Opitz
teutsche poemata 63
ndr.; meine seele (stieg) ... vollen flugs zum himmel maler Müller
w. (1811) 1, 3.
mit stärkerer betonung, dasz die seele (
in diesem zusammenhange bes. herz!)
beim emporschweben von einem beglückenden vollgefühl beherscht wird: und wie die sehnsucht innger sich entfachte, stieg auch mein sinn und herz ... nach oben Tieck
schr. (1828
ff.) 1, 232.
vor allem so von st.
ohne grammatischen zusatz: meine seele stieg und witterte krieg Schubart
leben u. ges. 1, 242; ich konnte jetzt dem gesange ... folgen und folgte mit steigendem herzen Stifter
w. 1, 145; hoher, steiler, fester felsen, darauf Hellas freiheit ruht! seh ich deine wolkengipfel, steigt mein herz und wallt mein blut W. Müller
ged. 206
H. auch brust wird in diesem zusammenhange als subject zu st.
verwendet (
vgl. auch II, B, 3,
a, α): was ist das? deine gestalt hat sich verändert, höher steigt deine brust und deine augen glänzen Schiller 5, 2, 119
G.; 1, 100.
synonym: steigendes blut: jede teilnehmung des hörers; jedes st. und fallen des fluthenden blutes ... ist hier mit unbeschreiblicher kunst und einsicht bemerkt Schubart
ästhetik d. tonkunst 213.
allg. von seelischen wallungen: mein blut ist gar zu dumm, es steigt und fällt zu rasch Hebbel
w. 4, 89
W. II@A@3@a@a@cccc) steigende töne
u ähnl. II@A@3@a@a@cc@aaαα) st.
von tönen. klängen, geräuschen u. ähnl. gesagt, bedeutet zunächst ein '
zum vorschein kommen, sich heben, beginnen'.
schon mhd.: der schal ze himel steic Heinr. v.
d. Türlin
krone 207.
später allgemein von der menschlichen stimme und ihren lauten, bzw. tönen, die ihnen gleichen: verworrene kreischende stimmen tödtender und getöteter steigen zum zürnenden himmel Lenz
ged. 24; wenn von allen völkern ... solch ein jauchzen steigt Denis
lieder Sineds 107, 3; es steigt ein heulen durch die lüfte Göthe 37, 7
W.; steigt ein siebenfaches wehe aus dem stillen wasserreich Mörike
w. (1905) 1, 148.
im bes. von seufzern: die seufzer steigen himmelwärts Gottsched
ged. (1751) 1, 80.
ähnl. Herder 18, 284
S. von gebeten und bitten: steig ... gebet Cramer
nordaufs. (1758
ff.) 3, 6. von wo aus sollen denn ... öffentliche fürbitten zu gott st.? Schleiermacher I 5, 199; wie eure bitten heisz gen himmel steigen A. v. Droste-H.
w. 2, 250; zu wem meinen sie dasz unsere litaneien st.? Bettine
dies buch geh d. könig 1, 158.
auch allg. von der andacht (
als comp.): und seine andacht steigt wie loh vom opfer auf zum sternensitze Schubart
s. ged. (1825) 2, 50.
ähnl. st.
musikalische klänge der majestätische choral steigt wirbelnd in die lichten höhen Ramler
fabellese 3, 211; die lieder der barden ... st. zum hohen Olympos Wieland I 1, 207
ak. ausg.; wenn das feindliche signal in die höhe steigt v. Thümmel
reise in d. mitt. prov. (1791
ff) 7, 162; aus des schneees einsamkeit steigts wie wunderbares singen Eichendorf
w (1864) 1, 603; zärtliche gesänge steigen mit dem abendschein zu mir Novalis 4, 103
M.; lieblich steigen betgesänge aus den frommen gotteshäusern Heine
w. 1, 43
E.; die geschwister lieszen ihre heimischen jodler st. Hesse
Gertrud 146.
gern wird dieses st.
mit den körperlichen organen grammatisch verbunden, welche solche töne erzeugen und formen, z. b. mit mund, lippen, brust,
auch herz (
vgl. II, A, 3,
a, β,
aa). steigendes lied
als ausdruck der studentensprache s. weiter unten. aufs engste mit steigenden tönen
u. s. w. verwandt ist das von den zugrunde liegenden seelenstimmungen gebrauchte steigen des dankes: preis dir unendlicher! dank steigt aus meinem kerker Schubart
s. ged. (1825) 1, 11.
entsprechend steigende wünsche: steigt freudig in die lufft zu den erhabnen höhen, ihr wünsche, die ihr ietzt in unsern hertzen wallt Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged (1727
ff.) 1, 14.
anhang. —
studentensprachlich hat vielleicht der ausdruck steigendes lied
eine gröszere entwicklungsreihe begründet. von Müller Fraureuth 2, 558
ist die ra. ein lied steigt,
ggs. fällt
schon für Fischart (
ohne genaue stellenangabe)
nachgewiesen. aus dem frühen 18.
jh.: der cantus steigt auf der bude
M. Bauer
sittengesch. d. dtsch. studententums 116
b.
nach diesem auch heute noch ganz gebräuchlichen ausdrucke (
vgl z. b. J. Buchhorn
3 Hohenstaufen 99)
sind (
wohl erst modern)
viele andere raa. gebildet: eine rede, aufführung, mensur, ein bierskandal, konvent, landesvater, salamander, der doktor,
auch ein halber, ein ganzer (
vgl. Ladendorf in:
ztschr. f. dtsch. wortforsch. 4, 313): es schäumt der wein, der ganze steigt
96 allg. dtsch. kommersbuch 264.
unechtes comp.: so stieg die sache (
mensur) weiter J. Buchhorn
a. a. o. 99.
in halb burschikoser verwendung: wie, wenn und wo die küsse steigen, das werden die honneurs schon zeigen Sperontes
singende muse 226; wenn man jetzt überall etwas leichtes (
an literarischen producten) st. läszt, so wird es auch hier nicht gantz unschicklich seyn Lichtenberg
br. 2, 113
L. —
raa. wie einen halben st.
und ich steige dir einen vor (
vortrinken)
setzen studentensprachlich vielleicht noch das alte transitive st.
fort. vgl. 2steigen. II@A@3@a@a@cc@bbββ)
in anderer verwendung bezeichnet steigender ton
ein inneres musikalisches st.,
indem der hellere ton als über dem tieferen stehend empfunden wird, wobei auch das hinaufklettern der noten im schriftbilde einer composition mitgewirkt haben mag. zu dieser bedeutung tritt weiterhin der begriff der gröszeren oder geringeren intensität der stimme oder des instrumentalen tones, ohne dasz beides im einzelfalle immer scharf zu trennen ist. unzweifelhafte belege der letzten art s. unter II,
C, 1,
b, γ.
eine ältere begriffsbestimmung, bzw. erklärung bei Jacobsson: st. einer oktave, (
musiker). das ordentliche aufst. einer oktave ist, wenn man von der finalnote durch die vornehmsten sonos oder klaves stufenweise aufsteiget 4, 273
b. —
ggs. fallen oder sinken der töne, melodischer theilgebilde und ganzer melodien. steigende töne (
noten): wann nun zwey basznoten per gradum st. oder fallen, so musz man ... den motum contrarium gebrauchen Heinichen
generalbasz 127; das st. und fallen ... der natrlichen tOene Ramler
einl. (1758) 1, 226.
ähnl. Lessing 17, 116
M. steigende melodische einheiten: eine grosse steigende tertz J. Mattheson
vollk. capellmeister 154; eine steigende secunde Ph. E. Bach
art d. clavier zu spielen 1, 77.
steigende melodien: steig(
enden) schoberw(
eis) Pang. Schobarts H. Sachs
gemerkbüchl. 153
ndr.; gsang der ins ee. ff. steiget
M. Agricola
musica instr. deutsch (1896) 194; die melodie ist leicht und steigend Herder 25, 303
S.; st. und sinken der melodie Fr. Th. Vischer
aesthetik 3, 935; bravurpassagen ..., welche bis ins hohe e st. O. Jahn
Mozart 1, 426; die letzten worte ... stiegen sehr hoch mit einem klang, der in der luft blieb und antwortete, nachdem der gesang längst verhallt war H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 23; den ... refrain, der stieg und niederfiel 24.
ähnl. in allgemeinerer anschauung von sprachmusik: daher die wahl der wOerter, die stellungen der redensarten, das symetrische st. und fallen der harmonie Ramler
einl. (1758) 1, 43. (
entsprechend von der stimme der singvögel: sie (
die nachtigall) läszt die ... gesänge bald st. bald fallen Brockes
ird. vergn. (1721
ff.) 8, 16.) II@A@3@a@a@cc@ggγγ)
übertragung auf die metrik war von vornherein gegeben. dem st.
musikalischer töne entspricht dort die stärkere klangvollere betonung der hebungen im vergleich zu den senkungen. so wird st.
in metrischen betrachtungen schon des 17.
jh.s gebraucht. nachklänge noch im 19.
jh. —
ein vergleich zwischen musik und metrik in dieser beziehung bei J. A. Scheibe: da alle taktarten im st. und fallen anfangen kOennen, ... so ist zu merken, dasz alle steigenden taktarten mit dem jambischen, ... sylbenmasze zu vergleichen sind
d. critische musicus 347. —
steigende wörter und silben: unsere sprache ist reich an steigenden oder jambischen nennworten Gottsched
beyträge z. crit. hist. 5, 59; von dem st. und fallen der
worte und
sylben J. A. Scheibe
a. a. o. 72.
steigende silben sind in diesem zusammenhange silben, die für vershebungen geeignet sind: es st. vollere längen und überlängen, die dennoch der takt niederzwängt; es sinken andere so tief, dasz sie nicht oder kaum in der hebung der verse bestehen können J. H. Voss
zeitmessung 14. —
steigender versfusz und steigender vers: ionisches sylbenmasz besteht aus steigenden ionischen sylbenfüszen Ramler
lyr. ged. 258; der steigende iambus, — der fallende trochäus J. Kinderling
reinigk. d. dtsch. spr. 429; iambische oder steigende verse sind, welche aus lauter iambis bestehen und im scandiren gleichsam immer höher st. J. G. Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie 52. —
in versen nicht jambischen charakters, z. b. im hexameter, spielt die cäsur für den begriff st.
und fallen eine rolle: die erste zeile (
des metrums —
gemeint ist der hexameter alles kann lehriger fleisz durch wagen gewinnen und heben —
ist) zusammengesetzt von zween dactilischen versen, einem fallenden und einem steigenden Heräus
ged. u. lat. inschr. 67.
anderseits Fr. Schlegel: der hexameter. seine bewegung ist weder steigend noch sinkend
pros. jugendschr. 1, 226.
im reime bezieht sich st.
auf männlichen, stumpfen reim, ein ausdruck des 17.
jh.s: die einsylbigen reimwort werden genennet männliche oder steigende Harsdörfer
poet. trichter 1, 32.
ähnl. Schottel
haubtsprache 858; anzeiger der ... einstimmigen (
d. h. reimenden) mAenlichen oder steigenden wOerter Zesen
verm. Helicon 1, 273. II@A@3@a@a@cc@ddδδ)
sonstiges. selten wird st.
in musikalischem sinne von anderen subjectsbezeichnungen als von tönen u. s. w. gebraucht. vom sänger selbst: Calliope darunder sang, in die octaff begund sie steigen Scheit
fröhlich heimfahrt M 3
a; oft berrascht er uns durch unverhofften fall, oft berfAellt er uns durch wunderschnelles steigen König
ged. (1745) 66; stieg er in die höhe, so hörte man in ihm den unerreichbarsten tenoristen Schubart
ästhetik d. tonkunst 150.
vom finger des klavier spielenden: das fortsetzen eines fingers ohne abwechslung, das st. des daumens auf einen halben ton Ph. E. Bach
art d. klavier zu spielen 1, 38.
ja auch übertragung auf die entsprechenden tongebiete der instrumente selbst kommt vor: was hingegen zur rechten hand lieget (
auf dem klavier) ..., steiget aufwerts und lautet feiner und hOeher J. Mattheson
kleine generalbasschule (1735) 69. II@A@3@a@bβ)
sondergruppen mit besonderen gramm. zusätzen als ziel- oder ausgangsbegriffen zu st. II@A@3@a@b@aaaa)
einen gröszeren umfang nehmen die mannigfachen verwendungen von st.
an, in denen die bezeichnung eines körpertheiles oder ein dafür substituierter begriff als grammatischer zusatz zum verbum hinzutritt. II@A@3@a@b@aa@aaαα)
mit persönlichem subjectsbegriff verbunden, steht st.
den unter II, A, 2,
b, α,
bb genannten fällen nahe: die commission arbeitet jetzt an einem Alexandercodex, sie steigt auf die schultern ihrer vorgänger K. L. v. Haller
rest. d. staatsw. 1, 181;
die sakermentsleiter, auf der ich in den schoos Abrahams st. wollte Schiller 2, 91
G. mit übertragung auf personificationen und bildlicher verwendung des begriffes schosz: weil ihr land ... aus dem schoos des meers gestiegen war Herder 13, 315
S.; nach jenen frohen tagen, deren morgen aus froher nAechte schoosze steigt Gotter 1, 178.
noch unwirklicher und entsprechend metaphorischer: die all nackend geen, wie sy ausz muotterleib st. Seb. Franck
weltb. (1534) 225
a; schönstes kindlein Jesu zart, wenn du hart hast wollen liegen, wAerest in mein herz gestiegen
bibl. ält. schriftwerke d. Schweiz 1, 4, 190. —
ra.: was für ein narr ist unserm jungen ... in den kopf gestiegen? Rabener
s. schr. 3, 268.
redensartlich wirken auch entsprechend gebrauchte wendungen, die ein feindliches vorgehen bezeichnen: zu leibe st.: wir müssen ihnen (
dem gesindel) zu leib st. Fr. Pocci
komödienbüchl. (1859) 112.
ähnl. von thieren: aber hAehnchen ... stieg der ente tüchtig zu leib
k.- u. h.-märchen (1812
ff.) 1, 31.
zu kopfe st.: hastu (
der papst) ... mir vollens uff den kopff understunden ze stygen Äg. Tschudi
chronicon helvet. 1, 25
b; herr! rotte diesen schwarm und alle heuchler aus, die dir und deinem volck itzund zu kopffe steigen Hoffmannswaldau
ged. (1697
ff.) 6, 293
Neukirch. synonyme wendungen (
dialektisch verschieden):
zum tüchlein st.: ey lasz mich du on not und schwyg, eb das ich dir zum tchlin styg! H. R. Manuel
weinspiel 1376
ndr. auf das leder st.: Achilles steugt (!) ihm auff das lAeder und fieng ihn unversehner ding Spreng
Ilias (1610) 290
b.
auf die haube st.: ich stieg ihm natürlich auf die haube
briefe v. u. a. Herwegh 258.
auf das dach st. ist schon im 17.
jh. bekannt: Achilles (
d. i. Gustav Adolf) steiget dir gewaltig auf das dach Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 303.
später: da stieg ich lieber den leuten, wie der herr lieutenant, aufs dach G. Th. v. Hippel
lebensläufe 3, 2, 400.
in übertragender umbildung: so wie ein welscher hahn, wenn ihm ein hirte pfeift, den rothen kopf erhebt, und seine flügel streift: so stieg auch Muffeln hier das wort an seinen kragen Benj. Neukirch
ged. 137. II@A@3@a@b@aa@bbββ)
bei nichtpersönlichem subjecte erscheint st.
am häufigsten in verbindung mit den theilen des menschlichen körpers, die gemeinhin als vermittler und träger der seelischen thätigkeit gelten oder früher als solche angesehen wurden. (
schon frühnhd., erst später aber reicher entwickelt und jetzt wieder zurückgehend.) st.
in verbindung mit brust
und herz
sagt man von jeher bes. von seelischen dingen: gedanken, gefühlen, affecten und deren äuszerungen, auch von tönen, liedern, schreien, seufzern u. ähnl. in die brust st.: und furchtbar steigt in eines weibes brust der gräszlichste von allen mordgedanken A. v. Droste-H.
w. 2, 244.
aus der brust st.: was seuffzer st. nicht aus der erlauchten brust v. Besser
schr. 1, 274
König; die süszen gefühle ... so jung und leichtgeschwingt sie aus meiner brust stigen Schubart
leben u. ges. 1, 102; da kommen gelübde aus der brust gestiegen Bettine
dies buch geh. d. könig 1, 203; so stieg das lied aus seiner brust Brentano 2, 421; ein schrei stieg aus ihrer brust Storm
w. (1897
ff.) 1, 166.
synonym ist aus dem busen st.: dann steig aus deinem busen die volle frucht Göthe 2, 174
W. entsprechend aus dem herzen st.: so steiget alsobald des nachbarn miszgunst aus dem hertzen
Reinicke fuchs (1650) 345; den trübsinn, der aus meinem herzen steigt Klinger
w. 4, 216; und hörst du keinen wunsch aus ihrem hertzen st.? v. Besser
schr. 2, 732
König. das gegentheil zu den letztgenannten fällen sind die schon länger veralteten wendungen zum herzen, zu herzen und, bes. frühnhd. gebraucht, in das herz st. namentlich die beiden ersten redensarten haben dabei gern den nebensinn: eindruck machen, nachdenklich stimmen. in das herz st.: das ynn des menschen hertz solch vermessenheyt hat mugen st. Luther 9, 345, 9
W.; das, welchs ... in keynes menschen hertz gesthiegen ist 10, 364, 6; mir steigt eine kleine freude ins herz Bräker
s. schr. 1, 238. —
zum, bzw. zu herzen st.: disz stiege ihr noch allzusehr zum hertzen, dasz ihr unstern so viel andere unschuldige mit drückte Lohenstein
Arminius (1689
ff.) 1, 439
b; soll euch meine schlechte rede ... durch das ohr zum herzen st. Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 2, 33; nie war ihm sein unglücklicher entschlusz so zum herzen gestiegen Laube
ges. schr. 4, 99.
verhältnismäszig früh ist auch zu herzen st.
bezeugt: von dem üblen ... geblüthe, so ihnen mannigfach zu hertzen steiget Amaranthes
frauenz. lexicon 52; denn das man offte sihet und höret, dasselbige steiget endlich zu hertzen
Reinicke fuchs (1650) 70. wem wird nicht zu herzen steigen deiner reden freundlichkeit? v. Erlach
volksl. d. Deutschen 3, 369.
in abgezogener form entsprechen die zuerst im 17.
jh. auftauchenden, jetzt im allg. nicht mehr üblichen ausdrücke: ins gedächtnis st.: aber nun stieg dem Lykomedes alles ... wieder ins gedAechtnisz Bürger
w. 254
Bohtz. zu gedanken st.: aber dasz es ernst sey mit dieser minne, stieg ihnen nie zu gedancken oder zu sinne Kortum
jobsiade (1799) 3, 61.
zu gemüte st.: dasz ohnzweiflich dem leser teutschen sprache bewandnisz viel anderst, als es vielleicht gemeinet, zu gemte st. kan Schottel
haubtsprache 5, 12; mir sind ... bedenken zu gemüth gestiegen Leibnitz
deutsche schr. 2, 143; nach und nach stieg ihr die eifersucht zu gemüthe Jer. Gotthelf
ges. schr. 3, 120.
mitunter auch mit dem ausgesprochenen nebensinne '
eindruck auf jem. machen, ihn in wallung bringen' (
vgl.zum herzen st.
und weiter unten zu kopfe st.): schweigen ist nicht iedem leichte; doch ist leichter noch verschweigen, als vergessen solche dinge, die uns zu gemüthe steigen Logau 613
E. ähnl. Leibnitz
deutsche schr. 1, 207.
in die seele st.: jetzo stieg der gedank in meine zürnende seele J. H. Voss
Odüssee 160
Bernays. so auch noch bei G. Keller: der frieden ... stieg auch in meine seele
ges. w. 1, 151.
in den sinn, zu sinne st.: der dritte versz ... der mir zu sinne stieg Bucholtz
Herkuliskus (1665) 1215; stiegen mir meines ... seelsorgers ... warnungen noch oft zu sinne Bräker
s. schr. 1, 162.
von nichtseelischen dingen: dem ... hund und hasen in den sinn stiegen 1, 162.
umfangreich ist auch ein bezugnehmen auf den menschlichen kopf und seine theile. nur ein anderer ausdruck für die bisher behandelten wendungen ist ins hirn st.: stieg ... die frage mir ins hirn Storm
w. (1897
ff.) 3, 249.
auch von dingen, die auf die sinnesorgane einwirken: wann sie (
die jungfrauen) ... das nastchlein frs maul heben, dasz der geruch nit inns hirn steig Fischart
Garg. 12
ndr.; dünste, welche hernach ins gehirn st. Prätorius
anthropodemus (1666) 1, 26; dem vetter scorpion stieg dieses ins gehirne dergleichen herren sind gar hitzig vor der stirne (
hier mit dem nebensinn '
berauscht werden',
vgl.zu kopfe st.) Lichtwer
äsop. fabeln 76.
sonst verbindet sich in raa. dieser gattung st.
mit den bezeichnungen der einzelnen sinnesorgane selbst: töne und geräusche st.
z. b. ins ohr, gerüche in die nase, gesichtseindrücke in die augen: ins ohr st.: welch ein ... päan steigt ... in mein ohr Ramler
lyr. ged. 119.
die scham stieg (
dem mädchen) ins ohr, in die seele und zur gesellschaft auch auf die wangen Herder 3, 289
S. in die nase st.: den widrigen geruch, der uns ... in die nase steiget Breitinger
crit. dichtkunst 1, 81; der würzige geruch stieg ihr in die nase Gutzkow
ges. w. 6, 204.
ähnl. vom dunst Raabe
unseres herrgotts canzlei 2, 113.
auch redensartlich im sinne von '
verdrusz erwecken': die gschicht mit der kitzgeisz steigt mir in d nasen und verdirbt mir die ganze freud Ganghofer
schlosz Hubertus 1, 77
ges. w. volksausg. ähnl. 1, 239.
in die augen st.: ihr (
der sonne) glanz kan desto eh uns in die augen st. Hofmannswaldau
ged. (1697
ff.) 2, 30
Neukirch; ein heiszes gefühl der liebe stieg ihr in die augen Frenssen
Hilligenlei (1905) 384.
gern wird 'in die augen st.'
von thränen gesagt: dieses ware ... so entfintlich zu hören, dasz ihm auch die thränen deshalben in die augen stiegen A. U. v. Braunschw.
Octavia (1685) 1, 751.
ähnl. Jean Paul 7/10, 451
H. entsprechend ins auge maler Müller
w. (1811) 1, 132; Pfeffel
pros. vers. (1810
ff.) 5, 84.
selten ist der ausdruck aus den augen st.: die Athenienser verehrten ... diese tugend als eine göttin ... aus ihren augen stiegen die thränen P.
F. Sperling
Nicodemus quaerens 2, 561.
ebenso unter die augen st.: Thusnelden stieg ... die schamröte unter die augen Lohenstein
Arminius (1689
ff.) 1, 80
a.
eigenartig sind weitere verbindungen von st.
mit auge
bei Brentano,
zu st. II, A, 1,
d und II C
hinüberdeutend: die thränen stiegen ihr in den augen 5, 317; wie seine augen voll thränen stiegen, da er Isidoren ansah 7, 129. st.
in verbindung mit lippen und mund eignet u. a. der stimme und ihren äuszerungen: von ihren lippen stieg ein stilles dankopfer gen himmel Pfeffel
pros. vers. (1810
ff.) 7, 159; aus den rothen lippen des weibes stieg ein seufzer Storm
w. (1897
ff.) 5, 188; heroische verse st. auf ihre lippen H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 5.
vgl. auch: sein (
des pulvers) donner übertäubt die luft, die aus dem munde steigt und ruft: 'es lebe Carl!' Stoppe
Parnasz (1735) 7.
mit anderen subjectsbegriffen: eine grosze portion galle, die ihm tagsüber ins maul gestiegen Lenz
ges. schr. 1, 17
Tieck; und auf des täuschers bleichen mund ein lächeln steigt zu dieser stund A. v. Droste-H.
w. 2, 26.
redensartlich bedeutet das wasser steigt mir zu munde
so viel wie '
appetit bekommen'
vgl. Blumauer
ged. 165.
andere theile des kopfes: stirn, schläfen, wangen,
auch das ganze gesicht
dienen mit den präpositionen auf, in, über
vorwiegend dem ausdruck die röte steigt
und ähnl. wendungen als angabe des zieles: stieg eine schnelle freude auf ihre
stirn Ramler
einl. (1758) 2, 324; steigt ... das feuer in die stirne J. J. Bodmer
crit. schr. 1, 78; bis in die
schläfen steigt ihm die verlegene röte Wundt
Matterhorn (1916) 62; da sah ich ... ein roth in seine
wangen st. Stifter
w. 1, 319.
ähnl. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 100; das feuer stieg ihn (
vor zorn) ins
gesichte Ziegler
asiat. Banise (1689) 286.
ähnl. Göthe 21, 73
W.; röthe ... stieg auf ihr antlitz Laube
ges. schr. 2, 180, über ihr blasses gesicht Alexis
ruhe ist d. e. bürgerpflicht (1852) 1, 34, farbe ... in ihr gesicht H. v. Kahlenberg
familie Barchwitz 2.
entsprechend wird der den eben genannten wendungen zugrunde liegende physiologische vorgang durch das blut steigt
wiedergegeben: Ottos blut stieg feurig auf die
wangen (
aus scham und ärger) J. E. Schlegel
w. 4, 35.
ähnl. aus stolz Schiller 5, 1, 8
G., aus stolzer bescheidenheit A. v. Droste-H.
Walther (1879) 215; kinder, denen das blut ins
gesichte steigt Gellert
s. schr. 7, 126; Ranke
s. w. 3, 171, in das antlitz G. Freytag
verl. hs. 2, 96. st.
in verbindung mit haupt
und kopf.
auch das wird vom st.
des blutes gesagt, anscheinend eine vergleichsweise moderne ra., die bisweilen nur den rein physiologischen vorgang zum ausdruck bringen will: und schwindelnd bei dem sauren beugen fühlt er das blut zum
haupte steigen A. v. Droste-H.
w. 2, 36.
ähnl. C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 211; das blut steigt mir zum
kopfe Iffland
theatr. w. 1, 202, in den kopf Bettine
dies buch geh. d. könig 1, 150, zu kopfe Arnim
w. 16, 61
Gr.; Immermann 2, 124
B. es macht fast den eindruck, als ob solche raa. alten wendungen nachgebildet sind, die mit dem bildlichen bewegungsvorgange zugleich die nebenbedeutung des '
berauscht werdens'
verbinden. von alkoholischen getränken: der herr Christus sich besorgt, der wein solt ... ins haupt st. J. Nas
antipap. eins und hundert (1567
ff.) 1, 105
b.
ähnl. zu dem haupte
Petrus de Crescentiis 63
a.
noch bei Tieck: der wein ist euch zum haupt gestiegen
schr. (1828
ff.) 1, 100; wem das bier ... nit in kopff steiget J. Mathesius
Sarepta (1571) 193
b.
ähnl. Bräcker
s. schr. 1, 68; zu kopfe Happel
akad. roman (1690) 557; Arnim
w. 6, 174
Gr. andere getränke: das mir das wasser (
in Karlsbad) mehr als sonst zu kopfe steigt und auf die augen wirkt Göthe IV 29, 264
W. dämpfe und dünste: die dAempff st. in das haubt Scheit
Grob. 345
ndr. da stigen ir die dünst von den newen wein und dem essen in kopff Val. Schumann
nachtb. 43
B. ähnl. ollapatrida 363, 26
Wiener ndr. vgl. auch als ihnen aber der rebengeist zu kopfe stieg Langbein
s. schr. 31, 133.
sonstiges. bestimmte subjectsbegriffe: stiege ir ein schmertzen und wehe in das haupt Warbeck
Magelone- 46
B. dem könig ist Hellas in den kopf gestiegen Börne
ges. schr. 13, 63.
ebenso: dieser lyrische hauch Laube
ges. schr. 1, 110, der sieg Alexis
Roland v. Berlin (1840) 3, 381, das geschwätz Raabe
Horacker (1876) 119, die volksgunst Treitschke
dtsch. gesch. im 19.
jh. (1879) 1, 344.
subjectsbegriffe allgemeinerer art: wenn man guten wein hat, so trinkt man seines mädchens gesundheit, das steigt in den kopf
samml. v. schauspielen (1764) 7, 81; es steigt ihm gleich alles zu kopf Bauernfeld 2, 116; mein herz duftet schon so stark, dasz es mir betäubend zu kopfe steigt Heine
w. 3, 78
E. —
meistens gilt in den typen mit nichtpersönlichem subject st.
von allgemein seelischen, im besonderen auch gedanklichen dingen. so konnte sich hier der eigenartigefall entwickeln, dasz der gedankeninhalt eines ganzen satzes als subject zu st.
construiert wurde, sei es in der form eines infinitivausdruckes oder eines vollständigen nebensatzes; selten und veraltet: als Moses viertzig jar alt war, steig es in sein hertz, zu besehen seine brüder Luther 16, 27, 21
W.; die natur zu meistern, steigt meines gleichen nie zu sinn Wieland
d. verkl. Amor 1, 129 (
var.); ihm war ... zu sinne gestiegen, dasz es ihm nicht allzu rühmlich sey, wenn Hüon seine braut dem recken abgewinne
Oberon 3
str. 47. aber dasz es ernst sey mit dieser minne, stieg ihnen nie zu gedancken oder zu sinne Kortum
jobsiade (1799) 3, 61.
ähnl. noch bei Grillparzer: er (
der kunstrichter) steht am gestade der poesie, und schaut, wie sie schäumt durch die riffe, er schaut, bis ihm schwindelnd zu kopfe steigt: sie stehe, er selbst aber schiffe 3, 82
S. st.
in verbindung mit bezeichnungen anderer körpertheile ist bei subjectsbestimmung durch einen sachbegriff selten: gesegnet sey das licht, da die verlangte frucht den ausgang der geburt mit eigner hand gesucht, mit eben dieser hand, die einst der nachwelt zeigt, dasz ihrer sehnen krafft aus Wilhelms (
des königs) lenden steigt Pietsch
geb. schr. 107.
mehr redensartlich: die gicht soll mir auf der stelle in den magen st. Raabe
hungerpastor 3, 95; die achtundachtzig jahre, ... werden mir wirklich ... auf den rücken st. A. v. Droste-H.
br. 119
Schücking. vereinzelt bezeichnet der gramm. zusatz zu st.
den ganzen körper, bzw. die person selbst: als vnglück ist gar in in gestiegen H. R. Manuel
weinspiel 1647
ndr. II@A@3@a@b@bbbb)
in religiöser redeweise verbindet sich st.
von jeher gern mit himmel
und eignet besonders den engeln, Christus und gott: engil steig fon hímile
ahd. Tatian 217, 1; dû, Christe, stíge ze hímele Notker 2, 258, 1
P. vgl. auch in verwandtem zusammenhange: hímil séhet ir indân,thie éngila ouch hera nídargâ
n. ni múgut iz bimîdan,sehet ir se stîgan hérôt inti thárasunubar den mennisgen sún Otfrid II 7, 74.
mhd. und später: (
im comp.:)
er sach ouf und nider stiegen engil
Milst. genesis d 54, 3; herr Jesu Christe, der du ... bist ... zuo hymel gestigen Luther 10, 2, 475, 36
W.; dann stieg er (
der seraph) gen himmel Klopstock
Messias 3, 47; wer stieg gen himmel und stieg hinab? Herder 12, 187
S. ebenso von heiligen und anderen menschen: sanct Paulus ... der in den dritten hymmel stayg J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 153; sind sy (
die ketzer) zum letzten in himmel gestiegen Zwingli
dtsch. schr. 1, 128; er (
der weise) zeigt, dasz er ... im geiste nach dem himmel steigt Benj. Neukirch
ged. 7 d 4
a.
auf die seele des menschen übertragen: meine seele ... steigt nun bis zum himmelschor Paul Gerhard
in Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 355
a.
vgl. schon mhd. in ähnl. form: sîn muot niht wan ze gote steic Rudolf v. Ems
Barlaam 319, 34.
von anderen subjectsbegriffen: da diu deumuot hin ze himele stiget
Rolandslied 125, 10
Gr.; gotes prot steygt von himel Berth. v. Chiemsee
tewtsche theol. 488; die fromkeit ... die von dem himmel steiget J. Grob
dichter. versuchsg. 60; der ... wundermensch, dem sonn und mond zu gefallen vom himmel st. Grimmelshausen 4, 727
Keller; wie steigt ... deine gab ... aus deiner ... höhe Paul Gerhard
a. a. o. 3, 433.
auszerchristlich. von antiken göttern: ein starck und grosz gebäude, ... in dem die götter selbst vom himmel prächtig steigen Chr. Warnecke
poet. vers. 410; so hat mir zuweilen geschienen, als würde er (
Apollo von Belvedere) anfangen, schwebend zum himmel zu st. Solger
nachgel. schr. 1, 78.
in heidnischen vorstellungen: die leiter, auf welcher häuptlingsseelen in den himmel st. Ratzel
völkerkunde 2, 129.
ggs. zur hölle st.: ich glaube, das er (
Jesus) tzu der helle ist gefaren odder gestigen 2
ält. katech. 31
ndr. von der antiken unterwelt: wir muossen zuouor inn die hell st. Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 45
a. II@A@3@a@b@cccc) zu grabe st. — ins grab st.
oder ähnl. ist schon in früher zeit eine umschreibung für sterben: Andreucze ... in das grab steyge Arigo
dekam. 88, 27
K.; wenn sie (
Cleopatra) ins grab ... steigt Lohenstein
Cleopatra (1680) 2, 118.
in neuerer zeit: Catharina sey ... vom throne ins grab gestiegen Göthe IV 9, 287
W.; die ... aufhetzer stiegen einer nach dem andern ins grab Mommsen
röm. gesch. 2, 43.
seltener ist die präposition zu: ich weisz ... wie er (
Kretin) ... zu seinem grabe steiget Hoffmannswaldau
ged. (1697
ff.) 1, 9
Neukirch. in formelhafter erstarrung: getröstet können wir zu grabe st. Schiller 14, 383
G. ggs. aus dem grabe st.: hundertfältig st. die geister der geschichte aus dem grabe Göthe III 1, 310
W.; dann steig ich gewaffnet hervor aus dem grab, den kaiser, den kaiser zu schützen! Heine
w. 1, 40
E. synonym: aus der gruft st.: kam je ein leichnam aus der gruft gestiegen? Schiller 4, 29
G., aus dem gruftgewölbe 12, 412
G. aus den särgen st.; die todten st. aus den särgen Grabbe
w. 1, 63
Bl. aus der asche st.: der ganzen welt geschicht musz meinen rum bezeugen, sollt Helena auch selbst aus asch und grube steigen Postel
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 183; Frankreich steigt ein neu verjüngter phönix aus der asche Schiller 13, 258
G. gern hat der ausdruck auch religiöse färbung: gott stieg aus seinem grabe
F. L. Mittler 303; wir ruhn, und steigen grosz und klein, gestärkt aus unserm grabe Voss
Luise 1, 499.
ähnl. Händel steigt aus dem grabe Archenholz
England u. Italien 1, 147. II@A@3@bb)
neben den vorstehenden sondergruppen, deren eigenart in der besonderheit ihrer subjectsbestimmungen, bzw. ihrer grammatischen zusätze liegt, stehen wendungen, die systematischer, als es in einzelheiten bisher der fall war, bedeutungsspielarten aufweisen. II@A@3@b@aα)
ganz vereinzelt ist st. in '
sich in etwas zertheilen': gleichwie ein junger roszmarin ... zuletzt in so viel zweige steigt, König
ged. (1745) 98. II@A@3@b@bβ) st. nach '
etwas zu erringen, zu erjagen suchen'
gehört mehr der älteren sprache an. mhd. vgl.: wâ der schaz hin wêre, nâch dem im sîn wille steic
passional 380, 7
K. zunächst ganz sinnlich in der bedeutung von st. I: Affricanus setzt ölbAeum, ... Hercules setzt eychen ..., Maximilian steigt nach gemsen Fischart
Garg. 293
ndr.; da einige jungen nach spatzennestern stiegen maler Müller
w. (1811) 1, 303.
in mehr bildhafter verwendung: wer uff syn eygnen synn uszflügt der selb zuon vogelnAester stygt, das er offt uff der erden lygt Brant
narrensch. 38, 36
Zarncke; der naturmensch steigt ... nach den sternen Heräus
ged. u. lat. inschr. 242; schAetze ..., wornach ein Cromwell selbst durch blut und trmmern steigt Schwabe
belust. 3, 389. —
ra. nach fremden nestern st.: hingegen ist der mann auch seinem weibgen eigen, er darff nun weiter nicht nach fremden nestern steigen Henrici
ernst- scherzh. u. sat. ged. (1727
ff.) 1, 393.
mit angabe eines nicht sinnlichen zieles: vor dem hertzogen er sich neigt, als einer der nach gnaden steigt
pfarrer v. Kahlenberg 6, 120
ndr.; weisheit mit kraft verbunden ist wie eine seltene erscheinung ... man setzt gewöhnlich diese zu, indem man nach jener steigt Klinger
w. 11, 332.
vgl. auch das comp. nachst. (
th. 7,
sp. 137),
bes. in der wendung den mädchen nachst.,
einem ausdrucke der studentensprache und des volksmundes: nchsteign, den frauenzimmern nachlaufen Hügel 111. II@A@3@b@gγ) st. über '
übertreffen, über etwas hinausgehen, etwas überwinden'.
schon ahd. das comp. ubarstîgan
in dem hier geltenden sinne: Otfrid V, 7, 26; Notker 2, 253, 15
P.; mhd. belege im mhd. wb. 2, 2, 631
unter überstîge,
aber auch: ir vreude steic ob ir clagen
passional 99, 5
K. nhd. mehr auf die ältere epoche beschränkt: II@A@3@b@g@aaaa)
von personen: alszo steygt der Endchrist ubir gott Luther 7, 175, 3
W. determiniert: der componist Jomelli steigt in dieser arie weit über den dichter Heinse 5, 20
Sch. in etwas anderer fassung: der weg, auf dem man über sternen steigt Gryphius
trauersp. 708
Palm; mit abgezogenem object: steig ja nicht über dein vermögen B. Ringwaldt
evangelia (1646) E 3
a. II@A@3@b@g@bbbb)
von thieren: so hort man die vOegel ... mit lieblichem gesang zuosammenstimmen, gleich als wann ... einer über den anderen vermeint zuo st. und mit gesang obzuoliegen Wickram 2, 140
B. II@A@3@b@g@cccc)
von sachbegriffen: die grösze meiner schuld ist über mich gestiegen P. Fleming
dtsch. ged. 1, 6
L.; das sszeste, so an dir ist, musz ich, ungerne zwar, verschweigen, doch kann es ber alles steigen Stieler
geharnschte Venus 137
ndr.; ich sage, was fast ber alle vernunft steiget A. U. v. Braunschweig
Octavia (1685) 1, 92; also ist die vollkommenheit etwas, so über die gesundheit steiget Leibnitz
deutsche schr. 1, 422.
so gelegentlich noch im 19.
jh.: die höhe der seedeiche steigt auch nur um wenige fusz über die der übrigen Allmers
marschenbuch 22.
überhaupt hat sich diese verwendung des verbums in der heutigen sprache dann am ehesten gehalten, wenn st.
zugleich eine zunahme der grösze oder der intensität des subjectsbegriffes andeutet und somit nach II, C
hinüberweist. vgl. noch: sei die ungeduld ... über alle grenzen gestiegen Brentano 4, 271.
von zahlenbegriffen: diese zahl war 1758 auf über tausend gestiegen Justi
Winckelmann 2, 1, 177;
ähnl. Brunner
erz. u. schr. 1, 132; die temperatur im zimmer will ... nicht über 6½ grad wärme st. Moltke
ges. schr. 4, 103. — II@A@3@b@g@dddd)
ra. über den kopf st.: dasz die europäischen angelegenheiten ... anfangen mir über den kopf zu st. Börne
ges. schr. 10, 182;
ähnl. die arbeiten Jac. Grimm
anzfda. 16, 242.
vgl. dazu aus älterer zeit: die witz steigt drey spannen ber den kopf,
nimium sapere, plus justo, ultra peram sapere Dentzler 354
b. II@A@3@b@dδ)
schlieszlich seien noch einige fälle zusammengestellt, in denen st.,
mit verschiedenen präp. verbunden, den besonderen sinn eines '
sich geistig beschäftigens',
eines '
wohin gelangens'
und '
sich zuwendens'
in geistiger arbeit bedeutet, vgl. die fälle unter II, A, 2,
b, α,
cc, mit denen die folgenden nachweise in enger verbindung stehen: bei allgemeinerer zielangabe: nachdem wir bis hierher in unserer rede gestiegen sind Schleiermacher
Platon 6, 261.
mit angabe eines bestimmteren zieles: sodann st. wir von den kleinen geselligen verknüpfungen zu den höheren und mächtigeren K. L. v. Haller
rest. d. staatsw. 1, XLIX; auf die weise steigt man in die tiefen der geschichte Herder 3, 395
S.; ins gebiet der töne 22, 62
S.; in die menschliche natur Solger
nachgel. schr. 1, 9; mit dem ersten januar stieg ich (
beim studium des menschlichen körpers) aufs schlüsselbein, verbreitete mich auf die brust und so weiter Göthe IV 8, 329
W. vgl. auch unter stärkerer annäherung an st. I: verlassen wir den deich und st. ins land, dann sind wir erst im eigentlichen reiche der gräser Allmers
3 marschenbuch 114.
neben dem simplex stehen in solcher verwendung die comp. herauf-, herabst.
u. ähnl.: durch alle diese betrachtungen st. wir zuletzt zum menschen herauf Göthe II 8, 22
W.; st. wir von da zu den unausgebildeten pflanzen herab, so scheint sich der unterschied zu verlieren II 6, 74
W. ein anderes, wenn auch ähnliches '
sich zuwenden'
bei Seb. Franck: Philippus war den ROemern seer feinde, dann er sahe, das die statt st. wolt, zu auszrottung aller könig und potentat
chron. Germ. (1538) 131. II@BB.
ohne die bisher betrachteten bewegungsarten bedeutet st.
so viel wie '
emporragen',
indem die sprache auf die im st.
überwundene erhebung die thätigkeit des überwindenden subjects überträgt. im ahd., mhd. anscheinend noch nicht vorhanden, auch frühnhd. noch selten, erst seit dem 18.
jh. reicher entfaltet. II@B@11)
vornehmlich vom naturbilde der landschaft gebraucht und den erhebungen in ihr. II@B@1@aa)
zunächst von dingen, die ohne weiteres als dreidimensional gedacht werden. II@B@1@a@aα)
ganze gebirge: st., immer höher werden. so sagt man von dem gebirge wenn es aus dem thal hinaufwärts steiget. das st. des gebirges wird in ein sanftiges, das unvermerkt höher wird, und in ein stückliches oder jähes, wo das gebirge lachter vor lachter sich erhöhet, eingeteilt Jacobsson 4, 273
b; dasz das erdtrich ... grausamlichen hoch übersich gegen dem himmel steigt Seb. Münster
cosm. (1564) 3; da das apenninisch gebirg-erstlich in die hOehe steiget Stumpf
Schweizerchron. (1606) 8
b; gegen westen zieht steigend die Plattenschneide zu einer unbedeutenden erhebung hinaus H. v. Barth
aus d. nördl. Kalkalpen 403. II@B@1@a@bβ)
berge, felsen, inseln u. ähnl. berge und felsen: hoige berghe, stigende in die wolken
pilgerf. d. ritters v. Harff 149; hinten an ... steigt der felsen in die höhe Göthe 6, 20
W. übertragen: der dichter ... musz vergnügen erwecken und nutzen bringen. und hier st. zween erschreckliche berge in die höhe, welche zu erst., gleichsam keinem gelingt Heinse 3, 459
Sch. hügel: ein steigender hügel rettete noch den rest Bürger 277
Bohtz; ein ... hügel, der aus dem thale steigt J. J. Dusch
verm. w. 55.
im besonderen vom grabhügel: oder wenn ich den fall eines der blühenden heldensöhne beseufzte, dem im felde sein hügel stieg Denis
lieder Sineds 126; wo sein gebeugter Gleim thränen ... auf den steigenden hügel gosz Hölty
ged. 57
Halm. auch von bodengestaltungen, die von wasser begrenzt oder ganz umgeben sind, indem sich hier in die vorstellung des '
emporragens'
noch der besondere nebengedanke eines tatsächlichen emportauchens aus dem wasser mischen mag (
vgl. die beispiele unter II, A, 2,
c, β,
aa).
küsten: jene lange blaue küste, die ... in den ocean steigt Laube
ges. schr. 4, 122.
klippen: eine aus dem wasser steigende klippe Manson
seebuch 8;
inseln: von steigenden inseln Klopstock
oden 2, 114, 12
M.-P.; würdest du die insel Capri aus den fluthen st. sehen Klinger
w. 1, 309.
mit metonymischer verwendung von hügel
für insel: der see, welcher itzt breit, dann, versteckt wie ein strom, rauscht an des walds hügeln umher, selber von steigenden hügeln voll, auf denen im rohr die moräne weilt Klopstock
oden 1, 197, 5
M.-P. II@B@1@a@gγ)
vom pflanzenwuchs, wobei im einzelfalle mehr oder minder bewuszt auch die bedeutung '
emporwachsen', '
sich emporheben'
in den begriff des verbums hineinspielen mag. ganze wälder: ihr steigenden wälder maler Müller
w. (1811) 1, 18.
weniger wörtlich: zur wolke st. ... der deutschen dichter haine Klopstock
oden 1, 161, 13
M.-P. bäume: wie kertzengrad st. sie (
die bäume) in die luft S. v. Birken
forts. d. pegnitzschäferei 2; mitten aus diesem brunnen kahm ein indischer palmbaum über sich gestiegen Zesen
rosenmând (1651) 193; die ... fichte steigt J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 61; die ceder steigt bis an der wolken rand
F. Kind
ged. 1, 51.
vgl. auch im nd.: recht as een palmenbohm äver sök stöcht
bei S. Dach 420
Ö. andere pflanzen und pflanzentheile: ein vermischtes braun, aus welchen gras und kraut fast allenthalben steiget Brockes
ird. vergn. (1721
ff.) 4, 12; seine (
des baumes) wurzeln stiegen in den abgrund Jean Paul 21, 29
R.; nebst den beglückten lorbeerzweigen, ... die statt des öhlbaums sprossend steigen Weiszkern
Samson 1, 4.
bei manchen pflanzen ist steigend
auch ein bestandtheil des wissenschaftlichen oder volksthümlichen namens, hier freilich wohl öfters mehr das '
emporwachsen',
als das '
emporragen'
bedeutend: securidaca volubilis steigender bailstrauch Dietrich
vollst. lex. d. gärtnerei u. botanik 9, 38.
vgl. auch die mit steig
zusammengesetzten pflanzennamen unter den comp. von st.
anhang. —
bei weiteren belegen, die st.
ebenfalls stärker im sinne des '
emporwachsens, sich emporhebens'
betonen, mischt sich mitunter in die so gestaltete bedeutung auch noch die vorstellung von einer materiellen zunahme (
vgl.st. II, C): nicht anders dringt und steigt die blüte wie der tag Jac. Grimm
kl. schr. 2, 371; weil dieses gewAechse (
spargel) allezeit steiget, so musz man es mit der erden und etwas mist berschtten v. Hohberg
georg. cur. aucta (1715) 3, 392
a.
wieder liegt mehr der ton auf dem '
emporwachsen'
in folgenden fällen: wann die samen anfahen in die Aehren zu st. Sebiz
feldbau (1579) 52; dasz sich ein schwacher baum durch sttzen aufwAerts zieht, der ohne diese kraft, durch die er nur kann steigen, sich sonsten gantz verschmacht zur erden wrde neigen Benj. Neukirch
ged. 158;
in übertragener verwendung: von keimen, die zum lichte wollen steigen, ist hoffnungsvoll des landes schoosz bewegt Rückert
w. (1867
ff.) 1, 119. II@B@1@bb)
von mehr flächenartigen oder doch als flächen wirkenden gebilden der landschaft, auch unter verwendung einschlägiger compp. des verbums: wir sahen ungeheure gletscher herunter ins thal st. Göthe IV 4, 129
W.; saftige wiesen st. links und rechts hügelan Laube
ges. schr. 3, 159: von der Flensburger bucht steigt ein thal aufwärts Moltke
ges. schr. 7, 24. II@B@22) st.
von werken menschlicher arbeit im gelände der landschaft. II@B@2@aa)
entsprechend gilt st.
von wegen, straszen u. ähnl.: eine weile steigt der weg über matten Göthe IV 4, 84
W.; sie (
die heerstrasze) steigt nie zu schnell in die höhe A. G. Meiszner
skizzen 1, 42; die strasse ist im beständigen st. und fallen Moltke
ges. schr. 1, 219; kleine sträszchen stiegen nach beiden seiten v. Kahlenberg
Eva Sehring 104.
übertragen: deines ruhmes steigende bahn Mastalier
ged. (1774) 104, 12;
ähnl. von des schicksals ... bahn Körner
w. 1, 133
H. bes. ist st.
in diesem sinne schon früh von den gängen eines bergwerks gebraucht worden: st., man sagt dieses .. auch von den straszen eines grubengebäudes, wenn sich der boden mit seinem einen ende immer mehr und mehr von dem zentro der erde weiter wegzieht und entfernet Jacobsson 4, 273
b; das er die wasserseige (
d. h. die sohle oder den boden eines stollens) nicht st. lasse uber stolns gebrauch, da in hundert lachter nur eine st. sol, damit das wasser fortgehe Mathesius
Sarepta (1571) 21
a; zu gleicher weisz seindt under den schwäbenden gAengen etliche, die sich seiger gericht, andere aber die sich flach, auch andere, die sich steigendt und fallendt auszbreiten Ph. Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 44. II@B@2@bb)
werke der baukunst. II@B@2@b@aα)
ganze städte: wer träte aus den öden, wüsten steppen der Tartarei, wo nur der jäger schwärmt, ... und sähe rings die saatgefilde grünen und hundert volkbelebte städte steigen Schiller 13, 395
G. II@B@2@b@bβ)
einzelne bauten und ihre theile. sah ich ein gebäude mit stufen in die höhe st. J. J. Dusch
krit. u. sat. schr. 157.
besonders so von schlössern und gotteshäusern: paläste von marmor st. dort hoch in die wolken Geszner
schr. (1777
f.) 1, 59; er (
der Kölner dom) steigt A. v. Droste-H.
w. 1, 59;
unter einwirkung der bedeutung '
sich heben': und so fest und ungebeuget stehet ihrer tugend zier als einst fromm ein tempel steiget aus des brands ruinen hier Brentano 3, 304.
in verbindung mit streben: es (
das schloss am meer) möchte sich nieder neigen in die spiegelklare flut; es möchte streben und steigen in der abendwolken glut Uhland 1, 150
krit. ausg. übertragen: und wenn der freiheit tempel aus dem leide neu steigt durch sie (
Preuszens frauen) Rückert
w. (1867
ff.) 1, 17.
türme: die türme, die vorhin bis an den himmel stiegen, wurden also niedrig, dasz man auf ihren spitzen gehen konte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 1049; als der kirchturm von weitem aus dem gehölze stieg Schiller 4, 68
G.; ähnl. Schneckenburger
dtsch. lieder 24.
sonstiges: er (
der obelisk) steigt in verschiedenen stockwerken in die höhe Göthe 33, 9
W.; der grosze gartensaal ... der in einer wucht die drei etagen hindurch bis ans dachparterre stieg Laube
ges. schr. 4, 130; und zwischen alle dem ... st. die stolzen treppen 4, 26; stiegt die bühne Freytag
ges. w. 3, 115.
vgl. auch den zimmermannsspruch: und muth, auf steigenden gevieren herum zu klettern und die last der letzten balken zu regieren, bis jeder in das ganze paszt E. Baumeister
zimmermannsspr. 30. II@B@2@b@gγ)
öfters wird st.
von bauten auch im sinne eines stufenmäszig sich vollziehenden und fortsetzenden emporragens gebraucht und nähert sich somit stark der bedeutung II A
und II C: zusehens steigt das werk an unterschiednen stellen v. Besser
schr. 1, 53
König; es steigt der neue bau mit einer jeden stund König
ged. (1745) 24.
ähnl. 25; so steigt nach und nach das beabsichtigte (
bauwerk) in die höhe Göthe 25, 122
W.; es formt sich der altar, der eingang steigt. und als der achte tag sich heimwärts neigt, sieht den geheimniszvollen bau er enden A. v. Droste-H.
w. 2, 256. II@B@33)
sonstiges. II@B@3@aa) st.
von theilen des menschlichen körpers. II@B@3@a@aα) steigender busen,
im 18.
jh. aufkommend und fast immer von der weiblichen brust gebraucht: der busen steigt, wenn er sich beim athemholen, seufzen u.
s. w. erhebt und ausdehnt Heinsius 4, 771
b. ein harnsch deckt deinen schlanken leib, und deine zarte brust; o böser harnsch! itzt seh ich nicht, wie sie sanftschmachtend steigt. Geszner
schr. (1777
f.) 1, 119; an meines mädchens seite sitz ich, ihr aug spricht lust, und unter neidscher seide steigt fühlbar ihre brust Göthe 4, 53
W.; was erreget zu seufzern der jungfrau steigenden busen? Schiller 9, 196
G.; das wallen des busens, der ängstlich steigend sich hebt maler Müller
w. (1811) 1, 147; die büsche lauschten und die lüfte schwiegen, um nicht die süsze rose zu erwecken, wie ihres busens füllen athmend stiegen Rückert
w. (1867
ff.) 3, 164.
deutlicher noch zeigt sich diese bedeutung des verbums in seinen comp. auf-
und niederst.: voller angst und auf und nieder steigt der busen Göthe 11, 252
W. andrerseits auch ohne den begriff des '
auf- und abwogens': in hoffnungsfülle ihr busen steigt Göthe 16, 128
W.; der blendenden glieder gluthathmendes leben, des busens steigende fülle spottet der hülle
F. Kind
ged. 2, 32.
in allg. gebrauche nicht auf die weibliche brust beschränkt, entspricht steigende brust
dem steigenden herzen
vgl. II, A, 3,
a, α,
bb. II@B@3@a@bβ)
ähnl. in seiner bedeutung schillernd, wird dieses st.
auch sonst gelegentlich von körpertheilen gebraucht: ein runder arm, ein hals der fleischigt steiget Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 192; die nase steigt ... grad durchs gesicht Gleim
br. 1, 364
Körte; nasen ..., die in den wind st. maler Müller
w. (1811) 2, 123; die steigenden adern bluten todesangst aus Klopstock
Messias 5, 636.
zu II C
hinüberdeutend: jarl Irold sprachs; der könig schwieg, auf der stirn ihm grimmig die ader stieg Strachwitz
ged. (1850) 47.
veraltet ist in diesem zusammenhange das von der wehenthätigkeit der gebärmutter früher gebrauchte st.: darvon (
von der arzenei) gib ..., (
wenn) die mutter st. will, 2 lOeffel voll Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 25.
ähnl. auch aufst.: das auffst. der mutter
uteri strangulatio Steinbach 2, 701.
vgl. th. 1,
sp. 749. II@B@3@bb)
vermischtes. st. '
hinaufreichen'
von kleidungsstücken: filzhüte, mäntel trugen sie, stulpstiefel, steigend übers knie A. v. Droste-H.
w. 2, 171. st.
wieder mehr im sinne von '
emporragen': näher und fürchterlich näher die verfluchte maschine (
d. h. der galgen) ..., im glanz der morgensonne steigend Schiller 2, 93
G. überhaup tscheint Schiller
diese ausdrucksweise gern verwendet zu haben: in die tiefe der tiefen, wo dein thron steigt eroberer! 1, 43
G.; in jeder gasse stiegen ehrenbogen 13, 201
G. von sich krümmenden, wölbenden linien wird st.
auch sonst, und zwar schon früh gebraucht: so man sie (
die zirkellini) aber steygen macht ... so wirt eyn schlangenlini darausz A. Dürer
messung A 2
b.
entsprechend von den gewölbten augenbrauen: seine steigenden augenbrauen Brentano 5, 444. II@CC.
die letzte, aber sehr umfangreiche bedeutungsspielart des verbums in bildhafter verwendung unterscheidet sich von den bisher erwähnten dadurch, dasz mit st.
gleichzeitig eine zunahme des subjectsbegriffes in irgendeiner richtung verbunden ist: crescere zunemen, wachsen, st. sich bessern überhand nehmen Faber
thes. 214
b.
so schon ahd. und mhd., doch gelangte dieser gebrauch erst seit dem 18.
jh. zu besonders reicher entfaltung. nicht mehr lebendig ist ein derartiges st.
in verbindung mit einem ganzen satze als subjectsbegriff: durt ists im st. gewest, das diabolus hat wollen multos seducere Luther 17, 1, 51, 12
W.; selten ist in diesem zusammenhange auch die ausdrucksweise übersich st.,
die, überhaupt auf die ältere zeit beschränkt, häufiger st. '
sich nach oben heben'
entspricht (
vgl. II, A, 1
u. 2): das sehen wir in elementen, wiewol dieselben von natur widereinander sein, noch machen sy sich zesamen in wachsunden dingen, und st. uber sich durch empfindlich leben bis zum menschen Berth. v. Chiemsee
tewtsche theol. 72; darnach schleusz ein cubum c. l.
m. n., der helt zwey mal so vil innen als der cubus c.
d. e.
f. disz steyget so oft im dupliren ubersich, als du es machen kanst A. Dürer
messung O 1
a.
ebenso vereinzelt der ggs. untersich st.
abnehmen: wan das kind widder kind hat, da steigt die lieb unter sich, uud geht sehr ab der lieb ... gegen die eltern Luther 6, 251, 31
W. im gebrauche von st. '
zunehmen'
sind weiterhin zwei verschiedene arten zu unterscheiden. einmal erfährt der grammatische, zu st.
gehörende subjectsbegriff unmittelbar eine zunahme, eine mehr äuszere an umfang, grösze u. s. w., oder eine mehr innere an intensität, z. b. steigender reichtum
und steigende kraft.
mehr der vergangenheit eignet demgegenüber ein anderes st.,
dessen subjectsbegriff nur mittelbar, d. h. in irgendeinem ihm anhaftenden accidens, die steigerung erfährt, z. b. menschen und länder st.,
wo eine zunahme etwa des ansehens der in frage stehenden gemeint ist. —
grammatische zusätze zu st.
werden in diesem zusammenhange mehr oder weniger nothwendig, um ausdrücken wie der mensch steigt
erst die nothwendige begrenzung zu geben. ohne grammatischen zusatz stehen solche wendungen der spielart st. II, A, 2
noch verhältnismäszig nahe, weshalb sie die brücke von dort zu st. '
wachsen, zunehmen'
bilden können. II@C@11) st.
ohne zusatz. II@C@1@aa)
mit nur mittelbarer zunahme des subjectsbegriffes, wobei es sich um ein wachsen der materiellen und geistigen macht handelt. II@C@1@a@aα)
von personen: ahd.: súndige gestîgent (
kommen vorwärts, in die höhe) Notker 2, 130, 28
P. ähnl. ûfstîgen
mhd.: welt ir und diu muoter mîn mir teilen iwer varnde habe, so stîge ich ûf und ninder abe Wolfram v. Eschenbach
Parz. 9, 22.
später: gott ... der in (
den papst) also hat lassen ... st. J. Sleidanus
reden 62
lit. ver.; sachte steigen das ist sicher, und hat besser ein geschikk, fusz fr fusz zu ehren kommen: denn so weicht der neid dem glkk Neumark
neuspr. teutsch. palmb. (1668) 349.
reichlicher im 18.
jh.: ein praler steigt Benj. Neukirch
ged. 128; heuchler st. Schönaich
Heinr. d. vogler (1757) 10; narren st. oft Gellert
s. schr. 1, 280; von amt zu amt flog Helva; schneckengleich stieg Docken A. G. Meiszner
skizzen 1, 2; dasz man ... eben so sehr durch ränke ... steigt Gerstenberg
schlesw. lit. br. 119, 15
dld. 29; Fieskos schande macht keinen Kalkagno bei mir st. Schiller 3, 48
G.; 12, 263
G.; mit der nachricht meines steigens (
d. h. des vorwärtskommens im offiziersberufe) Hauff
w. (1890) 5, 70, 38; er fühlte die kraft in sich, zu st. (
d. h. im amte vorwärtszukommen)
M. Meyr
a. d. Ries (1868) 2, 82. II@C@1@a@bβ)
von menschlichen gemeinschaften. familien: swâ ein künne stîget, daz ander nider nîget Freidank 117, 26; bekanntlich stieg das geschlecht der herren von Büren im kampf gegen die päpstliche partei Nitzsch
dtsche studien 42.
ganze völker: die zeichen ihres (
d. h. der völker) sinkens oder steigens E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 2, 357; seit Luther st. wir Börne
ges. schr. 7, 307;
der Franzose ... dem Deutschen gegenüber ... stieg gewaltig Dahlmann
frz. rev. 4.
entsprechend auch von synonymen begriffen, ländern, staaten und städten: er (
gott) gibt einem jeden lande seine zeit zu wachsen und zu st. Luther 16, 5, 12
W.; ein nicht mehr steigendes reich Lohenstein
Arminius (1689
ff.) 2, 1066; Anhalt wachse! Anhalt steige Gottsched
ged. (1751) 1, 319.
ähnl. wohl auch: unterdessen wanderte die welt durch tausend verwandlungen, ... throne stiegen — stürzten ein Schiller 3, 581
G. sonstiges. von militärischen formationen: so trete denn der rechte flügel an! des feindes linke, eben jetzt im steigen, soll, eh sie noch den letzten schritt gethan, der jugendkraft geprüfter treue weichen Göthe 15, 1, 265 (
Faust 10504)
W. anwachsen der zahl: die population ist im st. Ritter
erdkunde 2, 677.
ähnl. Ranke
s. w. 2, 316; Mommsen
röm. gesch. 2, 222
anm. II@C@1@a@gγ)
von sachbegriffen, wobei das zunehmen sich vielleicht mehr auf den inneren oder äuszeren werth bezieht. wissenschaften, künste, handwerke: alle künste seyn gestiegen Mangold
marckschiff (1596) E 2; vorbothen des steigens einer wissenschaft
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 2, 85; wie sie (
die kunstdenkmäler) ... gestiegen sind Reimarus
wahrh. d. nat. rel. 65, 26; naturwissenschaft im sinken. geschichte im st. Göthe III 6, 261
W. wörter, sprache u. ähnl.: die prächtigen und ausgesuchten wörter sind im st. Harsdörfer
frauenzimmergesprechsp. 6, A 5
b; damit die teutschen verse nicht fallen (
d. h. an werth sinken), sondern st. mögen Leibnitz
deutsche schr. 1, 486; die sprache steigt, wo der monarch sie liebt Kästner
verm. schr. 1, 108.
titel (
nur im 17.
jh.!): welcher gestalt die titul ... gestiegen ... Harsdörfer
teutsche secretarius (1656
ff.) 1, 26; wo die titul ... st. Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 381; auch der allergeringste mann suchet seinen titul steigend zu machen J. G. Riemer
polit. maulaffe (1679)
vorr. noch eigentlicher von lebensmitteln, bedarfsarticeln, geld u. ähnl. (
zunahme des werthes!).
lebensmittel und bedarfsarticel: steigend — und fallende waaren
merces, quarum pretium augetur et imminuitur Steinbach 2, 701.
so st.: getreide Rebhuhn
klag d. arm. mannes 8, pfeffer Benj. Neukirch
ged. 129, zeug J. E. Schlegel
w. 2, 80, lebensmittel Bräker
s. schr. 2, 274.
münzen und geld: das gold steiget und fällt Harsdörfer
teutsche secretarius (1656
ff.) 1, 420; nach dem werth der steigenden und fallenden ducaten Herttwig
bergb. (1734) 189
a.
bes. von papiergeld und werthpapieren: die actien st. oder fallen Sperander
ala mode sprach 11
a; das papiergeld ist ... im st. Göthe IV 21, 265
W.; so stiegen doch die österreichischen ... papiere Hauff
w. (1890) 2, 177, 4; die actien stiegen wieder Ranke
s. w. 30, 131.
in nichteigentlichem sinne wird der ausdruck die actien st.
dann zu der heute geläufigen bezeichnung eines zunehmenden erfolges, glückes: unterdessen scheinen mir unsere actien eben nicht gestiegen, sondern etwas gesunken zu sein Jac. Grimm im
briefwechsel zw. Jac. u. W. Grimm u. Dahlmann 1, 74.
auf andere dinge als werthpapiere u. s. w. übertragen: die ideen haben ihren cours. sie sind im st. Bauernfeld 3, 246.
sonstiges. andere fälle, in denen das subject zu st.
einen begriff des materiellen besitzes bezeichnet, gehören vielleicht nur bedingt hierher und deuten wohl mehr nach II, C, 1,
b hin: gott ... wOelle ... (
das) bergwerck ... in st. und auffnehmen kommen lassen Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 4
a.
ähnl.: lasz uns das bergwerg bawen, das es im steigen sey
M. Rinckhart
christl. ritter 67
ndr. selten bezeichnet das subject des verbums dinge, bei denen ein anderes accidens als der werth sich vergröszert: die graben der ... stadt waren (
infolge regens) ... gestiegen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 109
a. II@C@1@bb) st.
wachsen bei unmittelbarer zunahme der subjectsbezeichnung: II@C@1@b@aα)
von allgemeinen begriffen: breite Leibnitz
deutsche schr. 2, 41, wechsel Möser
s. w. 1, 96, grösze Göthe IV 28, 38
W., in einer steigenden und sinkenden folge 46, 77
W., vervollkommnung
Athenäum 2, 27, stadium Bettine
dies buch geh. d. könig 2, 308, ausbreitung Fr. L. Jahn
w. 2, 7
E., eine ... steigende dose von zärtlichkeit Pfeffel
pros. vers. (1810
ff.) 5, 182, vermehrung Niebuhr
röm. gesch. 1, 226, fülle
th. 1, 18, fortschritt Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 233, ausdehnung Mommsen
röm. gesch. 2, 56, schwierigkeit 1, 349, verwendung Hoops
waldbäume 169. II@C@1@b@bβ)
speciell mathematische begriffe. steigendes masz und steigende zahl: in steigendem masze Herman Grimm
Michelang. 1, 95; Ranke
s. w. 14, 172; die zahl ... steigt J. v. Müller
s. w. 5, 31; wie steigt die anzahl Ranke
s. w. 2, 56; ... ist die bürgerzahl in stetigem st. Mommsen
röm. gesch. 2, 82; steigende volkszahl Wimmer
gesch. d. dtsch. bodens 162.
im bes.: steigendepotenzen und steigende reihen; ggs. fallen: je nachdem jedes folgende glied einer reihe gröszer oder kleiner ist als das nächst vorhergehende, heiszt dieselbe eine zunehmende (steigende) oder fallende C. Spitz
lehrbuch d. allg. arithmetik (1882) 414. II@C@1@b@gγ)
physikalisches: von festen körpern: weil es (
das kupfer) beim erstarren sich ausdehnt (steigt) Prechtl
technol. encycl. 9, 2.
ähnl. bei Muspratt: dabei zeigt sich das kupfer blasig ... (st. des kupfers)
chemie (1893) 4, 1822.
von flüssigkeiten (
vgl. die belege unter II, A, 1,
d, deren bedeutung in die der folgenden stellen mehr oder weniger hineinspielen mag): die wasser st. vierzig tag Fischart
bibl. hist. 287, 27
Kurz; aus den steigenden wassern der sündflut O. Ludwig
ges. schr. 2, 114; er untersuchet, warum das meer ... gestiegen und höher gewachsen? Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gel. 1, 82.
übertragen: mit der steigenden fluth der parlamentsherrschaft Bismarck
ged. u. erinn. 1, 277; in der steigenden fluth des entsetzens Droysen
Äschylus4 (1884) 372.
optische und akustische dinge: licht u. ähnl. (
vgl. auch II, A, 3,
a, α,
aa)
: schon mhd.: der tac stîgende wart Gottfried v. Straszburg
Tristan 8942. wie das licht des steigenden morgens grafen zu Stolberg
ges. w. 10, 75.
ähnl. Eichendorf
w. (1864) 3, 278; da in der steigenden dämmerung es immer einsamer geworden war Storm
w. (1897
ff.) 4, 253; 264.
farbe (
als ausdruck seelischer erregung): da begann mit steigender röthe die jungfrau J. H. Vosz
Luise 1, 380.
geräusche, töne u. s. w. (
vgl. II, A, 3,
a, α,
cc): dieses (
kriegsgeschrei) ... wuchs ... und stieg
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 37; ein steigendes ... rasseln Klinger
w. 3, 56; einer stimme ..., der man anhört, dasz sie auch st. und schwellen kann R. Huch
in meisternovellen 2, 178; nur lispeln hört ich, ... es stieg und sank, mit einem mal brachs ab A. v. Droste-H.
w. 2, 106.
ein st.
der stimme, d. h. ihr wachsen an stärke (
verbunden mit einem hinaufgehen in eine höhere stimmlage? vgl. II,
A, 3,
a, α,
cc, ββ)
deutet auch seelische erregung an: Seni (mit steigendem ton): vertrau dich diesen Schweden nicht Schiller 12, 382
G.; in steigender betonung G. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 21. —
vgl. in diesem zusammenhange auch den ausdruck steigender diphthong,
etwa für anord. jú
gegenüber got. íu
oder im afränk. blintu,
das neben ahd. blintiu
steigendes iú
gehabt haben musz. sonstiges. von temperaturen: die hitze steiget v. Fleming
teutsche jäger 1, 259
a; die wärme kommt dann wieder zum st. Ritter
erdkunde 5, 406.
übertragen von innerer theilnahme gesagt: er ergreift der herzogin hand mit steigender wärme Schiller 12, 103
G. ähnl. Börne
ges. schr. 11, 228. II@C@1@b@dδ) st.
auf physiologischem gebiete: leben und lebensdauer: mit steigendem alter Naumann
naturgesch. d. vögel 7, 358.
schon zum seelischen hinüberdeutend (
ε): immer strebe so fort, und deine natürlichen gaben bilde, bei jeglichem schritt steigenden lebens, die kunst Göthe 1, 284
W. gesundheit und krankheit: meine gesundheit fängt wieder ... an zu st. Göthe IV 1, 178
W.; dasz die krankheit ... im st. ist Immermann 1, 118
B. determinierter: cholera Gerstenberg
schlesw. lit. br. 149
dld. 29, fieber Pfeffel
pros. vers. (1810
ff.) 5, 57, wahnsinn Börne
ges. schr. 2, 195, entzündung H. Steffens
was ich erlebte 1, 34. II@C@1@b@eε) st. '
wachsen'
in seelischer beziehung. II@C@1@b@e@aaaa)
intellectuelles und künstlerisches wirken. fertigkeiten und begabung, z. th. vielleicht noch nach δ hinüberdeutend: den steigens begierigen witz des menschen J. J. Bodmer
crit. schr. 1, 54; dasz meine kraft ... steiget Kästner
verm. schr. 1, 106.
ähnl. Dahlmann
frz. rev. 73; st. und fallen ... des musikalischen geschmaks Schubart
leben u. ges. 1, 178; fertigkeit, die ... steigt Schleiermacher I 12, 533; steigende energie und kraft G. Freytag
ges. w. 14, 56.
von schärfer bestimmtem einzelkönnen: nach II, A, 3,
a, α,
cc, ββ hinüberdeutend: fürchte die treue sprechung (
declamation), die ganz, was du dichter ihr gabest, bildet dem ohre, wie du, steiget und sinket wie du Klopstock
epigr. 39. mit steigender beredsamkeit Holtei
erz. schr. 5, 59.
von producten gedanklichen gestaltens: nun kann der gedanke nicht mehr st. wie beym Horaz Gerstenberg
rez. 220
dld. 128; wenn man ... dieses Rom in steigenden situationen dargebracht hätte Göthe 40, 316
W.; von jenen steigenden erfindungen 25, 252
W. auch für den grammatischen begriff der comparation: dasz wir ... durch zwo sylben ... diese art steigender gedanken ausdrcken, nAemlich durch er und ster, oder ste Gottsched
dtsche sprachkunst (1748) 211.
von ästhetischer anschauung: ich würde Niagarens wasserfall ... nicht so fühlen, wenn ... hier blos meine begriffe st. dörften Herder 3, 263
S.; etwas grausenhaftes, welches steigt Solger
vorl. über ästhetik 154. II@C@1@b@e@bbbb)
trieb- und gemütsleben. allgemein: steigender: affect Solger
nachgel. schr. 1, 59, leidenschaftlichkeit
F. M. Böhme
gesch. d. tanzes 1, 218.
freude und schmerz: vergnügen Göthe 47, 25
W., entzücken Schubart
s. ged. (1825) 1, 268, wohlgefallen Humboldt
ges. schr. 1, 167, verwunderung und freude Tieck
schr. (1828
ff.) 20, 137, genusz O. Jahn
Mozart 4, 275.
interesse, zuneigung, verlangen: steigender ehrgeitz Fischer - Tümpel
ev. kirchenlied 1, 77, liebe Gottsched
dtsche schaubühne (1741) 1, 27, treue
ged. (1751) 1, 112, bewunderung Herder 5, 8
S., zärtlichkeit E. Th. A. Hoffmann 10, 316
Gr., theilnahme R. Wagner
ges. schr. 6, 3, neugier C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 102, mitgefühl W. Raabe
Horacker 75, eifer Bismarck
ged. u. erinn. 2, 153; das sinken und st. des interesses Justi
Winckelmann 2, 1, 143.
von animalischem verlangen: mordgier (
des löwen) J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 224, freszlust Jac. Grimm
Reinh. fuchsvorr. XXII.
ausdrücke der angst: sein entsetzen stieg Langbein
s. schr. 31, 88, mit steigender angst G. Hauptmann
weber (1892) 85, unruhe G. Hirschfeld
mütter 80;
ausdrücke der abneigung: der hasz ... muszte st. Thom. Abbt
verm. w. 2
b, 44; steigender: troz Schiller 4, 66
G., bosheit B. Mayr
päckchen satiren 73, widerwille Gentz
schr. 1, 198
Schlesier, ungeduld Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 196, 3, wut K. Marx in:
briefe v. u. an Herwegh 90, unwille O. Jahn
Mozart 1, 204, gährung Ranke
s. w. 16, 96, erbitterung Mommsen
röm. gesch. 5, 33, heftigkeit Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 308, abneigung Justi
Winckelmann 1, 102, erregung Seidel
vorstadtgesch. 56, unbehagen v. Polenz
Grabenhäger 2, 90.
sonstiges: stieg ... der muth und dünkel Göthe 25, 152
W. ähnl. Mommsen
röm. gesch. 2, 33.
äuszerungen von affecten und seelischen eigenschaften: in worten: meine steigenden fragen Göthe 23, 173
W.; steigende klagen Varnhagen v. Ense
tageb. 1, 117; steigender jubel R. Wagner
ges. schr. 9, 24.
in gedanken und thaten: wie die snd ... steiget Musculus
hosenteuffel 6
ndr.; zeiten ..., in welchen ... schande und laster ... gestiegen B. Ringwaldt
lauter wahrheit (1585). A 3
a;
es steige die tyrannei Börne
ges. schr. 14, 84. II@C@1@b@zζ) st.
zunehmen von dingen des praktischen, gesellschaftlichen, staatlichen lebens und schaffens. II@C@1@b@z@aaaa)
begriffe des handels und verkehrs: allgemein: der handel steiget Gottsched
ged. (1751) 1, 13.
ähnl. Ritter
erdkunde 1, 470; die handlung (
d. handelsgeschäft) stieg Brentano 5, 288; einem ... steigenden verkehr Niebuhr
röm. gesch. 1, 135.
specieller: st. und fallen der aus- und einfuhr
allgem. dtsche bibl. (1765
ff.)
anh. zu bd. 25/36, 2304.
werth, preis u. ähnl. 'st.
von preisen '
höher gehen',
gegensatz fallen' Schirmer
wb. d. deutschen kaufmannsspr. 183; die preise st.
i prezzi montano si alzano Kramer 2, 231
c; der webekunst ... gestiegener werth Lohenstein
Arminius (1689
ff.) 2, 7.
ähnl. Seidel
Leberecht Hühnchen 21; obgleich die preise gestiegen sind Göthe IV 19, 155
W.; st. und fallen der preise Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 184.
übertragen: von dem st. und sinken des inneren werthes Schleiermacher II 2, 4, 39.
synonym: der curs steigt.
in eigentlicher bedeutung: damit der kurs des goldguldens wieder stiege Doren
Florentiner wolltuchindustrie 208; er sprach vom wechsel der course, vom st. und fallen Holtei
erz. schr. 3, 12.
übertragen: marketenderin: umarm deinen vater, du dukatenlippel! Lippel: na, der curs steigt Brentano 7, 423. II@C@1@b@z@bbbb)
arbeitsgewinn, wohlergehen, verlust, noth. allgemeines. steigende wohlfahrt Gottsched
ged. (1751) 1, 389,
steigendes glck Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 148,
ähnl. Tieck
schr. (1828
ff.) 7, 183, noth und jammer Benj. Neukirch
ged. 126, gewinn Göthe IV 38, 132
W., mangel J. G. Forster
s. schr. 3, 111, bedürfnisz Gutzkow
ges. w. 6, 402, nachfrage Doren
Florentiner wolltuchindustrie 284.
determiniertere begriffe materieller art: ausgaben, einnahmen, besitz: seine güter stiegen Schiller 2, 355
G.; die ... steigenden auflagen (
d. h. steuerabgaben) J. G. Forster
s. schr. 7, 134, ausgaben Holtei
erz. schr. 11, 16, kosten Ranke
s. w. 1, 219, mieten 37, 249, geldbuszen D. Fr. Strausz
w. 6, 189; er sprach von seinem ... steigenden verdienst, seiner steigenden einnahme Hebbel II 3, 170
W.; sein gehalt stieg Seidel
Leberecht Hühnchen 41; die steigende schuldenlast Nitzsch
dtsche studien 48.
vgl. auch den ausdruck steigende forderungen
z. b. bei Tieck
schr. (1828
ff.) 91, 407; Ranke
s. w. 1, 140; 31/32, 144.
entsprechende begriffe ideeller art. st.
wird gebraucht von: der ehre Harsdörfer
teutsche secretarius (1656
ff.) 2 )( )( 5
b, des lutherthums ... ehre Gottsched
ged. (1751) 1, 325, des reiches flor
neueste ged. (1750) 50, verdienst Stoppe
Parnasz (1735) 4,
der flagge ruhm Kästner
verm. schr. (1755) 2, 180, ansehen Wieland
Agathon (1766
ff.) 2, 118, vorrang Eschenburg
beispielsamml. 2, 218, hoheit (
d. königin Luise) Schleiermacher II, 4, 31, macht Ritter
erdkunde 1, 315, macht der finsterniss Jung-Stilling 3, 169, weihe der arbeit W. H. Riehl
arbeit 55, glanz und ruhm des römischen namens Mommsen
röm. gesch. 2, 69, kapitalmacht Nitzsch
dtsche studien 87, übergewicht des adels Moltke
ges. schr. 2, 85. —
ggs.: mit der steigenden nullität der comitien Mommsen
röm. gesch. 2, 260.
von gnade und gunst: gnade und grosse gunst steigt langsam
engl. comöd. 206, 10
Creizenach. II@C@1@b@z@cccc)
freiheit, gesittung, cultur und ihr gegentheil: seitdem stieg denkfreiheit J. H. Vosz
antisymb. 2, 71; steigt ... die cultur ... Göthe 48, 58
W.; bei steigender cultur Savigny
v. beruf uns. zeit ... 12. —
unordnung, zerrüttung u. ähnl.: die steigenden miszverständnisse Gutzkow
ges. w. 6, 316; der immer steigende tumult O. Jahn
Mozart 3, 285; stieg ... die soziale zerrüttung Mommsen
röm. gesch. 2, 43.
vgl. auch den ausdruck steigende gefahr: durch Edgars ankunft steigt die gefahr für Donald Börne
ges. schr. 1, 56. II@C@22. st. '
wachsen'
mit grammatischen zusätzen. die grammatischen zusätze zu st. '
zunehmen, wachsen'
entsprechen in ihrem aufbau den in der grundbedeutung des verbums (I B)
dargelegten typen. auch hier tritt der acc. des inhalts, treten adverbien und präpositionale ausdrücke sinnergänzend zum begriffe des wortes hinzu. II@C@2@aa)
grammatische zusätze zur näheren begriffseinengung der unter C, 1,
a genannten fälle. sie bestimmen das accidens näher, das bei nur mittelbarer zunahme der subjectsbezeichnung für das '
anwachsen'
in frage kommt (
vgl. sp. 1905
unter C). II@C@2@a@aα) st. an etwas.
solche wendungen bezeichnen gewissermaszen eine bildliche leiter, auf deren sprossen sich die dem st. '
anwachsen'
zugrunde liegende, ebenfalls bildhafte bewegung vollzieht. von personen, bzw. personifizierten thieren: wenn du einmahl an ehren steigst Lichtwer
äsop. fabeln 22.
das alter der ausdrucksweise zeigt eine Marner
stelle: der milte man ie stîgende an hôhen sælden was 102
Strauch. von menschlichen gemeinschaften: wie
die reiche ... an ehre, wrde, macht und herrlichkeit bald abbald zunehmen, bald st. bald fallen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 1.
vorr. 1.
in metaphorischer ausdrucksweise: je höher die jahrhunderte an bildung st. Göthe II, 3, 140
W. von sachbegriffen: so kann das gut ... an werth st. Göthe 22, 146
W.; die übungen ... stiegen an umfang und bedeutung Mommsen
röm. gesch. 2, 426. II@C@2@a@bβ) st. in etwas
zur bezeichnung des gebietes, worin die zunahme des subjectsbegriffes als geschehend gedacht wird. bei personen. meist bezeichnet der zusatz einen affect, eine seelische eigenschaft, einen begriff der werthschätzung: vom niedren steigt man hoch, vom hohen steigt man nieder; wer nur in demut steigt, steigt füglich hin und wieder Logau 200
E.; metonymisch: jedes auge ... wird in bewundrung st. Göthe 4, 146
W. verbreitet ist die wendung in der achtung st. (
u. ähnl.)
so steigt man: in (
der) gnade Arnim
s. w. 1, 163
Gr., in der liebe und achtung Börne
ges. schr. 3, 205, in (
der) gunst Holtei
erz. schr. 2, 47, in der öffentlichen meinung
briefe v. u. an Herwegh 208.
vgl. auch: dasz jungfrauen nicht, wie äcker, durch fruchtbarkeit im anschlage (
werthschätzung) st. G. Th. v. Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 7.
anderer inhalt des präpositionalen zusatzes: wie hoch st. in ihren geheimnissen die persischen weisen Lohenstein
Arminius (1689
ff.) 1, 109
b; den in ihr (
d. h. in der prälatur) im st. begriffenen Justi
Winckelmann 2, 1, 89.
bei sachbegriffen. im preise st.
u. ähnl.: alles steigt im preise Cronegk
schr. (1771) 1, 14, fische Schiller 2, 32
G., steinkohlen Raupach
w. kom. gatt. 2, 265, lebensbedürfnisse Bismarck
reden 3, 5
Kohl; wo alles ... im geldwerth gestiegen ist Niebuhr
röm. gesch. 1, 273.
auf nichtmaterielles übertragen, steigt im preise: das leben Müllner
dram. w. (1828) 3, 80, der streitgegenstand Jhering
geist d. röm. rechts 3, 1, 24, das bürgerrecht Mommsen
röm. gesch. 1, 78.
so auch scherzhaft von personen: sind die poeten noch nicht im preise gestiegen und haben immer die fähndriche noch doppelten dichtergehalt? Herwegh
ged. eines leb. 2, 136.
mit anderem inhalt des präpositionalen zusatzes: so sie (
die substanzen) in ihr hoffart steigent Paracelsus
op. (1616) 1, 44
H.; dass die charaktere ... in leidenschaftlicher erregung st. O. Ludwig
ges. schr. 5, 371; dein land nimmt in der grOesze zu, uns deine fähigkeit zu zeigen, wiewohl es nie so hoch als du, nie so, wie du verdient, kann in der grOesze (
d. h. in seiner bedeutung) steigen v. Besser
schr. 1, 4
König. mitunter kommt diese gebrauchsart auch subjectsbegriffen zu, die einer unmittelbaren zunahme fähig sind. derartige wendungen machen dann oft einen pleonastischen eindruck: (
die vernunft) steiget hoch in ihrem eigenen liechte J. Arnd
theol. d. Thom. a Kempis 26; wie weit die barbarey in ihrer wut gestiegen Rabener
s. schr. 2, 84. in etwas st.
zur bezeichnung des grades der zunahme s. unter δ. II@C@2@a@gγ) st. mit etwas,
wobei gemäsz den sp. 1905
unter C
gemachten unterschieden insofern eine zweitheilung stattfindet, als einmal nur das in frage kommende accidens die zunahme erfährt, anderseits bei den unter II, C, 1,
b aufgeführten wendungen auch das subject zu st.
selbst an der steigerung theilnimmt. II@C@2@a@g@aaaa)
ersteres wird besonders deutlich, wenn das subject zu st.
eine person ist: mein nachbar, der steige ... mit seinen gtern so weit (
nur das hab u. gut vergröszert sich!)
Reinicke fuchs (1650) 345; dasz sie (
die schauspielerin) mit ihrer stimme so lange stiege Lessing 17, 121
M. ähnl. die geläufige ra. mit seinen forderungen st.
z. b. Archenholz
England u. Italien 1, 299.
schon zum folgenden hinüberdeutend mit sachl. subjectsbegriffe: ey, mit den jahren steigt auch unsre wissenschaft Gottsched
dtsche schaubühne (1741) 5, 455. II@C@2@a@g@bbbb)
gleichzeitige zunahme im subjectsbegriffe und im präpositionalen ausdruck (
entsprechend den wendungen unter II, C, 1,
b): die gier ... steigt mit der entsagung Zach. Werner
söhne d. thals 1, 185; der werth (
literarischer producte) steigt mit der grOesze ganz unverhAeltniszmAeszig
Athenäum 1,
st. 2, 122; mit der kultur st. die bedürfnisse E. Th. A. Hoffmann 10, 32
Gr.; die kraft und würde der einzelnen ... steigt und fällt mit der kraft und würde ihrer arbeit W. H. Riehl
arbeit 9.
stark pleonastisch: je nachdem das wasser mit der fluth stieg Schiller 9, 51
G. gern enthält der präpositionale ausdruck dabei einen begriff der zeit: wie des kOenigs krafft mit seinen jahren steigt Pietsch
geb. schr. 52; mit jedem jahre steigt der ... beyfall Rabener
s. schr. 6, 70; das missverhältniss steigt mit jeder stunde Börne
ges. schr. 10, 136;
die sehnsucht stieg mit jedem postag Caroline
br. 1, 168
Waitz; die fluth steigt mit jeden augenblick Allmers
marschenbuch 34.
verblaszter sind wendungen wie: es steigt der muth mit der gelegenheit
Shakespeare 5, 25; das komische der handlung steigt mit ihrem fortgange Gerstenberg
schlesw. lit. br. 149
dld. 29. II@C@2@a@dδ)
bestimmter formen den vergleich zweier dinge hinsichtlich ihres anwachsens die seit dem 18.
jh. auftauchende wendung in dem selben masze wie
etwas st.
und deren synonyma. etwas (
sinkt und)
steigt: in eben dem maasze
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 535.
ähnl. Savigny
gesch. d. röm. rechts 1, 66, in eben dem verhältnisse Lessing 10, 212
M. ähnl. Göthe 49, 31
W.; in gleicher proportion Wieland
Agathon (1766
ff.) 2, 171, in gleichem schritte
F. Th. Vischer
auch einer 1, 98. II@C@2@bb)
grad und menge des mit st.
bezeichneten wachsens. II@C@2@b@aα)
in unbestimmter fassung. II@C@2@b@a@aaaa)
adverbia: wie weit steigt doch die heutige klugheit Weise
die drey klügsten leute (1675) 101.
ähnl. Göthe 25, 84
W.; desto mehr steigt oder fAellt das verdienst Thom. Abbt
verm. w. 1, 11; stufenweise st. Gottsched
dtsche sprachkunst (1748) 20; etwas st. Göthe IV 1, 178
W.; nicht wenig st. Jac. Grimm
kl. schr. 3, 3. —
vgl. dazu mit hinzugefügtem zielbegriff aus mhd. zeit: ie baz unt baz steic der herre ze tugente
Rolandslied 1, 25
Gr. vor allem beliebt ist von jeher die der ursprünglichen bedeutung am meisten entsprechende ausdrucksweise hoch, höher,
mit präpositionalem zusatz zu hoch st. (
vielfach annäherung an die bedeutung st. II, A, 2.)
schon ahd. und mhd.: déro uirtús hôh ist kestígen Notker 2, 49, 11
P.; daz iuwer lop dâ ... stîget ... hô Walther v.
d. Vogelweide 85, 3.
ähnl. Ulr. v. Liechtenstein 233, 31; hoher denne ie wibes name gestige Werner
Maria 181, 34
in Fundgr. 2.
aus späterer zeit, entsprechend den fällen unter II, C, 1,
a, α: Etius wollte ... zuo hoch steygen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 192
b; wenn dich dein eygen lob ... nicht reitzen ... thut, hOeher zu st. Spreng
Äneis 69
a; ich will lieber Fuchsmundus ... verbleiben, als also hoch st. (
d. h. general werden)
ollapatrida 31, 36
Wiener ndr.; so dachte ich durch mein reisen immer hOeher und hOeher zu st. Chr. Reuter
Schelmuffsky 76
grösz. ausg. sie trauen uns nicht, fürchten des Friedländers heimlich gesicht. er ist ihnen zu hoch gestiegen Schiller 12, 17
G. entsprechend den fällen unter II, C, 1,
a, γ: da sols gesetz nicht so hoch st. (
d. h. an machtvollkommenheit) Luther 34, 2, 23
W.; das weidwerk (
ist) ... höher ... gestigen J. C. Aitinger
jagd u. weidbüchl. 58; so hoch pfleget die kunst zu st. Ph. Zesen
rosenmând (1651) 77; unsere ... muttersprache ..., wie hoch sie ... gestiegen
verm. Helicon 1, 7; nachdem aber ist die artillerie noch höher gestigen v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat 55; noch höher stieg die musik Schubart
ästhetik d. tonkunst 6; je mehr das gold fiel, desto höher stieg es Brentano 5, 109.
entsprechend den fällen unter II, C, 1,
b nach dem hohen st. der nilwasser Ritter
erdkunde 1, 638. — wenn der feifel (
eine geschwulstkrankheit der pferde) höher steigt Sebiz
feldbau (1579) 154; meine jahre (
sollen) an deiner hand hoch st. Klinger
w. 1, 39. — je hOeher dein erkenntnisz steigt Gellert
s. schr. 2, 103; die bewunderung ..., die immer höher st. würde Göthe 46, 7
W.; sollte ihre bosheit höher st. maler Müller
w. (1811) 3, 191; und könnte höher ein versprechen steigen, versprochen hätten sie mirs auch zum lohne Rückert
w. (1867
ff.) 3, 147. — ohne diesz wAere der preisz ... noch viel hOeher gestiegen Bräker
s. schr. 1, 194. — mein reichthum wAere so hoch gestiegen Weise
pol. redner 29; das glck ist hoch gestiegen
Königsb. dichterkr. 94; die noth stieg so hoch Niebuhr
röm. gesch. 1, 351. — wenn solcher (
zank) hoch stiege J. J. Bodmer
v. d. wunderbaren 176; je höher die gesittung steigt W. R. Riehl
arbeit 17. II@C@2@b@a@bbbb)
präpositionale ausdrücke. in die höhe, zur höhe, zu einer höhe st.: das trojanische reich mit sieg vor jahren in die höhe stig Spreng
Äneis 30
a; zu welcher höhe dieser groll st. darf Lessing 10, 184
M.; maszstab der hOehe, zu welcher das werk noch st. soll
Athenäum 1,
st. 2, 151; dann st. die wilden wasser oft zu einer höhe ..., die ... das herz erbeben macht Allmers
marschenbuch 33. — zu einer hohen stufe st. Göthe 22, 119
W. verblaszter sind wendungen, die solche sinnlich anschaulichen begriffe (höhe, stufe)
durch abgezogene vorstellungen ersetzen: eine ... zerstreutheit, die oft bis zum unglaublichen stieg Tieck
schr. (1828
ff.) 5, 440; als die unordnungen ins unerträgliche stiegen Ranke
s. w. 1, 144.
vgl. auch: zum übermaasze werden sie ihn (
den schmerz) ... nicht st. lassen Solger
nachgel. schr. 1, 216.
sonstige präpositionale wendungen: im vierten jahrhundert stieg die anzahl der ... mönche auf mehr als sechsundneunzigtausend Zimmermann
einsamkeit 1, 331; da steigt der verlust ohne grenzen Arnim
w. 15, 191
Gr. vgl. auch st. über II, A, 3,
b, γ.
nicht selten wird durch den präpositionalen zusatz auch das stufenmäszige anwachsen zum ausdruck gebracht (
vgl. stufenweise st. II, C, 2,
b, α,
aa): bei dem leidenden Philoktet steigt der dichter von stuffe zu stuffe Herder 15, 359
S.; er ... stieg von stufe zu stufe Klinger
w. 3, 121; in Wien ... stieg er von stelle zu stelle Ranke
s. w. 30, 21.
übertragen: er steigt von blamage zu blamage A. Ruge
briefw. 2, 409
Nerrlich; er stieg von einer würde zur andern
bibl. ält. schriftwerke d. Schweiz 2, 3, 64.
ähnl. schon in älterer zeit: tugent und laster sind der art, dasz sie ... immerzuo von einer untugent und laster in das ander steigt (!) Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 161
b. II@C@2@b@bβ)
grammatische zusätze in bestimmter formulierung. II@C@2@b@b@aaaa)
bezeichnung der menge der zunahme. accusativverbindungen, z. th. mit hinzugefügtem adv. der richtung: Paulus ..., der eine stufe höher stieg als die gewöhnlichen asketen Zimmermann
einsamkeit 1, 165.
in freierer verwendung: so offt er ein jar steigt und Aelter wirt Seb. Franck
weltb. (1534) 149
b; weil der scheffel korn ... vier groschen gestiegen J. G. Riemer
polit. maulaffe (1679) 25; das wasser steigt stündlich 1 zoll Bismarck
br. an s. braut u. gattin 43.
entsprechend in substantivischer form des verbums: ein st. des meeresspiegels von wenigen hunderten von metern O. Peschel
völkerkunde 343.
die präp. um: das schuldtwesen ist ... gestiegen umb 39 244 thl.
acta publ. 1, 39
Palm; dasz die volkszahl ... um den vierten theil gestiegen ist Göthe 42, 1, 21
W.; wenn ihrer verschuldung volles, aufgehäuftes masz auch nur um eines athems schwere steigt Schiller 5, 350
G. meine verlegenheit ist um ein groszes gestiegen Kretschmann
w. 4, 35; stieg der eierpreis um drei ... prozent Brentano 5, 149; seine auslagen stiegen nur um den werth des mehr an papier Müllner
dram. w. (1828) 8, 115. II@C@2@b@b@bbbb)
bezeichnung des zielpunktes der zunahme. aufs höchste st.
u. ähnl. (
nicht selten gebraucht): das die pracht ... auf das höchste gestiegen ist
discourse der mahlern 2, 124.
ähnl. steigt aufs höchste: die gährung im volke Göthe 7, 162
W., die kunst einander zu ermorden
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 9, die einheit (
Deutschlands) Adelung
magazin f. d. dtsche spr. 2,
st. 1, 6.
weniger gebräuchlich und veraltet ist: am höchsten st.:
vom glück
des menschen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 360;
von verwicklung und verwirrung
Athenäum 1, 2, 170. zum höchsten st.:
von der tugend S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 4
b, tichterkunst Lohenstein
Arminius (1689
ff.) 1,
d 2
a.
synonym aufs äuszerste st.: seine ungeduld stieg aufs äuszerste Göthe 23, 51
W. entsprechende verwendung eines substantivs und anschlusz an die ursprüngliche bedeutung von st.
im ausdruck zum gipfel st. —
mit attributivem gen.: dadurch man zum hOechsten gipffel der ... ehre und gewalt gestiegen ist G. Arnold
kirchen u. ketzerhist. (1699) 103
b; steig du zum gipfel des ruhms Schiller 2, 36
G. einfacher: da wird dein ruhm zum gipfel st. Gottsched
ged. (1751) 1, 17; Charlottens krankheit stieg schnell bis auf den Aeuszersten gipfel Nicolai
Seb. Nothanker 1, 63.
synonym: war die genugthuung zu dem höchsten punkte gestiegen O. Ludwig
ges. schr. 2, 161.
hyperbolisch: st. bis zum himmelsthron P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 424, zur sonnenkugel Benj. Neukirch
ged. 111, bis an die wolken 150, zum himmel B. Mayr
päckchen satiren 16, zum sternenhange maler Müller
w. (1811) 1, 332.
mit anlehnung an das st.
der quecksilbersäule im barometer und thermometer. von meteorologischen erscheinungen selbst: war die hitze auf den äuszersten grad gestiegen Seidel
vorstadtgesch. 106.
übertragen ähnl. von beherztheit und dreistigkeit Bahrdt
gesch. s. lebens 1, 213; war die ... erbitterung ... zu einem solchen grade gestiegen A. Ruge
briefw. 2, 50
Nerrlich. anscheinend modern werden so auch körpertheile als bezeichnung des grades der zunahme verwendet. rein sinnlich: bis en t water innen hals stigt W. Lüpkes
seemannsspr. 21.
übertragen: die schande stieg uns an den hals W. Raabe
hungerpastor 3, 234; der jammer ... war ihm fast an die kehle gestiegen
leute a. d. walde 2, 90.
substantivische zielbegriffe nicht unmittelbar sinnlicher anschauung. zahlen und verwandtes: das ... der ... palmorden ... auf 789 mitglieder gestiegen Neumark
d. neuspr. teutsche palmb. 34; die anzahl der einwohner steige auf 8000 Nicolai
reise 1, 172; ein ... gedicht, das etwa auf 6 gesänge und 2000 hexameter st. kann Göthe IV 9, 284
W.; die disticha ... st. ... gegen zweyhundert IV 11, 16
W.; man steigt ... auf vierzehn millionen v. Ayrenhoff 6, 262; ihre infantrie stieg bis auf 2000 mann Häuszer
dtsche gesch. 4, 204; Schlettstadt selbst stieg ... auf 900 schüler Ranke
s. w. 1, 175/176; der puls stieg auf 130 schläge Jac. Grimm im
briefw. zw. Jac. u. W. Grimm u. Dahlmann 1, 461.
ausdrücke des werthes und preises: die preise ... st. von 30 sous bis zu 20 franken Börne
ges. schr. 5, 237.
veraltet in allgemeiner formung: das ... alles ... auf bermAeszigen preis gestiegen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 72
b; und da auch solches wasser auf viel geld solte st. Abr. a
s. Clara
mercks Wien 86.
begriffe einer mehr intensiven, inneren zunahme. in physikalischem sinne: wenn der ton zu seiner gröszten kraft stieg Göthe 25, 69
W.; den ... sonnenstrahl, der hier den sandboden bis zur gluthitze von 54
gr. Reaum. st. macht Ritter
erdkunde 1, 732;
auf dem gebiete des seelenlebens: zu einer solchen reife war die begierde ... in meinem gemüth gestiegen Göthe 30, 151
W. mit zielbegriffen, die ebenfalls dem seelenleben entnommen sind: als die zuneigung ... zur ... zärtlichkeit gestiegen war Nicolai
Seb. Nothanker 1, 17; steigt sie (
die bewunderung Friedrichs d. Gr.) fast zum tragischen mitleid Herder 17, 40
S.; so stieg seine verwunderung bis zum erstaunen Wieland
Agathon (1766
ff.) 2, 49; sein denken steigt ... bis zum empfinden Schiller 1, 152
G.; eine gunst ..., die ... bald bis zur äuszersten vertraulichkeit stieg Klinger
w. 3, 222; schaam und zorn ... stieg endlich bey ihr zu einem grausamen hasz Heinse 2, 329
Sch. vgl. auch: die leidenschaft der liebe steigt in ihnen (
den spanischen '
sylbenmaaszen') oft bis zum schönen wahnsinn Herder 18, 56
S. —
begriffe, nicht unmittelbar dem seelenleben entnommen: sein ton stieg zu einer ... vertraulichkeit Pfeffel
pros. vers. (1810
ff.) 1, 63; die noth stieg zur verzweiflung Ritter
erdkunde 2, 159. — herzog Ernst, dessen hang zur chimie bis zur goldmacherey gestiegen v. Lori
baier. bergrecht XXVII.
eigenartig ist die ausdrucksweise: doch will man sklavisch ihn (
den löwen) bezähmen, steigt seine wuth bis zum tyrann
bei O. Jahn
Mozart 2, 408.
begriffe des praktischen, gesellschaftlichen und staatlichen lebens: zwei derselben (
der staaten) stiegen zu höherer macht J. v. Müller
s. w. 1, 55; stiegen die wissenschaften und künste ... zu einem nicht geringen flor
ält. schriftwerke d. Schweiz 2, 3, 36.
stark pleonastisch: die macht der Thebaner ... war hoch gestiegen zu groszer herrschaft Fr. Schlegel
s. w. 4, 184.
und ganz vereinzelt bekommt st. zu
etwas überhaupt die bedeutung '
zu etwas werden, sich zu etwas gestalten': dasz Marots versteck zu einer so bedenklichen verlegenheit für Francoise stieg Laube
ges. schr. 3, 146. —
besonders gilt das den vorstehenden ausführungen entsprechend umkleidete st.
von persönlichen subjectsbegriffen und nähert sich dann wieder stark der bedeutung II, A, 2,
c: sind Ruolland und Ollyfier inn so grosze hoffart gestigen
Haimonsk. 93, 29
lit. ver.; der einst ... zu hohen eren stieg Rückert
w. (1867
ff.) 1, 94.
so vielleicht auch schon ahd. und mhd.: so dû ze túgede gestîget Notker 2, 548, 12
P. ähnl. Rolandslied 1, 25
Gr. (
vgl. aber auch II, A, 2,
b).
mit eingeengterem zielbegriffe: schon ahd.: tér ... ze consulatu gestéig Notker 1, 145, 28
P. später: Altringer ... war ... bis auf die hohe charge des generalats gestiegen v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 480
a; als kayser Gratian zum kayserthum gestiegen v. Besser
schr. (1732) 64
König. ebenso: zu den oberen bedienungen Haller
Alfred 123, zum range eines brigadiers J. Engel
schr. 2, 97, zur würde eines königs Ritter
erdkunde 2, 50.
gelegentlich werden in diesem zusammenhange —
jetzt veraltet und durch emporst.
verdeutlicht —
die zwischenbegriffe wie würde
u. s. w. auch fortgelassen: Napoleon stieg ... bis zum feldherrn des französischen heeres in Italien E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 234;
ich stieg ... bis zum häuer Novalis 4, 117
M.; er stieg vom kammerdiener bis zum marechal de France Laube
ges. schr. 4, 102; der vater, als er zum kanzler von Frankreich stieg Dahlmann
frz. rev. 26. IIIIII.
sprichwörtliche wendungen. III@AA.
zu st. I, B: wer gern fisch isset, der musz ins wasser st. Eyering
proverb. copia (1601) 3, 493; wer des morgens rcklings aus dem bette steiget, dem gehet selbigen tages alles verkehrt J. G. Schmidt
rockenphilos. 1, 96.
in accusativverbindung: so wollen sie auch alle hohe bäume st. und das ganze dorf fressen (=
sich stolz gebärden) Pape
bettel- u. garteteufel Y 7
a.
ebenfalls in älterer zeit: nach braunen kirsen steigt man hoch Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 81
a; Binder 110.
ähnl. Schellhorn
sprichw. 115. —
von thieren: je höher der affe steigt, je mehr er den hintern zeigt Binder 3; gemsen st. hoch und werden hoch gefangen 70; steigt der floh bis übers knie, wird ihm bald, er weisz nicht wie 53;
vgl. in diesem zusammenhange auch die stelle bei Grimmelshausen: künstlich vorgebäu, damit einem kein frembder stier in stall steigt noch der guckuck eyer ins nest legt 4, 508
Keller. zu st. II, C
hinüberdeutend, wird bis zum ende des 18.
jh.s die vorstellung variiert, dasz mit kühnem st.
leicht auch ein jähes fallen verbunden sei: die hie ze hôhe stîgent daz sint die dort nîgent
Tundalus 665
Wagner. wer hoch steiget, der fallet gern
sprichw. schöne weise klugreden 49
b;
ähnl. volksb. v. dr. Faust 19
Br.; Voigtländer
oden u. lieder 98; Hoffmannswaldau
ged. (1697
ff.) 5, 98
Neukirch; Schwan 2, 707
b.
in schärferer formulierung: mancher fällt, der noch nit ist gestiegen Wille
sittenlehre 85.
negativ gewendet: wer nit will fallen, der steig oder spring nit hoch Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 127
b.
ähnl. Wille
sittenlehre 17.
fortwirkend noch bei Herder: nichts härters, als entgegen allem steigen ohn gott und plötzlich fallen 16, 242
S. ebenso nach st. II C
hinüberdeutend: wer steigen wil, fah unden
an. eil langsamb, so kumst auch daran Höck
schönes blumenfeld 86
ndr. III@BB.
zu st. II, A, 2:
quae nihil ad te, ne velis scire suoch dich selbs in deinem hausz, steig in dich selbs Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 7
b; man musz gott nicht in seine rathstube st. Kirchhofer
Schweizer sprüchw. 131.
dem 16.
jh. eignet: es sihet im so gleich, als were er im mit einer leytern ausz dem hindern gestigen Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 73
b.
ebenso u. ähnl.: sprichw. schöne weise klugreden 26
b; Fischart
nachtrab 42
Kurz; Garg. 159
ndr.