lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

steigen

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
18 in 17 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
61
Verweise raus
30

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

steigen

Bd. 18, Sp. 1874
steigen , st. v. verbreitung und form. gemeingerm. v. zur idg. wurzel stigh. got. steigan, ahd. stîgan, mhd. stîgen, as. stîgan, mnd. stîgen, ndl. stijgen, afries. stîga, ags. stîgan, engl. (veraltet) sty, anord. stíga, norw.-dän. stige, schwed. stiga. auszerhalb der germ. sprachen sind zu vergleichen: skr. stighnōmi schreite, air. tíagaim gehe, griech. στείχω schreite, steige, aslav. stignati kommen, erreichen, lit. staigtis sich beeilen, lett. staigaht gehen, wandern. vgl. dazu das lat. vestigium, das griech. στίχος, στοῖχος und weitere parallelen der idg. sprachen bei Feist, Falk - Torp, Kluge, Schade. das wort ist bis auf gelegentlich schwache conj. des imp. in st. flex. geblieben. auch der imp. ist noch im 16. jh. nur in der form steig bekannt. ältester beleg für die schwache conj. bei Schottel: du steige ber mich hin friedens sieg 5 ndr. im 18. jh. wird die unsicherheit gröszer. so begegnet steige bei Gottsched ged. (1751) 1, 319; Klinger w. 3, 38; Göthe 15, 73 W. Arnim w. 6, 10 Gr.; Droysen: o Bal ... steige zu deines grabes steinmal 4Aeschylos (1884) 184. daneben wird steig gebraucht, z. b. von Schiller 2, 36 G.; Körner w. 1, 132 H. nebeneinander einmal bei Klopstock: steig oft, und stark, gebet, viel ist der gnade! steige mit wonne auf zu dem geber oden 146, 14 f. M.-P. ältere wbb. wie Adelung (4, 332) und Heinsius geben beide formen an. nur steig bei Schwan 2, 707a. im sing. des prät. ist die stammvocalangleichung an den plur. seit etwa 1600 vollzogen. starkes schwanken aber noch im 16. jh. ausgleichformen finden sich z. b. bei Boltz, Scheit, Montanus, Fischart, H. Sachs. an alten belegen vgl.: der styg yn den prinnenden ofenn Seb. Franck Turckey (1530) H 1a. als er auss dem schiff styge Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 19b. andrerseits sind belege für steig noch gegen ende des 16. jh.s zu finden. der gAeuckler mit dem pferdtgen in die lfft ubersich steig Nigrinus von zäuberern (1592) 29. mit dem prät. ich stieg mischt sich im 16. und 17. jh. die nebenform stiege. frühe belege bei Schwarzenberg und Warbeck: als er ausz dem schiff styge Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 19b; und stige (= stieg) ir ein schmertzen und wehe in das haupt Warbeck Magelone 46 B. er steige (prät.!) bes. bei Arigo dekam. K. (z. b. 38, 4; 88, 27.) in der zusammensetzung mit hilfsverben erscheint seit ahd. zeit die verbindung ich bin gestiegen. haben wird äuszerst selten verwendet, und nur in älterer zeit: so ... der dieb ... zum diebstall nit gestigen oder gebrochen hat Carolina art. 157; darnach ligt es ('des spillen teil' bei der pumpe) so hoch, als es gestigen hat Ph. Bech Agricolas bergwerkb. (1621) 144. so vereinzelt auch schon früher. mhd. unz er mit lobe habe gestigen Haupts ztschr. 7, 485. auf die construction mit sein weist von älteren lexikographen Heinsius 4, 771a hin. bedeutung und gebrauch. II. die bedeutung des rein sinnlichen schreitens. I@AA. st. = gehen? die grundbedeutung der idg. wurzel (schreiten, gehen) ist im germ. eingeengt worden (Kluge (1910) 441; Falk-Torp 1162). — wird eine anhöhe so steil, dasz zu dem schritt eine bedeutende kraftanstrengung gehört und die schritte überhaupt mehr stufenweise geschehen, so nennt man die bewegung nicht mehr gehen, sondern st. Fr. L. Jahn w. 1, 24 E. diese definition ist jedoch dahin zu erweitern, dasz unter st. ohne rücksicht auf die grössere oder geringere kraftanwendung überhaupt zunächst ein nach oben oder unten schreiten zu verstehen ist, sei es in senkrechter oder schräger richtung, sei es éin schritt oder ein längeres derartiges gehen. ein gewisses wiederaufleben der idg. bedeutung zeigen die modernen nord. sprachen. vgl. z. b. sti[ge] i nuv. bet. g Kalkar ordbok 4, 129; stig fram, tritt näher, komm näher. stig in, herein! stig nu p! geh nun zu Helms svensk-tysk ordbok 377 unter stiga. ebenso nd. compositionsbildungen mit kommen: an stigen kamen mit langsamen tritten und aus widerwillen herbey kommen brem. nd. wb 4, 1033; an und tostigen kamen angewandert kommen holst. idiot. 200. vgl. ferner Richey idiot. hamb. 291. in Groningen ist st. zooveel als waden, loopen dor dick en dun Molema wb. d. groningenschen ma. 403. ähnliche verwendung gelegentlich auch im hd., wo st. aber ebenfalls nicht das gewöhnliche gehen, sondern, mehr oder weniger deutlich, ein 'gehen mit hochgehobenen beinen' (Crecelius 808), ein 'stolzes und affektiertes einhergehen' (Schmeller-Fr. 2, 741) bezeichnet: im deutschen ist es (d. h. st. 'gehen'), auszer im scherze, wo es sich allemahl auf die feyerliche erhebung der füsse zu beziehen scheint, in dieser bedeutung unbekannt Adelung 4, 333. so schon mhd.: oberthalp des dorfes strâze steig er über den anger Neidhart 62, 31, wie denn überhaupt st. durch und st. über öfters der alten grundbedeutung des verbums nahe kommen mag (vgl. I, B, 1, d, α). aus späterer zeit: damit er (der junggeselle) gravitätisch steige und seine schönen waden zeige Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727 ff.) 1, 373. zween bauern .., die ... auf einen jahrmarkt stiegen Pfeffel poet. vers. (1802 ff.) 5, 180; da kommt ein alter kamerad gestiegen Vischer auch einer 2, 285. in ähnl. bedeutung als übersetzung des griech. βαίνειν: du ... steigst in die volksversammlung Wieland Lukian 1, 134. von thieren: der grausame wütrich (Polyphem) ... tastete sorgsam die rücken aller steigenden widder J. H. Voss Odüssee 166 Bernays. so besonders auch in verbindung mit adverbien: er (der widder) steiget auf der weide ... siegprangend hin und her Pfeffel poet. vers. (1802 ff.) 6, 89; mit schnellem schritte steigt er zum nächsten trödler hin 1, 79; kommt der alte herr N. daher gestiegen O. Ludwig ges. schr. 1, 144; der fremde stieg mit straffen schritten auf uns los Vischer auch einer 1, 36; in mundartl. verwendung: und wenn d' wiesen gmaht is, na steigt ma drauf rum Karl Stieler ged. 4, 70 Reclam. fester ist st. gehen in der gauner-, studenten- und pennälerspr.: stegen, st. gehen, wandern, einkehren Avé-Lallemant 4, 611, gehen Eilenberger pennälerspr. 12; st. 'heisst gehen, mit der nebenbedeutung des emsigen, schnellen' (?) Burdach studentenspr. 105. besondere burschikose raa.: zu dorfe, zu biere st.: vater kann dir erzählen, wie die studenten ... nachmittags zu dorfe st. A. Müller br. von der universität 3. vgl. auch Kluge studentenspr. 128; Müller-Fraureuth 2, 558. st. = 'weggehen' in der Berliner ma. Meyer d. richt. Berl. (1904) 115. I@BB. st. nach oben und unten schreiten. die rein sinnliche grundbedeutung des verbs bleibt jedenfalls ein nach oben oder unten schreiten von lebewesen, die dementsprechend von der natur ausgestattet sind. vgl. die begriffsbestimmung früherer wbb. (die definition bei Heinsius 4, 771a 'überhaupt gehen, sich auf seinen füszen fortbewegen' ist abzulehnen): clere (= ascendere) stigin, st. Diefenbach 127a, scandere stigen steygen climmen 516b; st. scandere, ascendere, inscendere Maaler 385d; st. monter, se transporter en un lieu plus haut que celui l'on étoit Schwan 2, 707a; st., montare, ascendere, salire, andar in sopra Hulsius 239a. vgl. auch Adelung 4, 302. I@B@11) st. ohne besondere bedeutungseigenthümlichkeiten vom menschen gebraucht. I@B@1@aa) ohne grammatischen zusatz. schon in ältester zeit: thô the stigun sîne bruoder ...; (ut autem ascenderunt fratres eius) ahd. Tatian 104, 3; ähnl. 138, 15; mhd.: den wilden getwergen wær ze stîgen dâ genuoc, dâ in sîn ors über truoc Wolfram v. Eschenbach Willeh. 57, 25. später: es war ain geszlin zwünschen Lucrecie und irs nâchpuren huse vast enge, da durch (wenne man sich mit den füssen in bed wende speren tett) lichtenklich mit stygen in ain venster Lucrecie was zekomen Nic. v. Wyle transl. 57 K.; da es dan ... an ein klettern und st. gegangen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 463b; einen baum zum st. bequem zu machen Grimmelshausen 1, 734 Keller; und wie ich stieg, zog von dem flusz der wiesen ein nebel sich in streifen sacht hervor Göthe 1, 3 W.; über vierzehn stunden ... hatte man zu st. Ritter erdkunde 2, 93. I@B@1@bb) mit zugefügtem adverbiellen ausdruck der richtung: er stieg aufwärts Göthe 24, 9 W.; wie oft sind wir bergauf, bergab gestiegen 11, 300; immer höher musz ich steigen immer weiter musz ich schaun 15, 234 W.; als ich ... durfte ... nur abwärts st. A. v. Droste-H. w. 2, 115; mit lichtem blick steigst du nach oben Mörike w. (1905) 1, 147; zwei stunden heiszen steigens in die höhe Steub drei sommer in Tirol 1, 103. andere adverbia wachsen noch mehr, als es gelegentlich auch bei diesen proben der fall sein mag, mit dem verbalbegriff zum compositum zusammen, so empor, herab, heran, herauf, heraus, herein, herunter, hervor, hinab, hinan, hinauf, hinein, hinunter, nieder (vgl. dazu die einzelnen entsprechenden artikel). der früheste beleg: saei inn ni atgaggiþ þairh daur in gardan lambe, ak steigiþ aljaþro, sah hliftus ist Ulfila Joh. 10, 1. I@B@1@cc) accusativverbindungen. schon der alten sprache ist die hinzufügung eines acc. zu st. nicht unbekannt, der angibt, 'was man ersteigt' oder ein acc. des durchmessenen raumes ist. belege aus dem anord. und ags. bei Delbrück synkretismus 98. im deutschen ist diese syntaktische verbindung zuerst as. nachzuweisen (zusammen mit präpositionalem ausdruck): sie an thena hôhan wal stigun stên endi berg Hel. 3117. ähnl. als comp. mit einfachem acc.: up gistigun hô himilrîki 1499. mhd.: gebirge steic er unde tobel Konrad v. Würzburg troj. 5964. ganz geläufig ist diese accusativconstruction, wenn sich mit dem verbalbegriff ein adv. verbindet und so zu den composita von st. hinüberführt: als er ûf von der lîten den berc wolte stîgen Heinr. v. d. Türlin krone 27394; wie der tod hinein den sal stig H. Sachs 1, 440, 10 K.; disen berg auff und ab zuo st. Montanus 334, 15 B.; der schon die leiter hinauff gestiegen war v. Chemnitz schwed. krieg 2, 39b; werde ich die treppe hinauf zu Zachariae ... st. Gleim briefwechsel 1, 152 Körte; steiget voll muths die stuffen hinan Denis lieder Sineds 92; steiget froh den berg heran Göthe 2, 30 W.; schon steigt er den berg herauf Klinger neues theater 1, 8; ... stieg Opitz einen abhang nieder Fontane ges. w. 1, 6, 27. im nhd. haftet beim simplex diese construction an bestimmten substantiven, und zwar bes. an deren pluralformen 'mit den hauptwörtern treppe, leiter, stiege ist es (st.) in dieser form am üblichsten, seltener mit anderen' Adelung 4, 332. zu ergänzen ist diese reihe jedenfalls noch durch berg, staffel, stufe und ihre synonyma: scandere clymen, stighen, also eynen bOem, an leder Diefenbach nov. gl. 329a; ich steig ein tritt ... ein trapp, trep, staffel, stigel, spross an der leyter Alberus 123a; eine treppe zu st. ollapatrida 27, 21 Wiener ndr. ähnl. Chr. Reuter Schelmuffsky 16; eine hohe wendelstiege, welche ihm ... schmertzlich zu st. war Ziegler asiat. Banise (1689) 16; dasz ... die stufen den, der sie st. soll, ermüden Schwabe belust. 2, 181; Daniens Friederich ists, welcher mit blumen dir jene höhen bestreut, die du noch steigen muszt! Klopstock oden 1, 88, 46 M.-P. so viel berge ich noch gestiegen bin Lessing 3, 78 M.; bei jeder stufe, die er stieg Klinger w. 3, 122; die berge muss ich steigen, und meine schmach durch alle wälder schrein Brentano 6, 396; steige die treppe Arnim w. 6, 10 Gr. andere wendungen: berg und tal, stainwend und alle brüch ... ze stygen Steinhöwel de clar. mul. 299 Dr.; er thet waten und stygen die waszer, berg und tal R. v. Liliencron hist. volksl. 4, 142, 18; ich wollt ein bäumlein steigen, das nicht zu steigen war F. L. Mittler 680; er steigt die gefährlichsten kanten im schlafe Göthe IV, 5, 1 W. weitere beispiele solcher accusativconstructionen s. sp. 1880. 1881. I@B@1@dd) st. in verbindung mit präpositionalen ausdrücken. beispiele sind schon ahd. und as. nicht selten, zahlreich dann im mhd. veraltete wendungen: st. ab und st. an, seit dem 17./18. jh. ausgestorben. vgl. die artikel ab und an und folgende belege: (st. ab) dem baum Maaler 385d, dem dach Montanus 193 B., dem hohen thurn Wickram 1, 43, 18 B. (st. an) den berg erste deutsche bibel 1, 16, 7 lit. ver., einen kreutzes pfahl Kempe poesis triumph. 6. andere präpositionale verbindungen sind bis heute im gebrauch geblieben, wobei die belege mit durch und über mitunter der bedeutung 'gehen' nahekommengen. I@B@1@d@aα) präp. zur bezeichnung der zurückgelegten wegstrecke oder des überwundenen hindernisses: st. durch: wo man drausz od drein will muosz man st. durch vil gefAehrlich geng Seb. Münster cosm. 389; dieser (der garnträger) steigt durch alle thäler und winkel Göthe 25, 109 W.; zwei knaben st. durchs gekräute Storm w. (1897 ff.) 8, 248; mehr redensartlich: durch dorn und disteln st. B. Schmolck trost- u. geistr. schr. 1, 94. st. über: (er) über ein mauern steyge (salito sopra un muretto) Arigo dekam. 84, 31 K.; ungelumpt stig ubern tisch Scheit Grob. 2629 ndr.; über die ... wand st. J. G. Riemer polit. maulaffe (1679) 7; denen ... zeunen gleich, darber ein jeder st. wil Butschky Pathm. 91; als hätten wir über eine leiter st. sollen Göthe 43, 285 W. auch vom überschreiten eines gebirges: die grossen berge, über die wir gestiegen sind? 24, 42 W.; die ... leute waren ... über die Pyrenäen gestiegen Mommsen m. gesch. 2, 182. mit persönlichem objectsbegriff: wohl sinkt da in ewiges schweigen manch schlanke rittergestalt, die anderen über ihn steigen hurrah in den schönen wald. Eichendorf w. (1864) 1, 397. redensartlich ist: ich muss st. uber stock und stein Königsb. dichterkr. 52 ndr. I@B@1@d@bβ) präp. zur bezeichnung des zieles: st. auf. sehr häufig: (sie) ... stigen auff die maur summerteil d. heyligen leben (1472) 16b; steigt auch ärszlings auf die dillen (= den boden) H. Sachs 9, 80, 1 K.; auf die hOechste spitze der statt st. Fischart ehzuchtb. 286, 4 H.; stiegen sie auff die linden buch d. liebe (1587) 88d; morgens stieg er auff die banck Logau 328 E.; allwo ich in einer hütten auff den schopff stiege Grimmelshausen vogeln. 2, 407, 1 Keller; dasz ich der erste bin, der ... auf das schaffot steigt Schiller 3, 346 G.; einsam steig ich auf die höhe Schenkendorf ged. (1815) 16; seit er auf dieses gebirge stieg brüder Grimm sagen 2, 15; wir stiegen ... auf den ... dachboden Storm w. (1897 ff.) 1, 243; stieg ... auf einen ... stuhl Fontane ges. w. 1, 5, 4; stieg die ... gesellschaft auf den thurm fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 92. st. gegen: dasz sie ... gegen die höhe st. konnten Ganghofer schlosz Hubertus 2, 223 ges. schr. volksausg. st. in: thuo dich zuo wie katzen fleisch, das selber kan in hafen steigen Scheit Grob. 1155 ndr. (er) stig ... in ir hausz H. Sachs 2, 214, 7 K.; ins wasser Frey gartenges. 31, 13 B.; ins meer Spee trutznacht. (1649) 116; der landmann ... kann in volle scheuren st. Gottsched ged. (1751) 1, 362; sie stiegen in den phaeton (einen zauberwagen) Hölty ged. 23 Halm; er entkleidete sich und stieg in das becken Novalis 4, 55 M.; stiegen die besten kletterer ... in die gipfel der ... linden Storm w. (1897 ff.) 1, 83. st. nach: anscheinend erst später gebraucht (doch vgl. st. nach 'in seinen besitz bekommen wollen' II, A, 3, b, β): nach Paulinzelle st. Göthe IV, 28, 228 W.; nach dem schlosse Novalis 4, 109 M.; nach dem Wittekindsthurm Moltke ges. schr. 4, 193. st. unter. selten: nun ... lassen sie uns unter die erde st. Göthe IV, 8, 339 W. st. zu: (er) zuo dem stayne steyg lied v. hürn. Seyfr. 46 ndr.; die zu den nestern st. Mynsinger v: d. falken 10 lit. ver.; der selb zuon vogelnAester stygt S. Brant narrensch. 35, 36 Zarncke; unnd steig damit zu dem fenster buch d. liebe (1587) 91a. späterhin scheint st. zu, abgesehen von den formelhaft erstarrten ausdrücken der sondergruppen (vgl. I, B, 1, d, δ), selten zu werden. man verwendet die verbindung bis zu oder composita wie emporst.: in einem hinterhause stieg man bis zum vierten stock H. Steffens was ich erlebte 1, 190; stieg sie zum söller empor Ebner Eschenbach ges. schr. 1, 117. einfaches zu scheint sich mehr auf persönliche objectsbegriffe zu beschränken, zugleich in verbindung mit anderen präpositionalen zusätzen: und dieser jüngling will auf den Helikon zum Apoll und den musen st. Gleim briefw. 1, 19 Körte. I@B@1@d@gγ) präpositionen zur bezeichnung des ausgangspunctes: st. aus: stige er ausz dem fasz Lindner rastb. 30 lit. ver.; Thetis stieg aus des wassers feuchtigkeit Spreng Ilias (1610) 1, 8b. ähnl. aus der carosse Ettner v. Eiteritz med. maulaffe 65; aus dem quell Pfeffel poet. vers. (1802 ff.) 8, 59, aus dem wagen Göthe 21, 174 W., aus dem grunde Schiller 2, 166 G. st. von: stig von dem crucz Alsf. passionssp. 180 Grein; desilire de curru vom wagen st. nomenclator lat.-germ. (1634) 372; Apollo steigt von den höhen des Olympus Herder 3, 129 S.; vom bocke zu st. Holtei erz. schr. 7, 15; man stieg unmittelbar von der bodentreppe in das gemach O. Ludwig ges. schr. 2, 317. I@B@1@d@dδ) sondergruppen zu d mit z. th. schon nuancierter bedeutung des verbs: I@B@1@d@d@aaaa) zu bett st. u. ähnl.schon alt ist ins bett st.: in mîn bétte nestîgo íh Notker 2, 563, 21 P.; wer lAesset gern alle leute zusehen, wenn ... er in das bette steiget Weise die drey klügsten leute (1675) 314; die gräfin stieg über den knaben ins bett Eichendorf w. (1864) 2, 182. andere präp. in ähnl. verwendung: e er auf des münches petlein steyge Arigo dekam. 38, 4 K. erst später zu bette st. (vgl. mhd. ze bette gân): beleg aus Bürger unter 3, a, β. unser freund stieg zu bette Göthe 21, 82 W. entsprechend aus dem bette st.: eben war der major im begriff aus dem bette zu st. Göthe 24, 277 W. ähnl. Eichendorf w. (1864) 2, 18; Storm w. (1897 ff.) 1, 219. metonymisch dafür aus den federn st.: stieg der wirth aus den federn k.- u. h.-märchen (1812 ff.) 1, 33. I@B@1@d@d@bbbb) auf die kanzel st. u. ähnl.: auf die kanzel st. ascendere in concionem Frisius 124b. ähnl. nomenclator lat. germ. (1634) 483; auf die kantzel steygen, predigen Maaler 388a. die wendung eignet bes. dem 17. und 18. jh. rein wörtlich: nach verrichtem ... kirchengepreng steig der pfarrherr auff die cantzel Kirchhof wendunmuth 2, 122 Ö. ähnl. Kortum jobsiade (1799) 1, 53. ggs. von der cantzel st. Sandrub hist. u. poet. kurzweil 42, 2 ndr. mit der nebenbedeutung: 'pfarrer werden': da st. wol grAeffliche und andere hohe standespersonen auff die cantzel und predigen Schupp schr. (1663) 14. ähnl. vom angehenden juristen Gottsched ged. (1751) 1, 178. I@B@1@d@d@cccc) auf den thron st. u. ähnl.: eine wendung des 17./18. jh.s mit dem nebensinn: 'die regierung antreten': es were kein wunder, dass der pretendent lust hatt, wider auff einen thron zu st. Elis. Charl. v. Orleans 1, 214 Menzel; den wir bald auf den kaiserlichen thron werden st. sehen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 3. aus späterer zeit: war ein könig auf den thron der Karolinger gestiegen Ranke s. w. 14, 26; und da sie ihn (die heuchler den antichrist) aufforderten, auf den thron zu st. Scherer litteraturgesch. 78. ohne diese, heute durch die ra. den thron best. ersetzte nebenbedeutung: sie stiegen auf einen ... erhabenen thron A. U. v. Braunschw. Octavia (1685) 1, 747. ähnl. Klinger w. 3, 21. ggs. vom throne st. — wörtlich: götter steiget selbst von euern thronen schützt die tugend, rettet Amymonen Pfeffel poet. vers. (1802 ff.) 1, 49. im sinne von 'abdanken': ein spanischer könig muszte ein rechtgläubiger prinz seyn, oder er muszte von diesem throne st. Schiller 8, 8 G. I@B@1@d@d@dddd) zu pferde st. u. ähnl. (mhd. nur ze orse sîn) bezeichnet auch 'fortreiten, fortreisen, eine heerfahrt unternehmen'. in älterer zeit allein in der form auf das pferd st.: die stigent auf LXX fll der eslin erste deutsche bibel 4, 389, 16 lit. ver.; bald hat er seine lust auffs hOeltzern pferd zu st. Rachel sat. ged. 70 ndr. aus neuerer zeit: ich steige mutig auf das rosz Schiller 4, 18 G.; und (wir) stiegen dort auf kürassierpferde Moltke ges. schr. 6, 297. seit dem 18. jh. bürgert sich der ausdruck zu pferde, seltener zu rosse st. ein: der unmuth ... stieg mit zu pferd Hagedorn poet. w. (1769) 2, 299; die knaben (wollen) ... zu pferde st. Göthe 41, 2, 327 W.; wenn zu pferd stieg Artaxerxes Platen w. 1, 7. vgl. auch: uf Aristotelem staig ain frowe als uf ain rosse Niclas v. Wyle transl. 32, 6 K. ähnl. zu rosse st.: der schon um vier uhr betrunken zu rosse stieg Tieck schr. (1828 ff.) 4, 1. deutliche nebenbedeutung 'in den krieg reiten': unter der regierung des königs war der adel besonders in den französischen kriegen immer zuerst zu pferd gestiegen Ranke s. w. 38, 63. ähnl. = 'fortreiten': noch versuchte er ... zu pferde zu st., um ... das volk in aufruhr zu bringen Herman Grimm Michelang. 1, 84. ggs. st. von, in älterer zeit auch ab dem pferde. ad pedes desilire schnell ab dem rosz steygen oder springen Frisius 28b; wenn mein herr steigt vom pferdt H. Sachs 17, 23, 3 K.-G.; das sie wol endlich mit schanden die fAehnlein ... übergeben, von den pferden st., und also sich schimpfflich ruiniren müssen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 898b. synonym: und als er zu hause vom rOesselein stieg Göthe 1, 178 W.; ähnl. vom rosse st. Holtei vierzig jahre (1843 ff.) 1, 4; vom matten thiere st. A. v. Droste-H. Walther (1879) 213. gelegentlich wird für pferd auch das wort sattel gebraucht: vom sattel will ich wohl st. Erlach volksl. d. Deutschen 1, 420; ggs. ähnl. in den sattel st. F. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 93. I@B@1@d@d@eeee) zu schiff, ans land st. u. ähnl. von jeher sagte man in das schiff st. dafür schon verschiedene belege im ahd. Tatian. (52, 1; 54, 1; 80, 7; 82, 3; 89, 4). später: conscendo auff steigen, in ein schiff st. Calepinus XI ling. 324a; die Arcades dess kriegs erfahren darein (in die schiffe) zuhauff gestiegen wahren Spreng Ilias (1610) 24a; dasz diese ... mit in das schiff st. wollten Göthe 43, 222 W. üblich ist auch die präp. auf: (er befahl einem knechte, dasz er) dar zuo (zum schiffe) wüte und dar auf stige (zu beachten ist der wechsel der präp.! vgl. das folgende.) Arigo dekam. 108, 1 K.; steigt (der Deutsche) auf ein schiff Jac. Grimm kl. schr. 8, 466. der ausdruck zu schiffe st. begegnet zuerst im 18. jh. ähnl. wie unter aa (ze bette gân) entspricht mhd. nur die wendung ze schiffe gên. z. b. Parz. 548, 14; Trist. 1557. vgl.: steigt nicht der kummer ... auch mit zu schiffe Mastalier ged. (1774) 135, 1; ach! mein mädchen verreist! sie steigt zu schiffe! Göthe 1, 329 W.; am 31 sten august 1496 stiegen die fürsten zu schiff Ranke s. w. 1, 82. ggs. st. aus, in früherer zeit auch st. ab dem schiffe: der knecht ab dem schiffe steyg Arigo dekam. 108, 8 K.; so bald er ... ausz dem mOerschiff stig Fischart Garg. 1, 32 ndr.; da stigen aus den nauen wir Spreng Ilias (1610) 45a; wie die helden aus dem schiffe st. H. Brunn kl. schr. (1898 ff.) 3, 225. parallel damit: in freundlicher oder feindlicher absicht auf, an das land st., von einzelnen, mehreren personen, auch von ganzen heeren gebraucht: sind (die herren) auffs land gestiegen A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 4a; die türckische armada ... steig bey der statt L. ... an das land Stumpf Schweizerchron. (1606) 29b. ähnl.: als ihr an diese ... küste stieget Schiller 13, 227 G. auch ohne dasz die landung unmittelbar vom schiffe aus geschieht: dô was eines boumes ast, den begreif der starke man ... er steic hin ûf an daz lant Wolfram v. Eschenbach Parz. 602, 28; Casperl schwimmt auf den wellen und steigt ans ufer Pocci komödienbüchl. (1859) 43. I@B@1@d@d@ffff) andere wendungen, den vorhergehenden gruppen entsprechend, sind selten: als er zu wagen stieg Bürger 159 Bohtz; für den schwulst sie salbe suchte, auf den besen stieg und fluchte, wider will den ritt versuchte zu der klugen frauen runde Brentano 3, 394. I@B@22) st. von thieren; ohne besondere unterschiede zum vorhergehenden, wenn die thiere zu ähnlichen bewegungen wie der mensch befähigt sind. so st.: ke Luther bibel 91, 2 Bindseil. ähnl. A. v. Droste-H. briefe 102 Schücking, elephanten Eppendorf Plinius (1543) 8, 40, die gemse nomencl. lat. germ. (1634) 172, ein aff und bär Lichtwer äsop. fabeln 20. ebenso in accusativconstruction: die geys ... st. bergechte örter Sebiz feldbau (1579) 143. auch wirkliches nach oben und unten schreiten der vögel wird von jeher durch st. bezeichnet: leyterlin ..., darauf die hüner zu dem fensterlin st. Sebiz feldbau (1579) 101; ein schwanz zur unterstützung des körpers (des spechts) beim st. Naumann naturgesch. d. vögel 5, 248; st. vom flug der vögel s. unter II, A, 1, b, α. st. der lurche und insekten gehört anscheinend dem 16. jh. an: die kleinen ameiszlein st. den leuten in die gerten Mathesius Sarepta (1571) 23b; die flöh (werden) den weibern fast über die knie st. Fischart praktik 5 ndr.; ich will ab dir stygen (von einem floh) Steinhöwel Äsop 188 lit. ver.; die krotten ... aus der erden st. Sebiz feldbau (1579) 9. als fachausdruck der jägersprache bezeichnet st. das gehen von bär, otter und biber: der biber und fischotter st. aus dem wasser ans land ... (der bär,) der nie geht oder schreitet, sondern immer steigt Behlen forst- u. jagdkunde (1840 ff.) 5, 684; der otter steiget aus dem wasser H. W. Döbel jägerpractica (1754) 1, 41b. ähnl. Brehm thierleb. (1890 ff.) 1, 670; Noel Chomel 8, 1597. I@B@33) besondere färbungen der bedeutung. I@B@3@aa) st. in geschlechtlicher erregung, auch = begatten. I@B@3@a@aα) von thieren. noch heute in der landwirts und thierzüchtersprache für gröszere und mittlere säugetiere auch weiblichen geschlechts gebraucht, bes. für rindvieh, für pferde, esel und schafe. belege aus älterer zeit, mit präpositionalem zusatz: wenn sie (die kühe) ... auf den stier st. Sebiz feldbau (1579) 96. mit acc.: der schelchhengst, den man zu den stuten brauchen will, dieselben zu st. M. Herr feldbau (1551) 185a; dieweyl kein gwild sein frOeuwlin mer steyget, wenn es tragendt wirt Geszner thierbuch (1563) 16b. ohne zusatz: wann ... der stier nicht st. wolt Sebiz feldbau (1579) 97. ähnl. von elefanten Eppendorf Plinius (1543) 46, löwen 50, pferden 91, schafen Frisius 1081, pferden v. Hohberg georg. cur. aucta 8. buch, 97a. I@B@3@a@bβ) vom menschen. coire ... onkuuscheit doen, stigen als die pferd Diefenbach 130c. grobsinnlich in der älteren umgangssprache: der abt ir nicht auf ir weiches leiblein steyge, sunder sy auf den seinen st. thet Arigo dekam. 38, 7 K.; sagt man doch, es sey ein grosz wunder, dasz die leüt auff einander steygen und bedürffen keiner layttern nit ... dann unser knecht ... nun schier syben jar alle nacht auff mich gestigen ist Lindner katzipori 142 lit. ver. daneben stehen ausdrücke, die den begattungsvorgang nicht unmittelbar berühren: ins ehebett st. und noch etwas abgeschwächter zum mädchen st.: ja mit was grOeszerm kan der sultan mich ergAetzen, als, da er auf mein haus genad und auge neigt mein kind ausz staub auf gold in Oszmans bette steigt Lohenstein Ibrah. sultan (1680) 23; nein! das (st. ins ehebett) ist kein solches steigen, da man hals und beine bricht und im bette bey dem manne flieszt die böse Saale nicht. Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727 ff.) 23, 300; tanz uns den hochzeitsreigen, wenn wir zu bette steigen Bürger w. 15 Bohtz; zu dem mädgen zu st. Lichtenberg nachlasz 13, 30; (wer) sich gestehen muss, dasz ein anderer zu seiner frau gestiegen ist Gutzkow ges. w. 6, 363. ähnl.: nachdem Pedrillo zu blondchen ins fenster gestiegen ist O. Jahn Mozart 3, 82. I@B@3@bb) st. als sonstiger t. t. I@B@3@b@aα) in der sprache besonderer gemeinschaften bzw. berufsgruppen.unter st. versteht der turner auch das sprossenst. an einer wagerechten leiter und zwar auf deren unterseite (hangeln und st. im hangstand) vgl. Kunath bez. der gerätübungen 275. ferner kommt st., vom klettern auf leitern und gerüsten gebraucht vor: bei der feuerwehr: (Berliner) dienstanweisung (1900) 3, 1, A, 16; bei zimmerleuten und maurern: mit gunst bin ich heraufgestiegen; dran seht ihr, dasz ich nicht kann fliegen. dieweil ich aber das nicht kann, so geh und steig ich als zimmermann Baumeister zimmermannsspr. 68. die bergmannsprache gebraucht st. vom einfahren in den schacht und dem arbeiten, bzw. dem aufsichtsdienst darin: si heiszen darumb steiger umb das, das si steticlich st. (perscandere), wan das (ist) ir geschefte, das si tag und nacht alle perkwerk best. Jelinek mhd. wb. 678; mein vater, der in gott nun ruhnde steiger, der keinen augenblick vom steigen ruhte Rückert w. (1867 ff.) 3, 153. weitere ausdrücke der studentenspr. s. sp. 1875, der jägerspr. sp. 1880. I@B@3@b@bβ) sondergruppe 1. — in der landsknechtsprache und in militärischer verwendung nimmt st. verschiedene färbungen an: so wird es in verbindung mit über und von für gebirgsmärsche eines heeres gebraucht: hat Annibal sich bemühet uber die Pyreneischen berg zu st. Xylander Polybius (1574) 140; es sieht ihn (den prinzen Eugen) WAelschland ganz bestrzt von nie erstiegnen Alpen st. Gottsched ged. (1751) 21; dann stieg er über das gebirg nach Thüringen Ranke s. w. 2, 150. der einfachen grundbedeutung nahe steht auch st., vom klettern auf einem kriegsschiff gebraucht: und was desz mehr erfordert an personen, so behend mit der sachen schieszen, werffen, st. und klimmen, wissen umb zu gehen Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, 163a. im besonderen ist st. aber erstürmen, so jedoch, dasz die eigentliche bedeutung dabei immer wieder stark durchscheint (vgl. auch übersteigen A, 1, a): kein irdisch gewaltsamkeit mit geschtz, stigen, strmen, noch werffen solich slosz gewinnen mag Riederer rhetoric (1493) h 5b; also ... der gemain hauf ... sich zu sturmen und st. gericht Baumann quellen z. gesch. d. bauernkrieges 274 lit. ver.; in den städten, die mit gesten überleget gewesen, und die überfallen und gestiegen seind Schütz hist. rer. pruss. (1592) buch 7, 4a. ursprünglicher: auff disz gepirg sol man etliche feste warten setzen und also machen, das die feynd schwerlich darzu steygen mOegen A. Dürer befest. d. stett (1527) D 1a. I@B@3@b@gγ) sondergruppe 2. — st. in der gerichts- und verbrechersprache. in älterer zeit 'einbrechen' (üblich dafür auch einst.), meist in verbindung mit präp.: es sol niemant dem andern stigen oder geen in verschlossen obs-, wingart- oder krutgarten der stadt Worms reformation (1513) 87a; weliche aber neben in den schaffstal stygen, die sol man nit dulden H. v. Cronberg 112 ndr. ohne zusatz mit betontem unterschied zwischen st. und stehlen: der teufel ... ist ein dieb, der st. kan, aber nicht stehlen Abr. a s. Clara etwas für alle 2, 195. vgl. ferner: so eyner erstlich gestolen hat ... und der dieb ... zum diebstall nit gestigen oder gebrochen hat ..., ist eyn heymlicher und geringer diebstall Carolina art. 157. andere wendungen der älteren gerichtssprache sind in den turm st. 'ins gefängnis kommen' und die leiter st. 'am galgen hingerichtet werden': er thuot es gern (ironisch gemeint!), ja wie die bauren in thurm st. spichw. schöne weise klugreden (1548) 85b; man bracht ihn zum gericht hinaus, die leiter musz er steigen Arnim w. 13, 201 Gr.; ähnl. 21, 85. IIII. die mannigfachen noch übrigen verwendungsarten des verbums st., die das ahd. bereits anbahnt, das mhd. weiter entwickelt, sind alle bildhafter natur. II@AA. bildliches 'nach oben und unten schreiten, sich nach oben heben', bzw. 'nach unten senken' und 'zum vorschein kommen'. (in älterer zeit gern übersich und untersich st.) II@A@11) bei wirklicher bewegung, von einem aufwärtsbewegen, ohne dasz dazu füsze vorhanden seyn müssen Heinsius 4, 771a; vgl auch Schwan: st. monter signifie aussi s'élever 2, 707a. im mhd. anscheinend noch kaum vorhanden. II@A@1@aa) vom menschen gebraucht, ist dieses st. ein ausdruck erst der heutigen zeit der zeppeline und flugzeuge. vgl.: als sie hörten, dasz ich mit kapitän Spiro in die luft gestiegen sei J. C. Heer da träumen sie (1916) 95. in früherer literatur sind vergleichbare stellen naturgemäsz selten: dasz der gAeuckler mit dem pferdtgen in die lfft uber sich steig Nigrinus von zäuberern 29; ähnl.: fühlte man sich vom boden der erde in die wolken st. Herman Grimm Michelang. 1, 1. II@A@1@bb) von thieren. II@A@1@b@aα) von vögeln und insekten. bes. vom falken und der lerche: st., wenn der falk sich in die höhe schwinget Jacobsson 4, 273b. ähnl. Harsdörfer frauenzimmergesprechsp. (1641 ff.) 3, 116; wo die schellen der steigenden falken klingen Fouqué alts. bilders. 4, 75. mitunter wird der flug selbst unter st. verstanden, wie übrigens auch bei anderen vögeln (s. unten): wenn sie fliegen, heyszt es gestigen Sebiz feldbau (1579) 570; er (der falke) steigt, wenn er von oben herab auf denselben (den reiher) stOeszet öcon. u. physical. lexicon (1750 ff.) 8, 234. die steigende lerche scheint ein verhältnismäszig später ausdruck zu sein, bes. gern von dichtern des 18. jh.s und der folgezeit gebraucht: die lerche steigt in die luft E. v. Kleist frühling 1, 211; in die höhe Hagedorn poet. w. (1769) 3, 26: schmetternd steigt der lerchen chor Fr. Kind ged. 1, 33; die erste lerche stieg jauchzend in die luft Storm w. (1897 ff.) 1, 37. auch in naturwissensch. zusammenhange: steigt das männchen (der feldlerche) ... in die höhe Naumann naturgesch. d. vögel 2, 168. übertragen: der steigenden lerche (gemeint ist die Karschin) fehlte die himmelsluft Herder 20, 270 S. von anderen vögeln. raubvögel: der geier steigt über die berge Fr. M. Böhme volksth. lieder 336; kein adler, welcher steigt zur sunnen Fischart Eulensp. 9, 209 H.; der steigende adler Schubart bei D. Fr. Strausz w. 9, 17. entsprechend vom heraldischen adler: die fahne lasz zu Kolberg wallen, der adler bade in der see, er steigt dann wieder frisch zur höh Brentano 2, 83. vögel der jagd: hinüber das gewölcke steiget der reiger Logau 619 E.; die endten stiegen ... in die luft K. Fr. Cramer Neseggab 1, 200; wenn der fasanhahn in die luft stieg v. Polenz Büttnerbauer 3, 343. andere vögel, z. th. unter sichtlicher anlehnung an die bisher genannten: klagend steigt die nachtigall Arnim w. 22, 50 Gr.; Droins (ein sperling) steigt in die lüfte Jac. Grimm Reinh. fuchs vorr. CXXXV; als ein taubenzüchter ein volk tauben in die luft st. liesz Fontane ges. w. 1, 4, 5. etwas modifiziert wird st. auch vom auerhahn, überhaupt vom federwilde der hohen und mitteljagd gesagt, wenn es sich auf einen zweig begibt Behlen forst- u. jagdkunde 5, 684. ähnl. Heinsius 4, 771a; Noel Chomel 8, 1597; der auerhahn steiget oder tritt zu baume oder vom baume Döbel jägerpractica 1, 45b. von insekten: nun steigt sie (die mücke) in die luft Ramler einl. (1758) 1, 298. redensartliche verwendung vom st. der vögel in älterer zeit: = benebelt werden (?): dem philosopho fingen die tauben an zu st. B. Hertzog schiltwache E 4 (vgl.taube th. 11, sp. 168); = auf einen verrückten einfall kommen: Alexius ... was zuo zeiten im kopff verruckt ... einsmals, als ime die mucken stigend, gieng er zuo Urach in der kirchen uff und ab Frey gartenges. 122, 6 B. II@A@1@b@bβ) von fischen. (vermischung von st. 'sich nach oben heben' und der grundbedeutung.) im besonderen bezeichnet st. hier auch ein 'stromaufwärts schwimmen' zum laichen oder um gedeihlichere nahrung zu finden: die steigenden oder dem flusse entgegengehenden fische allgem. haushalt.-lex. (1749 ff.) 2, 369a. ähnl. B. Faber thes. 1022a; so st. die delphine ... in den Nilum Eppendorf Plinius (1543) 61. st. im sinne von einfachem 'nach oben schwimmen (?)' an der stelle: so gern ich einen hecht geschickt hätte ..., es ist noch zu kalt, darum steigt keiner Göthe IV, 20, 53 W. stark an die grundbedeutung erinnert als fachausdruck der fischersprache: des nachts steiget und schleicht er (der aal) aus dem wasser Döbel jägerpractica (1754) 4, 80a. II@A@1@b@gγ) bei anderen, nicht in der luft oder im wasser sich bewegenden thieren bezeichnet st. ein sich emporheben auf der hinterhand, ein sich bäumen. so noch heute vom pferde gebraucht, als untugend und zeichen der unruhe: eine weitere untugend der pferde ist das ... st. Lampe illustr. tierheilkunde 257; Menas pferd scheute heftig und stieg kerzengrade D. v. Liliencron w. 6, 283; der traber stutzte plötzlich ... stieg wild und prallte dann zur seite C. Viebig d. schlafende heer 1, 39; bei dichtern gilt dieses st. (mit recht?) auch als ein beweis für den mut des thieres: (das rosz) stampfte, stieg und wieherte Mastalier ged. 43, 6; das schlachtrosz steigt, und die trompeten klingen Schiller 13, 188 G.; steig, edles rosz, und bäume dich Körner w. 1, 132 H.; die schnaubenden rosse st. 1, 18 H. dasz dieses st. schon älteren ursprungs ist, beweist eine stelle bei Harsdörfer: einer führt einen steigenden goldlöwen ... in einem blauen schilde frauenzimmergesprechsp. 4, 307. die ausdehnung von st. 'sich bäumen' auf andere thiere als pferde ist aber vereinzelt: unwillig steigt der greif (gemeint ist der Pegasus, also eigentlich auch hier das pferd.) Schiller 11, 21 G. II@A@1@cc) st. von allerlei dingen, die eine gleiche oder doch vergleichbare bewegung haben: II@A@1@c@aα) gegenstände, die z. th. aus eigner kraft sich frei aufwärts heben. bälle, kugeln, ballons: bälle, die ... über die wolken hinaus ... st. Lichtenberg verm. schr. (1800 ff.) 8, 341; heute habe ich ein kügelchen zum st. gebracht (bei einem experiment) br. 2, 116 L.; so liesz er ... eine der echten montgolfieren ... in die höhe st. Göthe II, 6, 103 W.; ein wildschwein von goldschlägerhaut, welches ich einmal als ballon ... st. sah Gaudy w. 2, 100; der 'Sirius' (ballon) aber stieg mit neuer kraft J. C. Heer da träumen sie (1916) 43. feuerwerkskörper: ir (der schlösser) viel theten gar laute schmatz, auch ohn zal viel steygender fewer H. Sachs 2, 391, 16 K.; das Fridericus III ... sich ... einer steigenden raqueten verglichen Weise polit. redner (1677) 576. drachen. erst seit dem 18. jh., das dieses z. b. bei den Chinesen längst bekannte spielzeug, im abendlande, jedenfalls in Deutschland aufgebracht haben dürfte: seht wie st. ihre drachen Göthe 16, 52 W.; pater Beccaria stellte einige versuche an ..., wobei er den papiernen drachen in die höhe st. liesz II 1, 12 W.; drachen st. zu lassen, war dieser grosze marktplatz ... sehr geeignet Kerner bilderb. 9. II@A@1@c@bβ) ebenso ist st. der ausdruck für das 'sich heben' von dingen, die auf ihrem wege durch die luft nicht freie bewegung haben, sondern, irgendwie befestigt oder gehalten, diese bewegung nur in engeren grenzen ausführen können. so vom hissen des segels und der flaggen: das segel steigt! das segel schwillt Göthe 4, 309 W.; da stiegen flaggen ungezählt A. v. Droste-H. w. 1, 58. von an seilen oder durch maschinelle vorrichtung in die höhe gezogenen oder nach unten gelassenen dingen: zwischen dem sinken und st. des vorhangs Göthe 24, 380 W.; an langem seil wird nahrung ihm gereicht, doch wunderbar, in stetem wechsel steigt ein wasserkrug mit brot, so hart wie steine, ein reiner korb zu ihm mit frucht und weine Fr. Kind ged. 2, 79; in übertragener bedeutung: wie unablässig die eimer des geschickes st. und fallen G. Keller ges. w. 2, 186. von der bewegung der schaukel; auf den schwung selbst übertragen: wenn Hanne nur in schaukeln schwebt, wie mutig steigt ihr schwung Hagedorn poet. w. (1769) 3, 99. vom ruder: nach wenigen augenblicken sah Victor schon die beiden ruder taktmäszig st. und fallen Stifter w. 3, 316. auch vom schaukeln eines bootes selbst: doch weckte vom eisernen schlaf ihn nicht das st. und sinken des wiegenden nachens Lavater verm. schr. 1, 282. ein geläufiger ausdruck ist in diesem zusammenhange die steigende (ggs.: sinkende) wage, oft auch in übertragenem sinne gebraucht: die volle schale der scheinbaren glückseligkeit steige zur hölle Klopstock br. 10 L.; ähnl. Raupach w. ernster gatt. 5, 26; wenn die eine schale (der wage) sank, so stieg die andere Storm w. (1897 ff.) 1, 219. in prägnanter bedeutung 'unglück haben': in dem augenblicke, da seine schale zu st. anfangt Gerstenberg schlesw. litbr. 217, 29 dld. 30; ursprünglicher noch: gott wog das recht, und Oskars schale stieg Müllner dram. w. (1828) 3, 19. das st. der wage musz alt sein, wie der gegenstand es selbst ist. vgl.: leip und kint, leut und land uf wâge daz stîget oder sinket jüng. Tit. 3180, C. Schulze bibl. sprichw. 85. II@A@1@dd) st. von flüssigkeiten, mitunter auch an die bedeutung st. C erinnernd (vgl. eindeutige belege dieser art unter II, C, 1, b, γ): II@A@1@d@aα) wasser u. ähnl. allgemein: dann das wasser steyget nit gen perg, man dring es den A. Dürer bef. d. stett E 4b; wenn das gefAesz halb mit wasser gefüllt ist und wir schütten den gewogenen sand in das wasser, so wird das wasser nun st. Liebig chem. br. 78 anm. in anderem sinne: des menschen seele gleicht dem wasser. vom himmel kommt es, zum himmel steigt es Göthe 2, 56 W. von wellen und wogen: die wAellen stigen uber sich bisz an die wolken sichtbarlich Spreng Aeneis 4b; jeder welle seh ich nach: wie sie blinkt, steigt und sinkt R. Z. Becker mildh. liederb. (1799) 14; well auf welle steigt und springt Mörike w. (1905) 1, 149. übertragen: steigende welle des glücks Schiller 14, 48 G.; woge (des urtheils) 12, 455 G.; des häufleins, das in den wogen der menschenfluth als welle steigt und sinkt Collin Regulus 85. von flüssen, mit starker personifizierung: der Scamander stieg in die hOeh, auff ihn (Achill) zutrang, den edlen frsten hart bezwang Spreng Ilias (1610) 296b; Homer bezaubert mich; aber alsdann nicht, wann er mir einen flusz zeigt, der aus seinem bette steigt, einem menschen nachzulaufen Ramler einl. (1758) 2, 72. vom meere: die see, zur stirn der veste steigend Shakespeare 3, 12; ich ... übergab mich dem steigenden meere Jean Paul 1, 198 H.; da (im meere) ist jahr aus jahr ein einerlei st. und fallen J. G. Forster s. schr. 7, 254. recht eigentlich wird st. so auch von sprudeln und den strahlen der wasserkünste gebraucht: er (ward) einen mächtigen strahl gewahr, der wie aus einem springquell bis an die decke des gewölbes stieg Novalis 4, 55 M.; um zwölf stiegen die groszen fontainen Moltke ges. schr. 6, 206. II@A@1@d@bβ) entsprechend bei getränken und säften: lasz den trank im becher st. Platen w. 1, 139; es steigt und steigt im hals der flasche, sieh und das liebliche nass schäumt über Mörike w. (1905) 1, 226. ein älterer beleg dieser art von den körpersäften einer entbundenen: darumb solche materi (d. h. das blut) nicht mehr untersich sonder ubersich steiget, was uberflssig ist, zu den brsten daselbst in milch versamlet wirdt Ruoff hebammenbuch (1580) 139. häufiger vom saft der pflanzen: damit der safft, welcher von unten an uber sich gestigen ist, in die jungen zweige schlage Sebiz feldbau (1579) 324; da der safft wieder in die stämme steigt J. Prätorius winterflucht (1678) vorr. A 4a; solange die säfte im st. sind v. Görres ges. br. 3, 622; ihr seht den saft in alle zweige st. Chamisso w. (1836) 4, 4. II@A@1@d@gγ) vom quecksilber: das quecksilber der glocke fing stark an zu st. Lichtenberg br. 2, 87 L. aus älterer zeit mit verwendung eines compositums: so wird das quecksilber alles herber st. Ercker mineral. (1580) 50a. vom quecksilber im wetterglase: mit dem st. und fallen der quecksilbersäule im barometer Ratzeburg standortgewächse 196. metonymische ausdrucksweise führt von hier zum st. und fallen des barometers und thermometers selbst: die steigerung der stimmen bey steigendem barometer Göthe IV, 38, 12 W.; das thermometer ... konnte nicht höher st. 22, 292 W.; schnelles st. des wetterglases Jean Paul 45/47, 430 H. übertragen: das thermometer unserer erwartung stieg und fiel J. G. Forster s. schr. 2, 5; je nachdem der barometer der mädchenlaune stieg oder fiel W. Raabe hungerpastor 2, 122; wie ich eine weile ... nicht gezahlt hab und hab vom kellner was begehrt, so ist der barometer seiner dienstfertigkeit aufs hinauswerfen gstiegen Raimund 1, 7. II@A@1@ee) staub, rauch, dampf, flammen u. ähnl.: der dampff übersich steigt Ryff confectbuch (1548) 15b; dampff unnd rauch Paracelsus op. (1616) 2, 524 H.; flammen Lohenstein Ibrah. sultan (1680) 5; man konte den aus seinem gipffel steigenden dampff ... observieren Schnabel ins. Felsenburg 48, 14 Ullrich; stieg ... der staub in die luft Bürger 151 Bohtz. o steiget, Moskaus flammen, wie säulen himmelan Schenkendorf ged. (1815) 4; aus dem lindenkranze stiegen gastliche rauchsäulen G. Keller ges. w. 5, 32; eine maschinenwerkstatt, draus ... qualm und feuersäulen in die luft stiegen Fontane ges. w. 1, 5, 226. im besonderen vom tabaksqualm: er saugt begierig am geliebten rohr, es steigt der dampf an seiner stirn empor Göthe 2, 143 W. ohne comp.: rauchwolken, die ... aus den pfeifenköpfen st. Börne ges. schr. 8, 103. vom opferrauche: ein heiliger rauch stieg ... vom altar Klopstock Messias 1, 349; der weihrauch stieg Stifter w. 3, 140; aus der Akropolis hallenden kuppeln brauset der weheruf, steigt der altäre lodernder duftrauch Strachwitz ged. (1850) 19. in nichtwirklicher verwendung: wie kömmts, dasz öfter nicht mein weyrauch voller danck zu deinem throne steigt v. Canitz ged. (1727) 4; da meiner seufzer glut bis an den himmel steiget Gottsched dtsch. schaubühne (1741) 1, 3; o freiheit ... auf deinem heerde steiget die flamme der kühnen wahrheit grafen zu Stollberg ges. w. 4, 52. II@A@1@ff) nebel, dünste, wolken u. ähnl. nebel und dünste: der nebel steic als er ê pflac ûf gegen dem wolken wider Wirnt v. Grafenberg Wigalois 6921; das ... solcher dunst und feuchtigkeit in offenen gengen und klfften über sich steigt J. Mathesius Sarepta (1571) 62a; wenn ... die dnste reiner st. Stieler geharnschte Venus 65 ndr.; wie viel thau im mertz vom himmel steigen, so viel sich reiffen nach ostern zeigen v. Hohberg georg. cur. aucta 3, 95b; wenn der nebel steigt Fleming teutsche jäger 269a; die nebel stiegen und fielen Göthe IV 4, 101 W. (IV, 23, 1); wie der nebel zu wolken sich gestaltet, wenn er steigt Ratzeburg standortgewächse 188. personifiziert im volksglauben: seht, wie die feuchte nebelschicht schon an des pförtchens klinke reicht, ... der heidemann steigt A. v. Droste-H. w. 1, 112. wolken: steigend hoben sie (die wolken) flügelartig die heilige gestalt empor Göthe 24, 185 W.; aber immer noch steigts und drängts (in den wolkenmassen) O. Ludwig ges. schr. 2, 13. II@A@1@gg) von dingen, die anderen sinnesorganen als dem auge zugänglich sind: II@A@1@g@aα) luft und luftströmungen: des sturmes, der aus den aufgerissenen klüften steigt Klinger w. 3, 290; es stieg ein trüber nebelwind vom Rheine (übertr.) Rückert w. (1867 ff.) 1, 16; wenn ... ein feuchter wind sich genöthigt sieht, schnell an dem abhange einer bergkette in die höhe zu st. L. Laistner nebelsagen 5. bei starker personifizierung nähert sich st. der bedeutung des tatsächlichen 'nach oben und unten schreitens': Zephyr steigt aus seinen höhlen Benj. Neukirch ged. 27. auch vom atem, überhaupt vom luftstrom, der aus dem munde ausgestoszen wird: den kopf musz man (beim flötenspiel) beständig gerade ... in die höhe halten: damit der wind im st. nicht verhindert werde J. J. Quantz anweisung d. flöte z. spielen 30; nur des odems steigen durchsäuselte den weiten hallenbau A. v. Droste-H. w. 1, 60. II@A@1@g@bβ) gase, düfte, gerüche: bis der sulphur ... nicht mehr steigt oder sich sublimieren wil L. Thurneyszer magna alchymia (1583) 24; lasz, herr, des opfers düfte steigen Schiller 9, 230 G.; wanns anfängt in die luft zu st. wie verwesung Bettine dies buch geh. d. könig 1, 40; ein labender duft stieg aus den ... feldern Eichendorf w. (1864) 2, 105; aus diesen blättern steigt der duft des veilchens Storm br. in d. heimat 87; beim erwärmen ... steigt (das ammoniak) in das bierglas Stöckhardt chem. feldpredigten 1, 32. II@A@1@hh) vermischtes zu den gruppen cg. st. vom spillentheil bei der pumpe: darnach ligt es (das spillentheil) so hoch, als es gestigen hat Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 144. vom sog. franz. oder zuhaltungsschlosz in übertragener verwendung: eine andere art der zuhaltung (d. h. des eisenstückes im thürschlosz, das den riegel in jeder lage unverrückbar macht), welche man die steigende zu nennen pflegt, unterscheidet sich von der gewöhnlichen ... darin, dasz sie nicht um eine drehungsachse im bogen, sondern in gerader richtung sich bewegt, und unter rechtem winkel mit der längenabmessung des riegels auf und niedersteigt Prechtl technol. encycl. 12, 470. vom aufgehenden teig, zu st. II, C hinüberdeutend: ich esz ein selig brot, mit schweisz zwar eingeteiget, doch das durch beckers kunst und hefen hoch nicht steiget Logau 55 E.; damit er (der teig) gehe und über die form steige Amaranthes frauenz. lexicon 1098. von blasen beim kochen: aber das mütterchen gosz in die bräunliche kanne den kaffee ... strömte die quelle darauf, und stellt auf kohlen die kanne, hingekniet, bis steigend die farbige blase zerplatzt war J. H. Voss Luise 1, 336. vom inhalt des kessels bei der harzdestillation: das st. des kesselinhaltes musz durch gleichmäsziges rühren an der oberfläche ... niedergehalten werden Muspratt chemie (1893) 4, 118. II@A@22) mehr als in den wendungen unter 1 vermischen sich mit der nuance 'sich nach oben heben', bzw. 'nach unten senken' die spielarten 'nach oben und unten schreiten' und 'zum vorschein kommen', wenn die im verbum st. liegende bewegung sich selbst ins bildhafte verflüchtigt. dabei nehmen die bedeutungsunterschiede der drei gruppen an plastischer kraft ab, und es entsteht ein eigenartiges ineinanderflieszen der bedeutungsarten. reichhaltiges material erst in neuerer zeit. II@A@2@aa) dem bisher betrachteten stehen die fälle eines bildlich gedachten 'sich emporhebens', bzw. 'sich nach unten senkens' am nächsten. frühnhd. auch hier die wendung übersich und untersich st.: II@A@2@a@aα) von personen: steigt, steigt zugleich durch die bestirnte luft Horaz und du o deutscher Flaccus Pyra-Lange Thirsis u. Damons freundsch. lieder (1745) 10; fühlte man sich vom boden der erde in die wolken st. Herman Grimm Michelang. 1, 1. (vgl. auch die sondergruppe 'zu gott, zum himmel, zur hölle st.' II, A, 3, a, β, bb.) II@A@2@a@bβ) von sachbegriffen: es dunckt sie (die trunkenbolde) oftmals, die erde steyge uber sich Ambach vom zusauffen C 1a; hoch steigt mir jetzt die welt gleich einem federballe Thümmel reise in d. mitt. prov. (1791 ff.) 1, 6 (vgl. zu diesem ausdrucke gehobener stimmung die sondergruppe steigendes herz u. ähnl. II, A, 3, a, α, bb). so auch vom 'gehoben werden' auf dem glücksrade und in ähnlichen, allgemeineren wendungen: des gelücks gefährt und kind steigt und fällt mit seinem rade P. Fleming dtsch. ged. 1, 81 L. ähnl.: kreisend ist der dinge lauf, steigt und fAellt dann wieder R. Z. Becker mildh. liederb. (1799) 50; im wechsel steigt und fällt das leben F. M. Böhme volksthüml. lieder 238. auf das ästhetische übertragen: der bau des dramas soll diese beiden gegensätze ... zeigen, ... kampf und gegenkampf, st. und sinken G. Freytag ges. w. 14, 93. Brentano liebt den ausdruck steigender blick: es stieg und sank mein blick auf seinen zügen 2, 291. bes. auch als symbol eines seelischen interesses, vor allen dingen erotischer erregung: blicke, die zu heftig steigen, plaudern alles fälschlich wieder, was die lippen zart verschweigen 2, 145; (3, 304). II@A@2@bb) der grundbedeutung am nächsten kommt nicht selten st. im sinne des einfach ins bildliche übertragenen 'nach oben und unten schreitens' (ohne wirkliche bewegung!) schon im ahd. vgl. zum folgenden α, cc, falls nicht bedeutungsmischung mit II, C vorliegt: so dû ze túgede gestiget (!) Notker 2, 548, 12 P.; ähnl. später: steic der herre ze tugente, von kintheit ze jugente Rolandslied 1, 22 Gr.; êrste wil ich eben setzen mînen fuoz und wider in ein hôchgemüete stîgen Walther v. d. Vogelweide 20, 3; er wolde vurbaz stîgen mit der rede ûf anderen sin passional 83, 56 K. zu α, aa: swer dise leitern stîgen sol (die symbolische leiter, auf der man zu gott emporsteigt) Hugo v. Trimberg renner 20227; lêre uns stîgen der tugende grât Albertus st. Ulrichs leben 1511 Sch. II@A@2@b@aα) von personen. II@A@2@b@a@aaaa) im anschlusz an alte beispiele der letztgenannten art ist der vorstellungsinhalt von st. zunächst derselbe wie bei der grundbedeutung des verbums, nur rein gedanklich gefaszt: sie st. ... auf den kampfplatz, der dem gegner bequem ist Göthe IV, 9, 299 W.; steige auf das theater und lasz hören, was du ... vorzubringen hast Klinger w. 3, 38; diese ... aus dem boden gestiegene erscheinung Raabe hungerpastor 2, 96. entsprechend von gespenstern und geistern: der ihm des Varus furchtbarn geist aus einem blutgen sumpfe steigend weist v. Ayrenhoff 1, 278; diese ... gespenster sind ... aus dem abgrunde gestiegen, um mich zu ängstigen Göthe 23, 29 W. mit bildhafterem ziel- oder ausgangsbegriff: sie sind in die tiefe der ewigen pein gestiegen Wigand Gerstenberg chron. 17 Diemar; die menschen, die ... in ihre alte snden fusstapfen st. Reinicke fuchs (1650) 134; aus der tiefe der zeiten an das tageslicht gestiegen, sonnen sich diese menschen G. Keller ges. w. 1, 12. redensartlich sagt der Wiener die leute steign lassen im sinne eines vergeblichen steigens, eines sie 'zum narren haltens' Hügel 156. auch hier begegnen wieder accusativverbindungen: die erste staffel der hoheit, welche Simplicius gestiegen Grimmelshausen Simpl. 5 ndr.; heimliche pfade, die ich st. wollte Grimm dwb. vorr. IIIa. II@A@2@b@a@bbbb) in anderen fällen ist die zu grunde liegende vorstellung von st. nicht mehr in wörtlichem sinne möglich, so in wendungen wie ins herz st., jemandem auf den kopf st. überhaupt bei st. in verbindung mit körpertheilen und entsprechenden synonyma, vgl. sondergruppe II, A, 3, b, δ und II, A, 3, a, β, aa). so ferner, den belegen unter aa) nahekommend: also kOend ihr zuo hof nichts gwinnen gleich wie hie oben auch die spinnen. noch dOerfft ihr euern hochmuot zeigen und erst auch in ein mOenchskut steigen Fischart flöhhatz 1596 ndr.; der ... steigt mir ... in den geldbeutel Ganghofer schlosz Hubertus 2, 196 ges. schr. volksausg. mit personification des eigentlich nicht pers. subjectsbegriffes: und mutter Flora steigt allmehlich aus dem neste Chr. Reuter Schellmuffsky 52. vielleicht stehen solchen fällen die burschikosen raa., ins glas, in die kanne st. und schon zum folgenden (cc) hinüberdeutend, ins examen, in die ehe st. u. ähnl. nahe. vgl. O. Ladendorf ztschr. f. d. wortforsch. 4, 313; Eugen muszte von Schnon aus in die kanne st. J. Buchhorn 3Hohenstaufen 45; ich habe schwer zu schanzen. ... im oktober steige ich ins examen 33. II@A@2@b@a@cccc) häufig und schon alt (vgl. oben zu b) ist in diesem zusammenhange st. in verbindung mit abgezogenem ziel- oder ausgangsbegriff: got ... erleücht ouch nit alle christen, die es auch understond zuo stygen uff die hohen rAete der keuscheit Eberlin v. Günzburg 1, 27 ndr.; die styeg der gnaden ..., daran er (der mensch) nochmals steygen mag zuo gtem wesen Berth. v. Chiemsee tewtsche theol. 409; sonderlich ist es nicht rahtsam, das man in den geheimen rahtschlus gottes ... st. wolle v. Butschky Pathm. 127; als Jesus in das dreiszigst ... jahr gestigen war B. Ringwalt evangelia (1646) F 1b; aller elemente toben, osther ist es aufgehoben, wenn er (Merkur) aus dem schlummer steigt Göthe 3, 362 W.; du, den aus nacht mit jungem glanze dein volk wie frühling steigen sah J. H. Voss ged. (1802) 3, 3. und (er) steigt in kurzer zeit zum vorigen vermögen Ramler fabellese 1, 241. gern bezeichnet der zielbegriff einen beruf oder besonderen stand: wiltu hie sagen: sie sind ... ynn eynen vollkommeneren stand gestiegen Luther 10, 1, 701, 23 W.; churfürsten, ... welche allein durchs ampt und nit durch angebornen adel in das churfürstenthumb steygen Stumpf Schweizerchron. (1606) 312a. zum lehramt steiget man durch unterschiedene stufen Lichtwer aesop. fabeln 84. ähnl.: wenn er nach sekunda steigt, dürfen sie einen stock tragen Holtei erz. schr. 15, 3. (vgl. auch die oft ähnlichen fälle unter II, C, 2, b, β, bb.) II@A@2@b@bβ) von sachbegriffen. II@A@2@b@b@aaaa) entsprechend den fällen unter α, aa. absolut gebraucht: das niderland würd zuost. haben, will es in das oberland Fischart praktik 26 ndr. mit präpositionaler verb.: und das schermesser steyget nit auf sein haubt erste deutsche bibel 5, 11, 30 lit. ver.; wächst aber wo die zung und steiget über zaun, derselben traue du! ich wil ihr nimmer traun Logau 157 E.; sie (die flamme) steigt von balken zu balken O. Ludwig ges. schr. 5, 451; jetzt ... sah er ... das ganze schlosz vor sich mitten im grün, als wollts in alle fenster st. Eichendorf w. (1864) 3, 341; ähnl.: die höhn und wälder schon steigen immer tiefer ins abendgold 1, 536. mehr im sinne des 'zum vorschein kommens': das har stieg ihm durch sein huot Wickram 2, 111 B.; ein paradies der herrlichkeit und grösze stieg unter meiner zauberruthe schlag Schiller 15, 1, 10 G.; die wolke sank, und mählich stiegen glieder (des priesters auf der kanzel) A. v. Droste-H. w. 1, 66; (2, 31 u. 94.) ebenso mit concretem zusatz als ziel- bzw. ausgangsbegriff: eine taube soll sich schwingen aus der gluth, soll friedenszweige der empörten erde bringen, dasz sie aus der zornfluth steige Brentano 2, 35; in lichtem glanze wandelt der helden heilger muth, es steigt das land verwandelt aus seiner söhne blut Eichendorf w. (1864) 1, 386. — ra. die haare st. zu berge: horripilare hare zu berge stigen Diefenbach 280c; die har stigen ihm zuo berg Wickram 2, 380 B.; zu berge steigt mein haar Schiller 6, 382 G.; weil haut und haar ihr zu berge st. brüder Grimm sagen 1, 130. seltener im singular: ich läugne nicht, dasz mir das haar anfing zu st. Schiller 4, 247 G. mundartl.: et stigt ne kein har Schambach 210b. mit genauer ortsangabe: die haar stiegen ihm auff dem haupt als igelsstacheln Moscherosch gesichte (1650) 11. mit allg. zielangabe: das ... haupthaar ... stieg himmelwärts Lenz ged. 86. in absichtlicher besonderheit: dem herrn bürgermeister stiegen die haare und die zipfelmütze in die höhe Storm w. (1897 ff.) 4, 212. — veraltet: gen berg st.: und stygen mir gAehen perg di har Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 135; Seb. Franck sprichw. (1541) 48b; der es in sein hertz nemme, dem wird dass haar bass gen berg st. Paracelsus op. (1616) 2, 666 H. II@A@2@b@b@bbbb) eine bedeutend geringere plastik des ausdruckes zeigen wendungen, die nicht concrete dinge als subjects- und zusatzbegriffe des ziel- bzw. ausgangspunctes zu st. hinzufügen, sondern entweder nur an einer stelle noch concrete dinge aufweisen oder sich sogar an beiden stellen ins gebiet des abgezogenen verflüchten: mit noch concretem subjecte: disz haus steigt wieder in den stand, den es vor langer zeit besessen v. Besser schr. 2, 768 König. mit noch concretem begriffe des zieles bzw. ausgangspunctes zu st.: und was will Cromer nicht vor fehler andern zeigen die doch bey dutzenden aus seinen schriften steigen Benj. Neukirch bei Lohenstein Arminius (1689 ff.) 2 a 7b; du wirst doch nimmermehr mit allen grillen zeigen, dasz wollust, ehr und geiz aus einer wurzel steigen Benj. Neukirch ged. 126; ihm stiegen die stunden zu langsam vom Olympos Wieland I 1, 200 ak. ausg.; und was uns blindes ohngefähr nur dünkt, gerade das steigt aus den tiefsten quellen Schiller 12, 249 G.; dieser witz ist ... aus der stinkenden grube der tiefsten depravation gestiegen E. Th. A. Hoffmann 14, 170 Gr. mit noch weiterer verflüchtigung ins rein gedankliche, zugleich sich wieder der bedeutungsspielart 'zum vorschein kommen' nähernd, erscheint st. etwa in folgenden belegen: geistige bilder stiegen aus dem zwielicht der erinnerung v. Salis ged. (1793) 37; nun stieg der trübe wust von nebelbildern alter kränkung aus ihrer (der brust) stillen nachtversenkung Lenau s. w. 16 Barthel; nebelbilder steigen dämmernd aus der vorzeit dunkeln tagen F. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 3. beispiele mit ausgesprochen abgezogenen dingen als subjects- und ziel- bzw. ausgangsbegriffen zu st. können wendungen wie ins gedächtnis, ins gemüt, in die seele, den sinn st. herbeiführen, vgl. sondergruppe II, A, 3, β, aa. in einseitig abgezogener structur erscheint st. so in absolutem gebrauche ohne weiteren zusatz: euer (der sinnen) frevelndes beginnen will weiter, als es steigen kann Benj. Neukirch ged. 33. mit leichter bedeutungsfärbung: eure streitrede drfte uns ungelehrten weibsbildern schier zu hoch st. Bucholtz Herkuliskus (1665) 638. II@A@33) sondergruppen. II@A@3@aa) ohne weitere modification der bedeutung: II@A@3@a@aα) mit besonderen subjectsbestimmungen. II@A@3@a@a@aaaa) steigende gestirne, steigendes licht usw.dasz das aufgehen der gestirne bereits im mittelalter ein st. genannt wurde, läszt sich vielleicht aus der Walther- stelle erschlieszen: sô stîgent mir die sinne hôher danne der sunnen schîn 118, 29. sicher wird das sich erheben der sterne über den gesichtskreis (vgl. Heinsius 4, 771a) schon frühnhd. so bezeichnet. von der sonne: als nun die liecht sonn usz dem tieffen mOer gestigen was Wickram 1, 104 B.; die sonne am hOechsten gestigen ist volksbuch v. dr. Faust 86 Br.; weil ... der sonnen liecht ... an dem himmel höher steigt Opitz teutsche poemata 51 ndr.; die sonne steigt und sinket Herder 26, 158 S.; die sonne steigt, die stunde naht, und du gehst ewig von mir fort Arend-Conradi-Henckel moderne dichtercharaktere (1885) 70. vom monde: was so innig bewegt; glühte das abendroth, stieg der trauliche mond, tönte die nachtigall? J. H. Voss ged. (1802) 3, 47; des steigenden mondes Jean Paul 1, 343 H.; mit starker dichterischer anschaulichkeit: der mond stieg auf die linde Brentano 4, 74; die scene wechselt, langsam streicht ein wolkenvorhang sich zurück, und in die ganze wölbung steigt der mond mit seinem geisterblick A. v. Droste-H. w. 2, 46. von anderen sternen. allgemein im comp.: die sterne st. auf und nieder Körner w. 1, 112 H.; im besonderen: der grosse bär gleichfals bey tag und nacht besunder nicht steiget in das meer hinunder Spreng Ilias (1610) 264a; vom glanzgestirn des Sirius, welches ... aus dem ocean steigt Göthe 41, 1, 274 W.die ra. sein stern ist im st. = er hat glück, er kommt vorwärts scheint der neueren zeit anzugehören: Sullas stern blieb immer im st. Mommsen m. gesch. 2, 371. ähnl. jahrb. d. Grillparzerges. 2, 319; sterne steigen, sterne sinken: unsre sind im niedergange F. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 297. im engsten zusammenhange mit dem st. der sonne wird st. vom licht, von der dunkelheit u. ähnl. dingen gebraucht, anscheinend noch nicht in früherer zeit und bes. in phantasievoll malender ausdrucksweise: über des tannenwalds schwermüthge schatten steiget das morgenlicht S. Mereau ged. 1, 12; der morgen stieg ... aus den wäldern Eichendorf w. (1864) 2, 284; der tag steigt glhend aus dem purpurbette M. Beer s. w. 3; wenn die dunkelheit schon aus den gründen der erde stieg Stifter w. 2, 318; die nacht stieg aus der see E. v. Kleist 1, 118, ans land Mörike w. (1905) 1, 116. von jahreszeiten: der morgen graut; der herbst steigt von den bergen und wandert nach dem vogelheerd Fr. Kind ged. 3, 24; und steigt zu thal der winter, soll unsre hochzeit sein Chamisso w. (1836) 3, 143. steigendes licht im sinne von 'zunehmendes licht' s. unter II, C, 1, b, γ. II@A@3@a@a@bbbb) steigender sinn, steigendes herz u. ähnl.darin mischung von rein bildhaftem 'nach oben schreiten' und 'sich emporheben'. schon mhd. häufiger: ir schœne so vil freuden gît, da von diu herzen stîgent hô Ulrich v. Liechtenstein 423, 12. vgl. auch Walther v. d. Vogelweide 118, 28. ohne grammatischen zusatz: mîn muot muoz stîgen Ulrich v. Liechtenstein 582, 4 ähnl. Werner v. Elmendorf 205. später: (der grosze sinn) steigt über sich zu gott Opitz teutsche poemata 63 ndr.; meine seele (stieg) ... vollen flugs zum himmel maler Müller w. (1811) 1, 3. mit stärkerer betonung, dasz die seele (in diesem zusammenhange bes. herz!) beim emporschweben von einem beglückenden vollgefühl beherscht wird: und wie die sehnsucht innger sich entfachte, stieg auch mein sinn und herz ... nach oben Tieck schr. (1828 ff.) 1, 232. vor allem so von st. ohne grammatischen zusatz: meine seele stieg und witterte krieg Schubart leben u. ges. 1, 242; ich konnte jetzt dem gesange ... folgen und folgte mit steigendem herzen Stifter w. 1, 145; hoher, steiler, fester felsen, darauf Hellas freiheit ruht! seh ich deine wolkengipfel, steigt mein herz und wallt mein blut W. Müller ged. 206 H. auch brust wird in diesem zusammenhange als subject zu st. verwendet (vgl. auch II, B, 3, a, α): was ist das? deine gestalt hat sich verändert, höher steigt deine brust und deine augen glänzen Schiller 5, 2, 119 G.; 1, 100. synonym: steigendes blut: jede teilnehmung des hörers; jedes st. und fallen des fluthenden blutes ... ist hier mit unbeschreiblicher kunst und einsicht bemerkt Schubart ästhetik d. tonkunst 213. allg. von seelischen wallungen: mein blut ist gar zu dumm, es steigt und fällt zu rasch Hebbel w. 4, 89 W. II@A@3@a@a@cccc) steigende töne u ähnl. II@A@3@a@a@cc@aaαα) st. von tönen. klängen, geräuschen u. ähnl. gesagt, bedeutet zunächst ein 'zum vorschein kommen, sich heben, beginnen'. schon mhd.: der schal ze himel steic Heinr. v. d. Türlin krone 207. später allgemein von der menschlichen stimme und ihren lauten, bzw. tönen, die ihnen gleichen: verworrene kreischende stimmen tödtender und getöteter steigen zum zürnenden himmel Lenz ged. 24; wenn von allen völkern ... solch ein jauchzen steigt Denis lieder Sineds 107, 3; es steigt ein heulen durch die lüfte Göthe 37, 7 W.; steigt ein siebenfaches wehe aus dem stillen wasserreich Mörike w. (1905) 1, 148. im bes. von seufzern: die seufzer steigen himmelwärts Gottsched ged. (1751) 1, 80. ähnl. Herder 18, 284 S. von gebeten und bitten: steig ... gebet Cramer nordaufs. (1758 ff.) 3, 6. von wo aus sollen denn ... öffentliche fürbitten zu gott st.? Schleiermacher I 5, 199; wie eure bitten heisz gen himmel steigen A. v. Droste-H. w. 2, 250; zu wem meinen sie dasz unsere litaneien st.? Bettine dies buch geh d. könig 1, 158. auch allg. von der andacht (als comp.): und seine andacht steigt wie loh vom opfer auf zum sternensitze Schubart s. ged. (1825) 2, 50. ähnl. st. musikalische klänge der majestätische choral steigt wirbelnd in die lichten höhen Ramler fabellese 3, 211; die lieder der barden ... st. zum hohen Olympos Wieland I 1, 207 ak. ausg.; wenn das feindliche signal in die höhe steigt v. Thümmel reise in d. mitt. prov. (1791 ff) 7, 162; aus des schneees einsamkeit steigts wie wunderbares singen Eichendorf w (1864) 1, 603; zärtliche gesänge steigen mit dem abendschein zu mir Novalis 4, 103 M.; lieblich steigen betgesänge aus den frommen gotteshäusern Heine w. 1, 43 E.; die geschwister lieszen ihre heimischen jodler st. Hesse Gertrud 146. gern wird dieses st. mit den körperlichen organen grammatisch verbunden, welche solche töne erzeugen und formen, z. b. mit mund, lippen, brust, auch herz (vgl. II, A, 3, a, β, aa). steigendes lied als ausdruck der studentensprache s. weiter unten. aufs engste mit steigenden tönen u. s. w. verwandt ist das von den zugrunde liegenden seelenstimmungen gebrauchte steigen des dankes: preis dir unendlicher! dank steigt aus meinem kerker Schubart s. ged. (1825) 1, 11. entsprechend steigende wünsche: steigt freudig in die lufft zu den erhabnen höhen, ihr wünsche, die ihr ietzt in unsern hertzen wallt Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged (1727 ff.) 1, 14. anhang.studentensprachlich hat vielleicht der ausdruck steigendes lied eine gröszere entwicklungsreihe begründet. von Müller Fraureuth 2, 558 ist die ra. ein lied steigt, ggs. fällt schon für Fischart (ohne genaue stellenangabe) nachgewiesen. aus dem frühen 18. jh.: der cantus steigt auf der bude M. Bauer sittengesch. d. dtsch. studententums 116b. nach diesem auch heute noch ganz gebräuchlichen ausdrucke (vgl z. b. J. Buchhorn 3 Hohenstaufen 99) sind (wohl erst modern) viele andere raa. gebildet: eine rede, aufführung, mensur, ein bierskandal, konvent, landesvater, salamander, der doktor, auch ein halber, ein ganzer (vgl. Ladendorf in: ztschr. f. dtsch. wortforsch. 4, 313): es schäumt der wein, der ganze steigt 96 allg. dtsch. kommersbuch 264. unechtes comp.: so stieg die sache (mensur) weiter J. Buchhorn a. a. o. 99. in halb burschikoser verwendung: wie, wenn und wo die küsse steigen, das werden die honneurs schon zeigen Sperontes singende muse 226; wenn man jetzt überall etwas leichtes (an literarischen producten) st. läszt, so wird es auch hier nicht gantz unschicklich seyn Lichtenberg br. 2, 113 L.raa. wie einen halben st. und ich steige dir einen vor (vortrinken) setzen studentensprachlich vielleicht noch das alte transitive st. fort. vgl. 2steigen. II@A@3@a@a@cc@bbββ) in anderer verwendung bezeichnet steigender ton ein inneres musikalisches st., indem der hellere ton als über dem tieferen stehend empfunden wird, wobei auch das hinaufklettern der noten im schriftbilde einer composition mitgewirkt haben mag. zu dieser bedeutung tritt weiterhin der begriff der gröszeren oder geringeren intensität der stimme oder des instrumentalen tones, ohne dasz beides im einzelfalle immer scharf zu trennen ist. unzweifelhafte belege der letzten art s. unter II, C, 1, b, γ. eine ältere begriffsbestimmung, bzw. erklärung bei Jacobsson: st. einer oktave, (musiker). das ordentliche aufst. einer oktave ist, wenn man von der finalnote durch die vornehmsten sonos oder klaves stufenweise aufsteiget 4, 273b. — ggs. fallen oder sinken der töne, melodischer theilgebilde und ganzer melodien. steigende töne (noten): wann nun zwey basznoten per gradum st. oder fallen, so musz man ... den motum contrarium gebrauchen Heinichen generalbasz 127; das st. und fallen ... der natrlichen tOene Ramler einl. (1758) 1, 226. ähnl. Lessing 17, 116 M. steigende melodische einheiten: eine grosse steigende tertz J. Mattheson vollk. capellmeister 154; eine steigende secunde Ph. E. Bach art d. clavier zu spielen 1, 77. steigende melodien: steig(enden) schoberw(eis) Pang. Schobarts H. Sachs gemerkbüchl. 153 ndr.; gsang der ins ee. ff. steiget M. Agricola musica instr. deutsch (1896) 194; die melodie ist leicht und steigend Herder 25, 303 S.; st. und sinken der melodie Fr. Th. Vischer aesthetik 3, 935; bravurpassagen ..., welche bis ins hohe e st. O. Jahn Mozart 1, 426; die letzten worte ... stiegen sehr hoch mit einem klang, der in der luft blieb und antwortete, nachdem der gesang längst verhallt war H. v. Kahlenberg Eva Sehring 23; den ... refrain, der stieg und niederfiel 24. ähnl. in allgemeinerer anschauung von sprachmusik: daher die wahl der wOerter, die stellungen der redensarten, das symetrische st. und fallen der harmonie Ramler einl. (1758) 1, 43. (entsprechend von der stimme der singvögel: sie (die nachtigall) läszt die ... gesänge bald st. bald fallen Brockes ird. vergn. (1721 ff.) 8, 16.) II@A@3@a@a@cc@ggγγ) übertragung auf die metrik war von vornherein gegeben. dem st. musikalischer töne entspricht dort die stärkere klangvollere betonung der hebungen im vergleich zu den senkungen. so wird st. in metrischen betrachtungen schon des 17. jh.s gebraucht. nachklänge noch im 19. jh.ein vergleich zwischen musik und metrik in dieser beziehung bei J. A. Scheibe: da alle taktarten im st. und fallen anfangen kOennen, ... so ist zu merken, dasz alle steigenden taktarten mit dem jambischen, ... sylbenmasze zu vergleichen sind d. critische musicus 347. — steigende wörter und silben: unsere sprache ist reich an steigenden oder jambischen nennworten Gottsched beyträge z. crit. hist. 5, 59; von dem st. und fallen der worte und sylben J. A. Scheibe a. a. o. 72. steigende silben sind in diesem zusammenhange silben, die für vershebungen geeignet sind: es st. vollere längen und überlängen, die dennoch der takt niederzwängt; es sinken andere so tief, dasz sie nicht oder kaum in der hebung der verse bestehen können J. H. Voss zeitmessung 14. — steigender versfusz und steigender vers: ionisches sylbenmasz besteht aus steigenden ionischen sylbenfüszen Ramler lyr. ged. 258; der steigende iambus, — der fallende trochäus J. Kinderling reinigk. d. dtsch. spr. 429; iambische oder steigende verse sind, welche aus lauter iambis bestehen und im scandiren gleichsam immer höher st. J. G. Neukirch anfangsgründe z. teutsch. poesie 52. — in versen nicht jambischen charakters, z. b. im hexameter, spielt die cäsur für den begriff st. und fallen eine rolle: die erste zeile (des metrumsgemeint ist der hexameter alles kann lehriger fleisz durch wagen gewinnen und heben — ist) zusammengesetzt von zween dactilischen versen, einem fallenden und einem steigenden Heräus ged. u. lat. inschr. 67. anderseits Fr. Schlegel: der hexameter. seine bewegung ist weder steigend noch sinkend pros. jugendschr. 1, 226. im reime bezieht sich st. auf männlichen, stumpfen reim, ein ausdruck des 17. jh.s: die einsylbigen reimwort werden genennet männliche oder steigende Harsdörfer poet. trichter 1, 32. ähnl. Schottel haubtsprache 858; anzeiger der ... einstimmigen (d. h. reimenden) mAenlichen oder steigenden wOerter Zesen verm. Helicon 1, 273. II@A@3@a@a@cc@ddδδ) sonstiges. selten wird st. in musikalischem sinne von anderen subjectsbezeichnungen als von tönen u. s. w. gebraucht. vom sänger selbst: Calliope darunder sang, in die octaff begund sie steigen Scheit fröhlich heimfahrt M 3a; oft berrascht er uns durch unverhofften fall, oft berfAellt er uns durch wunderschnelles steigen König ged. (1745) 66; stieg er in die höhe, so hörte man in ihm den unerreichbarsten tenoristen Schubart ästhetik d. tonkunst 150. vom finger des klavier spielenden: das fortsetzen eines fingers ohne abwechslung, das st. des daumens auf einen halben ton Ph. E. Bach art d. klavier zu spielen 1, 38. ja auch übertragung auf die entsprechenden tongebiete der instrumente selbst kommt vor: was hingegen zur rechten hand lieget (auf dem klavier) ..., steiget aufwerts und lautet feiner und hOeher J. Mattheson kleine generalbasschule (1735) 69. II@A@3@a@bβ) sondergruppen mit besonderen gramm. zusätzen als ziel- oder ausgangsbegriffen zu st. II@A@3@a@b@aaaa) einen gröszeren umfang nehmen die mannigfachen verwendungen von st. an, in denen die bezeichnung eines körpertheiles oder ein dafür substituierter begriff als grammatischer zusatz zum verbum hinzutritt. II@A@3@a@b@aa@aaαα) mit persönlichem subjectsbegriff verbunden, steht st. den unter II, A, 2, b, α, bb genannten fällen nahe: die commission arbeitet jetzt an einem Alexandercodex, sie steigt auf die schultern ihrer vorgänger K. L. v. Haller rest. d. staatsw. 1, 181; die sakermentsleiter, auf der ich in den schoos Abrahams st. wollte Schiller 2, 91 G. mit übertragung auf personificationen und bildlicher verwendung des begriffes schosz: weil ihr land ... aus dem schoos des meers gestiegen war Herder 13, 315 S.; nach jenen frohen tagen, deren morgen aus froher nAechte schoosze steigt Gotter 1, 178. noch unwirklicher und entsprechend metaphorischer: die all nackend geen, wie sy ausz muotterleib st. Seb. Franck weltb. (1534) 225a; schönstes kindlein Jesu zart, wenn du hart hast wollen liegen, wAerest in mein herz gestiegen bibl. ält. schriftwerke d. Schweiz 1, 4, 190. — ra.: was für ein narr ist unserm jungen ... in den kopf gestiegen? Rabener s. schr. 3, 268. redensartlich wirken auch entsprechend gebrauchte wendungen, die ein feindliches vorgehen bezeichnen: zu leibe st.: wir müssen ihnen (dem gesindel) zu leib st. Fr. Pocci komödienbüchl. (1859) 112. ähnl. von thieren: aber hAehnchen ... stieg der ente tüchtig zu leib k.- u. h.-märchen (1812 ff.) 1, 31. zu kopfe st.: hastu (der papst) ... mir vollens uff den kopff understunden ze stygen Äg. Tschudi chronicon helvet. 1, 25b; herr! rotte diesen schwarm und alle heuchler aus, die dir und deinem volck itzund zu kopffe steigen Hoffmannswaldau ged. (1697 ff.) 6, 293 Neukirch. synonyme wendungen (dialektisch verschieden): zum tüchlein st.: ey lasz mich du on not und schwyg, eb das ich dir zum tchlin styg! H. R. Manuel weinspiel 1376 ndr. auf das leder st.: Achilles steugt (!) ihm auff das lAeder und fieng ihn unversehner ding Spreng Ilias (1610) 290b. auf die haube st.: ich stieg ihm natürlich auf die haube briefe v. u. a. Herwegh 258. auf das dach st. ist schon im 17. jh. bekannt: Achilles (d. i. Gustav Adolf) steiget dir gewaltig auf das dach Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 303. später: da stieg ich lieber den leuten, wie der herr lieutenant, aufs dach G. Th. v. Hippel lebensläufe 3, 2, 400. in übertragender umbildung: so wie ein welscher hahn, wenn ihm ein hirte pfeift, den rothen kopf erhebt, und seine flügel streift: so stieg auch Muffeln hier das wort an seinen kragen Benj. Neukirch ged. 137. II@A@3@a@b@aa@bbββ) bei nichtpersönlichem subjecte erscheint st. am häufigsten in verbindung mit den theilen des menschlichen körpers, die gemeinhin als vermittler und träger der seelischen thätigkeit gelten oder früher als solche angesehen wurden. (schon frühnhd., erst später aber reicher entwickelt und jetzt wieder zurückgehend.) st. in verbindung mit brust und herz sagt man von jeher bes. von seelischen dingen: gedanken, gefühlen, affecten und deren äuszerungen, auch von tönen, liedern, schreien, seufzern u. ähnl. in die brust st.: und furchtbar steigt in eines weibes brust der gräszlichste von allen mordgedanken A. v. Droste-H. w. 2, 244. aus der brust st.: was seuffzer st. nicht aus der erlauchten brust v. Besser schr. 1, 274 König; die süszen gefühle ... so jung und leichtgeschwingt sie aus meiner brust stigen Schubart leben u. ges. 1, 102; da kommen gelübde aus der brust gestiegen Bettine dies buch geh. d. könig 1, 203; so stieg das lied aus seiner brust Brentano 2, 421; ein schrei stieg aus ihrer brust Storm w. (1897 ff.) 1, 166. synonym ist aus dem busen st.: dann steig aus deinem busen die volle frucht Göthe 2, 174 W. entsprechend aus dem herzen st.: so steiget alsobald des nachbarn miszgunst aus dem hertzen Reinicke fuchs (1650) 345; den trübsinn, der aus meinem herzen steigt Klinger w. 4, 216; und hörst du keinen wunsch aus ihrem hertzen st.? v. Besser schr. 2, 732 König. das gegentheil zu den letztgenannten fällen sind die schon länger veralteten wendungen zum herzen, zu herzen und, bes. frühnhd. gebraucht, in das herz st. namentlich die beiden ersten redensarten haben dabei gern den nebensinn: eindruck machen, nachdenklich stimmen. in das herz st.: das ynn des menschen hertz solch vermessenheyt hat mugen st. Luther 9, 345, 9 W.; das, welchs ... in keynes menschen hertz gesthiegen ist 10, 364, 6; mir steigt eine kleine freude ins herz Bräker s. schr. 1, 238. —zum, bzw. zu herzen st.: disz stiege ihr noch allzusehr zum hertzen, dasz ihr unstern so viel andere unschuldige mit drückte Lohenstein Arminius (1689 ff.) 1, 439b; soll euch meine schlechte rede ... durch das ohr zum herzen st. Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 33; nie war ihm sein unglücklicher entschlusz so zum herzen gestiegen Laube ges. schr. 4, 99. verhältnismäszig früh ist auch zu herzen st. bezeugt: von dem üblen ... geblüthe, so ihnen mannigfach zu hertzen steiget Amaranthes frauenz. lexicon 52; denn das man offte sihet und höret, dasselbige steiget endlich zu hertzen Reinicke fuchs (1650) 70. wem wird nicht zu herzen steigen deiner reden freundlichkeit? v. Erlach volksl. d. Deutschen 3, 369. in abgezogener form entsprechen die zuerst im 17. jh. auftauchenden, jetzt im allg. nicht mehr üblichen ausdrücke: ins gedächtnis st.: aber nun stieg dem Lykomedes alles ... wieder ins gedAechtnisz Bürger w. 254 Bohtz. zu gedanken st.: aber dasz es ernst sey mit dieser minne, stieg ihnen nie zu gedancken oder zu sinne Kortum jobsiade (1799) 3, 61. zu gemüte st.: dasz ohnzweiflich dem leser teutschen sprache bewandnisz viel anderst, als es vielleicht gemeinet, zu gemte st. kan Schottel haubtsprache 5, 12; mir sind ... bedenken zu gemüth gestiegen Leibnitz deutsche schr. 2, 143; nach und nach stieg ihr die eifersucht zu gemüthe Jer. Gotthelf ges. schr. 3, 120. mitunter auch mit dem ausgesprochenen nebensinne 'eindruck auf jem. machen, ihn in wallung bringen' (vgl.zum herzen st. und weiter unten zu kopfe st.): schweigen ist nicht iedem leichte; doch ist leichter noch verschweigen, als vergessen solche dinge, die uns zu gemüthe steigen Logau 613 E. ähnl. Leibnitz deutsche schr. 1, 207. in die seele st.: jetzo stieg der gedank in meine zürnende seele J. H. Voss Odüssee 160 Bernays. so auch noch bei G. Keller: der frieden ... stieg auch in meine seele ges. w. 1, 151. in den sinn, zu sinne st.: der dritte versz ... der mir zu sinne stieg Bucholtz Herkuliskus (1665) 1215; stiegen mir meines ... seelsorgers ... warnungen noch oft zu sinne Bräker s. schr. 1, 162. von nichtseelischen dingen: dem ... hund und hasen in den sinn stiegen 1, 162. umfangreich ist auch ein bezugnehmen auf den menschlichen kopf und seine theile. nur ein anderer ausdruck für die bisher behandelten wendungen ist ins hirn st.: stieg ... die frage mir ins hirn Storm w. (1897 ff.) 3, 249. auch von dingen, die auf die sinnesorgane einwirken: wann sie (die jungfrauen) ... das nastchlein frs maul heben, dasz der geruch nit inns hirn steig Fischart Garg. 12 ndr.; dünste, welche hernach ins gehirn st. Prätorius anthropodemus (1666) 1, 26; dem vetter scorpion stieg dieses ins gehirne dergleichen herren sind gar hitzig vor der stirne (hier mit dem nebensinn 'berauscht werden', vgl.zu kopfe st.) Lichtwer äsop. fabeln 76. sonst verbindet sich in raa. dieser gattung st. mit den bezeichnungen der einzelnen sinnesorgane selbst: töne und geräusche st. z. b. ins ohr, gerüche in die nase, gesichtseindrücke in die augen: ins ohr st.: welch ein ... päan steigt ... in mein ohr Ramler lyr. ged. 119. die scham stieg (dem mädchen) ins ohr, in die seele und zur gesellschaft auch auf die wangen Herder 3, 289 S. in die nase st.: den widrigen geruch, der uns ... in die nase steiget Breitinger crit. dichtkunst 1, 81; der würzige geruch stieg ihr in die nase Gutzkow ges. w. 6, 204. ähnl. vom dunst Raabe unseres herrgotts canzlei 2, 113. auch redensartlich im sinne von 'verdrusz erwecken': die gschicht mit der kitzgeisz steigt mir in d nasen und verdirbt mir die ganze freud Ganghofer schlosz Hubertus 1, 77 ges. w. volksausg. ähnl. 1, 239. in die augen st.: ihr (der sonne) glanz kan desto eh uns in die augen st. Hofmannswaldau ged. (1697 ff.) 2, 30 Neukirch; ein heiszes gefühl der liebe stieg ihr in die augen Frenssen Hilligenlei (1905) 384. gern wird 'in die augen st.' von thränen gesagt: dieses ware ... so entfintlich zu hören, dasz ihm auch die thränen deshalben in die augen stiegen A. U. v. Braunschw. Octavia (1685) 1, 751. ähnl. Jean Paul 7/10, 451 H. entsprechend ins auge maler Müller w. (1811) 1, 132; Pfeffel pros. vers. (1810 ff.) 5, 84. selten ist der ausdruck aus den augen st.: die Athenienser verehrten ... diese tugend als eine göttin ... aus ihren augen stiegen die thränen P. F. Sperling Nicodemus quaerens 2, 561. ebenso unter die augen st.: Thusnelden stieg ... die schamröte unter die augen Lohenstein Arminius (1689 ff.) 1, 80a. eigenartig sind weitere verbindungen von st. mit auge bei Brentano, zu st. II, A, 1, d und II C hinüberdeutend: die thränen stiegen ihr in den augen 5, 317; wie seine augen voll thränen stiegen, da er Isidoren ansah 7, 129. st. in verbindung mit lippen und mund eignet u. a. der stimme und ihren äuszerungen: von ihren lippen stieg ein stilles dankopfer gen himmel Pfeffel pros. vers. (1810 ff.) 7, 159; aus den rothen lippen des weibes stieg ein seufzer Storm w. (1897 ff.) 5, 188; heroische verse st. auf ihre lippen H. v. Kahlenberg Eva Sehring 5. vgl. auch: sein (des pulvers) donner übertäubt die luft, die aus dem munde steigt und ruft: 'es lebe Carl!' Stoppe Parnasz (1735) 7. mit anderen subjectsbegriffen: eine grosze portion galle, die ihm tagsüber ins maul gestiegen Lenz ges. schr. 1, 17 Tieck; und auf des täuschers bleichen mund ein lächeln steigt zu dieser stund A. v. Droste-H. w. 2, 26. redensartlich bedeutet das wasser steigt mir zu munde so viel wie 'appetit bekommen' vgl. Blumauer ged. 165. andere theile des kopfes: stirn, schläfen, wangen, auch das ganze gesicht dienen mit den präpositionen auf, in, über vorwiegend dem ausdruck die röte steigt und ähnl. wendungen als angabe des zieles: stieg eine schnelle freude auf ihre stirn Ramler einl. (1758) 2, 324; steigt ... das feuer in die stirne J. J. Bodmer crit. schr. 1, 78; bis in die schläfen steigt ihm die verlegene röte Wundt Matterhorn (1916) 62; da sah ich ... ein roth in seine wangen st. Stifter w. 1, 319. ähnl. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 100; das feuer stieg ihn (vor zorn) ins gesichte Ziegler asiat. Banise (1689) 286. ähnl. Göthe 21, 73 W.; röthe ... stieg auf ihr antlitz Laube ges. schr. 2, 180, über ihr blasses gesicht Alexis ruhe ist d. e. bürgerpflicht (1852) 1, 34, farbe ... in ihr gesicht H. v. Kahlenberg familie Barchwitz 2. entsprechend wird der den eben genannten wendungen zugrunde liegende physiologische vorgang durch das blut steigt wiedergegeben: Ottos blut stieg feurig auf die wangen (aus scham und ärger) J. E. Schlegel w. 4, 35. ähnl. aus stolz Schiller 5, 1, 8 G., aus stolzer bescheidenheit A. v. Droste-H. Walther (1879) 215; kinder, denen das blut ins gesichte steigt Gellert s. schr. 7, 126; Ranke s. w. 3, 171, in das antlitz G. Freytag verl. hs. 2, 96. st. in verbindung mit haupt und kopf. auch das wird vom st. des blutes gesagt, anscheinend eine vergleichsweise moderne ra., die bisweilen nur den rein physiologischen vorgang zum ausdruck bringen will: und schwindelnd bei dem sauren beugen fühlt er das blut zum haupte steigen A. v. Droste-H. w. 2, 36. ähnl. C. F. Meyer Jürg Jenatsch 211; das blut steigt mir zum kopfe Iffland theatr. w. 1, 202, in den kopf Bettine dies buch geh. d. könig 1, 150, zu kopfe Arnim w. 16, 61 Gr.; Immermann 2, 124 B. es macht fast den eindruck, als ob solche raa. alten wendungen nachgebildet sind, die mit dem bildlichen bewegungsvorgange zugleich die nebenbedeutung des 'berauscht werdens' verbinden. von alkoholischen getränken: der herr Christus sich besorgt, der wein solt ... ins haupt st. J. Nas antipap. eins und hundert (1567 ff.) 1, 105b. ähnl. zu dem haupte Petrus de Crescentiis 63a. noch bei Tieck: der wein ist euch zum haupt gestiegen schr. (1828 ff.) 1, 100; wem das bier ... nit in kopff steiget J. Mathesius Sarepta (1571) 193b. ähnl. Bräcker s. schr. 1, 68; zu kopfe Happel akad. roman (1690) 557; Arnim w. 6, 174 Gr. andere getränke: das mir das wasser (in Karlsbad) mehr als sonst zu kopfe steigt und auf die augen wirkt Göthe IV 29, 264 W. dämpfe und dünste: die dAempff st. in das haubt Scheit Grob. 345 ndr. da stigen ir die dünst von den newen wein und dem essen in kopff Val. Schumann nachtb. 43 B. ähnl. ollapatrida 363, 26 Wiener ndr. vgl. auch als ihnen aber der rebengeist zu kopfe stieg Langbein s. schr. 31, 133. sonstiges. bestimmte subjectsbegriffe: stiege ir ein schmertzen und wehe in das haupt Warbeck Magelone- 46 B. dem könig ist Hellas in den kopf gestiegen Börne ges. schr. 13, 63. ebenso: dieser lyrische hauch Laube ges. schr. 1, 110, der sieg Alexis Roland v. Berlin (1840) 3, 381, das geschwätz Raabe Horacker (1876) 119, die volksgunst Treitschke dtsch. gesch. im 19. jh. (1879) 1, 344. subjectsbegriffe allgemeinerer art: wenn man guten wein hat, so trinkt man seines mädchens gesundheit, das steigt in den kopf samml. v. schauspielen (1764) 7, 81; es steigt ihm gleich alles zu kopf Bauernfeld 2, 116; mein herz duftet schon so stark, dasz es mir betäubend zu kopfe steigt Heine w. 3, 78 E.meistens gilt in den typen mit nichtpersönlichem subject st. von allgemein seelischen, im besonderen auch gedanklichen dingen. so konnte sich hier der eigenartigefall entwickeln, dasz der gedankeninhalt eines ganzen satzes als subject zu st. construiert wurde, sei es in der form eines infinitivausdruckes oder eines vollständigen nebensatzes; selten und veraltet: als Moses viertzig jar alt war, steig es in sein hertz, zu besehen seine brüder Luther 16, 27, 21 W.; die natur zu meistern, steigt meines gleichen nie zu sinn Wieland d. verkl. Amor 1, 129 (var.); ihm war ... zu sinne gestiegen, dasz es ihm nicht allzu rühmlich sey, wenn Hüon seine braut dem recken abgewinne Oberon 3 str. 47. aber dasz es ernst sey mit dieser minne, stieg ihnen nie zu gedancken oder zu sinne Kortum jobsiade (1799) 3, 61. ähnl. noch bei Grillparzer: er (der kunstrichter) steht am gestade der poesie, und schaut, wie sie schäumt durch die riffe, er schaut, bis ihm schwindelnd zu kopfe steigt: sie stehe, er selbst aber schiffe 3, 82 S. st. in verbindung mit bezeichnungen anderer körpertheile ist bei subjectsbestimmung durch einen sachbegriff selten: gesegnet sey das licht, da die verlangte frucht den ausgang der geburt mit eigner hand gesucht, mit eben dieser hand, die einst der nachwelt zeigt, dasz ihrer sehnen krafft aus Wilhelms (des königs) lenden steigt Pietsch geb. schr. 107. mehr redensartlich: die gicht soll mir auf der stelle in den magen st. Raabe hungerpastor 3, 95; die achtundachtzig jahre, ... werden mir wirklich ... auf den rücken st. A. v. Droste-H. br. 119 Schücking. vereinzelt bezeichnet der gramm. zusatz zu st. den ganzen körper, bzw. die person selbst: als vnglück ist gar in in gestiegen H. R. Manuel weinspiel 1647 ndr. II@A@3@a@b@bbbb) in religiöser redeweise verbindet sich st. von jeher gern mit himmel und eignet besonders den engeln, Christus und gott: engil steig fon hímile ahd. Tatian 217, 1; dû, Christe, stíge ze hímele Notker 2, 258, 1 P. vgl. auch in verwandtem zusammenhange: hímil séhet ir indân,thie éngila ouch hera nídargân. ni múgut iz bimîdan,sehet ir se stîgan hérôt inti thárasunubar den mennisgen sún Otfrid II 7, 74. mhd. und später: (im comp.:) er sach ouf und nider stiegen engil Milst. genesis d 54, 3; herr Jesu Christe, der du ... bist ... zuo hymel gestigen Luther 10, 2, 475, 36 W.; dann stieg er (der seraph) gen himmel Klopstock Messias 3, 47; wer stieg gen himmel und stieg hinab? Herder 12, 187 S. ebenso von heiligen und anderen menschen: sanct Paulus ... der in den dritten hymmel stayg J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 153; sind sy (die ketzer) zum letzten in himmel gestiegen Zwingli dtsch. schr. 1, 128; er (der weise) zeigt, dasz er ... im geiste nach dem himmel steigt Benj. Neukirch ged. 7 d 4a. auf die seele des menschen übertragen: meine seele ... steigt nun bis zum himmelschor Paul Gerhard in Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 355a. vgl. schon mhd. in ähnl. form: sîn muot niht wan ze gote steic Rudolf v. Ems Barlaam 319, 34. von anderen subjectsbegriffen: da diu deumuot hin ze himele stiget Rolandslied 125, 10 Gr.; gotes prot steygt von himel Berth. v. Chiemsee tewtsche theol. 488; die fromkeit ... die von dem himmel steiget J. Grob dichter. versuchsg. 60; der ... wundermensch, dem sonn und mond zu gefallen vom himmel st. Grimmelshausen 4, 727 Keller; wie steigt ... deine gab ... aus deiner ... höhe Paul Gerhard a. a. o. 3, 433. auszerchristlich. von antiken göttern: ein starck und grosz gebäude, ... in dem die götter selbst vom himmel prächtig steigen Chr. Warnecke poet. vers. 410; so hat mir zuweilen geschienen, als würde er (Apollo von Belvedere) anfangen, schwebend zum himmel zu st. Solger nachgel. schr. 1, 78. in heidnischen vorstellungen: die leiter, auf welcher häuptlingsseelen in den himmel st. Ratzel völkerkunde 2, 129. ggs. zur hölle st.: ich glaube, das er (Jesus) tzu der helle ist gefaren odder gestigen 2 ält. katech. 31 ndr. von der antiken unterwelt: wir muossen zuouor inn die hell st. Schaidenreiszer Odyssea (1537) 45a. II@A@3@a@b@cccc) zu grabe st. — ins grab st. oder ähnl. ist schon in früher zeit eine umschreibung für sterben: Andreucze ... in das grab steyge Arigo dekam. 88, 27 K.; wenn sie (Cleopatra) ins grab ... steigt Lohenstein Cleopatra (1680) 2, 118. in neuerer zeit: Catharina sey ... vom throne ins grab gestiegen Göthe IV 9, 287 W.; die ... aufhetzer stiegen einer nach dem andern ins grab Mommsen m. gesch. 2, 43. seltener ist die präposition zu: ich weisz ... wie er (Kretin) ... zu seinem grabe steiget Hoffmannswaldau ged. (1697 ff.) 1, 9 Neukirch. in formelhafter erstarrung: getröstet können wir zu grabe st. Schiller 14, 383 G. ggs. aus dem grabe st.: hundertfältig st. die geister der geschichte aus dem grabe Göthe III 1, 310 W.; dann steig ich gewaffnet hervor aus dem grab, den kaiser, den kaiser zu schützen! Heine w. 1, 40 E. synonym: aus der gruft st.: kam je ein leichnam aus der gruft gestiegen? Schiller 4, 29 G., aus dem gruftgewölbe 12, 412 G. aus den särgen st.; die todten st. aus den särgen Grabbe w. 1, 63 Bl. aus der asche st.: der ganzen welt geschicht musz meinen rum bezeugen, sollt Helena auch selbst aus asch und grube steigen Postel bei Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 183; Frankreich steigt ein neu verjüngter phönix aus der asche Schiller 13, 258 G. gern hat der ausdruck auch religiöse färbung: gott stieg aus seinem grabe F. L. Mittler 303; wir ruhn, und steigen grosz und klein, gestärkt aus unserm grabe Voss Luise 1, 499. ähnl. Händel steigt aus dem grabe Archenholz England u. Italien 1, 147. II@A@3@bb) neben den vorstehenden sondergruppen, deren eigenart in der besonderheit ihrer subjectsbestimmungen, bzw. ihrer grammatischen zusätze liegt, stehen wendungen, die systematischer, als es in einzelheiten bisher der fall war, bedeutungsspielarten aufweisen. II@A@3@b@aα) ganz vereinzelt ist st. in 'sich in etwas zertheilen': gleichwie ein junger roszmarin ... zuletzt in so viel zweige steigt, König ged. (1745) 98. II@A@3@b@bβ) st. nach 'etwas zu erringen, zu erjagen suchen' gehört mehr der älteren sprache an. mhd. vgl.: wâ der schaz hin wêre, nâch dem im sîn wille steic passional 380, 7 K. zunächst ganz sinnlich in der bedeutung von st. I: Affricanus setzt ölbAeum, ... Hercules setzt eychen ..., Maximilian steigt nach gemsen Fischart Garg. 293 ndr.; da einige jungen nach spatzennestern stiegen maler Müller w. (1811) 1, 303. in mehr bildhafter verwendung: wer uff syn eygnen synn uszflügt der selb zuon vogelnAester stygt, das er offt uff der erden lygt Brant narrensch. 38, 36 Zarncke; der naturmensch steigt ... nach den sternen Heräus ged. u. lat. inschr. 242; schAetze ..., wornach ein Cromwell selbst durch blut und trmmern steigt Schwabe belust. 3, 389. — ra. nach fremden nestern st.: hingegen ist der mann auch seinem weibgen eigen, er darff nun weiter nicht nach fremden nestern steigen Henrici ernst- scherzh. u. sat. ged. (1727 ff.) 1, 393. mit angabe eines nicht sinnlichen zieles: vor dem hertzogen er sich neigt, als einer der nach gnaden steigt pfarrer v. Kahlenberg 6, 120 ndr.; weisheit mit kraft verbunden ist wie eine seltene erscheinung ... man setzt gewöhnlich diese zu, indem man nach jener steigt Klinger w. 11, 332. vgl. auch das comp. nachst. (th. 7, sp. 137), bes. in der wendung den mädchen nachst., einem ausdrucke der studentensprache und des volksmundes: nchsteign, den frauenzimmern nachlaufen Hügel 111. II@A@3@b@gγ) st. über 'übertreffen, über etwas hinausgehen, etwas überwinden'. schon ahd. das comp. ubarstîgan in dem hier geltenden sinne: Otfrid V, 7, 26; Notker 2, 253, 15 P.; mhd. belege im mhd. wb. 2, 2, 631 unter überstîge, aber auch: ir vreude steic ob ir clagen passional 99, 5 K. nhd. mehr auf die ältere epoche beschränkt: II@A@3@b@g@aaaa) von personen: alszo steygt der Endchrist ubir gott Luther 7, 175, 3 W. determiniert: der componist Jomelli steigt in dieser arie weit über den dichter Heinse 5, 20 Sch. in etwas anderer fassung: der weg, auf dem man über sternen steigt Gryphius trauersp. 708 Palm; mit abgezogenem object: steig ja nicht über dein vermögen B. Ringwaldt evangelia (1646) E 3a. II@A@3@b@g@bbbb) von thieren: so hort man die vOegel ... mit lieblichem gesang zuosammenstimmen, gleich als wann ... einer über den anderen vermeint zuo st. und mit gesang obzuoliegen Wickram 2, 140 B. II@A@3@b@g@cccc) von sachbegriffen: die grösze meiner schuld ist über mich gestiegen P. Fleming dtsch. ged. 1, 6 L.; das sszeste, so an dir ist, musz ich, ungerne zwar, verschweigen, doch kann es ber alles steigen Stieler geharnschte Venus 137 ndr.; ich sage, was fast ber alle vernunft steiget A. U. v. Braunschweig Octavia (1685) 1, 92; also ist die vollkommenheit etwas, so über die gesundheit steiget Leibnitz deutsche schr. 1, 422. so gelegentlich noch im 19. jh.: die höhe der seedeiche steigt auch nur um wenige fusz über die der übrigen Allmers marschenbuch 22. überhaupt hat sich diese verwendung des verbums in der heutigen sprache dann am ehesten gehalten, wenn st. zugleich eine zunahme der grösze oder der intensität des subjectsbegriffes andeutet und somit nach II, C hinüberweist. vgl. noch: sei die ungeduld ... über alle grenzen gestiegen Brentano 4, 271. von zahlenbegriffen: diese zahl war 1758 auf über tausend gestiegen Justi Winckelmann 2, 1, 177; ähnl. Brunner erz. u. schr. 1, 132; die temperatur im zimmer will ... nicht über 6½ grad wärme st. Moltke ges. schr. 4, 103. — II@A@3@b@g@dddd) ra. über den kopf st.: dasz die europäischen angelegenheiten ... anfangen mir über den kopf zu st. Börne ges. schr. 10, 182; ähnl. die arbeiten Jac. Grimm anzfda. 16, 242. vgl. dazu aus älterer zeit: die witz steigt drey spannen ber den kopf, nimium sapere, plus justo, ultra peram sapere Dentzler 354b. II@A@3@b@dδ) schlieszlich seien noch einige fälle zusammengestellt, in denen st., mit verschiedenen präp. verbunden, den besonderen sinn eines 'sich geistig beschäftigens', eines 'wohin gelangens' und 'sich zuwendens' in geistiger arbeit bedeutet, vgl. die fälle unter II, A, 2, b, α, cc, mit denen die folgenden nachweise in enger verbindung stehen: bei allgemeinerer zielangabe: nachdem wir bis hierher in unserer rede gestiegen sind Schleiermacher Platon 6, 261. mit angabe eines bestimmteren zieles: sodann st. wir von den kleinen geselligen verknüpfungen zu den höheren und mächtigeren K. L. v. Haller rest. d. staatsw. 1, XLIX; auf die weise steigt man in die tiefen der geschichte Herder 3, 395 S.; ins gebiet der töne 22, 62 S.; in die menschliche natur Solger nachgel. schr. 1, 9; mit dem ersten januar stieg ich (beim studium des menschlichen körpers) aufs schlüsselbein, verbreitete mich auf die brust und so weiter Göthe IV 8, 329 W. vgl. auch unter stärkerer annäherung an st. I: verlassen wir den deich und st. ins land, dann sind wir erst im eigentlichen reiche der gräser Allmers 3 marschenbuch 114. neben dem simplex stehen in solcher verwendung die comp. herauf-, herabst. u. ähnl.: durch alle diese betrachtungen st. wir zuletzt zum menschen herauf Göthe II 8, 22 W.; st. wir von da zu den unausgebildeten pflanzen herab, so scheint sich der unterschied zu verlieren II 6, 74 W. ein anderes, wenn auch ähnliches 'sich zuwenden' bei Seb. Franck: Philippus war den ROemern seer feinde, dann er sahe, das die statt st. wolt, zu auszrottung aller könig und potentat chron. Germ. (1538) 131. II@BB. ohne die bisher betrachteten bewegungsarten bedeutet st. so viel wie 'emporragen', indem die sprache auf die im st. überwundene erhebung die thätigkeit des überwindenden subjects überträgt. im ahd., mhd. anscheinend noch nicht vorhanden, auch frühnhd. noch selten, erst seit dem 18. jh. reicher entfaltet. II@B@11) vornehmlich vom naturbilde der landschaft gebraucht und den erhebungen in ihr. II@B@1@aa) zunächst von dingen, die ohne weiteres als dreidimensional gedacht werden. II@B@1@a@aα) ganze gebirge: st., immer höher werden. so sagt man von dem gebirge wenn es aus dem thal hinaufwärts steiget. das st. des gebirges wird in ein sanftiges, das unvermerkt höher wird, und in ein stückliches oder jähes, wo das gebirge lachter vor lachter sich erhöhet, eingeteilt Jacobsson 4, 273b; dasz das erdtrich ... grausamlichen hoch übersich gegen dem himmel steigt Seb. Münster cosm. (1564) 3; da das apenninisch gebirg-erstlich in die hOehe steiget Stumpf Schweizerchron. (1606) 8b; gegen westen zieht steigend die Plattenschneide zu einer unbedeutenden erhebung hinaus H. v. Barth aus d. nördl. Kalkalpen 403. II@B@1@a@bβ) berge, felsen, inseln u. ähnl. berge und felsen: hoige berghe, stigende in die wolken pilgerf. d. ritters v. Harff 149; hinten an ... steigt der felsen in die höhe Göthe 6, 20 W. übertragen: der dichter ... musz vergnügen erwecken und nutzen bringen. und hier st. zween erschreckliche berge in die höhe, welche zu erst., gleichsam keinem gelingt Heinse 3, 459 Sch. hügel: ein steigender hügel rettete noch den rest Bürger 277 Bohtz; ein ... hügel, der aus dem thale steigt J. J. Dusch verm. w. 55. im besonderen vom grabhügel: oder wenn ich den fall eines der blühenden heldensöhne beseufzte, dem im felde sein hügel stieg Denis lieder Sineds 126; wo sein gebeugter Gleim thränen ... auf den steigenden hügel gosz Hölty ged. 57 Halm. auch von bodengestaltungen, die von wasser begrenzt oder ganz umgeben sind, indem sich hier in die vorstellung des 'emporragens' noch der besondere nebengedanke eines tatsächlichen emportauchens aus dem wasser mischen mag (vgl. die beispiele unter II, A, 2, c, β, aa). küsten: jene lange blaue küste, die ... in den ocean steigt Laube ges. schr. 4, 122. klippen: eine aus dem wasser steigende klippe Manson seebuch 8; inseln: von steigenden inseln Klopstock oden 2, 114, 12 M.-P.; würdest du die insel Capri aus den fluthen st. sehen Klinger w. 1, 309. mit metonymischer verwendung von hügel für insel: der see, welcher itzt breit, dann, versteckt wie ein strom, rauscht an des walds hügeln umher, selber von steigenden hügeln voll, auf denen im rohr die moräne weilt Klopstock oden 1, 197, 5 M.-P. II@B@1@a@gγ) vom pflanzenwuchs, wobei im einzelfalle mehr oder minder bewuszt auch die bedeutung 'emporwachsen', 'sich emporheben' in den begriff des verbums hineinspielen mag. ganze wälder: ihr steigenden wälder maler Müller w. (1811) 1, 18. weniger wörtlich: zur wolke st. ... der deutschen dichter haine Klopstock oden 1, 161, 13 M.-P. bäume: wie kertzengrad st. sie (die bäume) in die luft S. v. Birken forts. d. pegnitzschäferei 2; mitten aus diesem brunnen kahm ein indischer palmbaum über sich gestiegen Zesen rosenmând (1651) 193; die ... fichte steigt J. A. Schlegel verm. ged. 1, 61; die ceder steigt bis an der wolken rand F. Kind ged. 1, 51. vgl. auch im nd.: recht as een palmenbohm äver sök stöcht bei S. Dach 420 Ö. andere pflanzen und pflanzentheile: ein vermischtes braun, aus welchen gras und kraut fast allenthalben steiget Brockes ird. vergn. (1721 ff.) 4, 12; seine (des baumes) wurzeln stiegen in den abgrund Jean Paul 21, 29 R.; nebst den beglückten lorbeerzweigen, ... die statt des öhlbaums sprossend steigen Weiszkern Samson 1, 4. bei manchen pflanzen ist steigend auch ein bestandtheil des wissenschaftlichen oder volksthümlichen namens, hier freilich wohl öfters mehr das 'emporwachsen', als das 'emporragen' bedeutend: securidaca volubilis steigender bailstrauch Dietrich vollst. lex. d. gärtnerei u. botanik 9, 38. vgl. auch die mit steig zusammengesetzten pflanzennamen unter den comp. von st. anhang.bei weiteren belegen, die st. ebenfalls stärker im sinne des 'emporwachsens, sich emporhebens' betonen, mischt sich mitunter in die so gestaltete bedeutung auch noch die vorstellung von einer materiellen zunahme (vgl.st. II, C): nicht anders dringt und steigt die blüte wie der tag Jac. Grimm kl. schr. 2, 371; weil dieses gewAechse (spargel) allezeit steiget, so musz man es mit der erden und etwas mist berschtten v. Hohberg georg. cur. aucta (1715) 3, 392a. wieder liegt mehr der ton auf dem 'emporwachsen' in folgenden fällen: wann die samen anfahen in die Aehren zu st. Sebiz feldbau (1579) 52; dasz sich ein schwacher baum durch sttzen aufwAerts zieht, der ohne diese kraft, durch die er nur kann steigen, sich sonsten gantz verschmacht zur erden wrde neigen Benj. Neukirch ged. 158; in übertragener verwendung: von keimen, die zum lichte wollen steigen, ist hoffnungsvoll des landes schoosz bewegt Rückert w. (1867 ff.) 1, 119. II@B@1@bb) von mehr flächenartigen oder doch als flächen wirkenden gebilden der landschaft, auch unter verwendung einschlägiger compp. des verbums: wir sahen ungeheure gletscher herunter ins thal st. Göthe IV 4, 129 W.; saftige wiesen st. links und rechts hügelan Laube ges. schr. 3, 159: von der Flensburger bucht steigt ein thal aufwärts Moltke ges. schr. 7, 24. II@B@22) st. von werken menschlicher arbeit im gelände der landschaft. II@B@2@aa) entsprechend gilt st. von wegen, straszen u. ähnl.: eine weile steigt der weg über matten Göthe IV 4, 84 W.; sie (die heerstrasze) steigt nie zu schnell in die höhe A. G. Meiszner skizzen 1, 42; die strasse ist im beständigen st. und fallen Moltke ges. schr. 1, 219; kleine sträszchen stiegen nach beiden seiten v. Kahlenberg Eva Sehring 104. übertragen: deines ruhmes steigende bahn Mastalier ged. (1774) 104, 12; ähnl. von des schicksals ... bahn Körner w. 1, 133 H. bes. ist st. in diesem sinne schon früh von den gängen eines bergwerks gebraucht worden: st., man sagt dieses .. auch von den straszen eines grubengebäudes, wenn sich der boden mit seinem einen ende immer mehr und mehr von dem zentro der erde weiter wegzieht und entfernet Jacobsson 4, 273b; das er die wasserseige (d. h. die sohle oder den boden eines stollens) nicht st. lasse uber stolns gebrauch, da in hundert lachter nur eine st. sol, damit das wasser fortgehe Mathesius Sarepta (1571) 21a; zu gleicher weisz seindt under den schwäbenden gAengen etliche, die sich seiger gericht, andere aber die sich flach, auch andere, die sich steigendt und fallendt auszbreiten Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 44. II@B@2@bb) werke der baukunst. II@B@2@b@aα) ganze städte: wer träte aus den öden, wüsten steppen der Tartarei, wo nur der jäger schwärmt, ... und sähe rings die saatgefilde grünen und hundert volkbelebte städte steigen Schiller 13, 395 G. II@B@2@b@bβ) einzelne bauten und ihre theile. sah ich ein gebäude mit stufen in die höhe st. J. J. Dusch krit. u. sat. schr. 157. besonders so von schlössern und gotteshäusern: paläste von marmor st. dort hoch in die wolken Geszner schr. (1777 f.) 1, 59; er (der Kölner dom) steigt A. v. Droste-H. w. 1, 59; unter einwirkung der bedeutung 'sich heben': und so fest und ungebeuget stehet ihrer tugend zier als einst fromm ein tempel steiget aus des brands ruinen hier Brentano 3, 304. in verbindung mit streben: es (das schloss am meer) möchte sich nieder neigen in die spiegelklare flut; es möchte streben und steigen in der abendwolken glut Uhland 1, 150 krit. ausg. übertragen: und wenn der freiheit tempel aus dem leide neu steigt durch sie (Preuszens frauen) Rückert w. (1867 ff.) 1, 17. türme: die türme, die vorhin bis an den himmel stiegen, wurden also niedrig, dasz man auf ihren spitzen gehen konte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 1049; als der kirchturm von weitem aus dem gehölze stieg Schiller 4, 68 G.; ähnl. Schneckenburger dtsch. lieder 24. sonstiges: er (der obelisk) steigt in verschiedenen stockwerken in die höhe Göthe 33, 9 W.; der grosze gartensaal ... der in einer wucht die drei etagen hindurch bis ans dachparterre stieg Laube ges. schr. 4, 130; und zwischen alle dem ... st. die stolzen treppen 4, 26; stiegt die bühne Freytag ges. w. 3, 115. vgl. auch den zimmermannsspruch: und muth, auf steigenden gevieren herum zu klettern und die last der letzten balken zu regieren, bis jeder in das ganze paszt E. Baumeister zimmermannsspr. 30. II@B@2@b@gγ) öfters wird st. von bauten auch im sinne eines stufenmäszig sich vollziehenden und fortsetzenden emporragens gebraucht und nähert sich somit stark der bedeutung II A und II C: zusehens steigt das werk an unterschiednen stellen v. Besser schr. 1, 53 König; es steigt der neue bau mit einer jeden stund König ged. (1745) 24. ähnl. 25; so steigt nach und nach das beabsichtigte (bauwerk) in die höhe Göthe 25, 122 W.; es formt sich der altar, der eingang steigt. und als der achte tag sich heimwärts neigt, sieht den geheimniszvollen bau er enden A. v. Droste-H. w. 2, 256. II@B@33) sonstiges. II@B@3@aa) st. von theilen des menschlichen körpers. II@B@3@a@aα) steigender busen, im 18. jh. aufkommend und fast immer von der weiblichen brust gebraucht: der busen steigt, wenn er sich beim athemholen, seufzen u. s. w. erhebt und ausdehnt Heinsius 4, 771b. ein harnsch deckt deinen schlanken leib, und deine zarte brust; o böser harnsch! itzt seh ich nicht, wie sie sanftschmachtend steigt. Geszner schr. (1777 f.) 1, 119; an meines mädchens seite sitz ich, ihr aug spricht lust, und unter neidscher seide steigt fühlbar ihre brust Göthe 4, 53 W.; was erreget zu seufzern der jungfrau steigenden busen? Schiller 9, 196 G.; das wallen des busens, der ängstlich steigend sich hebt maler Müller w. (1811) 1, 147; die büsche lauschten und die lüfte schwiegen, um nicht die süsze rose zu erwecken, wie ihres busens füllen athmend stiegen Rückert w. (1867 ff.) 3, 164. deutlicher noch zeigt sich diese bedeutung des verbums in seinen comp. auf- und niederst.: voller angst und auf und nieder steigt der busen Göthe 11, 252 W. andrerseits auch ohne den begriff des 'auf- und abwogens': in hoffnungsfülle ihr busen steigt Göthe 16, 128 W.; der blendenden glieder gluthathmendes leben, des busens steigende fülle spottet der hülle F. Kind ged. 2, 32. in allg. gebrauche nicht auf die weibliche brust beschränkt, entspricht steigende brust dem steigenden herzen vgl. II, A, 3, a, α, bb. II@B@3@a@bβ) ähnl. in seiner bedeutung schillernd, wird dieses st. auch sonst gelegentlich von körpertheilen gebraucht: ein runder arm, ein hals der fleischigt steiget Hagedorn poet. w. (1769) 2, 192; die nase steigt ... grad durchs gesicht Gleim br. 1, 364 Körte; nasen ..., die in den wind st. maler Müller w. (1811) 2, 123; die steigenden adern bluten todesangst aus Klopstock Messias 5, 636. zu II C hinüberdeutend: jarl Irold sprachs; der könig schwieg, auf der stirn ihm grimmig die ader stieg Strachwitz ged. (1850) 47. veraltet ist in diesem zusammenhange das von der wehenthätigkeit der gebärmutter früher gebrauchte st.: darvon (von der arzenei) gib ..., (wenn) die mutter st. will, 2 lOeffel voll Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 25. ähnl. auch aufst.: das auffst. der mutter uteri strangulatio Steinbach 2, 701. vgl. th. 1, sp. 749. II@B@3@bb) vermischtes. st. 'hinaufreichen' von kleidungsstücken: filzhüte, mäntel trugen sie, stulpstiefel, steigend übers knie A. v. Droste-H. w. 2, 171. st. wieder mehr im sinne von 'emporragen': näher und fürchterlich näher die verfluchte maschine (d. h. der galgen) ..., im glanz der morgensonne steigend Schiller 2, 93 G. überhaup tscheint Schiller diese ausdrucksweise gern verwendet zu haben: in die tiefe der tiefen, wo dein thron steigt eroberer! 1, 43 G.; in jeder gasse stiegen ehrenbogen 13, 201 G. von sich krümmenden, wölbenden linien wird st. auch sonst, und zwar schon früh gebraucht: so man sie (die zirkellini) aber steygen macht ... so wirt eyn schlangenlini darausz A. Dürer messung A 2b. entsprechend von den gewölbten augenbrauen: seine steigenden augenbrauen Brentano 5, 444. II@CC. die letzte, aber sehr umfangreiche bedeutungsspielart des verbums in bildhafter verwendung unterscheidet sich von den bisher erwähnten dadurch, dasz mit st. gleichzeitig eine zunahme des subjectsbegriffes in irgendeiner richtung verbunden ist: crescere zunemen, wachsen, st. sich bessern überhand nehmen Faber thes. 214b. so schon ahd. und mhd., doch gelangte dieser gebrauch erst seit dem 18. jh. zu besonders reicher entfaltung. nicht mehr lebendig ist ein derartiges st. in verbindung mit einem ganzen satze als subjectsbegriff: durt ists im st. gewest, das diabolus hat wollen multos seducere Luther 17, 1, 51, 12 W.; selten ist in diesem zusammenhange auch die ausdrucksweise übersich st., die, überhaupt auf die ältere zeit beschränkt, häufiger st. 'sich nach oben heben' entspricht (vgl. II, A, 1 u. 2): das sehen wir in elementen, wiewol dieselben von natur widereinander sein, noch machen sy sich zesamen in wachsunden dingen, und st. uber sich durch empfindlich leben bis zum menschen Berth. v. Chiemsee tewtsche theol. 72; darnach schleusz ein cubum c. l. m. n., der helt zwey mal so vil innen als der cubus c. d. e. f. disz steyget so oft im dupliren ubersich, als du es machen kanst A. Dürer messung O 1a. ebenso vereinzelt der ggs. untersich st. abnehmen: wan das kind widder kind hat, da steigt die lieb unter sich, uud geht sehr ab der lieb ... gegen die eltern Luther 6, 251, 31 W. im gebrauche von st. 'zunehmen' sind weiterhin zwei verschiedene arten zu unterscheiden. einmal erfährt der grammatische, zu st. gehörende subjectsbegriff unmittelbar eine zunahme, eine mehr äuszere an umfang, grösze u. s. w., oder eine mehr innere an intensität, z. b. steigender reichtum und steigende kraft. mehr der vergangenheit eignet demgegenüber ein anderes st., dessen subjectsbegriff nur mittelbar, d. h. in irgendeinem ihm anhaftenden accidens, die steigerung erfährt, z. b. menschen und länder st., wo eine zunahme etwa des ansehens der in frage stehenden gemeint ist.grammatische zusätze zu st. werden in diesem zusammenhange mehr oder weniger nothwendig, um ausdrücken wie der mensch steigt erst die nothwendige begrenzung zu geben. ohne grammatischen zusatz stehen solche wendungen der spielart st. II, A, 2 noch verhältnismäszig nahe, weshalb sie die brücke von dort zu st. 'wachsen, zunehmen' bilden können. II@C@11) st. ohne zusatz. II@C@1@aa) mit nur mittelbarer zunahme des subjectsbegriffes, wobei es sich um ein wachsen der materiellen und geistigen macht handelt. II@C@1@a@aα) von personen: ahd.: súndige gestîgent (kommen vorwärts, in die höhe) Notker 2, 130, 28 P. ähnl. ûfstîgen mhd.: welt ir und diu muoter mîn mir teilen iwer varnde habe, so stîge ich ûf und ninder abe Wolfram v. Eschenbach Parz. 9, 22. später: gott ... der in (den papst) also hat lassen ... st. J. Sleidanus reden 62 lit. ver.; sachte steigen das ist sicher, und hat besser ein geschikk, fusz fr fusz zu ehren kommen: denn so weicht der neid dem glkk Neumark neuspr. teutsch. palmb. (1668) 349. reichlicher im 18. jh.: ein praler steigt Benj. Neukirch ged. 128; heuchler st. Schönaich Heinr. d. vogler (1757) 10; narren st. oft Gellert s. schr. 1, 280; von amt zu amt flog Helva; schneckengleich stieg Docken A. G. Meiszner skizzen 1, 2; dasz man ... eben so sehr durch ränke ... steigt Gerstenberg schlesw. lit. br. 119, 15 dld. 29; Fieskos schande macht keinen Kalkagno bei mir st. Schiller 3, 48 G.; 12, 263 G.; mit der nachricht meines steigens (d. h. des vorwärtskommens im offiziersberufe) Hauff w. (1890) 5, 70, 38; er fühlte die kraft in sich, zu st. (d. h. im amte vorwärtszukommen) M. Meyr a. d. Ries (1868) 2, 82. II@C@1@a@bβ) von menschlichen gemeinschaften. familien: swâ ein künne stîget, daz ander nider nîget Freidank 117, 26; bekanntlich stieg das geschlecht der herren von Büren im kampf gegen die päpstliche partei Nitzsch dtsche studien 42. ganze völker: die zeichen ihres (d. h. der völker) sinkens oder steigens E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 2, 357; seit Luther st. wir Börne ges. schr. 7, 307; der Franzose ... dem Deutschen gegenüber ... stieg gewaltig Dahlmann frz. rev. 4. entsprechend auch von synonymen begriffen, ländern, staaten und städten: er (gott) gibt einem jeden lande seine zeit zu wachsen und zu st. Luther 16, 5, 12 W.; ein nicht mehr steigendes reich Lohenstein Arminius (1689 ff.) 2, 1066; Anhalt wachse! Anhalt steige Gottsched ged. (1751) 1, 319. ähnl. wohl auch: unterdessen wanderte die welt durch tausend verwandlungen, ... throne stiegen — stürzten ein Schiller 3, 581 G. sonstiges. von militärischen formationen: so trete denn der rechte flügel an! des feindes linke, eben jetzt im steigen, soll, eh sie noch den letzten schritt gethan, der jugendkraft geprüfter treue weichen Göthe 15, 1, 265 (Faust 10504) W. anwachsen der zahl: die population ist im st. Ritter erdkunde 2, 677. ähnl. Ranke s. w. 2, 316; Mommsen m. gesch. 2, 222 anm. II@C@1@a@gγ) von sachbegriffen, wobei das zunehmen sich vielleicht mehr auf den inneren oder äuszeren werth bezieht. wissenschaften, künste, handwerke: alle künste seyn gestiegen Mangold marckschiff (1596) E 2; vorbothen des steigens einer wissenschaft M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 2, 85; wie sie (die kunstdenkmäler) ... gestiegen sind Reimarus wahrh. d. nat. rel. 65, 26; naturwissenschaft im sinken. geschichte im st. Göthe III 6, 261 W. wörter, sprache u. ähnl.: die prächtigen und ausgesuchten wörter sind im st. Harsdörfer frauenzimmergesprechsp. 6, A 5b; damit die teutschen verse nicht fallen (d. h. an werth sinken), sondern st. mögen Leibnitz deutsche schr. 1, 486; die sprache steigt, wo der monarch sie liebt Kästner verm. schr. 1, 108. titel (nur im 17. jh.!): welcher gestalt die titul ... gestiegen ... Harsdörfer teutsche secretarius (1656 ff.) 1, 26; wo die titul ... st. Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 381; auch der allergeringste mann suchet seinen titul steigend zu machen J. G. Riemer polit. maulaffe (1679) vorr. noch eigentlicher von lebensmitteln, bedarfsarticeln, geld u. ähnl. (zunahme des werthes!). lebensmittel und bedarfsarticel: steigend — und fallende waaren merces, quarum pretium augetur et imminuitur Steinbach 2, 701. so st.: getreide Rebhuhn klag d. arm. mannes 8, pfeffer Benj. Neukirch ged. 129, zeug J. E. Schlegel w. 2, 80, lebensmittel Bräker s. schr. 2, 274. münzen und geld: das gold steiget und fällt Harsdörfer teutsche secretarius (1656 ff.) 1, 420; nach dem werth der steigenden und fallenden ducaten Herttwig bergb. (1734) 189a. bes. von papiergeld und werthpapieren: die actien st. oder fallen Sperander ala mode sprach 11a; das papiergeld ist ... im st. Göthe IV 21, 265 W.; so stiegen doch die österreichischen ... papiere Hauff w. (1890) 2, 177, 4; die actien stiegen wieder Ranke s. w. 30, 131. in nichteigentlichem sinne wird der ausdruck die actien st. dann zu der heute geläufigen bezeichnung eines zunehmenden erfolges, glückes: unterdessen scheinen mir unsere actien eben nicht gestiegen, sondern etwas gesunken zu sein Jac. Grimm im briefwechsel zw. Jac. u. W. Grimm u. Dahlmann 1, 74. auf andere dinge als werthpapiere u. s. w. übertragen: die ideen haben ihren cours. sie sind im st. Bauernfeld 3, 246. sonstiges. andere fälle, in denen das subject zu st. einen begriff des materiellen besitzes bezeichnet, gehören vielleicht nur bedingt hierher und deuten wohl mehr nach II, C, 1, b hin: gott ... wOelle ... (das) bergwerck ... in st. und auffnehmen kommen lassen Mathesius Sarepta (1571) vorr. 4a. ähnl.: lasz uns das bergwerg bawen, das es im steigen sey M. Rinckhart christl. ritter 67 ndr. selten bezeichnet das subject des verbums dinge, bei denen ein anderes accidens als der werth sich vergröszert: die graben der ... stadt waren (infolge regens) ... gestiegen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 109a. II@C@1@bb) st. wachsen bei unmittelbarer zunahme der subjectsbezeichnung: II@C@1@b@aα) von allgemeinen begriffen: breite Leibnitz deutsche schr. 2, 41, wechsel Möser s. w. 1, 96, grösze Göthe IV 28, 38 W., in einer steigenden und sinkenden folge 46, 77 W., vervollkommnung Athenäum 2, 27, stadium Bettine dies buch geh. d. könig 2, 308, ausbreitung Fr. L. Jahn w. 2, 7 E., eine ... steigende dose von zärtlichkeit Pfeffel pros. vers. (1810 ff.) 5, 182, vermehrung Niebuhr m. gesch. 1, 226, fülle th. 1, 18, fortschritt Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 5, 233, ausdehnung Mommsen m. gesch. 2, 56, schwierigkeit 1, 349, verwendung Hoops waldbäume 169. II@C@1@b@bβ) speciell mathematische begriffe. steigendes masz und steigende zahl: in steigendem masze Herman Grimm Michelang. 1, 95; Ranke s. w. 14, 172; die zahl ... steigt J. v. Müller s. w. 5, 31; wie steigt die anzahl Ranke s. w. 2, 56; ... ist die bürgerzahl in stetigem st. Mommsen m. gesch. 2, 82; steigende volkszahl Wimmer gesch. d. dtsch. bodens 162. im bes.: steigendepotenzen und steigende reihen; ggs. fallen: je nachdem jedes folgende glied einer reihe gröszer oder kleiner ist als das nächst vorhergehende, heiszt dieselbe eine zunehmende (steigende) oder fallende C. Spitz lehrbuch d. allg. arithmetik (1882) 414. II@C@1@b@gγ) physikalisches: von festen körpern: weil es (das kupfer) beim erstarren sich ausdehnt (steigt) Prechtl technol. encycl. 9, 2. ähnl. bei Muspratt: dabei zeigt sich das kupfer blasig ... (st. des kupfers) chemie (1893) 4, 1822. von flüssigkeiten (vgl. die belege unter II, A, 1, d, deren bedeutung in die der folgenden stellen mehr oder weniger hineinspielen mag): die wasser st. vierzig tag Fischart bibl. hist. 287, 27 Kurz; aus den steigenden wassern der sündflut O. Ludwig ges. schr. 2, 114; er untersuchet, warum das meer ... gestiegen und höher gewachsen? Gottsched d. neueste a. d. anmuth. gel. 1, 82. übertragen: mit der steigenden fluth der parlamentsherrschaft Bismarck ged. u. erinn. 1, 277; in der steigenden fluth des entsetzens Droysen Äschylus4 (1884) 372. optische und akustische dinge: licht u. ähnl. (vgl. auch II, A, 3, a, α, aa): schon mhd.: der tac stîgende wart Gottfried v. Straszburg Tristan 8942. wie das licht des steigenden morgens grafen zu Stolberg ges. w. 10, 75. ähnl. Eichendorf w. (1864) 3, 278; da in der steigenden dämmerung es immer einsamer geworden war Storm w. (1897 ff.) 4, 253; 264. farbe (als ausdruck seelischer erregung): da begann mit steigender röthe die jungfrau J. H. Vosz Luise 1, 380. geräusche, töne u. s. w. (vgl. II, A, 3, a, α, cc): dieses (kriegsgeschrei) ... wuchs ... und stieg M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 37; ein steigendes ... rasseln Klinger w. 3, 56; einer stimme ..., der man anhört, dasz sie auch st. und schwellen kann R. Huch in meisternovellen 2, 178; nur lispeln hört ich, ... es stieg und sank, mit einem mal brachs ab A. v. Droste-H. w. 2, 106. ein st. der stimme, d. h. ihr wachsen an stärke (verbunden mit einem hinaufgehen in eine höhere stimmlage? vgl. II, A, 3, a, α, cc, ββ) deutet auch seelische erregung an: Seni (mit steigendem ton): vertrau dich diesen Schweden nicht Schiller 12, 382 G.; in steigender betonung G. Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 21. — vgl. in diesem zusammenhange auch den ausdruck steigender diphthong, etwa für anord.gegenüber got. íu oder im afränk. blintu, das neben ahd. blintiu steigendesgehabt haben musz. sonstiges. von temperaturen: die hitze steiget v. Fleming teutsche jäger 1, 259a; die wärme kommt dann wieder zum st. Ritter erdkunde 5, 406. übertragen von innerer theilnahme gesagt: er ergreift der herzogin hand mit steigender wärme Schiller 12, 103 G. ähnl. Börne ges. schr. 11, 228. II@C@1@b@dδ) st. auf physiologischem gebiete: leben und lebensdauer: mit steigendem alter Naumann naturgesch. d. vögel 7, 358. schon zum seelischen hinüberdeutend (ε): immer strebe so fort, und deine natürlichen gaben bilde, bei jeglichem schritt steigenden lebens, die kunst Göthe 1, 284 W. gesundheit und krankheit: meine gesundheit fängt wieder ... an zu st. Göthe IV 1, 178 W.; dasz die krankheit ... im st. ist Immermann 1, 118 B. determinierter: cholera Gerstenberg schlesw. lit. br. 149 dld. 29, fieber Pfeffel pros. vers. (1810 ff.) 5, 57, wahnsinn Börne ges. schr. 2, 195, entzündung H. Steffens was ich erlebte 1, 34. II@C@1@b@eε) st. 'wachsen' in seelischer beziehung. II@C@1@b@e@aaaa) intellectuelles und künstlerisches wirken. fertigkeiten und begabung, z. th. vielleicht noch nach δ hinüberdeutend: den steigens begierigen witz des menschen J. J. Bodmer crit. schr. 1, 54; dasz meine kraft ... steiget Kästner verm. schr. 1, 106. ähnl. Dahlmann frz. rev. 73; st. und fallen ... des musikalischen geschmaks Schubart leben u. ges. 1, 178; fertigkeit, die ... steigt Schleiermacher I 12, 533; steigende energie und kraft G. Freytag ges. w. 14, 56. von schärfer bestimmtem einzelkönnen: nach II, A, 3, a, α, cc, ββ hinüberdeutend: fürchte die treue sprechung (declamation), die ganz, was du dichter ihr gabest, bildet dem ohre, wie du, steiget und sinket wie du Klopstock epigr. 39. mit steigender beredsamkeit Holtei erz. schr. 5, 59. von producten gedanklichen gestaltens: nun kann der gedanke nicht mehr st. wie beym Horaz Gerstenberg rez. 220 dld. 128; wenn man ... dieses Rom in steigenden situationen dargebracht hätte Göthe 40, 316 W.; von jenen steigenden erfindungen 25, 252 W. auch für den grammatischen begriff der comparation: dasz wir ... durch zwo sylben ... diese art steigender gedanken ausdrcken, nAemlich durch er und ster, oder ste Gottsched dtsche sprachkunst (1748) 211. von ästhetischer anschauung: ich würde Niagarens wasserfall ... nicht so fühlen, wenn ... hier blos meine begriffe st. dörften Herder 3, 263 S.; etwas grausenhaftes, welches steigt Solger vorl. über ästhetik 154. II@C@1@b@e@bbbb) trieb- und gemütsleben. allgemein: steigender: affect Solger nachgel. schr. 1, 59, leidenschaftlichkeit F. M. Böhme gesch. d. tanzes 1, 218. freude und schmerz: vergnügen Göthe 47, 25 W., entzücken Schubart s. ged. (1825) 1, 268, wohlgefallen Humboldt ges. schr. 1, 167, verwunderung und freude Tieck schr. (1828 ff.) 20, 137, genusz O. Jahn Mozart 4, 275. interesse, zuneigung, verlangen: steigender ehrgeitz Fischer - Tümpel ev. kirchenlied 1, 77, liebe Gottsched dtsche schaubühne (1741) 1, 27, treue ged. (1751) 1, 112, bewunderung Herder 5, 8 S., zärtlichkeit E. Th. A. Hoffmann 10, 316 Gr., theilnahme R. Wagner ges. schr. 6, 3, neugier C. F. Meyer Jürg Jenatsch 102, mitgefühl W. Raabe Horacker 75, eifer Bismarck ged. u. erinn. 2, 153; das sinken und st. des interesses Justi Winckelmann 2, 1, 143. von animalischem verlangen: mordgier (des löwen) J. A. Schlegel verm. ged. 2, 224, freszlust Jac. Grimm Reinh. fuchsvorr. XXII. ausdrücke der angst: sein entsetzen stieg Langbein s. schr. 31, 88, mit steigender angst G. Hauptmann weber (1892) 85, unruhe G. Hirschfeld mütter 80; ausdrücke der abneigung: der hasz ... muszte st. Thom. Abbt verm. w. 2b, 44; steigender: troz Schiller 4, 66 G., bosheit B. Mayr päckchen satiren 73, widerwille Gentz schr. 1, 198 Schlesier, ungeduld Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, 196, 3, wut K. Marx in: briefe v. u. an Herwegh 90, unwille O. Jahn Mozart 1, 204, gährung Ranke s. w. 16, 96, erbitterung Mommsen m. gesch. 5, 33, heftigkeit Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 308, abneigung Justi Winckelmann 1, 102, erregung Seidel vorstadtgesch. 56, unbehagen v. Polenz Grabenhäger 2, 90. sonstiges: stieg ... der muth und dünkel Göthe 25, 152 W. ähnl. Mommsen m. gesch. 2, 33. äuszerungen von affecten und seelischen eigenschaften: in worten: meine steigenden fragen Göthe 23, 173 W.; steigende klagen Varnhagen v. Ense tageb. 1, 117; steigender jubel R. Wagner ges. schr. 9, 24. in gedanken und thaten: wie die snd ... steiget Musculus hosenteuffel 6 ndr.; zeiten ..., in welchen ... schande und laster ... gestiegen B. Ringwaldt lauter wahrheit (1585). A 3a; es steige die tyrannei Börne ges. schr. 14, 84. II@C@1@b@zζ) st. zunehmen von dingen des praktischen, gesellschaftlichen, staatlichen lebens und schaffens. II@C@1@b@z@aaaa) begriffe des handels und verkehrs: allgemein: der handel steiget Gottsched ged. (1751) 1, 13. ähnl. Ritter erdkunde 1, 470; die handlung (d. handelsgeschäft) stieg Brentano 5, 288; einem ... steigenden verkehr Niebuhr m. gesch. 1, 135. specieller: st. und fallen der aus- und einfuhr allgem. dtsche bibl. (1765 ff.) anh. zu bd. 25/36, 2304. werth, preis u. ähnl. 'st. von preisen 'höher gehen', gegensatz fallen' Schirmer wb. d. deutschen kaufmannsspr. 183; die preise st. i prezzi montano si alzano Kramer 2, 231c; der webekunst ... gestiegener werth Lohenstein Arminius (1689 ff.) 2, 7. ähnl. Seidel Leberecht Hühnchen 21; obgleich die preise gestiegen sind Göthe IV 19, 155 W.; st. und fallen der preise Luschin v. Ebengreuth münzkunde 184. übertragen: von dem st. und sinken des inneren werthes Schleiermacher II 2, 4, 39. synonym: der curs steigt. in eigentlicher bedeutung: damit der kurs des goldguldens wieder stiege Doren Florentiner wolltuchindustrie 208; er sprach vom wechsel der course, vom st. und fallen Holtei erz. schr. 3, 12. übertragen: marketenderin: umarm deinen vater, du dukatenlippel! Lippel: na, der curs steigt Brentano 7, 423. II@C@1@b@z@bbbb) arbeitsgewinn, wohlergehen, verlust, noth. allgemeines. steigende wohlfahrt Gottsched ged. (1751) 1, 389, steigendes glck Hagedorn poet. w. (1769) 2, 148, ähnl. Tieck schr. (1828 ff.) 7, 183, noth und jammer Benj. Neukirch ged. 126, gewinn Göthe IV 38, 132 W., mangel J. G. Forster s. schr. 3, 111, bedürfnisz Gutzkow ges. w. 6, 402, nachfrage Doren Florentiner wolltuchindustrie 284. determiniertere begriffe materieller art: ausgaben, einnahmen, besitz: seine güter stiegen Schiller 2, 355 G.; die ... steigenden auflagen (d. h. steuerabgaben) J. G. Forster s. schr. 7, 134, ausgaben Holtei erz. schr. 11, 16, kosten Ranke s. w. 1, 219, mieten 37, 249, geldbuszen D. Fr. Strausz w. 6, 189; er sprach von seinem ... steigenden verdienst, seiner steigenden einnahme Hebbel II 3, 170 W.; sein gehalt stieg Seidel Leberecht Hühnchen 41; die steigende schuldenlast Nitzsch dtsche studien 48. vgl. auch den ausdruck steigende forderungen z. b. bei Tieck schr. (1828 ff.) 91, 407; Ranke s. w. 1, 140; 31/32, 144. entsprechende begriffe ideeller art. st. wird gebraucht von: der ehre Harsdörfer teutsche secretarius (1656 ff.) 2 )( )( 5b, des lutherthums ... ehre Gottsched ged. (1751) 1, 325, des reiches flor neueste ged. (1750) 50, verdienst Stoppe Parnasz (1735) 4, der flagge ruhm Kästner verm. schr. (1755) 2, 180, ansehen Wieland Agathon (1766 ff.) 2, 118, vorrang Eschenburg beispielsamml. 2, 218, hoheit (d. königin Luise) Schleiermacher II, 4, 31, macht Ritter erdkunde 1, 315, macht der finsterniss Jung-Stilling 3, 169, weihe der arbeit W. H. Riehl arbeit 55, glanz und ruhm des römischen namens Mommsen m. gesch. 2, 69, kapitalmacht Nitzsch dtsche studien 87, übergewicht des adels Moltke ges. schr. 2, 85. — ggs.: mit der steigenden nullität der comitien Mommsen m. gesch. 2, 260. von gnade und gunst: gnade und grosse gunst steigt langsam engl. comöd. 206, 10 Creizenach. II@C@1@b@z@cccc) freiheit, gesittung, cultur und ihr gegentheil: seitdem stieg denkfreiheit J. H. Vosz antisymb. 2, 71; steigt ... die cultur ... Göthe 48, 58 W.; bei steigender cultur Savigny v. beruf uns. zeit ... 12. — unordnung, zerrüttung u. ähnl.: die steigenden miszverständnisse Gutzkow ges. w. 6, 316; der immer steigende tumult O. Jahn Mozart 3, 285; stieg ... die soziale zerrüttung Mommsen m. gesch. 2, 43. vgl. auch den ausdruck steigende gefahr: durch Edgars ankunft steigt die gefahr für Donald Börne ges. schr. 1, 56. II@C@22. st. 'wachsen' mit grammatischen zusätzen. die grammatischen zusätze zu st. 'zunehmen, wachsen' entsprechen in ihrem aufbau den in der grundbedeutung des verbums (I B) dargelegten typen. auch hier tritt der acc. des inhalts, treten adverbien und präpositionale ausdrücke sinnergänzend zum begriffe des wortes hinzu. II@C@2@aa) grammatische zusätze zur näheren begriffseinengung der unter C, 1, a genannten fälle. sie bestimmen das accidens näher, das bei nur mittelbarer zunahme der subjectsbezeichnung für das 'anwachsen' in frage kommt (vgl. sp. 1905 unter C). II@C@2@a@aα) st. an etwas. solche wendungen bezeichnen gewissermaszen eine bildliche leiter, auf deren sprossen sich die dem st. 'anwachsen' zugrunde liegende, ebenfalls bildhafte bewegung vollzieht. von personen, bzw. personifizierten thieren: wenn du einmahl an ehren steigst Lichtwer äsop. fabeln 22. das alter der ausdrucksweise zeigt eine Marnerstelle: der milte man ie stîgende an hôhen sælden was 102 Strauch. von menschlichen gemeinschaften: wie die reiche ... an ehre, wrde, macht und herrlichkeit bald abbald zunehmen, bald st. bald fallen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 1. vorr. 1. in metaphorischer ausdrucksweise: je höher die jahrhunderte an bildung st. Göthe II, 3, 140 W. von sachbegriffen: so kann das gut ... an werth st. Göthe 22, 146 W.; die übungen ... stiegen an umfang und bedeutung Mommsen m. gesch. 2, 426. II@C@2@a@bβ) st. in etwas zur bezeichnung des gebietes, worin die zunahme des subjectsbegriffes als geschehend gedacht wird. bei personen. meist bezeichnet der zusatz einen affect, eine seelische eigenschaft, einen begriff der werthschätzung: vom niedren steigt man hoch, vom hohen steigt man nieder; wer nur in demut steigt, steigt füglich hin und wieder Logau 200 E.; metonymisch: jedes auge ... wird in bewundrung st. Göthe 4, 146 W. verbreitet ist die wendung in der achtung st. (u. ähnl.) so steigt man: in (der) gnade Arnim s. w. 1, 163 Gr., in der liebe und achtung Börne ges. schr. 3, 205, in (der) gunst Holtei erz. schr. 2, 47, in der öffentlichen meinung briefe v. u. an Herwegh 208. vgl. auch: dasz jungfrauen nicht, wie äcker, durch fruchtbarkeit im anschlage (werthschätzung) st. G. Th. v. Hippel kreuz- u. querzüge 1, 7. anderer inhalt des präpositionalen zusatzes: wie hoch st. in ihren geheimnissen die persischen weisen Lohenstein Arminius (1689 ff.) 1, 109b; den in ihr (d. h. in der prälatur) im st. begriffenen Justi Winckelmann 2, 1, 89. bei sachbegriffen. im preise st. u. ähnl.: alles steigt im preise Cronegk schr. (1771) 1, 14, fische Schiller 2, 32 G., steinkohlen Raupach w. kom. gatt. 2, 265, lebensbedürfnisse Bismarck reden 3, 5 Kohl; wo alles ... im geldwerth gestiegen ist Niebuhr m. gesch. 1, 273. auf nichtmaterielles übertragen, steigt im preise: das leben Müllner dram. w. (1828) 3, 80, der streitgegenstand Jhering geist d.m. rechts 3, 1, 24, das bürgerrecht Mommsen m. gesch. 1, 78. so auch scherzhaft von personen: sind die poeten noch nicht im preise gestiegen und haben immer die fähndriche noch doppelten dichtergehalt? Herwegh ged. eines leb. 2, 136. mit anderem inhalt des präpositionalen zusatzes: so sie (die substanzen) in ihr hoffart steigent Paracelsus op. (1616) 1, 44 H.; dass die charaktere ... in leidenschaftlicher erregung st. O. Ludwig ges. schr. 5, 371; dein land nimmt in der grOesze zu, uns deine fähigkeit zu zeigen, wiewohl es nie so hoch als du, nie so, wie du verdient, kann in der grOesze (d. h. in seiner bedeutung) steigen v. Besser schr. 1, 4 König. mitunter kommt diese gebrauchsart auch subjectsbegriffen zu, die einer unmittelbaren zunahme fähig sind. derartige wendungen machen dann oft einen pleonastischen eindruck: (die vernunft) steiget hoch in ihrem eigenen liechte J. Arnd theol. d. Thom. a Kempis 26; wie weit die barbarey in ihrer wut gestiegen Rabener s. schr. 2, 84. in etwas st. zur bezeichnung des grades der zunahme s. unter δ. II@C@2@a@gγ) st. mit etwas, wobei gemäsz den sp. 1905 unter C gemachten unterschieden insofern eine zweitheilung stattfindet, als einmal nur das in frage kommende accidens die zunahme erfährt, anderseits bei den unter II, C, 1, b aufgeführten wendungen auch das subject zu st. selbst an der steigerung theilnimmt. II@C@2@a@g@aaaa) ersteres wird besonders deutlich, wenn das subject zu st. eine person ist: mein nachbar, der steige ... mit seinen gtern so weit (nur das hab u. gut vergröszert sich!) Reinicke fuchs (1650) 345; dasz sie (die schauspielerin) mit ihrer stimme so lange stiege Lessing 17, 121 M. ähnl. die geläufige ra. mit seinen forderungen st. z. b. Archenholz England u. Italien 1, 299. schon zum folgenden hinüberdeutend mit sachl. subjectsbegriffe: ey, mit den jahren steigt auch unsre wissenschaft Gottsched dtsche schaubühne (1741) 5, 455. II@C@2@a@g@bbbb) gleichzeitige zunahme im subjectsbegriffe und im präpositionalen ausdruck (entsprechend den wendungen unter II, C, 1, b): die gier ... steigt mit der entsagung Zach. Werner söhne d. thals 1, 185; der werth (literarischer producte) steigt mit der grOesze ganz unverhAeltniszmAeszig Athenäum 1, st. 2, 122; mit der kultur st. die bedürfnisse E. Th. A. Hoffmann 10, 32 Gr.; die kraft und würde der einzelnen ... steigt und fällt mit der kraft und würde ihrer arbeit W. H. Riehl arbeit 9. stark pleonastisch: je nachdem das wasser mit der fluth stieg Schiller 9, 51 G. gern enthält der präpositionale ausdruck dabei einen begriff der zeit: wie des kOenigs krafft mit seinen jahren steigt Pietsch geb. schr. 52; mit jedem jahre steigt der ... beyfall Rabener s. schr. 6, 70; das missverhältniss steigt mit jeder stunde Börne ges. schr. 10, 136; die sehnsucht stieg mit jedem postag Caroline br. 1, 168 Waitz; die fluth steigt mit jeden augenblick Allmers marschenbuch 34. verblaszter sind wendungen wie: es steigt der muth mit der gelegenheit Shakespeare 5, 25; das komische der handlung steigt mit ihrem fortgange Gerstenberg schlesw. lit. br. 149 dld. 29. II@C@2@a@dδ) bestimmter formen den vergleich zweier dinge hinsichtlich ihres anwachsens die seit dem 18. jh. auftauchende wendung in dem selben masze wie etwas st. und deren synonyma. etwas (sinkt und) steigt: in eben dem maasze M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 535. ähnl. Savigny gesch. d.m. rechts 1, 66, in eben dem verhältnisse Lessing 10, 212 M. ähnl. Göthe 49, 31 W.; in gleicher proportion Wieland Agathon (1766 ff.) 2, 171, in gleichem schritte F. Th. Vischer auch einer 1, 98. II@C@2@bb) grad und menge des mit st. bezeichneten wachsens. II@C@2@b@aα) in unbestimmter fassung. II@C@2@b@a@aaaa) adverbia: wie weit steigt doch die heutige klugheit Weise die drey klügsten leute (1675) 101. ähnl. Göthe 25, 84 W.; desto mehr steigt oder fAellt das verdienst Thom. Abbt verm. w. 1, 11; stufenweise st. Gottsched dtsche sprachkunst (1748) 20; etwas st. Göthe IV 1, 178 W.; nicht wenig st. Jac. Grimm kl. schr. 3, 3. — vgl. dazu mit hinzugefügtem zielbegriff aus mhd. zeit: ie baz unt baz steic der herre ze tugente Rolandslied 1, 25 Gr. vor allem beliebt ist von jeher die der ursprünglichen bedeutung am meisten entsprechende ausdrucksweise hoch, höher, mit präpositionalem zusatz zu hoch st. (vielfach annäherung an die bedeutung st. II, A, 2.) schon ahd. und mhd.: déro uirtús hôh ist kestígen Notker 2, 49, 11 P.; daz iuwer lop dâ ... stîget ... hô Walther v. d. Vogelweide 85, 3. ähnl. Ulr. v. Liechtenstein 233, 31; hoher denne ie wibes name gestige Werner Maria 181, 34 in Fundgr. 2. aus späterer zeit, entsprechend den fällen unter II, C, 1, a, α: Etius wollte ... zuo hoch steygen Stumpf Schweizerchron. (1606) 192b; wenn dich dein eygen lob ... nicht reitzen ... thut, hOeher zu st. Spreng Äneis 69a; ich will lieber Fuchsmundus ... verbleiben, als also hoch st. (d. h. general werden) ollapatrida 31, 36 Wiener ndr.; so dachte ich durch mein reisen immer hOeher und hOeher zu st. Chr. Reuter Schelmuffsky 76 grösz. ausg. sie trauen uns nicht, fürchten des Friedländers heimlich gesicht. er ist ihnen zu hoch gestiegen Schiller 12, 17 G. entsprechend den fällen unter II, C, 1, a, γ: da sols gesetz nicht so hoch st. (d. h. an machtvollkommenheit) Luther 34, 2, 23 W.; das weidwerk (ist) ... höher ... gestigen J. C. Aitinger jagd u. weidbüchl. 58; so hoch pfleget die kunst zu st. Ph. Zesen rosenmând (1651) 77; unsere ... muttersprache ..., wie hoch sie ... gestiegen verm. Helicon 1, 7; nachdem aber ist die artillerie noch höher gestigen v. Fleming d. vollk. teutsche soldat 55; noch höher stieg die musik Schubart ästhetik d. tonkunst 6; je mehr das gold fiel, desto höher stieg es Brentano 5, 109. entsprechend den fällen unter II, C, 1, b nach dem hohen st. der nilwasser Ritter erdkunde 1, 638. — wenn der feifel (eine geschwulstkrankheit der pferde) höher steigt Sebiz feldbau (1579) 154; meine jahre (sollen) an deiner hand hoch st. Klinger w. 1, 39. — je hOeher dein erkenntnisz steigt Gellert s. schr. 2, 103; die bewunderung ..., die immer höher st. würde Göthe 46, 7 W.; sollte ihre bosheit höher st. maler Müller w. (1811) 3, 191; und könnte höher ein versprechen steigen, versprochen hätten sie mirs auch zum lohne Rückert w. (1867 ff.) 3, 147. — ohne diesz wAere der preisz ... noch viel hOeher gestiegen Bräker s. schr. 1, 194. — mein reichthum wAere so hoch gestiegen Weise pol. redner 29; das glck ist hoch gestiegen Königsb. dichterkr. 94; die noth stieg so hoch Niebuhr m. gesch. 1, 351. — wenn solcher (zank) hoch stiege J. J. Bodmer v. d. wunderbaren 176; je höher die gesittung steigt W. R. Riehl arbeit 17. II@C@2@b@a@bbbb) präpositionale ausdrücke. in die höhe, zur höhe, zu einer höhe st.: das trojanische reich mit sieg vor jahren in die höhe stig Spreng Äneis 30a; zu welcher höhe dieser groll st. darf Lessing 10, 184 M.; maszstab der hOehe, zu welcher das werk noch st. soll Athenäum 1, st. 2, 151; dann st. die wilden wasser oft zu einer höhe ..., die ... das herz erbeben macht Allmers marschenbuch 33. — zu einer hohen stufe st. Göthe 22, 119 W. verblaszter sind wendungen, die solche sinnlich anschaulichen begriffe (höhe, stufe) durch abgezogene vorstellungen ersetzen: eine ... zerstreutheit, die oft bis zum unglaublichen stieg Tieck schr. (1828 ff.) 5, 440; als die unordnungen ins unerträgliche stiegen Ranke s. w. 1, 144. vgl. auch: zum übermaasze werden sie ihn (den schmerz) ... nicht st. lassen Solger nachgel. schr. 1, 216. sonstige präpositionale wendungen: im vierten jahrhundert stieg die anzahl der ... mönche auf mehr als sechsundneunzigtausend Zimmermann einsamkeit 1, 331; da steigt der verlust ohne grenzen Arnim w. 15, 191 Gr. vgl. auch st. über II, A, 3, b, γ. nicht selten wird durch den präpositionalen zusatz auch das stufenmäszige anwachsen zum ausdruck gebracht (vgl. stufenweise st. II, C, 2, b, α, aa): bei dem leidenden Philoktet steigt der dichter von stuffe zu stuffe Herder 15, 359 S.; er ... stieg von stufe zu stufe Klinger w. 3, 121; in Wien ... stieg er von stelle zu stelle Ranke s. w. 30, 21. übertragen: er steigt von blamage zu blamage A. Ruge briefw. 2, 409 Nerrlich; er stieg von einer würde zur andern bibl. ält. schriftwerke d. Schweiz 2, 3, 64. ähnl. schon in älterer zeit: tugent und laster sind der art, dasz sie ... immerzuo von einer untugent und laster in das ander steigt (!) Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 161b. II@C@2@b@bβ) grammatische zusätze in bestimmter formulierung. II@C@2@b@b@aaaa) bezeichnung der menge der zunahme. accusativverbindungen, z. th. mit hinzugefügtem adv. der richtung: Paulus ..., der eine stufe höher stieg als die gewöhnlichen asketen Zimmermann einsamkeit 1, 165. in freierer verwendung: so offt er ein jar steigt und Aelter wirt Seb. Franck weltb. (1534) 149b; weil der scheffel korn ... vier groschen gestiegen J. G. Riemer polit. maulaffe (1679) 25; das wasser steigt stündlich 1 zoll Bismarck br. an s. braut u. gattin 43. entsprechend in substantivischer form des verbums: ein st. des meeresspiegels von wenigen hunderten von metern O. Peschel völkerkunde 343. die präp. um: das schuldtwesen ist ... gestiegen umb 39 244 thl. acta publ. 1, 39 Palm; dasz die volkszahl ... um den vierten theil gestiegen ist Göthe 42, 1, 21 W.; wenn ihrer verschuldung volles, aufgehäuftes masz auch nur um eines athems schwere steigt Schiller 5, 350 G. meine verlegenheit ist um ein groszes gestiegen Kretschmann w. 4, 35; stieg der eierpreis um drei ... prozent Brentano 5, 149; seine auslagen stiegen nur um den werth des mehr an papier Müllner dram. w. (1828) 8, 115. II@C@2@b@b@bbbb) bezeichnung des zielpunktes der zunahme. aufs höchste st. u. ähnl. (nicht selten gebraucht): das die pracht ... auf das höchste gestiegen ist discourse der mahlern 2, 124. ähnl. steigt aufs höchste: die gährung im volke Göthe 7, 162 W., die kunst einander zu ermorden M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 9, die einheit (Deutschlands) Adelung magazin f. d. dtsche spr. 2, st. 1, 6. weniger gebräuchlich und veraltet ist: am höchsten st.: vom glück des menschen P. Gerhard bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 360; von verwicklung und verwirrung Athenäum 1, 2, 170. zum höchsten st.: von der tugend S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 4b, tichterkunst Lohenstein Arminius (1689 ff.) 1, d 2a. synonym aufs äuszerste st.: seine ungeduld stieg aufs äuszerste Göthe 23, 51 W. entsprechende verwendung eines substantivs und anschlusz an die ursprüngliche bedeutung von st. im ausdruck zum gipfel st. — mit attributivem gen.: dadurch man zum hOechsten gipffel der ... ehre und gewalt gestiegen ist G. Arnold kirchen u. ketzerhist. (1699) 103b; steig du zum gipfel des ruhms Schiller 2, 36 G. einfacher: da wird dein ruhm zum gipfel st. Gottsched ged. (1751) 1, 17; Charlottens krankheit stieg schnell bis auf den Aeuszersten gipfel Nicolai Seb. Nothanker 1, 63. synonym: war die genugthuung zu dem höchsten punkte gestiegen O. Ludwig ges. schr. 2, 161. hyperbolisch: st. bis zum himmelsthron P. Gerhard bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 424, zur sonnenkugel Benj. Neukirch ged. 111, bis an die wolken 150, zum himmel B. Mayr päckchen satiren 16, zum sternenhange maler Müller w. (1811) 1, 332. mit anlehnung an das st. der quecksilbersäule im barometer und thermometer. von meteorologischen erscheinungen selbst: war die hitze auf den äuszersten grad gestiegen Seidel vorstadtgesch. 106. übertragen ähnl. von beherztheit und dreistigkeit Bahrdt gesch. s. lebens 1, 213; war die ... erbitterung ... zu einem solchen grade gestiegen A. Ruge briefw. 2, 50 Nerrlich. anscheinend modern werden so auch körpertheile als bezeichnung des grades der zunahme verwendet. rein sinnlich: bis en t water innen hals stigt W. Lüpkes seemannsspr. 21. übertragen: die schande stieg uns an den hals W. Raabe hungerpastor 3, 234; der jammer ... war ihm fast an die kehle gestiegen leute a. d. walde 2, 90. substantivische zielbegriffe nicht unmittelbar sinnlicher anschauung. zahlen und verwandtes: das ... der ... palmorden ... auf 789 mitglieder gestiegen Neumark d. neuspr. teutsche palmb. 34; die anzahl der einwohner steige auf 8000 Nicolai reise 1, 172; ein ... gedicht, das etwa auf 6 gesänge und 2000 hexameter st. kann Göthe IV 9, 284 W.; die disticha ... st. ... gegen zweyhundert IV 11, 16 W.; man steigt ... auf vierzehn millionen v. Ayrenhoff 6, 262; ihre infantrie stieg bis auf 2000 mann Häuszer dtsche gesch. 4, 204; Schlettstadt selbst stieg ... auf 900 schüler Ranke s. w. 1, 175/176; der puls stieg auf 130 schläge Jac. Grimm im briefw. zw. Jac. u. W. Grimm u. Dahlmann 1, 461. ausdrücke des werthes und preises: die preise ... st. von 30 sous bis zu 20 franken Börne ges. schr. 5, 237. veraltet in allgemeiner formung: das ... alles ... auf bermAeszigen preis gestiegen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 72b; und da auch solches wasser auf viel geld solte st. Abr. a s. Clara mercks Wien 86. begriffe einer mehr intensiven, inneren zunahme. in physikalischem sinne: wenn der ton zu seiner gröszten kraft stieg Göthe 25, 69 W.; den ... sonnenstrahl, der hier den sandboden bis zur gluthitze von 54 gr. Reaum. st. macht Ritter erdkunde 1, 732; auf dem gebiete des seelenlebens: zu einer solchen reife war die begierde ... in meinem gemüth gestiegen Göthe 30, 151 W. mit zielbegriffen, die ebenfalls dem seelenleben entnommen sind: als die zuneigung ... zur ... zärtlichkeit gestiegen war Nicolai Seb. Nothanker 1, 17; steigt sie (die bewunderung Friedrichs d. Gr.) fast zum tragischen mitleid Herder 17, 40 S.; so stieg seine verwunderung bis zum erstaunen Wieland Agathon (1766 ff.) 2, 49; sein denken steigt ... bis zum empfinden Schiller 1, 152 G.; eine gunst ..., die ... bald bis zur äuszersten vertraulichkeit stieg Klinger w. 3, 222; schaam und zorn ... stieg endlich bey ihr zu einem grausamen hasz Heinse 2, 329 Sch. vgl. auch: die leidenschaft der liebe steigt in ihnen (den spanischen 'sylbenmaaszen') oft bis zum schönen wahnsinn Herder 18, 56 S.begriffe, nicht unmittelbar dem seelenleben entnommen: sein ton stieg zu einer ... vertraulichkeit Pfeffel pros. vers. (1810 ff.) 1, 63; die noth stieg zur verzweiflung Ritter erdkunde 2, 159. — herzog Ernst, dessen hang zur chimie bis zur goldmacherey gestiegen v. Lori baier. bergrecht XXVII. eigenartig ist die ausdrucksweise: doch will man sklavisch ihn (den löwen) bezähmen, steigt seine wuth bis zum tyrann bei O. Jahn Mozart 2, 408. begriffe des praktischen, gesellschaftlichen und staatlichen lebens: zwei derselben (der staaten) stiegen zu höherer macht J. v. Müller s. w. 1, 55; stiegen die wissenschaften und künste ... zu einem nicht geringen flor ält. schriftwerke d. Schweiz 2, 3, 36. stark pleonastisch: die macht der Thebaner ... war hoch gestiegen zu groszer herrschaft Fr. Schlegel s. w. 4, 184. und ganz vereinzelt bekommt st. zu etwas überhaupt die bedeutung 'zu etwas werden, sich zu etwas gestalten': dasz Marots versteck zu einer so bedenklichen verlegenheit für Francoise stieg Laube ges. schr. 3, 146. — besonders gilt das den vorstehenden ausführungen entsprechend umkleidete st. von persönlichen subjectsbegriffen und nähert sich dann wieder stark der bedeutung II, A, 2, c: sind Ruolland und Ollyfier inn so grosze hoffart gestigen Haimonsk. 93, 29 lit. ver.; der einst ... zu hohen eren stieg Rückert w. (1867 ff.) 1, 94. so vielleicht auch schon ahd. und mhd.: so dû ze túgede gestîget Notker 2, 548, 12 P. ähnl. Rolandslied 1, 25 Gr. (vgl. aber auch II, A, 2, b). mit eingeengterem zielbegriffe: schon ahd.: tér ... ze consulatu gestéig Notker 1, 145, 28 P. später: Altringer ... war ... bis auf die hohe charge des generalats gestiegen v. Chemnitz schwed. krieg 2, 480a; als kayser Gratian zum kayserthum gestiegen v. Besser schr. (1732) 64 König. ebenso: zu den oberen bedienungen Haller Alfred 123, zum range eines brigadiers J. Engel schr. 2, 97, zur würde eines königs Ritter erdkunde 2, 50. gelegentlich werden in diesem zusammenhangejetzt veraltet und durch emporst. verdeutlichtdie zwischenbegriffe wie würde u. s. w. auch fortgelassen: Napoleon stieg ... bis zum feldherrn des französischen heeres in Italien E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 234; ich stieg ... bis zum häuer Novalis 4, 117 M.; er stieg vom kammerdiener bis zum marechal de France Laube ges. schr. 4, 102; der vater, als er zum kanzler von Frankreich stieg Dahlmann frz. rev. 26. IIIIII. sprichwörtliche wendungen. III@AA. zu st. I, B: wer gern fisch isset, der musz ins wasser st. Eyering proverb. copia (1601) 3, 493; wer des morgens rcklings aus dem bette steiget, dem gehet selbigen tages alles verkehrt J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 96. in accusativverbindung: so wollen sie auch alle hohe bäume st. und das ganze dorf fressen (= sich stolz gebärden) Pape bettel- u. garteteufel Y 7a. ebenfalls in älterer zeit: nach braunen kirsen steigt man hoch Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 81a; Binder 110. ähnl. Schellhorn sprichw. 115. — von thieren: je höher der affe steigt, je mehr er den hintern zeigt Binder 3; gemsen st. hoch und werden hoch gefangen 70; steigt der floh bis übers knie, wird ihm bald, er weisz nicht wie 53; vgl. in diesem zusammenhange auch die stelle bei Grimmelshausen: künstlich vorgebäu, damit einem kein frembder stier in stall steigt noch der guckuck eyer ins nest legt 4, 508 Keller. zu st. II, C hinüberdeutend, wird bis zum ende des 18. jh.s die vorstellung variiert, dasz mit kühnem st. leicht auch ein jähes fallen verbunden sei: die hie ze hôhe stîgent daz sint die dort nîgent Tundalus 665 Wagner. wer hoch steiget, der fallet gern sprichw. schöne weise klugreden 49b; ähnl. volksb. v. dr. Faust 19 Br.; Voigtländer oden u. lieder 98; Hoffmannswaldau ged. (1697 ff.) 5, 98 Neukirch; Schwan 2, 707b. in schärferer formulierung: mancher fällt, der noch nit ist gestiegen Wille sittenlehre 85. negativ gewendet: wer nit will fallen, der steig oder spring nit hoch Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 127b. ähnl. Wille sittenlehre 17. fortwirkend noch bei Herder: nichts härters, als entgegen allem steigen ohn gott und plötzlich fallen 16, 242 S. ebenso nach st. II C hinüberdeutend: wer steigen wil, fah unden an. eil langsamb, so kumst auch daran Höck schönes blumenfeld 86 ndr. III@BB. zu st. II, A, 2: quae nihil ad te, ne velis scire suoch dich selbs in deinem hausz, steig in dich selbs Seb. Franck sprichw. (1541) 1, 7b; man musz gott nicht in seine rathstube st. Kirchhofer Schweizer sprüchw. 131. dem 16. jh. eignet: es sihet im so gleich, als were er im mit einer leytern ausz dem hindern gestigen Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 73b. ebenso u. ähnl.: sprichw. schöne weise klugreden 26b; Fischart nachtrab 42 Kurz; Garg. 159 ndr.
153357 Zeichen · 4963 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    steigenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    steigen swv. BMZ stîgen machen, aufrichten, erhöhen. tr. den muot st. Msh. 2, 24 b . Jer. 23482. die noten st., in hohen…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Steigen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Steigen , verb. irregul. ich steige, du steigst, er steigt; Imperf. ich stieg; Mittelw. gestiegen; Imperat. steig, oder …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    steigen

    Goethe-Wörterbuch

    steigen [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    steigen

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    steige n [tæjə Barr K. Z. Hag. Wh. ; taijə Str. ( häufiger taijərə) Rauw. ; táijə Ndrröd. ] ersteigern. E Klofter Ho…

  5. Sprichwörter
    Steigen

    Wander (Sprichwörter)

    Steigen 1. Bist du hoch gestiegen mit wunder, mit grossem schaden felstu herunder. Lat. : Si gradus est altus, gravior f…

  6. Spezial
    steigen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    stei|gen (stieg, gestiegen) vb.intr. 1 (sich aufwärts bewegen) jí sö, se alzé 2 (emporsteigen, nach oben gehen) jí sö 3 …

Verweisungsnetz

80 Knoten, 80 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 9 Kompositum 62 Sackgasse 9

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit steigen

42 Bildungen · 10 Erstglied · 27 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von steigen 2 Komponenten

ste+igen

steigen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

steigen‑ als Erstglied (10 von 10)

steigen I

SHW

steigen I Band 5, Spalte 1357-1358

steigen II

SHW

steigen II Band 5, Spalte 1361-1362

steigendes

DWB

steig·endes

steigendes , n. wort der bergmannssprache. Heyne 3, 784 ; 'st. wird die erhOehung der gebürge, stOellen und strecken genennet. solches wird …

steigen II

RhWB

steigen II diese Bildung, auf steigen zurückgehend, ist Rhfrk als -āiə, –ęi- u. -ājə (-aiχə), Part. gəšdāit u. Mosfrk an der Saar -a·i.ən in…

Steigentesch

GWB

Steigentesch [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

steigen als Zweitglied (27 von 27)

abersteigen

DRW

aber·steigen

abersteigen durch Ersteigen wegnehmen der R. selbsechszehnde wolten dem H. sein sloß aberstigen und erloffen und in gefangen haben 15. Jh. B…

absteigen

DWB

abs·teigen

absteigen , descendere, niedersteigen, nnl. afstijgen: vom pferde, wagen absteigen, früher ab dem pferde steigen; vom thurm, berge, von der …

ansteigen

DWB

anst·eigen

ansteigen , ascendere: den berg ansteigen; er kommt auf der treppe eben angestiegen; das gebirge steigt sanft an, erhebt sich mälich; der be…

aufgesteigen

DRW

auf·gesteigen

aufgesteigen steigern wir ... súllen ... den ... zins niemer gehoͤchren noch ufgesteigen 1337 FRBern. VI 378 Faksimile

aufsteigen

DWB

auf·steigen

aufsteigen , ascendere, sich in die höhe erheben, nnl. opstijgen. 1 1) mit den füszen aufsteigen: und sihe eine leiter stund auf erden, die …

aussteigen

DWB

aus·steigen

aussteigen , escendere: ans land aussteigen ( s. ausstehen 1); vom wagen aussteigen; sind schon alle ausgestiegen?; der dieb musz zum dachfe…

besteigen

DWB

beste·igen

besteigen , conscendere: das pferd, schif, dach, bett, die bühne, kanzel, den thron, wagen, berg besteigen; ein mann, der ungehabt und unges…

durchsteigen

DWB

durch·steigen

durchsteigen , 1 1. untrennbar, steigend durchwandern, nach allen richtungen besteigen. er hat die alpen durchstiegen. an allen orten die ic…

einsteigen

DWB

einst·eigen

einsteigen , inscendere, nnl. instijgen, schw. instiga, dän. indstige. 1 1) oft blosz einsteigen, wo leicht zu ergänzen ist ins haus, in die…

entsteigen

DWB

ent·steigen

entsteigen , ascendere, erumpere, nnl. ontstijgen: Hans auch entstieg, und knüpfte das hemmende seil um den baumstumpf. Luise a. l. h. 25 ; …

ersteigen

DWB

erste·igen

ersteigen , ascendere, goth. ussteigan, ahd. arstîgan, mhd. erstîgen, ags. âstîgan, praet. usstaig, arsteic, ersteic, âstâh. 1 1) aufsteigen…

gesteigen

DWB

geste·igen

gesteigen , verb. verstärktes steigen ( s. d. ), mhd. gestîgen: der Feldtberg, darauff man in dreien stunden nit wol kan von Falckenstein ge…

hinaufsteigen

GWB

hinauf·steigen

hinaufsteigen auch Getrenntschr 1 sich aufwärts, an einen höhergelegenen Ort bewegen a räuml-konkr α (zu Fuß) nach oben gehen, auch: dorthin…

nachsteigen

DWB

nach·steigen

nachsteigen , verb. 1 1) intransitiv, steigend folgen, scandendo sequi Stieler 2136. 1@a a) eigentlich: ( ich ) steig auch nit gern hoch; we…

niedersteigen

DWB

nieder·steigen

niedersteigen , verb. , gegensatz zu aufsteigen: mhd. unde sach ouf und nider stîgenengil die wîhen. Milstäter genesis 54, 3 ; nhd. niderste…

obirsteigen

FindeB

übersteigen swv. obirsteigen Cranc

quereinsteigen

RDWB1

quer·einsteigen

quereinsteigen (Lakune) переходить с одного факультета на другой или с одной специальности на другую, причём при переходе часть сданных пред…

selbsteigen

DWB

selbst·eigen

selbsteigen , adj. , verstärktes eigen, eigentlich nicht wirkliche zusammensetzung, sondern blosze zusammenrückung, daher noch oft getrennt …

übersteigen

DWB

ueber·steigen

übersteigen , v. I I. in untrennbarer verbindung: mhd. überstîgen; ahd. ubarstîgan; ags. oferstîgan. I@A A. mit persönl. subj. u. acc.-ergän…

umsteigen

DWB

umsteigen , vb. , trennbar. 1) umher-, herumsteigen: sie ( die katzen ) können obn im hauss umbsteygen H. Sachs 9, 385 K.; auf dem pireneisc…

understeigen

KöblerMhd

underst·eigen

understeigen , sw. V. nhd. hinuntersteigen, untergehen E.: s. under, steigen W.: s. nhd. (ält.) untersteigen, st. V., untersteigen, DW 24, 1…

versteigen

DWB

verst·eigen

versteigen , starkes verb. A A. trans. verwendung ist spärlich und nur in älterer sprache vertreten: mhd. verstîgen, über etwas steigen, fah…

übersteigen

Idiotikon

übersteigen Band 10, Spalte 1514 übersteigen 10,1514

ūfsteigen

KöblerMhd

ūfsteigen , sw. V. nhd. aufsteigen, steigen lassen Hw.: vgl. mnl. opstigen, mnd. upstīgen (1) Q.: NvJer, Parz (1200-1210), UvEtzWh E.: s. ūf…

Ableitungen von steigen (5 von 5)

besteigen

DWB

besteigen , conscendere: das pferd, schif, dach, bett, die bühne, kanzel, den thron, wagen, berg besteigen; ein mann, der ungehabt und unges…

entsteigen

DWB

entsteigen , ascendere, erumpere, nnl. ontstijgen: Hans auch entstieg, und knüpfte das hemmende seil um den baumstumpf. Luise a. l. h. 25 ; …

ersteigen

DWB

ersteigen , ascendere, goth. ussteigan, ahd. arstîgan, mhd. erstîgen, ags. âstîgan, praet. usstaig, arsteic, ersteic, âstâh. 1 1) aufsteigen…

gesteigen

DWB

gesteigen , verb. verstärktes steigen ( s. d. ), mhd. gestîgen: der Feldtberg, darauff man in dreien stunden nit wol kan von Falckenstein ge…

versteigen

DWB

versteigen , starkes verb. A A. trans. verwendung ist spärlich und nur in älterer sprache vertreten: mhd. verstîgen, über etwas steigen, fah…