A ,
der edelste, ursprünglichste aller laute, aus brust und kehle voll erschallend, den das kind zuerst und am leichtesten hervor bringen lernt, den mit recht die alphabete der meisten sprachen an ihre spitze stellen. a
hält die mitte zwischen i
und u,
in welche beide es geschwächt werden kann, welchen beiden vielfach es sich annähert. Vorgeschichte und geschichte unserer sprache verkünden solche übergänge allenthalben: lat. pater Iupiter Diespiter,
goth. fadar, vater;
lat. taceo conticeo,
goth. þaha,
ahd. dagêm;
lat. sapio desipio,
goth. safja;
lat. habeo cohibeo,
goth. haba,
ahd. hapêm;
skr. saptan,
goth. sibun;
skr. navja,
litt. naujas,
goth. niujis;
skr. madhja,
goth. midjis;
skr. agnis,
lat. ignis,
litt. ugnis,
goth. auhns
f. uhns;
lat. sal, salsus insulsus,
goth. salt,
ahd. salz sulza;
lat. calco deculco conculco; taberna, contubernium;
skr. aṇsa,
goth. amsa,
lat. umerus, humerus
f. umesus umsus.
unsern ablaut sehen wir häufig aus i
in u,
aus a
in i
springen: finde fand funden.
ahd. läuft anti
in inti
und unti;
goth. aftuma
in iftumin;
goth. gahts,
mhd. giht,
nhd. gicht;
ahd. maht naht,
ags. miht niht,
engl. might night;
mhd. ganc
und ginc;
nhd. ziestag, zistig;
nhd. Biberach, Biberich;
ahd. apah apuh,
goth. ibuks,
mhd. ebech,
nhd. äbich;
nhd. gatter
und gitter;
nhd. nacke
und genick;
in allen unsern sprachen zeigt das aus fangen
stammende finger,
goth. figgrs,
ahd. fingar
geschwächtes i;
mhd. man
wird zu min
bei Diemer 111, 23. 118, 14. 122, 9;
mhd. albetalle
wird mnd. zu albedalle
und albedille.
Noch mächtiger als solche schwächungen, von welchen oft keine rechenschaft zu geben ist, waltet die regel des umlauts, d. h. der trübung des reinen a
durch das folgende oder weggefallene i
und u
der zweiten oder dritten silbe; ursprünglich scheint dies i
und u
das a
der wurzel in ai
und au
gewandelt, wie ein bild aus der ferne sich zurückwirft, in die wurzel gespielt zu haben, so dasz schon im voraus a
die folgenden i
und u
an sich fügte, und aus gastim handum
ein gaistim haundum
hervor gieng, dessen doppellaute sich allmälich in e
und o
zu gestim hondum
verengten; alle e
und o
aller sprachen sind aus diphthongischem ai
und au
entsprungen; allein das gesetz des umlauts kann hier nur angedeutet, musz für jede sprache eigens begründet werden. Die gothische läszt ihn gar nicht ausbrechen, die ahd. nur den durch i,
nicht durch u
zu (gestim
aber hantum),
die altn. beide (gestum
f. gestim
und höndum
f. haundum, hondum.)
von bezeichnung des hochdeutschen umlauts, welchen i
erzeugt, hernach unter Ä.
Es ist ein vorzug hochdeutscher sprache das a,
kurzes wie langes, rein darzugeben. die langen ê
und ô
müssen, analog jenem e
und o,
aus ai
und au,
beide aus aa
geleitet werden, jenachdem die verlängerung sich dem i
oder u
zuneigte. goth. jêr mêna svês
sind ahd. jâr mâno suâs
und zunächst vielleicht geworden aus jiar miana svias.
nicht anders verhalten sich manche fries. ê
und die mnl. ae (
nnl. aa)
zu ahd. â.
niederdeutsche volksdialecte sprechen hingegen unser langes a
wie o
aus, jahr klar wahr
wie jor klor wor,
und diesen laut zeigen die nur leise oder gar nicht von o
abweichenden schw. ,
dän. aa
in r aar.
Kurzes a
pflegen die Friesen bald in e
zu wandeln: smel schmal, stef stab, gres gras,
bald in o: noma name, fona fahne, hond hand;
ebenso die Angelsachsen bald in ä: däg smäl stäf gräs,
mit schönem wechsel in daga smalum stafum grasa;
bald in o: hona hahn, noma name.
die Engländer, auch wo sie a
schreiben, sprechen häufig ä
aus: day man name staff lamb hand,
andere wörter mit o
schreibend und sprechend: long among cold old fold hold.
das dänische haand
hängt zusammen mit dem laut des altn. hönd = hond haund,
die Schweden sprechen rein hand.
schw. hlla
lautet dän. holde,
schw. kall
dän. kold u.
s. w.
In allen fällen dieses schwankens der uns verwandten sprachen zwischen a e o
gilt hochd. reines a,
auszunehmen sind folgende wörter, welche o
für a
setzen. für kurzes a: von,
nl. van,
fries. fon
und fan,
ahd. fona,
mhd. von,
selten van; gewohnheit,
mhd. gewoneheit,
ahd. giwonaheit, giwon
suetus, altn. vanr; hohlen holen,
ahd. halôn
und holôn,
mhd. holn; schor, wob, wog, flocht, focht,
mhd. schar, wap, wac, flaht, faht; trotz,
mhd. traz,
altn. trâss,
schw. trots,
dän. trods.
für â
hingegen: wo,
mhd. wâ (
neben da,
mhd. dâ); ohm,
mhd. âme; brombeere,
mhd. brâme,
ahd. prâma; ohne,
mhd. âne; mohn,
mhd. mâge, mâhe,
ahd. mâgo; argwohn (
neben wahn)
mhd. arcwân wân; odem (
neben athem),
mhd. âtem,
ahd. âtum; schlot,
mhd. slât; zote,
ahd. zâta; zofe
vom mhd. zâfen
putzen; woge
mhd. wâc; docht
am licht, mhd. dâht.
nicht aber gehört dazu mochte (
neben macht),
das schon im mhd. mohte,
ahd. mohta (
neben mahta)
und im u
von mugun
begründet ist. Nie weichen hochdeutsches a
und ê
der wurzeln in e
aus, wie das niederdeutsche nese
für nase,
schw. näsa,
dän. näse,
altn. aber nös = nasu,
ags. nosu,
fries. engl. nose,
und häufig nd. geven breken spreken,
mnd. gêven brêken sprêken,
mhd. gâben brâchen sprâchen,
goth. gêbun brêkun.
Alle unsere a
haften fast nur in den wurzeln, die der flexion und ableitung waren schon mhd. zu unbetontem e
herabgesunken; oberdeutsche volksmundarten hegen noch einzelne auslautende a
in der flexion. doch dauern in der schriftsprache die volleren ableitungen eidam
und monat,
ahd. eidum mânôt,
welchen man einige zusammensetzungen wie bräutigam heimat
und nachbar
gleich behandelt, in solchen fällen geht demnach a
nicht auf ein altes, vielmehr auf u, uo, ô
zurück. Kürze erhielt sich in den einsilbigen partikeln an
und ab,
im unpersönlichen man,
im fragwort was,
in hat (
habet),
für welche der häufige gebrauch sie nicht vergehn liesz; weit öfter wo sie durch doppelte consonanz geschützt war. beispiele: all ball fall fallen, narr harren starren, amme flamme hammer lamm schwamm, kann mann rann spanne wanne, lappe schnappe, affe schaffe, apfel napf zapf, acker backe wacker, mache sache wache, matte ratte satt schnattere, blasz dasz fasz hasz lasz (
piger) nasz, hassen nasser wasser, halm halb kalb salbe half balg talg falke walke bald wald alt kalt gestalt salz walze hals, arm harm erbarmen harn warnen darbe starb warb darf warf arg barg sarg mark stark ward garte hart warte schwarz warze, kampf stampfen amt samt, hanf sanft ranft, lang fange hange sang verlangt krank schrank wanke hand brand sand wand bekannt kranz wanze gans, kraft saft schaft, magd, acht nacht wacht schacht achse dachs lachs wachs wachsen, ast gast last mast rast.
Sonst aber musz sich das kurze a
dehnen und dem organisch langen in aussprache wie schreibung gleich setzen lassen, welches übel und tadelhaft auf dreifache weise geschieht. 11)
die dehnung bleibt unbezeichnet, 1@aa)
für organische kürze: schal (
insipidus) schmal thal, gebar dar gar schar (
cohors) sparen war (
fui), gram kam name scham, schwan, aber gab gabel grab habe erhaben haber habicht knabe labe rabe stab schnabel, traf hafen, mag hagel hager behagen lag nagen nagel sage schlag trage zage wagen (
currus), adel bad faden hader laden made pfad rad schade gestade tadel wade, bat trat vater waten, asz frasz masz sasz base das faser gras genas nase rase (
cespes). 1@bb)
für organische länge: qual pfal schale, waren (
fuimus) waret (
fuistis), kamen kram same, span gethan, abend gaben Schwab, schaf schlaf graf tafel trafen, lagen pflagen schwager wagen (
audere), nach brache brachen sprache sprachen, nahen sahen, gnade nadel, baten braten that thaten traten unflat rath, aszen fraszen maszen saszen, blasen genasen rasen (
insanire). 22)
die dehnung wird durch gemination ausgedrückt, nur in wenig wörtern vor liquiden und lingualen 2@aa)
für organische kürze: saal aar baar waare. 2@bb)
für organische länge: aal haar staar saat aas
und die fremden paar zaar staat. 33)
durch eingeschobnes h,
nur vor liquiden, 3@aa)
für organische kürze: fahl kahl mahle (
molo) stahl (
furatus est) wahl zahl, fahre nahrung wahren bewahren, lahm nahm zahm, ahn (
avus) fahne hahn (
neben henne) mahnen zahn. 3@bb)
für organische länge: mahl mahle (
pingo) stahl (
chalyps) stahlen (
furati sunt) strahl, bahre gefahr jahr wahr, nahmen (
ceperunt) rahm.
Einleuchtend ist das auch überwiegende unbezeichnetlassen der dehnung allein richtig und die zweite wie dritte weise hätten längst verworfen werden sollen, da kam
und lahm, war haar
und jahr
uns völlig gleichen laut haben. um unterschiede der bedeutung wie war (
fui) wahr (
verus), waren (
fuerunt) waaren (
merces) wahren (
servare)
darf man unbesorgt sein. Einzelne a
bleiben auch vor zwei consonanten gedehnt und ungekürzt: art bart schwarte spart wart (
fuistis) zart
und mit eingeschaltetem h: fahrt bejahrt wahrt.
Auslautendes sz
dauert in der conjunction dasz,
wird aber im pronomen das
und was,
wie sonst in es,
im neutr. aller adj. blindes gutes
und in der partikel aus
zu s,
mhd. behalten alle diese ʒ (daʒ eʒ blindeʒ ûʒ);
in was
pflegt a
gekürzt, in das
gedehnter zu lauten, in dasz
ist es entschieden kurz. denn der auslaut sz
liebt vor sich kurzes a: hasz lasz (
piger) nasz
und geht inlautend über in ss: erblassen gasse hassen lasses nasses wasser,
selbst in lasz (
sine)
und lassen (
sinere)
fügt diesem gebot sich die organische länge (
mhd. lâʒ lâʒen).
umgekehrt hält in asz aszen, frasz fraszen, vergasz vergaszen, masz maszen, sasz saszen
neben der dehnung auch der inlaut sz
stand.