werfen,
vb. ,
jacĕre. formen und verbreitung. got. waírpan;
an. verpa,
schwed. värpa,
dän. værpe;
afries. werpa;
ae. weorpan,
ne. warp;
as.-anfränk. werpan (
daraus —
nach Meyer-Lübke
roman. etym. wb. 796
aus einer fränk. form *werpjan —
afrz. guerpir,
nfrz. déguerpir),
mndl.-mnd. werpen, warpen,
ndl. werpen;
ahd. werpan (
mittel- und rheinfränk., vgl.: ar-worpanan
Isidor 29, 6
H.), werpfan, werphan, werfan (
z. b. wirpfit
Tatian 133, 11
S.; wirphit
ebda 76, 1; wirf
ebda 93, 3);
die in Tatian noch seltene, bei Otfrid
schon überwiegende form werfan
wird früh die gemeinhd. form (
s. Franck
afränk. gramm. [1909] 103
f.; Braune-Mitzka
ahd. gramm. [
81955] 124
ff.);
mhd. werfen
und [] im mfränk.-ripuar. werpen (
mfränk. ist p
noch im 14.
und 15.
jh. unverschoben, s. V. Moser
frühnhd. gramm. 1, 3 [1951] 128). —
mundartlich findet sich werfen
über das gesamte dt. sprachgebiet verbreitet, wenn auch stellenweise durch schmeiszen
zurückgedrängt (
s. Mensing
schlesw.-holst. 5, 528; Schambach
Göttingen 287; Schmoeckel-Blesken
Soester börde 331; Hentrich
Eichsfeld 51; Lenz
Handschuhsheim 77; Albrecht
Leipzig 236; Birlinger
schwäb.-augsburg. 430);
der stammvokal ist weithin —
besonders im nd. —
zu a
gesenkt (
vgl.warpen Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 541 [
neben werpen];
brem.-nieders. 5, 198; Böning
Oldenburg 129; Damköhler
Harz 222; wrfən Hofmann
niederhess. 262; wárffen Schmeller
maa. Bayerns 45
neben wèərffe~ 47; warfə
neben wërfe
n, wærfə Martin-Lienhart
elsäss. 2, 848; barfen, bjaffen Schröer
darst. d. dt. maa. d. ungr. bergl. 183
u. 233),
unter dem einflusz des anlauts zu ö
gerundet (
vgl.wörfen Laven
ged. i. Trier. ma. 287; wÖrffə Werner
Schaffhausen 63
u. 111; Enderlin
Oberthurgau 60; Vetsch
Appenzell 100
u. 103 [
neben wεrffə, wεəffə]; börfen [
neben berfan] Schmeller
cimbr. 172
f.)
oder durch einwirkung der folgenden r-
verbindung diphthongiert (
vgl. wi
erp
en Bauer-Collitz
Waldeck 113; Martin
ma. v. Rhoden 284; wi
ärfn Kisch
vgl. wb. 246; wiərfən Follmann
lothr. 538; we
arf
e Heinzerling-Reuter
Siegerl. 320; Crecelius
oberhess. 905; w
r f'n Castelli
ma. i. Österr. 265; wèərffe~ Schmeller
maa. Bayerns 47; wərfe
n [
neben wërfe
n] Fischer
schwäb. 6, 699; wεəffə Vetsch
Appenzell 103
f.). —
wie bei anderen starken verben, die im präsens e-/i-
wechsel zeigen, hat sich die form der 1.
pers. sg. vokalisch an die form des plurals oder konjunktivs angeglichen, zufrühest im md.: werf ich (1275/6) Brun v. Schonebeck 5794
Fischer; werffe ich (1534) Luther
dt. bibel 9, 1, 377
W.; ich werff Alberus
dict. (1540) b 1
a;
im 16./17.
jh. bereits von einigen grammatikern als einzig gültige form genannt: ich werffe /
iacio, du wirffst (1578) Clajus
dt. gramm. 99
Weidling; ich werffe / du wirffst / er wirfft Schottel
teutsche sprachk. (1641) 469;
nur in obd. maa. heiszt es weiterhin (ich) wirf,
s. Fischer
schwäb. 6, 699; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 848; Hunziker
Aargau 294; Seiler
Basel 310; Schmeller-Frommann
bayer. 2, 996
und vgl. auch die angaben bei T. Nordström
d. ausbildg. d. nhd. st. präsensflexion (
diss. Upsala 1911). —
die ablautverschiedenheit zwischen singular und plural präteriti (
mhd. warf, wurfen)
sucht man früh —
zuerst im schwäb. gebiet —
zugunsten des singularvokals auszugleichen: warfen (
hs. d. 15.
jhs.)
städtechron. 4, 239 (
Augsburg) (
neben wurfen 238); warffen (
Ulm 1472) Arigo
decamerone 164
lit. ver.; (1521) Judas Nazarei 13, 11
Kück; (1531) H. Sachs 1, 217
lit. ver.; weitere nachweise —
auch über das zeitweilige auftreten von u-
formen im singular —
bei E. Strömberg
d. ausgleichung d. ablauts i. st. prät. [
diss. Göteborg 1907]
und E. Alm
d. ausgleich d. ablauts i. st. prät. [
diss. Upsala 1936]).
im konjunktiv präteriti hingegen wird würfe(n) —
wegen deren lautähnlichkeit mit dem präsensstamm —
nur vereinzelt durch ä-
formen ersetzt: wAerfen Bellin
rechtschreib. (1657) 32
f.; wAerfe Amaranthes
frauenz. lex. (1715) 1076; wAerf Dusch
verm. w. (1754) 398; wärfst Schiller 11, 222
G.; s. auch H. Paul
dt. gramm. 2 (1917) 220.
herkunft und verwendung. das gemeingermanische verb werpan
hat die grundbedeutung '
mit drehend geschwungenem arme schleudern'
und gehört zu einer basis er-b
von der grundwurzel er- '
drehen, biegen' (
s. Walde-Pokorny
vgl. wb. 1 [1930] 275; Hellquist
svensk et. ordb. [
31948] 1398).
aus der ursprünglichen bedeutung '
drehen, biegen',
die noch in an. aldri orpinn '
vor alter gebeugt', verpask '
sich krümmen, zusammenschrumpfen',
nhd. sich werfen '
krumm werden' (
bes. vom holz, s. u. A 1 d),
ne. warp '(
sich)
verziehen, krümmen'
deutlich ist, hat sich also —
ebenso wie bei engl. throw —
die allgemeine anwendung im sinne von '
schleudern'
entwickelt, wobei das besondere augenmerk [] dem (
in bestimmter richtung)
bewegten oder veränderten objekt (
s. u.A),
dem —
durch wurfähnliche bewegung —
hervorgebrachten (B)
oder dem —
durch einen geschleuderten gegenstand —
getroffenen (C)
zugewandt werden kann. wie ahd. werfet weppi
ahd. gl. 1, 607, 28—34
St.-S. (
in 10
hss. a. d. 10.—13.
jh.);
an. verpa vef Cleasby-Vigfusson 698;
me. warpe a webbe
n. e. d. 10, 2, 112;
mnd. werpen, warpen '
die kette des gewebes machen' Lübben-Walther
hdwb. 576
sowie lit. verpiù, vepti '
spinnen'
und wohl auch lat. urbs '
durch geflochtenen zaun geschützte siedlung' (
s. Walde-Hofmann
lat. etym. wb. 2 [
31954] 756)
erkennen lassen, ist das verb früh auch zur bezeichnung des flechtens und webens, des '
schwingenden fadenführens'
geworden (
s. H.-
F. Rosenfeld
webstuhl u. schermethode i. d. germ. bronze- u. eisenzeit, in: forschungen u. fortschritte 28 [1954] 12
f. sowie wort- u. sachstudien =
veröff. d. inst. f. dt. spr. u. lit. 9 [1958]
bes. 9
ff., 17
ff.; und vgl. warf '
aufzug, kette eines gewebes'
teil 13, 214
f.);
doch ist dieser altertümliche gebrauch für das dt. nicht mehr von belang und nur noch vereinzelt nachweisbar (
vgl. liciare werffen
voc. rer. [15.
jh., md.] Diefenbach
gloss. 327
c),
so wie ja auch ent-werfen
nicht mehr im ursprünglichen sinne von '
die fäden (
kette)
abnehmen und glattziehen (»
entkrümmen«),
ordnen' (
s. Rosenfeld
wort- u. sachstudien 52
ff. u. 58)
üblich ist. werfen
ist seit beginn der literarischen überlieferung die geläufige entsprechung von lat. iacere, mittere;
wie diese oft mit verschiedenartiger bestimmung der bewegungsrichtung oder des zieles gebraucht (
s. u. und vgl. die zahlreichen verbindungen mit unfestem und festem präfix). AA.
mit schwung (
d. h. durch wurf oder wurfartig)
bewegen, schleudern. A@11)
in mannigfacher anwendung, wobei die bewegungsrichtung unausgedrückt bleibt. A@1@aa)
objektbezogen. A@1@a@aα)
mit sachobjekten der verschiedensten art: mitte hamum uuirf thinan angul
Tatian 93, 3
Sievers; des enkund' im gevolgen niemen, sô michel was sîn kraft, sô si den stein wurfen oder schuzzen den scaft
Nibelungenlied 130, 4
Bartsch-de Boor; die jünckfrawen mOegen am reien singen mit einander on man, die ballen werffen, meister lieder in erberkeit singen Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 110
ndr.; (
es soll) insonderheit darob gehalten werden, dasz sie (
die arbeiter beim salzladen) mit solchem salz fleiszig und gewahrsam umgehen und dasselbe nicht werffen oder zerstoszen, daraus alsdann verrOehren und schaden folgt (1616)
bei Lori
bair. bergr. (1764) 487; und wendend deine hand von uns, wirff nu dein fewer und geusz die höffen ausz! Weckherlin
ged. 1, 418
Fischer; wer wird künftig deinen kleinen lehren speere werfen und die götter ehren Schiller 11, 8
G.; das hat sie (
die ewige weberin) nicht zusammen gebettelt, sie hat's von ewigkeit angezettelt; damit der ewige meistermann getrost den einschlag werfen kann Göthe I 3, 92
W.; ich werfe das buch und lasse eine andere ... strophe sich aufblättern Kürnberger
herzenssachen (1877) 136; Liborius warf die netze und zog sie wieder ein E. Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 115; die landleute, die mit schwingendem arm die saat werfen
qu. a. d. j. 1933;
als besonders geläufige verbindungen finden sich das los (die stäbe, würfel) werfen
meist als bildliche wendung '
eine entscheidung herbeiführen' (
über das loswerfen in alter zeit vgl. die ausführungen von H. Wesche
d. ahd. wortschatz i. gebiete d. zaubers u. d. weissagung [1940] 79): tho rietun thie ginoza,si uuurfin iro loza Otfrid IV 28, 9
Kelle; hie wart ein los geworffen uf zwen; der eine was Joseph, der ander was Mathias Tauler
pred. 90, 2
Vetter; vnd
[] sol das los werffen vber zween bOeck, ein los dem herrn, vnd das ander dem ledigen bock
3. Mos. 16, 8; bey annahender abend-dAemmerung wurffen wir das loosz, welche aus uns in das dorff gehen solten Ettner v. Eiteritz
med. maulaffe (1719) 124; die würfel wurden über das politische und geistige leben der nation zugleich geworfen (
im 30
jährig. krieg) Ranke
s. w. (1867) 25, XIX; Swanahild, die greise drude, ritzte runen, zauberzeichen, warf die stäb' und raunte sprüche, gram und siechthum zu verscheuchen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 23; bomben, granaten, minen
u. dgl. werfen: wir gebrauchen jetzunder das eysen nicht allein von nahen, sonder auch von allerley behende gwehr, die man wirfft oder scheusst Ph. Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 8; die reyhen bleiben auf einen schritt geOefnet, damit die granaten gehOerig gezndet geworfen und das gewehr ... gebraucht werden kOenne H. v. Fleming
teutscher soldat (1726) 227; doch macht diese nähe itzo schon, dasz wir mehr blessirte bekommen, indem der feind häuffig granaten und steine wirft Lessing 18, 427
L.-M. (
ebda 441: bomben und steine); wenn ich ein paar racketen hätte, so würf ich sie, ihnen (
anrede) einen guten abend zu sagen (28. 1. 1781) Göthe IV 5, 42
W.; die parallele ist gerathen, grenadiers, nun werft granaten Ditfurth
volksl. d. preusz. heeres (1869) 46; 'Amphion' (
d. englische kreuzer) selbst ist auf eine von der 'königin Luise' geworfene mine gelaufen und gesunken
kr. depeschen v. 9. 8. 1914; anker werfen: wurffen die ancker vor jhren augen Stumpf
Schweizer chron. (1606) 281
a; wir segelten mit gutem winde gestern nachmittag von Hartwich ab und kamen heute früh vor eilf uhr in Helvoet an, wo wir anker warfen, aber vor zwei uhr nicht landen konnten J. G. Forster
s. schr. (1843) 7, 83; entsinnen sie (
anrede) sich wohl noch eines armen kleinen menschen, der vor einigen monaten an einem etwas stürmischen tage ... mit dem schiffchen seines lebens in Dreszden einlief und anker warf in diesem lieben örtchen (18. 7. 1801) H. v. Kleist
w. 5, 232
E. Schmidt; ich will versuchen, noch einmal in der heimat anker zu werfen Gutzkow
ritter (1850) 3, 95;
sowie den kopf (nacken)
oder die arme (beine, mähne) werfen: und (
die rosse) kAeun das gebis und werfen den nacken und dampfen und schAeumen Dusch
verm. w. (1754)
widmungsgedicht; es sind vortreffliche pferde und stampfen und werfen die vollen mähnen Klinger
w. (1809) 1, 28; nicht allein Wolfs wuchs, Wolfs gang: auch seine stimme. so, vollkommen so, warf Wolf sogar den kopf Lessing 3, 67
L.-M.; als sie im zwischenakt das köpfchen warf und dabei die brillanten ... läuteten Fontane
ges. w. (1905) I 5, 71; Diederich ... gab es auf zu blitzen und warf nur die arme H. Mann
untertan (1949) 113; die leute warfen die beine, dass die stiefelspitzen über die nasenspitzen hinauszuschwingen schienen
V. Klemperer
l. t. i. (1949) 24.
hinzu kommt eine stattliche reihe sonder- und fachsprachlicher wendungen; speise werfen '
ausspeien, erbrechen, von sich geben': der hunt eine gewonheit hat, daz her das geworfen az wider nutzt durch sinen vraz (
vor 1312) Heinrich v. Hesler
apokalypse 22 977
Helm; der geleich ist dem hunt der das azz wirffet vnd ez dann hin wider ein slichket Schulze
bibl. sprichw. (1860) 71; da mustens trincken alle drey: hub sich ein grosse speierey. Esopus spey nur wasser klar, die andern wurffen alle gar die feigen Waldis
Esopus 1, 8
Kurz; [] federn
oder gehörn werfen '
abstoszen': sô der habich sein alt federn wirft, sô strekt er sein plôz flügel gegen suden, dar umb, daz ... im die neuen federn dester leihter wahsen Konrad v. Megenberg
buch der natur 170, 1
Pfeiffer; wenn sie (
die hirsche) ir hörner habent geworfen und in jungen hörner her wider wahsent ... si werfent iriu hörner in den wazzern
ebda 130, 10/19; die hyrtzen haben ein gehürn, das sye alleyn vnder allen ... thyereren alle jar werffen Eppendorff
Plinius (1543) 66; die jagdbahren hirsche ... mssen in diesem monat das gehOern werffen H. v. Fleming
teutscher jäger (1719) 366; des frh-jahres, wenn das laub ausschlAeget und der hirsch sein gehOern geworfen und wieder aufsetzet
Noel Chomel, öcon. lex. (1750) 8, 603; gut (güter) werfen '
ladung in seenot über bord stoszen' (
vgl. mnd. werpe-gût Lübben-W.
hdwb. 576): so wor en schip dor not ghyt unde werpet dat ghut, dat in deme schepe is, unde dat selve schip schal mede gelden marc marke like (1299)
seerecht v. Lübeck, art. 24,
bei J.
M. Pardessus
collection de lois maritimes (1834) 3, 410; da ein schiff in noth gerieth, so, dasz der schiffer begehrete, dasz man gut werffen solte, so soll er dennoch nicht werffen ehe und bevor er sich mit denen im schiffe verhandenen kauff-leuten beredet Schottel
de singularibus ... iuribus et observatis (1671) 412; da ein schiff ... von sturmwinden dergestalt berfallen wrde, dasz man gter zu werfen genOethiget wAere Hellfeld
repertorium reale practicum juris privati 3 (1760) 1764; korn werfen '
umstechen, (
gegen den wind)
schaufelnd reinigen' (
vgl.worfeln): und sol denne erst anfahen dasselb getroschen korn ze werfen und ze bern untz zenacht (1376)
d. rote buch d. stadt Ulm 205
Mollwo; item 2
m., das selbe korn zu werfen
Marienburger tresslerb. (1399
bis 1409) 552
Joachim; zettel werfen '
schmähschriften verbreiten': zedel werffen, scholder nemmen — die schelmen solt man billich schwemmen Murner
narrenbeschwör. 62
ndr.; eine wand werfen '
abtreiben' (
im bergbau): ein stein, er sey grosz oder klein, wird beym bergwercken eine wand genennet ... gewinnet man so ein stcke losz, so heist es: eine wand geworffen oder abgetrieben Herttwig
berg-buch (1734) 411; ritz ist ein schram, so man ins gestein hauet, daran man stck und keile setzen kan, verschrAemte wAende damit losz zu gewinnen; wenn nun auf solche masse eine wand weggebracht wird, heist man es geworffen
ebda 325; '
bey den bildenden künstlern wird werfen
von der anordnung der falten und umrisse eines gewandes gebraucht: ein mahler wirft seine gewänder gut, wenn er sie natürlich anordnet. ein wohl geworfenes gewand' Adelung
wb. 4 (1801) 1501; es wurden masken notwendig und lange, grosz geworfene gewänder O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 147;
auch von schön geworfenen ('
geformten') ästen
spricht man vereinzelt: so find ich an einem sonst schlechten baum eine einzelne parthie, ein paar schön geworfene aeste, ... die ... meinen werken wahrheit und schönheit giebt Gessner
schr. (1777) 2, 176;
sowie von glücklich geworfenen verhältnissen: diesseit verdanken wir Julius II. die vollendung der cancelleria mit ihrem cortile, das in reinen, glücklich geworfenen verhältnissen ausgeführt ist, dem schönsten gehöfte der welt Ranke
s. w. (1867) 37, 309.
im kaufmannsdeutsch des 19./20.
jhs. begegnen dann auch wendungen wie die preise
oder aktien werfen '
herabdrücken, fallen machen' (
s. Schirmer
wb. d. kaufmannsspr. 210
f.): hindernisse ... die den preis mit gewalt werfen Schiebe
corresp. i. überseeischen geschäften (1845) 96; können sie (
anrede) sich erklären, warum unsere aktien in den letzten tagen an der börse fortgesetzt geworfen worden sind? H. v. Zobeltitz in:
daheim 31, 305
a.
mit werfen
ist gewöhnlich die vorstellung eines persönlichen handlungsträgers verbunden, doch wird es nicht selten auch von tierischen bewegungen gebraucht (
vgl. obgenannte wendungen wie die mähne werfen, das gehörn werfen)
sowie von naturvorgängen, [] die als bewegungen eines handelnden gefaszt werden: wann sy (
eine grün-schwarz-gefärbte wolke) wrfft grosz stain, entzündt auch die heüser Reynmann
wetterbüchl. (1510) 6; grawsame vngewitter sind ... gewesen ...; einsmals hats steine, so grosz als hnereyer, geworffen, die ... mit einem starcken regen sind gefallen Binhardus
thüring. chron. (1613) 147; so bald aber ein wetter sich ereignet, ... es ... leichte tropffen zu werffen anfAengt Abraham a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 2, 75; wirfft der nord viel schnee
Königsb. dichterkreis 61
ndr.; als er (
der Vesuv) zu tönen und asche und steine zu werfen anfing Göthe III 1, 333
W.; es hat viel schnee geworfen '
viel geschneit' Kehrein
Nassau 1, 443;
gelegentlich auch vom weltbewegenden walten des schicksals: zuerst musz ich zum überhohen ruhm des menschlichen verstandes sagen, dasz immer weniger er, wenn ich so sagen darf, als ein blindes schicksal, was die dinge warf und lenkte, an dieser allgemeinen weltveränderung würkte Herder 5, 530
S. A@1@a@bβ)
mit persönlichem objekt. A@1@a@b@aaαα) jemanden werfen '
zu boden schleudern, niederkämpfen': da wart manig huon geworfen von rittern und von knappen Ulrich v. Türheim
Rennewart 30 972
Hübner; sie (
Rulant u. Reynhardt) sahen, das jrer keyner den andern werffen mocht
hertzog Aymont (1535) v 2
a; zu dem heiligen kampf kam Milon, der ringer, ... einmal lieg' ich, wohlauf! werfe mich einer! E.
M. Arndt
w. (1892) 6, 90
R.-M.; den sommer lang im wald gelegen hatten sie mit mut; fleisch gab die jagd; und zog des wegs ein mann, so ritten sie ihn unbekümmert an und warfen ihn Paul Ernst
kaiserbuch (1923) 2, 2, 365; er gab sich grosze mühe, einem burschen zu gleichen, der seine gegner ... geworfen hat (
beim ringen) P. Dörfler
um d. kommende geschlecht (1932) 340.
metaphorisch, vom wirken alkoholischer getränke: beinahe hätt' es mich vor ihm geworfen Sperl
söhne d. hr. Budiwoj (1927) 118; gestern had's mi' endli' g'worfen (
d. h. gezwungen, das bett zu hüten) Hügel
Wien 188.
beliebt ist im neueren dt. die wendung sich nicht werfen (
unterkriegen) lassen: Pariset ist ein ziemlich wohlbeleibter, kräftiger, jovialer mann, der wohlgeeignet war, von reisen und vielfältigen anstrengungen nicht so leicht sich werfen zu lassen C. G. Carus
Paris u. d. Rheingegenden (1836) 1, 231; Lucinde liesz sich (
im wortstreit) nicht werfen ... zornig, wie sie war, entgegnete sie: ... Gutzkow
zauberer (1858) 7, 287; Brill aber liesz sich nicht werfen: er setzte den hut auf, schlug die arme ein und blickte fragend in die versammlung hinein Ruge
briefw. (1886) 2, 38; aber die kleine Ernestine liesz sich nicht so leicht werfen. ein plan, der sich einmal in diesem köpfchen festgesetzt hatte, wurde auch zu ende geführt Polenz
Büttnerb. (1895) 247.
als sprichwort findet sich: was das glück in die hOehe hebt, das wil es werffen
schöne weise klugreden (1548) 143
b; was das glck hebt, das will es werfen Körte
sprichw. (1837) 162;
in freierer anwendung: habs doch nit sagen dOerffen, wie hart mich glück thet werffen Hock
blumenfeld 18
ndr. A@1@a@b@bbββ) eine gegnerische schar werfen '
zur flucht, niederlage bringen' (
vgl. nieder-, zurückwerfen): die reuterey warf die feindliche A. H. v. Bülow
feldzug v. 1800 (1801) 29; wir sind die gröszre zahl und werfen sie Schiller 12, 314
G.; nachdem russische uhlanen Kellermanns reiter ungestüm geworfen, aber von den quarré's der französischen infanterie bei der verfolgung blutig zurückgewiesen
[] waren ... Häusser
dt. gesch. (1854) 2, 687;
meist passivisch: nun, wo hinaus? mich durch die flucht zu retten, wir werden wiederum geworfen werden (
we are like to have the overthrow again)
Shakespeare 7 (1801) 279; die feinde dringen vor — unsere vorposten sind geworfen Iffland
theatr. w. (1827) 1, 112; ein dritter haufe ... ward auf dem Bildberg ... von churfürst Johann von Sachsen nach kurzem kampfe geworfen und zerstreut Ranke
s. w. (1867) 2, 155; die unerschütterliche ruhe der russischen infanterie hatte die ehre des tages gerettet, die cavallerie hingegen war mehrmals geworfen worden Moltke
russisch-türk. feldzug (
21877) 109; feindliche nachhuten wurden, wo sie sich stellten, angegriffen und geworfen
kr. depeschen v. 16. 8. 1915;
so auch in berichten des 2.
weltkriegs: der feind ist geworfen und geht zurück
okw.-ber. v. 18. 6. 1941. A@1@a@b@ggγγ)
als gelegenheitsanwendungen finden sich: es ist kein scham, noch zucht do by, wann sy die tOechtern werffent fry (
beim tanze) Murner
narrenbeschwör. 163
ndr.; mOecht mir ymant hie sagen: 'du hast bissher den bapst verworffen, willt nu auch bischoff unnd den geystlichen stand werffen, sols denn alles umkeret seyn?' Luther 10, 2, 141
W.; der junge mann lehnte sich bebend gegen den nahen pfeiler, von wildem, jubelndem weinen geworfen O. Ernst
Hermannsland (1921) 379. A@1@a@gγ)
in verschiedenen wendungen der jägersprache. A@1@a@g@aaαα) ein schaf
oder den wolf (fuchs) werfen (
vgl.β):
lupus rapit et dispergit oves ther uuolf slizzit inti uuirpfit scaf
Tatian 133, 11
Sievers; der wolff reisst oder wirfft das thier Döbel
jägerpract. (1754) 1, 36; alle hunde aber werffen (packen) den wolff nicht
ebda 2, 128; denn, ehe die windspiele den fuchs werfen Heppe
lehrprinz (1751) 14. A@1@a@g@bbββ) einen habicht
oder falken werfen; 'werffen
heisset bey der falcknerey den vogel von der hand auf den raub fliegen lassen ...' (
compend. u. nutzb. haushaltungslex. [1728] 1028): der habisch jagt, komt zur hand, wird geworffen Harsdörffer
gesprächsp. 3 (1643) 117; ross' tummeln, hunde ziehn und falken werfen! woher soll da die reife einsicht kommen? Eichendorff
s. w. (1864) 4, 525. A@1@bb)
mit ersparung des objekts (
vgl. die entsprechenden anwendungen unter a): her Gâwein der teilte sâ die sarjande underz her, iegelîchen mit sîner wer: ûf sehs helfande zwei hundert sarjande. die wurfen unde schuzzen daz die zäher vluzzen bluotic durch daz îsengwant Wirnt v. Gravenberc
Wigalois 10830
Kapteyn; swer hohe wirfet (
mit hohem einsatz den würfel wirft), der sol heiles wúnschen und walten Neidhart 12, 32
Wiessner (
hs. C); swa er deheinen vogel sach, swenne er beizzen wolte, da niemen werfen solte, da warf er sinen habch hin: daz waz der hebche ungewin
kl. mhd. erz. 198, 12. 13
Rosenhagen (
falsche u. rechte milte); weller ain stain uf hebt und nit würft, daz ist XXVI crüz., würft er un trift nit, daz ist V ℔ (1427)
österr. weistümer 4, 345; da man asz, da thet im not zuo werffen vnd zuo spüwen Pauli
schimpf u. ernst 279
Ö.; wer offt wirfft, der trift einmal Lehman
floril. polit. (1662) 2, 778; wird er (
der hirsch) aber durch einen schusz daselbst verletzet, so wird er gantz ausser der zeit werffen (
das geweih) Göchhausen
notabilia (1732) 19; die von diesen vulkanen ausgeworfenen massen mssen, wenn die werfende kraft der kraft unserer feuer speyenden berge auch nur gleich ist, sich zu einer grossen hOehe erheben
[] Fr. Th. Schubert
verm. schr. (1823) 2, 8; die akustik ist ein wurf des zufalls. die gröszten architekten haben blind geworfen Gutzkow
ges. w. (1872) 5, 180; als er in Prag ... die partitur des don Giovanni niederschrieb, nahm er nicht selten dabei am kegelschieben theil ... und setzte sich wieder zum schreiben, nachdem er geworfen hatte O. Jahn
Mozart (1856) 3, 244; eine bombe! er wirft! ... er hatte schon geworfen H. Mann
untertan (1949) 380.
in der älteren jägersprache begegnet die wendung den falken zu werfen geben (
s. auch unter gewöll
teil 4, 1, 4, 6725): man gibt jhnen (
den falken) zu zeit gegen abend zu werffen, das ist auff grob teutsch ein gewell J. H. Meichszner
hausbuochlin (1567) 23
a (
ähnlich: Sebiz
feldbau [1579] 570); man bericht sie (
die falken), dasz sie zahm gemacht, man gibt jhnen zu werffen, man Aetzt sie auf dem luder Harsdörffer
gesprächsp. 3 (1643) 116. A@1@cc)
das bewegte objekt ist —
in instrumentaler konstruktion —
durch mit
angeschlossen (
vgl.A 2 d): die haidnischen buben luffent üns nach und wurffend mit stainen (1486)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 161; vnd als die vnseren zuo den schiffen die flucht gaben, eilten jn die Lestrigones nach mit grossen mechtigen stainen vngestmigklich werffend, das die schiff von dem werffen zerbrachen Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 41
b; so soll der schAefer ... nicht wie etliche pflegen, mit steynen oder stecken werffen
M. Sebiz
feldbau (1579) 139; wirfft einer mit rusz, so wirfft der ander mit koth Lehman
floril. polit. (1662) 1, 87; sie warfen da mit würfeln E.
M. Arndt
w. (1892) 6, 150
R.-M. A@1@dd)
rückbezüglich: wirffe dich vnd lig do (
proicies te et ibi iacebis)
erste dt. bibel 4, 432
lit. ver.; er winselt, er klaget, er warf sich gar sehr, bisz dasz er vor ohnmacht vermochte nicht mehr
Reinicke fuchs (1650) 76; er friszt die völker, seine beängstiger, zehrt ihre pfeil-durchbohrten knochen aus und wirft sich dann und streckt sich wie ein löwe Herder 12, 162
S.; ... worüber die besudelte natur erschrocken beben und in fieberschauern sich werfen würde Schiller 5, 1, 9
G.; man vergleiche einen alten Mercur ... mit einem modernen ... der moderne wird sich werfen wie ein trunkener läufer Justi
Winckelmann (1866) 1, 380; (
Paul Längnick) warf sich stöhnend, und sein gesicht war verzerrt Clara Viebig
die vor den toren (1949) 243.
oft für sachveränderungen gebraucht: es ist viel daran gelegen, dasz die instrumenta sehr massiv seyn, damit sie sich nicht leicht werfen und verändern Leibniz
dt. schr. 2, 156
G.; so soll er auch ein gemAeszigtes haupt und schwartzbraune lAenglichte gelokte hare gehabt haben, welche sich sowol geworffen, als wAeren sie mit fleisz aufgekrollt H. C. Arend
d. gedechtnisz d. ehren ... Albrecht Dürers (1728) § 5; eine einzige tafel hat sich im brennen geworfen (5. 12. 1796) Göthe IV 11, 271
W.; die grünen wälle hatten sich geworfen und zeigten jene unbestimmte form mit stumpfen ecken, welligen contouren, versackten scharten, mangelnden banketts, wie wir gewöhnlich sie im frieden sehen A. v. Winterfeld
spazierritt n. Jütland (1858) 35; werfen, sich,
sagt man bei formveränderungen der metalle durch ungleiche zusammenziehung beim erkalten nach dem gusz oder beim härten des stahls sowie der hölzer beim austrocknen, der buchdeckel, welche nicht genügend lange in der presse geblieben sind und sich beim trocknen krümmen u. a. m. Bucher
kunstgewerbe (1884) 438
a; sich werfen (
von bleiplatten)
se gondoler, to buckle Blaschke
wb. 139; die haut warf sich wie unter den schaudern eines fiebers P. Dörfler
abenteuer d. Peter Farde (1929) 322;
besonders vom krummwerden des holzes: ob wol die böden mit dem wetter sich werffen, nach der seit eingehen vnd das holtz sich zusamen treiben lassen
[] möchte (1616) Kepler
opera 5, 575
Frisch; da holz ... von der wärme unmerklich ausgedehnt wird, so machte Graham zuerst die pendel-stange aus tannen-holz, welches aber, da es sich bey feuchter luft wirft oder krümmt, mit einem guten firniss gegen die feuchtigkeit geschützt werden muss Fr. Th. Schubert
verm. schr. (1823) 4, 313; trat die winterkälte stärker ein, fror die nässe im holz, so warf sich die verschalung O. Ludwig
ges. schr. (1891) 1, 357; und (
ich habe) mich über die schlechte arbeit des tischlers geärgert, dessen schubladen sich noch immer werfen, das herausziehn schwer machen und die schnecken gefährden (27. 4. 1890) G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 508; alle türen klafften, sie hatten sich geworfen Clara Viebig
d. schlaf. heer (1904) 2, 267; die wände (
in dem ehemaligen stadtarrest) schwitzen vor feuchtigkeit. der schwamm sitzt zwischen den ritzen. alles holz wirft sich Werfel
Bernadette (1948) 12;
so auch mundartlich weit verbreitet, s. Schambach
Göttingen 287; Bauer-Collitz
Waldeck 113; Martin
Waldeck 284; Fischer
schwäb. 6, 699; Hunziker
Aargau 294; Schmeller
bayer. 2, 996; Castelli
ma. in Österr. 265; Jakob
Wien 218; Kisch
vergl. wb. 246. A@22)
mit verschiedenartiger bestimmung der bewegungsrichtung oder des zieles. A@2@aa)
objektbezogen. A@2@a@aα)
besonders auf mannigfache sachobjekte bezogen, die in bestimmter richtung bewegt (
αα)
oder verändert werden (
ββ). A@2@a@a@aaαα)
iactantes vestimenta sua supra pullum uurfun iro giuuati ubar then folon
Tatian 116, 2
Sievers; ther uuerfe, zelluh iu ein in sia then eriston stein (
primus in illam lapidem mittat) Otfrid III 17, 40
Kelle; warf ich den bal in des hant von Riuwental an der strâze Neidhart 29, 23
Wiessner; wann ein ding was Claudas zorn, das eyner syner manne fuer hett geworffen an die statt, und waren alle die schönen húser verbrant
Lancelot 1, 9
Kluge; mitten in dem prunne ein köstlich figur ... von grossen künsten gemacht, die das wasser auf in die lüfte warffen Arigo
decamerone 164
lit. ver.; ich habe den knttel unter die hund geworffen, und am geschrey merck ich, welchen ich troffen habe Luther 26, 304
W.; (
Dares) schlug mit den armen auff vnd nider vnd warff sie in die lfft gar hoch, darnach sie wider an sich zoch Spreng
Äneis (1610) 92
b; wenn ... der officier commandiret: halt! rechts schwenket euch! müssen alle 3. glieder die kOepfe und augen nach der linken hand werffen
reglement vor die kgl. preusz. cavallerieregimenter (1743) 3, 47; ich ... sasz unfern von der stelle, wo das kästchen stand, in dessen einschnitt man die unfrankierten briefe zu werfen pflegt Göthe I 33, 11
W.; er steht auf und wirft das gewehr über die schulter Gerh. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 17; er selber hatte eine schaufel erde auf den sarg geworfen Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 53.
aus der groszen zahl der geläufigen verbindungen seien die charakteristischsten hervorgehoben; etwas ins feuer, wasser, auf die erde (den boden) werfen
u. dgl.: si homo iaceat sementem in terram oba man uuirphit samon in erda
Tatian 76, 1
Sievers; waz er in der hant hæte? er sprach 'eine gerte'. er chod 'wirf si an die erde, sihe zwiv si werde'
exodus 128, 28
Diemer; ... dem winholtze; daz ist ussewendig swartz und dúrre und gar snOede, und wer es nút erkennete, den enduchte es niergent zuo guot danne in das fúr zuo werffende und zuo verbúrnende Tauler
pred. 31, 13
Vetter; darumb welcher bawm nicht gute frucht bringet, wird abgehawen vnd ins fewr geworffen
Matth. 3, 10; ein rothes goldringelein. er warfs in fliessig wasser Herder 25, 147
S.; [] und warf zornig seine pfeife an den boden, dasz sie zerbrach Immermann
w. 2, 92
Hempel; man soll ja oft des abends bei euch keinen apfel auf den boden werfen können, so voll ist's Hopfen
d. alte praktikant (
31891) 120; etwas aus der hand (von sich), zur seite, in die ecke (den papierkorb), an die wand, über bord, zum alten eisen werfen: Lancelot ... wart ser unfro und warff syn schwert usz der hant
Lancelot 1, 453
Kluge; vnd ob dich betrúb dein zesems aug: brich es aus vnd wirffs von dir
erste dt. bibel 1, 19
lit. ver.; gott acht die konige, wie ein kartenspiel die kinder achten. weil sie spielen, haben sie sie in iren henden, darnach werffens in ein winckel Luther
tischr. 2, 222
W.; mahler, wann der pensel alt, werffen ihn zur seite Logau
sinnged. 566
lit. ver.; kinder werfen den ball an die wand und fangen ihn wieder Schiller 11, 168
G.; werft allen plunder über bord, singt ein verständlich deutsches wort! Hoffmann v. Fallersleben
ges. w. (1890) 1, 47; der jeden bettelbrief unbeantwortet in den papierkorb wirft
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 316; was freut dich in der musik? der geist eines gewissen faden optimismus, den du, wäre er in einem buche eingeschlossen, empört oder ärgerlich belustigt in die ecke werfen würdest Th. Mann
ges. w. (1955) 1, 523; Ricke Längnick hatte ihren spion wieder hervorgeholt. sie hatte ihn schon zum alten eisen geworfen gehabt Clara Viebig
die vor den toren (1949) 181; etwas wertvolles vor die hunde (säue, schweine) werfen (
s. Borchardt-Wustmann-Schoppe
d. sprichwörtl. redensarten [
71954] 370
f.): wan ez wær niht tugentleich getân, der die hailichait für die hunt würfe und der daz edel gestain under der swein füez würfe: zwâr, daz wær unpilleich Konrad v. Megenberg
buch d. natur 380
Pfeiffer; denn wir sollen das heiligtum nicht den hunden geben, noch die perlen fur die sew werffen, spricht Christus (
vgl. Matth. 7, 6) Luther 30, 2, 624
W.; es ist ohnnötig die rosen vnd perlen für die säw werffen, dasz sie solche mit jhrem rissel herum scharren oder mit füszen tretten, thuts jhn noch wol die trebern Gerh. Dornaeus
schlüssel d. chymist. philosophy (1602) 107; ein in der schrift gelehrter mann, dem ich nicht kann der vorsicht kluges auge schärfen, der wird, obgleich aus treuem sinn, doch mehr zum schaden als gewinn, oft perlen für die hunde werfen
poesie d. Nieders. (1721) 4, 81
Weichmann; ich merke wohl, dass eine schöne disposition über deinen verstand geht. ich will meine perlen nicht vor die säue werffen Lessing 2, 187
L.-M.; die wurst nach der speckseite (dem schinken) werfen: swer waget, der gewinnet vil. wirf die wurst ann bachen, vil lihte wirt er krachen, daz in diu wurst erschellet und daz er nider vellet (14.
jh.)
neues gesamtabenteuer 1, 36
Niewöhner (
frau Metze 129); ein wurst nach dem backen werffen Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 68; dasz er durch solche schAetzabtrettung wie gleichsam die wurst nach den backen werffe
bei Grimmelshausen
Simplicissimus (1713) 1, 629; ein ganz klein wenig warf die brave frau auch die wurst nach der speckseite Polenz
Grabenh. (1898) 1, 256; etwas in die waagschale werfen: das ganze gewicht, das ihm die würde eines erzcanzlers in Germanien gab, warf er in die wagschale für könig Carl Ranke
s. w. (1867) 1, 254; bis dahin war ich bereit, der opposition nach bedürfnisz blackmail zu zahlen, um zunächst unsre volle kraft und in der diplomatie den schein dieser einigen kraft ... in die wagschale werfen zu können Bismarck
ged. u. er. 2, 76
volksausg.; ... zögerte Kriebow keinen augenblick, sein votum für Grützinger in die wagschale zu werfen Polenz
Grabenh. (1898) 1, 46; ein wort (einige
[] bemerkungen
oder gedanken) ins gespräch, aufs papier, gegen einen gesprächspartner w erfen: hievon er ernstlichen warf sin rede an den guten man
passional 83, 34
Köpke, dar zu werf ich desen spruch: din ruch ist balsama ungemenget Brun v. Schonebeck
hohes lied 5794
Fischer; niemant sol, noch mag kain irrung, noch dehain artikel darinn (
in die richterliche entscheidung) werfen noch sprechen, daz es nit recht sîe (1427?)
österr. weistümer 4, 358; jrgent ein gut frum man ..., der etliche sprche von der aposteln jnger gefasset vnd also auffs papir geworffen hat Luther
bibel 7, 387
W. (
vorr. auff die episteln s. Jacobi vnd Jude); da nun fürters die officir nicht gebühliche (!) abstellung thun, persönlich mit den knechten oder selbst miteinander rauffen, ... gegen einander schmähliche wort werffen, ... diesen verbrecher solle (
regiments)schultheyss uff der that in hafft zubringen verschaffen (1626)
bei Frauenholz
entwicklungsgesch. d. dt. heerw. 3, 1, 246; ward demnach bey mir schlszig, diese meine gedancken auf das papier zu werffen
d. wohlgeplagte priester (1695) 5; mit rascher hand warf sie auf ein zierliches blatt die worte: ... Gutzkow
ritter (1850) 3, 30; und warf langsame bemerkungen allgemein poetischer art in das laute und muntere gespräch Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 36; '... pfui teufel!' warf der erhitzte Heingeiger in die verhaltene pause O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 308.
früh finden sich auch wendungen wie die augen
oder blicke auf etwas (jem.) werfen '
schnell auf einen bestimmten gegenstand einstellen, darauf (
davon)
richten oder wenden': swie bœse er ist der mich gesiht, ... sîn unwert tuot er mir schî
n. er wirfet d'ougen abe mir Hartmann v. Aue
armer Heinrich 417
Gierach; Clara dy vil susse, gar zartleiche grusse und mynnikliche plicke warff dy vil schone dicke an iren lieben ameis Heinrich v. Neustadt
Apollonius 3526
Singer; die künigin ... gancz in liebe in in enczündet vnd ir augen vnd gesichte auf in warffe Arigo
decamerone 127
lit. ver.; weyl der kOenig auss Franckreych noch stets ein aug auff das hertzogthumb Meyland geworffen Stumpf
Schweizer chron. (1606) 269
a; jedermann wurfe augen und ohren dahin, wo dieser schall herkame A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 565; ach, wirf einen blick der barmherzigkeit auf mich elenden!
slg. v. schauspielen (1764) 1, 50; jetzt also ist es zeit, einen blick auf Deutschland und das übrige Europa zu werfen Schiller 8, 94
G.; sie werfen darauf in guten augenblicken doch hin und wieder einen blick oder ein auge (11. 10. 1833) Pückler
briefw. (1873) 3, 171; '... wie sollten wir da nicht vor allem auf die grosse zeit, die wir selbst miterleben durften, einen stolzen und dankbaren rückblick werfen.' Diederich warf ihn H. Mann
untertan (1949) 482;
sowie gedanken, hasz, hoffnung, liebe, ungnade, verlangen, vertrauen, zorn auf jemanden (etwas) werfen: der alde Peter, an den wir nu han geworfen unser gir
passional 295, 26
Köpke; iedoch schol niemant sein hoffenung ganz dar auf werfen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 466, 21
Pfeiffer; auss welchem anzeigen die amme vermercket, das sie all jr hertze vnd gedancken auff den ritter geworffen het Warbeck
schöne Magelone 19
Bolte; weil das itzige jahrhundert ... zuletzt seinen appetit ganz auf die fabeln geworfen Leibniz
dt. schr. 2, 407
G.; der könig Wilhelm, sagte mein oncle Toby, wobey er sich an Yorik wendete, warf eine solche ungnade auf den graf Solms, dass er ihn einige monate lang nicht vor sich kommen
[] lassen wollte Bode
Tristram Schandi (1774) 5, 102; mit vergnügen habe ich bemerckt, dasz durchl. der herzog, der sie (
anrede) nur wenig gesehen, sie auch aus der groszen menge unterschieden und ein besonderes vertrauen auf sie geworfen (25. 11. 1790) Göthe IV 9, 236
W.; Heinse's jugendschriften, ... in denen hasz und verachtung auf alle geworfen wird, die sich der unwiderstehlichen triebe der jugend und natur schämten Gervinus
dt. dichtg. (1853) 5, 5; er hatte bemerkt, wie sie bei jedem ungemach ihren ingrimm auf ihn warfen und ihn irgendwie zum schuldigen machten P. Dörfler
abenteuer d. Peter Farde (1929) 69;
als bezeichnung einer schnellen bewegungsart steht werfen
im gegensatz zu verben wie bringen, geben, legen, schieben
und wird nicht selten statt dieser als intensiverer ausdruck gewählt: bi thiu uuurfun siu in inan sarthiu selbun antuurti thar (
schoben die antwort auf ihn, überlieszen es ihm zu antworten) Otfrid III 20, 101
Kelle; det er (
teufel), sos er io duat,uuarf iz harto in sinaz muat (
flüsterte es Judas ein)
ebda IV 11, 3; mit des gewaldes prise warf (
drängte) in din gerechtekeit do zu maniger arbeit
passional 2, 7
Köpke; alleyne den lestermeulern hab ich wollen weren, die den ehlichen stand szo weyt unter den iungfer stand werffen Luther 10, 2, 302
W.; wenn du darzu noch wirffst (
gibst) ein pflug, so wolt wirs gleich sein lassen gnug H. Sachs 9, 64
lit. ver.; entsatzt im closter vnd darvor alle alten vnd erbaren jrer Aempter vnd warff die auf junge vnd leychtfertige leüt Stumpf
Schweizer chron. (1606) 364
b; alle zweigliedrige ... wOerter seind allezeit fallende und werfen den tohn und wort-fal auf das ehrste wortglied (
hier sind die wörter als agens, als träger der tonverschiebung gefaszt) Zesen
verm. helikon (1656) 1, 25;
ähnlich noch im neueren dt.: wenn mich die noth in meiner brust will drücken, so werff ich sie auf meines gottes rücken J. G. Neukirch
anfangsgründe (1724) 56; was wrde man wol von einem mahler sagen, der sich damit begngte, khne striche und klumpen von lebhafter farbe auf die leinewand zu werfen Ramler
einleitg. (1758) 1, 213; hierüber warf sie die nase in die höhe Bode
Thomas Jones (1786) 4, 58; 2 hefte Thalia, die ich zugleich ins publikum werfen will (22. 10. 1788) Schiller
br. 2, 135
Jonas; einen guten bissen, den man mir auf den teller warf Göthe I 45, 25
W.; ... um desto leichter läszt sich verdacht auf ihn werfen Schleiermacher
s. w. (1834) II 4, 18; indem die seehandlung ... die verluste vermieden hat, denen der staat unfehlbar ausgesetzt gewesen wäre, wenn diese summe ohne dazwischenkunft eines solchen staatsinstituts an den geldmarkt hätte geworfen werden müssen Bismarck
pol. reden 1, 365
Kohl; eine schreckliche verbannung war auf sie geworfen Rosegger
nixnutzig volk (1907) 169; so fanden sie fehler um fehler an Moses Aschwanger und warfen alle schuld an seiner sonderstellung auf ihn, beileibe nicht auf sich selbst E. Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 281. A@2@a@a@bbββ) mit klüpfeln wurfen sie in tôt
livländ. reimchron. 10712
Pfeiffer; diz was der herren lêre. wunder sie dô stalten, appetgode sie valten, ir tempel wurfen sie darnider. sie mahten hôhe munster wider
erlösung 5939
Maurer; also wurden sie abgetriben an dem sturm und ward hertzog Fridrich durch ain arm geschoszen, und vil leut wurden wund und hart geschoszen und geworfen (1466)
städtechron. 5, 17 (
Augsburg); Vlenspiegel gab im ein .
β. pfenning vnd warff den karren vol erden von dem acker
Eulenspiegel 38
ndr.; [] wenn nun darkompt ein starcker wind, so wirfft er widerumb geschwind ir arbeit durcheinander hart Spreng
Ilias (1610) 62
a; einen todt
ò zu todt werffen
uccidere uno a sassate Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1329
b; zuletzt waren Mainz und Sachsen noch in einen bittern streit gerathen, welcher das collegium vollends auseinander warf Ranke
s. w. (1867) 1, 133; ein schiffer warf die netze frei Rückert
ges. poet. w. (1867) 3, 14;
besonders häufig in präpositionalen wendungen wie in einen (über einen, über den) haufen werfen: thaz uuarf er allaz sar in houf,thaz sie firmidin thar then kouf (
die wechsler und händler im tempel) Otfrid II 11, 15
Kelle; denn gott sind alle ding muoglich, und wyr nicht wissen, ob er vielleicht zum vorlaufft des jngsten tags, wilcher nicht ferne seyn will, wOelle durch den teuffel alle ordnung und oberkeyt zustOeren und die wellt ynn eynen wuosten hauffen werffen Luther 18, 361
W.; (
die stadt) haben sie gestürmet, die mawr vberhauffen geworffen Xylander
Polybius (1574) 17; gleichsam dieses die rechte helden-stkke eines christlichen soldaten wAeren, nemlich ... so viele herrliche lAender Oede und wst machen und schlieszlich alles ber einen hauffen werffen Rist
d. friedewünsch. Teutschl. (1647) 21; aber mein herz und ein inneres gefühl warfen auf einmal das mühsame gebäude von schlüssen übern haufen Lessing 2, 274
L.-M.; von der ... über den haufen geworfenen Wittenberger schule Ranke
s. w. (1867) 14, 178; der jähe überfall der wirklichkeit warf viel keckheit und viele gute vorsätze in ihm über den haufen O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 320; in falten, klumpen, trümmer, zu stücken, strängen werfen: dass er auch die ersten taffeln ... zu stuck geworffen Paracelsus
opera (1616) 2, 678; er hört mich gar nicht an und wirft verächtlich das ganze spiel in klumpen Lessing 3, 71
L.-M.; als er die ... königsstadt in trümmer warf Bürger
s. w. 174
a Bohtz; schaut her, die ihr am alten euch euer leben müde tragt, werft euer haubt in falten: ich hab's gewagt! Herwegh
ged. 1 (1841) 110; zu ganzen strängen werfen
bei der zubereitung des garns zum weben Heinzerling-Reuter
Siegerl. 320; in brand, flammen werfen: er (
Louis XI.) liesz stadt und schlosz in flammen werfen am 18. juli 1475 Laube
ges. schr. (1875) 4, 190; angriff auf den ... flughafen ..., wo die oellager und hafenanlagen in brand geworfen wurden
okw-ber. v. 11. 8. 1940. das hundert(ste) ins tausend(ste) werfen '
alles durcheinander bringen': denn der teuffel ist zornig und wirfft das hundert yns tausent und richt so mancherley gewirre an, das schier niemand weis, was er glewbt Luther 26, 173
W. (
vgl. ebda 18, 102); er würfft das hundert ins tausent
sermo sine capite, schöne weise klugreden (1548) 90
a; weltliche und göttliche sachen müssen nicht in einander gemenget und das hundertste ins tausende geworfen werden Chr. Starke
synopsis bibliothecae exegeticae in novum testamentum 2 (1735) 947
a; wenn es dem humoristen erlaubt ist, das hundertste in's tausendste durch einander zu werfen Göthe I 25, 1, 55
W.; das hundertste in's tausendste werfen
verwirrend gewäsch Körte
sprichw. (1837) 222. A@2@a@bβ)
nicht selten auch auf ein persönliches objekt bezogen, das wurfartig bewegt wird: uuirfo se fúre tiêr
bestiis subrogo Notker(
s gl.) 2, 541, 11
Piper; Lancelot ... sah wo ein ritter die jungfrau uff ein bette geworffen hett
Lancelot 1, 610
Kluge; (
Landolfo) von dem wint vnd mere her vnd dar geworffen (
ward) pisz an den lichten morgen Arigo
decamerone 76
lit. ver.; vnd als jhn der wind an das land warff, gienge der kOenig spatzieren
[] bey dem wasser, der schicket baldt, dass man besehe, was in dem schifflein wer
buch d. liebe (1587) 81
b; die erfahrung der unglücklichen, die hülf- und nahrungslos ... auf eine wüste insel geworfen wurden Herder 22, 31
S.; Aurelie ... warf den kleinen Felix in Wilhelms arme Göthe I 22, 214
W.; ich müszte durchaus selbst hingehen und ihnen mit unbeugsamem ernste androhen, dasz ich sie bei dauernder widerspenstigkeit samt und sonders auf die strasze werfen würde Ricarda Huch
triumphgasse (1902) 5; er wurde geschleift und in ein auto geworfen O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 444;
als geläufige wendungen finden sich jemand aus dem bett, sattel, schiff, wagen, haus, land
oder auch der bahn werfen
u. dgl.: si warf in (
Siegfried) ûz dem bettedâ bî ûf eine banc, daz im sîn houbet lûte an einem schamel erklanc
Nibelungenlied 668, 3
Bartsch-de Boor; des erschrack der wisz ritter nicht, er rant under sie all und stach den ersten durch den lip und warff yn dot uszer dem sattel
Lancelot 1, 164
Kluge (
ebda 362: er wurff yn von dem rosz); narren wirfft man bald ausz der wiegen
schöne weise klugreden (1548) 105
a; wollen sie (
anrede) also wohl den anfang ihres predigtamts damit machen, dasz sie eine Aeuszerst schwache kranke aus dem hause werfen? Nicolai
Seb. Nothanker (1776) 1, 46; ein schönes amt! nachdem wir dieses Böhmen, mit unserm blut, dem Sachsen abgefochten, will man zum dank uns aus dem lande werfen Schiller 12, 69
G.; von neuem aus der bahn seiner pläne geworfen E. Wiechert
hirtennovelle (1935) 31; zu boden, auf die erde, in den staub, über den (einen) haufen, über das seil (
s. teil 10, 1, 217
f.), über den tölpel (
s. teil 11, 1, 1, 663
ff.), unter sich, zum alten eisen werfen: (
der könig) begreiff Hestor mit den armen und warff yn under sich
Lancelot 1, 452
Kluge; wer ouch ainen in daz hor wirfet frevelich an offem markt oder slecht, der muoz zwen manot von der stat sin (1376)
d. rote buch d. st. Ulm 73
Mollwo; sy (
die Juden) wurffen Jhesum zo der erden und bonden yen (1492)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 273; herzog Friederich, kurfürst zu Sachsen ..., ein löblicher, weiser fürst, ist weidlich ubern tölpel geworfen und betrogen worden (1539)
bei Luther
tischr. 4, 392
W.; farcire centones vber das seyl werffen Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 104
a (
vgl. Luther
tischr. 3, 110
W.); deszhalben ... er sie so rauch anrennet ... dasz er ... jhn vnd sein pferd so grob vber den hauffen warff
Amadis 60
Keller; welche von jhnen verlacht, werffen sie (
die freier) letzlich noch vnter alt eisen
Venusgärtlein 34
ndr.; die reuterey von Karthago warf die rOemische ohne mh bern hauffen A. v. Haller
Fabius (1774) 47; so ward der gefeierte degen ... jetzt auch als offizier ohne umstände zum alten eisen geworfen Mommsen
röm. gesch. 2 (
61874) 240; der ganze stamm der lebenden ... ... wird vor seinen götzen, die ihn in staub und niedrigkeit geworfen, so oft sie lügen, immer weiter räuchern Stefan George
d. neue reich (1928) 38; in den kerker, ins gefängnis, in ketten, sklaverei, auf die folter
u. dgl. werfen: ... daz er wære geworfenin des charchæres molten
genesis 83, 20
Diemer; da det er yn (
Gawan) in ein kerker werffen, der aller vol natern was und slangen
Lancelot 1, 567
Kluge; kurtzumb und uns die warheit sag oder werft in nur an die wag (
die folter), da er die warheit sagen musz H. Sachs 12, 57
lit. ver.; es finden sich also nicht wenig, welche lieber sterben, als an die folter geworffen werden wollen Harsdörffer
teutsch secretar. (1656) 2, 709; werft sie in ketten J. A. Cramer
s. ged. (1781) 2, 71;
[] es (
das volk) wurde weggeführt und in sclaverei geworfen Börne
ges. schr. (1829) 1, 180; der letztere aber wegen seines betrüglichen vorgebens, zwar mit annahme mildernder umstände, für ein jahr ins gefängnis geworfen wurde G. Keller
ges. w. (1889) 2, 122; soll ich Caligula auch auf die folter werfen? Colerus
Tiberius (1927) 188; auf diese erde, in die welt, ins dasein werfen: darumb wyrfft er (
gott) unns so in dye wustung, das ist er wyrfft uns do hyn, das wyr verlassen seyn von allen creaturn (1523) Luther 11, 23
W.; da nam mich dar ohn hindernusz gott Jupiter bey einem fusz vnd warff mich von desz himmels saal hernider in das irdisch thal Spreng
Ilias (1610) 12
b; aus einem zustande, wo er (
der säugling) als pflanze am herzen seiner mutter hing, wird er auf die erde geworfen — das schwächste, hülfloseste geschöpf unter allen thieren Herder 5, 113
S.; von einer unbekannten macht der welt übergeben, tritt der mensch seine bahn an, nicht aus sich selbst hervorgebracht, ohne seinen willen in das leben geworfen Tieck
schr. (1828) 8, 12; aus den tiefen seines titanischen innern warf er (
Michelangelo) ein riesengeschlecht in seine zeit Justi
Winckelmann (1866) 2, 2, 85; ich sehe mich ins dasein geworfen, um bald wieder zermalmt zu werden Heim
weltansch. d. bibel (1920) 11; in begierde, krankheit, qual, ungnade, verdacht, zu tode werfen
u. dgl.: den einen wirfet er in den gelust, den anderen (in) huores achust daz er aller brinnet biz er daz wip gewinnet
genesis 17, 3
Diemer; das ist auch der ursachen eine, die mich bey den kOestlichen Christen, wilche ehe verthmen, denn sie erkennen, in verdacht des auffrurs geworffen Luther 18, 459
W.; warffen die von eim felsz zu tod H. Sachs 1, 217
lit. ver.; wo abt Othmarn mit etwas wichtiger schuld oder vrsach in vngnad geworffen, so hette ... Pipin ... so lang nit zugesAehen Stumpf
Schweizer chron. (1606) 357
b; wirf mich mit diesen armen in die zerstörende qual! Göthe I 17, 49
W.; es waren darunter von vettern und basen gar eine grosze, zwieträchtige tracht, die mir noch extra den text ablasen und dann mich warfen in bann und acht Stelzhamer
ausgew. dicht. (1884) 3, 287; du hast mich mit lieblosen worten an den boden und in schwere krankheit geworfen Laube
ges. schr. (1875) 2, 175. truppen in den kampf
oder an einen bestimmten einsatzort werfen: ist er also solches orts bey den Ruden eingelauffen vnd hat alsbald das volck mit chaloupen vnd bOeten ans land zuwerffen angefangen Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 55; ein ... admiral ... unternahm es, ... truppen und bedrfnisse in die stadt zu werfen Niebuhr
röm. gesch. (1811) 3, 710; Pescaire und Bourbon konnten nur eiligst schwache besatzungen ... nach Pavia werfen Laube
ges. schr. (1875) 3, 6; sie wurden geschlagen, trotzdem sie bereits abmarschierende teile wieder in den kampf warfen
kr. depeschen 30. 8. 1915; wenn aber der groszkönig erst wieder truppen in genügender anzahl an seine westgrenze werfen kann, dann werden ... die römischen generale es sich zweimal überlegen, ehe sie über den Euphrat vorgehen Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 351;
zuweilen auch jem. von der (über die) kanzel werfen '
in der predigt erwähnen',
insbes. '
als eheschlieszenden bekanntgeben' (
s. Hentrich
Eichsfeld 51): sie umb acht tag ehender als sonsten dorfften hochzeit halten, weil sie in 8 tagen dreymal nach einander über die cantzel geworffen werden konten Grimmelshausen 2, 572
Keller; dafr er (
der pfarrer) nicht unrecht gethan, wenn er sie hingegen hernach wiederum von der kantzel geworffen, will sagen ihnen eine gute
[] straff-predigt gehalten J. W. Valvasor
hertzogth. Crain (1689) 3, 2, 50; den sonntig wirft uns der pastor zum erstenmal von der kanzel! (
1. aufgebot) O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 391; alle in einen topf (eine brühe, klasse) werfen '
ohne rücksicht auf eigenart gleich behandeln': ich werffe kind und grauen kopf, arm und reich hier in einen topf
poesie d. Nieders. (1721) 6, 392
Weichmann; der grosze haufe ... wirfft alle in eine brühe (1727)
Leipziger Socrates (
wochenschrift),
in: zs. f. dt. wortf. 15, 222; ihn mit einem halbwahnwitzigen ritter von der traurigen gestalt in eine klasse zu werfen und zum haupthelden eines komischen romans zu formen Lenz
vertheidigung d. herrn W. (1776) 36; sie (
anrede) wollten sagen, wie tief es sie schmerzt, von Lucinden übel zu denken, Lucinden mit uns allen in eine classe zu werfen? Göthe I 24, 169
W. auch sonst wird werfen
nicht selten als intensiverer ausdruck anstelle von verben wie bringen, legen, treiben
gewählt: also rach got an im die kristenhait, das er von kaiserlicher wirde ward geworfen und gedech zu ainem versmachten fuessschamel Ulrich Füetrer
bayer. chron. 21, 23
Spiller; werffend wir vnser widerparthie in des richters vngunst Riederer
rhetoric (1493) a 8
b; und wurdend disse gericht an vier ort abgeteilt, damit man niemand mit weitem reisen in kosten werfen muoeszte J. v. Watt
chron. d. aebte 1, 79
Götzinger; daraus denn folget, das mich der furwitz dorthin treibet, uberdrus hieher jagt, wollust anderswo hin wirfft Luther 34, 1, 68
W.; in India ist den weibern bOesz wann die mAenner sterben, dann sie werffen die weiber mit ins grab Lehman
floril. polit. (1662) 3, 27; das fieber griff mich an und warff mich auf das bette Joh. Chr. Günther
ged. (1735) 693; diess gift zerrüttet die kräfte der seele und wirft sie ganz aus ihrer fassung Bode
Montaigne (1793) 3, 598; dies wirft ihn, wie ich erwartet habe, in eine menge unhaltbarer inconsequenzen (30. 7. 1809) Jac. Grimm
br. a. Benecke 5
Müller; Reinhard ... war durch eine reihe auszerordentlicher zufälle in das departement der auswärtigen angelegenheiten als chef de bureau geworfen worden J. Kerner
bilderbuch (1849) 93; sie warfen eine kolonie nach Brasilien Ranke
s. w. (1867) 8, 101; wirf mich, wohin du willst, nur wirf mich zu den meinen Rother
schl. sprichw. 397;
wobei der mensch oft ausdrücklich als spielball der verhältnisse, der leidenschaften oder schicksalswogen hingestellt wird: leidenschaften warfen mich hin [und] her (23. 10. 1782) Caroline 1, 5
Waitz; übrigens weisz ich kaum, wo mir der kopf steht, und bin leider diesmal, durch allerley umstände, wie ein ball zwischen Jena und Weimar hin und her geworfen worden (16. 7. 1798) Göthe IV 13, 213
W.; die dame (
eine emigrierte) hatte ihren gemahl nicht gefunden und war, in dem strudel des unheils mit fortgerissen und geängstigt, endlich über den Rhein geworfen worden
ebda I 33, 246; ich fuhr auf schwankem kahne, mit ungewissem sinn, im lebensozeane geworfen her und hin Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 471. A@2@bb)
ein dativobjekt (
eine '
zuwendgrösze')
kann hinzutreten (
α)
oder allein die bezugsrichtung angeben (
β). A@2@b@aα) hat nur die häwt vom fleisch gefressen und beyn, die ich im warff hinfür vom tisch hin zu der stubenthür H. Sachs 17, 367
lit. ver.; von vnglck fget sich ... dasz der windt herren Caynis sein hut in den graben warff
buch d. liebe (1587) 105
b; wer will mir dann mein astronomey gen boden werffen? Paracelsus
opera (1616) 2, 388; noch vorher aber ... spielte mir das schicksal etliche so fatale streiche, die mir ... beynahe allen meinen muth zu boden warf (!) Bräker
s. schr. (1789) 1, 178; aus eifersucht, weil er ihm die erste stelle im heer nicht gönnte, hatte Wilhelm
[] ihm steine auf den weg geworfen Ricarda Huch
d. grosze krieg (1920) 3, 319;
besonders häufig in wendungen wie jemandem etwas ins gesicht, an den hals, in die arme werfen
u. dgl.: die zwene ungetruwe man ... wurfen dem gotes knechte an den lib ir steine
passional 41, 16
Köpke; bald warff das schentlich, vppig wyb ein stuol dem fuormann in syn lyb Murner
dt. schr. 4, 15
Bebermeyer (
mülle 340); auch warff der hertzog dem feinde alsbald die commendirte musquetierer an der maure in den rcken Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 97; alter hudler, gehst du nicht, werff ich dir bald ins gesicht ohrfeigen ... Chr. Reuter
ehrl. frau Schlampampe 52
ndr.; und ware also dieses frauenzimmer noch so mit einem blauen auge davon kommen, sonst hAette er (
der beleidigte advokat) ihr unstrittig einen injurien-procesz an den hals geworffen Stranitzky
ollapatr. 162
Wiener ndr.; es sey liebe oder verführung, es sey glück oder unglück, das mich ihnen (
anrede) in die arme geworfen hat Lessing 2, 275
L.-M.; dann zu Benno rasch sich wendend, warf der süszeste und zärtlichste mund von der welt ... ihm ins ohr die worte ... Gutzkow
zauberer (1858) 7, 142; zweitausend mark hab' ich den leuten schon in den rachen geworfen H. Mann
untertan (1949) 198; es ist der einzige gegenstand, den die plünderung ... mir vor die füsze warf Langgässer
märk. Argonautenfahrt (1950) 407. A@2@b@bβ)
non est enim bonum sumere panem filiorum et mittere canibus nist guot zi nemenna thero ckindo brot inti zi uuerfenna huntun
Tatian 85, 4
Sievers; diu fruht, der si was bekomen; diu wart den hunden geworfen Ottokar v. Steiermark
österr. reimchron. 52293
Seemüller; so noch zuweilen in neuerer dichtung: wem das geschick das todesloos nun wirft, der sterbe hin! Bürger
s. w. 152
a Bohtz; wirf dein gold den musikanten, denn die fiedel macht das fest Heine
s. w. 2, 186
E.; o, er ist nicht schlimm, der alte (
Wodan); manchem schenkt er gute spende: einem schneider, hungerleider, warf er eine pferdelende Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 214. A@2@cc)
mit ersparung des objekts (
vgl.A 1 b): der milte lôn ist sô diu sât, diu wünneclîche wider gât dar nâch man si geworfen hât: wirf von dir milteclîche Walther v.
d. Vogelweide 17, 5. 6
Lachmann-Kraus; sie begunde fragen warumb das volck so sere zu dem thurn wurffen und schúszsen, als sie darumb nit enwust
Lancelot 1, 86
Kluge; man konte auch alle wege dennoch aus demselben thurm über den wall in die Newstadt werffen ... er hatte ihne in der Newstadt so viel schaden gethan, das sie vor ihme (
dem turm) keines orts konten sicher sein ... und dan warff er weidlich under sie, derhalb man auch mit aller macht ihne zufellen sich understundt (16.
jh.)
städtechron. 27, 52 (
Magdeburg); wenn man vnter die hunde wirfft, so schreiet gemeiniglich der, den man trifft Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) G 1
d; ligend zuckt er (
herr von Schlieben) ein messer, wirfft nach dem böszwicht, aber der wurff ging nit an Schweigger
reyszbeschr. (1619) 283; noch andere strampffeln (
vor zorn) mit den fszen und fechten mit den hAenden. ja einige werffen um sich und drcken die hAende feste zusammen Chr. Wolff
vern. ged. v. gott (1720) 2 n5; und wie mich dnckt, so ist es schon ein
[] verdienst, nach dem ziele zu werfen, wenn man gleich nicht trift Hippel
über d. ehe (1774) 218;
so auch gelegentlich im neueren dt.: von der nacht ... überrascht, versah's der kutscher und warf in einen graben Göthe I 25, 1, 207
W.; ein altes weib hatte mich tages zuvor in meinem schlupfwinkel entdeckt und allerley verfängliche worte von ins wasser werfen und dergleichen gesprochen E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 45
Gr.; sie hebt ein paar steinchen auf und beginnt nach Bernadette zu werfen Werfel
Bernadette (1948) 61. A@2@dd)
das objekt ist —
in instrumentaler konstruktion —
durch mit
angeschlossen (
vgl.A 1 c): er furt auch alleweg ein holcz in syner hant, da mit er zu vogeln warff und zu tiern
Lancelot 1, 92
Kluge; oder hett man zu in geschoszen oder geworfen mit stainen, als sie die laitern an den turn lainten (1466)
städtechron. 5, 36 (
Augsburg); wer einem andern was schencket, der wirfft mit einer bratwurst nach einer seiten speck Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) F 2
c; das nicht gebrAeuchlich, mit prgeln vnter die vOegel zuwerffen oder vor getroffenem accord viel von poengeldern zusagen vnd dadurch die leute abzuschrecken Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 662; doch da sie näher ihm kam, liesz sie die gottheit im haine, warf mit rosen nach ihm Klopstock
oden 1, 37
M.-P.; man warf mit eiern nach eiern, man stiesz mit eiern gegen eier, und wessen ei eingeknickt wurde, der hatte verloren Brentano
ges. schr. (1852) 5, 141; wahrscheinlich hatten sie mit steinen darnach (
nach dem wappen) geworfen oder mit pistolen hineingeschossen E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 13.
besonders häufig ist die wendung mit etwas um sich werfen: ich musz biszweilen auch lateynisch reden unnd mit halb welschen worten umb mich werffen (1558) Lindener
katzipori 63
lit. ver.; doch widerstrebt er wie ein eul, die, wann sie weisz kein hilff noch heil, wird vbereilt von vOeglen allen, thut sie nur auff den rucken fallen, kratzt sehr vnd wirfft vmb sich mit kot, bisz sie gestossen wird zu tod Fischart
s. dicht. 1, 21
Kurz (
nacht-rab 709); narren vnd zornige werffen mit dreck vmb sich Lehman
floril. polit. (1662) 2, 720; so wenig ich geneigt bin, mit dem namen Valentinianer, Socinianer und Arminianer um mich zu werfen Herder 1, 37
S.; hier wird sich der bube nicht mehr halten können, entzückt, begeistert, weinend wird er in die arm' ihr fallen, ihr beistimmen, mit 'himmlich' und mit 'göttlich' um sich werfen, wie mit straszendreck Grabbe
s. w. 1, 185
Bl.; wer keinen prügel hat, musz mit bratwürsten um sich werfen Binder
sprichwörterschatz (1873) 155; er konnte mit zitaten um sich werfen Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 24. A@2@ee)
rückbezüglicher gebrauch, ohne (
α)
und mit hinzufügung einer dativischen bezugsgrösze (
β). A@2@e@aα)
si monti huic dixeritis: tolle et iacta te in mare, fiet oba ir thesemo berge quedet: nim thih inti uuirph thih in then seo, so uuirdit iz
Tatian 121, 3
Sievers; mit dem erwachte der siech ritter ... und wundert yn sere was im (
dem knappen) syn mocht, so das er sich von dem bette warff, und wolt zu dem knappen gan
Lancelot 1, 355
Kluge; o Parmeno ich bin verdorben. was hab ich gethon. in welche not hab ich mich geworffen (
in quod me conieci malum)? Boltz
Terenz (1539) 113
b; springe du in den Rhein, werffe dich in das fewer Moscherosch
gesichte (1650) 2, 457; er warf sich schnell in eine dichte allee, die zu diesen gebAeuden fhrte Klinger
s. phil. romane 3, 105; bald wollt' ich mich in eine landtruppe werfen Göthe I 45, 145
W.; ich auch finde, man musz sich mit seinem ganzen gewicht, so schwer oder leicht es sein mag, in die waage der zeit werfen (20. 4. 1809)
[] H. v. Kleist
w. 5, 385
E. Schmidt; da warfen sich die einwohner des dorfes, an ihrer spitze der ingenieur Schröter, ein enkel des astronomen, voll muth mit ihren leibern auf die deichkappe Allmers
marschenbuch (
31900) 51; andernteils warfen sie sich immer von einer seite auf die andere Feuchtwanger
Simone (1950) 95.
als besonders geläufige verbindungen erscheinen sich auf den boden, auf das gesicht, die knie, in eine bestimmte stellung (haltung), in die brust werfen: richtig sagte ... ein vornehmer deutscher dummkopf, indem er sich dabey mächtig in die brust warf: ... Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, 38; endlich öffnete er seine ... lippen, warf sich in die stellung eines zermalmenden denkers, ... Klinger
w. (1809) 6, 299; sind einheimische, gebohrne Böhmen, ... unter allen die schlimmsten just, spreitzen sich, werfen sich in die brust, thun, als wenn sie zu fürnehm wären, mit dem bauer ein glas zu leeren Schiller 12, 15
G.; und der heerführer, der auf seinen füszen stehen sollte, sich wiederholt auf's angesicht wirft Göthe I 7, 158
W.; aus schmerz warf er sich zu boden Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 2, 329; in eine eben so trotzige ... haltung warfen sich nun die gegner Sickingens Ranke
s. w. (1867) 2, 79; bevor so eine handvoll einen einfachen schrei ausstöszt, wirft das sich vorher richtig in pose Fr. Wolf
zwei a. d. grenze (1948) 41; (
Rieke Längnick) warf sich auf die knie und raufte mit beiden händen das unkraut aus Clara Viebig
die vor den toren (1949) 108; sich auf ein bett, lager, einen stuhl, in einen sessel, an einen tisch werfen
u. dgl.: ein altes weib ..., so ... in jhrem vnterpeltz sich auff das beth geworffen hette Guarinonius
grewel (1610) 125; nun warfen sich die frohlockenden teufel an die tische und fielen über das zugerichtete mahl her Klinger
w. (1809) 3, 27; ach gott! verlasz mich nicht! wenn ich auf's stroh mich werfe, des leibes ohnmacht fühl', das zittern jeder nerve Schubart
s. ged. (1825) 1, 103; Felix ... warf sich ... sogleich auf eine der lagerstätten Göthe I 24, 66
W.; dann muszte sich Kleophea an ihr clavier — geworfen haben Raabe
hungerpastor (1864) 2, 160; Anatol hat sich noch mit überzieher und stock in ein fauteuil geworfen Schnitzler
Anatol (1901) 146; ich rannte aus dem raum und warf mich im spielzimmer in einen sessel, um frei herauslachen zu können Renn
adel (1947) 160; sich auf das pferd, in einen kahn
oder wagen werfen: allein, dieses wolte mir nicht in kopff, dass, da ich die gantze nacht gewachet und in furcht und sorgen zugebracht hatte, ich so ungeruhet mich auff das pferd werffen ... solte Ziegler
asiat. Banise (1689) 184; so bald sie in ihre wohnung zurück gekommen, hat sie sich mit Arabellen und ihrem mädchen in den wagen geworfen und die pferde mit verhängtem zügel davon eilen lassen Lessing 2, 343
L.-M.; sie brauchten nur schnell auf der Saale sich in einen kahn zu werfen, so kämen sie ihnen noch vor tagesanbruch ein gut stück voraus Eichendorff
s. w. (1864) 3, 393; ein sohn Israels, der sich mit einer anzahl offiziere in unsern omnibus geworfen hatte, genosz ... das glück, ein republikanischer Franzose ... zu sein Gutzkow
ges. w. (1872) 7, 486; wirf' dich auf's pferd und nach Upsala flieg' Grabbe
s. w. 1, 25
Bl.; der pfalzgraf ist zum lande hinaus, auf! werfen wir uns zu rosz und reiszen wir ihm die reben aus an seinem gepriesenen schlosz Greif
ged. 5221; sich in ein haus, land, eine festung
oder stadt werfen;
gewöhnlich von militärischen bewegungen: nahme Vologeses die gelegenheit in acht und warf sich mit seinen Hircanern in das bergschloss A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 67;
[] weil die mutter kurz vorher gestorben war; und sich der vater nach — meyn' ich — Gazza plötzlich werfen muszte, wohin das würmchen ihm nicht folgen konnte ... Lessing 3, 136
L.-M.; die emigrirten hatten sich in masse auch hierher (
in einen gasthof) geworfen und jeden winkel gefüllt Göthe I 33, 229
W.; ... dasz er sich, von der übermacht gedrängt, ins Brandenburgische werfen würde H. v. Kleist
w. 3, 174
E. Schmidt; der prinz ... warf sich mit einer schaar seiner reuter in den Tuilleriengarten Dahlmann
franz. rev. (1845) 226; einzig die römischen überläufer ... und der feldherr ... hatten sich in den tempel des heilgottes geworfen Mommsen
röm. gesch. 2 (
41865) 37; sich in die kleider, in gala, ins zeug werfen: die nacht, auch endlich die mitternacht, rckte herbey, da sich die behertzte prinzessin in gemeine soldatenkleider warff Ziegler
asiat. Banise (1689) 747; sie (
die studenten) warfen alle sich halbtaumelnd und verdrossen in ihren oberrock und eilten in den Hecht Zachariä
poet. schr. (1772) 1, 11; da sprang ich auf, warf mich in den neuen panzer, strich die ungelockten haare unter den helm Lessing 2, 357
L.-M.; der major ... dachte sich geschwind in die kleider zu werfen Göthe I 24, 278
W.; 'da hast au reacht, mädle,' murmelte die alte, liesz selbst das frühstück stehen und ging, um sich in ihren putz zu werfen Hauff
s. w. (1890) 1, 119; wirfst du dich nicht so in toilette, so in's zeug, dasz ich dich eher einen aristokraten nennen sollte? Gutzkow
ritter (1850) 3, 174; auch zaudre ich jetzt nicht mehr wie früher, ob ich sogleich hingehe (
im gebet zu gott) oder mich erst wieder putze und in gala werfe, sondern ich komme eben wie ein armer sünder L. Richter
lebenserinn. 720; dort hatte sich die mannschaft inzwischen wieder in ihre drillich-anzüge geworfen R. Stratz
dienst (1895) 21; nur wenn sie 'partie à l'église' machen, werfen sie sich in wichs
Liller kriegszeitg. (
sommerlese 1916) 3, 101; als sie (
die braut) sich für ihn (
den bräutigam) in staat warf G. v. le Fort
Magdeburg. hochzeit (1938) 193; sich an jemandes hals, brust, herz, in dessen arme, zu dessen füszen werfen: da aber die edel fraw Julia sahe Lellio ... in seinem frnemmen nit abkehren, von newem sich an seinen halsz wurff
buch d. liebe (1587) 120
c; mitlerweile die in dem Artabanus verliebte bei ihm schutz suchete und sich in seine arme werfend ihn bate, sie nach Tibur zu bringen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 296; wirf dich nur zu seinen fssen, eile nur die hand zu kssen B. Neukirch
ged. (1744) 77; sie warfen mit brust sich zu brüsten und herzten und kszten nach lüsten Göthe I 1, 202
W.; Margarita warf sich an sein herz, er hielt sie einen augenblick sanft und half ihr dann in den wagen Stifter
s. w. 2 (1908) 355; wie ein geschlagener könig den rest seiner truppen an sich zieht, um sich mit ihm in die arme der flucht zu werfen Th. Mann
ges. w. (1955) 1, 565; (
wenn die angst kommt,) faszt man in das haar des hundes ... oder man wirft sich in Christophs arme, wenn er da ist. so tief, als könnte man sich in sein herz werfen E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 397; sich an jemanden, an jemandes seite, unter jemandes gebot werfen '
zu ihm übertreten, sich ihm anschlieszen oder unterwerfen': unde sageten den von Erfforte die hulffe uff unde worffen sich an den lantgraven Joh. Rothe
düring. chron. 560
Liliencron; die gancz insell Cicilia sich von künig Karlo schluge vnd sich an künig Piero von Arogon wurffen dem gehorsam ze sein Arigo
decamerone 97
lit. ver.; ist es nit ein guot ding, dasz der mensch ... sich under das gebiet eines andren wirft? Zwingli
dt. schr. 1, 331
Sch.; denn dasz sie dadurch in neutralität erhalten, sich auf jene seite zu werfen ... verhindert ... Leibniz
dt. schr. 1, 168
G.; Hannover
[] hat leider den moment, da es sich eine höchst wichtige stellung zum deutschen gemeinwohl hätte geben können, nicht erkannt und, statt gesetzlichkeit überall zu fördern, sich blindlings auf die eine seite geworfen (29. 7. 1832) Dahlmann
a. Jac. u. Wilh. Grimm, in: briefw. 1, 25
Ippel; sich vor jemanden, zwischen streitende werfen: sol die heilig kirch bestanden syn mit abenturen, so das sie geschlagen sol werden oder affter gestoszen, darfur sol sich der ritter werffen als zu recht ein getrúw kint sol fur syn mutter und sol den slag enpfahen
Lancelot 1, 121
Kluge; der ist ein narr, der sich zwischen zwey degen wirfft Winckler
2000 gutte ged. (1685) D 8
b; ich warf mit dem zerrisznen mutterherzen mich zwischen die ergrimmten, friede rufend Schiller 14, 18
G.; dirn und Kreitlerin warfen sich schreiend dazwischen O.
M. Graf
unruhe um e. friedfertigen (1948) 330; sich auf einen gegner, eine beute werfen: der Tartarn gantzer schwarm, von so viel tausend kOepffen, warf sich auf ihn allein Besser
schr. (1732) 1, 36; bey Neustadt hab' der Piccolomini sich mit der reiterey auf sie (
die Schweden) geworfen, ein fürchterliches morden sey geschehn Schiller 12, 335
G.; sie (
die Gallier) warfen sich auf den feind mit breiten, schlecht gestählten ... schlachtschwerdtern Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 257; nachdem er noch die küsten von Sardinien geplündert, warf er sich auf Tunis, wo die Benihafs regierten und noch widerstand leisteten Ranke
s. w. (1867) 4, 9; auf den beneideten Floris hatten sich Konrad und Otto geworfen, erst mit wilden worten ..., dann mit blanken waffen W. Raabe
s. w. I 6, 184
Klemm; das individuum, welches eine beleidigung empfangen hat, ... wirft sich nicht auf den beleidiger, ... sondern eilt grollend zu seinem stamme Ratzel
völkerk. (1885) 2, 205; sich auf (in) einen gegenstand, ein arbeitsgebiet (fach), eine bestimmte tätigkeit werfen: dann wenn man sich diszer statt (
Carthago) nit meer besorgen dOerffte, mOechte sich Rom uff mszig geen und fllerey werffen Eppendorff
röm. historien bekürtzung (1536) 25
a; darumb sich propheten vnd apostel stetigs für vnd für auff jren beruff werffen vnd nichts lehren, denn was sie von Christo selber oder in gesichten von seinem geist bericht sein Joh. Mathesius
hist. v. Luthers leben (1576) 178
b; und du verdenkst es mir noch, dass ich mich dafür lieber in die theologie werfe? Lessing 18, 226
L.-M.; Tischbein, dem ich einmal Färbers brief über die alten steinarten in abschrifft schickte, hat sich mit einem ächten sinnlichen künstler sinn [!] auf diese gegenstände geworfen, hat sich alles bekannt gemacht (17. 11. 1786) Göthe IV 8, 59
W.; mir bleibt nun nichts übrig, als mich, so lang es gehen will, in das producieren zu werfen (30. 7. 1799) Schiller
br. 6, 61
Jonas; ich antwortete aber, dasz ich mich nicht entschlieszen könnte, mich in ein fach zu werfen, ohne es genau zu kennen (25. 11. 1800) H. v. Kleist
w. 5, 170
E. Schmidt; in der neuesten zeit hat sich die chemie ... auf die erforschung der bestandtheile der organischen naturkörper ... geworfen Stöckhardt
chem. feldpred. (1851) 1, 2; mit leidenschaft warf er sich dann auch auf die musik
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 258; 1556 machte ihm (
Otto Heinrich, pfalzgraf bei Rhein) der tod Friedrichs II. den platz auf dem kurfürstenstuhl frei, und sogleich warf er sich auf den bau des palastes, den jedermann kennt Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 27.
auch in reflexiver konstruktion wird werfen
keineswegs nur auf eine person als handlungsträger bezogen, sondern auch auf andere lebewesen von ähnlicher bewegungsart: der (
wolf) sich zuo hant auf das weybe würffe Arigo
decamerone 573
lit. ver.; so bald sie (
die röteln) ber das wasser kommen, werffen sie sich an rucken und stehen ab wie die stben
fischbüchlein (
ca. 1660) 156;
[] wie öfters hat mich schon dein überkühner muth, mit dem du dich ... durch thal und berg, durch flusz und graben schleuderst, wie sich ein vogel durch die lüfte wirft, ach! öfters mehr geängstigt als entzückt Göthe I 10, 274
W.; schaut, wie das mädchen funkelt, wie es glänzet! dem schwane gleich, der, in die brust geworfen, aus des krystallsees blauen fluten steigt! H. v. Kleist
w. 2, 287
E. Schmidt; beim niedersetzen scheint er (
buschrohrsänger) sich gleichsam in die büsche zu werfen Naumann
vögel (1822) 2, 711; wie ein krähenschwarm sich ungefüge, polternden fluges von feld zu feld wirft, so stieg das gespräch auf Stehr
heiligenhof (1926) 2, 40; aus den wellen warf sich ein fisch in die luft und stürzte klatschend zurück Sperl
d. söhne d. herrn Budiwoj (1927) 541;
sowie auf persönlich gedachte wesenheiten (
vgl. den ersten beleg dieser gruppe e);
beispiele freierer anwendung sind: wan sich di selbe gnade und der smac wirfit in den willin, so heizit ez ein minne, und wan sich di gnade und der smac wirfit in di redelichin craft, so heizit ez ein licht des glaubin
paradisus anime intelligentis 111, 4. 5
Strauch; eyn berg fast hoch, sehr lang und scharff sich hoch hin über das meer warff, so das die wallen hefftig streiten an disem berg zu beyden seiten Wickram
w. 8, 188
Bolte; die krummen schultern warffen sich vorwerts auf die brust Breitinger
crit. dichtk. (1740) 1, 68; wie aus des berges stillen quellen ein strom die urne langsam füllt, und jetzt mit königlichen wellen die hohen ufer überschwillt, es warfen steine, felsenlasten und wälder sich in seine bahn, er aber stürzt mit stolzen masten sich rauschend in den ozean Schiller 11, 25
G.; dasz sich ... die wolcken gegen das tyroler gebirg warfen Göthe III 1, 212
W.; er erschrak, als sich musikalische töne durch die luft von oben hernieder warfen Tieck
schr. (1828) 4, 278; dehnt sich die wiese nach mittag längs dem hügligen saum dieser bewaldeten höhn, bis querüber ein mächtiger damm sich wirft Mörike
ges. schr. (1905) 1, 208; wahrscheinlich hat die krankheit ursprünglich im unterleib gesessen und sich auf verschiedne puncte geworfen (7. 1. 1839) Jac. Grimm in:
briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 295
f. Ippel; der streit warf sich nun zugleich auf die frage über die berechtigungen des papstthums Ranke
s. w. (1867) 1, 282; indes die sturmwand sich gegen das östliche ufer warf und die wälder beugte E. Wiechert
d. einf. leben (1939) 192. A@2@e@bβ)
in wendungen wie sich jemandem an (um) den hals, in die arme, zu füszen werfen: sy sol sich mir von freüden an meinen halse werffen (
ella mi si gitterà ... al collo) Arigo
decamerone 157
lit. ver.; warum muszte sie sich endlich dem Agenor in die arme werfen? Joh. El. Schlegel
w. (1761) 3, 194; der glaube kommt in gestalt einer würdigen vestale, leidenschaftlich bewegt, und wirft sich der schwester trostlos an die brust Göthe I 41, 1, 42
W.; werfe dich ihr weder zu füszen noch um den hals Bettine
Brentanos frühlingskr. (1844) 78; von der akademie zu Stuttgart aus hatte er sich mit aller begeisterung eines jugendlichen ... gemüthes der revolution in die arme geworfen J. Kerner
bilderbuch (1849)
vorr. VI; die wahrheit ist keine hure, die sich denen an den hals wirft, welche ihrer nicht begehren Schopenhauer
s. w. 1, 18
Gr.; kennst du den mann, der einer hübschen frau gegenüber, die sich ihm an den kopf wirft, den spröden spielt?
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 94;
und sich jemandem in den weg werfen: auch dieses lächeln warf sich mir in den weg Klinger
w. (1809) 2, 82; Aurelie bemerkte kaum seine handlung, als sie ... sich ihm in den weg warf Göthe I 22, 92
W.; im anfange
[] kam er durch rauhes, wildes land, nebel und wolken warfen sich ihm in den weg, es stürmte immerfort Novalis
schr. 4, 23
Minor; es ist gewisz leicht, ein groszer mensch zu werden und zu bleiben, wenn sich uns sogleich grosze unglücksfälle in den weg werfen Tieck
schr. (1828) 7, 298; auf den rath Ruperts warf sich der könig dem zurückziehenden heere ... bei Newbury in den weg Ranke
s. w. 16 (1870) 164. BB. (
durch wurfähnliche bewegung)
etwas hervorbringen, entstehen lassen (
vgl.aufwerfen, entwerfen). B@11)
in verschiedenartigen anwendungen bezeugt, meist mit unpersönlichem vorgangsträger: Phariens lut ... hetten im dry wunden mit spiczen meszsern geworffen, dieff und grosz
Lancelot 1, 69
Kluge; dô sprach der klâre Fivianz, des kintheit noch niht granen (
barthaare) warf Ulrich v. Türheim
Willehalm 211, 11
Singer; Nicander ist so fet von stetem fasznacht halten, dasz man besorgen musz sein schmerwanst werffe spalten J. Grob
dicht. versuchgabe (1678) 60; naphthali ist eine schieszende terebinthe, die schöne wipfel wirft Herder 12, 137
S.; es ist artig, dasz ... dieses, ich möchte sagen sonnenweiszglühende metall kein oder doch nur ein unbeträchtliches zischen erregt, wenn es ins wasser fällt, und erst alsdann heftig zu zischen und blasen zu werfen anfängt, wenn es bald erkaltet ist Lichtenberg
verm. schr. (1800) 8, 181; Frankreich war seit vierzig jahren der krater Europa'
s. wenn der einmal aufhört feuer zu werfen, wenn der einmal aufhört zu rauchen, dann wehe den naturpfuschern, dann ist kein thron der welt auf eine nacht sicher Börne
ges. schr. (1829) 11, 151; ... bis Rom in trümmern lag und die gründe eines neuen lebens geworfen waren E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 2, 34; ein verdorrender baum werde noch eine weile geschont, er aber (
leutnant Katte) werfe schon wieder neue knospen der treue und unterthänigkeit Ranke
s. w. 27 (1874) 120; er (
der see) warf nicht eine einzige welle, und die throne um ihn ruhten tief und sonnenhell und einsam in seinem feuchten grün Stifter
s. w. 1 (1901) 155;
auch berfan klocken '
glocken gieszen' (werfan
im sinne des ital. gettar il bronzo) Schmeller
cimbr. wb. 172
f. am geläufigsten sind die wendungen licht (schein, strahlen), schatten werfen: also ist die vierung, doch ohne das drauffstehende brennende licht und den geworffenen schatten fertig A. Albertus
perspectiva (1623) 80; bemercket auch, wie unterschiedliche stralen die drey windliechter werffen Harsdörffer
gesprächsp. 2 (1657) 122; das kleinste haar wirft seinen schatten Göthe I 42, 2, 117
W.; sein angesicht wirft strahlen wie das sonnenlicht Pfeffel
poet. vers. (1802) 1, 200; die kerzen werfen matten schein, die weihrauchwolken ziehen, und tausend augen werden nasz bei Neukomms melodieen Freiligrath
ges. dicht. 3 (1877) 177; den waldring, dem wir entgegenfuhren, sahen wir bereift, aber er warf glänzende funken und stand, wie geglättete metallstellen, von dem lichten, ruhigen, matten grau des himmels ab Stifter
s. w. 2 (1908) 225; es fiel nichts herab als das milde, kühle, wie erstorbene licht, in dem die weiden ihre verkrümmten schatten warfen E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 141;
sowie falten werfen: wie er eine brust zuschneiden sollte, die keine falten wirft Joh. El. Schlegel
w. (1761) 5, 155; die einfachen falten des mantels sind mit groszem verstande geworfen Göthe I 49, 230
W.; vergeszt nur nicht dem schneider einzuschärfen, dasz er mir auf's genauste miszt, und dasz, so lieb sein kopf ihm ist, die hosen keine falten werfen!
ebda I 14, 106;
[] der anzug, den du auf dem bilde trägst, ist ganz prächtig: aber falten darf das leibchen nicht werfen, das ist nicht hübsch, es musz glatt anliegen (21. 2. 1843) L. Schücking
an L. v. Gall, in: br. 171
Muschler; vor meiner gelehrtheit hatte er tiefen respekt, sie umgab mich ... mit einem geheiligten faltenwurf, und ich warf natürlich die falten so, dasz die mancherlei löcher nicht gerade obenhin kamen H. Hesse
diesseits (1907) 53.
als besondere anwendungen finden sich augen, eine niete
u. dgl. werfen (
beim würfelspiel): nen sprack he du bist de man de den worpelen raden kan uil wol ik dy des worpes ghan werpestu der oghen mer den ik des mot ik vallen in dat strick (
vor 1375
verfaszt, in einem Lübecker druck von 1489
überliefert) meister Stephan
schachbuch 4958
Schlüter; es sol och niemand spilen noch walen (
kegeln) noch der maisten augen werfen noch nichtz tuon, das den pfenning verlieren mag (1427)
oberschwäb. stadtr. 1, 164
K. O. Müller; dz leben der menschen ist gleich als ob du mit würfflen spiltest: wenn das, das am meisten not wer zewerffen nit fellt so muosz das, das da vngefarlich geworffen ist, mit kunst gebessert werden Boltz
Terenz (1539) 103
b; schienen die sachen gar zu zweifelhaft zu seyn, so mussten die parteyen wrfeln; derjenige gewann den process, der die meisten augen warf Rabener
s. schr. (1777) 2, 47; Rom, wenn, gebläht von glück, du mit drei würfeln doch nicht neunzehn augen werfen wolltest! H. v. Kleist
w. 2, 445
E. Schmidt; während ... unser ganz zukünftig heil auf dem spiel steht, sind uns von der religion falsche würfel in die hand gelegt und werfen in unsrer hitz allemal eine niete Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 159; der aberglaube des glücklichen spielers, der sich vom schicksal privilegirt erachtet, jedesmal und überall die rechte nummer zu werfen Mommsen
röm. gesch. 2 (
61874) 368; ... und warf unter viel schelten dreimal eine eins
qu. a. d. j. 1931; einen bauch
oder haken werfen (
vom verlauf eines ganges im bergwerk): wenn er (
gott) sich das klfftlein lesset aufthun vnd den gang mechtig werden oder ein bauch werffen, da trOepffelt gold vnd silber in die genge Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 1
b; den bauch werffe vnd mAechtig nach bergarth fhre stets ein gwisz vnd frommes ertz Rinckhart
christl. r. 67
ndr.; dasz sie zum zeit-vertreib fuchs-lOecher kOennen machen, das scheint zwar angenehm, das spiel gefAellt euch auch, und der sonst edle gang wird mAechtig, wirfft den bauch Henrici
ged. (1727) 4, 246; wenn der gang sich auffthut und mAechtiger wird, so sagt man: der gang wirfft einen bauch Herttwig
bergbuch (1734) 44
a; absetzen des ganges ist, wenn der gang aus seiner stunde fAellet oder einen hacken wirfft (
d. h. die bisherige richtung verläszt)
ebda 2
b; jungtiere werfen '
gebären' (
von säugetieren); 'werfen
wird nur von den thieren gesagt, vermuthlich weil sie ihre jungen sehr leicht zur welt bringen und gleichsam nur von sich werfen oder fallen lassen. man macht aber doch einigen unterschied und sagt z. e. die hunde, die katzen, die fchse
u. dgl. werfen;
hingegen hat man von anderen arten der thiere besondere wOerter: die stute fllet
oder fohlet, die kuh kalbet, die sau ferkelt.
aber auch von diesen thieren braucht man das wort werfen,
wenn die absicht in der rede besonders auf ihre jungen gehet. z. e. die stute hat ein schOenes fllen geworfen, die sau hat acht ferkel geworfen' (Stosch
gleichbed. wörter 3, 235): der lewe tot geworfen wirt, swenne sine muter en gebirt (
um 1300) Heinrich v. Hesler
apokalypse 8391
Helm; do sie fande czwei iunge rechlein, die villeicht das wilt denselben tage geporn und geworffen het Arigo
decamerone 92
lit. ver.; von den stuten v schelchhengsten, auch von den fllen, so von jhnen geworffen werden
[] Mich. Herr
feldbau (1551) 184
b; der hase wil allezeit wieder dahin, wo er geworffen ist Winckler
2000 gutte ged. (1685) A 1
b; winterwölfe heissen die jungen wölfe, die eine wölfin wirft, wenn es schon auf den winter zugehet Heppe
lehrprinz (1751) 316; die füchsin rennt während der ranz- oder rollzeit und wirft oder wölft ihre jungen Brehm
tierl. 2, 175
P.-L.; wenn eine edle stute solch ein miszglücktes füllen wirft, so füttert man damit die grube P. Dörfler
abenteuer d. Peter Farde (1929) 285; die hündin wirft jungi (
von andern thieren wird dieser ausdruck kaum gebraucht) Hunziker
Aargau 294;
oft mit ersparung des objekts: denn auch die hinden, so auff dem felde werffen, verlassen die jungen, weil kein gras wechst
Jer. 14, 5; dann weil sie noch zu jung vnd das erste mal würfft, mag sie jre junge hündlin nicht so wohl nehren
M. Sebiz
feldbau (1579) 147; wann sie (
die kühe) aber geworffen haben, ist da keine milch bey ihnen, da musz man ihnen gekochten haber ... geben ..., so bekommen sie milch und kOennen die kAelber nehmen
M. Böhme
vieh-artzney (1682) 4; das wüste haus, wo in der mauer ritzen ein marder wirft und kauz und eule sitzen Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 298; vermuthlich war es die jahreszeit, in welcher sie warfen; einer löwin bekam dies sehr übel, denn sie warf in dem augenblick, wo ein matrose ihr mit einer keule auf den kopf schlug J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 394; die weibchen (
der see-elefanten) werfen auf dem ufer Schopenhauer
s. w. 2, 606
Gr.; ladet keine gäste auf das zicklein, ehe die ziege geworfen hat Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 120; der hund, d'katz hat g'worf Follmann
lothr. 538; werfen
vom dachse, marder, iltis, wiesel '
junge zur welt bringen' Knothe
Nordböhmen 540;
in freierer anwendung zuweilen auf andere wesenheiten bezogen: gleich vnd gleich geselt sich gern; ... der teuffel wirfft alweg ein gleichs Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 60; die pAepstin Johanna ... wie ein hauffen fAerlin von einer fruchtbaren morin, also sind alle pfaffen vnnd mOench, ja die gantz fleyschliche geystlichkeit von jhr geworffen Fischart
binenkorb (1588) 231
b; der teuffel hat ein gleiches geworffen, wann bOesz auff bOesz, ein nasz kind auff das ander stOest Lehman
floril. polit. (1662) 3, 48; rannen nicht viel der bäche, da sie, die erobrung raste? nicht mehr, da erfolg war, was erfolg seyn muszte, krieg, der beynah stets trächtig, schlacht dann und seuche dann warf? Klopstock
oden 2, 45
M.-P.; geworfen hat die erde, fürchterlich ihre brut! maler Müller
w. (1811) 2, 154; die löwin wirft nicht erst ein kaninchen, dann ein häschen, dann ein hündchen und endlich einen löwen. madame Goethe warf gleich ihren jungen leu Heine
s. w. 3, 360
E.; unsere 'Amazone', welche wunderhübsch ist, nahm sich daneben (
neben den drei linienschiffen) aus, wie wenn einer dieser kolosse über nacht ein junges geworfen hätte Moltke
ges. schr. (1892) 1, 199. B@22)
oft mit einer bestimmung der vorgangsrichtung: truck wol das beinlin (
die nase), füll die hant vnd würff ein spiegel an die wandt, dasz mans im gantzen hausz hOer platzen (1551) K. Scheit
Grobianus 246
ndr.; aber die todtenglocke warf ihre misstöne in diese wohllaute des lebens Jean Paul 7/10, 38
Hempel; der grosze entscheidungskampf ... warf seine wellen bis in das ferne Donaugebiet Mommsen
röm. gesch. 5 (
41894) 10; er sah die beiden frauen zusammensitzen, ein hübsches bild durch den kontrast, Malwinens frische und rosa hütchen eine heitere note in das krankenzimmer werfend Kahlenberg
Barchwitz (1902) 132;
besonders in den verbindungen hitze, licht, strahlen
u. dgl. von sich
oder auf etwas werfen: die sunne ... wurfet ir hitze uf dise fruht und machet sú túnne ie me und ie me Tauler
pred. 33, 6
Vetter; schneydt jhn (
den hohlspiegel) vorn ein wenig ab, so brent er starck ... so die radi der sunnen darein geworffen werden Dürer
messung (1538) C 5
a;
[] es schimmerten die waffen sein vnd warffen von sich einen schein Spreng
Ilias (1610) 306
b; es kompt nur der sonnen zu, ihre stralen auf koth zu werffen sonder beflekkt zu werden Winckler
2000 gutte ged. (1685) D 9
b; vom widerschein der abendröthe glänzte der himmel und würfe schwächere schimmer auf die schneegebirge, die sich aus der mitte der insel ... erhüben Stolberg
ges. w. (1820) 3, 161; wir müssen bei dieser gelegenheit des glücklichen gedankens erwähnen, wie man das lampenlicht, welches gewöhnlich einen gelben schein von sich wirft, farblos zu machen gesucht hat Göthe II 2, 250
W.; doch sind darum neue werke über die französische revolution keineswegs ohne nutzen; denn werfen sie auch kein neues licht auf altes dunkel, so werfen sie doch altes licht auf neues dunkel Börne
ges. schr. (1829) 7, 301; eine mäszige zahl von stichproben genügt, um uns davon zu überzeugen, dasz es auf die glasmaler ein falsches licht wirft, wenn man sie unter die kunstgewerbler setzt Dehio
gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 80; schatten auf etwas werfen: nun wil jch ... nemen den ... wrffel, ... mit sampt dem ... schatten, den er wrft in den nider gedruckten ... grund Dürer
messung (1538) P 2
a; seine ... thürme ... warfen bey untergehender sonne ihre schatten weit über das gegenseitige ... ufer Klinger
w. (1809) 4, 3; die gebildeten und höhern stände ... wissen sehr wohl, dasz mitglieder und religionslehrer derselben confession in glaubenspunkten von einander abweichen, die weit wichtiger sind als jene, durch welche beide parteien sich unterscheiden; daher erscheint ihnen die trennung wunderlich gestellt und ungereimt, und dies wirft einen sehr nachtheiligen schatten auf alles, was mit derselben zusammenhängt Schleiermacher
s. w. (1834) I 5, 52; man macht ein wesen, von dem man geliebt wird, nicht ungestraft unglücklich. es rächt sich, wirft einen schatten auf das ganze leben
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 292; die kerze warf seinen schatten riesengrosz an die wand der kammer E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 404; etwas auf das papier, die leinwand, an die wand werfen '
abbilden, projizieren': es wolte einer den teufel scheuszlich mahlen unnd an eine wandt werffen lassen
Z. Rivander
fest chronica (1591) 1, 70
b; dort wird also das länglichte farbenbild durch ein prisma an die wand in die höhe geworfen Göthe II 2, 85
W.; sollte ich sie hier öfter sehen können, so will ich suchen, mir ihre züge zu stehlen und in einer glücklichen stunde auf die leinwand zu werfen Stifter
s. w. 1 (1904) 43; ich wäre erbötig, dem manne noch mehrere (
zu erbauende häuser), die bis jetzt nur in meinem kopfe sind, auf schönes bristolpapier zu werfen
ebda 1, 68;
vereinzelt auch rückbezüglich: da stand einige schritte vor ihm ... eine menschliche gestalt, sich dunkel gegen das schillernde wasser des see's werfend Stifter
s. w. 3 (1911) 322. CC.
jemanden (
etwas)
durch einen geschleuderten gegenstand treffen (
vgl. bewerfen). C@11) jemanden (etwas) werfen: da greiff er (
Lancelot im wahnsinn) ein stein und wolt sie (
die frau von Maloant) werffen. da sprach die konigin das er sie nit enwurff!
Lancelot 1, 467
Kluge; unde wart her Cone von Falkenstein gar sere geworfen, daz ime sin antlitze mit sweisze unde blude ran, unde ein jungher von Runkeln, genant Heinrich, der wart da geworfen, daz he nit lange darnach lebete
Limburger chron. 50
Wyss; wann einem ettwas in ein aug springt, oder dasz einer in ein aug geschlagen oder geworffen wrdt Gäbelkover
artzneybuch (1596) 2, 89; (
man soll) das vich auch nit gröblich weder schlagen noch werfen, noch ... verwarlosen (17.
jh.)
österr. weistümer 4, 301; wer einen hund werfen will, findet bald einen prügel Schellhorn
sprichw. (1792) 2;
in neuerem sprachgebrauch zugunsten von 2
zurücktretend. C@22) jemanden mit etwas werfen (
vgl. den unter A 2 d
genannten typus nach jemandem mit etwas werfen):
[] spenis mih mit dinem wortun, wili mih dinu speru werpan
kl. ahd. sprachdenkm. 5
Steinmeyer (
Hildebrandslied 40); (
die kämpfer) wurffen sie (
ihre gegner) mit groszen steynen, das ir viel geqwetschet wart
Lancelot 1, 382
Kluge; der mensch sterbe des todes: alle die geselschafft werff in mit stainen ausswendig den herbergen
erste dt. bibel 4, 60
lit. ver.; es ist nit not dasz man die hund mit bratwürsten werff weil man guote bengel hat
schöne weise klugreden (1548) 38
b; begunten einander auch mit tellern und kannen zu werfen Schweinichen
denkw. 171
Ö.; dahero bel mit den herrn kirschen essen, dann sie essen die kirschen vnd werffen die andern mit den stielen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 414; ich, den hundert lotterbuben, die ich ehmals mit eignen hAenden aus dem staub erhob, jetzt als ich der stadt entfloh, beynah selbst mit staube warfen? Meissner
skizzen (1778) 1, 13; sie warfen sich mit schneeballen Brentano
ges. schr. (1852) 5, 344.
zuweilen wird nicht die bezeichnung des geworfenen, sondern des wurfinstruments durch mit
angeschlossen: item und an dem selbigen gebirge ist der berg, da David Goliat mit der schleuder warff (1496)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 335. C@33) jemanden mit etwas wach
oder zu tode werfen: das ist ein wunder, das vns nit das volck mit steynen zuo tod würfft Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 75
ndr.; wie herr Tristrant einen thurn strmet vnnd mit einem stein vom thurn schier zu todt geworffen ward
buch d. liebe (1587) 104
c; das jn mit steinen vnd mit kot die kinder wrffen gar zu todt? Fischart
s. dicht. 1, 215
Kurz (
St. Dominici leben 3296); sie banden ihn an dem stamm der eiche fest und warfen mit der gefallenen frucht des baumes ihn wach Gessner
schr. (1777) 1, 45. DD.
der gebrauch der nominalformen. D@11)
das partizip; über das part. prät. s. teil 4, 1, 4, 6749;
beim part. präs. ist besonders der attributive gebrauch vor der bezeichnung des bewegten objekts hervorzuheben: so mOegen auch die bschel durch werffende fewer angezndet werden Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) X 3
b; 'ich helfe ihm. ich lasse ihm nichts geschehen,' trotzte Angelina. .. mit werfenden armen stand sie vor der mutter E. Zahn
die da kommen u. gehen (1909) 289.
bei Herder
findet sich: bei allem simpeln und populären ist kein vers ohne sprung und wurf des dialogs, der in einem neuen gedichte gewisz erstaunen machte ... alle alte lieder sind meine zeugen! ... je älter, je volksmässiger, je lebendiger, desto kühner, desto werfender 5, 187
S. D@22)
der infinitiv. D@2@aa)
substantiviert; als verbalsubstantiv zu A
und B (
vgl.gewerfe
teil 4, 1, 3, 5630
f. sowie werfung): die jungfrauwe sah das die von der statt so kreffticlichen sturmten an jhenen thurn mit werffen und mit schieszen
Lancelot 1, 86
Kluge; unde di uf dem huise worfen daz vigentlicheste werfen, daz man i solde gesehen
Limburger chron. 50
Wyss; im spil vnnd werffen ward Mercurius angerfft Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 3
b; das warsagende loss ... geschicht mit werffen, gucken in die bcher vnd allerhand schrifften Nigrinus
von zäuberern (1592) 129; die stck hirschen wildt reinigen den leib von jrm werffen mit den seseli oder welschen steinbrech Guarinonius
grewel (1610) 121; wer ist so flink und rasch wie er im tanzen, werfen, springen Schubart
s. ged. (1825) 3, 78; was die ausdrücke der brunstperioden, des befruchtens und des werfens anbelangt, so musz die kuh stieren und dann kälbern Rosegger
schr. (1895) I 4, 290; lärchenholz ... ist sehr harzreich, wenig dem werfen und nicht dem wurmfrasz unterworfen Merck
warenlex. (
61919) 239; das (
streicheln) schien den kranken zu beruhigen, sein rastloses werfen hörte auf Clara Viebig
die vor den toren (1949) 245.
[] D@2@bb)
mit genitivischer bestimmung, des vorgangsträgers: von dem beständigen arbeiten und werfen des schiffs litt das tau- und takelwerk ungemein J. G. Forster
s. schr. (1843) 1, 385; die fruchtbarkeit gewisser autoren gleicht dem werfen der hündinnen (1. 2. 1845) Hebbel
tageb. 3, 9
Werner; ausecken, die lageänderung von holzteilen ... infolge des sogen. werfens des holzes Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 1, 591;
oder handlungszieles (
objekts): sie waren ... grosze liebhaber der symbolen ..., worunter bey kaufen, schankungen u.
s. w. das beruohmteste war das werfen eines reisig oder zweiges in den schoosz eines andern
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 301; von kindheit auf üben sie sich im ... werfen des wurfspiesses Vieth
leibesüb. (1793) 1, 2; die Aelteste und einfachste methode, das ausgedroschene korn von spreu und andern unreinigkeiten zu befreyen, war bekanntlich das werfen und sieben desselben, wovon auch jetzt noch fast durchgehends gebrauch gemacht wird Poppe
gesch. d. technologie (1807) 1, 200; einmal sollte sie als windmantel dienen und das werfen der samenbäume möglichst verhüten Schwappach
forstgesch. (1886) 1, 388; das fröhliche und doch gemessene werfen des kopfes Storm
s. w. (1898) 6, 225; eine strandung ... ist vorhanden, wenn das schiff ... zwar wieder flott wird, jedoch entweder ... nur unter anwendung ungewöhnlicher maszregeln wie kappen der masten, werfen oder löschung eines teiles der ladung ...
handelsgesetzbuch v. 1861, § 853. D@2@cc)
mit angabe der vorgangsrichtung oder des instruments: dar inn sie sich ǒch tAeglich bet, desz gelychen mit werfen usz der schlingen Steinhöwel
de claris mul. 134
Dr. (
ähnlich Carbach
Livius [1551] 379
a); dasselb must beschehen allein durch scheuchen und werfen mit stein
Teuerdank 48
G.; also dasz ich mich nicht wundere, waruM die alten ... Teutschen ... das werffen mit einem groszen steine in sonderbarem ansehen gehabt Chr. Weise
polit. redner (1677) 799; die wiege will uns selbst durch hin und wieder werffen das hertze zur gedult der künfftgen unruh schärffen Henrici
ged. (1727) 1, 192; was frommt ihm werfen in die speichen des schicksalswagens frech die faust E.
M. Arndt
w. (1892) 5, 155
R.-M.; das werfen mit der wurfschaufel kommt ... dort in betracht, wo kleine massen auf kleine weiten ... zu fördern sind Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 2, 544.