aufwerfen ,
in sublime projicere, nnl. opwerpen,
früher in häufigerem gebrauch. 11) augen, haupt, mund, nase, arme, hände aufwerfen,
aufthun, öfnen, emporstrecken: der von Abensperg warf die augen auf, nach herzog Christof was im gach. Uhland 433; der landgraf warf die augen auf. Schärtlin 35. Soltau 356; aufgeworfne augen.
unw. doct. 45. blicke aufwerfen gen himmel; der todt sich auf der par aufricht, und warf gar frisch auf sein gesicht. H. Sachs I, 70
b; wie herrlich ist der schein der edlen sonnen doch, noch wirft man das gesichte gar selten zu ihr auf. Opitz 1, 47; sie wurden halsstarrig und wurfen ein heubt auf.
Neh. 9, 17. seinen kopf wird er schütteln und in die faust lachen, dein spotten und das maul aufwerfen.
Sir. 12, 19; da rümpften sie die nasen, schüttelten den kopf und wurfen das maul auf. Luther 3, 314; ir solt auch wol das maul aufwerfen und sagen. 3, 352; er gehet und sihet über sie hin, als legen nichts anders denn strohälmer da im wege, wirft das maul gegen sie auf und spricht. 5, 51
a; was schadets, sie würfen iren phariseischen sewrüssel auch also auf wider die taufe. 6, 320
b; daher dann etliche, sobald sie etwas dergleichen, sonderlich teutsche gedichte lesen oder hören lesen, gleich das maul aufwerfen.
ganskönig vorr. 6
b; die lippen aufwerfen, er schmollt mit aufgeworfnen lippen; er warf hochmütig die nase auf; ruft getrost wider sie, werft die hand auf.
Es. 13, 2; ehe sollte die ganze stadt zu trümmern gehen und werfen alle die hände auf. Schweinichen 2, 101; und der es thun wolle, solle eine faust aufwerfen. 2, 281; mit aufgeworfen armen. H. Sachs II. 4, 113
a. III. 3, 6; da stund ein pfaw zierlichen ganz mit einem aufgeworfnen schwanz. I, 102
d. 22) handschuh, fahne, panier, hut aufwerfen. einige geben vor, wann der begehrte dem (
teuflischen) bock (
der ihn abholen will) nur ein strumpfband oder handschuch aufwürfe, begnügte er sich und brächte das geschenke der unholdin, die ihn ausgeschickt. Ettners
hebamme 230. wirf uf den ritterlichen van! Muskatblüt 92, 34; der wider uns aufwirft sein streitfannen. H. Sachs III. 1, 126
b; im namen unsers gottes werfen wir panier auf.
ps. 20, 6; du hast aber doch ein zeichen gegeben denen, die dich furchten, welchs sie aufwurfen und sie sicher machet. 60, 6; denn er wird ein panier aufwerfen ferne unter den heiden.
Es. 5, 26; werft panier auf, auf hohen bergen. 13, 2; im namen unsers gottes werfet panier auf! Schuppius 378; ob einer dem feind frisch unter die augen tritt oder das hasenpanier aufwirft.
Simpl. 1, 63; mit aufgeworfnen hüten. Schiller 111
a; seinen schilt, stamm und nammen hoch aufwerfen. Frank
weltb. 46
a. 33) thür und thor aufwerfen,
öfnen, im gegensatz von zuwerfen wird heute nicht gesagt, es bedeutet uns gewaltsam, durch steinwürfe öfnen. mhd. war aber auch jenes gangbar: wurfen ûf diu burgetor.
Kchr. 4408.
Diemer 456, 20. 512, 6; wurfen ûf daʒ bürgetor.
Greg. 1981; dô warf man ûf diu burctor.
Wigam. 3209; ûf die porten warf. Wernher
vom Niederrh. 20, 18; warf ûf die ture.
myst. 162, 22. 44) graben, hügel, damm, wall, schanze aufwerfen: zeigten im, wie die toten leichnam hin und her zerstreuet lagen und hügel aufgeworfen waren
Am wege, darunter man die erschlagenen mit haufen begraben hatte. 1
Macc. 11, 4; wenn man die schütt (
vulg. aggerem) aufwerfen wird.
Ez. 17, 17; nu hatten die bawren ein tiefe wolfsgruben aufgeworfen. Wickram
rollw. 58; der maulwurf wirft haufen auf;
im kriege werden graben, schanzen, batterien aufgeworfen. auf abgesonderten und rings umher aufgeworfnen höfen. Möser 1, 4. 55) wellen, schaum, blasen, blattern, beulen: das meer wirft schaum auf; was warf das böse meer für freche wellen auf. Fleming 10; der siedende kaffee wirft blasen auf; hier wirft sich kein bläschen auf, das ich nicht merkte. Schiller 184
a; da es denn zwischen haut und fleisch grosze und kleine puckeln oder hügel aufwirft.
unw. doct. 137. 66) lichter aufwerfen: und wann sie es ersehen, selbs auch liechter aufwerfen. Fronsp. 3, 268
b. das gefilde begann zu kreiszen und aufzuwerfen schädel und rippen. Schiller 138; Romulus der könig hat dem, der im kampf das beste that, aufgeworfen diese ketten gut. Ayrer 16
a,
dem sieger die ehrenkette ausgesetzt. die karten aufwerfen,
offen vorlegen; die würfel aufwerfen,
würfeln. 77) den stein, den ball aufwerfen.
so auch den vogel, den falken aufwerfen,
in die luft aufsteigen lassen: wenn man die sperber aufwerfen will, so soll man sehen, das sie nicht zu weit fliegen. Sebiz 607. wirf uf den adelare! Muskatbl. 92, 60. 88) das wasser aufwerfen.
von dem kniend trinken, ἐπικύψας πιεῖν,
serb. nikom vode piti (Vuk 1, 149), Gunther sich dô neigte nider zuo der vluot.
Nib. 920, 2, Gunnar slær ser niðr ok dreckr (
Vilk. saga cap. 323),
unterschied das alterthum ein trinken des mit der hand geschöpften wassers, und danach soll sich Gideon seine streiter auslesen (
richt. 7, 5. 6). Rudolfs
weltchronik nennt die zweite weise daʒ waʒʒer in den munt ûfwerfen mit der hant, Berthold
s. 221
blosz werfen.
nhd. denkmäler bieten kein solches aufwerfen
dar und würden aufschöpfen
vorziehen. aber das mülrad,
sagen wir, wirft das wasser auf. 99)
aufschlagen und umschlagen der blätter eines buchs hiesz mhd. ûf werfen
und umbe werfen,
vgl. Amîs 239. 241
und in dem spiegel (
aus dem schlusz des 14
oder anfang des 15
jh.)
s. 173, 20: sus fieng ich an geswinde und warf schnell uf ein blat.
wahrscheinlich ergeben sich noch spätere beispiele: wann du gleich alle heilige bücher und lerer stätigs lisest, widerlisest, aufwirfest, widerumb bewegest, hörest und lerest.
Melanchth. anweisung in die h. schrift, deutsch von Spalatin.
Augsb. 1523.
bl. 9,
es käme auf das hier gebrauchte lat. wort an; bücher die mit ufsatz und stracks mit ufgeworfen titel (
wie man das titelblatt aufschlägt) wider uns geschriben sind. Reuchlin
augensp. 15
a. 1010) zorn aufwerfen,
zorn auf einen werfen: komm wider zu dir selbst, wirf mit den goldnen sternen nicht zorn auf ohne schuld, sie gleiszen dir von fernen. Tscherning (1642)
s. 227,
d. i. zürne nicht auf die sterne, sei nicht böse, dasz die nacht kommt. 1111)
wir sagen eine frage aufwerfen,
quaestionem proponere, eine vermutung aufwerfen,
aufstellen, eine hypothese aufwerfen. Kant 8, 325.
in solchem sinne, für aufstellen, hinstellen, vorlegen, darlegen, vorwerfen verwendet es Luther
viel häufiger: es hat auch
s. Johannes zu wenig gethan und nur angefangen das evangelium aufzuwerfen. 1, 426
b; welche nu wöllen aufwerfen ire gute werk und rhümen den freien willen, das sind die nicht wöllen Moses angesicht lassen klar leuchten. 1, 380
b; wiewol sie ir alter hoch aufwerfen, als solts damit genug sein, das sie die alten, die lerer, die obersten sind. 1, 524
b; das sind die falschen ertichten wort, damit sie den schein gutes lebens aufwerfen und verleugnen doch den grund der warheit. 2, 123
a; und wiewol unser leiden und kreuz nicht sol also aufgeworfen werden, das wir dadurch selig werden oder das geringst damit verdienen wolten. 5, 311
b; das ist nu ein stück, damit er die rottengeister widerlegt, das sie ir eigendünkel on schrift aufwerfen. 6, 218
a; wer etwas anders für des evangelien lere aufwirft, oder daneben leret und dazu setzet von unserm thun und eigener heiligkeit, der verführet gewislich die leute. 6, 218
b; die heilige christliche kirche on solch heupt (
den pabst) wol bleiben kan und wol besser blieben were, wo solch heupt durch den teufel nicht aufgeworfen were. 6, 514
b; wie komen denn unsere lügener darauf, das sie die exempel des alten opfers, das lengest aufgehöret, nu widerumb aufwerfen. 5, 163
a; wo sie (
die mönche) das wüsten, wie und wozu sie von gott geschaffen weren, würden sie nicht solche stende verachten, noch ir ding allein aufwerfen, sondern dieselbigen als gottes werk und geschepf lassen rein bleiben und ehren. 5, 358
a; da jederman sein ding für das beste aufgeworfen und andere geurteilet hat. 5, 429
b; und ist auch noch nie keine falsche lere oder ketzerei aufkomen, sie hat das warzeichen mit sich gehabt, das sie ander werk aufgeworfen haben, denn gott geboten und geordnet hat. 5, 448
b; wer nu anders predigt und wirft unser eigen werk auf. 4, 60
a; welche (
die werke) sie nicht allein on gottes wort, sondern auch zu verachtung und schmach der lieben taufe, ja zu grewlicher lesterung gottes namen und seiner werk aufgeworfen haben. 6, 292
b; das man nicht weisz, was gottes oder unser werk sind, ja dise gar vertunkeln und ligen lassen und menschen werk an irer statt aufwerfen. 6, 293
b; denn wir sollen uns solche herlichkeit und trost nicht so lassen aus den augen und herzen nemen, noch in einen winkel werfen, wie die mönche und nonnen gethan haben, so es allein zu sich gezogen und ire falsche, selbertichte geistlichkeit dafür aufgeworfen und dargegeben, als weren sie allein die breute Christi, zu verachtung und verkleinerung des ehelichen standes. 6, 357
b. 1212)
an die sechste sinnliche vorstellung schlieszt sich ein abgezognes erhöhen und erheben: er hat den Esau erfür gezogen und aufgeworfen. Luther 4, 184
a; also sehen wir in allen historien und erfarung, wie er ein reich aufwirft, das ander nidert. 1, 495
a; damit spottet Habacuc des babylonischen gottes, welchen die Babylonier so hoch aufwerfen. 3, 237; es ist ein torrechts ding umb den adel, wie ihn die welt aufwirft. Frank
weltb. 46
a; der ist als ein sighafter held in groszen eeren gehalten und aufgeworfen. 66
b; die juden werfen mich hoch auf. Reuchlin
augensp. 40
a.
zumal gilt dies aufwerfen
für erheben zum gott, könig und hauptmann: sie (
die Arianer) gleuben nur an einen gott, der himel und erden geschaffen hat und umb des artikels willen uns Christen verdammen, als die wir einen andern (
zweiten) gott aufwerfen. Luther 6, 176
a; das beweiset auch die that, das sie götter haben aufgeworfen. 3, 42
b; und haben andere und newe götter in aufgeworfen. Mathesius 29
b; der reichest under in ist ihr fürst aufgeworfen. Frank
weltb. 213
a; last uns einen heubtman aufwerfen.
4 Mos. 14, 4.
statt des acc. reiszen aber bald die praepositionen für
oder zu
ein: sölche menschen habend die heiden für ire götter ufgeworfen, dero bildnussen ufgericht. Zwingli 1, 600; darumb machten sie der götter schmide drausz, und warfen ihn (
den Tubalcain) für einen götzen auf. Mathesius 9
a; wie die heiden Jovem Hammonium, welches dieser Cham ist, für einen gott hernach aufgeworfen. 82
b; dasz sie das kalb in der wüsten für ein gott aufgeworfen. Ayrer
proc. 2, 5; die heiden wurfen iren Jupiter zum höhesten gott auf. Luther 4, 389
b; do sagt er, er welt für mich der künigin von minetwägen schriben, si wurde mich zu einem gott ufwerfen (
hochhalten). Tho. Plater 56; den sie zum fürsten dieses zuges aufwurfen. Micrälius 1, 68; also wurfen sie ihn bald zuo einem herren, herfürer und hauptmann auf. Frank
weltb. 118
b; das volk, das dich zum haupt aufwarf. Gryphius 1, 27; dasz sie ein losen mann zum regenten aufwarfen. Schuppius 827; die Franzosen warfen den grafen Eudes zum könige auf. Hahn 1, 282; der tod des von den misvergnügten zum könige aufgeworfenen Rudolfs. Möser 2, 43. 1313)
ganz üblich ist auch heute noch sich aufwerfen,
sich eigenmächtig und oft anmaszend für etwas erklären: aber Jerobeam warf sich auf und ward seinem herrn abtrünnig.
2 chron. 13, 6; und wirf dich selbst nicht auf, das du nicht fallest.
Sir. 1, 34; da vernahm er, das sich Philippus aufgeworfen hatte für einen könig. 1
Macc. 6, 63; der könig wird thun was er wil und wird sich erheben und aufwerfen wider alles, das gott ist.
Dan. 11, 36; weil sich bereit solch teufelsgesinde allenthalben geregt und gefunden hat, die sich aufwarfen als gelerter und heiliger denn die apostel selbs. Luther 6, 45
a; diese briefe können nur die beleidigen, welche ein recht haben, sich für die originale dazu aufzuwerfen. Rabener 3, 324; hochverrat ist es, wenn sich einer zum beherscher aufwirft. Klopstock 12, 98; der priester Theogiton, der sich zu meinem mentor aufgeworfen hatte. Wieland 2, 13; derjenige, der sich zum kläger wider mich aufwarf. 2, 123; er warf sich zum erklärten feinde aller freuden und vergnügungen des lebens auf. 6, 125; ein frevler wirft sich auf zu Agamemnons sohn. Gotter 2, 167; sich zum weiberadvocaten aufwerfen. 3, 23; sich zum gesetzgeber aufwerfen. Kant 5, 139; da ich mich zum kampfe für die unglücklichen aufwarf. Klinger 4, 273; ein rechtschaffner tiefdenkender mann, der sich zum schriftsteller aufwirft. 11, 192; ich wollte mich erst zum denker aufwerfen. Tieck 3, 191; wer setzt mich hier zum schiedsrichter und wie darf ich es wagen, mich als einen solchen selber aufzuwerfen?
ges. nov. 4, 110. sich zum führer, zum herrn aufwerfen. 1414)
intransitives aufwerfen,
bei ausgelassenem acc., das meer wirft auf,
schlägt wellen; die milch wirft auf,
schäumt siedend: töpf, weidling und geschirr, die milch hinein zu thun, und darin aufwerfen zu lassen. Hohberg 2, 263. der pfau wirft prächtig auf,
entfaltet seinen schweif; der maulwurf wirft im felde stark auf. 1515)
was bedeutet von einem kranken pferde: man soll ihm oft aufwerfen, auch die bugadern öfnen. Pinter
pferdschatz 385 ?
kaum futter vorwerfen.