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verwerfen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verwerfen v.

Bd. 25, Sp. 2217
verwerfen, v. , got. frawaírpan, ags. forweorpan Bosworth-Toller 325; holländ. verwerpen, n. forvorpen, verworfen, verrucht; ahd. sehr häufig: Graff 1, 1033; mhd. wb. 3, 738, Lexer; as. farwerpan; mnd. vorwerpen. in den älteren nhd. wbb. allgemein, mundartlich lebendig, s. u. I 1; II 1; III 5 c. II) die vorsilbe hat negativ wertende bedeutung: v., falsch, unrichtig werfen. I@11) zu werfen, junge zur welt bringen: zur unzeit, zu frühe junge werfen, miszgebären Adelung 4, 1177; schon ahd.: abortivus virworfener, ... verworfner gloss. 3, 67b St.-S.; 2, 352a; 3, 176b; 419a; 4, 27b; nhd. v., abortire Diefenbach gloss. 4; nov. gloss. 3; gemma gemmarum (1508) a 2b; Noel Chomel 8, 2324; Leopold hwb. d. ökonomie 528; Behlen forst- u. jagdkunde 6, 144; mundartl. weit verbreitet: steir. Unger-Khull 228; tirol. Hintner 58; bair. Schmeller-Fr. 2, 996; Basel Seiler 114; schwäb. hauptsächlich von der kuh, aber auch von der stute, seltener von menschen Fischer 2, 1411; elsäss. Martin-Lienhart 2, 848; obersächs. nicht mehr lebendig Müller-Fraureuth 2, 619; thür. Hertel 257; henneb. Spiesz 270; lux. ma. 468; götting. Schambach 286; saml. Fischer 168; haut ain pfärd unnatürlich verworfen? Steinhöwel Äsop 41 Ö.; der donderstreych, so er die schaff eyntzig ergreift, macht er, das sye verwerfen Eppendorf Plinius (1543) 82; die thiere stehn bestürtzt, die hindin die verwirft, als wenn sie ihrer frucht nun weiter nicht bedürft Besser schr. 1, 57 König; es ist erfahrungssatz, dasz ... sehr kalte tränke u. s. w. verwerfen hervorrufen, wodurch nicht nur das junge verloren geht, sondern häufig auch das leben der mutter gefährdet ist Schwerz ackerbau 773. zuweilen transitiv: die geburt v. Stieler zeitungslust und nutz 383; auch vom menschen: und zwar so werden zu diser zeit (in den ersten 40 tagen) fast viel empfengnussen, so zu kindern gerahten solten, verworfen Wirsung artzneybuch 547. ganz ungewöhnlich von vögeln: die jüngern (pfauenhennen) verwerfen oft, doch ziehen sie auch etwan junge ausz Herr feldbau 177. im vergleich: ich bin doch als ein unzeittige verworfne geburt d. ewig. wiszh. betbüchlin (1518) 50b; bildlich: es ist der afterheiligkeit verworfne frucht und misgeburt zu nennen Gottsched ged. (1751) 1, 294. I@22) zu werfen in der gewöhnlichen bedeutung: I@2@aa) nur vereinzelt fehlwerfen: doch war der mann listiger dann sein weib, der tummelt sich waydlich, hieb um sich wie Gundter, verwarf noch schluog nichts aus Lindener katzipori 156 L. sich v., beim spiel versehentlich eine falsche karte ausspielen: aber was stichst du da gleich, wenn ich mich verwerfe? — verworfen ist verspielt O. Ludwig ges. schr. 3, 28 Schm.-St. (erbförster 1, 6). I@2@bb) etwas v., 'dasz man es nicht wieder finden kann' Gottsched beobachtungen 398; im sinne von verlegen: mir träumte, dasz ich zwey weiber gehabt hätte; ... eine verschwendete, die andere verwarf alles Ph. Hafner ges. lustspiele 1, 55; ein andres lappländisches liebeslied ... wollte ich ihnen auch mittheilen, aber es ist verworfen, und wer mag zettel suchen? Herder 5, 172 S.; desgleichen übersend ich ihnen die übersetzung der anmerkungen zu den memoires, verwerfen sie sie mir aber nicht Heinse s. w. 9, 148 Schüdd. I@2@cc) in unordnung bringen: das v., verrücken der sachen aus ihrer ordnung Schwan nouv. dict. 2, 943b; man hat ihm in die kart gesehen, und die schellen und eycheln, darauf er wart, spart und hart, sind verworfen und vernarrt Fischart binenkorb (1588) 21b. etwas häufiger in bestimmten wendungen: I@2@c@aα) buchstaben, lettern an falsche stelle bringen: verworfene buchstaben machen ein wort unleserlich Gottsched beobachtungen 403; eine zeile v. Hoyer-Kreutter techn. wb. 1, 813. I@2@c@bβ) im 18. jh. wörter, die wortfolge, wortordnung v.: hier darf sich nun niemand mit einer unzeitigen licentia poetica schmeicheln, als könte er die worte nach eigenem gefallen verwerfen, wie er wolte Neukirch anfangsgründe 99; man verwerfe die worte, man zerstöre das sylbenmasz Ramler einl. in d. schön. wissensch. 1, 126. häufig das part. prät.: eine verworfene ordnung der wörter J. E. Schlegel w. 3, 34; eure verworfne wortfolge A. W. Schlegel in: Athenäum 1, 60. IIII. gebrauchsarten, die dem einfachen verbum entsprechen oder nahestehen: II@11) selten und nur in älterer zeit einen oder etwas v., auf ihn werfen, ihn werfend treffen: fúre aus ietweders zuo dem tor der statt und sy werden verworfen mit stainen erste d. bibel 4, 204 (lesart) K.; so aim die hirnschal eingeschlagen würt, als aim kessel geschicht, so er gestossen oder verworfen würt H. Braunschweig chirurgia 37; mundartl.: mir han ihne mit schneeballen verworfen Martin-Lienhart 2, 848. II@22) etwas zum werfen gebrauchen: (wenn nicht Jupiter) ihm einen trefflichen haufen steine hingeschaffet hette, damit er was zu verwerfen und den feinden zu begegnen hette Prätorius reformata astrologia 74. meist im prägnanteren sinn, werfend verbrauchen: nach einem sperling verwerfe ich kein ey Faber thesaurus 1310b; die welche ihre pfeile ... verworfen hatten Lohenstein Arminius 2, 1202a; sein speer war verworfen Scheffel ges. w. 2, 18. von der spielkarte: wann die besten blätter oder farben verworfen, so kan mans nicht mehr stechen Lehman florileg. polit. 2, 747; eine karte v. Kramer (1702) 2, 1333b. II@33) v. mit localer bestimmung II@3@aa) der richtung, nach der geworfen wird; schon got.: ei ... frawaúrpans wesei in marein Marcus 9, 42; ahd.: kind thesses rîhhes sint furworphan in thiu ûzarûn finstarnessi Tatian 47, 7 S.; mhd.: daz ich mich selber verwerfe in daz abgrúnd dez leitlichen verzwiflens Seuse d. schr. 213 B.; nhd.: wilchs Salomo alles auf eynen haufen verwirft Luther 15, 369 W.; wie eine grosze menge thaler auf offenem marck darvon unter das volk verworfen worden Grimmelshausen 4, 525 Keller; man verwerfe ein faules holz in finstern winckel Abraham a s. Clara etwas f. alle 2, 11. vom sturm, der schiffe und seefahrer verwirft: ein tempestet und fortuna des meers verwarf die schiff also wider einander und an die gestatt, das under 200 galleen und nauen wenig davon kamen Seb. Franck chron. Germ. (1538) 141; bildlich: auf was für einen gefährlichen strudel läszt er sich den sturm seiner gemüthsregungen verwerfen Lohenstein Arminius 2, 160. II@3@bb) des ausgangspunktes, von dem geworfen wird; mhd.: daz die heiligen engele unsers herrin gotis den tuovel und sin her oberwuonden und vorwuorfen si von dem hoen himele Schönbach predigten 1, 223; nhd.: wie der bapst mit den hohen schulen habe Christum und das gantz new testament weyter aus der welt furworfen, denn die Juden odder der Turck yhe than haben Luther 10, 1, 1, 470 W.; als der bapst zu Rom im jahr 1582 aus dem monat october 10 tag verworfen und für den 4. octobris den 14. gezalt hat Gabr. Rollenhagen indian. reisen 221; die geschichte von Thersites, die hr. Klotz ... mit einem recht thersitischen geräusche völlig aus Homer verwirft Herder 3, 205 S. II@44) holz verwirft sich ebenso wie es sich wirft: sich v., sich krumm werfen, von holz gesagt Hoyer-Kreutter techn. wb. 1, 813; Mothes baulex. 4, 426; Schönermark-Stüber hochbaulex. 873; dasjenige schmale stück holtz, welches die instrumentmacher in die clavicymbel, clavichordia und anderer instrumente mehr zu machen pflegen, damit sie sich nicht verwerfen oder krumm laufen können Walther music. lex. 74; im innern hat der stamm eine ganz gesunde farbe, auch sind die holzringe nicht sehr verworfen Ratzeburg waldverderbnis 2, 275. IIIIII. die vorsilbe gibt der grundbedeutung eine besondere locale bestimmung. III@11) irgendwo hinwerfen, niederwerfen: proicere ahd. gl. 1, 86 St.-S., auch nidarforwarf 2, 228; Diefenbach 463a; ein lewe der vand in an dem wege und derschluog in, und sein asze wart verworfen (proiectum) an dem wege erste d. bibel 5, 303 K.; Diogenes ... hat bevolhen, seinen todten leyb unbegraben zuo verwerfen Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 60b; auch übertragen zu fall bringen, vernichten: evertere ferwerfan ahd. gloss. 2, 628 St.-S.; eradicanda zi firwerfanne 2, 115; do kam ein meister von der e und wolt unsern herren versuochen und in verwerfen (lesart für do nider werfen) Tauler 195 V.; wann es wirt ein gedenckung deins namen, so in (den Holofernes) verwirft die hant des weybes (Judith) erste d. bibel 7, 63; mach allen bösen rath zu spott, verwirf sie, dasz wir dir, nechst gott und deiner mayestät allein zu dancken mögen schuldig seyn lieder a. d. winterkönig 9 W.; in ähnlichem sinn auch hinverwerfen: so last mich auch sein, wer ich bin, der herr verwirft mich auch nicht hin Hayneccius Hans Pfriem 67 ndr. III@22) umwerfen, herumwerfen, lage und stellung verändern. III@2@aa) im eigentlichen sinne selten und nur in älterer zeit: sich, der geist begreift in, und er ruft gechlich, und er verwirft in und verwust in mit schaume cod. Teplensis 91 H. reflexiv: (wenn das kind verkehrt liegt), so soll man das weib uber und uber burtzlen, so geschwind man kan; als dann verwirft sich das kind, dasz die mutter zu retten ist Gäbelkover artzneybuch 2, 45; und mit seiner beerischen stimm murrt er und grisgrammet mit grimm und schnarcht durch die nasslöcher sein, zog schwind den atem auss und ein und verwarf sich zu beyden seyten H. Sachs 9, 214 K. III@2@bb) in der sprache des bergbaus, wenn erz in einem flötz aus der richtung gebracht und dadurch der zusammenhang im flötz unterbrochen wird: des thummen oder verworfen ertzs Mathesius Sarepta (1571) 109a; das merkwürdige dabei ist, dasz sie (die klüfte) die flötze verwerfen. wie nämlich eine solche kluft auf das flötz trifft, es sey von solcher mächtigkeit es wolle, so schleppt sie dasselbe abwärts mit fort und verwirft es dergestalt, dasz es erst 3-4-6 lachter tiefer wieder vorkommt Göthe II 9, 142 W.; gänge können, ihrer späteren bildung entsprechend, flötze verwerfen Veith bergwb. 541. III@2@cc) eine übertragung vom v. des zusammenhangs einer erzschicht auf steinlagen in einem mauerwerk ergibt den bautechnischen ausdruck: v. heiszt den verband der steine eines mauerwerks ändern, welches dadurch zweierlei verband zeigt Schönermark-Stüber hochbaulex. 873; Mothes baulex. 4, 426; Lueger lex. d. ges. technik 7, 806. III@2@dd) von wein und bier, die ihre beschaffenheit ändern: denn der wein verkehrt und verwirft sich Helbach önographia (1604) 69; das bier verwirft sich nicht, wird auch nicht sommerenzig noch abschmackig und sauer Hohberg georg. cur. 3, 2, 66. III@33) umherwerfen, werfend zerstreuen, auseinander-, durcheinanderwerfen; got.: wesun ... frawaúrpana swe lamba ni habandona haírdeis Matth. 9, 36; so gruben sie sein söhnlein und seinen bruder, so alda bestattet gewesen, auss der erden, und, welchs zumal unmenschlich war, zerriessen sie die beinlin von einander und verworfen und zerstreweten dieselben allenthalben daherumb Cyr. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 200a; kein wind mag sie (die garben) umbwehen, kein gewitter verwerfen Dannhauer catechismusmilch 3, 22; als ebener, gestreckter, mit verworfenen blöcken überdeckter rücken H. v. Barth Kalkalpen 585. in neuerer zeit die hände v., lebhaft gestikulieren: weil ich euch sahe von zeit zu zeit still stehen, den kopf schütteln und die hände verwerfen discourse d. mahlern 4, 27; groszvater stand oft stille und verwarf die hände Gotthelf ges. schr. 1, 19. III@44) zuwerfen: werfend zudecken schweiz. id. 1, 908; zuwerfen, verschütten Fischer schwäb. wb. 2, 1411 (mit belegen seit dem 14. jh.). III@4@aa) v. mit erden, terra obruere Dentzler (1716) 316; Aler (1727) 2, 2034; Steinbach 2, 1037; darnach hiess der keyser ein grab machen und hiess sye alle siben dar eyn stossen und hiesz wol verwerfen heyligen leben summerteil 73b; die brunnen sie verworfen haben, so Abrahams knecht hant gegraben satiren u. pasqu. 1, 24 Schade; (sie) verwerfe die grube wieder v. Ettner u. Eiteritz mediz. maulaffe 171; als ob diese quelle von wunderbarem nunmehro gäntzlich verfallen und mit schutt verworfen wäre Breitinger crit. dichtkunst 1, 342. III@4@bb) einen weg v., um ihn zu sperren: (die leute aus Schwyz und Glarus) hattend ouch dieselben strass verworfen mit holtz und studen H. Fründ chronik 153 Kind; die furt und weg, durch welchen der hirtz ins wasser ist kommen, ... mit abgeprochenen ästen verwerfen und belegen Sebiz feldbau (1579) 587. auch im sinn von sperren, wo gar nicht von einem bewerfen mit irgendwelchem material die rede ist: damit die passen mit den puren verworfen werden Val. Anselm 4, 94 hist. ver. III@4@cc) hierher gehört wohl auch eine wand v. und ähnliches; es liegt die vorstellung zugrunde, dasz lücken zugeworfen werden: eine wand v., sie bewerfen mit mörtel Schmeller-Fr. 2, 998; tirol. Hintner 58; elsäss. Schmidt 112; schwäb. Fischer 2, 1411; das dach, haus v., durch werfen von mörtel schlieszen, ausbessern, ergänzen Frischbier 2, 444; verworfen wand oder verdinchte Pinicianus (1516) a 1b; incrustare Dentzler 316; incrustare, trullissare, tectorium inducere muro Aler 2, 2034; den absatz oder den ranft der irdinen gefäss und des ofens verwürf und verstreich wol mit leymen oder mörtel Sebiz feldbau 436; die schweinställ mit leymstro zu verkleyben und zu verwerfen 132; (gips) dienet aber zum verwerfen, tünchen, anstreichen zarter glieder am gesims Zincke öcon. lex. 1011; das war ein ärmlicher holzbau und mit lehm verworfen Rosegger schr. I 3, 16. III@55) wegwerfen, fortwerfen, von sich werfen; ahd.: abjicere gloss. 2, 169; 269 St.-S.; nhd. abicere Diefenbach 2c; voc. (1482) kk 3b; gemma gemmarum (1508) a 2c; voc. inc. teut. ii 6b; Frisius 6b; Faber thes. (1587) 201a; Stieler stammb. 2552. III@5@aa) absichtlich wegwerfen: so slíumo siu gihorta thaz,firwarf si sar io thaz faz Otfried II 14, 85; (die bauern,) welche dan (beim angriff der feinde) als bald die wehren verworfen und ineinander gelaufen und zusammen hinter sich gedrungen (Magdeburg um 1550) chron. d. d. städte 27, 32; meist in dem sinne, dasz der gegenstand als unbrauchbar weggeworfen wird: ein aff umb versuchung willen der ussern rinden an der nuss den süssen kernen ... verwirft Riederer spiegel d. waren rhet. a 4b; ein altmacher kann zum oftisten ein altes verworfenes flecklein brauchen, so bey des schusters arbeit nicht gar wol stunde Abr. a s. Clara etwas f. alle 2, 37. sprichwörtlich: alte schuhe verwirft man leicht, alte sitten schwerlich Schellhorn 126; die alten schuhe soll man nicht verwerfen, man habe denn neue Düringsfeld 1, 29. vereinzelt von eigenschaften: verwirf die blödigkeit! wer gar zu furchtsam ist, verdirbt zu dieser zeit Gottsched ged. (1751) 1, 427. von hier ist nur ein kleiner schritt zu den unter IV behandelten bedeutungen verschmähen, nicht verwenden wollen, gering schätzen. den übergang zeigt das oft gebrauchte bild vom verworfenen stein: der stein, den die bauleute verworfen haben, der ist zum eckstein worden Matthäus 21, 42; ähnlich erste d. bibel 1, 82 (lesarten) K.; der stein der verworfen was dort, der leit hie an des winkels ort Brun v. Schonebeck 1231; Geiler v. Keisersberg bilgerschaft (1512) 13b; Mathesius Sarepta (1571) 91a; Herder 19, 20 S.; den inhalt meines 4. theils aus früherer zeit, den stein, den die bauleute verworfen, d. h. den Duncker mir nicht bezahlt A. Ruge briefw. u. tagebuchbl. 2, 302 N.; der basz, welchen die opera seria verworfen hatte, wurde ... der eckstein für die opera buffa O. Jahn Mozart 1, 347. ob hier die ursprüngliche vorstellung gilt, dasz man den stein in der hand hat und wegwirft, oder die übertragene, dasz man es verschmäht, ihn zu verwenden, läszt sich nicht mit sicherheit entscheiden. III@5@bb) wie verlieren vom biologischen verlust von theilen eines organismus: der olbaum, der do verwirft sein bluom erste d. bibel 7, 180 K.; so eyn pferd dritthalb jar alt würt, so verwürft es zum ersten die vorderen mittlere zän Sebiz feldbau (1579) 151; so alt der wolf wird, wird er doch nicht weise; der wolf verwirft seine haare, aber nicht seine nücken J. Grimm Reinhart fuchs, vorrede 35. III@5@cc) durch unachtsamkeit fallen lassen: breitfiessig gensz zertrettent mere, den in zuo spysz notturftig were. vil gensz verwstent und verwerfen me dann sy zuo ir not bederfen Murner narrenbeschwörung 64 ndr.; ein treues gesinde helt das nicht für finden, welchs die kinder und leute im hause on gefehr haben fallen lassen und verworfen Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) h 1b. in freierem sinn verschwenden, unnütz ausgeben: er wuste auch, wie viel die Leyrerin darvon verworfen und dem beckenknecht spendirt hatte Grimmelshausen 4, 520 Keller; verwirf nicht was du hast. ein kaufmann, der sein geld wol anzulegen weisz, den lobet alle welt Angelus Silesius cherub. wandersmann 106 ndr.; da wäre man ja dumm, sein geld zu verwerfen, um leute zu bezahlen, welche man nicht zu fürchten hat Gotthelf ges. schr. 3, 393; mundartl. vorwerpen, verschlemmen nd. jb. 46, 22. III@5@dd) vereinzelt nach verworfener völle (nachdem sie sich übergeben hatten) Schupp schr. (1663) 762. IVIV. weitaus am verbreitetsten sind mannigfaltige gebrauchsarten mit übertragener bedeutung: amovere ahd. gloss. 1, 744 St.-S.; confutare 2, 130; eicere 1, 807; refutare 2, 130; rejicere 2, 2; abdicare, abicere, recusare, refutare reprobare, repudiare Diefenbach; abdico, abjicio, aspernor, contemno, damno, despuo, detestor, recuso, refello, rejicio, refuto, reprobo, respuo Frisius, condemnare causam, damnare, depravare, explodere. exprobare aliquid per ludibrium, reprobare Reyher thes. (1686); v., rejicere, abjicere, reprobare, repudiare, respuere Stieler stammb. 2552; rejicio, repudio, respuo, reprobo Steinbach. IV@AA. mit persönlichem object. IV@A@11) verstoszen: abdico, dejicio, ich verstosz, verwerf Alberus kk 3a; in neuerer sprache von verstoszen dadurch unterschieden, dasz verwerfen stets das urtheil der unbrauchbarkeit, wertlosigkeit oder minder wertigkeit in sich schlieszt: 'verstoszen hingegen können wir auch, was uns sehr lieb und werth ist' Maasz-Eberhard synonymik (1818) 6, 130. IV@A@1@aa) vom verhältnis gottes zum menschen: ich will in in hoffen, er well mich nit verwerfen, sunder ewiglichen behalten Geiler v. Keisersberg bilgerschaft (1512) 29c. mit localer bestimmung: verwirf mich nicht aus deinen kindern weish. Sal. 9, 4; verwirf mich nicht von dir P. Fleming ged. 1, 8 L.; besonders häufig nach psalm 31, 23: ich bin verworfen ex oculis tuis Luther 17, 1, 6 W.; verwürf mich nit von deim angsicht H. Sachs 18, 214 K.-G.; ähnlich E. Hegenwalt bei Wackernagel kirchenlied 3, 48; Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. 1, 90; J. Fr. Löwen schr. 2, 155. IV@A@1@bb) von menschlichen beziehungen: habt ir mich denn nit gehast und verwurft mich von dem haus meines vatters erste d. bibel 4, 383 K.; du achtest mein freuntschaft also gering, das du mich ... gantz verstossest und vorwirfest Hutten opera 2, 182 B. seh ich den freund, mir einst vor allen theuer, mein herz in frohem übermuth verwerfen Lenau 26 B. häufig kinder v.: solten alle mütter ire unfletigen, schebichten kinder verwerfen Luther 10, 3, 7 W.; ich verwerfe dich, du bist mein sohn nicht F. M. Klinger w. 1, 24. in neuerer zeit ein kind v., es nicht als rechtmäszig anerkennen: nicht dieser afterkönigin, gezeugt in ehebrecherischem bett, die Heinrich, ihr vater, selbst verwarf als bastardtochter Schiller 12, 122 G. (Maria Stuart 1, 6). nur in älterer zeit auch die frau v.: man hat mir gesagt, wann er widerumb von dem streyt komm, so werd er mich verloben und verwerfen und ein ander künigin zuo gemahel nemen Hartlieb Alexander (1473) 7b; nachdem Vasthi verworfen und Ester ... zur königin vom Ahasveros angenommen buch d. liebe (1587) 298c. einen aus einem beruf entfernen: darumb er des hantwergkes darben muste und von der wegen davon mochte vorworfen werden (um 1450) urkundenbuch d. stadt Freiberg 3, 164. glück oder unglück v. den menschen: ieren man ze finden, der von dem glük verworfen was Steinhöwel de claris mulieribus 256 D.; verworfen scheinen sie, weil sie das glück verwarf Göthe 11, 44 W. (Elpenor 986); dasz das glück sein hausfraw het zur kaiserin gemacht und daz unglück darnach verwarf Schumann nachtbüchlein 137 B. IV@A@22) einem ein amt, eine stellung, die herrschaft nehmen, ihn absetzen: dorumb Salomon der verwarf Abiathar, das er nit wer ein pfaff dez herren erste d. bibel 5, 245 K.; welcher dann (beim schieszen) untügenlich was, den verwarf man und schraib im den solt ab (Nürnberg 1449) chron. d. d. städte 2, 250; da nicht die ganze gesezgebende gewalt in England ... die macht hat, einen förmlich erwählten repräsentanten des volks zu verwerfen Archenholz England u. Italien 1, 1, 76; besonders von königen und fürsten: Wenzeslaum ... habent die fürsten verworfen von dem reich chron. d. d. städte 3, 170; do er aber das verachtet, hat in der papst des reychs entsetzt und verworfen Stumpf Schweizerchron. 90b; mein parlament verwirft mich Schiller 13, 204 G. (jungfrau 1, 5). IV@A@33) einem die anerkennung versagen, nicht an ihn glauben. IV@A@3@aa) von gott und den heiligen: dorumb das ir habt verworfen den herren erste d. bibel 4, 45 K.; der verwirft gott, straft in lugen und entzeügt im sein göttlich ere Diettemberger wider d. unchristl. buch M. Luth. (1526) c 4b; secten, die die heiligen also sere verwerfent Tauler predigten 313 V. IV@A@3@bb) von menschen: wer will mir verargen, dasz ich Plinium verwerf in seinen schriften von den kräften natürlicher dingen? Paracelsus opera (1616) 1, 217 H.; den Papirius also als ungründlich verworfen, könnte man glauben, hier die Phädra vorgestellet zu finden Winckelmann s. w. 6, 200. IV@A@44) einen ablehnen, nichts mit ihm zu thun haben, sich nicht mit ihm einlassen wollen; mhd.: er was mit worten sô wîs, daz man in ninder verwarf Stricker bei: Lambel erz. u. schwänke 31; nhd.: du sollst alles vernehmen, geliebter, wenn du ihren vater, ihren bruder nicht verwerfen (ihnen gehör schenken) willst F. M. Klinger w. 4, 186. werbung um liebe und ehe ablehnen: ein verworfener buler (ein verschmähter liebhaber) A. Gryphius trauerspiele 645 Palm; mehr als 20 der reichsten und schönsten Perser hat sie mir zu liebe verworfen Meiszner skizzen 2, 54; und wenn du (lady Milford) auch noch dann meine hand verlangst — im angesicht des versammelten adels, des militärs und des volkes — umgürte dich mit dem ganzen stolz deines Englands — ich verwerfe dich — ein teutscher jüngling Schiller 3. 387 G. (kabale u. liebe 1, 7). nicht zu einem amt zulassen: das Eperatus von Phere hauptman ist erwölt, und Timoxenus, welchen Aratus fürgeschlagen hett, verworfen worden Xylander Polybius (1574) 255. vom militärdienst als untauglich ausschalten: ich war vom militärarzt zur artillerie bestimmt, aber bei der generalmusterung bestand ich nicht und wurde verworfen Karl Fischer denkw. u. erinn. e. arbeiters (1903) 123 Göhre. IV@A@55) in besonderem sinne einen als richter oder gerichtsbeamten ablehnen: judicem refugere Frisius 1132b; so sollen sie ihnen einen dritten (büttel) geben, denselben nit verwerfen, es were dan, daz er zu verwerfen were von redlicher sach wegen (1396) weistümer 6, 82; damit, wenn er einen gegen ihn feindlich gesinnten mann darunter findet, er ihn ohne weitere erklärung als richter verwerfen könne Archenholz England u. Italien 1, 1, 16; ich will mich nicht der rechenschaft entziehen, die richter sind es nur, die ich verwerfe Schiller 12, 430 G. (Maria St. 736). IV@A@66) zeugen v., widerlegen: fidem auferre testi Frisius 559a; testes destruere 401a; Steinbach 2, 1037; es wird dir leicht seyn, mit deinem vermessenen maul noch 1000 zeugen zu verwerfen Lindenborn Diogenes 1, 365. IV@A@77) verurtheilen: IV@A@7@aa) im engeren sinn; von gott: es ist nüt anders denn das urteil gottes, das etlich zuo im zücht, aber etlich verwirft Zwingli d. schr. 1, 276; verwerfen zum ewigen tod Dannhauer catechismusmilch 4, 314; ein gottesgericht hat ihn verworfen Fontane I 1, 35; profan: do fraget der jüngling, ob er ze schuldigen oder ze verwerfend wäre Steinhöwel Äsop 342 Ö.; so werde ich mein amt nicht eher antreten, als bis ich durch einen neuen spruch gänzlich gereinigt oder verworfen bin F. M. Klinger w. 8, 193; das verwerfende urtheil G. Freytag ges. w. 7, 72. IV@A@7@bb) im allgemeinen sinn ein ungünstiges urtheil über einen fällen, ihn gering schätzen, für schlecht und unbrauchbar halten: da einer den einfaltigen, der aber gottes als wol ist als der höchst, verachtet oder verschupft und verwirft Zwingli freih. d. speisen 29 ndr.; ich lasz es mir gleich gelten, ich mag auch keine (dame) schelten. vielmehr rühm ich sie und verwerf auch eine selten Voigtländer oden und lieder 55; dasz man die dichter nicht ihrer närrischen fabeln halber getadelt und verworfen hätte d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 3, 34; mit Gutzkow ein gespräch über den dramatiker Uhland, den er durchaus verwarf Hebbel tagebücher 1, 371 W. IV@A@88) reflexiv. IV@A@8@aa) in älterer zeit sich demütigen in religiösem sinne: alle die ... dem minneclichen bilde unsers herren Jhesu Cristi nút volgent in demütiger gelossenheit und sich selber verwerfent und fúr gebrestenlich und kleine habent Tauler 112 V.; (wenn der mensch) sich verwirft und ergibt der barmherzigkeit gottes Zwingli d. schr. 1, 305. IV@A@8@bb) in neuerer zeit sich wegwerfen: in so armseligen umständen ich auch bin, so werde ich mich doch niemals verwerfen Stephanie d. jüng. lustsp. 314; dasz du dich an den hast verwerfen können, du herzmädel! Rosegger nixnutzig volk (1906) 183. IV@BB. mit sächlichem object kann v. in den meisten fällen mit ablehnen umschrieben werden. IV@B@11) angebotenes nicht haben wollen, weil man es für unbrauchbar, geringwertig, wertlos hält; in allgemein gehaltenen wendungen: das gut erwehln, verwerfen das bös H. Sachs 11, 166 K. geld v., das nicht vollwertig ist: er gab mir umb ein guldin gelt; do ich myn irten (zeche) wider zelt, verwarf er mir glych uf der statt die müntz, die er mir geben hat Murner narrenbeschwörung 264 ndr.; zwei oder drei (goldstücke) musterte er als zu leicht aus, worüber der pferdehändler ein heftiges gezeter erhob, welchem der hofschulze schweigend und kaltblütig ... zuhörte, bis der andre statt der verworfenen vollwichtige hervorholte Immermann 1, 128 B. gabe, opfer v.: ehrenvolle gaben der götter sind nicht zu verwerfen grafen Stolberg ges. w. 11, 93; (das vaterland) verwirft unsere opfer Abbt verm. w. 2, 20; sonstige anerbietungen: auch verwarf sie allen trost der welt offenb. d. heil. Birgitte (1502) 14a; ihre verworfene freundschaft Lohenstein Arminius 2, 1352b; seiner zeither verworfenen liebe 1, 80a; dasz sie meine hand verwerfen, darum schäz ich sie Schiller 3, 400 G. (kabale u. l. 2, 3); einen ehrenvollen namen, den man einem gibt: daher verwarf Pythagoras den stolzen namen eines weisen Gottsched ged. (1751) 1, 268. IV@B@22) es ablehnen, den willen eines andern zu erfüllen, sich nach ihm zu richten. IV@B@2@aa) einen frieden, vertrag, bedingungen v.: Rom verwarf den frieden und siegte H. P. Sturz schr. 1, 128; (sie) haben vorgestern den waffenstillstand mit Dänemark verworfen briefe v. u. an Herwegh 254; dasz die garnison die ihr angetragene ehrenvolle kapitulation verwirft Moltke schr. u. denkw. 1, 60; und ietz ... hat man sich etlicher artickel beidertheils verglichen, welche vor 12 jaren ... durch e. m. verworfen und verdamet wurden Sleidanus reden 155 B.; o! was müszten das für bedingungen sein, wenn ich sie verwerfen sollte! Raupach dram. w. kom. gattung 2, 223. IV@B@2@bb) gebet, bitte, antrag, forderung, befehl v.: ihr gebet steigt zu dem unsichtbaren, der es oft erhört und oft verwirft Böhme volksthüml. lieder 217; verwirf nicht mein flehen! Bürger 1, 252 B.; dasz ... ihre bitte, dem verbrecher die auswanderung in fremde welttheile zu gestatten, verworfen werden müsse Holtei erz. schr. 5, 95; verwerfen sie meinen antrag F. M. Klinger w. 8, 137; weil er mit trotz die zumuthung verwirft Arnim trösteinsamkeit 210 Pf.; zweymal verwarf der könig ihre forderung als unsinnig Niebuhr m. gesch. 1, 309; allein, durchlauchtigster herzog, ich verwerfe doch einige punkte ihres befehls Schiller 1, 13 G. IV@B@2@cc) im 18. jh. auch einen brief v., der eine bitte oder forderung enthält: verwirfst du nicht den brief, den lieb und treu erdacht? Hagedorn vers. einiger ged. 72 lit.-dkm.; verwirft sie gleich das erste, zweyte, dritte und noch mehr schreiben von mir, so will ich gleichwohl nicht nachlassen v. Petrasch lustspiele 1, 694. IV@B@2@dd) eine klage v.: dan seitenmahl ihr stoltz und boszheit allvermessen (verwerfend alle klag) dein armes volck, o herr, nunmehr gantz aufgefressen Weckherlin ged. 1, 419 F.; man legte ihm die anklagen don Mescias und Melchior Perez vor. die ersten nahm er an, die zweyten verwarf er Klinger w. 4, 205. IV@B@2@ee) einen rath, vorschlag, plan, eine warnung v.: sie möchte alle reet, vatter, muoter und aller fründ mit ainem nain wol verworfen haben Steinhöwel de claris mulieribus 152 D.; den guten rat verwerfen Tieck schr. 19, 320; dasz er den vorigen vorschlag nit verworfen hette Reinicke fuchs (1650) 404; natürlich verwarf der kaiser diese vorschläge Ranke 4, 24; dasz sie meinen plan ... nicht schlechtweg verworfen haben Lichtenberg briefe 2, 207 L.; die beiden könige ... verwarfen kurzweg alle pläne für den ausbau des bundes Treitschke d. gesch. im 19. jh. 1, 232; aber da sie die letzte warnung ihres guten genius verwarf S. v. Laroche frl. v. Sternheim 1, 254. IV@B@2@ff) von parlamentarischer ablehnung: man schlug gesetze vor, man verwarf, man genehmigte Göthe 22, 24 W.; nachdem der gesetzentwurf ... wegen seiner unzulänglichkeit von dem herrenhause verworfen worden Bismarck polit. reden 2, 59 K.; das herrenhaus hat ... das reducirte budget en bloc verworfen ged. u. erinn. 1, 334 volksausg.; welcher von seinem, dem partikularismus entgegengesetzten, liberalen, fast republikanischen standpunkt die regierungsvorlage verwirft Moltke schr. u. denkw. 4, 185; das herrenhaus aber verwarf diesen antrag mit groszer mehrheit Bennigsen nationallib. partei 48. IV@B@2@gg) etwas nicht anerkennen, sich ihm nicht unterwerfen, nicht fügen wollen: mein kind, wenn dich der herr heimsucht mit straff, so verwirf nicht sein zucht H. Sachs 19, 234 K.-G.; sollt man drum gott nit preisen und sein ehr heben hoch, weil sich die menschen beiszen, verwerfen Christi joch? Opel-Cohn dreiszigj. krieg 48; menschensatzung zu halten oder zu verwerfen, haben die christen volle macht Petri d. Teutschen weiszh. 1, e 4b; auf das ernstlichste ward überhaupt die richterliche oberhoheit der curie verworfen Ranke 4, 35; die autorität eines Horaz verwerfen Schiller 6, 337 G.; wenn sie die autorität von Schlegel verwerfen Bismarck polit. reden 3, 17 K. eine regel nicht anerkennen: viele, welche die einheit der zeit und des orts verwarfen Platen 3, 230 Redlich. ein urtheil v.: ward marggraf Albrecht in die acht erklärt, welche er durch ein gegenschrift als parteyisch verwarf Stumpf Schweizerchron. 121a; dein urtheil, herr verwirf ich nicht, vilmehr bit ich dich mich zu rechen Weckherlin ged. 2, 35 F.; der götterspruch ist hart, darum verwarf ich ihn J. E. Schlegel w. 1, 164. IV@B@2@hh) etwas nicht bestätigen und dadurch als ungültig erklären: und ward ... vom pabst Innocentio ... künig Philippi wal für ungerecht verdampt und verworfen Tschudi chron. helv. 1, 100; die badische regierung hat diese wahl (eines bürgermeisters) verworfen Börne ges. schr. 13, 230; wer eine solche that befiehlt, der musz sie auch mit eigner hand vollziehn. wem gott die kraft dazu versagt, dem zeigt er an, dasz er den spruch verwirft Hebbel w. 1, 271 W. IV@B@33) eine sache für wertlos erklären. IV@B@3@aa) in dem sinne, dasz man es ablehnt sie zu verwenden, oder nicht wünscht, dasz ein anderer sie verwendet oder gebraucht. IV@B@3@a@aα) von konkretem: derhalben dieweil die natur in die tiefe der erden diese metall gantz und gar verborgen hat, und sie zu aufenthaltung des menschlichen lebens nit von nöten, sind sie von eim jeglichen frommen mann verachtet und verworfen Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 9; speisen, welche die herren medici verwerfen, ... seynd auch die schwammen Abr. a s. Clara etwas f. alle 2, 297; ihnen ist gar wohl bekannt, dasz ich kein liebhaber des tabacks bin, jedennoch kan ich ihn schlechter dinges nicht verwerfen v. Ettner u. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 84; verworfen sind als unzeitig das blumige kleid, die zarten rehfelle Göthe 49, 94 W. IV@B@3@a@bβ) eine methode, eine verfahrensweise grundsätzlich ablehnen: also ich vermaledige und verwúrfe vil redendes ussewendig, also lobe ich vil redendes indewendig mit gotte Tauler 308 V.; das ich vorwirfe bereytung zum sacrament mit beten und fasten Luther 6, 580 W.; ich verwerfe allen zwang bey der erziehung Bode Montaigne 3, 137; herr C. verwarf die gewöhnliche methode der schulen Gutzkow ges. w. 1, 159. IV@B@3@a@gγ) im einzelfall ein mittel, einen plan, einen entschlusz v.; oft ohne ergänzung: lange dacht er nach, fand und verwarf lange Sal. Geszner schr. 1, 162; er sann und plante und verwarf wieder Fontane I 2, 250; tausend sich kreuzende, verworfene und wiederergriffene anschläge Lavater physiogn. fragm. 4, 269; frau W. verwarf ein jedes (mittel, einen mann zur heirat zu bewegen), weil es nicht passend sei Holtei erz. schr. 4, 162; er faszte und verwarf entschlusz auf entschlusz Mörike 3, 64 Göschen. IV@B@3@a@dδ) mittel des künstlerischen und sprachlichen ausdrucks: zum dritten werden ... sinnbilder erfunden, welche desswegen verworfen, weil sie zu unterweiss- und tugendlehr nit gnugsamen nachdruck ... haben wollen Harsdörfer frauenzimmergesprächsp. 1, e 4a; man lauret, sitzt und sinnt, verändert, schreibt, durchstreicht, schmeiszt sylb und reim herum, versetzt, verwirft, vergleicht J. Chr. Günther ged. (1735) 386; ob er die poesie an sich oder das sylbenmasz, so in der ... tichtkunst gewöhnlich ist, oder die reime zu verwerfen willens sey vernünft. tadlerinnen 2, 60; alle die, welche das ck wie andre doppelte buchstaben verwerfen wollen Gottsched sprachkunst (1748) 29; verworfen konnten alle (synonyme) nicht werden, denn welche solltens? Herder 5, 76 S.; verworfene wörter Breitinger crit. dichtkunst 2, 205; Kinderling reinigkeit 27; es ist die sprache des affects, die den alltäglichen ausdruck verwirft Ramler einl. in d. sch. wissensch. 1, 123; das altdeutsche liebt den nachdruck gedoppelter verneinung, die Adelung mit unrecht verwirft deutsches museum 1, 292 Schlegel. IV@B@3@a@eε) eine eigene arbeit oder einen theil davon v.: ob ichs (das lied) aushändigen solte oder unter meinen verworfenen schreibereien ... ligen lassen Zesen adriat. Rosemund 19 ndr.; (seinem sohn) gebe er alle seine gedichte, die er verwerfe Göthe gespräche 3, 207 B.; ich habe in Paris mein werk, so weit es fertig war, durchlesen, verworfen und verbrannt Kleist 5, 301 Schm.; ich zeichnete manche blätter doppelt und verwarf die minder gelungenen Stifter s. w. 5, 1, 101. IV@B@3@bb) die ausübung einer handlung, die beschäftigung mit etwas für sich oder andere ablehnen. IV@B@3@b@aα) bestimmte handlungen: du schreybst auch, das ich dem bapst gehorsam zu sein vorwirf Luther 6, 584 W.; es lieset einer in der schrift, dasz Christus saget: ihr sollet allerdings nicht schweeren, und bildet sich ein, dasz dadurch alle eyde verworfen werden Chr. Wolf ged. v. d. menschen thun u. lassen 46; er schlug eine gute klinge und verwarf nur die adlichen künste des reitens und jagens Treitschke hist. u. polit. aufs.5 1, 4. IV@B@3@b@bβ) allgemeinere lebensformen: und Pallas nert die menschling hertzen mit müh, angst, sorg, arbeit und schmertzen und verwürft allen müssiggang H. Sachs 3, 7 K.; sie schied aus dem kloster und verwarf damit zugleich das klosterleben in seiner überlieferten form Gutzkow zauberer v. Rom 4, 37. IV@B@3@b@gγ) besonders die kunst v.: verwirfst du kunst und witz, die doch den völkern nützen? d. schaubühne 4, 9 Gottsched; sie verwerfen die kunst als ausgeburt des luxus, diese communisten! Gutzkow ritter v. geiste 3, 308. ebenso von der wissenschaft: dasz ich mir nicht mehr getraue, ... die metaphysik als unnütz ... zu verwerfen G. Forster s. schr. 8, 46. IV@B@3@cc) in dem sinn, dasz lediglich ein ungünstiges, wegwerfendes urtheil gefällt wird. IV@B@3@c@aα) für wertlos, unnütz, schlecht oder schädlich erklären: s. Paulus verwürft nicht schlechte, gemeine werck, sonder des gesetzes selbs Luther 30, 2, 641 W.; mit persönl. dativ: er ... verwyrft yn alle yhr vermeynte guotten werck Güttel ev. warheyt (1523) a 2a; Christus hat seyn ampt und stand gefüret, damit hat er keyns andern stand verworfen Luther 11, 258 W.; sie verwerfen die zwecke, nach welchen mein thun gerichtet ist Göthe II 11, 60 W. astrologisch: die geburtsstunden mögen beschaffen seyn, wie sie wollen, so ist doch keine zu verwerfen Butschky Pathmos (1677) 16, vgl. verworfen 6. besonders häufig von literarischen werken: ich muoesz mich verwegen, daz ich und gegenwürtige mein schrift durch die widerwärtigen werde geschendt, gelesstert, verspott, verworfen und verdambt Berthold v. Chiemsee 6 R.; verwirft man doch von wegen etlicher unbescheidener wort nit jedes buch Fischart geschichtklitt. 6 ndr.; aber in bausch und bogen darf man sie (die geistlichen lieder Gellerts) darum nicht verwerfen Scherer literaturgeschichte 403. IV@B@3@c@bβ) eine handlung, ein verfahren, eine eigenschaft miszbilligen: wie mag es verworfen werden, dasz du reyne entwúrtest deinem lieben kind ewig. wiszheit betbüchlin (1518) 40a; got verwirft nit allein ir sund, sonder der heylig geyst straft sie auch umb ir heuchlerisch gerechtigkeyt Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 26a; weine also, du bekümmerter vater! niemand wird deinen kummer verwerfen Schwabe belustigungen 1, 43; so kann ich auch deren geschmack nicht verwerfen, die lieber ein angenehm flieszendes als ein gezwungenes gedicht lesen Gottsched vers. e. crit. dichtkunst (1751) 7. zuweilen in die bedeutung vorwerfen übergehend: (Johannes) verwarf im frey und ins gesicht ... die hier mit der Herodias geschlossne buhlerliebe J. Chr. Günther ged. (1735) 33. IV@B@44) v., für unrichtig erklären. IV@B@4@aa) eine ansicht, lehre, meinung u. ä.: hie mit verwerfe und verdamne ich als eitel yrthum alle lere, so unsern freyen willen preissen Luther 26, 502 W.; er verwarf ... die positiven lehren der dogmatik und liesz nur die natürliche religion gelten Gervinus gesch. d. d. dichtung (1853) 5, 311; dein vörige meinunge zu vorwerfen Hutten 2, 188 B.; Braun, der die von Jahn aufgestellte meinung nach reiflicher überlegung verworfen hat H. Brunn kl. schr. 3, 1; diese ... nicht ganz zu verwerfende muthmaszung Lichtenberg erkl. d. hogarthischen kupferst. 4, 150; nach den oben angegebenen gründen ist diese erklärung ganz zu verwerfen Savigny gesch. d.m. rechts 1, 43; oder wäre es möglich, dasz die koketterie sich in dieses gewand himmlischer unschuld kleiden konnte? ein blick auf Ida liesz ihn den letzten gedanken verwerfen Moltke schr. u. denkw. 1, 94. einen irrtum v.: so nun dir das wor liecht durch Lutherum und Huttenum inlüchten wirt, würdstu bald verwerfen allen irrsal der romanisten Eberlin v. Günzburg 1, 10 ndr.; das arge versehen griechischer berichterstatter ... wird mit recht jetzt allgemein verworfen Mommsen m. gesch. 2, 439. IV@B@4@bb) eine quelle, eine überlieferung v.: darumb verwerfe ich und verdamme den canon yn diszem orth als eyn feynd des evangelion Luther 8, 527 W.; wehe dem, der diese erhabene weissagung verwirft oder nur geringschätzt Jung-Stilling w. 3, 17; man musz diese erzählung ohne zweifel verwerfen Ranke 30, 174. ebenso gegenstand und inhalt einer überlieferung: aber yn dem, als es Christus leben verwurfet ..., so ist es ein endechrist theologia deutsch 74 M.; in den worten verwürft Erasmus nit ware mirackel, aber erdichte Eberlin v. Günzburg 1, 154 ndr.; Delbrück hat ja zweifellos recht, wenn er die ungeheuren ziffern, die uns bei den klassischen autoren hinsichtlich der volkszahl der Germanen entgegentreten, ... als unmöglich verwirft Hoops waldbäume u. kulturpfl. 495. theile einer überlieferung für unecht erklären: hernach fragte ich (den Homer, den er im heidnischen paradies getroffen hat), ob auch die versz, so zu unser zeit verworfen würden, seine weren oder nicht? er aber antwortet, sie weren alle sein Gabr. Rollenhagen indian. reisen 124; das verwerfen einzelner stellen war so häufig und allgemein, dasz auch wohl bücher dagegen geschrieben wurden F. Schlegel s. w. 3, 135. IV@B@4@cc) gegenstände des glaubens oder der weltanschauung: die ewige warheyt, die nyemantz mit grundt verwerfen mag H. v. Cronberg 78 ndr.; dasz er die grundsätze der religion nicht ... verwarf Rabener s. w. 1, 41; ich verwerfe nicht alle religion überhaupt Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 214; zu oberflächlichem verwerfen aller offenbarung Raumer Hohenstaufen 4, 41; der schönste traum ward uns entrissen, seit man die geisterwelt verwarf Körner 2, 155 Hempel. IV@B@55) widerlegen: jemandt seine worte verlegen und höflich verwerfen Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) 200b; so würde ich solche antwort straks verwerfen und widerlegen Zesen rosenmând (1651) 23; in dem von Kant verworfenen kosmotheologischen beweise Fichte s. w. 1, 24; wir wollten ihm seine behauptung als ganz unwahrscheinlich verwerfen Hauff s. w. 2, 15. IV@CC. gebrauch der nominalformen. IV@C@11) der infinitiv häufig in der wendung nicht zu v.: wann alle die geschöpffd gotz ist guot, und ist nit zuo verwerfen daz do wirt entphangen mit der machung der genad erste d. bibel 2, 216 K.; Zwingli freih. d. speisen 8 ndr.; hyerumb ist wol die freüntschaft, deren die sich zuo guoten und glückhaftigen zeyten beweisen ... dannocht nit zuo verwerfen Hutten 1, 448 B.; die ersten probestellen (einer englischen Tassoübersetzung) waren nicht zu verwerfen Göthe IV 42, 103 W. IV@C@22) zuweilen in neuerer zeit entsprechend das part. präs. als negiertes gerundivum: kein vollständiges system, aber bruchstücke, vielleicht nicht zu verwerfende materialien, stoff zu weiterm nachdenken Knigge umgang m. menschen 1, 9; einen nicht zu verwerfenden beytrag zu der lehre von der erhabenen lächerlichkeit A. W. Schlegel in: Athenäum 1, 2, 52. IV@C@33) sehr gewöhnlich das part. prät. in adjectivischer funktion, s. u. verworfen.
42500 Zeichen · 838 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verwërfenstv., part. adj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    ver-wërfen stv. BMZ tr. ab-, hin-, weg-, niederwerfen, ab-, de-, projicere Dfg. 2 c . 171 a . 464 a . Karaj. Pass. Jer. …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verwêrfen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verwêrfen , verb. irreg. S. Adelung Werfen , welches in zwiefacher Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum mit dem Hülfsw…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verwerfen

    Goethe-Wörterbuch

    verwerfen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Verwerfen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Verwerfen , s. Fehlgeburt (bei Haustieren).

  5. modern
    Dialekt
    verwërfen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    verwërfe n 1. wie hd. verwerfen, aber selten Dü. 2. bewerfen: Mir han ih ne mit Schneeballe n verworfe n Z. 3. zerwerfen…

  6. Sprichwörter
    Verwerfen

    Wander (Sprichwörter)

    Verwerfen 1. Verwirf das Schlechte nie, ehe du was Besseres hast. Lat. : Nil cito mutabis, donec meliora parabis. 2. Wo …

  7. Spezial
    verwerfen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ver|wer|fen I vb.tr. 1 (zurückweisen) refodé (-dëia), sciuré derevers 2 ‹fig› (verurteilen) condané (-nëia) II vb.refl. …

Verweisungsnetz

57 Knoten, 58 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verwerfen

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von verwerfen

ver- + werfen

verwerfen leitet sich vom Lemma werfen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verwerfen 2 Komponenten

ver+werfen

verwerfen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verwerfen‑ als Erstglied (1 von 1)

verwerfenunge

KöblerMhd

verwerfenunge , st. F. nhd. Abwerfung, Wegwerfung, Zurückweisung, Durcheinanderwerfen E.: s. verwerfen W.: nhd. DW- L.: Lexer 285b (verwerfe…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verwerfen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verwerfen/dwb?formid=V06317
MLA
Cotta, Marcel. „verwerfen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verwerfen/dwb?formid=V06317. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verwerfen". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verwerfen/dwb?formid=V06317.
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