verweilen,
v. ,
mhd. verwîlen
seit dem 13.
jh.: mhd. wb. 3, 671; Lexer;
nhd. Diefenbach
gloss. 545
a; Calepinus
XI ling. 284
b; Hulsius (1618) 2, 104
a; Stieler
stammb. 2475; Kramer (1702) 2, 1298; Steinbach, Adelung, Campe.
auch mundartl.:
Basel Seiler;
bayr. Schmeller-Fr. 2, 890;
schwäb. Fischer;
els. Martin- Lienhart 2, 815;
lux. ma.; Aachen Rovenhagen 156;
köln. Hönig;
Elberfelder ma.; Barmen Leithäuser;
westfäl. Woeste;
schlesw.-holst. Mensing;
preusz. Frischbier;
saml. Fischer 158. II.
transitive verwendung ist das seltenere. I@11) zeit v.,
hinbringen, zubringen, doch ist hier meist zweifelhaft, ob es sich um transitives v.
oder um das intrans. mit adverbialem acc. handelt. mhd.: er vloch von allen luten, da er verwilte sin leben eime kloster eneben
passional 217, 34
K.; nhd.: flüchtige stunden verweilt ich nur an deinem melodischen schilfgeräusch Klopstock
oden 1, 197; ich hoffe mit dem gnädigsten urlaub noch die erste hälfte septembers hier zu verweilen Göthe IV 23, 63
W.; hofrath Meyer, der vier wochen bey mir verweilte IV 27, 148; die bewohner dieser hauptstädte,
in denen der theure könig den gröszten teil seines lebens verweilt Schleiermacher
s. w. II 4, 129; (
die zimmer,) worin das geburtstagskind den tag verweilet, wenn es nicht arbeiten mag Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 6, 92; aber als sie einige tage bei ihrer base verweilt G. Keller
ges. w. 4, 287. I@22)
aufhalten, hemmen, verzögern: I@2@aa)
nur im älteren nhd. mit sächlichem object: eine sache v.,
trahere, procrastinare, producere rem in longinquum tempus Stieler
stammb. 2475; eine sache v.
oder sich mit einer sache v. Kramer (1702) 2, 1298; eine sache v. oder verzögern,
dieselbe lange verschieben Ludwig (1716) 2190; er verweilt die sache,
rem tardat Steinbach; er (
Konrad II.) verweilet sein zuokunft in welschem landt schier drei jar Seb. Franck
chronica zeytbuch (1531) 178
a; dardurch aber wurd der frid wol zweyer monat lang und drüber verweilet Stumpf
Schweizerchronik 271
a; ungedult häuft die schuld, und verweilt des himmels huld J. Chr. Günther
ged. (1735) 208. I@2@bb)
auch in neuerer zeit zuweilen von personen: ach! lasz, mein got, mir bald zu leisten hilf und raht, dich weder deinen zorn, noch meine sünd verweylen Weckherlin
ged. 2, 140
lit. ver.; kann nichts dich, fliehende! verweilen Schiller 11, 23
G.; denn nur langsam vermögen sie im geleit durch das land der
thüringe zu ziehen und werden überall verweilt G. Freytag
ges. w. 8, 369. I@33)
in anspruch nehmen, veranlassen, sich mit etwas zu beschäftigen: o wie oft und auserlesen hat uns ein gespräch verweilt, bis uns Hesper übereilt Gottsched
ged. (1751) 1, 206; das ihm (
dem elementarbuch) entwachsene kind länger, als die meinung gewesen, dabey zu verweilen, ist schädlich Lessing 13, 427
M.; die zusammenstellungen des verfassers, ..., verweilen uns sanft bei ihnen Herder 20, 343
S. einen v.,
indem man ausführlich über etwas spricht: weil euch nun dergleichen ritterspiele wohl bekandt, so will ich euch mit ausführlicher vorstellung der prächtigen anordnung desselben nicht verweilen Hunold
d. europ. höfe liebes- und heldengesch. 41. blick, auge v.: sogleich verweilt den blick die aufgeputzte wand, an der er manch gemäld auf bunten tüchern fand Zachariä
poet. schr. 1, 68; es geht aber durch alles eine holde dämmerung, einfalt und adel durch, der das auge gern dabei verweilet Herder 7, 260
S. seltener in wendungen, in denen der sehende mensch subject ist: wer verweilt wohl seine blicke, wo man wunden aufgedeckt J. E. Schlegel
w. 4, 198.
ähnliche ausdrucksweise in intransitivem und reflexivem gebrauch s. u. II A 3 d
β, B 3. IIII.
intransitiver und reflexiver gebrauch ist das gewöhnliche. im allgemeinen ist das reflexivum in älterer zeit sehr häufig, allmählich tritt aber das intransitivum mehr und mehr in den vordergrund. grundbedeutung ist zeit verbringen, vergehen lassen, sehr häufig, aber keineswegs immer in dem sinne, dasz man zuviel zeit vergehen läszt, dasz man zögert, zaudert, sich zu lange aufhält; dieser sinn eignet besonders dem reflexivum, aber nicht ausschlieszlich, so dasz überhaupt kein grundsätzlicher bedeutungsunterschied zwischen v.
und sich v.
besteht: spatiari Diefenbach; sich aufhalten, v., verziehen Hulsius;
aquam perdere, commorare, immorari, morari, moras nectere Reyher,
tergiversari, cunctari, cessare Stieler,
moram facere, moram inferre et impedimentum Dentzler,
moram facere, commorari Steinbach. II@AA.
intransitiv, selten mit sein
im perfectum: ich bin
und habe verweilet Steinbach; wo bist du so lang verweilet? Brentano
ges. schr. 3, 404. II@A@11)
lange auf sich warten lassen, lange ausbleiben, häufiger reflexiv, s. u. B 2 a.
von personen: ach, so komm und nicht verweile, heiliger geist, du wehrter gast Fr. Greiff
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 2, 262.
von sächlichem: die ärtzt brauchen dise wurtz ... zur frauwen blödigkeit, auch harter geburt, so das büschelin (
die nachgeburt, s. th. 2, 562) verweylen wolt Herold
Gesners thierbuch (1563) 20; weil der tag verweilet (
weil es lange nicht tag wird) J. E. Schlegel (1761) 4, 40. II@A@22)
abwarten, zeit verstreichen lassen, ehe man etwas unternimmt: ach liebe schwiger, ein wenig verweilt, bisz das wir uns auf d reysz so schicken Nic. Frischlin
d. dicht. 90
lit. ver.; doch musz man noch zween tag verweilen, solch ding sey nit zu ubereilen Fischart 2, 340
H.; warum verweilte man, da schon Aurels verbrechen enthüllt am tage liegt? Ayrenhoff
w. 1, 100; mit einer sache v. Kramer (1702) 2, 1298; mit der straf v.,
differre poenam Dentzler; der von Schwartzenberg verweilte zu lange mit dem entsatz S. v. Birken
verm. Donaustrand 81.
mit dem infinitiv: da die philosophen noch immer stille schwiegen und ein so nützlich und nöthig werck vollends zu stande zu bringen vieler ursachen wegen verweileten Thomasius
ernsth. ged. u. erinn. 2, 172; die sonne verweilt zu kommen Göthe 16, 200
W. II@A@33)
mit ausdrücklich gegebener oder aus dem zusammenhang zu erschlieszender ortsbestimmung: II@A@3@aa)
an einem ort weilen, sich aufhalten: demnach ist Rudolphus, der sonst merist in Österreich verweilte, in das Tirol kommen graf Brandis
ehrenkräntzel 151; du scheinst hier wider willen zu verweilen Göthe 10, 47
W. (
Iphigenie 1087); dasz in jedem convente zwei gelehrte brüder, ein theolog und ein jurist, verweilen sollten Treitschke
hist. u. pol. aufs.5 2, 43.
mit zeitbestimmungen: der tag war sehr heisz, und ich verweilte bis gegen abend Göthe III 2, 107
W.; nur noch den winter über wollte sie am Rheinsberger hofe verweilen Fontane
ges. rom. u. nov. 7, 101;
vgl. ähnliches oben I 1.
zuweilen steht die bedeutung ruhen nahe: das heiszt: das leben hat (
mit 50
jahren) den mittelpunkt hier ist der ruheplatz, wo die natur verweilet ereilet, Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. 1, 80; man könnte hier verweilen, ruhen, alles mit den augen fassen, sich glücklich finden Göthe 23, 200
W. II@A@3@bb)
den aufenthalt verlängern, bleiben, nicht weggehen, das weggehen verschieben: wenn die vögel noch einen nachsommer vermercken, dasz sie alsdenn nicht so geschwinde vonhinnen eilen, sondern länger verweilen als sonsten Prätorius
winterflucht der sommervögel 135; wenn man von einem ort hinweg gehet und bleibet mit den kleidern an einer thür, nagel oder sonst hängen, so soll man noch ein wenig allda verweilen, sonst hat man unglück J. G. Schmidt
rockenphilosophia 2, 161; unter diesen umständen durfte der kaiser nicht einen augenblick länger in Spanien verweilen Ranke 4, 180.
zuweilen kommt die bedeutung andauern, bestand haben nahe: hie aber wirdt sonderlich befohlen nicht zu feyren, denn wo man disz erstarren verweilen lasset, reicht es zur vollkommen paralysi Wirsung
artzneybuch (1588) 145
c; werd ich zum augenblicke sagen: verweile doch! du bist so schön Göthe 14, 82
W. (
Faust I, 1700); wenn die töne in die nacht verrauschen, was da ewig ist, musz doch verweilen Brentano
ges. schr. 2, 499. II@A@3@cc)
eine bewegung unterbrechen, halt machen, innehalten: die tödtenden in ihrer wuth erwachten aus ihrem traume von blut, verweilten und staunten uns an Kretschmann
s. w. 1, 104; nun hörte ich ein fernes singen immer näher und näher kommen; endlich verweilte der gesang in der nähe meines lagers Brentano
ges. schr. 5, 177; verhoffen, verweilen
sagt man von dem wilde, wenn es im geäse, beim trollen, ziehen, oft sogar in voller flucht plötzlich stehen bleibt und sich nach allen seiten umsieht Behlen
forst- und jagdkunde 6, 127.
vom unterbrechen einer reise: wir konnten also in Halle das zweitemal nicht lange verweilen Lenz
ges. schr. 1, 41
T. (
hofmeister 3, 3); auf der heimreise verweilte der monarch einige tage in Königsberg Treitschke
d. gesch. im 19.
jh. 5, 170. II@A@3@dd)
besondere verwendungen. II@A@3@d@aα)
von tönen: indem das verweilen auf einem langen tone vor einem kürzeren nachdrücklich ... wirkt Vischer
ästhetik 3
4, 907; verweilen auf der quint
F. M. Böhme
gesch. d. tanzes 246. II@A@3@d@bβ)
betrachtendes verweilen;
mit persönlichem subject: wie ich vorher, gleichsam wie von dem glanz der sonne, meine augen von ihr (
der menschlichen gestalt) weggewendet, so konnte ich nun mit entzücken sie betrachten und auf ihr verweilen Göthe IV 8, 329
W.; die dame ... verweilte wohlgefälligen blickes bei den zwei zarten, nach deutscher weise hochschlank emporgeschossenen, und dennoch kindlich anmuthigen gestalten Fouqué
zauberring 1, 9. mit den augen v.: (
ich) kann nicht bei einem gemälde mit dem auge verweilen, wenn es meiner empfindung nichts sagt grafen Stolberg
ges. w. 6, 9; werde dir singen, wie du mit liebe unter den blumen deinen getreuen einst noch erblickest, und mit den hellen, strahlenden augen auf ihm verweilst Brentano
ges. schr. 2, 311.
mit auge, blick u. ä. ausdrücken als subject: warum verweilet, heldensohn, dein aug auf meinem harfenspiele? Denis
Sined d. barde 210; erst verweilte das auge so gern auf der dir bekannten hohen kreideküste Frankreichs Moltke
schr. u. denkw. 6, 298; als er aufsah, bemerkte er, wie der blick eines schon älteren frauenzimmers auf ihm verweilte Storm 1, 291.
ungewöhnlich in dieser verbindung v. an: denn der blick möcht noch verweilen an des lebens buntem rand Bettine
Günderode 1, 99. II@A@44)
in einer lage, einer stellung, einem zustand verweilen: es kostet so viel arbeit, mich umwälzen zu lassen, dasz es kaum mehr der mühe verlohnt, wenn ich nicht eine geraume zeit in der neuen lage wieder verweilen kann Lessing 18, 333
M.; seine lebensbeschreibung, ob sie gleich beinahe zweihundert jahre im manuscript verweilte Göthe 44, 370
W. (
Cellini); in ernster rührender stellung vor der todten verweilend Schiller 3, 153
G. (
Fiesko 5, 13); sein ödes reich bleibt still zurück, die welt verweilt ganz herrenlos Brentano
ges. schr. 5, 271. II@A@55) bei etwas v.,
sich eingehend damit beschäftigen, eingehend darüber sprechen: um uns hievon zu überzeugen, laszt uns bey der geschichte der ersten sünde etwas verweilen Lavater
verm. schr. 2, 268; anklagen ist mein amt und meine sendung, es ist mein herz, was gern beym lob verweilt Schiller 12, 116
G. (
Piccolomini 2, 7); bei dieser letzteren arbeit verweilte er am liebsten und wendete ihr jede mögliche stunde zu G. Keller
ges. w. 6, 61; was leistet die garnison der stadt? ich will nicht lange dabei verweilen, man hört es nicht überall gern, dasz ... die garnison die letzte sicherheit gewährt für aufrechterhaltung der öffentlichen ordnung Moltke
schr. u. denkw. 7, 88.
mit sächlichem subject: der epilog verweilet bey einer von den hauptlehren, auf welche ein theil der fabel und charaktere des trauerspiels mit abzwecken Lessing 9, 210
M. seltener v. auf: wir haben bis hierhin vorzugsweise auf dem lyrischen inhalte des liederbuches der Hätzlerin ... verweilt Gervinus
gesch. d. d. dichtg. (1853) 2, 192; mit welcher sympathie dagegen verweilt er (
der dichter der Nibelungen) auf Rüdiger! Scherer
lit.-gesch. 123. II@A@66)
häufig sind die nominalformen. II@A@6@aa)
das part. präs., haltmachend, innehaltend: mit verweilendem tritte Klopstock
oden 1, 91; Göthe 15, 206
W.; sie sah mich an und blieb verweilend schweben Göthe 1, 4
W.; mit bunten wappenschildern ists bemahlt und weisen sprüchen, die der wandersmann verweilend liest Schiller 14, 282
G. (
Tell 1, 2).
lang andauernd: und ist eine gantze verweilende finsternisz gewesen, sintemal die schrift sagt, sie habe drei stunden gewährt Francisci
eröffn. buszhaus (1676) 784; der lange verweilende kusz Schiller 3, 9
G. (
Fiesko 1, 1).
vom blick (
vergl. 3 d
β): ein verweilender blick ihrer tadellos gekleideten nebenbuhlerin Storm 2, 93.
zu 3 d
α: eine so verweilende und verstärkte betonung W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 297.
zu 5: aber ich möchte gerade für ihn (
den ersten theil dieses buches) zu ruhiger, verweilender betrachtung einladen Scherer
kl. schr. 1, 12. II@A@6@bb)
der infinitiv. II@A@6@b@aα)
formelhaft in der wendung ohne v.: in eyffer ohn verweilen sie ruffet ihm zur stundt Spee
trutznacht. 56; ohne verweilen, nur dasz ich die stiefeln auszog, ging ich nach dem palaste Göthe 44, 251
W. (
Cellini); ohn eintziges v.
Reinicke fuchs (1650) 363; ohne das geringste v. Langbein
s. schr. 31, 70; ohne ferneres v. G. Keller 5, 16.
typisch ist der reim auf eilen: last uns eilen ohn verweilen zu den nymphen hin Chr. Kaldenbach
in Königsb. dichterkr. 178
ndr.; Reinicke fuchs (1650) 145; Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 362. II@A@6@b@bβ)
auch sonst in den verschiedensten bedeutungsschattierungen: der königlichen schwedischen commissarien langes ausbleiben und verweilen v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 34; gnädiges fräulein, sie werden mein verweilen (
ausbleiben) entschuldigen Lessing 2, 236
M. (
Minna 4, 6); das zaudern und verweilen Ramler
fabellese 1, 38; kriegen leidet kein verweilen Grob
dicht. versuchg. 134; bei meinem damaligen öftern besuchen von Jena und einem längeren verweilen daselbst Göthe II 6, 247
W.; nach kurzem verweilen in der hauptstadt Mommsen
röm. gesch. 2, 186; beide schlenderten jetzt behaglich und unter häufigem verweilen auf ein gasthaus zu Fontane
ges. w. I 5, 187; ein längeres verweilen des auges auf einem gemälde Justi
Winckelmann 2, 1, 193; das verweilen bei den einzelnen kunstzweigen für sich und das feststellen eines allgemeinen begriffs der kunst Schleiermacher
w. III 7, 21; der dichtung dieser zeit, deren seele dies verweilen auf dem unwirklichen, wunderbaren und phantastischen ist Gervinus
gesch. d. d. dichtg. (1853) 5, 598. II@BB.
reflexiver gebrauch. II@B@11)
ungewöhnliche verwendungen: mundartlich sich v.,
sich die zeit vertreiben: Seiler
Basler ma. 114; Frischbier
preusz. wb. 2, 443;
auch intrans. verweilen,
s'amuser Frisch
nouv. dict. 603. sich v.,
sich lange hinziehen, lange dauern: dann ir hader sich noch wol in lange jahr verzogen und verweilet hette Kirchhof
wendunmuth 2, 172
Ö. zu ende gehen, ablaufen: sich hat das leben bald verweilt, leufft strack hinweg zum todt und eilt
todtentanz (
Wien 1579) m 3
a. II@B@22)
sonst entspricht reflexiver gebrauch im wesentlichen dem intransitiven: II@B@2@aa) sich v.,
auf sich warten lassen, lange ausbleiben, viel häufiger als das intrans. (
s.A 1);
von personen: des abends müssen sie (
die soldaten) sich zu rechter zeit und nach dem zapfenstreich wieder in ihren quartieren einfinden, und die länger sich verweilen, werden gemeiniglich mit den spiszruthen abgestrafft v. Fleming
teutsche soldat (1726) 383; weil sie mich zu suchen pflegt, ja sie schlägt, wenn ich mich zu sehr verweile J. E. Schlegel (1761) 4, 246.
von sächlichem: di zeit kömt, ... da er ihre antwortsschreiben entfangen sol, aber si verweilen sich was lange Zesen
adriat. Rosemund 32
ndr.; da sie (
eine zeichnung) sich aber zu verweilen scheint Göthe IV 10, 169
W. besonders von ereignissen: so geen wir gross swanger, deszhalb sich unser zuhauffenkomen heur verweylet (1476) Steinhausen
privatbriefe d. ma.-s 1, 157; wolt sich aber solche regenzeit etwas zu lang verweilen Sebiz
feldbau 489; weil ... die belagerte auch sahen, das der entsatz sich verweilete v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 164; kan deine rache sich verweilen? Drollinger
ged. 37.
dazu ein unpersönliches es verweilt sich,
es dauert lange, es verzögert sich, zieht sich lange hin: es bleibt kein arges ungestrafft, wenn sichs gleich hundert jahr verweilet Petri
d. Teutschen weish. 2, z iv
b; als hat es sich bis
an. 1446 verweilt graf Brandis
ehrenkräntzel 169. II@B@2@bb)
abwarten, zeit verstreichen lassen, ehe man etwas unternimmt; nicht so häufig wie das intransitivum: gar bald sich die herren ständ aufmachen, nach Prag geschwind thun eilen, von ihn die sach zu nehmen ein, und sich nicht lang verweilen Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 12; ich liesz ihn da im meer und habe mich geeilet, dasz ich mich dieses dir zu sagen nicht verweilet D. v.
d. Werder
ras. Roland 1, 38.
sich verspäten: da sorgt sie (
die sonne), sie möcht sich verweilen, das ir vileicht das schiff for käm Fischart
glückh. schiff 19
ndr.; wann einer ob dem essen eilt, besorgt, das er sich icht verweilt und im nit viel zu theilen würd Eyering
proverbiorum copia 2, 212; ja, leut, ich verweil mich. behüt euch gott beieinand Rosegger
wildlinge (1906) 329. II@B@2@cc) sich an einem ort v.,
sich aufhalten: (
ihr) habt Frankreich bereist und Rom und euch zu Rheims verweilt Schiller 12, 460
G. (
Maria Stuart 2, 4).
von sächlichem: wo die schönheit sich verweilet, drehte sich das weltgeschick Arnim 22, 304
Gr.; zwei friedrichsd'or verweilen sich bei mir, die du zu deiner habe rechnen sollst Chamisso
w. 5, 239.
mit zeitbestimmungen: ich will mich nicht gerne als (!) noch acht tage hier in Berlin verweilen Lessing 17, 19
M.; werdet ihr euch vielleicht in eurem vaterlande, der Lombardei einige zeit verweilen? Tieck
schr. 3, 29.
den aufenthalt verlängern, das weggehen verschieben (
vgl.A 3 b): das schiff stöszt wirklich ab; du willst dich nicht verweilen Gottsched
ged. (1750) 65.
eine bewegung unterbrechen, stehen bleiben (
vgl.A 3 c): Helene kam vorbeigelaufen, als sie aber ihn und die alte kleebinderin in der küche stehen sah, verweilte sie sich ein wenig Anzengruber
ges. w. 1, 15.
häufiger als das intrans. im sinn von zu lange weilen, sich verzögern, zeit verlieren, etwas versäumen: als nun der käiser diesem allen begierlich zusahe und solcher gestalt im saal sich verweilete Widmann
Faust 438
K.; übertragen: einen durchgangspunkt ..., auf welchem sich die evangelische kirche ... schon allzulange verweilt hat Schleiermacher
s. w. I 5, 528. betrachtend sich verweilen,
vgl.A 3 d
β: dasz er seinen augen um so weniger erlauben konnte, sich darauf (
auf bildern) zu verweilen, je vollkommener die natur darin nachgeahmt war Wieland
Agathon (1766) 2, 52; dasz ihr schönes auge sich mit einem ausdruck von achtung und zufriedenheit auf meinem gesichte verweilte S. v. Laroche
frl. v. Sternheim 1, 306. II@B@2@dd) sich bei etwas v.,
sich eingehend mit etwas beschäftigen (
vgl.A 5): ich will mich bey einer so bekannten sache nicht verweilen Lessing 10, 166
M.; ich brauche mich nun nicht länger bei den folgen der hier aufgestellten säze zu verweilen W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 222.
oft in dem sinn, dasz das verweilen
aufhält, am erreichen des eigentlichen zieles hindert: wir würden von unserm zwecke abkommen, wenn wir uns bey den einzelnen groszen oder erhabenen gedanken länger verweilten Abbt
verm. w. 1, 38.
daher auch sich v.,
ausführlich, breit werden: Klopstock ... hat sich gewisse gegenstände der religion ... so eingedrückt, dasz, wenn er auf sie geräth, er sich verweilt und in empfindungen ausbricht Herder 1, 268
S. in älterer zeit vereinzelt sich v. an: getreue liebe macht, dasz ich in diesen zeilen an deinem ruhme mich in etwas musz verweilen J. G. Neukirch
anfangsgründe 422.