unredlich,
adj. adv. ,
gth. v. redlich.
ahd. unredelîh,
mhd. unredelîch,
mnd. unredelik,
mnl. onredelijc,
nl. onredelijk,
dän. uredlig,
schwed. oredlig.
vgl.unredbar, -redhaft, -redig, -redsam. 11)
gth. v. redlich 1;
anomalus Diefenbach
gl. 36
c. 1@aa)
wie mhd. '
ungebührlich' (
vgl. unehrlich 3): unredlich trawrickeit treybet verre von dem hertzen E. Gross
Grisardis zs. f. d. altert. 29, 421; mit unredlicher weisz verspottet Boltz
Terenz 48
b (in unzimlich weg
indignis modis Neidhart
Eun. 126
F.); in diesem jahre wurden viel mönche ihres unredlichen lebens halben aus ihren clöstern vertrieben Dreszer
sächs. chron. 111. almeist di tragenden wip gelustit unredelicher dinge
Bresl. arzneib. 48 (
vgl.etwas unrechtes gegessen haben,
unrecht 3 f). 1@bb)
sonst überwiegend rechts- und geschäftssprachlich (Staub-Tobler 6, 582; Fischer 6, 210; Haltaus 1951; Dähnert 507
a), '
rechtlichen erfordernissen nicht entsprechend, rechtlich nicht zu vertreten'.
vgl.unrecht 3 e
ζ, ungerecht 5: den abgezwungenen, unredlichen, muotwilligen eid Sleidan
reden 214
B.; ein ander klagte, dasz jener eine unredliche handlung als gültig verfochten hätte Lohenstein
Arm. 1, 62
b; unredliche that, dinge Hutten 3, 190; Hedio
chron. Germ. p 3
b; miszhandlung Beuther
praxis 147; handel Tschudi
chron. 2, 686; besitzung 1, 6; mittel Fischart
binenk. 237
b;
beim fechten einen heimlichen, unredlichen und schelmischen stich oder stosz geben Duez
nomenclat. (1652) 206; ein unredlicher überfall Ziegler
Banise 283; unredliche feindtähtligkeit Butschky
Pathmos 203, feindschaft Bodmer
crit. schr. 1, 20, verletzung
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 585; unredliche (
unberechtigte) kriege J. Jonas
das 7.
cap. Danielis a 1
b,
nach 5
umgebogen Gentz 5, 141; unredliches begehren, ansinnen, spiel, kampf
u. dgl. geht ursprünglich auf diese heute veraltete rechtsbed. zurück (
pilgerf. d. träumenden mönchs 3205, 10 343;
nl. wb. 10, 1771, 3),
ebenso vieles andere heute sittlich (5)
aufgefaszte (E.
M. Arndt 3, 54; Pückler
briefw. 3, 438; G. Freytag 10, 217); da ihr höretet
etwas unbillichs oder unredliches von uns reden Schütz
Preuszen 4, e e 3
a (
vgl. unredliche worte Staub - Tobler 6, 583;
mnl. wb. 5, 878, 2; unredlichs blasphemieren Parac.
chir. 254 c).
seltener prädicativ: es were u., das man ein man gefangen legt, welicher willigklichen her kommen were Eberlin v. Günzburg 2, 98
ndr.; etlicher zwang der ist auch u. Zobel
lehenrecht (1589) 99
b.
adv.: solche kinder aber werden u. und widder gottes ordnung gezeuget Luther 26, 151 (
vgl. redliche kinder, nachkommen); u. handeln Riederer
rhet. f 3
a; besitzen Dietenberger
vermanung G 3
b; u. gewonnen gut Fischer 6, 210; u. zuerkennen Fischart
discours e 2
b;
gern im alten fehderecht: das der herr
die vehd u. fürt
lehenrecht (1533) k 3
b; Götz v. Berlichingen 77
B.; u. erwürgen Megiser
annales Car. 512. es sterbe, wer es mit Sachsen u. meynet Weise
polit. redner 1016,
heute zu 5
gezogen. vgl. unehrlich 2. 22)
irrationalis (Niger Abbas 2650;
ahd., mhd., mnd., mnl., nl.),
gth. v. redlich 2,
vernunftlos, unverständig: die unredlichen viche
cod. Tepl. 3, 15;
Eulenspiegel 44
ndr.; G. Braun
beschreibung u. contrafactur 1576; Doornkaat 3, 473
a. also was der blöden, schwachen, unredlichen leut seint, die schwadern vil und thund
nichts dan tadern und tadern Keisersberg
sünden d. munds 76
a.
veraltet. 33)
gth. v. redlich 3:
instrenuus Maaler 466
d; forchtsamlich, u., zaglich Frisius 894
a; undapffer Schönsleder S s 7
d;
noch erhalten in Adelungs
beispiel: die besatzung wehrete sich sehr u. (
vgl. unehrlich 2
und redlich fechten Staub - Tobler 6, 581.
Adelung deutet um: '
nicht mit der gewissenhaftesten befolgung seiner pflicht'). ein bawfellig hausz ein unredlicher (
untüchtiger, nachlässiger) wirt Petri S 7
a (
vgl. unrätlicher wirt,
s. unrätlich 3).
veraltet. 44)
gth. v. redlich 4,
illiberalis, inhonestus, infamis: es haben ... die heiden auf burgerlicher redlichkait so steiff gehalten, das wann sie einen nur einmal auff einem unredlichen stück erwüschten, nichts mehr forthin von im hielten Nas 1, 201 c; diesen säwischen, allerunnotwendigsten, unredlichsten leibsgliedern Guarinonius 70 (
vgl. unehrlich, -ehrbar 1);
als standesbegriff (
vgl. unehrlich 2): die knecht sollens den frantzosen ubergeben haben, daher die Breszler knecht als u. under kein fenlein mehr dörfften Franck
chron. Germ. (1538) 263
b;
Garg. 30
ndr.; unredliche todschleger Stumpf
chron. 729
a; ein unredliches gewerb Kramer (1702) 2, 287
a; handthierung Heynatz
antib. 2, 345. u. sein Fronsperger
kriegsb. 1, 36
a; u. werden Maier
hist. lustgarten 1, 129; sind wir nicht zunftmäszige leute? würden wir nicht wegen des katzenschindens u. werden? A. Gryphius
Peter Squenz 9
ndr.; der wird an im selbst u. Fischart
bündnis u. verein 218, 102
Hauffen; u. machen Schönsleder, Dentzler, Frisch (jemand u. erklären Kramer); kein meister darff mich treiben ausz oder er wird unredlich gemacht J. Ayrer
opus theatricum 1, 372
b; besser zehen redlich machen denn einen u. Petri k 7
b; Kreckwitz
lustwäldlin 50; Lehmann
florileg. 4, 107.
veraltet. 55)
gth. v. redlich 5.
vgl. unehrlich 5, ungerecht 5, 9, unrecht 3 e
ζ, unlauter 6. 5@aa)
die sittliche bed. ist aus der rechtlich - geschäftssprachlichen (1)
hervorgegangen, wie noch vielfach ersichtlich (
s. die umdeutungen unter 1): got ist unredilich, er helt seine wort nit Carlstadt
v. beiden gestalten d. h. messe c 1
b; C. Spangenberg
chron. 127; ein unredlicher kläger Buchholtz
Herkuliskus 200; Fischart
trostb. 66, 36
H.; du unredliches (
treuloses) glück
b. d. liebe 111
b; lose, unredliche leut Ayrer 1606
K.; was hab ich denn verwürckt, unredliche gemütter? kommt, kläger! tretet vor! A. Gryphius
trauerspiele 514, 67
P.; mit den werbegeldern u. umgehen v. Fleming
soldat 127; Gottsched
d. neueste 5, 275; banquerotte machen oder sich sonst eine unredliche handlung zu schulden kommen lassen J. Möser 2, 66; zu unredlich - eignem nutz Herder 28, 226. 5@bb)
die allgemeine bed. '
böse, unmenschlich'
mnl. wb. 5, 878, 2, '
schlecht' Lexer 2, 1925, Staub-Tobler 6, 583, 1
b, '
malignus' Schönsleder, '
improbus, scelestus' Stieler 1543
ist bei uns theils unentwickelt, theils in speciellere bedd. irrig hineingelegt (
est ignominiosus er ist u. Schönsleder S s 7
b zu 4). 5@cc) Göthe
verhält sich u.
gegenüber ähnlich wie gegenüber unehrlich
und unlauter,
deren eng-sittliche bed. er ablehnt; er verwendet es nur in den naturwissenschaftlichen schriften (Bohner 108; eine geschichte zu schreiben, ist immer eine bedenkliche sache. denn bei dem redlichsten vorsatz kommt man in gefahr, unredlich zu sein II 1, xvi
W.; die ... unredliche widersetzlichkeit der gegner IV 34, 159, 23
W.; es ist etwas unredliches in den übertriebenen ansichten und vorstellungen dieser leute [
Schlegels]
gespr. 5, 290;
vgl. Adelung 4 [1780], 1268, 3)
als gs. zu redlich (Boucke
wort u. bed. 111; unredlichkeit
im gs. zur redlichen forschung 28, 103
W.; vgl. unrein Boucke 86),
so dasz sein tadel nicht so schwer wiegt wie etwa der Schopenhauers (unredliche philosopheme 2, 451). 5@dd)
völlig losgelöst von bed. 1,
eindeutig auf unlauterkeit der gesinnung u. handlungsweise bezogen, gehört u.
eigentlich erst dem 18./19.
jh. an. das mnl. u. nl. kennen diese unsre hauptbed. nicht; '
betrügerisch' Lübben - Walther 441
b zweifelhaft, ebenso (
vgl.a) unredlich, unwarhafft Meichszner
handbüchlin (1567) 20
a und unredliche, tückische und betriegliche leute
Rein. Fuchs (1650) 39: der unredliche bürger Schleiermacher II 4, 10; die schlauen und unredlichen advokaten Meinecke
Boyen 1, 56;
substantiviert: dem unredlichen (
heuchler) Schiller 13, 61;
betrüger G. Keller 1, 143; Pansner
schimpfwb. 74
a; Unredli findt e knödli Eiselein 612; Staub-Tobler 6, 583. unredliche mittel Liscow
vorr. 18; kunstgriff Lavater
physiogn. fragm. 1, 177; handlungsweise Immermann 2, 62; absichten Scherer
litgesch. 441; geschäftsführung
handelsgesetzb. 118, 2; eine unredliche staatskunst Fr. Schlegel 2, 115. etwas unredliches S.
Brunner 2, 167. diese lage der dinge ihnen zu verbergen, wäre u. gewesen Herder 19, 183; G. Freytag 19, 5. unredlicherweise von der wahrheit abweichen Tieck 14, 243; u. mit jemand umgehen Adelung ('
glimpflicher als falsch'). 66)
abgeschwächt: er hat seine grillen, sonst aber weisz man von ihm nichts unredliches Petrasch 1, 109.
vgl. nichts unrechtes, unrecht 3 f
ende. 77)
adv. steigernd '
entsetzlich, nicht auszuhalten' Staub-Tobler 6, 583.
nicht schriftsprachlich. 88)
gth. v. redlich 8:
infandus Schröer
vocab. 1264. '
nicht geredet, ausgesprochen werden könnend' Campe.
veraltet.