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unredlich

mhd. bis sprichw. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unredlich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1251
unredlich, adj. adv. , gth. v. redlich. ahd. unredelîh, mhd. unredelîch, mnd. unredelik, mnl. onredelijc, nl. onredelijk, n. uredlig, schwed. oredlig. vgl.unredbar, -redhaft, -redig, -redsam. 11) gth. v. redlich 1; anomalus Diefenbach gl. 36c. 1@aa) wie mhd. 'ungebührlich' (vgl. unehrlich 3): unredlich trawrickeit treybet verre von dem hertzen E. Gross Grisardis zs. f. d. altert. 29, 421; mit unredlicher weisz verspottet Boltz Terenz 48b (in unzimlich weg indignis modis Neidhart Eun. 126 F.); in diesem jahre wurden viel mönche ihres unredlichen lebens halben aus ihren clöstern vertrieben Dreszer sächs. chron. 111. almeist di tragenden wip gelustit unredelicher dinge Bresl. arzneib. 48 (vgl.etwas unrechtes gegessen haben, unrecht 3 f). 1@bb) sonst überwiegend rechts- und geschäftssprachlich (Staub-Tobler 6, 582; Fischer 6, 210; Haltaus 1951; Dähnert 507a), 'rechtlichen erfordernissen nicht entsprechend, rechtlich nicht zu vertreten'. vgl.unrecht 3 e ζ, ungerecht 5: den abgezwungenen, unredlichen, muotwilligen eid Sleidan reden 214 B.; ein ander klagte, dasz jener eine unredliche handlung als gültig verfochten hätte Lohenstein Arm. 1, 62b; unredliche that, dinge Hutten 3, 190; Hedio chron. Germ. p 3b; miszhandlung Beuther praxis 147; handel Tschudi chron. 2, 686; besitzung 1, 6; mittel Fischart binenk. 237b; beim fechten einen heimlichen, unredlichen und schelmischen stich oder stosz geben Duez nomenclat. (1652) 206; ein unredlicher überfall Ziegler Banise 283; unredliche feindtähtligkeit Butschky Pathmos 203, feindschaft Bodmer crit. schr. 1, 20, verletzung M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 4, 585; unredliche (unberechtigte) kriege J. Jonas das 7. cap. Danielis a 1b, nach 5 umgebogen Gentz 5, 141; unredliches begehren, ansinnen, spiel, kampf u. dgl. geht ursprünglich auf diese heute veraltete rechtsbed. zurück (pilgerf. d. träumenden mönchs 3205, 10 343; nl. wb. 10, 1771, 3), ebenso vieles andere heute sittlich (5) aufgefaszte (E. M. Arndt 3, 54; Pückler briefw. 3, 438; G. Freytag 10, 217); da ihr höretet etwas unbillichs oder unredliches von uns reden Schütz Preuszen 4, e e 3a (vgl. unredliche worte Staub - Tobler 6, 583; mnl. wb. 5, 878, 2; unredlichs blasphemieren Parac. chir. 254 c). seltener prädicativ: es were u., das man ein man gefangen legt, welicher willigklichen her kommen were Eberlin v. Günzburg 2, 98 ndr.; etlicher zwang der ist auch u. Zobel lehenrecht (1589) 99b. adv.: solche kinder aber werden u. und widder gottes ordnung gezeuget Luther 26, 151 (vgl. redliche kinder, nachkommen); u. handeln Riederer rhet. f 3a; besitzen Dietenberger vermanung G 3b; u. gewonnen gut Fischer 6, 210; u. zuerkennen Fischart discours e 2b; gern im alten fehderecht: das der herr die vehd u. fürt lehenrecht (1533) k 3b; Götz v. Berlichingen 77 B.; u. erwürgen Megiser annales Car. 512. es sterbe, wer es mit Sachsen u. meynet Weise polit. redner 1016, heute zu 5 gezogen. vgl. unehrlich 2. 22) irrationalis (Niger Abbas 2650; ahd., mhd., mnd., mnl., nl.), gth. v. redlich 2, vernunftlos, unverständig: die unredlichen viche cod. Tepl. 3, 15; Eulenspiegel 44 ndr.; G. Braun beschreibung u. contrafactur 1576; Doornkaat 3, 473a. also was der blöden, schwachen, unredlichen leut seint, die schwadern vil und thund nichts dan tadern und tadern Keisersberg sünden d. munds 76a. veraltet. 33) gth. v. redlich 3: instrenuus Maaler 466d; forchtsamlich, u., zaglich Frisius 894a; undapffer Schönsleder S s 7d; noch erhalten in Adelungs beispiel: die besatzung wehrete sich sehr u. (vgl. unehrlich 2 und redlich fechten Staub - Tobler 6, 581. Adelung deutet um: 'nicht mit der gewissenhaftesten befolgung seiner pflicht'). ein bawfellig hausz ein unredlicher (untüchtiger, nachlässiger) wirt Petri S 7a (vgl. unrätlicher wirt, s. unrätlich 3). veraltet. 44) gth. v. redlich 4, illiberalis, inhonestus, infamis: es haben ... die heiden auf burgerlicher redlichkait so steiff gehalten, das wann sie einen nur einmal auff einem unredlichen stück erwüschten, nichts mehr forthin von im hielten Nas 1, 201 c; diesen säwischen, allerunnotwendigsten, unredlichsten leibsgliedern Guarinonius 70 (vgl. unehrlich, -ehrbar 1); als standesbegriff (vgl. unehrlich 2): die knecht sollens den frantzosen ubergeben haben, daher die Breszler knecht als u. under kein fenlein mehr dörfften Franck chron. Germ. (1538) 263b; Garg. 30 ndr.; unredliche todschleger Stumpf chron. 729a; ein unredliches gewerb Kramer (1702) 2, 287a; handthierung Heynatz antib. 2, 345. u. sein Fronsperger kriegsb. 1, 36a; u. werden Maier hist. lustgarten 1, 129; sind wir nicht zunftmäszige leute? würden wir nicht wegen des katzenschindens u. werden? A. Gryphius Peter Squenz 9 ndr.; der wird an im selbst u. Fischart bündnis u. verein 218, 102 Hauffen; u. machen Schönsleder, Dentzler, Frisch (jemand u. erklären Kramer); kein meister darff mich treiben ausz oder er wird unredlich gemacht J. Ayrer opus theatricum 1, 372b; besser zehen redlich machen denn einen u. Petri k 7b; Kreckwitz lustwäldlin 50; Lehmann florileg. 4, 107. veraltet. 55) gth. v. redlich 5. vgl. unehrlich 5, ungerecht 5, 9, unrecht 3 e ζ, unlauter 6. 5@aa) die sittliche bed. ist aus der rechtlich - geschäftssprachlichen (1) hervorgegangen, wie noch vielfach ersichtlich (s. die umdeutungen unter 1): got ist unredilich, er helt seine wort nit Carlstadt v. beiden gestalten d. h. messe c 1b; C. Spangenberg chron. 127; ein unredlicher kläger Buchholtz Herkuliskus 200; Fischart trostb. 66, 36 H.; du unredliches (treuloses) glück b. d. liebe 111b; lose, unredliche leut Ayrer 1606 K.; was hab ich denn verwürckt, unredliche gemütter? kommt, kläger! tretet vor! A. Gryphius trauerspiele 514, 67 P.; mit den werbegeldern u. umgehen v. Fleming soldat 127; Gottsched d. neueste 5, 275; banquerotte machen oder sich sonst eine unredliche handlung zu schulden kommen lassen J. Möser 2, 66; zu unredlich - eignem nutz Herder 28, 226. 5@bb) die allgemeine bed. 'böse, unmenschlich' mnl. wb. 5, 878, 2, 'schlecht' Lexer 2, 1925, Staub-Tobler 6, 583, 1b, 'malignus' Schönsleder, 'improbus, scelestus' Stieler 1543 ist bei uns theils unentwickelt, theils in speciellere bedd. irrig hineingelegt (est ignominiosus er ist u. Schönsleder S s 7b zu 4). 5@cc) Göthe verhält sich u. gegenüber ähnlich wie gegenüber unehrlich und unlauter, deren eng-sittliche bed. er ablehnt; er verwendet es nur in den naturwissenschaftlichen schriften (Bohner 108; eine geschichte zu schreiben, ist immer eine bedenkliche sache. denn bei dem redlichsten vorsatz kommt man in gefahr, unredlich zu sein II 1, xvi W.; die ... unredliche widersetzlichkeit der gegner IV 34, 159, 23 W.; es ist etwas unredliches in den übertriebenen ansichten und vorstellungen dieser leute [Schlegels] gespr. 5, 290; vgl. Adelung 4 [1780], 1268, 3) als gs. zu redlich (Boucke wort u. bed. 111; unredlichkeit im gs. zur redlichen forschung 28, 103 W.; vgl. unrein Boucke 86), so dasz sein tadel nicht so schwer wiegt wie etwa der Schopenhauers (unredliche philosopheme 2, 451). 5@dd) völlig losgelöst von bed. 1, eindeutig auf unlauterkeit der gesinnung u. handlungsweise bezogen, gehört u. eigentlich erst dem 18./19. jh. an. das mnl. u. nl. kennen diese unsre hauptbed. nicht; 'betrügerisch' Lübben - Walther 441b zweifelhaft, ebenso (vgl.a) unredlich, unwarhafft Meichszner handbüchlin (1567) 20a und unredliche, tückische und betriegliche leute Rein. Fuchs (1650) 39: der unredliche bürger Schleiermacher II 4, 10; die schlauen und unredlichen advokaten Meinecke Boyen 1, 56; substantiviert: dem unredlichen (heuchler) Schiller 13, 61; betrüger G. Keller 1, 143; Pansner schimpfwb. 74a; Unredli findt e knödli Eiselein 612; Staub-Tobler 6, 583. unredliche mittel Liscow vorr. 18; kunstgriff Lavater physiogn. fragm. 1, 177; handlungsweise Immermann 2, 62; absichten Scherer litgesch. 441; geschäftsführung handelsgesetzb. 118, 2; eine unredliche staatskunst Fr. Schlegel 2, 115. etwas unredliches S. Brunner 2, 167. diese lage der dinge ihnen zu verbergen, wäre u. gewesen Herder 19, 183; G. Freytag 19, 5. unredlicherweise von der wahrheit abweichen Tieck 14, 243; u. mit jemand umgehen Adelung ('glimpflicher als falsch'). 66) abgeschwächt: er hat seine grillen, sonst aber weisz man von ihm nichts unredliches Petrasch 1, 109. vgl. nichts unrechtes, unrecht 3 f ende. 77) adv. steigernd 'entsetzlich, nicht auszuhalten' Staub-Tobler 6, 583. nicht schriftsprachlich. 88) gth. v. redlich 8: infandus Schröer vocab. 1264. 'nicht geredet, ausgesprochen werden könnend' Campe. veraltet.
8697 Zeichen · 240 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    unredlichAdj.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    unredlich , Adj. Vw.: s. unredelich

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unrêdlich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unrêdlich , -er, -ste, adj. et adv. nicht redlich, in den noch jetzt gangbaren Bedeutungen dieses Wortes. 1. Nicht mit d…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unredlich

    Goethe-Wörterbuch

    unredlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. Sprichwörter
    Unredlich

    Wander (Sprichwörter)

    Unredlich Unredli find't e Knödli. ( Bodensee. ) – Eiselein, 612.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unredlich

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von unredlich 3 Analysen

un- + redlich

unredlich leitet sich vom Lemma redlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: unreden+-lich un-+red+-lich

unredlich‑ als Erstglied (1 von 1)

unredlichkeit

DWB

unredlich·keit

unredlichkeit , f. , mangel u. gth. der redlichkeit. mhd. unredelîcheit; mnd. unredelicheit; mnl. onredelijcheit; nl. onredelijkheid; dän. u…

Ableitungen von unredlich (1 von 1)

Unredliche

GWB

Unredliche [bisher nicht publizierter Wortartikel]