unrein,
adj. adv. ,
gth. von rein.
g. unhrains;
an. úhreinn,
dän. uren,
schwed. oren;
ahd. un(h)reini,
mhd. unreine;
as. unrhêni,
mnd. unre(i)ne (Leitzmann
zu Gerhard v. Minden 93, 62);
mnl. onreine,
nl. onrein.
frühnd. noch vereinzelt unreine
s. th. 6, 680 I c; Abr. Geysel
bei Fischer-Tümpel 3, 161. ungrein Fischart
lob der lauten 492.
vielfach in mundarten (
z. b. im els. und bairischen)
durch unsauber
verdrängt; im nl. und im schwäb. ist die physische bed. zurückgetreten. vgl. über-,
urrein,
unreinig, -reiniglich, -
reinlich und von syn. bes. unsauber,
unlauter,
unklar,
unkeusch, unflätig; Teller 2, 297; Weigand 2, 569. 11) rein II 1
entsprechend, in physischer bed. 1@aa)
nicht rein in sich, mit fremdartigen bestandtheilen gemischt, gs. rein 1 a,
von b
nicht völlig zu trennen. α)
vom wasser, thau, von quellen (
oft nach b
verstanden);
vgl.unklar 2,
unlauter 1 (unflätig II 2 d
α): stadtregenwasser ist stets
unreiner als landregenwasser ... am unreinsten ist von dächern ablaufendes regenwasser
Meyers conv.-lex. 17
5, 540; Wander 4, 1811, 266; so aber der thaw dunckel und unreyn, so werden die berlen ... heszlich Eppendorff
Plin. 11, 122.
eigentlich und bildlich: eine unreine quelle; aus sehr unreinen quellen schöpfen Schiller 9, 362.
β)
von luft und wetter; vgl. unklar 1, unlauter 1, unflätig II 1,
wild B 13
und 16 e; uren Staub-Tobler 1, 420,
dazu 6, 989: das thue man in der wochen 1 mal oder 2, darnach die lufft u. ist Gäbelkover 2, 178; unreine und stinckende luft Chr. Wolff
v. d. menschen thun 321; Peschel
völkerk. 96;
übertragen Schubart
briefe 1, 46
Strausz; in bed. 2 d
übergehend: unreiner athem, bradem Höfler 65
a.
vom wetter '
vies, vuil, goor'
mnl. wb. 5, 881, 1; '
zweifelhaft, unbeständig, arg, schlimm' Staub-Tobler 6, 990;
nicht schriftsprachlich. γ)
wie das entsprechende rein
von chemischer zusammensetzung mancher stoffe: unreine säure Sprengel
chemie f. landwirthe 2, 99; das unreine harnsaure ammoniak Sömmerring
bau 6, 93
u. s. w.; steinkohlentheer in unreinem zustand Lueger
lex. d. technik 1, 375.
den unreinen, stinckenden oder übel schmeckenden wein zu bessern Marperger
küchen- u. kellerdiet. 1295
a;
vgl.unklar 2, unlauter 3;
im wortspiel scherzend: Rheinwein oder ein Unreinwein Bäuerle
kom. theater 3, 18. man nimt frischs baumOel ... wascht dasselbig fleiszig ab, im fall es u. ist Sebiz
feldbau 392;
vgl. unflätig II 2 d
β.
δ)
wie rein
von sand, zucker, pulver, korn u. dgl. (unflätig II 2 d
ζ): saburra, unreiner sand, damit man die schiff beschwert Alberus
dict. 54
a; der zücker ... sehr u. ist Ryff
confectb. 6
b; grobkörnicht oder unreines pulver Stahl
gewehrgerechter jäger 91; unreine saat, unreiner hafer, unreines korn, unreine linsen
u. dgl.; das feld steht unrein; unreine (
unreinmachende) spreu, unreines unkraut;
oft wird bed. b
mitverstanden; vgl. unlauter 4.
ε) rein 1 a
ε entsprechend: unreines weizenmehl, wolle
handwb. d. staatswissensch. 7, 875, seide Staub-Tobler 6, 989; fusti, dasjenige, was an einer waar unreins ist Marperger
kaufm.-magazin 500; Spanutius 259; Kinderling 219; Schedel
waarenlex. 1, 408;
vgl. unten 2 h;
von metallen und mineralien (
vgl. wild 16 a): solche metall, es sey nun ... vorm schmeltzen u. oder unvollkommen Mathesius
Sarepta 27
b; die armen, unreinen silberertze Ercker
beschreibung 17
b; puchwercke sind officinen, darinnen das ertz .. von den unreinen arten geschieden wird Junghanns (1680); unrein gepochter zwitter Mothes
baulex. 4, 509; unreine fässer heiszen in der wäsche die fässer, in welchen die mittelsten planen gewaschen werden; der unreine schlich wird nachmahls aus den unreinen fässern ... gewaschen Minerophilus
bergw.-lex. 679; Jacobsson 4, 486
b; unreiner kasten
ebda; Krünitz 199, 96
f.; schmiedefeuer gibt unreine hitze,
wenn unreine schlacke am eisen zurückgeblieben ist Prechtl
technolog. encyclopädie 13, 19;
bildlich: Fischart
flöhhatz 1382
neudr.; salz, steinsalz Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1, 125;
handwb. d. staatswiss. 6, 488
u. dgl. ζ)
von glas, perlen, edelsteinen: die grösten diamanten, wenn sie u. sind, sind unwerter als kleine Lohenstein
Arm. 1, 15
a; unreiner glas Kramer (1702) 2, 312
b; Krünitz 199, 95;
aber unreine fensterscheibe
s. 1 b; krystalle Göthe II 9, 62
W.; der allmandin ist durchsichtig, aber doch stets mit einem unreinen kern Zappe
mineral. handlex. 1, 33; unrein gefaszte perle leuchtet nicht Körte
sprichw. 339;
vgl.unklar 2. 1@bb)
gth. v. rein 1 b,
nicht frei von befleckung, verunreinigung, schmutz u. s. w.; hier erscheinen einige ausdrücke wie unreines fensterglas, wasser, heu
in anderer bed. als bei 1 a (
z. b. wasser A. v. Eyb
d. schr. 1, 50, 11; Petri r 1
a; d d 5
a; Lessing 3, 23 [
Nathan 1, 3, 475]; heu Walther
pferde- u. viehzucht 23): wer unreine hende hat, der wird nichts rein waschen, sondern viel mehr unrein und unsauber machen, was er anrüret Luther 28, 466, 34
W.; vgl. unflätige hände
unter unflätig I
und II 2 d; wer kan haus halten on unreyne (
auch zur aufnahme von unreinigkeiten bestimmte) gefes? Luther 18, 420
W.; schuhe, kleider, teller, messer, betten
u. s. w. Alberus
fabeln 16
ndr.; Fr. H. Jacobi 4
3, 41;
Tölpels baurenmoral 89; Kortum
Jobsiade 2, 89; unreine wäsche heiszt sowohl die etwas beschmuzte und schon einmal gebrauchte, als auch die ungewaschene (altwaschene) wäsche Hupel
idioticon d. d. spr. in Lief- u. Esthland 245; die sonne scheint auch in unreine orter und bleibt gleichwol rein Petri r 3
b; straszen, stadt Ritter
erdk. 2, 408; Mommsen
röm. gesch. 5, 508; cloake, kanal
u. dgl. die abfallenden blätter machen ihr den hof u. und dumpfig Göthe 19, 122, 25
W.; weg Graff 4, 1160;
bildlich: folgen in dem unreinen (
vgl. 3) weg der laster Pauli
schimpf u. ernst 56. wie ain muoter thut, wenn sich das kind unrain machet, so wäscht sy die windlen wider Luther 10
3, 239, 4
W.; Eulenspiegel 22
ndr.; Göthe
Rein. Fuchs 3, 350;
junge hunde machens unsauber und u. in den stuben
viehb. (1667) 89; wenn kinder .. u. sind Petri c c c 6
a; sich u. halten, u. gehalten werden in wäsch, leinzeug
etc., u. mit etwas umgehen Kramer (1702) 2, 312
b.
insbesondere '
nicht auf reinlichkeit bedacht, sich nicht reinlich haltend'
u. ä.: vom hund Graff 4, 1160; die unreinen sew Luther 34
1, 75, 2
W.; ich sey eyn unreyn fogell yn meynem nehst 7, 679
W.; das unreine kameel
litbr. 11, 10; unreiner koch, unreine köchin Kramer 312
a; die Laobes ... sind u. Ritter
erdk. 1, 479.
übertragen: der unreinen herde der casuisten Thümmel
reise 5, 289 (
vgl. 3 d). '
verunreinigend, ekelhaft'
u. dgl.: unreinen speichel
betbüchlin (1518) 117
b; kot H. Sachs 9, 142, 6
K.; unreine arbeit Forberger
Jovii beschr. 390; alle die handwerker, die unreine, stinkende materien bearbeiten, sind bei den ärzten ...
unter dem namen der unreinen handwerker bekannt Ackermann
krankheiten d. künstler u. handw. 1, 9;
vgl. unflätige arbeit
unter unflätig II 2 a; unreiner stoff (
übertragen) Hölderlin 2, 95
L.; schaum (
desgl.)
theatr. amoris 412; hand (
desgl.) Holtei
erz. schr. 19, 26; das unreine wesen (
verschmutzung)
des rohres v. Fleming
soldat 63; etwas unreines
verunreinigendes Walther
pferde- u. viehzucht 24;
mit bed. 4
und 5
spielend Bettine
Günderode 1, 148.
term. techn.: der unreine, weise carrarische marmor Göthe IV 8, 171
W.; unreiner druck,
not dear, boueux W. Hellwig
fachausdrücke 92
a; Krünitz 199, 96. 22)
freiere anwendung von 1 a
u. b, rein 2
entsprechend; und zwar, wie dieses, 2@aa) ins unreine machen, bringen, im unreinen sein, das unreine
u. s. f.: schüler müssen den aufsatz erst ins unreine machen (im unreinen machen, abgeben); das unreine,
entwurf, concept, kladde; der völlige abschlusz war folgendes gesuch, das in pleno bis auf die letzten kleinigkeiten ins unreine und ins
reine gebracht ward Hippel
lebensl. 2, 429; es bedürfe gar manches unreinen (
erledigung von geschäftlichen hindernissen, umständlichkeiten, schwierigkeiten; vgl. unlauter 9), um ins reine zu kommen Göthe 24, 305, 26
W.; beyliegende drey gesänge Reinickes wollte ich erst recht sauber abschreiben lassen und nochmals durchsehen ... so sende ich sie in einem etwas unreineren zustand IV 10, 111
W. im unreinen (
ungewissen) sein Staub-Tobler 6, 990; darüber bin ich mit mir noch im unreinen (nicht im reinen);
vgl.unklar 5;
mnd. unreine '
unklar, nicht in ordnung' Lübben-Walther 441
b; eine unreine rechnung,
eine nicht einwandfrei oder undurchsichtig aufgestellte, in der die einzelnen posten nicht genau gesondert sind. 2@bb) rein 2 b
entsprechend: und zugent .. durch vil unreiner graben und studen D. Schilling
Berner chron. 181;
vgl. unreiner grund
unter 2 i
α, Cleasby-Vigfusson 661
b,
mnl. wb. 5, 881, 1;
dazu unklar 7
ende; ein unreines (
mit muscheln u. dgl. bewachsenes) schiff Sachs-Villatte 1839
b; ein frewdferdige rede ist wie ein leim, der zwey höltzer zusammen zeucht: wenn aber etwas u. zwischen die fugen kompt, so scheubt sichs und helt nicht feste Petri t 8
a.
wie unklar 7 c
ende, unlauter 5, ungeheuer 2, 4: ein unrein zimmer,
dove regnano spiriti Kramer (1702) 2, 312
a; unreine nacht,
in der es spukt Fischer 6, 211; úhreint '
infested by a monstre' Cleasby-Vigfusson 661
b; trehfe
unrein, unsicher v. Train
chochemer loschen2 235
a.
veraltet und mundartlich. 2@cc)
wie rein
von licht, farbe, tönen, geruch, geschmack u. dgl.: eine unrein brennende flamme; unreines licht;
vgl. wilde sonne
unter wild 16 e; farben Kant 5, 225, 2; milchsuppenfarbe ist eine unreine weisze farbe Hohberg
georg. 3, 489
b; unreinweisz Zschokke 11, 218; ein unreines violett Göthe III 2, 292, 19
W.; dasz das grau unreiner ist J. A. Naumann
vögel 7, 358. wann die lerchenpfeifflein u. werden, machet ein zwiefaches aschenwasser Aitinger
jagdb. 135; unreine acorde Walther
mus. lex. 7; u. klingen 615; unreine töne Scheibe
crit. musicus vorw.; misztöne Schopenhauer 1, 341; intonation Hiller
anweisung z. gesang (1774) 29; dieses unreine des tones Sulzer
theorie 3, 33; eine unreine stimme Hegel I 10, 182; er sang einen unreinen, aber in gott freudigen tenor Gutzkow 8, 235;
bildlich: unreine erdentöne Fouqué
gefühle 1, 154; dasz der marmor einen stumpfen und unreinen klang von sich gab Göthe 44, 198
W. sonaten, wenn sie von hudlern durch unreine griffe ... übel vollzogen werden Mattheson
ehrenpforte 65 (1910);
das klavier spricht u. und undeutlich an Ph. E. Bach
art das clavier zu spielen 1, 8;
vgl. reinlich (
deutlich) reden
Jes. 32, 4. die flüssigkeit riecht etwas u., wasser schmeckt unrein. 2@dd)
nosologisch; Lessiak
gicht 117;
vgl.unkeusch 1, unlauter 1, unflätig II 2 b.
aussätzig: 3. Mos. 13
ff.; vgl. k
γ; das imants zu
F. und Sassenhusen unreyne und feltsieche sy (1463)
Frankf. zunfturk. 1, 67;
statutenb. 141
b; ein unreiner, aussätziger mann
b. d. liebe 91
b; unrein bin ich Lavater
verm. schriften 1, 277; Staub-Tobler 6, 990; unreine rüder
aussatzraude Höfler 498
a.
venerisch: unreine krankheit, sucht, venusseuche Höfler 324
a; 717
a; 644
a; wegen der unreinen sücht der Frantzosen
M. Quad
enchir. cosmogr. (1604) 275; Staub-Tobler 6, 989; unreiner beischlaf, flusz Höfler 571; 163
b; u. sein Krünitz 199, 95. unreines (
wildes) fleisch Mynsinger
v. d. falken 33; Höfler 158
a;
vgl. wild 14 b
und 16 k; unrein haubt
scabiosum Stieler 1587; unreine haut,
mit ausschlägen behaftet Staub-Tobler 6, 989; Fischer 6, 210; hautfarbe (teint); den sie (
die blatternkrankheit) so unflettig und unrein was Murner
bei Hutten 5, 402; Tschudi
chron. 1, 377; unreiner siechtag
mors Höfler 726
a;
ein bisz ist u.,
schwer heilbar Fischer 6, 211;
von einer wunde Staub-Tobler 6, 989; Höfler 819
b; unreine säfte
cacochylia Nemnich
lex. nosol. 17
c; geblüt, blut Höfler 60
b;
vgl. wild 16 g;
problemata Aristotilis 12
b; Brunschwig
chir. 40
b;
med. maulaffe 39; Lichtenberg
nachlasz 63, 4; die schwartz, grob, unrein, melancholisch feuchte Ryff
sp. d. gesundtheit c c 3
a; hitze Gäbelkover 1, 95; geschwür Sömmerring
bau 8, 281; unreine muttermaterie Höfler 502
b; schleim Triller
betrachtungen 1, 128; schliemerigkeit Höfler 579
b; von der speisz, nun in den magen versammlet, sol das rein, klar und sauber von dem unreinen und unsauberen durch die ersten däuwung ... gescheiden und abgesöndert werden Ruoff
hebammenb. 2;
von beinschäden H. Sachs 17, 241, 12
G.; schenkel Böhme
roszarznei 141 (
vgl.fauler sch. Höfler 564
b); schäden Walther
pferde- u. viehzucht 42 (
vgl.unsaubere sch. Höfler 550
b); ist einem weib die mutter u. oder erkält Gäbelkover 2, 36 (Höfler 429
a); nieren Höfler 446
a; also ist auch keiner so unreines hirns (
übertragen; gehirnverstopfung Höfler 690
b), der nicht ... Harsdörffer
trichter 1,
x 5
a; so einer ettwas unreins geessen oder getruncken hett, es were von faulen fischen oder faulem fleisch ... so soll er ... Gäbelkover 2, 180; unreines oder krankes vieh durfte nicht auf die weide geschickt werden Schwappach
forst- u. jagdgesch. 1, 171;
vgl. schmiervieh; Krünitz 199, 95;
giftig und vergiftend (
in der hauptsache veraltet oder nach bed. 1 b
aufgefaszt): die unraine vergifft Steinhöwel
ber. frauen 279; würme Tauler
pred. 184, 31
V.; mnl. wb. 5, 881, 1; schlangen Hätzlerin 245, 131; Stumpf
chron. 523
a; äste Hätzlerin 270, 487; unreines futter
viehbüchl. 50; saft Lohenstein
Arm. 2, 64
a;
übertragen: der welt unreinem anhauch Rückert 2, 546. 2@ee)
von abstammung: unreine race, kreuzung, mischung; H. Sachs 16, 495, 16
G.; es war unreines blut Raupach
dram. werke ernster gattung 3, 101. 2@ff) rein 2 f
entsprechend: unreine aussprache, u. aussprechen; ein unreines a; unreines latein Voss
krit. blätter 1, 166; das deutsche (
einer beurtheilten schrift) ist oft u.
allg. d. bibl. anh. 25/36, 695; Görres 2, 6; Kürnberger
herzenssachen 11; es ist vieles ... künstlich verpflanzt ... kunstform und sprache u. behandelt Mommsen
r. gesch. 2, 429; die verse waren sehr schlecht und u. Gottsched
schaub. 2, 111 (
vgl. unreine reime i
γ); dasz der scholastische ausdruck für den unreinsten gehalten wurde Gottsched
d. neueste 9, 737; unreiner stylus Kramer (1702) 2, 312
b; Herder 17, 270; so er ... eine unreine feder .. hasset Butschky
Pathmos einf. 4
b. e
und f
vereinigend: unreine bastartworte Schottel
haubtspr. 5; was sie (
die poeten) vor fleisz gethan, die unreinen wörter ausz der heldensprache auszzumustern Weise
erznarren 66
ndr. 2@gg)
falsch, entstellt, verdunkelt; gs. rein 2 g: gottes gebot .. vermischet mit der menschen lehr, die doch ist unreyn H. Sachs 1, 254, 3
K.; damit wir uns ... vor böser und unreiner, gefelschter ... lere wol hüten Mathesius
Sarepta 66
a; Opel-Cohn 122; die von im und seiner unreinen sect sölche glysznerey geerbt Hedio
chron. germ. b 2
a;
in diesen fällen der ä. spr. klingt sittliche verurtheilung (
s. unten 3 c)
mit; nicht so in n. spr.: völlige freiheit von den unreinen zusätzen einer blosz subjectiven ansicht und auffassungsmanier Fr. Schlegel 5, 86;
natürliche lebenszustände der idylle, abgesondert von allem ... unreinen, ... worein wir sie auf erden gehüllt sehen Göthe 49
1, 315, 7
W.; vgl. G. Keller 3, 206. 2@hh) rein 2 h
entsprechend: ein unrein durchgeführter romanischer stil; stilelemente in unreiner mischung; eine unreine (
hybride) gattung (
vgl.e); es ist mir angenehm, dasz man bey einer so unreinen form (
des romans) von dem gehalt (
der lehrjahre) was gutes sagen mag Göthe IV 12, 24, 8
W.; die form (
des romans) behält immer etwas unreines IV 15, 209
W.; es wird zwar alles diesz in Deutschland novellistisch und journalistisch herumgeschleift, aber auf so eine fatale und unzulängliche weise, dasz man auf diesem unreinen weg nichts davon erfahren mag IV 15, 105
W.; Laube 1, 251; grade diese 'cantabilität' macht Nägeli zum gröszten vorwurf für Mozart, der nach ihm 'ein unreiner instrumentalcomponist' genannt werden musz O. Jahn
Mozart 4, 128,
anm. 29; sehr unreine begriffe von schauspielen Gottsched
d. neueste 5, 386; unreiner verstand, wille
s. 4; die tara wird vom brutto oder unreinen gewichte abgezogen Voigt
geschäftsführung 2, 484 (
vgl.unlauter 5
und oben 1 a
ε). 2@ii)
besondere technische anwendungen. α) damit wir einen piloten ..., ohne welchen ein unbekandter wegen des unreinen grundes nicht .. einlaufen kan, bekamen A. Olearius
verm. reisebeschr. 4; zwischen vorgedachten Halli-Roni und den stein ... ist alles u. und voll mit blindem grunde Manson
seebuch 16;
vgl. oben 2 b; unreiner grund
schlechter ackergrund Krünitz 199, 96; disqualifikation .. trifft reiter und pferde .. im trabrennen wegen unreiner gangart Alten
handb. f. heer u. flotte 3, 158; erze, hitze
s. 1 a
ε; unreiner bruch, unreine gleichung Krünitz 199, 96; Mothes
baulex. 2, 471. unreiner marmor, druck
s. 1 b.
β)
waidmännisch: neben diesen guten (
hasen u. dgl.) ist auch viel raub- und unreines wild als bären, wölffe (
in Ruszland) A. Olearius
verm. reisebeschr. 79;
vgl. S. Franck
unter k
α; jedoch dieweil er (
der reiher) eyn wasservogel, ist sein fleysch auch uberausz unreyner natur Sebiz
feldbau 558.
γ) rein 2 i
γ entsprechend: maaszen diese octave vielmahl anlasz zu unrichtigen oder unreinen gängen giebt Mattheson
kl. generalbaszschule 168; seine reproduction des antiken detail (
war) etwas roh und u. Justi
Winckelmann 1, 266; einen unrein griechischen charakter H. Brunn
kl. schr. 3, 138; unreiner reim Schottel
haubtspr. 866; Gottsched
d. neueste 1, 142; Göthe 41
1, 248, 28
W.; alles unrein gereimte Gervinus
gesch. der d. dicht. 1, 277. 2@kk)
gs. von rein 2 k,
symbolisch, insbesondere rituell. α)
von dem, was zur nahrung, zum genusse, zum opfer dient: erste d. bibel 3, 392, 19;
3. Mos. 11, 3; von dem unreinen vieh aber (nim) je ein par
1. Mos. 7, 2; O. Ludwig 3, 336 (
Makkab. 2); und wird sogar dieser (
hase) unter die unreinen partheyen gezählt (
3. Mos. 11, 6) Abr. a St. Clara
mercks Wien 121; vögel
3. Mos. 11, 13; J. Grimm
Reinh. Fuchs xliv;
offenb. Joh. 18, 2; Schupp 285; Justi
Winckelmann 1, 330; nichts unreins essen
bibel 1483, 118
a; Raumer
Hohenstaufen 4, 31; dann ich verbotten oder unreine spysz nie geessen hab Zwingli
freiheit d. sp. 5
ndr.; Herder 19, 155; nit vergebens wil gott die thier, so vom raub leben, als u. nit zu seinem opffer S. Franck
sprichw. (1541) 1, 137
a; werke
weish. 15, 7; ich weisz und versich mich im herrn Jhesus, das kein ding ist u. durch in; neuer der im mast zesein etliche ding u., es ist im u.
erste d. bib. 2, 53, 41;
vgl. Tit. 1, 15.
β)
von den elementen fast nur in übertragener bed.: unreine elemente drängen sich vor; ihr (
der freude) feuer, wenn sichs nicht aus jener brunst (
der andacht) entflammet, ist unrein, taub und todt Weichmann
poesie der Niedersachsen 3, 137; das unreine feuer der richter- und tadelsucht Lavater
physiogn. fragm. 1, 163.
γ) rein k
γ entsprechend. von weibern: unrein und unlustig
s. Luther 20, 242
W. sp. 1154
unter unlustig 4;
3. Mos. 12; A. Olearius
verm. reisebeschreib. 111; Ratzel
völkerk. 2, 275; ein unreines weibsbild
menstruata Kramer (1702) 2, 312
b;
von männern: Prätorius
anthrop. plut. 1, 437; wie darffstu denn sagen 'ich bin nicht u., ich hange nicht an Baalim?' Dannhawer
catechism. 1, 139; Prätorius
winterflucht a 5
b; diese völcker halten die unbeschnittenen für u. Lohenstein
Arm. 2, 30
a; der unreinhändige Grillparzer 9, 138; dannenher auch der hohe priester u. ward, wenn er eine leiche anrührte Lohenstein
Cleopatra anm. 158; nach der parsischen feuerreligion waren die schmiede u., weil sie das feuer entweiheten Creuzer
symbolik 2, 287; unreine schelmen, die asz fressen
gewissenh. priester 43. lippen Kramer (1702) 2, 312
b; unreiner thierleib Peschel
völkerk. 290; Hebbel I 6, 436; was andersglaubende berühren, das halten sie u. E.
M. Arndt 1, 122.
δ)
solche ausdrücke werden leicht sittlich (
s. 3)
gewendet: Tit. 1, 15; sie (
Marwood) machen, dasz ich mich hier erinnere, dasz den alten göttern auch sehr unreine thiere geopfert wurden Lessing 2, 294, 9 (
Sara Sampson 2, 7): kirchen ... die ställe des unreinen viehes H. Grimm
Michelangelo 1, 136.
oder es tritt weite verallgemeinerung ein: geweyhet und rain deutten gleych, widerumb auch ungeweyhet und unrayn Eberlin v. Günzburg 2, 7
ndr.; Sandrub
kurzweil 21
ndr.; die gräber der alten ... durften durch nichts unreines befleckt werden Gottsched
crit. dichtk. 64; so galt diese bildliche darstellung als u. Mommsen
r. gesch. 1, 162; küsse mich nicht! ich bin noch unrein, und der vater liegt dort! Klopstock
oden 1, 207, 21; von allen gemieden wie eine unreine (
als braut eines Franzosen) schritt sie in das gotteshaus G. Freytag 13, 207; der unreine,
geächtete Jhering
geist 1, 273,
gemiedene, verfehmte G. Keller 7, 388; meine geheimnisse? meine sublimen arbeiten sollten von unreinen augen (
blicken uneingeweihter) begafft werden? Stephanie
singsp. (1792) 211;
von einer schale Droysen
Äschylus 115,
vom dienst der naturgötter D.
F. Strausz 6, 69
u. s. w. vgl. Otto
das heilige2 135
f. 33)
wie rein 3
ganz im sittlichen sinne. 3@aa)
schuldig, sündig; vgl. unflätig II 3 e, unlauter 8.
mit näheren bestimmungen: von sunden gar unrein
Alsfelder passionsspiel 1721;
veraltet; mit dativ der person, in deren beurtheilung der mensch oder sein thun sündhaft erscheint: Katharinenspiel 261;
mit präposition: so alle unsere gerechtigkeiten vor got unreyn sein Ambach
tantzen d 1
b.
ohne solche bestimmungen: so ist der gantze ehestand .. sündlich und unrein Luther 34
1, 71, 36
W.; ob nun gleich ain bapst oder ander geistlich obrer sündig oder unrain, wAere er dannoch der kirch fürgesetzt B. v. Chiemsee 52; unsere unreine (
erbsündliche), thierische gebuhrt J. Böhme 4, 75;
allg. d. bibl. 4
2, 49; werke,
sündig, ohne verdienst H. Sachs
bei Ph. Wackernagel
kirchenl. 3, 56; etwas unreines und straffwürdiges Lehmann
floril. 4, 23; mit unreinen henden und hertzen gott dienen Eyering 3, 244; unreines gewissen Kramer (1702) 2, 312
b; eine unreine hand,
die das fortnimmt, was ihr nicht gehört (
vgl.d) Krünitz 199, 95; eine reine hand (
th. 4
2, 330) geht durchs ganze land, eine unreine bekommt zwischen den vier wänden ihren stand
ebda; gewissen Lobwasser
calumnia f 8
b; mit brechendem auge werden wir sehn, wenn er stirbt, und unrein neben ihm sterben Klopstock
Messias 4, 96.
die sünde selbst und was dazu verführt, heiszt u.: H. Sachs 18, 117, 30
G.; Alsfelder passionssp. 2018 (
vgl. c). 3@bb)
mit bezug aufs geschlechtliche leben, wie unkeusch 2 b, unflätig II 3 b, unlauter 6 b: der unreynen keuscheyt Luther 18, 225, 1
W.; wandeln in der unreinen lust
2. Petri 10; liebe Ambach
zusauffen c 1
a, Göthe 43, 90
W., gedanken 2
ält. katechismen 54
ndr., beyschlaffen Kirchhof
wendunmut 2, 38, thaten br. Grimm
sagen 2, 195, kurtzweyl Stumpf
chron. 336
b, leben Barth
weibersp. d 7
a, unzucht Megiser
annales Car. 495, sitten Schupp 743, flammen
theater d. D. 4, 95, zweideutigkeiten Stolberg 7, 29
u. s. w.; in die unreinsten strudel der wollüste hingerissen werden Heinse 2, 21. welche frow yetz ist unrein, die henckt an hals das edel gstein Murner
narrenbeschwörung 114, 17
ndr.; ihr unkeuschen, unraynen maydt Schaidenreiszer
Odyssea 94
a; A. U. v. Braunschweig
Oct. 1, 752; fliehe, unreine (
ein geschwängertes mädchen) Klinger 2, 154;
adv. J. Ayrer 18, 34
K.; unreinen ist alles unrein (
beim tanze)
hannov. magazin 1788, 1371 (
nach Titus 1, 15,
wo aber die unreinen, befleckten zunächst die ungläubigen sind; dazu s. 2 k
α und 3 c); gott straffet die unreinen Harsdörffer
gesprechsp. 2, 137; Varnhagen v. Ense
tageb. 1, 66; der wüstling, der unreine Spielhagen 1, 486. der bär ist auch ein unrein, geil thier Gesner-Herold-Forer 16
b; Herder 22, 33. die erde, welche sie (
unzüchtige weiber) mit ihren unreynen füszen beschieszen Ambach
zusauffen b 4
a; leib Eyering 2, 199; bett Klinger
neues theater 1, 34
u. s. w. 3@cc)
gs. v. rein 3 c; '
unheilig, böse, verworfen, verrucht, schändlich, abscheulich'
u. ä.; vgl. unlauter 7, 6, unkeusch 2 a '
improbus, nequam'.
ἄναγνος Decimator; verrucht Meichszner
handbüchlin 20
a.
α)
im kirchlichen sinne: unhrênia sespilon Wadstein 17, 5;
vom zauberer Simon mnl. wb. 5, 882, 2; es sind ... viele örter von dem unreinen abgöttischen wesen gesaubert worden Micrälius
Pommerland 2, 235; unreine (
häretische) gesenge Ant. Corvinus
briefw. 163; den unreinen heydnischen schandgöttern Veneri und Baccho J. G. Neukirch
anfangsgründe 13.
von den spiritus immundi des n. testamentes (
Marc. 1, 23
ff.; Luc. 4, 33
ff.),
schon im got. für ἀκάθαρτος.
vgl. geist II 7 f: und gab in gewalt uber die unreinen geist, das sis aus wurffen
erste d. bibel 1, 35, 38;
über das verfahren Luthers, Emsers
u. Ecks
s. Lindmeyr
wortschatz 94
b; so frewen sich die unreinen geister der uneinigkeit der menschen B. v. Chiemsee 220; der unreine
ist der teufel H. Folz
meisterlieder 8, 180
M.; Frey
gartengesellschaft 198, 9
Bolte; der unreine und unfletige teuffel Musculus
hosenteufel 8
ndr.; vgl. unflätig II 2 c; far aus, du unreyner geyst, und gib raum dem heiligen geyst Luther 12, 42
W.; Weise
überfl. gedanken 194
ndr.; Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 142; der unreine geist
Satan Zachariä 6, 294 (
Milton); Rückert 11, 28;
auch auf dämonenglauben der Japaner übertragen: Zimmermann
nationalstolz 66;
in erweitertem sinne: unreine geister haben sich unter die aufrührer gemischt Göthe 8, 184, 12
W. β)
im sinne Platons: aus dem irdischen unreinen wohnsitze der vergänglichkeit Zimmermann
einsamkeit 1, 155.
γ)
allgemein: offenb. Joh. 22, 11; unrein ist beide ir sinn und gewissen
Tit. 1, 15; das heyst eyn unreynes leben, ut semper magis atque magis peccemus Luther 34
2, 29, 19
W.; dasz du .. mein unreines hertz geheiligt B. Schmolcke 1, 20; wie oft ihm reine gefühle befleckt werden durch unreine Meyr
a. d. Ries 3, 214; darumb ist dem gottlosen, wie alle werck, also alle erfarung und leiden unreyn und unnutz S. Franck
weltbuch vorrede; P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 443
a; dem reinen in der religion, hiesz es, sei nichts u. Voss
antisymb. 404 (
Titus 1, 15,
wieder individuell gewendet); geyst ... ist doch im grunde falsch, unrein, unheilig und der teuffel selbs Agricola
sprichw. (1534) c 2
b; Ziegler
Banise 176; und dennoch stirbt er für die unreinsten unter den unreinen Cramer
nord. aufs. 1, 117; das unreine und sündhafte W. Alexis
hosen 1, 22; in das neue .. Jerusalem geht nichts unreines ein Stilling 3, 408.
mehrdeutig: gmeyn ist u. S. Franck
sprichw. (1541) 1, 87
b; (1548) 161
a (
s. gemein 9 c;
aber auch: '
gemeinsamer besitz führt zu streit, bei gemeinsamem eigentum geht es unehrlich zu' Staub-Tobler 6, 990; Fischer 6, 211;
vgl. den spruch: halt dich rein
th. 8, 693).
in schelte und rüge: mnl. wb. 5, 882, 2; der unrein morder Suso
d. schr. 77, 10
B.; das unreyne folck, genant Ungarn W. Gerstenberg
chron. 65; du unrein vergifftes thier! (
böses weib) H. Sachs 6, 42
K.; unrein blut Göthe 16, 96 (
Satyros 343)
W. 3@dd)
losgelöst von kirchlicher oder religiöser anschauung, einerseits abgeschwächt und erweitert (
α),
anderseits verengt und specialisiert (
β—
δ).
α) die unrainen
thaten der frauen im gs. zu tugentrychen, loblichen, starken Steinhöwel
ber. frauen 16; oft ist ein weib zu ihr (
der freundschaft) zarter ... als eine reihe ... unreiner männerseelen Herder 15, 311;
vgl.unlauter 6 c, unflätig II 3 d; Schiller 15
1, 60 (
Phädra 4, 2); Stilling war mit leidenschaft und unreiner (
vgl. inordinatus der mittelalterlichen theologie) begierde dem ziel entgegengelaufen Stilling 1, 358; des unreinen wartet strafe Herder 31, 447; was können die Schwaben für einen einzelnen unreinen? E.
M. Arndt 1, 103; die unreinen,
gesindel Nietzsche
Zarath. 140; 142
kriegsausg. (
ähnlich mnd. wb. 5, 882); dasz nie etwas niedriges, unreines, schwächliches in seine seele eingang fand Treitschke
aufs. 1, 10. Pansner
schimpfwb. 74
a.
β) unrainz fluchen (
ursprünglich wohl kirchlich)
Nürnb. polizeiordn. 68
B.; mnl. wb. 5, 882, 2; mit gar unreinen worten H. Sachs 15, 205, 20
G.; Weller
dicht. d. 16.
jhs. 56; die pappisten mit iren unreynen lastermeulern Philad. Regius
luth. wunderzeichen a 3
a;
schwächer: der verletzte knecht hette gar ein unreines maul (
vgl. böses, unrechtes
u. dgl.) und gäbe wunderselten einem fragenden rechten bescheid Buchholtz
Herkuliskus 319; unreiner mund
os impudens, impurum, obscoenum Stieler 1587; ein unreines maul,
bocca maledica Kramer (1702) 2, 312
b.
veraltet. γ)
unehrlich, unredlich, betrügerisch, selbstsüchtig u. ä. Staub-Tobler 6, 990; der ist mir zu u.; das ist ein unreiner, ich möchte nichts mit ihm zu tun haben
ebda; unreine absichten auf etwas haben Krünitz 199, 97; nach dem sie (
d. päpste) durch seltzame, unreine practicken und mittel zuo solchem groszen reichthumb komen waren Sleidan
reden 192
B.; auf dunkeln und unreinen wegen Häusser
d. gesch. 1, 218; unreine nebenabsichten Meinecke
Boyen 1, 236;
undeutlicher: rein bewahrt sich das miszbrauchte werkzeug in deinem unreinen dienste Schiller 6, 299; jene unreinen (
vgl. 5) ergüsse des persönlichen neides (
in der kritik) Gutzkow 4, 137.
δ)
unfromm, bösartig, von pferden Fischer 6, 211;
bösartig u. d. katze mnl. wb. 5, 882, 2;
vgl.uren Staub-Tobler 1, 420
und 6, 989;
unartig, ungezogen: pedere ist schampper und unrayn Weller
dichtungen d. 16.
jhs. 54; Ringwaldt
evangelia y 7
a;
wunderlich, empfindlich, launisch, hypochondrisch, streitsüchtig Fischer
a. a. o.; aufrührerisch Staub-Tobler 6, 990; die unrein gmeind stillen (1524)
ebda; gemein ist u.
s. unter 3 c
δ; tut irs (
die gatten) nie unmütig noch zornig oder traurig, dol und unrein
welttafel 3, 451;
nachklingend: der welt unreine spähne G. Keller 10, 13.
sonst nur noch mundartlich. 44)
philosophisch. von Cartesianern werden intellectus purus und impurus, reiner und unreiner verstand, wille, reine und unreine
oder vermischte kräfte der seele
unterschieden, je nachdem sie keine beziehung auf sinnliche dinge haben oder sinnliche objecte einschlieszen; Walch
philos. lex. 2, 2713; 2754.
diese unterscheidung beherrscht die philosophie der aufklärung wie die der class. deutschen philosophie und literatur: der aber u. liebet, liebet solche (
tugend, wissenschaft) nur wegen des vortheils, so er daher erwartet Gottsched
das neueste 1, 743; unreine absichten 6, 397, triebfedern Klinger 9, 39, bewegungsgründe Schleiermacher I 5, 25, motive Vischer
ästhet. 1, 317
u. ä., heute meist mit 3 d
γ verflieszend; das nichtzusammentreffen der äuszeren bedingungen zur bildung eines selbständigen lebens gereicht dem einzelnen aber nicht zur rechtfertigung eines unreinen willens Schleiermacher III 5, 263; ähnliches verhältnisz findet statt zwischen dem, dessen frömmigkeit reiner ist ... und dem, dessen frömmigkeit unreiner,
d. h. mit dem sinnlichen noch mehr verworren ist I 3, 35; Stilling 3, 76; wie das gesetz zuerst erscheint, stellt es sich u., umhüllt von einzelnem sinnlichen seyn Hegel 2, 191;
witzelnd: da (
im wirtshaus) lebt das system der unreinen subjectivität (
vgl. reine objectivität) S.
Brunner 1, 167;
polemisch Schleswiger litbr. 10, 10
ndr. diese cartesianische unterscheidung bildet für Kants reine
und empirische urtheile (
s. rein 7), begriffe, vorstellungen, anschauung (rein 2 h)
und für Göthe (
s. 5)
die voraussetzung. 55) Göthes
individueller gebrauch (G.
kennt natürlich auch die übrigen bedd.)
geht über bed. 4
und 3 d
hinaus. ihm ist u.,
was nicht als selbstzweck besteht, nicht aus innerem triebe, sondern mit nebenabsichten geschieht, u. wer dementsprechend handelt (Boucke
wort u. bed. 81).
so ist ihm Savonarola ein unreiner enthusiast 44, 347
W.; sein (
Byrons) griechisches unternehmen hat etwas unreines gehabt
gespr. 5, 93
B.; Boucke
entwickelt den begriff des unreinen religiösen enthusiasmus 85 (
die Franzosen als typische nation des unreinen enthusiasmus 86), des unreinen egoisten 89; ich hörte fragen, warum man von den todten so unbewunden gutes sage, von den lebenden immer mit einer gewissen vorsicht. es wurde geantwortet: weil wir von jenen nichts zu befürchten haben, und diese uns noch irgendwo in den weg kommen könnten. so u. ist die sorge für das andenken der andern Göthe 20, 207
W.; unreine (
mehr als unklar 7 a;
nicht leidenschaftslos, nicht harmonisch Boucke 96) lebensverhältnisse soll man niemand wünschen; sie sind aber für den, der zufällig hinein geräth, prüfsteine des charakters und des entschiedensten, was der mensch vermag 42
2, 128, 8
W.; so löste G. sein verhältnis zu Lavater und innerlich mit Jacobi, als er unreinen miszbrauch einer rein geschlossenen freundschaft wahrzunehmen glaubte Boucke 96; mein eigentlicher charakter erschrickt davor, in unreines zu springen Laube 11, 148.
auch die verwendung der bed. 2 g
ist bei Göthe
durch die eigene begriffsverfeinerung hindurchgegangen: in diesem fache läszt sich aber keine reine erfahrungslehre aufstellen, wenn man nicht die unreine, hypothetische, falsche Newtonische lehre ... aus dem wege räumt II 5
1, 323
W.; das spectrum einer vorhergehenden beobachtung mischt sich mit in eine folgende beobachtung und macht dieselbe verwirrt und u. II 1, 12
W.; der versuch wird unsicher und u. II 2, 208
W.; meine heiterkeit bewahre ich mir hauptsächlich für die biographischen stunden, damit sich in die reflexionen ... nichts trübes und unreines mische IV 23, 200
W. (
vgl. 1 a
β). 66)
gs. zu rein 5 (
mnl. wb. 5, 881, 1;
vgl.unklar 1): die augen sind euch u. Luther 33, 381, 19
W.; ein unreyn aug ist eins unreynen hertzens zeug S. Franck
sprichw. (1541) 2, 18
b; Petri y 8
a; ein bleyfarbiges ansehen mit allen den unreinen vorboten des todes Lichtenberg
briefe 1, 257. 77)
selten als gs. zu rein 7: ein etwas unreiner (
ungeläuterter) geschmack
wäre milder als ein nicht ganz reiner. —