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unrein

mhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unrein adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1261
unrein, adj. adv. , gth. von rein. g. unhrains; an. úhreinn, n. uren, schwed. oren; ahd. un(h)reini, mhd. unreine; as. unrhêni, mnd. unre(i)ne (Leitzmann zu Gerhard v. Minden 93, 62); mnl. onreine, nl. onrein. frühnd. noch vereinzelt unreine s. th. 6, 680 I c; Abr. Geysel bei Fischer-Tümpel 3, 161. ungrein Fischart lob der lauten 492. vielfach in mundarten (z. b. im els. und bairischen) durch unsauber verdrängt; im nl. und im schwäb. ist die physische bed. zurückgetreten. vgl. über-, urrein, unreinig, -reiniglich, -reinlich und von syn. bes. unsauber, unlauter, unklar, unkeusch, unflätig; Teller 2, 297; Weigand 2, 569. 11) rein II 1 entsprechend, in physischer bed. 1@aa) nicht rein in sich, mit fremdartigen bestandtheilen gemischt, gs. rein 1 a, von b nicht völlig zu trennen. α) vom wasser, thau, von quellen (oft nach b verstanden); vgl.unklar 2, unlauter 1 (unflätig II 2 d α): stadtregenwasser ist stets unreiner als landregenwasser ... am unreinsten ist von dächern ablaufendes regenwasser Meyers conv.-lex. 175, 540; Wander 4, 1811, 266; so aber der thaw dunckel und unreyn, so werden die berlen ... heszlich Eppendorff Plin. 11, 122. eigentlich und bildlich: eine unreine quelle; aus sehr unreinen quellen schöpfen Schiller 9, 362. β) von luft und wetter; vgl. unklar 1, unlauter 1, unflätig II 1, wild B 13 und 16 e; uren Staub-Tobler 1, 420, dazu 6, 989: das thue man in der wochen 1 mal oder 2, darnach die lufft u. ist Gäbelkover 2, 178; unreine und stinckende luft Chr. Wolff v. d. menschen thun 321; Peschel völkerk. 96; übertragen Schubart briefe 1, 46 Strausz; in bed. 2 d übergehend: unreiner athem, bradem Höfler 65a. vom wetter 'vies, vuil, goor' mnl. wb. 5, 881, 1; 'zweifelhaft, unbeständig, arg, schlimm' Staub-Tobler 6, 990; nicht schriftsprachlich. γ) wie das entsprechende rein von chemischer zusammensetzung mancher stoffe: unreine säure Sprengel chemie f. landwirthe 2, 99; das unreine harnsaure ammoniak Sömmerring bau 6, 93 u. s. w.; steinkohlentheer in unreinem zustand Lueger lex. d. technik 1, 375. den unreinen, stinckenden oder übel schmeckenden wein zu bessern Marperger küchen- u. kellerdiet. 1295a; vgl.unklar 2, unlauter 3; im wortspiel scherzend: Rheinwein oder ein Unreinwein Bäuerle kom. theater 3, 18. man nimt frischs baumOel ... wascht dasselbig fleiszig ab, im fall es u. ist Sebiz feldbau 392; vgl. unflätig II 2 d β. δ) wie rein von sand, zucker, pulver, korn u. dgl. (unflätig II 2 d ζ): saburra, unreiner sand, damit man die schiff beschwert Alberus dict. 54a; der zücker ... sehr u. ist Ryff confectb. 6b; grobkörnicht oder unreines pulver Stahl gewehrgerechter jäger 91; unreine saat, unreiner hafer, unreines korn, unreine linsen u. dgl.; das feld steht unrein; unreine (unreinmachende) spreu, unreines unkraut; oft wird bed. b mitverstanden; vgl. unlauter 4. ε) rein 1 a ε entsprechend: unreines weizenmehl, wolle handwb. d. staatswissensch. 7, 875, seide Staub-Tobler 6, 989; fusti, dasjenige, was an einer waar unreins ist Marperger kaufm.-magazin 500; Spanutius 259; Kinderling 219; Schedel waarenlex. 1, 408; vgl. unten 2 h; von metallen und mineralien (vgl. wild 16 a): solche metall, es sey nun ... vorm schmeltzen u. oder unvollkommen Mathesius Sarepta 27b; die armen, unreinen silberertze Ercker beschreibung 17b; puchwercke sind officinen, darinnen das ertz .. von den unreinen arten geschieden wird Junghanns (1680); unrein gepochter zwitter Mothes baulex. 4, 509; unreine fässer heiszen in der wäsche die fässer, in welchen die mittelsten planen gewaschen werden; der unreine schlich wird nachmahls aus den unreinen fässern ... gewaschen Minerophilus bergw.-lex. 679; Jacobsson 4, 486b; unreiner kasten ebda; Krünitz 199, 96 f.; schmiedefeuer gibt unreine hitze, wenn unreine schlacke am eisen zurückgeblieben ist Prechtl technolog. encyclopädie 13, 19; bildlich: Fischart flöhhatz 1382 neudr.; salz, steinsalz Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, 125; handwb. d. staatswiss. 6, 488 u. dgl. ζ) von glas, perlen, edelsteinen: die grösten diamanten, wenn sie u. sind, sind unwerter als kleine Lohenstein Arm. 1, 15a; unreiner glas Kramer (1702) 2, 312b; Krünitz 199, 95; aber unreine fensterscheibe s. 1 b; krystalle Göthe II 9, 62 W.; der allmandin ist durchsichtig, aber doch stets mit einem unreinen kern Zappe mineral. handlex. 1, 33; unrein gefaszte perle leuchtet nicht Körte sprichw. 339; vgl.unklar 2. 1@bb) gth. v. rein 1 b, nicht frei von befleckung, verunreinigung, schmutz u. s. w.; hier erscheinen einige ausdrücke wie unreines fensterglas, wasser, heu in anderer bed. als bei 1 a (z. b. wasser A. v. Eyb d. schr. 1, 50, 11; Petri r 1a; d d 5a; Lessing 3, 23 [Nathan 1, 3, 475]; heu Walther pferde- u. viehzucht 23): wer unreine hende hat, der wird nichts rein waschen, sondern viel mehr unrein und unsauber machen, was er anrüret Luther 28, 466, 34 W.; vgl. unflätige hände unter unflätig I und II 2 d; wer kan haus halten on unreyne (auch zur aufnahme von unreinigkeiten bestimmte) gefes? Luther 18, 420 W.; schuhe, kleider, teller, messer, betten u. s. w. Alberus fabeln 16 ndr.; Fr. H. Jacobi 43, 41; Tölpels baurenmoral 89; Kortum Jobsiade 2, 89; unreine wäsche heiszt sowohl die etwas beschmuzte und schon einmal gebrauchte, als auch die ungewaschene (altwaschene) wäsche Hupel idioticon d. d. spr. in Lief- u. Esthland 245; die sonne scheint auch in unreine orter und bleibt gleichwol rein Petri r 3b; straszen, stadt Ritter erdk. 2, 408; Mommsen m. gesch. 5, 508; cloake, kanal u. dgl. die abfallenden blätter machen ihr den hof u. und dumpfig Göthe 19, 122, 25 W.; weg Graff 4, 1160; bildlich: folgen in dem unreinen (vgl. 3) weg der laster Pauli schimpf u. ernst 56. wie ain muoter thut, wenn sich das kind unrain machet, so wäscht sy die windlen wider Luther 103, 239, 4 W.; Eulenspiegel 22 ndr.; Göthe Rein. Fuchs 3, 350; junge hunde machens unsauber und u. in den stuben viehb. (1667) 89; wenn kinder .. u. sind Petri c c c 6a; sich u. halten, u. gehalten werden in wäsch, leinzeug etc., u. mit etwas umgehen Kramer (1702) 2, 312b. insbesondere 'nicht auf reinlichkeit bedacht, sich nicht reinlich haltend' u. ä.: vom hund Graff 4, 1160; die unreinen sew Luther 341, 75, 2 W.; ich sey eyn unreyn fogell yn meynem nehst 7, 679 W.; das unreine kameel litbr. 11, 10; unreiner koch, unreine köchin Kramer 312a; die Laobes ... sind u. Ritter erdk. 1, 479. übertragen: der unreinen herde der casuisten Thümmel reise 5, 289 (vgl. 3 d). 'verunreinigend, ekelhaft' u. dgl.: unreinen speichel betbüchlin (1518) 117b; kot H. Sachs 9, 142, 6 K.; unreine arbeit Forberger Jovii beschr. 390; alle die handwerker, die unreine, stinkende materien bearbeiten, sind bei den ärzten ... unter dem namen der unreinen handwerker bekannt Ackermann krankheiten d. künstler u. handw. 1, 9; vgl. unflätige arbeit unter unflätig II 2 a; unreiner stoff (übertragen) Hölderlin 2, 95 L.; schaum (desgl.) theatr. amoris 412; hand (desgl.) Holtei erz. schr. 19, 26; das unreine wesen (verschmutzung) des rohres v. Fleming soldat 63; etwas unreines verunreinigendes Walther pferde- u. viehzucht 24; mit bed. 4 und 5 spielend Bettine Günderode 1, 148. term. techn.: der unreine, weise carrarische marmor Göthe IV 8, 171 W.; unreiner druck, not dear, boueux W. Hellwig fachausdrücke 92a; Krünitz 199, 96. 22) freiere anwendung von 1 a u. b, rein 2 entsprechend; und zwar, wie dieses, 2@aa) ins unreine machen, bringen, im unreinen sein, das unreine u. s. f.: schüler müssen den aufsatz erst ins unreine machen (im unreinen machen, abgeben); das unreine, entwurf, concept, kladde; der völlige abschlusz war folgendes gesuch, das in pleno bis auf die letzten kleinigkeiten ins unreine und ins reine gebracht ward Hippel lebensl. 2, 429; es bedürfe gar manches unreinen (erledigung von geschäftlichen hindernissen, umständlichkeiten, schwierigkeiten; vgl. unlauter 9), um ins reine zu kommen Göthe 24, 305, 26 W.; beyliegende drey gesänge Reinickes wollte ich erst recht sauber abschreiben lassen und nochmals durchsehen ... so sende ich sie in einem etwas unreineren zustand IV 10, 111 W. im unreinen (ungewissen) sein Staub-Tobler 6, 990; darüber bin ich mit mir noch im unreinen (nicht im reinen); vgl.unklar 5; mnd. unreine 'unklar, nicht in ordnung' Lübben-Walther 441b; eine unreine rechnung, eine nicht einwandfrei oder undurchsichtig aufgestellte, in der die einzelnen posten nicht genau gesondert sind. 2@bb) rein 2 b entsprechend: und zugent .. durch vil unreiner graben und studen D. Schilling Berner chron. 181; vgl. unreiner grund unter 2 i α, Cleasby-Vigfusson 661b, mnl. wb. 5, 881, 1; dazu unklar 7 ende; ein unreines (mit muscheln u. dgl. bewachsenes) schiff Sachs-Villatte 1839b; ein frewdferdige rede ist wie ein leim, der zwey höltzer zusammen zeucht: wenn aber etwas u. zwischen die fugen kompt, so scheubt sichs und helt nicht feste Petri t 8a. wie unklar 7 c ende, unlauter 5, ungeheuer 2, 4: ein unrein zimmer, dove regnano spiriti Kramer (1702) 2, 312a; unreine nacht, in der es spukt Fischer 6, 211; úhreint 'infested by a monstre' Cleasby-Vigfusson 661b; trehfe unrein, unsicher v. Train chochemer loschen2 235a. veraltet und mundartlich. 2@cc) wie rein von licht, farbe, tönen, geruch, geschmack u. dgl.: eine unrein brennende flamme; unreines licht; vgl. wilde sonne unter wild 16 e; farben Kant 5, 225, 2; milchsuppenfarbe ist eine unreine weisze farbe Hohberg georg. 3, 489b; unreinweisz Zschokke 11, 218; ein unreines violett Göthe III 2, 292, 19 W.; dasz das grau unreiner ist J. A. Naumann vögel 7, 358. wann die lerchenpfeifflein u. werden, machet ein zwiefaches aschenwasser Aitinger jagdb. 135; unreine acorde Walther mus. lex. 7; u. klingen 615; unreine töne Scheibe crit. musicus vorw.; misztöne Schopenhauer 1, 341; intonation Hiller anweisung z. gesang (1774) 29; dieses unreine des tones Sulzer theorie 3, 33; eine unreine stimme Hegel I 10, 182; er sang einen unreinen, aber in gott freudigen tenor Gutzkow 8, 235; bildlich: unreine erdentöne Fouqué gefühle 1, 154; dasz der marmor einen stumpfen und unreinen klang von sich gab Göthe 44, 198 W. sonaten, wenn sie von hudlern durch unreine griffe ... übel vollzogen werden Mattheson ehrenpforte 65 (1910); das klavier spricht u. und undeutlich an Ph. E. Bach art das clavier zu spielen 1, 8; vgl. reinlich (deutlich) reden Jes. 32, 4. die flüssigkeit riecht etwas u., wasser schmeckt unrein. 2@dd) nosologisch; Lessiak gicht 117; vgl.unkeusch 1, unlauter 1, unflätig II 2 b. aussätzig: 3. Mos. 13 ff.; vgl. k γ; das imants zu F. und Sassenhusen unreyne und feltsieche sy (1463) Frankf. zunfturk. 1, 67; statutenb. 141b; ein unreiner, aussätziger mann b. d. liebe 91b; unrein bin ich Lavater verm. schriften 1, 277; Staub-Tobler 6, 990; unreine rüder aussatzraude Höfler 498a. venerisch: unreine krankheit, sucht, venusseuche Höfler 324a; 717a; 644a; wegen der unreinen sücht der Frantzosen M. Quad enchir. cosmogr. (1604) 275; Staub-Tobler 6, 989; unreiner beischlaf, flusz Höfler 571; 163b; u. sein Krünitz 199, 95. unreines (wildes) fleisch Mynsinger v. d. falken 33; Höfler 158a; vgl. wild 14 b und 16 k; unrein haubt scabiosum Stieler 1587; unreine haut, mit ausschlägen behaftet Staub-Tobler 6, 989; Fischer 6, 210; hautfarbe (teint); den sie (die blatternkrankheit) so unflettig und unrein was Murner bei Hutten 5, 402; Tschudi chron. 1, 377; unreiner siechtag mors Höfler 726a; ein bisz ist u., schwer heilbar Fischer 6, 211; von einer wunde Staub-Tobler 6, 989; Höfler 819b; unreine säfte cacochylia Nemnich lex. nosol. 17c; geblüt, blut Höfler 60b; vgl. wild 16 g; problemata Aristotilis 12b; Brunschwig chir. 40b; med. maulaffe 39; Lichtenberg nachlasz 63, 4; die schwartz, grob, unrein, melancholisch feuchte Ryff sp. d. gesundtheit c c 3a; hitze Gäbelkover 1, 95; geschwür Sömmerring bau 8, 281; unreine muttermaterie Höfler 502b; schleim Triller betrachtungen 1, 128; schliemerigkeit Höfler 579b; von der speisz, nun in den magen versammlet, sol das rein, klar und sauber von dem unreinen und unsauberen durch die ersten däuwung ... gescheiden und abgesöndert werden Ruoff hebammenb. 2; von beinschäden H. Sachs 17, 241, 12 G.; schenkel Böhme roszarznei 141 (vgl.fauler sch. Höfler 564b); schäden Walther pferde- u. viehzucht 42 (vgl.unsaubere sch. Höfler 550b); ist einem weib die mutter u. oder erkält Gäbelkover 2, 36 (Höfler 429a); nieren Höfler 446a; also ist auch keiner so unreines hirns (übertragen; gehirnverstopfung Höfler 690b), der nicht ... Harsdörffer trichter 1, x 5a; so einer ettwas unreins geessen oder getruncken hett, es were von faulen fischen oder faulem fleisch ... so soll er ... Gäbelkover 2, 180; unreines oder krankes vieh durfte nicht auf die weide geschickt werden Schwappach forst- u. jagdgesch. 1, 171; vgl. schmiervieh; Krünitz 199, 95; giftig und vergiftend (in der hauptsache veraltet oder nach bed. 1 b aufgefaszt): die unraine vergifft Steinhöwel ber. frauen 279; würme Tauler pred. 184, 31 V.; mnl. wb. 5, 881, 1; schlangen Hätzlerin 245, 131; Stumpf chron. 523a; äste Hätzlerin 270, 487; unreines futter viehbüchl. 50; saft Lohenstein Arm. 2, 64a; übertragen: der welt unreinem anhauch Rückert 2, 546. 2@ee) von abstammung: unreine race, kreuzung, mischung; H. Sachs 16, 495, 16 G.; es war unreines blut Raupach dram. werke ernster gattung 3, 101. 2@ff) rein 2 f entsprechend: unreine aussprache, u. aussprechen; ein unreines a; unreines latein Voss krit. blätter 1, 166; das deutsche (einer beurtheilten schrift) ist oft u. allg. d. bibl. anh. 25/36, 695; Görres 2, 6; Kürnberger herzenssachen 11; es ist vieles ... künstlich verpflanzt ... kunstform und sprache u. behandelt Mommsen r. gesch. 2, 429; die verse waren sehr schlecht und u. Gottsched schaub. 2, 111 (vgl. unreine reime i γ); dasz der scholastische ausdruck für den unreinsten gehalten wurde Gottsched d. neueste 9, 737; unreiner stylus Kramer (1702) 2, 312b; Herder 17, 270; so er ... eine unreine feder .. hasset Butschky Pathmos einf. 4b. e und f vereinigend: unreine bastartworte Schottel haubtspr. 5; was sie (die poeten) vor fleisz gethan, die unreinen wörter ausz der heldensprache auszzumustern Weise erznarren 66 ndr. 2@gg) falsch, entstellt, verdunkelt; gs. rein 2 g: gottes gebot .. vermischet mit der menschen lehr, die doch ist unreyn H. Sachs 1, 254, 3 K.; damit wir uns ... vor böser und unreiner, gefelschter ... lere wol hüten Mathesius Sarepta 66a; Opel-Cohn 122; die von im und seiner unreinen sect sölche glysznerey geerbt Hedio chron. germ. b 2a; in diesen fällen der ä. spr. klingt sittliche verurtheilung (s. unten 3 c) mit; nicht so in n. spr.: völlige freiheit von den unreinen zusätzen einer blosz subjectiven ansicht und auffassungsmanier Fr. Schlegel 5, 86; natürliche lebenszustände der idylle, abgesondert von allem ... unreinen, ... worein wir sie auf erden gehüllt sehen Göthe 491, 315, 7 W.; vgl. G. Keller 3, 206. 2@hh) rein 2 h entsprechend: ein unrein durchgeführter romanischer stil; stilelemente in unreiner mischung; eine unreine (hybride) gattung (vgl.e); es ist mir angenehm, dasz man bey einer so unreinen form (des romans) von dem gehalt (der lehrjahre) was gutes sagen mag Göthe IV 12, 24, 8 W.; die form (des romans) behält immer etwas unreines IV 15, 209 W.; es wird zwar alles diesz in Deutschland novellistisch und journalistisch herumgeschleift, aber auf so eine fatale und unzulängliche weise, dasz man auf diesem unreinen weg nichts davon erfahren mag IV 15, 105 W.; Laube 1, 251; grade diese 'cantabilität' macht Nägeli zum gröszten vorwurf für Mozart, der nach ihm 'ein unreiner instrumentalcomponist' genannt werden musz O. Jahn Mozart 4, 128, anm. 29; sehr unreine begriffe von schauspielen Gottsched d. neueste 5, 386; unreiner verstand, wille s. 4; die tara wird vom brutto oder unreinen gewichte abgezogen Voigt geschäftsführung 2, 484 (vgl.unlauter 5 und oben 1 a ε). 2@ii) besondere technische anwendungen. α) damit wir einen piloten ..., ohne welchen ein unbekandter wegen des unreinen grundes nicht .. einlaufen kan, bekamen A. Olearius verm. reisebeschr. 4; zwischen vorgedachten Halli-Roni und den stein ... ist alles u. und voll mit blindem grunde Manson seebuch 16; vgl. oben 2 b; unreiner grund schlechter ackergrund Krünitz 199, 96; disqualifikation .. trifft reiter und pferde .. im trabrennen wegen unreiner gangart Alten handb. f. heer u. flotte 3, 158; erze, hitze s. 1 a ε; unreiner bruch, unreine gleichung Krünitz 199, 96; Mothes baulex. 2, 471. unreiner marmor, druck s. 1 b. β) waidmännisch: neben diesen guten (hasen u. dgl.) ist auch viel raub- und unreines wild als bären, wölffe (in Ruszland) A. Olearius verm. reisebeschr. 79; vgl. S. Franck unter k α; jedoch dieweil er (der reiher) eyn wasservogel, ist sein fleysch auch uberausz unreyner natur Sebiz feldbau 558. γ) rein 2 i γ entsprechend: maaszen diese octave vielmahl anlasz zu unrichtigen oder unreinen gängen giebt Mattheson kl. generalbaszschule 168; seine reproduction des antiken detail (war) etwas roh und u. Justi Winckelmann 1, 266; einen unrein griechischen charakter H. Brunn kl. schr. 3, 138; unreiner reim Schottel haubtspr. 866; Gottsched d. neueste 1, 142; Göthe 411, 248, 28 W.; alles unrein gereimte Gervinus gesch. der d. dicht. 1, 277. 2@kk) gs. von rein 2 k, symbolisch, insbesondere rituell. α) von dem, was zur nahrung, zum genusse, zum opfer dient: erste d. bibel 3, 392, 19; 3. Mos. 11, 3; von dem unreinen vieh aber (nim) je ein par 1. Mos. 7, 2; O. Ludwig 3, 336 (Makkab. 2); und wird sogar dieser (hase) unter die unreinen partheyen gezählt (3. Mos. 11, 6) Abr. a St. Clara mercks Wien 121; vögel 3. Mos. 11, 13; J. Grimm Reinh. Fuchs xliv; offenb. Joh. 18, 2; Schupp 285; Justi Winckelmann 1, 330; nichts unreins essen bibel 1483, 118a; Raumer Hohenstaufen 4, 31; dann ich verbotten oder unreine spysz nie geessen hab Zwingli freiheit d. sp. 5 ndr.; Herder 19, 155; nit vergebens wil gott die thier, so vom raub leben, als u. nit zu seinem opffer S. Franck sprichw. (1541) 1, 137a; werke weish. 15, 7; ich weisz und versich mich im herrn Jhesus, das kein ding ist u. durch in; neuer der im mast zesein etliche ding u., es ist im u. erste d. bib. 2, 53, 41; vgl. Tit. 1, 15. β) von den elementen fast nur in übertragener bed.: unreine elemente drängen sich vor; ihr (der freude) feuer, wenn sichs nicht aus jener brunst (der andacht) entflammet, ist unrein, taub und todt Weichmann poesie der Niedersachsen 3, 137; das unreine feuer der richter- und tadelsucht Lavater physiogn. fragm. 1, 163. γ) rein k γ entsprechend. von weibern: unrein und unlustig s. Luther 20, 242 W. sp. 1154 unter unlustig 4; 3. Mos. 12; A. Olearius verm. reisebeschreib. 111; Ratzel völkerk. 2, 275; ein unreines weibsbild menstruata Kramer (1702) 2, 312b; von männern: Prätorius anthrop. plut. 1, 437; wie darffstu denn sagen 'ich bin nicht u., ich hange nicht an Baalim?' Dannhawer catechism. 1, 139; Prätorius winterflucht a 5b; diese völcker halten die unbeschnittenen für u. Lohenstein Arm. 2, 30a; der unreinhändige Grillparzer 9, 138; dannenher auch der hohe priester u. ward, wenn er eine leiche anrührte Lohenstein Cleopatra anm. 158; nach der parsischen feuerreligion waren die schmiede u., weil sie das feuer entweiheten Creuzer symbolik 2, 287; unreine schelmen, die asz fressen gewissenh. priester 43. lippen Kramer (1702) 2, 312b; unreiner thierleib Peschel völkerk. 290; Hebbel I 6, 436; was andersglaubende berühren, das halten sie u. E. M. Arndt 1, 122. δ) solche ausdrücke werden leicht sittlich (s. 3) gewendet: Tit. 1, 15; sie (Marwood) machen, dasz ich mich hier erinnere, dasz den alten göttern auch sehr unreine thiere geopfert wurden Lessing 2, 294, 9 (Sara Sampson 2, 7): kirchen ... die ställe des unreinen viehes H. Grimm Michelangelo 1, 136. oder es tritt weite verallgemeinerung ein: geweyhet und rain deutten gleych, widerumb auch ungeweyhet und unrayn Eberlin v. Günzburg 2, 7 ndr.; Sandrub kurzweil 21 ndr.; die gräber der alten ... durften durch nichts unreines befleckt werden Gottsched crit. dichtk. 64; so galt diese bildliche darstellung als u. Mommsen r. gesch. 1, 162; küsse mich nicht! ich bin noch unrein, und der vater liegt dort! Klopstock oden 1, 207, 21; von allen gemieden wie eine unreine (als braut eines Franzosen) schritt sie in das gotteshaus G. Freytag 13, 207; der unreine, geächtete Jhering geist 1, 273, gemiedene, verfehmte G. Keller 7, 388; meine geheimnisse? meine sublimen arbeiten sollten von unreinen augen (blicken uneingeweihter) begafft werden? Stephanie singsp. (1792) 211; von einer schale Droysen Äschylus 115, vom dienst der naturgötter D. F. Strausz 6, 69 u. s. w. vgl. Otto das heilige2 135 f. 33) wie rein 3 ganz im sittlichen sinne. 3@aa) schuldig, sündig; vgl. unflätig II 3 e, unlauter 8. mit näheren bestimmungen: von sunden gar unrein Alsfelder passionsspiel 1721; veraltet; mit dativ der person, in deren beurtheilung der mensch oder sein thun sündhaft erscheint: Katharinenspiel 261; mit präposition: so alle unsere gerechtigkeiten vor got unreyn sein Ambach tantzen d 1b. ohne solche bestimmungen: so ist der gantze ehestand .. sündlich und unrein Luther 341, 71, 36 W.; ob nun gleich ain bapst oder ander geistlich obrer sündig oder unrain, wAere er dannoch der kirch fürgesetzt B. v. Chiemsee 52; unsere unreine (erbsündliche), thierische gebuhrt J. Böhme 4, 75; allg. d. bibl. 42, 49; werke, sündig, ohne verdienst H. Sachs bei Ph. Wackernagel kirchenl. 3, 56; etwas unreines und straffwürdiges Lehmann floril. 4, 23; mit unreinen henden und hertzen gott dienen Eyering 3, 244; unreines gewissen Kramer (1702) 2, 312b; eine unreine hand, die das fortnimmt, was ihr nicht gehört (vgl.d) Krünitz 199, 95; eine reine hand (th. 42, 330) geht durchs ganze land, eine unreine bekommt zwischen den vier wänden ihren stand ebda; gewissen Lobwasser calumnia f 8b; mit brechendem auge werden wir sehn, wenn er stirbt, und unrein neben ihm sterben Klopstock Messias 4, 96. die sünde selbst und was dazu verführt, heiszt u.: H. Sachs 18, 117, 30 G.; Alsfelder passionssp. 2018 (vgl. c). 3@bb) mit bezug aufs geschlechtliche leben, wie unkeusch 2 b, unflätig II 3 b, unlauter 6 b: der unreynen keuscheyt Luther 18, 225, 1 W.; wandeln in der unreinen lust 2. Petri 10; liebe Ambach zusauffen c 1a, Göthe 43, 90 W., gedanken 2 ält. katechismen 54 ndr., beyschlaffen Kirchhof wendunmut 2, 38, thaten br. Grimm sagen 2, 195, kurtzweyl Stumpf chron. 336b, leben Barth weibersp. d 7a, unzucht Megiser annales Car. 495, sitten Schupp 743, flammen theater d. D. 4, 95, zweideutigkeiten Stolberg 7, 29 u. s. w.; in die unreinsten strudel der wollüste hingerissen werden Heinse 2, 21. welche frow yetz ist unrein, die henckt an hals das edel gstein Murner narrenbeschwörung 114, 17 ndr.; ihr unkeuschen, unraynen maydt Schaidenreiszer Odyssea 94a; A. U. v. Braunschweig Oct. 1, 752; fliehe, unreine (ein geschwängertes mädchen) Klinger 2, 154; adv. J. Ayrer 18, 34 K.; unreinen ist alles unrein (beim tanze) hannov. magazin 1788, 1371 (nach Titus 1, 15, wo aber die unreinen, befleckten zunächst die ungläubigen sind; dazu s. 2 k α und 3 c); gott straffet die unreinen Harsdörffer gesprechsp. 2, 137; Varnhagen v. Ense tageb. 1, 66; der wüstling, der unreine Spielhagen 1, 486. der bär ist auch ein unrein, geil thier Gesner-Herold-Forer 16b; Herder 22, 33. die erde, welche sie (unzüchtige weiber) mit ihren unreynen füszen beschieszen Ambach zusauffen b 4a; leib Eyering 2, 199; bett Klinger neues theater 1, 34 u. s. w. 3@cc) gs. v. rein 3 c; 'unheilig, böse, verworfen, verrucht, schändlich, abscheulich' u. ä.; vgl. unlauter 7, 6, unkeusch 2 a 'improbus, nequam'. ἄναγνος Decimator; verrucht Meichszner handbüchlin 20a. α) im kirchlichen sinne: unhrênia sespilon Wadstein 17, 5; vom zauberer Simon mnl. wb. 5, 882, 2; es sind ... viele örter von dem unreinen abgöttischen wesen gesaubert worden Micrälius Pommerland 2, 235; unreine (häretische) gesenge Ant. Corvinus briefw. 163; den unreinen heydnischen schandgöttern Veneri und Baccho J. G. Neukirch anfangsgründe 13. von den spiritus immundi des n. testamentes (Marc. 1, 23 ff.; Luc. 4, 33 ff.), schon im got. für ἀκάθαρτος. vgl. geist II 7 f: und gab in gewalt uber die unreinen geist, das sis aus wurffen erste d. bibel 1, 35, 38; über das verfahren Luthers, Emsers u. Ecks s. Lindmeyr wortschatz 94b; so frewen sich die unreinen geister der uneinigkeit der menschen B. v. Chiemsee 220; der unreine ist der teufel H. Folz meisterlieder 8, 180 M.; Frey gartengesellschaft 198, 9 Bolte; der unreine und unfletige teuffel Musculus hosenteufel 8 ndr.; vgl. unflätig II 2 c; far aus, du unreyner geyst, und gib raum dem heiligen geyst Luther 12, 42 W.; Weise überfl. gedanken 194 ndr.; Hippel kreuz- u. querzüge 1, 142; der unreine geist Satan Zachariä 6, 294 (Milton); Rückert 11, 28; auch auf dämonenglauben der Japaner übertragen: Zimmermann nationalstolz 66; in erweitertem sinne: unreine geister haben sich unter die aufrührer gemischt Göthe 8, 184, 12 W. β) im sinne Platons: aus dem irdischen unreinen wohnsitze der vergänglichkeit Zimmermann einsamkeit 1, 155. γ) allgemein: offenb. Joh. 22, 11; unrein ist beide ir sinn und gewissen Tit. 1, 15; das heyst eyn unreynes leben, ut semper magis atque magis peccemus Luther 342, 29, 19 W.; dasz du .. mein unreines hertz geheiligt B. Schmolcke 1, 20; wie oft ihm reine gefühle befleckt werden durch unreine Meyr a. d. Ries 3, 214; darumb ist dem gottlosen, wie alle werck, also alle erfarung und leiden unreyn und unnutz S. Franck weltbuch vorrede; P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 443a; dem reinen in der religion, hiesz es, sei nichts u. Voss antisymb. 404 (Titus 1, 15, wieder individuell gewendet); geyst ... ist doch im grunde falsch, unrein, unheilig und der teuffel selbs Agricola sprichw. (1534) c 2b; Ziegler Banise 176; und dennoch stirbt er für die unreinsten unter den unreinen Cramer nord. aufs. 1, 117; das unreine und sündhafte W. Alexis hosen 1, 22; in das neue .. Jerusalem geht nichts unreines ein Stilling 3, 408. mehrdeutig: gmeyn ist u. S. Franck sprichw. (1541) 1, 87b; (1548) 161a (s. gemein 9 c; aber auch: 'gemeinsamer besitz führt zu streit, bei gemeinsamem eigentum geht es unehrlich zu' Staub-Tobler 6, 990; Fischer 6, 211; vgl. den spruch: halt dich rein th. 8, 693). in schelte und rüge: mnl. wb. 5, 882, 2; der unrein morder Suso d. schr. 77, 10 B.; das unreyne folck, genant Ungarn W. Gerstenberg chron. 65; du unrein vergifftes thier! (böses weib) H. Sachs 6, 42 K.; unrein blut Göthe 16, 96 (Satyros 343) W. 3@dd) losgelöst von kirchlicher oder religiöser anschauung, einerseits abgeschwächt und erweitert (α), anderseits verengt und specialisiert (βδ). α) die unrainen thaten der frauen im gs. zu tugentrychen, loblichen, starken Steinhöwel ber. frauen 16; oft ist ein weib zu ihr (der freundschaft) zarter ... als eine reihe ... unreiner männerseelen Herder 15, 311; vgl.unlauter 6 c, unflätig II 3 d; Schiller 151, 60 (Phädra 4, 2); Stilling war mit leidenschaft und unreiner (vgl. inordinatus der mittelalterlichen theologie) begierde dem ziel entgegengelaufen Stilling 1, 358; des unreinen wartet strafe Herder 31, 447; was können die Schwaben für einen einzelnen unreinen? E. M. Arndt 1, 103; die unreinen, gesindel Nietzsche Zarath. 140; 142 kriegsausg. (ähnlich mnd. wb. 5, 882); dasz nie etwas niedriges, unreines, schwächliches in seine seele eingang fand Treitschke aufs. 1, 10. Pansner schimpfwb. 74a. β) unrainz fluchen (ursprünglich wohl kirchlich) Nürnb. polizeiordn. 68 B.; mnl. wb. 5, 882, 2; mit gar unreinen worten H. Sachs 15, 205, 20 G.; Weller dicht. d. 16. jhs. 56; die pappisten mit iren unreynen lastermeulern Philad. Regius luth. wunderzeichen a 3a; schwächer: der verletzte knecht hette gar ein unreines maul (vgl. böses, unrechtes u. dgl.) und gäbe wunderselten einem fragenden rechten bescheid Buchholtz Herkuliskus 319; unreiner mund os impudens, impurum, obscoenum Stieler 1587; ein unreines maul, bocca maledica Kramer (1702) 2, 312b. veraltet. γ) unehrlich, unredlich, betrügerisch, selbstsüchtig u. ä. Staub-Tobler 6, 990; der ist mir zu u.; das ist ein unreiner, ich möchte nichts mit ihm zu tun haben ebda; unreine absichten auf etwas haben Krünitz 199, 97; nach dem sie (d. päpste) durch seltzame, unreine practicken und mittel zuo solchem groszen reichthumb komen waren Sleidan reden 192 B.; auf dunkeln und unreinen wegen Häusser d. gesch. 1, 218; unreine nebenabsichten Meinecke Boyen 1, 236; undeutlicher: rein bewahrt sich das miszbrauchte werkzeug in deinem unreinen dienste Schiller 6, 299; jene unreinen (vgl. 5) ergüsse des persönlichen neides (in der kritik) Gutzkow 4, 137. δ) unfromm, bösartig, von pferden Fischer 6, 211; bösartig u. d. katze mnl. wb. 5, 882, 2; vgl.uren Staub-Tobler 1, 420 und 6, 989; unartig, ungezogen: pedere ist schampper und unrayn Weller dichtungen d. 16. jhs. 54; Ringwaldt evangelia y 7a; wunderlich, empfindlich, launisch, hypochondrisch, streitsüchtig Fischer a. a. o.; aufrührerisch Staub-Tobler 6, 990; die unrein gmeind stillen (1524) ebda; gemein ist u. s. unter 3 c δ; tut irs (die gatten) nie unmütig noch zornig oder traurig, dol und unrein welttafel 3, 451; nachklingend: der welt unreine spähne G. Keller 10, 13. sonst nur noch mundartlich. 44) philosophisch. von Cartesianern werden intellectus purus und impurus, reiner und unreiner verstand, wille, reine und unreine oder vermischte kräfte der seele unterschieden, je nachdem sie keine beziehung auf sinnliche dinge haben oder sinnliche objecte einschlieszen; Walch philos. lex. 2, 2713; 2754. diese unterscheidung beherrscht die philosophie der aufklärung wie die der class. deutschen philosophie und literatur: der aber u. liebet, liebet solche (tugend, wissenschaft) nur wegen des vortheils, so er daher erwartet Gottsched das neueste 1, 743; unreine absichten 6, 397, triebfedern Klinger 9, 39, bewegungsgründe Schleiermacher I 5, 25, motive Vischer ästhet. 1, 317 u. ä., heute meist mit 3 d γ verflieszend; das nichtzusammentreffen der äuszeren bedingungen zur bildung eines selbständigen lebens gereicht dem einzelnen aber nicht zur rechtfertigung eines unreinen willens Schleiermacher III 5, 263; ähnliches verhältnisz findet statt zwischen dem, dessen frömmigkeit reiner ist ... und dem, dessen frömmigkeit unreiner, d. h. mit dem sinnlichen noch mehr verworren ist I 3, 35; Stilling 3, 76; wie das gesetz zuerst erscheint, stellt es sich u., umhüllt von einzelnem sinnlichen seyn Hegel 2, 191; witzelnd: da (im wirtshaus) lebt das system der unreinen subjectivität (vgl. reine objectivität) S. Brunner 1, 167; polemisch Schleswiger litbr. 10, 10 ndr. diese cartesianische unterscheidung bildet für Kants reine und empirische urtheile (s. rein 7), begriffe, vorstellungen, anschauung (rein 2 h) und für Göthe (s. 5) die voraussetzung. 55) Göthes individueller gebrauch (G. kennt natürlich auch die übrigen bedd.) geht über bed. 4 und 3 d hinaus. ihm ist u., was nicht als selbstzweck besteht, nicht aus innerem triebe, sondern mit nebenabsichten geschieht, u. wer dementsprechend handelt (Boucke wort u. bed. 81). so ist ihm Savonarola ein unreiner enthusiast 44, 347 W.; sein (Byrons) griechisches unternehmen hat etwas unreines gehabt gespr. 5, 93 B.; Boucke entwickelt den begriff des unreinen religiösen enthusiasmus 85 (die Franzosen als typische nation des unreinen enthusiasmus 86), des unreinen egoisten 89; ich hörte fragen, warum man von den todten so unbewunden gutes sage, von den lebenden immer mit einer gewissen vorsicht. es wurde geantwortet: weil wir von jenen nichts zu befürchten haben, und diese uns noch irgendwo in den weg kommen könnten. so u. ist die sorge für das andenken der andern Göthe 20, 207 W.; unreine (mehr als unklar 7 a; nicht leidenschaftslos, nicht harmonisch Boucke 96) lebensverhältnisse soll man niemand wünschen; sie sind aber für den, der zufällig hinein geräth, prüfsteine des charakters und des entschiedensten, was der mensch vermag 422, 128, 8 W.; so löste G. sein verhältnis zu Lavater und innerlich mit Jacobi, als er unreinen miszbrauch einer rein geschlossenen freundschaft wahrzunehmen glaubte Boucke 96; mein eigentlicher charakter erschrickt davor, in unreines zu springen Laube 11, 148. auch die verwendung der bed. 2 g ist bei Göthe durch die eigene begriffsverfeinerung hindurchgegangen: in diesem fache läszt sich aber keine reine erfahrungslehre aufstellen, wenn man nicht die unreine, hypothetische, falsche Newtonische lehre ... aus dem wege räumt II 51, 323 W.; das spectrum einer vorhergehenden beobachtung mischt sich mit in eine folgende beobachtung und macht dieselbe verwirrt und u. II 1, 12 W.; der versuch wird unsicher und u. II 2, 208 W.; meine heiterkeit bewahre ich mir hauptsächlich für die biographischen stunden, damit sich in die reflexionen ... nichts trübes und unreines mische IV 23, 200 W. (vgl. 1 a β). 66) gs. zu rein 5 (mnl. wb. 5, 881, 1; vgl.unklar 1): die augen sind euch u. Luther 33, 381, 19 W.; ein unreyn aug ist eins unreynen hertzens zeug S. Franck sprichw. (1541) 2, 18b; Petri y 8a; ein bleyfarbiges ansehen mit allen den unreinen vorboten des todes Lichtenberg briefe 1, 257. 77) selten als gs. zu rein 7: ein etwas unreiner (ungeläuterter) geschmack wäre milder als ein nicht ganz reiner. —
33802 Zeichen · 818 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    unreinstmn.

    Findebuch (Mhd. Wortschatz) · +2 Parallelbelege

    * unrein stmn. Unreinheit FvS.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unrein

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unrein , -er, -ste, adj. et adv. der Gegensatz von rein, der in dessen sämmtlichen Bedeutungen üblich ist, daher diese d…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unrein

    Goethe-Wörterbuch

    unrein [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Unrein

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Unrein , s. Reinigung .

  5. modern
    Dialekt
    unrein

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    unrein unrein; unsauber: unrein Kuurn noch nicht gereinigtes Korn Wo. Sa. ; 'he ... hefft ... yn ere dorrntze unreyne vu…

  6. Sprichwörter
    Unrein

    Wander (Sprichwörter)

    Unrein 1. Unrein kommt nicht gern zum Vorschein. Dän. : Den skivler sig, som sig veed ureen at være. ( Prov. dan., 508. …

  7. Spezial
    unrein

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|rein adj. paz (pac, paza), impur (-s, -a), da scich.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unrein

40 Bildungen · 35 Erstglied · 0 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von unrein 2 Analysen

un- + rein

unrein leitet sich vom Lemma rein ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+re+-in

unrein‑ als Erstglied (30 von 35)

unreinbar

DWB

unrein·bar

unreinbar , verbaladj. zu reinen 1: die unreinbaren ( sachen ) hingegen an eben so geraumen orte verbrennet werden schles. infectionsordnung…

unreinde

Lexer

un-reinde stf. BMZ unreinigkeit, unlauterkeit. dînes gelouben unreinde (: gemeinde) Mart. 150,88. der kein unreinde lîden mac Himlf. ( Hpt. …

unreinecheit

Lexer

un-reinecheit stf. BMZ unreinheit ( eig. u. bildl. ), unreinigkeit, schmutz, unrat, sordes Dfg. 543 b . Barl. Warn. Spec. alliu sünde und un…

unreineclich

KöblerMhd

unreineclich , Adj. Vw.: s. unreiniclich*

unreineclīche

KöblerMhd

unreineclīche , Adv. Vw.: s. unreiniclīche

unreinede

KöblerMhd

unreinede , st. F. nhd. Unreinheit, Unsauberkeit Hw.: s. unreine (1) Q.: Hiob (FB unreinde), MarHimmelf (1258/1269), Martina E.: ahd. unrein…

unreinege

BMZ

unrein·ege

unreinege swv. verunreinige. sordidare unreynigen Diefenb. gl. 252.

unreinekeit

BMZ

unreine·keit

unreinekeit stf. unreinheit, unkeuschheit, unheiliger lebenswandel. dô was si hindan ( von hinten gesehen ) aller der marter und aller der u…

unrêinelĩken

MNWB

unreine·liken

° unrêinelĩken , adv. : in grässlicher Weise, „ ze [ de Tateren ] spreken unreyneliken, zo en wulf hulet odder loyet zo en osse ” (Chr. d. d…

unreinen

DWB

unreinen , verb. , gth. v. reinen. ahd. unhreinjan, unreinnen; mhd. mnd. unreinen; mnl. onreinen. vgl. verunreinen, unreinigen. veraltet. in…

unreiner

DWB

unreiner , m. , nom. ag. zu unreinen, die spinne: Fischer schwäb. wb. 6, 211 .

unreines

KöblerMhd

unreines , Adv. nhd. übel, schimpflich, schändlich Hw.: s. unreine E.: s. unreine (2) W.: nhd. DW- L.: Hennig (unreine)

unreinheit

DWB

unrein·heit

unreinheit , f. , mangel u. gth. der reinheit. mnl. onreinheit, nl. onreinheid, dän. urenhed, schwed. orenhet. obwohl vereinzelt auch früher…

unrêinich

MNWB

unrein·ich

° unrêinich , adj. (flekt. -g- ): schmutzig, „ alle vnreynighe vlecken wrifstu aff van wullen clederen ” (Prompt. med. ed. Seidensticker 130…

unrêinichêⁱt

MNWB

unreinich·eit

unrêinichêⁱt ( unreynighet, -reynichet, -renicheit ), -rêinechê(i)t, f. ( Pl. -hê[i]den ) : 1. Unrat, Schmutz, „ Vnreynicheit immundicia ...…

unrêinichlĩken

MNWB

unreinich·liken

° unrêinichlĩken , adv. : in unreiner Weise, „ unde beblecket sik dicke dat dode mer un- reynichliken, dat id uth sik led eyne vurighen mate…

unreiniclich

KöblerMhd

unrein·iclich

unreiniclich , Adj. nhd. „unreinlich“, unrein, schlecht Hw.: vgl. mnd. *unrēinichlīk? Q.: LBarl (vor 1200) FB unreineclich E.: s. un, reinic…

unreiniclīche

KöblerMhd

unreiniclīche , Adv. nhd. „unreinlich“, unrein, schlecht Q.: SGPr (1250-1300), WernhMl (FB unreineclīche) E.: s. un, reiniclīche W.: nhd. (ä…

unreinida

KöblerAhd

unrein·ida

unreinida , st. F. (ō) nhd. Unreinheit, Schmutz, Sünde ne. impurity ÜG.: lat. fermentum Gl, illuvies Gl, immunditia Gl, WK, (piaculum) Gl, p…

unreinig

DWB

unreinig , adj. , gth. v. reinig. nl. onreinig: J. v. Neumarkt Hieronymus 210 ; var. zum ackermann a. B. 25, 14 B.; niederösterr. weist. 2, …

unreinigen

DWB

unrein·igen

unreinigen , verb. , gth. v. reinigen. mhd. unreinigen, mnd. unreinegen, mnl. onreinigen. veraltet; dafür verunreinigen ( s. d. ). eigentlic…

unreinigkeit

DWB

unreinig·keit

unreinigkeit , f. , mangel und gth. der reinigkeit. ahd. unreinigheit, mhd. mnd. unreinecheit, mnl. onreinicheit, nl. onreinigheid ( veralte…

unreiniglich

DWB

unrein·iglich

unreiniglich , adv. , gth. v. reiniglich. mhd. unreiniclich, adv. Laubacher Barlaam 13674; Frankf. zunfturk. I 2, 188: das sie sehr wünderli…

unreinigung

DWB

unreinig·ung

unreinigung , f. , mangel und gth. der reinigung. contagium Diefenbach n. gl. 110 b ; Höfler 502 b : ist doch der gemeinen schuolen undersch…

unreinikeit

KöblerMhd

unreinikeit , st. F. Vw.: s. unreinicheit

unreinisch

DWB

unrein·isch

unreinisch , adj. , gth. von reinisch: ' voll von unlust ' Höfler 915 a .

unreinlich

DWB

unrein·lich

unreinlich , adj. adv. , gth. v. reinlich. mhd. unreinlich, adj., Hiob 11 650; unreinlichen, adv., ackermann a. B. 25, 12 B.; mnl. onreinlij…

Ableitungen von unrein (5 von 5)

beunreinen

MWB

beunreinen swV. ‘verunreinigen’ daz her schentlichen vortirbet / und eins gaen todes stirbet / und sich beunreinet als ein dieb HeslApk 1979…

geunreinen

KöblerMhd

geunreinen , sw. V. nhd. verunreinigen, beflecken, unrein machen Q.: Apk (FB geunreinen), SalArz (Anfang 13. Jh.), StatDtOrd E.: ahd. giunre…

unreine

DWB

unreine , f. , mangel u. gth. der reine. g. unhrainei, ahd. unhreinî, mhd. unreine. zu unrein 2 d: materia peccans; da kommt die u. raus bei…

verunreine

BMZ

verunreine swv. verunreinigen. defedare vorunreynen Diefenb. gl. 89. convicere vorunreyn das. 79.

verunreinen

DWB

verunreinen , v. , seit dem späteren 13. jahrh. belegt, Lexer 3, 281 ; sehr oft bei Diefenbach ( s. u., ferner 286 c , 296 c , 313 b , 425 c…