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unflat

nhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unflat m.

Bd. 24, Sp. 544
unflat, m. , früher auch f., selten n. II. alter, herkunft, verbreitung und formen. I@11) literarisch bezeugt ist das im wesentlichen deutsche wort seit dem 12. jh. (Heinrich v. Melk); mhd. unvlât, unvlâte; erheblich später mnd. unvlât, unvlêde; mnl. onvlaat ist nur in den wörterbüchern von Kilian und Plantijn verzeichnet (s. mnl. wb. 5, 1516); nl. tritt durch volksetymologie onverlaat an seine stelle (Franck-van Wijk 473b; nl. wb. 10, 2112); im ahd., got. und den andern germ. sprachen fehlt es, J. Grimms ansetzung eines g. flêþs, ahd. vlât mundities (gr. 2, 493) bleibt ohne bestätigung; die vorgeschichte des ahd. *flât 'schönheit' (vgl. got. flêd, ags. flǽd) in eigennamen des 6. bis 9. jhs. (Förstemann 508 f.; J. Grimm gr. a. a. o.) ist noch dunkel. schweizerisches flät, schön setzt ein ahd. flâti voraus (Staub-Tobler 1, 1227). zusammenstellung mit altn. flâ (Weigand syn. 3, 665; Grimm gr. 2, 493 anm.; th. 3, 1711) ist aufzugeben (Falk-Torp 228), mit fladen (Stieler; vgl. nd. unfladen) ungeschichtlich, mit slav. boloto (th. 3, 1728) irrig (Berneker slav. et. wb. 1, 70. das slovenische fltən sauber, hübsch, serbokroatisch auch hurtig ist aus dem deutschen entlehnt; a. a. o. 1, 282). am nächsten steht ahd. flawjan, mhd. flæjen, vlöuwen, nhd. flaien, fleien, fläuen, flauen, nd. fleuen (th. 3, 1710; Fischer 2, 1547; Schmeller 1, 783; Schambach 272b; Franck-van Wijk 749); zur substantivbildung s. J. Grimm gr. 2, 233 f. 493; Wilmanns gr. 2, 331; Kluge wb. 470b. mhd. vlât ist bei Nicolaus von Jeroschin belegt, nhd. flat in den mundarten lebendig. gelegentlich könnte flat auch rückbildung aus unflat sein. flat ist nicht nur gegensatz von unflat, sondern auch gegebenenfalls mit ihm einunddasselbe (Staub-Tobler 1, 1225; Fischer 2, 1544); un intensivum und die besonders in der mundart wirksame ironische antiphrase sind mit in betracht zu ziehen. I@22) aberglaube, euphemismus, zartsinn und feinerer geschmack haben nicht nur später die grenzen des wortes eingeengt, sondern erklären auch zum guten theil die lückenhafte bezeugung in alter zeit. mhd. md. mnd. ist es reich entwickelt (Lexer 2, 1975; Schiller-Lübben 5, 85b), die glossare geben es früh wieder (scenum vnflat tabes, spocicies, proluvies Sachses gl. 431a; Siber gemma 12), den wörterbüchern fehlt es selten. schriftsteller, wie der dichter des väterbuches und passionals oder Luther schwelgen im gebrauch des kräftigen wortes. die bezeichnung unflat für eine unflätige person (schon priesterleben 722) ist in der sprache des feineren umgangs und [] in der lit. aus gesellschaftlichen rücksichten in neuerer zeit begreiflicherweise selten geworden; Adelung schreibt sie den harten und niedrigen sprecharten zu, Campe brandmarkt sie als pöbelhaft. noch schärfer Krünitz 195, 603. wenn die mundarten den ausgiebigen gebrauch des wortes als schelte sich auch im allgemeinen nicht verkümmern lassen, biegen sie es doch nicht selten gutmüthig um und nennen wie Fritz Reuter einen unförmlichen, übermäszig corpulenten menschen lieber einen unfladen (Frehse 82b) oder einen unhöflichen, ungeschliffenen flade, fladen (Dähnert 121b). flad schmutziger mensch Reinwald 1, 35. pfälzisch ist flade ein unflätiger und ein unbeholfener mensch Autenrieth 45. 1572 wird in schweiz. quellen unflat unter den schelten aufgeführt, die vor den niederen gerichten gestraft werden sollen Staub-Tobler 1, 1226. falsch verhochdeutscht wird aus dem kuhfladen ein kuhflathen Krünitz 195, 603. in einzelnen fällen scheinen concurrenzwörter, an denen ja die ma. überreich sind, sowohl zur bezeichnung von stercus wie spurcus, unser wort in ma. verdrängt zu haben. Seiler Basler ma. 294; Staub-Tobler 1, 1225 f.; Martin-Lienhart 1, 174; Schmidt els. wb. (1901) 376b; Bühler Davos 1, 183; Fischer 2, 1544; Schmeller 1, 799; Knothe Markersdorf 120; Lenz Handschuhsh. dial. 51a; Crecelius 843; Ruckert Unterfranken 187; Vilmar 423; Pfister erg. 2, 42; Hertel 96; Drechsler Scherffer 274; Hentrich Eichsf. 60; Bauer-Collitz 108a. 220a; Bernd 330; v. Klein 2, 206; Serz 163a. manche ma.-wbb. verzeichnen nur das adj. (z. b. lux. 314b; Hönig 185b), manche ziehen das einfache flat vor oder brauchen es gleichbedeutend neben unflat (z. b. Staub-Tobler 1, 1525; Fischer 2, 1544; Spiesz 61; Vilmar 104; Reinwald 1, 35). I@33) was das geschlecht betrifft, so hat sich das m. seit dem 17. jh. unbestritten durchgesetzt. das dem mhd. f. vlât, unvlâte, unvlât (mhd. wb. 3, 335b; renner 15816; Tauler bei Schmidt els. wb. 376b; öfter in der aus den kreisen des deutschen ordens stammenden bearbeitung des buches Daniel; Lexer 2, 1975), mnd. unvlêde entsprechende f. steht unter md. oder mnd. einflusz; flat zierlichkeit, ordnung, reinlichkeit u. s. w. ist auch schwäbisch und bair., sowie bei Adelung und Campe m. sichere spuren des f. bleiben im nhd. selten: so das der arm an 7 enden uffbrach unde daruss floiss bosse unflaid Wigand Gerstenberg chronik 324; ich schwitze vor angst in meine hosen durch und durch und netzet meine unflat mein lager buszpsalm des Spinolä bei Opel-Cohn 31. das unflat neben der unflat dürfte im allgemeinen wie das koth neben der koth zu beurtheilen sein; lit. bezeugt ist das n. mhd. bei Heinrich von dem Türlin und in der rennerhs. U 15816; wenn es heute noch als n. erscheint (Bernd 330; Söhns wort u. sinn 37; Weigand-Hirt 2, 1114 bezeichnet es als nordd.), wird die verwendung über die bei unart, unband u. ä. beobachtete kaum hinausreichen (oben sp. 179. 240); schriftsprachlich ist das neutrum nicht. im allgemeinen vgl. zu geschlecht und formen wörter wie saat (th. 8, 1579). I@44) formen. I@4@aa) dreisilbige: ungfluot Martin-Lienhart 1, 174 (s. u.B 3 b), wird wohl nur zweisilbig gesprochen. wie mhd. unvlâte, mnd. unvlêde, ohne dasz das geschlecht mit sicherheit immer erkennbar wäre: sein unflate beleibt auff im erste d. bibel 4, 74, 31; vgl. das sy nit sterben in iren unflaten 3, 414, 58; den unflate (des erbgrindes) daselbst heraus zeziehen Khüffner Celsus (1531) 89b. unorganische verlängerung im reim: vom grund sich der unflatte (: tratte) in der kotlach auff schwunge Berliner meisterlhs. 23 nr. 84; die nicht von natur hatte dan wuest, gstanck und unflatte ebd. I@4@bb) umflat: pfeu dich, was umflats gsich ich dOert schweiz. spiele 2, 126, 292 Bächtold. onflot Münster cosm. 347; Staub-Tobler 1, 1226. uflath, ufläthen Gotthelf ges. schr. 2, 94; sämtl. schr. 7, 91; Staub-Tobler 1225 f. [] I@4@cc) â ist durchweg lang und wird durch schreibungen wie unflatt (erst. d. bibel 4, 161, 23; Luther 8, 293. 144 Weim. u. o.) nicht widerlegt. zeichen der vocallänge unflaut (erst. d. bibel 4, 235, 20; Mysinger von d. falken 69 u. ö.; Schmeller 1, 799), unflot (Keisersberg schiff d. penitens 29c; Hutten 1, 386 u. s. w.; Staub-Tobler 1, 1225. vgl. Fischer 2, 1544), unflyot (Martin-Lienhart 1, 174a), unflout Knothe 120, unflaid (hess. urkundenb. 2, 538; hist. volksl. 3, 515, 22 Liliencron; unflait rennerhs. U 22861), unflaat (Boltz Terenz 144a u. o.), unflaht (Zesen), unflatth Luther (s. u.), unflath (Adelung umst. lehrgeb. 2, 780). schwankungen kommen in mundarten vor; hess. â statt ô erklärt Pfister erg. 2, 42 für unechte dehnung. im ganzen ergibt sich nichts, was die th. 3, 1728 angesetzte trennung von flat, unflat und flât, unflât stützen könnte. unflet, das einmal bei Kramer (1700) 1, 385b mit dem zusatz 'hoggidi unflat' steht, erklärt sich aus mnd. unvlêde. ebenso ein mhd. unvlæte : græte : unstæte bei dem Niedersachsen Raumsland minnes. 3, 63b v. d. Hagen. I@4@dd) zweifelhaft abflat = unflat (nl. aflaat) Höfler krankheitsnamenb. 150b, mnl. afflatten (wb. 5, 1516) und unstlath Diefenbach gl. 334b s. v. livor. I@4@ee) pluralbildungen verkümmern etwas in der neueren sprache. einerseits reicht der collective singular auch für die bezeichnung von mehrheiten aus (alle tische sind voll speiens und unflats Esaia 28, 8 sordiumque vulg.; die unflate, mehrere arten des unflats, wie Adelung ansetzt, ist wenigstens unüblich) — anderseits ist mit der schelte auch der plur. aus schrift- und umgangssprache sehr zurückgewichen. dazu kam die beeinträchtigung durch den beliebten plur. des neueren worts unfläterei. 'die vielfache zahl ist ungewöhnlich' Braun (1793) 270b. natürlich ist der plur. mannigfach vorhanden. schon Keisersberg kennt den pl. unfleter wie den dadurch begünstigten sing. ein unfleter (narrensch. 44b). H. Sachs gebraucht den pl. auch concret zur bezeichnung von unflat aller art: wann es war eben regenwetter und lag der bach voller unfleter 17, 378, 29 Götze. unflät, unfläte: das mir die unflAet nüt umbkarten schweiz. spiele 1, 221, 975 Bächtold; was müssen das für unfläthe gewesen sein bei ihrem leben! Gotthelf 7, 299; uflöd, unflöt Staub-Tobler 1, 1225 f. die unfläthe von pardel und tigerthier Holtei erz. schr. 10, 188. unflæde Bauer-Collitz 108a. unumgelautet unflate Adelung. Campe, Gotthelf bei Staub-Tobler 1226. die schw. formen unflaten (sy sind flecken und unflaten coinquinationes 2 Petr. 2, 13. Luther 14, 52, 16. 19 Weim.; vgl. erst. d. bibel 3, 414, 58) sind in heutiger schriftsprache und gebildeter rede unmöglich. unflaten auch bei Staub-Tobler 1, 1225. IIII. bedeutung und gebrauch sind von den oben I 2 bemerkten gesichtspuncten noch bedeutend mehr beeinfluszt als die formentwicklung und bezeugung. das oft vermiszte bindeglied zwischen ungeputzt, unschön und unflätig ('ungeputzt ist noch lange nicht unfläthig', Adelung) liefert der euphemismus (zeitschr. f. d. wortf. 10, 129). flawen bringt an sich schon die begriffe nitor und squalor hervor; purgamen ist reinigung und unrat (Crecelius 843), reinung, reinigung ist abstractum und concretum (Höfler 503a). die seltenheit des nhd. flauen, flaien, fleuen und die vermischung mit anklingenden wörtern wie fladen, flade, flaut, flaute, flätz, flötz, wlate, onverlaat, aflaat, unverlatsch u. s. w. dienen der verdunkelung unseres wortes. die begriffsverwandten unsauberkeit, schmutz, unrat, wust, stank, dreck, koth, mist haben nicht nur offensichtlich auf die ausbildung der wortverbindungen, sondern auch auf die des begriffes eingewirkt. das heute unsinnlichere unflat gewinnt durch die mitwirkung des ästhetisch-sittlichen urtheils erheblichere schärfe als seine synonymen, die zum theil (vgl.dreck, koth, mist) der anwendung aufs sittliche mehr oder weniger widerstreben. [] AA. die grundvorstellung des spülens, waschens (vgl.lauter) ist, wenn auch oft unbewuszt, noch im heutigen sprachgefühl lebendig; wir verbinden mit unflat eigentlich noch die vorstellung des flüssigen, was synonyme unterscheidungen (Eberhard-Lyon 806) begründet, trockener unflat ist fast eine contradictio in adjecto (unflât gedorret Konrad v. Megenberg buch d. natur 151, 21 Pfeiffer). so wird unflat durch proluvies (Sachses gloss. 47, 431a), alluvies (Diefenbach gl. 25a), subluvies, colluvies, illuvies, eluvies, eluvio (Frisius 1256a. Maaler 461a), purgamen, purgamentum (Reyher thes. O ra), und noch schlagender durch das subst. auszspületen (Frisius 1256a. vgl. die wäscheten purgamen Calepinus sept. 1263a) erklärt. un hat dabei wesentlich improbative bedeutung und bezeichnet das schmutzige, wertlose. so heiszt amurca, ἀμοργή der erste unflat, wenn man öl schlegt Faber thes. (1587) 49b; Corvini fons 53; von einem gummi: das jenige, so bitter schmecket und wann es zerbrochen wird, recht ölicht ... und ohne unflath ist, das ist das beste Marperger kaufmannmag. (1708) 137. vgl.n. humske, uhumsk. A@11) innerhalb dieser hauptvorstellung bleiben: alleʒ daʒ unreines ist ûf allem ertrîche, der unflât, fliuʒet in die helle myst. 1, 298, 36 Pfeiffer; der unvlât der dâ wirt, swenne ein vrouwe ein kint gebirt bruder Philipps marienleben 2108; nicht im sinne von meconium Höfler 151a, s. u.; nachdem das kind gebadet und geputzt von seinem unflat und dem geblut, so zugleich mit dem kindhaben abgehet Mauriceau 514; unflat, den die gerber machen Herr feldbau 42b; der strohm bringt schaum und unflaht mit Zesen helik. rosentahl 123; wann das meer zornig ist, so wirfft es allen unflat .. von sich an das gestad hinausz Abraham a St. Clara etwas für alle 2, 8; schlamm und u. Bodmer schr. 2, 111; wasch dirs angesicht; denn 's ist dir in'n höllisch saubern unflath Bode Th. Jones 2, 348; der gelbe flusz ... deckt das ganze land mit unflat Ritter erdk. 4, 532. A@22) beachte auch die verbindungen: die rew flæt si von unflat gesta Rom. 110 Keller; etleich als ein unflat sein verflossen quelle bei Jelinek 780; ein gruob, da aller unflat zusammen flüszt Keisersberg evangelibuch 205c; der unflat ... quillet heraus Luther 28, 412, 1 Weim.; tieffen unflatt 10, 1, 1, 461 Weim.; den alten anklebischen unflat 6, 43a (Jena); unflat, ausz dem jr mund uberlaufft Paracelsus 1, 262 B; ach! er hat sie mit unrath besudelt, mit ätzendem unflath, dasz mir zu hause noch drei in bittrer blindheit sich quälen Göthe Rein. Fuchs 1, 28; he bemeech unde besekede se Reinke de vos 47; Deutschland trocknet sich allmählich vom schlamm und unflat Fr. L. Jahn 2, 420; unflat spritzt Storm (1899) 6, 122. den unflath wieder abwaschen Hebbel I 10, 323. die derbheit und kraft dieser schmutzigen kerle (anachoreten), ... deren unflat (ungewaschenheit; aber es schwebt stercus adorare vor) er ... vergöttert Zimmermann einsamkeit 1, 387. A@33) selbst in der persönlichen bezeichnung unflat haftet die grundvorstellung bisweilen: weil er nit wil gebadet sein, so bleib er ein unflat allein Sachs 1, 63, 26 Keller; ich bin dreymahl so gut als du, und noch besser. — o du reiner unflat, wilt du dich mit mir sauber waschen? ped. irrtum 175; zu einem schmutzigen jungen sagt man in Norddeutschland du bist ja der reine unflat. vgl. mit unfletigen (illotis) henden Luther 23, 240, 17 Weim.; s. unflät, unflätig, -keit. so flat und unflat ein unreinlicher mensch, schmutzfink Staub-Tobler 1, 1225. Fischer 2, 1544. Martin-Lienhart 1, 174a. Spiesz 61. Hertel 96. Vilmar 104. Bauer-Collitz 108a u. o. im übrigen s. B 3 b. BB. bezogen auf den gesichtssinn ist die ungewaschenheit, ungeputztheit, der unflat die unschönheit, das unschöne. s.flät, flätig, unflät, unflätig geputzt, rein, [] schön und deren gegentheile. durch euphemismus und übertragung aufs sittliche ist der heutige begriff entstanden. B@11) die bed. des unschönen mit ausschlieszlicher beziehung auf den gesichtssinn ist in dem heutigen sprachgefühl, das von der schriftsprache so stark beeinfluszt wird, am wenigsten erhalten. auch flät schön ist ja nur mundartlich. B@1@aa) mittelbar aber wird unflat unter diesem gesichtspunct, im gegensatz zum schönen, hübschen, zierlichen u. dgl. mannigfach bezeugt: dîn schœniu wangen sint mit unvlât gar bevangen Philipp marienleben 7425; ich bin dein unflat, du bist mein zierd und schmuck Luther 16, 199, 16 Weim.; gleich als messing auch von ferne scheinet, als were es eitel gold, aber es ist darumb nicht gold, also ist es ein verborgener unflat 17, 1, 240, 30 Weim.; weiber schön ist ein verdeckter unflat (wobei denn natürlich der begriff 2 d einflieszt. vgl. renner 18240) sprichwörter (1548) 142b; der schönest aff ist ein unflat 143a; lasz sterben ... diesen zierlichen unflat (den leib) Abraham a St. Clara mercks Wien 136; so? du bist auch in d' bärt vernarrt? eso en unflat verstellt's g'sicht Feurer bei Staub-Tobler 1, 1226. ungestalt, schnOedigkeit, wuost, unflat, hässzligkeit Frisius 1339b. meist geht die bedeutung in die der schelte (s. u. 3 b) über. B@1@bb) von personen: es steet übel ein unflat in eim schönen hausz sein. eim schönen hausz ein schöner wirt pulchra domus, pulcher hospes sprichw. 1548, 153a; es weren so grosse unfläter (stattliche söhne) von jhr (einer höchst saubern frau) kommen, das nichts unsaubers mehr bey jhr sein könte Zinkgref apophthegmata (1628) 322: seine mutter wäre eine schöne und reinliche frau gewesen, drumb hätte kein solcher groser unflat von ihr gehen können (ein kleiner beschimpft einen groszen) Weise klügsten leute 37. B@22) wie der zartsinn unsrer vorfahren für stercus die milde bezeichnung 'das ungute' (koth th. 5, 1890) fand, verhüllte unflat, das unschöne, euphemistisch und abergläubisch manches andere, stärkere, gefürchtete, derbere, gemeine. B@2@aa) milde klingt onvlaet displicentia Kilian 442b; unflat für miszfallen, miszvergnügen, widerwille und deren gegenstand: die welt mit aller ir unflat Tauler bei Schmidt els. wb. 376b; unreht und unflot ist ufgangen in der h. cristenheit Merswin ebd.; alle frewd wirt bey euch ain thomhait und unflat geurtailt Eberlin v. Günzburg 2, 146 neudr.; er ist ein unablassiger geist und wil jmmer seinen unflat under den rechten christen haben theatr. diabol. 1, 6b: frew dich nicht deines nachbarn schad, du hast davon nichts als unflat Lehman florilegium 2, 543; unflat anfan streit erregen Staub-Tobler 1, 1226 (esz spilten ettlich ... fiengen ein unflot an F. Platter 248. vgl. Staub-Tobler 4, 538. mist, stank th. 10, 2, 829); der hund hed g'hület winen uflot; die unfläte von schlampihüten (Gotthelf) ebd. erniedrigung, niedrigkeit: unflat hat er nicht gescheuet Luther 34, 2, 492, 25 Weim. vgl. unten d. mundartlich und veraltet. B@2@bb) für contagium, delirium febrile, tobsucht (1482) Höfler krankheitsnamenbuch 151a; contagio Diefenbach nov. gl. 110b. mehrfach im passional (mhd. wb. 3, 335b); renner 2800; Hesler apokalypse 23 007; wann ires (des salamanders) gifftes schaum ze underst rüret ainen paum, so sind vergifft und unrain baide est gros und clain, die der paum uf im hatt; das macht sein grosser unflatt Hätzlerin 270, 68, 490; wie er aber ... in die Lombardei komen was, kam ein unflat und gächer sterben under alles volk J. v. Watt 1, 202; bis das der phlegmatische unflat hinweg sei Feierabend falknerei 56b; mit bösem unflat der aussätzigkeit Cuba kreutterbuch 40; [] dass dich der ritt als unflats schütt! Manuel Barbali 642 Bächtold; dan es seint mein huft und lenden mir elenden voll uonflats uont wustes brands Melissus psalmen 145, 8 neudr. vgl. koth der fliegende brand th. 5, 1895. Staub-Tobler 3, 558 f. Frisius 1123b erläutert recrementum bei Plinius durch übergewächsz, ansatz, unflat, überflusz. nicht mehr gewöhnlich. B@2@cc) als glimpfwort für mensch und thier: man sihets wol ..., das du ein unflaht (vgl. unflatkind) bist und kein edellmann Höniger narrenschiff (1574) 284b; kompt dir zu hausz ein frembder gast, gibs jhm so gut als du es hast. so er ein ehrenmann von blut, nimbt er mit käsz und brod vor gut; doch so er ein unflat geborn, so wär auch käsz und brod verlohrn Moscherosch gesichte 2, 62; ey freulein, was tragt ihr da für ein unflat (wechselbalg) Prätorius anthropodemus plut. 1, 423; wechselbälge belästigen die eltern mit scheissen, fressen und schreien ... dasz die eltern für solchen unfletern kein ruhe haben Ruoff hebammenbuch 152; Prätorius a. a. o. 1, 421. doch das man auch sich verlobe, den wolff hinfort nit mer einen wolff, sondern den unflat .. zu nennen Spangenberg adelsspiegel 2, 383b; so mag der unflat haint in meinen schaafstall reissen Scherffer ecloga 31; den (wolf) pflegen die bawren aus einem abergläubischen wahn ... nicht mit dem nahmen wolff, sondern den unflat zu nennen ebd. Schulz zs. f. d. wortforsch. 10, 169 f. dunkel nachwirkend: sonder zweifel erstreckt sich die weisheit der schöpfung auch auf diesen unflath (die fliege) Holtei erz. schr. 39, 155; weil der herr kreislandrath zu nachsichtig sind gegen derlei unflath (ein ausländisch stück wildpret landstreicher) 5, 119. während die bisher entwickelten bedeutungen B 1. 2. a. b. c der heutigen schriftsprache ganz verloren sind, gewannen die nun folgenden im wesentlichen schon seit alter zeit bis heute ungemeine verbreitung. B@2@dd) von ekelerregenden sachen aller art. der begriff des ekelhaften und widrigen, den synonyma wie dreck (th. 2, 1352) nicht notwendig besitzen, wird wohl auch durch die grundvorstellung des flüssigen verstärkt. B@2@d@aα) sentina der unflad und stinckwasser Alberus 90a. cloaca ein eegraben oder tolen, dardurch der unflat und wuost einer statt hinwAeg laufft oder fleuszt Frisius 236b. Corvinus th. 6, 2529. abwässer: (Ancus Marcius) liesz tobel und gewelb under den gassen inn Rom machen, domit aller wuost und unflat under dem erdtrich hindurch vil weg flOesz Carbach Livius 12c. B@2@d@bβ) ausscheidungen, absonderungen, secrete, von gesunden und kranken, aus dem menschlichen und thierischen körper. Höfler 151a: von dem unvlât daʒ der lîp durch die nasen lât Heinrich v. d. Türlin krone 19670; die nass jst ein fürhaus des hirns als ein brivet, damit man den unflat auswirft proplemata Aristot. 4b; moschus Konrad von Megenberg 151, 16; der schnitt den fuosz auf, liesz den unflat herausz Knebel chron. v. Kaisheim 367; aber darnach ist auch am leibe schweisz, butter in augen, rotz, grindt und ander unflath Luther 33, 457, 23 Weim.; der unflat eines schnecken Agricola bergwercksbuch 85; von fröschen Schill ehrenkranz 305; spinnen Lohenstein Arm. 1, 95a; regenwürmern Hohberg 1, 239. salziger unflat, salzflusz Höfler a. a. o. übertragen das gold ist also der unflath der welt Schönaich neol. wb. 43, 4 Köster. aber Knittel sagt vom gelde: pfuy! du unflaht dieser erden! sinnenfrüchte 134. vgl. unflatreich, ungenanter unflat Jelinek 781. B@2@d@gγ) auswurf, auswurfstoffe, abgang, ausleerung, excremente; coenum kott, unflat Faber 189b; heidenkot, [] schwefliger unflat, entleerte galle Höfler a. a. o.; menschenunflath Zedler 49, 1288: also den arczte mit dem haubt in dem unflat stecken liesse Arigo dec. 530, 36 Keller; wenn du .. vil sünd und die nit bichtest und yemermeder verbirgst wie ein katz iren unflot Keisersberg bilgersch. 32a; Prätorius phil. colus 9; Forster 2, 21; aus der speise wird unflat, so durch den natürlichen gang wird ausgeworfen Luther tischred. 2, 102; zeygst uns für feyhel den unflat Sachs 17, 203, 27 Götze; ich main, du seist mit eym unflat bsessen 5, 25, 10 Keller; von kot und unflat in solcher masz zuogericht Montanus 153, 17; sie lagen .. in dem unflath, den sie unden und oben .. von sich gelassen Moscherosch gesichte 2, 228; mist ... wird aus stro und von dess viehes unflat Harsdörffer secret. 1, jii viiib; endlich liesse sie ihn in seinem eigenen unflath liegen Zend. a Zendoriis winternächte 279; unflat von einer kuh (kuhfladen) Lohenstein Arm. 2, 1393a; unflat als zauber Schmidt rockenphil. 1, 364; Zedler 49, 1287; harpyen wähn' ich fütterten dich im unflat auf Göthe Faust 8819. vgl.koth, dreck, mist, wust, unrat u. s. w. und die verbindungen wie stank und u. Luther 30, 1, 160; u. rütteln 30, 2, 319; im unflat liegen 19, 307; jren unflat dran schmieren 32, 408, 32; unflat rüren 28, 181, 34 Weim.; ich mOeg fliegende mein u. von mir werffen Franck chron. 100a; suocht den u. herfür Alberus wider J. Witzeln F 8a; den unflaht nicht weiter treten Schottel 1117. B@2@d@dδ) schmutz, straszenkoth: = hor passional 392, 95 Köpke; lieffe ... durch eine tieffe pfützen dasz jhre bein bisz an die knie voll koth unnd unflaht waren Tabeus pfaffensack H iijb; schuhhader, daran ein jeder seinen unflath abzuwischen hat H. Müller erquickst. 432; den beyfall, den Lavater ahndete bey allem unflat, mit dem man nach ihm ... warf, wird seine physiognomik erhalten Zimmermann einsamkeit 3, 403. plur. bei Sachs oben I 4 e. B@2@d@eε) unsauberkeit: der armut Elisabeth 2383; paedor, unsauberkeit, wuost und unflat an menschen, fürnemlich von langwiriger gfencknusz Frisius 939a; sordes Nemnich nosol. 17b; heb an zu keren, wo sie (die gäste) stehn, dasz sie im staub und unflat gehn Scheit Grob. 4122; pöbel, der ... unflath oft mehr als reinligkeit liebet Buchner poeterei 97; gleich wie man sonst auff einem schwartzen zeuge oder tuche die federn und den unflath am meisten gewahr wird wohlgeplagte priester 133; unflat von den zähnen Hohberg 3, 221b; die pfanne von u. abzuwischen v. Fleming soldat 146 § 4; sieht man, dasz die sterne doch selber voller unflath stecken Henrici 1, 172; bärte, die ... mit fett und unrath dermaszen zusammengeklebt sind Forster 4, 198; es ist beim tier wie beim menschen: hat es seine ordentliche saubere pflege, so arbeitet es um so lieber, ausgenommen, wem im unflat am wohlsten ist Pichler allerl. gesch. a. Tirol 1, 28. B@2@d@zζ) veraltet verunreinigender zusatz: korn, gersten, habern, darin vil unflat, staub, trefts, wicken Schade sat. 2, 149; spreuer und unflat S. Franck de vanitate 105b; übertragen: zusatz und unflatt Luther 8, 144 Weim.; 28, 599, 12; bleischlacke glet ... von allem u. gesäubert Wirsung artzneybuch 63c; ertzvoller u. Junghannss d. edle bergw. C u. ableutern; es müssen die gänge in und ausserhalb der röhren in der strichzeit von gras und anderm unflat wohl gesäubert und aussgerupffet werden Aitinger jagdb. 76. B@2@d@hη) kehricht, abfälle, mull; Amaranthes 150. heute nicht mehr üblich: ouch sal man diekeynen eschir odir unflaid zu der badestuben gegin den husichen, dye her Herman hat stehende da, nit uz schudden noch werfen hess. urkundenb. 2, 538 (1345); eine verfallene mauer .. [] dahin man den mist und allerley unflat zu tragen pflegte Widmann Fausts leben 150 Keller; Weise erznarren 53 neudr.; v. Fleming sold. 326 § 5; die erste kehrt die stube aus, die zweite wirft den unflath naus Arnim 13, 353. B@2@d@thθ) luftverpestende dinge: mit bliden qwad und unflad thed her der stad gar groszen vordrisz Stolle thür. chron. 69; weh euch schrifftgelerten und phariseer, jr heuchler, die jr gleich seid wie ubertünchte greber, welch ausswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind voller todtenbein und alles unflats Math. 23, 27 (ἀκαθαρσία, spurcitia Zedler 49, 1287). vgl.des nebels unvlat Jelinek 781. B@2@d@iι) in verbindung mit aas: das kein unflat und as .. also stinket Luther 34, 2, 119, 9 Weim.; einem aas und unflath Lindenborn Diogenes 1, 227. B@2@d@kκ) das hintertheil, die schamtheile: dem selben wie dem affen gschicht je me er stigt, je basz man sicht sein unflatt. wer er bliben nyder, man sech im nit sin schantlich glider Brant narrenschiff 40, 3 Zarncke. B@2@d@lλ) widerliches im innern des leibes: swie sêre wir brangen unde brogen, doch ist manic unflât überzogen in uns mit einer bœsen hiute Hugo von Trimberg renner 24060. B@2@d@mμ) im unflat (hilflosigkeit, elend) liegen: der mutter lieb regt sich am allermeysten, so jr kind kranck, im unflat liegt, nach pappen weynet Franck sprichw. 2, 126b; liegen im unflat, wust, leussen und stanck Kirchhof militaris disciplina 116; dadervon is mir o noch amal a kind satt geworn; derwegen han se gelegen alle vier in unflat und lumpen Hauptmann weber 104. B@2@d@nν) das verächtlichste: stank und unflat th. 10, 2, 830; die schande und der unflat, die unser anegenge hat Heidelberger hs. 341, 98, 57 Rosenhagen; aus der ersten prima materia, die auch in jhrer vermischung ein unflat gewesen ist Paracelsus 2, 77c; alles ist unflath und elend Göthe 46, 161, 17 Weim.; in der auch bei den synonymen dreck, koth, schisz, stank u. s. f. gebräuchlichen umschreibung für nichts: er achte solche seyne gerechtickeyt wie den katt und unflatt Luther 10, 1, 1, 105 Weim.; dat se allent, wat buten Christo ys, vor dreck unde unfladt helden Rotmann restitution 56 neudr.; si (die Essener) hieltens (die güter) für ein unflat und unziffer Franck chron. 484a; dasz wir den welt-pracht nur für sand, für staub und unflat schätzen Dach 904; wer das sinnen-lose gold achtet mehr als menschen hold, der ist werth, dasz alle welt ihn für kot und unflat hält Logau 72, 276. veraltet. B@33) auch ohne euphemismus (wie B 2 a) wird der so gewonnene begriff (B 2 d) aufs geistig-sittliche und auf personen übertragen: schand, laster, impuritas, obscoenitas, turpitudo, inquinamentum; ein unflat, schandtlicher nichtssöllender mensch, impurus, colluvio, coenum per metaphoram Maaler 461a. B@3@aa) in sittlicher und geistiger beziehung unsauberkeit, unsauberes wesen und betragen, befleckung, sünde (vgl.stank th. 10, 2, 828), schandthat, laster, besudelung, besonders unkeuschheit: nû mugent ir iuch schamen diss unflâtes Neidhard 168, 22; sünde und allen unflât renner 12004. 22861; mit ketzerlichem unflat Suso d. schr. 168, 22; der sel unflat Folz meisterlieder 3, 27; das laster des unflates erste d. bibel 3, 331, 27; der unflat unkeuschheit Keisersberg hauptsünden bb 1b; wuost und unflat der sünden baum der seligkeit 33c; vgl.sündenunflat; betrugsunflath Herder 7, 181; so sie entpflohen sind dem unflat der welt 2 Petr. 2, 20; unflat am fleisch 1 Petr. 3, 21; der alte wahn und angeborne unflat Luther 29, 404, 24 Weim.; unflat und grewel (im papstthum) 32, 108, 9 Weim.; den dreck und [] unflatt seyner (des papstes) gesetz 8, 293 Weim.; mit dem unflat (unglauben) behafft 28, 106, 10 Weim.; der u. des alten Adams 28, 412, 1 Weim.; im unflat empfangen B. v. Chiemsee 202; den Lutherischen unflat und jrrthum Dietenberger vermanung (1523) K 5b; ein unfladt oder laster begehen Höniger narrenschiff 106a; ist das nit ein groszer unflat? Manuel weinspiel 3295; mach herr durch deines hertzens quell mein hertz vom unflat rein und hell P. Gerhard bei Fischer-Tümpel 3, 411a; der so welt-weisz ... den unflat seines geists verhälet Weckherlin 2, 120, 27; die keuschen Pierinnen sind keinem unflath hold Rachel 108 neudr.; dem unflat dieser zeitlichen geilen liebeslust Neumark fortg. lustwald 8; dasz wir unsere muttersprache ... von dem unflat bettlerischer wortbesudelung ... ausreuten, säubern palmbaum 31. vgl. E. M. Arndt 3, 42; J. Grimm kl. schr. 8, 310; ganze fässer voll luder und unflat Chr. Weise pol. näscher 253; dem unflat und narrenspossen derer schullehrer Thomasius kl. d. schr. 93; des lebens unflat Dentzler 368a; unter dem unflate seines jahrhunderts neuer büchersaal (1745) 2, 293; seine häszlichkeit aber ... ein treuer ausdruck von allem dem moralischen unflath, der doch in ihm lag Lavater physiognom. fragm. 1, 68; gnug des unflaths Herder 7, 38; aus fluch und unflath ist ihr (des verdorbenen weibes) paradies gebaut 7, 67; diesen ungeheuren stall von unflat (v. d. Hagens ausgabe der minnesänger) auszufegen, dazu gehöret ein Hercules Gervinus an J. Grimm 2, 29 (lang gesamleter unflat Augiae stabulum Dentzler 324a); Hans Folz ein wahrer dichter des unflats Gervinus gesch. d. d. dichtung 2, 342; den wüsten unflat der geistigen entwickelung Mommsen m. gesch. 1, 838. sich im unflat der unkeuschheit waltzen Kramer (1700) 1, 385b; wir wollen den unflat nicht weiter treten ebd. heute sparen wir das wort für kräftigste verwendung. B@3@bb) auf personen und persönlich gedachtes bezogen, setzt die bezeichnung unflat meist die vorhin entwickelte sittliche bedeutung voraus (vgl.unflathen coinquinationes Luther ob. I 4 e). auch bei der bezeichnung des teufels (α) ist wohl von dem oben 2 c behandelten euphemismus abzusehen. der plur. unfläter hat zur entstehung des subst. der unfläter beigetragen; meist ist nicht zu entscheiden, ob beim plur. unfläter (z. b. wie accurat diese unfläther [Hottentoten] treffen können insel Felsen burg 37, 32 Ullrich) vom sing. unflat oder unfläter auszugehen wäre. s. unfläter. im gegensatz zu dem seltenen persönlichen gebrauch der synonymen koth (th. 5, 1894), mist (th. 6, 2266), stank (th. 10, 2, 831) ist die persönliche verwendung von unflat reich zu nennen; die adj. unflät, unflätig mögen diese ausbildung erleichtert haben. vgl. ungewaschen. ebenso persönlich, bes. als schelte, flat, sauflat Staub-Tobler 1, 1225. s.A 2 ende. nl. onverlaat snoodart in der gesprochenen rede veraltet (wb. 10, 2112) B@3@b@aα) ein unsauberes, ungeheures wesen, der teufel mhd. wb. 3, 335b: der teuffel, dem man doch kein kertz stecket und ein schwartzer wüster unflat ist Fischart binenkorb 8b. vgl.B 1. A. B@3@b@bβ) von männlichen personen gebraucht, gibt unflat mannigfaltigere bedeutungen wieder. ob es zur bezeichnung einer sehr häszlichen person ( Campe) noch auf bedeutung B 1, ob schriftsprachliches unflat zur bezeichnung eines schmutzigen, unreinlichen menschen (Krünitz 195, 602) auf bed. A zurückgeht, ist zweifelhaft; in der heutigen sprache der gebildeten lebt kein rechter zusammenhang in diesen fällen mehr. doch s. oben II A. bisweilen wird nur, wie in mundarten, die ungeschlachte grösze hervorgehoben; wie man unflätig (blosz steigernd) grosz sagt, so ein unflat an grösze (Crecelius 843): der grosze riese holte ... schon aus, als ein ... männlein dem herrn Goliath einen solchen schlag vor die brust gab, dasz der unflat matt zurücktaumelte Tieck 19, 294. [] oder die unhöflichkeit, unmanierlichkeit wird getadelt: es wer yetzt ein unhöfflichkeit, das einer also zuo tisch läg. man spräch: unflot, wie ligstu also? Keisersberg postille 2, 76b; ein unflat an einem hoff, als er das musz ausgessen hat, ... soff die übrige brüh ausz Zinkgref-Weidner 3, 51; so du ein unflat bist, wie wollen deine kinder züchtig sein? Moscherosch insomnis cura 87 neudr. auch flat ist im schwäbischen ein unbeholfener, unmanierlicher, unartiger mensch, ein ungezogenes kind Fischer 2, 1544. stärker ein schweinischer, säuischer, viehischer mensch spurcidicus, opicus Corvinus, Alberus: sus, sauw grobians heiszt eyn schweyn, der nüt kan, den eyn unflat seyn Murner schelmenzunft 35, 2 neudr.; wir sind solche unfleter, das wir nur was unfletig ist und stinckt, erfur suchen Luther 32, 332, 23 Weim.; ein meisterstuck eines unflats Scheit Grob. 901 ff.; das fleisch der ... katzen wirt ... gefrAessen .. in Hispanien, so sunst unflAet (adj.?) in allerley speyss sind Gesner-Herold-Forer 99r; jeds liebet was es ist, der käfer seinen mist, den unflat liebestu, weil du ein unflat bist Silesius wandersmann 162 neudr. so allgemein, wenn auch von Campe als pöbelhaft gebrandmarkt. ein unkeuscher: die brîster mit ir wîben, ir dehäines wirt nimmer rât. war gidenchet manic unflât daʒ si lebent âne riwe Heinrich von Melk priesterleben 722; dem unkeuschen unflat Sachs 16, 44, 16 Götze; Priapus ein unflat Simpl. 216 Kögel; die unflät, die unkeuschheitssünden begehen quelle (1734) bei Staub-Tobler 1, 1226. ein scheusal: der unflat keiser Caligula Luther 8, 79a (Jen.); einem unflat aller unfläter Sachs 20, 319, 15 Götze; gegensatz ein frommer 17, 320, 3; gott wolle ja seine liebe kirche von solchen unfletern (wie dem wieder abtrünnig gewordenen Stephanus Agricola) vollent reinigen Spangenberg böse sieben B 4b; der römische vielmehr unflat als kaiser Dannhawer catechismusmilch 1, 167; ist der pfaff ein unflath, das habe er jm selbsten Moscherosch insomnis cura 120; das liebe gut! man musz es nun wegwerfen; es kann's kein ehrlicher mensch geniessen, da der unflath die schnauze drüber gehabt hat Göthe 17, 303, 4 Weim.; bücher und menschen verschluckt und ganze provinzen der unflat (von Nicolai) Göthe 5, 277 Weim. 'eine im hohen grade unreinliche und schmutzige person, jedoch nur im gemeinen leben, wo man es denn auch von einer sehr liederlichen und lasterhaften person gebraucht' Krünitz 195 (1848), 602. ein roher, im reden und handeln unsittlicher mensch. si hät en unflat vomene man. wir wend keines junkherren versoffenen unflaats (1569) bei Staub-Tobler 1, 1226. flat und unflat ein gemeiner mensch Hertel 96. Schmeller 1, 798. verächtlich disen wüsten, krummen unflat Sachs 20, 120, 8 Götze; ein krippel und krummer unflat Fischart praktik 9 neudr. mit verstärkenden zusätzen: ein rechter u. Murner bei Schmidt els. wb. 377a: ein wüster unflat und sudler Maaler 461a; der keib und grosz u. schweiz. spiele 3, 104, 1250 Bächtold u. ö.; begieb dich nicht in hader und zanck ... mit einem frechen, tollen, groben, unsinnigen narren und unflat Mathesius Syrach 48a u. o.; diser hofrecht unflat buch d. liebe 12, 2; der grob unflat Weckherlin 1, 517, 295; der schnöde u. Buchholtz Herkuliskus 136; ein epicureischer u. Abraham a St. Clara auf auf 27, 21 neudr.; ein rechter unflat von einem kerl Kramer (1700) 1, 385c. einer besonders war ein rechter unflath Bräker 1, 37; ketzersunflat Staub-Tobler [] 1, 1226. 3, 596. halb scherzend: in Kassel war man moralisch über den groben unflat Dietrich empört Freytag an Stosch 22. beliebt als schelte. sterquilinium du unflat Faber 796b. blax Calepinus XI ling. 165. contaminatissimus Schönsleder L l l 4b: schelm! unflat! lasz zufrieden mich! Sachs 21, 28, 2 Götze u. o.; pfey dich, unflat Scheit Grob. 237; du unflot! was hast hie gebracht Fischart Eulenspiegel 4919 u. o.; du bist ein unflat in der haut Ringwaldt lauter wahrheit 133; das land ist gring für diesen held (den Spanier) der da stäts schreit: unflat! villano! verräther! ketzer! lutherano! Opel-Cohn 406; du hasts erlogen, unflath, sprach ein teuffel Moscherosch 1, 448; pfuy, du unflat! Kramer (1700) 1, 385c. Bernd 330. Spiesz 61. verstärkt: du unflat und stanck der löblichen stad und hochberümbter schulen Luther 26, 546 Weim.; du bub und ehrloser unflad Sachs 17, 76, 18 Götze; schweig, heszlicher unflath engl. comöd. 98, 6 Creizenach. dich leckerbub und unflat Apherdiani meth. 86. kosendes verkleinerungswort unflatle sordidulus, spurciculus Aler 2, 2079a. vgl. unflätlein. auch einfaches unflat wird wie andere schelten bisweilen halb scherzhaft gebraucht: Vilmar 423; schlemmer sagen von einem, der nicht trinken will, diser ist nichts, er gat nit zu den gesellen, er ist ein unflat Fries spiegel der arztnei (1518) 30b. bisweilen hat sich die bedeutung ganz verengt, z. b. bedeutet im Busecker tale dieser mann war ein unvlat gegen seine frau er tat ihr mit zugemuteten arbeiten überlast Vilmar-Pfister (1889) 42. elsässisch es kummt kein ungfluot (vielfrasz) auf die welt, er wurd ufgezogen Martin-Lienhart 1, 174a. für übelthäter: gegen den jungen tumultuirenden vom adel und andern unfläthern ... zu procediren acta publ. 5, 339 Palm. für den ketzer: nit trag kein ding in deim haus von dem abtgott, das du icht werdest verbennlich, als es ist, versprochenlich als ein unflat und hast die unsauberkeit als auch die unreinigkeit der versprochenheit, wann es ist ein verpannenschaffte erste d. bibel 4, 161, 23. Hans Unflat (vgl.Hans Mist th. 4, 2, 460. 6, 2266): unmöglich ists, dasz ein schandlappe und Hans Unflat auff seiner raise ... sol ein bestendiges glück haben St. Prätorius fluctus et luctus (1608) 144. Hans Unflat zum hintern stern der hintere; erwischte er (der bauer) von ohngefahr eine handvoll salzkrautes .., dem Hans Unflat zum hintern stern das maul zu wischen deutsche volksb. 5, 50 Simrock. Matz Unflat Wander 4, 1427. junker Unflat: sie sindt juncker Unflat am ermel Luther 33, 458, 24 Weim. pathe Unflat Wander 4, 1427. meister Unflat hiesz in den 70er jahren des 19. jhs. ein wegen seiner derbheit berüchtigter tischlermeister in Hildesheim. vgl. unflätling. der gelb unflat im narrenschneiden des H. Sachs (5, 10, 31 Keller) ist der neidnarre. B@3@b@gγ) von weiblichen personen. vgl. unflatin, unflatlein: eyner sprach zu Socrates: wie magstu den unflot im husz erleyden Keisersberg bilgersch. 76c; ein rechter wuost und unflat brösamlin 2, 25c; er (Joseph) hat sie (Maria) vor eyn unflat gehalten Luther 27, 482, 10 Weim.; Sachs 5, 308, 24 Keller; von der magd: o du vernaschter unflat! Sachs 5, 194, 16 Keller; die unfleter huren Schmidt els. wb. 377a; die ist von sitten und gemühte ein garstigs ungeschlachtes schwein ..., ein unflat aller ungeberden, der jederman entgegen speyt Rachel 145 neudr.; Uersi, dem liederlichsten uflath Gotthelf 2, 94. 'so sagt man von einer straszenhure, wenn sie sich auch noch dem laster des trunkes hingiebt, sie sei ein unflath, [] eine unfläthige person' Krünitz 195, 602. personificiert erscheint unvlât im gesinde der Lazheit bei Hugo von Trimberg renner 15 967; der jüngling antwortet (der vettel unkeuschheit): was wilstu, du grausamer stinckender unflat? Tabeus pfaffensack K iijb. B@3@b@dδ) von persönlich gedachten thieren und gegenständen: vom wiedehopf der lose tropff, ein stinckender loser unflat, der kein tugend bewiesen hat ganskönig 1, 359; denn die unfläthe von pardel und tigerthier .. haben ordentliche bedienung wie andere hohe herrschaften Holtei erz. schr. 10, 188. scheiszt alszbald einen guoten grossen dreck für die hochwürdigen kürschner und sagt: lieber unflat, blase mir die kolen auff Lindener katzipori 160; zum wein: und weist, das nüt darhinder ist, dann daszd ein diebscher unflat bist! Manuel weinspiel 3063. B@3@b@eε) collectiv unflat abschaum, hefe, auswurf, gesindel, sentina, colluvies (thes. 3, 1665). veraltet: to holden einen gemeinen raid mit wullenknapen und anderen unflaid hist. volksl. 3, 515, 22 Liliencron.; der unflat des bben geschwurms in allen stenden Eberlin von Günzburg 2, 35 neudr.; ein unflat ausz andern lendern Franck chron. Germ. 10; er hat auch gantz Apuliam ... von dem unflat der Sarracen und Griechen gereynigt 82b. Lexer 2, 1976. vgl. nl. onverlaat gemeen volk, janhagel (wb. 10, 2112). CC. sprichwörter und redensarten, die nicht schon berücksichtigt sind: einen unvlât mit dem andern verdecken Berthold von Regensburg 1, 415, 27 Pfeiffer; ein unflat jagt den andern nausz Sachs 3, 355, 32 Keller; sol ich dan zum Nausea gen, grawet mir fur dem namen, dan nausea heist eyn unflat, so möcht man sprechen, das eyn unflat den andern gefordert hett Alberus widder Jörg Witzeln J 1a; ein unflat erleidets dem anderen Garg. 3 neudr.; ein unflat sich mit dem andern (mit hefe) wil schön machen th. 4, 2, 764; unflat schmuckt nicht Agricola sprichw. g 1a; besser ein unflat dann ein vernünfftiger Scheit Grob. 1255; zeit und stat macht manchen unflat Franck sprüchw. 2, 147b; ich will dir den eysz auffthuon und den unflat herauszlaszen zeigen, wie du bist klugreden (1548) 138a; wer sich mit unflat schlegt und treckt, gwin oder verlier, er wird befleckt Rollenhagen froschmeuseler B b b 7b; wer das scham-hütlein legt von sich, der wird ein unflat sicherlich Lehman florilegium 2, 717; herausz wust, lass den unflat ein Harsdörffer gesprechsp. 2, 288; wo unflath und narren sind, da wird es bald gerochen Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 38; Wander 4, 1427. —
42412 Zeichen · 833 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    unflatm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    unflat , m. , früher auch f., selten n. I I. alter, herkunft, verbreitung und formen. I@1 1) literarisch bezeugt ist das…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Unflat

    Goethe-Wörterbuch

    Unflat [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Unflat

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Unflat [Ùflyot M. ] m. Vielfrass. Es kummt ke in Ungfluot uf di e Wëlt, er wurd ufgezo(ge n ) Mb. JB. VI 150; früher Sc…

  4. Sprichwörter
    Unflat

    Wander (Sprichwörter)

    Unflat 1. Der grössest Vnflat, der beste für der Welt. – Petri, II, 91. 2. Ein reiffer Vnflat vnd weiter Leib sind wol z…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unflat

29 Bildungen · 27 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unflat

un- + flat

unflat leitet sich vom Lemma flat ab mit Präfix un-.

unflat‑ als Erstglied (27 von 27)

unflaten

DWB

unflaten . verb. , unflat von sich geben: vom saufritter speyet und unflatet daher, das haus und hoff stincket Luther 19, 397 Weim.; S. Fran…

unflatfisch

DWB

unflat·fisch

unflatfisch , m. , der schiffshalter, sauger, echeneis naucrates, der wie schmutziger ansatz an klippen, schiffen und anderen gröszeren fisc…

Unflathfisch

Campe

unflath·fisch

† Der Unflathfisch , — es, Mz. — e , ein Name des Stopffisches oder Schiffhalters (Echeneis remora und neucrates L .).

unflatreich

DWB

unflat·reich

unflatreich , adj. : wan eben die weiber blut- oder unflatreich sind Guarinonius grewel 1014 . —

unflatshals

DWB

unflat·s·hals

-hals , m. , schelte: du unflatshalss, du molckendremel Sachs 14 33, 7 Keller-Götze; Wickram 6, 96, 2712 . —

unflat(s)kind

DWB

unflat·s·kind

unflat(s)kind , n. , uneheliches kind J. Grimm rechtsalt. 1, 655 ; Krünitz 195, 429 ; Wander 4, 1427 . mundartlich und veraltet. vgl. DWB ko…

unflatterhaft

DWB

unflatterhaft , unflatterig , Campe. unüblich. —

Unflatterig

Campe

Unflatterig , adj . u. adv . nicht flatterhaft oder flatterig.

unflat als Zweitglied (2 von 2)

erzunflat

DWB

erz·unflat

erzunflat (erzúnflat), m. homo spurcissimus: daher man ein schlammigen tropfen oder ungewaschen maul, der ums bauchs willen garstige und los…