unflat,
m. ,
früher auch f., selten n. II.
alter, herkunft, verbreitung und formen. I@11)
literarisch bezeugt ist das im wesentlichen deutsche wort seit dem 12.
jh. (Heinrich v. Melk);
mhd. unvlât, unvlâte;
erheblich später mnd. unvlât, unvlêde;
mnl. onvlaat
ist nur in den wörterbüchern von Kilian
und Plantijn
verzeichnet (
s. mnl. wb. 5, 1516);
nl. tritt durch volksetymologie onverlaat
an seine stelle (Franck-van Wijk 473
b;
nl. wb. 10, 2112);
im ahd., got. und den andern germ. sprachen fehlt es, J. Grimms
ansetzung eines g. flêþs,
ahd. vlât
mundities (
gr. 2, 493)
bleibt ohne bestätigung; die vorgeschichte des ahd. *flât '
schönheit' (
vgl. got. flêd,
ags. flǽd)
in eigennamen des 6. bis 9. jhs. (Förstemann 508
f.; J. Grimm
gr. a. a. o.)
ist noch dunkel. schweizerisches flät,
schön setzt ein ahd. flâti
voraus (Staub-Tobler 1, 1227).
zusammenstellung mit altn. flâ (Weigand
syn. 3, 665; Grimm
gr. 2, 493
anm.; th. 3, 1711)
ist aufzugeben (Falk-Torp 228),
mit fladen (Stieler;
vgl. nd. unfladen)
ungeschichtlich, mit slav. boloto (
th. 3, 1728)
irrig (Berneker
slav. et. wb. 1, 70.
das slovenische fltən
sauber, hübsch, serbokroatisch auch hurtig ist aus dem deutschen entlehnt; a. a. o. 1, 282).
am nächsten steht ahd. flawjan,
mhd. flæjen, vlöuwen,
nhd. flaien, fleien, fläuen, flauen,
nd. fleuen (
th. 3, 1710; Fischer 2, 1547; Schmeller 1, 783; Schambach 272
b; Franck-van Wijk 749);
zur substantivbildung s. J. Grimm
gr. 2, 233
f. 493; Wilmanns
gr. 2, 331; Kluge
wb. 470
b.
mhd. vlât
ist bei Nicolaus von Jeroschin
belegt, nhd. flat
in den mundarten lebendig. gelegentlich könnte flat
auch rückbildung aus unflat
sein. flat
ist nicht nur gegensatz von unflat,
sondern auch gegebenenfalls mit ihm einunddasselbe (Staub-Tobler 1, 1225; Fischer 2, 1544); un
intensivum und die besonders in der mundart wirksame ironische antiphrase sind mit in betracht zu ziehen. I@22)
aberglaube, euphemismus, zartsinn und feinerer geschmack haben nicht nur später die grenzen des wortes eingeengt, sondern erklären auch zum guten theil die lückenhafte bezeugung in alter zeit. mhd. md. mnd. ist es reich entwickelt (Lexer 2, 1975; Schiller-Lübben 5, 85
b),
die glossare geben es früh wieder (
scenum vnflat
tabes, spocicies, proluvies Sachses gl. 431
a; Siber
gemma 12),
den wörterbüchern fehlt es selten. schriftsteller, wie der dichter des väterbuches und passionals oder Luther
schwelgen im gebrauch des kräftigen wortes. die bezeichnung unflat
für eine unflätige
person (
schon priesterleben 722)
ist in der sprache des feineren umgangs und [] in der lit. aus gesellschaftlichen rücksichten in neuerer zeit begreiflicherweise selten geworden; Adelung
schreibt sie den harten und niedrigen sprecharten zu, Campe
brandmarkt sie als pöbelhaft. noch schärfer Krünitz 195, 603.
wenn die mundarten den ausgiebigen gebrauch des wortes als schelte sich auch im allgemeinen nicht verkümmern lassen, biegen sie es doch nicht selten gutmüthig um und nennen wie Fritz Reuter
einen unförmlichen, übermäszig corpulenten menschen lieber einen unfladen (Frehse 82
b)
oder einen unhöflichen, ungeschliffenen flade, fladen (Dähnert 121
b). flad
schmutziger mensch Reinwald 1, 35.
pfälzisch ist flade
ein unflätiger und ein unbeholfener mensch Autenrieth 45. 1572
wird in schweiz. quellen unflat
unter den schelten aufgeführt, die vor den niederen gerichten gestraft werden sollen Staub-Tobler 1, 1226.
falsch verhochdeutscht wird aus dem kuhfladen
ein kuhflathen Krünitz 195, 603.
in einzelnen fällen scheinen concurrenzwörter, an denen ja die ma. überreich sind, sowohl zur bezeichnung von stercus wie spurcus, unser wort in ma. verdrängt zu haben. Seiler
Basler ma. 294; Staub-Tobler 1, 1225
f.; Martin-Lienhart 1, 174; Schmidt
els. wb. (1901) 376
b; Bühler
Davos 1, 183; Fischer 2, 1544; Schmeller 1, 799; Knothe
Markersdorf 120; Lenz
Handschuhsh. dial. 51
a; Crecelius 843; Ruckert
Unterfranken 187; Vilmar 423; Pfister
erg. 2, 42; Hertel 96; Drechsler
Scherffer 274; Hentrich
Eichsf. 60; Bauer-Collitz 108
a. 220
a; Bernd 330; v. Klein 2, 206; Serz 163
a.
manche ma.-wbb. verzeichnen nur das adj. (
z. b. lux. 314
b; Hönig 185
b),
manche ziehen das einfache flat
vor oder brauchen es gleichbedeutend neben unflat (
z. b. Staub-Tobler 1, 1525; Fischer 2, 1544; Spiesz 61; Vilmar 104; Reinwald 1, 35). I@33)
was das geschlecht betrifft, so hat sich das m. seit dem 17.
jh. unbestritten durchgesetzt. das dem mhd. f. vlât, unvlâte, unvlât (
mhd. wb. 3, 335
b;
renner 15816; Tauler
bei Schmidt
els. wb. 376
b;
öfter in der aus den kreisen des deutschen ordens stammenden bearbeitung des buches Daniel; Lexer 2, 1975),
mnd. unvlêde
entsprechende f. steht unter md. oder mnd. einflusz; flat
zierlichkeit, ordnung, reinlichkeit u. s. w. ist auch schwäbisch und bair., sowie bei Adelung
und Campe
m. sichere spuren des f. bleiben im nhd. selten: so das der arm an 7 enden uffbrach unde daruss floiss bosse unflaid Wigand Gerstenberg
chronik 324; ich schwitze vor angst in meine hosen durch und durch und netzet meine unflat mein lager
buszpsalm des Spinolä bei Opel-Cohn 31. das unflat
neben der unflat
dürfte im allgemeinen wie das koth
neben der koth
zu beurtheilen sein; lit. bezeugt ist das n. mhd. bei Heinrich von dem Türlin
und in der rennerhs. U 15816;
wenn es heute noch als n. erscheint (Bernd 330; Söhns
wort u. sinn 37; Weigand-Hirt 2, 1114
bezeichnet es als nordd.),
wird die verwendung über die bei unart, unband
u. ä. beobachtete kaum hinausreichen (
oben sp. 179. 240);
schriftsprachlich ist das neutrum nicht. im allgemeinen vgl. zu geschlecht und formen wörter wie saat (
th. 8, 1579). I@44)
formen. I@4@aa)
dreisilbige: ungfluot Martin-Lienhart 1, 174 (
s. u.B 3 b),
wird wohl nur zweisilbig gesprochen. wie mhd. unvlâte,
mnd. unvlêde,
ohne dasz das geschlecht mit sicherheit immer erkennbar wäre: sein unflate beleibt auff im
erste d. bibel 4, 74, 31;
vgl. das sy nit sterben in iren unflaten 3, 414, 58; den unflate (
des erbgrindes) daselbst heraus zeziehen Khüffner
Celsus (1531) 89
b.
unorganische verlängerung im reim: vom grund sich der unflatte (: tratte) in der kotlach auff schwunge
Berliner meisterlhs. 23
nr. 84; die nicht von natur hatte dan wuest, gstanck und unflatte
ebd. I@4@bb)
umflat: pfeu dich, was umflats gsich ich dOert
schweiz. spiele 2, 126, 292
Bächtold. onflot Münster
cosm. 347; Staub-Tobler 1, 1226.
uflath, ufläthen Gotthelf
ges. schr. 2, 94;
sämtl. schr. 7, 91; Staub-Tobler 1225
f. [] I@4@cc) â
ist durchweg lang und wird durch schreibungen wie unflatt (
erst. d. bibel 4, 161, 23; Luther 8, 293. 144
Weim. u. o.)
nicht widerlegt. zeichen der vocallänge unflaut (
erst. d. bibel 4, 235, 20; Mysinger
von d. falken 69
u. ö.; Schmeller 1, 799), unflot (Keisersberg
schiff d. penitens 29
c; Hutten 1, 386
u. s. w.; Staub-Tobler 1, 1225.
vgl. Fischer 2, 1544), unflyot (Martin-Lienhart 1, 174
a), unflout Knothe 120, unflaid (
hess. urkundenb. 2, 538;
hist. volksl. 3, 515, 22
Liliencron; unflait
rennerhs. U 22861), unflaat (Boltz
Terenz 144
a u. o.), unflaht (Zesen), unflatth Luther (
s. u.), unflath (Adelung
umst. lehrgeb. 2, 780).
schwankungen kommen in mundarten vor; hess. â
statt ô
erklärt Pfister
erg. 2, 42
für unechte dehnung. im ganzen ergibt sich nichts, was die th. 3, 1728
angesetzte trennung von flat, unflat
und flât, unflât
stützen könnte. unflet,
das einmal bei Kramer (1700) 1, 385
b mit dem zusatz '
hoggidi unflat'
steht, erklärt sich aus mnd. unvlêde.
ebenso ein mhd. unvlæte : græte : unstæte
bei dem Niedersachsen Raumsland
minnes. 3, 63
b v. d. Hagen. I@4@dd)
zweifelhaft abflat = unflat (
nl. aflaat) Höfler
krankheitsnamenb. 150
b,
mnl. afflatten (
wb. 5, 1516)
und unstlath Diefenbach
gl. 334
b s. v. livor. I@4@ee)
pluralbildungen verkümmern etwas in der neueren sprache. einerseits reicht der collective singular auch für die bezeichnung von mehrheiten aus (alle tische sind voll speiens und unflats
Esaia 28, 8
sordiumque vulg.; die unflate,
mehrere arten des unflats, wie Adelung
ansetzt, ist wenigstens unüblich) —
anderseits ist mit der schelte auch der plur. aus schrift- und umgangssprache sehr zurückgewichen. dazu kam die beeinträchtigung durch den beliebten plur. des neueren worts unfläterei. '
die vielfache zahl ist ungewöhnlich' Braun (1793) 270
b.
natürlich ist der plur. mannigfach vorhanden. schon Keisersberg
kennt den pl. unfleter
wie den dadurch begünstigten sing. ein unfleter (
narrensch. 44
b). H. Sachs
gebraucht den pl. auch concret zur bezeichnung von unflat
aller art: wann es war eben regenwetter und lag der bach voller unfleter 17, 378, 29
Götze. unflät, unfläte: das mir die unflAet nüt umbkarten
schweiz. spiele 1, 221, 975
Bächtold; was müssen das für unfläthe gewesen sein bei ihrem leben! Gotthelf 7, 299; uflöd, unflöt Staub-Tobler 1, 1225
f. die unfläthe von pardel und tigerthier Holtei
erz. schr. 10, 188. unflæde Bauer-Collitz 108
a.
unumgelautet unflate Adelung. Campe, Gotthelf
bei Staub-Tobler 1226.
die schw. formen unflaten (sy sind flecken und unflaten
coinquinationes 2
Petr. 2, 13. Luther 14, 52, 16. 19
Weim.; vgl. erst. d. bibel 3, 414, 58)
sind in heutiger schriftsprache und gebildeter rede unmöglich. unflaten
auch bei Staub-Tobler 1, 1225. IIII.
bedeutung und gebrauch sind von den oben I 2
bemerkten gesichtspuncten noch bedeutend mehr beeinfluszt als die formentwicklung und bezeugung. das oft vermiszte bindeglied zwischen ungeputzt, unschön und unflätig ('
ungeputzt ist noch lange nicht unfläthig', Adelung)
liefert der euphemismus (
zeitschr. f. d. wortf. 10, 129). flawen
bringt an sich schon die begriffe nitor und squalor hervor; purgamen
ist reinigung und unrat (Crecelius 843), reinung, reinigung
ist abstractum und concretum (Höfler 503
a).
die seltenheit des nhd. flauen, flaien, fleuen
und die vermischung mit anklingenden wörtern wie fladen, flade, flaut, flaute, flätz, flötz, wlate, onverlaat, aflaat, unverlatsch
u. s. w. dienen der verdunkelung unseres wortes. die begriffsverwandten unsauberkeit, schmutz, unrat, wust, stank, dreck, koth, mist
haben nicht nur offensichtlich auf die ausbildung der wortverbindungen, sondern auch auf die des begriffes eingewirkt. das heute unsinnlichere unflat
gewinnt durch die mitwirkung des ästhetisch-sittlichen urtheils erheblichere schärfe als seine synonymen, die zum theil (
vgl.dreck, koth, mist)
der anwendung aufs sittliche mehr oder weniger widerstreben. [] AA.
die grundvorstellung des spülens, waschens (
vgl.lauter)
ist, wenn auch oft unbewuszt, noch im heutigen sprachgefühl lebendig; wir verbinden mit unflat
eigentlich noch die vorstellung des flüssigen, was synonyme unterscheidungen (Eberhard-Lyon 806)
begründet, trockener unflat
ist fast eine contradictio in adjecto (unflât gedorret Konrad v. Megenberg
buch d. natur 151, 21
Pfeiffer).
so wird unflat
durch proluvies (
Sachses gloss. 47, 431
a), alluvies (Diefenbach
gl. 25
a), subluvies, colluvies, illuvies, eluvies, eluvio (Frisius 1256
a. Maaler 461
a), purgamen, purgamentum (Reyher
thes. O ra),
und noch schlagender durch das subst. auszspületen (Frisius 1256
a.
vgl. die wäscheten
purgamen Calepinus
sept. 1263
a)
erklärt. un
hat dabei wesentlich improbative bedeutung und bezeichnet das schmutzige, wertlose. so heiszt amurca,
ἀμοργή der erste unflat, wenn man öl schlegt Faber
thes. (1587) 49
b; Corvini
fons 53;
von einem gummi: das jenige, so bitter schmecket und wann es zerbrochen wird, recht ölicht ... und ohne unflath ist, das ist das beste Marperger
kaufmannmag. (1708) 137.
vgl. dän. humske, uhumsk. A@11)
innerhalb dieser hauptvorstellung bleiben: alleʒ daʒ unreines ist ûf allem ertrîche, der unflât, fliuʒet in die helle
myst. 1, 298, 36
Pfeiffer; der unvlât der dâ wirt, swenne ein vrouwe ein kint gebirt
bruder Philipps
marienleben 2108;
nicht im sinne von meconium Höfler 151
a,
s. u.; nachdem das kind gebadet und geputzt von seinem unflat und dem geblut, so zugleich mit dem kindhaben abgehet Mauriceau 514; unflat, den die gerber machen Herr
feldbau 42
b; der strohm bringt schaum und unflaht mit Zesen
helik. rosentahl 123; wann das meer zornig ist, so wirfft es allen unflat .. von sich an das gestad hinausz Abraham a St. Clara
etwas für alle 2, 8; schlamm und u. Bodmer
schr. 2, 111; wasch dirs angesicht; denn 's ist dir in'n höllisch saubern unflath Bode
Th. Jones 2, 348; der gelbe flusz ... deckt das ganze land mit unflat Ritter
erdk. 4, 532. A@22)
beachte auch die verbindungen: die rew flæt si von unflat
gesta Rom. 110
Keller; etleich als ein unflat sein verflossen
quelle bei Jelinek 780; ein gruob, da aller unflat zusammen flüszt Keisersberg
evangelibuch 205
c; der unflat ... quillet heraus Luther 28, 412, 1
Weim.; tieffen unflatt 10, 1, 1, 461
Weim.; den alten anklebischen unflat 6, 43
a (
Jena); unflat, ausz dem jr mund uberlaufft Paracelsus 1, 262
B; ach! er hat sie mit unrath besudelt, mit ätzendem unflath, dasz mir zu hause noch drei in bittrer blindheit sich quälen Göthe
Rein. Fuchs 1, 28; he bemeech unde besekede se
Reinke de vos 47; Deutschland trocknet sich allmählich vom schlamm und unflat Fr. L. Jahn 2, 420; unflat spritzt Storm (1899) 6, 122. den unflath wieder abwaschen Hebbel I 10, 323. die derbheit und kraft dieser schmutzigen kerle (
anachoreten), ... deren unflat (
ungewaschenheit; aber es schwebt stercus adorare vor) er ... vergöttert Zimmermann
einsamkeit 1, 387. A@33)
selbst in der persönlichen bezeichnung unflat
haftet die grundvorstellung bisweilen: weil er nit wil gebadet sein, so bleib er ein unflat allein Sachs 1, 63, 26
Keller; ich bin dreymahl so gut als du, und noch besser. — o du reiner unflat, wilt du dich mit mir sauber waschen?
ped. irrtum 175;
zu einem schmutzigen jungen sagt man in Norddeutschland du bist ja der reine unflat.
vgl. mit unfletigen (
illotis) henden Luther 23, 240, 17
Weim.; s. unflät, unflätig, -keit.
so flat
und unflat
ein unreinlicher mensch, schmutzfink Staub-Tobler 1, 1225. Fischer 2, 1544. Martin-Lienhart 1, 174
a. Spiesz 61. Hertel 96. Vilmar 104. Bauer-Collitz 108
a u. o. im übrigen s. B 3 b. BB.
bezogen auf den gesichtssinn ist die ungewaschenheit, ungeputztheit, der unflat
die unschönheit, das unschöne. s.flät, flätig, unflät, unflätig
geputzt, rein, [] schön und deren gegentheile. durch euphemismus und übertragung aufs sittliche ist der heutige begriff entstanden. B@11)
die bed. des unschönen mit ausschlieszlicher beziehung auf den gesichtssinn ist in dem heutigen sprachgefühl, das von der schriftsprache so stark beeinfluszt wird, am wenigsten erhalten. auch flät
schön ist ja nur mundartlich. B@1@aa)
mittelbar aber wird unflat
unter diesem gesichtspunct, im gegensatz zum schönen, hübschen, zierlichen u. dgl. mannigfach bezeugt: dîn schœniu wangen sint mit unvlât gar bevangen Philipp
marienleben 7425; ich bin dein unflat, du bist mein zierd und schmuck Luther 16, 199, 16
Weim.; gleich als messing auch von ferne scheinet, als were es eitel gold, aber es ist darumb nicht gold, also ist es ein verborgener unflat 17, 1, 240, 30
Weim.; weiber schön ist ein verdeckter unflat (
wobei denn natürlich der begriff 2 d
einflieszt. vgl. renner 18240)
sprichwörter (1548) 142
b; der schönest aff ist ein unflat 143
a; lasz sterben ... diesen zierlichen unflat (
den leib) Abraham a St. Clara
mercks Wien 136; so? du bist auch in d' bärt vernarrt? eso en unflat verstellt's g'sicht Feurer
bei Staub-Tobler 1, 1226. ungestalt, schnOedigkeit, wuost, unflat, hässzligkeit Frisius 1339
b.
meist geht die bedeutung in die der schelte (
s. u. 3 b)
über. B@1@bb)
von personen: es steet übel ein unflat in eim schönen hausz sein. eim schönen hausz ein schöner wirt
pulchra domus, pulcher hospes sprichw. 1548, 153
a; es weren so grosse unfläter (
stattliche söhne) von jhr (
einer höchst saubern frau) kommen, das nichts unsaubers mehr bey jhr sein könte Zinkgref
apophthegmata (1628) 322: seine mutter wäre eine schöne und reinliche frau gewesen, drumb hätte kein solcher groser unflat von ihr gehen können (
ein kleiner beschimpft einen groszen) Weise
klügsten leute 37. B@22)
wie der zartsinn unsrer vorfahren für stercus die milde bezeichnung '
das ungute' (koth
th. 5, 1890)
fand, verhüllte unflat,
das unschöne, euphemistisch und abergläubisch manches andere, stärkere, gefürchtete, derbere, gemeine. B@2@aa)
milde klingt onvlaet
displicentia Kilian 442
b; unflat
für miszfallen, miszvergnügen, widerwille und deren gegenstand: die welt mit aller ir unflat Tauler
bei Schmidt
els. wb. 376
b; unreht und unflot ist ufgangen in der h. cristenheit Merswin
ebd.; alle frewd wirt bey euch ain thomhait und unflat geurtailt Eberlin v. Günzburg 2, 146
neudr.; er ist ein unablassiger geist und wil jmmer seinen unflat under den rechten christen haben
theatr. diabol. 1, 6
b: frew dich nicht deines nachbarn schad, du hast davon nichts als unflat Lehman
florilegium 2, 543; unflat anfan
streit erregen Staub-Tobler 1, 1226 (esz spilten ettlich ... fiengen ein unflot an
F. Platter 248.
vgl. Staub-Tobler 4, 538. mist, stank
th. 10, 2, 829); der hund hed g'hület winen uflot; die unfläte von schlampihüten (
Gotthelf)
ebd. erniedrigung, niedrigkeit: unflat hat er nicht gescheuet Luther 34, 2, 492, 25
Weim. vgl. unten d. mundartlich und veraltet. B@2@bb)
für contagium, delirium febrile, tobsucht (1482) Höfler
krankheitsnamenbuch 151
a;
contagio Diefenbach
nov. gl. 110
b.
mehrfach im passional (
mhd. wb. 3, 335
b);
renner 2800; Hesler
apokalypse 23 007; wann ires (
des salamanders) gifftes schaum ze underst rüret ainen paum, so sind vergifft und unrain baide est gros und clain, die der paum uf im hatt; das macht sein grosser unflatt Hätzlerin 270, 68, 490; wie er aber ... in die Lombardei komen was, kam ein unflat und gächer sterben under alles volk J. v. Watt 1, 202; bis das der phlegmatische unflat hinweg sei Feierabend
falknerei 56
b; mit bösem unflat der aussätzigkeit Cuba
kreutterbuch 40;
[] dass dich der ritt als unflats schütt! Manuel
Barbali 642
Bächtold; dan es seint mein huft und lenden mir elenden voll uonflats uont wustes brands Melissus
psalmen 145, 8
neudr. vgl. koth
der fliegende brand th. 5, 1895. Staub-Tobler 3, 558
f. Frisius 1123
b erläutert recrementum bei Plinius durch übergewächsz, ansatz, unflat, überflusz.
nicht mehr gewöhnlich. B@2@cc)
als glimpfwort für mensch und thier: man sihets wol ..., das du ein unflaht (
vgl. unflatkind) bist und kein edellmann Höniger
narrenschiff (1574) 284
b; kompt dir zu hausz ein frembder gast, gibs jhm so gut als du es hast. so er ein ehrenmann von blut, nimbt er mit käsz und brod vor gut; doch so er ein unflat geborn, so wär auch käsz und brod verlohrn Moscherosch
gesichte 2, 62; ey freulein, was tragt ihr da für ein unflat (
wechselbalg) Prätorius
anthropodemus plut. 1, 423;
wechselbälge belästigen die eltern mit scheissen, fressen und schreien ... dasz die eltern für solchen unfletern kein ruhe haben Ruoff
hebammenbuch 152; Prätorius
a. a. o. 1, 421. doch das man auch sich verlobe, den wolff hinfort nit mer einen wolff, sondern den unflat .. zu nennen Spangenberg
adelsspiegel 2, 383
b; so mag der unflat haint in meinen schaafstall reissen Scherffer
ecloga 31; den (
wolf) pflegen die bawren aus einem abergläubischen wahn ... nicht mit dem nahmen wolff, sondern den unflat zu nennen
ebd. Schulz
zs. f. d. wortforsch. 10, 169
f. dunkel nachwirkend: sonder zweifel erstreckt sich die weisheit der schöpfung auch auf diesen unflath (
die fliege) Holtei
erz. schr. 39, 155; weil der herr kreislandrath zu nachsichtig sind gegen derlei unflath (ein ausländisch stück wildpret
landstreicher) 5, 119.
während die bisher entwickelten bedeutungen B 1. 2. a. b. c
der heutigen schriftsprache ganz verloren sind, gewannen die nun folgenden im wesentlichen schon seit alter zeit bis heute ungemeine verbreitung. B@2@dd)
von ekelerregenden sachen aller art. der begriff des ekelhaften und widrigen, den synonyma wie dreck (
th. 2, 1352)
nicht notwendig besitzen, wird wohl auch durch die grundvorstellung des flüssigen verstärkt. B@2@d@aα)
sentina der unflad und stinckwasser Alberus 90
a.
cloaca ein eegraben oder tolen, dardurch der unflat und wuost einer statt hinwAeg laufft oder fleuszt Frisius 236
b. Corvinus
th. 6, 2529.
abwässer: (
Ancus Marcius) liesz tobel und gewelb under den gassen inn Rom machen, domit aller wuost und unflat under dem erdtrich hindurch vil weg flOesz Carbach
Livius 12
c. B@2@d@bβ)
ausscheidungen, absonderungen, secrete, von gesunden und kranken, aus dem menschlichen und thierischen körper. Höfler 151
a: von dem unvlât daʒ der lîp durch die nasen lât Heinrich v.
d. Türlin
krone 19670; die nass jst ein fürhaus des hirns als ein brivet, damit man den unflat auswirft
proplemata Aristot. 4
b;
moschus Konrad von Megenberg 151, 16; der schnitt den fuosz auf, liesz den unflat herausz Knebel
chron. v. Kaisheim 367; aber darnach ist auch am leibe schweisz, butter in augen, rotz, grindt und ander unflath Luther 33, 457, 23
Weim.; der unflat eines schnecken Agricola
bergwercksbuch 85;
von fröschen Schill
ehrenkranz 305;
spinnen Lohenstein
Arm. 1, 95
a;
regenwürmern Hohberg 1, 239. salziger unflat, salzflusz Höfler
a. a. o. übertragen das gold ist also der unflath der welt Schönaich
neol. wb. 43, 4
Köster. aber Knittel
sagt vom gelde: pfuy! du unflaht dieser erden!
sinnenfrüchte 134.
vgl. unflatreich, ungenanter unflat Jelinek 781. B@2@d@gγ)
auswurf, auswurfstoffe, abgang, ausleerung, excremente; coenum kott, unflat Faber 189
b;
heidenkot, [] schwefliger unflat,
entleerte galle Höfler
a. a. o.; menschenunflath Zedler 49, 1288: also den arczte mit dem haubt in dem unflat stecken liesse Arigo
dec. 530, 36
Keller; wenn du .. vil sünd und die nit bichtest und yemermeder verbirgst wie ein katz iren unflot Keisersberg
bilgersch. 32
a; Prätorius
phil. colus 9; Forster 2, 21; aus der speise wird unflat, so durch den natürlichen gang wird ausgeworfen Luther
tischred. 2, 102; zeygst uns für feyhel den unflat Sachs 17, 203, 27
Götze; ich main, du seist mit eym unflat bsessen 5, 25, 10
Keller; von kot und unflat in solcher masz zuogericht Montanus 153, 17; sie lagen .. in dem unflath, den sie unden und oben .. von sich gelassen Moscherosch
gesichte 2, 228; mist ... wird aus stro und von dess viehes unflat Harsdörffer
secret. 1, jii viii
b; endlich liesse sie ihn in seinem eigenen unflath liegen Zend. a Zendoriis
winternächte 279; unflat von einer kuh (
kuhfladen) Lohenstein
Arm. 2, 1393
a; unflat
als zauber Schmidt
rockenphil. 1, 364; Zedler 49, 1287; harpyen wähn' ich fütterten dich im unflat auf Göthe
Faust 8819.
vgl.koth, dreck, mist, wust, unrat
u. s. w. und die verbindungen wie stank und u. Luther 30, 1, 160; u. rütteln 30, 2, 319; im unflat liegen 19, 307; jren unflat dran schmieren 32, 408, 32; unflat rüren 28, 181, 34
Weim.; ich mOeg fliegende mein u. von mir werffen Franck
chron. 100
a; suocht den u. herfür Alberus
wider J. Witzeln F 8
a; den unflaht nicht weiter treten Schottel 1117. B@2@d@dδ)
schmutz, straszenkoth: = hor
passional 392, 95
Köpke; lieffe ... durch eine tieffe pfützen dasz jhre bein bisz an die knie voll koth unnd unflaht waren Tabeus
pfaffensack H iij
b; schuhhader, daran ein jeder seinen unflath abzuwischen hat H. Müller
erquickst. 432; den beyfall, den Lavater ahndete bey allem unflat, mit dem man nach ihm ... warf, wird seine physiognomik erhalten Zimmermann
einsamkeit 3, 403.
plur. bei Sachs
oben I 4 e. B@2@d@eε)
unsauberkeit: der armut Elisabeth 2383;
paedor, unsauberkeit, wuost und unflat an menschen, fürnemlich von langwiriger gfencknusz Frisius 939
a;
sordes Nemnich
nosol. 17
b; heb an zu keren, wo sie (
die gäste) stehn, dasz sie im staub und unflat gehn Scheit
Grob. 4122; pöbel, der ... unflath oft mehr als reinligkeit liebet Buchner
poeterei 97; gleich wie man sonst auff einem schwartzen zeuge oder tuche die federn und den unflath am meisten gewahr wird
wohlgeplagte priester 133; unflat von den zähnen Hohberg 3, 221
b; die pfanne von u. abzuwischen v. Fleming
soldat 146 § 4; sieht man, dasz die sterne doch selber voller unflath stecken Henrici 1, 172; bärte, die ... mit fett und unrath dermaszen zusammengeklebt sind Forster 4, 198; es ist beim tier wie beim menschen: hat es seine ordentliche saubere pflege, so arbeitet es um so lieber, ausgenommen, wem im unflat am wohlsten ist Pichler
allerl. gesch. a. Tirol 1, 28. B@2@d@zζ)
veraltet verunreinigender zusatz: korn, gersten, habern, darin vil unflat, staub, trefts, wicken Schade
sat. 2, 149; spreuer und unflat S. Franck
de vanitate 105
b;
übertragen: zusatz und unflatt Luther 8, 144
Weim.; 28, 599, 12;
bleischlacke glet ... von allem u. gesäubert Wirsung
artzneybuch 63
c; ertzvoller u. Junghannss
d. edle bergw. C u. ableutern; es müssen die gänge in und ausserhalb der röhren in der strichzeit von gras und anderm unflat wohl gesäubert und aussgerupffet werden Aitinger
jagdb. 76. B@2@d@hη)
kehricht, abfälle, mull; Amaranthes 150.
heute nicht mehr üblich: ouch sal man diekeynen eschir odir unflaid zu der badestuben gegin den husichen, dye her Herman hat stehende da, nit uz schudden noch werfen
hess. urkundenb. 2, 538 (1345); eine verfallene mauer ..
[] dahin man den mist und allerley unflat zu tragen pflegte Widmann
Fausts leben 150
Keller; Weise
erznarren 53
neudr.; v. Fleming
sold. 326 § 5; die erste kehrt die stube aus, die zweite wirft den unflath naus Arnim 13, 353. B@2@d@thθ)
luftverpestende dinge: mit bliden qwad und unflad thed her der stad gar groszen vordrisz Stolle
thür. chron. 69; weh euch schrifftgelerten und phariseer, jr heuchler, die jr gleich seid wie ubertünchte greber, welch ausswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind voller todtenbein und alles unflats
Math. 23, 27 (
ἀκαθαρσία,
spurcitia Zedler 49, 1287).
vgl.des nebels unvlat Jelinek 781. B@2@d@iι)
in verbindung mit aas: das kein unflat und as .. also stinket Luther 34, 2, 119, 9
Weim.; einem aas und unflath Lindenborn
Diogenes 1, 227. B@2@d@kκ)
das hintertheil, die schamtheile: dem selben wie dem affen gschicht je me er stigt, je basz man sicht sein unflatt. wer er bliben nyder, man sech im nit sin schantlich glider Brant
narrenschiff 40, 3
Zarncke. B@2@d@lλ)
widerliches im innern des leibes: swie sêre wir brangen unde brogen, doch ist manic unflât überzogen in uns mit einer bœsen hiute Hugo von Trimberg
renner 24060. B@2@d@mμ) im unflat (
hilflosigkeit, elend) liegen: der mutter lieb regt sich am allermeysten, so jr kind kranck, im unflat liegt, nach pappen weynet Franck
sprichw. 2, 126
b; liegen im unflat, wust, leussen und stanck Kirchhof
militaris disciplina 116; dadervon is mir o noch amal a kind satt geworn; derwegen han se gelegen alle vier in unflat und lumpen Hauptmann
weber 104. B@2@d@nν)
das verächtlichste: stank und unflat
th. 10, 2, 830; die schande und der unflat, die unser anegenge hat
Heidelberger hs. 341, 98, 57
Rosenhagen; aus der ersten prima materia, die auch in jhrer vermischung ein unflat gewesen ist Paracelsus 2, 77
c; alles ist unflath und elend Göthe 46, 161, 17
Weim.; in der auch bei den synonymen dreck, koth, schisz, stank
u. s. f. gebräuchlichen umschreibung für nichts: er achte solche seyne gerechtickeyt wie den katt und unflatt Luther 10, 1, 1, 105
Weim.; dat se allent, wat buten Christo ys, vor dreck unde unfladt helden Rotmann
restitution 56
neudr.; si (
die Essener) hieltens (
die güter) für ein unflat und unziffer Franck
chron. 484
a; dasz wir den welt-pracht nur für sand, für staub und unflat schätzen Dach 904; wer das sinnen-lose gold achtet mehr als menschen hold, der ist werth, dasz alle welt ihn für kot und unflat hält Logau 72, 276.
veraltet. B@33)
auch ohne euphemismus (
wie B 2 a)
wird der so gewonnene begriff (B 2 d)
aufs geistig-sittliche und auf personen übertragen: schand, laster,
impuritas, obscoenitas, turpitudo, inquinamentum; ein unflat, schandtlicher nichtssöllender mensch,
impurus, colluvio, coenum per metaphoram Maaler 461
a. B@3@aa)
in sittlicher und geistiger beziehung unsauberkeit, unsauberes wesen und betragen, befleckung, sünde (
vgl.stank
th. 10, 2, 828),
schandthat, laster, besudelung, besonders unkeuschheit: nû mugent ir iuch schamen diss unflâtes Neidhard 168, 22; sünde und allen unflât
renner 12004. 22861; mit ketzerlichem unflat Suso
d. schr. 168, 22; der sel unflat Folz
meisterlieder 3, 27; das laster des unflates
erste d. bibel 3, 331, 27; der unflat
unkeuschheit Keisersberg
hauptsünden bb 1
b; wuost und unflat der sünden
baum der seligkeit 33
c;
vgl.sündenunflat; betrugsunflath Herder 7, 181; so sie entpflohen sind dem unflat der welt 2
Petr. 2, 20; unflat am fleisch 1
Petr. 3, 21; der alte wahn und angeborne unflat Luther 29, 404, 24
Weim.; unflat und grewel (
im papstthum) 32, 108, 9
Weim.; den dreck und
[] unflatt seyner (
des papstes) gesetz 8, 293
Weim.; mit dem unflat (
unglauben) behafft 28, 106, 10
Weim.; der u. des alten Adams 28, 412, 1
Weim.; im unflat empfangen B. v. Chiemsee 202; den Lutherischen unflat und jrrthum Dietenberger
vermanung (1523)
K 5
b; ein unfladt oder laster begehen Höniger
narrenschiff 106
a; ist das nit ein groszer unflat? Manuel
weinspiel 3295; mach herr durch deines hertzens quell mein hertz vom unflat rein und hell P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 411
a; der so welt-weisz ... den unflat seines geists verhälet Weckherlin 2, 120, 27; die keuschen Pierinnen sind keinem unflath hold Rachel 108
neudr.; dem unflat dieser zeitlichen geilen liebeslust Neumark
fortg. lustwald 8; dasz wir unsere muttersprache ... von dem unflat bettlerischer wortbesudelung ... ausreuten, säubern
palmbaum 31.
vgl. E.
M. Arndt 3, 42; J. Grimm
kl. schr. 8, 310; ganze fässer voll luder und unflat Chr. Weise
pol. näscher 253; dem unflat und narrenspossen derer schullehrer Thomasius
kl. d. schr. 93; des lebens unflat Dentzler 368
a; unter dem unflate seines jahrhunderts
neuer büchersaal (1745) 2, 293; seine häszlichkeit aber ... ein treuer ausdruck von allem dem moralischen unflath, der doch in ihm lag Lavater
physiognom. fragm. 1, 68; gnug des unflaths Herder 7, 38; aus fluch und unflath ist ihr (
des verdorbenen weibes) paradies gebaut 7, 67; diesen ungeheuren stall von unflat (
v. d. Hagens ausgabe der minnesänger) auszufegen, dazu gehöret ein Hercules Gervinus
an J. Grimm 2, 29 (lang gesamleter unflat
Augiae stabulum Dentzler 324
a);
Hans Folz ein wahrer dichter des unflats Gervinus
gesch. d. d. dichtung 2, 342; den wüsten unflat der geistigen entwickelung Mommsen
röm. gesch. 1, 838. sich im unflat der unkeuschheit waltzen Kramer (1700) 1, 385
b; wir wollen den unflat nicht weiter treten
ebd. heute sparen wir das wort für kräftigste verwendung. B@3@bb)
auf personen und persönlich gedachtes bezogen, setzt die bezeichnung unflat
meist die vorhin entwickelte sittliche bedeutung voraus (
vgl.unflathen
coinquinationes Luther
ob. I 4 e).
auch bei der bezeichnung des teufels (
α)
ist wohl von dem oben 2 c
behandelten euphemismus abzusehen. der plur. unfläter
hat zur entstehung des subst. der unfläter
beigetragen; meist ist nicht zu entscheiden, ob beim plur. unfläter (
z. b. wie accurat diese unfläther [
Hottentoten] treffen können
insel Felsen burg 37, 32
Ullrich)
vom sing. unflat
oder unfläter
auszugehen wäre. s. unfläter.
im gegensatz zu dem seltenen persönlichen gebrauch der synonymen koth (
th. 5, 1894), mist (
th. 6, 2266), stank (
th. 10, 2, 831)
ist die persönliche verwendung von unflat
reich zu nennen; die adj. unflät, unflätig
mögen diese ausbildung erleichtert haben. vgl. ungewaschen.
ebenso persönlich, bes. als schelte, flat, sauflat Staub-Tobler 1, 1225.
s.A 2
ende. nl. onverlaat
snoodart in der gesprochenen rede veraltet (
wb. 10, 2112) B@3@b@aα)
ein unsauberes, ungeheures wesen, der teufel mhd. wb. 3, 335
b: der teuffel, dem man doch kein kertz stecket und ein schwartzer wüster unflat ist Fischart
binenkorb 8
b.
vgl.B 1. A. B@3@b@bβ)
von männlichen personen gebraucht, gibt unflat
mannigfaltigere bedeutungen wieder. ob es zur bezeichnung einer sehr häszlichen person ( Campe)
noch auf bedeutung B 1,
ob schriftsprachliches unflat
zur bezeichnung eines schmutzigen, unreinlichen menschen (Krünitz 195, 602)
auf bed. A
zurückgeht, ist zweifelhaft; in der heutigen sprache der gebildeten lebt kein rechter zusammenhang in diesen fällen mehr. doch s. oben II A.
bisweilen wird nur, wie in mundarten, die ungeschlachte grösze hervorgehoben; wie man unflätig (
blosz steigernd) grosz
sagt, so ein unflat an grösze (Crecelius 843): der grosze riese holte ... schon aus, als ein ... männlein dem herrn Goliath einen solchen schlag vor die brust gab, dasz der unflat matt zurücktaumelte Tieck 19, 294.
[] oder die unhöflichkeit, unmanierlichkeit wird getadelt: es wer yetzt ein unhöfflichkeit, das einer also zuo tisch läg. man spräch: unflot, wie ligstu also? Keisersberg
postille 2, 76
b; ein unflat an einem hoff, als er das musz ausgessen hat, ... soff die übrige brüh ausz Zinkgref-Weidner 3, 51; so du ein unflat bist, wie wollen deine kinder züchtig sein? Moscherosch
insomnis cura 87
neudr. auch flat
ist im schwäbischen ein unbeholfener, unmanierlicher, unartiger mensch, ein ungezogenes kind Fischer 2, 1544.
stärker ein schweinischer, säuischer, viehischer mensch spurcidicus, opicus Corvinus, Alberus: sus, sauw grobians heiszt eyn schweyn, der nüt kan, den eyn unflat seyn Murner
schelmenzunft 35, 2
neudr.; wir sind solche unfleter, das wir nur was unfletig ist und stinckt, erfur suchen Luther 32, 332, 23
Weim.; ein meisterstuck eines unflats Scheit
Grob. 901
ff.; das fleisch der ... katzen wirt ... gefrAessen .. in Hispanien, so sunst unflAet (
adj.?) in allerley speyss sind Gesner-Herold-Forer 99
r; jeds liebet was es ist, der käfer seinen mist, den unflat liebestu, weil du ein unflat bist Silesius
wandersmann 162
neudr. so allgemein, wenn auch von Campe
als pöbelhaft gebrandmarkt. ein unkeuscher: die brîster mit ir wîben, ir dehäines wirt nimmer rât. war gidenchet manic unflât daʒ si lebent âne riwe Heinrich von Melk
priesterleben 722; dem unkeuschen unflat Sachs 16, 44, 16
Götze; Priapus ein unflat
Simpl. 216
Kögel; die unflät, die unkeuschheitssünden begehen
quelle (1734)
bei Staub-Tobler 1, 1226.
ein scheusal: der unflat keiser Caligula Luther 8, 79
a (
Jen.); einem unflat aller unfläter Sachs 20, 319, 15
Götze; gegensatz ein frommer 17, 320, 3; gott wolle ja seine liebe kirche von solchen unfletern (
wie dem wieder abtrünnig gewordenen Stephanus Agricola) vollent reinigen Spangenberg
böse sieben B 4
b; der römische vielmehr unflat als kaiser Dannhawer
catechismusmilch 1, 167; ist der pfaff ein unflath, das habe er jm selbsten Moscherosch
insomnis cura 120; das liebe gut! man musz es nun wegwerfen; es kann's kein ehrlicher mensch geniessen, da der unflath die schnauze drüber gehabt hat Göthe 17, 303, 4
Weim.; bücher und menschen verschluckt und ganze provinzen der unflat (
von Nicolai) Göthe 5, 277
Weim. '
eine im hohen grade unreinliche und schmutzige person, jedoch nur im gemeinen leben, wo man es denn auch von einer sehr liederlichen und lasterhaften person gebraucht' Krünitz 195 (1848), 602.
ein roher, im reden und handeln unsittlicher mensch. si hät en unflat vomene man. wir wend keines junkherren versoffenen unflaats (1569)
bei Staub-Tobler 1, 1226. flat
und unflat
ein gemeiner mensch Hertel 96. Schmeller 1, 798.
verächtlich disen wüsten, krummen unflat Sachs 20, 120, 8
Götze; ein krippel und krummer unflat Fischart
praktik 9
neudr. mit verstärkenden zusätzen: ein rechter u. Murner
bei Schmidt
els. wb. 377
a: ein wüster unflat und sudler Maaler 461
a; der keib und grosz u.
schweiz. spiele 3, 104, 1250
Bächtold u. ö.; begieb dich nicht in hader und zanck ... mit einem frechen, tollen, groben, unsinnigen narren und unflat Mathesius
Syrach 48
a u. o.; diser hofrecht unflat
buch d. liebe 12, 2; der grob unflat Weckherlin 1, 517, 295; der schnöde u. Buchholtz
Herkuliskus 136; ein epicureischer u. Abraham a St. Clara
auf auf 27, 21
neudr.; ein rechter unflat von einem kerl Kramer (1700) 1, 385
c. einer besonders war ein rechter unflath Bräker 1, 37; ketzersunflat Staub-Tobler
[] 1, 1226. 3, 596.
halb scherzend: in Kassel war man moralisch über den groben unflat Dietrich empört Freytag
an Stosch 22.
beliebt als schelte. sterquilinium du unflat Faber 796
b.
blax Calepinus XI
ling. 165.
contaminatissimus Schönsleder
L l l 4
b: schelm! unflat! lasz zufrieden mich! Sachs 21, 28, 2
Götze u. o.; pfey dich, unflat Scheit
Grob. 237; du unflot! was hast hie gebracht Fischart
Eulenspiegel 4919
u. o.; du bist ein unflat in der haut Ringwaldt
lauter wahrheit 133; das land ist gring für diesen held (
den Spanier) der da stäts schreit: unflat! villano! verräther! ketzer! lutherano! Opel-Cohn 406; du hasts erlogen, unflath, sprach ein teuffel Moscherosch 1, 448; pfuy, du unflat! Kramer (1700) 1, 385
c. Bernd 330. Spiesz 61.
verstärkt: du unflat und stanck der löblichen stad und hochberümbter schulen Luther 26, 546
Weim.; du bub und ehrloser unflad Sachs 17, 76, 18
Götze; schweig, heszlicher unflath
engl. comöd. 98, 6
Creizenach. dich leckerbub und unflat Apherdiani
meth. 86.
kosendes verkleinerungswort unflatle
sordidulus, spurciculus Aler 2, 2079
a.
vgl. unflätlein.
auch einfaches unflat
wird wie andere schelten bisweilen halb scherzhaft gebraucht: Vilmar 423;
schlemmer sagen von einem, der nicht trinken will, diser ist nichts, er gat nit zu den gesellen, er ist ein unflat Fries
spiegel der arztnei (1518) 30
b.
bisweilen hat sich die bedeutung ganz verengt, z. b. bedeutet im Busecker tale dieser mann war ein unvlat gegen seine frau
er tat ihr mit zugemuteten arbeiten überlast Vilmar-Pfister (1889) 42.
elsässisch es kummt kein ungfluot (
vielfrasz) auf die welt, er wurd ufgezogen Martin-Lienhart 1, 174
a.
für übelthäter: gegen den jungen tumultuirenden vom adel und andern unfläthern ... zu procediren
acta publ. 5, 339
Palm. für den ketzer: nit trag kein ding in deim haus von dem abtgott, das du icht werdest verbennlich, als es ist, versprochenlich als ein unflat und hast die unsauberkeit als auch die unreinigkeit der versprochenheit, wann es ist ein verpannenschaffte
erste d. bibel 4, 161, 23.
Hans Unflat (
vgl.Hans Mist
th. 4, 2, 460. 6, 2266): unmöglich ists, dasz ein schandlappe und Hans Unflat auff seiner raise ... sol ein bestendiges glück haben St. Prätorius
fluctus et luctus (1608) 144.
Hans Unflat zum hintern stern der hintere; erwischte er (
der bauer) von ohngefahr eine handvoll salzkrautes .., dem Hans Unflat zum hintern stern das maul zu wischen
deutsche volksb. 5, 50
Simrock. Matz Unflat Wander 4, 1427.
junker Unflat: sie sindt juncker Unflat am ermel Luther 33, 458, 24
Weim. pathe Unflat Wander 4, 1427.
meister Unflat hiesz in den 70
er jahren des 19.
jhs. ein wegen seiner derbheit berüchtigter tischlermeister in Hildesheim. vgl. unflätling. der gelb unflat
im narrenschneiden des H. Sachs (5, 10, 31
Keller)
ist der neidnarre. B@3@b@gγ)
von weiblichen personen. vgl. unflatin, unflatlein: eyner sprach zu Socrates: wie magstu den unflot im husz erleyden Keisersberg
bilgersch. 76
c; ein rechter wuost und unflat
brösamlin 2, 25
c; er (
Joseph) hat sie (
Maria) vor eyn unflat gehalten Luther 27, 482, 10
Weim.; Sachs 5, 308, 24
Keller; von der magd: o du vernaschter unflat! Sachs 5, 194, 16
Keller; die unfleter
huren Schmidt
els. wb. 377
a; die ist von sitten und gemühte ein garstigs ungeschlachtes schwein ..., ein unflat aller ungeberden, der jederman entgegen speyt Rachel 145
neudr.; Uersi, dem liederlichsten uflath Gotthelf 2, 94. '
so sagt man von einer straszenhure, wenn sie sich auch noch dem laster des trunkes hingiebt, sie sei ein unflath,
[] eine unfläthige person' Krünitz 195, 602.
personificiert erscheint unvlât
im gesinde der Lazheit
bei Hugo von Trimberg
renner 15 967; der jüngling antwortet (
der vettel unkeuschheit): was wilstu, du grausamer stinckender unflat? Tabeus
pfaffensack K iijb. B@3@b@dδ)
von persönlich gedachten thieren und gegenständen: vom wiedehopf der lose tropff, ein stinckender loser unflat, der kein tugend bewiesen hat
ganskönig 1, 359; denn die unfläthe von pardel und tigerthier .. haben ordentliche bedienung wie andere hohe herrschaften Holtei
erz. schr. 10, 188. scheiszt alszbald einen guoten grossen dreck für die hochwürdigen kürschner und sagt: lieber unflat, blase mir die kolen auff Lindener
katzipori 160;
zum wein: und weist, das nüt darhinder ist, dann daszd ein diebscher unflat bist! Manuel
weinspiel 3063. B@3@b@eε)
collectiv unflat
abschaum, hefe, auswurf, gesindel, sentina, colluvies (
thes. 3, 1665).
veraltet: to holden einen gemeinen raid mit wullenknapen und anderen unflaid
hist. volksl. 3, 515, 22
Liliencron.; der unflat des bben geschwurms in allen stenden Eberlin von Günzburg 2, 35
neudr.; ein unflat ausz andern lendern Franck
chron. Germ. 10; er hat auch gantz Apuliam ... von dem unflat der Sarracen und Griechen gereynigt 82
b. Lexer 2, 1976.
vgl. nl. onverlaat
gemeen volk, janhagel (
wb. 10, 2112). CC.
sprichwörter und redensarten, die nicht schon berücksichtigt sind: einen unvlât mit dem andern verdecken Berthold von Regensburg 1, 415, 27
Pfeiffer; ein unflat jagt den andern nausz Sachs 3, 355, 32
Keller; sol ich dan zum Nausea gen, grawet mir fur dem namen, dan nausea heist eyn unflat, so möcht man sprechen, das eyn unflat den andern gefordert hett Alberus
widder Jörg Witzeln J 1
a; ein unflat erleidets dem anderen
Garg. 3
neudr.; ein unflat sich mit dem andern (
mit hefe) wil schön machen
th. 4, 2, 764; unflat schmuckt nicht Agricola
sprichw. g 1
a; besser ein unflat dann ein vernünfftiger Scheit
Grob. 1255; zeit und stat macht manchen unflat Franck
sprüchw. 2, 147
b; ich will dir den eysz auffthuon und den unflat herauszlaszen
zeigen, wie du bist klugreden (1548) 138
a; wer sich mit unflat schlegt und treckt, gwin oder verlier, er wird befleckt Rollenhagen
froschmeuseler B b b 7
b; wer das scham-hütlein legt von sich, der wird ein unflat sicherlich Lehman
florilegium 2, 717; herausz wust, lass den unflat ein Harsdörffer
gesprechsp. 2, 288; wo unflath und narren sind, da wird es bald gerochen Hoffmann
polit. Jesus Syrach (1740) 38; Wander 4, 1427. —