unlust,
f. (
m.),
gs. v. lust.
g. unlustus,
m.; ahd. unlust,
f.; mhd. unlust,
m. f.; mnd. unlust,
f. m.; mnl. nl. onlust,
m.; ags. mengl. unlust,
m.; isl. ûlyst,
f., dän. ulyst,
schwed. olust.
umgelautete formen (unlüste
acc. sing. städtechron. 8, 123, 28; unlüst Staupitz
ain s. n. jar 4
b; Luther
v. d. g. werken 91
ndr.; 26, 582, 15
W.; Waldis
Esop. 1, 228
K.; unlst: prst H. Sachs 22, 297, 22
G.; wüstes: unlüstes 3, 536, 11
K.; plur.: in straf und unlüsten gerathen Lindenborn
Diog. 2, 723;
im wortspiel s. unten)
schriftsprachlich durchaus veraltet. unglust Fischart
Dom. leben 4404 (Hauffen
zu Eulensp. 160.
vgl. ahd. mhd. ungelust).
das geschlecht entspricht i. a. dem des positiven wortes; dem gemeinmhd. m. folgen heute noch die oberd. mundarten (Staub-Tobler 3, 1475;
els. wb. 1, 620
b; Fischer
schwäb. wb. 6, 201; Schmeller 1, 1525; Schöpf 405; Unger-Khull 610
b),
dem wesentlich md. und nd. f. die neuere schriftsprache; das m. setzen auch Alberus, Hulsius, Wiederhold, Kramer
an, Adelung
verwirft es als oberd.; Luther
gebraucht beide geschlechter (und schleht eine u. zur andern 19, 242, 25
W. mit der var. ein u. zu dem andern;
vgl. 34
1, 66, 16
W.),
anscheinend so, dasz allmählich das f., wie es in der personification der fraw Unlust 29, 653, 7
W. erscheint, überwiegt, während das m. besonders in der bed. sordes, stercus und in der bezeichnung lebender wesen haftet (
so noch nach alter quelle: den u., den bärenhäuter Brentano 5, 468; einen solchen wust und u. von hunden Br. Grimm
sagen 2, 128).
der im nl. übliche, bei uns veraltete plur. erscheint in ä. spr. nicht selten, begünstigt durch den plur. gelüsten
und das m. lusten (mit unzeligen unlusten schmehen Eschenloer
gesch. der stadt Breslau 1, 257; zu unlusten verleitet werden Schottel
ethica a 5
a; mit diesen unlusten gieng die zeit ... vorbei A. Müller
denkwürdige reisen 9
a; Lindenborn
s. o.; aber lusten, die kaum anfangen, wann sich die unlusten enden, wer soll sie verlangen?
sendschr. d. Teresa v. Jesu 430; die fährlichkeiten und unlusten eines weges, der einem so reizend vorkommt, in betrachtung ziehen Wieland 24, 30),
sodann im wortspiel (die begierden der fleischlichen wollüste oder besser zu sagen unlüste
Simpl. 2, 194
Bobertag; Q. Kuhlmann
lehrhoff 373; wer nach seinen lüsten lebt, der wird in unlüsten sterben Lehman
floril. 1, 513; Wille
sittenlehre 13).
wie bei fast allen begriffen des gefühlslebens steht dessen unzerreiszbare verflochtenheit einer logischen bedeutungsunterscheidung stark im wege. die gröszte spannung hat der begriff etwa im 16.
u. 17.
jh. vgl. unlusten,
m., unlustigkeit, wahnlust 1,
ahd. wanalust, wiederlust Stieler 1188,
ahd. ur-, zurlust. 11) lust 1
und 3
entsprechend. 1@aa)
physisch (
s.lust 1);
vgl. leibesunlust Walch 2751.
α)
anorexia, inappetentia, asotia Nemnich
nosol. 17
b; Höfler 908
b; Bosworth-Toller 1120; Zedler 2, 435; 14, 612; Reyher (1686) O v
a.
malacia, pica Plantijn.
für inappetenz Campe
verd. wb. (1813) 368
b:
die frau sol auch guten wein trinken und den u. vertreiben Ortolf v. Bayrl. 5
a;
in verbindung mit b: u. zu(m) essen Parac. 1, 57 A; Wirsung
artzneybuch 32
c; eszunlust Campe; u. der speyszung Gersdorff
wundarzney [] 87, 2
a, des magens Ryff
anatomi f 4
a, Wiederhold, Frisch (1730), magensunlust,
verstimmung Höfler 381
a, maszleidigkeit oder u.
th. 6, 1748;
fumitaedium Alberus (1540); unlust und würgen Heyden
Plin. 157; vor u. kotzen Scheit
Grob. 242 (unlustnudeln
Garg. 152
ndr.); ein u. darob haben
Grob. 250;
vom zechen: wenn es im kropff, im magen und kopff will unlust schaffen Voigtländer
oden 106; seeunlust
nausea Stieler 1189.
in n. spr. verblaszt (Scherer
litgesch. 49)
und in weitem umfange durch das jüngere ekel
ersetzt (
für die bibelübersetzungen: Kluge
v. Luther bis Lessing 487); unlusteckel Dannhawer
catechism. 3, 225. G. Jäger
redete wieder von lust- und unlust-, appetit- und ekelstoffen; unlustdüfte Hamerling 12, 85.
β)
abnormer geschlechtstrieb (un IV B),
luxus Höfler 381
a;
luxus unlust, urlust, lust
ahd. gl. 1, 203, 31;
voluptas vitiosa, libido Bosworth - Toller 1120
a;
illecebra Schröer
voc. 1199, 1386;
vgl. ahd. wanelustlichon
voluptuose, zurlustic
voluptuarius, luxuriosus, nhd. überlust: 'sol ich (
Sara) noch u. treyben wie eine junge fraw?' (
voluptati operam dabo? soll ich noch wollust pflegen?
1 Mos. 18, 12) schempt sich noch, das sie mit wollust sol umbgehen Luther 24, 334, 25
W.; vgl. 29, 3, 25
lesarten; man trinckt nicht nach durst, sondern nach wollust, offt nach u. Lehman
floril. 2, 896.
undeutlich Wieland
Hermann 3, 85.
onanie Höfler
a. a. o. veraltet, so dasz u.
und wollust
gegensätze werden (
z. b. Weckherlin 2, 255; P. Fleming 1, 31; Wieland
Herm. 1, 232
u. o.; Logau 395
Eitner). 1@bb) lust 3
entsprechend (
vgl.seelenunlust Walch, geistige u.)
lustlosigkeit, unaufgelegtheit, mangel an bereitwilligkeit, freudigkeit, befriedigung, unbehagen u. s. w. torpedo Alberus (a
und b
mischen sich wieder: beim niedersten thier beschränkt sich die geistige thätigkeit auf empfinden von lust und u. du Bois-Reymond
grenzen 26): solcher u. (
zum gebet) und unandacht Dietenberger
miszbrauch d. messe g 2
b; mit dem u. des fleisches J. Böhme 3, 385; der weise Crates merckte, dasz reich seyn nur die lust zur faulen unlust sterckte Opitz 1, 106;
vgl.faule lust
th. 6, 1321;
langeweile ist eine allmächtige schwerigkeit, trägheit, müdigkeit, schläfrigkeit und u. Zimmermann
einsamkeit 1, 33; für lust oder u.
privatbr. 1, 266
St.; mit lust und mit u. (
halb gern, froh, halb ungern, traurig vgl. 2) Göthe 3, 4
W. (
ballade 47); die etuden scheinen mit groszer u. geschrieben zu sein R. Schumann 4, 27.
veraltet mit gen. obj.: hast desz tantzens schon ein u.? A. Dietrich
bawrenknecht a 8
a;
in zss.: arbeits-, steuerunlust.
allgemein mit präpos.: u. zuem gotzdienst B. v. Chiemsee 6, zur arbeit Scherer
litgesch. 5,
jahrb. d. Grillparzerges. 8, 266, am leben Gervinus
gesch. d. d. dicht. 1, 402 (lebensunlust, weltunlust Burdach
reformation, ren., humanismus 135), bei dieser arbeit Göthe 28, 38
W.; mit inf.: u. zu wercken Maaler 465
d; zuweilen geht den crisen des lebens ... eine u., noch etwas von der zukunft zu hoffen, vorher Justi
Winckelmann 1, 443.
der zustand findet seinen schärfsten ausdruck in psychosen: acidia melancholiae species, quae monachorum propria est Höfler 381
a;
psychische dysästhesie ebda; taedium Nemnich
nosol. 17
b;
classisch geschildert: unmuth und unlust hatten in Werthers seele immer tiefer wurzel geschlagen
u. s. w. Göthe 19, 142
W. 22)
reich durchgebildet als gs. von lust 4.
die volle stärke des begriffs, wie sie die ä. spr. erreicht, ist der (
von ausgleichender psychologischer terminologie geschwächten)
neueren spr. versagt. übergänge u. mischungen der bed. sind nicht selten. 2@aa)
miszvergnügen, unfreude, unfröhlichkeit, traurigkeit, trauer, schmerz, kummer, leid, qual, wehe u. dgl.: mitten ym u. haben sie (
die gerechten) lust und freude Luther 19, 315
W.; u. fahen, da lust ist 17
1, 18, 29
W.; hochzeyt ist eyn kurtze freude und lange u. 12, 100
W.; [] 10
2, 294, 18
W.; Wander 2, 696; Fischart
ehzb. 209, 10
H.; Harsdörffer
secret. 1, C c c 2
a; Parthenophilus (1719) 98; der welt lust ist u. S. Franck
sprüchw. 2, 20
a; Schmolcke 2, 390; wollust hegt (bringt) u. Schottel 1115; Schellhorn 144; Kirchhofer 183; P. Fleming 1, 31; des anblicks u. Rückert. 8, 170; einem u. machen Kramer (1700) 1, 978
c, u. erwecken Gottsched
schaub. 2, 398, G. Keller 3, 59, erregen Herder 25, 156, anthun W. Grimm
altdän. heldenl. 328, vermehren Dusch (1758) 236
u. s. w.; ausz, mit, nach u. (Göthe 49, 293, 11
W.)
; syn.: unlust und laid
teutsch. theol. 80, 3
Pfeiffer; mühe und u. Luther 34
2, 136, 30
W.; und gaht dennoch zu mit schwerem hertzen und grosem u. 6, 207, 24
W.; den u. und das seufzen Weckherlin 1, 95, 154
F.; angst und u. J. J. Schwabe
belustigungen 8, 537; u. und eckel Breitinger
crit. dichtk. 1, 62, Bräker 1, 73, 249; unruhe und u.
allg. d. bibl. anh. 25/36, 1029; schmerz oder u. Lange
materialismus 17 (schmertzliche u. Weise
pol. redner 13; schmerz, u.
steigernd Platen 1, 646)
u. dgl. gegensätze: lust
s. oben u. lust 4; solche narrenwerk war i.
f. g. beste freud und meine u. Schweinichen 53; lieblichkeit Spee
tugendb. 274; mehr u. als ergötzlichkeit schöpfen Lohenstein
Arm. 1, 86
a; seine gute laune in u. zu verwandeln
allg. d. bibl. anh. 25/36, 759;
wortspielend: lustparthien, die zur u. ausliefen Göthe 29, 38
W. (unlustpartien J. Paul 45/47, 346); Göthe 13
1, 90, 52
W.; diese lust erinnert mich einer bösen u. E.
M. Arndt 1, 35.
concret: also hat auch herr Held in seiner poetischen lust und u. dergleichen ... beschrieben Neumark
lustw. (1657)
zuschr. 4;
vgl. 3. 2@bb)
ärger, zorn, unwillen, erbitterung, verzweiflung (
animi abjectio mnl. wb. 5, 804, 1)
und milder: unmut, miszbilligung, miszfallen, bedauern, unzufriedenheit u. ä. stomachus Frisius 1245
b; in unlustau vairþan
Col. 3, 21: ach, das er mich nur alleyn ubel handelte und ein ketzer, abtruniger, ubelreder und nach aller lust seins unlusts nennet, wolt ich geren haben Luther 1, 385, 17
W.; 19, 440
W.; A. het ein grossen neid und u. auff die stat L. Stephanus Vigilius
de rebus memorandis 39; ir gesicht vor u. bran Scheit
heimfart e 2
b; vor u. fluchen
lieder auf den winterkönig 116, 17
Wolkan, vergehen A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 83; dagegen hat L. ... ein u. gewonnen ob dem gottseligen klosterleben Nas 1, 150
b; zu groszem u. beweget werden
b. d. liebe 295
b; Harsdörffer
Diana 1, 151; Besser 1, 60; darob thu ich grosz unlust tragn J. Ayrer 241, 33
Keller; dieser unfall verbreitete unter der menge u. J. v. Müller 1, 513;
Tischbein liesz alles, was er zu thun vorhatte, in einer art unbestimmtheit, wodurch er oft ... andere zu schaden und u. (
vgl. 3) brachte Göthe 32, 318
W.; zu den häuslichen irrungen gesellte sich in dem prinzen die u., seine kräfte im friedensdienst gefesselt zu fühlen Ranke 27, 109; die aufregung und u. des kampfes
M. Meyr
a. d. Ries 2, 267; das bewusztsein, recht gehandelt zu haben, half ihm über alle u. hinweg Polenz
Grabenhäger 1, 200;
Büttnerbauer 3, 309; dasselbe (
volksleben) war erfüllt von u. über die gebrechen der kirche und ihrer diener
handwb. d. staatswiss. 6, 232. 2@cc)
ekel, abscheu, widerwillen (
vgl.e): Kunz Kistener 804; wider die sünd unlust tragen B. v. Chiemsee 503; das beynach all welt ain unlust und grewel ab inen (
papistischen miszbräuchen) gewunnen Philadelphus Regius
wunderzaychen b 1
a; Scheit
Grob. 175; dasz ich ab gemeltem finger (
er war verkrüppelt) ein u. hatt
F. Platter 123; misbrauchstu aber deines beruffs und bist mit u. und widderwillen drynnen Luther 27, 264, 13
W.; drum geh, o Salibene, geh fort, du alte schöne, dasz Venus mit dem knaben nicht mehr darff unlust haben Weise
überflüssige gedanken 61
ndr.; du hast dir nie eine u. anmerken lassen gegen mich Anzengruber 2, 130.
vgl.unlusteckel
bei Dannhawer
oben 1 a
α.
veraltet und mundartlich. [] 2@dd)
überdrusz, verdrossenheit: uberflusz macht u. Aventin 4, 32, 17; mit unwillen, unlust sind ir bet und gsang
N. Manuel
Barbali 149
B.; lernen mit lust vertreibt allen u. Petri m m 5
b; er liesz den müden gaul mit unlust abseits gehn Drollinger
gedichte 163; Solger
nachl. 2, 186; wenn sich die u. (
bei den vor der trommel geschlossenen soldatenehen) einstellte Meinecke
Boyen 1, 74. 2@ee)
abneigung, feindseligkeit, anfeindung u. dgl.; zum gs. s. engl. lust Murray 6, 512
b, 1 d (
vgl. mnl. wb. 5, 804): daraus folget, das darnach die wäldischen edelleut zu herzog Albrechten albeg u. hetten Füetrer
b. chron. 224; si princeps es, amptman, consul, du musts ein etzlichen u. (
vgl. 3 c) tragen Luther 27, 467, 4
W.; 16, 360, 8
W.; Petri e e 2
a; sich auch solche u. in allen creaturen findet, dasz sich alles beisset, schläget, stöszet, quetschet und feindet J. Böhme 3
princip. 7;
undeutlich werdend: für die freundlichkeit (
des pflegers) ... zeigt es (
das thier) nicht das geringste verständnis, vielmehr nur widerwillen, u. und bosheit Brehm
tierl. 1, 303;
vgl. c. 2@ff)
zur terminologie: u. ist eine unangenehme empfindung, wenn die begierden unserer seelen nicht gestillet werden Walch 2750; wahrhaffte und scheinunlust, einfache und vermischte Zedler 49, 1871;
zu lust und u. (Tauler
pred. 37, 12
V.): Piur
Wolff 89;
Wolffs, freilich nicht unangefochtene, erklärung (es ist nemlich die u. nichts anders als eine anschauende erkäntnis der unvollkommenheit
von gott 229)
beherrscht weithin die auffassung der classischen zeit (Lessing 10, 107; Mendelssohn 1, 235; Schiller 1, 158; Adelung), Kant
und die neuere psychologie betonen in übereinstimmung mit dem sprachgefühl in u.
das gefühlsvermögen, den selbständigen, inhaltlich unerschöpflichen, chamäleonhaft schillernden seelischen zustand (
vgl. z. b. die u. des leidenden ... die tiefe depression, die bleierne ermüdung, die schwarze traurigkeit der physiologisch gehemmten Nietzsche 7, 443). 2@gg)
zur synonymik: unlust, unmuth, verdrusz
bei Luther, der unser wort sehr liebt und in reicher schattierung verwendet, Teller 2, 298; u. und miszvergnügen Zedler 49, 1870; miszvergnügen, miszfallen, u., verdrusz Eberhard 5, 176; u.
als stärkerer grad von miszvergnügen Lyon 737. 33) lust 5
entsprechend, unlust erregendes. 3@aa)
ekelerregende secrete, geifer, rotz, schleim, kot Höfler 381
a;
excrementum Corvini
fons 184;
pedor Aventin 1, 522, 19;
immundicia K. v. Heinrichau 398
b;
syn. wust, unflat Rädlein 985
b, unrat 1 c: Ringwaldt
christl. warnung b 8
b; Eppendorff
Plin. 8, 63; unlust auff dem hertzen oder brust Rivander
Düring. chronica 449;
vom menstrualblut Prätorius
anthrop. plut. 2, 242; rauden und andere u. abbaden Guarinonius 654;
Mäynhincklers sack k iij
b; must leiden allerley unflat und u., den er (
der leib) dir teglich anrichtet Luther 32, 381, 3
W.; u. und gestanck Schwarzenberg
zutrinken 40
ndr.; so thust dich in dem unlust süln wie die seu in den mistküln H. Sachs 3, 379, 12
K.; Franck
sprüchw. 1, 94
a; zu hoff ... gilt gleich der ein u. in die stub oder hinder die thür macht und der ihn auszfegt Petri u u u 7
a; muste ich in meinem eigenen unlust sitzen bleiben
Simpl. 1, 99
B.; wasch dein hend nicht, eh du bist gsessen, sind dein feust gleich des unlust vol H. Sachs 17, 416, 8
G.; noch behaftet mit dem u. ihres kerckers A. Gryphius
trauersp. 143
Palm; des bärenhäuters ... bart schien an u. ein dichter filz Brentano 5, 465 (
dazu Grimmelshausen
Simpl. 1, l
Bobertag); gedärm und anderen u. von thieren
Frankf. ref. 8, 6, 4; aberaum, kehricht, mist
[] und andern u. in die gerinne abführen
Breslauer bauordnung 1605, 9; Hohberg
georg. 1, 25; Frischbier 2, 423
a;
was den wein unklar macht H. Sachs 7, 364, 27
K.; dasz ihm (
dem kind in der wiege) kein u. (
unrat) auf das gesicht falle Mauriceau 526; thu mir den u. von der nase weg! Kramer (1700) 1, 978
c. Staub - Tobler 3, 1475, 2; Schmeller 1, 1525 (
pestgeruch); Unger-Khull 610
b;
österr. weist. 11, 722
b; Schöpf 405.
veraltet. 3@bb)
spurcitas, ekelhaftigkeit, schweinerei u. dgl., vielfach concret (
vgl.a): umb etwa einer u. willen
5. Mos. 24, 1; seynen u. ruren Luther 18, 85, 7; 135, 27; 11, 24, 3
W.; wie vil unflats und wüstes, schendlich ungeschicktes unlüstes thut in deynem gemüt regnieren! H. Sachs 3, 536, 11
K.; Scheit
Grob. 3496; in den u.
der sünden fallen Eisengrein
erklärung (1568) 294
b (
vgl.unflat B 3 a); sähet ihr einen solchen wust und u. von hunden (
die ekelhaften jungen hunde) Br. Grimm
sagen 2, 128. Schmeller 1, 1525.
veraltet. 3@cc)
widerwärtiges, scheuszliches, hemmendes, quälendes, bedrängendes, lästiges, miszfälliges, schlimmes, böses, unheil, bedenkliches, schwierigkeiten, unannehmlichkeiten u. dgl.; abhominatio Diefenbach
gl. 2
c;
oft diplomatisch und eulogisch, nicht selten an a
und f
rührend: den u. der klaidern abziehen
N. v. Wyle
transl. 49, 20
K.; seyne u. und gifft Luther 18, 135, 27
W.; wider den u. und anfechtung gedültig und bestendig sein
vorr. auf d. bücher Salom. 7, 332
B.; ehlichs stands u. 10
2, 292
W.; 19, 242
W.; allerley u. des reisens 28, 257, 17
W.; der vielfeltigen u. und widerwertigkeit der see G. Rollenhagen
indian. reysen 67; Wieland
oben; pers. rosenthal 5, 14; Melanchthon 3, 860
B. (
vgl.b); wasz u. auch ein artzet mieszte sechen
F. Platter 160; u. des alters S. Franck
mor. enc. 25, 21; Staub - Tobler 3, 1475, 1 b; Kirchhofer 349; u. und beschwerden Pietsch 310, u. und ferlicheit Luther 2, 299
W., verdries und u. 20, 128, 26
W., mühe und u. Schweinichen 168 (
vgl.f), ungemach und u. Zesen
rosenmand 94; schnupfen, pfnüsel und dergleychen u. Gesner-Herold-Forer 30
b (
vgl.a); der schulstanck und u. der schularbeit Corvini
fons 671; aus aller lust nichts als u. lesen Rachel 31
ndr.; wer durch viel land reiset, der erfähret der land lust und u. (
licht- u. schattenseite) Lehman
floril. 2, 709;
nach 2 f
weisend: dennoch dünket ihnen das leben mit überwiegender u. und die welt mit lauter bösem ausgefüllt zu seyn Reimarus
wahrheiten 606.
veraltet. 3@dd)
streit, aufruhr, zwist, unzufriedenheit, unruhe, rumor, lärm, spectakel, scandal u. dgl. Staub - Tobler 3, 1475, 3;
mnl. wb. 5, 805, 3; Schöpf 405 ('
unordnung'); Dähnert 506
b (u. maken
die ruhe stören); Schambach 243
b (
unruhe)
; mehrfach durch unlust
2 beeinfluszt. vgl. unflat B 2 a: man forcht, das u. zwüschen denen und den handwercklüten ze C. uff stünde U. v. Richental
chron. d. C. concils 32; u., unfried und zwitracht Luther 34
1, 62, 13
W.; 26, 582, 15
W.; 8, 81
b Jena;
Hans Worst 51
ndr.; Kirchhof
wendunmuth 2, 15; er hat ein u. zugericht oder angericht
tragoediam nobis in scaenam induxit, ein u.
actus tragoediae Alberus; solch geistlich gut, domit die clerisey ein u. uber den andern anrichtete Mathesius
Sar. 165
b; Fronsperger
kriegsb. 1, b 3
b; hadder und u. Faber (1587) 894
a; 640
b; einen lermen oder u. erregen
ciere turbas Corvini
fons 189; er hat lust zu u.
delectatus jurgiis et litibus Stieler 1189; der wilde Thrazier der zanket sich bei weine, der lust an unlust hat P. Fleming 226; bringt kein u. ins hausz und tragt nichts darausz Lehman
floril. 1, 255; 2, 808;
wunderhorn 2 (1808), 340; die unlusten zu dem hause hinausz!
Philander Lugd. 5, 277.
veraltet. zwischen dieser bed. und 3 c
steht: sich ausz einer u. herausz wircken Corvini
fons 1004. 3@ee)
beeinträchtigung, unrecht, beschädigung, schaden, unbilden u. dgl. (
gewalttat, ungebührlichkeit Lexer 2, 1909
unter unlust
2;
mnd. wb. 5, 63
a;
mnl. wb. 5, 805, 2 b, c):
[] manigen unlüste begingent sü an armen lüten Closener
städtechron. 8, 123, 28; u.
für unkust,
nichtsnutzigkeit im Frankf. renner, Warlies 72
b; Kirchhof
wend. 1, 311; Stolle
thüring. chron. 94; und vliss sich aber alles unlust und muetwillens wider hertzog A. Füetrer
b. chron. (
vgl. 2 e); was vortail und u. herr L. wider uns braucht
urk. z. g. Max I. 380; das ist ein angenem ding fur got, szo yemand leydet u. mit unschuld (das unrecht 1.
Petr. 2, 19
patiens injuste) Luther 6, 263, 14
W. der denn ein ganz dorf in u. und verderf bringet
ständeakten Joachims II. 1, 95
Friedensburg; u. und ungebür mit schlagen und rauffen unter sich anrichten
M. C. Schütz
Preuszen 1, b 2
a; 6, p 1
a (
vgl.d); so wem schaden und u. geschicht, dem soll der andre schirm, hülfe und beystand treulich leisten Niebuhr
röm. gesch. 2, 44;
veraltet. mit c
verbunden: da liesz man vile im gefengnus vor hunger und u. sterben Franck
chron. Germ. (1538) 180
a, 140
a.
vom wetter, oft von c
kaum zu trennen: alles wetters u.
Königsberger dichterkr. 196; der kalten u. desz Saturns Francisci
lusthaus (1676) 1000; die u. der rauhen monathe Adelung
lehrg. 2, 396;
veraltet. allgemeiner: die sechste schant was ein unlst (
vgl. ungehörigkeit Fischer-Tümpel 1, 489, 3. 5), das ich das prot schnit an der prst H. Sachs 22, 297, 22
G.; und unser ochsen arbeitn mehr, sie kein schad noch unlust versehr 18, 539, 2
G.; wenn die flamme gelescht ist, so machen noch die kole einen u. (
vgl. 3 a
pestgeruch und 1 a
fumitaedium) Petri b b b 4
b; der herrn lust ist armer gesellen u. (
sie müssen die zeche bezahlen) o 1
b; Weise
pol. redner 356; Lindenborn
Diog. 2, 723; der mag sich diesem thun ergeben, der lust hat an unlust und noht Birken
ostländ. lorbeerhayn 28; er hat lust zur u.
gli vien voglia di far la brutta cosa Rädlein 615
a; lust an unlust das ist lust Bürger 1, 297
b (
hexengesang, Macbeth 2, 8); diese lust an u. ist ja eben das teuflische prinzip, das ihn beseelt E. Th. A. Hoffmann 4, 61; aus lust an u. Holtei 40
jahre 1, 190;
erz. schr. 8, 141. lust tau u. hem Schambach 243
b.
in dieser bed. berührt sich u.
auch mit verlust (lust
th. 6, 1327):
ackermann 12, 22
var.; ein hohes edles gemüt empfindet nit so sehr den u. der frucht seiner arbeit, als ... Albertinus
der fürsten sterbkunst 6; dasz dieser verlust oder vielmehr u. (
das kind, das einem betrogenen ehemanne seine frau geboren, war gestorben) ein ringerung seines unglücks seye Abele
unordnung 1, 52. 3@ff)
mühewaltung, bemühung; mnd. wb. 5, 63;
mnl. wb. 5, 804, 2
a;
vgl. oben c: item 1 firdung dem wirte vor holz und u.
Marienb. treszlerb. 226, 31
Joachim; handelsr. d. d. ordens 512, 9
Sattler; so offt du rauff tregst zwo masz wein, so schreib drey an für den unlust J. Ayrer 2445, 13
Keller; dann geradezu für die zeche: wolan der wirt ist auch behend, er nimt die kreid in die händ, zeichnet den u. an die wänd
Garg. 147
ndr. expens, der brauch, das ist das so man verbraucht und verthuot, kostung darlegung, der drüberlauff, so offt ein handel kost, man nents auch den unkost, item den unlust Roth (1572) f 8
b.
veraltet. 44)
im vergleich und bild: wenn wir das ende aller freude betrachten, so ists mit einem ende versiegelt, nemlich mit u. Luther 29, 653, 27
W.; er (
der pastor) musz in alle pfützen tretten, all unlust butzen und auszjetten J.
V. Andreä
das gute leben 316; von den weinreben sagt er: sie tragen dreyerley trauben, der erst heisze wollust, der ander trunckenheit, der dritte u. Zinkgref
apophthegmata (1628) 423; kurtze
[] böse lust wird mit langer schwerer u. versaltzen Petri m m 2
b; lust musz man mit u. nit verpfeffern Lehman
floril. 1, 512; der u. brand und honigleeres wachs Lohenstein
Ibrahim 48, 604;
Arm. 2, 428
b; Weichmann
Niedersachsen 1, 54; E. Th. A. Hoffmann 11, 14; 10, 47; musik und tragischer mythus ... spielen mit dem stachel der u. Nietzsche 1, 171.
in dichterischer, meist nicht mehr als solche empfundener personification: bist eitel u. Ringwaldt
evang. o 2
a; wo die wollust kehret ein, wird nicht weit die unlust seyn Logau 395; all u. habe gute nacht Morhof
unterricht 1, 413; Stoppe
Parnasz 88; furcht noch u., sonst der greise mitgesellen ... auch ihr geheimer rath J. A. Ebert
episteln 1; unverstand hat u. am arme Laube 1, 45. 55)
von personen, appellativisch, bes. in der schelte: er u. aller wibe J. v. Würzburg
W. v. Österreich 11 625 (11 622); ein ganzer u., ein kotfass (
der mensch)
ackermann 24, 12
B.; pfarrer v. Kalenberg 1358; des unlutstz (
Äsop) Steinhöwel
Äsop 41; Sachs 20, 117, 3
G.; die magd ist der allergröst u. 5, 191, 15
K.; schweigstu izt, du u.! Schade
sat. 1, 103, 131; Moscherosch
gesichte 2, 142; die jungfrau .. hatte einen unerklärlichen widerwillen, den u., den bärenhäuter zu heirathen Brentano 5, 468. Hans Unlust Scheit
Grob. 436
gl., vgl. Hans Unflat (unflat B 3 b
β), Unmusz, Unmut
u. dgl.: bruder Unlust,
schelte für mönche Garg. 390
ndr. (
vgl. oben 3 d). unlusti,
f., ekelhafte weibsperson, abl. v. unlusten Staub-Tobler 3, 1477. 66)
dämonologisch: das dich der u. hol! Ringwaldt
warnung (1590) k 5
b (
vgl.unflat B 3 b
α als bezeichnung des teufels); was blast dich, Kunz, för unlust an, dasz du ins schlosz nein steigest
Kunz v. Kaufungen (1455)
hist. volksl. 104, 5
Lil.; vgl. Eichendorff 2, 58; der schalckheit wollust bringt unglück und tregt ihr unlust auff dem rück Petri o 8
a (
vgl.unglück
als aufhocker);
vgl. der u. wyll ummer myt et impedit oracionem Luther 34
1, 381, 18
W. wenn wir alle freude der welt hetten, was were es? fraw Unlust 29, 653, 27
W. 77)
zusammensetzungen nicht vor ende des 16.
jhs. (Fischart),
am üppigsten in veralteten liter. bildungen des 17.
jhs., z. b. unlustbrunnen Buchholtz
Herkules 2, 46, -ekel Dannhawer
catech. 3, 225, -feuer Hohberg
Ottobert h 2
b, -geräusche Buchholtz
Herkuliskus 1044, -pfuhl Greiffenberg 12
betrachtungen 454, -sache(n) Fischart
vorb. in d. Amadis 63, -stück(e)
offenlichs ausschreiben b 1
a, -stunde J. G. Neukirch
anfangsgründe 753, -sturm Hoffmannswaldau - Neukirch 1, 46, -vertreiber (
aus d. franz. Le chasse-ennuy oder exilium melancholiae von Chr. Lehmann
übers. Straszb. 1643
u. 1655; unlustsvertreiber
nach Schottel 1178
von Mart. Zeiler), -wust Kongehl
Andromeda 20. unlustsflut Hohberg
Proserpina 128
b, -gift Hoffmannswaldau-Neukirch 1, 391, -sorge Hohberg
Pros. 154
b, -sturm 144
b. unlustvoll Petri n 1
b, Dach 902 (
dirus),
also noch nicht im sinne der neueren psychol. terminologie, von der die folgenden beispiele abhängen: unlustempfindung Mendelssohn 1, 84, -folgen Simmel
einl. in die moralwissenschaft 1, 355, -gefühl Nietzsche 5, 40, -quelle 4, 100, -scheu,
f. Herbart 5, 105, O. Ludwig 5, 177, -überschusz Blüher
wandervogel 2, 153, -welle C. L. Schleich
vom schaltwerk der gedanken 81; unlustbetont,
adj. A. Marty
untersuchungen 1, 111, -scheu,
adj. O. Ludwig 5, 177, -voll Simmel
einl. 1, 355.
nur wortscherz: unlustwandeln,
verb. Kotzebue 1, 179.
anderseits depressionsunlust Nietzsche II 7, 456
u. ä.