unmut,
m. ,
gth. v. mut.
ags. unmôd,
ahd. mhd. unmuot,
mnd. unmôt,
mnl. onmoet,
nl. onmoed.
zum n.: Graff 2, 687;
mnd. wb. 5, 65
b.
f.: Rachel
sat. ged. 16
ndr.; Lohenstein
Epich. 20.
geschlecht undeutlich Herder 25, 109. unmuote
acc. sing. Arigo 230, 24; 638, 24.
ohne plur. (onmutungen
Garg. 190
neudr.). ungemut:
sp. 777; Fischart
Eulensp. 15; Schwartzenberg
Cic. 157
b;
mhd. wb. 2
1, 266
b.
vgl.an-, in-, klein-, leid-, misz-, schwer-, über-, wahn-, wankel-, weh-, wend-, wider-, zornmut; unmutigkeit, unmuts.
die unlösliche verflochtenheit der affecte steht reinlicher scheidung wie bei unlust (
s. d.)
oft im wege. 11) mut 3
entsprechend. 1@aa)
kleinmut, mutlosigkeit, verzagtheit, schwäche (
vgl.mut 3 c kleiner mut);
abjectio animi, pusillanimitas (
ags., ahd., nl.).
vgl. ahd. missimuoti
und nhd. wehmütig II, wehmütigkeit: wie man sagt im sprichwort 'gut macht mut' und widerumb auch 'unmut armut' Luther 10
3,
[] 403, 34
W.; Petri j 8
a; Zingerle 105;
vgl.mut 6;
Pontus c 6
a; es (
das agnus) sterckt dein unmuth Nigrinus
v. zäuberern 65. Staub-Tobler 4, 583.
schriftsprachlich bis auf undeutliche fälle (
z. b. Ranke 3, 81)
veraltet. 1@bb)
ähnlich wie unlust 2
entwickelt. 1@b@aα)
betrübter mut (
th. 6, 2784, 2786),
betrübnis, leid, weh, trauer u. dgl.; vgl. wehmut III A: darab nam er so groszen unmuott und hertzen layd, das er viel in ain tOedtliche krankhait
Fortunatus 146
ndr.; habt keinen u., denn mit der hülff gottes sol und wil ich den riesen ernider legen
b. der liebe 273
d; kein u. haben
animo otioso esse Frisius 937
b;
Morgant 16; ewrn u. verkehrt H. Sachs 17, 81, 9
G.; alls unmuts sich ergetzen
einen guten mut haben 17, 20, 5
G.; des mutes u. Opitz
s. th. 6, 2783; nach freud kan bald u. werden Fr. Wilhelm
sprichw. reg. E y
α 2: Petri a a 7
a; y 7
a; S s 3
a;
alterthümelnd Herder 25, 109; Hölty
ged. 149 (
Frauenlob 17). Staub-Tobler 4, 583.
wie unlust 1 b (
am ende)
pathologisch: melancholischer u., onmuot der melancolei Höfler 426
a;
animi contristatio, agonia Zedler 49, 1900; Nemnich 17
c;
unaufgelegtheit Staub-Tobler 2, 329;
melancholie Binhardus
thür. chron. 241; Göthe 19, 142, 1
W. (
vgl.γ).
sonst veraltet. 1@b@bβ)
bes. in ä. spr. in erhöhter bed.: '
groll' Kaufringer 4, 398;
engl. comedien v 5
b; '
zorn' H. Sachs 18, 38, 8
G.; Ringwaldt
evang. l 1
a; Dähnert 507
a;
aus Osnabrück bei Campe (
vgl. c
β); '
wut' Luther 7, 275, 23
W.; Wieland I 1, 171, 613; '
schrecken'
Faust volksb. 31, 44
ndr.; vgl. Henricpetri
generalhist. 185; '
verzweiflung' Steinhöwel
Äsop 68; Münster
cosm. 315.
vgl. wehmut I.
in n. spr. veraltet und abgeschwächt; dann durch verstärkende zusätze wieder gehoben: Wotan in furchtbarem u. R. Wagner 6, 35. 1@b@gγ)
die schon mhd. auftretende gemilderte bed. ist in n. spr. als hauptbed. fest geworden; '
miszmut, miszstimmung, ärger, verdrusz, unwille, widerwille'
u. dgl.; vgl. schwermütig 2: A. kundte nichts schaffen ... und keret umh gegen B. mit grossem unmut 1.
Maccab. 6, 4; bittrer, schwarzer, dunkler, finsterer, erhabener, hei terer, patriotischer, verhaltener
u. s. w. u.; lang predigt hört man mit u. Quensted
ethica pastoralis 685; voll u. und verdrusz Göthe 1, 99
W. (
zur scheidung: u., wo nicht verdrusz 28, 221
W.); u. und ärger E.
M. Arndt 1, 81; u. und widerwillen
jahrb. d. Grillparzerges. 3, 88. dem u. stimme leihen Schiller 12, 215, luft machen Gervinus
gesch. d. d. dicht. 5, 127, seinen u. auslassen an, gegen Herwegh
briefe 176, Laube 11, 121.
mit angabe des bestimmten anlasses: Aymon 102
b; Wickram 1, 6, 22; u. über den drachen Python Winckelmann 7, 121; 6, 22; voller u., dasz Moscherosch 2, 30.
indignation Spanutius 290;
μῆνις Herder 17, 163.
gs. inmut
herzliches behagen Schmeller 1, 1696.
regung, zustand, ausdruck des unmuts: rait also hynweg in aim u.
Fortunatus 100
ndr.; im ersten u. H. v. Chézy
erz. 2, 14; mit einem edlen unmuthe Möser 1, 134. buch des unmuts Göthe
Divan. das jüngere miszmut
erreicht weder die stärke noch den begriffsumfang von u.;
zur syn. Weigand 2, 399; 3, 946; Sanders (1882) 152; 281. 1@cc)
unmut erregendes. vgl. unlust 3. 1@c@aα)
ungemach, beschwerde, objectiver verdrusz, schaden, böse folgen u. dgl. ähnlich ahd. ungamoti
dispendium, damnum, contumelia; mhd. ungemüete
traurige lage; mnl. wb. 5, 831, 2;
vgl.wehmut II C, wehmütigkeit, unmutlich, -muterlich: man sucht ... allein gelt, gut zu entlichem grossen schaden und u. Eberlin v. Günzburg 3, 161
ndr.; Franck
sprüchw. (1541) 2, 137
b; u. (
molestia), den man am gericht hat Frisius 741
a; gott beht mich ... dasz mir kein u. kom
bergreihen 55, 5
ndr.; nach empfangnen u. Sandrub
kurzweil 18
ndr.; dichterisch noch bei Gottsched
d. neueste 4, 250; J.
N. Götz
verm. ged. 2, 7.
geistlich H. Sachs 1, 155, 30
K.; Dach 192; 184.
sprichw.: Petri O 7
b; e 6
a; k k 6
b; J. Böhme 6, 240.
veraltet. 1@c@bβ)
uneinigkeit, zwietracht, streit; mnd. wb. 5, 65
b;
mnl. wb. 5, 831, 2;
nl. wb. 10, 1732, 1;
vgl. mhd. missemüete:
[] derhalb ... vil gezencks, unwillens, zwitracht und unmutz entstanden ist
Nürnb. polizeiordn. 121
B.; Hesselloher 4, 56. Fries
Würzb. chron. 118; J. Ayrer 111, 18.
vgl. nd. ungemod
hasz, feindschaft Dähnert 506
a.
veraltet. 1@dd)
bilder, vergleiche, redensarten: lasz dir keyn unmuoth über die knie zum hertzen gehen Tappius (1545) o 6
β; Wander 4, 1466; u. kocht Brockes
ird. vergn. 4, 216, nagt am hertzen Schiller 11, 274
u. dgl.; u. fahen, empfahen, fassen
veraltet, u. auswetzen Fischart
Staufenb. 194, verbeiszen Wander
a. a. o.; ersäufen Bräker 1, 212
u. s. w.; wir weinten u., dasz Klopstock
oden 2, 30, 21 (
vgl.den feuchten u. Beer 213); unmuth und verdrusz, die uns mit vollen hauffen stets kommen angelauffen Roberthin
bei Fischer-Tümpel 3, 39; Dach 378; u. wandelt einen an Schlegel
Europa 2, 7, übt einen Logau 183, 99
u. dgl.; der wolcken unmuth geust noch eine see von oben Opitz 3, 48; Hoffmannswaldau-Neukirch 1, 257; des unmuths öden winter A. v. Haller
ged. 109
Hirzel, nebel Thümmel 1, 3, die letzte wolke des unmuths Gaudy 13, 99, Heine 3, 183, G. Keller 5, 179; des unmuths flamme, funke
u. s. w.; muht und u. zanken sich Rachel 29
ndr.; jeder u. eine geburt, ein zögling der einsamkeit Göthe 28, 208
W., gefährte des unglücks 39, 133
W.; J. H. Voss
ged. 5, 250. 1@ee) Hans Unmut Schwartzenberg
Cic. 148
a, 151
a, Hans Ungemut 157
b; Hans Unmuet Opel-Cohn 140. Zedler 49, 1900. Fischer 6, 204.
oft u.
für den unmutigen: Rachel 16
ndr.; Göthe 7, 139, 3; Lenau 235; u. und übermuth Göthe 25, 149
W. 22) mut 4 a, unlust 1 b
entsprechend; vgl. unmutig 5: das sie (
die ehefrau) ... nicht vil ires ehwirts anmut oder u. (
lust oder unlust) achte Fischart
ehzuchtb. 137, 9
H. (
vgl.an oder onmutungen
Garg. 190
ndr.); wer aber das ein lehner von u. und mangel der zaug sein farth hew nit verrichten möcht
österr. weist. 11, 404, 12.
veraltet. 33)
selten gth. v. mut 8 (
vgl. 1): sie fürchtet sich den unmuth anzuzeigen Ramler
fabellese 1, 91.
zusammensetzungen. aa)
substantivische: unmuotdorn Lexer 2, 1919, unmutschmerz (Butschky
kanzelley 642), -spender, -trösterin, -wenderin (Opitz 2, 20;
vgl. wendunmut), -zämer (Schottel
haubtspr. 86)
u. dgl. unmutsblick, -blitz, -falte, -feuer (
Rein. Fuchs 1650, 104), -gegengift, -klage, -kleider (Hoffmannswaldau
übers. 49), -mörderwolke (Herder 28, 18), -mut (Kongehl
sausewind 22), -nebel (Brockes 4, 347), -reif (Lohenstein
rosen 109), -seufzer, -stillung (Francisci
weh d. ewigkeit 1057), -stunde (Chr. v. Ryssel [der Beschirmete]
v. seelenfrieden [1685]
widmung; Herder 32, 468), -ton, thräne, -trieb, -wolke, -zwang (25, 344)
u. s. f. bb)
adj. unmutbleich, -düster, -geschürzt, -glättend, -grimmig, -schauernd, -schwer, -voll (Abschatz
verm. ged. 3, 143, Herder 16, 14)
u. ä. unmutsbleich (25, 113), -voll (
Königsb. dichterkr. 170
ndr.; Günther 234; Voss
Il. 11, 274; Droste-Hülshoff 2, 230; Meyr
a. d. Ries 1, 154). —