unwille,
willen,
m.; s. wille(n)
und un IV A,
B. ahd. unwillo
neben unwillido;
mhd. mnd. unwille;
mnl. onwille;
nl. onwil;
ags. unwilla;
engl. unwill;
afries. unwilla;
as. unwillio;
an. úvili;
dän. uvillie;
schwed. ovilja.
zur flexion s. wille, willen;
erwähnt sei: die kurzform unwill (Diefenbach
gl. 2
c, 376
c; Fischer
schwäb. wb. 6, 277; Schmeller-Fr. 2, 891)
erscheint auch schriftsprachlich bis in die gegenwart ( v. Hohberg
georgica 3, 131
a; Frisch
nouv. dict. 639; Lessing, Herder
s. u.; im vers Grillparzer 6, 182
S.); des unwills Herder 26, 203
S.; im unwill Miller
Siegwart 1
2, 150; vor zorn, schrecken und unwill Brentano 5, 24. eines
unwillen,
st. gen. noch Nigrinus
v. zäuberern 168. unwul Fischer
schwäb. wb. 6, 278 (Weinhold
alem. gr. 31); führ schaden und unwüllen Zesen
Rosemund 14
ndr. unwild Diefenbach
gl. 376
c ist vielleicht nachklang des ahd. unwillido.
vom plur., der mhd. belegt, fehlen sichere beispiele (
vgl. acta publ. 1, 113
P.).
s. noch aber-, arg-, misz-, widerwille.
einen schweiz. ortsnamen Unwillen,
entstanden aus ovile, erwähnt Andresen
volksetym. 236
6. 11)
mit un IV A
nichtwollen, nichtwille, absichtslosigkeit, seltener das ungewollte. s. wille 1, 2;
mnl. wb. 5, 1585, 1. a)
zunächst wie im an., ags., as. in präpositionsverbindung. mit unwillen
wider willen, ohne es zu wollen, unabsichtlich, gezwungen. vgl. mit willen
th. 14, 2, 158: mit thinemo unwillen Otfrid 5, 15, 44;
städtechron. 17, 223 (
Mainz 15.
jahrh.); disser kerker ist das gesetz, darynnen unszer gewissen gefangen ist und mit unwillen unter yhm Luther 10, 1, 1, 364
W.; gleych wie Christo alle creaturen dienen müssen, auch mit yrem unwillen, also müssen sie auch eynem christenmenschen dienen 12, 424
W.; 26, 639
W.; ydermann vast, wann und wie er selbert will, also gefastet ain tag ist besser dann mit unwillen (
ohne dasz es mit seinem willen übereinstimmt) tausent tag gefastet
reform. flugschr. 2, 15
Clemen; wer aber dem andern schaden thet mit unwillen (
ohne es zu beabsichtigen), und nit gern, und nit mit anschlag, der solt den schaden einfeltig bezalen Pauli
schimpf u. ernst 393
Ö.; und nötet yn alsdann den glauben Christi auch mit unwillen auf S. Franck
weltb. 35
b; niemandt sündt mit unwillen, alle sündt geschehen freiwillig
sprichw. (1541) 1, 72
b; es sind viel mit unwillen (
nicht aus sittlicher entschlieszung) from ohn ihren dank Petri C c 7
a; was solle dann guts darausz (
aus der ehe) folgen, wenn man einander mit gewalt und unwillen zusammenzwingen will? Sandrub
kurzweil 13
ndr.; es ist freilich mehr denn allzuwahr, dasz die teutsche herren und stände diejenige herrschaften und güter, welche sie von so langen zeiten her besessen, mit höhestem unwillen (
nur unter stärkstem zwange) widerumb werden abtretten Rist
friedejauchz. Teutschland (1653) 114; ich nenne und halte für keinen tyrannen, der zwar regieret, auch mit unwillen seiner unterthanen Schupp 557; wie ich dann selbsten einen gekennet, der ..., obschon mit unwillen der krankenwarterin, seinen geist aufgeben Abr. a
s. Clara
merks Wien 93; so weichet der mensch aus menschlicher schwachheit ohn vorsatz von dem gesetze der natur ab, und unterweilen mit seinem grösten unwillen (
ohne es im geringsten zu beabsichtigen) Wolff
v. d. m. thun u. lassen 44. mit willen oder unwillen
ob man es will oder nicht (
vgl. mhd. wb. 3, 663
a, 37;
mnl. wb. 5, 1585): so er sie (
ein schönes weib, eine tochter oder base) sahe, so muszte sie ihm werden, es war mit willen oder unwillen
V. Schumann
nachtb. 332
B.; gibs dem unsinnigen zu essen ..., wie du es in ihn bringen kannst, er sey mit willen oder unwillen Gäbelkover
arzneib. (1595) 1, 70; übrigens würde mein brief sich recht bunt endigen, wenn ich von dem, was ich bisher mit willen und unwillen (
planvoll und planlos) getrieben habe, rechenschaft geben sollte Göthe IV 13, 217
W.; mit unbissen und unbillen
österr. weisth. 11, 723
a. b)
selten und als gelegenheitsbildung ohne solche präpositionsverbindung: der wille kann nur das gute, nur gott wollen, aller andere wille ist ein nichtwille, ein unwille R. Hildebrand
gedanken über gott 114.
mit bed. 3
c spielend: wenn die sterbenden wüszten, wie das, was sie ihren letzten willen nennen, so oft ganz anders, als sie meinten, ... zur ausführung gelangt, sie würden, fürcht ich, statt jenes letzten willens einen letzten unwillen kund geben Holtei
erz. schr. 10, 167. c)
nichtgewolltes, insbesondere unangenehmes, das man zu erleben hat (
vgl. 3
c).
in der verbindung seinen unwillen sehen;
mnd. wb. 5, 99
a;
mnl. wb. 5, 1589, 3;
nl. wb. 10, 2216: er sihet seinen unwillen dran Luther 5, 25
a Jena; ich bins alleine nicht, de sinen unwillen sicht Husemann
spruchsammlung (1575) 60
Weinkauff; willens ende ist unwillen
ackermann a. B. 12, 23
B. d)
adverbial '
ohne es zu wollen'
wurden in ält. spr. des unwillen, unwillens, unwillen
gebraucht; mhd. mnd. unwillens,
mnl. nl. onwillens: wan manig frumer man wol waisz, das des unwillen main vatter säliger auch umb etlich tausent guldin werd kam Füeterer
bayer. chron. 210
Sp.; da ich mit meinem buch mus den seelen gift furtragen unwissens und unwillens Luther 23, 278
W.; unwillen
ingratis, invite Reyher (1686) 02
a (
vgl. sinen unwillen Notker 2, 500, 11
P.). 22)
aus 1
läszt sich die bed. nausea, vomitus, nichtwollen, ablehnung verbunden mit widerwillen, natürlichem ekel, wohl ableiten (Weigand
syn. 3, 908; Fischer
schwäb. wb. 6, 277;
im mnl. wb. 5, 1587
wird der ansetzung zweier verschiedener wörter u.
mit recht widersprochen),
aber das sprachgefühl konnte nicht umhin, einen zusammenhang mit wille, wülle, willen, wüllen (Lexer 3, 889; 892,
ahd. wullôn, willôn Graff 1, 838;
gramm. 4, 232)
herzustellen. abhominatio, verworfen ding und unlǒstlich, und stinkende ding, dasz eym eyn unwillen bringt, als ob er wOelt kotzen Diefenbach
gl. 2
c;
nausea, corruptio, vomitus Graff 1, 825; 829;
fastidium in cibis, unwillen Frisius 546
a;
stomachum movere dicuntur herbae, machend einem den unwillen oder das erbrächen, reitzen ze kotzen 842
a;
stomachum comprimere, dem unwillen weeren 274
a; Höfler
krankheitsnamenb. 805
b; Frisch
und Adelung
kennen es noch, Fischer
schwäb. wb. 6, 277
zweifelt, ob es im schwäb. noch lebendig ist, Campe
erwähnt es aus dem osnabrückschen. vgl. 2unwillen,
verb.: unser seel hat ein unwillen ... ab diszem brot (
4. Mos. 21, 5) Keisersberg
postill 3, 38
b; es sind ettlich, so sy im schiff faren, fallen sy in unwillen, in ain schwilckerung und schwindel, also das sy sich gespeyen müssen
schiff d. penitenz 62
b; Schmidt
els. wb. 384
a; Paracelsus
chir. (1618) 353 B
H.; man sol im (
dem fieberkranken) ein lau und wenig gesalzen wasser geben und damit unwillen machen Khüffner
Celsus (1531) 32
a; müntz ... hilft für unwillen
M. Herr
schachtafeln d. gesundheit (1533) C 1
a; der unwill kumpt mir schon Menius
Naogeorgs kaufmann (1540) J
a; aufstoszenden unwillen J. Dryander
der ganzen arzenei gemeiner inhalt (1542) 28
a; der mit unwillen essen sol, dem schmecket kein trank noch essen wol Eyering 1, 303; davor mich ein solcher unwill anstiesze, dasz ich alles herauskotzen muste Grimmelshausen
vogelnest 2, 367
Keller; was fett ist, macht unwillen v. Hohberg
georgica 1, 165; weinbeer- oder rosinenwein ... vertreibet unwillen, husten und keichen 3 (1715), 281
b; sauerampfer ... benimmt den unwillen des magens 3, 396
b.
vgl. unwillen,
n. und unwillunge, unwullunge. 33)
mit un IV B
als gs. zu wille II A 7,
mangel an zuneigung, wohlwollen, einvernehmen, freundlicher gesinnung u. ä. sowie deren gth. schon im altgermanischen verbindet sich mit der ablehnung ein starkes gefühlsmoment, so dasz sich die bedd. widerwille, abneigung, hasz, streit, uneinigkeit, miszhelligkeit, feindseligkeit, ärger, verdrusz, entrüstung, unzufriedenheit, zorn u. dgl. ergaben, bedeutungen, die dann in der neueren spr. erheblich abgeschwächt wurden. a)
widerwille, überdrusz: gebeth ... mit unwillen und unlust Luther 2, 82
W.; gleich als wenn eine magd einen man neme mit unwillen und gantz on ehlichs hertz gegen dem man 26, 160
W.; ich hab einen unwillen ab den brandopfern der wydern und ab der feyste der gemesteten
Züricher bibel (1530) 321
a (
Isaias 1, 11); darumb das ... ir seel an meinen satzungen ein unwillen gehabt hat
Züricher bibel (1531)
3. Mos. 26
G.; und waren die gsellen so gar ungeschickt, das ich schier ein unwillen hatt mer zuo truocken Th. Platter 98
B.; (
ich habe) ab allem dem, wasz rundt und gelöchert ..., ein unwillen gewunnen
F. Platter 154
B.; Dedekind
christl. ritter (1580) A 3
b; ein theil der nation ... hat sich aus unwillen wider den französischen geschmack empöret Nicolai
lit. briefe 7, 160; ich wünschte gar sehr, dasz ... die kosten für das runde zimmer vermindert würden, damit nicht gleich anfangs sowohl durchl. dem herzog als meinen herrn mitcommissarien ein unwille gegen diese arbeit erregt werde Göthe IV 14, 26
W.; mit unwillen
unwillig, mürrisch; vgl. über willen: was einer mit unwillen thut, kommt ihm noch so saur an Aler (1727) 2, 2110
b; Wander 4, 1489, 5
ff.; Hugo v. Trimberg
renner 1921
E.; 3130
ab E.; 18047
E.; ein iglicher (
gebe) nach seinem wilkOer, nicht mit unwillen (
ex tristitia) oder aus zwang
2. Kor. 9, 7; es war auch solches suchen etlichen leyd, dieselben suchten mit unwillen und unfleisz
b. d. liebe (1587) 91
b; ein unwilliger will ist ein (
l. kein) freyer will, gezwungener will ist ein unwill Lehmann
florileg. (1662) 2, 913; freundlich etwas abschlagen ist besser als mit unwillen geben oder tuhn Butschky
Pathmos 258. b)
miszhelligkeit, zwietracht, streit, fehde, feindseligkeit und deren äuszerungen. dissensio Diefenbach
gl. 186
c;
discordia n. gl. 137
b; Lexer 2, 1987;
mnd. wb. 5, 99
a;
mnl. wb. 5, 1589, 4; Söderwall 190
a; Fischer
schwäb. wb. 6, 277, 3; groszer, sonderer, verursachter, beständiger, gefaszter, allerley, erfolgter unwille Sattler
phraseologey (1631) 477: obe eyn on wille tusschent unsem lieben herren und gemahle und uns ufferstanden sii
privatbr. d. ma. 1, 31
Steinhausen; derhalb ... vil gezanks, unwillens, zwitracht und unmutz entstanden ist
Nürnberger polizeiordn. 121
Baader; Lori
bergr. 54; wie sich unwillen machet zwischen marggraf A. ... und den von
N. städtechron. 2, 123 (
Nürnberg 15.
jahrh.);
lehnsurk. Schlesiens 2, 47; begab sich ..., dasz E., zuo den selben zyten babste, etwas unwillens gegen im (
kaiser Sigmund) empfangen hatt
N. v. Wyle
transl. 13, 10
K.; soll hiemit aller unwill, der sich zwischen den oberkeiten und ... underthanen under dieser empörung zugetragen, hyngelegt und ab seyn Luther 18, 340
W.; verhüten, das keyn unfuog oder unwill auf diesem fest fürgenommen würd
Aymont (1535) K 4
a; der raub ... der (
sabinischen) frawen und jungfrawen, durch die doch zuoletst der unwill gestillt ward Carbach
Livius 6
a; Fries
würzburg. chron. 307
a; manche ungeschlachte menschen müssen unwillen und feindschaften üben, gott gebe, wo sie leute nemen Fr. Wilhelm
sprichw. reg. a a y
β; es ist oft ein heimlicher oder verborgener unwille zwischen eheleuten O
α; disputiren und streiten der secten ..., darausz nichts als krieg und unwillen, auch verwüstung land und städte herkomt Jac. Böhme 2, 364; mit einem in unwillen und hasz leben Corvinus
fons lat. (1646) 791; ein herr hat keinen ärgern feind als einen diener, der mit unwillen von ihm scheydt Lehmann
florileg. (1662) 1, 142; eingewurzelter unwille (
des ehevolks) Abele
unordnung 2, 187; A. Olearius
pers. baumgarten 2, 14; im unwillen leben mit einem Schmeller-Fr. 2, 891. '
beleidigung': wem du nit glaubest noch vertrauest, dem erzaygestu unere und unwill als ainem unwarhaftigen B. v. Chiemsee 45; '
gemetzel': Rätel
Curäi chron. 258; '
widersetzlichkeit'
nl. wb. 10, 2216.
vgl. noch mnd. unwillen,
verb., streiten, und 1unwilligen. c)
ärger, verdrusz, miszfallen, unzufriedenheit, entrüstung, zorn, hasz, schmerz u. dgl. mnd. wb. 5, 99
a;
mnl. wb. 5, 1586, 2;
nl. 10, 2216.
displicentia Diefenbach
n. gl. 55;
stomachus Frisius 1245
b;
offensa, offensio 875
b; 911
a;
gravari operam, mit unwillen ... helfen 918
b;
invidiam alicui facere, eim ein ungunst oder unwillen schöpfen 533
a;
difficultas in audiendo, müysäligkeit oder unwillen ze losen oder ze verhören 415
a; einen unwillen auf sich laden, unwillen einlegen, machen Dentzler (1716) 334
a;
chagrin Apinus (1728) 113; Schambach 244
b: hochfertig frowen synd untregelich, ab denen görczender unwil billig ze nemen ist Steinhöwel
ber. frauen 64
Dr.; tAet er es nit, so mst er iren unwillen haben
heiligenleben summerteil (1472) 77
a; ich musz mich von üch scheiden mit unwillen Keisersberg
bilgerschaft (1512) 23
a; besorgent, er mocht des (
des bischofs) unwillen auf sich laden
Wilwolt v. Schaumburg 164
lit. ver.; werden sye gar groszen unwillen auf dich werfen und schellig uber dich werden Hutten 2, 111
B.; nulli irasci, unwillen thun Luther 20, 456
W.; Zwingli
d. schr. 1, 32;
freiheit d. speisen 42
ndr.; du solst auf den singer gar kainen unwillen ... haben Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 4
a; allen iren unwillen, so sy zuo iren eemannen tragen, schütten sie den münchen in buosen E. v. Günzburg 1, 60
ndr.; dadurch er in unwillen gottes fellet Paracelsus (1616) 2, 432
H.; V. hielt zwen bären an seinem hoff, denen er alle die fürwarf, auf welche er einen unwillen gewann Heyden
Plinius 186; das ... durch unwillen der knecht ein aufruhr und zusammenlaufen ist worden Fronsperger
kriegsb. 1, 12
b; P. der war fast weisz und wolt (
an seinem hochzeitsfeste) niemandts unwillen haben
b. d. liebe (1587) 339
a; (
ritter) die sich mit groszem unwillen von iren jungfrauwen scheiden muszten 242
b; nun hatte der stadthalter dannoch einen heimlichen unwillen auf unsere gesellschaft geworfen Buchholtz
Herkuliskus 92; A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 69; manchmal heiszt auch ein kleiner zorn eines obern in dem munde seiner untergebenen der unwillen Gottsched
beobachtungen (1758) 375; ach, schweig, mein mutter, stille, habt daran kein unwillen
volkslied bei Herder 25, 109
S.; Mittler
volksl. 101; mit liebe nehme ich dich, und mit unwillen lasz ich dich Düringsfeld
sprichw. 1 (1875), 365
b.
synonyma: unwillen, neid und grollen Keisersberg
narrenschiff 33
b; mit unwillen und verdrieszen H. Sachs 3, 302, 7
K.; u. und verdrusz Carbach
Livius 49
b; abgunst und u.
theatrum diabol. (1569) 302
a; verdrusz, eckel und u. Zinkgref
apophthegmata (1628)
b 3; eyver und u. J. Arndt
nachfolge Christi 9; u. und schaden G. Arnold
ketzerhist. vorr. 2; miszvergnügen, u. Bodmer
v. d. wunderbaren 18. '
schaden' (
mnl. wb. 5, 1589, 5): es ist so mehr der erste unwill als der letzte Petri B b 6
a,
erläutert von Pistorius
thes. 2, 185: man hüte sich vor der ersten auslage,
wenn man einem unsichern schuldner leihen soll; aber es ist besser der erste als der letzte unwille (
beim verlust des kapitals).
gegenstand des unwillens: gots wort ist im ein unwill und greuel S. Franck
sprichw. (1541) 2, 32
a.
bildlich: in die gefengnusz des unwillens und widerwertigkeit gerathen Albertinus
Lucifers königr. 4, 6
L. für unwillen nehmen,
mnd. to unwillen nemen
wb. 5, 99
b;
nl. wb. 10, 2216,
moleste accipere, gravari: auch sagt er (
Eulenspiegel), wer es inen (
den gefoppten schneidern) nit zuo willen und zuo dank, dasz sie das dann nemen für unwillen und haben keinen dank darzuo
Eulenspiegel (1515) 80
ndr.; veraltet. d)
die bed. c hat sich im zusammenhange mit entwickelterer gesellschaftlicher bildung und der populären moralphilosophie des 18.
jahrh. so erheblich abgeschwächt, dasz fast alle früheren bedd. veralten muszten. u.
ist nun eine maszvolle, vollständig in schranken gehaltene gemütserregung, die durch eine beleidigung des sittlichen oder ästhetischen gefühls hervorgerufen wird; Eberhard-Lyon
syn. (1904) 854
f. vgl. unmut 1
b β, ungehalten 2
b. Adelung
wies u.
eine mittelstellung zwischen zorn
und miszfallen
an. indignacio unwille Diefenbach
gl. 294
c. Campe
gibt im verd. wb. (1813) 372
b u.
für indignation; 'indignation
drückt indesz den begriff stärker aus, und wir müssen daher da, wo es darauf ankömmt, ihn in seiner ganzen stärke wiederzugeben, entweder tiefer unwille
oder empörung
dafür sagen'. '
der unwille
ist ein miszvergnügen mit tadel der dasselbe veranlassenden person;
die indignation schlieszt ebenfalls ein solches urtheil in sich, ist aber mit verachtung verbunden; die entrüstung und empörung des gefühls ist eine entgegensetzung des durch das gemeine verletzten höheren' E. Burdach
bei Sanders
syn. (1882) 280
f. die heutige bed. kann auch in belegen der ält. spr. enthalten sein, doch steht der ältere gebrauch meist c näher als d; so sprach er im zu mit schmachworten ... wann das ainer hort, so gieng er in unwillen hinweg Steinhöwel
Äsop 60
Ö.; der graff weszt aber nit umb den unwillen, so seine diener gegen
F. hetten
Fortunatus (1509) 10
ndr.; laszt uns nicht so verzagt sein und ... fur des teufels schrecken so schendlich fliehen, davon er eine freude und spott uber uns und gott ... einen unwillen und unlust hat Luther 23, 360
W.; das Christus den schatzpfennig geben hat, das er niemans zuo unwillen bewegte Zwingli
freiheit d. speisen 29
ndr.; ihr werdet ja euch dargegen meiner gegenwart lassen gefallen und kein unwillen darob haben
engl. comöd. 284
Creizenach. näher kommen dem heutigen begriffe: hat er (
kaiser Sigismund, von einem unbescheidnen bittsteller im essen gestört) mit unwillen diese wort auszgestoszen Zinkgref
apophthegmata (1628) 59; dasz man sich derer wörter enthalte ..., darob ein reinlich und schamhafter mensch einen eckel und unwillen fassen könte Buchner
poeterei (1665) 30; endlich sagte der organist, gleichsam mit unwillen: sie alle ... hätten gut lachen Prätorius
glückstopf (1669) 162; Lohenstein
Arm. 1, 12
a; ich habe mir dadurch schir meiner fraw mutter ... unwillen überen halsz gezogen Elis. Charl. v. Orleans 1, 2
M. wörterbücher bezeugen bis ins 18.
jahrh. den widerstand gegen die abgeschwächte bed.: für unwillen zerbersten mögen Kramer (1702) 2, 1390
a; Frisch (1741)
gibt im reg. 53
c für indignatio zorn, unmuth, unwille, unwürsche, unwürschigkeit, die höne, verdrusz.
doch wird der literarische gebrauch fest: als diesem groszen keyser seine Livia einmal in einem sehr prächtigen schmucke aufgestoszen, ... bezeigete (
er) durch sein stillschweigen seinen unwillen darüber
discourse der mahlern 2, 127; der todtengräber, welchem diese meine rede so wol thate, dasz er allen auf mich gefaszten unwillen fahren liesze ... Lindenborn
Diogenes 1, 10; die grausamkeit erzeugt das entsetzen, der schmertz das mitleiden, die falschheit den unwillen Ramler
einl. in d. sch. wissenschaften 2, 274; aber halten sie immer dem unwillen eines getäuschten lesers ein hartes wort zu gute Lessing 8, 7
M.; voll unwill sprang ich auf 1, 195
M.; ich fand, dasz man noch lange nicht so viel böses davon gesagt habe, als man wohl sagen könnte, und beschlosz in dem ersten unwillen, sie (
die schriften) ganz zu verwerfen 7, 415
M.; wer lieset ohne unwillen ein gedicht, darinn er ... lächerlich gemacht wird? Dusch (1758) 131; ihr letzter brief ist voller unwillen, dasz unsre verbindung so lange aufgeschoben worden Gottschedin
br. 1, 97; man gebe keinem andern unwillen raum, als etwa solchem, der aus wahren oder eingebildeten beleidigungen entstehe, die uns selbst zustoszen Zimmermann
einsamkeit 2, 245; kein unwille flammte in ihnen
theater d. Deutschen (1768) 1, 181; fast erregt es unwillen, wenn man eine edlere denkart von einer schlechteren ... verspottet siehet Herder 19, 402
S.; unwillen, den menschen am glück der unwürdigen haben 15, 398
S.; woher der unwille, den wir empfinden, wenn einen gesang ... geschwätz unterbricht? 27, 193
S.; seinen unwillen auslassen Nicolai
Nothanker 1, 10;
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 247; 1, 132; nicht ohne unwillen werden unsre leser jene blätter ... durchlaufen Göthe 40, 197
W.; der unwille unseres erbgroszherzogs über die zigeunerwirtschaft eines instituts IV 31, 45
W.; der graf trat mit einigem unwillen, wie es schien, herbei, er sah ernst, ja feierlich aus Göthe 23, 297
W.; streng, aber ohne unwillen, ruft sie ihm zu 45, 262
W.; ich fühle die schönheit ihres unwillens Schiller 3, 25
G.; es ist nicht unwille, der aus mir spricht J. G. Forster 7, 229; dem unwillen luft machen A. W. Schlegel im
Athenäum 2, 331; unwill und schmerz ringt mir in trüber seele Tieck (1828) 1, 242; Fichte 5, 46; so empfinden wir (
bei einem unechten kunstwerke) ekel und unwillen Schopenhauer 2, 479
Gr.; die Böhmen bekamen seinen unwillen zu fühlen Ranke
s. w. 7, 23; G. Keller 1, 158; die hellen braunen augen ... blitzten, wenn unwille die starken brauen zusammenzog, durchdringend auf alles, was das zarte gefühl des rechtschaffenen mannes beleidigen konnte 6, 147; gewaltig brauste der unwille der soldaten auf Mommsen
röm. gesch. 3
4, 35; ich schluckte meinen unwillen hinunter L. v. François
Reckenburgerin 1, 110.
attribute: philosophischer, rühmlicher, schreiender, ehrlicher, allgemeiner, gerechter, edler, verachtender, wahrer, anfänglicher, höchster, billiger, himmlischer, heftiger, bitterster, moralischer, frommer, stiller, demokratischer, öffentlicher, freundlicher, innerer, steigender, scheinbarer, zürnender, prosaischer, hülfloser
u. s. w. Gottsched
schaubühne 1, 248; Cramer
nord. aufseher 1, 65; Laroche
frl. v. Sternheim 2, 118; Nicolai
Nothanker 2, 39;
reise 6, 619; Lavater
verm. schr. 2, 219; Wieland
Lucian 6, 100; Herder 23, 139
S.; Lichtenberg
br. 2, 168
L.; Hegner
ges. schr. 359; Göthe IV 29, 168
W.; I 48, 109
W.; Schiller 2, 54
G.; 13, 357
G.; 4, 172
G.; Jean Paul 49/51, 108; Hauff (1890) 2, 51; Immermann 3, 42
B.; Caroline 1, 102
W.; Schleiermacher I 12, 682; Hölderlin 2, 155
L.; brüder Grimm
sagen (1891) 2, 31; O. Jahn
Mozart 1, 204; Böhme
gesch. d. tanzes 62; Scheffel (1907) 2, 79; Treitschke
hist. u. polit. aufs. 1, 37; Ebner-Eschenbach 4, 41. ein kleiner unwille
indignatiuncula: ich habe einen kleinen unwillen in ihrem letzten briefe bemerket Gellert 9, 233; Göthe 35, 181
W.; Fontane (1890) 7, 50. die sprache der wahrheit und des unwillens Lessing 2, 293
M.; stunde, thränen, last, laut, sturm des unwillens Miller
Siegwart 1, 18; Klinger
n. theater 1, 8; Göthe 19, 128
W.; Brehm
thierleben (1890) 1, 436; Ebner-Eschenbach 1, 140; ausdruck von unwillen Polenz
Grabenhäger 1, 86;
ra. schrei (
franz. cri) des unwillens: des unwillens allgemeiner schrei Rückert 10, 370; schrei des unwillens G. Büchner
nachgel. schr. 67; O. Ludwig 5, 134; G. Freytag 11, 96; Moltke 4, 129.
gelegentlich auch von thieren (Eberhard-Lyon [1904] 948): voll muthigen unwillens entwurzelt er (
der stier) wälder maler Müller 1, 128.
zusammensetzungen: unwillensbezeugung, -geberde, -votum Zschokke 38, 208; B. Goltz
jugendleben 3, 104;
Berliner krakehler (1848) 28; unwillensvoll Zschokke 21, 188. —