grauen,
vb. ,
grau sein, werden. zu grau,
adj. (
s. d.).
ahd. grâwên,
mhd. grâwen.
noch im 16.
und frühen 17.
jh. grawen
mit orthographischem w
für zu u
vokalisiertes stimmhaftes w.
die schreibung grauen,
zuerst im späten 16.
jh., setzt sich (
später als für 2grauen)
im frühen 17.
jh. durch. frühnhd. nebenformen: grauwen Maaler
t. spr. (1561) 192
a; Boterus
allg. weltbeschr. (1596) 1, 352; graen (
md. 1414) Diefenbach
gl. 95
a; Hans Sachs
s. fabeln u. schwänke 4, 399
ndr.; graet (3.
sg. präs.) Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 82
b; groben (
obd., anf. 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 95
a. 11)
in sachbezogener anwendung, ohne nebenton. 1@aa)
grau sein, grau erscheinen. so schon ahd. in der wiedergabe von lat. canere. im hinblick auf die silbergrau schimmernden blätter der weide: canentia (...
salicta) (
Virgil georg. 2, 13) grauventiu (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 631, 13
St.-S. im hinblick auf die silbergraue färbung von gewächsen, auf denen tau liegt, offenbar im anschlusz an einen antiken topos; vgl. grau,
adj. A 6 a: (
gramina) canænt (
Virgil georg. 3, 325) crvven (11.
jh.)
ebda 2, 639, 18.
ähnlich in junger bezeugung im hinblick auf den von eis, reif oder tau bewirkten farbeindruck, aber schon unter einflusz des gebrauchs von 3 b: ich bin so hold den sanften tagen, wann in der ersten frühlingszeit der himmel, blaulich aufgeschlagen, zur erde glanz und wärme streut; die thäler noch von eise grauen, der hügel schon sich sonnig hebt Uhland
ged. (1898) 1, 12; es graut vom morgenreif in dämmerung das feld Mörike
ges. schr. 1, 110
Göschen; es tagt ... wachholderbüsche, blaugrün dichte schar, graun auf granit von perlenblässe triefend Carossa
ged. (1912) 42. 1@bb)
grau werden: vigen, die von den zwige slifen swenne so die ersten rifen und uzen grawen als ein schimel Heinrich v. Hesler
apokalypse 12 165
Helm; ehr wird man schwarze schwanen schauen, die raben weiszlich sehen grauen, ... als eine jungfer sonder wanken Stieler
geharnschte Venus 37
ndr. im spiel mit der bedeutung 2 a: ietzo wil ein iedre (
frau) grauen (
mit hilfe von puder), ob sie gleich nicht grauen (
alt und grau werden) soll, wolln sie augen oder nasen (wer verstehts?) gefallen wol Logau
s. sinnged. 656
lit. ver. mehr '
ins graue spielen': doch kritiker hört man ins ohr sich raunen: phantastische prospekte (
Schinkels bauten), nicht viel dran, im colorit hat er noch nichts gethan, sein blau will grauen nicht, sein grün nicht braunen Brentano
ges. schr. (1852) 7, 287. 1@cc)
speziell '
schimmlig werden'.
vorwiegend mundartlich, s. schweiz. id. 2, 832; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 265
b; Follmann
Lothr. 214
b: da es sehr feucht und ungesund, und grauet alles (1637)
in: schweiz. id. 2, 832; es grauet ... von schimmel
tutto è bianco di muffa Kramer
t.-ital. 1 (1700) 557
c.
dazu mundartliche wendungen wie: dem (
reichen) groə die dalere '
werden schimmelig'
rhein. wb. 2, 1371; 's geld lā
n grawe
n '
unbenutzt liegen lassen'
schweiz. id. 2, 832; dem tāti brod grāwen (
wenn er noch länger von hause fortbliebe),
spöttisch von einem dienstboten, der seinen dienst vor der zeit verläszt ebda. 22)
ergrauen, grau werden, als folge und zeichen des alters oder eines kummer- und sorgenvollen lebens, auch geradezu im sinne von '
altern'.
der zunächst deutlich ausgeprägte gedanke an die farbqualität des haares kann gelegentlich verblassen (
s. bes. unter a
β)
oder gänzlich zurücktreten (
s.b).
seit dem älteren nhd. mehr und mehr auf die gehobene sprache beschränkt und seit dem 18.
jh., abgesehen von dem partizipialen gebrauch unter γ,
fast ganz verdrängt durch ergrauen (
s. d. 2)
und grau werden (
s. unter grau,
adj. A 2; 3; B 1).
vgl.grawen, graven (
md. 15.
jh.); graen (
md. 1414); groben (
obd. anf. 15.
jhs.) Diefenbach
gl. 95
a s. v. canere, canescere; caneo grawen, graw werden, weysz oder alt werden, vast alten Frisius
dict. (1556) 183
a; vor alter grauen
prœ senectute canescere Stieler
stammb. (1691) 696. 2@aa)
im eigentlichen sinne vom haar, im rahmen einer metonymie auch von menschen, seltener von tieren, und von körperteilen, die haare tragen. 2@a@aα)
von haar, bart, schläfe u. ä.: schouwet an mîn hâr, daz gevar ist als ein îs: daz grâwet mir, des ist niht rât, wande mir von getelingen niwan leit geschach Neidhart
lieder 93, 3
Haupt-W.; daz hâr grâwet von der kelten des hirns, wenne diu nâtürleich hitz sô krank wirt, daz si des hirns kelten nicht mag gesenftigen, ez sei von alter oder von sorgen oder von unfuor Konrad v. Megenberg
buch d. natur 7
Pf.; nun, da die haare grauen, und sich das alter naht Triller
poet. betracht. (1750) 4, 351; dasz seine haare seit einiger zeit stark zu grauen anfingen Pestalozzi
s. schr. 5, 445
Buchenau-Spr.; da von so grawet mir der loc Neidhart
lieder 102, 1
var. Haupt-W.; mutter, deine lokke graute früher, denn du härmtest dich Schubart
leben 2 (1793) 199; waz ie meinem leben tzam, daz waz der sel widerpart, dovon so grabet mir der part Peter Suchenwirt 44, 16
dt. nat.-lit.; für alter grawet jhm der barth Rollenhagen
froschmeuseler (1595) Qq 5
a; mein scheitel graut vor noth, viel hoffnung ist beschnitten J. Chr. Günther
ged. (1735) 581; Pfeffel
poet. vers. (1802) 4, 167; das erst das da grawet an dem menschen das seind die schlAeff Keisersberg
granatapfel (1510) b 5
d; so bewahre dir deine sehnsucht rein und du wirst ein staunend kind bleiben, ob auch deine schläfe graut Kolbenheyer
meister Pausewang (1910) 52.
vereinzelt reflexiv: der leib grawet sich am har vor der zeit des alters Brentz
pred. Salomo (1528) 31
b. 2@a@bβ)
von menschen, seltener tieren. mit deutlichem bezug auf die farbqualität des haares: unde leid habet mih alten getâ
n. fone dîen dingen grâuuên ih ze unzite (
funduntur uertice intempestiui cani) Notker 1, 8, 3
P.; niemen vrâge mich war umbe ich grâwe jâ wânte ich daz ich geruowet solde sîn vor den getelingen Neidhart
lieder 60, 18
Haupt-W.; man sicht offt ein jungen bald grawe werden ... vnd einen garuil eltern sicht man nit grawen Hartlieb
Ovid (1482) 11
a; das die menschen in gewissen geschlechtern vor den jahren inn der besten blet zu grawen pflegen Olorinus
martinsgansz (1609) 27; ferner ist ein gewisses kennzeichen des alters an einem pferd, wann es grauet, das ist, wann es bey den augbrauen ... weisse haare bekommet Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 84
b.
mehr im sinne von '
altern',
bei gleichzeitigem verblassen des gedankens an die farbqualität: du grawist herre min
könig Rother 5124
de Vries; wer das tätt, der wurd genem got vnd der liebsten muoter sein ... er wurd in sälden grawen
liederb. d. Hätzlerin 115
a Haltaus; wohl dreyszig jahre graut er (
der krieger) in der legion: und armuth ist der preis, und landmiliz sein lohn!
anmuth. gelehrsamk. 2, 379
Gottsched; wenn de aue (
alten) fangen a ze graue, fange sei auch a ze kraue (
mürrisch zu werden)
rhein. wb. 2, 1371. 2@a@gγ)
zu α und β stimmend, als attributives part. präs. neben haar, haupt, schläfe, held
u. ä.; erst seit dem 18.
jh. bezeugt und, im gegensatz zu α und β,
auch jünger, namentlich in gehobener sprache durchaus geläufig: sein kopf im grauenden hinterhaupthaar ... ist der kopf eines gütigen verständigen mannes Gleim
briefw. 1, 274
Körte; wird mir unter meinen grauenden haaren manchmal bange Chamisso
w. (1836) 5, 260; das grauende haar und der bart ums kinn waren kurz geschnitten Rosegger
schr. (1895) I 8, 73; du (
gott) läszt mein grauend haupt mit grünem segen schmücken Triller
poet. betracht. (1750) 5, 25; mit grauenden schläfen J. H. Voss
antisymb. (1824) 1, 230; in der seele des grauenden helden Denis
lieder Sineds (1772) 169; so raubten sie dort den blühenden jüngling, grauender ältern einzigen trost Pyrker
Tunisias (1820) 41. 2@a@dδ)
substantiviert: in solcher zeit seins (
des körpers) stillstehens vor dem grawen vnd entferbung desz haars Paracelsus
opera 1, 830
Huser; in der glut des aufgangs röthlich glänzt der locken grauen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 212. 2@a@eε)
sprichwörtliches: das eysen rostet, der mensch grauet Lehman
floril. polit. (1662) 1, 15; die jüngsten haar grauen gemeiniglich am ersten Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Q 6
a; er graet eh zeit, wie ein katz in muotter leib Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 82
b; (
die im zeichen des saturn geborenen) reden wie die offenheimliche comedische spilpersonen vnd chremetes mit jhnen selber: haben esels art, grawen in mutterleib Fischart
aller practick groszm. (1607) C 5
a; in der obern Pfaltz fragte ein junger, doch grawer, einen alten vnd nicht grawen: warumb er nicht graw, da er doch so alt, vnd er hingegen so jung, vnd gleichwol graw were: der alte sagte: ein esel grawet auch in mutterleib. der jung antwortet: die narren aber grawen gar nicht, weil sie keine sorg haben Zinckgref
apophthegmata (1628) 371; der esel graut scho
n im mutterleib
e sagt man bei frühzeitig ergrauenden haaren Fischer
schwäb. 3, 809; wer sich nicht gremet vnd schemet, der grawet nit leicht Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Iii 8
a; thoren grawen nicht
ebda Tt 4
a; der wolff grauet zwar, aber er bleibt ein wolff
M. Kramer
t.-ital. 1 (1700) 557
c. 2@bb)
übertragen in der beziehung auf gegenständliches und abstraktes. 2@b@aα)
das alter von gegenständen umschreibend: ein hausz das erst erbawet sieht einer lieber an, alsz das für alter grawet, vnd kaum noch stehen kan Tscherning
dt. get. früling (1642) 232; weil das alter in ehren zu halten, so solte man auch diesen mantel, welcher bereit zu grauen angefangen, nicht so beschimfen und verunehren Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 282.
anders nuanciert, im zusammenhang eines bildes von a
α her, von einem wein, dem das alter nicht schadet: da ain abendtrunk war berait, auch wein von hundert virzig jar, welchem doch groet noch kain har Fischart
glückhaft schiff v. Zürich 27
ndr. 2@b@bβ)
in der beziehung auf abstrakte gegebenheiten. im sinne von '
bestand, dauer haben', die liebe, das glück, der friede (
u. ä.) graut;
z. t. in sprichwörtlicher form: das gelcke grauet selten Winckler 2000
gutte ged. (1685) G 2
b; da ward das kriegs-glck, welches mit grauen hAeuptern selten grauet oder blhet, ... ihm abfAellig Valvasor
hertzogth. Crain (1689) 2, 470; rechte lieb grauet nimmer Lehman
floril. polit. (1662) 3, 300; was wahrheitsinn erbauet, reiszt wahnsinn trotzig um, noch eh daran herum des alters friede grauet Tiedge
w. (1823) 2, 200.
mehr verstärkend in tautologischer verbindung: (
das laster, d. i. das papsttum) finster gerunzelt vor grauendem alter Sonnenberg
Donatoa (1806) 1, 94. 33)
dämmern, dämmerig erscheinen. im bereich meteorologischer und atmosphärischer erscheinungen oder, in der beziehung auf gegenstände, wesentlich von da her bestimmt. 3@aa)
dämmern, von der morgen- oder abenddämmerung. 3@a@aα)
im hinblick auf den tagesanbruch. 3@a@a@aaαα) der tag graut, beginnt zu grauen
u. ä. mhd. vor allem im rahmen der tageliedsituation: ich sih in grâwen tägelîch als er wil tagen, den tac, der im geselleschaft erwenden wil, dem werden man Wolfram v. Eschenbach
lieder 4, 11
Lachm.; do der wechter entsup daz sich der tac vf hup vnd grawen begunde Herbort v. Fritslar
liet v. Troye 6657
Frommann; als man grâwen sach den tac
Lohengrin 1044
Rückert. ähnlich: ich hœr die vogele singen, von liebe scheide dich enzit. ein wolken grâwet gên dem tage: ich sihe in schône ûf dringen Jacob v. Warte 6, 4
in: Schweiz. minnesänger 254
Bartsch. dann erst wieder seit dem 18.
jh. neben der morgen graut (
s.γγ)
und unter voraussetzung des konkreteren der himmel graut (
s.ββ): der tag fieng kaum an zu grauen (1745) J. E. Schlegel
w. (1761) 5, 280; woher der freund so früh und schnelle, da kaum der tag im osten graut? Göthe I 1, 192
W.; es war ein sommermorgen und frühzeitig graute der tag Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 22; dann jagten sie hinaus auf die weide, über der langsam der tag graute Zillich
zw. grenzen u. zeiten (1936) 405. 3@a@a@bbββ) der himmel graut
u. ä.; seit dem 17.
jh. nachweisbar, aber vgl. schon 1504
unter ε: des morgens, als der himmel kaum zu grauen und der tag hAerfhr zu blikken begunte Zesen
adriat. Rosemund 24
ndr.; sie (
die bienen) müssen sich zur ruh verfügen, um, wenn der himmel graut, von neuem auszufliegen Triller
poet. betracht. (1750) 1, 27; der himmel grauet schon
bei Peter
volktüml. a. Österreich.-Schles. (1865) 1, 436. 3@a@a@ggγγ) der morgen graut,
seit dem 18.
jh., im anschlusz an ältere typen wie der morgen kommt, bricht an (
s. s. v. morgen I 1)
und unter voraussetzung von der himmel graut (
s. ββ): noch eh der morgen graut, gehst du, wohin du willst Zachariä
poet. schr. (1763) 2, 36; das (
blaukehlchen-)männchen singt ..., sobald der morgen grauet Naumann
vögel (1822) 2, 1, 423; der morgen graute, die wolken trugen blutrothen saum und bargen die sonne G. Freytag
ges. w. 8 (1887) 193; noch standen sterne am himmel; aber der morgen graute schon Cl. Viebig
die vor d. toren (1949) 160. 3@a@a@ddδδ)
anderes bleibt vereinzelt: der osten graut, der tag, scheint's, will erwachen Grillparzer
s. w. 8, 93
Sauer; nur sommernachts passiren die geschichten; kaum graut die nacht, so rückt der morgen nah, kaum dasz den wald die ersten strahlen lichten, entflieht mit ihrem hof Titania Storm
s. w. (1899) 8, 276. 3@a@bβ)
seltener und erst jünger im hinblick auf die abenddämmerung, der abend, die nacht (
anders unter α δδ), die dämmerung (
anders unter γ αα) graut: bald sang er (
Apollo als hirte), wie der lenz die ambra von sich wehet, ... bald, wie die sommernacht, in stillen thälern grauet, von zephyr abgekühlt auf trockne matten thauet Dusch
verm. w. (1754) 308; rette mich! denn sie (
die menschen) donnern nach uns (
den vögeln); stellen auf langen hügeln uns hin unsichtbare netze, wenn die dämmerung graut Klopstock
oden (1889) 2, 119; doch wird die sonne weichen, der abend stille grauen Göthe I 12, 242
W.; H. Mann
d. untertan (1949) 471. 3@a@gγ)
als attributives part. präs. 3@a@g@aaαα)
im hinblick auf den anbrechenden morgen. grauender himmel, morgen, tag
u. ä.: sie ... lagerten sich unter dem schon grauenden himmel Hunold
d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 841; sie brachen den schlaf des mächtigen auch am grauenden morgen, und hieszen ihn fliehn Denis
lieder Sineds (1772) 111; bei grauendem morgen machte er sich auf den weg Ganghofer
doppelte wahrh. (1893) 189; aber etwas anderes ist es, ... im grauenden morgen ... einen weiten weg zu überwinden P. Dörfler
d. komm. geschlecht (1932) 120; heute, da ich (
Japhet) mit dem grauenden tag vom nordlichen felsen in die unterhalb ausgebreiteten ebenen sahe Bodmer
d. Noah (1752) 17; wir ... erreichten bei trüb grauendem tage das grosze dorf Carossa
rumän. tageb. (1926) 62; sie war die botin der freude, diese trauer, sie war die grauende dämmerung, woran die unzähligen rosen des morgenroths sprossen Hölderlin
s. w. 2, 174
Hell. 3@a@g@bbββ)
selten im hinblick auf die abenddämmerung: wenn ein krieg bevorsteht, so zieht er (
der geist des schloszherrn) von seinem gewöhnlichen aufenthaltsort ... bei grauender nacht aus br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 125. 3@a@dδ)
in unpersönlicher konstruktion, es graut,
seit dem späten 18.
jh. 3@a@d@aaαα)
vornehmlich im hinblick auf den tagesanbruch, vgl. α: früh so bald es nur wird grauen Stephanie
d. j.
sämmtl. singsp. (1792) 201; im osten graut's, der nebel fällt Eichendorff
s. w. (1864) 1, 349; 's graut immer mehr, 's nebelt auch 'n biszchen Kluge
Kortüm (1938) 651. 3@a@d@bbββ)
seltener im hinblick auf die abenddämmerung; vgl. β: wenn's dann endlich graut und dunkelt, keine stimme ruft und hallt — schlafen musz dann auch der jäger, und es schläft mit ihm der wald Hoffmann v. Fallersleben
ged. (1887) 307. 3@a@eε)
substantiviert. die morgendämmerung: und so si danne mit einem cleinen schlaffe wart erleichtert, ader erquicket, wider umb uff stund so si vormercket di mitternacht, ader uff das wenigeste des himels graen vorquam (
zuvorkam)
Hedwigslegende (1504) E 3
a; die dunkelheit der nacht verlohr sich schon im grauen
spukereien d. teufels (1788) 21; der mond erlischt im grauen des morgens W. Raabe
s. w. II 2, 142
Klemm; im ersten grauen des ersten weihnachtstages R. Hoffmann
d. dt. soldat (1937) 102.
die abenddämmerung: schon meldet sich die abendzeit in frühem grauen
M. Greif
ged. (1889) 26. 3@bb)
in anlehnung an grau,
adj. A 8
und 9
charakterisiert das verb in jüngerer gewählter sprache die farbwirkung des grauen, trüben, undeutlich verschwimmenden, die durch bestimmte witterungserscheinungen hervorgerufen wird, die aber auch gegenständen der belebten und unbelebten natur anhaften kann, besonders sofern diese in einer atmosphäre des trüben und farblosen liegen. von dem sachlich nahestehenden gebrauch unter 1
durch einen stärkeren stimmungsgehalt unterschieden und sich darin mit dem gebrauch unter a (
bes. β;
γ ββ;
δ ββ)
berührend. auch hier nicht selten in der form des part. präs.: rings um schweigt der grauende wald, die einsame luft selbst hört nicht mehr der lerche gesang, und scheint nun entvölkert Zachariä
poet. schr. (1772) 2, 64; umsonst hebt ihre brust, gleich einem doppelhügel von frischem schnee, um den ein nebel graut, den dünnen weiszen flor Wieland
s. w. 22 (1796) 121; mein auge stürzt durch Herschels (
eines astronomen) tiefste ferne, wo kaum noch unsre sonne graut; und findet dort durch alle nebelsterne das unermeszliche betaut Seume
ged. (1815) 257; ich sah im mondschein liegen die felsen und das meer ... ich sah verfallen grauen das hohe königshaus, den könig stehn und schauen vom thurm ins meer hinaus Eichendorff
s. w. (1864) 1, 637; dort liegt der hafen, dorten graut die see, dort wölbt das weisze segel sich Freiligrath
ges. dicht. (1870) 5, 185.
auf das tagesgrauen (
vgl.a α)
anspielend: ein gipfel graut, der volle mond versinkt Carossa
ged. (1912) 40.
auch im hinblick auf räumlich fernliegendes: höheren schwung flog immer die liebe; in grauender ferne schwelgte trunken sein aug, er streckt in die ferne den arm aus Sonnenberg
Donatoa (1806) 1, 433; der nebelstrich der Alpen graute in nördlicher ferne Watzlik
d. rückzug d. 300 (1936) 184.
substantiviert: mit entzückung, wall ich im hain der palmen, dichter, mit lust hier, wo eich und ihr graun uns dämmert Klopstock
oden (1889) 1, 186; wenn hinter schwarzer wolken grauen sich jeder stern vor mir verbirgt Schubart
s. ged. (1825) 1, 44; ist's jen es bild, das durch des nebels grauen, wie eine weisze klagende gestalt, im feuchten wolklichthellen moore wallt A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2 (1878) 245. 3@cc)
uneigentlicher gebrauch. 3@c@aα)
von a
her bestimmt, '
dunkel, unerkennbar sein'
oder '
sich gerade erhellen'
; im hinblick auf zeitlich fernliegendes (
vgl.grau,
adj. B 2).
auf die zukunft bezogen: nicht bebet. engel, wo gott wohnt, ist kein grab, und im grauenden einst, wenn die hölle mich vater nennt, im grauenden einst vollendet allvater Jehovah Sonnenberg
Donatoa (1806) 1, 65.
vor allem auf die ferne vergangenheit bezogen: so umwallten uns manche gesichte der grauenden vorzeit Stolberg
ges. w. (1820) 1, 140; und wie in den becher mein auge schaut, das dunkel der alten geschichten ihm graut Schwab
ged. (1838) 378; so ist fast alles, was vor der völkerzeit auf erden geschehen ..., im geschichtlosen graun verloren Jahn
w. 2, 484
Euler. hinsichtlich der frühzeit eines persönlichen oder geschichtlichen lebens: ach, hätt' ich früher euer grün geschauet, als noch des lebens morgen mir gegrauet (1808)
schr. d. Goethe-ges. (1885) 14, 19; ich sage nicht dasz mit Tullius Hostilius historisches licht aufgeht: wohl aber ... dasz hier der morgen zu grauen beginnt Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 181. 3@c@bβ)
von b
her bestimmt, im hinblick auf das bedrückende oder düstere einer stimmung oder eines gefühlszustandes, vgl. grau,
adj. B 3: um seine seele grauet der finstern schwermuth nebelgleicher duft Mereau
ged. (1800) 2, 52; nur einen hafen läszt sie mich erschauen, an dessen mund in unerforschter nacht der ewigkeit furchtbare nebel grauen Grillparzer
s. w. 2, 84
Sauer. 44)
nhd. in poetischer sprache gelegentlich in transitivem gebrauch '
grau machen',
an stelle des schriftsprachlich ungebräuchlich gewordenen gräuen (
s. d.): der herbst umschwärzt das gebirge; der nebel grauet die hügel Bürger
s. w. 278
b Bohtz; die loke, die mir das elend graute (1784) Schubart
br. bei Strausz
ges. schr. (1876) 9, 95.