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grauel

nhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grauel m.

Bd. 8, Sp. 2113
grauel, graul, m. , seltener n., nebenform zu greuel (s. d.). das dort (sp. 204) zur herleitung gesagte ist zu berichtigen: greuel (mhd. griuwel) ist nomen postverbale zu greueln, vb. (s. d., vgl. 2graueln) (mhd. griuweln), das seinerseits eine iterativbildung ist zu 2grauen, vb. (s. d.) (mhd. grûwen; vgl. ahd. ingrûên); vgl. Wilmanns dt. gramm. 2, § 146 gegenüber ebda § 207, 3; Franck-Wijk etym. wb. d. nl. taal (1912) 219bf. 11) während mhd. griuwel lautgesetzlich zu nhd. greuel diphthongiert wird, wird die in vornhd. zeit auszer im nd. auch in teilen des md. geltende form grûwel (belege unter greuel passim) frühnhd. auf md. gebiet diphthongiert zu grauel (orthographische varianten grawel, grauwel, grawl), das, wohl auf grund literarischer entlehnung, auch im alem. begegnet. für das verhältnis von greuel und grauel gilt in diesen sprachräumen die besonders von nd. mundarten weithin befolgte bedeutungsspaltung zwischen den umgelauteten und den nicht umgelauteten monophthongischen formen (grüwel 'gegenstand des abscheus', grûwel 'empfindung des grauens, abscheus'; s. greuel, form 3) nicht im gleichen masze. aus älterem grûwel diphthongiertes grauel begegnet literarisch bis ins 17. jh. in beiden anwendungsbereichen neben häufigerem greuel (ebda auch belege mit nicht umgelautetem diphthong). 1@aa) im objektiven bereich. gegenstand des abscheus, bes. religiös: (Saul) was ein grauell vor gotte und ubertratte die gebotte gottes (1522) Egranus ungedr. pred. 155 Buchwald; ich will des grauels, welches dises (der überladene bilderschmuck in einer kirche) vor gottes angesicht ist, jtzo nicht gedencken Zinkgref apophthegmata (1628) 368. schrecken erregendes, vgl. grauen der (des) nacht(s) s. v. grauen, n. B 2 a: seyne (gottes) warheytt ist schild unnd krebs, darumb wirstu dich nicht furchtenn fur der nacht grawell, noch fur dem pfeyll, der am tage fleugt (1522) Luther 10, 1, 1, 282 W. 1@bb) im subjektiven bereich. angstschauder, in existentiellreligiöser beziehung: wenn er betrachtet die grausamlich pein der hellen so geet in jm auff ain grauwel und ain forcht Keisersberg has im pfeffer (1502) a 2b; das gesatz macht allein verzweifflen. wie soll ich jm dann thuon? so muossz ich verdampt werden? also thuon jm: fall hyn zuo Christo, wenn du also den grawel (so Augsburger druck; varr. grewel, greüll) flest unnd sag: ach mein gott, sych dein gesatz ist mir nu ein spiegel worden (1522) Luther 10, 3, 251 W. abscheu: wan solt ich sie (die laster) euch offenbarlich fürhalten so mOecht ir ein grauwel darab haben Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 11b. vgl.graul abominatio Reyher thes. (1686) g 6a. 22) mundartliches und umgangssprachliches nd. gruwel u. ä., das vorwiegend im bedeutungsfeld 'furcht' steht (s.greuel B 1), erscheint seit dem 18. jh. schriftsprachlich (und wohl auch umgangssprachlich) diphthongiert als grauel, graul in anwendungen, die mundartlicher, nicht aber literarischer tradition folgen; vgl. entsprechendes graulen, vb. 2@aa) gespensterfurcht; vgl. Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 795; Campe 2 (1808) 445b; jraul 'die furcht, das grauen' Brendicke Berlin 130: zu den geheimnissen der menschennatur gehört der grauel ... der glaube an gespenster hat zu allen zeiten die menschen in schauer versetzt (mitte 19. jhs.) Büchsel erinn. a. d. leben e. landgeistl. (1925) 293. 2@bb) häufiger abneigung, scheu, als ein gefühl, in dem sich furcht und widerwille vereinigen. gewöhnlich in der verbindung grauel haben vor (einer sache, einem vorhaben): er hat grauel vor allem gelde, aller bezahlung, schmachtet nach einem orden (1851) A. v. Humboldt an Olfers (1913) 158; hätte ich nicht ein wenig graul vor dem langen, langen reiseruck, ich würde mich unbedingt freuen Hensel familie Mendelssohn (1879) 2, 218. so auch in mundartlicher form: (söhne von adligen gutsbesitzern) de mit grugel doran dachten, dat sei mal ut dat lustige soldatenlewen in de sure arbeit von so'n gaudsbesitter rinne süllen Fritz Reuter w. 2, 182 Seelm.; allens, was slecht smeckt, was en minschen eklich is, un wovor er einen grugel hat, das is gesund vor dem menschlichen leibe ... du hest jo en hellschen grugel vör't kolle water hatt ebda 153. vgl. für die nd. maa. etwa: he hett sun gruul (grugel) vör de arbeit Mensing schlesw.-holst. 2, 499. 2@cc) selten im objektiven sinne: welchen fabelhaften gaul reitet ihr? so abgetrieben, buglahm hinkend, träg und faul ... schafft ihn ab. es ist ein grau'l Gaudy s. w. (1844) 11, 9. persönlich, von einem unausstehlichen menschen, hier als n.: einer von den guten alten war und blieb der Engersheim doch ..., ein solch unleidliches graul er sonst sein mochte daheim 31 (1895) 182a.
4726 Zeichen · 109 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grauel

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    * Der Grauel , des -s, plur. inus. welches nur im gemeinen Leben einiger Gegenden anstatt des vorigen Wortes üblich ist,…

  2. modern
    Dialekt
    Grauelm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Grauel , Greuel m. : 1. 'Abscheu, Ekel', Graul (graul) [KU-Reichsth Dietschw SOPf (Nachlaß Heeger ) Kühn Hamet 110], Gra…

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Wortbildung

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grauel‑ als Erstglied (14 von 14)

Grauelkatze

SHW

Grauel-katze Band 2, Spalte 1451-1452

Grauelchen

PfWB

grauel·chen

Grauelchen n. : ' furchtsamer Mensch ', Grauelche [ KU-Odb ]. — Zu graueln 2.

graülen

ElsWB

grau·elen

graüle n [kroilə Dü. ; krøìlə Meis. Mütt. ] lärmen, toben.

grauelig

PfWB

grauelig , greuelig Adj. : 1. 'ekelhaft, grauenhaft', graulich [ZW-Stamb BZ-Silz], grauelig [ Kühn Hamet 110]. 's is hie'rum (in der Fremde)…

Grauelkatze

PfWB

grauel·katze

Grauel-katze f. : 'Schreckgestalt, mit der man kleine Kinder bei Anbruch der Dunkelheit ängstigt', -katz [ KU-Schmittw/O Kaulb Kreimb Reiffb…

Grauellicht

RhWBN

grauel·licht

Grauel-licht n.: 1. -ȳl- Irrlicht Wippf-Richerzhg . — 2. -yl- Lampion, aus einer ausgehölten Rübe verfertigt Simm-Belth .

Grauelmann

PfWB

grauel·mann

Grauel-mann m. : = Grauelkatze , -mann [ KU-A'glan Föckbg ], Graule- [ KU-Konk ]. Syn. s. Butzenmann 1 a. Rhein. II 1374 .

graueln

FWB

1. ›etw. befürchten, sich vor jm. / etw. fürchten, jm. angst und bang werden; vor etw. zurückschrecken‹; 2. ›sich vor etw. / jm. ekeln‹

grauelzig

RhWB

grauel·zig

grauelzig -əltsiχ, –əntsiχ, –ərtsiχ uSaar, Trier , Bitb ; -tsiχ, -ō-, –:-, –ō:-, –:- Saar, Trier , Wittl , Bitb (s. blau) Adj.: ins Graue…

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Cotta, M. (2026). „grauel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grauel/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „grauel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grauel/dwb. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „grauel". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grauel/dwb.
BibTeX
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