greuel,
m. ,
gegenstand und empfindung des grauens. form. 11)
ein nur auf dem germ. festlande verbreitetes wort, das sich erst in mhd. zeit nachweisen läszt: mhd. griul, griuwel, griule (
s. u.)
; mnd. gruwel,
nd. grüwel, gruwel (
genaueres s. u. 3);
fries. grôl, grôel;
mnl. gruwel, gruël;
nl. gruwel;
verwandt ist anord. grŷla '
schreckbild, zauberin'.
ableitung von grûên
swv., vgl. Wilmanns 2, 263;
zur etymologie s. grauen.
die mhd. form griule
wird herkömmlich als swm. angesetzt, doch liegt eher epithetisches e
vor: nom. grule
j. Tit. 829, 2;
accus. grôzen griule (: miule) Neidhart 49, 7 (
s.A 4); sunder greule (: seule)
j. Tit. 5479, 2 (
s.B 1). 22) greuel
erscheint wie im nl. (
woordenb. d. nederl. taal 5, 1189)
auch im deutschen spurweise als neutr.: so wäre diese einige sünde (
ehebruch) ein solches greuel vor gott dasz Schupp
schr. (1663) 520;
beachtung verdient, dasz [] fast ausschlieszlich auf alem. boden, namentlich in gewissen redensarten, ein accus. ein greuel
erscheint, der freilich durch ekthlipsis aus einen
gr. verkürzt sein kann, also nicht unbedingt neutral zu sein braucht: an welchen got ain grewel hat Eb. v. Günzburg 2, 15
neudr.; ähnlich 1, 86; Geiler v. Keisersberg
eschengrüdel (1514) a 6
b; Ryff
spiegel d. gesundheit bb IIII
b; Nicl. Manuel
Barbali 711 (
s.B 2 a); U. Eckstein (
s. u. 5); etwas für ein greuel halten Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
a;
vgl. Nicl. Manuel
Barbali 394 (
s.A 7 c); dann mich als ein grewel ansehen gott und menschen Spangenberg-Fröreisen
griech. dram. 1, 173
Dähnhardt; seltener in anderen wendungen: ein grüwel und böliman fürgeschlagen Staub - Tobler 2, 834; ein grawel machen Eb. v. Günzburg 3, 7
neudr.; kein grüwel bringen
tragoedia Joannis (1549) J iiij (
s.B 1);
nur selten auszerhalb des alem., aber meist in denselben phrasen: ein grewl und unmuth haben H. Sachs 18, 38, 8 (
s.B 2 c); wie ein greuel halten
2. Mose 1, 12 (
s.A 7 c); wie ein greuel ahnsehen
briefe d. Elisabeth-Charlotte v. Orleans 44 (
s.A 7 c); die schrift heisset die abgotter eigentlich ein grewel Luther
sermon von d. jüd. reiches ende (1525) A iiij
a.
das götting.-grubenhagische scheidet dei grel
und dat grel
als schelten für männliche und weibliche personen Schambach 69 (
s.A 2). 33)
im nd. scheint ein bedeutungsunterschied zwischen der unumgelauteten und der umgelauteten form zu bestehen, wenigstens in gewissen gebieten: gruwel '
empfindung des grauens, abscheus' (
s.B), grüwel '
gegenstand des abscheus' (
s.A);
vgl. grûel
grauen Schambach 69; grûwel, gruwwel, grauwel
grauen Vilmar 135; grouwel
abscheu brem. wb. 2, 551; grugel
grauen Mi 29; grujel
f. grusel lux. ma. (1906) 157; grool
grauen Stürenburg 76
b;
dagegen: grel
gegenstand des abscheus Schambach 69; jriwel
trotzkopf Liesenberg
Stieger ma. 147;
auch im pomm. besteht anscheinend der bedeutungsunterschied gruel, gruwel
grauen, grel
gegenstand d. grauens Dähnert 163. Strodtmann
freilich notiert: 'gruwwel
und grüwwel
das grauen',
osnabr. 77;
ähnlich scheinen im westfäl. gruggel-grüggel
geographisch, nicht dem sinne nach unterschieden zu sein Woeste 86
b;
auch dat is en gruels
ausruf des erstaunens, der verwunderung Schütze
holst. 2, 65 (
ähnlich brem. wb. 2, 551)
scheint zu widersprechen. für die ältere zeit sind bei der ungenauigkeit in der bezeichnung des umlauts schwer sichere ergebnisse zu gewinnen; doch vgl.: legt ab den grul und hass
engl. comödien u. tragödien (1624) F f V
b;
anderseits: (
das judenvolk ist) in all slcken grwel unde verwOestinge gekommen Rotmann
restitution 8
neudr. (
freilich auch: in den gruwel der verwOestinge gevallen 12; o gruwel aver gruwel 76).
die bedeutung B
herrscht im nd., zumal der älteren zeit, vor (Schiller - Lübben
notiert nur gruwel '
grauen, furcht',
vgl. die beispiele B 1);
ähnliches scheint für das mnl. zu gelten, vgl. Verwijs-Verdam 2, 2205. 44)
die wortspaltung, die sich in dem nd. nebeneinander von grüwel-gruwel
ankündigt und in der nhd. doppelform greuel-grauel
vollendet ist (
s.B 1),
tritt in spuren auch im alem. auf: in drucken Geilers v. Keisersberg
findet sich gelegentlich grauwel
im sinne von nd. gruwel '
horror',
z. b. so möcht ir ein grauwel darab haben
narrenschiff (1520) XI
d;
vgl. auch B 2 b; ein grawel haben vor C. Hedio (
s. u. B 2 a);
ebenso bei Eb. v. Günzburg ein grawel machen '
grausen erregen'
sämtl. schr. 3, 7
neudr. (
s.B 1).
freilich wird die form grauwel
vereinzelt auch im sinne der bedeutung A
gebraucht: der unmenschlich grauel (
papst) 2, 26;
man könnte an eine verwechslung denken, wie sie noch nhd. gelegentlich erscheint (dies ist der grauel, wovor der mensch erstarrt Rahel
bei Varnhagen
Rahel 1, 500);
doch findet sich auch im heutigen elsäss. ein grauel,
das nicht die für die unumgelautete form postulierte bedeutung '
horror'
hat: do sy i, laider, hell denne Saddans grauel Martin-Lienhart 1, 265; e grauel essespyse
ib. Schmidt
straszb. 44. 45
trennt greijel '
gräuel'
von gröûel '
unordnung, [] durcheinander von dingen, die nicht aufgeräumt sind'. —
die alem. dialectform (grüwel Staub-Tobler 2, 834)
erscheint im älteren nhd. auch litterarisch nicht selten: gruwel Keisersberg
sermones 139
b; Eb. v. Günzburg 1, 86
neudr.; Zwingli
dtsch. schr. 1, 222; Nicl. Manuel
Barbali 394, 711; Hedio
chron. german. (1530) M IIII
a;
tragoedia Joannis (
Solothurn 1549) C vj. J iiij; Tschudi
chron. helvet. 2, 34. 55)
gelegentlich mundartlich entrundete formen: greil
städtechron. 23, 349, 13 (
Augsburg); (
das sacrament) sei ain greichel und ketzerei 178, 13; das ihr vertilgt die christn alsandt, welche seind mir und gott ein greil (: weil) Ayrer
dramen 3, 1785, 28
lit. ver.; greijel
gräuel Schmidt
straszb. 44 (
s. o. 4);
sächs. kreil Müller-Fraureuth 1, 440.
ganz vereinzelt erscheint im älteren alem. eine art gerundeter form: dass er aber ab der sünd ein gröbel hatt Staub-Tobler 2, 834
aus U. Eckstein (
anfang 16.
jh.)
; vgl. im modernen elsäss.: so e gröjel kann i nit sehn Martin-Lienhart 1, 265. 66)
zur orthographie sei bemerkt, dasz die schreibung gräuel
im 17.
jh. erst in spuren auftritt (Schill
teutsch. sprache ehrenkranz [1644] 262; Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch [1647] 14; Rachel
satyr. ged. 35
neudr.; Prätorius
glückstopf [1669] 169);
die im älteren nhd. durchaus herrschende form ist grewel;
auch im 18.
jh. kommt gräuel
erst in der 2.
hälfte in aufnahme, natürlich auf grund einer äuszeren angleichung an grauen,
wie sie rationalisierender sprachbetrachtung nahe lag (
vgl. neuer büchersaal d. schön. wissensch. u. fr. künste 3, 393; Gottsched
ged. [1751] 294;
d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 2, 184; Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 2, 38. 143. 340; Lessing 6, 521; Löwen
schr. 1, 24; Hagedorn 1, 65);
die form erfreut sich dann steigender beliebtheit (
z. b. bei Göthe, Herder, Klinger, Bürger
ziemlich gleich häufig wie greuel,
während Schiller gräuel
zu meiden scheint).
theoretiker und lexicographen nehmen sie auf: 'gräuel ... (
stammt)
auf eine unleugbare art von grauen
ab' Adelung
magazin f. d. dtsch. sprache 2, 2, 117; '
man schreibt dieses wort gemeiniglich greuel,
aber sehr unrichtig'
wb. 2, 787; Frisch
nouv. dict. (1772) 289; Klein
provinzialwb. 1, 160; Braun
orthogr.-gramm. wb. (1793) 126
b (
weist greuel
ausdrücklich zurück); Heynatz
synon. wb. 1, 55
b; Täubel
buchdruckerkunst (1805)
anhang 11;
damit ist ihr für die erste hälfte des 19.
jhs. die gleichberechtigung im gebrauch gewonnen; erst im 3.
viertel des jhs. wieder zurückgedrängt. neben herrschendem grewel
erscheint im älteren nhd. gelegentlich die form greuwel,
aber fast nur auf alem. boden und dort verständlich auf grund der dialectform grüwel;
vgl. Zür. bibel (1531)
1. Mos. 43 F;
3. Mos. 20 D; Stumpf
Schwytzerchron. (1606) 353
b; Fronsperger
kriegsbuch 1, l 5
r;
auch bei lexicographen: Frisius
diction. (1556) 8
a. 400
a. 499
b; Maaler (1561) 192
a; Henisch 1741. 77)
die kurzform greul
erscheint vorwiegend in poet. sprache, und zwar ebensogut auf nordd. wie auf südd. boden. im 16.
jh. beliebt bei H. Sachs (
werke 7, 408, 28; 18, 38, 8; 18, 344, 28; 22, 133, 27),
auch bei Ringwaldt
möglich (
evang. 2 r
b);
im 17.
jh. ebenso in geistl. liedern (Hock
schön. blumenfeld 95
neudr.; P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 327
a. 330
a)
wie in der alexandrinerdichtung (D. v.
d. Werder
ras. Roland 23; Rachel
satyr. ged. 104
neudr.).
im 18.
jh. allgemein gültig in der modedichtung der vorklassischen zeit (Heräus
ged. u. inschr. [1721] 238; Schwabe
belustigungen 1, 201; Neukirch
ged. [1744] 153; Dusch
verm. werke [1754] 17; Gottsched
dtsch. schaubühne 4, 23; Löwen
schr. 1, 24; J. E. Schlegel 1, 10; Eschenburg
beispielsammlung 1, 293);
später seltener (Voss
odüssee 294, 107
Bernays; Overbeck
verm. ged. [1794] 185; A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 114),
nicht ungewöhnlich bei Schiller (12, 21; 13, 190; 15, 1, 44);
im 19.
jh. überall gelegentlich, wenn auch spärlicher als im 18.
in prosaischer sprache ist greul
im 16.
u. 17.
jh. nicht minder häufig als in der poesie (Seb. Fischer
Ulmer chron. 11
Veesenmeyer; Nas
antipap. eins u. hundert 1, 63
b; Barth
weiberspiegel [] [1565] B 5
b; Prätorius
saturnalia [1663] 312; A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 449; Abr. a St. Clara
Judas [1692] 3, 28);
später selten (Lessing 6, 251; Jung - Stilling
sämtl. schr. 4, 549)
und nur bis in die erste hälfte des 19.
jhs. (Ayrenhoff 5, 356; Heine 3, 418; Müllner
dram. werke 2, 117; Auerbach
schr. 15, 179).
bedeutung und gebrauch. AA.
gegenstand, zustand, handlung, äuszerung, die grauen hervorrufen; diese bedeutung wird, obgleich reicher entwickelt als die zweite, von den älteren lexicographen sehr vernachlässigt: horribilitas Diefenbach 280
c;
diritas Serranus
synon. (1579)
s. v.; z. t. mag die glossierung durch abominatio
hierher zu ziehen sein, s. u. B 2. A@11)
von dingen. A@1@aa)
alt scheint die bedeutung '
schreckbild': griwel
cucius Diefenbach 160
c; die (
l. der?) swert und schilde blicken zu den bilden ungeheure leret die heiden schricken.sie wanden daz die helle gar mit feure wer uf getan mit aller teufel greulen
j. Tit. 6097, 3;
vgl. hilf uns durch die kestigunge die er leit von juden zunge, durch die villât an der siule vor des leiden tiuvels griule
Mariengrüsze 726,
zs. f. d. alt. 8, 295; wiewol man ihnen (
den aufständischen) damit (
mit der zuschrift) ein grüwel und böliman fürgeschlagen Staub-Tobler 2, 834 (
quelle von 1525);
gegenstand des abscheus: reht alsam diu iuwel ist der vogel gruwel
Martina 116, 64. A@1@bb)
in der bibelsprache von levitisch unreinen dingen: du solt keinen grewel essen
5. Mos. 14, 3; und essen schweinefleisch, grewel und meuse
Jes. 66, 17;
vgl. 5. Mos. 17, 1;
daher im scherz vom kaffee: das wittere ja der probst nicht, dasz ein priester die lippen entweiht mit dem türkischen gräuel! Voss
ged. (1802) 1, 99;
im besonderen von götzen und götzenbildern: verflucht sey wer ein götzen oder gegossen bild macht, einen grewel des herrn
5. Mos. 27, 15; da bawete Salomo eine höhe Chamos dem grewel der Moabiter ... und Molech dem grewel der Ammoniter
1. kön. 11, 7;
vgl. 2. kön. 23, 24;
von thiergottheiten: wenn wir denn der Egypter grewel fur iren augen opferten, würden sie uns nicht steinigen
2. Mos. 8, 26;
vgl. 1. kön. 11, 5;
Hesek. 20, 7;
lange nachwirkend: und räum es (
das herz) von den götzen, die satan, welt und eigensinn darein zum greuel setzen Günther
ged. (1735) 26; erlöste! flieht aus Babels thoren! des gräuels wust, dem sie geopfert hat, hat ansehn und gewalt verlohren Gottsched
ged. (1751) 294; díese kamen zuerst (
zum satan) ... die ihre greuel und götzenaltäre oft in sein (
gottes) heilges gestellt Zachariae
poet. schr. 6, 53;
vgl.greuel der verwüstung c
δ. A@1@cc)
auch in profaner sprache '
grauenhafte, ekle dinge, unrat': für hunger allerley greuel fressen müssen Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
a; wie welzet sich das eingeweide in mir! der verschlossene greuel tobet und suchet einen ausgang
sagt Thyest, als er erfährt, dasz er seine kinder gegessen hat Lessing
werke (1838) 4, 281; sie (
unselige geister) ... gaben mit zuckungen den greul wieder von sich (
unrat, den sie verschlungen hatten) Jung-Stilling 4, 549; (
der ehrgeiz) ist figurirt worden in jener fetl in der offenbarung Joannis, welche .. einen güldenen kelch voll grewels und unsauberkeit ihrer hurerey in der handt hatte, und allermenniglichen darvon zutrincken gab Albertinus
Lucifers königr. 35, 21
neudr.; wann ... Macbeths hexen im unterirdischen gewölbe um
[] den kessel voll gräuel den höllentanz tanzen Bürger 1, 322
a Bohtz; welche verwegene faust, du wein-ernährende traube? Evius junges kind, risz von der rebe dich ab? und da du ihm die lippe zusammenzogest, so warf er dich als gräuel dem fusz irrender wanderer hin Herder 26, 48;
hierher auch gewisse fälle übertragenen gebrauchs: herr, dein gesatz mich ja so scheuzlich conterfehet, dasz hoffnung mich zu säubern mir entgehet, ... ich bin voll unflat, grewel, wust Weckherlin
ged. 1, 411
Fischer; viel gräuel hab ich drein (
ins herz) gebracht, es stinkt itzt, wie ein garstig schacht, darinn der satan wohnet
allg. dtsch. bibl., anh. zu 1—12, 49;
vgl. auch stinkender greuel H. v. Cronberg 3 c
α. A@1@dd)
abstracter '
wust, unordnung': diese unordnung macht uns beiden wenig ehre. ist es gesund, ... in einem solchen stalle zu leben? ... wie dir's so wohl sein wird, wenn der greuel einmal weg ist Sturz
schr. 1, 256; das höllwasser musste zu zeiten seinen namen recht wohl verdienen, da ein solcher gräuel von schutt und steinen neben mir lag Stifter 4, 1, 118
Sauer; so namentlich elsäss.: was e gröûel in dem zimmer
unordnung, durcheinander von dingen, die nicht aufgeräumt sind Ch. Schmidt
straszb. 45;
weiterentwickelt '
lärm, getöse, verwirrung, unordnung' (
Elsasz) Klein
provinzialwb. 1, 160;
vgl.säugräuel
unordnung, lärmendes treiben Martin-Lienhart 1, 266
a; d kinder machen e gräuel in der stub, mer kann s nit ushalten; in dem wirtshus ist allewil e gräuel 265
b;
im götting.-grubenhag. heiszt grel
jedes in seiner art auffallende oder übermäszig grosze thier oder ding Schambach 69;
dem vergleicht sich die bedeutung '
menge': e grauel essespyse steht drunten in der küch Martin-Lienhart 1, 265 (
vgl. greulich 7). A@1@ee)
andere fälle concreten gebrauchs bleiben vereinzelt: o ihr tünchner mit losem kalk! — wie sehr schimmert der alte greuel durch Jung-Stilling 1, 346; die wollust ... den weggewandten greul des rückens stets verhelt Eschenburg
beispielsammlung 1, 293; wie eine böse beule die schlimmen säfte all des körpers anzieht, zum herde wird der fäulnis und des greuls Grillparzer 9, 105
Sauer; o sein (
des Rheins) gestade brütet jenes greuels (
der mücken) auch ein gröszeres geschlechte noch und schlimmres aus Mörike 1, 186
Göschen; vom phallus: das ... sein (
des Priapus) gotzdienst war, das die eerbarist matron in der statt disz bilds grewel ein krantz muoste aufsetzen (
honesta matrona pudenda virilia coronabat Augustin
de civ. dei 7, 24) Seb. Franck
mor. encom. 12
a. A@22)
vom menschen; besonders nordd., auch alem.: der mensch ist ein rechter greuel
abominandus et spurcus homo est Stieler 697; Pelagia war ein offentliche sünderin zu Antiochia, ein greul und verführerin der jugend Abr. a St. Clara
Judas 3, 28; es ist ein ungeheuer geboren und ein blutbefleckter gräuel aufgestanden (
Napoleon) Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 254; dieser mensch! ... ein greuel ist er Frenssen
Jörn Uhl (1902) 446;
im frühnhd. stehende bezeichnung des papstes: der grewliche grewel zu Rom, der sich bapst nennet Luther
wider das bapstum (1545) A ij
b; aber der unmenschlich grauel ... hat hye und anders wo allen geschriften das hynder her fur gethon und wiederumb Eb. v. Günzburg 2, 26
neudr.; der wüste grewel sitzet schon an heylgen statt Gengenbach 337
Gödeke; der antichrist der ist ein grewl mit allen seinen pfaffen Ringwaldt
evangelia Z v
b;
auch im plural: kompt hertzu, yhr ungeheure grewel der welt, und zeygt uns ursach an, warumb yhr euch
[] last bischoffe heyssen Luther 8, 501
Weim.; vor deinen augen, du holdselige, ... erfrechen sich die greuel ihre abrede zu treffen Tieck
schr. 4, 257;
dialectisch im md., nd. und alem., z. th. in veränderter bedeutung und mit vorliebe als scheltwort in der anrede: grel
als schimpfwort sehr üblich Schambach 69; jriwel
trotzkopf Hertel
thür. 110;
trotzkopf, unartiger knabe Liesenberg
Stieger ma. 147; grool
taugenichts, spitzbube, doch oft scherzweise Stürenburg
ostfries. 76
b;
sprichwörtl. de àlle grüggel es dôd und de junge ht noch kaine tęne Woeste
westfäl. 86
b;
abscheulicher mensch: du wüeste grüwel Staub-Tobler 2, 834;
von je gern in der anrede: weh dyr, du grewlicher grewel (
papst) Luther 7, 671, 14
Weim.; du greuel Iffland
theatral. werke 1, 147; hör' auf, du gräuel! G. Keller 6, 195;
bei weiblichen wesen tritt das neutr. ein: der lieben Emilie sage, dasz ich prächtig italienisch plappere, und das liebe greuel soll mir doch bald schreiben Feuerbach
an die mutter (1855) 1, 397;
ebenso im götting. Schambach 69;
in älterer sprache öfter erweitert durch objectiven genitiv: das weib, der länder schaden, der menschen hohn und fluch, der schandfleck ihrer zeit, der greuel der natur, den jedermann anspeyt Gryphius
trauersp. 54
Palm; (
ein vornehmes geschlecht) welches ich, nachdem es mich als einen rechten greuel der tugenden erzeuget, nicht einmal nahmhafft machen will
sagt ein verruchter Schnabel
ins. Felsenburg (1731) 1, 213; itzt heiszt Pompon ein greul der redlichen im lande Schwabe
belustigungen 1, 201; und ihr wollt mir den letzten trost rauben im sterben, dasz ich ein greuel vor gott und menschen schlafen gehen soll Schiller 2, 138. A@33)
von zuständen und handlungen. A@3@aa)
die numeri stehen in der bedeutung nicht gleich: der plural bedeutet meist '
grauenhafte handlungen, untaten'
; daneben aber auch allgemeiner '
zustände, erscheinungen, die grauen, abscheu hervorrufen': wohl euch, ihr lieben, dasz ihr für jetzt noch nicht ... mit verwickelt seid in den groszen kampf (
gegen Napoleon) und die gräuel, die ihn begleiten
aus Schleiermachers leben 2, 76; der kampf um das dasein mit seinen zahllosen qualen und gräueln D. Fr. Strausz 6, 147;
besonders fühlbar wird der unterschied neben localen angaben: er hat aus dem tiefen abgrund ... das stöhnen der geängstigten und das hohnlachen der furien samt allen gräueln der dunkeln reiche mit herauf gebracht Tieck
schr. 4, 427; die gräuel einer eroberten stadt Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 2, 38;
so öfter 'greuel der welt': auch der welt und ihren greueln steure, herr, mit deiner macht Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1, 5; warum vertilgt mit dem flammenschwert all die greuel von der erde der todesengel nicht Hölderlin 1, 70
Litzmann. der singular ist für die einzelne greuelthat nie recht geläufig gewesen: tuond nit einen diser grüwlen Heinr. Bullinger (1540)
bei Staub-Tobler 2, 834; er ... verübte mit dieser schändlichen (
hure) allen greuel, der mehr zu beweinen als zu beschreiben ist Zend. a Zendoriis
winternächte (1682) 319;
in neuerer sprache nur poetisch: verhüll', o Phöbus, dem nahen greuel dein antlitz Gotter 2, 510; himmel! ist solch ein greul nur denkbar? also Menalkas, hätten wir deinen trost beynah mit dir selber verloren? (
heu, cadit in quemquam tantum scelus Vergil
ecl. 9) Overbeck
verm. ged. (1794) 185; erschollen war in diesen thälern schon der ruf des neuen greuels, der geschehn Schiller 14, 314 (
Tell II 2);
in der regel bezeichnet der sing. vielmehr das grauenhafte, abscheuliche als zustand, erscheinung: das alles (
wunderzeichen am himmel) die hendel zuo diser zeit beim bapst und keiserthumb, den grewel und weltstand abmalende, anzeiget hett Seb. Franck
chron. 195
b;
[] (
man soll) was noch allhier den wahren gott vernichtet und auf den Christus pocht, in eben gleicher pracht einliefern auf die burg, weil einmahl wir bedacht den greuel abzuthun und diesen trotz zu brechen Gryphius
trauersp. 168
Palm; wenn meine verehrung vor dem hohen geiste, der uns regiert, noch zunehmen könnte, sie müszte bei dem anblick dieses greuels (
des Berliner bühnenwesens) zum riesen werden P. A. Wolff
an Göthe, schr. der Göthegesellsch. 6, 185; allmächtiger regierer, die welt ist schlecht zum grau'n, lasz über den ganzen gräuel her eine neue sündfluth thau'n Strachwitz
ged. (1850) 172; wir konnten nicht weiter keuchen, ... frost, hunger, elend und seuchen, sie haben uns hingerafft. ein ungeheurer knäuel, zwölfhundert oder mehr; es zieht sich über den gräuel ein dünner rasen her Rückert (1867
ff.) 1, 73;
ganz abstract '
das grauenhafte, entsetzliche': die eifersucht führt ... den gräuel mit sich, dasz sie bereits erkaltete .. herzen mit flammenqualen martert Holtei
erz. schr. 11, 40; wir haben mühe, den greuel, zu dem im alterthum oligarchische tyranney stieg, zu fassen Niebuhr
röm. gesch. 2, 92; soll ich von oben herab, soll ich von unten heraufsteigen — etwas von dem greuel zu bemerken, der aus allen diesen gesichtern, wie blut aus der wunde des ermordeten hervorquillt Lavater
physiogn. fragm. 1, 100;
der sing. wirkt bisweilen wie ein collectivum zum plur.: ich hatte den Suetonius genommen, war aber zu krank für den gräuel. welch ein abschnitt der menschengeschichte ist das! Varnhagen
tageb. 1, 35; er ... fühlte schon all' den gräuel voraus. unsereiner versteht den gräuel erst ordentlich, wenn er ihn mit augen und händen greifen kann (
greuelthaten gewaltsamer protestantenbekehrung) Laube 14, 7; als wie die sündfluth über alle borde hinschwoll der gräuel durch das land der väter, das röchelte im ungeheuren morde (
beim Hunneneinfall) Strachwitz
ged. (1850) 323. A@3@bb)
dem begriffe nach reicht das wort sehr weit; es wird namentlich in jüngerer zeit gern in unbestimmt-collectivem sinne ohne nähere qualificierung gebraucht: ich steh es gerne zu, dass sein verletzt gewissen durch nichts als blut und tod mög alle greuel büszen Gryphius
trauersp. 28
Palm; aber ihn in die lage zu setzen, dasz er vergangene gräuel abbüsze Klinger
neues theater 1, 218; so soll euch die strafe eurer greuel bis auf das lezte andenken erlassen seyn Schiller 2, 105. — die Medea der alten dram atiker bleibt bei all ihren greueln noch ein groszes staunenswürdiges weib 2, 11; (
die '
Iphigenie') ist voll der wirksamsten mittel, die aus den mannigfaltigsten greueln hervorwachsen, die dem stück zu grunde liegen Göthes
gespräche 6, 82; seine tragödien behandeln die furchtbarsten vorwürfe .. mit gehäuften greueln Ludwig 5, 223; denn was durch partheyische kirchenhistoriker vor unwahrheiten allerseits in die welt geschrieben und vor greuel auf die nachkommen fortgepflanzet worden, ist wohl nicht gnug zu bedauren Arnold
kirchen- u. ketzerhist. (1699)
vorr. 21; nur eine geringe mahnung aller der gräuel ..., die sich hinter den deckmantel der religion versteckten B. v. Arnim
dies buch gehört d. könig 21, 249; wie lange, dasz wir durch die .. einführung des öffentlichen und mündlichen gerichtsverfahrens vor der wiederkehr solcher gräuel (
wie sie herzog Carl v. Würtemberg Schubart gegenüber verübte) gesichert sind? D. Fr. Strausz
Schubarts leben 1, xvi; (
wer weisz) mit welcher raffinierten grausamkeit die gefangenen .. vom militär behandelt worden sind, oder auch nur den kleinsten teil dieser gräuel durch tradition kennt
briefe von u. an Herwegh 184;
doch auch milder: es geschehen viel greuel zur fastnachtzeit
molte abbominationi cioè lascivie horrende Kramer
teutschital. [] (1700) 1, 564
a; es mag sein dasz solche einsamkeit (
weltabgeschiedener gelehrter) auch wohl einige albernheiten, einige greuel veranlasset Zimmermann
einsamkeit 2, 46;
gern von unnatürlichen scheuszlichkeiten: aber bei diesem gräuel (
dasz der riese seine mutter schlug) verfinsterte sich der tag Grimm
deutsche sagen 1, 106; ein unglücklicher vater — eine ausgeartete tochter! — ältern hilflos, im stich gelassen von undankbaren kindern! — greuel, die ich nicht fasse Schiller 14, 202; jede mutter darf nur drei kinder erziehen; das vierte ... soll sie selbst lebendig vergraben. diesem gräuel sind die familien der hauptleute nicht unterworfen Chamisso 2, 235; diejenige menschen - fresser, so ihre verstorbene nechste und liebste freunde .. auffressen .., begehn in der leichbestattung den grösten greuel Er. Francisci
lustige schaubühne (1697) 3, 958;
besonders von widernatürlicher unzucht, s. u. c
β. A@3@cc)
der begriff wird aber auch, namentlich in älterer zeit, prägnanter gefaszt; Kramer
scheidet ganz treffend: götzengreuel, abgöttereygr.; unzuchtgr., sodomitische
gr.; blutgr., mordgr.; verwüstungsgr., verheerungs- und zerstörungsgr., so auf die sündengreuel folget; hellengreuel
teutsch-ital. (1700) 1, 564;
einiges verlangt besondere darstellung. A@3@c@aα) greuel
religiös gewendet; von Luthers
bibel an zur bezeichnung heidnischen unwesens (
s. o. A 1 b, 2): und sie theten alle die grewel der heiden
1. kön. 14, 24; hie höristu, das es fur gott eyn heydnischer grewel ist, von den todten oder geystern fragen Luther 10, 1, 1, 588
Weim.; nach allem greuel der heyden einhergehen, in allen ihren greueln wandeln
caminare secondo (
in)
tutte le abbominationi e horrori de' gentili Kramer
teutschital. (1700) 1, 564
a; das schreibt sich her von euern lastern und sünden, von dem greuel und heidenleben Schiller 12, 36; und viele märtyrer daselbst bluteten, als ringsum noch heidnischer gräuel und unsitte blühte Alexis
rol. v. Berlin (1840) 3, 88;
von da aus in der reformationszeit schlagwort gegen den papst und päpstliches wesen (
s. o. A 2): darümb fast kein greulicher ding auf erden, dann das man heisset celibatum ... wiltu nu dem grewel entlaufen, so trit nur das gelübde .. mit füssen Luther 24, 54, 16
Weim.; hat auch wider das hochwirdig sacrament und die mesz prediget, es sei ain greichel und ketzerei, kain sacrament
städtechron. 23, 178, 13 (Clem. Senders
augsburg. chron.); die weil aber ... got ... uns sehen und entpfinden last den grawlichen grewel, darin wir aufs diefst stecken, so sollen wir got ... bitten .. umb weiter erclerung und erkanntnusz solchs stinckenden grewels H. v. Cronberg
schr. 12, b 4
a neudr.; so schweren sie dem antichrist, dasz sie auch die verführen wöllen, die nicht mit irem grewel stellen Fischart
nachtrab 156
Kurz; vgl. 607; wie wol er nichts davon gehalten und zuvor wol gewust, wie er den ehstand verleugnen und in andere bepstische grewel mithelen und willigen must Alberus
widder Jörg Witzeln (1539) f 8
b;
auf irrlehren bezogen: sindt das nicht grewl und yrtumb uber greul Luther 34, 1, 507
Weim.; vgl. doch ist das evangelion ein herrliche artzney für .. irthumb und grewel des leydigen bapsthumbs Hennenberger
erclerung d. preusz. landtaffel (1595) 35;
auch sonst vielfach mit einer irgendwie religiösen orientierung: denn was fur eyn grewel sollt seyn die kirche, so sie sich nach eyns iglichen sorbonischen trewmers comment vorwandelete? Luther 9, 755, 27
Weim.; ein grosser greuel, welche ich sehe bey lutheranern, papisten und calvinisten (
meint das zuchtlose kirchweihtreiben) Schupp
schr. (1663) 62; mit den gottlosen segnen will man ein sach erzwingen .. o wol ein grosser greuel, o wol grosse blindheit der armen leut Widmann
Faust 44
Keller; den durch ihr zauberisches wasser begangenen greuel ... auszuwischen Lohenstein
Arminius (1689
f.) 2, 622
b; je mehr mir die verkleinerung von gott, im alten mann, zuwider,
[] je lieber wehl' ich diesen greuel zu einem vorwurf meiner lieder Brockes
ird. vergn. 8, 577; denn seine majestät will Regenspurg vor ostern noch vom feind gesäubert sehn, dasz länger nicht im dome lutherisch gepredigt werde — ketzerischer greul des festes reine feyer nicht besudle Schiller 12, 121.
wird greuel
als persönliche schuld gegen gott gefaszt, so nähert sich das wort der bedeutung '
sünde': denn all unsre greuel stehen entblöszt vor deinem angesicht Schubart
sämtl. ged. (1825) 1, 281; wenn dir das stille herz (
bei der selbstprüfung) schnöde gräuel und schulden zeigt, dann erhebe das wort (
gegen dich) Herder 27, 131; zank, raubsucht, neid und furcht, die quelle steter schmerzen, und sieben gräuel sind in eines wuchrers herzen Hagedorn
poet. werke (1769) 1, 65. A@3@c@bβ) greuel
sexuell gewendet: und treiben unternander freund mit freunds weibe greuel
Hesek. 22, 11; aber sie (
Jesabel =
die röm. kirche) wird sich nicht bessern, darum will ich sie in ein anderes bett werfen, als worinnen sie bisher ihre greuel getrieben hat Jung-Stilling 3, 67;
besonders von widernatürlicher unzucht: du solt nicht bey knaben ligen wie beim weibe, denn es ist ein grewel
3. Mos. 18, 22; kein weib sol mit eim thier zuschaffen haben, denn es ist ein grewel 23; meine meynung .., dasz wir aus heiliger schrift erkenneten, dasz gott diese greuel (
blutschande, sodomie u. s. w.) anfänglich allen menschen .. verbotten habe Thomasius
gedanken und erinnerungen 3, 157; weil sie unerhörte greuel und widernatürliche sünden sollen getrieben haben Triller
poet. betracht. (1746) 2, 627; eine visitation (
der klöster) ... war ... auf unverantwortliche ... ausschweifungen, greuel ... wie in Sodom, gestossen Ranke
reform. gesch. 4, 42;
vgl. auch: der traum kitzelte die einbildungskraft des novizen, er erzählte ihn .. einem mönche, und so lief er durch das ganze kloster, verbrämt mit gräuel und lüsternen bildern Klinger 3, 8. A@3@c@gγ) greuel
für blut- und gewaltthaten, die von einzelnen verübt werden, oder krieg, empörung, executionen u. dgl. begleiten, setzt sich erst seit dem 18.
jh. recht durch: wie ist es möglich, dasz eine so thätige regierung, wie die sardinische, nicht kräftige maszregeln gegen solche gräuel (
morde aus rache) zu ergreifen weisz?
grafen Stolberg 6, 316; dasz gott im ordentlichen natur- und geschichtsverlaufe dergleichen gräuel (
wie das blutbad zu Bethlehem) zuläszt, ist zu verstehen Strausz 4, 76; während ihr gemahl in neuen blut- und gewaltthaten zerstreuung sucht, .. blickt sie aus ihrem frauengemach auf die unerhörten, vergeblichen gräuel zurück Grabbe 4, 200
Blumenthal; ich habe eine ehrsame wunde, die einer meiner getreuen mir schlug, indem ich den greuel abwehrte (
unthaten der seinen an den eigenen landsleuten) Hölderlin 2, 165
Litzmann; Constanze brachte die krone an das schwäbische kaiserhaus, nicht ohne blutigen zwiespalt der parteien und eine mit greueln befleckte eroberung Platen 3, 7
Hempel; unsere chroniken bewahren noch mit blutigen lettern tausend gräuel, so jene scheuszlichen horden (
die Tartaren) dermaleinst in diesen fluren verübet Holtei
erz. schr. 13, 132; sie (
die vorsehung) fand die voraussendung aller der uns empörenden und erschreckenden greuel nöthig (
von der französ. revolution) Klinger
werke 11, 11; die nationalversammlung ward nun offener greuel beschuldigt Häusser
deutsche gesch. 1, 345; dieses ist auch die ursache, dasz die gräuel in Indien bisher ungestraft geblieben sind Archenholz
England u. Italien 1
1, 21; in Chalkis namentlich fielen arge greuel vor; im ganzen ward aber doch in den strafgerichten (
seitens der Römer) masz gehalten Mommsen
röm. gesch. 2, 47. A@3@c@dδ)
eine eigene geschichte hat greuel der verwüstung;
die wendung beruht auf 3
Danielstellen: und bei den flügeln werden stehen grewel der verwüstung (
erit in templo abominatio desolationis) 9, 27; die werden das
[] heiligthum in der feste entweihen .. und einen grewel der wüstung aufrichten (
et dabunt abominationem in desolationem) 11, 31; wenn das tägliche opfer abgetan und ein grewel der verwüstung dar gesetzet wird (
posita fuerit abominatio in desolationem) 12, 11;
vgl. auch 1.
Makk. 1, 57;
Matth. 24, 15;
Marc. 13, 14;
die ältere theologie dachte dabei anscheinend stets an heidnische standbilder (
vgl.greuel
götzenbild 1 b),
doch ist das den zahlreichen benutzern der Danielstellen nicht immer klar: wenn ir sehen werdend den grwel der zerstörung, darvon der prophet Daniel gesagt hat Tschudi
chron. Helvet. 2, 34; Daniel geweissaget hat das der grewl an der heilgen stadt sampt der verwüstung werde stehn Nic. Herman
sontags evangelia 164
Wolkan; wenn nach Daniel sich hebet fluch und greul an heil'gem ort Brentano 1, 360; zur zeit do das liecht evangelium der heiligen bilder ausz den kirchen gebissen, ... ist an ir statt ain grewl der verwüstung gestelt, die bildnusz des grewlichen thiers (
Luthers) Nas
antipap. eins u. hundert 1, 63
b; vor allem erklärte man die bilder in den kirchen für einen greuel an heiliger stätte Ranke
reform. gesch. 2, 16;
doch wurde die wendung frühzeitig aus ihrem rahmen gelöst und mannigfach anders verwendet: also ys de christenheyt in den affgrundt unde in den gruwel der verwöstinge gevallen Rotmann
restitution 12
neudr.; ist mir die geschichte nicht mehr, was sie mir sonst schien, ein gräuel der verwüstung auf einer heiligen erde Herder 17, 353; und wo der gräuel der verwüstung mitleid und trauer erregt hatte, da sprossten bald nachher wieder schöne saaten Steub
drei sommer in Tirol 1, 290;
auch im plural: die grewel der verwüstung menschlichen geschlechts Guarinonius
buchtitel; mein ... sohn hat mir von den gräueln der verwüstung, die er (
nach der schlacht bei Hanau) in jener gegend und auf dem ganzen weg zu erblicken gehabt, nicht genug erzählen können Göthe IV 24, 190
Weim.; aus den spielwaren- und andern läden, wo an diesem tage greuel der verwüstung herrschten Seidel
Leber. Hühnchen (1899) 82;
variiert: eth ys dat sulve volck (
die juden) ... in all sülcken grüwel unde vorwöstinge gekommen, dat se godt eren heren unde syn wordt gantz vorachteden Rotmann
restitution 8
neudr.; die thore wurden aufgebrochen und die stadt allen greueln der plünderung preis gegeben Niebuhr
röm. gesch. 3, 672; gibt er (
der dichter) uns ein bild von den greueln der zerstörung einer stadt Brunn
kl. schr. 3, 99;
vgl. auch: gräuel werden Europa verwüsten Klinger
werke 3. 23. A@3@dd)
gern parallel mit anderen substantiven, die dem begriff des wortes oft besondere farbe geben; davon auf die ältere zeit beschränkt: damit (
hat er) ... allerhand greuel und scheuel, sonderlich aber die abgötterey ... veranlasst Dannhawer
catechism. milch 1, 154; in dem sie dahin arbeiten, dasz die orgeln, als ein öffentlicher grewel und schewel aus den kirchen strack heraus gerissen werden Riccius
music-büchelein (1631) 8: wenn die eltern gottlos sein, ... so werden aus den kindern ... eitel grewel und schewel Mathesius
Syrach (1586) 3, 32
b; das gaukelspiel der welt ist nichts als lauter list, die so voll schand und greul als schön von aussen ist Rachel
satyr. ged. 104
neudr.; dich treibt die deinige (
lust) zu schand und gräuel an Drollinger
ged. 46; indessen ist dieser englische freiheitskampf nicht durch die schanden und gräuel entehrt worden, welche unsere tage so scheuszlich gemacht haben Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 471; noch habe ich von den Franzosen nichts als ihre gräuel, ihre laster kennen gelernt H. v. Kleist
br. an s. braut 197
Biedermann; da kamen über uns gezogen die schmach, die greuel ohne zahl Schenkendorf
ged. (1815) 59;
[] all' die qualen, gräu'l und wunden hab' ich schon auf dieser erden, hab' ich in Florenz gefunden Geibel 1, 169
Cotta; vgl. auch 3 a; alle gewaltthaten und greuel, welche dem zuchtlosen sieger möglich sind Freytag 13, 55; revolutionen mit allen sie begleitenden schrecken und gräueln Pückler
briefw. u. tageb. 4, 84; es sträubte sich mein heldenhaar des mords und greuels wegen Blumauer
ged. (1782) 203; von den beiden frauen, deren feindschaft im sechsten jahrhundert das fränkische königshaus mit gräuel und blut füllte Freytag 17, 199; wyr sind nit alleyn vom tempel durch bapsts- und menschenlere vorfuret, sondern haben auch yhn zurbrochen .. mit allerley frevel und grewel Luther 10, 1, 1, 431
Weim.; die grosse Babilon, die mutter aller unzucht und grewel Mathesius
ausgew. werke 188
Loesche; seine (
Lucifers) possen seynd eitel frembde figuren und lügen, die gott nicht hat in ihme in form eingeführet: er aber führet sie in sich in formen ein, und weiln es wider seine schöpfung laufet, so sinds lügen und greuel Jac. Böhme
schr. (1620) 2, 47;
gr. und irrthum, schulden
s. o. c
α;
unten e;
gr. und spott, lästerung
s. u. 4;
gr. und fluch, verwüstung
s. o. c
δ. A@3@ee)
oft im ausruf: gräuel — vater Jupiter — hochverrath! Minerva, deine tochter, steht dem rebellen bei Göthe 39, 203 (
Prometheus); welcher gräuel! können menschen ihre nebenmenschen so verdammen Nicolai
Nothanker 2, 13; o greuel! kaum berührt er Berthen mit seinem bart, als sie, statt ganz ein weib zu werden, ganz drache ward Pfeffel
poet. vers. 2, 132; ha des greuels! harpyen gebar Anadyomene! Klopstock
oden 2, 89
Muncker-Pawel; ja, du suchst unsre freud durch undank noch zu stören pfuy spott! pfuy schmach, ... pfuy gräul Hafner
ges. lustspiele 1, 102;
auch gesteigert: o grewel uber alle grewel Luther 8, 513; o gruwel aver gruwel Rotmann
restitution 76
neudr.; diese phrase auch sonst in emphatischer sprache: sindt das nicht grewel und yrtumb uber greul Luther 34, 1, 507
Weim. A@44)
von wort und rede; ein sehr seltener gebrauch; mit ganz besonderer färbung schon mhd.: maneger sagt den wîben von dem guote grôzen griule (
schauerliches, wunderdinge): kumt si mit ze Riuwental, sî vindet dürre miule Neidhart 49, 7;
sonst einfach '
grauenhaftes, abscheuliches': die unsinnigen saszen halb nackt und sagten gräuel Claudius 4, 125;
im sinne religiösen frevels (
s. o. 3 c
α): wenn der wald, wenn felsen wiederschallen, frevler, deinen greul und deinen spott, o so tönen dieses tempels hallen: 'eine feste burg ist unser gott!' Schubart
sämtl. ged. 3, 30;
schon weiter ab steht: das evangely der mönch zu Parys, welches sie ... umb das 1260. jar gemacht ... hatten, voll allerley grewel und lästerung Fischart
binenkorb (1588) 29
a,
das sich eher stellt zu greuel und irrthum,
gr. u. lügen 3 a
α,
d. A@55)
adjectiva neben greuel.
im 16. 17.
jh. ist grosz
das allgemeinste epitheton: es ist der aller gröst greuel auf erden, das nyemant der dürftigen not sich wil annemen
kampf d. schwärmer gegen Luther 25
Enders; von S. Dominici, des predigermünchs, ... artlichem leben und grossen greweln Fischart
buchtitel; (
die alten Deutschen) sagten, es were der gröste gräwel, das unbegreifliche wesen der herrligkeit gottes an einem steine ... anbilden Schill
teutsch. sprach ehren kranz (1644) 262; ich habe mich bey der anhörung eines so groszen greuels (
dasz für geistl. compositionen ital. operntexte [] verwandt wurden) ... nicht wenig geärgert Scheibe
crit. musicus (1745) 176; Luther
scher lieblingsausdruck: erschrickt dein hertz nicht fur solchen grewlichen grewel deiner abgotterey
werke 30, 2, 564; viel grewlicher grewel 26, 488;
weitere beispiele unten und unter 6;
daneben anderes: die verstendigen werdens leichtlich mercken, weil es ist ein lauter grewel für gott Nigrinus
von zäuberern (1592) 192; ein hochsträflicher grewel Ayrer
hist. processus juris (1600) 341; von dergleichen und wol ärgeren gräueln, so sich bey den heydnischen oraculn begeben Prätorius
abentheuerl. glückstopf (1669) 169; gott ... bestraft auch den verborgensten gräuel Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 276;
gelegentlich wird in dem epitheton eine prägnante bedeutung von gr. fühlbar: so sollen wir got .. bitten umb weiter erclerung und erkanntnusz solchs stinckenden grewels (
des päpstl. wesens) Cronberg
schriften 12
neudr. (
vgl.greuel '
unrat' 1 c);
an eine verbale verbindung (
siehe u. 7 d)
ist anzuknüpfen: unerhörte greuel und widernatürliche sünden Triller (
s. o. 3 c
β);
ähnlich: wenn ir sehen werdent ... den unauszsprechlichen grewel der verstörung am heyligen ort Sleidanus
reden 40
Böhmer (
vgl. 3 c
δ); dies waren mir alles unsägliche greuel G. Keller 1, 348;
gern mit attributen des subjects, z. b. bäpstliche grewel Micraelius
Pommerland (1640) 4, 67; heidnischer gräuel Aurbacher
volksbüchlein 36;
ähnlich im scherz türkischer gräuel (
kaffee) Voss
gedichte (1802) 1, 99,
vgl. 1 b; thierischer greuel
für sünden des fleisches Lavater
verm. schriften 2, 60;
eigen: dann ihr alle, so gereinigt von dem fremden gräuel (
dem gr. der fremdherrschaft), alle ihr, nun so geeinigt zu der eintracht knäuel Rückert 1. 128; ich stand auf bergen hoch und übersah die erde, ... ich sah den blut'gen greul (
gr. des blutes), der lag auf ihren tiefen 129.
auch bei persönl. bedeutung des subst. sind einige attribute typisch; an gr. der verwüstung (
s. o. 3 c
δ)
lehnt sich anscheinend: der wüste grewel (
d. i. der papst) sitzet schon an heylger statt Gengenbach 337
Goedeke (
anspielung auf die Danielstellen. denen gr. d. verw.
entstammt)
; auch dinglich (
ohne diese beziehung): das bapstum hat einerley heubt und dennoch mancherley und nicht einerley leib, das mag mir ein wüster grewel sein Luther 26, 603;
noch heute als schimpfwort im alem.: du wüeste grüwel! Staub - Tobler 2, 834; der grewliche grewel zu Rom, der sich bapst nennet Luther
wider das bapstum (1545) A ij
b;
ebenso werke 7, 671
Weim.; weniger characteristisch: yhr ungeheure grewle der welt (
bischöfe) 8, 501; denn wird entdeckt seyn abentewer, das er (
der papst) eyn greul ist ungehewer H. Sachs 22, 133
Keller-Goetze; der unmenschlich grauel (
papst) Eb. v. Günzburg 2, 26
neudr.; doch war er (
Cromwell) nicht der schwarze gräuel, wozu viele ihn gemacht haben Arndt
ansichten u. aussichten (1814) 395. A@66)
genitive neben greuel.
meistens hat der genitiv die function, die begriffe beider subst. zu parallelisieren; so namentlich neben dem sing., in älterer zeit ausschlieszlich mit religiöser orientierung: diese meinung berechnet man 2000 jahre, ohne gesetz, unter dem greuel vieler götter (=
des polytheismus) Harsdörffer
teutscher secretarius 2, 49; wo ist der grewel des papstums her entstanden Moscherosch
insomnis cura 38
neudr.; das du sihest, wilch eyn grewlicher grewel des unglawbens unter dem schonen leben ligt Luther 10, 1, 1, 408; sed est ein schertz gegen dem greulichen greuel der messe 34, 1, 205; was stellstu vor dein angesicht den grewel unsrer sünden? Sim. Dach
bei Fischer-Tümpel 3, 72;
[] doch jetzt ergreift er (
gott) die waffen den greul der sünde (
auf erden) abzustrafen Hartmann
volksschausp. in Bayern u. Österreich 31, 84;
vgl.(
das weibervolk) war gekommen mit besen und bürsten ..., dem gräuel der sünde und schande (
des schmutzigen junggesellenhaushalts) ein ende zu machen Raabe
hungerpastor (1864) 3, 175; weil seiner (
Roms) laster greul uns stets vor augen steht Gottsched
deutsche schaubühne 4, 23;
auch sonst werden bis in jüngere zeit hinein aus dem gen. prägnantere bedeutungen von gr. fühlbar (
vgl. Kramers
scheidung oben 3 c): was konnte dich bewegen, diesen mund ... mit schwarzer sprüche greuel zu entweihn Grillparzer
werke (1887) 4, 55; das wahre fürstenherz, das keine scene, kein greul des todes niederschlägt Mastalier
ged. (1774) 28; sein (
Christi) ganzer körper fliegt am kreuz empor; — er fühlet des todes siebenfache gräuel Ramler
lyr. ged. (1772) 355; aber bald wurden die musen durch den greuel der wafen aufs neue aus Latien vertrieben Bodmer
sammlung crit. poet. schriften 1, 83; willst du wirklich den gräuel des blutes über ein schuldloses land ausgiessen? Meiszner
skizzen 2, 112; dasz der greuel des menschenopfers erst von den Puniern bei ihnen eingeführt worden sei Ranke 14, 5; drei funken irrten zuletzt noch ratlos an den zischenden scheitern hin ..., die letzten flüchtlinge aus dem greuel einer wassersnot Ludwig 2, 175;
erst in neuerer zeit auch in unbestimmterem sinne: wer will da worte finden, den gräuel der niederträchtigkeit zu zeichnen Lavater
physiogn. fragm. 1, 89; in dem gräuel von kabalen, schwarzer verläumdung, falscher devotion, spiel und wohlleben Iffland
theatral. werke 1, 142; barmherziger gott, ... welch ein greuel von menschenverbindung an deinem altare (
von einer seltsamen ehe) Thümmel
reise 9, 144; so ein greuel von miszverhältnissen, als ich nur einigermaszen zu balanciren hatte, ist mit gedanken kaum zu fassen Göthe IV 9, 187;
plurales greuel
mit gen. wesentlich erst seit dem 18.
jh.; häufig sind subjective genitive verschiedenster art, z. b. die greuel des pabstthums
allg. dtsch. bibl., anhang zu 25—36, 3418; seine (
des volkes) verwilderung, die in den greueln der revolution gesteigert war Gervinus
gesch. d. 19.
jhs. 1, 5; ob die greuel der commune zum ausbruch gekommen sein würden, wenn Bismarck
ged. u. erinn. 2, 138
volksausg.; in anderen fällen handelt es sich weniger um die vorstellung des urhebers, als um die innerer verbindung, wie beim sing.; dementsprechend oft auch bestimmtere fassung des begriffs von greuel: (
das südl. Hochafrika,) wo sich noch nicht die greuel der sklaverei eingewurzelt haben Ritter
erdk. 1, 102; die vorstellungen vom baue des körpers sind mangelhaft trotz der vivisektionen, welche die greuel der menschenopfer mit sich brachten Ratzel
völkerkunde 2, 131; ein ander mittel, die eingeschlichenen greuel dieser feste (
opferfeste) abzuschaffen Gottsched
neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 2, 184;
in loserer verbindung: so öffnet sie (
die unwissenheit) dagegen allen gräueln des aberglaubens die thore H. v. Kleist
br. a. s. braut 207
Biedermann; dasz er .. die unrechtmäszigkeit seiner gefangenschaft und alle die gräuel der tyrannei, die während derselben an ihm verübt worden waren, ... vor den augen der nation ausgestellt haben würde D. Fr. Strausz 9, 126; du kannst die gräuel einer schlacht, eines lazarets darstellen Bürger 1, 344
b Bohtz; sehr häufig in fällen wie: die greuel des 30 jährigen kriegs Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung 3, 436; die anfänge der neuen zeit gingen unter in den stürmen und greueln der bürgerkriege Justi
Winckelmann 2, 1, 166;
nicht selten ist ein halb temporaler genitiv: lass nicht dein heilig angesicht die greuel meiner jugend lesen Neukirch
ged. (1744) 83;
[] ein priester predigte am fest der Magdalene vom greuel ihrer ersten lebensart Goekingk
ged. 3, 238; und schändet unsers jungen kaisers morgen durch keinen greuel schwarzer mitternacht Zach. Werner
Martin Luther (1807) 246. A@77) greuel
in verbalen verbindungen. A@7@aa) ein greuel sein (werden).
das 16. 17.
jh. kennt absoluten gebrauch, ohne ein object der person: die thoren .. sind ein grewel mit ihrem wesen
ps. 14, 1; die kinder der gottlosen und die sich zu den gottlosen gesellen, werden eitel greuel
Sir. 41, 8; auch ewer sitten und wandel gegen diser gehalten gleich ein grewel sein Seb. Franck
chron. u. beschr. d. Türkey (1530) A III
a; wäre nun hoch zu wünschen, dass unser land kein grewel wäre
F. Wyss
nach Staub-Tobler 2, 834; zu tödten aber den, der nichts als dein heyl und bestes sucht, das ist fürwar ein grosser grewl D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 23;
später selten: alles, was Richard thut, ist greuel; aber alle diese greuel geschehen in absicht auf etwas Lessing 10, 121; ist das eine erziehung? nein, das ist ein gräuel Brunner
erzähl. u. schr. 1, 252;
im dialekt: dat is en gruels
drückt erstaunen und verwunderung aus Schütze
holst. 2, 65; dat were jo wol een grouwel
das wäre doch erschrecklich brem. wb. 2, 551.
meist durch ein object erweitert: A@7@a@aα) einem ein greuel sein.
erst seit der reformationszeit voll entwickelt; mhd. selten: daz hie vor under den alten vetern ire etlich ein unmenschlich ... strenges leben fuorten, daz ze disen núwen ziten etlichen weichen menschen ein grúwel ist allein dur von hOeren sagen Seuse
dtsch. schr. 107, 23
Bihlmeyer; mit persönl. subject: wer solches thut, der ist dem herrn ein grewel
5. Mos. 18, 12; falsche mäuler sind dem herrn ein grewel
spr. 12, 22;
ein viel citierter und variierter spruch: der gerechter gott, als welchem solche zweizüngige leute ein greuel und abscheu sind Rist
d. friedewünschende Teutschland (1648) 18; einen könig ..., der alles böse hasset, und welchem fürnemlich die blutgierigen und falschen ein greuel sind Besser
schr. 1, 157
König; ich suche freundschaft; aber wie?gesellen, gelbschnäbel, klugsichdünker, obenaus, glattzungen, ... sind mir ein klarer abscheu, greul und graun Tieck
schr. 3, 420;
der religiöse einschlag, den namentlich Luthers bibel dem wort gab, bleibt lange an der wendung haften: das ihr vertilgt die christn alsandt, welche seind mir und gott ein greil Ayrer
dramen 3, 1785
lit. ver.; ja ein recht greuel kan fürst Fakardin uns seyn, der schaum verdammter christen Lohenstein
Ibrahim sultan (1679) 21; wer sich aber nicht nach Rom bequemt, ist den wahrhaft römisch gesinnten ein greuel Göthe 46, 63;
vgl. selbst noch: die benachbarten völker, denen sie (
die ältesten Römer) ein gräuel sind, weisen ... die zumuthung zurück, ihnen ihre töchter zur ehe zu geben Jhering
geist des röm. rechts 91;
erst in jüngerer zeit auch freier: du lebst ... dasz du allen menschen ein greuel bist Wieland
Lucian (1788) 6, 50; der stolzen frau war dieses kind ein greuel Göthe 10, 281; ein klug schwatzender vorleser ... wäre mir rund heraus ein greuel Fontane I 4, 85;
auch reflexiv: nun bin ich von gott verworfen und verflucht und mir selber ein gräuel Simrock
dtsch. volksbücher 2, 34; so werden sie, wenn sie nicht versumpfen, über kurz oder lang sich selbst ein gräuel und eine last sein Fontane I 5, 297;
sprichwörtlich: der im selbs heyltumb, ist andern ein grewel Seb. Franck
sprichwörter (1545) 1, 41
a; Eyering
proverb. 1, 541; Schellhorn
sprichwörter 118.
auch bei nicht persönlichem subject ist das religiöse gebiet zunächst der hauptgeltungsbereich: falsche wage
[] ist dem herrn ein grewel
spr. 11, 1;
vgl. 20, 10; ihr (
der revolution) antireligioser theil war mir ein greuel Haller
restauration der staatswissensch. 1, vii; die Griechen, denen die kriegslust der abendländischen geistlichen ein gräul war Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 1, 93; der ketzer lehren sind mir ein gräuel Alexis
hosen 1, 95;
zu 1 b: wie konntest du so lange weilen bey den götzenbildern .., die uns ein gräuel sind? J. G. Jacobi 4, 63;
zu 3 c
β: frygische nachtorgien zuerst besudelten .. die griechische religion mit jünglingsschändung, die noch dem pisandrischen zeitalter ein greuel war Voss
antisymb. 67; ich erkläre ihnen ..., dasz die sklaverey des klosters mir ein greuel ist Gotter 3, 106; vollends eine verlobung oder heirath aus dem stegreife war mir von jeher ein wahrer greuel Göthe
gespräche 4, 261;
dem relig. ausgangspunct entspricht der gebrauch der wendung zum ausdruck sittlicher verurteilung: der pracht und die eitelkeiten der weibsbilder sind dem ehrlichen mann ein greuel v. Loen
ges. kl. schriften 1, 40; das ewige geltenlassen, das leben und lebenlassen war ihm (
Merck) ein gräuel Göthe 29, 93;
doch auch freier: denn der poetiker hasset alles selbstarbeiten; es ist ihm ein greuel Klopstock
gelehrtenrepublik 156; ich sage der wohllaut; weil dieser zwar zwey auf einander folgende tonlose sylben duldet, drey dergleichen aber ihm ein gräuel sind Adelung
lehrgang d. dtsch. sprache 2, 27; ohne den brief wäre mir das telegramm ein greuel gewesen Fontane I 4, 425;
erweitert: alles übrige war ihrer genügsamen seele überflusz und greuel Schubart
leben u. gesinn. 1, 104; dem dogmatismus ... ist diese behauptung eine thorheit und ein gräuel Fichte 1, 499; und ein wischwasch entsteht, der dem lieben gott eine thorheit und den menschen ein greul ist Heine 3, 418; die fremdsucht ist ihr (
der deutschen sprache) galle, gift und greuel Jahn 2, 11;
statt des substant. subjects auch nebensätze oder infinitive: es ist einem teutschen helden ein grewel, wan er dergleichen wälsche lappenbossen siehet Moscherosch
gesichte 2, 61; es ist mir ein greuel, mich also rufen zu hören Hauff 1, 99. A@7@a@bβ)
an stelle des dativobjects auch präpositionen oder objectiver genitiv: was hoch ist unter den menschen, das ist ein grewel fur gott
Luc. 16, 15;
zum sprichwort geworden, vgl. Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 130
a; hoffart ein grewel ist vor gott Eyering
proverb. 1, 74; hochmuth ist ein gräuel vor gott Fouqué
gefühle, bilder 1, 251; die bapstlich mesz ... ain greil vor got ist
städtechron. 23, 349; ist dir die sünde so zuwider, die dann ein greuel ist vor dir Besser
schr. 2, 831
König; denn die Egypter thren nicht brot essen mit den Ebreern, denn es ist ein grewel fur inen
1. Mos. 43, 32;
im 16.
jh. an häufigkeit hinter dem bloszen dativ nicht zurückstehend; jünger und seltener: (
der liebling des glückes) der millionen von menschen vor sich gebogen sieht, für die er auf dem throne ein greuel ... ist Zimmermann
von dem nationalstolze 199; ihr, der religion unächte, wilde töchter, ihr seyd ein später gräul für menschliche geschlechter Löwen
schriften 1, 24; der mann war ein ... gräuel für jeden, der etwas auf ein wohlgewaschenes gesicht ... gab Raabe
hungerpastor (1864) 1, 70;
anderes vereinzelt: alles, was hoch ist und erhebt bey den leuten, das ist unachtsam und ein grewel bey gott Luther 1, 268; ich armer bin ... bey vielen ein eckel und grewel worden 18, 459; dann der nam exarch, Griech und constantinopolitanisch reich war ein greuel bei den Römern worden Seb. Franck
Germ. chron. 63
2; warum es aber in allen gesitteten staaten ein gräuel ist seine allernächsten anverwandten zu heirathen Hippel
über die ehe 145; ach soll denn ich, nur ich allein ein greuel meines schöpfers seyn? Günther
gedichte (1735) 64;
[] vgl. und wirstu mit der zeyt, bey sichelkrummen rücken gleich mit dem ganzen leibe nicken, so wird diesz stumme ja! alsdenn mein greuel seyn Stoppe
Parnasz (1735) 195; fern sind die trauten meines herzens, ich bin ihr scheusal, bin ihr greul Schubart
sämtl. ged. 1, 120. A@7@bb) zum greuel machen, werden: du hast mich inen zum grewel gemacht
ps. 88, 9; ach seele, weil du siehst die scheuszliche gestalt (
die sünde), die dich zum greuel macht Canitz
ged. (1727) 26; (
wie ich) jetzt im begriff wäre, einen schritt zu thun, der mich meiner ganzen familie zum greuel machen müszte Schubart
leben u. gesinn. 1, 248; es war der mangel eines allgemeinen strengen unbeweglichen gesetzes der gerechtigkeit, welches jedes andere gesetz zum gräuel machte
F. H. Jacobi 2, 374; (
er soll) beflecken nicht das band, das uns vereint, und so der jüngstverflossnen jahre lauf zum greuel machen und zum ärgernisz Grillparzer 6, 22; einem zu einem greuel werden Kramer
teutsch - ital. (1700) 1, 564
a; durch die ereignisse der letzten zeit ist's (
das land) mir zum greul geworden und zur hölle Grillparzer 6, 210. A@7@cc) für greuel halten, als greuel erscheinen
u. ä.: etwas für ein greuel halten Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
a; und spricht: was hoch ist bi der welt, min vater das für ein grüwel hält
N. Manuel
Barbali 394; Herodes heer hält dich für greul, und bist doch nichts als lauter heyl P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 327
a; die einen hielten die kindertaufe nur für unnütz, die andern für einen greuel Ranke
reform. gesch. 3, 365;
gelegentlich: sie (
die Ägypter) hielten die kinder Israel wie ein grewel
2. Mos. 1, 12; wasz es eine ahngenehme sach vor mich ist, die dieszen heurath all mein leben wie ein greuel ahngesehen
briefe d. Elisabeth-Charlotte v. Orleans 44; beyliegende acten enthalten die blätter, welche künftigen geschäftsmännern nothwendig als ein gräuel erscheinen müssen Göthe IV 27, 185; sowie das moralische gefühl ... wieder erwachte, muszte dieses verhältnisz (
der pfründen-verschenkung usw.) überhaupt als ein greuel erscheinen Ranke
werke 8, 132. A@7@dd) ein greuel zu sehen, ein
gr. in jemandes augen sein
u. ä.: greulich wird erklärt durch scheutzlich, erschrecklich, eyn grewel anzusehen Emmelius
sylva quinquelinguis (1592)
unter greulich; wie musz nun dieses wol ein schmertz und grewel zu sehen gewesen sein Spee
güld. tugendbuch (1649) 73; als er ankam zu Krotona, war es ein greuel zu sehn, wie da gelebt wurde Heinse 3, 417
Schüddekopf; geschunden ist's, ein greul zu sehn.ein stück fehlt von der wange H. v. Kleist
krug 37; befreye meine augen von dem gräuel, dich anzusehen Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 2, 340; sehen sie nur den greuel an, wie ihr professor Fischer die farbenlehre vorträgt Göthe IV 33, 174; es ist ein greuel, wenn man sieht
s. o. α;
vgl.ech hâ mí gríl drân gesèn Hertel
thür. 110; wie solten sie zu solcher sünde kommen, das ist ihnen ein grewel in ihren augen
Reinicke fuchs (1650) 192; insonderheit war ihnen Mallia ... ein greuel in augen Lohenstein
Arminius (1689
f) 1, 244
b; es musz folglich ein satyrenschreiber ... ein greuel in jedermanns augen seyn Liscow
samml. sat. u. ernsth. schriften 193; die Eckartschen camine waren ein greuel in ihren augen Hippel
lebensläufe 2, 137; wurde ich zur 18. compagnie eingetheilt, wo ich dem hauptmann ein greuel im auge bin
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 1, 13; denn er war ein gräuel vor ihren augen Rabener 2, 56 (
vgl. o. a
β);
Ugolino sagt zu Anselmo: [] du gräuel meiner augen! Gerstenberg
Ugolino 262
Hamel; (
so arge schmähungen) dass es nit allein allen erbaren oren ze hören, sunder auch der sunnen, die zuo überschynen, ein grewel ist
alem. quelle von 1531 Staub-Tobler 2, 834; ist iehmals, weil der bau der groszen welt gestanden, so grimme tyranney und greuel auch erhört? Gryphius
gedichte 66
Palm; ein solcher greuel ist nicht erhöret worden, weil die universität gestanden Thomasius
nachahm. d. Franzosen IV
lit. denkm.; vgl. unerhörter greuel 5. A@7@ee) greuel begehen, verüben, häufen
u. ä.: allerley greuel thun, üben, begehen Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
a; darumb haltet meine satzung ... und thut dieser grewel keine
3. Mos. 18, 26;
vgl. 1. Kön. 14, 24; damit er einen grewel begehet
Hes. 18, 12; den greul den er begangen, wird er noch tugend nennen Dusch
verm. werke 17; darumb werden sie mit schanden bestehen, das sie solche grewel treiben
Jer. 6, 15; wahrlich, die bösen leute zu Ruechenstein betreiben ihre gräuel wenigstens mit einem gewissen aufwand G. Keller 5, 197; also zahlen dem Orpheus bis jetzt, dem erschlagnen, die weiber buszen für jenen gräul, welchen an ihm sie verübt A. W. Schlegel
im Athenäum 1, 114; von ähnlicher schwere der verübten gräuel ist die geschichte der Procne Hegel 10, 2, 32; hab deinen zorn erwäkt und mich von dir gekehrt zu grosser übelthat, hab gräuel angerichtet Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch 14; könige, schaaren aus völkern vollführeten viele, nicht kleine greuel in jahrhunderten Klopstock
oden 2, 102
Muncker-Pawel; (
romane) in welchen ... greuel auf greuel gehäuft sind Knigge
umgang m. menschen (1796) 2, 106; seine tragödien behandeln die furchtbarsten vorwürfe, ... mit gehäuften greueln Ludwig 5, 223; (
die neueren dichter) haben ... um den mangel an charakter zu verstecken, eine menge der unnatürlichsten greuel auf das haupt ihrer helden gehäuft Platen 3, 240
Hempel; alle greuel wegthun, abthun, abschaffen, ausrotten (vom greuel reinigen) Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
a. BB.
empfindung des grauens. indem theils das gefühl der furcht, theils das des abscheus stärker betont wird, ergibt sich eine bedeutungsspaltung, die eine wortspaltung zur folge hatte. B@11) '
furcht': swelch man diu jâr hât âne muot, diu doch manzîtic sint, dem machent lîhte butzen griul Leutold v. Seven
in: W. v.
d. Vogelweide 261, 6
Wackernagel-Rieger; und maniger argen smehe, und slahen an der seule, swenne ez die reine sehe, so wer sie aller smehe sunder greule
j. Tit. 5479, 2;
frühzeitig mit dem einschlag: furcht vor unheimlichem, grauen: wêre ich in einer wüestenunge aleine, dâ mich grûwelte, hiete ich dâ bî mir ein kint, sô vergienge mir der grûwel und würde gekreftiget
myst. 2, 104, 12;
mnd. sehr verbreitet: van juwem gruwele (
vestro terrore) dar to gedreven
Jos. 9, 24
halberst. bib. (1522); dat schweet dat breckt em uth vör gruwel und vör gräse Lauremberg
scherzged. 2, 478; unde men kone nicht ein sak (
wolle) verkopen, alse it plecht to to gande, wen ersten de gruwel (
bestürzung, panik) darin kumpt
brem. urk. von 1567
bei Schiller-Lübben 2, 161,
woselbst weitere belege; im heutigen nd. wohl allgemein, auch in einigen md. dialecten: gruwwel, grüwwel
das grauen Strodtmann 77; grouwel
brem. wb. 2, 551; grool Stürenburg
ostfries. 76
b; gruel, gruwel Dähnert 163; grauwel, grūwel, gruwwel Vilmar 135; grugel Mi
mecklenburg.-vorpomm. 29; gruggel, grüggel Woeste
westfäl. 86
b; grujel
grusel lux. ma. (1906) 157;
redensarten: do koning Cristiern dat vornam, beth en
[] de gruwel
überfiel ihn das grauen hamburg. chron. 21
Lappenberg; bit dy de gruwwel
grauet dich? Strodtmann
a. a. o.; de grouwel kumt mi an
brem. wb. a. a. o.; mi geet de gruwel an
ich bin furchtsam und bange Dähnert 163; 's geeht een e graul an, durch manche strassen zu loofen Müller-Fraureuth 1, 437;
aus diesem nd.-md. gruwel
ist ein heute auch der schriftsprache nicht fremdes grauel (
s. d.)
erwachsen, meist mit der verengerten bedeutung '
gespensterfurcht'. —
obd. findet sich die bedeutung '
furcht, grausen'
im älteren nhd. nur in spuren: ich werde ein lügner erfunden, wo nicht die erfarung yhnen selbs offt ein grawel gemacht hat, do von ich nit sagen will Eb. v. Günzburg 3, 7
neudr.; es sol dir ja kein grüwel bringen
tragödia Joannis ... gespilt zu Solothurn (1549) I iiij; forcht, grewel, schröcken, zettermordt gespüret ward an allem ort Spreng
Äneis 38
a; B@22) '
abscheu'.
erst bei den nhd. lexicographen: abominatio, detestatio, horror Alberus (1540) H H j a;
abominatio Maaler (1561) 192
a;
abom., nausea, fastidium Serranus
synon. (1579)
s. v.; abom., horror, nausea Stieler 679;
abomination, detestation, horreur Hulsius-Ravellus
ital.-franc.-ted. (1616) 145;
abom. Wiederhold (1669) 151
a; Dentzler (1716) 140
a; Wachter (1737) 613;
abominatio kann nach kirchl. sprachgebrauch auch im sinne der bedeutung A
zu verstehen sein; vgl. A 3 c
δ; auch nd. neben der bedeutung 1,
vgl. brem. wb., Stürenburg,
dazu auch Müller-Fraureuth
a. a. o.;
mhd. anscheinend noch fehlend; auch
nhd. nur in eíner formel voll entwickelt: B@2@aa) einen greuel haben,
meist mit an: denn sölichs alles habend sy gethon, und ich hab einen greüwel an inen gehebt
Zürcher bib. (1531)
3. Mos. 20 D; alle meine getrewen haben grewel an mir
Hiob 19, 19;
vgl. Tit. 1, 16; der herr hat grewel an den blutgirigen und falschen
ps. 5, 7 (
ein viel citierter spruch, s. Dannhawer
catechism. milch 1, 39; Schupp
schr. (1663) 143; H. Sachs
unten c); lügen bin ich gram und habe grewel daran
ps. 119, 163; so gott an huory ein grüwel hat
N. Manuel
Barbali 711; joch der römischen dienstbarkeit, daran einige römische kayser ... selbst einen greuel gehabt Lohenstein
Armin. (1689
f.) 1, 64; ich hingegen und Christoph hatten unsern greuel an dergleichen unzüchtigen lebensart
Leipziger avanturieur (1750) 2, 50; er verzerrt ein griechisches bildsäulengesicht in hundert andere zu seinen figuren, so dasz der wahre kenner der natur und kunst seinen greuel daran haben musz Gleim
briefw. 1, 321
Körte; eigen: und werden myne kleyder [grewel an myr haben]
corr. in hesslich stehen Luther
bibel 1, 405
Weim. (
Hiob 9, 31); —
seltener (
zumeist alem.)
mit ab: die andern schwestern hetten ein gruel ab ir Geiler
eschengrüdel (1514) a 6
b; vil frummer hertzen haben ainen grewel ab söllichen predigern Eb. v. Günzburg 3, 267
neudr.; und hat ein gruwel ab der christenlichen warheit 1, 86; wenn das (
fleisch u. blut) hat einen grewl darab (
vor leiden) H. Sachs 7, 408, 28
Keller; auch vor
ist selten: der du ein grawel hast vor den abgöttern Hedio
Augustinus (1532) 57
b; einen greuel vor dem essen haben
abhorrere cibum Stieler 697 (
auch einen
gr. woran haben
abominari, detestari aliquid); einen greuel vor (an) etwas haben Kramer
teutschital. (1700) 1, 564
a; und uff der orgel aufgespielet, dass gottliebende hertzen dafür ein abscheuen und greuel gehabt Moscherosch
gesichte (1650) 380; (
züchtige frauen) werden diesem laster nicht allein nicht beywohnen, sondern einen eckel und grewel darvor haben
Reinicke fuchs (
Rost. 1650) 374; hätte für der menschen orden unser heyl einen greul P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 330;
[] meine tante hat einen gräuel vor Wielands gedichten Heynatz
synon. wb. 1, 55
b;
noch heute nd.: ik hebbe enen grouwel vor den minsken
brem. wb. 2, 551; en'n grûel wôvor hem Schambach 69; —
anderes vereinzelt: das sie (
die schwärmer) dem sacrament feind sind, groll, ekel, unlust und grewel im hertzen dawider haben Luther 3, 357; wir uns gemeinlich etwas darab entsetzen und ein grewel darzuo haben Ryff
spiegel d. gesundheit (1544) bb IIII
b; volck des man grewel hat
Jes. 49, 7. —
auch andere verba erscheinen gelegentlich: das nicht allein gott ... und alle fromme ... leuth, sondern auch die teufel selber einen eckel und grewel dafür tragen Musculus
hosenteufel 8
neudr.; (
der herr) gewan einen grewel an seinem erbe
ps. 106, 40; unsren sündenzustand insgesamt und ieglicher seine eigene sünde recht zuerkennen und einen greuel daran zu fassen Spener
erkl. d. erst. ep. Joh. (1699) 449. B@2@bb)
daneben gelegentlich in wendungen wie: in stosset ein gruwel an Keisersberg
sermones 139
b; so geet in im auff ein grauwel
derselbe bei Martin-Lienhart 1, 265;
etiam signa febrium sunt rigores, dasz sie greülen, als wenn man einen mit einer nadel sticht, ein grewel durch gehet Paracelsus
opera (1619) 1, 416 A; der gräuel kommt ihr an, wenn sie ein spinnrad schaut Rachel
satyr. ged. 35
neudr.; es ist recht zum jammer, gräuel und ekel, wie ohne alle überlegung man zuweilen nachgeahmt wird Bürger 206
Bohtz; welchergestalten zwey erzbetrüger ... sich freventlich und zum gräul aller ehrlichen einwohner ... erfrecht haben ihre berüchtigten nahmen zu verändern Ayrenhoff 5, 356;
sonst selten: der greuel schnüret mir die kehle zu und aller zorn verstummet in dem schrecken A. v. Arnim 20, 83
Grimm; B@2@cc)
gern mit anderen substantiven gepaart, die die bedeutung des wortes nüancieren: vol grewels und hasz wider das sacrament Luther 3, 357
b; o legt ab den grul und hass, weil es mir von hertzen leidt
engl. comed. u. traged. (1624) F f v
b; der herr hat ein grewl und unmuth den falsch-girigen nach dem blut H. Sachs 18, 38, 8
Keller-Götze (
paraphrase von ps. 5, 7);
aversor die augen abwenden, ein grewel und unwillen haben Calepinus xi
ling. (1598) 142
b; du solt einen ekel und grewel daran haben
5. Mos. 7, 26; daran alle verstendige ... leute einen grewel und ekel haben Jonas
bei Luther 18, 649
Weim.; der anblick eines hungrigen ... hat diese ansteckende kraft nicht; erbarmen und gräul und eckel kann er empfinden lassen, aber keinen hunger Lessing 6, 521;
sehr häufige verbindung, s. o. a, b; an dem der vil wort macht, hat man ein scheuhen und greuwel
Züricher bib. (1530) 638
b (
ecclesiast. 20, 8);
abominor verflchen, ein greüwel und ein abscheühen haben Frisius
diction. (1556) 8
a;
ähnlich für execror 499
b;
für detestor Calepinus xi
ling. (1598) 410
a; greüwel und abscheühen han
abominari Henisch 1741;
despuere in mores verachten und ein greüwel darab haben Frisius 400
a. CC. greuel
in der composition. seit je gern in gelegenheitsbildungen, die aber, was bedeutung und gebrauch von greuel
anlangt, im laufe der zeiten verschiebungen erfahren. nur die bedeutung A '
gegenstand des abscheus'
ist in zusammensetzungen fruchtbar geworden, und zwar ist am häufigsten und ältesten eine art adjectiver composition, wie z. b. greuelgötze (16.
jh.) '
ein götze, der ein greuel, greulich
ist'.
das 16.
jh. hat erst wenig solcher composita, meist concrete substantiva, vgl. -butze, -kelch, -suppe, -thier, -zeichen; -helm, -horn, -schild;
sie blühen im 17.
jahrh., vgl. -becher, -fleck, -schlamm;
abstracter: -ehe, -geiz, -laster, -mord, -opfer, -stück, -sünde, -that, -werk, -wort;
auch persönlich: -fürst, -kind, -mann,
im 18.
jh. nehmen sie schon ab, vgl. -bett, -ding, -gestalt, -mahlzeit, -volk, -wesen;
doch sind solche bildungen noch im 19.
jh. bis in die jüngste zeit hinein möglich, vgl. -arm, -geschlecht, -gott, -mensch, -schlund,
[] -schmuck; -ausdruck, -gebot, -gesetz, -spiel.
fühlbar unterschieden sind composita, in denen greuel-
objective function hat, wie etwa greuelbild '
bild des greuels oder von greueln'
; sie kommen erst im 18.
jh. in schwang, vgl. -geburt, -geschichte, -jahr, -leben, -scene, -stadt;
und gelangen erst im 19.
jh. zur blüte, vgl. z. b. -botschaft, -epoche, -gemälde, -haufen, -haus, -kunde, -märchen, -schilderung, -traum, -welt
u. a. das einzige alte adjectivcompositum ist greuelhaft (17.
jh.),
dem sich im 18.
jh. in ähnlicher verwendung greuelvoll
gesellt, heute abgelöst durch grauenhaft, -voll;
sonst nur gelegenheitsbildungen, vgl. greuelreich, -trunken; -bedeckt, -erfüllt.