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unmenschlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unmenschlich adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1176
unmenschlich, adj. adv. , i. a. gth. v. menschlich. ags. unmennisclîc, mhd. unmenschlîch, -lîche, mnd. unminsklich, mnl. onmenschelijc, -like, nl. onmenschelijk, n. umenneskelig, schwed. omensklig. vgl.ab-, after-, auszer-, nicht-, ohn-, über-, unter-, widermenschlich. trotz unverkennbaren einflusses von lat. inhumanus, abhominosus, abhominabilis blosze begriffsentlehnung unwahrscheinlich. 11) nichtmenschlich (s. menschlich 1 und unmensch 1): wurtzel, ampffer und kleh und andr unmenschlich speise H. Sachs 16, 110, 32 G.; veraltet. die welt ... ist ungöttlich, unmoralisch, 'unmenschlich' Nietzsche 5, 279 wortspielend mit 10. 22) unmensch 2, menschlich 2, 8 entsprechend, vgl. greulich 1 a α: ein unmenschliche creatur buch der liebe 391a; unmenschliche kleidung Musculus unter unmensch 2; gleich ihm selbst waren auch seine Hunnen nicht mehr die unmenschlichen, wie aus holz geschnitzten klötze G. Freytag 17, 141; die heiligkeit verblieb ... auf seite des ungethümlichen, unheimlichen, ganz eigentlich unmenschlichen Nietzsche 3, 119 kl. a.; unmenschliche gestalten der finsternisz G. Freytag 8, 159; mit 10: unmenschliche räuber Voss Od. 6, 120. ein unmenschlich leben Suso 107, 21 B. 33) menschenfeindlich (unmensch 4): ein junckfrow, ein witwen oder ein eefrow, sy ist nit also u., dasz sy niemans on dich hab, dem sy sich vertruwen darff Gengenbach 174 G.; vgl. abhominari verbannen th. 12, 93; abhominatus Diefenbach gl. 2c. veraltet. 44) unmensch 3 entsprechend (vgl. unchristlich 2, greulich 3): sodomitisch Staub-Tobler 4, 339; österr. weist. 1, 446, 29; unmenschliche vermischung sodomia Haym jur. 1270; sünde R. v. Ems weltchron. 3470, N. v. Wyle transl. 133, 35 K., unzucht Prätorius Blockesberges verr. 95, Thomasius gedancken (1720) 2, 240; vgl. unmenschlichkeit päderastie; unmenschliche zauberei H. Sachs 2, 75, 26 K.; Thomasius 1, 58; verblaszt Fr. Schlegel 1, 165; für uns undeutlich: Luthers meinungen erklärte er für u. Ranke 2, 114. 55) abominabilis, abominatus, abominosus, in der schreibung abhominabilis u. s. f. an homo angelehnt; abhominare, -nari, -natio, -natus Diefenbach gloss. 2b, n. gl. 2a; mnl. wb. 5, 825: ummenschlich (abominabiles) sint si gemacht an ire lerunge Trebn. psalm. 13, 1; für die verbannenschafft der verwüstung (abominationem desolationis, s. greuel th. 4, 1, 6, 212 f.): die unmenschlich zerstörung erste d. bibel 1, 173, 24*, verwüstung cod. Tepl. 1, 35; erste d. bibel 3, 423, 27*; nachvolgen den unmenschlichen werken (abominationes) der heiden bibel 1483, 91b (5. Mos. 18, 9; Luther: grewel); ewr rauch ist mir u. (Jesaias 1, 13) Folz köcher 37 M.; verallgemeinert wie greulich 5 a detestabilis, nefastus, foedus, dirus u. ä.; u., grulich, erschrockenlich gemma 1508, sehr wüst, nefarius Dentzler: das doch u. ist und wol ze verspürczen Steinhöwel ber. frauen 44; eim so unmenschlichem mordt H. Sachs 8, 717, 9 K.; s. greulich 5 b; an solcher grülichen, unmenschlichen marter Hedio ebda; eyn unmenschlich, grausam verderbnus Hutten 2, 194, 40; dises teutsch pestilentzisch, unmenschlichs zuotrincken Schwarzenberg v. zutrinken 8 ndr.; vom krieg Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch 000 i i j; die Wormser klagten über die 'unmenschliche fehde, die Fr. v. Sickingen ... wider sie erhoben' Ranke 1, 145. scherzhaft: u. dichten Triller wurmsamen 1, 7. veraltet und heute nach 10 verstanden. 66) rechts- u. geschäftssprachlich (s.unmensch 5) 'höchst ungebührlich, unerlaubt' u. dgl.: einen onmenschlichen gewalt Sleidan reden 34 B.; dieweil solches als der freiheit zuwider, u. und ungebürlich geacht worden notariatb. 8b; Aventin 4, 1099, 29; ehre Fr. Wilhelm sprichw. reg. 182; Guarinonius 947; nachklingend: ob ein erforschungsmittel .. u. seyn könne Nicolai Nothanker 1, 128. veraltet. 77) an über- und widermenschlich reichend; mnl. wb. 5, 824, 1: das die (wonderwerg) so grosz u. worent, das es ie der almechtig got thun must Windecke denkwürdigkeiten 367; mit dem bluot von so vil jünglingen syn alter zelengen, ist wider die natur und u. zegedenken Steinhöwel ber. frauen 60, dazu abmenschlich; u. zu hören acta publ. 2, 239 Palm; vgl. greulich 8 g; die rysen ..., deren ursprung und endt u. gewesen seindt Parac. 2, 493; adv. Prätorius anthrop. plut. 1, 440; verflieszend in bed. 10: das wäre so erhaben, lieber onkel, dasz man es fast unmenschlich nennen könnte H. v. Kleist 3, 87 (prinz. v. Homburg 4, 1); das übermenschliche, zugleich u. Stahr Weimar und Jena 1, 121; Pückler briefw. 1, 268; unmenschliche wünsche Gervinus gesch. d. d. dicht. 3, 514; einem gott ist eher möglich, unmenschliches (schonung der feinde) zu gebieten, als einem mann G. Freytag 8, 321. 88) unter dem menschen stehend, als menschenunwürdig seiner natur unangemessen (vgl. 2 und 12): ist es ein grosze unsinnigkeit, unmenschlicher unverstand und der natur gäntzlich zuowider Ryff anatomi h 1b; eine recht unmenschliche thorheit J. G. Schmidt rockenphil. 2, 187; ein unmenschlicher (den zweck des menschen verfehlender) zustand Herder 17, 116; u. aber ist nicht nur, was in der wirklichkeit unter der menschlichen natur steht, sondern ... Stahr Weimar u. Jena 1, 121. 99) gth. v. menschlich 10, menschen unerträglich, von ihnen nicht zu tragen, heben, leisten: bürden Happel akad. roman 1013, arbeit gewissenhafte priester 17, joch Cramer nord. aufseher 2, 126, lasten, steine Voss Od. 10, 121, frohndienste Treitschke aufs. 2, 25. 1010) menschlich 8/9, unmensch 6 entsprechend, in unserer hauptbed., 'grausam', vom sittlichen handeln, fühlen, denken. vgl. unchristlich 2. die schon mhd. u. mnl. vorhandene bed. gewinnt natürlich im zeitalter des neuhumanismus einen besonderen beiklang ('den gesellschaftlichen zustand gesitteter menschen im hohen grade verletzend' Adelung; sp. 25) und reicht dann an 11: daz er so u. in syn muoter was Steinhöwel Äsop 256 (heute: gegen); da ist er von stund an grawsam und u. worden Lehmann florileg. 4, 137; Stolle thüring. chron. 76; jemanden u. (be)handeln Boltz Terenz 62b, unmenschlichst handeln A. Gryphius lustsp. 275 P.; u. hausen Apini gl. 265, G. Freytag 13, 155; unmenschlicher weise Pape garteteufel n 1b; auf das unmenschlichste M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 5, 386. de unminsklike dôt Lübben-Walther 440a; solcher unmenschlicher wurm Abr. a St. Clara mercks Wien 103, henckersgesellen Judas 1, 126; unmenschlicher sohn! Lessing 10, 199; unmenschlicher! Göthe 22, 252, 19 W.; Pansner schimpfwb. 73b. gesetze Miller briefw. 1, 459, betragen Klinger 7, 167, wechsel Hippel ehe 31 u. s. w. subst.: unmenschliches verlangen Göthe Iphigenie 1812. 1111) unmensch 7 entsprechend, schwächer, 'inhuman': di tgent ist nit unmenschlich Schwarzenberg Cic. 73; es ist unmenschlich (vgl. 6, 10) und unehrlich, der todten ubel zu gedencken Agricola sprichw. (1534) 3b; das sie es (das vaterland) für tölpischer, ungeschickter, wilder, barbarischer und unmenschlicher (uncivilisierter) schätzen Fischart ehzuchtb. 122, 24 H.; u. war ich, ihn zu schelten A. W. Schlegel Shakesp. 1, 399 (Rom. u. Julia 2, 2); ob er so .. u. und wunderbar seyn kan, sich und mir die freude zu versagen Caroline 1, 100 Waitz. die bed. impolitus sowie ein unmensch 9 entsprechender scherzhafter gebrauch sind nicht entwickelt. wo die rohe russische luft so herbstlich und u. weht Herwegh briefe (1896) 18, vgl. unfreundlich u. greulich 4 b vom wetter. 1212) intensiv, wie unchristlich 3, greulich 1 e, 2 a, 5 e β, 6 a, 7; valde magnus, immanis, gemma 1508, m 2b; adv. Tauler pred. 130, 34 Vetter; mnl. wb. 5, 826; besonders 'im gemeinen leben' Adelung: wo so grosze, unmenschliche gebew (wie in Babylon) geschehen, da müssen viel leute zugehören, die da arbeiten Luther 19, 413; ummenschliche bosheit 30, 2, 290; 9, 549, 8 W.; unmenschlicher zorn macht unsinnig Petri V v 3a; gern von geld und gut: mit unmenschlichem gutt Luther 15, 51, 1 W., schatz Urbanus Rhegius wie man reden soll 65, summe Eyering prov. 1, 415, acta publica 5, 144 P.; breite Bodmer sammlung crit. schr. 1, 33; menge Raabe Horacker 186; geschütz Besser 1, 51; schaden Unrest chron. Car. 748; stanck H. Sachs 1, 228, 12 K.; hitz Ryff confectbuch 181b, kälte Schweinichen 558, Lichtenberg nachl. 54, 21; freud Wickram 1, 15, 38; schöne Schumann nachtb. 94; unmenschliche grosse gütigkeit Heyden Plin. 39; Ayrer proc. vb; Pietsch 392; anstrengung Hebel 2, 198, 19 B.; gelächter G. Freytag 11, 35; glück Raabe schüdderump 2, 195 u. s. w. mit 5 sich mischend: der unmänschlichen tyrany Eberlin v. Günzburg 1, 11; B. v. Chiemsee 618; Herder 3, 246. seltener von thieren und personen: ein unmenschlichen bern S. Franck chr. Germ. (1538) 265b; ein unmenschlicher philister Bauernfeld 3, 162. nicht oft prädicativ: so .. u. war hier der schmutz E. M. Arndt 1, 163. onmenschlich grosz schlangen Münster cosm. 1405; u. weit, viel, grob, reich, lieb, gelehrt, gescheit u. s. w. H. Sachs 7, 51, 4 K., Mathesius Sar. 186a, Göthe IV 3, 150, 9 W., Immermann 4, 31, Droste - Hülshoff an L. Schücking 82; Rosegger II 15, 251; u. sehr Sachs 3, 343, 14 K., unmenschlichen seer Wickram 2, 46, 11, engl. com. 51, 15 Creizenach, veraltet; in der ganzen gegend wird es u. nach der schönsten vanille riechen E. Th. A. Hoffmann 12, 95; es hatte u. geschneit Aurbacher volksb. 190; hungern Bauernfeld 3, 150, lügen G. Freytag 1, 48, lachen Gaudy 2, 108. Staub-Tobler 4, 339. Fischer schwäb. wb. 6, 202. Crecelius 847. vgl.unmensch 11. 1313) im wortspiel: unküscheit macht den menschen unmenschlich (vgl. 3, 5) Keisersberg evangelibuch 139a; unmenschlichen menschen (vgl. menschlich 7) Guarinonius 10; gegen unmenschliche menschlich sein Göthe 24, 66, 18 W. göttliche hülfe, Sara, oder unmenschliche rache (vgl. 5, 12) Lessing 2, 344, 16; da ist die sprache bald so übermenschlich, dasz sie gott erfinden musz, bald so u., dasz jedes thier sie erfinden könnte Herder 5, 46; man ist nicht gerade kein mensch, wenn man ein doctor ist, obschon etwas u. (vgl. 7) Brentano 7, 121; jene entmenschte, unmenschliche welt (vgl. 1, welt ohne menschen, hinterwelt) Nietzsche Zarath. 43 kriegsausg. 1414) menschlich 4 entsprechend: es sei diesem lande so grosze und schwere contributiones zu erheben unmensch- und unmöglich acta publ. 1, 213 Palm; Fischer schwäb. wb. 6, 202; so sonst ohnmenschlich und ohnmöglich Simpl. 2, 897 Keller; 'unmöglich': unmenschlich ist's menschlichen sinnen, die stat mit menschen hand zu gwinnen H. Sachs 11, 399, 33 K.; so were ihm die tagzeit zu Forcheim zu erscheinen viel zu langsam angezeigt, das es ihme one das u. auff dieselbige zeit dar zukommen C. Spangenberg Mansfeld. chron. 218b. veraltet.
10724 Zeichen · 311 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    unmenschlichadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    unmenschlich adj. unmenschlich. vnmenslich inhumanus Diefenb. gl. 155. der heidin unmenschlîche tât Jerosch. Pf. 14. b. …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    unmenschlichAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    unmenschlich , Adj. Vw.: s. unminschlīk

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unmênschlich

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unmênschlich , -er, -ste, adj. & adv. der Gegensatz von menschlich 2. (2), den gesellschaftlichen Zustand gesitteter Men…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unmenschlich

    Goethe-Wörterbuch

    unmenschlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    unmenschlich

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    unmenschlich Band 4, Spalte 339 unmenschlich 4,339

  6. Spezial
    unmenschlich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|mensch|lich adj. 1 inuman (-s, -a) 2 (grausam) cröde (-di, -dia)

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unmenschlich

5 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von unmenschlich 3 Analysen

un- + menschlich

unmenschlich leitet sich vom Lemma menschlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+mensch+-lich unmensch+-lich

unmenschlich‑ als Erstglied (3 von 3)

unmenschlîchen

Lexer

unmensch·lichen

un-menschlîche , un-menschlîchen adv. ib. auf un-, übermenschliche weise Heum. 445. Krol. 2987. N. v. E. 6,36.

unmenschlichkeit

DWB

unmenschlich·keit

unmenschlichkeit , f. , gegentheil und mangel der menschlichkeit. mhd. unmenschlîcheit (unmenschlichheit Fischart lob der lauten 47 ). mnl. …

Ableitungen von unmenschlich (2 von 2)

unmenschliche

BMZ

unmenschliche adv. auf unmenschliche, übermenschliche weise. von des heiligen geistes kraft von dem ein maget lîphaft unmenschlîche ein kint…

verunmenschlichen

DWB

verunmenschlichen , v.; nur das part. prät. vereinzelt belegt: o die verstimmte, verunmenschlichte menschheit! Lavater phys. fragm. 3, 121 .…