unmenschlich,
adj. adv. ,
i. a. gth. v. menschlich.
ags. unmennisclîc,
mhd. unmenschlîch, -lîche,
mnd. unminsklich,
mnl. onmenschelijc, -like,
nl. onmenschelijk,
dän. umenneskelig,
schwed. omensklig.
vgl.ab-, after-, auszer-, nicht-, ohn-, über-, unter-, widermenschlich.
trotz unverkennbaren einflusses von lat. inhumanus, abhominosus, abhominabilis
blosze begriffsentlehnung unwahrscheinlich. 11)
nichtmenschlich (
s. menschlich 1
und unmensch 1): wurtzel, ampffer und kleh und andr unmenschlich speise H. Sachs 16, 110, 32
G.; veraltet. die welt ... ist ungöttlich, unmoralisch, 'unmenschlich' Nietzsche 5, 279
wortspielend mit 10. 22) unmensch 2, menschlich 2, 8
entsprechend, vgl. greulich 1 a
α: ein unmenschliche creatur
buch der liebe 391
a; unmenschliche kleidung Musculus
unter unmensch 2; gleich ihm selbst waren auch seine Hunnen nicht mehr die unmenschlichen, wie aus holz geschnitzten klötze G. Freytag 17, 141; die heiligkeit verblieb ... auf seite des ungethümlichen, unheimlichen, ganz eigentlich unmenschlichen Nietzsche 3, 119
kl. a.; unmenschliche gestalten der finsternisz G. Freytag 8, 159;
mit 10: unmenschliche räuber Voss
Od. 6, 120. ein unmenschlich leben Suso 107, 21
B. 33)
menschenfeindlich (unmensch 4): ein junckfrow, ein witwen oder ein eefrow, sy ist nit also u., dasz sy niemans on dich hab, dem sy sich vertruwen darff Gengenbach 174
G.; vgl. abhominari verbannen
th. 12, 93;
abhominatus Diefenbach
gl. 2
c.
veraltet. 44) unmensch 3
entsprechend (
vgl. unchristlich 2,
greulich 3):
sodomitisch Staub-Tobler 4, 339;
österr. weist. 1, 446, 29; unmenschliche vermischung
sodomia Haym
jur. 1270; sünde R. v. Ems
weltchron. 3470,
N. v. Wyle
transl. 133, 35
K., unzucht Prätorius
Blockesberges verr. 95, Thomasius
gedancken (1720) 2, 240;
vgl. unmenschlichkeit päderastie; unmenschliche zauberei H. Sachs 2, 75, 26
K.; Thomasius 1, 58;
verblaszt Fr. Schlegel 1, 165;
für uns undeutlich: Luthers meinungen erklärte er für u. Ranke 2, 114. 55)
abominabilis, abominatus, abominosus, in der schreibung abhominabilis u. s. f. an homo angelehnt; abhominare, -nari, -natio, -natus Diefenbach
gloss. 2
b,
n. gl. 2
a;
mnl. wb. 5, 825: ummenschlich (
abominabiles) sint si gemacht an ire lerunge
Trebn. psalm. 13, 1;
für die verbannenschafft der verwüstung (
abominationem desolationis, s. greuel th. 4, 1, 6, 212
f.): die unmenschlich zerstörung
erste d. bibel 1, 173, 24
*, verwüstung
cod. Tepl. 1, 35;
erste d. bibel 3, 423, 27
*; nachvolgen den unmenschlichen werken (
abominationes) der heiden
bibel 1483, 91
b (5.
Mos. 18, 9; Luther: grewel); ewr rauch ist mir u. (
Jesaias 1, 13) Folz
köcher 37
M.; verallgemeinert wie greulich 5 a
detestabilis, nefastus, foedus, dirus u. ä.; u., grulich, erschrockenlich
gemma 1508, sehr wüst,
nefarius Dentzler: das doch u. ist und wol ze verspürczen Steinhöwel
ber. frauen 44; eim so unmenschlichem mordt H. Sachs 8, 717, 9
K.; s. greulich 5 b; an solcher grülichen, unmenschlichen marter Hedio
ebda; eyn unmenschlich, grausam verderbnus Hutten 2, 194, 40; dises teutsch pestilentzisch, unmenschlichs zuotrincken Schwarzenberg
v. zutrinken 8
ndr.; vom krieg Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch 000 i i j; die Wormser klagten über die 'unmenschliche fehde, die Fr. v. Sickingen ... wider sie erhoben' Ranke 1, 145.
scherzhaft: u. dichten Triller
wurmsamen 1, 7.
veraltet und heute nach 10
verstanden. 66)
rechts- u. geschäftssprachlich (
s.unmensch 5) '
höchst ungebührlich, unerlaubt'
u. dgl.: einen onmenschlichen gewalt Sleidan
reden 34
B.; dieweil solches als der freiheit zuwider, u. und ungebürlich geacht worden
notariatb. 8
b; Aventin 4, 1099, 29; ehre Fr. Wilhelm
sprichw. reg. 182; Guarinonius 947;
nachklingend: ob ein erforschungsmittel .. u. seyn könne Nicolai
Nothanker 1, 128.
veraltet. 77)
an über- und widermenschlich reichend;
mnl. wb. 5, 824, 1: das die (wonderwerg) so grosz u. worent, das es ie der almechtig got thun must Windecke
denkwürdigkeiten 367; mit dem bluot von so vil jünglingen syn alter zelengen, ist wider die natur und u. zegedenken Steinhöwel
ber. frauen 60,
dazu abmenschlich; u. zu hören
acta publ. 2, 239
Palm; vgl. greulich 8 g; die rysen ..., deren ursprung und endt u. gewesen seindt Parac. 2, 493;
adv. Prätorius
anthrop. plut. 1, 440;
verflieszend in bed. 10: das wäre so erhaben, lieber onkel, dasz man es fast unmenschlich nennen könnte H. v. Kleist 3, 87 (
prinz. v. Homburg 4, 1);
das übermenschliche,
zugleich u. Stahr
Weimar und Jena 1, 121; Pückler
briefw. 1, 268; unmenschliche wünsche Gervinus
gesch. d. d. dicht. 3, 514; einem gott ist eher möglich, unmenschliches (
schonung der feinde) zu gebieten, als einem mann G. Freytag 8, 321. 88)
unter dem menschen stehend, als menschenunwürdig seiner natur unangemessen (
vgl. 2
und 12): ist es ein grosze unsinnigkeit, unmenschlicher unverstand und der natur gäntzlich zuowider Ryff
anatomi h 1
b; eine recht unmenschliche thorheit J. G. Schmidt
rockenphil. 2, 187; ein unmenschlicher (
den zweck des menschen verfehlender) zustand Herder 17, 116; u. aber ist nicht nur, was in der wirklichkeit unter der menschlichen natur steht, sondern ... Stahr
Weimar u. Jena 1, 121. 99)
gth. v. menschlich 10,
menschen unerträglich, von ihnen nicht zu tragen, heben, leisten: bürden Happel
akad. roman 1013, arbeit
gewissenhafte priester 17, joch Cramer
nord. aufseher 2, 126, lasten, steine Voss
Od. 10, 121, frohndienste Treitschke
aufs. 2, 25. 1010) menschlich 8/9, unmensch 6
entsprechend, in unserer hauptbed., '
grausam',
vom sittlichen handeln, fühlen, denken. vgl. unchristlich 2.
die schon mhd. u. mnl. vorhandene bed. gewinnt natürlich im zeitalter des neuhumanismus einen besonderen beiklang ('
den gesellschaftlichen zustand gesitteter menschen im hohen grade verletzend' Adelung;
sp. 25)
und reicht dann an 11: daz er so u. in syn muoter was Steinhöwel
Äsop 256 (
heute: gegen); da ist er von stund an grawsam und u. worden Lehmann
florileg. 4, 137; Stolle
thüring. chron. 76; jemanden u. (be)handeln Boltz
Terenz 62
b, unmenschlichst handeln A. Gryphius
lustsp. 275
P.; u. hausen Apini
gl. 265, G. Freytag 13, 155; unmenschlicher weise Pape
garteteufel n 1
b; auf das unmenschlichste
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 5, 386. de unminsklike dôt Lübben-Walther 440
a; solcher unmenschlicher wurm Abr. a St. Clara
mercks Wien 103, henckersgesellen
Judas 1, 126; unmenschlicher sohn! Lessing 10, 199; unmenschlicher! Göthe 22, 252, 19
W.; Pansner
schimpfwb. 73
b. gesetze Miller
briefw. 1, 459, betragen Klinger 7, 167, wechsel Hippel
ehe 31
u. s. w. subst.: unmenschliches verlangen Göthe
Iphigenie 1812. 1111) unmensch 7
entsprechend, schwächer, '
inhuman': di tgent ist nit unmenschlich Schwarzenberg
Cic. 73; es ist unmenschlich (
vgl. 6, 10) und unehrlich, der todten ubel zu gedencken Agricola
sprichw. (1534) 3
b; das sie es (
das vaterland) für tölpischer, ungeschickter, wilder, barbarischer und unmenschlicher (
uncivilisierter) schätzen Fischart
ehzuchtb. 122, 24
H.; u. war ich, ihn zu schelten A. W. Schlegel
Shakesp. 1, 399 (
Rom. u. Julia 2, 2); ob er so .. u. und wunderbar seyn kan, sich und mir die freude zu versagen Caroline 1, 100
Waitz. die bed. impolitus sowie ein unmensch 9
entsprechender scherzhafter gebrauch sind nicht entwickelt. wo die rohe russische luft so herbstlich und u. weht Herwegh
briefe (1896) 18,
vgl. unfreundlich u. greulich 4 b
vom wetter. 1212)
intensiv, wie unchristlich 3, greulich 1 e, 2 a, 5 e
β, 6 a, 7;
valde magnus, immanis, gemma 1508, m 2
b;
adv. Tauler
pred. 130, 34
Vetter; mnl. wb. 5, 826;
besonders '
im gemeinen leben' Adelung: wo so grosze, unmenschliche gebew (
wie in Babylon) geschehen, da müssen viel leute zugehören, die da arbeiten Luther 19, 413; ummenschliche bosheit 30, 2, 290; 9, 549, 8
W.; unmenschlicher zorn macht unsinnig Petri V v 3
a;
gern von geld und gut: mit unmenschlichem gutt Luther 15, 51, 1
W., schatz Urbanus Rhegius
wie man reden soll 65, summe Eyering
prov. 1, 415,
acta publica 5, 144
P.; breite Bodmer
sammlung crit. schr. 1, 33; menge Raabe
Horacker 186; geschütz Besser 1, 51; schaden Unrest
chron. Car. 748; stanck H. Sachs 1, 228, 12
K.; hitz Ryff
confectbuch 181
b, kälte Schweinichen 558, Lichtenberg
nachl. 54, 21; freud Wickram 1, 15, 38; schöne Schumann
nachtb. 94; unmenschliche grosse gütigkeit Heyden
Plin. 39; Ayrer
proc. v
b; Pietsch 392; anstrengung Hebel 2, 198, 19
B.; gelächter G. Freytag 11, 35; glück Raabe
schüdderump 2, 195
u. s. w. mit 5
sich mischend: der unmänschlichen tyrany Eberlin v. Günzburg 1, 11; B. v. Chiemsee 618; Herder 3, 246.
seltener von thieren und personen: ein unmenschlichen bern S. Franck
chr. Germ. (1538) 265
b; ein unmenschlicher philister Bauernfeld 3, 162.
nicht oft prädicativ: so .. u. war hier der schmutz E.
M. Arndt 1, 163. onmenschlich grosz schlangen Münster
cosm. 1405; u. weit, viel, grob, reich, lieb, gelehrt, gescheit
u. s. w. H. Sachs 7, 51, 4
K., Mathesius
Sar. 186
a, Göthe IV 3, 150, 9
W., Immermann 4, 31, Droste - Hülshoff
an L. Schücking 82; Rosegger II 15, 251; u. sehr Sachs 3, 343, 14
K., unmenschlichen seer Wickram 2, 46, 11,
engl. com. 51, 15
Creizenach, veraltet; in der ganzen gegend wird es u. nach der schönsten vanille riechen E. Th. A. Hoffmann 12, 95; es hatte u. geschneit Aurbacher
volksb. 190; hungern Bauernfeld 3, 150, lügen G. Freytag 1, 48, lachen Gaudy 2, 108. Staub-Tobler 4, 339. Fischer
schwäb. wb. 6, 202. Crecelius 847.
vgl.unmensch 11. 1313)
im wortspiel: unküscheit macht den menschen unmenschlich (
vgl. 3, 5) Keisersberg
evangelibuch 139
a; unmenschlichen menschen (
vgl. menschlich 7) Guarinonius 10; gegen unmenschliche menschlich sein Göthe 24, 66, 18
W. göttliche hülfe, Sara, oder unmenschliche rache (
vgl. 5, 12) Lessing 2, 344, 16; da ist die sprache bald so übermenschlich, dasz sie gott erfinden musz, bald so u., dasz jedes thier sie erfinden könnte Herder 5, 46; man ist nicht gerade kein mensch, wenn man ein doctor ist, obschon etwas u. (
vgl. 7) Brentano 7, 121; jene entmenschte, unmenschliche welt (
vgl. 1,
welt ohne menschen, hinterwelt) Nietzsche
Zarath. 43
kriegsausg. 1414) menschlich 4
entsprechend: es sei diesem lande so grosze und schwere contributiones zu erheben unmensch- und unmöglich
acta publ. 1, 213
Palm; Fischer
schwäb. wb. 6, 202; so sonst ohnmenschlich und ohnmöglich
Simpl. 2, 897
Keller; '
unmöglich': unmenschlich ist's menschlichen sinnen, die stat mit menschen hand zu gwinnen H. Sachs 11, 399, 33
K.; so were ihm die tagzeit zu Forcheim zu erscheinen viel zu langsam angezeigt, das es ihme one das u. auff dieselbige zeit dar zukommen C. Spangenberg
Mansfeld. chron. 218
b.
veraltet.