greulich,
adj. horribilis, abominabilis, teter. form und bedeutung. 11)
das adj. entfaltet sich, wie das stammwort griul,
in mhd. zeit, ist aber verbreiteter und früher nachzuweisen: elliu dinch furhten dichrehte alsam mich, niht si so grovlichezne widirsitzze dich
Milst. genesis 8, 15
Diemer; ein vereinzelter beleg schon im altsächs.: ik hebbiu it (
das silber) so griolico, quathie, mid mines drohtinesdroru gicopot
Hel. 5152;
im anschlusz an das substant., das auf nd. boden eine besondere form mit besonderer bedeutung entwickelte (
s.greuel form 3),
hat auch das adj. auf nd. (
md.)
boden eine bedeutungsspaltung erfahren, die vielfach mit einer formspaltung hand in hand geht; zunächst wie in der schriftsprache '
horribilis': greilech
furchtbar lux. ma. (1906) 153
a; grülik
greulich Woeste 86
b;
ebenso grülig Schambach 69; grülig, grülik Dähnert 163; grûlich Danneil 71
a; gruglich Mi 29; grolich Schütze
holst. 2, 70; grülk
dithm. ebd. 71; grolig Berghaus 1, 616
a; grouwelik
brem. wb. 2, 550; grauwellig Schütze
holst. 2, 64;
dann auch '
timidus',
und zwar fehlt, abgesehen von consonantischen abweichungen, bei dieser bedeutung fast durchweg der umlaut, wie nd. gruwel '
furcht'
überwiegend ohne umlaut erscheint: grujelech
gruselig lux. ma. 157
a; grugelech
graulich, bange vor gespenstern Bauer-Collitz 41
b; grüggelich
mit gespensterfurcht behaftet Woeste 86
b; grûlig
graulich Schambach 69; grûlich
furchtsam im dunkeln Dähnert 163; grûlich
der furcht vor gespenstern hat Danneil 71
a; grûlig
graulich, bange Frischbier 1, 257
a; grüwwelsk syn
ängstig, furchtsam sein Strodtmann 77;
wo das adj. in den südlicheren dialecten erscheint, nur im sinne '
horribilis'
oder in einer davon abgeleiteten bedeutung: grülich Regel
ruhlaer ma. 198; kreilc Müller-Fraureuth 1, 440; greilich
fast nur in steigerndem sinne Vilmar 135 (
s. u. gebrauch 7); greilich
greulich, furchtbar Follmann 215
a; gräulich (gráli', grálə')
wie hd. Schmeller 1, 981; gräulich (grəilich, grīlĕ)
wie hd., auch häszlich, ekelhaft, unreinlich Fischer
schwäb. 3, 811; grüwlich
greulich, schrecklich Staub-Tobler 2, 835 (
in älterer sprache auch grüwenlich
ebd., öfter bei Frisius,
s. u. 2);
im älteren nd. gelegentlich erweitert zu gruweliksam: gruwelicksamer alse ein wulff Schiller-Lübben 2, 162. 22)
für die literarische verwendung des wortes ist die hauptepoche die ältere nhd. periode; und zwar ist die bedeutung von greulich
vielfältiger und innerhalb der einzelnen richtungen entschiedener als in jüngerer zeit. das wird aus übersetzungen und umschreibungen bei den lexicographen vielfach deutlicher als aus den literarischen belegen. meist glossiert mit horribilis Diefenbach 280
b, grawleich
nov. gloss. 206
a, gruwelich
gemma gemm. (1505) l viij
b, grewlich, scheutzlich, erschrockenlich Calepinus
XI ling. (1598) 657
b;
terribilis greulich Diefenbach
nov. gloss. 362
b, erschrockenlich, greüwenlich Frisius
diction. (1556) 1305
b.
doch auch prägnanter: saeviter grausamlich, greüwlich 1173
a;
crudelis Diefenbach 159
c, grausam oder grewlich Zehner
nomencl. (1645) 69;
severus, severe, severiter Diefenbach 531
b;
severiter strenglich, gruwelich, seer streng
gemma gemm. (1505) z v
b;
acer grausam, greulich, grimmig, tyrannisch Alberus (1540) Ddij
b;
atrox Diefenbach 58
a, fraissamlich, greuleich Frommann 2, 292 (
böhm. vocab. von 1432);
dirus erschrockenlich, grausam, scheützlich, greüwenlich Frisius 422;
truculentus Diefenbach
nov. gloss. 372
b, Frisius 1333
b, Calepinus
XI ling. 1479
a;
trux Frisius 1333
b; daher sie Katul truces
d. i. greuliche, grimmige nennet Zesen
verm. Helicon (1656) 36;
horribilis, teter, trux, truculentus Serranus
synon. (1579)
s. v.; teter schnöd, greüwlich, scheützlich, schandtlich, bösz Frisius 1308
a; schändlich, garstig, gräulich Reyher
thes. 3, 1891;
torvus Diefenbach 590
a, gräszlich, gräulich, starr Reyher 3, 1944;
corus (
l. torvus) grewlicher o. hochfertiger Diefenbach 153
b;
torosus voller, vaister, grewlicher, hochfertiger 588
c;
scordalis frech
vel grulich 520
a;
vesanus, vecors, crudelis, furiosus wüterisch, gräulich, grausam, unsinnig Reyher
thes. 3, 2122;
informis grulich Diefenbach 297
c;
distortus yslich, grülich
nov. gloss. 139
a;
monstrifice wundersältzamlich, greüwelich Frisius 835
b;
in anderen glossierungen wird ein religiöser einschlag fühlbar (
vgl.greuel A 3 c
α):
abominabilis Diefenbach 2
c, gruwelich
gemma gemm. (1505) a ij
b, greulich Alberus p j
b;
abominandus greüwlich, wol wAert zuoverflchen Frisius 8
a;
detestabilis abschewlich, grewlich Calepinus
XI ling. 410
a;
execrabilis verflcht ... greüwenlich Frisius 500
a;
devotus verflcht ... greüwlich 406
b.
gebrauch. 11)
von eindrücken, die durch die sinne vermittelt sind; nur sehr selten giebt das adj. lediglich eine kennzeichnung der sinnlichen empfindung ('
häszlich',
s.a α),
fast stets sprechen irgendwie gefühlsmomente des abscheus, entsetzens mit. 1@aa) greulich
fürs auge. 1@a@aα) greuliche steine, worin die male von händen und füszen eingedrückt sind Grimm
dtsch. sagen 1, 105; war's schon häszlich, da es klein ist; da oben, grosz, ward's ein gräulicher, verwitterter steinklumpen Alexis
roland 2, 322; wie das so edle und mächtige feuer nur unnütze asche und greuliche kohlen .. zeuget Lohenstein
Arminius 2, 146
a; das kind .. tritt mit dem rechten füszchen auf einen gräulichen todtenkopf Gleim
briefw. 1, 290; (
ein grab) das von auswendig viel schöns hab. inwendig ists aschn, grewlich gbein Musculus
hosenteufel 5
neudr.; dar nach wart aver da vernumen ein zeichen (
wunderzeichen) gruelich genuch
pass. H. 267, 50; ein greulich zeichen steht im haus des lebens Schiller 12, 382;
sehr gern neben gestalt, bild
u. ä.: sehr greulicher gestalt er war H. Sachs 21, 180
Keller-Götze; die leute vergaszen vor den greulichen gestalten, dasz heut fastnacht ... war Freytag 11, 16;
vielleicht eine nachwirkung der im mhd. sehr verbreiteten participialen wendung griulîche gestalt; zu letzt ... sind sie (
eine expedition zur erforschung einer berghöhle) wieder mbgekehrt und erblichen, greulich gestaltet und erschrecklich anzusehen halb todt alle wieder ausz dem berge kommen Prätorius
blocksberg (1668) 7; wel ein anblik! es samnent sich dú grúwlichen bilde der swarzen moren Seuse
dtsch. schr. 285, 7; und im gesprengten sarg .. ringt langsam sich ein gräulich bild hervor Geibel
werke (1888) 2, 74; gräuliche, frazzenhafte gebilde Hegel 10, 1, 444; sie zogen gräuliche fratzen Göthe
Reineke fuchs XI 198; (
der affe) schnitt .. greuliche gesichter Brehm
thierl. 1, 142
Pechuel-Loesche; gruelicher houbit viere truc ez uf sime libe
Daniel 5788
dtsch. texte d. mittelalt. XIX; führen zweene grewliche scheussliche köpfe (
im wappen) Micraelius
Pommerland (1640) 6, 514;
neben gesicht
kann greulich
im älteren nhd. schlechthin '
häszlich'
bedeuten: so unmöglich ist es auch, dasz ein greulich gesichte schön gemacht werden könne Ziegler
asiat. Banise (1689) 502;
so oft vom menschen, s. 2 a;
dann aber auch '
drohend, grimmig': sein (
des falken) angesicht scheint auch greülich und manlich und die augen prynnent Mynsinger
von den falken 7
lit. ver.; owe, herre .., wie sOelti denn min herz din grúwliches antlút iemer erliden Seuse
dtsch. schr. 229, 30; sú stuonden gegen mir mit grúwlichen ogen als die risen gewegenlich 204, 14;
entsprechend in adverbialer verwendung: der keiser sahe sie grewlich an Hondorff
prompt. exempl. (1572) 327
b; gräulich sah sie mich an Göthe
Reineke fuchs XI 191,
ebenso schon Gottsched 297; und hat zu aller zeit starke hitze und sihet mit den augen greulichen umb und ist albeg unsinnig Ortolf v. Bayrland
arzneib. 17
b; er verwandte die augen greulich Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 162; die augen (
des hingerichteten) starrten gräulich Freytag 17, 202. 1@a@bβ)
abstracter: schirment mich vor dem grúlichen anblik miner fienden, der bOesen geisten Seuse
dtsch. schr. 89, 11; (
der Pilatussee) hat ein gräuliches ansehen Prätorius
blocksberg (1668) 2; die ahtede (
höllenstrafe) ist ein gruwelich gesicht der tivele und der drachen
Lucidarius 62, 15
Heidlauf; aspectus trux ein gräulich oder schrecklich gesicht Reyher
thesaurus (1668) 3, 262; greüwliche und erschrockenliche gesicht in der nacht
imago turbida Maaler 192
a; ein greuliches gespenst Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
b; greulicher spuk Hauff 1, 89;
somnia tumultuosa unrwig und greüwenliche trOeum Frisius
diction. (1556) 1224
b; (
der melancholiker) aufwachen ist schreckhaft, so wie ihre träume lebhaft und gräulich Zimmermann
einsamkeit 1, 358. 1@bb) greulich
fürs ohr: vox furialis ein gräuliche erschreckliche stimme Reyher
thes. (1668) 2, 2783; dâ vâhten mit grimme mit griulîcher stimme wisente und ûrrinder
Iwein 410; unde sprak to en (
den bösen geistern) mit eyner gruweliken stemme Schiller-Lübben 2, 161;
öfter vom horn des jüngsten gerichtes: (
ein horn) daz ist von dem lufte gemaht unde hat eine grweliche stimme
Lucidarius 66, 32
Heidlauf; auch geradezu: so kumet niemer das grúlich horn us minen sundigen orn Mone
schausp. d. mittelalt. 1, 276, 99; einen greulichen schrey thun Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
b;
in gewissen schweizerischen maa. noch heute vorwiegend von geschrei, geheul Staub-Tobler 2, 835; was erhebt nicht der ehrliche mann vor ein greuliches lermen Bodmer
samml. crit. poet. schr. 2, 26; seine sprache brach mit solchem greulichen gekrache heraus Zesen
Assenat (1672) 77; es war ein gräulicher jubel unter der hausthüre H. Beck
rettung für rettung (1801) 8;
adverbial: horrisonus dasz greulich laut Alberus (1540) c ij
a; ut indicarent mord schrei, wie er greilich gelaut hat Luther 17, 1, 69;
sehr häufig greulich schreien: sú schrúwen uf mich vil grúwlich ...: 'nu henka, henk den bOesen wiht' Seuse
dtsch. schr. 204, 21; fiel er darnider im cor und schrey grewlichen Nas
antipap. eins u. hundert 5, 72
b; (
der räuber) tratt zu ihm ein, stellet sich und brüllet greuwlich Kirchhof
wendunmuth 2, 220
Oesterley; ululare vom hund, greüwlich heülen Frisius
diction. (1556) 180
b; gräulich heult der wolf im waldgebirge Grabbe 1, 63
Blumenthal; nach dem greulich anhub zuo prumeln und toben als der pern gewonheit ist Arigo
decameron 530, 35
Keller; vgl. auch nwen jamer hub sie an und klagt grlich ir leit
mhd. minnereden 8, 27
Matthaei; da ist mir dasz flenen so greülich ahnkommen Elisabeth-Charlotte v. Orleans
briefe 5; seht doch, sie weint ja greulich Mörike 1, 237
Göschen; die Italiener lachten darüber so gräulich, dasz manchmal ein kleiner nachhall ... bis zu mir heraufdrang Laube 8, 287;
indessen spricht bei den letzten belegen die quantitierende bedeutung von greulich
schon mit, s. 5 f
β. 1@cc) greulich
für den geruch: dar zuo gevie der selbe slac (
die wunde) einen sô griulîchen smac, daz ime daz leben swærete
Tristan 7280; in deme sumpfe uberal was vil grulich ein stanc
pass. K. 238, 53; ein semlich grüwenlicher grosser ungeschmack und stinken von dem ussetzigen gieng
bibl. älterer schriftwerke d. Schweiz I 1, 19; ein grewlicher heszlicher stanck Gabr. Rollenhagen
indian. reysen (1603) 134; Herodes ist nu todt und stinckt greulich Luther 34, 1, 561
Weim. 1@dd) greulich
für den geschmack; selten: in Bucs ... hatte ich bereits eine schale gräulichen kaffee verschluckt
jahrb. d. Grillparzerges. 1, 131; sollte mans glauben, dasz es narren giebt, die an dem gräulichen zeuge (
feigen) behagen finden? Immermann 2, 86
Hempel. 1@ee) greulich
fürs gefühl; hier wird deutlich, wie das adj. in jüngerer zeit aus der charakterisierenden bedeutung in eine quantitierende '
gewaltig, sehr grosz'
übergehen kann (
vgl. 5 f
β, 7): das greulich kopfwehe und hirnwten der pferden würt geheylt Sebiz
feldbau (1579) 152; nun wundert es mich nicht .., dasz du so gräuliches kopfweh hattest Wieland
Lucian 2, 55; so stillet es das grewlich ohrenwehe Herr
feldbau (1551) 148
b; also das ein grewlicher schmertz vergiftet ihr götliches hertz Weckherlin 1, 156; der gequälte, in gräulichem schmerz schreiende Philoktetes Freytag 14, 145; greulicher hunger, durst Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
b. 22)
von lebenden wesen. 2@aa) greulich
von menschen, mit sehr schwankender bedeutung;
die bibelübersetzung gebraucht das adj. substantivisch: den verzagten aber und ungleubigen und greulichen .. der teil wird sein in dem pful
offenb. 21, 8; das ir nit thgind nach der greüwlichen sitten
Zürcher bibel 3. Mos. 18 d (
v. 26);
vgl. diese sind die greulichen oder abscheulichen, .. und bedeuten vermuthlich die schamlosen unfläther, die in widernatürlichen stummen lastern leben Jung - Stilling 3, 407
Grollmann (
vgl.greuel A 3 c
β);
in anderem sinne in der Wenzelbibel: alle greuliche
omnes horribiles Hiob 20, 25; der do nicht enkante den greulichen (
tyrannum), do er kriegte wider den armen 34, 19;
wieder anders: einen hochvertigen sun und einen greulichen (
protervum)
5. Mos. 21, 18;
überhaupt gern im sinne des religiös zu verabscheuenden: grewliche ketzer und falsche lehrer Fischart
binenkorb (1588) 34
b; es stehen falsche Christi auf mit greulichen propheten Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1, 565; diese gräuliche sekte Jung - Stilling 6, 357;
häufiger jedoch in der bedeutung '
furcht, entsetzen erweckend': swie griulich nu sî Hagne, ich wil in eine bestân
Nib. 1971, 4; er îlte ân underscheide zuo der patelle griuwelîch Konr. v. Würzburg
turnei 945; (
zwei menschen) dero was eins ein jungú subrú frowe, daz ander waz ein vil grúlicher langer man mit einem spiesse Seuse
dtsch. schr. 79, 2; der gräuliche wüterich Irenechora Bucholtz
Herkuliskus (1665) 16; Saul ist .. grausamb, greulich, grob, greinerisch .. gewest Abr. a St. Clara
Judas 2, 356; der gräuliche riese Herder 25, 261;
öfter neben feind: das man auch des Achilles seel so blutig schicket ab gehn heel, .. das man desz greuling feindts komb ab H. Sachs 12, 301
Keller; da der grewliche feinde .. hinder und umb mich alles ernider gelegt Moscherosch
insomn. cura 6
neudr.; desgl. neben volk: ich wil über üch senden ein gruwelich volk Closener
chronik 113
Hegel; es warent gar vil böser, greulicher, unmenschlicher diet und haiden
städtechron. 3, 51; volck das grewlicher ist denn sonst irgend eins
Jes. 18, 2;
auch vor eigennamen: der greuliche Polyphemus Grimmelshausen
Simplicissimus 10
neudr.; der gräuliche Olallin ist entflohn Tieck
schr. 11, 256; die grewliche Medea Scheit
frölich heimfart a iii
a; greulich weib, mit zaubereien mordest du mir meinen sohn Brentano 1, 223;
dialectisch: en grauwelligen keerl
ein gräszlicher, auch gefährlicher mensch Schütze
holst. 2, 64;
auch gern prädicativ (
man beachte die abschwächung der bedeutung in jüngerer sprache): ich sag dir, die alten sint gar gräulichen, wenn si an hebent ze zürnen
gesta Rom. 116
Keller; er schildert mich so greulich, und doch fand mich Sophie nicht ganz und gar abscheulich Göthe 9, 45
Weim.; und er (
der schmied) ist doch nicht so greulich, wie man manchmal denkt Ludwig 2, 72; er bekommt wohl keine Edel, er ist viel zu greulich Schweinichen
denkwürdigk. 154;
im 18.
jh. beliebte verbindung: die männer sind wol greuliche narren
ollapatr. 330, 30
neudr.; geh, ruf ich, für und für! du bist ein narr, so greulich Göthe 3, 192
Weim.; ein gräulicher narr, ein windbeutel von aussen H. Beck
schachmaschine (1798) 29;
das adj. geht hier fühlbar in die quantitierende bedeutung über; deutlicher noch in fällen wie: ein greulicher knicker
ehe eines weibes 41; so weis ich doch ..., dasz ihr ein greulicher windmacher seyd Stoppe
Parnasz (1735) 487; o du unerträglicher saufaus und noch gräulicherer plapperer maler Müller 1, 170;
aufs ältere nhd. beschränkt ist ein gebrauch, der greulich
ästhetisch faszt als gegensatz zu schön (
vgl. 1 a
α): das allezeit das also verordnet, das bey einem gewaltigen ein verworfener ist, .. bey dem gesunden ein krancker, bey dem schönen ein grewlicher erfunden wird Luther 1, 267;
ähnlich 17, 1, 22; Socrates ist gewesen ein greulicher mensch, er hat gehabt einen groszen dükken kopf, hare wi sauborsten Butschky
hochd. kanzelley 232; schöne weiber sind der himmel, greuliche, die sind die hölle Logau
sinnged. 462
lit. ver.; des königs Aristons gemahlin war anfangs die greulichste jungfrau, hernach die schönste frau in Sparta Lohenstein
Arminius 2, 89
a. 2@bb)
vom teufel: so cumet der tivel mit einer michelen schar gruwelicher und eigeslicher tivele
Lucidarius 61, 22
Heidlauf; aber diser gevärlichen zeit hat grewlicher tewfel etlich fals lere und allt sect .. widerumb auferweckt Berth. v. Chiemsee
teutsche theologey (1852) 2; der leidige, greuliche teufel Luther 34, 1, 29, 15;
auch substantivisch: der greulich hat dich herein getran Uhland
volkslieder 2, 801;
sprichwörtlich: der teufel ist nicht so grewlich als man yhn malet Luther 29, 693;
ebenso Eb. v. Günzburg 2, 63
neudr.; vgl. Wander sprichwörterlex. 4, 1068, 234; 1069, 236; sondern muss dem teufel den hyndern abermal auf decken, das yderman sehe, wie hesslich, schwarz und greuelich er da ist Luther 19, 262; wie gar hat uns doch .. der teufel ... mit dem grewlichen antichrist in Babel verführet Jac. Böhme
schr. (1620) 4, 87. 2@cc)
von thieren: cruenta bestia grulich tyr
Prager dtsch. studien 8, 449 (
aus Kaadners
vocab., anf. 14.
jh.); dar nâh vil schiere sah ih daz grûwelîchiste tier, daz sint oder êr ieman mohte gescowen
Straszb. Alex. 5021
Kinzel; dat gruwelike beist
Soester Daniel 203
Schmitz; das vierde thier war grewlich und schrecklich
Dan. 7, 7; karten, deren bilder von greulichem getier: affen, katzen und dämonen .. zusammengesetzt waren G. Keller 6, 354; den abgötzen Jovem, welcher doch ein greulich schand- und wunderthier gewesen Rist
neuer teutscher Parnasz (1652) b
b; da kam der gräuliche drach daher Erlach
volkslieder der Deutschen 1, 404;
orca ein grewlicher wallfisch im meer Calepinus
XI ling. (1598) 1000
b; etliche grossmächtige ... und greuliche hund Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 1130; nach meinem abschied werden unter euch komen grewliche wolfe (
λύκοι βαρεῖς)
ap. gesch. 20, 29; ein gräulicher bär Göthe 25, 117
Weim.; die greulichen katzen Schiller
handschuh; dasz die bedeutung für die ältere sprache entschiedener sein kann als im nhd., lehren beispiele wie: (
der hecht) izt auch ainen andern hecht, alsô gräuleich ist er von nâtûr und sô girig auf den raup K. v. Megenberg
buch d. natur 254, 12; ez sint die ern under in (
den scorpionen) gräuleicher wan die sien 282, 20;
ähnlich bei Luther
prophet Habacuc (1526) d iiij
b;
auch bildlich: er sprach ain frovwen sin ain tiere ungezämpt, wild, untrüw, beweglich, unstett, grim und grülich
N. v. Wyle
translat. 52, 35
Keller; gern im vergleich: wan so ist si (
die sündige seele) vil grúlicher et ie chain sclange ie alder ie wurde
pred. d. XIII. jh. 1, 20
Grieshaber; greulicher als ein tiger Stieler 697; o mutter, herter dan ein steyn, grewlicher dan eyn wölfin oder lewin Eb. v. Günzburg 3, 35
neudr. 33)
auch sonst von concreten dingen, doch ohne dasz wie bei 1,
theilweise auch bei 2,
ein bestimmter sinnlicher ausgangspunct der bedeutung erkennbar wäre; '
widerwärtig, ekelhaft': swie schœne, swie milte, swie rîche er was, sô wirt sîn fleisch ein griulich âs H. v. Trimberg
renner 24380
Ehrismann; kein grewlicher asz dann vom menschen Friedr. Wilhelm
sprichwörter-register (1577)
nr. 60; wenn einer gestorben ist, verfaulet ..., ja solch greulich as wird, das niemand umb in bleiben kan Luther 34, 2, 119 (
vgl. 1 c); greulichem frasz nachtrachtest du Mörike 1, 79
Göschen; levitisch unrein (
vgl.greuel A 1 b): und wenn eine seele etwas unreines anrüret, es sey unrein mensch, vieh, oder was sonst grewlich ist
3. Mos. 7, 21;
auch in heutigen dialecten in der bedeutung '
ekelhaft, unreinlich' Fischer
schwäb. 3, 811;
hierher wohl auch: gräulichmachlos,
m., diarrhöe Frischbier 1, 251
b;
auf einer anderen linie liegt: daz im sin hailige sîte mit dem grúlichen sper wart durchstochen
pred. des XIII. jh. 1, 58
Grieshaber; do man den griulichen spiez ir kinde durch sin siten stiez Mone
schausp. d. mittelalters 1, 238; das ist freylich das grewliche schwerd des risen Goliath Luther 23, 143; und scheust myr solche greuliche pfeyl yns hercz 34, 1, 313; sich ze pingen mit herinen hemdern und mit seiln und grúlichen banden Seuse
dtsch. schr. 107, 6;
gern mit religiösem einschlag: was darf Christus, das ware liecht, deiner (
Amlings) greulichen latterne? Lutherus meinung und bericht wol bleibt der rechte kerne Wackernagel
kirchenlied 5, 168; do ... stalt der künig Antiochus einen schantlichen, greüwlichen götzen auf den altar desz herren
Zürcher bibel (1531) 1.
Makk. 1 T (
v. 57); grewliche messen und abgöttereyen Luther
vom grewel d. stillmesse (1525) A j
b; umb der grewlichen abgötterey des Baals Mathesius
Sarepta (1571) III
a. 44)
von naturerscheinungen und -vorgängen, räumlichen und zeitlichen begriffen; die grundbedeutung '
schrecklich'
hat öfter den nebensinn '
gefährlich'. 4@aa)
von krankheit und tod: do sprach ein weib: er nerte ouh mih von einer griulichen sucht
ged. des 12. u. 13. jh. 109, 76
Hahn; von wannen kommen so viel ... durch grewliche kranckheiten ausgedorrete weiber Barth
weiberspiegel (1565) N I
a; ein solcher grewlicher tartarus (
steinkrankheit) Paracelsus
opera 1, 313 C
Huser; grot water und gruwelik stervent
Magdeb. schöppenchron. 116, 30
Janicke; vertilge den greulichen tot
ackermann aus Böhmen 21, 8; der todt ist greulich, der in nit kennet
schöne weise klugreden (1548) 145
a; das einer lieber den grewlichen todt leyden sollt Luther 34, 1, 85;
anders bei fehlendem oder unbestimmtem artikel: so mustu liden groze not und darzu grulichen tot
pass. K. 188, 92; derhalb forcht sie, er wer verdorben, im meer eins grewling todts gestorben H. Sachs 2, 257
Keller; indigna morte peremptus eines greüwlichen tods umbkommen Frisius
diction. (1556) 683
a. 4@bb)
von elementen und witterungserscheinungen: fewer und wasser, die zwei stärckeste, ja grewlichste element, die gottlosen zu peinigen Kirchhof
wendunmuth 2, 203
Oesterley; zu deme vierden male quam er im grulichen vur
pass. K. 211, 19; es hat die statt ... fünf grewlicher bränd nach einander erlitten Seb. Münster
cosmogr. 586; greuliche und schwehre wasser-fluthen Hohberg
georgica cur. aucta (1715) 3, 390
a;
tempestas saeva gräulich ungewitter Reyher
thes. (1668) 3, 1220; anno 1436 am tage visitationis Mariae war ein grewliches unerhörtes wetter Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 80; augenblicklich schafft sie (
Juno) ein gräuliches ungewitter Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 2, 53; wer kann sich auch hüten zugleich für dem grewlichen tonnerstreich Spangenberg
ausgew. dicht. (1887) 212; uber das erschrekliche ungewitter und greulichen sturm anno 1648 Neumark
neuspr. teutscher palmbaum (1668) 467;
vgl.: o du grewlicher kalter winter H. Sachs 17, 199, 8
Keller-Götze; ebenso adverbiell: greulich regnen, wittern, donnern, blitzen Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; swenne daz mer in unden get und alse grüwelichen stürmet und wütet Berthold
dtsch. pred. 297
Kling; gott donnert mit seinem donner greulich Hartmann
fluchspiegel 58;
in neuerer zeit unter abschwächung der bedeutung gern in folgender verbindung: und sei doch ein gräuliches wetter gewesen und kalt und nasz Fontane I 6, 359; ein gräuliches spätherbstwetter Laube 1, 128;
anders, mehr quantitierend: o welch eine greuliche hitze
schausp. engl. comödianten 182, 29
Creizenach. 4@cc)
von orts- und raumbegriffen: wie grulich was die strut und auch des meres freis Altswert 226, 12
lit. ver.; ihr greuliche und stille wälder Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
b; also ward er mir in eim grewlichen wald gestolen
buch der liebe (1587) 30
a; gefahrvoll ist der pfad. — entsetzlich, greulich! Grillparzer 7, 56; und die flammen krümmeten sich mit weichenden spitzen jetzund an beyden seiten, und trennten, in wellen gerollet, sich in der mitten, ein greuliches thal! Zachariae
poet. schr. 6, 36; eine greuliche tiefe (
in der hölle) Bodmer
samml. crit. poet. schr. 1, 5; ein greulich loch und schwefelichter pfuhl wird sein sein stuhl Neumark
poet. u. musik. lustwäldchen (1652) 7;
auch direct: ausz der grewling hell H. Sachs 3, 280
Keller; und ist ein greulich Sodoma draus worden Luther 34, 1, 76. 4@dd)
von zeitbegriffen: daz ist dú grúlich stunde, ab der herze und sel erschriket Seuse
dtsch. schr. 319, 6; es schleichen die kröten am schimmelnden grund, gräuliche stund! Brentano 2, 364; sein vergangenes dasein kämpfte mit dem gegenwärtigen, es war ein gräulicher augenblick Göthe 24, 160
Weim.; eine greuliche nacht
una notte horrenda Kramer
teutschital. (1700) 1, 564
b; wollt ihr die greuliche nacht euch in die Elbe locken lassen? O. Ludwig 4, 66;
mit religiösem einschlag: dasz in den letzten tagen werden grewliche zeit komen
2. Tim. 3, 1;
im selben sinne: sic in altera parte Turca so greulich und erschrecklich. das sind greulich zeit Luther 29, 616;
in jüngerer zeit schwächer: es ist eine gräuliche zeit Gentz
schr. 1, 133
Schlesier. 55)
von handlungen und zuständen. 5@aa)
neben substantiven activer bedeutungsrichtung; that, unthat, mord, kampf u. dgl.: die gräuliche that empörte aller herzen Schlosser
weltgesch. 2, 492; (
Christus) wahrhaftig uns weissaget hat der juden grewlich missethat
Endinger judenspiel 19
neudr.; grewliche unthaten Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 445; greüwliche schandtliche und mörderische stucke Stainhöwel
de clar. mulier. 319
lit. ver.; bei Luther
häufig: sage myr, wer hat yhe grewlicher grewel gehöret? 12, 236
Weim.; vgl. 15, 39; 19, 7; 26, 488;
in jüngerer zeit mit schwächerem sinn: so entstand bald ein gräuliches jagen ... im hofe H. Schmid
alte u. neue gesch. aus Bayern 81; es ist ein gräuliches verfahren, welches die mineralogen bei der bestimmung der farben beobachten Göthe
gespräche 2, 106;
bei näherer specialisierung der unthat am frühesten und häufigsten von blutthaten: ein grúliches mord Seuse
dtsch. schr. 80, 6; (
Marius) hat ... zu Rom ein grewlich blutbad angericht Kirchhof
wendunm. 2, 24
lit. ver.; ein greulich gemetzel, worin wir siegten Göthe 33, 19
Weim.; yhr (
der bauern) greulichs toben Luther 18, 336, 13
Weim.; der krieg (
ist) das greulich wütendt ubel Kirchhof
militaris disciplina (1602) 1; das grewliche weten des hOellischen feinds
erzherz. Ferd. v. Tirol
spec. vitae humanae 52
neudr.; (
die Türken) verhergten drumb was sie ankamen, mit grewlicher tyrannei Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 82
a;
urtheil, gericht, strafe, namentlich, wenn sie von gott ausgehen: die verborgenen gruwelichen urtel gotz Schmidt
elsäss. 158
b aus Tauler; wer es (
das wort) verschmöcht, der wirdt greülicher urteil finden, dann Sodoma und Gomorra Eb. v. Günzburg 3, 119
neudr.; mit kurzen worten sprichet got, sîn griuwelich gerihte sol vollen gân Rumslant
bei v.
d. Hagen
minnes. 3, 57
a; sie würdn ein grewlich strafe tragn
jedermannes jammerklage (1621) B IIII
a; gräuliche höllenstrafen Gaudy 2, 121; hoffe ich dasz aus dem ... studium dieses büchleins sich keine ketzerische Albigenser hervorthun und zu ihrer so greulichen als gerechten bestrafung das fromme jahrhundert aufrufen werden Göthe IV 38, 273
Weim.; der religiöse einschlag des grundwortes (
vgl.greuel A 3 c
α)
wird fühlbar neben begriffen wie sünde
und laster: so vil grewlicher unnaturlicher sunde Agricola 750
teutscher sprichwörter (1534) F VI
b;
namentlich im älteren nhd. sehr häufige verbindung; auch adverbial: sich greulich versündigen Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; greuliche, greuliche frevel, die bis zum himmel hinaufstinken Schiller 2, 101; das ist yhe grewlich unrecht und widder gott Luther 18, 331
Weim.; so yhr doch ... so grewlich widder seyn recht thut und lebt 307; werden euch andere gruoliche laster furwerfen Alberus
widder Jörg Witzeln M i
b; aber verlarvtes laster ist greulicher im auge des groszen kenners im himmel Schiller 1, 64; das grüwenliche laster der trunkenheit Staub-Tobler 2, 835 (
quelle von 1584);
mit greuel A 3 c
β vergleicht sich grüwliche unzucht zum oftermahl getrieben würdt Reutter v. Speir
kriegsordnung 13; Wieland, den wir anfangs aus honettetät einluden, hat sich gräulich prostituirt und schlecht empfohlen Göthe IV 7, 102
Weim.; greuliche habsucht Arndt 6, 96
Rösch - Meisner; inscitia prodigiosa grewliche, schreckliche grobheit Faber
thes. (1587) 651
a; man rechnet einem oft als greuliche unverschämtheit an, was nur die zarteste scheu vor überhebung ist Raabe
Horacker (1876) 69; wir übten so ... schon als knaben den greulichen undank Holtei
vierzig jahre 1, 86. 5@bb)
nicht ebenso häufig neben substantiven passiver bedeutungsrichtung; untergang, leiden, marter u. ä.: also ist der engel fall darumb so grewleich und schrecklich
theatr. diabol. (1569) 21
b; an der rebellischen pauren grewlichen und schrecklichen untergang B. Krüger
spiel v. den bäur. richtern 4; eine greuliche niederlage
foeda clades Apinus
gloss. nov. (1728) 369; es muosz ... mit disser ... welt eyn greulich, erschrecklich ende haben Alberus
buch v. d. ehe (1536) G ij
a; so haben sie darmit allein inen ein grewlichen fluch auf ire häupter geladen Fischart
discours (1589) C III
b; armuth, gräulichster fluch Hebbel
briefe 2, 261; knecht der armuth, gebeugt unter der greulichen noth Arndt 6, 23; dasz er mich in eine greuliche abhängigkeit versetzt Forster 9, 32; es mag wol sin, daz liden ein unmessiges guot ist, da es ... nit als grúwlich und als ungehOert ist Seuse
dtsch. schr. 248, 29; an solcher grülichen unmenschlichen marter Hedio
chron. germ. (1530) III
a; greuliche pein leiden Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
b; got wurde ... die stadt mit mancherley grewlichen plagen angreiffen Alberus
fabeln 20
neudr.; darausz erfindet sich offenbarlich die aller hOechst und grewlichst verfüerung H. v. Cronberg 139
neudr.; wann gott kompte mit greülichen anfechtungen Tauler
sermones (1508) X
a; ein lästerliche und grewliche verderbung des menschlichen geschlechts Bech
Agricola (1621) 7; der krieg richtet greuliche verwüstungen an Heinse 4, 396; die gräuliche französische umkehrung und verwirrung (
revolution) Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 233; da sie (
die bibliothek) in greulicher unordnung ... ist J.
u. W. Grimm
briefw. 243; von diesem gräulichen drunter und drüber gehen Cramer
Neseggab 1, 162; oben das greuliche durcheinander ist die ermordung des ersten Lehniner abtes Fontane I 2, 11. 5@cc)
neben allgemeineren ausdrücken des geschehens und des zustandes; vorfall, unfall, geschichte, ding, sache: wie tätig und durchgreifend er bei dem greulichen vorfall gewesen Mörike 3, 83
Göschen; die greuliche scene, die maceration des leichentheiles
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 3, 240; das grewlichste spectacul, so jemalen für ewren augen kommen
schausp. engl. comöd. 34, 1
Creizenach; hörte er nur von den gräulichen begebenheiten des tages reden Klinger 8, 250; darnach hb sich grosz mishelle und ein grlich ungevelle
histor. volkslieder 168
Liliencron; o unfall schrecklich, wild und grewlich Spangenberg-Fröreisen
griech. dram. 2, 105
lit. ver.; und da kann zum exempel der letzte wurf eine gräuliche catastrophe anrichten Gleim
briefw. 2, 206;
das geschehene als berichtetes: schreckliche, grewliche geschichte Luther 34, 2, 234
Weim.; eine grosse und grewlich geschicht von einer muotter ich bericht, welche sich legt zuo ihrem son Schumann
nachtbüchlein 203
Bolte; sind grewliche zeytung eintreten Güttel
evang. warheyt (1523) A II
a; dass man ihnen solche groüwliche ding von unserem land fürgebildet Staub-Tobler 2, 835; denn was kan grösser, greulicher ding seyn, denn gotts willen ungehorsam seyn? Luther 19, 198
Weim.; o es ist ein greulich ding umb ein weltweisen man, der in seiner kunst ... ersoffen ist Franck
sprichwörter (1541) 2, 164
a; es ist eine gräuliche sache um das visiten geben Gleim
briefw. 2, 28; Juppiter das seind grewlich sachen die eim vertreiben bald das lachen Fischart
flöhhatz 4, 43
neudr.; eine greuliche sache! ein greuliches wesen!
gran cosa! è forse cascato il cielo? Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
b c; es ist fast yedermann ... den geistlichen umb yhr grewlichs wesen ... feind gewest Luther 26, 617. 5@dd)
darüber hinaus namentlich in jüngerer zeit in bunter verwendung: sonst richtete die auf die theologie übertragene dialektik ein greuliches schisma in diesem zeitraum unter ihren verehrern an
M. J. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 119; denken sie sich die gräuliche statistik: in Chalons, einer stadt von 12 000 einwohnern, gibt es nur eine einzige miethkutsche Börne 9, 18; was so eine musik von einem Pulkkosaken gesungen, für eine gräuliche wirkung thun müsse Schubart
ästhetik d. tonkunst 246; auszerhalb der einen macht, vor der nichts selbständig sich gestalten kann, ist nichts vorhanden als gräuliche willkühr Hegel 9, 104;
gern im sinne des kunstwidrigen, fehlerhaften: nun spielte ich ... mit dem gräulichsten fingersatze R. Wagner 5, 1; unerachtet der gräulichen stelzenpoesie Schubart
leben u. gesinn. 1, 26; ein gräuliches persicirendes griechisch Avé-Lallemant
gaunertum 3, 59. 5@ee)
adverbiell: 5@e@aα)
die verba entsprechen z. th. den substantiven unter a
und b: die prediger und die diener dein wolten sie grewlich schlachten J. Jonas
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 44; wurden auf einmal 14 brüder grewlich von inen erschlagen Nas
antipap. eins u. hundert 2, G VII
a; das (
sc. bild) er gruwelichen sluc mit scharfen geiselen genuc
pass. K. 21, 38; endlich haben sie ... den bojaren ... überfallen und greulich geschlagen Olearius
verm. reisebeschr. (1696) 134; zu der dritten mâle sluc jenre grûwelîchen an di ture
mystiker 1, 91, 12
Pfeiffer; er klopfet greuwlich an die thür
buch d. liebe (1587) 361
a; jemand greulich mitfahren, plagen, martern, zerfetzen, umbringen Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; und handelst grewlich mit mir
Hiob 10, 16; es wart aber seiner verdienstnüs nach etwas greulich mit im gehandelt L. v. Eyb
Wilw. v. Schaumburg 155
lit. ver.; greulich mishandeln Ranke
reform. gesch. 4, 237; greulich behandeln Göthe IV 39, 66; o wie greulich wirt mann mit im umbgehn
que futura exempla fient in eum indigna Alberus (1540) D d iij
a; das alles das, was die weltliche oberkeit nit straffet, gott ... als der grewlicher heimsucht Musculus
hosenteufel 14
neudr.; (
kaiser Otto) straft auch gar greulich die Römer
städtechron. 3, 67; anno 1524 ... ward ... der prior grewlich gepeiniget Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 44; indessen quälte mich aber das ungeziffer so greulich Grimmelshausen
Springinsfeld 2, 45
Keller; min rechter vuoz (was) durgraben und min lingger grúwlich durhovwen Seuse
dtsch. schr. 210, 19; (
Paris) dargegen aller zucht und ehr mich grewlich hat verletzet sehr Spreng
Ilias (1610) 36
b; vil teuflischer tier die rissen und zerten die selen gar grewlich
summer teil d. heyligen leben (1472) VII
a; dieweil graf Riolin das land Careches abermal grewlich verwüstet
buch d. liebe (1587) 104
b; das Buschmannsweib habe ich ... betrachtet, aber nicht lange, jedoch mit diesen wenigen blicken mir schon die einbildungskraft gar greulich verdorben Göthe IV 34, 52;
von kampf und streit: dô lief in der rise gar griulîchen an
Rosengarten A 199, 2
Holz; später mit ganz veränderter bedeutung: so prophecey ich dir das gewys, das du gar greulich und ungeschickt wirst anlaufen Hutten
opera 2, 190, 36; es gäbe welche (
männer), bei denen sie greulich anlaufen würde Hauptmann
ges. werke (1912) 2, 228;
grassari greulich zu streit gan Diefenbach
nov. gloss. 197
a;
horribiles custodias alicui circundare ... einen greüwlich verwaren Frisius
diction. (1556) 223
a;
degrassor grewlich anfallen Calepinus
XI ling. (1598) 386
a; die hund auch grewlich nach uns schnapten Fischart
flöhhatz 20, 628
neudr.; ich habe gehört, du hast die wipper grewlich abgeschmiert
discurs von den itzigen zustande der kipper u. wipper (1621) B II
a; Frotho .. zeucht aber greulich den kürtzern Lohenstein
Arminius 2, 732. 5@e@bβ)
alt ist eine quantitierende bedeutung des adverb., neben der die characterisierende ganz zurücktreten kann: er ... rant als greulichen, das es erscheyn, als ob inen der hagel jagt
Aymont (1535) k 4
b; der ie reich wil werden, ... dem laszt er (
gott) reichthumb widerfahren, denn er hat greulich darnach gestellt und darnach beide gebetten und gerungen
schöne weise klugreden (1548) 104
a; welcher nunmehr entschlossen ware, die mahlzeit anzustellen, darauf wir uns bisz daher so gräulich gespitzet hatten Zend. a. Zendoriis
winternächte (1682) 136; nachdem wir gestern greulich gesoffen Warnecke
poet. versuch (1704) 195; fing er an, aufs greulichste zu renommiren Lev. Schücking
an A. v. Droste-Hülshoff
briefe 37;
vgl. greulich bluten Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; gräulich schwitzen Gottsched
dtsch. schaubühne 6, 415; ich muszte doch greulich danach husten Storm 6, 209. 66)
von empfindungen, meinungen, äuszerungen. 6@aa)
neben ausdrücken des affects: gottes zorn so schweer und greulich Luther 28, 17
Weim.; wie ist sein zorn, der in den augen flammt, zugleich so lächerlich und gräulich Brockes
ird. vergnügen 4, 162; welches ... der grewlichste hasz ist under den mänschen Moscherosch
insomn. cura 31
neudr.; einen feyndtlich und greüwlich hassen Frisius
diction. (1556) 909
a; mit grulicken frochten
Soester Daniel 159
Schmitz; weil sich der römisch hoff so grewlich fur einem freyen concilio furcht Luther
artickel (1538) A ij
a;
abominor ein grewlich abscheuhen tragen Calepinus
XI ling. (1598) 9
b; es würde mich greulich kräncken Weise
d. drei ärgsten erznarren 165
neudr.; denn stets an einem weibe nagen ist ja ein greulicher verdrusz Henrici
ernst- scherzh. u. sat. ged. 2, 121; es würde mich greulich schmertzen, wenn
ollapatr. 38, 12
neudr.; sich greulich schämen Günther
ged. 982; einen greulich erschrecken Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; erschracken sie gar grewlich all Frey
gartengesellschaft 188, 11
Bolte; die bedeutung geht theilweise ins quantitierende über, s. o. 5 f
β. 6@bb)
irrthum, lüge, betrug u. ä.: darüber er zugefahren und allerley grewliche irrthumb und secten erreget Krüger
aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) A III
b; die vier lateranensische koncilien ..., wodurch ... ihre universalmonarchie und viele greuliche irrthümer zu glaubenslehren gemacht wurden Jung-Stilling 3, 329; geirrt hast du dich, o irdischer Aristipp! gräulich hast du dich geirrt! Heinse 3, 28; solche grewliche teufelische greifliche lügen Luther 18, 261, 40
Weim.; de gruwelichsten lOegenen und affgaderye Rotmann
restitution 16
neudr.; wer heiszt es nun dem herrn Dusch, auf die rechnung der astronomen ... so greulich zu lügen Nicolai
liter. briefe 2, 333; solch ungeschwungener grewlicher grosser betrug Luther
von der winkelmesse (1533) F iiij
a; es sey die aller grewlichst ketzerey, so yhe gewest ist 26, 342
Weim.; ich weisz zwar, dasz es greuliche narrentheidungen seyn Prätorius
abentheuerl. glückstopf (1669) 20; er verspottet darin ... die gräuliche thorheit des römischen volcks, das von allen dingen blos nach dem äuszerlichen ansehen urtheilt Ramler
einl. in d. schön. wissensch. 3, 148. 6@cc)
schwur, fluch, scheltwort u. ä.: (
er) vorpflichte sich mit grewlichen eyden zu einem eygenen knecht dem bapst Luther 6, 421
Weim.; mit gruweliken eede und sacrament
Soester Daniel 166
Schmitz; ich hab erst auch ein grewlichen .. schwur gehört Schwenter
steganologia 28; als nun der wirth heftig leugnete und sich darzu grewlich verschwur, er wolte desz teufels seyn Nigrinus
v. zäuberern (1592) 6; ein greulich unchristlich lestern Luther
auf das ubirchristlich buch (1521) D iij
a; sie fluchten und schwuren so gottslästerlich, so grausam grewlich Moscherosch
gesichte (1650) 2, 340; bey den Engländern hingegen höret man die greulichen flüche und herzhaften schimpfwörter J. E. Schlegel 3, 264;
debacchor conviciis ich schelt greulich, richt ubel ausz Alberus (1540) xxj
b; diu griuwelîchen scheltwort treip der klagebære Konr. v. Würzburg
Parton. 17604; da fieng das alte weib an so greulich zuschelten und zufluchen Krüger
Clawerts werckl. hist. 29
neudr.; gräuliche schimpf- und drohworte G. Keller 5, 350; die erst auslegung ... drouwet uns greulich umb unsere unachtsamkeit gotes Tauler
sermones (1580)
register VI
a; wie hat er (
Faust) doch im schiffe neulich ... auf seinen gott gezankt so gräulich Lenau 447
Reclam; greuliche worte reden
detestanda verba proloqui Stieler 697; redet nicht so grewlich wie vorhin, denn ir habt hie ein red gefürt die rechten christen nicht gebürt Dedekind
papista conversus (1596) H 4
a;
anders: vom fegfür und von allem bösen, darvon man doch so grüwlich redt
N. Manuel
vom papst u. s. priestersch. v. 11; do hin die greuliche lere (
crudele dogma) des kuniges gekumen was, do was grosse klage bei den juden
Wenzelbibel Esther 4, 3; das ist eyn grewliche leher Luther 34, 1, 29
Weim.; hast du jemals dies gräuliche wort: verhungern! recht überdacht? Gerstenberg
Ugolino 245, 29
Hamel; exercet in me calami rabiem er schreibt greulich widder mich Alberus
diction. (1540) 11
a; die Wittemberger werden aber greulich widder euch schreiben
widder Jörg Witzel L 2
b; wie wol wurd es dir gefallen, wan dich einer in einem sölichen hessigen und greülichem buch wolt lernen erkennen und dich eren Carlstadt
abthuung der bylder B 3
a. 77)
adverbiales greulich
neben adjectiven. das adv. kann lediglich characterisierenden sinn haben: die greülich weisze zeit der jahr (
das alter) Treuer
dtsch. Dädalus 1, 74;
aber schon früh verbindet sich mit der bedeutung '
zum erschrecken, gefährlich, unangenehm'
mehr oder minder deutlich eine andere rein quantitierende '
sehr, in hohem masze': diz was ein grulich scharfer dorn
pass. K. 84, 70; die clawen daran sind grülich scharpf und starck Mynsinger
von den falken 7
lit. ver.; (
die anfechtung) gehet itzt zu unsern zeiten greulich starck und gemeine Luther 28, 24, 7
Weim.; und schisz ins beth so greulich ubel, als hett man drein geschütt mit kübel Fischart
Eulensp. 96, 2057
Hauffen; sie ist so greulich heszlich nicht
ella non è già tanto brutta Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; ha! das mägdlein ist greulich verständig
ollapatrida 240, 30
neudr.; es ist greulich kalt
schausp. engl. comöd. 182, 22
Creizenach; das, was er schrieb, ist so greulich trocken Caroline 1, 260
Waitz; de fisch sünt grauwellig dür Schütze
holst. 2, 64;
auch Dähnert 163
und Danneil 71
a vermerken diese steigernde bedeutung; greifbar ist der rein steigernde character des adv. neben adj., deren sinn die ursprüngliche bedeutung von greulich
ausschlieszt: sie ist greulich schön, greulich holdselig
ella è la dea della bellezza, dell' amore Kramer
deutsch-ital. (1700) 1, 564
c; gräulich hübsch
oberhess. wb. bei Estor
teutsche rechtsgelahrtheit 3, 1409; seynd wir nicht so greulich lustig auf der Löbte gewest Schoch
studentenleben (1657) F 5
a; meine braut hat mich greulich lieb Arnim 4, 68;
das hat früh widerspruch gefunden: wie ungereimt klingt es doch wann man sagt: schrecklich lustig, greulich schön Harsdörffer
frauenz. gesprechsp. 4, 397,
lebt aber im dialect noch heute: greulich schön Fischer
schwäb. 3, 811; das ist ja ein gar gräulich schön mädchen Vilmar 135;
gern neben reinen quantitätsbezeichnungen: ihr bild ech groilich vil ey Gryphius
dornrose 290
Palm; ein junges frauenzimmer, welche ... mit gar greulich viel liebesbriefen angefochten wird Gottsched
vernünft. tadlerinnen 1, 353; greulich viel volck Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; grouwelik veel geld
brem. wb. 2, 551; grauwellig vel Mi 29
a; das ist eyn greulich gros volck Luther 17, 1, 384; du bist ja gräulich grosz geworden Vilmar 135; grüwwelik graut
sehr grosz Strodtmann
osnabr. 77;
auch das adj. hat vor grosz
vielfach den steigernden sinn des adverbs: sonsten findet man auch in Preussen ... greuliche grosse eichbäume Prätorius
anthropodemus 1, 64; solcher wilden gänse einer greulicher groszer anzahl sey in den mitternächtischen örtern
winterflucht d. sommervögel 16;
neben anderen quantitätsbegriffen seltener: greulich grosz, weit. lang, hoch Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; ein greuliche lange zeit Luther
über das erste buch Mose (1527) Y iiij
a; nach X. ists noch greulich weit Fischer
schwäb. 3, 811; grlig dick Schambach 69;
die wendungen greulich viel
und gr. grosz
haben substantivische parallelen: deme sofort eine greuliche mänge von spies- oder wurfpfeilen folgte A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 168; man finde deren einige (
cedern) sehr alte und greulicher grösse D. v. Stade
erläuter- u. erklärung (1711) 60. 88) greulich
in verbalen verbindungen. 8@aa) greulich (aus)sehen:
horribilis vel horridus aspectu der greulich sihet Alberus (1540) d d iij
a; das vieh sicht greuwlich nur allzeit, mit menschen hat es andern bscheid Fischart
Eulenspiegel 26, 392
Hauffen; ein seltzam pferd ..., welches sye ein ochsenkopf genannt haben, entweder das es so greulich gesehen, oder so ein ... ochsenkopf hatte Eppendorff
Plinius 8, 75;
dagegen '
kränklich, blasz': der junge, das mädel sieht recht greil'ch aus Müller-Fraureuth 1, 437; daher sie auch ganz blasz und greulich aussiehet Lehmann
schauplatz der natürl. merkwürdigkeiten im meiszn. Obererzgebirge (1699) 775. 8@bb) sich greulich stellen, erzeigen.
alem. wendung: saevio wten und grausam seyn, sich greüwlich und lAetz stellen Frisius
diction. (1556) 1173
b;
crudelitatem in aliquem adhibere sich greüwlich stellen und erzeigen 34
a; als sie nuhn desz meidlins alle lachten, ware einer da, zog das wehr ausz, stellte sich greulich, als wolte er es itzo umbbringen Zinkgref
apophthegmata (1628) 338; er sey willens west, sich vil greulicher zu stellen Knebel
chron. v. Kaisheim 444
lit. ver.; wan wir (
die teufel) uns schon erzeygten greulich mit kloen, hörnern gar abscheulich Fischart
jesuiterhütlein 231, 55
Hauffen; 8@cc) greulich thun:
ne saevi tantopere thue doch nicht so grewlich Corvinus
fons latin. (1646) 36; greulich um etwas thun
disperarsi, far' il diavolo, arrabbiare per qualche cosa Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c; alse Eusebius sterven solde, do begunde Eusebius so gruwelike unde so vorverlike to done, dat alle de monike mit anxte so vorveret weren Schiller-Lübben 2, 161;
dagegen '
sich traurig zeigen': sein weib aber gieng mit der leicht, thet grewlich, weinet sehr, hielt sich so übel umb den gestorbenen man Bebel
facetien deutsch (1558) m i
a;
in den heutigen maa. mit stark schwankender bedeutung: bair. grosze angst, groszes leidwesen an den tag legen Schmeller 1, 981,
doch auch: mit fremder leute kindern kann sie greulich (
affectiert) thun, die eignen schaut sie gar nicht an
ebd.; schwäb. ausgelassen sein Fischer 3, 811;
hess. sich sehr traurig oder auch sehr entrüstet, sehr überrascht anstellen Vilmar 135. 8@dd) etwas greulich machen: so mus man mir doch nachgeben, das ... man die helle ... nimmermehr so heslich scharf und grewlich machen kan, sie wird noch viel schrecklicher ... und betrübter sein Ringwaldt
christl. warnung A VII
b; der fuchs beschmeiszet und beseicht ihm (
dem dachs) seine gruben inwendig und macht sie ihm so greulich und unrein, dasz er nicht wieder hinein begehrt Colerus
hausbuch 433 (
vgl. greulich '
ekelhaft' 3);
dann auch als redensart: das streycht der stattschreiber hie treffelich aus und kan die sach greulich machen
weisz die sache als gefährlich, schlimm hinzustellen Blaurer
briefw. 1, 373. 8@ee) mir wird greulich
mich ergreift schrecken, entsetzen: und übe mich also mein leben lang mit dancksagung, das es mir nit greülich werd in dem bittern tod Luther 7, 254
Weim.; es rumorte heftig in allen ecken, der frau ward greulich und schauerlich Grimm
dtsch. sagen 1, 115; du hast dir den doctor in den kopf gesetzt ... mir wird greulich, wenn ich daran denke Freytag
handschrift 3, 75; mir wird ganz greulich vorm gesicht Göthe
Urfaust 291; ich bii ganz greil'ch wur'n v'r schreck Müller-Fraureuth 1, 438;
wo in älterer sprache die wendung persönlich gebraucht wird, hat sie andern sinn: sie sind verderbet und grewlich worden in yhrem thün (
endgültig: sind ein grewel mit irem wesen) Luther
bibel 1, 464
Weim. (
ps. 14, 1
var.); der gottlosz sagt, es ist kein got, und sie seindt in irem wolgefallen zertrent und greülich worden Eb. v. Günzburg 3, 115
neudr. 8@ff) etwas ist mir greulich
erregt schrecken, abscheu: gruelich und ungestalt was sie (
die säule) uns vil manche zit
poet. bearbeitung d. Daniel 980
Hübner; êr dan Kristus gestarp ..., dô was der tôt hezlich und grûwelich allen den menschen
mystiker 1, 118, 29
Pfeiffer; er spricht als die forchtsammen knecht, den kein kúnftige verheissung grulich oder schwer ist
Terenz deutsch (1499) Lxxv
b glosse; ein wurm bin ich und nicht ein mensch, scheusälig den leuten und greulich dem volke Freytag 9, 87;
gelegentlich auch mit präpos.: gegen den ungestümmen tyrannen greulich und den gütigen freundtlich seyn
Amadis 36. 8@gg) etwas ist greulich zu sehen, zu hören, zu sagen: greulich anzusehen seyn Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 564
c;
rancidus aspectus grauwlAechtig, greüwlich und unlieblich anzesAehen Frisius
diction. (1556) 1115
b; o vielbegehrter, lieber todt, du bist zwar greulich anzusehen Joh. Rist
bei Fischer-Tümpel 2, 209; syn licham, dat van abstinencien also mysmaket unde eyslyck was, dattet gruwelick was to seyne Schiller-Lübben 2, 161; es ist gräulich an zu hören
narratio horrorem parit Steinbach 1, 636; das ist greulich und erschrecklich zu hören Luther 24, 97
Weim.; alem.: greüwlich und unglOeublich zesagen
immane dictu Maaler 192
a; vil andere ding, das gruweliche were zuo sagende Königshofen
chronik 434, 27
Hegel; (
die Hussiten) tribend vil unchristliche sachen, davon grlich ze sagen wAer Tschudi
chron. helvet. 2, 90. 8@hh) es ist greulich: (
Herodes gebot) daz man si elliu ersluoc. daz was grOewelich genuc
ged. d. 12. u. 13. jhs. 82, 48
Hahn; wan sye schon rein bleyben, geschicht doch so viel afterreden, das es greulich ist Luther 9, 585
Weim.; wenn wir ... so abziehn, da sieht es aus wie furcht, und das wär gräulich Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 198;
dialectisch: mit dem menschen ists greulich
er macht einen streich nach dem andern Fischer
schwäb. 3, 811;
mit abhängigem satz oder infin.: so ists noch grewlicher und scheuslicher, wenn du sihest, das Luther 16, 82
Weim.; es ist gräulich zu insinuiren, die toleranz sey gefährlich Cramer
Neseggab 2, 65;
in jüngerer zeit gern im ausruf: ja, es ist abscheulich, greulig! W. Busch
heil. Antonius (1870) 4; o gräulich! gräulich! o zum entsetzen! Tieck
schr. 3, 116.