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greulich

nhd. bis Dial. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

greulich adj.

Bd. 9, Sp. 232
greulich, adj. horribilis, abominabilis, teter. form und bedeutung. 11) das adj. entfaltet sich, wie das stammwort griul, in mhd. zeit, ist aber verbreiteter und früher nachzuweisen: elliu dinch furhten dichrehte alsam mich, niht si so grovlichezne widirsitzze dich Milst. genesis 8, 15 Diemer; ein vereinzelter beleg schon im altsächs.: ik hebbiu it (das silber) so griolico, quathie, mid mines drohtinesdroru gicopot Hel. 5152; im anschlusz an das substant., das auf nd. boden eine besondere form mit besonderer bedeutung entwickelte (s.greuel form 3), hat auch das adj. auf nd. (md.) boden eine bedeutungsspaltung erfahren, die vielfach mit einer formspaltung hand in hand geht; zunächst wie in der schriftsprache 'horribilis': greilech furchtbar lux. ma. (1906) 153a; grülik greulich Woeste 86b; ebenso grülig Schambach 69; grülig, grülik Dähnert 163; grûlich Danneil 71a; gruglich Mi 29; grolich Schütze holst. 2, 70; grülk dithm. ebd. 71; grolig Berghaus 1, 616a; grouwelik brem. wb. 2, 550; grauwellig Schütze holst. 2, 64; dann auch 'timidus', und zwar fehlt, abgesehen von consonantischen abweichungen, bei dieser bedeutung fast durchweg der umlaut, wie nd. gruwel 'furcht' überwiegend ohne umlaut erscheint: grujelech gruselig lux. ma. 157a; grugelech graulich, bange vor gespenstern Bauer-Collitz 41b; grüggelich mit gespensterfurcht behaftet Woeste 86b; grûlig graulich Schambach 69; grûlich furchtsam im dunkeln Dähnert 163; grûlich der furcht vor gespenstern hat Danneil 71a; grûlig graulich, bange Frischbier 1, 257a; grüwwelsk syn ängstig, furchtsam sein Strodtmann 77; wo das adj. in den südlicheren dialecten erscheint, nur im sinne 'horribilis' oder in einer davon abgeleiteten bedeutung: grülich Regel ruhlaer ma. 198; kreilc Müller-Fraureuth 1, 440; greilich fast nur in steigerndem sinne Vilmar 135 (s. u. gebrauch 7); greilich greulich, furchtbar Follmann 215a; gräulich (gráli', grálə') wie hd. Schmeller 1, 981; gräulich (grəilich, grīlĕ) wie hd., auch häszlich, ekelhaft, unreinlich Fischer schwäb. 3, 811; grüwlich greulich, schrecklich Staub-Tobler 2, 835 (in älterer sprache auch grüwenlich ebd., öfter bei Frisius, s. u. 2); im älteren nd. gelegentlich erweitert zu gruweliksam: gruwelicksamer alse ein wulff Schiller-Lübben 2, 162. 22) für die literarische verwendung des wortes ist die hauptepoche die ältere nhd. periode; und zwar ist die bedeutung von greulich vielfältiger und innerhalb der einzelnen richtungen entschiedener als in jüngerer zeit. das wird aus übersetzungen und umschreibungen bei den lexicographen vielfach deutlicher als aus den literarischen belegen. meist glossiert mit horribilis Diefenbach 280b, grawleich nov. gloss. 206a, gruwelich gemma gemm. (1505) l viijb, grewlich, scheutzlich, erschrockenlich Calepinus XI ling. (1598) 657b; terribilis greulich Diefenbach nov. gloss. 362b, erschrockenlich, greüwenlich Frisius diction. (1556) 1305b. doch auch prägnanter: saeviter grausamlich, greüwlich 1173a; crudelis Diefenbach 159c, grausam oder grewlich Zehner nomencl. (1645) 69; severus, severe, severiter Diefenbach 531b; severiter strenglich, gruwelich, seer streng gemma gemm. (1505) z vb; acer grausam, greulich, grimmig, tyrannisch Alberus (1540) Ddijb; atrox Diefenbach 58a, fraissamlich, greuleich Frommann 2, 292 (böhm. vocab. von 1432); dirus erschrockenlich, grausam, scheützlich, greüwenlich Frisius 422; truculentus Diefenbach nov. gloss. 372b, Frisius 1333b, Calepinus XI ling. 1479a; trux Frisius 1333b; daher sie Katul truces d. i. greuliche, grimmige nennet Zesen verm. Helicon (1656) 36; horribilis, teter, trux, truculentus Serranus synon. (1579) s. v.; teter schnöd, greüwlich, scheützlich, schandtlich, bösz Frisius 1308a; schändlich, garstig, gräulich Reyher thes. 3, 1891; torvus Diefenbach 590a, gräszlich, gräulich, starr Reyher 3, 1944; corus (l. torvus) grewlicher o. hochfertiger Diefenbach 153b; torosus voller, vaister, grewlicher, hochfertiger 588c; scordalis frech vel grulich 520a; vesanus, vecors, crudelis, furiosus wüterisch, gräulich, grausam, unsinnig Reyher thes. 3, 2122; informis grulich Diefenbach 297c; distortus yslich, grülich nov. gloss. 139a; monstrifice wundersältzamlich, greüwelich Frisius 835b; in anderen glossierungen wird ein religiöser einschlag fühlbar (vgl.greuel A 3 c α): abominabilis Diefenbach 2c, gruwelich gemma gemm. (1505) a ijb, greulich Alberus p jb; abominandus greüwlich, wol wAert zuoverflchen Frisius 8a; detestabilis abschewlich, grewlich Calepinus XI ling. 410a; execrabilis verflcht ... greüwenlich Frisius 500a; devotus verflcht ... greüwlich 406b. gebrauch. 11) von eindrücken, die durch die sinne vermittelt sind; nur sehr selten giebt das adj. lediglich eine kennzeichnung der sinnlichen empfindung ('häszlich', s.a α), fast stets sprechen irgendwie gefühlsmomente des abscheus, entsetzens mit. 1@aa) greulich fürs auge. 1@a@aα) greuliche steine, worin die male von händen und füszen eingedrückt sind Grimm dtsch. sagen 1, 105; war's schon häszlich, da es klein ist; da oben, grosz, ward's ein gräulicher, verwitterter steinklumpen Alexis roland 2, 322; wie das so edle und mächtige feuer nur unnütze asche und greuliche kohlen .. zeuget Lohenstein Arminius 2, 146a; das kind .. tritt mit dem rechten füszchen auf einen gräulichen todtenkopf Gleim briefw. 1, 290; (ein grab) das von auswendig viel schöns hab. inwendig ists aschn, grewlich gbein Musculus hosenteufel 5 neudr.; dar nach wart aver da vernumen ein zeichen (wunderzeichen) gruelich genuch pass. H. 267, 50; ein greulich zeichen steht im haus des lebens Schiller 12, 382; sehr gern neben gestalt, bild u. ä.: sehr greulicher gestalt er war H. Sachs 21, 180 Keller-Götze; die leute vergaszen vor den greulichen gestalten, dasz heut fastnacht ... war Freytag 11, 16; vielleicht eine nachwirkung der im mhd. sehr verbreiteten participialen wendung griulîche gestalt; zu letzt ... sind sie (eine expedition zur erforschung einer berghöhle) wieder mbgekehrt und erblichen, greulich gestaltet und erschrecklich anzusehen halb todt alle wieder ausz dem berge kommen Prätorius blocksberg (1668) 7; wel ein anblik! es samnent sich dú grúwlichen bilde der swarzen moren Seuse dtsch. schr. 285, 7; und im gesprengten sarg .. ringt langsam sich ein gräulich bild hervor Geibel werke (1888) 2, 74; gräuliche, frazzenhafte gebilde Hegel 10, 1, 444; sie zogen gräuliche fratzen Göthe Reineke fuchs XI 198; (der affe) schnitt .. greuliche gesichter Brehm thierl. 1, 142 Pechuel-Loesche; gruelicher houbit viere truc ez uf sime libe Daniel 5788 dtsch. texte d. mittelalt. XIX; führen zweene grewliche scheussliche köpfe (im wappen) Micraelius Pommerland (1640) 6, 514; neben gesicht kann greulich im älteren nhd. schlechthin 'häszlich' bedeuten: so unmöglich ist es auch, dasz ein greulich gesichte schön gemacht werden könne Ziegler asiat. Banise (1689) 502; so oft vom menschen, s. 2 a; dann aber auch 'drohend, grimmig': sein (des falken) angesicht scheint auch greülich und manlich und die augen prynnent Mynsinger von den falken 7 lit. ver.; owe, herre .., wie sOelti denn min herz din grúwliches antlút iemer erliden Seuse dtsch. schr. 229, 30; sú stuonden gegen mir mit grúwlichen ogen als die risen gewegenlich 204, 14; entsprechend in adverbialer verwendung: der keiser sahe sie grewlich an Hondorff prompt. exempl. (1572) 327b; gräulich sah sie mich an Göthe Reineke fuchs XI 191, ebenso schon Gottsched 297; und hat zu aller zeit starke hitze und sihet mit den augen greulichen umb und ist albeg unsinnig Ortolf v. Bayrland arzneib. 17b; er verwandte die augen greulich Agyrtas grillenvertreiber (1670) 162; die augen (des hingerichteten) starrten gräulich Freytag 17, 202. 1@a@bβ) abstracter: schirment mich vor dem grúlichen anblik miner fienden, der bOesen geisten Seuse dtsch. schr. 89, 11; (der Pilatussee) hat ein gräuliches ansehen Prätorius blocksberg (1668) 2; die ahtede (höllenstrafe) ist ein gruwelich gesicht der tivele und der drachen Lucidarius 62, 15 Heidlauf; aspectus trux ein gräulich oder schrecklich gesicht Reyher thesaurus (1668) 3, 262; greüwliche und erschrockenliche gesicht in der nacht imago turbida Maaler 192a; ein greuliches gespenst Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564b; greulicher spuk Hauff 1, 89; somnia tumultuosa unrwig und greüwenliche trOeum Frisius diction. (1556) 1224b; (der melancholiker) aufwachen ist schreckhaft, so wie ihre träume lebhaft und gräulich Zimmermann einsamkeit 1, 358. 1@bb) greulich fürs ohr: vox furialis ein gräuliche erschreckliche stimme Reyher thes. (1668) 2, 2783; dâ vâhten mit grimme mit griulîcher stimme wisente und ûrrinder Iwein 410; unde sprak to en (den bösen geistern) mit eyner gruweliken stemme Schiller-Lübben 2, 161; öfter vom horn des jüngsten gerichtes: (ein horn) daz ist von dem lufte gemaht unde hat eine grweliche stimme Lucidarius 66, 32 Heidlauf; auch geradezu: so kumet niemer das grúlich horn us minen sundigen orn Mone schausp. d. mittelalt. 1, 276, 99; einen greulichen schrey thun Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564b; in gewissen schweizerischen maa. noch heute vorwiegend von geschrei, geheul Staub-Tobler 2, 835; was erhebt nicht der ehrliche mann vor ein greuliches lermen Bodmer samml. crit. poet. schr. 2, 26; seine sprache brach mit solchem greulichen gekrache heraus Zesen Assenat (1672) 77; es war ein gräulicher jubel unter der hausthüre H. Beck rettung für rettung (1801) 8; adverbial: horrisonus dasz greulich laut Alberus (1540) c ija; ut indicarent mord schrei, wie er greilich gelaut hat Luther 17, 1, 69; sehr häufig greulich schreien: sú schrúwen uf mich vil grúwlich ...: 'nu henka, henk den bOesen wiht' Seuse dtsch. schr. 204, 21; fiel er darnider im cor und schrey grewlichen Nas antipap. eins u. hundert 5, 72b; (der räuber) tratt zu ihm ein, stellet sich und brüllet greuwlich Kirchhof wendunmuth 2, 220 Oesterley; ululare vom hund, greüwlich heülen Frisius diction. (1556) 180b; gräulich heult der wolf im waldgebirge Grabbe 1, 63 Blumenthal; nach dem greulich anhub zuo prumeln und toben als der pern gewonheit ist Arigo decameron 530, 35 Keller; vgl. auch nwen jamer hub sie an und klagt grlich ir leit mhd. minnereden 8, 27 Matthaei; da ist mir dasz flenen so greülich ahnkommen Elisabeth-Charlotte v. Orleans briefe 5; seht doch, sie weint ja greulich Mörike 1, 237 Göschen; die Italiener lachten darüber so gräulich, dasz manchmal ein kleiner nachhall ... bis zu mir heraufdrang Laube 8, 287; indessen spricht bei den letzten belegen die quantitierende bedeutung von greulich schon mit, s. 5 f β. 1@cc) greulich für den geruch: dar zuo gevie der selbe slac (die wunde) einen sô griulîchen smac, daz ime daz leben swærete Tristan 7280; in deme sumpfe uberal was vil grulich ein stanc pass. K. 238, 53; ein semlich grüwenlicher grosser ungeschmack und stinken von dem ussetzigen gieng bibl. älterer schriftwerke d. Schweiz I 1, 19; ein grewlicher heszlicher stanck Gabr. Rollenhagen indian. reysen (1603) 134; Herodes ist nu todt und stinckt greulich Luther 34, 1, 561 Weim. 1@dd) greulich für den geschmack; selten: in Bucs ... hatte ich bereits eine schale gräulichen kaffee verschluckt jahrb. d. Grillparzerges. 1, 131; sollte mans glauben, dasz es narren giebt, die an dem gräulichen zeuge (feigen) behagen finden? Immermann 2, 86 Hempel. 1@ee) greulich fürs gefühl; hier wird deutlich, wie das adj. in jüngerer zeit aus der charakterisierenden bedeutung in eine quantitierende 'gewaltig, sehr grosz' übergehen kann (vgl. 5 f β, 7): das greulich kopfwehe und hirnwten der pferden würt geheylt Sebiz feldbau (1579) 152; nun wundert es mich nicht .., dasz du so gräuliches kopfweh hattest Wieland Lucian 2, 55; so stillet es das grewlich ohrenwehe Herr feldbau (1551) 148b; also das ein grewlicher schmertz vergiftet ihr götliches hertz Weckherlin 1, 156; der gequälte, in gräulichem schmerz schreiende Philoktetes Freytag 14, 145; greulicher hunger, durst Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564b. 22) von lebenden wesen. 2@aa) greulich von menschen, mit sehr schwankender bedeutung; die bibelübersetzung gebraucht das adj. substantivisch: den verzagten aber und ungleubigen und greulichen .. der teil wird sein in dem pful offenb. 21, 8; das ir nit thgind nach der greüwlichen sitten Zürcher bibel 3. Mos. 18 d (v. 26); vgl. diese sind die greulichen oder abscheulichen, .. und bedeuten vermuthlich die schamlosen unfläther, die in widernatürlichen stummen lastern leben Jung - Stilling 3, 407 Grollmann (vgl.greuel A 3 c β); in anderem sinne in der Wenzelbibel: alle greuliche omnes horribiles Hiob 20, 25; der do nicht enkante den greulichen (tyrannum), do er kriegte wider den armen 34, 19; wieder anders: einen hochvertigen sun und einen greulichen (protervum) 5. Mos. 21, 18; überhaupt gern im sinne des religiös zu verabscheuenden: grewliche ketzer und falsche lehrer Fischart binenkorb (1588) 34b; es stehen falsche Christi auf mit greulichen propheten Schmolcke trost- u. geistr. schr. 1, 565; diese gräuliche sekte Jung - Stilling 6, 357; häufiger jedoch in der bedeutung 'furcht, entsetzen erweckend': swie griulich nu sî Hagne, ich wil in eine bestân Nib. 1971, 4; er îlte ân underscheide zuo der patelle griuwelîch Konr. v. Würzburg turnei 945; (zwei menschen) dero was eins ein jungú subrú frowe, daz ander waz ein vil grúlicher langer man mit einem spiesse Seuse dtsch. schr. 79, 2; der gräuliche wüterich Irenechora Bucholtz Herkuliskus (1665) 16; Saul ist .. grausamb, greulich, grob, greinerisch .. gewest Abr. a St. Clara Judas 2, 356; der gräuliche riese Herder 25, 261; öfter neben feind: das man auch des Achilles seel so blutig schicket ab gehn heel, .. das man desz greuling feindts komb ab H. Sachs 12, 301 Keller; da der grewliche feinde .. hinder und umb mich alles ernider gelegt Moscherosch insomn. cura 6 neudr.; desgl. neben volk: ich wil über üch senden ein gruwelich volk Closener chronik 113 Hegel; es warent gar vil böser, greulicher, unmenschlicher diet und haiden städtechron. 3, 51; volck das grewlicher ist denn sonst irgend eins Jes. 18, 2; auch vor eigennamen: der greuliche Polyphemus Grimmelshausen Simplicissimus 10 neudr.; der gräuliche Olallin ist entflohn Tieck schr. 11, 256; die grewliche Medea Scheit frölich heimfart a iiia; greulich weib, mit zaubereien mordest du mir meinen sohn Brentano 1, 223; dialectisch: en grauwelligen keerl ein gräszlicher, auch gefährlicher mensch Schütze holst. 2, 64; auch gern prädicativ (man beachte die abschwächung der bedeutung in jüngerer sprache): ich sag dir, die alten sint gar gräulichen, wenn si an hebent ze zürnen gesta Rom. 116 Keller; er schildert mich so greulich, und doch fand mich Sophie nicht ganz und gar abscheulich Göthe 9, 45 Weim.; und er (der schmied) ist doch nicht so greulich, wie man manchmal denkt Ludwig 2, 72; er bekommt wohl keine Edel, er ist viel zu greulich Schweinichen denkwürdigk. 154; im 18. jh. beliebte verbindung: die männer sind wol greuliche narren ollapatr. 330, 30 neudr.; geh, ruf ich, für und für! du bist ein narr, so greulich Göthe 3, 192 Weim.; ein gräulicher narr, ein windbeutel von aussen H. Beck schachmaschine (1798) 29; das adj. geht hier fühlbar in die quantitierende bedeutung über; deutlicher noch in fällen wie: ein greulicher knicker ehe eines weibes 41; so weis ich doch ..., dasz ihr ein greulicher windmacher seyd Stoppe Parnasz (1735) 487; o du unerträglicher saufaus und noch gräulicherer plapperer maler Müller 1, 170; aufs ältere nhd. beschränkt ist ein gebrauch, der greulich ästhetisch faszt als gegensatz zu schön (vgl. 1 a α): das allezeit das also verordnet, das bey einem gewaltigen ein verworfener ist, .. bey dem gesunden ein krancker, bey dem schönen ein grewlicher erfunden wird Luther 1, 267; ähnlich 17, 1, 22; Socrates ist gewesen ein greulicher mensch, er hat gehabt einen groszen dükken kopf, hare wi sauborsten Butschky hochd. kanzelley 232; schöne weiber sind der himmel, greuliche, die sind die hölle Logau sinnged. 462 lit. ver.; des königs Aristons gemahlin war anfangs die greulichste jungfrau, hernach die schönste frau in Sparta Lohenstein Arminius 2, 89a. 2@bb) vom teufel: so cumet der tivel mit einer michelen schar gruwelicher und eigeslicher tivele Lucidarius 61, 22 Heidlauf; aber diser gevärlichen zeit hat grewlicher tewfel etlich fals lere und allt sect .. widerumb auferweckt Berth. v. Chiemsee teutsche theologey (1852) 2; der leidige, greuliche teufel Luther 34, 1, 29, 15; auch substantivisch: der greulich hat dich herein getran Uhland volkslieder 2, 801; sprichwörtlich: der teufel ist nicht so grewlich als man yhn malet Luther 29, 693; ebenso Eb. v. Günzburg 2, 63 neudr.; vgl. Wander sprichwörterlex. 4, 1068, 234; 1069, 236; sondern muss dem teufel den hyndern abermal auf decken, das yderman sehe, wie hesslich, schwarz und greuelich er da ist Luther 19, 262; wie gar hat uns doch .. der teufel ... mit dem grewlichen antichrist in Babel verführet Jac. Böhme schr. (1620) 4, 87. 2@cc) von thieren: cruenta bestia grulich tyr Prager dtsch. studien 8, 449 (aus Kaadners vocab., anf. 14. jh.); dar nâh vil schiere sah ih daz grûwelîchiste tier, daz sint oder êr ieman mohte gescowen Straszb. Alex. 5021 Kinzel; dat gruwelike beist Soester Daniel 203 Schmitz; das vierde thier war grewlich und schrecklich Dan. 7, 7; karten, deren bilder von greulichem getier: affen, katzen und dämonen .. zusammengesetzt waren G. Keller 6, 354; den abgötzen Jovem, welcher doch ein greulich schand- und wunderthier gewesen Rist neuer teutscher Parnasz (1652) bb; da kam der gräuliche drach daher Erlach volkslieder der Deutschen 1, 404; orca ein grewlicher wallfisch im meer Calepinus XI ling. (1598) 1000b; etliche grossmächtige ... und greuliche hund Guarinonius grewel der verwüstung (1610) 1130; nach meinem abschied werden unter euch komen grewliche wolfe (λύκοι βαρεῖς) ap. gesch. 20, 29; ein gräulicher bär Göthe 25, 117 Weim.; die greulichen katzen Schiller handschuh; dasz die bedeutung für die ältere sprache entschiedener sein kann als im nhd., lehren beispiele wie: (der hecht) izt auch ainen andern hecht, alsô gräuleich ist er von nâtûr und sô girig auf den raup K. v. Megenberg buch d. natur 254, 12; ez sint die ern under in (den scorpionen) gräuleicher wan die sien 282, 20; ähnlich bei Luther prophet Habacuc (1526) d iiijb; auch bildlich: er sprach ain frovwen sin ain tiere ungezämpt, wild, untrüw, beweglich, unstett, grim und grülich N. v. Wyle translat. 52, 35 Keller; gern im vergleich: wan so ist si (die sündige seele) vil grúlicher et ie chain sclange ie alder ie wurde pred. d. XIII. jh. 1, 20 Grieshaber; greulicher als ein tiger Stieler 697; o mutter, herter dan ein steyn, grewlicher dan eyn wölfin oder lewin Eb. v. Günzburg 3, 35 neudr. 33) auch sonst von concreten dingen, doch ohne dasz wie bei 1, theilweise auch bei 2, ein bestimmter sinnlicher ausgangspunct der bedeutung erkennbar wäre; 'widerwärtig, ekelhaft': swie schœne, swie milte, swie rîche er was, sô wirt sîn fleisch ein griulich âs H. v. Trimberg renner 24380 Ehrismann; kein grewlicher asz dann vom menschen Friedr. Wilhelm sprichwörter-register (1577) nr. 60; wenn einer gestorben ist, verfaulet ..., ja solch greulich as wird, das niemand umb in bleiben kan Luther 34, 2, 119 (vgl. 1 c); greulichem frasz nachtrachtest du Mörike 1, 79 Göschen; levitisch unrein (vgl.greuel A 1 b): und wenn eine seele etwas unreines anrüret, es sey unrein mensch, vieh, oder was sonst grewlich ist 3. Mos. 7, 21; auch in heutigen dialecten in der bedeutung 'ekelhaft, unreinlich' Fischer schwäb. 3, 811; hierher wohl auch: gräulichmachlos, m., diarrhöe Frischbier 1, 251b; auf einer anderen linie liegt: daz im sin hailige sîte mit dem grúlichen sper wart durchstochen pred. des XIII. jh. 1, 58 Grieshaber; do man den griulichen spiez ir kinde durch sin siten stiez Mone schausp. d. mittelalters 1, 238; das ist freylich das grewliche schwerd des risen Goliath Luther 23, 143; und scheust myr solche greuliche pfeyl yns hercz 34, 1, 313; sich ze pingen mit herinen hemdern und mit seiln und grúlichen banden Seuse dtsch. schr. 107, 6; gern mit religiösem einschlag: was darf Christus, das ware liecht, deiner (Amlings) greulichen latterne? Lutherus meinung und bericht wol bleibt der rechte kerne Wackernagel kirchenlied 5, 168; do ... stalt der künig Antiochus einen schantlichen, greüwlichen götzen auf den altar desz herren Zürcher bibel (1531) 1. Makk. 1 T (v. 57); grewliche messen und abgöttereyen Luther vom grewel d. stillmesse (1525) A jb; umb der grewlichen abgötterey des Baals Mathesius Sarepta (1571) IIIa. 44) von naturerscheinungen und -vorgängen, räumlichen und zeitlichen begriffen; die grundbedeutung 'schrecklich' hat öfter den nebensinn 'gefährlich'. 4@aa) von krankheit und tod: do sprach ein weib: er nerte ouh mih von einer griulichen sucht ged. des 12. u. 13. jh. 109, 76 Hahn; von wannen kommen so viel ... durch grewliche kranckheiten ausgedorrete weiber Barth weiberspiegel (1565) N Ia; ein solcher grewlicher tartarus (steinkrankheit) Paracelsus opera 1, 313 C Huser; grot water und gruwelik stervent Magdeb. schöppenchron. 116, 30 Janicke; vertilge den greulichen tot ackermann aus Böhmen 21, 8; der todt ist greulich, der in nit kennet schöne weise klugreden (1548) 145a; das einer lieber den grewlichen todt leyden sollt Luther 34, 1, 85; anders bei fehlendem oder unbestimmtem artikel: so mustu liden groze not und darzu grulichen tot pass. K. 188, 92; derhalb forcht sie, er wer verdorben, im meer eins grewling todts gestorben H. Sachs 2, 257 Keller; indigna morte peremptus eines greüwlichen tods umbkommen Frisius diction. (1556) 683a. 4@bb) von elementen und witterungserscheinungen: fewer und wasser, die zwei stärckeste, ja grewlichste element, die gottlosen zu peinigen Kirchhof wendunmuth 2, 203 Oesterley; zu deme vierden male quam er im grulichen vur pass. K. 211, 19; es hat die statt ... fünf grewlicher bränd nach einander erlitten Seb. Münster cosmogr. 586; greuliche und schwehre wasser-fluthen Hohberg georgica cur. aucta (1715) 3, 390a; tempestas saeva gräulich ungewitter Reyher thes. (1668) 3, 1220; anno 1436 am tage visitationis Mariae war ein grewliches unerhörtes wetter Hennenberger preusz. landtafel (1595) 80; augenblicklich schafft sie (Juno) ein gräuliches ungewitter Ramler einl. in d. schön. wissensch. 2, 53; wer kann sich auch hüten zugleich für dem grewlichen tonnerstreich Spangenberg ausgew. dicht. (1887) 212; uber das erschrekliche ungewitter und greulichen sturm anno 1648 Neumark neuspr. teutscher palmbaum (1668) 467; vgl.: o du grewlicher kalter winter H. Sachs 17, 199, 8 Keller-Götze; ebenso adverbiell: greulich regnen, wittern, donnern, blitzen Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; swenne daz mer in unden get und alse grüwelichen stürmet und wütet Berthold dtsch. pred. 297 Kling; gott donnert mit seinem donner greulich Hartmann fluchspiegel 58; in neuerer zeit unter abschwächung der bedeutung gern in folgender verbindung: und sei doch ein gräuliches wetter gewesen und kalt und nasz Fontane I 6, 359; ein gräuliches spätherbstwetter Laube 1, 128; anders, mehr quantitierend: o welch eine greuliche hitze schausp. engl. comödianten 182, 29 Creizenach. 4@cc) von orts- und raumbegriffen: wie grulich was die strut und auch des meres freis Altswert 226, 12 lit. ver.; ihr greuliche und stille wälder Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564b; also ward er mir in eim grewlichen wald gestolen buch der liebe (1587) 30a; gefahrvoll ist der pfad. — entsetzlich, greulich! Grillparzer 7, 56; und die flammen krümmeten sich mit weichenden spitzen jetzund an beyden seiten, und trennten, in wellen gerollet, sich in der mitten, ein greuliches thal! Zachariae poet. schr. 6, 36; eine greuliche tiefe (in der hölle) Bodmer samml. crit. poet. schr. 1, 5; ein greulich loch und schwefelichter pfuhl wird sein sein stuhl Neumark poet. u. musik. lustwäldchen (1652) 7; auch direct: ausz der grewling hell H. Sachs 3, 280 Keller; und ist ein greulich Sodoma draus worden Luther 34, 1, 76. 4@dd) von zeitbegriffen: daz ist dú grúlich stunde, ab der herze und sel erschriket Seuse dtsch. schr. 319, 6; es schleichen die kröten am schimmelnden grund, gräuliche stund! Brentano 2, 364; sein vergangenes dasein kämpfte mit dem gegenwärtigen, es war ein gräulicher augenblick Göthe 24, 160 Weim.; eine greuliche nacht una notte horrenda Kramer teutschital. (1700) 1, 564b; wollt ihr die greuliche nacht euch in die Elbe locken lassen? O. Ludwig 4, 66; mit religiösem einschlag: dasz in den letzten tagen werden grewliche zeit komen 2. Tim. 3, 1; im selben sinne: sic in altera parte Turca so greulich und erschrecklich. das sind greulich zeit Luther 29, 616; in jüngerer zeit schwächer: es ist eine gräuliche zeit Gentz schr. 1, 133 Schlesier. 55) von handlungen und zuständen. 5@aa) neben substantiven activer bedeutungsrichtung; that, unthat, mord, kampf u. dgl.: die gräuliche that empörte aller herzen Schlosser weltgesch. 2, 492; (Christus) wahrhaftig uns weissaget hat der juden grewlich missethat Endinger judenspiel 19 neudr.; grewliche unthaten Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 445; greüwliche schandtliche und mörderische stucke Stainhöwel de clar. mulier. 319 lit. ver.; bei Luther häufig: sage myr, wer hat yhe grewlicher grewel gehöret? 12, 236 Weim.; vgl. 15, 39; 19, 7; 26, 488; in jüngerer zeit mit schwächerem sinn: so entstand bald ein gräuliches jagen ... im hofe H. Schmid alte u. neue gesch. aus Bayern 81; es ist ein gräuliches verfahren, welches die mineralogen bei der bestimmung der farben beobachten Göthe gespräche 2, 106; bei näherer specialisierung der unthat am frühesten und häufigsten von blutthaten: ein grúliches mord Seuse dtsch. schr. 80, 6; (Marius) hat ... zu Rom ein grewlich blutbad angericht Kirchhof wendunm. 2, 24 lit. ver.; ein greulich gemetzel, worin wir siegten Göthe 33, 19 Weim.; yhr (der bauern) greulichs toben Luther 18, 336, 13 Weim.; der krieg (ist) das greulich wütendt ubel Kirchhof militaris disciplina (1602) 1; das grewliche weten des hOellischen feinds erzherz. Ferd. v. Tirol spec. vitae humanae 52 neudr.; (die Türken) verhergten drumb was sie ankamen, mit grewlicher tyrannei Seb. Franck Germ. chron. (1538) 82a; urtheil, gericht, strafe, namentlich, wenn sie von gott ausgehen: die verborgenen gruwelichen urtel gotz Schmidt elsäss. 158b aus Tauler; wer es (das wort) verschmöcht, der wirdt greülicher urteil finden, dann Sodoma und Gomorra Eb. v. Günzburg 3, 119 neudr.; mit kurzen worten sprichet got, sîn griuwelich gerihte sol vollen gân Rumslant bei v. d. Hagen minnes. 3, 57a; sie würdn ein grewlich strafe tragn jedermannes jammerklage (1621) B IIIIa; gräuliche höllenstrafen Gaudy 2, 121; hoffe ich dasz aus dem ... studium dieses büchleins sich keine ketzerische Albigenser hervorthun und zu ihrer so greulichen als gerechten bestrafung das fromme jahrhundert aufrufen werden Göthe IV 38, 273 Weim.; der religiöse einschlag des grundwortes (vgl.greuel A 3 c α) wird fühlbar neben begriffen wie sünde und laster: so vil grewlicher unnaturlicher sunde Agricola 750 teutscher sprichwörter (1534) F VIb; namentlich im älteren nhd. sehr häufige verbindung; auch adverbial: sich greulich versündigen Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; greuliche, greuliche frevel, die bis zum himmel hinaufstinken Schiller 2, 101; das ist yhe grewlich unrecht und widder gott Luther 18, 331 Weim.; so yhr doch ... so grewlich widder seyn recht thut und lebt 307; werden euch andere gruoliche laster furwerfen Alberus widder Jörg Witzeln M ib; aber verlarvtes laster ist greulicher im auge des groszen kenners im himmel Schiller 1, 64; das grüwenliche laster der trunkenheit Staub-Tobler 2, 835 (quelle von 1584); mit greuel A 3 c β vergleicht sich grüwliche unzucht zum oftermahl getrieben würdt Reutter v. Speir kriegsordnung 13; Wieland, den wir anfangs aus honettetät einluden, hat sich gräulich prostituirt und schlecht empfohlen Göthe IV 7, 102 Weim.; greuliche habsucht Arndt 6, 96 Rösch - Meisner; inscitia prodigiosa grewliche, schreckliche grobheit Faber thes. (1587) 651a; man rechnet einem oft als greuliche unverschämtheit an, was nur die zarteste scheu vor überhebung ist Raabe Horacker (1876) 69; wir übten so ... schon als knaben den greulichen undank Holtei vierzig jahre 1, 86. 5@bb) nicht ebenso häufig neben substantiven passiver bedeutungsrichtung; untergang, leiden, marter u. ä.: also ist der engel fall darumb so grewleich und schrecklich theatr. diabol. (1569) 21b; an der rebellischen pauren grewlichen und schrecklichen untergang B. Krüger spiel v. den bäur. richtern 4; eine greuliche niederlage foeda clades Apinus gloss. nov. (1728) 369; es muosz ... mit disser ... welt eyn greulich, erschrecklich ende haben Alberus buch v. d. ehe (1536) G ija; so haben sie darmit allein inen ein grewlichen fluch auf ire häupter geladen Fischart discours (1589) C IIIb; armuth, gräulichster fluch Hebbel briefe 2, 261; knecht der armuth, gebeugt unter der greulichen noth Arndt 6, 23; dasz er mich in eine greuliche abhängigkeit versetzt Forster 9, 32; es mag wol sin, daz liden ein unmessiges guot ist, da es ... nit als grúwlich und als ungehOert ist Seuse dtsch. schr. 248, 29; an solcher grülichen unmenschlichen marter Hedio chron. germ. (1530) IIIa; greuliche pein leiden Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564b; got wurde ... die stadt mit mancherley grewlichen plagen angreiffen Alberus fabeln 20 neudr.; darausz erfindet sich offenbarlich die aller hOechst und grewlichst verfüerung H. v. Cronberg 139 neudr.; wann gott kompte mit greülichen anfechtungen Tauler sermones (1508) Xa; ein lästerliche und grewliche verderbung des menschlichen geschlechts Bech Agricola (1621) 7; der krieg richtet greuliche verwüstungen an Heinse 4, 396; die gräuliche französische umkehrung und verwirrung (revolution) Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 233; da sie (die bibliothek) in greulicher unordnung ... ist J. u. W. Grimm briefw. 243; von diesem gräulichen drunter und drüber gehen Cramer Neseggab 1, 162; oben das greuliche durcheinander ist die ermordung des ersten Lehniner abtes Fontane I 2, 11. 5@cc) neben allgemeineren ausdrücken des geschehens und des zustandes; vorfall, unfall, geschichte, ding, sache: wie tätig und durchgreifend er bei dem greulichen vorfall gewesen Mörike 3, 83 Göschen; die greuliche scene, die maceration des leichentheiles jahrb. d. Grillparzergesellsch. 3, 240; das grewlichste spectacul, so jemalen für ewren augen kommen schausp. engl. comöd. 34, 1 Creizenach; hörte er nur von den gräulichen begebenheiten des tages reden Klinger 8, 250; darnach hb sich grosz mishelle und ein grlich ungevelle histor. volkslieder 168 Liliencron; o unfall schrecklich, wild und grewlich Spangenberg-Fröreisen griech. dram. 2, 105 lit. ver.; und da kann zum exempel der letzte wurf eine gräuliche catastrophe anrichten Gleim briefw. 2, 206; das geschehene als berichtetes: schreckliche, grewliche geschichte Luther 34, 2, 234 Weim.; eine grosse und grewlich geschicht von einer muotter ich bericht, welche sich legt zuo ihrem son Schumann nachtbüchlein 203 Bolte; sind grewliche zeytung eintreten Güttel evang. warheyt (1523) A IIa; dass man ihnen solche groüwliche ding von unserem land fürgebildet Staub-Tobler 2, 835; denn was kan grösser, greulicher ding seyn, denn gotts willen ungehorsam seyn? Luther 19, 198 Weim.; o es ist ein greulich ding umb ein weltweisen man, der in seiner kunst ... ersoffen ist Franck sprichwörter (1541) 2, 164a; es ist eine gräuliche sache um das visiten geben Gleim briefw. 2, 28; Juppiter das seind grewlich sachen die eim vertreiben bald das lachen Fischart flöhhatz 4, 43 neudr.; eine greuliche sache! ein greuliches wesen! gran cosa! è forse cascato il cielo? Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564b c; es ist fast yedermann ... den geistlichen umb yhr grewlichs wesen ... feind gewest Luther 26, 617. 5@dd) darüber hinaus namentlich in jüngerer zeit in bunter verwendung: sonst richtete die auf die theologie übertragene dialektik ein greuliches schisma in diesem zeitraum unter ihren verehrern an M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 119; denken sie sich die gräuliche statistik: in Chalons, einer stadt von 12 000 einwohnern, gibt es nur eine einzige miethkutsche Börne 9, 18; was so eine musik von einem Pulkkosaken gesungen, für eine gräuliche wirkung thun müsse Schubart ästhetik d. tonkunst 246; auszerhalb der einen macht, vor der nichts selbständig sich gestalten kann, ist nichts vorhanden als gräuliche willkühr Hegel 9, 104; gern im sinne des kunstwidrigen, fehlerhaften: nun spielte ich ... mit dem gräulichsten fingersatze R. Wagner 5, 1; unerachtet der gräulichen stelzenpoesie Schubart leben u. gesinn. 1, 26; ein gräuliches persicirendes griechisch Avé-Lallemant gaunertum 3, 59. 5@ee) adverbiell: 5@e@aα) die verba entsprechen z. th. den substantiven unter a und b: die prediger und die diener dein wolten sie grewlich schlachten J. Jonas bei Wackernagel kirchenlied 3, 44; wurden auf einmal 14 brüder grewlich von inen erschlagen Nas antipap. eins u. hundert 2, G VIIa; das (sc. bild) er gruwelichen sluc mit scharfen geiselen genuc pass. K. 21, 38; endlich haben sie ... den bojaren ... überfallen und greulich geschlagen Olearius verm. reisebeschr. (1696) 134; zu der dritten mâle sluc jenre grûwelîchen an di ture mystiker 1, 91, 12 Pfeiffer; er klopfet greuwlich an die thür buch d. liebe (1587) 361a; jemand greulich mitfahren, plagen, martern, zerfetzen, umbringen Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; und handelst grewlich mit mir Hiob 10, 16; es wart aber seiner verdienstnüs nach etwas greulich mit im gehandelt L. v. Eyb Wilw. v. Schaumburg 155 lit. ver.; greulich mishandeln Ranke reform. gesch. 4, 237; greulich behandeln Göthe IV 39, 66; o wie greulich wirt mann mit im umbgehn que futura exempla fient in eum indigna Alberus (1540) D d iija; das alles das, was die weltliche oberkeit nit straffet, gott ... als der grewlicher heimsucht Musculus hosenteufel 14 neudr.; (kaiser Otto) straft auch gar greulich die Römer städtechron. 3, 67; anno 1524 ... ward ... der prior grewlich gepeiniget Hennenberger preusz. landtafel (1595) 44; indessen quälte mich aber das ungeziffer so greulich Grimmelshausen Springinsfeld 2, 45 Keller; min rechter vuoz (was) durgraben und min lingger grúwlich durhovwen Seuse dtsch. schr. 210, 19; (Paris) dargegen aller zucht und ehr mich grewlich hat verletzet sehr Spreng Ilias (1610) 36b; vil teuflischer tier die rissen und zerten die selen gar grewlich summer teil d. heyligen leben (1472) VIIa; dieweil graf Riolin das land Careches abermal grewlich verwüstet buch d. liebe (1587) 104b; das Buschmannsweib habe ich ... betrachtet, aber nicht lange, jedoch mit diesen wenigen blicken mir schon die einbildungskraft gar greulich verdorben Göthe IV 34, 52; von kampf und streit: dô lief in der rise gar griulîchen an Rosengarten A 199, 2 Holz; später mit ganz veränderter bedeutung: so prophecey ich dir das gewys, das du gar greulich und ungeschickt wirst anlaufen Hutten opera 2, 190, 36; es gäbe welche (männer), bei denen sie greulich anlaufen würde Hauptmann ges. werke (1912) 2, 228; grassari greulich zu streit gan Diefenbach nov. gloss. 197a; horribiles custodias alicui circundare ... einen greüwlich verwaren Frisius diction. (1556) 223a; degrassor grewlich anfallen Calepinus XI ling. (1598) 386a; die hund auch grewlich nach uns schnapten Fischart flöhhatz 20, 628 neudr.; ich habe gehört, du hast die wipper grewlich abgeschmiert discurs von den itzigen zustande der kipper u. wipper (1621) B IIa; Frotho .. zeucht aber greulich den kürtzern Lohenstein Arminius 2, 732. 5@e@bβ) alt ist eine quantitierende bedeutung des adverb., neben der die characterisierende ganz zurücktreten kann: er ... rant als greulichen, das es erscheyn, als ob inen der hagel jagt Aymont (1535) k 4b; der ie reich wil werden, ... dem laszt er (gott) reichthumb widerfahren, denn er hat greulich darnach gestellt und darnach beide gebetten und gerungen schöne weise klugreden (1548) 104a; welcher nunmehr entschlossen ware, die mahlzeit anzustellen, darauf wir uns bisz daher so gräulich gespitzet hatten Zend. a. Zendoriis winternächte (1682) 136; nachdem wir gestern greulich gesoffen Warnecke poet. versuch (1704) 195; fing er an, aufs greulichste zu renommiren Lev. Schücking an A. v. Droste-Hülshoff briefe 37; vgl. greulich bluten Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; gräulich schwitzen Gottsched dtsch. schaubühne 6, 415; ich muszte doch greulich danach husten Storm 6, 209. 66) von empfindungen, meinungen, äuszerungen. 6@aa) neben ausdrücken des affects: gottes zorn so schweer und greulich Luther 28, 17 Weim.; wie ist sein zorn, der in den augen flammt, zugleich so lächerlich und gräulich Brockes ird. vergnügen 4, 162; welches ... der grewlichste hasz ist under den mänschen Moscherosch insomn. cura 31 neudr.; einen feyndtlich und greüwlich hassen Frisius diction. (1556) 909a; mit grulicken frochten Soester Daniel 159 Schmitz; weil sich der römisch hoff so grewlich fur einem freyen concilio furcht Luther artickel (1538) A ija; abominor ein grewlich abscheuhen tragen Calepinus XI ling. (1598) 9b; es würde mich greulich kräncken Weise d. drei ärgsten erznarren 165 neudr.; denn stets an einem weibe nagen ist ja ein greulicher verdrusz Henrici ernst- scherzh. u. sat. ged. 2, 121; es würde mich greulich schmertzen, wenn ollapatr. 38, 12 neudr.; sich greulich schämen Günther ged. 982; einen greulich erschrecken Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; erschracken sie gar grewlich all Frey gartengesellschaft 188, 11 Bolte; die bedeutung geht theilweise ins quantitierende über, s. o. 5 f β. 6@bb) irrthum, lüge, betrug u. ä.: darüber er zugefahren und allerley grewliche irrthumb und secten erreget Krüger aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) A IIIb; die vier lateranensische koncilien ..., wodurch ... ihre universalmonarchie und viele greuliche irrthümer zu glaubenslehren gemacht wurden Jung-Stilling 3, 329; geirrt hast du dich, o irdischer Aristipp! gräulich hast du dich geirrt! Heinse 3, 28; solche grewliche teufelische greifliche lügen Luther 18, 261, 40 Weim.; de gruwelichsten lOegenen und affgaderye Rotmann restitution 16 neudr.; wer heiszt es nun dem herrn Dusch, auf die rechnung der astronomen ... so greulich zu lügen Nicolai liter. briefe 2, 333; solch ungeschwungener grewlicher grosser betrug Luther von der winkelmesse (1533) F iiija; es sey die aller grewlichst ketzerey, so yhe gewest ist 26, 342 Weim.; ich weisz zwar, dasz es greuliche narrentheidungen seyn Prätorius abentheuerl. glückstopf (1669) 20; er verspottet darin ... die gräuliche thorheit des römischen volcks, das von allen dingen blos nach dem äuszerlichen ansehen urtheilt Ramler einl. in d. schön. wissensch. 3, 148. 6@cc) schwur, fluch, scheltwort u. ä.: (er) vorpflichte sich mit grewlichen eyden zu einem eygenen knecht dem bapst Luther 6, 421 Weim.; mit gruweliken eede und sacrament Soester Daniel 166 Schmitz; ich hab erst auch ein grewlichen .. schwur gehört Schwenter steganologia 28; als nun der wirth heftig leugnete und sich darzu grewlich verschwur, er wolte desz teufels seyn Nigrinus v. zäuberern (1592) 6; ein greulich unchristlich lestern Luther auf das ubirchristlich buch (1521) D iija; sie fluchten und schwuren so gottslästerlich, so grausam grewlich Moscherosch gesichte (1650) 2, 340; bey den Engländern hingegen höret man die greulichen flüche und herzhaften schimpfwörter J. E. Schlegel 3, 264; debacchor conviciis ich schelt greulich, richt ubel ausz Alberus (1540) xxjb; diu griuwelîchen scheltwort treip der klagebære Konr. v. Würzburg Parton. 17604; da fieng das alte weib an so greulich zuschelten und zufluchen Krüger Clawerts werckl. hist. 29 neudr.; gräuliche schimpf- und drohworte G. Keller 5, 350; die erst auslegung ... drouwet uns greulich umb unsere unachtsamkeit gotes Tauler sermones (1580) register VIa; wie hat er (Faust) doch im schiffe neulich ... auf seinen gott gezankt so gräulich Lenau 447 Reclam; greuliche worte reden detestanda verba proloqui Stieler 697; redet nicht so grewlich wie vorhin, denn ir habt hie ein red gefürt die rechten christen nicht gebürt Dedekind papista conversus (1596) H 4a; anders: vom fegfür und von allem bösen, darvon man doch so grüwlich redt N. Manuel vom papst u. s. priestersch. v. 11; do hin die greuliche lere (crudele dogma) des kuniges gekumen was, do was grosse klage bei den juden Wenzelbibel Esther 4, 3; das ist eyn grewliche leher Luther 34, 1, 29 Weim.; hast du jemals dies gräuliche wort: verhungern! recht überdacht? Gerstenberg Ugolino 245, 29 Hamel; exercet in me calami rabiem er schreibt greulich widder mich Alberus diction. (1540) 11a; die Wittemberger werden aber greulich widder euch schreiben widder Jörg Witzel L 2b; wie wol wurd es dir gefallen, wan dich einer in einem sölichen hessigen und greülichem buch wolt lernen erkennen und dich eren Carlstadt abthuung der bylder B 3a. 77) adverbiales greulich neben adjectiven. das adv. kann lediglich characterisierenden sinn haben: die greülich weisze zeit der jahr (das alter) Treuer dtsch. Dädalus 1, 74; aber schon früh verbindet sich mit der bedeutung 'zum erschrecken, gefährlich, unangenehm' mehr oder minder deutlich eine andere rein quantitierende 'sehr, in hohem masze': diz was ein grulich scharfer dorn pass. K. 84, 70; die clawen daran sind grülich scharpf und starck Mynsinger von den falken 7 lit. ver.; (die anfechtung) gehet itzt zu unsern zeiten greulich starck und gemeine Luther 28, 24, 7 Weim.; und schisz ins beth so greulich ubel, als hett man drein geschütt mit kübel Fischart Eulensp. 96, 2057 Hauffen; sie ist so greulich heszlich nicht ella non è già tanto brutta Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; ha! das mägdlein ist greulich verständig ollapatrida 240, 30 neudr.; es ist greulich kalt schausp. engl. comöd. 182, 22 Creizenach; das, was er schrieb, ist so greulich trocken Caroline 1, 260 Waitz; de fisch sünt grauwellig dür Schütze holst. 2, 64; auch Dähnert 163 und Danneil 71a vermerken diese steigernde bedeutung; greifbar ist der rein steigernde character des adv. neben adj., deren sinn die ursprüngliche bedeutung von greulich ausschlieszt: sie ist greulich schön, greulich holdselig ella è la dea della bellezza, dell' amore Kramer deutsch-ital. (1700) 1, 564c; gräulich hübsch oberhess. wb. bei Estor teutsche rechtsgelahrtheit 3, 1409; seynd wir nicht so greulich lustig auf der Löbte gewest Schoch studentenleben (1657) F 5a; meine braut hat mich greulich lieb Arnim 4, 68; das hat früh widerspruch gefunden: wie ungereimt klingt es doch wann man sagt: schrecklich lustig, greulich schön Harsdörffer frauenz. gesprechsp. 4, 397, lebt aber im dialect noch heute: greulich schön Fischer schwäb. 3, 811; das ist ja ein gar gräulich schön mädchen Vilmar 135; gern neben reinen quantitätsbezeichnungen: ihr bild ech groilich vil ey Gryphius dornrose 290 Palm; ein junges frauenzimmer, welche ... mit gar greulich viel liebesbriefen angefochten wird Gottsched vernünft. tadlerinnen 1, 353; greulich viel volck Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; grouwelik veel geld brem. wb. 2, 551; grauwellig vel Mi 29a; das ist eyn greulich gros volck Luther 17, 1, 384; du bist ja gräulich grosz geworden Vilmar 135; grüwwelik graut sehr grosz Strodtmann osnabr. 77; auch das adj. hat vor grosz vielfach den steigernden sinn des adverbs: sonsten findet man auch in Preussen ... greuliche grosse eichbäume Prätorius anthropodemus 1, 64; solcher wilden gänse einer greulicher groszer anzahl sey in den mitternächtischen örtern winterflucht d. sommervögel 16; neben anderen quantitätsbegriffen seltener: greulich grosz, weit. lang, hoch Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; ein greuliche lange zeit Luther über das erste buch Mose (1527) Y iiija; nach X. ists noch greulich weit Fischer schwäb. 3, 811; grlig dick Schambach 69; die wendungen greulich viel und gr. grosz haben substantivische parallelen: deme sofort eine greuliche mänge von spies- oder wurfpfeilen folgte A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 168; man finde deren einige (cedern) sehr alte und greulicher grösse D. v. Stade erläuter- u. erklärung (1711) 60. 88) greulich in verbalen verbindungen. 8@aa) greulich (aus)sehen: horribilis vel horridus aspectu der greulich sihet Alberus (1540) d d iija; das vieh sicht greuwlich nur allzeit, mit menschen hat es andern bscheid Fischart Eulenspiegel 26, 392 Hauffen; ein seltzam pferd ..., welches sye ein ochsenkopf genannt haben, entweder das es so greulich gesehen, oder so ein ... ochsenkopf hatte Eppendorff Plinius 8, 75; dagegen 'kränklich, blasz': der junge, das mädel sieht recht greil'ch aus Müller-Fraureuth 1, 437; daher sie auch ganz blasz und greulich aussiehet Lehmann schauplatz der natürl. merkwürdigkeiten im meiszn. Obererzgebirge (1699) 775. 8@bb) sich greulich stellen, erzeigen. alem. wendung: saevio wten und grausam seyn, sich greüwlich und lAetz stellen Frisius diction. (1556) 1173b; crudelitatem in aliquem adhibere sich greüwlich stellen und erzeigen 34a; als sie nuhn desz meidlins alle lachten, ware einer da, zog das wehr ausz, stellte sich greulich, als wolte er es itzo umbbringen Zinkgref apophthegmata (1628) 338; er sey willens west, sich vil greulicher zu stellen Knebel chron. v. Kaisheim 444 lit. ver.; wan wir (die teufel) uns schon erzeygten greulich mit kloen, hörnern gar abscheulich Fischart jesuiterhütlein 231, 55 Hauffen; 8@cc) greulich thun: ne saevi tantopere thue doch nicht so grewlich Corvinus fons latin. (1646) 36; greulich um etwas thun disperarsi, far' il diavolo, arrabbiare per qualche cosa Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; alse Eusebius sterven solde, do begunde Eusebius so gruwelike unde so vorverlike to done, dat alle de monike mit anxte so vorveret weren Schiller-Lübben 2, 161; dagegen 'sich traurig zeigen': sein weib aber gieng mit der leicht, thet grewlich, weinet sehr, hielt sich so übel umb den gestorbenen man Bebel facetien deutsch (1558) m ia; in den heutigen maa. mit stark schwankender bedeutung: bair. grosze angst, groszes leidwesen an den tag legen Schmeller 1, 981, doch auch: mit fremder leute kindern kann sie greulich (affectiert) thun, die eignen schaut sie gar nicht an ebd.; schwäb. ausgelassen sein Fischer 3, 811; hess. sich sehr traurig oder auch sehr entrüstet, sehr überrascht anstellen Vilmar 135. 8@dd) etwas greulich machen: so mus man mir doch nachgeben, das ... man die helle ... nimmermehr so heslich scharf und grewlich machen kan, sie wird noch viel schrecklicher ... und betrübter sein Ringwaldt christl. warnung A VIIb; der fuchs beschmeiszet und beseicht ihm (dem dachs) seine gruben inwendig und macht sie ihm so greulich und unrein, dasz er nicht wieder hinein begehrt Colerus hausbuch 433 (vgl. greulich 'ekelhaft' 3); dann auch als redensart: das streycht der stattschreiber hie treffelich aus und kan die sach greulich machen weisz die sache als gefährlich, schlimm hinzustellen Blaurer briefw. 1, 373. 8@ee) mir wird greulich mich ergreift schrecken, entsetzen: und übe mich also mein leben lang mit dancksagung, das es mir nit greülich werd in dem bittern tod Luther 7, 254 Weim.; es rumorte heftig in allen ecken, der frau ward greulich und schauerlich Grimm dtsch. sagen 1, 115; du hast dir den doctor in den kopf gesetzt ... mir wird greulich, wenn ich daran denke Freytag handschrift 3, 75; mir wird ganz greulich vorm gesicht Göthe Urfaust 291; ich bii ganz greil'ch wur'n v'r schreck Müller-Fraureuth 1, 438; wo in älterer sprache die wendung persönlich gebraucht wird, hat sie andern sinn: sie sind verderbet und grewlich worden in yhrem thün (endgültig: sind ein grewel mit irem wesen) Luther bibel 1, 464 Weim. (ps. 14, 1 var.); der gottlosz sagt, es ist kein got, und sie seindt in irem wolgefallen zertrent und greülich worden Eb. v. Günzburg 3, 115 neudr. 8@ff) etwas ist mir greulich erregt schrecken, abscheu: gruelich und ungestalt was sie (die säule) uns vil manche zit poet. bearbeitung d. Daniel 980 Hübner; êr dan Kristus gestarp ..., dô was der tôt hezlich und grûwelich allen den menschen mystiker 1, 118, 29 Pfeiffer; er spricht als die forchtsammen knecht, den kein kúnftige verheissung grulich oder schwer ist Terenz deutsch (1499) Lxxvb glosse; ein wurm bin ich und nicht ein mensch, scheusälig den leuten und greulich dem volke Freytag 9, 87; gelegentlich auch mit präpos.: gegen den ungestümmen tyrannen greulich und den gütigen freundtlich seyn Amadis 36. 8@gg) etwas ist greulich zu sehen, zu hören, zu sagen: greulich anzusehen seyn Kramer teutsch-ital. (1700) 1, 564c; rancidus aspectus grauwlAechtig, greüwlich und unlieblich anzesAehen Frisius diction. (1556) 1115b; o vielbegehrter, lieber todt, du bist zwar greulich anzusehen Joh. Rist bei Fischer-Tümpel 2, 209; syn licham, dat van abstinencien also mysmaket unde eyslyck was, dattet gruwelick was to seyne Schiller-Lübben 2, 161; es ist gräulich an zu hören narratio horrorem parit Steinbach 1, 636; das ist greulich und erschrecklich zu hören Luther 24, 97 Weim.; alem.: greüwlich und unglOeublich zesagen immane dictu Maaler 192a; vil andere ding, das gruweliche were zuo sagende Königshofen chronik 434, 27 Hegel; (die Hussiten) tribend vil unchristliche sachen, davon grlich ze sagen wAer Tschudi chron. helvet. 2, 90. 8@hh) es ist greulich: (Herodes gebot) daz man si elliu ersluoc. daz was grOewelich genuc ged. d. 12. u. 13. jhs. 82, 48 Hahn; wan sye schon rein bleyben, geschicht doch so viel afterreden, das es greulich ist Luther 9, 585 Weim.; wenn wir ... so abziehn, da sieht es aus wie furcht, und das wär gräulich Fouqué altsächs. bildersaal 1, 198; dialectisch: mit dem menschen ists greulich er macht einen streich nach dem andern Fischer schwäb. 3, 811; mit abhängigem satz oder infin.: so ists noch grewlicher und scheuslicher, wenn du sihest, das Luther 16, 82 Weim.; es ist gräulich zu insinuiren, die toleranz sey gefährlich Cramer Neseggab 2, 65; in jüngerer zeit gern im ausruf: ja, es ist abscheulich, greulig! W. Busch heil. Antonius (1870) 4; o gräulich! gräulich! o zum entsetzen! Tieck schr. 3, 116.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    greulichadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    greulich , adj. horribilis, abominabilis, teter. form und bedeutung. 1 1) das adj. entfaltet sich, wie das stammwort gri…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    greulich

    Goethe-Wörterbuch

    greulich öfter -äu-, einmal -ig 25 2 ,94 Wj II 5 Var ; mehrf subst; gelegentl ‘aufs g-ste’ 1 furchterregend, schrecklich…

  3. modern
    Dialekt
    greulich

    Südhessisches Wörterbuch

    greulich Band 2, Spalte 1459-1460

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit greulich

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von greulich

greueln + -lich

greulich leitet sich vom Lemma greueln ab mit Suffix -lich, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von greulich 2 Komponenten

gre+ulich

greulich setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

greulich‑ als Erstglied (2 von 2)

greulichkeit

DWB

greulich·keit

greulichkeit , f. , im mhd. noch selten, im 16. jh. literarisch reich entfaltet, dann schnell zurückgehend. 1 1) bedeutung und gebrauch des …

greulichkeit

FWB

1. ›dasjenige in der Welt, das die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, das Grausige, Grauenvolle‹; speziell: ›Bosheit, Grausamkeit, Un…