greulichkeit,
f. ,
im mhd. noch selten, im 16.
jh. literarisch reich entfaltet, dann schnell zurückgehend. 11)
bedeutung und gebrauch des stammworts greulich erscheinen bei dem subst. wieder: crudelitas Diefenbach 159
c;
feritas 220
c;
ferocitas 231
a;
severitas 531
b;
sevitia ib.; torvitas 590
a;
atrocitas nov. gloss. 40
b;
diritas Frisius
diction. (1556) 422
b;
truculentia gemma gemm. (1508) c 7
a;
immanitas Kirsch
corn. 1, 159
a; (
der bauer) sluoc mit solher griulicheit an die mûre ein sô mehtigen slac, daz sie ganz und gar gelac H. v.
d. Türlin
krone 14304;
als menschliche eigenschaft meist in der bedeutung '
bosheit, grausamkeit' (
vgl. greulich 2 a): sol ich denn den todt ... entrunnen seyn, damit ich ärgers dann den todt durch meiner freundin und bulschaft greuligkeit erdulde?
Amadis 151
Keller; stach den vögeln ... die augen ausz, nit ausz grewlichkeit, sonder wie die kinder nach den kindlin in die augen stupfen Fischart
geschichtklitt. 198
neudr.; aber nach erobertem sig ... ist ein erbärmlich ding, wo man die überwundnen tödt und mer ein anzeigen der torheit und grewligkeit als der tugent J. Frontinus
von den guten räthen 42
b; wenn man ja zu die greuligkeit, greszligkeit und grausamkeit der so vermeynten riesen oder tyrannen ... die groszheit des leibes setzet Prätorius
anthropodemus pluton. (1666) 2, 209;
sprichwörtlich: greulicheit hat nicht vil leut Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 16
b; wann so gesehen ist die macht und grewlicheit der wütrich (
visa potentia et crudelitate tyrannorum)
offenbar. der heil. Birgitte (
Nürnb. 1502) 4, 129;
diese verbindung von greulichkeit und tyrannei ist stehend: die czal seiner jar die ist ungewiss seiner greulichkeit (
numerus annorum incertus est tyrannidis eius)
Wenzelbibel Hiob 15, 20; die unmenschliche grewlichkeit der beiden gottlosen tyrann gegen Christum aufs new entbrann Kirchhof
wendunm. 3, 401
lit. ver.; lere öde land und leut macht der tyrannen greulicheyt Seb. Franck
sprichw. (1545) 1, 16
b; dazumal seind die Türcken also auf komen und also in ein unsegliche anzal und greulichkeit gewachsen wider die kirchen gottes
chronica u. beschr. d. Turckey (1530) b ii
b; de Dithmarschen lethen sick dar sehen mit groter growelicheit Schiller-Lübben 2, 161;
vom teufel (
vgl. greulich 2 b): führe uns nicht in verfluchung, sondern ergib dich dem bösen, denn dein ist sein reich und die kraft seiner greulichkeit Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 32;
vom tod (
vgl. greulich 4 a): van gruwelicheit des dodes Schiller-Lübben 2, 161
b;
bei tieren im sinne '
bosheit, wildheit' (
vgl. greulich 2 c): da liessen sy (
die tiere) alle ir greulikeit
heiligen leben in dem winterteil (1471) 25
a; etlichen hunden ist es angeborn, daz sy nit ausz greulicheyt sunder ausz gwonheyt bellen
M. Herr
sittl. zuchtbücher (1536) 149
b; dass aber die schlangen ... ihre natürliche greuwlichkeit ablegen und sich fangen lassen Nigrinus
von zäuberern (1592) 105;
in anderen fällen mehr zur bezeichnung des äuszeren eindrucks (
vgl. greulich 1 a): dô vluhen die brudere alle von der grûwelichkeit des tirs (
eines löwen)
myst. 1, 211, 15
Pfeiffer; und wäre das in ain mensch sölt sehen in seynem rechten bilde, flaisch und bain zerstube alles von der greulichayt Tauler
sermones (1508) C I
a; die greulichkeit seines gesichtes
truculentia vultus Stieler 698;
anders: die greulichkeit der sünde
peccatorum deformitas ib.; den (
namen) nimmermehr kein christ wegen seiner greulichkeit vor sein maul ... kommen lassen solte Grimmelshausen 4, 691
Keller; das er wölte das zerknütschet ror mit seines urtels greüwligkeit nit zevollen zerbrächen Joh. Stumpff
kaiser Heinrichs IV. historia (1556) 79
a; greulich '
häszlich' (
s. 1 a
α; 2 a)
entspricht: distortia heszlichkeit
vel grauwelichkeit Diefenbach 187
c;
öfter auch glossiert mit indignitas: uneerligkeit, ungebürligkeit, schand, uneer, greüwligkeit Frisius
diction. (1556) 683
a;
eigen: ingluvies grulicheit Diefenbach 298
b. 22)
auch zur bezeichnung von zuständen und handlungen, dann dem sinne des subst. greuel nahekommend: dann gottloser und verruchten menschen einigkeit in argen und bösen sachen ist kein freundligkeit, sondern viel mehr ein grewligkeit Jac. Gretter
ep. a. d. Römer (1566) 764; es sint auch die Heliopolitaner ... in ein solche grulikeit gefallen ... das sy die frummen schamhaften junckfrowen ... haben gar nacket ausszogen Hedio
chron. german. (1530) 173
a;
vom treiben einer hexe: dieser übergräulichen abgötterei und abgöttischen greulichkeit habe ich den leser deszhalben erinnern sollen Prätorius
blocksberg 244; nach dem sie viel stätt, land und örter ... mit viel und grossem schaden, plünderung, todschlag, raub und unerhörten greuwligkeiten beschädigt Adam Reiszner
historia Frundsbergs 111
a; die meisten fluchten auf die that (
die einäscherung Moskaus) als auf eine schauerliche greulichkeit Arndt 1, 141
Rösch-Meisner; in denselben verbalen verbindungen wie greuel (
vgl.greuel 7 e): billich, wer grewlichheit thuot ben, an dem wird grewlicheit getrieben Fischart
flöhhatz 1205
neudr.; sich nit die strafen und grewlichkeit, so gegen den religionsverwanten geübt zu werden pflegten, abschrecken liessen Frisius
narratio de furoribus Gallicis (1573) a 3
a; do ertellede de hertoge, wo de Pamern sollike unminschlike gruwligkeit an eme und synem lande hedden began, de men sust ny gehort hadde Kantzow
chron. v. Pommern 32
Böhmer; an greuel '
unrat' (
s.A 1 c)
erinnert: du erblaster freund, du bist aus dem thal gestiegen, welches koth und greulichkeiten allenthalben bey sich führt Henrici
ernst- scherzh. u. sat. gedichte 1, 173.