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unchristlich

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unchristlich

Bd. 24, Sp. 403
unchristlich , bis ins 16. jh. und mundartlich unchristenlich, adj. adv., gegentheil, einschränkung und steigerung von christlich. mhd. unkristenlîch; mnd. unkristlik; mnl. onkerstijnlijc; nl. onchristelijk, onkerstelijk; n. uchristelig; schwed. okristlig; engl. unchristian, -ly; Schmeller 1, 1384; unchristenlich, unchristlich Staub - Tobler 3, 868; ongkröschtlech lux. 316b. die kurze form uncristlich schon bei Stolle th. chr. 17; unchristenlich neben unchristlich Luther. in der bedeutung wird heidnisch als steigerung empfunden Agricola musica instr. 6; Göthe 29, 136, 15 Weim. auch unmenschlich steigert, wenigstens in der schriftsprache. J. A. Schlegel verm. ged. 1, 336. 11) nichtchristlich: türcken .. und ander verfluocht unchristenlich geslächt Riederer m iiia; muoss ietz christen faren lassen, unchristlich juden, die uns hassen, umb herberg biten Endinger judensp. 35 neudr.; vgl. 2; namen, so unchristlich lauteten Garg. 164 neudr.; aller christlichen und unchristlichen staaten S. Brunner erz. 1, 163. wohl auch ohne beziehung auf christliche sittlichkeit: es herrschte damals unter liebhabern und künstlern noch ein akatholischer, .. um nicht zu sagen unchristlicher sinn Göthe 49, 26, 21 Weim. 22) ketzerisch, gotteslästerlich, gottlos: des teuffels gottlosse, unchristliche priesterthum Luther 8, 506 Weim.; ein unchristliches bild 6, 262 Weim.; der vermeint, mein predigen und leer gethon unchristenlich oder ketzerisch ze syn Zwingli d. schr. 1, 120; comp. 1, 313; lerer, irrung Berthold v. Chiemsee 3, 22; das es ist cristen nam ein schand mit dem unchristlichen gots-lestern Sachs 1, 190, 29 K.; das unchristliche fluchen Gaudy 24, 95. zauberisch: mit teuffel-bannen, wettermachen und dergleich unchristlich sachen Sachs 11, 430, 28 K.; unchristlich (zu zauber) prauchen Schwarzenberg Cic. 124; unchristliche zäuberkunst Buchholtz Herk. 18. unnatürlich, sodomitisch, bestialisch u. s. w., ketzerisch im engeren sinne; th. 5, 640, 2; Schmeller u. Staub-Tobler a. a. o.: new ungewonlich uncristenlich ding städtechr. 2, 143; beschuldigten sie unchristlicher und unnatürlicher dingen Stumpf chr. 745b. lebendiger im sinne des wucherischen, betrügerischen, wenn auch oft mit komisch - familiärem anflug; Kramer (1700) 1, 191c: der unchristliche wucher act. p. 5, 73 Palm; diese christlichen juden fordern so unchristlich Forster 7, 309; mit einem sehr unchristlichen kornwucher Holtei vierzig j. 1, 38; verschreibungen Bäuerle 3, 20; preise Freytag 10, 143. vgl. 3. grausam, unmenschlich, hart; heute weniger in der schrift-, als in der umgangssprache: heyst das nicht unchristlich und unmenschlich gehandelt Luther 15, 295, 13 Weim.; sy werden mit unchristlichen, unmenschlichen, schwOeren statuten beladen Eberlin v. Günzburg 1, 91 neudr.; eure un-christliche grausamkeit Simpl. 38 Kögel; sie würden ja so unchristlich nicht seyn und würden schieszen lassen Chr. Weise k. l. 72; das ist nicht schön, Michel, eure frau so unchristlich zu schlagen Miller Siegw. 1, 52; unchristlich seyd ihr mit mir umgegangen A. W. Schlegel Shakespeare 9, 44 (Richard III. 1, 3); sie fand es barbarisch und unchristlich Seidel Leb. Hühnchen 294; ich möchte gegen M. P. nicht unchristlich sein Heer könig d. Bernina 67; Kramer (1700) 1, 191c. mit der sittlichen vertiefung christlicher auffassung erhält unchristlich vom 18. jh. ab vornehmlich die bed. der christlichen liebe ermangelnd, ihr widerstreitend u. dgl. natürlich ist sittliche auffassung auch der älteren sprache nicht fremd: unkristenlîcher dinge ist al diu kristenheit sô vol. swâ kristentuom ze siechhûs lît, dâ tuot man im niht wol Walther 6, 30; unchristliches christentum Stieler 267; als .. Spener auf eine ganz unerhörte unchristliche weise verdammet wurde Weichmann poes. d. Nieders. 3, 301; mit ihrer unchristlichen christlichen liebe Lessing 10, 45; streitsucht Schubart leb. 2, 18; das etwas unchristliche vergnügen Lichtenberg br. 1, 27; hasz und rache sind sehr unchristliche empfindungen Spielhagen 2, 249; gesinnung Ebner - Eschenbach 2, 229. im wortspiel: der unchristliche Christian Göthe IV 27, 195 Weim. vgl. Lessing ob. anderseits ist oft auch nur die äuszere kirchengemeinschaft und die von ihr vertretenen anschauungen gemeint: eine undeutsche, unchristliche .. tischgesellschaft Brentano 5, 381; ungeachtet ihres unchristlichen todes Keller 1, 94. vgl. profanus Stieler. 33) schon in manchen der angeführten beispiele schwindet die beziehung auf die religion, wie sich ja auch sonst (vgl. th. 2, 620; Staub-Tobler 3, 867 christ mensch überhaupt) der begriff christ abschwächt, und unchristlich gewinnt die allgemeinere bed. übermäszig, gewaltig, auszerordentlich; am deutlichsten in der ma.: en unchristenlicher fetzen, unchristleher brocken, unchristelich wachsen Staub-Tobler 3, 868; unchristlich schön, reich Reinwald Henneb. id. 2, 130. es berührt sich also mit christlich adv. th. 2, 625, heidenmäszig u. s. f. er ist unchristlich dumm kann auch heiszen: er kennt die necessaria fidei nicht. die lit. belege sind regelmäszig zweideutig: absurdum, ein ungeburt ding, das da unchristlich lut und we thut in oren Melber a 3a; unchristliche liebe der Aeltern Ambach zusauffen F 4 b; tapfferkeit Harsdörffer secr. 1, c c vb; ich mache es ja so unhöfflich und unchristlich nicht C. Weise erzn. 4 neudr.; Joli war ein so unverständiges, ja, ich darf sagen, so unchristliches geschöpf (der hund benimmt sich bei der christfeier respectlos) Göthe gespr. 1, 11; nicht gerechnet, dasz es eine unchristliche zumuthung wäre, sich .. den kopf zu zerbrechen A. W. Schlegel Ath. 3, 147; als wüszte er nichts mehr von der wüsten, unchristlichen nacht Laube 8, 88; unchristlich sinnlich 2, 54. vgl. 2 und die verdunkelte nl. redensart onchristelijk of onmogelijk wb. 10, 1178 f.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unchristlich

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Unchristlich , -er, -ste, adj. et adv. im Gegensatze des christlich. 1) Den Nahmen Christi nicht bekennend. Unchristlich…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unchristlich

    Goethe-Wörterbuch

    unchristlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    unchristlich

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    unchristlich Band 3, Spalte 868 unchristlich 3,868

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Wortbildung

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Ableitung von unchristlich 3 Analysen

un- + christlich

unchristlich leitet sich vom Lemma christlich ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+christ+-lich unchrist+-lich

unchristlich‑ als Erstglied (1 von 1)

unchristlichkeit

DWB

unchristlich·keit

unchristlichkeit , f. im sinne von unchristlich 2: Lindenborn Diog. 1, 624 ; Schopenauer br. 189 ; nl. onchristelijkheid.

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Cotta, M. (2026). „unchristlich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/unchristlich/dwb
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Cotta, Marcel. „unchristlich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/unchristlich/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „unchristlich". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/unchristlich/dwb.
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