unfreundlich,
adj. adv. ,
im allgemeinen gegentheil von freundlich.
ags. unfreóndlîce;
engl. unfriendly;
mhd. unvriuntlich;
mnl. onvriendelijc;
nl. onvriendelijk; onfrjeonlik Dijkstra 2, 290
a (
dän. uvenlig,
schwed. ovänlig);
lux. 314
b. 11)
wie unfreund 1,
feindlich, unfriedlich, feindselig (Alberus 8
a): das kein teyl .. gegen dem andern nicht unfrüntlichs soll fürnemen
urk. zur gesch. d. schwäb. bundes 1, 2; unfreundliche, feindselige und grewliche fahr und unrat Luther 30, 3, 211
Weim.; der unfreundlich tod 32, 42, 7
Weim.; unfründlich zanggen Zwingli
d. schr. 1, 241; die Saxen .., welche .. einander so u. ab dem königstuol erstossen haben Stumpf
chron. 250
b; unfreundliche anklagen Micrälius
Pommerland 3, 613; die hunde ... gaben mir ... manchen unfreundlichen griff ins gesicht
Simpl. 357
Kögel; welches ist des reichs Böhmer-land, greifens unfreundlich wie Türken an Opel-Cohn 23.
veraltet. unfreundlich
mit bewusztsein von feindselig
getrennt: unfreundlich, ja feindselig und feindlich
Garg. 192
neudr. durch bed. 5 (
s. u.)
hindurchgegangen, eignet es sich als milder ausdruck für feindselig: die neuliche unfreundliche verdammung dieses bandes Gottsched
das neueste 7, 588; kalte, fast u. begegnung Göthe II 6, 16
Weim.; E. und B. sind .. ziemlich u. zusammengerathen (
vgl. unfreunde werden
sich entzweien) O. Jahn
Mozart 4, 177; unfreundlich wäre dir der männer grusz Freytag 3, 116; in den perioden ... war die stimmung gegen Östreich u. und fremd Bismarck
gedanken 2, 312.
diplomatisch und völkerrechtlich unterscheidet man scharf zwischen feindlich
und unfreundlich: ein unfreundliches verfahren Preuszens Bismarck
reden 4, 404; handlung, schritte
gedanken 2, 204.
früher wohl noch nicht: damit alle semina unfreundliches wesens .. aus dem wege geräumet würden Chemnitz
schwed. krieg 2, 398 (368). 22)
zu steigernder bedeutung, die bei freundlich (Fischer 2, 1756), feindlich, unbarmherzig
u. dgl. ausgebildet ist, liegen ansätze vor: unfreundliche schläge, einen u. abbrügeln Kramer (1700) 1, 416
b; dan wue ein wasser ist, das do unfreyntlich rauscheth (
in starker bewegung ist), do kan sie (
die sonne) nicht klar eyn scheinen und leuchten Luther 9, 632, 31
Weim. 33)
dem verwandtschaftlichen und genossenschaftlichen verhältnis nicht entsprechend: also herzog Ludwig und sin sönn uffer burk Haidelberg geridten syen, bist nie kain nacht gewesen, do sie gewesen syen, das doch unbillich und unfreunntlich ist
privatbr. 1, 182
Steinhausen; unfrüntliche nachbauren Wickram 2, 127, 11;
sprichwort s. th. 5, 2217; gegen seine nachbarn betrug er sich eben so u. Schmidt
gesch. d. Deutschen 2, 218; erst wohnen sie halbejahrelang einige häuser weit von einander, sind fremd und unfreundlich .. und dann nehmen sie mit einemmal abschied von einander und sind gerührt Caroline
briefe 1, 248
Waitz. unfreundliches handwerk, unfreundliche handwerker,
die einander nicht nöthig haben; freundliche,
die einander in die hand arbeiten wie müller und bäcker, gerber, schuhmacher und sattler Krünitz 195, 611
f. übertragen: unfreundliche farben
in der malerei, von farbenmischungen, die den eindruck des gesichtes beeinträchtigen Jacobsson 2, 483
b; Krünitz
a. a. o. 44)
unfreundschaftlich (
wie im mhd. mhd. wb. 3, 412
b)
nhd. nur im wortspiel: mit denen leuten ist nicht gut freundschafft zu machen, die mit jederman unfreundlich leben Friedrich Wilhelm
sprichw. reg. b b
β n. 189; recht u., gar nicht wie es alten freunden ziemt E. Th. A. Hoffmann 6, 123;
nl. onvriendelijk
für unfreundschaftlich veraltet. auch die mhd. bed. '
nicht liebend'
ist abgestorben. 55)
die heutige hauptbedeutung inamicabilis, inhumanus schon mnl. Alberus 8
a; Maaler 461
b; Zedler 49, 1289. 5@aa)
von personen oder persönlich gedachtem. 5@a@aα)
als äuszerung von gesinnung und charakter. mit dativ: bis mir unfreuntlich Sachs 9, 87, 13
Keller; u. war ihm das schicksal lange Zimmermann
einsamkeit 3, 46; seid den armen unglücklichen nicht u. Brentano 7, 155.
mit präpos.: gegen Amadis 1, 344
Keller und allgemein; seltener mit Raupach
dram. werke kom. gattung 4, 308.
ohne solche verbindungen: jr .. päpstler .. machend uns einen so unfründlichen unbogsamen grusamen tyrannen us jm (
gott) Zwingli
d. schr. 1, 284; wer .. uber allem ding verdrus hat, der wird unfreundlich und zenckisch genant Barth
weiberspiegel L 6
a;
vgl. morosus Spanutius,
durus Frisius,
asper Reyher,
ferus, tetricus, insuavis, severus Stieler; sehr u. seyn
omnem exuere humanitatem Dentzler; dem unfreundlichen leser Fronsperger
kriegsb. 1, a 3
r; das barbarisch, grob, unfreuntlich volck Krantz (1561)
B 1
a; u. seyn ist nur den wilden viehe gemein und ist ein viehisch untugend Lehman
floril. 2, 674; rohe und unfreundliche menschen Göthe 22, 118, 20
Weim.; sie redten durch die nasen ... wären unfreundlich, grob und liederlich 16, 71
Weim. (
pater Brey 277); heiliger Pluton, nim den Demokritos, dasz du in deiner stets unfreundlichen schaar einen doch habest, der lacht Voss
ged. 6, 272; mein mann ist streng, u. fast Chamisso 3, 259; Manz war ungelenk, starr, u. und melancholisch Keller 4, 96. das were gantz des unfreuntlichen gespielt (
von gott nicht gütig gehandelt) Frey 78, 1.
vgl. th. 10, 1, 2378. 5@a@bβ)
mit vorliebe auf das aussehen, das äuszere verhalten, den äuszeren verkehr eingeschränkt; gegentheil freundlich
leutselig, gesprächig Staub-Tobler 1, 1307;
inaffabilis Maaler,
peu courtois Wiederhold,
ungütig Spanutius,
difficile, misanthrope, discordant, querelleux, contentieux Frisch;
keine vortheilhafte neigung gegen andere durch sein äuszeres betragen an den tag legend Adelung: einem unfreuntlichen mit faren Arigo 230, 8
Keller; er ist ein unfruntlicher man, er sagt den luten die warheit Luther 11, 169, 27
Weim.; drumb solten wir die juden nit so unfruntlich handeln 7, 600
Weim.; stelt sich mit allen geberden unfreundlich 27, 265, 11
Weim.; u. wie ein hackstock Sachs 17, 52
Götze; wil nit so u. sein (
die einladung zu verschmähen) 17, 74; abweisen Kirchhof
wendunmuth 2, 78; anschauwen Ruoff
hebammenbuch 137; empfangen Mathesius
Sar. 15
a; diesz war ein weib wildes ansehens und gemüths, unfreundlich von mund und augen Hahn
reichshist. 5, 294; so tief u. .. siehst du gewisz nie .. aus Lavater
fragmente 1, 258; die unfreundlichst immer wiederholte hindeutung Göthe 41, 2, 298, 10
Weim.; ernsthaft, aber nicht u. Gaudy 4, 66; der könig, der es ungern bemerkte, dasz er für .. u. gehalten wurde Ranke 9, 211; ich weisz, sie nehmens deshalb um nichts unfreundlicher auf, weil ichs bringe Ludwig 3, 52; u. begegnen Moltke
ges. schr. 1, 150. 5@bb)
sachlich mit der auch in den alten sprachen üblichen übertragung, objectiv, von unfreundlichkeit zeugend, unangenehm, inamoenus, insuavis (Alber). 5@b@aα)
von persönlichen eigenschaften, thätigkeiten und deren ergebnis: es ist auch unfreundlich, ia unchristlich, solche schwachen zu zwingen Luther 26, 215
Weim.; th. 7, 1204; es ist ein gantz unfreundtlich wesen gewesen in diser zeyt Franck
chron. Germ. 175; ich bin nit so eins unfreuntlichen gemts Boltz
Terenz 53
b; sitten Fischart
Stauffenberg 263; kein unfreundlich wort Bütner
epitome (1596) 257
a; ein unfreundlich leben Lehman
floril. 2, 801; urtheil Morhof 1, 450; mine Stoppe
Parnasz 486; aufnahme Löwen 4, 39; einen kalten unfreundlichen guten abend Miller
Siegwart 1, 107; in unfreundlichem tone Alexis
hosen 1, 32; rigorismus Justi
Winckelmann 2, 1, 357; es ist eine unfreundliche thätigkeit, aber sie ist sehr nöthig Freytag 14, 307; verhältnis Meinecke
Boyen 1, 28. 5@b@bβ)
von sachen: ein unfreundlich orth Dürer
tagebuch 82; den unfreundtlichen geschmack und geruch Ryff
confectbuch 17
a;
gegentheil freundlicher geruch Staub-Tobler 1, 1307; mit u. dufte Gutzkow
ritter v. geiste 7, 9; dess .. unfreundlichen nassen kalten wetters Kirchhof
mil. disc. 200; die coralli rutilantes seind frOelich und lieblich, gleich so unfrOelich und unfreundlich seind die braunen Paracelsus 1, 1016 b; weg Olearius
morgenl. reise 7; unter dem unfreundlichsten himmel Herder 5, 137; nacht Göthe IV 5, 44, 21
Weim.; ich binn so gewohnt briefe von euch zu haben, dasz mirs wohl unfreundlich ist, wenn ich vom tische aufsteh und kein brief da ist IV 2, 59
Weim.; wenn sie solche (
eine freundliche sendung) nicht durch eine geringe zugabe sehr u. gemacht hätten IV 29, 130
Weim.; es regnet und ist eine unfreundliche zeit für alles, sogar fürs schreiben an freunde IV 10, 20
Weim.; im unfreundlichsten erdzipfel Forster 4, 232; seen 1, 96; wälder Fichte 6, 201; zimmer Arndt 1, 212; dinge Schopenhauer 5, 687; regen Steub
wanderungen im bayr. geb. 134. reimahrten, welche .. hart und unfreundlich lauten Rist
Parnasz b vij
b; das folgende unfreundlichwechselnde (wetter) Göthe IV 36, 112
Weim.; seine (
des jahres) letzte stunde hat mir hier sehr u geschlagen Görres
briefe 2, 550; unfreundlich kalt
jahrb. d. Grillparzerges. 5, 29. —