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wunderbar

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wunderbar adj.

Bd. 30, Sp. 1841
wunderbar, adj. , mhd. wunderbære gelegentlich, um 1500 sprachläufig werdend; zur bildung vgl. Henzen wortbild. 111; 209 f. gleichbedeutend neben bereits ahd., noch lange zeit viel geläufigerem wunderlich (s. d.), von dem es sich hinsichtlich seiner bedeutungen erst in jüngerem gebrauch fühlbarer distanziert. weit gebräuchlicher als wunderbar ist übrigens vom frühen 16. jh. bis zum ende des 17. jhs. die doppelsuffixige bildung wunderbarlich (s. d.), erst dann kehrt sich das verhältnis um. an die älteren glossierungen für admirandus, (ad)mirabilis, mirus, mirificus, mirandus, miraculosus schlieszt sich um 1700 eine lexikalische praxis, die, für die gleichen lat. wörter, wunderbar, wunderbarlich, wunderlich, wundersam und wunderhaft bedeutungsgleich nebeneinanderstellt, vgl. Stieler stammb. (1691) 1391; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1402c; Chr. Ludwig t.-engl. (1716) 2540; Dentzler clavis (1716) 357b. erst seit Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1047 erfolgt gesonderte behandlung der wörter.nebenformen: wundernbere kl. mhd. erz. III 178, 552 Rosenhagen; wonderbar Steinhöwel Äsop 70 lit. ver.; 119; 292 u. ö.; wunderbor Boltz Terenz (1539) 80a; wunderpar Schaidenreiszer Odyssea (1537) 23b; wunderber Montanus 257 lit. ver.; im 17. und frühen 18. jh. häufig in der schreibung wunderbahr, als wunderbaar oft beim jungen Göthe, vgl. I 38, 60 W.; III 1, 87; IV 3, 34; 44; 54; 58; 73; 150; 5, 1. 11) in einer wunder II A entsprechenden religiösen anwendung, die sich vielfältig aufgliedert und bis in jungen gebrauch hält, zumal das vornhd. und älternhd. hier vorherrschende wunderlich (s. d. A 1) um 1700 aus diesem gebrauch fast völlig ausscheidet. 1@aa) als prädikat gottes, seiner eigenschaften und seines handelns: o allmächtiger gott, du bist wunderbahr engl. comedien u. tragedien (1624) D 8a. in einer beteuerungsformel: nun, beim wunderbaren gott! das ist seltsam! Gerstenberg Ugolino 3, 238 nat.-lit.; Grillparzer s. w. 6, 44 Sauer. in biblischem oder biblisch beeinflusztem sprachgebrauch: die seelen der gerechten sind inn der hand des herren. item gott ist wunderbar inn seinen heyligen (ps. 68, 36) Fischart binenkorb (1588) 154b; der euch beruffen hat von der finsternis, zu seinem wunderbaren licht 1. Petr. 2, 9; [] erhör uns gott, zu aller zeit durch dein wunderbar gerechtigkeit Hans Sachs 18, 258 lit. ver. zur kennzeichnung des göttlichen handelns, bes. im blick auf die äuszere und innere führung des menschen: want gotis wundirbêre werc sol man nicht legen in vorberc Nicolaus v. Jeroschin kronike von Pruzinlant 149 Strehlke; wann denn in allem ein anfang gewesen ist, ... als habe ... aus seiner wunderbaren erschaffung und schickung ebenermaszen ich auch ein anfang von meinen eltern, welche gott zuvor, gleich wie mich auch, geschaffen hat Schweinichen denkw. (1878) 9; die erzählung von seiner vierjährigen gefangenschaft, seinem verhalten dabei, und den wunderbaren rettungen gottes ... waren für mich lehrreich und erquikend Schubart leben (1791) 2, 154; die langsame, stufenmäszige vernichtung der letzten noch übrigen selbständigkeit der deutschen fürsten ... wurde uns zum glück erspart ... durch gottes wunderbare fügung Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 217. in konkret-sachlicher beziehung soviel wie 'durch ein wunder gottes entstanden, erfolgend': die wunderbare wolck- und feuerssäul (beim wüstenzug des jüdischen volkes) Dannhawer catech-milch (1657) 1, 22. häufig adverbial: dir helff denn wunderbar darvan dein gott und hab dich selb in hut Hans Sachs 12, 503 lit. ver.; gottes vorsehung, die mich aus so vielen gefahren, wo nicht wunderbar doch höchstgütig gerettet hat Bräker s. schr. (1789) 1, 164. innerhalb verdünnter und unverbindlicherer religiöser ausdrucksweise: drum hat's der himmel auch recht wunderbar geschicket bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 144; es ist wunderbar, sehr wunderbar, wie die wege der vorsehung sind Stifter s. w. 1 (1904) 281. 1@bb) auf die mysterien der christlichen erlösung bezogen: die (Maria) jn (Jesus) on mann gantz wunderbar, empfieng, vnd auch on sünd gebar Ringwaldt evangelia (1581) D 2a; betrachte nur das wunderbare heilungsmittel (Christi kreuz) Cramer nord. aufseher (1758) 1, 117. 1@cc) auf die schöpfungswunder gottes verweisend: wir sollen die wunderbare geschöpff gottes mit fleiss betrachten Grimmelshausen 2, 389 Keller; man lief in den garten der predigermönche, wo ein schwein mit stacheln gezeigt wurde, damit man an ihm gottes wunderbare schöpfung schauen könnte G. Freytag ges. w. 18 (1887) 143. 1@dd) in der bezeichnung mirakulöser vorgänge: erzelt vil wunderbarer ding, wie sanct Anthoni durch sein güt die sew so gnediglich behüt Hans Sachs 17, 356 lit. ver.; vgl. 392; der graf sei überzeugt, das kind habe wirklich gift genommen, er habe es aber durch sein gebet und durch das auflegen seiner hände wunderbar am leben erhalten Göthe I 23, 301 W. 1@ee) die bei wunderbar im allgemeinen sinne begegnende bedeutung 'seltsam, sonderbar' (s. u. 5) nimmt im religiösen bereich, in der kennzeichnung gottes (oder auch Christi) als des in wesen und handeln völlig unvergleichbaren und souveränen herrn, die nuance 'unbegreiflich, unverständlich, geheimnisvoll' an, doch ist sie bei wunderlich (s. d. A 1 e) sehr viel deutlicher und beziehungsreicher ausgeprägt: ista 6 nomina percurremus. derselbige heilige heiland sol heissen 'wunderbar', wunderlich, seltzam. sein thun und wesen sol ein wunderlich wesen sein (1541) Luther 49, 197 W.; gott ist in translatione dominiorum ein wunderbarer und verborgener gott, und läst offt grosse herrn sehen, dasz die königreich stehen in seiner hand, und er gebe sie wem er wolle Schupp schr. (1663) 6; da die nachricht (von Sickingens tode) sich bestätigte, [] ward er (Luther) tiefsinnig und brach aus: der herr ist gerecht, aber wunderbar. er will seinem evangelium nicht mit dem schwert helfen Herder 16, 289 S.; wohl wunderbare wege geht die gnade; doch blühend thut sie euch die zukunft auf A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 255. 1@ff) im bereich heidnischer religion entsprechend, aber sehr viel seltener: götter! näher konnte der blitz, ohne mich ganz zu zerschmettern, nicht vor mir niederschlagen. wunderbare götter! Lessing 2, 97 M.; diesz ist der tag, da Tauris seiner göttin für wunderbare neue siege dankt Göthe I 10, 5 W. 22) in der kennzeichnung solchen geschehens, das die naturgesetze durchbricht oder zu durchbrechen scheint, aber ohne religiösen bezug; entsprechend wunder II B, vgl. ostentum wunder, wunderzeichen, ein sältzam wunderbar ding, alles das wider den natürlichen lauff geschicht Frisius dict. (1556) 936a; vgl. 1065a s. v. prodigium. magisch, zauberkräftig, durch zauber gewirkt: aber die zäubrische dinge empfangen jhre wunderbare krafft, auss dem gestirn, vnnd gewissen stand vnnd lauff dess himmels Nigrinus von zäuberern (1592) 114; zu Nürnberg ist einer gewesen mit namen Paul Creuz, der eine wunderbare beschwörung gebraucht hat, um die bergmännlein zu zitieren br. Grimm dt. sagen (1816) 1, 48. in konkret gegenständlicher beziehung: das wunderbare vogelnest (im titel) Grimmelshausen 2, 327 lit. ver.; darauf formte sie vermöge des wunderbaren stabes eine grille Musäus volksmärchen 1, 15 Hempel. die welt des märchens kennzeichnend: märchen, noch so wunderbar, dichterkünste machens wahr Göthe I 1, 159 W.; E. Wiechert missa sine nomine (1950) 458. die sphäre der erscheinungen, träume, visionen und prophezeiungen charakterisierend: desselben jars ... erschinend am himmel vil wunderbarer sternen und ein comet (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 47; denn was ihr ausgerichtet und gethan, kann sich im traum nicht wunderbarer fügen Schiller 13, 302 G.; wunderbare vision, die eine baldige befreiung verkündet Göthe I 43, 354 W.; vgl. 368; 371; auch eine Circe fehlt ihm (Alexander) nicht auf diesen märchenwegen und wunderbare prophezeiung der zukunft wird ihm zu theil Scherer lit.-gesch. 92. 'an ein wunder grenzend, wie durch ein wunder': wenn dieser zustand von dauer ist, so ist sie (Schillers mutter) dem tode wunderbar entgangen (1790) Schiller br. 3, 3 Jonas; (er) hatte schlachten mitgemacht, in denen jähe, wunderbare ereignisse ganz zuletzt noch die rettung aus unvermeidlich scheinendem untergang herbeigeführt hatten Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 393. 33) in einer gewissen entsprechung zu wunder II D auf die welt der schöpfung bezogen, besonders auf die groszen kosmischen gegenstände und auf den menschen: die betrachtung ... diser zweier grossen wunderbaren fewerigen zundfackeln der gantzen welt (des monds und der sonne) Sebiz feldbau (1579) 46; mit ganz andern augen sehen die weltweisen diesen wunderbaren himmelskörper (den mond) an anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 41 Gottsched; etwas erstaunenswürdiges ist wohl die wunderbahre bildung eines menschen im mutterleibe Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 2 § 4. 44) 'auszerordentlich, erstaunlich' in vielfacher beziehung, vgl. wunder II E. 4@aa) allgemein, soviel wie 'auszerordentlich, ungewöhnlich, bemerkenswert, erstaunlich', etwa im bereich wunder II E 1 und in sehr verschiedenen beziehungen: doch kund sie das (ihr rachegelüst) wol bergen mit so wonderbarem erzögen gestiffter lieby, mit sölchem list und geschidikait Steinhöwel de claris mul. 82 lit. ver.; schöne [] comedi und tragedi, warhaffte weltliche histori, wunderbare geschicht und thaten, auch kurtzweilige fasznachtspil (in einem titel) Hans Sachs 18, 1 lit. ver.; ich habe wunderbare begebenheiten gesehen, aber wenig erfreuliches (beim befreiungskampf eines volkes) Göthe I 18, 38 W.; von seinem muth ... waren die wunderbarsten erzählungen in umlauf Ranke s. w. (1867) 1, 46. in leicht gesteigerter bedeutung: anmerkenswerth sind dergleichen figuren (der hieroglyphenschrift), nicht aber wunderbar: vielmehr müszte man sich wundern, dasz solche (frühzeitlichen schriftzeichen) nicht viel häufiger auf der erde vorkommen Herder 16, 54 S.; nachdem ... das wunderbare glück Roms sich abermals bewährt hatte Mommsen m. gesch. 2 (131925) 245. nuanciert als 'unerwartet': man hatte sich auf die gewohnte weise von ... dem wunderbaren umschwunge der dinge unterhalten Immermann w. 1, 18 Hempel. 'unglaublich, unglaubwürdig': Jaffier, der nun vollkommen beruhigt war, entdeckte ihnen die ganze verschwörung. die sache schien ihnen zu abscheulich und zu wunderbar, um ihr gleich glauben beizumessen Schiller 4, 171 G.; (Lucinde:) das klingt denn doch sehr wunderbar? (Claudine:) gewisz! (Lucinde:) und doch so ists! Göthe I 11, 209 W. im 18. jh. als spezifischer begriff der poetik, vgl. dazu unten 9 a δ: da ... die täglichen geschäfte und handlungen der menschen nichts ungemeines oder merkwürdig reitzendes an sich haben, so muszte man nothwendig auf ein neues mittel bedacht seyn, auch der allegorischen erzehlung eine anzügliche kraft und ein reitzendes ansehen mitzutheilen ... so war man bedacht, die erzehlung durch die neuheit und seltsamkeit der vorstellungen wunderbar zu machen Breitinger in: Lessing 7, 447 M. von der vorstellung des auszerordentlichen und einmaligen her wird in der bedeutung 'bewundernswert, glänzend' die grenze zum wertbegriff (s. 6) erreicht: ainen sun Alexandrum, desz geschichten so wonderbar wǎren, daz vor im kainer was, noch nǎch im geboren ist, der im in weltlichen eren gelichen mOechte Steinhöwel de claris mul. 206 lit. ver.; der glanz wunderbarer thaten umstrahlt ihn (den Siegfried der sage) früh Scherer lit.-gesch. 11. dies namentlich in der seit alters geläufigen verbindung wunderbar schön, wunderbare schönheit, in der wunderbar wohl noch nicht zur bloszen gradbestimmung (s. d.) abgesunken ist: die was so wunderbarer schOeny Steinhöwel de claris mul. 48 lit. ver.; vgl. 23; 79; 80; der wunderpar schönen tochter des künigs Schaidenreisser Odyssea (1537) 23b; Agathon war von einer ... wunderbaren schönheit Wieland Agathon (1766) 1, 8; ein blasses und — so erschien es mir — wunderbar schönes knabenantlitz Th. Storm s. w. (1900) 8, 43. 4@bb) 'wunder wirkend', entsprechend wunder II E 2, gelegentlich in jüngerem gebrauch: man würde den Engländern unrecht thun, wenn man glaubte, dasz die hoffnung der wunderbaren wirkung sie so häufig zu diesem himmlischen bette (einem elektro-magnetischen bett, das wunderbare heilwirkungen haben soll) führte Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 113; apfelwein, für den der baron, weil er ihm wunderbare heilkraft zuschrieb, eine ... vorliebe hatte Fontane ges. w. (1905) I 5, 137. seltener von inneren wirkungen: die zeit hat wunderbare kraft H. Laube ges. schr. (1875) 2, 40. 4@cc) in prägnant negativer bedeutung oder doch in der beziehung auf negativ gewertetes, vgl. die in ähnliche richtung zielende anwendung unter wunder II E 3: es war ein wunderbare vnd schwäre zeyt, darinn sich wider einander partheyeten brüder, freund vnd nachbaren Stumpf Schweizer chron. (1606) 333a; in diesem jahr kam ... eine seltzame ... bewegung der lufft, wunderbare hagel, vngewitter, donnerstralen, die regeten sich mit grossem schaden des landes, leut vnd viehes Binhardus thüring. chron. (1613) 54. vor allem, und bis heute möglich, im sinne von 'unberechenbar, wechselvoll, schwankend, unbeständig': [] o wie spötlich und wonderbare würkung desz glükrades Steinhöwel de claris mul. 31 lit. ver.; man durchsinne ... den heutigen eusserlichen zustand der welt, und darin das ballen spiel des ... wunderbahren unvermutheten glükkes Schottel friedenssieg 8 ndr.; ich, die frei bin nach aller welt berichten, ... ward hier im wunderbaren lauf der dinge zur magd Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 36. 4@dd) von der vorstellung des auszerordentlichen, ungewöhnlichen her leicht in einen intensitäts- und maszbegriff hinübergleitend, sieh die vergleichbare anwendung wunder II E 4. in attributivem und prädikativem gebrauch: der dichter (Virgil) hat die schlangen von einer wunderbaren länge geschildert Lessing 9, 39 M.; der jetzige sklavische verwachsene zustand vieler völker kommt von ihrer wunderbaren vermehrung und doch nicht verhältnissmäszig steigenden kunst zs. Europa (1803) 2, 187 Schlegel; als mit wunderbarer plötzlichkeit die Riffel selbst das lang ersehnte bot Barth Kalkalpen (1874) 120. älter scheint vereinzelt sogar eine prägnante bedeutung 'sehr viel' möglich zu sein: mein herr Admetus hat manchmal viel gäst gehabt inn diesem saal ausz wunderbaren nation (plurimarum gentium) W. Spangenberg bei Dähnhardt griech. dramen 1, 127 lit. ver. adverbial 'ungewöhnlich, ausnehmend, sehr': darumb daz sie von dem güden ierer fründ wonderbar hǒch ... zuo ierem mann begǎbet ward Steinhöwel de claris mul. 199 lit. ver.; wunderbar glücklich entsprach diesem drange das deutsche kirchenlied Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 34. 55) die bedeutung 'auszerordentlich, erstaunlich' führt leicht zu derjenigen von 'sonderbar, seltsam' hinüber, die sich, weit über wunder hinaus, in verschiedenen richtungen entfaltet. in ihr ist die vorstellung der 'verwunderung' als moment der 'befremdung' enthalten. in modernem gebrauch haftet sie vor allem dem wort wunderlich (s. d.) an, ist aber auch bei wunderbar gerade jünger noch sehr wohl möglich und z. b. Goethe noch ganz geläufig; vgl. beispiele synonymen wie ausdrücklich unterscheidenden gebrauchs beider wörter unter wunderlich A 4. von Campe 5 (1811) 784b wird wunderbar als 'wunderlich' nicht mehr anerkannt, während Adelung versuch 5 (1786) 301 es für gemildertes seltsam noch gelten läszt. 5@aa) in der anwendung auf monströse, abnorme bildungen tierischer oder menschlicher art liegt genaue entsprechung zu wunder II E 1 e α vor: wunderbare völcker in Thessalia, so vornen ausz menschen, hinden ausz rossz sind Calepinus xi ling. (1598) onom. 150a; man hatte wohl etwas von wunderbaren bastarden zwischen kaninchen und hühnen (!) gefabelt J. G. Forster s. schr. (1843) 3, 233; (Hermes:) ihr (satyr) scheint mir auch so wunderbar. (satyr:) siehst an mein ungekämmtes haar, meine nackten schultern, brust und lenden, meine langen nägel an den händen Göthe I 16, 89 W. 5@bb) sonst von dem, was seltsam, sonderbar, komisch aussieht, sich anhört oder sich anfühlt, in persönlicher und gegenständlicher beziehung: ein vogel fürt ein wunderbar geschrey so er den schnabel ins mosz stoszt Frisius dict. (1556) 167a s. v. butio; chironomus der im tantz mit den henden wunderbare vnd vielerley bossen treybt Calepinus xi ling. (1598) 232a. 'selten, seltsam': auch ist mir beygegangen, ob ein geübter dechiffreur, der noch wunderbarere zeichen zu diviniren hat, hier (bei der entzifferung einer alten inschrift) nicht gute dienste leisten könnte (1817) Göthe IV 28, 5 W.; vgl. I 2, 142; 19, 34; 52, 229. mit dem nebensinn 'exotisch': Lilis park ist doch keine menagerie so bunt, als meiner Lili ihre! sie hat darin die wunderbarsten thiere Göthe I 2, 87 W.; vgl. 7, 186. [] 5@cc) im sinne von 'sonderbar, merkwürdig' auf erlebnisse und innere vorgänge bezogen: es kam mich eine sehr wunderbare empfindung an, da wir so an dem forste hinfuhren. aber da ich bey dem vater bin und jeden gegenstand wieder erkenne, der eltern liebe fühle, wird mir leicht und wohl Klinger w. (1815) 1, 36; als er (nach einem räuberischen überfall) die augen wieder aufschlug, befand er sich in der wunderbarsten lage (nämlich verwundet im schosze Philinens) Göthe I 22, 39 W.; vgl. IV 3, 224. in der anwendung auf geistiges schwingt häufig ein abwertender nebenton 'verwirrend, abstrus, abwegig' mit: mit mancherley wunderbaren phantaseyen, schweren, auch wol schrecklichen träumen W. Spangenberg ausgew. dicht. 4 M.; die ... idee (eine theorie über die erfindung der schrift) hat mir immer wunderbar und durchaus unhaltbar geschienen, sobald man sie allgemein machen will A. v. Humboldt br. an Welcker (1859) 63. 5@dd) jünger speziell in der kennzeichnung des gegensätzlichen, des aus extremen zusammengesetzten und gemischten: im athemholen sind zweierlei gnaden: die luft einziehen, sich ihrer entladen; jenes bedrängt, dieses erfrischt; so wunderbar ist das leben gemischt Göthe I 6, 10 W.; vgl. 38, 60; bei einer wunderbaren mischung von äuszerer schwäche und verborgener kraft Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 101. 5@ee) in der nuance 'unbegreiflich, geheimnisvoll': nein prinz — ich schwörs in ihrer mutter seele — das wunderbare räzel ihres grams, die königin — ich wette — kann es lösen Schiller 5, 11 G.; vgl. 14, 40; 15, 1, 77; dies alles war ihm in einem fast vernichtenden sinne wunderbar (unbegreiflich, unerklärlich) Gerhart Hauptmann ausgew. prosa (1956) 2, 104. 5@ff) der unter c schon oft mitgegebene abwertende nebensinn tritt auch deutlicher und prägnanter hervor, als 'befremdlich, unerhört, toll, verschroben' u. ä.: ir gsend, wie sich die gsellen speren, mit wunderbaren wilden sachen woltend sy sich gern luter (als zeugen) machen H. R. Manuel das weinspiel v. 3424 ndr.; wann blinde vnd scheele zusammen kommen, führen sie krumme wunderbahre streich Lehman floril. polit. (1662) 1, 113; ich war veranlaszt, eine kurze relation dieses wunderbaren und unangenehmen vorfalls (eines nächtlichen ausfalls der Franzosen, der wider alle regeln der kriegskunst geführt war) aufzusetzen Göthe I 33, 278 W.; seine eigene jugend war hingewüstet worden; wunderbare geschichten gingen davon um Fontane ges. romane u. nov. (1890) 7, 119. 5@gg) in der beziehung auf personen als 'sonderbar, merkwürdig, schwierig' hinter dem entsprechenden gebrauch von wunderlich (s. d. A 4 c α; β) weit zurückbleibend; meist mit negativ wertendem nebenton: ein mercklich volck von spillüten, gauckhlern und wunderbaren abentüren kamend an das hochzit (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 17; je toller wird der krieg, iemehr er krieget jahr. ey, leute, die sehr alt, die werden wunderbar Logau sinnged. 138 lit. ver.; wunderbarer mensch! musz man sich ihnen gleich stellen, musz man eben so stolz, eben so argwöhnisch, eben so grob seyn, als sie, um ihr elendes vertrauen zu gewinnen? Lessing 2, 115 M.; 't is je 'n wunderbaren kërel; 't is nët, as of hê mal un ferrükt is Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 581a. von hier aus eine menschliche veranlagung als 'empfindlich, reizbar' kennzeichnend: dann der könig von natur eines wunderbaren vnd sehr eifrigen gemüts war, vber alles, was seine königliche hoheit antraff Stumpf Schweizer chron. (1606) 278b. 66) in ganz anderer richtung als unter 5 prägt sich von 4 'auszerordentlich' her eine linie aus, auf der wunderbar im sinne von 'ausgezeichnet, vortrefflich, vollkommen, bewundernswert' [] usw. einen hoch auszeichnenden wertbegriff darstellt, so flieszend die grenze zu 4 im einzelfall bleiben kann. bestimmte anwendungsbereiche, aber nur z. t. in anlehnung an wunder, treten hervor. 6@aa) in der beziehung auf werke und wirkungen der kunst. vornehmlich, wunder II E 6 a α entsprechend, auf dem gebiet der bildenden künste: dar umb erdǎcht Arthemisia ainem wonderbaren, kostlichen búw, daran nit gesparet ward Steinhöwel de claris mul. 194 lit. ver.; vgl. 33; 193; ein jeder (ging) in sein eigen hausz, schön zubereitet vberausz, von gott Vulcano wunderbar Spreng Ilias (1610) 12b; so war auch die arbeit des grossen Leonard höchst schön und wunderbar Göthe I 43, 38 W.; vgl. 31; niemand kam in die kapelle mit der wunderbaren spätgotischen decke Renn adel im untergang (1947) 276. seltener, und ohne ausgeprägtes vorbild bei wunder, von den werken und wirkungen der anderen künste, meist jüngeren gebrauchs; nicht selten schwingt hier ein unterton im sinne von 'geheimnisvoll, unbegreiflich' mit: ob er nicht in wehrenden seinen prob-jahren einst bey dem allein gelehrten blinden poeten gelesen den wunder- vnnd munderbahren vers Moscherosch gesichte (1650) 2, 246; denn schnell und spurlos geht des mimen kunst, die wunderbare, an dem sinn vorüber Schiller 12, 6 G.; so reizte mich doch die musik, als eine wunderbare sache an sich Göthe I 43, 61 W.; die wunderbare harmonische fortschreitung ... im larghetto des quartetts in es-dur O. Jahn Mozart (1856) 4, 46; vgl. 135; 1, 458; 3, 109; je näher ... den dunklen mächten des instinktes, ... desto gewaltiger wächst ihre (der poesie) wunderbare gestalt O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 38. 6@bb) im bereich allgemeinerer geistiger fähigkeiten, vorgänge und ordnungen, auch hier jünger gern mit dem unterton des geheimnisvoll-unerklärlichen: un-wieder-ab-treiblich-keit, etc. da es gleichwol wunderbar in unserer sprache ist, dass zwey, drey, ... sechs stammwörter zusammen können kommen Schottel haubtspr. (1663) 79; das wunderbare gewebe von naturahndung und geschichtlicher sage Schleiermacher Platons werke (1804) 6, 20; alle wörter scheinen mir gespaltene und sich spaltende strahlen eines wunderbaren ursprungs (1815) Jac. Grimm an Savigny 200 Schoof; vgl. 114; ders., kl. schr. (1864) 3, 237; die einfachste und bekannteste wahrheit erscheint uns augenblicklich neu und wunderbar, sobald wir sie zum ersten male an uns selbst erleben M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 5. 6@cc) erst seit der zweiten hälfte des 18. jhs., einflüsse des pietismus und des zeitalters der empfindsamkeit wohl voraussetzend, erfolgt die anwendung auf gefühle, empfindungen und seelische stimmungen im sinne des beglückenden, erfreulichen, tröstenden u. ä. die vereinzelt schon in älterem gebrauch begegnende gleiche beziehung ist wohl noch ganz von 4 a oder d her zu werten: dieser und dergleichen discurse wurden von allen ... mit wunderbarer vergnügung angehöret Happel akad. roman (1690) 447. im übrigen: göttlich, ja göttlich musz die lehre sein, rief ich aus, die die besten unter den menschen bekennen, die so mächtig siegt, und so wunderbar tröstet Schiller 4, 35 G.; vgl. 15, 1, 5; es ist mir ein wunderbares gefühl wie auch dieses geschäft (drucklegung der zahmen xenien) zuzurücken anfängt Göthe IV 42, 34 W.; so wunderbar empfand ich es, so neu, dasz noch bestehe freundeslieb und treu! Mörike ges. schr. (1905) 1, 165; mit dem abklingen des schmerzes kam eine wunderbare erleichterung und frieden über ihn Ina Seidel labyrinth (1922) 386. nicht selten als bestandteil gegensätzlicher gefühlsmischung und -spaltung: es ist etwas wunderbarschmerzliches um solch einen begrabenen frühling Hebbel br. 1, 188 Werner; [] nick mir gewährung mit den finstern brauen, lasz fühlen mich das wunderbare grauen die schmerzenslust am sein bei deinem wehen (des sturmes) moderne dichtercharaktere 114 Arent-C.-H. 6@dd) von naturhaften erscheinungen, den jahreszeiten, der landschaft, ihrer gestalt oderjüngerauch ihrer stimmung: der appril bringt das glentz do har die erd thuot sich uff wunderbar d. ewigen wiszh. betbüchlin (1518) A 5a; auf der fruchtbarsten ebene erhebt er (der berg Tabor) sich und alle reisende sind über seinen wunderbaren anblick einig Herder 12, 151 S.; früh wunderb(are) stimmung ... frühlings thauwetter (1777) Göthe III 1, 34 W.; vgl. IV 3, 44; winterhimmel ..., der in wunderbarer pracht über ihnen glitzerte Fontane ges. w. (1905) I 4, 32; wenn Amadeus den kopf wendete, konnte er die sternbilder über dem moor sehen, hoch und silbern in ihrer wunderbaren stille E. Wiechert missa sine nomine (1950) 401; vgl. 64; 279. 6@ee) in auszeichnender beziehung auf personen: sie (Penthesilea) erzOegt sich ǒch für ander künigin wonderbar in krefften und kriegskünsten Steinhöwel de claris mul. 113 lit. ver.; dieser Fytze war gar ein wunderbarer mensch. in der reiterei hat er Heintze Bylern erschlagen und den Jacob gefangen gen Trautnaw bracht Hüttel chron. d. st. Trautenau 45 Schles.; heil sey dem ersten sohne Theresiens, ... dem wunderbaren jungen manne (Josef II.) Eschenburg beispielsammlung (1788) 4, 321. jünger meist in gesteigertem sinne, den genialen oder innerlich vollkommenen menschen kennzeichnend: des auszerordentlichsten und wunderbarsten aller schriftsteller (Shakespeare) Göthe I 21, 309 W.; (von Tasso gesagt) 10, 111; es gibt auch im leben die wunderbaren menschen, denen wie durch einen geheimen bann die herzen zufliegen Nic. Hartmann ethik (21935) 459. von hier aus: ich halte sie für einen groszen, wunderbar begabten mann Immermann w. 1, 22 Hempel. 6@ff) über die obigen anwendungen hinaus in den verschiedensten beziehungen. 6@f@aα) in attributiver stellung oder als adverb neben einem adjektiv. oft noch als hoch auszeichnendes epitheton zu werten: in seinem wunderbaren gedächtnisz erhält sich alles ohne wandel und abgang Sturz schr. (1779) 1, 67; ein hohes schmales glas von einem wunderbar bläulichen lichtglanz Storm s. w. (1900) 2, 255; ein verderblicher krieg ..., der wunderbare kulturen vernichtet Carossa tag d. jungen arztes (1955) 38. sonst in jüngerem und jüngstem gebrauch mit deutlich absteigender tendenz, als farblos auszeichnendes beiwort ohne stärkeres gewicht: gestern hatten wir recht schön und wunderbaar wetter Göthe IV 5, 1 W.; er kannte die buben alle bei namen und erzählte ihnen von den papageien die wunderbarsten und ergötzlichsten geschichten Storm s. w. (1900) 7, 287. so auch in die umgangssprache und in banale zusammenhänge eindringend: die wunderbarsten schmuckkämme für die dorfschönen und dienstmägde G. Keller ges. w. (1899) 4, 216; unser erster klassenlehrer zum beispiel kam niemals anders zur schule als mit einem wunderbar glänzenden zylinder E. Wiechert wälder u. menschen (1936) 122; oh, wir werden wunderbare sachen einkaufen Fr. Wolf besinnung (1947) 93. gern in ironischem gebrauch: wunderbarer trost! zwar das soll er wohl auch nicht seyn — sie sagen nur so einige worte Iffland theatr. w. (1827) 1, 86; ich musz zu meiner schande gestehen, dasz diese ... stadt Schlesiens mir damals ganz unbekannt war, dank einem wunderbaren geographieunterricht, der mir sämmtliche gröszere nebenflüsse des Amazonenstromes ... ins gedächtnisz geprägt hatte H. Seidel vorstadtgesch. (21880) 125. 6@f@bβ) adverbial neben verben. selten mit vollem gewicht: weil dein erlauchter geist noch viel zu ende bringet davon der anfang ihm so wunderbar gelinget Pietsch geb. schr. (1740) 122; [] sehr wunderbar drängt sich in dieses jahr soviel (an eigener literarischer produktion) zusammen. heilsam und gesegnet, dasz auf eine lange stockung wieder eine lebensregung sich rührt (1786) Göthe IV 8, 77 W. meist, wie oft auch unter α, abgeschliffener und mehr im ton der umgangssprache: eines tags erbeuteten wir ein ganzes nest voll junger krähen; die muszt ihm seine hausehre wunderbar präparieren Bräker s. schr. (1789) 1, 59; aber es glückte wunderbar: am andern morgen war sie eine frohe witwe Storm s. w. (1900) 6, 294; es war mir nicht alles klar geworden, aber es gefiel mir doch wunderbar Winnig frührot (1926) 95. 77) die bei wunderlich (s. d. B) nicht seltene, von wunder I herzuleitende bedeutung 'verwundert, staunend' scheint bei wunderbar kaum möglich, doch vielleicht so: wie wunderbar die affen des buttenkrämers kram begaffen? Fischart flöhhatz 67 ndr. 88) in einer reihe fester, besonders verbaler wendungen, meist zu mehreren der obigen bedeutungen gleichzeitig. 8@aa) es ist wunderbar mit abhängiger aussage, seit alters formelhaft im sinne einer feststellung: so ist daz wundernbere daz dir nu vor in allen die wisheit ist gevallen kl. mhd. erz. III 178, 552 Rosenhagen; es wAere wonderbar zesagen, daz ain frowen bild so hohe vernunft haben sOelte Steinhöwel de claris mul. 292 lit. ver.; vgl. 230; 224; allein (es) ist wunderbar, dass Vilmars adlersaugen nur in die weite sehn, und nichts zu hause taugen Grob dichter. versuchgabe (1678) 71. in vergleichender abgrenzung gegen verwandte, aber schwächere begriffe: es ist nicht wunderbar, aber es erregt doch verwunderung, wenn man bei betrachtung einer literatur, besonders der deutschen, beobachtet, wie eine ganze nation von einem einmal gegebenen und in einer gewissen form mit glück behandelten gegenstand nicht wieder loskommen kann Göthe I 27, 37 W.; daher ist es betrachtenswerth, ja wunderbar, wie der mensch ... immer noch ein zweites (leben) ... führt Schopenhauer w. 1, 133 Gr. seltener in der speziellen zugehörigkeit zu 6 c, eine empfindung kennzeichnend: ach, es war einfach wunderbar, in seiner (des generals) gesellschaft zu sein A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 158. 8@bb) jmd. ist etwas wunderbar, a gegenüber einschränkend im sinne eines subjektiven urteils: und dis war allen wassertrinckern wunderbar Klopstock oden 1, 26 M.-P.; dem kinde ist ja alles noch wunderbar, was es schaut und hört Heinr. Hoffmann der Struwwelpeter, vorrede. daneben anders, einen seltsamen gemütszustand kennzeichnend, etwa im sinne von 5 c oder auch 6 c: mir ist ganz wunderbar geworden auf dem wege (nachts durch die straszen). es sind mir so viele sachen auf einmal und durch einander eingefallen, — und das was mich im tiefsten meiner seele beschäftigt Göthe I 9, 134 W.; vgl. 124; damals ... mir ist ganz wunderbar. wie ich ein junge war ... mir ist so wohl ... weh. — wärme. — — wie im vorfrühling — wenn man hinausgeht Hirschfeld die mütter (1896) 88. hierher auch: es ward mir wunderbar zu muth, als ich aus vollem tageslichte schnell hinein trat (in den dunklen turm des astrologen) Schiller 12, 140 G. 8@cc) als bloszer ausruf, verkürzt aus a: wunderbar! dieser mann gewinnt die achtung und liebe aller menschen, wohin er auch kommt J. H. Voss Odyssee 172 Bernays; recht wunderbar! dasz in dem momente, wo man die innungen aufhebt, neue innungen sich bilden Göthe IV 28, 120 W. [] 8@dd) als glied der adverbialen wendung wunderbarer weise oder auf wunderbare weise. selten in religiösem sinne: hailand der hoffenden, beweis in sonderhait, zu wider daenen so sich deiner rechten auflaenen, dein' guten wuonderbarer weis Melissus psalmen 56 ndr. oft 'auf ungewöhnliche' oder 'in auszerordentlicher weise': allerhand mitgebrachte und von der natur wunderbarer weise gebildete seltzamkeiten Lohenstein Arminius (1689) 1, 504; wo ihnen (den ameisen) einmal an einem ort einzunisten zugelassen wird, vermehren sie sich wunderbarer weise Hohberg georg. cur. (1682) 1, 424. auszeichnend auf geistige oder seelische vorgänge bezogen: wie das lautere gold ... der hochdeutschen sprache ..., so wunderbahrer weise ... entsprüsset Zesen rosenmând (1651) titelbl.; bald fühlte ich mich, mir selber zum trotz, auf wunderbare weise erheitert Ric. Huch triumphgasse (1902) 6. von 5 her heiszt auf wunderbare weise 'auf sonderbare, seltsame weise': die wirbel (des tabakrauches) drehen sich auf wunderbare weise, wie in Cartesens luft die länglicht runden kraise Zachariä poet. schr. (1763) 1, 24. die wendung wunderbarer weise 'seltsamer, erstaunlicher weise' dagegen wird meist zusammengeschrieben (s. wunderbarerweise): und wunderbarer weise fand er hier anerkennung Mommsen m. gesch. 2 (1865) 40. 99) häufig als substantiviertes neutrum gebraucht. 9@aa) das wunderbare, etwas, nichts wunderbares in selbständiger anwendung, vornehmlich zu begrifflicher bestimmung oder benennung und fast ausschlieszlich in jungem gebrauch. 9@a@aα) im religiösen oder sonst übernatürlichen bereich: vom wunderbaren (den sich ereignenden wundern) bei der Mosaischen gesetzgebung und reise Herder 12, 311 S.; vgl. 16, 387; 19, 246; das mittelalter lebte im wunderbaren, das jenseits war ihm wirklicher als die wirklichkeit, das diesseits ein wertloses provisorium Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 136; (Aristoteles) will, dasz auf der bühne alles natürlich geschehen, und sich in einem fortgehenden faden aus der menschlichen seele selbst entwickeln sollte. die maschienen des wunderbaren erlaubt er nur auszerhalb der handlung Herder 16, 95 S.; das übernatürlich wunderbare gewinnt zusehends gröszeren raum (im mhd. volksepos) Scherer litt.-gesch. 7131. gern im rahmen der grundsätzlichen und kritischen auseinandersetzung mit dem wunder, vgl. wunder II C: in seinen (des arztes Gmelin) anpreisungen des magnetism ist mir zu viel neigung für das wunderbare (1793) Schiller br. 3, 352 Jonas; es gibt nichts wunderbares Büchner kraft u. stoff (1856) 31. 9@a@bβ) seltener zu oben 3, von gegenständen der schöpfung: kaum ist dein aug entzückt, so ist es auch dein geist, dem jedes grases bau was wunderbares weist Schwabe belust. (1741) 1, 129. 9@a@gγ) das auszerordentliche, ungewöhnliche im sinne von oben 4: auch was er (Ulsheimer) daselbsten wunderbares gesehen und auszgestanden J. Ulsheimer rayszbuoch (1622) 91; nicht dasz ich denke, dasz mein schicksal für andre etwas seltenes und wunderbares enthalte Bräker s. schr. (1789) 1, 2. 9@a@dδ) sowohl von α wie von γ her versteht sich die in der poetik des 18. jhs. viel erörterte begriffsbestimmung des wunderbaren, wie sie Bodmer und Breitinger, teils mit Gottsched einig, teils gegen ihn, vertreten. in ihr ist das wunderbare, dessen zulässigkeit für die dichtung unter dem kriterium des wahrscheinlichen geprüft wird, im weiteren (unangefochtenen) sinne das ungewöhnliche, fremdartige, im engeren (umstrittenen), als der 'höchste grad' des ungewöhnlichen, das übernatürliche und alles nicht in der menschlichen erfahrung, sondern in der phantasie wurzelnde, soweit es, wenn nicht als wirklich, so doch als möglich gedacht werden kann: J. J. Bodmer critische [] abhandlung von dem wunderbaren in der poesie und dessen verbindung mit dem wahrscheinlichen (1740) titel; nachdem man ... wahrgenommen, dasz allein das seltene, neue und wunderbare, eine solche erweckende und angenehm entzückende kraft auf das menschliche gemüth mit sich führet (in der erzählkunst) Breitinger bei Lessing 7, 447 M.; wenn denn die entfernung (des poetisch dargestellten von den begriffen des lesers) so weit fortgehet, bisz eine vorstellung unsern gewöhnlichen begriffen, die wir von dem ordentlichen lauf der dinge haben, entgegen zu stehen scheinet, so verliehret sie den namen des neuen, und erhält an dessen statt den nahmen des wunderbaren Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 129; die poetische erzählung (musz) wunderbar seyn ... es ist also eine grosze kunst, das wahrscheinliche mit dem wunderbaren geschickt zu verbinden Gottsched crit. dichtkunst (1751) 497. noch erörterungen Goethes stehen in der tradition dieser begriffsbestimmung: die ritterromane lassen noch mehr die unbequemlichkeit des wunderbaren fühlen ... die helden sind riesenmäszig, die leidenschaften überschreiten die wahrheit Göthe I 40, 211 W.; ohne zweifel erlaubt uns die hohe metaphysik anzunehmen, dasz es über unsere fassungskraft gedanken, gegenstände, wahrheiten und wesen gibt, die über alle unsere begriffe reichen; aber da wir von diesen abstracten regionen nicht den mindesten begriff haben, so können wir, selbst mit unserm wunderbaren, ihnen nicht näher kommen; das wunderbare bleibt vielmehr unter der wirklichkeit, die wir kennen ebda 214. auszerhalb der eigentlichen theorie, aber von da her zu deuten: so sorgfältig ich in allen meinen schriften das wunderbare vermeide, so musz ich dennoch meine leser gleich anfangs mit einer mordgeschichte unterhalten Sturz schr. (1779) 2, 25. 9@a@eε) in speziellen und allgemeinen anwendungen von 6 das unbegreiflich vollkommene, im sinne hoher auszeichnung und wertung: wie ist doch die musik so etwas höchst wunderbares, wie wenig vermag doch der mensch ihre tiefen geheimnisse zu ergründen! E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 29 Gr.; die echte nächstenliebe ist im grunde etwas höchst wunderbares — ein phänomen, dessen blosze anerkennung schon eine gewisse kraft des glaubens erfordert Nic. Hartmann ethik (21935) 16. modern so oft in einem hohen, im übrigen aber unbestimmten sinne: an die erträumte. stetes bild des wunderbaren! alles licht, es zu bewahren, bist du, kraft, die auf dem klaren glauben fuszt Weinheber späte krone (1936) 85; (die philosophische ethik) hat darum auch wieder den mut zur ganzen metaphysischen schwere der probleme — aus dem bewusztsein des ewig wunderbaren und unbewältigten heraus Nic. Hartmann ethik (21935) 16. 9@bb) in der verbindung mit abhängigem genitiv dort, wo das an einer sache, einem vorgang, einem begriff hängende merkmal des wunderbaren herausgestellt werden soll: aber diese (körperlichen gebrechen) durch geistige, oder geistigen ähnliche mittel aufheben, lindern, ist auszerordentlich und eben daher entsteht das wunderbare des wunders Göthe I 24, 251 W.; wir nehmen das wunderbare dieser tatsache (dasz Knechts ende legende wurde) hin und freuen uns des wunderbaren H. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 66. 9@cc) das wunderbare an oder in etwas mit gleichem ausdruckswert wie die genitivische verbindung unter b: (es) ist nicht werk der philosophie, das wunderbare in diesen momenten zu erklären Herder 5, 95 S.; darin lag für Diogenes eben das wunderbarste, dasz viele erscheinungen auf seiner reise mit den zu Ezzelbrunn erlebten vollkommen gleich waren Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 63; das ist ja gerade das wunderbare am glauben, dasz er von selbst wirkt ohne überzeugung W. Hauff s. w. (1890) 2, 221. auch in der beziehung auf eine person: nun [] aber sagt doch, was so wunderbares an diesem mann? Schnitzler d. grüne kakadu (1899) 9.
39154 Zeichen · 639 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wunderbar

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Wunderbar , -er, -ste, adj. et adv. 1. Werth, bewundert zu werden, dessen Möglichkeit und Zusammenhang man nicht einsieh…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wunderbar

    Goethe-Wörterbuch

    wunderbar [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wunderbar

    Schweizerisches Idiotikon · +4 Parallelbelege

    wunderbar Band 16, Spalte 627 wunderbar 16,627

  4. Sprichwörter
    Wunderbar

    Wander (Sprichwörter)

    Wunderbar 1. Wunnerboar, söä' de Kierl, de F ... hält Woater un hät do' keinen Bodden. – Schlingmann, 809. 2. Wunnerboar…

  5. Spezial
    wunderbar

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wun|der|bar adj. 1 demorvëia, magnifich (-cs, -ca), grandius (-sc, -iosa) 2 (übernatürlich) miracolus (-sc, -losa).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wunderbar

15 Bildungen · 9 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von wunderbar 2 Analysen

wunder + -bar

wunderbar leitet sich vom Lemma wunder ab mit Suffix -bar.

Alternativen: wund+-er+-bar

Zerlegung von wunderbar 2 Komponenten

wund+erbar

wunderbar setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wunderbar‑ als Erstglied (9 von 9)

wunderbarerweise

DWB

wunderbar·er·weise

wunderbarerweise , adv. , aus wunderbarer weise ( s. wunderbar 8 d) zusammengerückt, aber im unterschied zu dieser verbindung auf die bedeut…

wunderbarheit

DWB

wunderbar·heit

wunderbarheit , f. , vereinzelt neben der folgenden, erst etwas später belegbaren bildung: das neunte und letzte geheimnus ... ist die wunde…

wunderbarkeit

DWB

wunderbar·keit

wunderbarkeit , f. , seit Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1047 belegbar, s. dazu das vorige und das ältere wunderbarlichkeit. beschränkten gebra…

wunderbarli(ch)

Idiotikon

wunderbarli(ch) Band 16, Spalte 628 wunderbarli(ch) -ä- 16,628

wunderbarlich

DWB

wunderbar·lich

wunderbarlich , adj. , dasselbe wie wunderbar ( s. d. ), vor dem es, auch in attributiver und prädikativer anwendung, bis zum ende des 17. j…

wunderbarlicheⁿ

Idiotikon

wunderbarlicheⁿ Band 16, Spalte 629 wunderbarlicheⁿ 16,629

wunderbarlichkeit

DWB

wunderbarlich·keit

wunderbarlichkeit , f. , seit dem 15. jh., später neben dem jüngeren wunderbarkeit ( s. d. ) zurücktretend: mirificentia wunderberlichkeit (…

wunderbarsam

DWB

wunderbar·sam

wunderbarsam , adj. , vereinzelte doppelsuffixige bildung: 13. martii kann gott diese schreckliche that ( grabschändung ) nicht länger unger…

wunderbar als Zweitglied (4 von 4)

häßlichwunderbar

GWB

haesslich·wunderbar

häßlich-wunderbar [ Sirenen, mit den Sphinxen um die Gunst Mephistos konkurrierend: ] Ach was wollt ihr euch verwöhnen | In dem Häßlich-Wund…

überwunderbar

DWB

ueberwund·erbar

überwunderbar , adj. sehr, auszerordentlich wunderbar: der ihm darauff ein überwunderbare geschicht erzehlete Kirchhof wendunmuth 1, 249 Ö. …

unwunderbar

DWB

unwunderbar allg. d. bibl. 64, 43; Nicolai Nothanker 1, 5 a ; reise 1, 59. —

verwunderbar

DWB

verwunder·bar

verwunderbar , adj. , wunderbar, bewunderungswürdig; verbaladjektiv zu verwundern. vorwiegend im 17. jh. gebräuchlich: mit verwunderbarer gr…

Ableitungen von wunderbar (2 von 2)

unwunderbar

DWB

unwunderbar allg. d. bibl. 64, 43; Nicolai Nothanker 1, 5 a ; reise 1, 59. —

verwunderbar

DWB

verwunderbar , adj. , wunderbar, bewunderungswürdig; verbaladjektiv zu verwundern. vorwiegend im 17. jh. gebräuchlich: mit verwunderbarer gr…