wunderbar,
adj. ,
mhd. wunderbære
gelegentlich, um 1500
sprachläufig werdend; zur bildung vgl. Henzen
wortbild. 111; 209
f. gleichbedeutend neben bereits ahd., noch lange zeit viel geläufigerem wunderlich (
s. d.),
von dem es sich hinsichtlich seiner bedeutungen erst in jüngerem gebrauch fühlbarer distanziert. weit gebräuchlicher als wunderbar
ist übrigens vom frühen 16.
jh. bis zum ende des 17.
jhs. die doppelsuffixige bildung wunderbarlich (
s. d.),
erst dann kehrt sich das verhältnis um. an die älteren glossierungen für admirandus, (
ad)
mirabilis, mirus, mirificus, mirandus, miraculosus schlieszt sich um 1700
eine lexikalische praxis, die, für die gleichen lat. wörter, wunderbar, wunderbarlich, wunderlich, wundersam
und wunderhaft
bedeutungsgleich nebeneinanderstellt, vgl. Stieler
stammb. (1691) 1391; Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1402
c; Chr. Ludwig
t.-engl. (1716) 2540; Dentzler
clavis (1716) 357
b.
erst seit Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 1047
erfolgt gesonderte behandlung der wörter. —
nebenformen: wundernbere
kl. mhd. erz. III 178, 552
Rosenhagen; wonderbar Steinhöwel
Äsop 70
lit. ver.; 119; 292
u. ö.; wunderbor Boltz
Terenz (1539) 80
a; wunderpar Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 23
b; wunderber Montanus 257
lit. ver.; im 17.
und frühen 18.
jh. häufig in der schreibung wunderbahr,
als wunderbaar
oft beim jungen Göthe,
vgl. I 38, 60
W.; III 1, 87; IV 3, 34; 44; 54; 58; 73; 150; 5, 1. 11)
in einer wunder II A
entsprechenden religiösen anwendung, die sich vielfältig aufgliedert und bis in jungen gebrauch hält, zumal das vornhd. und älternhd. hier vorherrschende wunderlich (
s. d. A 1)
um 1700
aus diesem gebrauch fast völlig ausscheidet. 1@aa)
als prädikat gottes, seiner eigenschaften und seines handelns: o allmächtiger gott, du bist wunderbahr
engl. comedien u. tragedien (1624) D 8
a.
in einer beteuerungsformel: nun, beim wunderbaren gott! das ist seltsam! Gerstenberg
Ugolino 3, 238
nat.-lit.; Grillparzer
s. w. 6, 44
Sauer. in biblischem oder biblisch beeinflusztem sprachgebrauch: die seelen der gerechten sind inn der hand des herren. item gott ist wunderbar inn seinen heyligen (
ps. 68, 36) Fischart
binenkorb (1588) 154
b; der euch beruffen hat von der finsternis, zu seinem wunderbaren licht 1.
Petr. 2, 9;
[] erhör uns gott, zu aller zeit durch dein wunderbar gerechtigkeit Hans Sachs 18, 258
lit. ver. zur kennzeichnung des göttlichen handelns, bes. im blick auf die äuszere und innere führung des menschen: want gotis wundirbêre werc sol man nicht legen in vorberc Nicolaus v. Jeroschin
kronike von Pruzinlant 149
Strehlke; wann denn in allem ein anfang gewesen ist, ... als habe ... aus seiner wunderbaren erschaffung und schickung ebenermaszen ich auch ein anfang von meinen eltern, welche gott zuvor, gleich wie mich auch, geschaffen hat Schweinichen
denkw. (1878) 9; die erzählung von seiner vierjährigen gefangenschaft, seinem verhalten dabei, und den wunderbaren rettungen gottes ... waren für mich lehrreich und erquikend Schubart
leben (1791) 2, 154; die langsame, stufenmäszige vernichtung der letzten noch übrigen selbständigkeit der deutschen fürsten ... wurde uns zum glück erspart ... durch gottes wunderbare fügung Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 217.
in konkret-sachlicher beziehung soviel wie '
durch ein wunder gottes entstanden, erfolgend': die wunderbare wolck- und feuerssäul (
beim wüstenzug des jüdischen volkes) Dannhawer
catech-milch (1657) 1, 22.
häufig adverbial: dir helff denn wunderbar darvan dein gott und hab dich selb in hut Hans Sachs 12, 503
lit. ver.; gottes vorsehung, die mich aus so vielen gefahren, wo nicht wunderbar doch höchstgütig gerettet hat Bräker
s. schr. (1789) 1, 164.
innerhalb verdünnter und unverbindlicherer religiöser ausdrucksweise: drum hat's der himmel auch recht wunderbar geschicket
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 144; es ist wunderbar, sehr wunderbar, wie die wege der vorsehung sind Stifter
s. w. 1 (1904) 281. 1@bb)
auf die mysterien der christlichen erlösung bezogen: die (
Maria) jn (
Jesus) on mann gantz wunderbar, empfieng, vnd auch on sünd gebar Ringwaldt
evangelia (1581) D 2
a; betrachte nur das wunderbare heilungsmittel (
Christi kreuz) Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 117. 1@cc)
auf die schöpfungswunder gottes verweisend: wir sollen die wunderbare geschöpff gottes mit fleiss betrachten Grimmelshausen 2, 389
Keller; man lief in den garten der predigermönche, wo ein schwein mit stacheln gezeigt wurde, damit man an ihm gottes wunderbare schöpfung schauen könnte G. Freytag
ges. w. 18 (1887) 143. 1@dd)
in der bezeichnung mirakulöser vorgänge: erzelt vil wunderbarer ding, wie sanct Anthoni durch sein güt die sew so gnediglich behüt Hans Sachs 17, 356
lit. ver.; vgl. 392; der graf sei überzeugt, das kind habe wirklich gift genommen, er habe es aber durch sein gebet und durch das auflegen seiner hände wunderbar am leben erhalten Göthe I 23, 301
W. 1@ee)
die bei wunderbar
im allgemeinen sinne begegnende bedeutung '
seltsam, sonderbar' (
s. u. 5)
nimmt im religiösen bereich, in der kennzeichnung gottes (
oder auch Christi)
als des in wesen und handeln völlig unvergleichbaren und souveränen herrn, die nuance '
unbegreiflich, unverständlich, geheimnisvoll'
an, doch ist sie bei wunderlich (
s. d. A 1 e)
sehr viel deutlicher und beziehungsreicher ausgeprägt: ista 6 nomina percurremus. derselbige heilige heiland sol heissen 'wunderbar', wunderlich, seltzam. sein thun und wesen sol ein wunderlich wesen sein (1541) Luther 49, 197
W.; gott ist in translatione dominiorum ein wunderbarer und verborgener gott, und läst offt grosse herrn sehen, dasz die königreich stehen in seiner hand, und er gebe sie wem er wolle Schupp
schr. (1663) 6; da die nachricht (
von Sickingens tode) sich bestätigte,
[] ward er (
Luther) tiefsinnig und brach aus: der herr ist gerecht, aber wunderbar. er will seinem evangelium nicht mit dem schwert helfen Herder 16, 289
S.; wohl wunderbare wege geht die gnade; doch blühend thut sie euch die zukunft auf A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 255. 1@ff)
im bereich heidnischer religion entsprechend, aber sehr viel seltener: götter! näher konnte der blitz, ohne mich ganz zu zerschmettern, nicht vor mir niederschlagen. wunderbare götter! Lessing 2, 97
M.; diesz ist der tag, da Tauris seiner göttin für wunderbare neue siege dankt Göthe I 10, 5
W. 22)
in der kennzeichnung solchen geschehens, das die naturgesetze durchbricht oder zu durchbrechen scheint, aber ohne religiösen bezug; entsprechend wunder II B,
vgl. ostentum wunder, wunderzeichen, ein sältzam wunderbar ding, alles das wider den natürlichen lauff geschicht Frisius
dict. (1556) 936
a;
vgl. 1065
a s. v. prodigium. magisch, zauberkräftig, durch zauber gewirkt: aber die zäubrische dinge empfangen jhre wunderbare krafft, auss dem gestirn, vnnd gewissen stand vnnd lauff dess himmels Nigrinus
von zäuberern (1592) 114; zu Nürnberg ist einer gewesen mit namen Paul Creuz, der eine wunderbare beschwörung gebraucht hat, um die bergmännlein zu zitieren br. Grimm
dt. sagen (1816) 1, 48.
in konkret gegenständlicher beziehung: das wunderbare vogelnest (
im titel) Grimmelshausen 2, 327
lit. ver.; darauf formte sie vermöge des wunderbaren stabes eine grille Musäus
volksmärchen 1, 15
Hempel. die welt des märchens kennzeichnend: märchen, noch so wunderbar, dichterkünste machens wahr Göthe I 1, 159
W.; E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 458.
die sphäre der erscheinungen, träume, visionen und prophezeiungen charakterisierend: desselben jars ... erschinend am himmel vil wunderbarer sternen und ein comet (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 47; denn was ihr ausgerichtet und gethan, kann sich im traum nicht wunderbarer fügen Schiller 13, 302
G.; wunderbare vision, die eine baldige befreiung verkündet Göthe I 43, 354
W.; vgl. 368; 371; auch eine Circe fehlt ihm (
Alexander) nicht auf diesen märchenwegen und wunderbare prophezeiung der zukunft wird ihm zu theil Scherer
lit.-gesch. 92. '
an ein wunder grenzend, wie durch ein wunder': wenn dieser zustand von dauer ist, so ist sie (
Schillers mutter) dem tode wunderbar entgangen (1790) Schiller
br. 3, 3
Jonas; (
er) hatte schlachten mitgemacht, in denen jähe, wunderbare ereignisse ganz zuletzt noch die rettung aus unvermeidlich scheinendem untergang herbeigeführt hatten Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 393. 33)
in einer gewissen entsprechung zu wunder II D
auf die welt der schöpfung bezogen, besonders auf die groszen kosmischen gegenstände und auf den menschen: die betrachtung ... diser zweier grossen wunderbaren fewerigen zundfackeln der gantzen welt (
des monds und der sonne) Sebiz
feldbau (1579) 46; mit ganz andern augen sehen die weltweisen diesen wunderbaren himmelskörper (
den mond) an
anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 41
Gottsched; etwas erstaunenswürdiges ist wohl die wunderbahre bildung eines menschen im mutterleibe Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 2 § 4. 44) '
auszerordentlich, erstaunlich'
in vielfacher beziehung, vgl. wunder II E. 4@aa)
allgemein, soviel wie '
auszerordentlich, ungewöhnlich, bemerkenswert, erstaunlich',
etwa im bereich wunder II E 1
und in sehr verschiedenen beziehungen: doch kund sie das (
ihr rachegelüst) wol bergen mit so wonderbarem erzögen gestiffter lieby, mit sölchem list und geschidikait Steinhöwel
de claris mul. 82
lit. ver.; schöne
[] comedi und tragedi, warhaffte weltliche histori, wunderbare geschicht und thaten, auch kurtzweilige fasznachtspil (
in einem titel) Hans Sachs 18, 1
lit. ver.; ich habe wunderbare begebenheiten gesehen, aber wenig erfreuliches (
beim befreiungskampf eines volkes) Göthe I 18, 38
W.; von seinem muth ... waren die wunderbarsten erzählungen in umlauf Ranke
s. w. (1867) 1, 46.
in leicht gesteigerter bedeutung: anmerkenswerth sind dergleichen figuren (
der hieroglyphenschrift), nicht aber wunderbar: vielmehr müszte man sich wundern, dasz solche (
frühzeitlichen schriftzeichen) nicht viel häufiger auf der erde vorkommen Herder 16, 54
S.; nachdem ... das wunderbare glück Roms sich abermals bewährt hatte Mommsen
röm. gesch. 2 (
131925) 245.
nuanciert als '
unerwartet': man hatte sich auf die gewohnte weise von ... dem wunderbaren umschwunge der dinge unterhalten Immermann
w. 1, 18
Hempel. '
unglaublich, unglaubwürdig': Jaffier, der nun vollkommen beruhigt war, entdeckte ihnen die ganze verschwörung. die sache schien ihnen zu abscheulich und zu wunderbar, um ihr gleich glauben beizumessen Schiller 4, 171
G.; (
Lucinde:) das klingt denn doch sehr wunderbar? (
Claudine:) gewisz! (
Lucinde:) und doch so ists! Göthe I 11, 209
W. im 18.
jh. als spezifischer begriff der poetik, vgl. dazu unten 9 a
δ: da ... die täglichen geschäfte und handlungen der menschen nichts ungemeines oder merkwürdig reitzendes an sich haben, so muszte man nothwendig auf ein neues mittel bedacht seyn, auch der allegorischen erzehlung eine anzügliche kraft und ein reitzendes ansehen mitzutheilen ... so war man bedacht, die erzehlung durch die neuheit und seltsamkeit der vorstellungen wunderbar zu machen Breitinger
in: Lessing 7, 447
M. von der vorstellung des auszerordentlichen und einmaligen her wird in der bedeutung '
bewundernswert, glänzend'
die grenze zum wertbegriff (
s. 6)
erreicht: ainen sun Alexandrum, desz geschichten so wonderbar wǎren, daz vor im kainer was, noch nǎch im geboren ist, der im in weltlichen eren gelichen mOechte Steinhöwel
de claris mul. 206
lit. ver.; der glanz wunderbarer thaten umstrahlt ihn (
den Siegfried der sage) früh Scherer
lit.-gesch. 11.
dies namentlich in der seit alters geläufigen verbindung wunderbar schön, wunderbare schönheit,
in der wunderbar
wohl noch nicht zur bloszen gradbestimmung (
s. d.)
abgesunken ist: die was so wunderbarer schOeny Steinhöwel
de claris mul. 48
lit. ver.; vgl. 23; 79; 80; der wunderpar schönen tochter des künigs Schaidenreisser
Odyssea (1537) 23
b; Agathon war von einer ... wunderbaren schönheit Wieland
Agathon (1766) 1, 8; ein blasses und — so erschien es mir — wunderbar schönes knabenantlitz Th. Storm
s. w. (1900) 8, 43. 4@bb) '
wunder wirkend',
entsprechend wunder II E 2,
gelegentlich in jüngerem gebrauch: man würde den Engländern unrecht thun, wenn man glaubte, dasz die hoffnung der wunderbaren wirkung sie so häufig zu diesem himmlischen bette (
einem elektro-magnetischen bett, das wunderbare heilwirkungen haben soll) führte Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 1, 113; apfelwein, für den der baron, weil er ihm wunderbare heilkraft zuschrieb, eine ... vorliebe hatte Fontane
ges. w. (1905) I 5, 137.
seltener von inneren wirkungen: die zeit hat wunderbare kraft H. Laube
ges. schr. (1875) 2, 40. 4@cc)
in prägnant negativer bedeutung oder doch in der beziehung auf negativ gewertetes, vgl. die in ähnliche richtung zielende anwendung unter wunder II E 3: es war ein wunderbare vnd schwäre zeyt, darinn sich wider einander partheyeten brüder, freund vnd nachbaren Stumpf
Schweizer chron. (1606) 333
a; in diesem jahr kam ... eine seltzame ... bewegung der lufft, wunderbare hagel, vngewitter, donnerstralen, die regeten sich mit grossem schaden des landes, leut vnd viehes Binhardus
thüring. chron. (1613) 54.
vor allem, und bis heute möglich, im sinne von '
unberechenbar, wechselvoll, schwankend, unbeständig':
[] o wie spötlich und wonderbare würkung desz glükrades Steinhöwel
de claris mul. 31
lit. ver.; man durchsinne ... den heutigen eusserlichen zustand der welt, und darin das ballen spiel des ... wunderbahren unvermutheten glükkes Schottel
friedenssieg 8
ndr.; ich, die frei bin nach aller welt berichten, ... ward hier im wunderbaren lauf der dinge zur magd Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 36. 4@dd)
von der vorstellung des auszerordentlichen, ungewöhnlichen her leicht in einen intensitäts- und maszbegriff hinübergleitend, sieh die vergleichbare anwendung wunder II E 4.
in attributivem und prädikativem gebrauch: der dichter (
Virgil) hat die schlangen von einer wunderbaren länge geschildert Lessing 9, 39
M.; der jetzige sklavische verwachsene zustand vieler völker kommt von ihrer wunderbaren vermehrung und doch nicht verhältnissmäszig steigenden kunst
zs. Europa (1803) 2, 187
Schlegel; als mit wunderbarer plötzlichkeit die Riffel selbst das lang ersehnte bot Barth
Kalkalpen (1874) 120.
älter scheint vereinzelt sogar eine prägnante bedeutung '
sehr viel'
möglich zu sein: mein herr Admetus hat manchmal viel gäst gehabt inn diesem saal ausz wunderbaren nation (
plurimarum gentium) W. Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 1, 127
lit. ver. adverbial '
ungewöhnlich, ausnehmend, sehr': darumb daz sie von dem güden ierer fründ wonderbar hǒch ... zuo ierem mann begǎbet ward Steinhöwel
de claris mul. 199
lit. ver.; wunderbar glücklich entsprach diesem drange das deutsche kirchenlied Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 34. 55)
die bedeutung '
auszerordentlich, erstaunlich'
führt leicht zu derjenigen von '
sonderbar, seltsam'
hinüber, die sich, weit über wunder
hinaus, in verschiedenen richtungen entfaltet. in ihr ist die vorstellung der '
verwunderung'
als moment der '
befremdung'
enthalten. in modernem gebrauch haftet sie vor allem dem wort wunderlich (
s. d.)
an, ist aber auch bei wunderbar
gerade jünger noch sehr wohl möglich und z. b. Goethe
noch ganz geläufig; vgl. beispiele synonymen wie ausdrücklich unterscheidenden gebrauchs beider wörter unter wunderlich A 4.
von Campe 5 (1811) 784
b wird wunderbar
als '
wunderlich'
nicht mehr anerkannt, während Adelung
versuch 5 (1786) 301
es für gemildertes seltsam
noch gelten läszt. 5@aa)
in der anwendung auf monströse, abnorme bildungen tierischer oder menschlicher art liegt genaue entsprechung zu wunder II E 1 e
α vor: wunderbare völcker in Thessalia, so vornen ausz menschen, hinden ausz rossz sind Calepinus xi
ling. (1598)
onom. 150
a; man hatte wohl etwas von wunderbaren bastarden zwischen kaninchen und hühnen (!) gefabelt J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 233; (
Hermes:) ihr (
satyr) scheint mir auch so wunderbar. (
satyr:) siehst an mein ungekämmtes haar, meine nackten schultern, brust und lenden, meine langen nägel an den händen Göthe I 16, 89
W. 5@bb)
sonst von dem, was seltsam, sonderbar, komisch aussieht, sich anhört oder sich anfühlt, in persönlicher und gegenständlicher beziehung: ein vogel fürt ein wunderbar geschrey so er den schnabel ins mosz stoszt Frisius
dict. (1556) 167
a s. v. butio; chironomus der im tantz mit den henden wunderbare vnd vielerley bossen treybt Calepinus xi
ling. (1598) 232
a. '
selten, seltsam': auch ist mir beygegangen, ob ein geübter dechiffreur, der noch wunderbarere zeichen zu diviniren hat, hier (
bei der entzifferung einer alten inschrift) nicht gute dienste leisten könnte (1817) Göthe IV 28, 5
W.; vgl. I 2, 142; 19, 34; 52, 229.
mit dem nebensinn '
exotisch': Lilis park ist doch keine menagerie so bunt, als meiner Lili ihre! sie hat darin die wunderbarsten thiere Göthe I 2, 87
W.; vgl. 7, 186.
[] 5@cc)
im sinne von '
sonderbar, merkwürdig'
auf erlebnisse und innere vorgänge bezogen: es kam mich eine sehr wunderbare empfindung an, da wir so an dem forste hinfuhren. aber da ich bey dem vater bin und jeden gegenstand wieder erkenne, der eltern liebe fühle, wird mir leicht und wohl Klinger
w. (1815) 1, 36; als er (
nach einem räuberischen überfall) die augen wieder aufschlug, befand er sich in der wunderbarsten lage (
nämlich verwundet im schosze Philinens) Göthe I 22, 39
W.; vgl. IV 3, 224.
in der anwendung auf geistiges schwingt häufig ein abwertender nebenton '
verwirrend, abstrus, abwegig'
mit: mit mancherley wunderbaren phantaseyen, schweren, auch wol schrecklichen träumen W. Spangenberg
ausgew. dicht. 4
M.; die ... idee (
eine theorie über die erfindung der schrift) hat mir immer wunderbar und durchaus unhaltbar geschienen, sobald man sie allgemein machen will A. v. Humboldt
br. an Welcker (1859) 63. 5@dd)
jünger speziell in der kennzeichnung des gegensätzlichen, des aus extremen zusammengesetzten und gemischten: im athemholen sind zweierlei gnaden: die luft einziehen, sich ihrer entladen; jenes bedrängt, dieses erfrischt; so wunderbar ist das leben gemischt Göthe I 6, 10
W.; vgl. 38, 60; bei einer wunderbaren mischung von äuszerer schwäche und verborgener kraft Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 2, 101. 5@ee)
in der nuance '
unbegreiflich, geheimnisvoll': nein prinz — ich schwörs in ihrer mutter seele — das wunderbare räzel ihres grams, die königin — ich wette — kann es lösen Schiller 5, 11
G.; vgl. 14, 40; 15, 1, 77; dies alles war ihm in einem fast vernichtenden sinne wunderbar (
unbegreiflich, unerklärlich) Gerhart Hauptmann
ausgew. prosa (1956) 2, 104. 5@ff)
der unter c
schon oft mitgegebene abwertende nebensinn tritt auch deutlicher und prägnanter hervor, als '
befremdlich, unerhört, toll, verschroben'
u. ä.: ir gsend, wie sich die gsellen speren, mit wunderbaren wilden sachen woltend sy sich gern luter (
als zeugen) machen H. R. Manuel
das weinspiel v. 3424
ndr.; wann blinde vnd scheele zusammen kommen, führen sie krumme wunderbahre streich Lehman
floril. polit. (1662) 1, 113; ich war veranlaszt, eine kurze relation dieses wunderbaren und unangenehmen vorfalls (
eines nächtlichen ausfalls der Franzosen, der wider alle regeln der kriegskunst geführt war) aufzusetzen Göthe I 33, 278
W.; seine eigene jugend war hingewüstet worden; wunderbare geschichten gingen davon um Fontane
ges. romane u. nov. (1890) 7, 119. 5@gg)
in der beziehung auf personen als '
sonderbar, merkwürdig, schwierig'
hinter dem entsprechenden gebrauch von wunderlich (
s. d. A 4 c
α;
β)
weit zurückbleibend; meist mit negativ wertendem nebenton: ein mercklich volck von spillüten, gauckhlern und wunderbaren abentüren kamend an das hochzit (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 17; je toller wird der krieg, iemehr er krieget jahr. ey, leute, die sehr alt, die werden wunderbar Logau
sinnged. 138
lit. ver.; wunderbarer mensch! musz man sich ihnen gleich stellen, musz man eben so stolz, eben so argwöhnisch, eben so grob seyn, als sie, um ihr elendes vertrauen zu gewinnen? Lessing 2, 115
M.; 't is je 'n wunderbaren kërel; 't is nët, as of hê mal un ferrükt is Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 581
a.
von hier aus eine menschliche veranlagung als '
empfindlich, reizbar'
kennzeichnend: dann der könig von natur eines wunderbaren vnd sehr eifrigen gemüts war, vber alles, was seine königliche hoheit antraff Stumpf
Schweizer chron. (1606) 278
b. 66)
in ganz anderer richtung als unter 5
prägt sich von 4 '
auszerordentlich'
her eine linie aus, auf der wunderbar
im sinne von '
ausgezeichnet, vortrefflich, vollkommen, bewundernswert'
[] usw. einen hoch auszeichnenden wertbegriff darstellt, so flieszend die grenze zu 4
im einzelfall bleiben kann. bestimmte anwendungsbereiche, aber nur z. t. in anlehnung an wunder,
treten hervor. 6@aa)
in der beziehung auf werke und wirkungen der kunst. vornehmlich, wunder II E 6 a
α entsprechend, auf dem gebiet der bildenden künste: dar umb erdǎcht Arthemisia ainem wonderbaren, kostlichen búw, daran nit gesparet ward Steinhöwel
de claris mul. 194
lit. ver.; vgl. 33; 193; ein jeder (
ging) in sein eigen hausz, schön zubereitet vberausz, von gott Vulcano wunderbar Spreng
Ilias (1610) 12
b; so war auch die arbeit des grossen Leonard höchst schön und wunderbar Göthe I 43, 38
W.; vgl. 31; niemand kam in die kapelle mit der wunderbaren spätgotischen decke Renn
adel im untergang (1947) 276.
seltener, und ohne ausgeprägtes vorbild bei wunder,
von den werken und wirkungen der anderen künste, meist jüngeren gebrauchs; nicht selten schwingt hier ein unterton im sinne von '
geheimnisvoll, unbegreiflich'
mit: ob er nicht in wehrenden seinen prob-jahren einst bey dem allein gelehrten blinden poeten gelesen den wunder- vnnd munderbahren vers Moscherosch
gesichte (1650) 2, 246; denn schnell und spurlos geht des mimen kunst, die wunderbare, an dem sinn vorüber Schiller 12, 6
G.; so reizte mich doch die musik, als eine wunderbare sache an sich Göthe I 43, 61
W.; die wunderbare harmonische fortschreitung ... im larghetto des quartetts in es-dur O. Jahn
Mozart (1856) 4, 46;
vgl. 135; 1, 458; 3, 109; je näher ... den dunklen mächten des instinktes, ... desto gewaltiger wächst ihre (
der poesie) wunderbare gestalt O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 38. 6@bb)
im bereich allgemeinerer geistiger fähigkeiten, vorgänge und ordnungen, auch hier jünger gern mit dem unterton des geheimnisvoll-unerklärlichen: un-wieder-ab-treiblich-keit,
etc. da es gleichwol wunderbar in unserer sprache ist, dass zwey, drey, ... sechs stammwörter zusammen können kommen Schottel
haubtspr. (1663) 79; das wunderbare gewebe von naturahndung und geschichtlicher sage Schleiermacher
Platons werke (1804) 6, 20; alle wörter scheinen mir gespaltene und sich spaltende strahlen eines wunderbaren ursprungs (1815) Jac. Grimm
an Savigny 200
Schoof; vgl. 114;
ders., kl. schr. (1864) 3, 237; die einfachste und bekannteste wahrheit erscheint uns augenblicklich neu und wunderbar, sobald wir sie zum ersten male an uns selbst erleben
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 5. 6@cc)
erst seit der zweiten hälfte des 18.
jhs., einflüsse des pietismus und des zeitalters der empfindsamkeit wohl voraussetzend, erfolgt die anwendung auf gefühle, empfindungen und seelische stimmungen im sinne des beglückenden, erfreulichen, tröstenden u. ä. die vereinzelt schon in älterem gebrauch begegnende gleiche beziehung ist wohl noch ganz von 4 a
oder d
her zu werten: dieser und dergleichen discurse wurden von allen ... mit wunderbarer vergnügung angehöret Happel
akad. roman (1690) 447.
im übrigen: göttlich, ja göttlich musz die lehre sein, rief ich aus, die die besten unter den menschen bekennen, die so mächtig siegt, und so wunderbar tröstet Schiller 4, 35
G.; vgl. 15, 1, 5; es ist mir ein wunderbares gefühl wie auch dieses geschäft (
drucklegung der zahmen xenien) zuzurücken anfängt Göthe IV 42, 34
W.; so wunderbar empfand ich es, so neu, dasz noch bestehe freundeslieb und treu! Mörike
ges. schr. (1905) 1, 165; mit dem abklingen des schmerzes kam eine wunderbare erleichterung und frieden über ihn Ina Seidel
labyrinth (1922) 386.
nicht selten als bestandteil gegensätzlicher gefühlsmischung und -spaltung: es ist etwas wunderbarschmerzliches um solch einen begrabenen frühling Hebbel
br. 1, 188
Werner; [] nick mir gewährung mit den finstern brauen, lasz fühlen mich das wunderbare grauen die schmerzenslust am sein bei deinem wehen (
des sturmes)
moderne dichtercharaktere 114
Arent-C.-H. 6@dd)
von naturhaften erscheinungen, den jahreszeiten, der landschaft, ihrer gestalt oder —
jünger —
auch ihrer stimmung: der appril bringt das glentz do har die erd thuot sich uff wunderbar
d. ewigen wiszh. betbüchlin (1518) A 5
a; auf der fruchtbarsten ebene erhebt er (
der berg Tabor) sich und alle reisende sind über seinen wunderbaren anblick einig Herder 12, 151
S.; früh wunderb(are) stimmung ... frühlings thauwetter (1777) Göthe III 1, 34
W.; vgl. IV 3, 44; winterhimmel ..., der in wunderbarer pracht über ihnen glitzerte Fontane
ges. w. (1905) I 4, 32; wenn Amadeus den kopf wendete, konnte er die sternbilder über dem moor sehen, hoch und silbern in ihrer wunderbaren stille E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 401;
vgl. 64; 279. 6@ee)
in auszeichnender beziehung auf personen: sie (
Penthesilea) erzOegt sich ǒch für ander künigin wonderbar in krefften und kriegskünsten Steinhöwel
de claris mul. 113
lit. ver.; dieser Fytze war gar ein wunderbarer mensch. in der reiterei hat er Heintze Bylern erschlagen und den Jacob gefangen gen Trautnaw bracht Hüttel
chron. d. st. Trautenau 45
Schles.; heil sey dem ersten sohne Theresiens, ... dem wunderbaren jungen manne (
Josef II.) Eschenburg
beispielsammlung (1788) 4, 321.
jünger meist in gesteigertem sinne, den genialen oder innerlich vollkommenen menschen kennzeichnend: des auszerordentlichsten und wunderbarsten aller schriftsteller (
Shakespeare) Göthe I 21, 309
W.; (
von Tasso gesagt) 10, 111; es gibt auch im leben die wunderbaren menschen, denen wie durch einen geheimen bann die herzen zufliegen Nic. Hartmann
ethik (
21935) 459.
von hier aus: ich halte sie für einen groszen, wunderbar begabten mann Immermann
w. 1, 22
Hempel. 6@ff)
über die obigen anwendungen hinaus in den verschiedensten beziehungen. 6@f@aα)
in attributiver stellung oder als adverb neben einem adjektiv. oft noch als hoch auszeichnendes epitheton zu werten: in seinem wunderbaren gedächtnisz erhält sich alles ohne wandel und abgang Sturz
schr. (1779) 1, 67; ein hohes schmales glas von einem wunderbar bläulichen lichtglanz Storm
s. w. (1900) 2, 255; ein verderblicher krieg ..., der wunderbare kulturen vernichtet Carossa
tag d. jungen arztes (1955) 38.
sonst in jüngerem und jüngstem gebrauch mit deutlich absteigender tendenz, als farblos auszeichnendes beiwort ohne stärkeres gewicht: gestern hatten wir recht schön und wunderbaar wetter Göthe IV 5, 1
W.; er kannte die buben alle bei namen und erzählte ihnen von den papageien die wunderbarsten und ergötzlichsten geschichten Storm
s. w. (1900) 7, 287.
so auch in die umgangssprache und in banale zusammenhänge eindringend: die wunderbarsten schmuckkämme für die dorfschönen und dienstmägde G. Keller
ges. w. (1899) 4, 216; unser erster klassenlehrer zum beispiel kam niemals anders zur schule als mit einem wunderbar glänzenden zylinder E. Wiechert
wälder u. menschen (1936) 122; oh, wir werden wunderbare sachen einkaufen Fr. Wolf
besinnung (1947) 93.
gern in ironischem gebrauch: wunderbarer trost! zwar das soll er wohl auch nicht seyn — sie sagen nur so einige worte Iffland
theatr. w. (1827) 1, 86; ich musz zu meiner schande gestehen, dasz diese ... stadt Schlesiens mir damals ganz unbekannt war, dank einem wunderbaren geographieunterricht, der mir sämmtliche gröszere nebenflüsse des Amazonenstromes ... ins gedächtnisz geprägt hatte H. Seidel
vorstadtgesch. (
21880) 125. 6@f@bβ)
adverbial neben verben. selten mit vollem gewicht: weil dein erlauchter geist noch viel zu ende bringet davon der anfang ihm so wunderbar gelinget Pietsch
geb. schr. (1740) 122;
[] sehr wunderbar drängt sich in dieses jahr soviel (
an eigener literarischer produktion) zusammen. heilsam und gesegnet, dasz auf eine lange stockung wieder eine lebensregung sich rührt (1786) Göthe IV 8, 77
W. meist, wie oft auch unter α,
abgeschliffener und mehr im ton der umgangssprache: eines tags erbeuteten wir ein ganzes nest voll junger krähen; die muszt ihm seine hausehre wunderbar präparieren Bräker
s. schr. (1789) 1, 59; aber es glückte wunderbar: am andern morgen war sie eine frohe witwe Storm
s. w. (1900) 6, 294; es war mir nicht alles klar geworden, aber es gefiel mir doch wunderbar Winnig
frührot (1926) 95. 77)
die bei wunderlich (
s. d. B)
nicht seltene, von wunder I
herzuleitende bedeutung '
verwundert, staunend'
scheint bei wunderbar
kaum möglich, doch vielleicht so: wie wunderbar die affen des buttenkrämers kram begaffen? Fischart
flöhhatz 67
ndr. 88)
in einer reihe fester, besonders verbaler wendungen, meist zu mehreren der obigen bedeutungen gleichzeitig. 8@aa) es ist wunderbar
mit abhängiger aussage, seit alters formelhaft im sinne einer feststellung: so ist daz wundernbere daz dir nu vor in allen die wisheit ist gevallen
kl. mhd. erz. III 178, 552
Rosenhagen; es wAere wonderbar zesagen, daz ain frowen bild so hohe vernunft haben sOelte Steinhöwel
de claris mul. 292
lit. ver.; vgl. 230; 224; allein (
es) ist wunderbar, dass Vilmars adlersaugen nur in die weite sehn, und nichts zu hause taugen Grob
dichter. versuchgabe (1678) 71.
in vergleichender abgrenzung gegen verwandte, aber schwächere begriffe: es ist nicht wunderbar, aber es erregt doch verwunderung, wenn man bei betrachtung einer literatur, besonders der deutschen, beobachtet, wie eine ganze nation von einem einmal gegebenen und in einer gewissen form mit glück behandelten gegenstand nicht wieder loskommen kann Göthe I 27, 37
W.; daher ist es betrachtenswerth, ja wunderbar, wie der mensch ... immer noch ein zweites (
leben) ... führt Schopenhauer
w. 1, 133
Gr. seltener in der speziellen zugehörigkeit zu 6 c,
eine empfindung kennzeichnend: ach, es war einfach wunderbar, in seiner (
des generals) gesellschaft zu sein A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 158. 8@bb) jmd. ist etwas wunderbar, a
gegenüber einschränkend im sinne eines subjektiven urteils: und dis war allen wassertrinckern wunderbar Klopstock
oden 1, 26
M.-P.; dem kinde ist ja alles noch wunderbar, was es schaut und hört Heinr. Hoffmann
der Struwwelpeter, vorrede. daneben anders, einen seltsamen gemütszustand kennzeichnend, etwa im sinne von 5 c
oder auch 6 c: mir ist ganz wunderbar geworden auf dem wege (
nachts durch die straszen). es sind mir so viele sachen auf einmal und durch einander eingefallen, — und das was mich im tiefsten meiner seele beschäftigt Göthe I 9, 134
W.; vgl. 124; damals ... mir ist ganz wunderbar. wie ich ein junge war ... mir ist so wohl ... weh. — wärme. — — wie im vorfrühling — wenn man hinausgeht Hirschfeld
die mütter (1896) 88.
hierher auch: es ward mir wunderbar zu muth, als ich aus vollem tageslichte schnell hinein trat (
in den dunklen turm des astrologen) Schiller 12, 140
G. 8@cc)
als bloszer ausruf, verkürzt aus a: wunderbar! dieser mann gewinnt die achtung und liebe aller menschen, wohin er auch kommt J. H. Voss
Odyssee 172
Bernays; recht wunderbar! dasz in dem momente, wo man die innungen aufhebt, neue innungen sich bilden Göthe IV 28, 120
W. [] 8@dd)
als glied der adverbialen wendung wunderbarer weise
oder auf wunderbare weise.
selten in religiösem sinne: hailand der hoffenden, beweis in sonderhait, zu wider daenen so sich deiner rechten auflaenen, dein' guten wuonderbarer weis Melissus
psalmen 56
ndr. oft '
auf ungewöhnliche'
oder '
in auszerordentlicher weise': allerhand mitgebrachte und von der natur wunderbarer weise gebildete seltzamkeiten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 504; wo ihnen (
den ameisen) einmal an einem ort einzunisten zugelassen wird, vermehren sie sich wunderbarer weise Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 424.
auszeichnend auf geistige oder seelische vorgänge bezogen: wie das lautere gold ... der hochdeutschen sprache ..., so wunderbahrer weise ... entsprüsset Zesen
rosenmând (1651)
titelbl.; bald fühlte ich mich, mir selber zum trotz, auf wunderbare weise erheitert Ric. Huch
triumphgasse (1902) 6.
von 5
her heiszt auf wunderbare weise '
auf sonderbare, seltsame weise': die wirbel (
des tabakrauches) drehen sich auf wunderbare weise, wie in Cartesens luft die länglicht runden kraise Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 24.
die wendung wunderbarer weise '
seltsamer, erstaunlicher weise'
dagegen wird meist zusammengeschrieben (
s. wunderbarerweise): und wunderbarer weise fand er hier anerkennung Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 40. 99)
häufig als substantiviertes neutrum gebraucht. 9@aa) das wunderbare, etwas, nichts wunderbares
in selbständiger anwendung, vornehmlich zu begrifflicher bestimmung oder benennung und fast ausschlieszlich in jungem gebrauch. 9@a@aα)
im religiösen oder sonst übernatürlichen bereich: vom wunderbaren (
den sich ereignenden wundern) bei der Mosaischen gesetzgebung und reise Herder 12, 311
S.; vgl. 16, 387; 19, 246; das mittelalter lebte im wunderbaren, das jenseits war ihm wirklicher als die wirklichkeit, das diesseits ein wertloses provisorium Dehio
gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 136; (
Aristoteles) will, dasz auf der bühne alles natürlich geschehen, und sich in einem fortgehenden faden aus der menschlichen seele selbst entwickeln sollte. die maschienen des wunderbaren erlaubt er nur auszerhalb der handlung Herder 16, 95
S.; das übernatürlich wunderbare gewinnt zusehends gröszeren raum (
im mhd. volksepos) Scherer
litt.-gesch. 7131.
gern im rahmen der grundsätzlichen und kritischen auseinandersetzung mit dem wunder, vgl. wunder II C: in seinen (
des arztes Gmelin) anpreisungen des magnetism ist mir zu viel neigung für das wunderbare (1793) Schiller
br. 3, 352
Jonas; es gibt nichts wunderbares Büchner
kraft u. stoff (1856) 31. 9@a@bβ)
seltener zu oben 3,
von gegenständen der schöpfung: kaum ist dein aug entzückt, so ist es auch dein geist, dem jedes grases bau was wunderbares weist Schwabe
belust. (1741) 1, 129. 9@a@gγ)
das auszerordentliche, ungewöhnliche im sinne von oben 4: auch was er (
Ulsheimer) daselbsten wunderbares gesehen und auszgestanden J. Ulsheimer
rayszbuoch (1622) 91; nicht dasz ich denke, dasz mein schicksal für andre etwas seltenes und wunderbares enthalte Bräker
s. schr. (1789) 1, 2. 9@a@dδ)
sowohl von α wie von γ her versteht sich die in der poetik des 18.
jhs. viel erörterte begriffsbestimmung des wunderbaren,
wie sie Bodmer
und Breitinger,
teils mit Gottsched
einig, teils gegen ihn, vertreten. in ihr ist das wunderbare,
dessen zulässigkeit für die dichtung unter dem kriterium des wahrscheinlichen geprüft wird, im weiteren (
unangefochtenen)
sinne das ungewöhnliche, fremdartige, im engeren (
umstrittenen),
als der '
höchste grad'
des ungewöhnlichen, das übernatürliche und alles nicht in der menschlichen erfahrung, sondern in der phantasie wurzelnde, soweit es, wenn nicht als wirklich, so doch als möglich gedacht werden kann: J. J. Bodmer critische
[] abhandlung von dem wunderbaren in der poesie und dessen verbindung mit dem wahrscheinlichen (1740)
titel; nachdem man ... wahrgenommen, dasz allein das seltene, neue und wunderbare, eine solche erweckende und angenehm entzückende kraft auf das menschliche gemüth mit sich führet (
in der erzählkunst) Breitinger
bei Lessing 7, 447
M.; wenn denn die entfernung (
des poetisch dargestellten von den begriffen des lesers) so weit fortgehet, bisz eine vorstellung unsern gewöhnlichen begriffen, die wir von dem ordentlichen lauf der dinge haben, entgegen zu stehen scheinet, so verliehret sie den namen des neuen, und erhält an dessen statt den nahmen des wunderbaren Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 129; die poetische erzählung (
musz) wunderbar seyn ... es ist also eine grosze kunst, das wahrscheinliche mit dem wunderbaren geschickt zu verbinden Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 497.
noch erörterungen Goethe
s stehen in der tradition dieser begriffsbestimmung: die ritterromane lassen noch mehr die unbequemlichkeit des wunderbaren fühlen ... die helden sind riesenmäszig, die leidenschaften überschreiten die wahrheit Göthe I 40, 211
W.; ohne zweifel erlaubt uns die hohe metaphysik anzunehmen, dasz es über unsere fassungskraft gedanken, gegenstände, wahrheiten und wesen gibt, die über alle unsere begriffe reichen; aber da wir von diesen abstracten regionen nicht den mindesten begriff haben, so können wir, selbst mit unserm wunderbaren, ihnen nicht näher kommen; das wunderbare bleibt vielmehr unter der wirklichkeit, die wir kennen
ebda 214.
auszerhalb der eigentlichen theorie, aber von da her zu deuten: so sorgfältig ich in allen meinen schriften das wunderbare vermeide, so musz ich dennoch meine leser gleich anfangs mit einer mordgeschichte unterhalten Sturz
schr. (1779) 2, 25. 9@a@eε)
in speziellen und allgemeinen anwendungen von 6
das unbegreiflich vollkommene, im sinne hoher auszeichnung und wertung: wie ist doch die musik so etwas höchst wunderbares, wie wenig vermag doch der mensch ihre tiefen geheimnisse zu ergründen! E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 29
Gr.; die echte nächstenliebe ist im grunde etwas höchst wunderbares — ein phänomen, dessen blosze anerkennung schon eine gewisse kraft des glaubens erfordert Nic. Hartmann
ethik (
21935) 16.
modern so oft in einem hohen, im übrigen aber unbestimmten sinne: an die erträumte. stetes bild des wunderbaren! alles licht, es zu bewahren, bist du, kraft, die auf dem klaren glauben fuszt Weinheber
späte krone (1936) 85; (
die philosophische ethik) hat darum auch wieder den mut zur ganzen metaphysischen schwere der probleme — aus dem bewusztsein des ewig wunderbaren und unbewältigten heraus Nic. Hartmann
ethik (
21935) 16. 9@bb)
in der verbindung mit abhängigem genitiv dort, wo das an einer sache, einem vorgang, einem begriff hängende merkmal des wunderbaren
herausgestellt werden soll: aber diese (
körperlichen gebrechen) durch geistige, oder geistigen ähnliche mittel aufheben, lindern, ist auszerordentlich und eben daher entsteht das wunderbare des wunders Göthe I 24, 251
W.; wir nehmen das wunderbare dieser tatsache (
dasz Knechts ende legende wurde) hin und freuen uns des wunderbaren H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 66. 9@cc) das wunderbare an
oder in etwas
mit gleichem ausdruckswert wie die genitivische verbindung unter b: (
es) ist nicht werk der philosophie, das wunderbare in diesen momenten zu erklären Herder 5, 95
S.; darin lag für Diogenes eben das wunderbarste, dasz viele erscheinungen auf seiner reise mit den zu Ezzelbrunn erlebten vollkommen gleich waren Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 63; das ist ja gerade das wunderbare am glauben, dasz er von selbst wirkt ohne überzeugung W. Hauff
s. w. (1890) 2, 221.
auch in der beziehung auf eine person: nun
[] aber sagt doch, was so wunderbares an diesem mann? Schnitzler
d. grüne kakadu (1899) 9.