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Furcht

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
22 in 19 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Furcht

Bd. 7, Sp. 214
Furcht ist der Affekt, der aus der Vorstellung eines künftigen (wirklich oder vermeintlich bevorstehenden) Übels entsteht. Ihren seelischen Wirkungen nach gehört sie zu den niederdrückenden und lähmenden Affekten: die ganze Vorstellungstätigkeit ist mehr oder weniger auf den einen (gefürchteten) Gegenstand beschränkt, das Denken also gehemmt, der Wille durch den Trieb, dem bevorstehenden Übel zu entgehen, ausschließlich beherrscht oder bei höhern Graden der F. ganz gelähmt. Äußerlich macht sich die F. bemerklich durch Unruhe der Bewegungen oder starre Bewegungslosigkeit, durch Zittern, Erbleichen etc., Symptome, an denen das Vorhandensein dieses Affekts auch bei vielen Tieren erkannt werden kann. Minderer Grad der F. heißt Bangigkeit, höhere Grade derselben sind Angst und Entsetzen. Die F. vor einem Unbekannten macht das Grauen, die dauernde F. vor einem nur vermuteten Übel die Sorge aus. Gegenteil der F. ist die Hoffnung (s. d.). Wie bei allen Affekten kommt es auch bei der F. auf die subjektive Disposition mehr an als auf den objektiven Anlaß; letzterer ist oft nur eine eingebildete Gefahr, und die bessere Einsicht (des Kulturmenschen gegenüber dem Naturmenschen, des Erwachsenen gegenüber dem Kinde) entzieht in vielen Fällen der F. den Boden, wenn auch das stoische Ideal des völlig furchtfreien Weisen der Menschennatur widerspricht. Ferner lassen Selbstvertrauen und (physisches oder moralisches) Kraftgefühl naturgemäß die F. weniger leicht aufkommen als Mißtrauen gegen sich selbst und Schwächegefühl; letztere bedingen gewöhnlich eine habituelle Neigung zur F., die Furchtsamkeit, während erstere die Grundlagen des Mutes bilden. Soweit jene auf physischen Ursachen beruht, läßt sie sich natürlich auch nur durch deren Hebung beseitigen; sofern die Gründe derselben psychologische sind, kann die Erziehung ihr dadurch, daß sie den Furchtsamen seine eignen Kräfte erproben, die äußern Dinge richtig beurteilen und das Unvermeidliche geduldig erwarten lehrt, erfolgreich entgegenarbeiten. Im geselligen Verkehr tritt die Furchtsamkeit als Schüchternheit und, wenn sie aus Selbstsucht geheuchelt wird, als Kriecherei auf. – Der von F. Ergriffene zeigt eine Reihe von Symptomen, die als charakteristischer Ausdruck seines Affektes erscheinen. Man kann die F. als einen Erwartungsaffekt bezeichnen, der mit der Vorstellung eines die geistige oder körperliche Gesundheit beeinträchtigenden Ereignisses verknüpft ist. Ost entsteht die F. sekundär aus der Angst. Die körperlichen Symptome der F. sind bekannt. Hierher gehört das Herzklopfen, die Atembeklemmung, das Aufschreien und Erblassen. Diese und viele andre Erscheinungen kommen durchaus unwillkürlich, nach Art der Reflexe, zustande. Das Erblassen beruht auf einer Zusammenziehung der Blutgefäße des Gesichts; daß auch bei Tieren die F. ähnliche Folgen hat, lehrt die Betrachtung des Kaninchenohrs, dessen Blutgefäße schon infolge eines Schreies, eines Pfiffs etc. sich verengern. Auch die Fluchtbewegung wie die Umwandlung des Gesichtsausdrucks entstehen unwillkürlich. Ein bemerkenswertes Symptom der F. ist das Zittern; manche Tiere zittern bei schreckhaften Eindrücken so heftig, daß sie nicht mehr zu entfliehen vermögen. Andre werden durch die F. geradezu gelähmt (Schrecklähmung oder Kataplexie, s. d.). Das »Sichtotstellen« mancher Käfer dürfte hierher gehören. Weitere Erscheinungen an der Willkür entzogenen Organen sind: das Schwitzen (Ausbrechen des Angstschweißes); die Zusammenziehung der Blasenmuskeln, die zu Harndrang und sogar zu unwillkürlicher Harnentleerung führen kann; Beschleunigung der Darmbewegung, durch welche Durchfall entsteht; Pupillenerweiterung, die bei furchtsamen Tieren oft schon bei leisen Geräuschen eintritt; Gänsehaut und Sträuben der Haare, beide auf einer Zusammenziehung der glatten Muskeln der Haut beruhend. Meist beschleunigt sich, zuweilen aber stockt die Atmung infolge eines Schreckens: ein Kind z. B. fällt hin, beginnt aber erst eine Zeitlang nachher heftig zu schreien; hier versagte anfangs der Atem (vox faucibus haesit). Die F. soll sogar plötzlichen Tod herbeiführen können. Daß Krankheiten, besonders nervöse, durch F. erzeugt werden können, ist zweifellos. Auch verlieren Menschen infolge der F. die Sprache dauernd, andre gewinnen die früher verlorne durch einen Schreck plötzlich wieder. Ob die Erzählungen vom plötzlichen Ergrauen der Haare auf wirklichen Tatsachen beruhen, muß dahin gestellt bleiben. Ganz unter dem Bilde der F. verlaufen die nächtlichen Anfälle erregbarer Kinder (pavor nocturnus): das Kind erwacht einige Stunden nach dem Einschlafen mit heftigem Geschrei und Zittern, der Gesichtsausdruck ist schreckhaft, die Atmung und der Herzschlag ist beschleunigt, das Bewußtsein geschwunden, die Sprache verwirrt; es gelingt meist erst nach mehreren Minuten, das Kind zu erwecken und zu beruhigen. Vgl. Mosso, Die F. (deutsch von Finger, Leipz. 1889).
4912 Zeichen · 61 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    furcht

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    furcht , furchte s. vurch.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Furcht

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Die Furcht , plur. car. die Unlust über ein bevorstehendes Übel, es mag nun wirklich, oder nur in der Einbildung bevorst…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Furcht

    Goethe-Wörterbuch

    Furcht mit gut 400 Belegen deutl bevorzugt gegenüber ‘Angst’ (knapp 150 Belege), davon fast 300 in literar Werken; häufi…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Furcht

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Furcht ist der Affekt, der aus der Vorstellung eines künftigen (wirklich oder vermeintlich bevorstehenden) Übels entsteh…

  5. modern
    Dialekt
    Furcht

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB Furcht [Forχt Hi. ; Fóχt M. ; Fùrìχt Ingenh. ] f. Furcht, Angst. Wü ke i n e F. is t , is t au ch ke i …

  6. Sprichwörter
    Furcht

    Wander (Sprichwörter)

    Furcht 1. Aus Furcht vor Tauben muss man das Säen nicht lassen. Die Basken sagen: Der, welcher sein Feld vor Furcht vor …

  7. Spezial
    Furcht

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Furcht f. (-) 1 (Angst) tëma (tëmes) f. 2 (Entsetzen, Schreck) spavënt (-nc) m. 3 (Besorgnis) pora (pores) f. , tëma (të…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit furcht

127 Bildungen · 77 Erstglied · 46 Zweitglied · 4 Ableitungen

furcht‑ als Erstglied (30 von 77)

Furchtarsch

SHW

Furcht-arsch Band 2, Spalte 1011-1012

furchtbar

SHW

furcht-bar Band 2, Spalte 1011-1012

Furchthase

SHW

Furcht-hase Band 2, Spalte 1013-1014

Furchtkopf

SHW

Furcht-kopf Band 2, Spalte 1013-1014

furchtbar

DWB

furcht·bar

furchtbar , adj. furcht hervorbringend, furcht bewirkend. es findet sich weder ahd. noch mhd. und nhd. nicht vor der zweiten hälfte des 17. …

furchtbarböse

DWB

furchtbar·boese

furchtbarböse , adj. furcht erweckend böse: siehe da trat entgegen dem furchtbarbösen gedanken ( Coriolans ) unbewaffnet ein weib, und sie e…

furchtbardrohend

DWB

furchtbar·drohend

furchtbardrohend , adj. zu und mit hervorbringen von furcht drohend: und wie dein ( prinz Ferdinand von Wirtemberg ist angeredet ) federbusc…

furchtbarertönend

DWB

furchtbar·er·toenend

furchtbarertönend , adj. zur furcht ertönend: zwo mücken mit groszen furchtbarertönenden kriegsposaunen. Chr. Stolberg ged. (1821) 2, 227 .

furchtbarfeierlich

DWB

furchtbar·feierlich

furchtbarfeierlich , adj. , dann adv.: furcht erweckend feierlich. furchtbarfeierlich, indem er die hand auf ihren ( Luisens ) kopf sinken l…

furchtbarflammend

DWB

furchtbar·flammend

furchtbarflammend , adj. mit und zu erweckung von furcht in flammen brennend. dann: gleich flammen glänzend so dasz furcht entsteht oder ein…

furchtbarfrei

DWB

furchtbar·frei

furchtbarfrei , adj. , dann auch adv.: frei und zugleich durch und für die freiheit furcht erweckend. wir, die uns kranker wollust weihn, ge…

Furchtbargroß

Campe

furchtbar·gross

◬ Furchtbargroß , adj . u. adv . groß und zugleich furchtbar, oder durch seine Größe furchtbar. Klein fühl' ich mich in diesem Furchtbargroß…

furchtbargrosz

DWB

furchtbar·grosz

furchtbargrosz , adj. durch überwältigende grösze furchtbar. vgl. DWB furchtbar sp. 692 unten. in der unermeszlichen ausdehnung furchtbar: k…

furchtbarhehr

DWB

furchtbar·hehr

furchtbarhehr , adj. furcht erweckend und zugleich feierlich erhaben: die Erinne, die furchtbarhehre, vollbrachte des vaters Ödipus fluch! F…

furchtbarkeit

DWB

furchtbar·keit

furchtbarkeit , f. 1 1) der zustand oder das wesen eines dinges, furchtbar zu sein. furchtbarkeit, terrefactio, terribilitas, formidabilitas…

furchtbarlich

DWB

furchtbar·lich

furchtbarlich , adj. , dann auch adv. und dies in folgenden stellen: mein herr weisz anders nicht, als ich sei fort, und drohte furchtbarlic…

furchtbarlieb

GWB

furchtbar·lieb

furchtbar-lieb zu furchtbar 3, wohl oxymoronisch iS einer (ossianischen) Doppelempfindung [ Stella: ] heiliger Mond .. wo du mit furchtbar l…

furchtbarstumm

DWB

furchtbar·stumm

furchtbarstumm , adj. furcht erweckend stumm: die menschen, deren trost ich such, sind geister, die im leichentuch mich ansehn bleich und fu…

furchtbarwild

DWB

furchtbar·wild

furchtbarwild , adj. furcht erregend wild: da schlug, mit furchtbarwildem angstgeschrey, ergriffen von der fallsucht, neben mir, zur erde Ro…

furchtbarwütend

DWB

furchtbar·wuetend

furchtbarwütend , adj. mit verbreiten von furcht wütend. die, einen schlangenkranz im haar, ... verwüstend in der tiefe lacht, geflohn auf i…

furchtbeherzt

DWB

furcht·beherzt

furchtbeherzt , adj. beherzt aus furcht vor angedrohtem oder dem der androht: die meisten sind furchtbeherzt. man jagt sie zu einer that. Me…

furchtbild

DWB

furcht·bild

furchtbild , n. ein furcht hervorbringendes oder furcht erweckendes bild. auch ein aus einer furcht hervorgehendes und furcht bewirkendes bi…

furchtbor

MeckWB

furcht·bor

Wossidia furchtbor furchtsam: seggt, he sull nich furchtbor sin (1900) Wa Waren@Lansen Lans .; ick wir nich furchtbor vör sonn' Kram (1929) …

furchteinflößend

DWB2

furchteinflößend adj. : 1871 Darwin, abstammung 2 1,180. 1969 Perrault, rote kapelle 51.

furchteinjagung

DWB

furchteinjagung , f. , das subst. von furcht einjagen. Melissus ps. L 5 b . s. DWB furcht 1).

furcht als Zweitglied (30 von 46)

Ehrfurcht

RDWB1

Ehrfurcht f (kein Bezug zu "страх") почтение, почитание, трепет, благоговение tiefe Ehrfurcht - священный трепет устойч. , глубокое почтение…

blitzdurchfurcht

DWB

blitzdurchfurcht , mit blitzdurchfurchter stirne. Schubart ged. 1, 442 .

ehrenfurcht

DWB

ehren·furcht

ehrenfurcht , f. reverentia, für ehrfurcht: das wir es in aller erenfurcht annemen. Melissus ps. L 7 b .

ehrfurcht

DWB

ehr·furcht

ehrfurcht , f. reverentia, veneratio, ein erst spät aufgekommnes wort, bei Keisersberg und Luther , Dasypodius und Maaler nicht zu finden, d…

fürstenfurcht

DWB

fuersten·furcht

fürstenfurcht , f. 1 1) furcht vor einem fürsten oder fürsten in hinsicht der macht oder des misbrauches dieser, überhaupt dessen was von ei…

gewitterfurcht

DWB

gewitter·furcht

gewitterfurcht , f. , vgl.: die groszen und reichen, die sich vor dem gewitter fürchten Lichtenberg über gewitterfurcht und blitzableitung (…

gottesfurcht

DWB

gottes·furcht

gottesfurcht , f. , die grundhaltung rechter frömmigkeit. nach Ruppel rückbild. dt. subst. aus adj., diss. Freiburg (1911) 42 u. Henzen dt. …

grabendurchfurcht

DWB

-durchfurcht ( von einer schützengrabenlandschaft ) R. Hoffmann d. dt. soldat (1937) 168 ;

gramdurchfurcht

DWB

-durchfurcht Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 3, 648 ,

gramgefurcht

DWB

-gefurcht Gaudy s. w. (1844) 4, 70 ; Weinheber späte krone (1936) 88 ,

Kriegesfurcht

GWB

krieges·furcht

Kriegesfurcht in elliptischer Fügung ‘K. und Ereignisse’ jedes künstlerische Bestreben durch K. und Ereignisse [>Furcht vor immer näher hera…

Kriegsfurcht

Wander

kriegs·furcht

Kriegsfurcht Kriegsfurcht ist schlimmer als Krieg. It. : Peggio è la paura della guerra, che la guerra stessa. ( Bohn I, 119. )

menschenfurcht

DWB

menschen·furcht

menschenfurcht , f. furcht vor menschen ( ihrem urtheil oder ihrer strafe ): wenn ich noch oft aus stolz nach tugend strebe, aus menschenfur…

nachtfurcht

DWB

nacht·furcht

nachtfurcht , f. timor nocturnus: wer den stain ( chrysolith ) in golt hegt, den sichert er vor nahtvorhten. Megenberg 442, 16. 22 ; er vert…

neulingsfurcht

DWB

neulings·furcht

neulingsfurcht , f. die furcht eines neulings: der traum, der mich gequält, war neulingsfurcht, der harte übung fehlt. Tieck Macb. 3, 4 (ein…

Opferfurcht

GWB

opfer·furcht

Opferfurcht für das Grauen vor einer durch sukzessive Verstümmelung erfolgenden Hinrichtung 1) Menelaus Rache Deiphobus O. GWB 15 2 ,227 Fau…

pöbelfurcht

DWB

poebel·furcht

pöbelfurcht , f. : Daniel. gott sei euch gnädig! Franz. pöbel - weisheit, pöbelfurcht! — es ist ja noch nicht ausgemacht, ob das vergangene …

pulverfurcht

DWB

pulver·furcht

pulverfurcht , f. furcht vor dem schieszen, vgl. DWB pulverscheu : bis mir .. seine lächerliche pulverfurcht in den sinn kam, und ich sagte …

scheinfurcht

DWB

schein·furcht

scheinfurcht , f. 1) timor simulatus. Stieler 588. 2 ) furcht vor dem scheine. Campe ( mit beleg ).

sklavenfurcht

DWB

sklaven·furcht

sklavenfurcht , f. furcht eines sklaven, sklavische furcht. Campe, mit folgendem beleg: die garstigste mischung von sklavenfurcht und dummhe…

sterbensfurcht

DWB

sterbens·furcht

-furcht , f. , todesangst: die angst, die sterbensfurcht ist herber als der tod Lohenstein Agrippina (1685) 78 ; Pietsch geb. schr. (1740) 2…

stirngefurcht

DWB

stirngefurcht , adj. : des lebens wendung, nicht will ich sie schelten, die in der denker stirngefurchte reihn ... weitab mich trug vom heit…

Ableitungen von furcht (4 von 4)

furchte

DWB

furchte , f. , s. DWB furcht .

unfurcht

DWB

unfurcht , f. , securitas, confidentia Stieler 588 : diese u. und sicherheit verdammt .. alle ire thun Luther ausl. d. 1 . buszpsalm. 1, 21 …

verfurchten

RhWB

ver-furchten -o- Saarl-Berus : furchtsam, ängstlich.