furche,
f. 11)
eine durch das einschneiden des gezogenen pfluges in die erde entstehende sich linienartig erstreckende vertiefung, sulcus, lira. ahd. furuh, furah, furih, furh,
mhd. vurch,
ags. furh, fur,
engl. furrow;
goth., alts., altn. nicht nachzuweisen. es entspricht der lautverschiebung gemäsz dem lat. porca,
das zwischen zwei furchen in die höhe gestrichene erdreich, welches wort, zunächst das weibliche schwein bezeichnend, das femininum von porcus,
männliches schwein, ist. steht dies richtig, dann rührt ähnlicher weise ahd. furuh
an farah, farh,
männliches schwein, ferkel (
s.farch),
wie denn auch Jacob Grimm
gesch. d. d. spr. 1, 57 furuh
nach farah
genannt scheint, was übrigens so zu verstehn sein dürfte, dasz beiden ein erloschenes goth. wurzelverbum faírhan
praet. sg. farh
pl. faúrhun,
ahd. fërhan
praet. sg. farh
pl. furhun,
etwa in der bedeutung »
wühlen«
zu grunde liegen würde, dessen praeteritalformen eben jene beiden entsprossen seien. bestätigung scheint zu geben, dasz das schwein ein erdwühlendes thier ist und, wie es mit seinem rüssel, der pflug mit seiner schar die erde gleichsam gangweise aufwirft. wurde doch ein grund der bei unsern deutschen voreltern vorkommenden heilighaltung des ebers darin gefunden, dasz derselbe die erde aufwühlt und die menschen von ihm das pflügen gelernt haben. s. mythol. 632.
auch die serbische thierfabel läszt das schwein mit seinem rüssel das feld aufackern. vgl. Reinhart CCXCI und gesch. d. d. spr. a. a. o. überhaupt aber wird der pflug mehrfach einem thiere verglichen, besonders ein über der erde befindlicher haupttheil, die handhabe, einem gehörnten, denn diese heiszt argauisch geisz
f., schwäb. geize
f. (Schmid 226),
wetterauisch reh
n., rehhorn
n., und schon mhd. findet sich swen sî dën pfluoc begrîfent bî dëm horn.
MSH. 213
b, 9.
verglich man nun so das hintere ende mit einem gehörnten thiere, das man mit der hand lenkte, so lag gewis nahe, bei der schar an das erdaufwühlende schwein zu denken. abstammung von fahren
dagegen, die D. v. Stade
in seiner erklärung d. deutschen wörter in Luthers
bibelübers. (1737)
s. 227
und Adelung
für furche
annahmen, ist unmöglich, da dieses verbum den ablaut uo,
aber nicht u
zuläszt. doch sind beide, furche
und fahren,
in so fern verwandt, als sich für dieses fahren
wie für das goth. wurzelverbum faírhan,
ahd. fërhan,
ein gemeinsames älteres goth. wurzelverbum faíran
praet. sg. far
pl. fêrun
p. p. faúrans, =
ahd. fëran
praet. sg. far
pl. fârun
p. p. foran
annehmen läszt, welches durchdringen bedeutet haben wird. s. fahren
wb. 3, 1247
und vgl. auch furcht.
Die älteste nhd. form ist, wie sich aus dem ahd. und mhd. ergibt, auch der voc. theut. 1482 i 6
a,
der voc. gemma gemmarum o 5
d u. B ij
b, Dasypodius 236
a u. 334
c, Serranus
dict. aa 2
b, Alberus
dict. L ij
b, Herr im
ackerwerk Columelle 12
ab haben, furch,
[] und diese findet sich überhaupt noch im 16.
jahrh. als die üblichste mit dem pl. fürch,
ganz dem ahd. pl. furahî, furihî, furhî,
mhd. vürche
gemäsz, daneben auch mit dem bereits bei Brant (
s. unten die stelle)
vorkommenden pl. fürchen,
in welchem letzten sich starke und schwache pluralform, ü
und n,
vereinigen. die höhe des erdtrichs zwischen zweyen fürchen. Dasypodius 118
d und danach Serranus
dict. n 2
b; erhöhet erd zwischen zwo fürchen. Alberus
dict. a. a. o. wird mein land wider mich schreien und mit einander seine fürche weinen.
Hiob 31, 38; der ochszner soll ... volkommende fürch machen. Herr
ackerwerk Columelle 12
b; aber im zackern muosz man das fürnemlich acht nemen, das man der zwerch des bergs nach die fürch mach. 13
b; doch so offt man sie wider zackert, sollen die fürch ettwas mehr übersich, oder mehr undersich gericht werden.
ebenda; doch soll man ... als dann on eyn egen in die fürch seen.
ebenda; ettlich andre begiessen die fürch mit genantem wasser. 15
a (
Colum. 2, 9, = sulcos); man soll das auch mit starcken gerten versuochen unnd die selben überzwerch durch die fürchen stechen. 13
a; in gruoben oder fürchen. 30
a; mit zwerch fürchen.
ebenda. dann erscheint im 16.
jahrhundert und zwar bei solchen, die furch
haben, selbst ein nom. sg. fürch:
lira, ein acker fürch. Dasypodius 118
d; ich fare nebent ausz, nit nach der rechten fürch. 119
a;
sulco, ich mach ein fürch. 296
a; doch soll man vorhin alle feuchtigkeyt durch ein fürch von dannen fren. Herrs
ackerwerk Columelle 15
a.
sogar in dem nemlichen satze kommt es neben furch
vor: der ochszner soll in der fürch herein gehen, und ye eyn furch umb den andern, den pfluog uberzwerch halten. 12
b.
aber dieser sg. fürch
verschwand bald wieder und neben dem pl. fürche
tauchte bald ohne umlaut furchen
auf. colitiae, furchen, dadurch das wasser hinweg fleuszt. Alberus
dict. L ij
b.
sulcatim, lyratim .i. per sulcos, mit furchen.
ebenda. kanstu jm (
den einhorn) dein joch anknüpffen die furchen zu machen?
Hiob 30, 10; du trenckest seine furchen und feuchtest sein gepflügtes.
ps. 65, 11; es ist viel speise in den furchen der armen.
spr. Sal. 13, 23; solcher rat grnet auff allen furchen im felde.
Hos. 10, 4; die machen furchen sex schuoch breyt, und lassend dann zwischen ie zweyen auch so vil platz, und also ie eyns umb das ander platz und furchen, und graben die furchen drei schuoch tief. Herr
ackerwerk Columelle 30
a.
dieser pl. nun deutet auf einen nom. sg. furche,
der in der ersten hälfte des 16.
jh., vielleicht auch, wenn man unten das thüringische forchte
vom jahre 1470
vergleicht, in der zweiten hälfte des 15.
jahrhunderts als schwache form aus der starken furch
hervorgegangen ist. ein mhd. vurhe
hat Ben.
nicht angeführt und ein ahd. furihhâ, furichâ, furhâ
kennt Graff 3, 684
nicht. die form tritt nhd. zuerst bei Luther
ps. 129, 3
entgegen: die pflüger haben auff meinem rücken geackert, und jre furche lang gezogen,
wo er םי las und danach übersetzte. sonst zeigt sich diese schwache form, die er aus Mitteldeutschland geschöpft haben mag, fast gleich früh in der Schweiz: sulcus, furhen, ackerfurhen. Frisius (1556) 1265
a; ein furhen oder lange gruob, weynräben oder böum zepflantzen gemacht.
ebenda; sata aequant sulcos, der saamen gadt yetz bisz an die furhen, oder ist der furhe gleych gewachsen.
ebenda; sulcatim, der furhen nach. 1265
b.
wenn aber der pl. furchen
den starken pl. fürche
sehr bald völlig im hochdeutschen verdrängte, so dauerte doch der nom. sg. furch,
freilich nach und nach nur wie ein gekürztes furche
angesehen, noch lange zeit fort. so bewahrt die form Henisch 1292
u. 1293,
der aber, Frisius
folgend, im dat. und acc. furchen
hat. auch Schottelius
s. 1321, Reyher (1686) 1, Jiiii 3
b u. 2, F 2
d, Stieler 415, Weismann (1715) 1, 554
a u. 2, 138
a, Kramer
hoch-nd. dict. 77
a führen noch furch
fort, während Comenius
sprachenthür (1639)
nr. 391
und im register furche,
doch zugleich nr. 392 wasserfurch
setzt, Rädlein 312, Kirsch (1723) 1, 1049
a u. 2, 124
a, Steinbach 1, 529, Frisch 1, 308
a nur furche,
das dann allein gilt. der Zürcher Dentzler 1, 768
b und 2, 117
b hielt natürlich an seinem dieses furche
ausdrückenden schweiz. nom. sg. furchen
fest. furch
übrigens mit seinem alten starken pl. fürch
blieb nur noch mundartlich in Oberdeutschland erhalten. so bairisch, s. Schmeller 1, 560.
Mit senkung des u
zu o
bildete sich früh in Mitteldeutschland forch.
sulcus, lira, forich.
lib. ord. rer. 3
b. forich.
weisth. 2, 177.
lira, eyn vorch,
und sulcus, ein forche.
voc. ex quo 1469.
bei Henisch 1172, 35
ff. noch forch
neben furch.
jene form forche
leitet schon auf unser schwaches furche
über und erhält sich bis in das 18.
jahrhundert in schriften: dahero musz man das oben beschriebene zeug mit dem hahmen dem winde entgegen
[] und in eine forche oder fahre legen. Döbel
jägerpractica 2, 182
a,
vgl.fahre; wenn sie (
die rebhühner) nun anfangen zu lauffen und in der forche oder accurat auf den hahmen zugehen.
ebenda; geschicht es nun, dasz sie nach dem hahmen in der forche zu und fortgehen. 183
a.
Eine form durch antritt eines t
taucht in der zweiten hälfte des 15.
jh. in Mitteldeutschland auf und zieht sich bis in das Elsasz. diese ist die der sprache Mitteldeutschlands entnommene schwache forchte
in Diefenbachs
wb. von 1470
sp. 264.
elsässisch furcht
hat starken pl.: eyn jungen stier (
ackerstier) soll man nit stupffen, dann es macht jn stettig und widerschlegig, doch mag man jn offtermals mit eyner geysel manen, und das gar nit in mitten der fürcht, sonder am end sollend sie ruogen, so werden sie dester hurtiger die gantze furcht auszzufren. man soll aber keyn lengere furcht machen dann hundert und zwentzig schuoch lang. Herr
ackerwerk Columelle 12
b (
Colum. 2, 2).
auch bei Henisch 1293, 39
findet sich furcht (
s. nachher die stelle),
so wie 1172, 47
der pl. wasserforchten,
aber die form mit t
steht neben furch, forch
so vereinzelt, dasz sie wie ein druckfehler erscheint, zumal da weder Schmeller
noch Birlinger
aus der augsburgischen volkssprache ein furcht, forcht,
für furche
anführen. noch wetterauisch forcht
f. mit dem eigenthümlichen pl. forcht,
d. i. hochd. forchte,
und, wenn durch ein beigefügtes zahlwort oder adj. nicht ersichtlich wird, ob der sg. oder pl. gemeint ist, in deutlich hervortretender schwacher flexion forchte,
d. i. hochd. forchten.
in diesem falle würde der nom. sg. hochdeutsch furchte
zu schreiben sein; bei jenem pl. könnte er im hochdeutschen furcht
lauten. umstellung des h,
der form furhen
bei Frisius
gegenüber, zeigt sich oben sp. 426
in fuhre
für furche
und abfall des h
in den ebenda weiter angeführten formen. s. auch fure
und vergl. über den abfall noch furcht.
Nun zu der angegebenen eigentlichen bedeutung, die sich spaltet in 1@aa)
eine durch den gezogenen eingesetzten pflug entstandene vertiefung als lockerung des bodens zur bestellung desselben, in so fern sich die erde, welche durch jenen aus diesen gleichlaufend linienartig sich erstreckenden vertiefungen aufgeworfen wird, gleich linienartig wider einander legt. mhd. ëʒ wære ûf wisen od in dër furch, daʒ ër dâ sanfte stapfte.
Will. 83, 28; ër dunkte sînen ackerbiʒ ër daʒ her brach durch, mit manigem Kriechen wackerdën ër leite in die furch.
Wolfdietrich (
Holtzm.) 2019, 4.
mitteld. dâ wart gevollit manic furh mit dëm blûte al rôt. Lamprechts
Alex. 4552.
nhd. mein eymer (
spricht der Jordan), der sich vor ergossen ..., ja land und furchen schier erträncket. A. Gryphius 1, 565; die furchen, die so reinlich und so nett, als ob man sie zur zier gezogen hätt, ergetzen das gesicht. Brockes 1 (1737), 161; weil mehr die furchen dürsten, die wolken schwerer tragen. Dusch
verm. werke 86; aus der thauigten furche schwingt sich indessen die lerche jubilirend herauf und ruft dem kommenden tage. Zachariä
tagesz. (1757)
s. 6; dann arbeite mir schon vor dem tief eindringenden pfluge keichend der stier, und es blinke die schar in der furche gescheuert. Voss
Virgils landb. 1, 46; aus dem artigen wird er ein bauer, furchen nur tönt er beständig und weinland. Voss
Horaz ep. 1, 7, 84; und die elster dort nur sucht, ob oben in den furchen noch ein körnchen liegt. Schmidt v. W.
ged. 42; furchen und striemen ziehn ihr (
der erde) auf dem rücken hin knechte mit schweiszbemühn. Göthe 40, 383; flach bedecket und leicht den goldenen samen die furche, guter! die tiefere deckt endlich dein ruhend gebein. 2, 127. furchen machen, das erdtrich braachen,
sulcare. Henisch 1293, 9.
schon mhd. eine vurch machen: daʒ si mit einem pfluoge dën wert zehant begünden ern ... daʒ von in würde manic furch dar în gemachet und derdurch.
troj. kr. 8177. eine furche ziehen,
vgl. Henisch 1293, 32. ja, sterbliche, ihr seyd bestimmt, das feld zu bauen! ... müszt ihr in bangem schweisz hier tieffe furchen ziehn. v. Creuz
oden 2, 187. eine furche
oder furchen pflügen: der bauer der die furche pflügt hebt einen goldtopf mit der scholle. Göthe 12, 268.
hier läszt sich an den im anfange des 15.
jh. erscheinenden ausdruck furchpfluog (Mones
anz. 6, 223, 87
als glosse zu aratrum
[] Luc. 9, 62)
denken, d. i. eigentlich pflug mit dem man eine furche oder furchen zieht. technische ausdrücke sind: auf die furchen säen,
auf einen ungeegten acker säen. Weber
ökonom. lexicon 175
a.
bildlich: wahrlich wenn es (
das joch) jener umwunden hat, wie man das joch des pflugochsens umwindet, so geschah es nicht darum, dasz er unsers nackens schone, sondern darum, dasz wir die mühsame furche des lebens ganz durchackern sollten und entkräftet an dem ziele hinsänken. Klinger 3, 287.
an diese anwendung des wortes rührt die des mhd. vurch
vom tode in daʒ stucke (
des speeres) ër in dën ritter schôʒ — dâ von wart ër lëbens blôʒ — vornen în und hinden durch. ër ier (
schnitt mit der pflugschar) durch in dës todes vurch. Ulrichs
Trist. 579, 12.
auch nhd. der angst furch. Weckherlin 64. wie manche süsze stunde der mitternacht, ja ich darf sagen, wie manche tiefe furche der innern cultur habe ich unserm dichter (
Balde) zu danken! Herder
Terps. 1,
s. xi, =
fruchtbringenden einflusz; siehe, voll hoffnung vertraust du der erde den goldenen samen und erwartest im lenz fröhlich die keimende saat. nur in die furche der zeit bedenkst du dich thaten zu streuen, die von der weisheit gesät still für die ewigkeit blühn? Schiller 82
a; du magst im stillen forschen, erwägen, geist und wort. und magst das korn der furche der zeiten anvertraun, vielleicht wird einst dein enkel die goldnen saaten schaun. Chamisso (1836) 3, 328
obscen: visirn des nachts die maide dar durch und ackern mer dann einerlei furch.
fastnachtsp. 386, 26.
redensarten und sprichwörter. hier hat Henisch 1293, 10
im eigentlichen sinne des wortes eine lätze furchen machen, ausz der furchen fahren
mit der erklärenden beifügung »wenn einer äeret oder ackeret und die furchen nicht behaltet, sondern nebendt auszfart uber das erdtrich so zwischen zweyen furchen auffgeworffen ist,
delirare«.
aber er bemerkt 48
weiter, dasz, wie lat. delirare, ausz der furch fahren
durch übertragung auch für irrsinnig sein, verrückt sein gesagt werde. alles dies stimmt zu Brant
narrensch. 32, 24,
wo, sicher auf sprichwörtlicher grundlage, von einer hübschen frau, die eine närrin ist, gesagt wird: wer mit der selben eren wil, der machet krumber fürchen vil.
was dagegen ist unter »wenn einer ausz der furch reisen fehret, oder ungleiche beche macht,
per metaphoram transfertur ad vitia montis«
zu verstehn, das Henisch 1293, 50
hat? eine sprichwörtliche redensart ebenda 35
ist tieffe furchen machen
mit der erklärung tieffe gedancken haben.
aber ein noch heute umlaufendes sprichwort lautet gerade furchen sind besser als schlimme gedanken,
und als weiter hierher gehörig ist anzuführen gott gibt das korn, wir aber sollen pflügen und furchen machen. Henisch 1293, 37. 1@bb)
eine durch das einschneiden des gezogenen pfluges in die erde gemachte bis zum nächsten pflügen bleibende linienartig sich erstreckende vertiefung mit einem aufstriche. so die ackerfurche,
d. h. die furche als ackergrenze, die wasserfurche (
s. d.). das korn aus den furchen schneiden, damit man zwischen den äckern gehn kann. halte dich in der furche nnd geh nicht auf den besäten acker, damit du nicht gestraft wirst.
technischer ausdruck ist hier furchen schoren,
den fertig gepflügten acker vorackern, d. h. eine furche um ihn herum ziehen und dann die dadurch verschlossenen beetfurchen öfnen, sie reinigen, um dem wasser hier und sonst freien abzug zu verschaffen. Weber
ökonom. lex. 175
a.
s. schoren.
auch bei grabland nennt man die beim graben mit dem spaten oder der grabschüppe als grenze gemachte vertiefung zwischen den grabländern furche.
überhaupt aber kann eine solche vertiefung zur grenze wie zum abflusse des wassers durch graben oder schaufeln gemacht werden. ducere sulcos, furchen graben. Weber
universalwb. 2, 761. (
er) nimbt bald die schauffel her, macht furchen frey zu fliessen dem wasser uber feld, die wiesen zu begiessen, so dürr und dürstig stehn. Opitz 1, 160 (1624
s. 11). 22)
die beim durchschneiden des gezogenen pfluges neben der linienartigen vertiefung gleich linienartig aufgestrichene erde, die durch das durchschneiden des gezogenen pfluges neben der linienartigen vertiefung in gleicher linie entstehende oder entstandene erderhöhung. wie Campe 2, 201
b bemerkt, bei einigen furche,
bei andern erdfurche,
im mecklenburgischen balke (
s. d.),
im bremischen remel
m., im oberdeutschen furchenrain (
s. d.).
mit [] dieser bedeutung stimmt, wenn Weber 709
b furche
als den vom pfluge beim pflügen jedesmal ergriffenen und umgelegten streifen feldes bezeichnet. nach Schmeller 1, 560
entsteht durch vier furchen,
d. i. zweimaliges hin- und zweimaliges herfahren mit der pflugschar, in der Oberpfalz und im bairischen flachlande das schmale beet oder der bifang, durch 4, 6, 8, 10, 12, 14
bis 20 furchen
aber im Oberlande das breite beet, dort acker genannt. 33)
das umpflügen eines landstückes im vergleiche zu andern pflügungen desselben während eines jahres. s. Weber
ökonom. lex. 174
b,
der daneben auch die formen fuhre, fahre
hat. s. fuhre, fahre.
auf diese bedeutung gründet sich die bairische redensart in die erste, andere, dritte, vierte furch bauen,
einen acker besäen, nachdem er vorher ein-, zwei-, drei-, viermal umgepflügt worden. Schmeller
a. a. o. das alter der bedeutung scheint zu erhellen aus
mitteld. nu was ouch meister Clinsor geladen an die sëlben for.
heil. Elisabeth 202,
wo Max Rieger im
glossar s. 420 for
richtig in dem sinne von pflügen nimmt, das dann bildlich auf den wettkampf angewandt sei. auf das umgepflügte selbst deutet man ert den weg yetz zuo der furch. Brant
narrensch. 102, 40,
vgl. dazu Zarncke
s. 447
a. 44)
eine angelegte mehr oder weniger tiefe streifenartige grube zum einsenken von weinreben, zum pflanzen von spargeln u. dgl.: sulcus, eyn furhen oder lange gruob, weynräben oder böum zepflantzen gemacht, ein newer eynschlag. Frisius (1556) 1265
a und danach Maaler 152
c so wie nach diesem Henisch 1298, 3. dazuo macht man fürchlin da yede drei vierteyl eyns schuochs tieff ist und schuochs weit von eynander stehen, in die selben furchen trückt man die schwammen (
verwachsenen spargelwurzeln, s. spargenschwamm) also hinein, das sie leichtlich durch den grund herausz wachsen mö
gen. wo es aber an dürren orten ist, musz man die samen am tieffsten der furchen setzen. Herrs
ackerwerk Columelle 114
a; darnach sol man die furchen all rühren.
ebenda, bei Columella (11, 3) deinde sulci omnes consarriendi.
ob solche furchen auch in die furchen in einem weinberge
bei Ludwig (1745) 675
gemeint sind? 55)
eine einer ackerfurche vergleichbare rinne in dem erdboden, mag diese gegraben oder von dem wasser selbst gerissen sein: furcht von wasser gemacht. Henisch 1293, 39. des baches furchen, himmelblau und klar. Schmidt v. W.
ged. 192. 66)
der streifen, den ein wasserfahrzeug, ein schif, ein schwimmvogel beim durchschneiden des wassers in diesem zieht, wie auch lat. sulcus
steht: laszt euch nicht hindern an dem thun, das auff die haut euch sticht die sunn, sie will euch manen nur dadurch, das jr schneid dapfer durch die furch. Fischart
glückh. schif 334; der stewrman stund fest an den pflug und schnitt solch furchen inn den Rein, das das underst zu oberst schein. 385; das meer ein grossen schaum vorab von grosser ruderarbeit gab, sie machten furchen an dem ort, das wasser sich thet spalten fort, und von den schiffen gieng entzwey. Spreng
Aeneis 87
a (
Virg. Aen. 5, 142 sulcos); macht auff dem meer ein weite furch. 87
b; da sihet man die schiff ... in nicht wehrende furch den waichen marber spalten. Weckherlin 227 (
ps. 104, 32); sieh! sagt er, den schwan ... sieh! er schift zieht rothe furchen in die fluth. E. v. Kleist
neue ged. (1758)
s. 59.
diese bedeutung von furche
lag übrigens nahe, zumal da, wie die zweite stelle von Fischart
zeigt, das fahrende schif dem pfluge verglichen wird, auch dichter das dem feld vergleichbare meer mit dem schiffe, mit dem kiele des schiffes pflügen lassen: pflügt denn das meer zum fernen mohrenland, ihr thoren! eilt, fischt perlen aus dem grunde. E. v. Kleist
ged. (1756)
s. 140; wer das grüne crystallene feld pflügt mit des schiffes eilendem kiele. Schiller 497
b (
br. v. Mess., erster druck s. 52).
gleicherweise lat. arare maris aequor
bei Virgil. Aen. 2, 780, arare aequor
bei Ovid. trist. 1, 2, 76. 77)
ein sich in die länge erstreckender leerer spalt oder theilender streifen, dessen boden sichtbar ist. so in dichterischem schwunge [] von der trocknen bahn im rothen meere zum durchgange der kinder Israel: mitteld. dîn gewalt dâ ein wunder treib an dînem volke, daʒ hindurch wanderte die waʒʒers vurch mit trugem vûʒe sunder nôt.
pass. K. 2, 82.
nhd. du, du hast, als dein volck, gantz trawrig, dich betawret (verhindrend des meers hindernusz) gleich wie meergrüne stein der wellen schnellen flusz zu beeden seitten auffgemawret: und führend Israel gantz wunderlich dardurch hast du der drachen stoltz (stehts wider dich erhaben) mit ihrer macht und pracht, recht mitten in der furch des meers anlaufs begraben. Weckherlin 185 (
ps. 74, 12).
von einem durch fuszspuren entstandenen streifen im schnee: eine reihe menschen zu sehen, deren einer in des andern tiefe fusztapfen tritt, und wo in der ganzen glatt überzogenen weite nichts in die augen fällt, als die furche, die man gezogen hat. Göthe 16, 287.
auch von einer klaffenden wunde, wobei freilich das bild des durchschneidenden pfluges wirkt: mitteld. si hëten schiere ab im gezart hût, vleisch unz ûfeʒ bein ... si hëten manige leide vurch an im hër und dar gevarn.
pass. K. 122, 78. 88)
überhaupt ein mehr oder weniger tiefe habender sich in die länge ziehender streifen, eine einer ackerfurche vergleichbare vertiefung. 8@aa)
in der haut: eine falte der haut, besonders eine runzel. ahd. furahî mînô,
rugae meae. Diut. 1, 519
b (
Hiob 16, 9). ein schöner alter mann, wiewohl die graue zeit der furchen viel auf seine breite stirn gegraben. Wieland 18, 24; schon entrunzelt sich jedes gesicht: die furchen der mühe, sorgen und armuth fliehn, glückliche glaubt man zu sehn. Göthe 1, 361; wenn gleich keine meilenlange flur für unsre wünsche blüht: oft ein glück, das in die wange nur noch früher furchen zieht! Tiedge
in Klamer Schmidts neuen poet. br. 146; ist wirklich abgewischt von meinen wangen die thräne, die so tiefe furchen grub?
dessen elegieen 3, 76. ein blasses todtenähnliches gerippe, alle farbe des lebens aus einem angesicht verschwunden, in welches gram und verzweiflung tiefe furchen gerissen hatten. Schiller 715
b.
mehr wie in einem von der furche des ackers hergenommenen bilde: dasz über dieses kräftigknochige gesicht, sonst die veste ihrer seelen, die furchen des unkrauts sich krümmten (
es sind damit die sich über jenes hinziehenden spuren der sittlichen verdorbenheit gemeint), das zu sehen und zu denken war reiner schmerz. Jean Paul
Titan 3, 180.
von den tiefer gewordenen linien der innern handfläche: nichts ist gemein in meines schicksals wegen, noch in den furchen meiner hand. Schiller 400
b (
Wall. tod 5, 4). 8@bb)
in knochen: eine einer engen rinne gleichende vertiefung, sulcus. im besondern heiszt eins der gehörbeine, das, schneckenförmig gekrümmt, immer spitzer zugeht und löcher hat, die durchlöcherte furche,
tractus spiralis. auch streifenartige vertiefungen im kleinen gehirn, der leber u. s. w. nennt man furchen. kannst du (
ein arzt ist angeredet) ... ein tief gewurzelt quälendes bewusztseyn nicht aus der seele heilend ziehen, nicht die tiefen furchen des gehirnes glätten. Schiller 579
a (
Macb. 5, 5). 8@cc)
an der oberfläche von pflanzentheilen: eine gleichförmige schmale rinnenartige vertiefung, die meist der länge nach die oberfläche durchzieht und breiter und stärker als der streifen (
s. d.)
ist, sulcus. Bischoff
wb. der botanik 202.
vgl.furchen 1)
g).
eine solche einzeln vorkommende vertiefung heiszt rinne (
s. d.). 8@dd)
an flügeln von insecten: eine streifenartige vertiefung. der schwarze erdkäfer mit dem gesäumten herzförmigen halsschild hat keinen gürtel, auf jeden flügel aber zehen furchen herunter. Frisch
insecten 13, 26, 27. 8@ee)
durch eindruck entstandener rinnenartiger streifen in einem harten gegenstande. furch (dalle) so ein starckes schiffseil in einen stock, winde u.
s. w. druckt, (
nnl.)
kneep, voore, holtestreep. Kramer
nd.-hochd. dictionar. 2, 77
a.
in geschützröhren: ein eindruck oder streifen, welcher durch die einwirkung des geschosses unter dem einflusse des spielraumes entsteht. [] 8@ff)
was nuth.
bei tischlern. 8@gg)
die durch ungleichmäsziges auflaufen des garnes auf die spule entstandene unebenheit in jenem auf dieser. s. Campe 2, 201
b. 8@hh)
der cylinder zum walzen des eisens. auch einschnitt, rinne.
technol. wb. 2, 149
b. 194
b.
Zusammensetzungen, in welchen furche
letzter theil ist, sind ackerfurche, bachfurche (
was bachfahrt,
s. d.), beetfurche (=
eine ein beet begrenzende furche, eine furche zwischen zwei beeten), erdfurche, falzenfurche, grenzfurche, mittelfurche, ruhrfurche, saatfurche, scheidefurche, silberfurche, sturzfurche, umfahrtsfurche, wasserfurche, wechselfurche, wellenfurche, wendefurche