umdrehen,
vb. überwiegend in trennbarer gestalt und so nur selten nicht getrennt, in der 3.
sg. ind. präs. umbträhet Kepler
opera omnia 1, 564;
im vers öfter umbdret, umbtret, umbdrehet
bei H. Sachs 22, 421
lit. ver.; 1, 419; 17, 367
u. ö., auch bei Stelzhamer umdrahts 1, 217
Rosegger; andrerseits im vers sogar der inf. gelöst zu drehen um A. v. Lilienberg
selts. gerichtsh. (1684) 1, 96;
das part. prät. mehrmals in der mundartlichen form ohne -ge-: umbdreiet
antwort der diener der kirche zu Zürich (1571) 103
a; umträt Fischart
Garg. 44
ndr.; umbträyet Calepinus XI
ling. (1598) 248
a neben umbgeträyet 634
b; umdräht Schwabe
tintenfäszl (1745) A 7
a;
auch getrennt umb werd dräht Schmeltzl
Hungerl. (1556) B 3
a;
auch heute ümdräit Seiler
Basler ma. 295
a oder fries. omdrait Möller
Sylt 190
b;
vgl.umdraht Nestroy (1890) 2, 33.
die untrennbare form nur occasionell, ganz vereinzelt, im sinne von sich um etw. drehen: so lange scheinen wie planeten irr zu gehn gedanken, bis bewuszt sie eine sonn umdrehn Rückert 8, 28; trägt (
man) nicht lust, im postwagen zu warten und zu frieren, umdreht der eigenthümer des ofens unsern schlotternden leib wie die katze den brei Börne
ges. schr. (1840) 2, 96. AA.
transitiv. wie beim reflex. (
s.B)
und intrans. (
s.C)
gebrauch, so ist auch hier die in um-
liegende bedeutung '
rings um —
herum'
älter bezeugt als die andre '
in die entgegengesetzte richtung'. A@11)
kreisförmig um eine achse, einen mittelpunkt herumdrehen: circumvertere umbkeeren, umbträyen, umbwinden Frisius (1556) 227
b;
tornare umbtreyben, umbträyen
ebda 1316
a;
gyratus umbgetriben, ringsweisz umbgeträyet Calepinus XI
ling. (1598) 634
b: er bat in lange sniten bæn und inme kezzel umbe dræn Wolfram v. Eschenbach
Parz. 420, 30; wer hat die hasen nicht gesähen, wie jäger sie am spisz ombdrähen Fischart
flöhhatz 67
ndr.; das man one zuthuung des fewers eyer braten möge, wann man sie eyne gute weile ... an der schlingen umbträhet Sebiz
feldbau (1579) 108; dasz ... sie nur dem pferde einen fang geben, den degen weitlich umbdrehen und die wunde auf zerren solten Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 207; man dringt nicht tief, wenn man einen bohrer mit groszer gewalt gegen ein brett drückt, ohne ihn umzudrehen W. Schlegel im
Athenäum 1, 2, 35; man mag unser (
farben-) schema auf ein schwungrad anbringen und die scheibe nunmehr mit gewalt umdrehen Göthe II 5, 1, 145
W.; wie der wind mit gedankenschnelle läuft um die ganze windesrose, ... dreht das glück seine kugel um Schiller 14, 50
G. A@22)
in die entgegengesetzte richtung drehen (
um 180
0),
von einer seite auf die andere wenden; viel mehr verbreitet als 1. A@2@aa) indem hat er sie (
seine frau, die er zuvor den grafen von vorn gezeigt hat) umbgedreit und wider gesagt: 'herr, also sicht sie dahinden'
zimmer. chron. 1, 391
lit. ver.; der getreue fiel dem kaiser in den zaum und drehte sein pferd um Haller
Usong (1771) 298; der (
der ackersmann) auf seiner umbgedrehten pflugschar brodt und käse gespeiset Lohenstein
Arminius 1, 155
a; da hab er ihn (
den wegweiser) umgedreht und dadurch tausende in die irre geführt Fontane I 6, 208; (
das instrument) sah einer umgedrehten syrinx ähnlich K. O. Müller
Etrusker 2, 205; jemand legte, um den alp abzuhalten, eine hechel auf den leib, aber der alp drehte sie gleich um und drückte ihm die spitzen in den leib Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 67; ein scheuszliches ungeheuer, der neid, erscheint mit umgedrehten fackeln fürst Pückler 2, 273; der kellner hatte den hahn der gasflamme umgedreht Gutzkow
ritter v. geiste 6, 314;
etwas anders: ich drehte alle taschen um, sie waren lächerlich leer H. Laube 8, 18;
jem. dreht
seinen kopf, hals
o. ä. um: seht, wie, um sich dem schwerdt der helden zu entziehn, mit umgedrehtem hals die Tartar-horden fliehn Weichmann
poesie d. Nieders. 1, 13; ich wagte nicht, den kopf umzudrehen ... aus furcht vor dem schwindel Bettine
Brentanos frühlingskranz 356;
elliptisch im sinne von '
wenden': der kutscher muszte ... umdrehen und um den wald herumfahren
kinder- und hausmärchen (1812) 1, 59; wer nicht umdrehen kann, kann auch nicht fahren Wander 4, 1408.
vereinzelt ebenfalls elliptisch für '
umblättern',
s. d.: grosze thaten die zeigt man nur ... aus dem bilderbuch, da dreht jedermann um Bettine
Günderode (1840) 1, 70.
das object kann auch in einer präpositionalen wendung ausdruck finden: der vergiszt, mit dem pfluge umzudrehen
ebda 1, 212.
hierhin auch den schlüssel umdrehen,
freilich könnte dieser gebrauch wegen der unbestimmtheit der sprachvorstellung auch den unter 1
aufgeführten belegen angeschlossen werden: als der mann den schlüssel im schlosz seiner stubenthür umdrehte Raabe
Abu Telfan (1870) 2, 130; sie wollte ... an der thür zu dem gange den schlüssel umdrehen und den knaben befreien A. Stifter 5, 1, 328
Sauer; im sinne von '
in die entgegengesetzte bewegungsrichtung bringen': nun liegt das stoltze thier, das aufgeblaszne weib, die in gedancken stand, ihr uhrwerk des gehirnes sey mächtig umbzudrehn den umbkreiss des gestirnes Lohenstein
Agrippina (1685) 79; vermochten so viel tausend thränen ... die todtenuhr nicht umzudrehn? des unglücks fall nicht abzulehnen? Triller
poet. betracht. 4, 588; dasz nit das wanckel glück denn kumb und trehe ihm das glückrad umb H. Sachs 16, 350
G. die verbindung das haus umdrehen,
d. h. es auf den kopf stellen, leitet bereits zu den unter d
belegten übertragenen bedeutungen über: heute, wo ihr ganzes haus umgedreht wird Holtei
erz. schr. 7, 156; an solchen tagen wird immer das ganze haus umgedreht '
ganz aus seiner ordnung in ansehung der innern einrichtung, der reinlichkeit etc. gebracht' Bernd
dtsche spr. in Posen 328. A@2@bb)
als besonderer anwendungskreis hebt sich ab einem andern lebewesen den hals, kopf, kragen
o. ä. umdrehen;
meist im sinne von töten, doch s. u.; häufig von tieren: so lang der han auffm balcken kreht, bisz im einer den halsz umbdreht Kirchhof
wendunm. 1, 485
lit. ver.; jener bauer fand etliche gänse in einem haberacker, da drehete er einer nach der andern den hals üm, endlich fand er auch einen storch unter ihnen, dem wolte er auch den hals umdrehen Schupp
schr. (1663) 515; der bösewicht ... dreht ihnen allen (
den jungen tauben) ... die hälse um Rabener 4, 174; dieser vogelsteller kann keinem gefangenen vogel den hals umdrehen
jahrb. d. Grillparzerges. 6, 36;
übertragen: lasz uns lieber phantasieren, das heiszt, einer flasche den hals umdrehen Raupach
dram. w. kom. gatt. 4, 87.
vom menschen nur in niederer sprechart möglich oder in der verwünschung (
s. u.),
aber wohl von den würgern tod und teufel: der dot im pald sein hals umbdret H. Sachs 22, 421
G.; oder (
umgekehrt): Cato, der selbst dem tode den hals umdrehete und das glück mit füszen trat J. J. Chr. Bode
Montaigne 3, 535; bisz im (
dem Faust) zu letzt der teuffel seinen verdienten lohn gegeben und im den halsz erschrecklicher weisz umbgedrehet
volksb. v. dr. Faust 9
Petsch; der teufel, den sie hervorbeschworen, würde den ... beschwörern sicher den hals umdrehen Görres
ges. br. 3, 109; die dienerin der angeklagten ... hat man in den bergen leblos gefunden; ... die leute behaupten, der böse habe ihr den hals umgedreht G. Freytag 12, 150;
vom menschen in der verwünschung und drohung: sie solle ja kein wort sagen oder mucksen, sonst würde er (
der mann) ihr (
dem mädchen) den halsz umbdrehen J. Prätorius
anthropod. Pluton. (1666) 1, 117; von mir sollte jemand so reden! ich drehte dem ersten dem besten den hals um Lessing 2, 133
L.-M.; es verdiente jeder von ihnen (
den freunden des barons), dasz ihm der hals wäre umgedreht worden Spielhagen 1, 264; ikk wil di den hals ümdreien '
eine gewöhnliche drohung pöbelhafter eltern gegen unartige kinder' Dähnert
plattd. 501
b;
seltener den kopf, kragen, das genick
u. s. w. umdrehen: mir aber hätte er gedrohet, so bald er mich unter die feuste kriegte, den kragen wie einer gans umzudrehen Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 286; (
Thersites in Homers epos ist) nicht da, ... um uns zum ungeziemenden ... lachen zu bringen ... noch ist er am unrechten orte da, dasz man ihm das genick umdrehen dörfte Herder 3, 175
S.; ich hätt ihm (
dem star) längst die kehle umgedreht Hebbel
w. 1, 113
W.; ihr bananenfresser von Manuno, ... möge Moso eure gurgeln umdrehen Ratzel
völkerkde 2, 208;
einem den kragen umdrehen,
bes. als drohung Fischer
schwäb. 6, 85.
nur selten im sinne des eigentlichen umdrehens: wardt im (
dem vom teufel geholten doctor) der kopf umbgetrait, das im das angesicht hünder sich sahe
zimmer. chron. 1, 556
lit. ver.; wenn ein gespenste sich hören lasset, so musz man sich nicht umme kehren, sonsten wird einem der hals umbgedrehet J. Prätorius
philos. colus (1662) 62. A@2@cc)
bes. sprachläufig ist umdrehen
auch in redensarten, in denen das verb mit einem bestimmten acc.-object fest verbunden ist: den
pfennig umdrehen
in der sprichwörtlichen anwendung auf den geizigen: hei dregget den penning dreimal in der hand ümme, ehr he en utgiewt (
westfälisch) Wander 4, 1408; einem geizigen, welcher jeden pfennig, wie man sagt, umdreht, ehe er ihn ausgiebt Ranke 15, 276;
vgl. schwäb.: der dreht jeden kreuzer dreimal um Fischer 6, 85. die
hand umdrehen
als ausdruck für eine sehr kurze zeitspanne, einen moment: wenn ... wir eine hand umbdrehen, sehn wir colossen falln und schweres ertzt verwehen Lohenstein
blumen (1680),
hyacinthen 68;
vorwiegend in der form wie
oder ehe man eine
oder die hand umdreht: aus ging ich ..., um meine sünden zu büszen, und, wie man eine hand umdreht, hatt ich neue begangen Tieck
schr. 1, 155; so hatte er, wie man die hand umdreht, sein glück gemacht Eichendorf
s. w. (1864) 3, 430; sau wî man de hand ümmedrëjet Schambach
Göttingen 240
a; wie, vor man die hand umdreht Fischer
schwäb. 3, 1099
und 6, 85;
dafür meist kürzer im handumdrehen
s. teil 4, 2, 421;
s. auch umdrehen,
n. individuell umgeprägt: was, ... hauptmann geworden, wie man einen handschuh umdreht, wie ein pilz über nacht? Eichendorf (1864) 3, 238.
als ausdruck einer besonders geringfügigen anstrengung in negierter fassung: wenn man ... die spuhren aller meiner thorheiten auslöschen wollte, so müszte man so viel briefe zurück nehmen, und ich möchte keine hand dafür umdrehen
schr. der Götheges. 7, 233; wegen dem drehe ich die hand net um
das ist mir gleichgültig Fischer
schwäb. 3, 1099. den
spiesz umdrehen: den spiesz umdrehen ...
tornare le spiedo Kramer 1 (1700) 240
b;
heute ausschlieszlich bildlich, den angreifenden mit seinen eigenen waffen, gründen o. ä. bekämpfen, s. auch teil 10, 1, 2443: man fürchtete, der spiesz, den sie jetzt gebrauchen, könne unter umständen auch einmal umgedreht werden Bismarck
polit. reden 4, 19
Kohl; Wit antwortet ..., nun den spiesz umdrehend und Zedlitz geheimer verbindungen mit der polizei beschuldigend
jahrb. d. Grillparzerges. 8, 74;
ähnlich, den stiel umdrehen
die sache von der andern seite behandeln Fischer
schwäb. 6, 85. A@2@dd)
im übertragenen sinne nimmt umdrehen
die bedeutung '
verändern, umwandeln'
an, meist in dem intensiven sinne '
von grund auf verändern', '
ins gerade gegenteil verkehren',
noch mit concretem object in bestimmter verbindung: sollte es (
das verhängnis) auch gleich den ordentlichen lauff der natur umbzudrehen gezwungen werden Lohenstein
Arminius (1689) 2, 156
a; hingeben kann sich der mann nicht wie ihr (
frauen), das hiesze die natur umdrehen Görres
ges. br. 1, 57; eh man sichs versieht, ... werde ich die welt umgedreht haben Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 144; doch könnte ein zweiter Suwaroff, auf Ruszlands thron gestellt, leicht die welt umdrehen fürst Pückler
briefwechsel u. tageb. 2, 332;
vom wandel des inneren menschen: in welchem aussprechen ... ist ihme (
dem menschen) sein hertze und gemüthe gantz umbgedrähet und verneuert J. Böhme (1620) 6, 184; nunmehr aber hätte er gott zu dancken: dasz mit dem ausgekläreten zustande Deutschlandes er sein gantz gemüthe umbgedrehet zu sein fühlete Lohenstein
Arminius (1689) 2, 414
b; das glücke habe keine herrschaft über einen weisen, weniger gewalt selbten umbzudrehen
ebda 1, 618
b; die Angrivarier wurden durch Ravenbergs rede gantz umgedreht
ebda 2, 468
a;
im spiel mit der unter b
verzeichneten redensart '
anderen sinnes machen': aber dem ritter soll sie mir jetzt nicht den kopf umdrehen maler Müller (1811) 3, 58;
vereinzelt auch in pejorativem sinne für '
verdrehen': underschidliche torheiten und narren ... findt man, etliche ... seind zweimal gescheid, dreimal umgedrähet und dar über närrisch geworden Ägidus Albertinus
landstörtzer (1615) 390; wie konnte er (
Hieronymus) auch einen eid halten, den er schwur, als ihm seine syrische einsamkeit den kopf so oft umdrehte Zimmermann
einsamkeit 2, 115; und wenn die menschenseele sich selbst unvollendet und umgedreht empfindet, warum soll denn alles übrige geschaffene richtiger und besser sein Tieck
schr. 4, 56.
eine sachlage, einen vorgang, einen zustand ins gegenteil verkehren, das verhältnis von dingen umkehren: wie er solchen hinterlist umbdrehen und den könig selbest mit der münze, die er ime zugedacht, bezalen wolte Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 1, D 3
b; wenn es (
das verhängnis) iemands glücke umdrehen will, verwirret es auch seinen verstand und rathschläge Lohenstein
Arminius 1, 215
b; (
es) ward für den moment die hauptfrage zwischen reich und fürsten dadurch beiseite geschoben, dasz man das ganze verhältnis umdrehte Nitzsch
deutsche studien 174; der (
ausgehungerte) hätte das ganze wunder (
der speisung der fünftausend) umgedreht! fünftausend brote reichen hier nicht für einen W. Raabe
Horacker (1876) 49; die situation wurde dadurch dergestalt umgedreht, dasz der könig nun an der spitze nicht mehr seiner truppen, sondern der barrikadenkämpfer ... stand Bismarck
ged. u. erinn. 1, 60;
mit präpos. bestimmung: was der deutschen wohlfarth vorsichtig ausgesonnen war, ihnen zum verterb umzudrehen Lohenstein
Armin. 2, 1222
b; rein unschuldiges thun umdrehen zu sträflicher handlung Chr. A. G. Eberhard
Hannchen und die küchlein (1826) 6, 29.
eine gedankenordnung umkehren, einen gedanken, eine meinung, ein wort in gegenteiligem sinne verstehen und deuten: Marbod drang diese rede so sehr zu hertzen, dasz es wenig mangelte, auf dem fusze seine erklärung umzudrehen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1396
a; der schlusz ... kann umgedreht werden K. O. Müller
die Etrusker (1828) 1, 274; einer ... drehte diese sätze um und folgerte also: ... Immermann 1, 24
Boxb.; (
wir) können für die römische welt den satz (das amt macht den mann) dahin umdrehen: der mann macht das amt Jhering
geist des röm. rechts 2, 1, 300; man wird diese sätze umdrehen und demzufolge behaupten dürfen, das menschen verbindende sei das heilige Paul de Lagarde
deutsche schr. 161;
gebräuchlich das wort umdrehen: mit dem das er die wort gebogen umbdreihet und anderest uszgelegt ... hat
antwort der dienerin der kirchen zu Zürich (1571) 100
a; wenn man anders sich meinen faveur zu konserviren gedencket, musz man meine worte nicht jederzeit suchen umzudrehen J. L. Rost
liebe ohne bestand (1724) 55; kann man nicht alle worte umdrehen? und ist gut vielleicht böse? Nietzsche I 2, 8;
gern mit dem zusatz im munde: einem kinde, dem man ein gethanes versprechen nicht gern halten möchte, dreht man das wort im munde um Lessing 18, 236
L.-M.; einem etwas im maul umdrehen
sophistisch umkehren Fischer
schwäb. 6, 85.
als part. perf. wie das gebräuchlichere umgekehrt: die umgedrehte behauptung J. Grimm
teil 1, LIII; der umgedrehte fall
ebda XLVI; gazds sei wirklich aus gards entsprungen, während alle sprachgeschichte das umgedrehte zeigt
ders. kl. schr. 5, 86;
ebenso in der adverbiellen verwendung: kann man sich denn vornehm essen? umgedreht! wer kostbar speist, kan sich leicht zum bettler fressen Stoppe
Parnasz (1735) 222; kürze ist ihm die seele der fabel ... man darf umgedreht behaupten, dasz die kürze der tod der fabel ist J. Grimm
Reinhart fuchs, vorr. 18
u. ö. bei ihm; umgedreht, su wird a schuch draus Wander 4, 1408. BB.
reflexiv. B@11)
sich rund herum drehen, A 1
entsprechend: Appolonius werte manigem seinen kopf, das er sich umb dret als ain dopf (
kreisel) und viel in das scheff erslagen H. v. Neustadt
Apollonius 3253
Singer u. ö.; mit diesem vergleich auch bei H. Sachs 1, 419
lit. ver.; 17, 460
u. ö.; dasz er (
der kotige hund) ins ander betthe sprang, darinn er sich umbdrehet lang, ringweisz herumb in einem kreisz H. Sachs 17, 367
G.; wanne der wint wehet, so dreet sich das fenchen mit dem schelchen umme und clinget K. Stolle
thüring. chron. 186
lit. ver.; ein elephant ... ergreiff die schyltlin und warf sye in die höhe, und wie sye sich in den lüfften umbdräheten und ein ring machten, brachten sye den zuoseheren ... lust Eppendorf
Plinius (1543) 8, 44; (
du sonne) drehst ... in stetem schwung dich um J. A. Schlegel
verm. ged. 2, 2; sie ... fingen von neuer tanzlust beseelt wieder an, sich munter umzudrehen Novalis 4, 204
Minor; an dem schwachen rad, um das sich sein gepeinigt leben dreht, dreht sich zugleich eure macht mit um Klinger
neues theater (1790) 1, 111; weil wir uns zunächst an der achse befinden, um welche sich der ganze streit umdreht Göthe II 2, 75
W.; etwa '
sich herumdrücken':
königin: was thust du dich allhie umbtrehen?
Reinhilta: gnedigste frau, hab mich umbgsehen, wie die wolcken so schwartzlich stehen Ayrer
dramen 969
lit. ver. im part. präs. mit ersparung des reflexivpronomens, vgl. Behaghel
syntax 2, 173: der äquator einer umdrehenden himmelskugel Kant (1838) 8, 295
Hart.; die unruhige, umdrehende strömung Hegel 7, 1, 441. sich in etwas umdrehen,
wie uneigentliches sich herumbewegen: wie kurzsinnig in menschlichen und göttlichen dingen ich mich umgedreht habe Göthe III 1, 94
W.; da ich in dieser sphäre mich am wenigsten lang umdrehen möchte Schubart
in D. Fr. Strausz 8, 133; lehrhafte romane ..., die sich in der gegenwart umdrehen Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 3, 399. B@22)
sich in die entgegengesetzte richtung drehen, vgl. A 2;
in eigentlicher verwendung vorwiegend von lebewesen: wir habens selbst mit augen gesehen, wie du dich im feld thest umbdrehen; und wenn wir wern unter gelegn, werst du von uns geruckt allwegn Ayrer
dramen 183
lit. ver.; einer der kirchenknaben drehte sich um rückswärts, um zu sehen, was so erklänge brüder Grimm
dtsche sagen (1891) 2, 38; sich im bett umdrehen und sich auf die andere seite legen Cl. Brentano 7, 464; der stolzen jungfer ..., die sich auf dem hacken umdrehte und ihm den rücken wies Alexis
Roland (1840) 1, 395; mit schneller wendung drehte er sich nach dem angeredeten um O. Ludwig 1, 158
E. Schmidt-Stern; er wandte sich zum abgehen, drehte sich aber nochmal gegen Michel um
M. Meyr
erzählg. aus dem Ries 1, 133; et was sau vul, dat men sek nich ümmedreien konne Schambach
Göttingen 240
a;
hyperbolisch sich im grabe umdrehen,
vorwiegend vor ärger, verdrusz: die (
eure mutter) sich noch im grabe umdrehen würde, wenn sie eure jetzige not wüste A. v. Arnim 7, 31
Gr.; Friedrich der grosze dreht sich im grabe um, seine mächtig aufgewachsenen pflanzungen in solch heillosen händen zu sehen Varnh. v. Ense
tageb. (1861) 2, 13;
selten anders: so dasz sich der alte Hebel im grab noch vor freude umdrehen würde Scheffel 4, 12.
von leblosen: der (
bauer) hett mit einem stecken dran geslagen, do het er (
der eselschädel) sich umb gedrät und gen der stat gekert Arigo
decam. 413
lit. ver.; weil nunmehr der wind sich plötzlich umgedreht Chr. Fr. Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 52;
vgl.: ewei e muelsâk (
wie ein mühlensack) sech emdreien
wb. der luxembg. ma. 83
a.
häufig übertragen; in der verbindung das herz
o. ä. dreht sich um,
vor schmerz: warf mir einen seelenvollen blick zu, dasz sich mir das herz im leibe umdrehte Immermann 1, 108
Boxb.; fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 385; als Melanie diese äuszerung hörte, war es ihr, als drehte sich ihr das innerste leben um Gutzkow
ritter v. geiste 4, 446;
im sinne von '
sich ins gegenteil verkehren': es hat die welt sich umgedreht, bettler sind könige und könige sind bettler Schiller 2, 55
G.; da sich denn alles umgedreht hat in dieser schwindligen welt Fouqué
altsächs. bildersaal 3, 109; in dem augenblicke der rede schien sich das verhältnisz gerade umdrehen zu wollen Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 538; das wetter wird sich einmal ändern, das rädlein wird sich umbdrehen Lehman
floril. pol. 1, 198. CC.
intransitiver gebrauch, vgl. teil 2, 1363
f. im sinne von '
sich ringsherum drehen': er warff sy (
die steine) auff dy kopffe, das sy umb dräten als die tophe Heinrich v. Neustadt
Apollonius 5448
Singer, während sich sonst in demselben denkmal das reflexivpronomen findet, s. v. 19764; 10755
und oben B 1; mein tänzer ..., der gar nicht vom platz zu bringen ist, allemal rechts umdreht, es sei links oder rechts Bettine
Brentanos frühlingskranz 106,
vgl. teil 2, 1364.
über mediale anwendung von das umdrehen
s. d. und umdrehend
s.B 1. —
in der bedeutung '
sich in die entgegengesetzte richtung drehen',
vgl.B 2: wie er unsz Teütschen aber beysame sahe, threhete er kurtz umb und lieff davon Elis. Charl. v. Orleans 3, 10
lit. ver.; wie der bär das sah, drehte er um und lief fort
kinder- und hausmärchen (1910) 2, 115; ... erwiederte Klaven, (
beim hinausgehen) noch einmal umdrehend W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 197.