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verweis

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verweis m.

Bd. 25, Sp. 2181
verweis, m. II. selten zu 1verweisen; zu IV A 1: mhd. verwîs, anweisung eines gutes, vermächtnis, verschreibung, nur in älterer zeit: Fischer schwäb. wb. 2, 1407; beruft sich eine witwe auf ihren v. und auf ihren v.-brief umb ir heyratgut, widerlegung und morgengab lautende bei Schmeller-Fr. 2, 1029; (dasz er) auch mehir den ein ander umb das stetel zum Czukenmantil, seiner leut zugehorungen und berckwerck verweysz und kuntschafft hat (1493) lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 524. in neuerer zeit zuweilen zu IV E 1: hinweis, verweisung: am besten werden die andeutungen und klugen verweise auf ein entferntes dann gedeihen, wenn sie menschliches thun schildern G. Freytag ges. w. 14, 67; ein netz von verweisen ist ausgesponnen, nachträge, kaum mit der lupe zu entziffern, bedecken oft die äuszersten ränder E. Schmidt in: O. Ludwig ges. schr. 4, 7; in jedem falle war ein verweis auf ein beliebiges, leicht zugängliches beispiel gegeben deutsche lit.-ztg., neue folge 4, 993; in vielen fällen hat ja J., was für die benützung unerläszlich ist, beiderseits verweise angebracht anz. f. d. altert. 35, 202. [] IIII. gewöhnlich zu 2verweisen, mhd. verwîz seit dem 13. jh., mhd. wb. 3, 783; Lexer 3, 312; Diefenbach 219a; 290a; sonst erst in den wbb. des 17. u. 18. jh.: Reyher thes. 1736; Sattler phraseol. 373; Stieler stammb. 2486; Kramer (1702) 2, 1307b; Wächtler 126; Ludwig teutschengl. lex. 2190; Steinbach, Adelung, Campe. auch mundartlich zuweilen: schwäb. Fischer (nicht eigentlich populär); els. Martin-Lienhart 2, 871; Lenz Handschuhsh. dial. 74; westf. verwît Woeste; hamb. verwyt Richey; auch nd. in hd. form: verwiss Dähnert 529; vawîss saml. Fischer 96; verwies schlesw.-holst. Mensing 5, 446, verwiet noch bei Schütze 4, 361. im 16. und 17. jh. gewöhnlich verweisz (daneben auch verweis ziemlich häufig), das auch in der 1. hälfte des 18. jh. oft begegnet, später selten wird: Lichtenberg briefe 2, 129; J. M. Miller pred. fürs landvolk 2, 312; Brentano an Sophie Mereau 1, 186. daneben auch gleichbedeutendes verwisz (s. dieses). II@11) gewöhnlich vorwurf, tadel: exprobratio Diefenbach, Wachter, Steinbach; improperium Diefenbach; objurgatio Reyher, Steinbach; reprehensio Wachter, Steinbach; verweisz, filtz Reyher, Frisch; verweis, ausputzer oder filtz Ludwig; v., ausputzer; vorrückung, vorwurff, verweisz Spanutius. II@1@aa) der v. eines führers, herrschers, vorgesetzten oder richters: v. ist die strafende vorhaltung eines begangenen fehlers von dem, der ansehen hat Petersen sinnverwandte wörter 191; musz er dessen von der oberkeit ... verweisz hören Kirchhof militaris discipl. 151; wenn man ihm einen gerichtlichen verweis gebe Caroline 1, 254 Waitz; den oberen theil des pfarrhofes habe ich vermiethet. ich habe schon zweimal darüber einen verweis von dem hochwürdigen bischöflichen consistorium erhalten Stifter s. w. 5, 1, 126. in diesem sinne gilt die erteilung eines verweises als bestrafung: mit ernstlichen verweisz oder arrest oder pfahlstehen oder wohl der degradirung oder andern noch schärfern ahndungen beleget werden v. Fleming teutsche soldat (1726) 136; disziplinarstrafen sind: a) ordnungstrafen: warnung, verweis, geldbusze, b) amtsentfernung: strafversetzung ... und dienstentlassung v. Lympius verfassung u. verwaltung in Preuszen u. im d. reich2 (1928) 96. anderseits wird v. zuweilen auch im gegensatz zur strafe gesehen: alles geht ruhig ab, ohne strafen, selten nur ein verweis Moltke schr. u. denkw. 6, 121. II@1@bb) verweis im privaten verkehr: alhier hat er Petro einen verweisz gegeben, weil er sich ungedultig gestellet v. Troilo oriental. reisebeschrbg. 255; gestern aber kamen meine eltern beyde auf meine stube, und überhäuften ihre arme Charlotte mit grausamen verweisen Knigge roman m. lebens 2, 219; herr bruder, ich danke für den brüderlichen verweis und erwidre ihn mit dem schwesterlichen rat, meine angelegenheiten in zukunft unbekrittelt zu lassen Nestroy ges. w. 8, 9; dem freundlichen vater, der nie einen verweis, sondern höchstens einen rath gab Stifter s. w. 5, 1, 354. von literarischer kritik: kurz; hier bekömmt Golzius endlich einen entsetzlichen verweis, weil er unzähliche münzen beschrieben, ..., die niemals vorhanden gewesen sind d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 816. in reflexivem zusammenhang: ich ... gab mir, wie schon öfter geschehen ist, tüchtige verweise über meinen leichtsinn F. H. Jacobi w. 1, 76. II@1@cc) gewöhnlich ist einen v. geben: belege aus Caroline s. a, v. Troilo, Stifter s.b, Gottschedin s. u., Abraham a s. Clara s.d; auch verweise geben: dasz sich der marechal comte de Saxe von herrn von Bielefeld hätte müssen verweise geben lassen Abbt verm. w. 6, 32; selten der sing. ohne artikel: ja, du erkühnst dich, uns noch verweis zu geben Ph. Hafner ges. lustsp. 1, 103. ferner einen v. zuerkennen, zugehen lassen, ertheilen: dasz ihm fast in allen urtheln bald ein derber verweis, bald eine geldstrafe für die gebrauchten injurien zuerkannt wurde Liscow samml. sat. u. ernsth. schr., vorr. 16; wenn man ihm schriftlich verweis und drohungen zugehen läszt Göthe IV 27, 186 W.; ende januars sendete mir das [] ministerium meine eingabe zurück und ertheilte mir einen tüchtigen verweis Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 161. in älterer zeit auch einen v. thun: als ... ein pfältzischer pfarrherr, deszwegen weil er getantzt hatte, vor den kirchenrath gefordert und im derenthalben ein verweisz gethan wurde Lehman florileg. polit. 3, 495. ebenso ein v. geschieht: wegen der 60 pferde, so der general bestellt, soll ihm verweis geschehen acta publ. 4, 12 Palm. einen v. kriegen, bekommen, erhalten, empfangen: Oriszmanes ... kriegt aber von ihr einen verweis Lohenstein Arminius 1, 192; der arme K. bekam einmal einen entsetzlichen verweisz Lichtenberg briefe 2, 129; beim bürgermeister erhielt er einige verweise Arnim 3, 66 Gr.; einen verweis in ihrer gegenwart zu empfangen G. Keller 6, 173. v. hören müssen: si moegen sich wail schemmen ind sunder zwivel dairvan verwis moessen hoeren van unsem lieven heren Jhesu in sime lesten gericht (Köln 1499) chron. d. d. städte 13, 337; Kirchhof s.a; er muszte auch von den Indianern verweise darüber anhören G. Forster s. schr. 2, 256. v. verdienen: doch ... würde ich auch von dem A. selbst keinen verweisz verdienen Ch. Weise polit. redner 558; indem die laster des klerus die gröszesten verweise verdienten Herder 23, 103 S. v. wegen, über, seltener für etwas: auf vorhergehenden verweisz wegen der erregeten unruhe Micrälius altes Pommerland 4, 87; damit ... ich keinen verweis wegen versäumter menschenpflichten erhalte G. Keller ges. w. 3, 152; worüber Petrus ... einen scharfen verweisz noch darzu einzustecken befelcht worden Abraham a s. Clara mercks Wien 40; L. ... gab ... dem jäger W. noch etliche verweise über verschiedene im vergangenen jahre vorgefallene versäumnisse Holtei erz. schr. 9, 149; sie muszte ... die verweise für die fremde versuchung geduldig hinnehmen Brentano ges. schr. 4, 328. mit satzergänzungen: sie haben mir neulich einen verweis gegeben, dasz ich lieber französisch schriebe Gottschedin briefe 1, 8; er empfing nämlich einen verweis, dasz er sich herausnehme, in dieser angelegenheit selbst urtheilen zu wollen Immermann 6, 133 B. II@1@dd) verbindung mit sinnverwandten wörtern und adjectiven: ist sie von hohen stamm und adel, so thut sie, was sie will, sie leidet kein verweisz noch tadel G. Voigtländer oden u. lieder 20; einen underweisz oder verweisz geben Abraham a s. Clara Judas 1, 9; verweise und treue ermahnungen Jung-Stilling s. schr. 6, 155; eine abmahnung, einen verweis Göthe 24, 94 W.; aus periodischen verweisen und aufmunterungen G. Keller ges. w. 2, 132; nach ... mündlichem verweisz Moscherosch gesichte 108; einen heimlichen verweis Zesen adriat. Rosemund 37 ndr. besonders mit adjectiven, die verschärfen oder abschwächen: einen starken v. Schupp schr. (1663) 296; einen ernstlichen v. Albertinus hirnschleiffer 382; einen scharfen v. Butschky Pathmos 624; ein briefchen voll scharfer verweise Langbein schr. 31, 55; mit einem harten v. Ziegler asiat. Banise 326; Klinger w. 4, 81; einige hitzige verweise J. A. Cramer nord. aufseher 1, 124; bittere verweise S. v. Laroche frl. v. Sternheim 2, 12; nachdrückliche verweise Nicolai Seb. Nothanker 1, 38; ein strenger v. Schubart leben u. gesinnungen 2, 211; Treitschke d. gesch. im 19. jh. 1, 430; mit einem derben verweise Göthe 21, 71 W.; ein eindringender v. Adelung umständl. lehrgebäude 2, 14; ein höflicher v. Neumark neuspr. teutsch. palmbaum 175; dieser linde v. Lohenstein Arminius 2, 766; einen gelinden v. Herder 16, 179 S.; einen kleinen v. J. G. Schmidt rockenphilosophia 2, 121; Göthe 13, 1, 260 W.; einen feinen v. Gottschedin briefe 1, 167 R.; manchem väterlichen verweise Klopstock in: briefe von und an K. 14; diesen freundschaftlichen v. Chr. F. Weisze lustspiele 2, 16; Göthe 22, 307 W.; den leisen v. Jung-Stilling w. 3, 326; mit zärtlichen verweisen Klinger w. 7, 278. [] II@22) in älterer zeit auch schande, schmach, unehre: solches geschahe, und durfte er den peltz dergestalt ohne verweisz behalten Kirchhof wendunmuth 2, 221 Ö.; welchs dem gantzen orden ein grosser verweiss und unehr sein solte Schütz hist. rer. pruss. 4, G g 1b; wer seinen schildt dahinden liesz, dem war es ein grosse schandt, uber welcher schandt und verweisz sich ihrer viel nachmals selbst entleibt Uffenbach atlas minor 367; auf diese art rächte Scipio ... sich an Rom, als er ... zu einem ewigen verweisz auf sein grab schreiben liesz Lohenstein Arminius 1, 743. —
9660 Zeichen · 280 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verweis

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Verweis , des -es, plur. die -e, von 2 Verweisen, wörtliche Vorhaltung eines begangenen Vergehens. Jemanden einen Ve…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Verweis

    Goethe-Wörterbuch

    Verweis [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Verweis

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Verweis , die Erklärung, daß eine Handlung eine fehlerhafte oder ungesetzliche war, ist eine gewöhnliche Disciplinarstra…

  4. Sprichwörter
    Verweis

    Wander (Sprichwörter)

    Verweis 1. Ich will den Verweis nicht haben, rief der Bauer, als der Pfarrer predigte: Ich bin hungrig gewesen vnd ihr h…

  5. Spezial
    Verweism

    Dt.-Russ. phil. Termini · +26 Parallelbelege

    Verweis , m вокабула , ж , ссылочная → FiloSlov Stichwort, verweisendes, n

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verweis

65 Bildungen · 58 Erstglied · 5 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von verweis

ver- + weis

verweis leitet sich vom Lemma weis ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verweis 2 Komponenten

ver+weis

verweis setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verweis‑ als Erstglied (30 von 58)

verweis(s)

Idiotikon

verweis(s) Band 16, Spalte 1895 verweis(s) 16,1895

verweisartig

DWB

verweis·artig

verweisartig , adj. : sie ( die stelle in der zeitung ) lautet auch wirklich zu v . Dahlmann in: briefw. zw. J. u. W. Grimm, D. u. Gervinus …

verweisbrief

DWB

verweis·brief

-brief , m. , zu verweis I: v.-e, die man apostolos nennet (1443) Haltaus 1913 ; s. auch o. sp. 2181. —

verweisen

DWB

verwe·isen

verweisen , v. , mhd. verwîsen ( schwach ), mit 2 verweisen, mhd. verwîzen ( stark ), frühnhd. verweiszen, etymologisch verwandt, beide zur …

verweisenlich

DWB

verweis·enlich

verweisenlich , adj. , neben dem gewöhnlichen verweislich: das möcht inen bei menigclichem v. sein Zimmersche chronik 1, 118 B. vgl. DWB ver…

verweiser

DWB

verwe·iser

verweiser , m. , zu 1 verweisen I A 5: proscriptor, ein verweiser, verächter Calepinus XI ling. 1177 b . zu II, verführer: alda sind verwyse…

verweisete

KöblerMhd

verweis·ete

verweisete , sw. F. nhd. Verlassenheit E.: s. verweisen W.: nhd. DW- L.: Hennig (verweisete)

verweiseⁿ

Idiotikon

verweiseⁿ Band 16, Spalte 1887 verweiseⁿ 16,1887

verweisfrage

DWB

verweis·frage

-frage , f. : hierauff folget nun die apostolische v.: wisset ihr nicht, dasz ihr gottes tempel seyt? Dannhauer catechismusmilch 6, 251 . —

verweisklage

DWB

verweis·klage

-klage , f. : eine heftige, aber hochbefugte und abgenöthigte invectio und v. ebda 6, 256. —

verweislich

DWB

verwe·islich

verweislich , adj. , in frühnhd. zeit ziemlich häufig: Haltaus 1913 ; Frisius 878 a ; 881 b ; 1061 a ; Maaler 437 d ; Calepinus VII ling. 3 …

verweislied

DWB

verweis·lied

-lied , n. : v. an die nasenweise spottvögel Neumark poet. u. mus. lustwäldchen 43 . —

verweisnis

DWB

verweis·nis

verweisnis , f. , spätmhd. verwîzenisse mhd. wb. 3, 783; exprobratio Diefenbach gloss. 219 a ; verweisnusse voc. (1482) k k 1 b .

verweis als Zweitglied (5 von 5)

Amtsverweis

DRW

amts·verweis

Amtsverweis amtliche Zurechtweisung an meinem ambtesverweis und rechtmessigen einsehen nit ermangeln soll 1640 CDSiles. 27 S. 270

Restverweis

DRW

rest·verweis

Restverweis, m. Nachweis über einen vorhandenen Restposten oder einen noch ausstehenden Restbetrag sollen alle beampte ihren restverweis dem…

selbstverweis

DWB

selbst·verweis

selbstverweis , m. : selbst die demuth, als unnachsichtliche beurtheilung seiner mängel, ... ist eine erhabene gemüthsstimmung, sich willküh…

Stadtverweis

PfWB

stadt·verweis

Stadt-verweis m. : 'Ausweisung aus der Stadt wegen eines Vergehens', -veʳweis [ GH-Kand ]; hot St. kriegt [ GH-Kand ]. VR.: De Vadder is im …

Ableitungen von verweis (2 von 2)

unverweislich

DWB

unverweislich , adj. adv. , nicht verweislich ( s. d. ); selten mit un IV D verstärktes verweislich: solche unverweiszliche schandflecken A.…

verweise

BMZ

verweise swv. verwaise. a. mache zum weisen. nu daʒ disiu rîchiu kint sus beidenthalp verweiset sint Gregor. 104. an ir ist nu verweiset vil…