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statt

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

statt f.

Bd. 17, Sp. 953
statt, f. ort, stelle. II. herkunft und form. I@11) statt ist ein gemeingerm. wort, dessen grundform *staði-z identisch ist mit dem idg. verbalabstractum zu der wurzel sthā- 'stehen', *sthatí-, (oder *sthətí-), vgl. altind. sthití-, gr. στάσις, lat. adv. statim 'sofort' (daneben mit langem wurzelvocal awest. stāiti, altslav. po - statĭ 'bestimmung') s. Fick3 3, 340. 41, 147. Prellwitz etym. wb. der gr. sprache2 199 f. Wachter 1590. Weigand 2, 800. Kluge6 376b. — während aber das wort in den andern idg. sprachen fem. ist, wie die abstractbildungen mit -ti- überhaupt, erscheint es im gröszten theile des germ. sprachgebietes als masc.: got. staþs (stads, dat. stada, acc. staþ, stad, dat. pl. stadim, acc. stadins); altn. staðr (gen. staðar, pl. staðir) Cleasby - Vigfusson 586a, fär. staður, norw. stad Aasen 742a, altschw. staþer, schwed. stad ('stadt' und 'ort, stelle'), n. stad ('stadt', daneben sted, neutr., früher com., 'stelle, platz'); ags. stede, ort, fester platz; festigkeit, zustand. Bosworth-Toller 914, mittelengl. stede, neuengl. stead, vgl. Skeat 593b. der grund dieses wechsels ist wol darin zu suchen, dasz im germ. für st- die erweiterte wurzelform staþ- herrschend wurde (standan, s. unter stehn); indem staði- auf diese bezogen wurde, zerlegte man es in stað-i- und so trat es zu der einst sehr beliebten abstractbildung mit -i- über, die mit wenigen ausnahmen masc. charakter hatte, s. Kluge stammbildungsl.2 § 115. (vgl. jedoch auch die entwicklung von germ. bakiz, s.bach. th. 1, 1057 ff.) I@22) nur bei den Westgermanen des festlandes ist das fem. bewahrt oder wiederhergestellt: I@2@aa) altfries. stede, in Rüstringer mundart stidi, s. Siebs in Pauls grundr.2 1, s. 1186. 1192. 1238. 1370; ebenso altmerseb. stidi, s. 1157, anm. 1, 3, gen. stedes, -is 1340 (Richthofen 1045 giebt die formen sted, stid, steth, steith, acc. [] stidi, stede, sted, gen. stedis, dat. stede, stidi, stetha, steithe —?), jetzt wang. stídî s. 1380, saterl. stêdə, stêd 1386, auf Schiermonnikoog 1428, vgl. s. 1186. 1192. I@2@bb) alts. stedi (so in Hel. u. gen. ausschl. als nom. dat. acc. und nom. pl.; abweichende formen in den kleinern denkm.: nom. pl. -stadi im ältesten Werdener heberegister. Wadstein 23, 13 f., dat. s. stida in d. Freckenhorster heberolle 39, 15, -stidiu in d. Lamspringer glossen 67, 15; der vereinzelte acc. ênna uuîhstedi, gen. 161, ist wol nur verschrieben für êna, da sonst überall das fem. deutlich ist); mnd. theils in regelrechter fortsetzung der alts. form stede, wofür Braunschweiger und Goslarer quellen stidde bieten (d. städtechron. 6, 134, 13. 16, 113, 68. deutsche chron. 2, 592, 22. 31), s. Schiller-Lübben 4, 371 f., theils in der kürzeren form stat 367b f. (besonders im Sachsensp., Sachsenchron. und der nd. dichtung, also hd. einflusz?), vgl.: locus ... stad, stede. Dief. nov. gloss. 238b (nd.-lat. wb.). zuweilen wird deutlich unterschieden zwischen stede, locus, und stad, urbs, z. b.: wo de peweler und de barvoten hir erst in de stad quemen ... (1224) quemen hir de predigere ... und bischop Albrechte graf on de stede, dar nu sunte Agneten closter lit (vgl. unten II, A, 2, b) ... do quemen ok de barvoten hir des jares 1225. de seten vif jar buten der borch, dar na quemen se in de stad, dar se noch sitten. d. städtechron. 7, 146, 10—16. — über den dat. stade, dat. plur. staden s. unten II, B. ein gen. des stades scheint nur in der bedeutung 'stadt' vorzukommen, s. oben sp. 421 und Schiller-Lübben 4, 368a. I@2@cc) ebenso stehen mnl. stat und stede neben einander (altnfr. ist der dat. stede belegt), vgl.: stad, stede, locus. Kilian 2, 624b; daneben: stede plaetse, locus, sedes (und weiter: stede vel stad, urbs, civitas, oppidum). 631a. jetzt ist holl. eine differenzierung eingetreten, sodasz dem hd. statt, stätte ein stede, stee, unserm stadt dagegen stad entspricht, doch lautet der plur. zu diesem steden, der eigentlich zum sing. stede gehört, s. Franck 952 und te Winkel in Pauls grundr. 21, 858. I@2@dd) ahd. stat (gen. dat. steti, stedi Is., alt vereinzelt stati, jünger stete, ebenso im nom. acc. plur.; gen. plur. stetio, -eo, -o, dat. plur. stetim, -in, -en). Graff 6, 638 ff. (sehr häufig ist ahd. stat als 2. glied von ortsnamen, theils unflectiert als -stat, theils im dat. -steti, -stete und pluralisch -stetim, -in, -en; entsprechend alts. auf -stedi, -stidi, -stede, -stide, -stidde, vereinzelt -stadi, -stedie, s. Förstemann namenb.2 2, 1363 ff.). — mhd. stat, plur. stete Lexer handwb. 2, 1144: locus stat, stad, stayd, nd. stede. Dief. gloss. 335a; die schreibung staid neben stad, stadt, stat häufig im Alsf. passionssp. der gen. dat. lautet zunächst stete, später zu stet apokopiert; doch kommt daneben früh die endungslose form stat auf; sie findet sich schon im Iw. im dat. sing. ausschlieszlich, s. Zwierzina beoachtungen s. 486. doch hielt sich stete, stette (mitteld. stede, z. b. im Alsfelder passionsp.) daneben bis ins 15. jahrh.umgekehrt dringt dann auch die flectierte form in den nom. acc. ein; so schon um 1250: dîn gehügde und dîn verstân und dîn guot wille mugen hân deheine wernde stete alhie. Lampreht v. Regensburg tohter v. Syon 852. auffällig ist, dasz im 'Wilhelm v. Österr.' der Johann v. Würzburg, wo die der ausgabe von Regel (Berl. 1906) zu grunde liegende Gothaer handschr. aus der 1. hälfte des 14. jahrh. stammt und oberd. (bair.?) sprachcharakter zeigt, mehrfach stede im reim auf rede mit einer nicht sehr gewöhnlichen sinnesnuance ('stätte, sammelplatz') begegnet: din hertze ist volle stede eren sunder kunterfait. 2122; do si gelas die senden rede, ir claren æugel fein stede vol haiʒʒer træhen wurden do. 2584; iu missezimt al sOelhiu rede: geluck hat der ern stede mit iu so gefllet. 13102. I@33) neben dieser bildung steht eine andre mit dem suffix idg. -tā, vgl. Kluge stammbildungsl. § 120. etym. wb.6 376b. sie ist besonders dem deutschen sprachgebiet eigen. im altnord. entspricht mit schwacher flexion staða (gen. stðu) stand, stelle. Cleasby - Vigfusson 585b (das starke stð, ankerplatz, hafen 602b ist wegen des gen. stðvar nicht [] direkt vergleichbar, scheint vielmehr die gleiche bildung wie lat. statua), vgl. dazun. stade, n. marktstand, kirchensitz. unklar ist die stammform in altfries. statha, stata, grundstück, landgut. Richthofen 1044b, wozu federstatha 730b; dazu vielleicht alts. marcstada, macellum Wadstein kl. denkm. 97a, 17 (Werdener Prudentiusgl., 10. jahrh.). — eine ganz andere bedeutung und gröszere häufigkeit zeigt das hd. wort: ahd. stata, locus, status, constitutio, facultas, sumptus, occasio, positio, opportunitas, -num. Graff 6, 642 f.; mhd. state, stat, mitteld. auch stade 'alles wodurch etw. gestatet wird, wodurch es möglich wird es ins werk setzen: bequemer ort od. zeitpunct, gute gelegenheit, bedingende verhältnisse, umstände, lage.' Lexer handwb. 2, 1145. in demselben sinne dann auch mnd. stade Schiller-Lübben 4, 350a, mnl. stade, gelegenheit, zustattenkommen, hilfe, holl. stade (in te stade komen). vgl. auch unstatte. — schon spätmhd. ist dieses wort durch den im oberd. normalen abfall des auslautes -e in der endungslosen form des nom. acc. sing., die weitaus am üblichsten ist, mit dem unter 1 behandelten lautlich zusammengefallen. einzelne beispiele bietet schon die klassische zeit: 'eʒ tuot mir herzenlîchen wol, daʒ ich hie strîtes vinde stat.' 'jâ, benamen, du wirst sîn sat.' Wig. 4787; daʒ ich nâch den habechen bat. sich hât gefüeget mir diu stat daʒ si mir sint zen handen komen. Biterolf 7024. über einen besonders auffälligen fall bei Walther von der Vogelweide 119, 34 vgl. Lachmanns anm. nhd. ist eine scheidung noch weniger durchzuführen, da stat(e) überhaupt in der alten freien verwendung im 16. jahrh. erlischt (s. unten II, B), und sich nur in gewissen festen verbindungen mit verben hält, wo es indessen mit altem stat concurriert und immer mehr zusammenflieszt, s. unten II, C. deutlich erhalten ist nur der dat. pl. in gewissen präpositionalen redewendungen, s. unten II, B, 7—8; in éinem falle ist er allerdings an stelle von älterem statt (im sinne 1) getreten, s. II, A, 4, e,ein weiterer beweis, dasz beide wörter im sprachgefühl nicht mehr auseinander gehalten werden. wenn sich vereinzelt im 16. jahrh. die schreibung statte, state findet, so ist dem schwerlich irgend welche bedeutung beizumessen: und doch nirgent kein statte funden, daran sie füglich wohnen kundten. H. Sachs 5, 89a; drumb, dieweil wir sie auf warer tate gfunden haben, geben wir kein state irer lügn, die sie aus list ertichtet. Rebhun Susanne 4, 3, v. 294 (schausp. aus dem 16. jahrh. 2, 76). I@44) während also diese alte unterscheidung zwischen ahd. stat und stata im nhd. verloren ist, hat sich eine neue differenzierung durchgesetzt und zu einer spaltung des alten stat in drei nhd. wörter geführt. I@4@aa) schon frühmhd. hat stat die speciellere bedeutung 'ortschaft, oppidum' angenommen, wo es das ältere burg allmählich verdrängt. sie ist sogar schon ahd. in einigen stellen deutlich vorhanden: gieng ûʒ fon thera burgi in stat thiu Bethania heiʒit (abiit foras extra civitatem in Bethaniam) inti thâr uuonêta. Tat. 118, 4; vgl.: ein búrg ist thâr in lánte, ... zi théru steti fúart erthia drúhtînes múater. Otfrid 1, 11, 26. im nhd. hat sich hieraus ein besonderes wort entwickelt. die abtrennung ist zunächst in der schreibung vollzogen, indem schon im anfang des 16. jahrh. in diesem speciellen sinne stadt aufkommt, woneben sich allerdings stad, stat, statt bis ende des 17. hält; doch ist sie auch sonst deutlich vorhanden, z. b. wenn Hulsius 306b unmittelbar nach einander 'statt, s.ort, m. lieu' und 'statt, f. ville' als verschiedene wörter aufführt, ebenso Schottel 1421 (beides stat, f.; erst Stieler unterscheidet stadt und statt). jetzt ist sie auch in der gesprochenen sprache wenigstens im plur. deutlich, wo die alte starke form städte in dieser bedeutung erhalten ist, die sich von dem sing. stätte durch länge des vocals unterscheidet. s. oben sp. 420 ff. (die ursprüngliche identität beider kennt Adelung.) I@4@bb) die alte flexion: nom. acc. stat — gen. dat. stete liesz eine doppelte ausgleichung zu, indem jede dieser formen [] verallgemeinert und für den ganzen sing. verwendet werden konnte. gewöhnlich hat dabei unter dem einflusz der consonant. decl. (naht, maht) die nom.-form gesiegt, wie überhaupt bei den weiblichen i-stämmen, doch findet sich vereinzelt schon im mhd. auch stete, stede in der geltung eines nom.-acc., s. oben 2, d zu ende. dabei war wol von ausschlaggebender bedeutung, dasz im nd. (vielleicht auch in benachbarten strichen des mitteld.) stede die lautgesetzliche gleichmäszige form des ganzen sing. ist. jedenfalls weist das nhd. von anfang an statt und stätte als gleichberechtigte wortformen neben einander auf, die in der bedeutung nicht merklich unterschieden, dagegen in der gebrauchssphäre deutlich gegen einander abgegrenzt sind. statt hat sich nämlich im allgemeinen nur in gewissen festen verbindungen und fügungen erhalten (als acc. und dat. sing.), die unter II, C und D behandelt sind; darüber hinaus kommt es im 16. jahrh. noch häufig vor, seltner im 17. jahrh., und wird in der neuern dichtung (19. jahrh.) wieder erneuert; in der allgemeinen sprache ist es üblich geblieben in gewissen sprichwörtlichen redeweisen und als zweites glied von zusammensetzungen, doch ist hier ein rückgang unverkennbar. s. unten II, A. vgl.: die statt für stelle ist im hochdeutschen als eigentliches hauptwort veraltet. Heynatz Antibarb. 2, 443 (nur statt haben, finden, zu statten kommen, von statten gehen und statt als vorwort werden anerkannt). dagegen ist in der allgemeinen bedeutung 'locus' stätte zur herrschaft gelangt, das nun gerade in den für statt reservierten gebrauchsweisen (II, C. D) gemieden wird. es ist als besonderes wort an seiner stelle behandelt. I@4@cc) diese unterscheidung ist schon bei Luther durchgeführt, wenn auch einzelne ausnahmen vorkommen; sie ist besonders deutlich in der bibelübersetzung, wo die vergleichung mit dem grundtext sie mit sicherheit erkennen läszt; die überwiegenden schreibweisen sind: 1) stad, plur. stedte, übersetzt hebr. רי, gr. πόλις; 2) stat (stad) fast nur in der heutigen begrenzung, besonders in der unter II, D besprochenen gebrauchsweise, wo der urtext die präpositionen ת bezw. ἀντί gebraucht; 3) sonst für 'locus', stete oder häufiger stet, = hebr. םק, gr. τόπος. (in den belegen ist bei allen fällen, die von dieser regel abweichen, das original angeführt.) einige beispiele, wo verschiedene formen neben einander stehen, mögen die unterscheidung veranschaulichen; 1 und 2 neben einander: da Husam starb, ward könig an seine stat Hadad, ... und seine stad hies Awith. ... da Baal Hanan Achbors son starb, ward an seine stat könig Hadar, und seine stad hies Pagu. 1 Mos. 36, 35. 39 (= 1 chron. 1, 46. 50); und Abiam entschlieff mit seinen vetern, und sie begruben jn in der stad David, und Assa sein son ward könig an seine stat. 1 n. 15, 8 (ebenso v. 24 u. ö.); der könig aber zu Assyrien ... besetzt die stedte (י) in Samaria an stat der kinder Israel. 2n. 17, 24; 1 neben 3: und (Jacob) furchte sich, und sprach, wie heilig ist diese stet (םק). ... und hies die stet (םק) Bethel, vorhin hies sonst die stad (רי) Lus. 1 Mos. 28, 17. 19; und er bawet jm heuser in der stad David, und bereit der laden gottes eine stete. 1 chron. 16, 1; so wil ich mit dieser stet (םק) ... und seinen einwonern umbgehen, das die stad (רי) werden sol gleich wie Thopheth. Jerem. 19, 12; denn die stete war nahe bey der stad (ἐγγὺς ἦν τῆς πόλεως τόπος), da Jhesus gecreutziget ist. Joh. 19, 20; da kamen wir an eine stete, die heisset Gutfurt, da bey war nahe die stad Lasea. apostelgesch. 27, 8; 2 neben 3: welcher könig ist an stat seines vaters Josia, der von dieser stet hin aus gezogen ist. Jerem. 22, 11. ausnahmen sind hier äuszerst selten; so stat für und im wechsel mit stete: der sol ... seine hand auff des bocks heubt legen, und jn schlachten an der stat (םק), da man die brandopffer schlachtet fur dem herrn. 3 Mos. 4, 24, neben: an der stete des brandopffers. v. 29. in folgender stelle deutlich unter einflusz der gewöhnlichen gebrauchsweise II, D, 2: zeuch jn nicht zu dir, das er dich nicht wegstosse, und trette an deine stat (ἐπὶ τὸν τόπον σου). Syr. 12, 12. s. ferner unten II, D, 3, b.dem entspricht im ganzen der sonstige sprachgebrauch Luthers wie anderer autoren der ältern zeit. so bieten [] die belege aus Fischart zumeist stett, besonders in den verbindungen auff der, an der, zur stett, stätt, dagegen statt in der bedeutung II, D, 2, s. das. doch auch: hätschiert mit der hallenpart, zog darmit wer den anderen von der statt reisz. Garg. 284 neudr. weitere reste dieses allgemeinern gebrauchs von statt s. unten II, A. I@4@dd) ein unterschied der casus im sing. ist im nhd. nirgends mehr deutlich nachzuweisen. wo daher stätte, in älterer schreibung meist stett etwa als dativ vorkommt, sind solche belege unter stätte einzureihen. bei den festen verbindungen ist hier ein unterschied zu beobachten: während für statt im sinne II, D stett, stätte nur ganz vereinzelt begegnet, ist in den ausdrücken wie auf, an der stätt für 'sofort', die im 16. jahrh. sehr gewöhnlich sind, die form mit umlaut durchaus herrschend; sie steht z. b. ausnahmslos in den zahlreichen beispielen aus Fischart; nur die ebenfalls nicht wenigen belege aus Murner bieten ebenso consequent statt, s. unten II, A, 4, b. I@4@ee) im plur. hat stadt die alte starke form städte (älter stedte) behalten. dagegen ist zu stätte ein schwacher plural stätten 'loca' gebildet, während statt in seiner beschränkten gebrauchssphäre einen plural nicht gestattet. im ältern nhd. (16. jahrh.) kommt jedoch stete, stet auch für 'loca' vor, wo es dann sowol zu statt (stat) wie zu stätte (stete, stet) gezogen werden kann, in den meisten fällen aber von der letzteren singularform nicht mit bestimmtheit geschieden werden kann. deutlicher plural bei Luther: so hat er (gott) auch sonderliche stete dazu (zum gottesdienst) geordnet, als bey uns die kirchen oder heuser, da wir zusamen komen. 6, 33b; weniger sicher: alle stet (םק־ל) darauff ewr fussolen tretten werden, hab ich euch gegeben. Jos. 1, 3; weiter sahe ich unter der sonnen stete des gerichts (ט םק), da war ein gottlos wesen, und stete der gerechtigkeit, da waren gottlose. pred. Sal. 3, 16; plural ist wol auch anzunehmen, wenn vereinzelt stet(e) für statt (II, D) in bezug auf einen plural begegnet: thu die könige weg, ein jglichen von seinem ort, und stelle herrn an jre stete (םי). 1n. 20, 24; gott hat der stoltzen heiden wurtzel ausgerot und demütige an jre stet (ἀντ' αὐτῶν) gepflantzet. Syr. 10, 18. so vielleicht auch: drey gevattern aber werden billich gebeten, auff das wenn einer ab gehet durch den tod, das die andern jre stete erfüllen und vertretten. Erasm. Sarcerius hirtenbuch (1562) 81b. — noch Adelung giebt als 'plur. der doch nicht gebraucht wird' die stätte. deutlich ist der plural natürlich im dativ. (über den dat. statten s. u. II, A, 4, e.) I@4@ff) ganz vereinzelt scheint statt frühnhd. als masc. vorzukommen: so ist Augspurg 1000 und 59 jar for der gepurt (Christi) gepauen worden von den Schwaben, die fundend ain bequemlichen gesunden statt zwischen Wertach und des Lechs, da pauetent [sy] die statt Augspurg hin. d. städtechron. 22, 332, 2 (ende des 15. jahrh.); vermischung mit stad, m., s. sp. 415 f.? vgl. auch S. Franck weltb. 188a unter II, A, 9, a, sowie den 2. beleg unter II, A, 8. — später wurde bei manchen durch die beschränkung auf den formelhaften, artikellosen gebrauch (s. II, C) eine unsicherheit hervorgerufen, vgl.: 'statt (caret fere semper articulo, hinc genus nullum amat, adjungitur plerumque masculinum oder [l. der] vel potius die, et vox eadem videtur ac: stadt). Steinbach 2, 687. I@55) was die lebenden mundarten angeht, so scheint im hd. das wort zumeist auf die abgetrennte bedeutung 'stadt' und präpositionalen gebrauch (II, D) beschränkt; auch in zusammensetzungen kommt es noch z. th. vor. so ist es in einigen oberd. und mitteld. idiotiken angegeben: els. 'stàt selten, meist nur in ableitungen und zusammensetzungen. Martin - Lienhart 2, 619a; bair. stàd, plur. stétt, stéd Schm.2 2, 792 (auch sonst in einigen wendungen); kärnt. stàtt, gstàtt, statt, orṭ Lexer 239; tirol. stàtt nur in compositen (und = stadt). Schöpf 701. Hintner 229. im mitteld. ist nur präpos. gebrauch bezeugt, s. unten II, D. ausdrücklich ist das fehlen andrer verwendung bezeugt für Handschuhsheim (dafür plats, nur noch wærkstat und veraltend liijɐstat), wo auch statt finden, von statten gehen, zu statten kommen (wie wol in den meisten md. mundarten) unüblich sind. Lenz 68a. — dagegen ist das wort im nd. überaus lebendig geblieben; es dient hier für [] das hd. stelle. es begegnen 3 formen neben einander. die nördlichen mundarten haben langes, offenes e, wonach das d in neuerer zeit geschwunden oder im schwinden ist: ostfries. stää (städe, stede) Stürenburg 259a, stede, städe, gewöhnlich stê, st ten Doornkaat Koolman 3, 304b, brem. stede, steë brem. wb. 4, 1010, hamb. stede Richey 288, holst. stee, stede Schütze 4, 190 (alle 3 bezeichnen ausdrücklich offenes e durch η), meklenb. städ, stär Mi 85b (präp. stats), altmärk. st(d) Danneil 208a, vorpomm. städe Dähnert 455b, preusz. stêd, -e, auch städ, -e Frischbier 2, 365a; im südosten herrscht geschlossener vocal: südhannov. stêe (plur. stêen und stêens, präp. stats) Schambach 208a, osnabr. stye Strodtmann 380b, waldeck. štîd(e) Bauer-Collitz 99a (im 15. jahrh. stedde, s. 175 —?), westf. stîe Woeste 254b, 'stîə Frommann 3, 421, 5, in Lippe stiehe 6, 493; die gegend um Braunschweig, Goslar u. s. w. hat auch heute wie im mittelalter stidde, s. z. b. Frommann 5, 296 (in und um Fallersleben). IIII. bedeutung und gebrauch. II@AA. das alte stat, vgl. I, 1. 2: statt, f. ort, m. lieu. Hulsius (1616) 306b; stat, f. locus, lieu. Schottel 1421; statt, it. stätte, stadt, luogo [massime in senso figurato in certe belle e molto usitate, it. proverbiali locutioni]. Kramer dict. 2, 914a. II@A@11) statt, locus, im allgemeinen: so ahd.: únde chád síh erfáren háben mánige stéte (iam multa asserit circuisse). Notker 1, 784, 18 Piper (Marc. Cap. 2, 6); mhd.: mit groʒerme rechte beheldit der man daʒ len, deme du stat zo sime dinge bewisit wirt (cui expectationis locus designatur), denne der, deme sundir bewisite stat ein gedinge geligin ist (cujus expectatio loco caret designato). Görlitzer lehnr. 1, § 125 (bei Homeyer Sachsensp. 2, 2, s. 120); disiu stat ist eislich. Lampreht v. Regensburg tohter v. Syon 3544 (übers.: terribilis est locus iste. 3541 = 1 Mos. 28, 17); ebenso noch im ältern nhd.: deszgleichen ist es mit dem wein, den priester darzuo (zum abendmahl) brauchen fein, on alle thaylung jeder neuszt, war got und mensch kain stat beschleuszt. Schwartzenberg Cic. 155a. sprichwörtlich: es ist kein statt ohn ein zeugen, nullus locus sine teste. es ist kein ort, er verräth ein mordt. Egenolff sprichw. (1591) 380a, ebenso Eyering 2, 541 (1601, stadt). Petri Bb 2a (1605, stett). Lehmann, s. Wander 4, 782. so im nd. noch lebendig; sprichwörtlich: de ste(de) kumt nich to 'n minsk, sündern de minsk môt to de ste(de) kâmen. Frommann 3, 424, 258 (zw. Ems u. Jade). — mit bestimmteren ortsbezeichnungen zusammengestellt: in dem 1363 jare worden degedinge hartliken twischen bischop Diderike und den borgeren umme den torn bi dem Mollenhove. de bischop sprak, de stede were sin; de borgere spreken, de stede were or. d. städtechron. 7, 241, 27; da kund der gartner das hol nimmer mer vinden. darnach suocht sant lrich die stat offt haim. 4, 296, 6; wiʒʒet ir iender hie bî eine stat diu mir gevellic sî, einen wilden stein ode ein hol. Hartmann v. Aue Greg. 2972; das breite trauerfeld, die gantze wüste statt klagt mit uns dessen todt, der sie erschaffen hat. P. Fleming s. 3. II@A@22) statt mit nähern bestimmungen. II@A@2@aa) mit genauer angabe der lage: derselbe zirt di stat vor sant Peters munster di do heiszet paradisus. d. städtechron. 8, 21, 27 (Closener chron. v. Straszburg 1362). wie hier, wird auch sonst eine statt mit eigennamen bezeichnet: de stede is gheheten Krekelputte. Reinke de vos 2451. (vorher: dar is eyn born, heth Krekelput. 2443. meistens steht stat mit eigennamen natürlich im sinne des heutigen stadt. so jedenfalls auch: Grifo ... vloch an de Oveker up dat water an eine stede, de heit Oraheim. d. städtechron. 7, 21, 28, wo das glossar 'stätte' giebt, vgl.: wente to dem dorpe an der Oveker, dat heit sus Arnhem. 14, 27.) II@A@2@bb) häufig wird die bestimmung durch einen nachfolgenden relativsatz gegeben: antthat sie te theru stedi quâmun thâr sie ina fan themu uualle niðaruuerpan hogdun. Hel. 2682; [] in déro stéte dar uuêida ist (in loco pascue). Notker 2, 73, 2 Piper (ps. 22, 2); nu minnin wir die stat da unsir schaz ist. spec. eccles. 78; dusse wandelde dat munster sancti Valerii ... van der Hertesborch wente in die stidde, dar it nu licht. d. chron. 2, 592, 22; bischop Albrechte gaf on (den predigermönchen) de stede, dar nu sunte Agneten closter lit ... dar na wart on de stede bi dem breden wege, dar se noch sitten. d. städtechron. 7, 146, 13 f.; der pfallntzgraf ... weiset die stat, dahin man unser püchsen legen sölt. 2, 38, 5; gee an die stat, do die stain ligen. 291, 8; so eyner jemandt entleibt ... und will sich eyner notweer gebrauchen, ... inn solchen fellen ist anzuosehen ... die statt da der todtschlag geschehen ist. Carolina art. 143; ist also durch den nachrichter an ander gewonliche statt, da solch verzweyfelt corpell hingehOeren, gefürt worden. Wickram rollwagenb. 104, 8 Kurz; Seth vôrde den lîcham (Adams) an dat velt dâr he ene in de êrden lede. he grôf ene in de sulven stede dâr got êrst ût nam sîne lêde. van d. holte des hill. cruzes 235; gehet hen gen der stede wert, die dort vor uch gelegen ist! Alsfeld. passionssp. 2513; dasz ir moget kommen an die staid, do ir en beschauwet in gotlicher majestad. 5494. II@A@2@cc) unbestimmter mit adjectiven: gileitit uuard thô druhtîn Krist,thâr ein einôti ist, in steti filu uuuaste. Otfrid 2, 4, 2; sîs mi an got bescirmere in an stede fastero (esto mihi in deum protectorem et in locum munitum). altnfr. ps. 70, 3; got schírmâre sist dû mír ... unde in fésta stat. Notker 2, 276, 16 Piper; du tâte mih in uuîtero stéte stân (statuisti in loco spacioso). 97, 26 (ps. 30, 9); daz er meint, sölt er mit den von Nürmberg in recht komen an pillichen steten, er gewünn nicht vil. d. städtechron. 2, 126, 9; also füert der schuster das kind an ain haimlich statt in dem haus. 5, 71, 18; (du) vurest mich in dirre vart an eine lesterliche stat. pass. 190, 47 Köpke. bestimmter: wann der tempel zuo Jerusalem was getailet in drey tail ... und hetten zwen umbheng, ainer was zwischen der hailigen stat, und zwischen der stat die da wirt genennt sancta sanctorum. Keisersberg schiff der penit. 98b. zuweilen in neuerer dichtung wieder belebt: ja, Eynards boten eilten zur blutgedüngten statt. Chamisso 1, 162 Koch (Soph. Kondulimo). II@A@33) statt nach präpositionen in ortsangaben; fast nur in der älteren sprache (bis 15. jahrh.). II@A@3@aa) unbestimmt an einer statt: daʒ an einer stat sîn swester grôʒes guotes wielt. Ottokar reimchron. 2774; mhd. auch: daʒ der tubel zu keiner stete (irgendwo) immir icht gutes tete, daʒ were widir sine art. Brun v. Schonebeck 6616; hatt er aber misse dreten mit ungelimpf an kainen stetten, so wirffet in das ratt nider. Heinr. v. Neustadt Apollon. 11218 Singer; an eine stat: dô sie zû im quâmen, an eine stat sie in nâmen. livländ. reimchron. 6370. in folgender stelle dagegen ist ein zahlwort: es ward daz gedreng so grosz umb daz flaisch, daz man die gemein an einer stat mit flaisch nit gespeisen mocht. d. städtechron. 2, 308, 21. II@A@3@bb) an dieser statt, hier: ich was ein priester in der heidenschefte und lebite an dirre stat. veterb. 10, 27 Palm; an dirre stat dâ lieʒ ich in. Iwein 5903; was suchestu in dissem garten ader was wiltu warten so frue ane disser stadt? Alsfeld. passionssp. 7738; auf: Pilate, richt uns uff disser stadt! 3893; zuweilen im plural, verallgemeinernd: dasz kurczlich geschiet bi der, dasz zu Jherusalem adder an dissen steden gode dem vatter geschiet kein bedde. 1361; neben hier, verstärkend: das bezeuge hie an disser stede! 3559; [] also din mu[n]t gesprochen had iczund hye an deser stad. himmelf. Mar. 168 (Mone altd. schausp. s. 26); des solt ihr haben one zorn von uns den lohn, den ihr verdienet hat allhie auf dieser statt. fastn. sp. 913, 15. wieder erneuert: an dieser statt, der gefreiten. Rückert (1882) 11, 407 (24. mak.); ob die freiheit je, die hehre, wache hält auf dieser statt? Freiligrath5 5, 191. dazu ferner: mer woln von disser stad gan. Alsfeld. passionssp. 3359; der wel mich erlosen von disser stad. 7172. an der statt dort: so was der hövesche Riwalîn .., der eʒ des tages und an der stete ze wunsche vor in allen tete. Trist. 695; do warf er (der esel) nâch gewinne her umbe ein andereʒ blat (in d. buche), unt vant ouch niht an der stat. pf. Âmîs 282: do ward iʒ all so enge, ... har und haut abstrauffen muost ich leiden an der stat. Suchenwirt 24, 90; (im wechsel mit dem genetiv?:) he (David) plach tô dônde an der stEde ôtmôdichlîken sîne bEde ... he wolde der stede ein bEdehûs mâken. van d. holte des hill. cruzes 503—7. ebenso an die statt da-, dorthin: wand er het mich vil gern verkouft an die stat. Ottokar reimchron. 44479. an der selben statt: do íh díh sub arbore crucis ... irlôsta .., da an der sélben stéte uuárt dîn mûoter corrupta et violata. Williram 136, 9; die de erren lenunge dar inne hebbet, die solen ire gut an der selven stat hebben. Sachsensp. lehnr. 11, § 5; an derselben stat was gestanden ain stuben und ain kamer. d. städtechron. 25, 305, 29; si quamen vur dem alter hin, da er im sweren solde ... unde swur uf der selben stat. pass. 19, 91 Köpke. hier tritt leicht übergang in die bedeutung 4, b ein, s. das. II@A@3@cc) an mancher statt und ähnlich: latet sie ok ire man .., sie muten irme herren die versne penninge geven, dat sint dri schillinge, unde in summen steden mer. Sachsensp. 3, 73, § 3; (papst) Leo gaf dussem keisere einen groten dêl der reliquien ... unde mennigerleie stucke, de he sammet hadde in mennigen stidden. d. chron. 2, 592, 31; diu Donaw was gar grozz, wann si fürt an ettlich stat gantziu hüser hin. d. städtechron. 4, 38, 10 (Augsb. chron. zu 1373). in demselben sinne gelegentlich: do erschenen in deme himele van steden to steden alse viurege clote unde bescurden sic aver an enem anderen dele des himeles. d. chron. 2, 180, 35 (sächs. weltchron.). vgl. neund. bî stêen stellenweise, auch stêenwîs. Schambach 208b. II@A@3@dd) an allen stätten, überall: salic ist der, der sich an in lazzit ... der ist behuotit in allin stetin. spec. eccles. 94; en vervest man mut sik wol uttien (befreien) in allen steden binnen dem gerichte, dar he vervest is. to geliker wis als man die klage erheven mut in allen steden, also mut sik en man wol uttien in allen steden. Sachsensp. landr. 3, 17, § 1; in allen steden mut die herre sines degedinges beginnen, ane in kerken unde in kerchoven. lehnr. 65, § 2; der (gott) sihet dich an allen steten. veterb. 37, 27 Palm; die aber kirchen bawen .., wöllent die götlichen majestat in einen winkel zwingen, als sam sie nit an allen stetten geleich mug genedig sein. d. städtechron. 3, 175, 2; wiszent daz ich gewalt habe uber alle creature in himel und in erden und im abgrunde und an allen stetten. 8, 114, 21 (Closener); mit swüeren er die sel verdampt, das si erlamptvor got an allen steten. Osw. v. Wolkenstein 122, 30 Schatz. II@A@44) formelhafter und dabei ausdrucksvoller sind andre verbindungen, die dann auch vielfach des artikels entbehren. II@A@4@aa) vereinzelt zur statt ähnlich wie jetzt gewöhnlich zur stelle; so zur statt kommen an den bestimmten ort, ankommen: und vergiengen wenig monat, bisz alle meusz kamen zur stad. froschm. Nn 3b (3, 1, 1, 138). [] zur statt sein, hd. unbelegt, nur nd. to'r städe siin, gegenwärtig. Dähnert 455b. — mhd. an der stat sitzen, auf derselben stelle sitzen bleiben: daʒ si alsam ein turn saʒ unbewegelich an der stat. pass. 29, 39 Köpke. so dann auch 'an der statt bleiben, auf dem platz bleiben, d. h. ums leben kommen'. Schm.2 2, 792: (ein knäblein) schlof im kasten aus und ein, und am rausschliefen fiel der kast auf es und schluog es tzuo tod, dasz es an der stat pelib. d. städtechron. 23, 452, 5 (Augsb. zu 1506); vgl.: drie und drîʒec brûdere tôt bliben ûf der selben stat. livländ. reimchron. 10663. artikellose wendungen nur in der alten sprache; ahd. in oder ze stete stân, s. Graff 6, 639, bei Notker: particule ... nequaquam permanent. íro téil nestânt in stéte nîeht. 1, 409, 23 Piper (categ. 2, 7); timor domini sanctus permanens in seculum seculi. trúhtenes forhta ist hêilig, unde iêmer ze stéte stande ... dísiû stât ze stéte, uuanda sî ungescêiden ist fóne caritate. 2, 59, 7. 10 (ps. 18, 10); dies terre (dero erde tága) sint unstate, uuanda êine fárent hína, ándere chóment, aber dies celi stant ze stéte. 372, 17 (ps. 88, 30); sie zegânt, du stâst ze stéte, unde bist daz du bist (ipsi peribunt, tu autem permanes). 426, 13 (101, 27); zi steti uuesan, ganz wie unser zur stelle: êr thâr zi steti uuârunthiu selbun, thiu nan bârun. Otfrid 3, 20, 77; die verbindung thâr zi steti, auch sonst als verstärktes 'dort': Maríûn thes thoh io nirthrôʒ,stuant ûʒana thes grabes, rôʒ zi steti thâr ginôto. 5, 7, 2; vgl.: illic, thar te stedi. Wadstein kl. as. sprachdenkm. 56b, 17; ferner: zi steti sezzen, sopire (rem). Graff 6, 639: sopita zistetigisaztiu, zistetigizastero. Steinmeyer ahd. gl. 2, 131, 58—60. mhd. scheint ze stete fast nur noch bei Gottfried v. Straszburg bezeugt zu sein; ze stete stân, still, unbeweglich, sich nicht vom fleck rühren: Tristan stuont alleʒ ze stete, daʒ er doch nie dâ vor getete: sine kom êmâles zuo zim nie, erne gienge verre gegen ir ie. Trist. 14685. ze stete treten, fest auftreten (als vorbereitung zu einem sprunge, kaum 'einen anlauf nehmen'): er sazte sîne füeʒe enein und trat vil vaste ze stete. 15189. häufiger enstete stân, vom kampf oder turnier, stehen, zum stehen kommen: der turnei vaste stuont enstet. Ulr. v. Liechtenstein 88, 21; also stunt der strit in stete. Ludw. kreuzf. 1962. vgl. noch: daʒ phärt er ze stete bant. Erec 296. II@A@4@bb) häufig finden sich mhd. und nhd. bis ende des 16. jahrh. wie auch nd. ähnliche wendungen in der bedeutung 'sofort', wie jetzt auf der stelle und lat. ilico (= in loco). sie werden mit verschiedenen präpositionen (an, auf, in, zu, von oder von—an) und theils mit, theils ohne artikel gebildet. die nhd. belege bieten bald die form statt, bald stätte (stette, stett, stet, stät usw.); die letzteren fälle sind unter stätte, f. verzeichnet. II@A@4@b@aα) an der statt, so mhd. sehr gewöhnlich, s. mhd. wb. 2, 2, 600a, das herauswachsen dieser bedeutung aus der blosz örtlichen 'dort' (s. 3, b) mag eine stelle wie die folgende veranschaulichen: und wart nâch gelte niht gesant: wand sî heten ûf daʒ velt beide brâht ir übergelt unde vergulten an der stat mê und ê dan man sî bat. Iwein 7169. weitere belege: mere sprach er an der stat. genes. 13, 29 Diemer; dô hieʒ sie kumen Antret. Antret quam an der stet. Heinr. v. Freiberg Tristan 4628; dem herzogen Lovelîne wart schiere die kunft sîne und an der stete bekant. 6683; nû was diu seldenbære gevaren an der stet ... ûf des meres vluot. Ottokar reimchron. 4509; do sprach der knab an der stat. Johann v. Würzburg Wilh. v. Österr. 742; [] sie giengen do hin an der stat und komen für des richters hausz. pf. v. Kalenberg 2050; als sie die wort vollendet hat, flog sie zn wlden an der statt. Murner Virg. (1543) 61b (Aen. 3, 258); nim wilde minzen unde mule die unde leges alsô toumige uber die wunden ... an der stat verstêt daz pluot. arzneib. 144, 3 Pfeiffer (13. jahrh.); da viel er (d. papst = päpstin Johanna) nider an der strasz und gewan ain kind und sturben baide an der stat. d. städtechron. 4, 295, 3 (Augsb., 15. jahrh.); item drei tag darvor viel sich ain zimmerman under dem Perlach zuo tod an der stat. 25, 315, 13; do schwur dasselbig weib einen eyd, er wær schuldig. das rach got der herr alsobald an ir, und zerplæet sich das weib vor sünden an der stat. quelle bei Scherz-Oberlin 2098 (unter zerplaen). mit synonymen zusammengestellt: gee hin noch pald und an der stat mit mir an der juden rat. altd. passionssp. 1, 486 Wackernell (s. 34). auch: dô sprach ich an der selben stat. Helmbr. 1296. II@A@4@b@bβ) eigenthümlich verstärkt durch das part. stehend (wie sonst stehenden fuszes): der herre sprach an stênder stat. Alex. C 178 (s. 80 Maszm.); ich enlâʒe iuch nimmer genesen, ob ir die ganzen wârheit mir nicht an stênder stete enseit. Heinr. v. Freiberg Tristan 6142; welch rather ... rat underredet und undersprichet aun urloub ains burgermaisters, den sullen aber die ainunger an steender stat phenden. d. städtechron. 4, 144, anm. (Augsb., 14. jahrh.). mnd. in diesem falle ohne präp. (also im gen.): wert en vorklaghet vor gherichte unde wel he den kleghere weder vorklaghen stander stede. quelle bei Schiller-Lübben 4, 371b (Gosl. stat.). II@A@4@b@gγ) selten ohne artikel; so alts. noch zugleich im örtlichen sinne: thô uueldun ina thie andsacon thâr an stedi fâhaneftha stên an uuerpan. Hel. 3941. mhd.: ich ... rüerte das bœmelin ane; do vielent an stette herabe der schœnen biren mir minen geren voul. Nic. v. Basel s. 211 Schmidt; wenne es beschiht das dir din selbes nature krang wurt, so snit dirre selben biren eine uf und is ir, so bevindest du das du an stette kraft gewinnest, und nim ouch dirre biren kernen und strich sü über alle dine wunden, so werdent sü dir an stette heil. ebenda; und in dem selben worte so worent sü an stette hinweg, und do kam ich ouch an stette wider zuo mir selber. ebenda (u. s. öfter); Adam folget dem tüfel, an stat da verlor er das cleit der undœtlicheit. quelle bei Scherz-Oberlin 1559 (hist. v. Pontus). II@A@4@b@dδ) sehr gewöhnlich auf der statt; mhd. (bes. mitteld.): einen knappen behenden gewan er ime ûf der stet in der stat. Heinr. v. d. Türlin krone 21802; ain wirt ir dusentvalt malait, hei maicht uch up der stat gesunt. Hagen boich v. Colne 468; ich ... geloive uch, her pais, in truwen dat, dat ich't volvoeren hei up der stat. 516; wer si druweliche gabe in sime namen bat, di gab si rilich uffer stat. Elisab. 848; er hiʒ ilen uffer stat daʒ man den patriarchen bat. 4631; der meister quam im ûf der stat. livländ. reimchron. 2078; so noch nhd. bei Murner: sy (Tisbe) lieff so ylendts hie dar von, das sy den schleier do muost lon, den uff der stat der leuw zerrisz. geuchmatt 2720 (s. 110 Uhl); der prior hort das uff der statt. fier ketzer (1521) i 6b; (verstärkt:) do ich myn irten wider zelt, verwarff er mir glych uff der statt die müntz, die er mir geben hatt! narrenbeschw. 88, 43. auch mnd. uppe der stede (und uppe stede, vgl. unten), s. Schiller-Lübben 4, 371b: dat schâp worpen se darneder ... unde wart dar up der stat gegeten. Gerhard v. Minden 4, 48 Seelmann; [] ein ule wart sêk, up der stat se do ore olden moder bat. 77, 1. so noch jetzt südhannov. upper stêe. Schambach 208b; waldeck. up(e)r štid(e) Bauer-Collitz 99a. in die bedeutung 'jetzt' übergehend: do stunnen use sake noch beter asse upper stee. nd. bauernkom. s. 214 Jellinghaus (Teweschen hochtydt, Hamb. 1640). mit eigenthümlicher verstärkung (vgl.β und ε) früher im mecklenb. (1749 bezeugt, nicht mehr üblich) up de sticken stede, s. nd. korrespondenzbl. 17, 37. II@A@4@b@eε) selten ohne artikel: wo er das 'guck, guck!' unterladt, do focht (fängt) ers wider an uff stadt. Murner geuchmatt 1557 Uhl. nur im heutigen nd. hat sich diese ausdrucksweise festgesetzt: brem. up'r stede und up-stede, up-stee 'auf der stelle, eben jetzt, stehenden fuszes, den augenblick' brem. wb. 4, 1010; ostfries. in (d') stää, upp (d') stää sogleich. Stürenburg 259a; vgl.: dô wuln-sə up stæ nâ Thrînk hen. Frommann 3, 423, 40 (ma. v. Jever); hamb. 'upstede, upstee, upsteeds: ietzo. upstikken stees (vgl. oben δ): eben ietzt, den augenblick'. Richey 288. Schütze 4, 190; altmärk. uppstä, uppstäds, uppstunds. Danneil 208a. II@A@4@b@zζ) ganz vereinzelt mit in; ahd. ohne artikel: in steti, statim. Graff 6, 639 (gl. K.); ostfries. s. unter ε. vgl. noch: vint man ene in der stat (auf frischer that, bei unerlaubtem fischen usw.), man mut ine wol panden. Sachsensp. 2, 28, § 2. II@A@4@b@hη) sehr gewöhnlich ist dagegen die präp. zu, im mhd. als ze, fast immer ohne artikel, s. mhd. wb. 2, 2, 600b: mach ouz dem allen ein phlaster unde lege daz an die stat, sô wirt dir zestete paz. arzneib. 132, 32 Pfeiffer; ze stete se ime se gâben. Wiener genes. 35, 17; ze fluht huop sie sich ze stete. Ebernand v. Erfurt 3436; wie Maria di an ir hete daʒ sage ich uch zu stete. Brun v. Schonebeck 5116; daʒ ûf in verkorn zestet wurde mîn haʒ. Ottokar reimchron. 4645. dâ, hie ze stete: swer ein kint, daz wider in misse tuot, da zo stete gevuochliche mit eime besme zuchtigit, der ne darf dem richtere nicht gebuozin ...; ob er iz dar nach obir ettisliche zit zuchtigin wil, daz muoz er vor buozin. Görlitzer landr. 47, § 16, s. Homeyer Sachsensp. 2, 2, 223; swes so her sich da zo stete nicht vorsinnit, des have her ses wochin vrist zo benomine. lehnr. 1, 52 (s. 93); dâ cistede sîn ouge winister vuor imi ûʒ als ein waʒʒer. Annol. 825; ich wirde hie zestete dîn man. Rolandsl. 305, 19; daʒ geweren rou sî dâ ze stat. Iwein 2919. besonders gern tritt ze stete verstärkend zu dem gleichbedeutenden sâ: dô kêrt er dannen sâ zestet gein dem tale ze Spolet. Lampreht v. Regensburg Franc. leben 1466; zden herren si dô riten und sagten in sâ zestet des kunigs willen unde bet. Ottokar reimchron. 15827; dô gie er sâ zestet zuo den vier verrætæren. 94356; mit dem plural: daʒ wart sâ ze steten in ditze her worden kunt. 58506; do zelieʒen si sich sâ zesteten der samnunge, die si heten. 77642; auch iesâ ze stete; in abgeblaszter bedeutung: daʒ dreib iʒ dicke iesa zu stede. Elis. 702; sî niden alle iesa zu stede ir guden werke mildekeit. 1018. mit dem artikel im mnd.: se sprak: 'berichtet mî tôr stede, wô licht dat holt aldus besunder. van d. holte des hill. cruzes 632. so auch bei Brun v. Schonebeck: ab ein mensche gebe zur stete alliʒ daʒ her zu der werlde hete um libe, daʒ were ein wicht kegen gotes libe. 8832. II@A@4@b@thθ) besonders dem mnd. kommen bildungen mit von, van zu; doch nur ganz vereinzelt van allein, mit dem [] plural: Johan van Haren ... leep to der trezekameren unde greep den hantvredes breeff ... unde wisede den breff van steden. Lappenberg geschichtsquelle v. Bremen s. 115; ebenso hd. (mit umlautslosem plural, vgl. unten e): keyn ingesessen man in eyme gerichte in lantrechte, noch in wichbilde, mag den andern nicht getwingen zcu antworten von staden; her mus erbeyten rechter dingzcith. Ortloff rechtsquelle 1, 165 (distinct. 3, cap. 16, 2; vor 1387). sonst immer mit nachgesetztem an gepaart. auch hier überwiegend mit pluralischer, jedoch stets umlautsloser, form: van staden an, daneben vereinzelt van stade an und sogar van an stade, s. Schiller-Lübben 4, 367bf.: unde also wart van staden an des schicht angheheven. d. städtechron. 6, 359, 28 (Braunschw. urk. v. 1374); unde wanne desse beede aldus to Lubeke geschen is, so schulden de vorbenomden van staden an velich vor uns in de stad to Brunswic wedder komen. 387, 20. hier scheint eine verwechslung mit stade (s. unten B und oben I, 3) vorzuliegen. — von stat an findet sich auch in hd. (besonders ostmitteld.) quellen: alz uns der egenant Worsiwoy gesagt hat, den wir auch von stadan zu dem egenanten herczogen senden wöllen. d. städtechron. 1, 141, 33 (schreiben könig Wenzels von dez. 1387); darumb gebieten wir dir .., daz du von stadan die selben unser diener awz der egenanten hertzogen dienst widerrüffen ... söllest. 144, 11 (desgleichen von 1388); so haben sie gewalt .., allenthalben dy sturm zu leuten und domit dy lantschaft von stat an alle haubtleut ... gegen Grefenberck zu zihen. 2, 85, 36 (Nürnb. quelle von 1444); wolt er sich und sein slosz bestellen lassen, so möcht er wol her kumen von stat an mit dem Hasennest. 87, 45; nach ergangenem urtel sol das siegende part von stat an, auff unvorwandtem fusz, die expens, unnd gerichts-kosten zu theilen bitten. Bresl. gerichtsordn. vom jahre 1591, s. 76. II@A@4@cc) ausdrücke mit den präpositionen von, ab (nd. auch ût) bezeichnen die entfernung von einem orte. II@A@4@c@aα) so mhd. von der stat oder stete: daʒ si ... von der stat nie kâmen, die wîle er harphet unde sanc. Trist. 7526; der kunic schuof und bat, daʒ man von der stat müeʒlichen solde staphen. Ottokar reimchron. 15922; so auch: sie lieʒen die sunnen schinen sieben unde vierzec [wi]len, daʒ sie von der stete nemochte kuomen. Trierer Silv. 851. II@A@4@c@bβ) so noch im heutigen nd.: hei kan nich von der stidde. Frommann 5, 296 (in und um Fallersleben). gewöhnlich jedoch mit ût (wie nhd. von, aus der stelle): ik draf nig uut der stee gaan, ich darf nicht von der stelle weichen. brem. wb. 4, 1010; 'du geist nicht ût de st(d); ik kann nich ût de st(d) kaom'n, ich bin durch geschäfte ganz an das haus gefesselt, oder: ich kann durch vielfache arbeiten ganz und gar nicht mein geschäft fördern.' Danneil 208a; nich ut de städ kamen, nicht vorwärts kommen. Mi 85b; ostfries.: hê (dat përd, de wagen) kumd hêl nêd ût de stê. ten Doornkaat Koolm. 3, 304b. dann eigenthümlich verblaszt: nich uth der stede, keineswegs, durchaus nicht. Richey 288; nig uut der städe. Dähnert 455b. Schütze 4, 190. brem. wb. 4, 1010 (auch: uut der stee nig, 'wenn man etwas verbietet: es soll nicht geschehen'). II@A@4@c@gγ) sonst ist gerade in diesen fällen in der ältern sprache die festere, artikellose fügung sehr üblich, und zwar wird hier neben von auch ab verwendet: ab statt, auch zu einem wort zusammenwachsend, s. abstatt, theil 1, 126; bair. 'ab statt (à' stàd, meist adverbial) von der stelle, von statten, vorwärts.' Schm.2 2, 792; els. abstett (àp'stèt). Martin-Lienhart 2, 619b. so schon spätahd.: qui tribulant me exultabunt si motus fuero. demones diê mih pînont, sprúngezent ube ih ába stéte chúmo, unde ube ih fállo in dia sunda. Notker 2, 36, 3 Piper (ps. 12, 5); ferner: es was grosze keckheit und manligkeit in den ratsherren und hertes fürnemen, nit ab stat zu weichen d. städtechron. 3, 165, 11 (Meisterlin chron. v. Nürnb. 1488); so doch der Franzesisch zg ... uf der walstat ubernacht bleib, und aber der Italischen vil noch nie ab stat kommen, in ir ordnung hieltend. Anshelm Berner chron. 2, 12, 9; [] er wolde niht fürbaʒ noch verrer mit im gâhen ... und er kæm niht verrer ab stat. Ottokar reimchron. 84491. II@A@4@c@dδ) noch gewöhnlicher ist jedoch von statt: niht lenger er dâ beit, er huop sich von stat. Ottokar 35320; dô der kunic von stat zôch. 83774; wenn diu frawe von stat gêt, sô hebt si des êrsten den rehten fuoz. Megenberg 40, 30. so besonders im 16. jahrh.: sie (Maria) ist endelich vel von stadt gangen. Luther 29, 445, 20 Weim. ausg. (zu Luc. 1, 39, dazu die bemerkung z. 34: 'endlich und stedlich' heyst 'festinanter'); so wOellen wir morgen, als bald es anhept zuotagen, sovil fürderlicher von statt faren. Schaidenreiszer Odyssee 53a (12, 293); auch fuhren die schiffleut ohn das geschwind von statt, dasz sie gar baldt gen Parisz kamen. buch der liebe (1587) 26b; alsbald er aber den (vergifteten apfel) von dir empfehet, und jhm desz giffts ein kleines stücklin in den leib kompt, so musz er schnell ohn alle hülff sterben, er wirdt auch keinen schritt von statt kommen mögen. 254d; und macht euch bald von statt. Lobwasser ps. 6; so auch: und senet mich als bald von stat (von hier fort, nach hause). Schwartzenberg Cic. 159d. noch das voc. v. 1618 giebt von statt, s. Schm.2 2, 793; dazu ferner von statt lassen einen arrestierten, frei lassen. ebenda: dann im fall verspürt wurde, dasz der arrest mehr den andern vergeblich zu vexiern, dann ausz not begert worden, soll der arrestiert alsbald mit leib, und guet, wider von statt gelassen ... werden. landr. (Münch. 1616) 285. II@A@4@c@eε) dazu auch: wan er ... weich doch von stet ze stet. Heinr. v. d. Türlin krone 25511; wan ir der wint sô grôʒe nôt mit schüten und mit vüeren tet in dem hûse von stet ze stet. 25692. II@A@4@c@zζ) von statten gehen, kommen, s. e, α. II@A@4@dd) dieselben verbindungen werden dann auch in freierem sinne auf sächliche subjecte angewendet, von handlungen, geschäften, ereignissen, einen guten und normalen verlauf haben, zustande kommen, gelingen, erfolg haben und ähnlich. II@A@4@d@aα) zuweilen ab statt gehn, vgl. theil 1, 126: wie es doch zuo gienge, das es in der universitat nit recht welte ab stadt gan. Th. Platter 97 Boos; dann der auf dem rechten weg geht, dem geht sein handel basz ab statt, als dem auf dem unrechten weg. Paracelsus (1590) 9, 111. II@A@4@d@bβ) gewöhnlich von statt gehen: nit von statt gehen, frigere, de opere dicitur. Dasypodius, vgl. Kramer unter e, β. zunächst von handlungen, unternehmungen: und ist mir, was ich in solcher ampts verwaltung angefangen, glücklich von stat gangen. Schaidenreiszer Odyssee 60a (14, 231 f.); da stiessen die vier ketzermönch die köpff zusammen, dasz inen ir fürschlag so weidlich von statt gieng. Kirchhof wendunm. 1, 502 Österley (1, 2, 48); wann ein finantzer sihet, dasz jm seine anschleg und pracktick von stat gehen, grosz gut und gelt darbey samlet, fellet er darauff, sein finantzerey werde gott nicht miszfallen. Gretter erkl. d. epistel Pauli an d. Römer (1566) 109; darumb hat er gesuocht vil witz, bey Juppiter genummen rat dar mit sein anschlag gieng von stat. welsch gattung C 5a; das mir von statt ist gangen satt, darnach hab ich gerungen. lieder der Heidelb. handschr. Pal. 343, nr. 200, 28 Kopp. ungewöhnlicher: was lex ist, gett nicht von stad, was evangelium ist, das gett von stadt. Luther tischred. nach Schlaginhaufen 7, 26 Preger. häufig mit unbestimmtem subject: wie man teglich kan fur augen sehen, das viel sind die bey schwerer, stetter arbeit kaum das liebe brod erwerben, und andere on sonderliche erbeit jr ding fein gefasset und geordnet haben, das es wol von stat gehet und jn zufellt. Luther 32, 471, 17 Weim. ausg.; viel sein deren, die sich an dem glück der gottlosen ergern, und so sie sehen dasz alles jnen nach jres hertzen wunsch von stat gehet, und nicht im unglück sein wie [] andere, sondern haben gute tag, von stundan machen sie jnen diese rechnung, dasz ... kein gott seye. Gretter erkl. der epistel Pauli an d. Römer 108; es mangelt doch nichts weder an unserm predigen noch an den wunderzeichen, noch wil es mit den leuten nicht von stat gehn, ... dann ... wer gleubet doch unser predig? 660; o vatter, gib mir jetzt deine tochter zu einem weib ... (ich) zeige dir solches an, ... allein dasz du deinen willen darein gebest, auch dasz es tapffer unnd glückselig von statt gange. buch der liebe 202d. so noch im 17. jahrh.: damit aber solche schiffart desto basz von stat gehen möchte, sind die mühlen und schiffwehren .., dadurch die schiffart behindert werden möchte, ... niedergerissen. Micrälius altes Pommerl. (1640) 4, 104; wolan, scheint, mich verstanden hat die meisterin in wälden; ihrs allbereit geht wol von statt, die färblein schon sich melden. Spee trutzn. 5, 33 Balke. II@A@4@ee) seit dem 17. jahrh. ist statt in diesen verbindungen durch den dat. plur. statten ersetzt, der im 15. jahrh. aufkommt. diese form kann morphologisch nur zu dem andern statt = ahd. stata (s. unten B) gehören, welches dem sinne nach nicht paszt; sie erklärt sich hier aus der vermischung beider wörter im nhd. und dem einflusz der ähnlichen und sehr üblichen verbindung zu statten (kommen), s. unten B, 7, b. II@A@4@e@aα) so selten in der eigentlichen bedeutung (oben c), die überhaupt erlischt: schöne nacht, gewünschte schatten, kommt doch, kommet doch von statten, eilt doch, eilet doch anher! Fleming 352. in bildlichen gebrauch übergehend: 'denn wenn yhr solchs thut, werdet yhr nicht fallen.' (2. Petri 1, 10) das ist: yhr werdet fest stehen, nicht strauchen noch sundigen, sonder richtig herdurch und frisch von staten gehen, und wird sich alles selbs recht schicken. Luther 14, 23, 22 Weim. ausg.das nd. hat in diesem sinne den richtigen dat. plur. steden: darna cortliken quam de man van steden, dat nenman wiste, wor he hennen vor. Lüb. chron. 1, 162. II@A@4@e@bβ) sehr gewöhnlich dagegen ist von statten gehen in dem unter d behandelten übertragenen gebrauche; es ist der einzige fall, dasz eine der besprochenen redeweisen heute noch lebendig und üblich ist. im 17. jahrh. verdrängt von statten allmählich das ältere von statt (d, β), vgl.: von statt, e meglio von statten gehen, riuscire, far riuscita, v. gerahten, gelingen. Kramer dict. (1702) 2, 914a; die weitern beispiele geben das letztere: der handel, das werck gehet wol, nach wunsch, glücklich von statten, il negotio, l'opera riesce benissimo, riesce à voto; il terreno bene à vanga. übel ò nicht von statten gehen. ebenda. sonst kennen die wörterbücher von Stieler (1691) an nur diese form: von statten gehen, succedere, recte procedere. 2117. für die erklärung ist zu beachten, dasz bei Steinbach 2, 688 als besonderes wort aufgeführt wird: 'statten (pluralis caret itidem articulo) locus', worauf dann die beispiele für von statten gehen und zu statten kommen folgen: von statten gehen, de loco cedere, procedere; es geht gut von statten, prospere procedit; das werck geht mir sehr wohl von statten, lepide hoc succedit sub manus negotium; die sache geht besser von statten, res incipit melius ire; es geht nicht alles von statten, non omnia cadunt secunda; es geht ihm alles glücklich von statten, fortuna ubique praesto est; die dinge sind ihm nicht nach seiner absicht von statten gegangen, non ex destinato proposita fluxerunt; es geht nicht gut von statten, non prospere cedit. ebenda; glücklich von statten gehen, prospere succedere. Frisch 2, 321b; von statten gehen, gefördert werden, einen guten fortgang haben; die arbeit gehet ihm gut von statten, er arbeitet geschickt und hurtig; das will mir nicht von statten gehen, nicht gelingen. Adelung (2). so auch nd.: nig recht van steden gaan, nicht recht weiter rücken, nicht gut von statten gehen. brem. wb. 6, 338. (fehlt in Handschuhsheim. Lenz 68a.) sprichw. scherzhaft: es gehet von statten, wie pech von händen. Lehmann florileg. (1642) 821, 5; vgl. Wander 4, 782, 9; Hetzel wie d. Deutsche spricht 299; ähnlich: das geht von statten, als wenn 's der eine hält, und der [] ander nit gehen läszt. Eiselein 215. da gleichzeitig Opitz und Moscherosch diese form anwenden, während andre autoren (s. d, β) an dem alten von statt festhalten, so bezeichnet das jahr 1640 ziemlich genau den zeitpunkt, wo der wandel des sprachgebrauchs eintritt: sie liessen jhre instrumente strack in den ersten dörffern, worauff sie kamen, erklingen, und dieses gieng jhnen so wol von statten dasz ein jedweder, dem von ihnen gesagt ward, jhre harffen zuhören begehrete. Opitz Arg. (1644) 2, 409; eim losen mann geht doch das wenigste von statten, jhn mag kein griff noch trug, kein ranck noch arbeit batten. Philander 1, 418. mit bestimmtem subject: so glücklich meinen feinden ihr anschlag von statten gegangen war. Wieland 2, 122 (Agathon 8, 4); manche leute, die immer von der creutzigung des fleisches sprechen, und dasz es ihnen so gut von statten gienge, könte man vielleicht fragen, habt ihr denn auch noch etwas, das ihr kreutzigen könnt? Lichtenberg nachlasz 36; sie quälten sich eine zeit lang mit concipiren und umschreiben, bis endlich Eduard, dem es am wenigsten von statten ging, nach der zeit fragte. Göthe 18, 80 (wahlverw. 1, 7); der dortige statthalter schickt seinen sohn Horatio ... nach Dänemark, auf die ausrüstung der flotte zu dringen, welche unter dem neuen ... könig nur saumselig von statten geht. 19, 162 (W. Meisters lehrj. 5, 4); die reise ging glücklich von statten. 23, 81 (wanderj. 3, 6); die weitere fahrt rheinabwärts ging froh und glücklich von statten. 26, 293 (dicht. u. wahrh. 14); gleich darauf spielte mad. Wolff mit ihrem manne zusammen in dem 'geständnisse', das ging denn glatt und gut von statten. Zelter an Göthe 1, 453; ein denken, das, wie schon A. W. Schlegel bemerkt, nur darum nicht als nachdenken auftritt, weil es zu schnell von statten geht, ist ihm überhaupt kein denken. Hebbel 11, 81 Werner; dasjenige, dessen erlernung ihm schon im anfange verdrusz macht und nicht recht von statten gehen will, kommt ihm nicht zu. Keller nachl. 12. unbestimmter: Brigella. was? nicht drei stunden sinds, dasz man den letzten hat abgethan — Truffaldin. ja gott sei dank. es geht von statten, die geschäfte gehen gut. Schiller 13, 366 (Turandot 2, 1). II@A@55) statt in specielleren verwendungen. II@A@5@aa) statt am menschlichen körper. II@A@5@a@aα) im allgemeinen: an der stat, dâ daʒ haupt veraint ist mit dem hals. Megenberg 18, 22; das er ward aller hürnen dann zwischen den schultern nit. und an der selben statte er seynen tode lidt. hürn. Seyfr. 11. stelle, wo irgend etwas seinen sitz hat (vgl. 7, b): vitale, eyn stat dez (des) lebens in dem leyb (lyb). Dief. gloss. 623b. so besonders in der sprache der medicin vom sitz einer krankheit und ähnlichem, vgl. Höfler krankheitsnamenb. 675bf.: dû solt nemen ein gewich (gewicht) carioffiles ... unde sâe eʒ an die stat. arzneib. 121, 24 Pfeiffer (12. jahrh., 12 'contra ficum'); wasche die stat aller êrest mit dem warmen wîne. 122, 25 (17 'ad cancrum'); swâ dû wellest daʒ daʒ hâr niht enwahse, dâ rouf eʒ ûʒ unde ... sâge (streue) daʒ pulver an die stat. 127, 9; nim artemisiam ... und lege daʒ an die stat, dâ dû die geswulst habest. 133, 8; so ist dat braghen sere in deme hovede unde de wedaghe kumpt to van colera rubea de dar in der stede licht. mag. Bartholomaeus 102a, 23 Oefele; so auch: die stadt der kranckheyt. Paracelsus de imposturis (1530) E 3, s. Höfler 676a; so dy serstat aiʒʒelt (schwärt, eitert) und flaisch macht. quelle bei Schm.2 1, 158 (15. jahrh.), vgl.: das cauterium macht platern und aiʒʒelt di stat. ebenda. II@A@5@a@bβ) von der richtigen stelle oder lage eines organs (vgl. unten 7, b), s. z. b. Megenberg 423, 35 unter D, 2, i, ε; aus der statt oder stett kommen, von gliedern, verrenkt werden. quelle bei Schm.2 2, 793 (handschr. v. 1470); wem der kinpack aus der stat vert (aus dem gelenke kommt). Ortolf artzneib. (1477) 42a; ussz der stet, luxatio. quelle v. 1497, s. Höfler krankheitsnamenb. 676a; dafür: ein fuosz ist jm gesin usser stetten. quelle des 16. jahrh. s. Alem. 16, 229b. II@A@5@a@gγ) in mannigfachen umschreibungen besonders der geschlechtsglieder; so in der alten sprache tougen stat: eʒ ergêt vil dicke, daʒ diu matrix ersticket, dâ daʒ chint inne lît ... dû sold nemen swebel ... unde stôʒ ir ein [] teil an die tougen stat. arzneib. 132, 15 Pfeiffer (13. jahrh.); salbe dich dâ mit al umbe die tougen stat. 20; die tougen stat des weibes, loci secreti, genitales. quelle bei Schm.2 2, 792 (15. jahrh.); enzian an die taugen stat der frawn mit ein chleister (klystier) gelassen, das pringt von in die aftern gepurd. 1, 595; die (frau) bestreich sich umb den napel und die taugen stat. ebenda; des mannes taugen stat. ebenda. ebenso heimliche stat: genitalia ... de hemelike stede. Dief. gloss. 260a (15. jahrh.); renaculum haymlichestat. 492a (voc. theut. Nürnb. 1482); s. auch nov. gloss. 316b; budibum (= pudibundum) hemelke stede. 61b (lat.-nd. v. 1417); heymliche stete, vulva, s. Hyrtl kunstw. der anat. 84 (Albertus Magnus), vgl. s. 137 und Höfler 676a; sanikelwurcz gesoten in einem schön waʒʒer, und die haimleich stat in einem pad der maid die für junchfraw get damit oft bestrichen, die wirt niht vermeldet an dem pett. quelle bei Schm.2 1, 1579. andre ausdrücke: mit der unkäusch sinket in diu behend fäuht auʒ den prüstleinn hin ab zuo der unkäuschen stat. Megenberg 383, 2; der entorste nie gerüeren dar an die minnenclîche stat. Heinr. v. Freiberg Tristan 3793 Bernt; sust graiff er an der mynne stat (seiner tochter). Heinr. v. Neustatt Apollon. 236 Singer (oder zu B, 2?); stat da sich dy man vor scham ungern sehn lant. quelle (14. jahrh.) bei Höfler 675b. speciell für geburtsstelle, matrix, vgl. Hyrtl kunstw. 17, s. ebenda: matrix ... di stat do daʒ kint in der muter bauche leit, leibe ligt; und czu seiner geburt zut; dy stat do das weib das kint treit. Dief. gloss. 351c (voc. v. 1394); wen der vrouwen we is in der kinder stede, dat het passio matricis. mag. Bartholomaeus 91a, 16 Oefele; legghe dat plaster in de donen (geschwollen) stat. 25; nempt der zepflein eins und tut eʒ in die stat der natur. quelle bei Schm.2 1, 1769; so auch geburts-statt uterus in partu, s. Höfler 675b; das kind an die statt bringen, richtig gebären. J. Grimm myth. 1111 (4970); das kind geht von statt, wird regelmäszig geboren. quelle v. 1668 bei Höfler 675b. II@A@5@a@dδ) manchmal steht stat mit gen. eines gliedes in der ältern sprache als umschreibung für dieses, ohne die bedeutung wesentlich zu ändern: uuoraht er thô ein horo in uuâr ..; thaʒ kleibt er imo ... in thero ougôno stat. Otfrid 3, 20, 24 (linivit lutum super oculos ejus. Joh. 9, 6); du werder Eschenbacher, la dins getihtes wiger (weiher) durch mines herzen stad gan. Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österr. 14547. dagegen mit vollerem sinne (loch für die augen): der könig abr insonderheit hat angethan ein wunderkleid, eines kolschwartzen maulworffs haut ... der augen statt war raum gezert. froschm. Tt 6b (3, 2, 1, 39). II@A@5@bb) stelle in einem buche, schriftstelle; so oft im ahd. mhd.: endi auh ir selbo Isaias in andreru stedi alle dhea dhrînissa in fingro zalu bifenc. Isid. 19, 5; umbi dhen auh in andreru stedi in psalmum quhidhit. 32, 17; sô andreru stet (et item alio loco scriptura). Kero Benedikt. regel 7 bei Hattemer denkm. 1, 53, auch Wackernagel leseb. 12, 40, 7; sô chuît iʒ wirserunge, ettewenne verdruchunge, alsô an dirre stete. 251, 34; alse we dat hebben in der Sassen lenrecht in der sulven stede dar N. vor uptoch. richtsteig 27, § 5 (Homeyer Sachsensp. 2, 1, s. 512); ok schal me wetten, dat dyt bok ghehoghet is unde itliker weghene gemynret in den summen an itliken stidden. d. städtechron. 6, 134, 13 (Braunschw. heiml. rechenschaft v. 1406); meiner gegeneiferer untreulichkeit ist so grosz, dasz sie an etlichen stetten dieser materi, da ich nit meine wort sonder der aller bewertesten maister wort gesetzt hab, ... ire hant habend törstiglich angelegt. 3, 32, 12 (Meisterlin chron. v. Nürnb. 1488, vorr.); eʒ spricht an einer stete da. d. arme Heinr. 91. ähnlich abstracter: tén námen gáb Aristotiles tîen síben geuuâren syllogismis ypotheticis, únde dien gelóublîchen (probabilibus) argumentis, tíu sámint ín vúnden uuérdint in séhzên stétin, tîe stéte, der genémmit sínt in topicis (propter communes eorum sedes, que in topicis numerantur). [] Notker 1, 618, 20 Piper (de syllog. 16); táranâh skîed ûʒ Cicero díu vóne drín stétin genóminin argumenta (quae tribus locis supradictis sumuntur). 30; échert tríe stéte (tria tantum loca) ... káb er dialecticis. 619, 7. II@A@66) statt in bezug auf personen gesagt. II@A@6@aa) zunächst, die stelle, wo jemand (gewöhnlich oder im einzelnen falle) sitzt, steht u. s. w. so besonders mit possessivpronomen: Christus unde sîn ecclesia stuônden do in íro stéte, dô Christus kesáʒ ad dexteram patris. Notker 2, 622, 11 Piper (cant. Abac. 11; vorher: sol et luna steterunt in habitaculo suo, vgl. b); ein ieslich tugent an ir stat gienc, dô diu Mâʒe zuo trat. Lampreht v. Regensburg tohter v. Syon 3041; ouch behielt dâ wol sîn stat von Tyrol meister Kuonrât. Ottokar reimchron. 343; da dort der grosz hofmayster sasz an siner stat, als billich was. Herm. v. Sachsenheim mörin 4132; wan der ammeister sitzt da er sitzen sol, und der stätmeister, und ein ieder an seiner stat sitzt. Keisersberg evangel. (1522) 124a; so jr und ich an unser gewohnlichen statt sitzen bleiben, so wisset jhr, dasz uns der andern frauwen keine hört, ... dann die andern jungfrauwen zu weit von uns sitzen. buch der liebe 239b. mit einem synonymen ausdruck verbunden: er (Tiberius) pflegt auch inn dem gerichtszhausz und an der spitzen des richter stuls, auff dasz er den schultheyszen von seinem sesz und statt nit vertriebe, zuo sitzen. Micyll Tac. (1535) 31b; das ein jeder soll die gasse verwaren helffen, und in welcher lücken oder statt der gefangene hinausz kömpt, oder welcher jhm darvon hilfft, soll in seine fuszstapffen tretten. Reutter v. Speir kriegsordn. 66. so auch, nd. hê sitt up mîn stê. ten Doornkaat Koolm. 3, 304b; übertragen, die innere situation eines menschen: denk dî insen (einmal) in mîn stê, wo du dâr den wol bî to mode wesen schust. ebenda.hier knüpfen die unter D behandelten gebrauchsweisen an. II@A@6@bb) statt, der dauernde aufenthaltsort, wohnstätte; so besonders frühnhd.: so begere ich das mir dyn husz in dynem by und abwesen ungeladen offen das mir da alweg ein statt sy. Terent. (1499) 83a (Eunuch, letzte sc.); sein lob bezeugen die, die mehr ruhlosz dan träg lang in der wuostin sich verirrend umbgezogen, und suchend eine stat für sich durch langen weeg ohn-weeg sich lang betrogen: sie zogen so lang umb gantz hungrig, durstig, mat ... ohn heimat, hausz, und stat. Weckherlin 240f. (ps. 107, 5); lagerstätte: dann es ist nacht und darzuo spat. nach unserm bruch wend wir in d' stat, ruowen aber. Ruff Adam u. Heva 1902. mit zusatz, von gott: was wolt jr mir denn für ain hausz bawen, spricht der herr etc. oder wölches ist die stat meiner ruowe? Joh. Eberlin v. Günzburg 2, s. 7 Enders. auch von thieren: gleich als der pelican im wüsten rohre schreyet, und wie ein wilder kautz, der sich zu machen scheuet aus seiner öden statt. Fleming 26. bildlich: das des menschen seele odder geyst keyn ruge odder stadt hatt, da er müge bleyben, denn das wort gottis. Luther 10, 3, 191, 14 Weim. ausg.vereinzeltes stat für land, heimat, wol durch das lat. locus veranlaszt, das es übersetzt: unde so chomint Romara unde némint uns stat unde liûte, glosse über: et venient Romani, et tollent nostrum locum, et gentem. Notker 2, 38, 13 Piper (ps. 13, 5). II@A@6@cc) statt in diesem sinne kommt oft der bedeutung von stadt nahe, z. b.: diz vunfti (münster) ist Sigeberg, sîn vili liebiu stat. Annolied 645. vgl. andrerseits: darnach zoch Jacob gegen Salem, zu der stad des Sichem (ם רי, also 'urbs'). 1 Mos. 33, 15. II@A@6@dd) eine verwechslung beider ist erfolgt in der häufigen, noch heute üblichen sprichwörtlichen redeweise: nirgends keine bleibende statt haben, non haver nissun luogo permanente, non havere stanza fissa, stabile dimora ò soggiorno. wir haben hier keine bleibende stätte ò bleibende statt ò stadt, non habbiamo quà dimora, stanza, soggiorno ò città stabile, permanente. Kramer dict. 2, 914a; wir haben hier [] keine bleibende statt, commorandi non habitandi locus nobis datus est. keine bleibende statt haben, vagum esse; vagari. Frisch 2, 321a; vgl. Wander 4, 793, 13; Schm.2 2, 792 ('kaə~ bleibə~ dé stàd habm, nirgends bleiben können oder wollen'). Adelung bezeichnet nirgends eine bleibende statt haben als oberdeutsch, Heynatz Antibarb. 2, 443 als nicht mehr üblich. die wendung beruht auf einer bibelstelle, die nicht statt, sondern stadt enthält: denn wir haben hie kein bleibende stad (μένουσαν πόλιν), sondern die zukünfftige suchen wir. Ebr. 13, 14. litteraturbelege: ich fare auch in der flucht umb, und hab niendert kain bleibende statt, deszhalben das ich ainen meinen mitburger zuo Argo entleibet hab. Schaidenreiszer Od. 64b (15, 272; der gr. text hat nichts entsprechendes); derhalb musz ich (fraw Warheyt) von einem landt ins ander wandern frw und spat und hab gar kein bleibende stadt. H. Sachs fastn. sp. 2, s. 131 neudr. II@A@6@ee) die ältere sprache gebraucht stat vom grabe: thâr sia thia stedi haBdunan ênon stêne innan handon gihauuanan. Hel. 5736, vgl. 5824; diu stat dâ man in leite. Iwein 1427 (vgl. 1411); daʒ grab ist ein stat des toten. Schönbach altd. pred. 1, 50, 13; totenbahre: do hieʒ er (Jesus) die sten die den toten truogen ... accessit et tetigit loculum. er ruorte die stat und sprach daʒ er uf stuonde. die stat da der tote inne ligt, daʒ ist die bose samwizze (gewissen). 377, 26. II@A@6@ff) vom aufenthaltsort der seelen nach dem tode: dem selben Cronio saite Antonius, das er bat got ein iar, das er im zeigen wolde die stete der sundere und ouch der rechten. veterb. 23, 21 Palm; was nützt uns nün grosz ubermuot, ... sOelchs ist vergangen als der schat, ewige pein ist unser statt. Schwartzenberg Cic. 115b; ähnlich vom paradiese: he hûdet dâr mede de schônen stde dâr rost inne is unde êwich vrde. van d. holte des hill. cruzes 65. so wieder erneuert: gott geb' ihm droben selige statt! Geibel 2, 160. II@A@6@gg) ahd. stat garauuen, wohnung, wofür nhd. einem die stätte bereiten (vgl. das.): uuanta ih faru gerauuen iu stat (parare vobis locum). Tat. 162, 1; ih faru gárauuen iu sárfrónisgo iu stát thâr. Otfrid 4, 15, 11. dagegen bedeutet stat geban, platz machen (also vom sitzplatz, vgl. a): gib thesomo stat (da huic locum). Tat. 110, 3; vgl. Graff 6, 640. ähnlich noch nhd.: wolan, versieh dich mein, und räume meine statt, ich will der dritte seyn bey deinen treuen zweyen. Fleming 581. II@A@6@hh) den nördlichen nd. mundarten eigenthümlich ist die verwendung von ste(de) für haus und hof. altmärk.: hê hat sîn eigen st(d), ein eigenes haus. Danneil 208a; besonders (ostfries.) 'eine bauernstelle, besitzung, haus und hoffür plaats, warf, huus un tuun gebraucht'. Stürenburg 259a; 'eine bauerstelle, meierey.' brem. wb. 4, 1010; 'daher sind die gewöhnlichen redensarten bey den bauern: de stede avergeven, de stede annemen.' 1011; vgl. Danneil 208a; hê wil sîn stê (landstelle mit einem hause, seine besitzung, seinen hof, sein gut) ferkopen laten. 't is man 'n lütjen stê mit 'n bîtje land, war hê up wând. ten Doornkaat Koolm. 3, 304a. so: sîn docht'r to d' st(d) breng'n, verheiraten. Danneil 208a; een kind to stede un to stole bringen, auf einen guten meierhof, wol versorgen, verheiraten. brem. wb. 4, 1010. daher wol auch, übertragen: to stää un stool kamen, zur ruhe kommen, das ziel erreichen. Stürenburg 259a. II@A@6@ii) ebenfalls nur nd. findet sich stede in dem freiern sinne des hd. stelle, amt, dienst. so vereinzelt in der ältern sprache: de hilgen vaders, de vor mi in desser stede, hebben gewest vul guder hilgen sede (sagt der papst). des dodes danz 151. (hd. nur deutlich local, angewiesener platz, standort: diese hernachgeschriben haubtleut ... schullen diese hernach geschriben slosz, stett und armen leut getreulichen bewaren und iederman ordiniren noch seinen stäten dartzu er beschiden were. d. städtechron. 2, 293, 4, Nürnb. [] kriegsordn. v. 1449.) — so besonders in lebenden nd. mundarten, wol allgemein üblich: 'amt, bedienung, station. ene indräglike stede, ein einträgliches amt'. brem. wb. 4, 1011; preusz., amt, stellung. êne gôde stêd, brotstêd. Frischbier 2, 365a; dienst, neine gaue stêe hem. Schambach 208b; ostfries.: de mester (lehrer) krigd de ste as'n bên (bestimmt, sicher). nd. korrespondenzbl. 14, 58; lippisch pastorenstiehe, pfarre. Frommann 6, 493. vgl. Adelung anm. zu stätte. II@A@77) statt von dingen. II@A@7@aa) im allgemeinen, statt eines dinges, wo es sich befindet: seind der dunst an im selber warm ist und der wolken stat kalt, sô er dann kümt an die stat der wolken, sô wellt er über sich auf. Megenberg 91, 17 f. aber auch die stelle, wo etwas gewesen ist (und nicht mehr ist), mit annäherung an die bedeutung D: nibih gesehe in sînên hanton thaʒ bilidi thero nagalo inti sente mînan fingar in stát thero nagalo (in locum clavorum). Tat. 233, 3. II@A@7@bb) von der bestimmten, festen stelle eines dinges; mit possessivpronomen: in dem dridden dage ... schiet he dat water van dem erthrike unde scuop deme watere sine stat. deutsche chron. 2, 67, 14 (sächs. weltchron.); die gülden und silberne gefesse des hauses gottes, die Nebucad Nezar aus dem tempel zu Jerusalem genomen, und gen Babel gebracht hatte, sol man wider geben, das sie wider gebracht werden in den tempel zu Jerusalem an jre stat (ה) im hause gottes. Esra 6, 5; dasz die wassermännlein die jenige steine, so ich in die see geworffen, wieder in vollem donnerwetter herauf getragen und an ihre vorige statt gelegt. Simpl. 2, 56, 23 Kurz (5, 12); nd. 't ligt all' up sîn stê. ten Doornkaat Koolman 3, 304b. II@A@7@cc) besonders bezeichnet stat oft die stelle, wo ein haus oder gebäude steht, oder die dafür bestimmt ist: uuîsumu manne,the ... hûsstedi kiusid an fastoro foldunendi an felisa uppan. ... anthabad it thiu stedi niðana, uurêðid uuiðar uuinde,that it uuîcan ni mag. Hel. 1813; bœser stete der ist vil: iedoch ist ditz diu bœste stat dar ûf ie hûs wart gesat. Iwein 7818f.; svar der vrowen die stat (lesarten: hoff, wort, erde adir dy stat) nicht n' is mit deme gebu, ... binnen ses weken na dem drittegesten sal se mit dem gebu rumen. Sachsensp. 1, 20, § 2; als sie nu gelost hetten umb die stett und wolten aufmachen ire hütten. d. städtechron. 5, 321, 4; preusz. ek hedd 't (d. haus) op 'ne falsche städ hensett. Frischbier 2, 365a. II@A@7@dd) abstracter mnd. des lenes stat 'die stätte, aus welcher gefälle verliehen sind, während sie selbst noch zur disposition des herrn bleibt'. Homeyer Sachsensp. 2, 1, s. 609: deme lene volget die man unde erft it, al hebbe die herre des lenes stat in siner gewalt to bestadene. lehnr. 11, § 3; die wile (it) die herre hevet an siner gewalt des lenes stat. § 4. II@A@7@ee) der für einen zweck bestimmte platz: er (der teufel) zeigt im, das da (in der abgeschiedenheit) ein rechte statt ist zuo bettenn. Keisersberg hellisch löw c 4b. von einem eigens hergerichteten raum: daʒ ich graben müge ain statt, zehen vas öles dar yn ze behalten. Steinhöwel Esop s. 306 Österley. II@A@88) statt geht gelegentlich in die bedeutung 'raum' über. bithiu uuanta im ni uuas ander stat (non erat eis locus) in themo gasthûse. Tat. 5, 13; mit annäherung an die bedeutung B: do der wolte ein kilchen machen, do hatte er nicht vollen (?) stat darzu, do bat er unsren herren das sich der berg dannan bewegte, das er volle stat gewan. quelle bei Scherz-Oberlin 1559. — so auch mit zeit zusammengestellt: (continua sind) tempus et locus ... díu zît únde stát. Notker 1, 399, 15 Piper (categ. 2, 3); sólih íst óuh zît únde stát. i. continua sunt. 405, 2 (2, 5); wir armen in diser zeyt geboren, sind an zeyt, statt und person gebunden, ... vor uns ist zeyt, statt, da, dort, heüt, morgen, und nit bey gott, der in einem augenblick alles übersihet. Franck parad. 44a; unklar: (Maria,) diu nâch Christes oufverte cît und stat bischerte (verschmähte, floh?) in einer äislîchen wûste. Heinr. v. Melk erinn. 28 Heinzel (vgl. die anm.). [] der bedeutung B nahekommend: de sik holt na der tyt unde stde, de is aller ere wêrt. Tunnicius 317. II@A@99) von der bedeutung 'platz, stelle' (s. 6, a) aus nimmt statt ferner den sinn einer ordnung, reihenfolge, rangabstufung an. II@A@9@aa) so zunächst von menschen: quad her thô zi thên giladôtên râtissa, scouuuônti uuio sie thiu furistûn sedal gicurun, quedenti zi ín: thanne thû giladôt uuerdês zi brûtlouftin, nigisizzês in thera furistûn steti (in primo loco), min odouuân êruuirdîgôro thir sî giladôt fon imo. inti quementi ther ther thih inti inan giladôta qude thir: gib thesomo stat, inti thanne biginnistû mit scamu thia iungistûn stat (novissimum locum) bihabên. Tat. 110, 3. so frühnhd. die erste statt haben, den vorsitz führen: alle byschoff unsers landes söllen järlich zuosamen kummen ein mol und do von christlichem regiment tractieren, und der byschoff inn desz bistuomb die samlung ist, soll die erst stat haben. Joh. Eberlin v. Günzburg 1, s. 118 Enders (bundsgenosz 10); in jr policey haben die priester den vorgang und erste statt, denen hangen an die werckleüt, die ander statt haben die pauren, die dritt die ritterschafft, adel oder kriegszleüt. Franck weltb. 188a (hier scheint eine andre ausgabe ersten statt zu lesen, was sich, wenn nicht einfach druck- oder lesefehler, leicht durch das vorhergehende masc. den vorgang oder auch durch vermischung mit dem masc. stat = staat erklären würde). ähnlich die beste statt, so nd.: Hennigh Wildingh, Bartram Karnyp malk na der besten stedde gryp. d. städtechron. 16, 218 (schichtsp. 3781). sprichw.: de êrsten kumt, de nimt de beste stede, adveniens primum splendenti proximat igni. Tunnicius 393; der erst beim fewr, setzt sich am nechsten. die best stat, der vorgaht. Franck sprichw. 2, 171a; entstellt: die beste statt, die vorgaht. Henisch 326, 57, und weiter: die vergaht. Petri Q 1b. — vereinzelt geht dann stat auch in die bedeutung 'stellung, stand, verhältnisse' über: er hieʒ ie nâch sîner stat ieslîchen leben redelîche. Lampreht v. Regensburg Franc. leben 1590. II@A@9@bb) in den rechenbüchern des 16. jahrh., die stelle einer ziffer: schreyb zum ersten die zal so geteylet soll werdne, und den teyler darunder ... ist aber denn der teyler grüsser, denn das ober jm stehet, so rück den teyler umb ein stat furbas gegen der rechten hand. Mich. Stifel coss Christoph Rudolphs 4b; so das geschehen, rücket man allewegen den gantzen teyler furbas umb ein stat. 5a; die statt ist ein ort, darinn sich die zahlen vielfeltig bedeuten: als in der ersten statt gegen der rechten einfeltig, in der andern nach der linken werts zehenfeltig und in der dritten hundertfeltig. Reymers landrechnen (1583) B 1a. II@A@9@cc) im Sachsensp. begegnet stat für verwandtschaftsgrad, beruhend auf der dem mittelalter eigenthümlichen veranschaulichung der verwandtschaftsverhältnisse im bilde des menschlichen leibes und seiner glieder: die tvischen deme nagele unde deme hovede sik to der sibbe gestuppen mogen an geliker stat, de nemet dat erve gelike. 1, 3, § 3. II@A@9@dd) eine ähnliche wendung ist ebenfalls auf das nd. beschränkt, nämlich dat is an liken steden oft ... das gilt ebensoviel als: unde en were de (im dienste seines herrn getötete) knecht nen borgher, id were doch an liken steden, ofte he borgere were. Brem. stat. 482 (1489) bei Schiller-Lübben 4, 371a; wat unse borghere en deme anderen deyt buten unseme wicbelde, dat is an liken steden, oft id bynnen unseme wicbelde scude. 495, s. ebenda 371b, s. auch brem. wb. 4, 1010. so noch westf. dat küəmet an éne stîe, bleibt sich gleich. Woeste 254b. II@A@1010) im mhd. ist stat in formelhaften verbindungen zuweilen zu modaler bedeutung verflüchtigt. so in verbindung mit adjectiven: der vrowen leit er undervienc deiswar zu erlicher stat. pass. 209, 91 Köpke; häufiger in allgemeineren ausdrücken: so sal ich mich des vliʒen daʒ wir sament enbiʒen sulch eʒʒen in sulcher stat des niemant wird ubersat. Heinr. v. Hesler apokal. 7391; [] der fride, der dâ verstricket was zwischen im und kunic Wêlân, an dheiner stat wold er den hân mit werken übertreten. Ottokar reimchron. 6477. so im gen. plur. aller stede beständig, durchaus: nu muoste er schuhen aller stede des idewiʒes hinderrede. Elis. 1781; nach gar godelicher e hielt si mit in aller stede suʒe unde ouch gar nuzze rede. 7235. II@A@1111) wenn die letztere fügung sich zeitlicher bedeutung nähert, so findet sich rein zeitliche verwendung ganz vereinzelt im nd.: de was by myner tyt ein barvet broder, den makede sodder stede der soste pawes Clemens to Rome ein cardinal. quelle bei Schiller-Lübben 4, 371b. II@BB. ein ursprünglich davon verschiedenes wort ist das ahd. stata, mhd. state, s. oben I, 3. es hat einen mehr abstracten und modalen sinn und bezeichnet zunächst die art, wie etwas steht, die lage, äuszeren umstände, verhältnisse u. s. w., doch in der regel nur, insofern sie die möglichkeit für ein thun enthalten. vgl. das mhd. wb. 2, 2, 604-6. dasz die verschiedenheit beider wörter noch deutlich empfunden wird, beweist ihre zusammenstellung, z. b.: nu hæten si sich starke ... vor hin gevliʒʒen dar an daʒ si ir state unde ir stat wîslîchen hæten besat und wol vor hin berâten. Trist. 12585. später hat der lautliche zusammenfall (s. I, 3) auch ein zusammenflieszen der bedeutungen begünstigt. im nhd. ist eine scheidung nicht mehr durchführbar (vgl.C), doch sterben die gebrauchsweisen, die auf dem alten state beruhen, mit éiner ausnahme (s. 7, c) im 16. jahrh. überhaupt aus. auch im mnd. ist eine vermischung eingetreten, indem nicht ganz selten stede in dem sinne von stade vorkommt, das auch hier später erlischt. (s. bes. 3, a.) vgl. Adelung, anm. zu stätte. II@B@11) selten bezeichnet state die lage, verhältnisse u. ä. ohne die angegebene beziehung: so lege dir selben vore dise zugenclichen more (vergängliche dauer?) unses totlichen vleisches ... und pruve dan der werlde state. Heinr. v. Hesler apokal. 4531. in folgender stelle kann man daneben schon an die gewöhnliche bedeutung 'gelegenheit' denken: ich sol die state erkunnen dâ, wie er dâ lige oder wâ. Trist. 1253. II@B@22) in der regel bezeichnet state die möglichkeit für ein thun, wie sie theils durch die äuszern umstände, theils durch das vermögen des handelnden bedingt ist. (negiert in unstate, unmöglichkeit für ein thun, hilflose lage.) so wird state und wille, muot als können und wollen zusammengestellt: dâ ist diu state unde der muot. Iwein 6981; das ime du state und der wille benomen werde, das er darna niht müge (beichten) so er gerne wölte. quelle bei Scherz-Oberlin 1559. II@B@33) state geht zunächst auf die äuszern bedingungen und bezeichnet die günstigen umstände oder den geeigneten zeitpunkt für ein thun. es entspricht ungefähr dem heutigen gelegenheit und dem gr. καιρός. vgl.: opportunitatem (querebat, ut eum traderet). stbtb (l. stata, Matth. 26, 16). Graff diutiska 2, 286b (Steinmeyer-Sievers ahd. gl. 1, 717, 57). II@B@3@aa) state durch zusammenstellung mit zît oder stunde erläutert; doch ist gerade in dieser verbindung auch die bedeutung 'ort' möglich und oft naheliegend: got hat dir geben state und zit. Schönbach pred. 1, 12, 32 (dedit eidem locum indulgencie et poenitencie. 28); herzliebster K. fg stat und zeyt- Forster frische t. liedlein 1, 12, 3. mnd. stets in der form stede unde stunde, auch wo deutlich die bedeutung der gelegenheit, des günstigen zeitpunkts vorliegt, s. Schiller-Lübben 4, 371bf.: bat de rad stede unde stunde, dat se sik bespreken mochten. 372a (Korner); desulven vloghen ok en wech, do se stede unde stunde hadden. Lüb. chron. 2, 55; de hertighen van Holsten Alph unde Gherd besloten hemelken .., dat se wolden wynnen Vlensborch also vro, alse se stede unde stunde darto [] konden vynden. 59; so noch brem. na stede un stunde, 'nach zeit und gelegenheit'. brem. wb. 4, 1011. II@B@3@bb) so auch in dem sprichwort: tyt unde stde maken den deif, degenerem faciunt locus atque occasio furem. Tunnicius 938; und so noch nhd.: statt und stund, thun den dieb stelen, occasio facit furem. Henisch 695, 8; statt und stunde heiszen den dieb stehlen. Simrock 9826; entstellt: stette und stunde machen die diebe stelen. Petri Tt 2a, vgl. Wander 4, 782, 7. mhd.: wan stunt und stat vil dieben macht. Boner 61, 18. doch gewöhnlich mit state allein: vremde scheidet herzeliep: state machet manegen diep. Vridanc 105, 4 (vgl. die anm. v. Bezzenberger, und Schm.2 2, 795); state machet den diep. Pleier Tand. u. Flord. 3306; state machet biwilen diep. pass. 318, 1 Hahn; sô machet state manchen diep. Heinr. v. Freiberg Tristan 320; die stat lert den diep steln. Kolocz. cod. 194 (die heidin 116); die weil die stat offt macht den dieb. H. Sachs 1, 371d. jetzt gewöhnlich in der form: gelegenheit macht diebe, vgl. gelegenheit 4, f, theil 4, 1, 2948. II@B@3@cc) wie hier, steht auch sonst poetisch state zuweilen als subject, mit annäherung an die personification (vgl. gelegenheit a. a. o.): und swes der gerne sehende man ze sehene guoten muot gewan, daʒ lie diu state dâ wol geschehen. Tristan 613 (in anderm sinne unten 4, d). II@B@3@dd) so sehr gewöhnlich in der fügung diu state (mit gen., gelegenheit wozu) wirt, geschiht, geligt einem u. ähnl.: upa imo stata gelac, si occasio praebeatur. quelle bei Graff 6, 643; der rihter sol über den lip rihten, swa im sin stat wirt. Schwabensp. 39, § 6; und sullen mich und meinen chind hinnan ze Buding, oder wan eʒ in aller schierst stat wirt, oder in ein guet ledich wirt .., an gevärd besideln. urk. v. 1341, s. monum. Boica 6, 596; diu state enmohte in niht geschehen daʒ sî hæten besehen waʒ in dem vaʒʒe wære. Gregor. 967; ich tæteʒ, wurde mirs diu stat. Walther v. d. Vogelweide 119, 34; ob den diu state niht geschiht, daʒ si gevrâgen eteswes. Konr. v. Würzburg Silv. 4302; sa ir di stade sider wart, si bat ir frouwen also zart. Elisab. 5163; die wolde her zu erst vorleiten .., swar im state des gelac. Heinr. v. Hesler apokal. 13553; (der teufel) wolde in ouch zien hinder, als her tut al die kinder der cristenheit, die sie gebirt, swenne im des die state wirt. 17108; daʒ mir state sprechendes bleib. 16482; sô wold er ouch besehen, ob im diu stat indert getöhte, daʒ er genieʒen möhte an disen zîten der kür. Ottokar reimchron. 39668. mit synonymen verbunden (vgl. a): wirt mir state unde vrist. Pilatus 24; doch was sin mut algelich, we daʒ her gereche sich, mit dancken harte snel, so langhe daʒ im gevel dhe stat und ouch dhe stunde. Braunschw. reimchron. 1898. in unpersönlicher fügung: 'â', sprach Îsôt, 'dô eʒ sich mir ze alsô guoten staten getruoc, daʒ ich iuch in dem bade niht sluoc, got hêrre, wie gewarb ich sô!' Tristan 12043. II@B@3@ee) während diese redeweisen auf das mhd. beschränkt und nach dem 14. jahrh. nicht mehr nachweisbar sind, findet sich die verwendung est ist statt, zeit, καιρός, mit inf., gerade im frühnhd.: was die siben sigel sind, ist yetzt nit statt zuo sagen. S. Franck parad. (1558) vorr. 3a; gedäucht mich nicht ungelegene statt sein. Fronsperger 3, 236b. [] II@B@3@ff) state als object. so besonders state haben, vinden, s. unter C, 1, 2. anderes weniger formelhaft: swenn uns got die stat beschert, daʒ wir eʒ verkêren mugen. Ottokar reimchron. 2288. II@B@3@gg) wie die angezogenen beispiele zeigen, wird state gewöhnlich durch einen gen. oder durch einen inhaltssatz (mit daʒ) näher bestimmt. der gen. ist entweder ein ganz allgemeiner ausdruck, das neutr. eines pron., oder ein inf. (gerundium): die gewinnent alle nemens stat. Ottokar reimchron. 25557. selten tritt zu stat ein subjectsgenitiv: die des êrsten hin in kômen, von den wart vil genomen; die aber sich versûmten dâ, daʒ si kômen hin nâ, der vînde stat wart verloren (die hatten die gelegenheit verpaszt). 31050. II@B@3@hh) hier schlieszt sich an mhd. ze staten zur rechten zeit, ἐν καιρῷ: ze rehte swîc, ze staten sprich. Winsbeke 23, 5; des von Walsê kunnen ze staten jagen unde wîchen und hin wider snelliclîchen an die vînde hurten. Ottokar reimchron. 77284. so auch, final gewendet: als ein wîser man der sîne ritterschaft wol kan und sîne kraft mit listen ze rehten staten ('für den rechten moment') vristen. Iwein 5320. dagegen anders, auf die rechte stelle und die rechte weise gehend: ouch galt er mittem swerte under wîlen einen slac der vil wol ze staten lac (der 'sasz'). 6736. II@B@44) weiterhin bezeichnet state die möglichkeit von etwas, insofern sie durch die lage, das vermögen des handelnden, besonders durch seinen besitz und die verfügbaren hilfskräfte bedingt ist; es entspricht hier unserm die mittel. II@B@4@aa) in diesem sinne begegnen dieselben wendungen wie unter 3; besonders state haben, s. unten C, 1, b. mit verdeutlichendem zusatz: wir hân an guote wol die state. Wackernagel leseb. 12, 585 27 (beisp. v. frasz 12); di (gabe) gab si rilich uffer stat .., wa ir ok wart di folleist, di stade an deme gude. Elis. 851. von streitkräften; mit erklärendem gen.: ouch mugen wir der liutedie state niht gehân, daʒ in iht schade werdevon unser vart getân. Kudr. 904; eʒ mac niht ê ergân, ê wir die state der liutemugen vol gehân. 942. vgl. auch: ich weder statt des rates hab noch mengin der hylff. Terent. (1499) 17b (Andria 2, 6). II@B@4@bb) sonst bedeutet state haben mit gen.: die mittel wozu haben, verstärkt guote state (copia): der herre lebete rehte, der habete vil chnehte, er lêhe in allen den rât, des er vil guot stat hât. hochzeit 163 (Karajan sprachdenkm. 22); des (mit kleidung) was der wirt zaller stunt gewarnet als ein hövesch man ... und ders ouch guote state hat. Iwein 2197; si was gûtes also rîch, daʒ si sîn hete gûte state. pass. 336, 87 Köpke. II@B@4@cc) zuweilen geht state, indem die durch diesen gen. ausgedrückte beziehung aufgegeben wird, in eine concretere bedeutung über. so steht stata als übers. über sumptum. Notker 2, 235, 9 Piper (ps. 62, 9). vgl.: nos divites, uuir de stada habemes. Werdener glossen (9. jahrh.?) bei Lacomblet archiv f. d. gesch. des Niederrh. 1, 29. von den streitkräften: si ... samenten ir ritterschaft: alle ir state und alle ir kraft die kêrten si niuwan ze wer. Tristan 1660; al die state und al die maht, die si mohten bî der naht besenden, diu wart gar besant. 18847. II@B@4@dd) auch hier steht state zuweilen als subject nach art einer personification, wie 3, c, doch dann mit dem possessivpron.: [] sô het der selbe altman eine schâfkürsen an und des selben ûf einen huot: diu wâren beidiu alsô guot als in sîn state leite. Erec 285; diz tet der phaffe umbe daʒ daʒ man dar an sæhe, wes im sîn state jæhe (seine verhältnisse erlaubten). pf. Âmîs 1590. II@B@55) präpositionale wendungen mit verschiedener sinnesnuance. II@B@5@aa) obe iʒ si an uwer stade, ... so lat uns, herre, werden kunt den selben wunderlichen funt. Elis. 257. II@B@5@bb) mit staten, s. mhd. wb. 2, 2, 605b. so in der vollen, eigentlichen bedeutung: wen sie san sie nicht mit vollen staten irs gesunes als durch einen schaten schinen von verren virren. Heinr. v. Hesler apokal. 20771. in bezug auf ausrüstung, prunk u. ähnl.: wande sie vôren mit so getânen statin, daʒ den Dietherîchis gatin (seines gleichen) nie neblûchte (beschien) der tach. Rother 1102. häufig in abgeblaszter bedeutung, besonders mit adjectiven, fast nur das adverb umschreibend: betoubet lac ich âne sin ... ich blikte ûf mit armen staten. übel wîp 795. mit guten statten (im eigentlichen sinne) noch im 16. jahrh.: deszhalben wo es sonst mit guten statten geschehen mag, so wirt es (pulver) nicht basz verwart, dann in einem hausz zu öberst underm dach. Fronsperger kriegsb. 1, 73a. vgl. auch Reuchlin augensp. A 4a unter 6, b. II@B@5@cc) mhd. nâch (sinen) staten, nach seinem vermögen, seinen verhältnissen, s. mhd. wb. 2, 2, 605bf.: minnete er (Fabianus) vliʒeclichen got und volvurte sin gebot nach staten swie er mochte. pass. 100, 1 Köpke; wane huote der guote herre sente Bartholomeus von allen christenluoten wirt gelobt und geerit, so sul ouch wir in lobn und erin nach unsern staten. Schönbach altd. pred. 1, 344, 14; gewöhnlich in bezug auf die 'mittel', besitz, vermögen; so besonders in verbindung mit geben: wir suln ... die almuosen gebn nach unsern staten. 93, 10; fruestuck sol (den zimmerleuten) yederman geben nach staten ('nach vermögen oder nach gelegenheit'). quelle bei Schm.2 2, 795 (ges. der handwerkerzünfte zu München um 1346, handschr. v. 1464); so luodent die lüte die brdere: eins luot 20, eins 12 oder 10, iegeliches noch sinen staten, und furtent sü heim und büttents in wol. d. städtechron. 8, 106, 11; di selben süllent für sich selber der stat warten und helfen, alz ain ander purger nach seinen staten. 15, 394, 9, vgl. 29; zehant lêch er und gap, umbe swiu si in bâten, ie dem man nâch sînen staten. Ottokar reimchron. 15052. so auch mit zusatz: nach statten und vermögen, s. Brinckmann 2, 575b: so sullen sie uns mit irem dinste gereit und gehorsam sein, nach iren staten und vormügen. urk. Karls IV. v. 1360 bei Haltaus 1735; doch auch verbunden: nach seinem stand und nach seinen statten. quelle bei Schm.2 2, 795 (handschr. v. 1467). — in andrer beziehung: wie man einen zeug aufladen sol, er sei grosz oder clain, ein ietlichen wagen nach seinen staten ('wie es für ihn paszt'). d. städtechron. 2, 255, 16. II@B@5@dd) dazu im gegensatz über state; zunächst vom physischen vermögen: da vastont si über der nature stat. Grieshaber pred. 2, 49; nû Tristan der vuor alleʒ hin über state und über maht beidiu tac unde naht. Tristan 7393; ähnlich auch: und als der arme spilman wider sînes lîbes state began sîn harphen unt sîn singen. 7678. in bezug auf die materielle lage, besitz: er wart ... über state gêret. Erec 4402. so auch nhd. im sinne einer einfachen verstärkung, übermäszig: gross übelzytt wiewol ich hatt, allzyt frost, hiz, alls über d' statt. J. Ruff Etter Heini 5, v. 3495. [] so noch abgeschwächt im bair.: überstatt schön, ziemlich schön. Schm.2 2, 795. II@B@66) andere gebrauchsweisen entfernen sich weiter von der grundbedeutung. so bedeutet es zuweilen, besonders im nd.-nl. 'bequemlichkeit, gemächlichkeit, ruhe' u. s. w. II@B@6@aa) nl. staede, commoditas, utilitas, opportunitas, locus: et otium, tempus vacuum. de staede hebben, tempus vacuum habere. Kilian 2, 627b. — mnd. to stade komen, zur ruhe kommen, ruhig werden: dat mîn herte echt to stade queme. Gerh. v. Minden 31, 25 Seelmann. auch im hd. steht statte vereinzelt als synonymon neben ruhe: do sie ime was also leitsame und vil dage lange ime an hatte gelegen noch ruwe noch statten öme en gap. quelle bei Haltaus 1735. II@B@6@bb) so nd. mit stade(n) gemächlich, ruhig, langsam, allmählich: Masseus ghenck wat sneller den wech voer unde Franciscus quam myt staden na ghan. quelle bei Schiller-Lübben 4, 350a; men sal den bûk mit stade vullen, paulatim venter dapibus replendus obesus. Tunnicius 718. so hd., verstärkt, in aller ruhe: nach dem aber desselben mals k. m. durch Schwabenn lanndt seer unnd fast eylet, unnd alls man mir sagt vil unnd gros ander sachen vor handen warn, das mein unschuld mit guotten statten und müssen nit wol nach der lenge mocht gehört werden. Reuchlin augenspiegel A 4a; ich sain uch heren, wat ich raden, dat ir mit veil gueden staden, mit eirst ur dinc anevait und dat ir uch neit envergeit. Hagen boich v. Colne 4310 (s. d. städtechron. 12, 145). in anderm sinne (bei zeiten?): nicht hilfet der arczedye list, wan der siche virtorben ist, man solde al diesen schaden bewarit han vor mit staden. Ernst Kirchberg chron. c. 92 bei Westphalen 4, 726. II@B@77) sehr häufig ist state in dem sinne 'nutzen, förderung, hilfe, beistand'; vgl. nl. staede, auxilium. Kilian 2, 626a. II@B@7@aa) so vereinzelt als object, vgl.: staede doen, usui esse, prodesse, commodo esse. Kilian 2, 626a. im deutschen ein paar mal belegt als object zu bringen in verbindung mit synonymen ausdrücken: dan denselben (übelthätern) sall kein dieser vur und nageschribener artickel stade oder friheit brengen. quelle vom jahre 1400 bei Haltaus 1735; so uns vorteile und staden, und dem oheim hindernisse und unstaden bringen mochte. ebenda (vom jahre 1456); mässiget ewer betrübnusz, dann leydt zutreiben bringt unserm geschefft keyn forderung, oder statten. Aimon s 6b. II@B@7@bb) sonst stets in verbindung mit präposition, vgl. te staede komen, venire auxilio, auxilio esse, assistere, auxiliari, praesto esse, opportune et commode venire. Kilian 2, 626a. (so noch jetzt holl. te stade komen.) ähnlich in loserer fügung schon spätahd.: ze státo bíst tu chómen Mercurio Maiun súne (oportune votis intermixta Maiugene). Notker 1, 731, 9 Piper (Marc. Cap. 1, 28). mhd. als feste redeweise, s. mhd. wb. 2, 2, 606a. doch steht im deutschen (hd.-nd.) in diesen fällen fast stets der dat. plur., vgl. z. b.: allain der christenlichen kirchen, teutscher nation auch gemainem nutz friden und rechten zu hilffe und guten staten auffgericht. quelle bei Haltaus 1735. ganz vereinzelte ausnahmen begegnen in mitteldeutschen quellen: ir werch was nütze und êrsam, vil manigem eʒ ze state quam. Lampreht v. Regensburg Franc. leben 1660 (neben staten, s. unten); die mein red euch dick kam zu stat (: hat). Wickram 8, 164 Bolte (Ovid 13, 2, 215); neben: das euch dise mein listig handt nutz schuff und den Troianern gnommen, welchs euch zuo grossem statten kommen. dieweil euch nun solchs nutz mag sein ... 173 (528); zu grossem statten er mir kam, als er mich inn sein schiff uffnam. 201 (14, 2, 152, wo Bartsch Albr. v. Halberst. 33, 151: zu grôʒer state einsetzt); hier hat Wickram offenbar aus miszverständnis den alten dat. plur. zum schwachen masc. gemacht. die im mhd. wb. angezogene stelle pass. 266, 15 Köpke dagegen [] ist wol anders zu verstehen, s. unten 8, a, da man sonst ím daneben erwarten würde, vgl. daneben: mac ich dir wol zu staten kumen und dir din leit wirt benumen. 301, 85. diese sehr häufige verbindung zu statten, die von dieser ganzen bedeutungsgruppe (B) allein lebendig geblieben ist, hat dann auch die umgestaltung der verbindung von statt in von statten bewirkt, s. A, 4, e. diese vermischung ist besonders deutlich in einer stelle, wo zu statten gehen ganz im sinne des späteren von statten gehen (A, 4, e, β) gebraucht wird: der nach gottes wort seines beruffs wartet, der ist jmerdar geschickt und bereit, viel gutes zu thun, und thuts auch on unterlas. gehet jm davon zu statten, was er furnimpt. Luther 8, 318b. dies statten ist bei Steinbach 2, 688 als besonderes wort angesetzt, s. oben A, 4, e, β. eine verfehlte erklärung giebt Adelung 2, s. ferner Weigand 2, 800. II@B@7@cc) die weitaus gewöhnlichste verbindung ist zu statten kommen (s. auch die beispiele unter b). in der verwendung ist ein unterschied zwischen der ältern und der neuern sprache zu beobachten. II@B@7@c@aα) mhd. überwiegend mit persönlichem subject und der bedeutung 'helfen, beistehen': durch got saget balde ob ich iu ze staten müge komen. Erec 5344; wan jener der dâ nider lac, dern moht im niht ze staten komen. Iwein 6781; den quam er mit vatten, also ein helt, ze statten. minnes. 3, 340, 18 Hagen (Wackernagel kirchenl. 2, s. 140); sô daʒ si niht enmohten dem hûse komen ze staten. Ottokar reimchron. 9128; ei der dem selben armen indert kæm ze staten! Hadamar v. Laber jagd 507; swer eigen liute hât, und kumt ir einʒ in seinem dienste in siechtum, und wil im der herre an sinen notdurften niht ze staten komen. Schwabensp. 58, § 1; gebar siu ein tôd kint, und was nieman bî ir von frouen noch von mannen der ir in semelîchen sachen ze statten kæme. quelle s. Wackernagel leseb. 12, 943, 8; bâtend siu daʒ siu inen ze statten kæmen und inen etwas gæben. 33; die sel chæmpft tæglichen wider den teufel ... und dar umb sol man der sel manichfeltichleich ze staten chomen, daʒ se in wider streben muog. gesta Romanorum s. 139 Keller; daʒ unser herr der kunk her aws meint zu kumen vor dem palmtag und frid zu machen, und daʒ man im zu staten solt kumen. d. städtechron. 1, 191, 20 (brief v. 1397); wenn ein gemeiner krieg angehet, so hat iederman so vil mit im zu schaffen, daʒ einer dem andern nit ze staten komen mag. 2, 330, 22; wer uns hilf geschehen, wir möchten itzunt unsern puntgenossen auch dester fruchtperlicher und pasz zu statten kommen. 408, 18; diese clöster und pfarren habent ire pfleger ... zugegeben von einem hochweisen rat, dieselben in zu statten komen in anligenden sachen. 3, 75, 8; so wil ich uwer tugentlich gnode flisseklich bittent sin .., dasz ... (ihr) mir zu statten wellent komen, wan ich ... verhaft bin mit einem juden ze Sletzstat, und daran min bittung, dasz ir mir geruchtent zehen pfunt pfenning lihen. 9, 1043, 36; hilff deinen armen, chum in ze staten. quelle bei Schm.2 2, 795. so mit verdeutlichenden zusätzen: si wolden in drât ze staten und ze helfe komen. Ottokar reimchron. 26274; daʒ er helflîch in zu statin mit den sînen quême. Nic. v. Jeroschin 19763. mit andern bestimmungen: ze welhen staten ich iu quam, dô ich iuch von dem tôde nam. Iwein 3143; negiert: leider nû enmuge wir ime ze keinen staten komen. d. arm. Heinr. 505. so noch nhd. zuweilen bis ins 18. jahrh.: jemand mit einem guten raht zu statten kommen, servire uno opportunamente con (d') un buon consiglio. Kramer dict. 2, 914b; o gott! ich bitte dich ... dasz du mir in dieser ungestühmen welt ... mit deiner hülffe zu statten kommen [] wollest. Olearius pers. baumg. 104b (10, 1); da von unsern vormaligen bundsgenossen uns niemand zu statten komt. Heilmann Thuc. 384 (3, 57; Jacobi: uns beysteht); (dasz er) einen schädlichen nachdruck besorge, zu dessen verhütung ... wir ihme mit unserm kaiserlichen druck-privilegio diesfalls zu statten zu kommen gnädigst geruheten. Blumauer Aeneis 2 (1785), A 2b (privil. Josefs II.); ich hatte ... es unternommen, aus Nikolai's algemeinen deutschen bibliothek einen auszug der theologischen artikel derselben zu veranstalten, womit ich denen zu statten kommen wolte, welche sich nicht im stande befanden, diese ganze bibliothek sich anzuschaffen. C. F. Bahrdt gesch. s. lebens (1791) 3, 161. so auch: und ye ein glid mag dem anderen zehilff und statten kommen. manuale curatorum (1516) 79b; ich sinne nach wie deine macht mir reichlich kommen sey zu statten. Opitz psalmen 116 (63, 4). II@B@7@c@bβ) mit unpersönlichem subject, in dem sinne 'nützen, von nutzen sein, zu gute kommen'. so schon mhd. nicht selten: das vierde ist verliust des gemeinen gebettes, das kümt im niht ze staten, diewile er wiʒentliche in einer houbet sunden ist, die er niht gebihtet hat. bihtebuoch s. 11 Oberlin; des mac mir unz an mînen tôt niemer niht ze staten komen, in müeʒe lîden sende nôt. minnes. frühl. 217, 30 (Hartman v. Ouwe); swelch dienest sô ze staten kumt ... Iwein 6666; eʒ ist ein helfeclîcher dôn, swâ friundîn rede wirt vernomn, diu friunde mac ze staten komn. Parz. 766, 18; daʒ kam ime ze grôʒen staten. Heinr. v. d. Türlin krone 9437; wan swer mit sünden ist geladen, dem mac der name (Jesus) mêr geschaden ... danne er im ze staten kum. Lampreht v. Regensburg Franc. leben 3319; darzuo muoʒ dir mîn helfe fromen und ouch mîn trôst ze staten komen. tohter v. Syon 1152; das messer kam im wol ze staten. Heinr. v. Neustadt Apollon. 6747; derselb (ostwind) mag dir zu staten kumen. Oswald v. Wolkenstein 17, 48 Schatz; darinn kam mir ze staten vil krumper stampanei. 111, 103; mit zusatz: eines rates ih iu beweise, der wærlich gefrumt unt uns ze besten staten chumt. urstende bei Hahn ged. 104, 52. so im nhd. von anfang an überwiegend, und in der neuern sprache ausschlieszlich und in dieser verwendung sehr häufig: zu statten kommen, usui, commodis aptum, operae pretium esse. Stieler 2117; das geld wird mir treflich wol zu statten kommen, questo danaro mi servirà benissimo. Kramer dict. 2, 914a; das kommt mir zu statten, hoc mihi saluti est; was einem zu statten kommt, quod aliquem adjuvat; den armen kommt es zu statten, pauperibus usui est; in der noth einem zu statten kommen, difficultatibus alicujus subsidio esse; das geschencke kahmm zu statten, munus usum magnum habebat; was im kriege zu statten kommt. Steinbach 2, 688; zu statten kommen, usui esse, opportune et commode venire, prodesse. Frisch 2, 321b; zu statten kommen, 'zu einer absicht nützlich, beförderlich seyn'. Adelung (2); das kam mir zu dieser absicht vortrefflich zu statten. dann wird ihnen ihre gelehrsamkeit recht gut zu statten kommen. ebenda. so jetzt auch holl. te stade komen, s. oben b; ebenso (daher beeinfluszt?) ostfries. to stade kamen. dat kumd hum gôd to stade, dat hê dat nêd dôn brûkte. dat geld kwam hum in sîn lage best to stade un hulp hum sülkes ût grote ferlegenheiden. ten Doornkaat Koolman 3, 293b. (fehlt in Handschuhsheim. Lenz 68a.) — belege: redet er gefügklich, es kompt jm zuo staten. Aimon b 1a; wann du klugen rath hören wilst, mustu einen schweren stein auffheben, und den etliche mahl auff den dummen esel werffen, und ihm kopff und lenden, und alles zerquetschen, dasz er dem ehrlosen könige (der mit den eseln unbarmherzig umging) nicht möge zu statten kommen. Olearius pers. baumg. 18b (1, 29); der gute mann würde dieses, noch ganz erträgliche stück, [] auch nicht hervorgebracht haben, wenn ihm nicht die materie der alten bildsäule dabey zu statten gekommen wäre. Lessing 1, 142 (fabeln 2, 1); aber warum sollte, unter allen tagewerkern, dem einzigen wöchentlichen schriftsteller kein feyertag zu statten kommen? 7, 447 (Hamb. dramat., 101—4 stück); dasz die natur der zu kurz fallenden kunst hier zu statten kommen ... kann. 8, 133 (antiqu. br. 42); dieser umstand kam ihr itzt bey ihrem alten sehr zu statten. Wieland 8, 265 (Danischm. 31); wie wohl nun ihre (der byzantinischen kaiser) wissenschaften nicht eigentlich dem reich selbst zu nutz kamen, da die gelehrtesten kaiser meistens die unglücklichsten waren ..; Europa kamen sie sehr zu statten. Herder 9, 341 Suphan; in dieser verlegenheit kamen die kenntnisse seines freundes Laertes ihm gut zu statten. Göthe 19, 111 (Wilh. Meister 4, 17); ihr müszt reisen, die einladung des markese kommt euch herrlich zu statten. 20, 307 (8, 10); also würde man urtheilen, wenn er (Phidias) auch nichts als die Minerva zu Athen oder den Olympischen Jupiter in Elis gemacht hätte, dessen schönheit der angenommenen religion ... zu statten kam. 37, 42; der nordost-wind ... kam uns trefflich zu statten, und half die flamme bis hinauf in die obersten gibel jagen. Schiller 2, 92 (räuber 2, 3 schausp.); die zeit meldet sich allgemach bei mir, wo uns vätern die kapitale zu statten kommen, die wir im herzen unsrer kinder anlegten. 3, 478 (kab. u. liebe 5, 1); frühe schon legte er (Solon) sich auf die dichtkunst, und die fertigkeit, die er darinn erlangte, kam ihm in der folge sehr gut zu statten, moralische wahrheiten und politische regeln in dieses gefällige gewand zu kleiden. 9, 166; lassen sie daher auch mir einige nachsicht zu statten kommen. 10, 276 (ästh. erz., 1. br.); man schiebt noch alles auf den krieg und auf die belagerung; das mag den aubergisten sehr gut zu statten kommen. Seume 2, 95 Hempel; Karl legte den grund zu einer bildung, die doch nur den groszen und vornehmen zu statten kam. Schlosser weltgesch. 5, 392; Leodegar liesz mich unwillkürlich frei. dieses fahrenlassen kam mir kleinem ungeheuer zu statten. Keller 7, 311; wenn es (Zürich) sich mit dem schilde vorsichtiger neutralität gedeckt, sei das, wie der Schweiz, so Graubünden zu statten gekommen. C. F. Meyer Jürg Jenatsch 134; kurz, jeder umstand kommt dem andern da zu statten, und trägt das seine bey, die sache rund und ganz zu machen. Wieland 23, 130 (Oberon 9, 10); nicht kam dem Sacripant sein muth zu statten. Gries Bojardo 1, 14, 51. II@B@7@dd) andre ähnliche verbindungen sind auf die alten sprach stufen beschränkt. II@B@7@d@aα) mhd. häufig ze staten stân, vgl. mhd. wb. 2, 2, 606a; mit persönl. subject: vrouwe, ich enmac iu ze staten niht gestân. Iwein 5707; daʒ se alle samet in selben mê enmohten niht ze staten gestân, wan daʒ se ir schef et lieʒen gân. Tristan 2413; hei sal levendich us deme grave mit der helpen godes gain unde Agrippina zo staden stain. Hagen boich v. Colne 115; hei inmoichte in neit zo staden stain. 1075; so sal uch got zo staden stain. 5833; mit unpersönl. subject: svaʒ ir an mir hat getan, daʒ laʒet ime zu staten stan. graf Rudolf 19, 6; vrouwe, ir habt den rât, der iu wol baʒ ze staten stât. Iwein 7850; möht' eʒ in iht ze staten stân. pf. Âmîs 1723; niht ist daʒ uns ze staten stê sô wol ze gote sam sie (die minne). Lampreht v. Regensburg tohter v. Syon 3177; ob mir sein tugent, di er hat, in diser not zu staten stat. Herm. v. Neustadt Apollon. 13791; iʒ ist billich daʒ die wisheit des almechtigen gotis den ungeloubigen niht zu staten ste. Leyser pred. 104, 38. — so auch mnd.: of he leven solde, he machte noch manich jar sinen vrunden to staden stan. deutsche chron. 2, 223, 23. s. ferner Schiller-Lübben 4, 350a. II@B@7@d@bβ) sonst im mnd. in diesem sinne in staden staen, s. ebenda (urk. v. 1375), und, mit vermischung der beiden [] wörter: in steden stân 372a (Lüb. urk. v. 1375, Hoyer urk.). ebenso nl.: in staede staen, vetus, vel ontset doen. Kilian 2, 626a. so auch köln. in staden stain (neben zo staden, s. α): ei got, manch goit haistu uns gedain, du wolt uns vort in staden stain. Hagen boich v. Colne 1806; it dunct uns allen goit gedain, dat wir der stede in staden stain. 4689. II@B@7@d@gγ) vereinzelt mhd. dafür: doch mochter nicht zu in gewaten, noch ir dekeime zu staten getreten in der selben zit. pass. 238, 42 Köpke. ferner: swer dienen künne rîchen solt und sich ze staten biete. Konr. v. Würzburg Parton. u. Mel. 3237. II@B@7@ee) andres liegt weiter ab, so: so gereichete es ihnen ohne zweifel zu gedeylichen statten, wan die landtage hinführo mehrmaln zum Kiel möchten angestellet ... werden. urk. v. 1649 bei Westphalen monum. ined. 4 (1745), 107. s. auch Haltaus 1735. — zu statten gehen, s. oben unter b. II@B@88) vereinzelt begegnen diese u. ähnl. wendungen in ganz anderm sinne. II@B@8@aa) zu statten kommen; mnd. to stade komen ruhig werden, s. unter 6, a. ähnlich ist wol zu verstehen: als der (Seth) des vateres (Adams) tot entpfant, do was im leide genuoc. sin truwe in do alumme truc, wie er (Adam?) zu state mochte kumen. pass. 266, 15 Köpke (vgl. auch 7, b). II@B@8@bb) wieder anders: aber der Eidgnossisch ... cardinal, und der herzog von Bar bliben als trwe diener bim armen glük des gerechten keisers, in hofnung, die gerechtikeit wurde noch bi zit zuo staten kommen. Anshelm Berner chron. 4, 171, 2 ('zur geltung kommen' wörterverz.). II@B@8@cc) zu statten bringen, reficere, reconcinnare. voc. v. 1618 bei Schm.2 2, 795. II@CC. im nhd. ist statt hauptsächlich in einigen formelhaften verbindungen erhalten, wo eine scheidung dieser beiden wörter nicht mehr durchführbar ist. so einerseits in den verbindungen des dat. plur. statten mit den präpositionen von und zu; von statten gehen, s.A, 4, e, und zu statten kommen, B, 7, c. hier liegt im ersteren falle deutlich altes stat, im zweiten state zu grunde, weshalb sie auch an der entsprechenden stelle eingereiht sind; doch beweist die formale angleichung (von statten für von statt oder von stätten), dasz der unterschied nicht mehr empfunden wird. anders verhält es sich mit den redeweisen, wo statt als object zu verben tritt. hier liegt in der alten sprache meist deutlich stat und state neben einander, so dasz im mhd. eine auftheilung der belege auf beide wörter im allgemeinen möglich ist (während im mnd. häufig vermischung eingetreten ist), auch nach dem schwinden der formalen unterscheidung. im nhd. dagegen ist die unterscheidung nicht mehr durchführbar, besonders deswegen, weil diese verbindungen hier immer mehr zu einer einheitlichen gruppe verwachsen und als solche neue bedeutungen entwickeln, die weder zu stat noch zu state passen. sie verlangen daher eine gesonderte behandlung. das gilt insbesondere von den jetzt überaus gewöhnlichen statt haben (1) und statt finden (2); ihnen schlieszt sich das sehr zurückgegangene statt geben (3) an. bei den ganz erloschenen verbindungen statt thun (4) und statt lassen (5) scheint dagegen ursprünglich nur state zu grunde zu liegen. in allen diesen wendungen ist statt alleinherrschend geblieben, nur ganz ausnahmsweise und ungut kommt dafür stätte vor. II@C@11) statt haben. II@C@1@aa) mhd. zunächst stat hân, s. mhd. wb. 2, 2, 599a; z. b.: wan daʒ (maere) hât dô ninder stat und vil gerûmeclîchen pfat, zeinem ôren în, zem andern für. Parz. 241, 23. so noch im 16. jahrh., ganz eigentlich: es sollen die ketzer nicht raum noch stat, in seinem heiligen, freien, christlichen concilio haben. Luther 8, 212a; mit näherer bestimmung: wir haben hier keine bleibende statt, s.A, 6, d. ähnlich freier: also das da die gedancken und vernunfft kain stat in jm haben. 10, 3, 66, 11 Weim. ausg.; die unschuld hat bei euch kein stat, wenn euch der grim beseszen hat. Rebhun Sus. 3, 2, v. 135. [] raum, platz haben: tavelrunde ... ist sô breit, daʒ volle stat wît und gerûme dar an wol vünfhundert ritter hân. Heinr. v. Freiberg Tristan 1334; hierzu: aber das ich jm hie vil thu, geschicht darumb, das in einem kleinen die underschyd dest mercklicher erkandt wirdet, unnd auch das ich solichs des kleinen blatz halben hie nit stat hab zu machen. A. Dürer v. menschl. proportion (1528) S 3b (könnte auch zu b gezogen werden). II@C@1@bb, II@C@1@b@aα) viel häufiger ist mhd. state hân, die möglichkeit, gelegenheit wozu, s. mhd. wb. 2, 2, 605a. meist mit ergänzender bestimmung, in der regel durch einen gen.: daʒ sie irs wirtes bette floch .., wa sie des stade mohte han. Elis. 1665; die beziehung ergiebt sich aus dem zusammenhange: si wolten in gerne haben erslagen. du nemahten si der state niht haben. kaiserchron. 5382; ie swan sie die state het, sô schôʒ sie mit ir ougen brehen Tristande hin ein vriuntlîch sehen. Heinr. v. Freiberg Tristan 2608. die bestimmung auch durch einen inhaltssatz oder inf. mit ze: daʒ man den beichter nit ze lang aufenthalt, und daʒ die anderen och stat mügen han ze beichten. quelle bei Schm.2 2, 795 (handschr. v. 1458); er ... wolde von den liuten fliehen verre in verwuoste stete, dâ er guote state hete ze dienne got aleine. Lampreht v. Regensburg Franc. leben 3667; eʒ was diu maget minneclîch Tandareis vil heimelîch, ouch het er des vil guote stat daʒ er si umbe ir minne bat. Pleier Tand. u. Flord. 3309; sa nu die dugentriche der stade mohte nit gehan, daʒ iʒ di frouwen wolten lan. Elis. 2033; mit synonymen verbunden (s.B, 3, a): nu han ich stunde joch di stade, daʒ ich dir guodes icht begade (verschaffe). 2651; das er zeit und stat hab darzue. Vintler pluemen der tugent 9185. wozu die mittel haben, in der lage sein, vgl. B, 4, a: hie wart der gast berâten als sî des state hâten. Erec 366; er lie die geste unde enphie baʒ denn' ieman tæte, wand' er es state hæte. pf. Amis 54; unde sult zuo den siechen gên ... unde sult die laben, ob es in nôt ist, ... und ob ir sîn state habet. Berthold v. Regensburg 1, 269, 19; dû solt ouch vater unde muoter êren mit dem lîbe, daʒ dû in ir nôtdurft gebest, ob dû sîn state hâst. 275, 35; ir sult den armen liuten lîhen, sô korn, sô pfenninge, ob ir sîn state habet. 280, 37; nieman darf sprechen: ich ne habe der state niht, daʒ ich icht guotes muoge getuon. daʒ himelriche ist veil, al dar nach daʒ der mensche state hat. daʒ der riche kuofet mit alle sime guote, daʒ koufet der arme mit einem eyge oder mit einer snieten brotes. Leyser pred. 124, 36—125, 3. häufig durch adject. zusatz verstärkt, guote, volle stat hân, auch, reichlichen vorrat wovon haben: wir môʒin aver einin kiel havin, die maniger hande wondir trage, ... swer dâ koufen wolle, daʒ wir des gôde stade hân. Rother 3072; haiʒ dîn golt vur tragen, des wir guote state haben. kaiserchron. 12984; des kunigs amtliute hieʒen der herren schaffær nemen, swes sich der man lieʒ gezemen; des stieʒ in nieman dhein zil, er næm sîn lutzel oder vil, wand man het sîn volle stat. Ottokar reimchron. 7844. state hân mit gen. der person, haben können: ouch tâten dâ vil lîhte sumelich ir bîhte, die der pfaffen heten stat. 15675; si begunden sêre ringen, wie si des bekæmen, daʒ si guot gevangen næmen. der heten si dâ guote stat. 62267. [] II@C@1@b@bβ) auch diese verwendung ist im 16. jahrh. noch ganz gewöhnlich; sie ist daran zu erkennen, dasz stets eine nähere bestimmung hinzutritt oder zu ergänzen ist. im genitiv: jhr werber esset und trincket mit freüden, dieweil jr des stat habt. Schaidenreiszer Odyssee 4a (1, 369). häufiger im infinitiv: denn sie machten es in der disputation auch also, das, wiewol der Eck, opponens oder gegensetzer war, dennoch das letzt wort behielt, das ich nicht stat hatte, sein fürwendung zu verlegen. Luther 1, 146b; kain phantasey sOell haben statt, zuo grnden gottes haimligkait, ir dieff und hOech ist ungesayt. Schwartzenberg Cic. 155d. mit synonymen und ähnlichen ausdrücken zusammengestellt: wenn etwas verbotten ist by pen der todsünd, unnd ein mönsch das nitt mit auszerlichen wercken verbringen will, und aber nüt dester minder hat volkumne verwilligung im hertzen, das er sollich werck thuon wolt, wenn er zeit und statt hett, ... der mönsch sündet tödtlich. Keisersberg christenl. künigin ee 7a; alle menschen [si] sein wer si wöllen, wo si ir ursach und stat zu sünden haben, so sündens. Aventin chron. 1, 804, 29; aber sie wolte nicht nachlassen, ... darzu so hetten wir jetzundt fug und statt unverhindert von jedermann. buch der liebe 181b; und wenn er denn hat fug und stadt sein böse dück er sehen lat. H. Sachs 3, 2, 171a. II@C@1@cc) statt haben ist auch im spätern nhd. noch durchaus üblich, doch in einer abweichenden verwendung, die sich von a wie von b entfernt, indem weder eine ergänzung wie bei b zulässig ist, noch örtliche bedeutung vorliegt. statt haben, locum tenere, permitti, concedi. Stieler 2117, haver luogo. Kramer dict. 2, 914a; 'statt haben, bewilliget, zugegeben, eingeräumet werden können. das hat hier keine statt, kann hier nicht eingeräumet, zugelassen, verstattet werden.' Adelung, vgl. auch Heynatz Antibarb. 2, 443. so jetzt auch nd. stede hebben, statt finden. brem. wb. 6, 338. (einflusz des französ. avoir lieu, vgl. zeitschr. f. d. wortf. 4, 131a, ist bei dem alter der verbindung nicht wol denkbar.) der unterschied dieser gebrauchsweise von den ältern liegt darin, dasz das subject hier nicht eine person (wie meistens bei a und immer bei b), sondern ein abstracter ausdruck, die bezeichnung einer handlung, eines zustandes u. s. w., ist. so ganz vereinzelt schon mhd., durchaus dem heutigen sprachgebrauche entsprechend: gewin und verlust muoʒ dâ haben stat. Ottokar reimchron. 2555. sehr ungewöhnlich und merkwürdig ist folgende stelle, wo ein concretes subject zu statt haben tritt: wie können wir ihm schicken von blumen einen krantz, sein häupt damit zu schmücken? er ist zu weit von uns. kein kraut kan haben statt. die nelcken sterben hin. das tausent-schön wird matt. Fleming 40. II@C@1@dd) die wichtigsten gebrauchsweisen im einzelnen, die z. th. ebenfalls auf die ältere sprache beschränkt sind. II@C@1@d@aα) bitte, rat, ermahnung u. ä. findet statt, wird beachtet und befolgt (16.—17. jahrh.): unsere papisten und andere rotten, so sich mutwillig widder unser lere setzen, zu trotz und widder der warheit nicht hOeren wOellen, dazu kein vermanen radten biten straffen an yhn helffen noch stad haben lassen. Luther 28, 17, 11 Weim. ausg.; weil trewer raht und warnung bey jm hat kein stadt. H. Sachs fastn. sp. 2, 117 neudr.; und was man beid partheien bat, so wolt gut rath nicht haben stat, sie blieben stracks auff jhrem sinn. Alberus fabeln s. 23 neudr. (2, 12); desgleichen auch dem vatter mein wolt ich noch nie gehorsam sein, viel wenger wirt dein guter rat in meinem hertzen haben stat. 193 (44, 46); die sehn-sucht frembder sachen, was wird sie dermahleins noch endlich aus dir machen, weil auch dein eigner rath bey dir selbst statt nicht hat. Fleming 615, vgl. dazu 2, a, ε. II@C@1@d@bβ) ähnlich zuweilen (17. jahrh.) etwas hat statt ist am platze, zulässig oder rätlich: stee und hoff, so werden deine werck gulden, denn darumb verzeücht er dich, ... denn da hat die hoffnung und der glaub statt, wenn er [] uns verzeücht. Luther 10, 3, 231, 23 Weim. ausg. mit adjectiv: wo das reden nicht verfängt, hat das schweigen beszre stat, besser, dasz man nichts gesagt, als gesagt vergebens hat. Logau 2, 10, 90 (s. 209, auch bei Lessing 5, 171). vgl. ferner: weil aber die warheit nicht allenthalben statt hat, insonderheit zu hof, in der hölle und unter den teuffeln, ... als gebotte jhm Lucifer, dasz er forthin dessen schweigen solte. Philander 1, 649 (am randc: warheit wo sie nit gelte). II@C@1@d@gγ) eine meinung, vermutung, furcht und ähnliches hat statt, trifft zu, hat geltung, bestätigt sich: diese forcht kan hier nicht statt haben, questa paura, questo scrupolo non può haver luogo (entrare) in questo particolare. Kramer dict. 2, 914a; wo die vermuotung der notweer wider die bekentlichen that (gegen das eingestandene factum des totschlages) statt haben soll, so muosz dieselbig vermuotung gar guot starck bestendig ursach haben. Carolina art. 143; ähnlich noch: erstlich gründet sich dieser einwurf auf die falsche ... voraussetzung, dasz der marquis nur für seinen freund sterbe, welches nicht wohl mehr statt haben kann, nachdem bewiesen worden, dasz er nicht für ihn gelebt ... habe. Schiller 6, 75 (br. üb. don Karlos 12). so dann auch: der halb disz auff jn (Mahomet) nit gedeüt werden, und die schrifft an jm nit statt oder erfüllung haben mag. S. Franck weltb. 119a; Johannes de Persia thut diesem lande grosz unrecht, dasz er schreibet: es wäre in Masandaran, wegen des gebirges, so grosse kälte, dasz das obst gar seiten reiff würde. disz musz entweder nur auff, und in den gebirgen oberhalb Masandaran verstanden werden, oder kan keine statt haben. Olearius pers. reisebeschr. 286a. II@C@1@d@dδ) in neuerer sprache gewöhnlich mit angaben über thatsächliches, zuständliches, die damit als zutreffend, wirklich vorhanden, richtig, geltung habend und ähnlich bezeichnet werden sollen; am häufigsten neben negationen: so schon im 16. jahrh.: das sie (d. christen) ... gleichsam unbeweglich, unüberwindtlich, unwandelbar, unnd unempfindtlich seind, one allen affect, das kein zuofall bey ihn statt mehr hat. Franck parad. 47b; so musz man auch behaupten, dasz der unterscheid unter natur und kunst im stande der unschuld keine statt gehabt habe. Liscov 601; der unterscheid, den wir unter nützlichen und unnützen gewächsen machen, hat bey gott keine statt. 678; wenn diese drey brüder dem reich keinen erben gaben, so rief die verwandtschaft mit dem regierenden hause, ob sie gleich nur im ein und zwanzigsten grade statt hatte, das haus von Navarra auf den thron. Schiller 9, 343; die möglichsten motive, welche auf einem polnischen reichstag überhaupt und auf einem in jener historischen zeit nur statt haben können, müssen vereinigt werden. Demetr. s. 134 Kettner. II@C@1@d@eε) endlich wird statt haben auch von geschehnissen, handlungen u. ähnl. gesagt, eintreten, wo es sich dann der bedeutung des häufigeren statt finden sehr annähert oder ganz darin übergeht; doch schimmert zuweilen die ältere bedeutung der möglichkeit noch durch: so werden die bestimmungen einer praktischen vernunft nur in beziehung auf die letztere ... statt haben können. Kant 4, 175 (krit. der prakt. vern. 1, 1, 2); eben so leuchtet ein, dasz ... die natur sich gegen den geist nicht als gewalt verhalten dürfe, wenn ein schöner moralischer ausdruck statt haben soll. Schiller 10, 95 (über anm. u. würde); so zum theil schon: das zancken der parteyen, der uberlauff des volcks, desz hofes schwelgereyen, verleumdung, neid, und hasz, trug, heucheley und höhnen die auszgeschmückten wort und fälschliches beschönen, das hatte hier nicht stat. Logau 3, s. 228, zug. 56. s. ferner die beispiele unter e. II@C@1@ee) statt haben ist zunächst eine freie wortgruppe, verbindung eines verbs mit seinem object, und so mhd. durchaus. im verlaufe der nhd. zeit tritt dann allmählich ein engerer zusammenschlusz ein, wodurch statt seine selbständigkeit verliert und das ganze sich der zusammensetzung nähert. dies zeigt sich zunächst darin, dasz statt in diesem sinne die fähigkeit verliert, attribute zu sich zu nehmen. (einzige ausnahme: Logau unter d, β; abgesehen natürlich von der unter A, 6, d behandelten wendung.) nur darin zeigt es noch seine substantivische natur, dasz es gern durch kein [] negiert wird (soweit dies nicht zum subject tritt), s. Luther, Rebhun unter a, H. Sachs unter d, α, Olearius unter d, γ, Liscov unter d, δ und noch Adelung unter c; doch daneben nicht zu allen zeiten (Luther unter b, β, Alberus d, α, S. Franck d, γ, Fleming d, α, Kramer d, γ). äuszerlich kennzeichnet sich der verlust der selbständigkeit bei statt in der schon im 17. jahrh. herrschenden gewohnheit, es mit kleinem anfangsbuchstaben zu schreiben. (s. Olearius unter d, γ, trotz des danebenstehenden keine, Philander d, β, Logau d, β. ε, Fleming d, α, Schiller d, γ. δ. ε; nur Liscov, s. d, δ, giebt ihm groszen anfangsbuchstaben.) — das vollkommene zusammenwachsen zu einem zusammengesetzten verb zeigt sich darin, dasz man seit beginn des 19. jahrh. dazu ein part. perf. in activem sinne bildet; dies stattgehabt geht stets mit der bedeutung d, ε zusammen und ist völlig gleichbedeutend mit stattgefunden, vgl. 2, e: behalte ich mir vor, ew. hochwohlgebohren mündlich wegen der, zwischen uns im drang mancher wiederwärtigen umstände, stattgehabten misverständnisse ... um verzeihung zu bitten. Kleist 5, 408, 16 E. Schmidt (brief vom 13. dec. 1810); es sind hier durch einen in unvordenklichen zeiten stattgehabten bergsturz wasseraufstauungen und sümpfe entstanden. J. G. Kohl alpenreisen (1849) 2, 215. weitere belege, besonders aus juristischen quellen, und litteraturangaben bei Günther recht u. sprache s. 39, 260 f., vgl. auch Matthias sprachleben u. sprachschäden3 s. 111 f. II@C@22) statt finden, trovar luogo, posto. Kramer dict. 2, 914a, locum invenire, admitti. Frisch 2, 321a. II@C@2@aa) fälle, die deutlich altes stat, locus, enthalten. II@C@2@a@aα) so schon ahd.: mit thiu si ih ío thuruh nótal úmbizirg biséganot, thaʒ fíant sih ni ménde,er stát in mir io fínde. Otfrid 5, 3, 16. II@C@2@a@bβ) ferner mhd. und bis ins 16. jahrh.; zunächst von menschen, thieren u. s. w., eigentlich: dârnâch sande er eine tûben, daʒ diu besæhe ob diu fluot dannoch hiete verwuot. alsô diu niht stat envant, dô flôch sie zehant wider zuo der arken in. Lampreht v. Regensburg tohter v. Syon 2249; für einen andern: daʒ iu rehten mordære ist diu helle zahtpære: wil iu der tiuvel vinden stat, sô muoʒ er suochen ein privat unden in der helle. Ottokar reimchron. 3467. nhd.: bey diesen allen, habe ich (die 'Weisheit') wonung gesucht, das ich etwo stat fünde. Syrach 24, 11; dann auch übertragen (vgl.α): ich (Mammon) verjage die christliche liebe, ohn welche niemand seelig wird: die barmhertzigkeit findet bey mir keine statt. Simpl. 2, 142, 16 Kurz (6, 4); der dise ding im hertzen hat in dem findet die sünd kain stat. Rasch fasten lob (1588) B 3a. II@C@2@a@gγ) ferner gern von worten. auch hier ist die räumliche grundvorstellung deutlich: das sind sie warhafftig, die zur messe bereit sind, denn bey denen finden diese wort, stat und raum, da Christus sagt, nemet hin und trincket. Luther 1, 339a; vgl.: wenn aber ein armer nicht recht gethan hat, so kan mans auffmutzen, und wenn er gleich weislich redet, so findets doch keine stat (οὐκ ἐδόθη αὐτῷ τόπος). Syr. 13, 27. ähnlich auch: daʒ die wort stat beviengen (erfüllt wurden), da David bat rechen sich. H. v. Hesler apokal. 2788. vgl. noch nl. stad grijpen, ratum esse, valere auctoritate, opportune valere. Kilian 2, 624b. II@C@2@a@dδ) bis heute lebendig geblieben in der sprichwörtlichen redeweise: ein gutes wort findet eine gute statt, una buona parola trova buon luogo cioè accoglimento; è ben ricevuta, ben' intesa. Kramer dict. 2, 914a, 'gute worte, bitten, vorstellungen bleiben selten ohne gute wirkung'. Campe, vgl. ferner Adelung (1, 'im gemeinen leben'). Hetzel wie der Deutsche spricht 299. belege: daher das sprichwort kömpt: ein gut wort find eine gute stadt. Luther 24, 587, 18 Weim. ausg. (pred. v. 1527); ein gut wort findet ein gute stadt. die erfarung lernet, dasz kein gut wort verloren sey, es findet alle zeyt do es rwet, und on schaden abgehet ... so findet doch das gute wort eine gute stadt, erstlich bey den zuhorern, ... zum andern, auch bey dem [] feinde. Agricola sprichw. (1534) 158; ein guot wort findt ein guot stat. guoter gruosz, guote antwort. S. Franck sprichw. 2, 112a; ein guot wort findt ein guote statt. Kirchhof wendunm. 1, 42 Österley (1, 28); mit guede worde lokt merr d'hund lycht us em offe; e guets word findt au glych e guedi statt. Arnold pfingstmont. 185 (5, 9). so denn auch: ein guter rath findet, wie sie wissen, eine gute statt. Wieland 20, 234 (Abder. 5, 5); guter wein findet gute statt wie gutes wort. Geibel 7, 143 (meister Andrea 2, 9). II@C@2@a@eε) wie diese stellen lehren, ist auch die nhd. sehr gewöhnliche und bis in die klassische zeit hinein lebendige fügung eine bitte findet statt, wird gewährt, erhört, hier anzureihen: bitt findt kein statt bey jm, er mag nit erbAetten werden, locus preci non est relictus. Maaler 385a; dazu etwas statt finden lassen, bewilligen. lassen sie meine bitte, meine ermahnungen u. s. f. statt finden. Adelung (1); lasz meine bitte statt finden, bey euch statt finden. Kramer dict. 2, 914a; sie würden vielleicht weniger ungeneigt seyn, meine bitte statt finden zu lassen. Lessing 1, 338 (d. juden 22); wie fast er in flehet und bat, so fand sein bit bey im kein stat. Wickram 7, 199 Bolte (Ovid 4, cap. 20, 1206); ja freylich hat er michs angsunnen, und hett sein bitt an mir stat gfunnen, so hett er sein willen vollbracht. Ayrer 3, 1863, 16 Keller; deine bitte hat statt gefunden, mein infant. hier bin ich, ... dir freyheit anzukündigen. Schiller 5, 2, 414 (don Karlos 5, 4). ebenso: und als er siht, wie dasz kein flehen, keine bitt, darzu drawungen auch statt wolten finden nit, da wand er sich, und es auff die gewald nur satzte. Dietr. v. d. Werder Ariost 13, 26, 4; (er) gedenckt, das sey der beste rath, der bey sein bürgern findet stath. froschm. Ff 3a (2, 3, 4, 98); so waren sy doch also gar arm, das sie armuot halben die thochter irem stand nach nit wiszten zuoversorgenn; dernhalben die werbung dester leichter stat gewan. Frey gartenges. 8, 21 Bolte (cap. 1); wann meine gütliche ermahnungen nicht statt finden, so wollen wir die schärfe vor die hand nehmen. Kramer dict. 2, 914a; er (Faust) bot dem erlauchten rath seine bibel für zweyhundert goldgulden an; da man aber vor einigen wochen fünf fässer Rheinwein in den rathskeller gekauft hatte, so fand sein gesuch so leicht nicht statt. Klinger 3, 12 (Faust 1, 3). — vgl. 1, d, α. II@C@2@bb) stat(e)finden, in diesem sinne auf das mhd. beschränkt: II@C@2@b@aα) mit gen., gelegenheit wozu: daʒ er die just næme .., swâ er des state funde. Erec 2420; eʒ tuot mir herzenlîchen wol daʒ ich hie strîtes vinde stat. Wig. 4786; des er leider niht vant stat. Ottokar reimchron. 84257; seltner in dem sinne 'vorrat': (sie) nâmen, swaʒ in tohte und swaʒ der man mohte von dannen füeren oder bringen von sô getânen dingen, des man êr und frum hât, des vant man alles stat. 52470. für den gen. steht der acc. eines pron. neutr.: wer ein wib geset also daʒ im gelustet der, der hat gesundet mit der ger, wen der lib vollenbrechte swes der wille gedechte gerne, ob her iʒ state vunde. H. v. Hesler apokal. 1955; diz wolde ich entbinden, mochte ich iʒ state vinden. 3732; II@C@2@b@bβ) häufig mit zusatz an einem: do da der valant dehæin stat an im vant (ihm, Jesu, nicht beikommen konnte). anegenge 37, 53 Hahn; wande unser trût daʒ ist Crist, wan an dem vinde wir die state, swes ein hertze mach gegere, daʒ er uns des kan wol gewere. Heinr. v. Krolewiz vater unser 4388; [] als er vant an in stat, irer helf er si bat gegen dem bêheimischen kunic. Ottokar reimchron. 15027; als ir (der büttel) einer niun mannen oder wiben den lip genimet, so ist der zehende sin, den sol man von im lösen, als er state an im vinde (wenn der sich darauf einläszt). Schwabensp. 106, § 1; wer zuo peicht kom, er war arm oder rich, dem satzten die benedencier gut uff ze geben, darnach und der man rich was und auch darnach und si ez an im statt funden (je nachdem er dazu in der lage und willig war). d. städtechron. 4, 95, 19 (Augsb. chron. zu 1392); dasz die benedicier grosz und vil gelts auflegten, darnach und der man reich oder arm was, und darnach sie statt funden an den leuten. 5, 45, 21 (B. Zink). II@C@2@cc) im nhd. weist die wendung eine entwicklung auf, die der von statt haben ähnlich und parallel ist, ohne doch damit zusammenzufallen. im älteren nhd. scheint statt finden nur in den unter a, δ und ε behandelten gebrauchsweisen vorzukommen. Kramer dict. (1702) führt die verbindung nur in diesem sinne auf, während andre ältre wörterbücher (vor Frisch) sie überhaupt nicht verzeichnen und die litteraturbelege für andre bedeutungen erst mit Lessing einsetzen, s. unten d. zu beachten ist auch, dasz die redewendung, die in der schriftsprache überaus häufig und beliebt ist, der mundartlichen sprechweise im allgemeinen nicht gemäsz zu sein scheint. (für Handschuhsheim bezeugt Lenz 68a ausdrücklich das fehlen.) II@C@2@dd) statt finden hat in neuerer sprache verschiedene bedeutungen, die sich z. th. nach den subjecten gliedern lassen. vgl.: 'statt finden, in eben dieser bedeutung (wie statt haben, bewilligt, zugegeben werden können), ausser welcher es aber auch noch bedeutet, theils vorhanden oder möglich seyn ...' Adelung (1). II@C@2@d@aα) mit concretem subject, von dingen wie von personen, da sein, vorhanden sein. diese gebrauchsweise kommt zuerst auf, ist aber heute völlig ausgestorben: ists wahr, was ihn der weise lehret, und finden, was zur welt gehöret, daselbst auch wein und mädchen statt. Lessing 1, 46 (lieder 1751, Alexander); ich erinnere mich, dasz im garten des zweiten predigers der Altrossgärtschen kirche im jahr 1762 zwei sehr starke mandelbäume ... statt fanden. quelle (vom j. 1818) bei Frischbier 2, 363b; wo eine zwischenperson (zwischen zwei verwandten) statt findet, da ist der zweyte grad, wo zwey, der dritte, und so ins unendliche. Hugo lehrb. des heutigenm. rechts7 (B. 1826), s. 175; den frauen, die nach einigen generationen, zumal wenn mehrere paare stattfanden, gern ihre eigne ... sitte und stellung einnahmen. J. Grimm kl. schr. 1, 281 (üb. d. urspr. d. sprache 1851). II@C@2@d@bβ) gewöhnlicher mit abstractem subject, und zwar zunächst von zuständlichen, dauernden begriffen, vorhanden sein, bestehen. von eigenschaften: die demuth kann nicht ohne gefühl der liebe des schöpfers statt finden. Gellert bei Adelung. häufiger von zuständen, verhältnissen u. dgl.: die physische causalität, oder die bedingung, unter der sie statt findet, gehört unter die naturbegriffe, deren schema transcendentale einbildungskraft entwirft. Kant 4, 178 (krit. der prakt. vern. 1, 1, 2); ich wuszte zwar schon längst, dasz zwischen beiden (bruder und schwester) ein sehr genaues verhältnisz statt findet, auch viele briefe gewechselt werden. Schiller 4, 324 (geisters. 2, 5); neutralität kann nicht statt finden. Demetr. 144 Kettner; ein schönes verhältnisz hat von frühe an zwischen mir und meiner um zwei jahre jüngeren schwester stattgefunden. Heinr. Stieglitz selbstbiogr. s. 8. II@C@2@d@gγ) ohne bestimmtes subject, der fall sein, zutreffen: (die bestimmung der freien willkür,) die aber, welches bei keinen begriffen des theoretischen gebrauchs unseres erkenntniszvermögens statt findet, ein reines praktisches gesetz a priori zum grunde liegen hat. Kant 4, 175 (krit. der prakt. vern. 1, 1, 2); was ist es, das da macht, dasz wir uns zuweilen eines geheimen kummers entschlagen können, ... und dasz wir dennoch in der nächsten halben stunde diesem nämlichen kummer beinahe unterliegen? mit mir ist es wenigstens so, ohne ... dasz ich bei der zweiten vorstellung meinen kummer von einer neuen seite betrachte. ... fände dieses statt, so würde ich diese anmerkung [] nicht einmal niedergeschrieben haben. Lichtenberg 1, 116. II@C@2@d@dδ) dann auch von handlungen und begebenheiten, doch zunächst von wiederkehrenden oder dauernd möglichen. dabei ist zunächst die bedeutung der möglichkeit noch zuweilen stark ausgeprägt, woraus erhellt, dasz diese gebrauchsweise an b anzuknüpfen ist: doch selbst, wo vergleichung statt findet, wie willig trit der freundliche greis von Askra (Hesiod) ... vor dem feurigen Mantuaner (Vergil, als 'georgiker') zurück! Voss Virgilsndl. ged. 3, s. 521. ähnlich: dasz ihre verweise nicht von der art waren, wie sie auch bey der entschiedensten liebe noch statt finden und statt finden müssen, so der mensch noch als vernünfftiger mensch liebt. Lichtenberg briefe 1, 123 (19. may 1773). dann zulässig sein, zutreffen (vgl. oben Adelung): aber in dem drama findet diese vermuthung nicht statt. Lessing bei Paul 433b; so auch: diese ermordung als eine begebenheit der ersten klasse zu behandeln, finde darum nicht statt. ebenda. hier ist statt haben üblicher, vgl. 1, d, γ. später gewöhnlich im sinne 'bestehen, vorhanden sein, vorkommen' (wie β): in dem alter der welt, wo wir leben, findet der unmittelbare verkehr mit dem himmel nicht mehr statt. Novalis 2, 11 Meiszner (Heinr. v. Ofterd. 1, 1); germanisch war bei diesem verhältnisz, ... dasz diese hingabe nicht an die familie, den gau, das volk stattfand, sondern an einzelne menschen. Freytag 17 (bilder 1), 79; ähnlich: ich habe den verdacht, dasz die frauen ... sich die sachen vorher selbst aussuchen, denn es ist immer alles sehr nach ihrem geschmack, während in früheren jahren widersetzlichkeit stattfand. 7, 20 (verl. handschr. 3, 1); nur sehr selten eines vergnügens fähig, weil seine gedancken sehr selten da waren, wo seine begebenheiten sich zu einem vergnügen zuspizten, und da doch nur ein vergnügen statt findet, wenn die seele auch sich dazu schickt, so war es ein solcher zufall dasz er würcklich vergnügt war. Lichtenberg nachl. 18. II@C@2@d@eε) in neuerer zeit wird jedoch statt finden auch und überwiegend von einmaligen vorgängen, ereignissen, handlungen gesagt, geschehen, erfolgen, eintreten; s. die belege unter e. so dann auch: ein ausgeschriebner busz- und bettag fand in beiden ländern statt. Chamisso 2, 117 Koch (d. pred. des g. Briten). diese gebrauchsweise hat beträchtliche ausdehnung erlangt durch die stets wachsende neigung, einfache verben, insbesondere passive, zu umschreiben durch die verbindung eines verbalabstractums mit einem allgemeinen verbalausdruck, vgl. darüber Matthias sprachleben u. sprachschäden3 § 263 (die ausschreibung der lieferungen findet statt) und Günther recht u. sprache s. 270, wo beispiele wie die vernehmung eines öffentlichen beamten als sachverständigen findet nicht statt (dies noch in dem sinne: ist nicht zulässig, statthaft) und sogar die inangriffnahme der wiederinstandsetzung der bahn findet morgen statt angezogen werden. II@C@2@ee) auch hier läszt sich eine stufenweise fortschreitende 'univerbierung' beobachten. die verbindung statt finden ist von anfang an formelhafter als statt haben, da bei ihr ein attribut zu statt nicht üblich ist (abgesehen von a, δ). nur die negation erscheint auch hier frühnhd. gewöhnlich als keine, s. die belege aus Luther (a, γ), Wickram und Maaler (a, ε), Rasch und Simpl. (a, β); doch daneben auch nicht, s. Dietrich v. d. Werder unter a, ε, wie schon mhd. (Lampreht v. Regensburg a, β, Ottokar b, α) und durchweg in der neuern sprache (s. z. b. Kramer und Klinger unter a, ε). dagegen ist hier der grosze anfangsbuchstabe noch in der klassischen zeit herrschend, so bei Kramer, Adelung; Kant (d, β. γ), Lichtenberg (d, γ, dagegen klein d, δ), Voss (d, δ), Schiller (4, 24, s. d, δ, dagegen klein im Dem.), Novalis (d, δ). doch findet sich auch kleinschreibung schon bei Lessing (d, α) und Klinger (a, ε). in Freytags werken (d, δ) kommt dann zusammenschreibung als éin wort hinzu. das völlige zusammenwachsen tritt auch hier zu tage in der bildung eines activen part. perf. stattgefunden, das genau gleichzeitig mit stattgehabt aufkommt und an die bedeutung d, ε gebunden ist, vgl. 1, e und die daselbst angezogene litteratur. belege: wie sehr ihr bemüht gewesen seid, die [] stattgefundenen übungen der truppen eurer brigade im ganzen zu benutzen um die abtheilungen über die zweckmäszige ausübung des felddienstes gründlich zu instruiren. cabinetsordre vom 10. oct. 1809 bei Droysen York v. Wartenberg 1, 242; unter abstattung meines gehorsamsten und innigsten dankes für die, durch ihre gütige vermittelung erfolgte beseitigung der stattgefundenen misverhältnisse. Kleist 5, 416, 19 E. Schmidt (brief vom 4. april 1811); als der Regensberger herr Leuthold ... des weges kam und nach stattgefundener begrüszung beiläufig fragte ... Keller 6, 111; Hilde war ... zurückhaltend in ihren mitteilungen über die zwischen ihr und Mimi stattgefundenen gespräche. G. Reuter d. Amerikaner 102; erst nachdem der hohe besuch das schlosz verlassen hatte, kam die familie Kosegarten recht eigentlich zum bewusztsein der soeben stattgefundenen, auszerordentlichen szene. 291. II@C@33) den besprochenen wendungen entspricht als causativ statt geben. dieser ausdruck begegnet mhd. erst vereinzelt, etwas häufiger im mnd., erreicht sehr ausgedehnte verwendung im ältern nhd. (16.—18. jahrh.) und geht schlieszlich wieder stark zurück, sodasz heute nur noch gewisse speciellere gebrauchsweisen übrig sind, und auch diese nur im schriftlichen ausdruck. die vertheilung auf die beiden ursprünglichen wörter ist hier schon in der ältern sprache schwierig. die spärlichen mhd. belege (mhd. wb. 2, 2, 599a) bieten durchweg stat, da sie aber erst mit dem 13. jahrh. einsetzen, ist die form nicht beweisend. in den mnd. überwiegt stede, s. Schiller-Lübben 4, 371b (daneben vereinzelt stade 350a), doch steht es meist deutlich im sinne des alten state. II@C@3@aa) es liegt altes stat zu grunde. II@C@3@a@aα) so deutlich in den ältesten mhd. belegen: dû tuo mir vriundes triuwe schîn, unt gip mir stat enmitten in dem herzen dîn, daʒ ich dâ gewaltic vrouwe müeʒe sîn. Rubin, minnes. 1, 318a, 1 Hagen. ebenso, trotz des hinzugefügten inf.: dô sprach her (Severus) ... zu sîner (toten) tochter: 'tochter mîn, gebit mir stat bî ûch zu ligene (im grabe)'. d. mystiker 1, 227, 20 (Herman v. Fritzlar). II@C@3@a@bβ) nhd., durch hinzugefügtes synonymon verdeutlicht: das ein jegklicher protestant für gott unnd der welt, und seinem gewissen schuldig ist, ... der erkannten rechten lehre statt unnd platz zugeben. Ph. Heilbrunner v. d. Augsp. conf. widerwertige censur (1598) 93; wann dann ein jeder, er sey wer er wölle, für gott unnd der welt ... schuldig, ... der erkannten rechten lehre statt und platz zugeben. 96. II@C@3@a@gγ) hierher noch deutlich die im 16. jahrh. übliche redewendung einem statt geben, platz machen, weichen: stattgAeben, cedere, concedere, dare locum. einem stattgAeben oder auszweichen, eim weyte oder platz machen, dare et cedere locum. Maaler 385b; statt geben, weichen, cedere ad alcuno, dare luogo. Hulsius dict. (1618) 238a; nam er (Mahomet) armen verlasznen weysen ... jr hausz mit gewalt, und trib sy ausz, billich achtend, dz dem propheten gottes yederman wich und statt gAeb. S. Franck weltb. 119b. bildlich: guote sitten habend dem glück statt geben, mores rebus cessere secundis. Maaler 385b; und solle der schmertze staten geben der vernunffte und messigkeit. Albr. v. Eybe 44a. so auch nd.: recht, wil stracks luth der bockstave gheholden syn. byllicheyt, lyndert und vorandert solcke scharpheyt. ... dem na, mOeten ock alle beschreven rechte ... unde handelinge wertliken regimentes, der byllicheyt stede geven und wyken. quelle v. 1529 bei Wiechmann Meklenburgs altns. lit. 1, 125. II@C@3@bb) statt geben mit altem state, so deutlich, wenn ergänzende bestimmungen hinzutreten, einem gelegenheit oder erlaubnis wozu geben. in diesem sinne nd. schon im 13. jahrh. bezeugt (s. unten δ), hd. erst im 15. (s.γ, ε), häufig im 16. jahrh. (einen beleg aus dem 17. s. unten γ.) II@C@3@b@aα) einem die möglichkeit geben (ohne dasz man es will und bewuszt darauf hinwirkt): late wi nu af, so geve wi stede unsen vorwunnen vienden, dat se sik erhalen. ... sin ridderschop is vormodet. geve wi om stede, des mach he sik al erhalen. ed enis nicht erlik, dat wi unsen vienden, de wi vorwunnen hebben, stede geven uns to vorwinnende. d. städtechr. 7, 15, 5—11 (Magdeb. schöppenchr.); [] wol diser kayser (Trajan) was ain hayd sein tugennt halff jm dort ausz laid. und gab papst Gregorio statt, das er jn dort ausz pein erpat. Schwartzenberg Cic. 117d. II@C@3@b@bβ) gewöhnlich doch im sinne eines bewuszten, gewollten verhaltens, wo es dann die bedeutung 'einem erlaubnis geben, etwas zulassen' ('gestatten') annimmt. die ergänzung zunächst im gen. (neben einer negation): Abysay wolde dem Simei hebben ghenomen sin leven, do wolde de konink des neyne stade geven. quelle bei Schiller-Lübben 4, 350a; darumb mus man jnen auch hartt sein, sie nit rauben und schinden lassen ... und jnen des nit mer statt geben. Luther 10, 3, 374, 16 Weim. ausg. dafür die präp. zu: wil he dar nene stede tho geven. quelle bei Schiller-Lübben 4, 371b. II@C@3@b@gγ) meist mit inf.: so üwer oren den selben ... offen gestanden sint ... und mir dar wider kain statt noch macht geben wirt, min sachh zeverantworten. Nicl. v. Wyle transl. 223, 10 Keller; ist ... beschlossen worden, daz er des ersten zuo den irrungen dero er geschuldiget wurd, antworten solt, und im dann darnauch statt und macht geben werden zereden was er wölte. 33; aber der erst artikel jtzt dis mals mir fürgehalten ist gewesen ... und mir auszureden nicht stat geben worden ist. Luther 3, 411a (dafür kurz vorher: mein not auszusprechen gestattet worden ist); da ihm statt geben ward, relation zu thun. Simpl. 2, 143, 3 Kurz (6, 5); und (ich) gab jm auch zuo reden stat. Schwartzenberg Cic. 151b. II@C@3@b@dδ) dafür ein inhaltssatz mit dasz: bruder gib stat, das ich uszwerf die agel usz deinem aug. Keisersberg evang. (1517) 123b; we (wie) bi dhen ziten got stade gaph, daʒ dher Denen herscaph dhvanc vil waldichliche beydhe Dutesch lant und Vrancriche. Braunschw. reimchron. 654. II@C@3@b@eε) die bestimmung ist nicht ausgedrückt; einem statt geben, urlaub, ihn entlassen: also gab er den gefangen statt auff ain widerstellen, des muesten sie all schweren. d. städtechron. 5, 195, 9 (Burkhard Zink chron. v. Augsb.). II@C@3@cc) statt geben steht gewöhnlich mit dativ in dem sinne 'nachgeben, folge leisten, sich wodurch bestimmen lassen'; was an a, γ anschlieszt. II@C@3@c@aα) so einer bitte statt geben u. ähnl., vgl. 2, a, ε, woraus erhellt, dasz hier stat zu grunde liegt. diese verwendung ist erst nhd. und hier bis in die gegenwart lebendig geblieben: statt geben, dar luogo, ricapito cioè ubbidire. einer ermahnung ò warnung statt geben, dar luogo alle ammonitioni di uno. v. platz. Kramer dict. 2, 914a; er gab meiner bitte statt, locum precibus meis relinquebat. Steinbach 2, 687; einem ding statt geben, locum dare, locum relinquere. Frisch 2, 321a; jemandes bitten, jemandes ermahnungen, vorstellungen statt geben, 'sie mit einflusz auf den willen anhören'. Adelung (1). belege: der landgraf ist nach seinem alter ein fürtrefflicher, freudiger fürst, der ihm rathen und sagen läszt, guten räthen bald weichet, statt gibt und folget. Luther 61, 331 Irmischer (tischred. 5); demnach ... ich ... etlicher freinden begehren desto bälder statt gegeben. Weckherlin weltl. ged. vorr. 3b; so hätten sie wenigstens meiner bitte statt geben sollen. Göthe 16, 165 (Werther 2); ihr mögt, wie ihr thut, die strafe begehren, so wird dem keine statt gegeben. Immermann Münchh. 4, 37 (7, 3); die unterbrechung durch stellung des antrags auf zwangsvollstreckung gilt als nicht erfolgt, wenn dem antrage nicht stattgegeben ... wird. bürgerl. gesetzb. § 216; so auch: nun schickt er uns her mit dem heere den Schid, ... den schah von Iran zu fordern zum kampf ... du gib seinem anschlag keine statt, ... sei ihm nicht vorschnell zum kampf bereit! Rückert Firdosi 3, 172. vgl. noch: ein gott ists, der sich dir ergiebet, der dich begehrt. gieb deinem glücke statt, nimm an den guten raht. Opitz 1, 77 (Dafne 3). II@C@3@c@bβ) im ältern nhd. häufig einer aussage, meinung u. ähnl. statt geben, glauben schenken, zustimmen: ich gib auch den sophisten unnd weltweysen nit folge und statt, wann sy verneinen ... Melanchthon hauptart d. h. schrift [] verdeutscht 8a; begernn derhalben wollet yhme desselben seynes annbrengenns allenthalben volkomlichenn stadt unnd glauben gebenn. brief herz. Heinr. v. Sachsen v. j. 1541 bei Haltaus 1734; soverr jr nun disz glaubt, ... so ferr jhr disem meinem bericht stat unnd glauben gebt. Ferdinand II. v. Tirol spec. vit. hum. (1584) s. 29 neudr.; umb seine thorheit er umbsonst sich quelt und plaget, nach dem der frembd' jhm hatt die warheit erst gesaget, gegeben er biszher hat dessen worten statt, der jhn so mannichmal gleichwol betrogen hatt. Dietrich v. d. Werder Ariost 17, 102, 3; es hette Brandimart so einer frembden mäere gegeben sonsten wol nicht glauben noch gehöre, gab aber seiner dam' und jhrem glauben statt, weil er ein mehrers wol jhr eh geglaubet hat. 30, 55, 3. s. ferner Rebhun, I, 3 zu ende. so wol auch zu verstehen: darumb wenn zu mir einer keme und spreche: das ist unrecht, ... szo musz ich schweygen, im stadt und bescheydt geben. Luther 10, 3, 263, 18 Weim. ausg. ähnlich, doch mehr ins praktische gewendet: was eure seele schmückt, ... dem eilet nachzustreben! gebt nie dem tollen wahn des dummen pöbels statt, der seinen bauch zum gott, und keine seele hat. Lichtwer 180. II@C@3@c@gγ) statt geben bezeichnet nicht nur ein nachgeben gegenüber äuszeren einflüssen, sondern auch gegenüber impulsen, die aus dem eignen innern kommen; einer empfindung, leidenschaft u. ähnl. statt geben: dat se erer unsynnicheit stede geven unde ereme torne. Korner bei Schiller-Lübben 4, 378b; gebt nicht statt der traurigkeit. Luise Henriette lied 'Jesus meine zuvers.' str. 8; wir geben nicht so weit der eigen-liebe statt, dasz wir den schlechten reim nicht sollten recht betrachten. J. S. Müller (1722) bei Weichmann 3, 95; doch gieb der langmuth statt, und höre, was mich treibt! Günther 733. so auch gedanken statt geben, nachhängen: aber das ist mein rat, so bald dir infalt ein unküscher ... gedanck, das du dich von stundan davon kerest ... wilt du aber den gedencken ... stat geben, und mitt inen als ein katz mitt einer mausz spylen, entpfahest du den schaden davon. Keisersberg irrig schaf B 3a; anders dagegen: mein sohn, umarme mich. gieb meiner freude statt; mein herz genieszt der zucht, die dich geführet hat. J. E. Schlegel 1, 316. II@C@3@c@dδ) ähnlich dann auch wendungen wie der sünde statt geben: die sünd ich lieb und leich ir stat günstlich, nicht understen die tat. Oswald v. Wolkenstein 106, 26 Schatz; allem ubel und snd stat geben. Schmelzl Saul 29a; gebt keiner leichten wollust stat, lasst euch die sünde nicht bethören. Dach s. 336 Österley. II@C@3@dd) das führt hinüber zu einer andern dem ältern nhd. eigenen verwendung. einer handlung statt geben, in doppeltem sinne: II@C@3@d@aα) sie erlauben, nicht hindern: das wil ich jtzt in meinem abschied ... vermeldet haben, keiner empörung weiter stat zu geben, damit das unschüldige blut nicht weiter vergossen werde. Th. Muntzer bei Luther 3, 137a (in d. überschr. 136b: das sie ... sich für auffrhur hüten); geben doch gots wirckung stat unnd hynderen yn nit. Joh. Eberlin v. Günzburg 2, 37 Enders; diesem affe affen diejenigen ministri hoher potentaten nach, welche den einkommenden bitschrifften des landes nur immerzu mit der rauhigkeit begegnen, und keiner milterung stat geben. Butschky Pathmos s. 906. II@C@3@d@bβ) auch geradezu, etwas ausführen: so wOelt er nun frderlich dem stat geben, darum er frnemlich von sinen hern, den kngen, ussgesent wAere. Anshelm Berner chron. 5, 211, 4. II@C@44) in ähnlicher weise wird auch statt thun verwendet; doch mit charakteristischen abweichungen. zunächst ist eine verschiedenheit im örtlichen und zeitlichen umfange des gebrauchs zu beachten. statt thun findet sich nur in hd. und weitaus überwiegend in oberd. quellen. die belege beginnen schon im 12. jahrh. und erstrecken sich bis in den anfang des 17; dann ist es ausgestorben. ferner liegt in den ältern belegen bis zum 15. jahrh. einschlieszlich überall deutlich state vor, sodasz diese wendung, so nahe sie sich [] auch mit statt geben in der spätern verwendung berührt, doch einen ganz andern ursprung und ausgangspunkt hat. II@C@4@aa) einem eines dinges statt thun, ihm die möglichkeit dazu geben, es ihm 'gestatten'. so in allen mhd. belegen, vgl. mhd. wb. 2, 2, 605b. II@C@4@a@aα) mit ergänzender bestimmung im genitiv: so sich der gotes sun hungern lie ... und tet ouch dem Sathanat des versuchens stat. anegenge 37, 33 Hahn; tuot mir sîn mîn herr und ir stat, daʒ bewær ich mit getât ûf iwern hals mit mînen handen. Ottokar reimchron. 9880; und sullent auch sie unsern erben der lösung stat tun und gehorsam sein ane verziehen, swenn sie von in darumb mit der vorgenanten somm guldeinr ermanet werdent. urk. v. 1378 bei Jung miscell. 4, 41, vgl. Haltaus 1735; nachdem bischoff Hartman selig ... vormals ouch gevordert hatte, im und siner stifte ze Basel der losunge der slossen sant Ursitien ... und Kallemberg statt ze tuonde. Basler chron. 4, 36, 2 (rathsb. zu 1425); ob sie wolten mit in scharmützlen und ain er oder künhait an in bejagen, des wolten sie in statt tuen. d. städtechron. 5, 42, 12; (dasz sie,) was sie zu ihnen ... zu sprechen (beanspruchen) hätte, durch den ordentlichen weg des rechtens, dessen sie (senatus) ... einem jeden statt zu thun und dem nicht vor zu seyn, sich erbiethen, suchen und austragen ... sollen. urk. Maximilians II. v. 1568 bei Lauenstein hist. diplom. episcop. Hildes. (1740) 1, 68, vgl. Haltaus 1734. zuweilen durch adject. zusatz verstärkt: wan welt ir vehten disen strît, ... des tuon ich iu guot stat. Heinr. v. d. Türlin krone 10836; dô wart dem kunic Wenzlân des (hinwegreitens) vil guote stat getân. Ottokar reimchron. 18040. II@C@4@a@bβ) der gen. kann durch einen inf. oder einen inhaltssatz mit daʒ ersetzt werden: tuon dir stata ze sprechenne, s. Graff 6, 643; alsô ist daʒ ein untriuwe, sô got mit uns gerne sîne gnâde zeigete, und daʒ wir ... sîn deheinen war tuon und tuon im des niht state, daʒ er uns sîne heimlîche erzeige und eine wîle bî uns geruowe. d. mystiker 1, 323, 8; ich will dich lenger nit auffhalten, sunder wie du begerest, dir stat thuon hinweg zuofaren. Schaidenreisser Odyss. 21a (ἤδη γάρ σε μάλα πρόφρασσ' ἀποπέμψω 5, 161); daʒ er (gott) dem tievel state tete, daʒ er menschlich geslæchte wol gevellen mæchte. anegenge 15, 14 Hahn. II@C@4@a@gγ) dann auch in die bedeutung 'einem etwas zugestehen, bewilligen, gewähren' übergehend: antlâʒ er von allen bat, und tet ouch in des selben stat (omnibus indulgentiam ... tribuens). Albertus St. Ulrichs leben 1485; soltet ir iht von mir hân, des wære iu schiere state getân. Tristan 5396; alte unde junge dem marcgrâven lâgen an, daʒ er dem bischolf Johan der teidinge tæte stat. Ottokar reimchron. 17631; wann ... wir jr ob sy ichts verhandelten oder yemand spruche zu jne zuhaben vermeinte, zu recht mechtig, und des einem yeden so wir deszhalb angelangt werden statt zu tunde willig sein. brief kaiser Fridr. III. v. 1470 bei Haltaus 1735; mit concretem object, einem etwas geben: die wirt sollen niemand weiter weder essens noch trinkens stat thuen. quelle (landsordn. v. 1553) bei Schm.2 2, 793 (kann auch zu α gestellt werden). mit persönlichem object (?): daʒ si in der senunge ringet nâch Jesu, den sie gerne hæte, ob sîn diu Minne ir state tæte. Lampreht v. Regensburg tohter v. Syon 2887 (das glossar erklärt state mit 'hilfe', vielleicht richtig). II@C@4@a@dδ) später kann für den gen. auch der acc. eintreten: er sol auch die zeit nemlich geflissen sein, teglich in des rats schreibstuben zu geen und des rats lewffe und gelegenheit dorinn vleissig ein und war nemen, das im da gegönt und stat getan sol werden. d. städtechron. 2, 380a, anm.; das sol ime der zehentman stat thuen. landsordn. v. 1553 bei Schm.2 2, 795; eine widerlosung statt thun. landr. v. 1616 s. ebenda. [] II@C@4@bb) im nhd. kommt eine ganz andre verwendung auf und ist von anfang an vorherrschend, nämlich einem begehren, ansuchen, einer forderung, bitte statt thun, willfahren, sie erfüllen. diese gebrauchsweise ist offenbar durch das synonyme statt geben beeinfluszt, s. 3, c, α, und setzt das zusammenfallen des alten stat und state voraus. so wOelten si die 8 ort darvon zeston gemanet und ouch ein wissen von inen haben, ob si ... getaner manung stat tuon wOeltid. Anshelm Berner chron. 4, 197, 7; darauf ich mich dann bedacht, dasz ich ... eurem begehren statt thun, und meine sachen und händel ... in schrifften verfassen wollen. Götz v. Berlichingen 4; als dieselben diser begern nit gleich stat thun wolten. Zimm. chron.2 1, 121, 29; und wir dan solchem ihrem ... suchen in gnaden statt gethan. urk. v. 1600 bei Haltaus 1735; demnach bey itzo in Breszlau gehaltener allgemeiner zusammenkunft der herren fürsten und stände in Schlesien die evangelische gemeine der statt Troppau umb restituirung der vor jahren ... entnommenen pfarrkirchen daselbs alles fleiszes angehalten und die herren fürsten und stände ... solch ihr ansuchen nicht allein für ganz billig befunden, sondern demselben auch gebührend statt zu thun einhellig geschloszen. verhandlungen der schles. fürsten u. stände v. j. 1619, s. 179; den herrn Georgen von Oppersdorf betreffende, mag seinem petito zu diesem mal auch nicht statt gethan werden. verhandl. der schles. stände i. j. 1621, s. 240; wir haben ihrer bitt gnedig statt gethan. hess. urk. v. 1636 bei Dief.-Wülcker 863; ich werde der mahnung statt thun, und mittwochs am 23 sten sollen die hofpferde zu Opersheim seyn. J. v. Müller werke 5, 296 (brief vom 14. dec. 1789); er sei ein amptmann wär er wär dasz er sym gheisz statt the gär (gern). Jos. Murer beläg. v. Babylon (1560), 2. act. II@C@4@cc) dann überhaupt, etwas ausführen: stattthuon, exequi rem. den worten statt thuon, verba ad rem conferre. Maaler 385c, danach Frisch 2, 321a. II@C@4@c@aα) dem urteil statthuon und nachkommen, facere iudicatum. dem rächtsspruch gehorsam seyn, exequi rem iudicatam. Maaler 385c; statt tun dem urteil, sententiae parere. Scherz-Oberlin 1560; so lang bisz er die bueszen und costen abgericht, und dem ergangenen urteil würcklich statt getan. quelle s. ebenda (jus Solod.). II@C@4@c@bβ) einem vertrage: (die genannten haben geschworen,) das sie alle semptlich ... alles das obangezeigte artikel und dieser vertrag von wort zu wort begrieffen, vermügen und inhalten, ... war, fest, stet und unzerbrochen zuhalten, auch dem in allweg, on einig auszug und widerrede zum getrewlichsten stat zu thun, zu geleben, nachzukomen, und zugehorsamen. 'vertrag zw. dem löbl. bund zu Schwaben, u. den zweien hauffen ... der bawren am Bodensee' 1525 bei Luther 3, 107b; sant eine trwe stat Bern iren ratsboten ... gon Jenf zuom bischof von Losan, so gemelten abtrag hat versprochen, demselbigen ... angends stat zetuon. Anshelm Berner ehron. 2, 67, 3. so auch: statt tun der wettung, solvere, quod quis spondendo amisit. Scherz-Oberlin 1560 (stat. Colmar. 19, 3). II@C@4@c@gγ) luog dz du deiner verheissung stattthist, fac sis nunc promissa appareant. seinem verheissen statthuon, und das leisten, complere promissum. seiner zuosag statt thuon, die verheissung leisten, promissum facere, conservare fidem. Maaler 385c; der zusag statt thun, promissis stare. Frisch 2, 321a; 'ehedem sagte man auch, der zusage statt thun, sie erfüllen.' Adelung (1). im sei aber wie im wOell, so will ich ye meinem verheyszen statt thuon. Wickram 1, 318, 26 Bolte (Gabriotto c. 50); so muosz ich dannocht meinem brieff, so ich im zuogeschickt hab, statt thuon. 2, 395, 2 (goldfaden c. 50); wollen wir uns demnach versehen. ged. Hainrich werd sein ehr bedencken, und denjhenigen, was er zugesagt gelobt und geschworn hat, als ein biderman statt thun und trewlich nachsetzen. Frankf. urk. v. 1562 bei Haltaus 1735; do rfft der grave den bischoff an, er solt seiner gegebnen treüw stat thuon. Seb. Münster cosmogr. (1564) 971. so auch: dieweil ich sihe, dasz jhr mehr verderbt dann auffrichtet ... und zu wenig die lehrjahr vollendet; duncket mich, dasz ich euch billich dautzen möge, bisz jhr dem vollkommen stadt thun, desz jhr euch berühment. Paracelsus (1616) 1, 715 C. [] II@C@4@c@dδ) einem fürnehmen statt thun, es ausführen: man liesz in ouch in der stat Basel usz und inrytten und sinnem furnemen stat thuon. Basler chron. 6, 303, 22 (zum j. 1482); ich gang dahin, meinem fürnemmen statt zuo thuon. Wickram 1, 11, 5 Bolte (Galmy c. 2); als nun der tag kummen was, an dem der künig seinem bOesen fürnemmen vermeynt stattzuothuon ... der narr sich bald zuo im machet, im nachfolget bisz an das ort, da er meynt seinem bOesen fürnemmen stattzuothuon. 341, 13. 24 (Gabriotto c. 59, = buch der liebe 256d). II@C@4@c@eε) ungewöhnlich einem unternehmen statt thun, es ins werk richten: gemelter pund ... liess in (den könig von Frankreich) hoch manen, ... dem Trkischen zug, wie versprochen und frgeben, volzug und stat zetuon. Anshelm Berner chron. 2, 2, 6. II@C@4@dd) ebenso vereinzelt steht statt thun in folgender ausdrucksweise: die ewige straff wirdt durch dise wort verkündt allen denen, so mit ihrem weltlichen pomp unnd pracht stoltzieren, seytemal sie wider ihre gethane christliche profession oder bekantnusz handeln, in deme sie dem pomp und pracht desz Sathans abgesagt haben, und nit desto weniger demselben statt thuen. Albertinus Lucifers königr. s. 130, 32 Liliencron. II@C@55) selten und weniger formelhaft ist statt lassen, was ebenfalls auf state beruht. mhd. vereinzelt mit dem artikel (also noch nicht feste formel) und einem ausführenden inhaltssatz: dar nâch sluogens alle sô sêre ûf in mit schalle .., daʒ si im die stat niht lieʒen, daʒ er iht slüege dar wider. Stricker Karl 7928. frühnhd. mit adjectivischem zusatz: welche sich des burgrechtens willig verzgen ... und sich begabend, im ... ire tr und tor ufzetuon, und sinem inriten sichere stat zelassen. Anshelm Berner chron. 4, 343, 26. doch findet sich im 16. und 17. jahrh. auch ein paarmal formelhaftes statt lassen mit inf.: ist einer ein rechter prophet, so wirt er eim anderen, der recht von gottes wort redt, gern uflosen (zuhören) und statt lassen zuo reden. Zwingli 2, 15; je mehr man ihn erhoben, gelobt und ehret hat, je mehr man ihn zu loben noch allweg lasset statt. Spee trutzn. nr. 20, 92 Balke. II@DD. eine specielle sinnesnuance des unter A behandelten wortes verlangt eine gesonderte darstellung, weil sie nicht nur im nhd. besonders reiche verwendung gefunden, sondern sich auch zur geltung einer präposition entwickelt und damit zur bildung eines neuen wortes geführt hat. es handelt sich um den begriff der stellvertretung: statt, die, vicis, vicem, vice, et adv. vice, loco, in locum, ubi quis alius stat, stetit vel stare debeat. Stieler 2117; statt, f. luogo, it. vece. Kramer dict. 2, 913c, vgl. Wachter 1592 (d. letzte statt). diese bedeutung beruht auf der vorstellung, dasz ein mensch oder ein ding seinen bestimmten platz hat, den dann ein anderes einnimmt und damit zugleich in dessen functionen einrückt; sie schlieszt an A, 6, a. 7, a an. die entwicklung von dem alten stat 'locus' bis zur präposition ist im folgenden zu veranschaulichen.für statt in diesem sinne ist stätte nicht üblich, doch wird es in neuerer zeit durch stelle theilweise ersetzt, das in den verbalen fügungen (s. 1) jetzt alleinherrschend, in den verbindungen mit präpos. daneben üblich und in der umgangssprache mit ausnahme gewisser fälle theilweise üblicher ist (s. das nähere unter stelle), dagegen zu präpositionalem und conjunctionalem gebrauche (s. 4. 5) sich nicht entwickelt hat. II@D@11) einige formelhafte verbindungen mit verben schlieszen sich den unter C behandelten an. II@D@1@aa) noch ganz eigentlich, den übergang veranschaulichend: durch ewer boszheyt will ich euch mit meinen eygnen henden, an diesen galgen hencken, da werdt jr meines bruoders stat inhaben. Aimon s 1a. II@D@1@bb) eines statt halten ò vertretten, eines statthalter seyn, tener' il luogo, fare le parti di uno; esser vicario, luogo tenente ò tenente di uno. Kramer dict. 2, 913c. doch wird statt halten nur von einem regierenden gesagt, der an stelle und im namen eines souveränen fürsten die herrschaft führt, so von dem verwalter (gouverneur) einer provinz, [] kolonie, insel u. ähnl., und ist nur vereinzelt vom 15. bis 17. jahrh. belegt, während das danach gebildete statthalter überaus häufig ist, vgl. das.: her pawes, du werest hôch geresen in state, ... sunte Peters stede van Godes wegen geholden up erden. des dodes danz 171 Baethcke; weil unser ohem ... kayserlicher mt (majestät) stathelt. Weim. urk. bei Dief.-Wülcker 863. dann auch ohne den bestimmenden aenitiv, einfach für regieren (vgl.statthalter): in der stadt Dublin residiret der vice-könig, da doch die stadt Armac, die haupt-stadt ist, woselbst ein ertz-bischoff statt hält. v. d. Gröben Guineische reise-beschr. (1694) 110. II@D@1@cc) sonst ist mhd. der gewöhnliche ausdruck eines stat verstân, s. mhd. wb. 2, 2, 587a: daʒ die iungen in den tagen rittere solden werden und mit vollen werden irre vetere stat verstan, die man alt sach abegan. pass. 592, 57 Köpke; daʒ der môn die werlt erläuht, wenne diu sunne hin ist, wann wenne diu sunne under der erden ist und der môn dar ob, sô verstêt der môn der sunnen stat. Megenberg 67, 18; daneben: die hailigen lêrer .., die gotes stat verwesent auf ertreich und sein reht vitztüem sint. 211, 26. vgl. dazu. vicarius ... verweser siner stat. Dief. gloss. 617c (ende des 15. jahrh.). auch mnd.: den satte hertoch Hermen van Sassen in dat bischopdom, wente he des keisers stede vorstunt de wile he buten landes was. d. städtechr. 7, 57, 22. II@D@1@dd) nhd. in der regel eines statt (jetzt gewöhnlich stelle) vertreten, vgl. Kramer unter b: eines andern statt vertreten, vicem alicujus supplere. Steinbach 2, 687; alterius persona fungi. ebenda; jemandes statt vertreten im oberd. nach Adelung (1). so die sunn im krebs ist, geht der fluss Nilus ausz, unnd vertrit die statt des rAegens mit gwinn, befeüchtigt und begeüszt das gantz land. Franck weltb. 15b. II@D@1@ee) eine art causativ dazu ist die ungewöhnliche wendung: dein vater hat nicht wollen ohn dich zu felde seyn, ohn dich nicht siegen sollen, der grosse Sigismund, der nicht so zeitlich sich von dieser welt gemacht, wo ferren er durch dich nicht seine statt ersetzt. Opitz 1, 2 (an d.n. maj. zu Polen u. Schweden). II@D@1@ff) wenn der gen. einen allgemeinen gattungsbegriff enthält, bedeuten solche wendungen auch 'als etwas fungieren, etwas sein'; so mhd.: der des meisters stat dô wîlt lieblîch er die brûdere hîlt. livländ. reimchron. 8813. II@D@1@gg) ganz im sinne von A, 6, a. i. findet sich endlich zuweilen reflexives seine statt vertreten, seine stelle ausfüllen, seinen posten, dienst versehen: daʒ ir iuwer amt mit triuwen üeben sult und iuwer stat ze rehte verstên sult. Berthold v. Regensburg 1, 155, 3; darmit der gemeine mann mit seiner wehr nicht verkürtz, sonder seine stadt in der ordnung vertretten magh. Reutter v. Speir kriegsordn. (1594) 3. II@D@22) in der regel ist statt in diesem sinne von präpositionen abhängig, und zwar im hd. durchweg von der präposition an. II@D@2@aa) dagegen überwiegt im ältern nd. das dem hd. ganz fremde in: stirft ir en, sin kint trit in des vader stat, unde behalt sin gut gemene mit den vedderen als it sin vader hadde. Sachsensp. lehnr. 32, § 2; die sone ne darf ok in's vader stat nicht uttien sin gut jegen den herren, of die vader stirft. 44, § 2; do Adam drittich unde hundert jar alt was, do gewan he Sethe, den ime got gaf in Abeles stat. d. chron. 2, 68, 4 (sächs. weltchr. 2); en vrowe nam dre echte man tomale; dat drevolt echt dat is ungewis, dat saltu tostoren an goddes stat. 171, 33 (c. 170); wenn denn de procurator in des keisers edder koninges hof kumpt, so mach he wol einen anderen procurator vort setten und kesen, de dem hove volge und antwerde in siner stede, eft he dem hove sulven nicht volgen mach. d. städtechron. 7, 293, 16 (Magdeb. schöppenchron.); in des doctors stydde, de was one do nicht mydde, scholden sitten veerundetwyntich. 16, 113 (Braunschw. schichtsp. 368, vgl. d. anm.); wat helpet, dat ik (cardinal) was hôch vormeten unde hebbe in eines apostels stede geseten? des dodes danz 290 Baethcke. [] in hd. texten nur, soweit sie deutlich unter nd. einflusse stehen: ne tuot er des nicht, so sol der obir herre dem manne daʒ guot lien unde sin wer des guotis sin in der stat des errin herrin. Görlitzer lehnr. 1, 116 (Homeyer Sachsensp. 2, 2, s. 116); der konig von Bohemen, des riches schenke, der ne was dar nicht, in siner stath was der grave von Assowe, des bischofes schenke von Colne. d. chron. 2, 286, 17 (weltchron., sächs. forts. 4). II@D@2@bb) im eigentlichen hd. steht ausnahmslos an. und fast ebenso regelmäszig steht danach die kurze endungslose form stat, auch als dat., der in dieser verwendung überwiegend ist. ganz vereinzelt findet sich mhd. stete: ich wil dich am mines sunes stete (var.: stede) haben. Rolandsl. 184, 27. auch im nhd. findet sich ein paar mal stett, stätte, s. das. II@D@2@cc) auszugehen ist von redewendungen. wo die örtliche grundvorstellung gewahrt ist, also von verbindungen mit verben, die ein verweilen an einem orte oder eine ortsbewegung ausdrücken. II@D@2@c@aα) der erste fall ist verhältnismäszig selten, so noch ganz eigentlich: auch woneten vor zeiten in Seir die Horiter, und die kinder Esau vertrieben und vertilgeten sie fur jnen, und woneten an jr stat (ם) 5 Mos. 2, 12; der herr vertilget sie fur jnen, und lies sie dieselben besitzen, da sie an jrer stat da woneten. 21, vgl. 22 f.; (diese) kamen zur zeit Hiskia ... und schlugen jener hütten und wonunge die da selbs funden worden, ... und woneten an jrer stat. 1 chron. 5, 41; (wenn der gemahl verreist ist,) da lasset (sie) das gemeyn gebett für jhn thun, gedenckt seinen uber tisch, wann der knecht an seiner statt liget. Garg. s. 107 neudr.; hey wie gewalteclîchensi sît an Helchen stat gesaʒ. Nib. 1323, 4. freier: herre, welt ir sitzen wider an des fürsten stat (d. h. zu gerichte)? Seifr. Helbl. 2, 499 (beide stellen vielleicht zu γ gehörig); de in der kerken an gades stede sitten. Lappenberg Hamb. chron. s. 491 (vgl. des dodes danz 290 unter a); an des andern stat stehen, loco alterius puniri. Scherz-Oberlin 1559; er (Christus) ist wol fur seine person unschuldig .., weil er aber sich unterstanden hat, das er an aller menschen stat stehen wil, mus er auch der straffe gewarten. Luther 28, 349, 13 Weim. ausg. II@D@2@c@bβ) meist mit acc., so gern: an eines statt tretten, mettersi, sostituirsi in luogo di uno. Kramer dict. 2, 913c, vicem alicujus supplere. Frisch 2, 321a; und do kunig Rudolfes vatter gestarb, do trat kunig Ruodolf an sins vatter stat. d. städtechron. 8, 42, 19 (Closener chron. v. Straszb. 1362); (der gen. ist zu ergänzen:) wo ich umb des worts willen vater und mutter lasse, sol ich das ynn der hand haben, das soviel christen dargegen an die statt tretten, die sich mein annemen und alle ein mutter und brderlich hertz gegen mir tragen. Luther 28, 27, 28 Weim. ausg.; darumb geschicht jm (Christo) recht in dem stücke, weil er an unser stat getretten und fur uns hat bezalen wollen. 349, 10; dieweil ich aber nu alt und schwach bin, so solt jr an mein und meiner bruoder stat tretten (γίνεσθε ἀντ' ἐμοῦ καὶ τοῦ ἀδελφοῦ μου), und solt ausziehen, und fur ewer volck streiten. 1 Macc. 16, 3; es ist, als ob die zeit sie (die vögel) selber weckte ... denn in gemess'nen pausen, wie die zahlen an deren statt sie treten, folgen sich der auerhahn, die amsel und die drossel. Hebbel 4, 361 Werner (Nib. 2, 5, 2, 1. fassung v. 2348—54). s. auch den ersten beleg unter a. II@D@2@c@gγ) so ferner: an eyns statt kommen, succedere. Dasypodius, in locum alicujus succedere. Steinbach 2, 687; der gerechte wird aus der not erlöset, und der gottlose kompt an seine stat. spr. Sal. 11, 8. — so in der ältern sprache auch bei worten wie sitzen, die jetzt nicht mehr im sinne der ortsbewegung (perfectiv) üblich sind: unse here sede to Petro: nim den stater und gif ene vor mi und di, alse wolde he seggen, ik werde ut dusser werlt gan tom vader, du schalt an mine stede sitten! Lappenberg Hamb. chron. s. 491. (so auch Braunschw. schichtsp. 368 unter a. jetzt würde man sich setzen sagen müssen; doch bemerkt Heynatz Antibarb. 2, 443 mit recht, dasz setzen sie sich an meine statt nicht mehr üblich sei.) [] II@D@2@c@dδ) dazu als causativ: an eines anderen stat stellen, oder erwellen, subrogare, substituere, submittere alicui. Maaler 384d; einen an des andern statt stellen, aliquem in locum alterius substituere. Steinbach 2, 687; er bringt der stoltzen viel umb ... und stellet andere an jre stat. (ם). Hiob 34, 24. — und der könig setzet Benaia den son Joiada an seine stat ubers heer, und Zadock den priester setzet der könig an die stat Ab Jathar. 1n. 2, 35; sinnlicher, mit verdeutlichendem zusatz: dein son, den ich an deine stat (יח) setzen werde, auff deinen stuel, der sol meinem namen ein haus bawen. 5, 5. so ferner, ganz eigentlich: ich bin Reichart ... und nit Ripus, wir habent jnen an mein stat gehangen. Aimon s 2a; darumb hat mein bruoder Ripus selbfünfftzehent an mein stat gehangen. ebenda. II@D@2@dd) auch in fällen, wo die grundvorstellung nicht mehr so deutlich ist, wirkt doch die alte freiere fügung und lebendige gebrauchsweise noch nach in der anwendung des acc., in ausdrücken wie an jemandes (seine) statt erwählen, geben u. s. w., wie er besonders bei Luther und andern autoren des 16. jahrh. noch ganz gewöhnlich ist: darumbe got willen gewan, daʒ er gesuofe (schüfe) den man unde er manchunne an sine (Lucifers) stat gewunne, daʒ er irsazte den val. Diemer d. ged. 5, 6; zû hant was brûder Poppe lôs der meisterschefte, dô man kôs meister Annen an sîne stat. livländ. reimchron. 4361; also erweletent sü einen andern künig an sine stat. d. städtechron. 8, 446, 15 (Königshofen, 1400); das heisst denn zeitlich gut hOeher denn gott geachtet, und an sein stat zum abgott gemacht. Luther 1, 496a; wo wil denn das geistlich ampt und stand bleiben? die alten, so jtzt drinnen sind, werden nicht ewig leben, sondern sterben teglich dahin, und sind kein andere da an jre stat. 5, 174b; und da Bela starb, ward könig an seine stat Jobab. 1 Mos. 36, 33, vgl. v. 34 f. 38 f.; welcher unter seinen sönen, an seine stat priester wird. 2 Mos. 29, 30; und der priester, der unter seinen sönen an seine stat gesalbet wird, sol solchs thun. 3 Mos. 6, 22; derselben kinder, die an jre stat waren auffkomen, beschneit Josua. Jos. 5, 7; darumb gebe ich menschen an deine stat, und völcker fur deine seele. Jes. 43, 4 (hebr. zweimal ת); und an seine stat wird auffkomen (־ל ד), der wird in königlichen ehren sitzen. Dan. 11, 20; sie sind vertilget und in die helle gefaren, und andere sind an jre stad komen. Baruch 3, 19; nu aber werden viel exempel in der schrifft angezogen, da zusehen ist, wie gott die erstgeborne söne verworffen hat, unnd andere [an] jre stat erwehlet. tischred. 34b; diss jar uss hat der MeylAendisch herzog einen siner kAemerling ... bin Eidgnossen gehalten, sine gschAeft zehandlen, der so gschAeftig, dass d' Eidgnossen ... sinen so med wurden, dass si doctor Jeronimum Moron ... an sine stat zegeben hieschen. Anshelm Berner chron. 4, 17, 16; weil sich das weib verschleyert hat, als bitten wir, das sie den schleiher abnhemen, damit man sehen könne, ob sie es sey, oder eine andere an jhre stadt ausgemacht habe. Heinrich Julius v. Braunschweig 302 Holland (Sus. 4, 2). der gen. wird verschwiegen und musz aus dem zusammenhange ergänzt werden: (die juden) ziehen solchs ausz dem dritten capitel Malachie, versuocht und probiert mich mit den zehenden, ob ich eüch nit überflüssig benedeyung an die statt geben wölle (vgl. Maleachi 3, 10). Franck weltb. 154a; und ob ... der, so man gefengklich nemmen wöllen, dardurch entrünne unnd davon keme, so sol derselbig oder dieselbigen so desz ein ursach, an die statt gefengklich angenommen, und mit ernst gestrafft werden. Fronsperger kriegsb. 1, 23b; und wer do guote kleider hat dem werden böse an die stat, die muosz er dann behalten. Uhland volksl. nr. 234, 7. II@D@2@ee) das gewöhnliche ist an eines statt (etwas thun u. s. w.), wobei der casus von statt äuszerlich nicht kenntlich ist (auszer im falle g), aber in der neuern sprache immer als dat. empfunden wird: einen an des andern statt erwehlen, sorrogare, costituire uno in luogo dell' altro, v. platz. [] Kramer dict. 2, 913c; an gottes statt, vice dei. Wachter 1592. Heynatz Antibarb. 2, 443 bemerkt: 'etwas an jemandes statt thun, sein sohn ward könig an seiner statt, ist ebenfalls schon veraltet'; doch ist es Göthe noch geläufig, vgl. die belege.so zunächst von personen. dabei lassen sich folgende nuancen unterscheiden. II@D@2@e@aα) es handelt sich um den nachfolger eines verstorbenen, vgl. Sachsensp. sächs. weltchron. und dodes danz unter a: jr seid auffgetreten an ewr veter stat. 4 Mos. 32, 14; an des stat wird auffkomen (־ל ד) ein ungeachter, welchem die ehre des königreichs nicht bedacht war. Dan. 11, 21; lange wünschte die mutter daher sich ein mädchen im hause, das mit der hand nicht allein, das auch mit dem herzen ihr hülfe an der tochter statt, der leider frühe verlornen. Göthe 40, 308 (Herm. u. Dor. 7). durch zusatz eines synonyms verdeutlicht: weiln ihr biszanhero ... den barmhertzigen gott, ... um einen getreuen (superintendenten oder seelsorger,) an des vorigen statt und stell gebeten ... habt, so hat derselbige viel fromme gott ... euch den gegenwärtigen N. N. zugewiesen. Lüneburger kirchenordn. v. 1643, cap. 2, § 20 bei Ebhardt ges. des consist. zu Hannover 1, s. 194. II@D@2@e@bβ) etwas thun als stellvertreter eines abwesenden, s. deutsche chron. 2, 286 und d. städtechron. 7, 293 unter a; besonders von einem bevollmächtigten, der im auftrage und im namen jemandes etwas thut: doch mogen die vorsten geweren enen man mit enem openen brieve besegelt, deste (wofern) se mede senden enen iren inborenen dinstman, die 't gut vorsta (vertrete) an irer stat. Sachsensp. 2, 42, § 3; so: so ich etwas vergebe jemande, das vergebe ich umb ewren willen an Christus stat (ἐν προσώπω Χριστοῦ). 2 Cor. 2, 10; so sind wir nu botschafften an Christus stat, denn gott ermanet durch uns. so bitten wir nu an Christus statt (beide male ὑπὲρ Χριστοῦ). 5, 20. dann auch freier: begere ich ann euch, an aller frommen pfaffen stat, ... yr wOellen ablassen vonn der vervolgung der priester. Joh. Eberlin v. Günzburg 2, 37 Enders. etwas thun für jemand, der es nicht thun will, vgl. Görlitzer lehnr. 1, 116 unter a. so auch: ihre besten bemerckungen sind zuweilen so, dasz man sich an des verfassers statt schämt. Lichtenberg aphorismen 3, s. 99, 10. II@D@2@e@gγ) auch in bezug auf das object einer thätigkeit, für einen eintreten (als ersatzmann): Abraham ... nam den wider, und opffert jn zum brandopffer an seines sons stat. 1 Mos. 22, 13; darumb las deinen knecht hie bleiben, an des knaben stat, zum knecht meines herrn. 44, 33; seiner veter gott wird er nicht achten, ... aber an des stat (־ל) wird er seinen gott Maosim ehren. Dan. 11, 38; so küst er meinen kleinen mops, den schon das alter abgefressen, zum zeichen der submission an meiner statt mit viel caressen. Günther 431. so ferner: an eines statt eingesperret werden, pro aliquo includi. Steinbach 2, 687; die sich auff Alckestisch für jhren mann darff inn todt begeben, auff spartanisch an jrs Fergnants statt sich inn gefengknusz stellen. Garg. s. 102 neudr.; an eines statt strafe leiden, vgl. Luther unter c, α; auch: die jode ne mut des kersten mannes gewere (gewährsmann) nicht sin, he ne wille antwerden in kerstene mannes stad (für ihn eintreten, verantwortlich sein). Sachsensp. 3, 7, § 1. II@D@2@ff) ebenso in bezug auf dinge; zunächst rein räumlich: darnach macht man einem kandelgiesser ein kram an des Heintzen kemmerleins stat und macht dem Heintzen ein kemmerlein ... in das geszlein am alten fleischhaus. Tucher baumeisterb. 47, 29. so, dasz die örtliche grundbedeutung noch deutlich ist: die hend an dem menschen sint an der vordern füeʒe stat gemacht. Megenberg 20, 28; so sol er die steine heissen ausbrechen, ... und andere steine nemen und an jener stat (ת־ל) thun. 3 Mos. 14, 42; (Sisak) nam alle güldene schilde, die Salomo hatte lassen machen. an welcher stat, lies der könig Rehabeam eherne schilde machen. 1n. 14, 27; du hast das hültzene joch zubrochen, so mache nu ein eisern joch an jenes stat. Jerem. 28, 13; ferner: die auffgethane knospe [] treibet die blüte herfür; die blüte die unzeitige frucht, an dessen stat (cujus loco) in dem feigenbaum die kleine .. feige hervor kompt. Comenius janua (1644) 115; unsere freude ist zu wasser, und ich kan mir nichts an deren statt erdencken. Göthe briefe 5, 37 (an Ch. v. Stein d. 25. jan. 1781); ein wallend meer, mit häuptern, weiszen schultern und runden hüften an der wellen statt. Grillparzer4 6, 32 (wellen 2). II@D@2@gg) für den gen. eines pers. pron. tritt selbstverständlich das possessivpron. ein; so schon mhd. in zahlreichen belegen, s. mhd. wb. 2, 2, 600a: (er) sante, als sî in bat, sîn selbes tohter an ir stat. Iwein 5774, vgl. 6047; Kei bat Kingrûnen Orilus dienn an sîner stat. Parz. 278, 29; nû sî dîn schuole meisterlôs an mîner stat. Walther v. d. Vogelweide 101, 33; nhd.: da er sein leben geringe bedachte, auff das er mir dienete an ewer stat (ἵνα ἀναπληρώση τὸ ὑμῶν ὑστέρημα τῆς πρός με λειτουργίας). Phil. 2, 30; denn ich wolte jn bey mir behalten, das er mir an deiner stat dienet (ἵνα ὑπέρ σου διακονῇ μοι). Philemon 13; der jüngere Mylius schreibt also die zeitungen nicht mehr. ich bin mehr als einmal darum angegangen worden, sie an seiner statt zu schreiben. Lessing 12, 17 (br. vom 2. nov. 1750); freyheit, göttinn groszer seelen! ... wer wählt gold an deiner statt. Cronegk 2, 280; kräftig und zierlich aber zieht schon der schalk die geschmeidigen doch elastischen glieder listig heraus, die purpurne ängstlich drückende schale lassend ruhig an seiner statt. Göthe 41, 231 (Faust II, 3, v. 9656); das lamm, das gestern, als er kaum verschwunden war, an seiner statt hervortrat aus dem nebel. Hebbel 3, 63 Werner (d. rubin 3, 1). II@D@2@hh) so nicht nur adverbial, sondern auch als prädicat; an jemandes stelle sein, mit verschiedenen sinnesnuancen; zunächst einen vertreten, seinen dienst versehen u. ähnl., s. deutsche chron. 2, 286 unter a; ferner: er sprach: Rapot und Wineman, sît hiute an Ruolandes stat ... Wineman, nû füere dû sîn swert, füere dû sîn horn, Rapote. Stricker Karl 9117. ähnlich: ich bin an des fürsten stat (als richter). Seifr. Helbl. 2, 31. in jemandes lage, situation sein: wolt got, ewr seele were an meiner seelen stat (י ת), ich wolt auch mit worten an euch setzen. Hiob 16, 4; wie jemand gelten und behandelt werden: das er (Christus) uns so hertzlich zusagt, wer an seinem wort hanget, sol kein aschenbrOedel hinder der thuer sein, sondern an seiner mutter und brder stad allen heiligen ynn armen. Luther 28, 28, 13 Weim. aug. wenn ich an deiner statt (jetzt: stelle) wäre nimmt dann auch geradezu den sinn 'wenn ich du wäre' an: wann ich an deiner statt ò an statt deiner wäre, s'io fossi in tuo luogo, in tua vece, s'io fossi te. Kramer dict. 2, 913c; ich wollte klüger seyn, wär ich an deiner statt. Chr. Mylius verm. schr. (1754) 498; wär' ich an deiner statt, ich hätte bis jetzt nicht gezaudert, eins mir der mädchen geholt. Göthe 40, 253 (Herm. u. Dor. 2). II@D@2@ii) weitere nuancen ergeben sich, wenn der gen. einen unbestimmten, allgemeinen begriff (gattungsbegriff) enthält. es handelt sich in den meisten fällen um formelhafte verbindungen, die des artikels entbehren. II@D@2@i@aα) den übergang bildet folgende verbindung, wo der genitiv sowol appellativisch wie als individualbezeichnung gefaszt werden kann: ich bin regent im land an kaisers statt. Schiller 14, 283 (Tell 1, 2). ebenso: wenn ein (deutschordens-)meister stirbt, so soll sein stellvertreter den comthuren von Deutschland, Preuszen, Livland einen wahltag entbieten. ... sind die zugereisten und die brüder in dem capitel gesammelt, so soll der, der an meisters statt ist, einen ritterbruder zum wahlcomthur ernennen. Freytag 18, 190 (bilder 2, 1, 6). [] II@D@2@i@bβ) so besonders an vaters statt; so schon: ih scal imu uuesan in fater stedi endi (ir) scal mir uuesan in sunes (ego ero ei in patrem, et ipse erit mihi in filium). Isid. 37, 18. (freier:) den gott, der dort verehrt wird, nehmen wir zum zeugen, beide flehen wir ihn an, dasz er an vaters statt uns möge seyn. Schiller 15, 1, 74 (Phädra 5, 1). ebenso: sey mir gegrüszt! du freundin meines herzens, an mutter statt geliebte, sey gegrüszt. Göthe 9, 289 (nat. tochter 2, 3); ein ohm und eine muhme jetzt an eltern statt mir sind. Stolberg 1, 65. und entsprechend: einen an kindes statt annehmen, aliquem adoptare. Steinbach 2, 687. Frisch 2, 321a; so noch heute ganz geläufig: er nimmt ihn an kindes statt an. Hetzel wie d. Deutsche spricht 291. der burgherr sagte er wollte ihn an sohnes statt annehmen. Grimm märchen s. 136 (nr. 33); er soll der sohn doch meiner rache seyn, ich nehm ihn an und auf an kindes statt. Schiller Demetrius 2, 1, v. 1156. II@D@2@i@gγ) zum ausdruck der gleichstellung, so Sachsensp. 3, 7, § 1, s. e, γ zu ende; mit dem unbestimmten artikel: swer sînes volckes niht ruoche hat, den habe man an eines heiden stat. Albertus Ulrichs leben 980 (est infideli deterior. 1 Tim. 5, 8). II@D@2@i@dδ) dann auch geradezu für 'etwas sein': diu frou, die herzog Heinrich het an konen stat (als gattin). Ottokar reimchron. 92809; ob ich an grafen statt einst soll regieren, und ob ein ärmlich knechtisch leben führen, ... dies alles gilt jezt meinem herzen gleich. Tieck 2, 98. II@D@2@i@eε) ebenso mit bezeichnung von dingen; in älterer sprache mit unbestimmtem artikel: der neʒʒeln frischeu pleter an ains pflasters stat gelegt laitent die auʒgênden muoter wider an ir stat. Megenberg 423, 34; der stat werckmeister, der zimmermann, soll der stat paumeister geloben und sein trew geben an eines aids stat. Tucher baumeisterb. 37, 1 Lexer; ohne diesen: an worte statt sind liebliche geberden. Göthe 13, 227 (maskenz., d. romant. poesie); ein solch papier, an gold und perlen statt, ist so bequem. 41, 67 (Faust II, 1). zum ausdruck der gleichstellung in der schätzung: die werthe keuschheit die sie hat, steht mir an goldestonnen statt. Neumark lustwäldchen s. 85. II@D@33) an diese verbindungen schlieszen sich dann gebrauchsweisen, die ein engeres zusammenwachsen der wortgruppe zeigen und zur entstehung von compositen führen. II@D@3@aa) zunächst findet eine engere verschmelzung zwischen dem genitiv und dem übergeordneten subst. statt, wozu der undeterminierte charakter des gen. in 2, i bereits eine vorstufe bildet. II@D@3@a@aα) beide werden zu einem (unechten) compositum zusammengezogen. so in den häufigen unter 2, i, β besprochenen fällen. so schreibt Göthe neben getrenntem an mutter statt (s. 2, i, β) auch: sie kommt vielleicht, so dacht' ich, dorther mir zurück, und weinte quellweis', an mich drückend jenes kind, an mutterstatt. 40, 410 (Pandora 1). doch ist dafür mutterstelle das gewöhnliche, s. theil 6, 2828 (entsprechend vaterstelle 12, 39). sehr gewöhnlich dagegen kindesstatt, s. theil 5, 761; so schon: jemand an kindsstatt annehmen, in luogo di ò come figliuolo: adottare uno. Kramer dict. (1702) 2, 913c; und diesem umstande, dasz kindes statt gern zusammengezogen und im allgemeinen als zusammensetzung empfunden wird, ist wol die erhaltung von statt gerade in dieser gruppe zu verdanken. der unterschied ist übrigens zumeist nur sache der schreibung (vgl. z. b. oben mutterstatt); grammatisch tritt er nur in den ziemlich seltenen fällen zu tage, wo ein weiteres attribut hinzukommt, s. Göthe 17, 121 unter kindesstatt. — ganz analog gebildet und ebenso lebendig geblieben ist eidesstatt (wofür Tucher noch an eines aids stat sagt, s. 2, i, ε): eid- ò eids-statt; an eidsstatt angeloben, in luogo (vece) di giuramento: promettere, stipolare qualche cosa come per giuramento. Kramer dict. 2, 913c, dazu dann das im heutigen [] kanzleistil sehr gewöhnliche adj. eidesstattlich (das indessen an sich nicht notwendig die fertige composition voraussetzt): weszhalb dürfe ... ein jude ... vormundschaftsrichter sein, während doch der vormundschaftsrichter eidesstattliche versicherungen abnehme? nationalzeitung 12, 139 (vom 24. märz 1859), beibl. 1a (abgeordnetensitzung vom 23. märz). II@D@3@a@bβ) die nähere zusammengehörigkeit beider wörter zeigt sich ferner in einer morphologischen abweichung. am häufigsten steht vor statt der gen. eines (starken) masc. oder neutr., der durch den ausgang -s deutlich gekennzeichnet ist. seltner sind genitive von pluralen, bei denen der casus an sich nicht erkennbar ist; z. b. an worte statt Göthe 13, 227; an goldestonnen statt Neumark, an gold und perlen statt Göthe 41, 67 (wo infolge der gruppenbildung auch gold die casusbildung einbüszt) unter 2, i, ε. am meisten wird der ganz endungslose gen. eines fem. gemieden, wie mutterstatt (Göthe 9, 289 unter 2, i, β). hier kommt dafür die übung auf, da man das bedürfnis nach deutlicher ausprägung des casus empfand, auch diese wörter mit der endung -(e)s auszustatten. so schon: so hast du hier gesogen und deinen wilden muth aus einer brust gezogen, die dich mit blute hat an milches statt gestillt. Opitz 1, 89 (lob des krieges g. 39). eine eigenthümlichkeit Wielands ist die redeweise an antworts statt (worin kaum eine nachwirkung des alten neutr. zu sehen ist, vgl. theil 1, 508): an antworts statt schenkt Boreas abermahl ein. 4, 209 (Amad. 9, 18; 1. ausg.: anstatt der antwort); an antworts statt reicht sie, zum stillen pfand der sympathie, ihm ihre schöne hand. 9, 110 (Musar. 3); Amande legt an antworts-statt des jünglings hand ans herz mit seelenvollen blicken. 22, 307 (Oberon 6, 106). beides ist der heutigen sprache ganz fremd; üblich ist dagegen jetzt ein solcher gen. bei fem. auf -ung, insbesondere: ein ungeheurer bär lässt sich im walde sehen; euch soll, an zahlungs statt, die haut zu dienste stehen. Hagedorn 2, 48 (fab. 1, 34); die städte Lübeck und Hamburg zeigten sich bereitwillig, geld vorzuschieszen und an zahlungs statt schwedisches kupfer anzunehmen. Schiller 8, 152. da dieses gen.-s besonders in der zusammensetzung seine stelle hat, so können alle diese verbindungen in gewisser weise schon als composita angesehen werden, und ist sehr naheliegend, sie auch zu éinem wort zusammenzuschreiben (wie es heute bei zahlungsstatt üblich ist). eine zwischenstufe ist es, wenn statt zwar getrennt, aber mit kleinem anfangsbuchstaben geschrieben wird (wie bei Opitz und Hagedorn, sowie in den unter 2, i, β. ε angezogenen stellen aus Grimm märchen und Neumark). II@D@3@bb) andrerseits wird auch zwischen an und statt eine festere verknüpfung hergestellt. schon in der bisher betrachteten gebrauchsweise, wo der gen. zwischengestellt wurde, gehören an — statt fest und eng zusammen, und können als ein 'distanzcompositum' betrachtet werden, ebenso wie um — willen. seit Luther aber wird nachstellung des gen. üblich und dadurch werden an und statt unmittelbar benachbart und können nunmehr zur völligen worteinheit verschmelzen. so entsteht die präposition anstatt, s. th. 1, 476. II@D@3@b@aα) zunächst werden an stat(t) noch getrennt geschrieben: und das gantze volck Juda nam Asarja ... und machten jn zum könige, an stat (ת) seines vaters Amazja. 2 n. 14, 21; und wird stanck fur gut geruch sein, und ein lose band fur ein gürtel, ... solchs alles an stat deiner schöne. Jes. 3, 24 (hebr. überall ת); ich wil gold an stat des ertzes, und silber an stat des eisens bringen, und ertz an stat des holtzes, und eisen an stat der steine. 60, 17; die zwelff eherne rinder, die an stat des gestüls stunden. Jerem. 52, 20; wie die ehebrecherin, die an stat jres mannes andere zulesst. Hes. 16, 32; wie jene erschracken fur dem blut, so an stat des fliessenden wassers (ἀντὶ πηγῆς ἀενάου ποταμοῦ) kam. weish. Sal. 11, 7; wie die erde an stat der geborne thier (ἀντὶ γενέσεως ζῴων), fliegen brachte, und das wasser an stat der fische, frösche die menge gab. 19, 10; wenn du aber segenest im geist, wie sol der, so an stat des leien stehet ( ἀναπληρῶν [] τὸν τόπον τοῦ ἰδιώτου), amen sagen? 1 Cor. 14, 16; an stat der herschafft (über die thiere) ist forcht und schaden kommen. J. Eberlin v. Günzburg 2, 5 Enders; es ist kein freund dar, welcher mit schmeichelreden sich unterstehe, den wehtagen des schmertzens zu mindern, sondern an statt dieser aller ist gott, der die schmertzen lindert. Schuppius 697; alsdann so heben streit und billende disputationes an herfür zukommen, welche es dann enden, und an statt der geburt seyn. 767; wo aber bist du her? von Sparta, wil man sagen, der werthen kriegesstadt, die oftmals hat geschlagen, ... und ihrer bürger brust dem feinde hingekehrt an statt der mauren selbst. Opitz 1, 89 (lob des kriegesg. 45). so auch in den wörterbüchern: er ist hier an statt seines vatters, egli è qui in luogo (vece) it. à nome di suo padre etc. ò sostituito dal padre. Kramer dict. 2, 913c; wann ich meine finger an statt der lichter brauchen könte. ebenda; an statt eines andern seyn, loco alicujus esse. an statt des andern einen setzen, in locum alicujus aliquem substituere. an statt des andern kommen, in locum alicujus succedere. Frisch 2, 321a. — nach den in theil 1, 476 gegebenen belegen scheint zusammenschreibung zuerst bei Hagedorn vorzukommen. (Fleming 103 und Lohenstein Armin. 1, 162a steht an statt.) II@D@3@b@bβ) in der nachstellung erscheint nun auch der gen. von persönl. pron., der bei zwischenstellung durch die entsprechenden possessiva vertreten wurde: an statt meiner, an statt deiner ò an meiner statt, an deiner statt, in luogo (vece) di me, di te, in mio, tuo luogo, in mia, tua vece. Kramer dict. 2, 913c, vgl. unter 2, h; anstatt meiner, pro me. Frisch 2, 321a. II@D@3@b@gγ) eine häufige, adverbiale verbindung ist ferner: an statt dessen, in luogo (vece) di questo. man solte solche schelmen aus der stadt peitschen, aber an statt dessen (in vece, in cambio di questo) seynd sie vielmehr willkommen. weit davon, ihn zu belohnen, gab er ihm an statt dessen gute schläge. Kramer dict. 2, 913c. II@D@3@b@dδ) über die weitere entwicklung zu conjunctionellem gebrauche s. anstatt 2. dazu: an statt des studirens, an statt studirens, ò an statt, dasz er studiren solte, spielt er, in vece di studiare, egli giuoca. Kramer dict. 2, 913c. vgl. ferner unten 5. II@D@3@b@eε) mundartlich kommt für anstatt auch anstatts vor, so els. ànštàts (neben ànštàt, àtštàt) Martin - Lienhart 2, 619b, vgl. unten 4, b. II@D@44) endlich wird an ganz fortgelassen und statt allein in derselben weise gebraucht. so entsteht die präposition statt, ganz analog wie kraft (s. das. 15, theil 5, 1943 f.), laut (3, b, theil 6, 365 f.), trotz, zwischen u. a. II@D@4@aa) diese verwendung ist erst seit dem 17. jahrh. nachzuweisen; der älteste bekannte beleg steht bei Scheffler (cherub. wandersm., 1657), s. unten c. von den wörterbüchern verzeichnet sie erst Steinbach (1734), s. unten. dafür ist sie heute im höchsten grade lebendig, ja sie ist weitaus die häufigste und uneingeschränkteste verwendung von statt. vgl. Heynatz Antibarb. 2, 443 f. II@D@4@bb) auch in mundarten ist diese präp. weit, wenn nicht allgemein verbreitet; ja, in den meisten hd. mundarten ist statt nur in präpos. gebrauche üblich, während das subst. aufgegeben ist, s. I, 5. hier ist indessen eine weitere änderung eingetreten, indem statt am ende ein -s angenommen hat, wie es so oft bei adverbien u. ähnl. wörtern antritt und als kennzeichen dieser wortklassen empfunden wird. nur für das kärnt. giebt Lexer 239 gstàtt an. sonst sind entweder statt und statts (spr. štat, štats) neben einander in gebrauch, so in Handschuhsheim (ferner anštát) Lenz 68a, in Rappenau (gewöhnlich štats) Meisinger 181b, im mansfeld. Jecht 107b; oder, und das ist das häufigste, statts ist alleinherrschend, so oberösterr. Frommann 3, 191, 77, els. štàts Martin-Lienhart 2, 619b, fichtelgeb. sttts Frommann 2, 555, 6, henneb. ebenso Spiess 240, köln. staats Hönig2 173a, oberhess. schtdds Crecelius 803, koburg. Frommann 3, 177, 37, preusz. Frischbier 2, 363b. (danach ist theilweise auch anstatts für anstatt eingetreten, s. 3, b, ε). — diese form stats ist auch in nd. mundarten eingedrungen, so südhann. Schambach 208, mecklenb. Mi 86a. dasz es sich um entlehnung handelt, beweist die lautform. [] das ursprünglich nd. stede hat an dieser ganzen entwicklung nicht theil genommen. II@D@4@cc) statt als präp. drückt zunächst einen ersatz für nichtvorhandenes aus: den haushalt eines mächtigen füllten in fremdem lande statt der verwandten und nachbarkinder nützliche, in den künsten der fremde erfahrene unfreie. Freytag 17 (bilder 1), 86; statt der rinderherden trottet der wolf durch die einöden. 118. — geht es ja hoch her, dann sind kartoffeln das beste mahl, statt der butter mit mangel und noth geschmälzt. Riehl d. deutsche arbeit 118; allein der weisz ist reich? die tugenden in gott, die er stat goldes hat, nihmt ihm auch nicht der tod. Scheffler cherub. wandersm. 6, 240; (ich) sah nektar und elysium statt meines bachs, statt meiner bunten wiese, um meinen trunknen blick herum. Hölty 126 Halm; doch in groszmüth'ge hand war er gefallen, statt strafe fand er lohn. Schiller 12, 118 (Piccol. 2, 7); (du) kannst mir ohne zweifel den brunnen zeigen, der aus sieben röhren statt wassers wein verspritzt. Hebbel 3, 6 Werner (rubin 1, 1); dort schreitet elegant hervor die gänsehirtin Katharine, die herrlich statt der krinoline ... trägt einen faszreif stolz im kleide. Keller 10, 27. II@D@4@dd) im 18. jahrh. begegnet statt mehrfach im sinne eines vergleichs oder der gleichsetzung. II@D@4@d@aα) bei personen, wo wir 'wie' sagen würden: einen statt eines vaters ehren, aliquem loco patris colere. Steinbach 2, 687; einen statt seines bruders lieben, in loco fratris diligere. ebenda. II@D@4@d@bβ) bei sachen, im sinne von 'als': statt einer belohnung verlangen, loco praemii petere. Steinbach 2, 687; statt eines gesetzes in acht nehmen, vice legis observare. ebenda; statt einer wohlthat annehmen, aliquid pro beneficio habere. ebenda; an, wird in einigen redens-arten ausgelassen, als: statt einer wohlthat etwas achten, in loco beneficii ponere. Frisch 2, 321a; Marie. ey das (eine goldne halskette) ist ja gar schön! wozu braucht man denn das, liebe mama? frau Robert. statt des halsbandes. H. L. Wagner der wohlthät. unbekannte 12. II@D@4@ee) so auch als prädicat; doch in neuerer zeit nur noch in poetischer sprache. II@D@4@e@aα) von sachen: es ist statt des strohes, stramenti vicem obtinet. Steinbach 2, 687; Gordon. ohn urthel? Buttler. die vollstreckung ist statt urthels. Schiller 12, 337 (Wallenst. tod 4, 6). ebenso anstatt, im sinne eines vergleichs (vgl. d): ich kenne ein freyherrn, welchem die grösten einkommen von dem baurenwesen herkommen, ... dasz die erden ihme an statt eines meers ist, so stäts wahren einträgt. Schuppius 735. II@D@4@e@bβ) von personen, statt jemandes sein, ihn ersetzen: da wünscht' ich mir einen gatten, ... der für die liebe, die ihm mein jugendliches herz weihen konnte, im alter mein freund, mein beschützer, mir statt meiner eltern geworden wäre, die ich um seinetwillen verliesz. Göthe 10, 165 (Stella 3); ein sieghaft mädchen führt des feindes heer, ich will das eure führen, ich will euch statt einer jungfrau und prophetin seyn. Schiller 13, 231 (jungfrau v. Orl. 2, 2). so zum ausdruck einer wertschätzung: sie, nach der ich mich alle tage meines lebens gesehnt habe, sie, die mir noch immer statt aller andern weiber in der welt ist (mir mehr gilt als alle, um derentwillen mir alle andern gleichgültig sind). Göthe 19, 233 (W. Meister 5, 15); du sollst mir sein statt aller heiligen, wenn du's, den fusz der eisernen gewalt im nacken und das neue glück vor augen, das dich geplündert hat, noch wiederholst und leidest, wie du handeln willst, im traum! Hebbel 6, 46 Werner (Demetr. 1, 5). II@D@4@ff) statt verbindet sich natürlich auch (besonders in der umgangssprache) mit dem gen. eines pers. pron.: Marina die mit der Lodoiska oder statt ihrer gekommen, ist bei dieser scene zugegen. Schiller Demetr. s. 93 Kettner; und dann habe er einmal den präsidenten del consiglio, [] welcher einem armen müller ... unrecht gethan, auf die galeeren geschickt und den müller statt seiner zum präsidenten gemacht. Gaudy ausgew. erz. 64; statt ihrer (der freunde) fiel ihm plötzlich jener unbekannte verfolgte ein. Hausrath pater Maternus 43; wenn die zunge versagt, so redet der körper statt ihrer. Hebbel 8, 352 Werner. mit dem gen. des rel. pron.: aus Niederdeutschland und den Niederlanden sind allmälich fast alle wörter der schiffart entliehen worden, statt deren unsere frühere zeit manche abweichende, eigene besessen haben wird. J. Grimm, s. theil 1, xxx. II@D@4@gg) obwol statt seinem ursprunge nach nur den gen. zu sich nehmen kann, wird es gleichwol als präp. nicht selten mit dem dativ verbunden. ein grund für diese abweichung ist in diesem falle nicht ersichtlich, doch ist daran zu erinnern, dasz auch bei andern aus subst. erwachsenen präpositionen ein schwanken zwischen gen. und dat. stattfindet, dasz besonders wegen sehr häufig mit dem dat. (seltner auch laut, s. theil 6, 366), wie umgekehrt trotz mit dem gen. vorkommt. II@D@4@g@aα) diese fügung begegnet zuerst bei Lessing und Wieland und ist in der klassischen zeit ziemlich häufig, trotzdem hat sich in der schriftsprache der gen. daneben erhalten und wird vorgezogen. vgl. Weigand 2, 800. belege: Harduin ... glaubt, Ismenias hätte für seine sechs denare zwey smaragde statt einem bekommen. Lessing 8, 69 (antiqu. brief 23, 1768); er kann, ausser beiden zusammen, die grundsprache allein; er kann die übersetzung allein abdrucken lassen und verkauffen: so hat er drey bücher statt einem. 9, 58; aber lärm und geschrey statt dem pathos, das thuts nicht. Göthe br. 1, 198 (vom 13. febr. 1769); der fand die schlacken statt dem geträumten schatz. Brentano 8, 211; da du nun morgen reisen willt, so hab' ich dir statt einem wanderpfennig etwas mitgebracht von meiner eignen arbeit: sind glücksschuh'. Mörike erzähl. 113; so seyd ihr männer alle! erst lockt ihr uns so schmeichelnd in die falle, und habt ihr uns, macht ruhiger genusz statt frischem blut bey euch nur böse galle. Wieland 22, 291 (Ober. 6, 77); und die jungen kommen auf dem stocke, meinen acten-riemen statt dem zaum, ihrer mutter strumpfband statt der peitsche, angeritten. Göckingk 1, 256 (= 218); wild gelächter statt der liebe süszem wahn! Göthe 2, 29 (deutscher Parnasz); statt beiszem wünschen, wildem wollen, statt läst'gem fordern, strengem sollen, sich aufzugeben ist genusz. 3, 89 (eins u. alles); doch statt dem kleinsten schlummerkern zeigt sie ihr nur gespenster. Blumauer Aeneis 1, s. 173; und fühlen sie, statt donnern des gewissens, die wollust, gott zu seyn. Schiller 5, 1, 46 (dom Karlos 2, 1; vgl. das wortverz. s. cxxib; dafür später: statt dolchen des gewissens. 5, 2, 182 = don Karlos 1, 5); ich hab statt dir, o Jesus Christ, die bilder nur verehret! Brentano 2, 375; lasz mich statt dir — Grillparzer4 4, 51 (Argonauten 1). II@D@4@g@bβ) als dat. ist auch der endungslose casus starker masc. neutr. aufzufassen (während beim fem. gen. und dat. nicht zu unterscheiden sind): ein groszer hofmann seyn, ein mann, dem schmeicheley und list statt witz und tugend ist. Lessing 1, 102 (fab. u. erz., 1753). II@D@4@g@gγ) ja es kommt vor, dasz gen. und dat. unmittelbar neben einander stehen: statt feierlichsten gruszes, wie sich ziemte, statt ehrfurchtsvollem willkomm bring' ich dir in ketten hartgeschlossen solchen knecht. Göthe 41, 211 (Faust II, 3). II@D@4@g@dδ) in mundarten scheint der dat. ziemlich allgemein zu herrschen. (nur kärnt. gstàtt dier und deiner Lexer 239.) so ausdrücklich bezeugt für das oberösterr. Feommann 3, 191, 77, fichtelgeb. 2, 555, 6 (sttts imm), oberhess. Crecelius 805; und so ohne endung koburg. statts zucker Frommann 3, 166, 37, henneb. prügel statts geld Spiess 240, preusz. das habe ich statts dank Frischbier 2, 363b. [] II@D@4@hh) in den letzteren fällen (und unter β) kann der dat. auch als acc. verstanden werden, zumal in mundarten, wo zwischen beiden casus keine scharfe scheidung mehr besteht. so begegnet dann auch deutlicher acc., z. b. nd. se sint stats puckeppele 'sie werden als falläpfel angesehen und demgemäsz bezahlt'. Schambach 208b. — als fehler musz es dagegen bezeichnet werden, wenn auch in der schriftsprache vereinzelt der acc. begegnet, so bei anstatt (neben wiederholtem statt mit gen.): die wüstenei anstatt ihr schönes haus, statt ihres prunkgemachs die finstre kluft, statt diener gingen thiere ein und aus, statt schöner speisen kräuter in der gruft, statt reicher betten ängstigen und graus auf dürren reisern in der kalten luft, der edlen perlen muszte sie entbehren, statt deren dienten ihre heiszen zähren. Tieck 2, 210 (Genov.). II@D@4@ii) sonst ist ein acc. nach statt anders zu erklären; wenn nämlich ein solcher ausdruck sich an das object eines satzes anlehnt, so tritt durch eine art angleichung zuweilen auch das von statt regierte subst. in den acc., indem es nicht sowol von diesem, als vielmehr von dem regierenden verb abhängig gemacht wird: er malte für mich einen heiligen Michael — aber der bösewicht hatte mich schändlich verhöhnt. der erzengel hatte die züge des Dreckmichels ... und statt einen drachen durchstach die lanze das aas einer toten katze. Heine 7, 493 Elster; holzschüsseln bieten wir dir statt silber. Freytag ahnen 1, 216 (= werke 8, 168); hat sie (die natur) nicht oft ... manchem betenden mönch, umglänzt von sternen und sonnen, statt den verborgenen gott, das unsichtbare — der nonnen in zerrgemählden lebloser wolken enthüllt? Thümmel reise 8, 285 (was Campe miszverstehend tadelt); das paternoster nehmend statt den degen ruht Siegfried dort. Tieck 2, 271. II@D@4@kk) ähnlich ist es, wenn es bei dem von statt abhängigen worte nicht auf den begriffsinhalt, sondern auf die wortform ankommt; da musz diese natürlich unverändert bleiben. so: dem Hochdeutschen ist zuwider statt laub und liebe zu vernehmen loof und leeve. J. Grimm, s. theil 1, xxvi, und so sehr gewöhnlich: der ungebildete Norddeutsche sagt mir statt mich und umgekehrt; auch: der lispelnde spricht den laut des engl. th statt s u. a. m. II@D@4@ll) so stehen nach statt zuweilen auch ausdrücke, die bereits eine feste grammatische form haben und also keiner declination mehr fähig sind, verbalformen, wortverbindungen u. ä.: während die vorzüge der alten sprache oft nur an einzelnen plätzen, abgebrochen und abgerissen, statt im ganzen wirksam erscheinen. J. Grimm, s. th. 1, iv; der zimmerman gieng, statt aufs dach, dem wein und karessiren nach. Blumauer Aeneis 1, s. 141; wie ging es zu, dasz wir uns diesen morgen, statt im bett, unausgekleidet auf den stühlen fanden? Hebbel 4, 52 Werner (Nib. II, 1, 1). ebenso bei anstatt, s. theil 1, 477 (Lessing 8, 5); ferner: zahl! anstatt, empfang! o schön! Lessing 2, 232 (Nathan 2, 2); (Dido) langt, wo sie dosen offen sieht, nach schnupftaback, und fährt damit ins maul anstatt zur nase. Blumauer Aeneis 1, s. 139. II@D@55) wie schon in dem letzten falle, nähert sich statt auch sonst conjunctionaler function, ebenso wie anstatt, s. das. 2, theil 1, 476 f. II@D@5@aa) sehr häufig ist nach statt ein inf. mit zu: statt zu gehen, oder, statt, dasz er gehen sollte, blieb er stehen. Campe; das weisz ich, dasz es zwey uhr des nachts war, als ich zu bette kam, und dasz, wenn ich dir hätte vorschwatzen können, statt zu schreiben, ich dich vielleicht bis an den morgen aufgehalten hätte. Göthe 16, 37 (Werther 1, 19. juni); alle freunde sind so, ... statt unser vertrauen redlich zu erwiedern folgen sie ihren ansichten. 23, 182 (wanderj. 3, 13); Ehingen fing als mann des Greiners zwei grosze bürger aus Weil und Nördlingen; statt sie abzuliefern, schatzte er sie selbst. Freytag 18 (bilder 2, 1), 302; statt zu schlafen, hören wir den nordwest an unseren fensterläden rappeln. Storm 7, 164; statt nun still ... im hintergrunde zu bleiben, habe sich der abenteurer sofort der bündnerischen dame als mörder ihres [] vaters ... vorgestellt. C. F. Meyer Jürg Jenatsch 174. ungewöhnlich ohne zu: da alle tempel andern schon gehören, dünkt's ihnen gut, statt bauen, zu zerstören. Grillparzer5 1, 197. so schon früher bei anstatt, vgl. das.; noch getrennt: die aber zum zeugnisse der groszen erbitterung an statt erfreuliche antwort zu erlangen, erbärmlich umgebracht worden (qui autem responsi loco misere conscindebantur). Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 687; wenn ich dir den schnöden todtenring ... nicht vor die füsze warf, anstatt mich seiner zur raschen flucht noch einmal zu bedienen. Hebbel 3, 273 Werner (Gyges 2). II@D@5@bb) dafür kann ferner ein inhaltssatz mit dasz eintreten, s. Campe unter a: statt dasz sich schwierigkeiten heben sollten, äuszern sich immer neue. E. König bei Lessing 13, 323; auch ist ein mensch, der ganz bosheit ist, schlechterdings kein gegenstand der kunst, und äussert eine zurückstossende kraft, statt dasz er die aufmerksamkeit der leser fesseln sollte. Schiller 2, 11 (räuber, 2. vorr.). zu beaehten ist in allen diesen fällen das umschreibende sollte, das für das heutige sprachgefühl nicht obligatorisch ist.ebenso findet sich schon früher anstatt dasz, s. die belege unter anstatt 2. (an statt, dasz schon bei Fleming 103, wofür an statt, da 120 und bei Lohenstein Armin. 1, 162a ein seltsames an statt dessen. hier ebenfalls mit umschreibendem sollte. dagegen zeigen die belege aus Göthe anstatt dasz mit dem ind. zum ausdruck eines gegensatzes, wo heute die gehobene sprache während vorziehen würde.) — auch mundartlich statts dasz, z. b. henneb. Spiess 240. II@D@5@cc) schlieszlich kann dasz fortfallen und (an)statt selbst zur satzeinleitenden conjunction werden. doch ist dieser ungewöhnliche gebrauch nur für anstatt zu belegen: so will in scherz ich mich ergehn, in possen, anstatt ich jetzt mich blos an thränen labe. Platen 102b (sonette 68).
209569 Zeichen · 5044 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Statt

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Statt , plur. der doch nicht gebraucht wird, die Stätte, ein mit Stätte und Stelle gleich bedeutendes Wort, einen Or…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    statt

    Goethe-Wörterbuch

    statt [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Statt

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    PfWB RhWB Statt [ʿStàt selten, meist nur in Abl. und Zss. ] f. Statt. I ch ka nn mi n Bein nit d e r S. [nìt ərttàt od.…

  4. Sprichwörter
    Statt

    Wander (Sprichwörter)

    Statt 1. Die best stat, der vorgaht. – Franck, II, 171 a ; Petri, II, 124; Henisch, 326, 57. 2. Die Statt macht den Dieb…

  5. Spezial
    statt

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    statt praep. impede, al post de. ▬ statt dessen deperpo; intratant ; er kommt statt meiner al vëgn impede me.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit statt

356 Bildungen · 93 Erstglied · 247 Zweitglied · 16 Ableitungen

statt‑ als Erstglied (30 von 93)

statt'tun

DRW

statt'tun, v. I etw. gewähren, zustimmen; stattgeben (I), zulassen habent aver di um daz recht fur in chomen sint, ir furleger dar pracht, d…

Statt'tuung

DRW

Statt'tuung, f. Folgeleisten, Befolgung (einer Anordnung) vgl. statttun (II) müssen sich i.f.dt. nochmalen nit unbillich verwundern, dass di…

statt(e)reⁿ

Idiotikon

statt(e)reⁿ Band 11, Spalte 1802 statt(e)reⁿ 11,1802

stattfinden

SHW

statt-finden Band 5, Spalte 1315-1316

stattlich

SHW

statt-lich Band 5, Spalte 1315-1316

stattbar

DWB

statt·bar

stattbar , adj. commodus, opportunus. Haltaus 1736 , vgl. DWB statt II, B und statthaft: das uns und unnsern nachkomenden dheine andere herr…

stattbesserer

DWB

statt·besserer

stattbesserer , m. , für statthalter: vicarius ... stat-besserer. Dief. gloss. 617 c ( voc. ges. v. Herm. Cappel de Mulnhusen ).

Stattbirbaum N.

Idiotikon

Stattbirbaum N. Band 4, Spalte 1244 Stattbirbaum N. 4,1244

stattdesseⁿ

Idiotikon

stattdesseⁿ Band 13, Spalte 1114 stattdesseⁿ -dëm 13,1114

stattel

DWB

stat·tel

stattel , f. , bair.-österr. für schachtel und wie dieses aus ital. scatola entlehnt, s. theil 8, 1964 f. bair. schon im 15. jahrh.: für zwe…

Stattel(en)

Idiotikon

Stattel(en) Band 11, Spalte 1816 Stattel(en) 11,1816

statten

DWB

stat·ten

statten , verb. locare. concedere, permittere. in der ältern sprache für gestatten, vgl. dieses, theil 4, 1, 4203 ff. ableitung zu dem subst…

statten,

FWB

1. ›jn. verheiraten‹.; 2. ›(jm. / e. S., z. B. dem geiste) etw. gestatten, zulassen, erlauben‹.; 3. ›e. S. nachgeben, Raum gewähren‹.; 4. ›j…

statter

DWB

stat·ter

statter , m. 1 1) statter, der, dator ... pro simplici statter utimur compositis: abstatter, erstatter u. s. w. Stieler 2116 . 2 2) schweiz.…

Statterbueb

Idiotikon

Statterbueb Band 4, Spalte 943 Statterbueb 4,943

stattern

DWB

stat·tern

stattern , verb. 1 1) stattern, s. stottern. Frisch 2, 322 a , vgl. 342 a , wo stammlen und stattern Luther zugeschrieben wird. 2 2) schweiz…

stattfest

DWB

statt·fest

stattfest , adj. : das wir gegründet, statfest und unbeweglich inn der hoffnung des ewigen lebens ... beharren. Luther 10, 2, 474, 36 Weim. …

stattfinden

Pfeifer_etym

statt·finden

Statt f. ‘Ort, Platz, Stelle’. Die mit dem Suffix ie. -ti- gebildeten i-Stämme ahd. stat f. (8. Jh., in den flektierten Kasus steti), mhd. s…

stattfinnen

MeckWB

statt·finnen

Wossidia stattfinnen stattfinden, geschehen: dat Ungerechte finn't doch nich statt Schö Schönberg@Dassow Dass .

stattgeben

Pfeifer_etym

statt·geben

Statt f. ‘Ort, Platz, Stelle’. Die mit dem Suffix ie. -ti- gebildeten i-Stämme ahd. stat f. (8. Jh., in den flektierten Kasus steti), mhd. s…

stattgebung

DWB

stattgebung , f. zulassung, vgl. DWB statt II, C, 3. in der sprache des rechts und der gesetze, besonders österr., vgl. Günther recht u. spr…

Stattgebühr

DRW

Stattgebühr, f. dem überlebenden Ehepartner zustehender Erbteil vgl. Erbgebühr, Stadt (VIII) beeden eheleuten [ist] wol erlaubt, ein gewisse…

statthaben

DRW

statt·haben

statthaben, v. I Anwendung finden, angewendet werden; (als Gerichtsort) zuständig sein warin der contract stat hab, was er und sein natur se…

statthaft

DWB

statt·haft

statthaft , adj. zulässig, gültig. 1 1) statthaft, mhd. statehaft, ahd. statahaft ist eine ableitung von ahd. stata, vgl. DWB statt I, 3 und…

statthaftig

DWB

statt·haftig

statthaftig , adj. , gleichbedeutende weiterbildung zu statthaft, vom 14.—16. jahrh. zu belegen; mhd. stat(e)-, stadhaftig Lexer handwb. 2, …

statthaftigkeit

DWB

statthaftig·keit

statthaftigkeit , f. zulässigkeit. neuere abstractbildung zu statthaft ( im sinne 3), zuerst bei Campe gebucht: hier ... nahm ich die gelege…

statthaftlich

DRW

statthaft·lich

statthaftlich, adv. ordentlich, ordnungsgemäß bdv.: statthaftig (IV) sy werdind sich hierin, so feer die sach in irem bywesen statthaftlich …

statt als Zweitglied (30 von 247)

a(n)statt

Idiotikon

a(n)statt Band 11, Spalte 1688 a(n)statt 11,1688 o.

Abschießstatt

DRW

Abschießstatt Weinlager? wein abschiessen: in Keller abrollen die weine sollen nach R. zur gewöndlichen abschießstatt gefiehrt werden 1620 U…

abstatt

DWB

abstatt , e loco, von statten, gebildet wie abweg, abhanden, mit der leibhaften praeposition: wie es doch zugienge, dasz es in der universit…

Ackerstatt

DRW

acker·statt

Ackerstatt Ackerfeld wann ... ain ackerstat zu mad ligen und außlassen wurde 1641 Tirol/ÖW. III 204 Faksimile 1656 Tirol/ÖW. III 268 [uö.] F…

anstatt

DWB

anstatt , praep. und conj. pro, loco, eigentlich in loco, in locum, franz. au lieu, engl. instead. 1 1) umschreibung der praeposition, mit d…

Baustatt

Adelung

bau·statt

Die Baustatt , plur. die -stätte, oder noch häufiger, die Baustätte, plur. die -n. 1) Ein leerer Platz, auf welchem ein Gebäude gestanden, o…

bettstatt

DWB

bett·statt

bettstatt , f. lectus, sponda, bettgestell: mhd. von bluomen eine bettestat. Walth. 40, 3 ; und begund sie auch zu erzausen, das die petstat…

Bildhauerwerkstatt

GWB

bildhauer·werkstatt

Bildhauerwerkstatt Bildhaueratelier [ iZshg mit der Berufung JPKaufmanns nach Weim ] die Anlage, die Einrichtung und Gründung einer Bildhaue…

brandstatt

DWB

brand·statt

brandstatt , brandstätte , f. 1 1) domus, focus, herdstätte, feuerstätte: und hat mit dreiszigtausent man die prantstatt verhalten ( den pla…

brennstatt

DWB

brenn·statt

brennstatt , f. ustrina, locus ubi comburuntur corpora. voc. 1482 z 7 a .

brunzstatt

DWB

brunz·statt

brunzstatt , f. franz. pissoir, lieu pour pisser: prunzstat oder ubelschmeckende stat, oletum. voc. 1482 z 8 a .

Canstatt

Herder

Canstatt , Karl Friedrich, geb. 1807 in Regensburg, Arzt, ging 1832 zur Beobachtung der Cholera nach Paris, sodann in die Schweiz, und endli…

dingstatt

DWB

ding·statt

dingstatt , f. wie dinghaus, dingstuhl, locus judicii, gerichtsstube, ahd. dincstat forum Graff 6, 640 . Sachsensp. 1. 59, 1. Stieler 317 . …

druckerwerkstatt

DWB2

drucker·werkstatt

druckerwerkstatt f. : 1836 Carus Paris 1,77. 1974 Härtling frau 35. DWB2 b eigenschaften, tätigkeiten und fertigkeiten des druckers, druckpr…

einstatt

DWB

ein·statt

einstatt , f. siehe egerte oben sp. 34, einhof, einöd.

enthauptstatt

DWB

ent·hauptstatt

enthauptstatt , f. locus decollationis: item so man dann einen galgen oder ein enthauptstatt mawren will, soll es darzu nottürftiger mawrer …

erbsmidtstatt

KöblerMhd

erbsmidtstatt , st. F. Vw.: s. erbesmidestat*

faszstatt

DWB

faszstatt , f. beim salzbergbau der grund ( die sohle ) eines schachtes, aus welchem der ausgelauchte thon gezogen oder gefördert wird.

Fehmstatt

Adelung

fehm·statt

Die Fehmstatt , plur. die -stätte, oder die Fehmstätte, plur. die -n, ein nur noch in der Gerichtssprache Ober- und Niedersachsens übliches …

femstatt

DWB

femstatt , f. locus supplicii, ahd. hamalstat. mhd. vëmestat: der richter gap daʒ urteil uber si und der vater furte si ûʒ und slug ir selbe…

freistatt

DWB

frei·statt

freistatt , f. asylum: so eilt der schlaue scherz, ganz athemlos vor schrecken, so leis er kann, in eine freistatt sich, wo ihn ein jäger si…

fürstenthumstatt

DWB

fuerstenthum·statt

fürstenthumstatt , f. ein beherschtes gebiet. furstenthumstat, toparchia, est locus principatus. voc. theut. 1482 i 8 a . zusammengesetzt mi…

Ableitungen von statt (16 von 16)

bestatten

DWB

bestatten , oft mit bestäten und bestätigen zusammenfallend, 1 1) sepelire, den todten, die leiche zur erde, zum grabe bestatten, ihr eine s…

bestattung

DWB

bestattung , f. sepultura: schon bei vieler helden bestattungen warst du zugegen. Voss Od. 24, 87 .

erstatten

DWB

erstatten , restituere, reddere, etwas an die stelle des erhaltnen setzen, zurückgeben, in der alten sprache gëltan, gëlten. denn erstatten …

erstattlich

DWB

erstattlich , reparabilis, ersetzlich: zu ihrem unerstattlichen schaden. Ettners unw. doct. 268 .

erstattung

DWB

erstattung , f. dasselbe: dann es nicht gut were, die bisher gesessen zu verstoszen on erstattunge. Luther 3, 171 a ; wie ich meine zu Basel…

gestatt

DWB

gestatt , gestatten , n. ufer, s. DWB gestade 1, b. c sp. 4175.

gestatten

DWB

gestatten , verb. permittere, indulgere, mhd. gestaten, ahd. gi-, kistatôn und statôn ( noch bei Luther 26, 334 Irmisch da er ihren muthwill…

gestattlich

DWB

gestattlich , adj. zulässig, das wol kann gestattet und zugelassen werden Duez 195 a . Rädlein 376 b .

gestattung

DWB

gestattung , f. zulassung, erlaubnis Stieler 2116 : mit gestattung der obrigkeit Duez 195 a ; dasz zärtlichen genusz freiwillige gestattung …

statte

DWB

statte , f. füllen Nemnich. Campe, ' ein jung füllen ' Strodtmann idiot. Osnabr. 228 . nd. wort? ( zusammenhang mit stute ist kaum anzunehme…

unstatt

DWB

unstatt , f. , unrichtiger ort: die offenlich an der u. sitzend ( ihre wohnung ohne berechtigung innehaben ) quelle des 15. jhs. bei Fischer…

Unstatten

Campe

✱ ✱ Das Unstatten , — s , o. Mz . das Mißfallen. »so haben wir doch mit nicht geringer unstatten bisher verspuirt.« bei Oberlin.

unstattlich

DWB

unstattlich , adj. , gth. von stattlich II 2: nachdem ... sich ein berckhwergk verschiner jare ereuget und fundig worden, welches aber nachm…

urstatt

DWB

urstatt , f. a) wie ursatz gebildet; vgl. DWB statt II D; ' unterpfand ' mhd. urstat. uhrstatt usurpatur pro cautione und ist so viel als ei…

verstatten

DWB

verstatten , verb. , anscheinend ein wort des kanzleistils, das im 16. jh. auftaucht und bis heute sein dasein fristet, aber einen alterthüm…

verstattung

DWB

verstattung , f. , subst. zu verstatten. 1 1) zu 1 a: gestattung et verstattung, licentia, venia, libertas, permissio, concessio, conniventi…