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zer

mhd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zer

Bd. 31, Sp. 644
zer- untrennbare, unbetonte vorsilbe von verben und einigen nomina. form. das schriftsprachliche zer- der gegenwart vertritt zwei ältere formenreihen: eine, welche bis in das 18. jahrh. reicht, ohne r, die andere mit r. die frühesten ahd. denkmäler und beharrsame moderne bair. mdaa. kennen nur formen ohne r, ebenso alle übrigen wgerm. dialekte. daraus ergibt sich, dasz die gruppe ahd. za-, zi-, mhd. ze-, nhd.-dial. (bair.) z(e)-, as. te-, mnld. te- allein die wgerm. urgestalt bewahren. nahe steht das tô- des ags., afries., mnd. und nnd., das, ursprünglich *te-, durch das adv. und die präpos.gewandelt worden ist. diese feststellung gilt aber nur für die verbale vorsilbe. ursprünglich mit -r versehen ist nämlich das ahd. zur-, das sich von dem späteren ahd. zar-, zir-, mhd., nhd. zer- nicht nur lautlich, sondern auch dadurch [] scheidet, dasz es nur vor subst. und adj. (und daraus abgeleitete verben) tritt, also nur nominal gebraucht wird; vgl. folgende ahd. zur- composita (nach der liste bei Graff 5, 699): zurwân, m., suspicio, argwohn, zurwâni suspiciosus, argwöhnisch (Graff 1, 860; wozu das verbum zurwânen argwöhnen 1, 867 tritt: niowiht zurwânenti nihil disperantes Tat. 32, 8); zurwâri, f., superstitio, suspicio (1, 918), zurwârida, f., suspicio, scandalum (1, 919), zurwâri suspiciosus, suspectus, argwöhnisch, verdächtig (1, 918); zurwerf, m., repudium (1, 1040); zurlust, f., acidia, fastidium, unlust, abscheu, ekel (2, 290; hierzu -lîh, -ig fastidiosus und zurlustôn taedere); zurgang, m., defectio, defectus, zerfall (4, 102), zurgangida, f., defectus (4, 105; wozu zurganclîh temporalis, vergänglich 4, 105); zurgift, f., de-, proditio (4, 126); zurheilenti, -onti debilitatus (4, 871) als ableitung von einem nicht bezeugten *zurheil kränklich, schwach; zurtriuwi perfidus, treulos (5, 466), zurtriuwida, f., suspicio (5, 468); zurslahtbuoh libellus repudii (3, 34); zursliz, n., repudium (6, 818). die bedeutung der vorsilbe zur- läszt sich mit übel-, arg-, mis- widergeben, was die sinngleichen oder -nahen bildungen arcwânig argwöhnisch (1, 860), urwâni, f., desperatio (1, 859), urlust, f., luxus, acidia, unlust, f., luxus, taedium, fastidium (2, 289), urtriuwi treulos (5, 465), urtriuwida, f., suspicio, missatriuwida, f., mistrauen (5, 468) bestätigen. das ags. und altn. besitzen diese vorsilbedie as. überlieferung hat sie nicht aufbewahrtebenfalls und auch in gleicher bedeutung und verwendung, vgl.: ags. torbegete 'hard to get', torcirre 'hard to turn' (Bosworth-Toller 1002b); altn. tortrygð, f., mistrauen, tortryggr mistrauisch; torkendr schwer zu erkennen, unkenntlich (davon auch ein verb. torkenna unkenntlich machen), tormœði, n., unmut, ärger, u. a. im got. hat die vorsilbe die form tuz-; sie ist zufällig nur in einem verb. bezeugt (þisƕazuh ei qiþai ... jah ni tuzwerjai [und zweivelte nicht Luther] Mark. 11, 23), doch ist auch hier ein adj. *tuzwers argwöhnisch, zweifelnd, welches einem ahd. zurwâri entspräche, als ausgangsbildung anzusetzen. das got. tuz- führt zu idg. dus- 'übel-', 'schwer-', 'un-', z. b. in ai. durmanās (< *du-) mutlos, betrübt, av. dušmanah übelwollend, griech. δυσμενής übelgesinnt, air. dochlu übel berüchtigt, ruhmlos. zur- trug im ahd. den ton, vgl.: zúrganch 'defectio' Notker ps. 65, 4 (2, 247 P.; glosse) und die fälle von vocalentfaltung wie fränk. zuridruuida (ahd. gloss. 1, 7088), bair. zuriuuarda (Notker 3, 286 P., Wiener hs.). im 12. jahrh. schwindet zur- und macht dem verbalen präfix zi-, ze- platz, vgl.: zegengeda ps. 36, 20 Notker 2, 130 P., zislizzes repudii Graff 6, 818, bes. aber unziganclih, -ze-, -zer- neben zurganclih 4, 105, woraus ersichtlich wird, dasz die verlegung des tons von zur- auf un- den untergang des zur- gefördert hat. für die sprachliche deutung von zer- leistet got. twis- in twisstasseis (διχοστασίαι; sing. twisstass zwiespalt) Gal. 5, 20 und twisstandands sich trennend 2. Kor. 2, 13 beste dienste; es bedeutet 'entzwei', 'auseinander' und entspricht einem idg. *dis in ai. dvi, griech. δίς, alat. duis, lat. bis 'zweimal' (vgl. auch altn. tvisvar, ags. twiwa, ahd. zwirôr, mhd. zwir 'zweimal'). damit ist zer- an die wurzel von zwei, idg. *du-, angeschlossen; zunächst aber nur das nominale ahd. zur-. schwieriger ist die verknüpfung des verbalen za- mit idg. dis-, einer in verbcompositen gebräuchlichen nebenform von dis- (in lat. distraho ziehe entzwei, auseinander), nicht wegen des s-schwundes, da diesen die unbetontheit der vorsilbe leicht erklärt, sondern wegen der sonderstellung des got. dis- (in disdailjan zertheilen u. a.) in laut und bedeutung: dis- statt eines zu erwartenden *tis- und die 'verstärkende' bedeutung etlicher dis-composita. der anlaut d- gilt seit B. Delbrück idg. forsch. 21, 356, ebenso wie in du, du- 'zu' durch die vortonige stellung entstanden. die hauptgruppe der composita bedeutet zwar trennung, absonderung und scheidung, indem dis- entweder vor verben tritt, die diese begriffe schon in sich tragen (disdailjan zertheilen, disskaidan zertheilen, disskreitan trans. und disskritnan intrans. zerreiszen, distairan trans. und distaurnan intrans. zerreiszen, distahjan zerstreuen, dishniupan [] trans. und dishnupnan intrans. zerreiszen, diswinþjan zermalmen), oder dem compos. erst diesen sinn verleiht, so in dem aus diswiss, f., auflösung zu erschlieszenden *diswidan, vergleichbar dem lat. disiungere. eine andere gruppe aber drückt bewältigung, wie die deutschen be-composita, oder steigerung aus: disdriusan befallen (jah agis disdraus ina ἐπέπεσεν ἐπ' αὐτόν Luk. 1, 12), dishaban 1. ergreifen (sildaleik ... dishabaida ina θάμβος ... περιέσχεν αὐτόν Luk. 5, 9; 8, 37), 2. be-, festhalten (friaþwa ... dishabaiþ uns ... συνέχει ἡμᾶς 2. Kor. 5, 14; Philipp. 1, 23), dissitan ergreifen (dizuh-þan-sat ijos reiro jah usfilmei εἶχεν δὲ αὐτὰς τρόμος καὶ ἔκστασις Mark. 16, 8; Luk. 5, 26; 7, 16) und (steigernd) dishuljan bedecken (Luk. 8, 16), disniman κατέχειν, besitzen (2. Kor. 6, 10), diswilwan διαρπάζειν, ausrauben (Mark. 3, 27), dissigqan ἐπιδύειν, untersinken (Ephes. 4, 26). aus dieser hatte Wilmanns gr.2 2, 174 die steigernde bedeutung der got. wie auch der deutsch. vorsilbe als die ursprüngliche vermutet; zu unrecht, wie dies R. Löwe Kuhns zs. 40, 548 gezeigt hat: dis- hat auch in der letzten gruppe, wie schon Jac. Grimm gr. 2, 865 für einige composita erkannt hat, den trennenden und absondernden sinn, indem disniman zunächst 'bei seite nehmen', disdriusan 'sich von einem puncte loslösen' und trans. 'jemand aus seiner umgebung ablösen', dishuljan 'durch die hülle von der umgebung abschlieszen', dissigqan 'sich von dem oberen raume trennen' besagen, dissitan wie disdriusan, dishaban und diswilwan aber wie disniman aufzufassen sind. damit ist auch das got. dis- in die reihe idg. dis- bis ahd. za- eingefügt. idg. dis-, dessen vortonige wechselform dis- (s. Walde lat. et. wb. 234; die trennung vom simplex in dem falle got. dizuh-þan-sat Mark. 16, 8 hat als analogische und secundäre satzfügung zu gelten) und dus- als nebenform von dis, alle von der wurzel du- 'zwei' in der bedeutung 'entzwei' abgezweigt, stellen die grundlage der got. gruppe dis- < *tis-, twis- und tuz- dar, und got. dis- und tuz- leiten zu ahd. za- und zur- über. die geringfügige abweichung der bedeutung bei idg. dus- mag erst folge der sonderbildung gewesen sein; der unterschied wuchs, als auch eine scheidung in dem gebrauche (dis- bei verben, dus- bei nomina) durchdrang. woher nun aber -r auch in der verbalen vorsilbe, da dieser laut ja aus ahd. zur-, das im 12. jahrh. zu grunde geht, nicht herstammen kann? nach Jac. Grimm gr. 2, 862 aus dem zusammentreten der beiden partikeln za- und ar- (zar- aus za- und ar-, zir- aus zi- und ir-; vgl. die schreibungen zearfellan, zeirgân, zeerlekke [gr. 2, 862], zeirfuoren [1019]), die aber nicht, wie Jac. Grimm meint, als fertige vorsilbe zar-, zir- vor den verbkörper getreten sind, vielmehr sind jene ahd. verben als doppelcomposita aufzufassen, wie solche in ûzantbrestan ebullire, emergere, ûzarbrestan increpare, erumpere (Graff 3, 273), abafarbrechan abscindere, ûzfarbrechan evellere (266), ûzargangan exire (4, 91), anafargangan invadere (93), inbiheften implicare, inserere (751) u. a. zur genüge belegt sind. za- setzte sich vor ar-, das häufig eine dem za- nahe stehende bedeutung entwickelt hatte. auch zer- der wenigen nhd. zer-subst. und -adject. läszt sich nicht von ahd. zur- ableiten, da die ahd. lautgestalt, wie urteil neben erteilen lehrt, hätte von bestand bleiben müssen; noch konnte zur- etwa über adject.- und subst.-bildungen der art zaganclîh und zidenida, f., distentio (Graff 5, 146), die den übergang zwischen nomen und verb vermitteln, auf das verbale präfix einwirken, da diese zusammensetzungen fast ausschlieszlich nur za- annehmen. die heimat der neuen form zar-, zir-, zer- ist Alemannien, auch der fränk. boden nimmt sie auf; dieser bringt sogar vereinzelt eine nd.-obd. mischform ter- (gloss. 1, 71225) zustande. die älteste lautgestalt ist überall za-, jünger zi-, ze-; ins bair. dringt erst spät und nur gering zir-, zer- ein; vgl. Schatz ahd. gr. 58. ze-, z- hält sich bis heute in Bayern; belege: ein zriszner bettelmon H. Sachs 7, 428 K.; tsraisn, tstrena, tšlōŋ Gebhardt Nürnb. mda. 121; zbeysen Forster liedl. 93 ndr.; zrinnen Schmeltzl Sam. u. Saul 21 Wien. ndr.; zbrechen, zdrucken u. a. Schmeller-Fr. 2, 1069; sich ztrgen Schöpf 749; [] tsəšlūgŋ zerschlagen Tschinkel Gottsch. mda. 206; niederösterr. z- zs. Teuth. 1, 184; zwuschen entwischen (Iglau) Frommann d. mdaa. 5, 459. wie mag sich aber südtirol. zor- (Schmeller cimbr. wb. 244b; Bacher Lusern 429) erklären? auch entlegene sprachinseln md. abkunft halten an ze- fest: siebenbürg. zedrällen Frommann d. mdaa. 5, 362; 1, 123; tsetāwa 'zerthauen', zerschmelzen, tselōfa Gusinde Schönwald (in Oberschlesien) 69; 208a. ebenso bewahrt ze- das Erzgebirge, namentlich das östliche (Müller-Fr. 2, 699a; Borchers erzgeb. kol. im Oberharz 63), wozu zbricht J. J. Schwabe tintenf. 75 stimmt. Luther schreibt gegen den heimischen brauch nach mhd. muster einigemale ze-: zeschmetter (1531) Sir. 36, 12; 1523: zeschmissen ps. 2, 9, zeschmeltzet ps. 147, 18, zeschlagen Jer. 17, 18; 1545: zefiel 3. Mos. 8, 20, zebrochen Hes. 26, 2 (s. C. Franke grundz.2 1, 248); zebrochen 19, 193 W.; zefiel (var. zuo-, zer-) ebda; einen verdächtigen fall bei B. Waldis s. unt. zerschellen; sonst noch: gantz verwirrt, zerwirrt, zwiret im kopf Kramer teutsch-it. 2, 1364a. in den mhd. hss. steht ze- anscheinend ohne regel neben zer-, vgl. Jac. Grimm gr. 2, 862; mhd. wb. 3, 871b; H. Paul gr. 1, 241 glaubt, ze- sei vor consonant, zer- vor vocal ursprünglich. to- herscht im mnd. und nnd., jetzt durch die cultursprachliche mischform ter- bedroht; nur an wenigen stellen hat sich das as. te- erhalten: te-, to-, ter- Doornkaat-K. 3, 406a; to-, tertuseln Schütze 4, 289; te-, terbreken Woeste 269b; to- brem. wb.; Dähnert; ter- Schambach, Mi, Frischbier; groning. te- (ter Laan 1016b; wol aus dem mnld.). gelegentliches te- wie in meckl. tebraken J. Brinckman nachl. 2, 116 scheint aus to- geschwächt zu sein. dem nd. to- entspricht md. zu- (s. th. 16, 144); diese form reicht von Herbort v. Fritzlar, dem passional, Nicolaus v. Jeroschin u. a. bis auf v. Fleming vollk. sold. (1726) und das allg. haush.-lex. (1749) herab; am Niederrhein steht zo- dafür. auch H. Sachs, Weckherlin u. a. obd. schriftsteller lassen zu-, oft neben zer-, zu; vgl.: zobrochen Morant u. Galie 855 K.; zubrochen ... zerbricht B. Waldis psalt. (1553) 61b; zupleuet und zertroschen Bastel v. d. Sohle Harn. (1648) 61; zuoryssen und zuobyssen Luther 11, 251 W. (viele andere fälle unten in der einzeldarstellung; s. auch C. Franke grundz.2 1, 197; 248); in zurissenen kleidern Chr. Weise klügst. leute (1675) 24; zubrechung Bucholtz Herkulisk. 740; zuschneidet v. Fleming sold. 429: zerbrechen 266; zubrochene allg. haush.-lex. 2, 8b; zusplittert Mathesius hochzeitpred. 109; zubehr zerschlage Ringwald christl. warn. N 2b; zufriszt P. Gerhard bei Fischer-T. kirchenl. 3, 325a; zubläut Gryphius lustsp. 298 P.; zubricht Jac. Böhme schr. 4, 128. Kramer teutsch-it. 2, 323a glaubt, zerreiszen als das trans., zureiszen als das intrans. verb. unterscheiden zu sollen. bei obd. schriftstellern: zusprang Teuerdank 262; zerbrennen oder zureiszen Paracelsus op. (1616) 2, 381 H.; zuflambt H. Sachs 5, 196 K.: zerflamet und zerschlissen 22, 254 G.; zuspalten Weckherlin ged. 1, 354 F. aus einer neuen mischung, diesmal des md. zu- und des obd. zer-, erwuchs schon in mhd. zeit das gebilde zur-, das nach süden einigen raum gewann: zurspielt Herbort v. Fritzlar 7632 (: zerschriet 6738 : zuschrac 12 498); zurkretzet j. Tit. 5389, 4; zurbrochen väterb. 6002; zurprochen Hutten op. 4, 266 B. (: zerbrochen 1, 382 B.); sehr gewöhnlich in Luthers schriften: zurtrennet ... zutrennen 26, 333 W.; zurknyrssen 8, 22 W. (: zuknirst 11, 376 W.; nach C. Franke grundz.2 1, 197 und 248 bevorzugt Luther zubrechen, zureiszen, zureiben gegen zurschlahen, zurschellen; zur- neben zustreuen; doch auch zurbricht 10, 2, 112 W.); zuorbrechen v. Schwarzenberg Cic. 50v; zurpeist Mathesius ausgew. w. 2, 39 L.; zurbrich ... zerbrich B. Waldis psalt. 14b. zur- ist auch in die mdaa. gedrungen: oberlaus. zor- F. Wenzel dialektg. d. südl. Oberlaus. 27; alt zor- Oberharz Borchers erzgeb. kolon. 63. im übrigen wird zer- gesprochen, theils aus unmittelbarer mhd. überlieferung (Schweiz), theils unter nhd.-schriftsprachlichem einflusz [] (Rheinland, Hessen, Thüringen, Obersachsen, Böhmen, Schlesien, Österreich). gebrauch. II. rückgang. bereits in der ahd. und mhd. zeit den vergleichbaren untrennbaren vorsilben be-, ent-, er-, ver- an häufigkeit des vorkommens weit unterlegen (vgl. z. b. Hartmann v. Aue 197 be-, 42 ent-, 103 er-, 137 ver-: 6 zer- nach F. Karg d. liter. erwach. d. deutsch. ostens 42), theils aus geringerem sprachlichen bedürfnis, theils wegen des vorraths an ersatzausdrücken (ze stücken, entzwei, auseinander, klein, los u. a.), erleidet zer- in der folge weitere einbusze, wofür die ursachen einerseits in dem veralten des verbstammes, anderseits in der verdrängung der vorsilbe liegen. zur ersten gattung gehören folgende ahd. und mhd. composita [a) das simplex enthält die vorstellung des trennens und sonderns, b) das simplex besitzt diese bedeutung nicht]: a) zascrintan dehiscere, zaslîzan scindere; zerdrumen zertrümmern, zerkînen spalten, bersten, zerklieben spalten, zerlëchen, -chzen vor trockenheit risse bekommen, zermilwen zu mehl machen, zermülmen und zermüln zu staub zerreiben, zermürsen zerquetschen, zerschîten zerspalten, zerschrenzen zerreiszen, zerspalten, zersprîzen zersplittern, zerstrobelen struppig machen, zervlëcken zerstückeln, zerzeisen zerzupfen; b) zarîsan delabi, zaweipen dispergere, ventilare; zerbâgen refl. durch hader in feindschaft gerathen, zerbern zerbläuen, zerbôzen zerklopfen, zerbrinnen verbrennen, zerbrîsen losschnüren, zerdiezen zum schwellen bringen, zerdinsen hin und herziehen, zergengen zerstören, zergliden (zerliden) zergliedern, zerlegen, zerhëllen mishellig, uneins sein, zerklëcken zerschellen, bersten, zerknëllen mit einem knall zerspringen, zerkrimmen zerdrücken, zerkneifen, zerkratzen, zerniuwen zerstampfen, zerrêren zerrinnen, zerfallen, zerschricken zerspringen, zertrëchen auseinanderziehen, zertreigeln zerstreuen, zervlœzen zum zerflieszen bringen, schmelzen. an die stelle des einfachen verbums ist dabei bisweilen dessen diminutiv- oder pluralform (s. sp. 652) getreten, vgl. nhd. zergliedern, zerscheitern, zertrümmern. die zweite abtheilung zerfällt in besondere gruppen: 1) die zer-zusammensetzung schwindet ohne ersatz durch ein anderes compositum desselben verbums, vgl. a) ahd. zasceidan separare, zezucchen diripere; b) ahd. zelîdan transire, zirennen liquare, liquefacere, zaslîfan delabi, zislîhhan desilire, zitrîpan diverberare, exagitare, ziwerfan disjicere, dispergere, zizimparon destruere, ziziohan distrahere; mhd. zerbinden auseinanderbinden, zerbiuten beute vertheilen, zergëben vertheilen, zergenzen zerstückeln, zerhüllen aufdecken, zerkriegen refl. in streit gerathen, zerspënden als spende vertheilen, zerstân vergehn, zerstrîchen mit ruthen zerpeitschen, zertragen auseinandertragen, zerstreuen, zertrîben auseinandertreiben, zerstreuen, zertuon ausbreiten, zerstreuen, zervüeren zerstreuen, zerreiszen, zerwerfen ausspreiten, zerstreuen, zerstören; 2) ent-, er-, ver- oder die trennbaren partikeln auf-, aus-, fort-, hin-, los- oder umschreibungen wie auseinander, entzwei u. a. treten für zer- ein, vgl. a) ahd. zalôsen dissolvere, zarspreitan disspergere, expandere, mhd. zersperren auf-, auseinandersperren, zertrennen auftrennen, zerzerren auseinander-, verzerren; b) ahd. ziplâhan inflare, zisâwan disseminare, mhd. zerblâsen auf-, auseinanderblasen, zerblîchen erbleichen, zerbreiten aus-, verbreiten, zerdenen ausdehnen, zerdræjen auf-, verdrehen, zergiezen aus-, auseinandergieszen, zerlëdigen erledigen, zerrecken aus-, verrecken, zerrîten auseinander-, fortreiten, zerrücken zerreiszen, verrücken, zerrüeren verrühren, zersenden aus-, versenden, zerspannen ausspannen, zervûlen verfaulen, zerwæjen auseinander-, verwehen, zerwüelen verwühlen; 3) das simplex übernimmt ganz oder zum theil die rolle des zer-compos. bei den intrans. zerbersten, zerbrechen, zerreiszen, den trans. zerbrechen (z. b. nhd. die ehe, treue brechen), bei zerschroten, zerspalten, zerstreuen, zertrennen. hier spielt der gebrauch der fachsprache, die wie bei dung streuen, gerste schroten, holz spalten ohne zer- auskommt, hinein, und, da diese mit umgangssprache und mda. zusammenhängt, so zeigt sich im grunde die sprache des volkes als urheberin des rückganges, [] den zer- in den beiden letzten gruppen erleidet. diese meidet im obd. die vorsilbe wegen ihrer lautschwäche (ze-, z-; s. ob.), im md. und nd. wegen ihrer lautgleichheit mit der präpos. zu und hat daher in diesen gebieten die zer-zss. nahezu getilgt. ganz geschwunden ist aus den gleichen gründen te- im nld. (ersatz ist ver-, stuk- und umschreibende wendungen) und engl. reichlicher kommen verbale zer-zss. noch in der Südschweiz als erbe aus ahd. zeit und in Ostmitteldeutschland, hier aus dem frühnhd. zur- geflossen, sowie merkwürdigerweise im Rheinland mit Luxemburg vor. so gut wie ausschlieszlich ist zer- vor ver- in Norddeutschland, im Elsasz und in Schwaben gewichen; ver- herscht im westmitteldeutschen, in Thüringen, im osterländ. und weiter östlich vor. zer- anstelle eines ver-, bes. in Schwaben, erklärt sich aus der reaction gegen die verdrängung (s. zu zernichten, zerrücken, partic. zerschieden); ebenso sind wol aufzufassen: zerbluten Hulsius-Rav. (1616) 428a; zerdunsten Abelius leibmedic. d. student. (1720) 209; zerfaulen; zergleichen Jac. Grimm Reinh. fuchs cii; zerheeren M. Behaim reimchron. 93; zerklemmen, -mengen, -mischen, -modern; zerschlagen (in: bis ein sturm mich zerschlüge und ich landete an dem orte, wo sie meiner harrt Klinger w. 4, 229); zerursachen J. v. Watt 2, 314; zerwunden H. Boner Justin. (1532) 5a (doch auch mnd. towunden Lübben-W. 415a); zerzeihen; zerzweifeln Solger nachgel. schr. 1, 422. ver- greift auch in der schriftsprache um sich; es heiszt jetzt verbeulen, -biegen, -brennen, -hudeln, -jagen, -scheuchen, -schieben, -sinken (zer- Lavater hdbibl. f. freunde 1, 45), lanzen verstechen u. a. v. Schönaich ästh. in ein. nusz 385 lit.-dkm. tadelt schweiz. zerzanken, -schelten; Heynatz antib. 2, 664 nennt zergänglich, -gehn, -jagen, -laufen, -legen, -schieden, -zerren, -zetteln obd. eigenbildungen. zer- und vergehn gebraucht Luther noch nebeneinander für 'ver-, untergehn'; heute bedeutet zergehn nur noch 'auseinandergehn'. doch scheidet auch neuere sprache noch beide vorsilben, vgl.: unsere zertreter wurden unsere vertreter Berlin. krakehler (1848) 30, 1; in früherer zeit: ein zerworfen, verworfen ... mensch Artomedes christl: ausleg. (1609) 1, 572. daneben tritt er-, woraus bair., ostfrk., schles., preusz. mundartl. der- erwächst, für zer- ein, vgl. zerschrote, 1475 erschrotte Luk. 12, 33 erste bib. 1, 266; mhd. zerlëdigen, -lëschen, -lœsen, älteres nhd. zerblühen (H. Fischer 6, 1126), -frieren (Paracelsus op. [1616] 2, 551 H.), landschaftlich zerwürgen tragen jetzt er-; vgl. sogar älteres zerziehen 1 d δ für er-. in Ostpreuszen ist zer- umgekehrt aus ter-, welches vortonig für der- < er- steht, eingetreten, z. b. sich zerkubern sich erholen (von er- < lat. recuperare). ent- ist nam. bei ausdrücken der bewegung wie zergleiten, -lassen, -laufen, -senden, aber auch bei zerzweien (A. a s. Clara merks Wien 107) sieger geworden. groszen abbruch haben schlieszlich die trennbaren vorsilben wie auf- in -lösen, -schneiden, -trennen oder fort- in -laufen u. a. gethan, und noch weit beträchtlicher ist der schaden, den die umschreibungen in stücke, klein (klein stoszen für zer-), auseinander usw. angerichtet haben. IIII. bestand und ausbau. gegenüber diesen verlusten erweist sich der nhd. besitzstand doch als recht ansehnlich, und vielfach lassen sich kräftige neue triebe erkennen. II@11) das simplex besitzt die vorstellung des trennens und sonderns; zer- tritt nur verstärkend hinzu, a) trans.: zerbrechen, -bröckeln, -brocken, -brosmen, -fasern, -gliedern, -grageln, -grätschen, -kauen, -kerben, -kiefen, -kleinen, -kleinern, -kleuben, -klüften, -kneten, -knetschen, -knicken, -knirschen, -knischen, -knisten, -knitschen, -kratzen, -krümeln, -lösen, -mahlen, -malmen, -manschen, -matschen, -metzeln, -metzgen, -merkeln, -milben, -mörden, -mörschen, -mörseln, -müllen, -mürben, -müschen, -pflücken, -pulvern, -quetschen, -quirlen, -rädern, -reiszen, -ritzen, -sägen, -scheiden, -scheiten, -scheitern, -scherben, -schleiszen, -schlitzen, -schmettern, -schneiden, -schnitzen, -schränzen, -schroten, -spalten, -spellen, -sperren, -spilden, -spleiszen, -splittern, -spreiszen, -sprengen, -stampfen, [] -stäuben, -stören, -streuen, -strobeln, -stückeln, -stücken, -stümmeln, -stürmen, -stufen, -theilen, -trennen, -trümmern, -viertheilen, -zausen, -zasern, -zeisen, -zerren, -zetteln, -ziehen, -zupfen; mit einbefaszt ist der begriff des zerkleinerns, zermalmens; b) intrans.: zerbersten, -brechen, -keinen, -klaffen, -klieben, -lechen, -lechzen, -morschen, -platzen, -schrinden, -spalten, -springen, -stieben; II@22) eine gewöhnliche thätigkeit oder ein vorgang erhält durch zer- den begriff des theilens, einschneidens, zerreiszens, zerhauens; hier stellen sich ausdrücke für gewerbliche und handwerkliche arbeit ein; ein theil der zss. betrifft die zerstörung der oberfläche von gegenständen, ein anderer die zertheilung ganzer körper; a) trans.: zerbeiszen, -beren, -beugen, -biegen, -blähen, -blasen, -bohren, -drängen, -drehen, -dreschen, -drücken, -eggen, -fällen, -fegen, -feilen, -fressen, -führen, -gängen, -gerben, -graben, -hacken, -hämmern, -hauen, -jäten, -klauben, -klemmen, -klopfen, -knautschen, -kneifen, -knittern, -knüffeln, -knüllen, -kochen, -krimmen, -legen, -nagen, -picken, -pochen, -prellen, -prügeln, -puffen, -quellen, -rammeln, -raufen, -reiben, -renken, -ringen, -rupfen, -rütteln, -rütten, -schaben, -scharren, -schieben, -schieszen, -schinden, -schlagen, -schleifen, -schleppen, -schleudern, -schmeiszen, -schmieden, -schmitzen, -schütteln, -schütten, -schüttern, -schwingen, -setzen, -sieden, -spannen, -spinnen, -stauchen, -stechen, -stoszen, -thun, -tragen, -trampeln, -trechen, -treiben, -treten, -walken, -wehen, -weichen, -werfen, -wirbeln, -wirken, -wühlen, -zwicken, -zwingen; b) intrans.: zerfahren, -fallen, -frieren, -gehn, -kochen, -laufen, -prallen, -schnellen, -weichen, -wittern; II@33) unterabtheilungen von 2 stellen die zss. dar, a) welche den begriff des ausbreitens, hinspreitens, ausdehnens oder aufblähens enthalten, α) trans.: zerblähen, -blasen (s. 2 a), -breiten, -dehnen, partic. -dunsen, -führen (s. 2 a), -lassen, -legen 2 c, -recken, -richten, -schwellen, -spannen, -spreiten, -strecken, -thun (s. 2 a); β) intrans.: zergleiten; b) welche den vorgang des schmelzens oder ausgieszens ausdrücken, α) trans.: zerflöszen, -gieszen, -lassen, -rennen 1, -saugen, -schmelzen, -schwemmen, -spülen; β) intrans.: zerflieszen, -rinnen, -schäumen, -schleichen, -schleifen 1b, -schwimmen, -triefen, -tropfen; c) welche besagen, dasz eine schar menschen oder thiere auseinandergejagt, zerstreut oder entlassen wird oder auseinanderläuft, α) trans.: zerdrängen, -fleugen, -jagen, -lassen, -scheuchen, -stöbern, -stören, -streuen, -theilen; β) intrans.: zerfliegen, -fliehen, -gehn, -laufen, -reiten, -rinnen, -stieben, -zittern; II@44) bedeutungsgeschichtlich verbundene gruppen sind entstanden a) für die geschlitzte kleidertracht des 14. bis 17. jahrh. s; von den in der mehrzahl nur in der participialform gebrauchten ausdrücken besitzt ein theil bereits im simplex die vorstellung des aufschlitzens; die meisten tragen tadelnden sinn an sich: zerfetzt, -flammt, -flattert, -hackt, -hadert, -hauen, -hudelt, -hunzen, -lappt, -lottert, -ludert, -lumpt, -schnitten, -zottelt; b) im schriftthum der mystik zum ausdruck der ekstase zerflieszen, zergieszen und zerstreuen 7 für die ablenkung von der inneren sammlung; die ausdrucksweise des pietismus übernimmt das erbe der mystik; c) zerstreut 'unaufmerksam' gewinnt seinen sondersinn im 18. jahrh., wol unter franz. einwirkung; d) die participien zerfahren, zerfallen, zerrissen zeugen von der geistesverfassung des jungen Deutschland; e) kraftvoller bibelstil führt die wendungen das herz oder einen menschen zerbrechen, zerknirschen, zerreiszen, zerschlagen dem sprachschatze zu und bereichert ihn auf vielen andern gebieten; II@55) von den mhd. verben zergenzen zerstören, zertheilen und zerhüllen aufdecken, erklären, in denen der begriff des simplex durch zer- ins gegentheil gewendet wird, kommt nur das erste in die nhd. periode hinein; II@66) entzweiung, zwiespalt, uneinigkeit bezeichnen in älterer sprache zerfallen, -hellen, -schlagen, -tragen, -werfen, gegenseitigen streit und zank die reciproken zss. sich zerhadern, -kriegen, -raufen, -rupfen, -schmähen, -zanken, -zerren; [] II@77) unübersehbar ist die masse der reflexiven zss., welche bedeuten, dasz man sich mit etwas übernimmt, überanstrengt, abmüht, kann doch in vulgärer redeweise nahezu jedes deutsche verbum eine solche zss. mit zer- eingehn; zum schriftlichen gebrauch zugelassen sind davon aber nur wenige; Stieler und Campe bringen mehr als die nachfolgende bearbeitung. Luthers volksthümlicher stil duldet manche bildung, die später wieder zurücktritt, vgl. bei Luther sich zerarbeiten, -fasten 6, 7a Jena, -freuen 34, 2, 539 W., -kämpfen, -katzbalgen 16, 180 W., -murren 32, 413 W., -plärren ebda, -studieren, -wundern 34, 2, 539 W.; Kramer teutsch-it. bietet u. a. sich zerbinden 1, 115c, -blättern (bisz man den spruch findet) 1, 121c, -feilschen 1, 354b, -flicken 1, 380a, -fressen 1, 413a, -greinen 2, 1444b, -klopfen 1, 801a, -saufen 1, 413a, -schieben (an einem rad) 2, 516a, -suchen 2, 1036c, -sudeln 2, 1038b; sonst seien noch angeführt: sich zereilen Steinbach 1, 325, -grimmen Rosegger schr. II 15, 349, -haben überaus geschäftig sein, sich zergrämen Schambach 229a, Frischbier 2, 491a, -heben J. G. Schmidt rockenphilos. 1, 331, -lustigen Schottel haubtspr. 654, -maulen lux. wb. 502b, -weinen 97, -rathen lalebuch 135; s. die artikel zerängsten, -ärgern, -balgen, -denken, -disputieren, -eifern, -glauben, -grämen, -grübeln, -härmen, -kämpfen, -lachen, -lügen, -schwitzen, -singen, -sinnen, -sorgen. dasz das subject nur durch die erschöpfung, welche das übermasz des thuns erzeugt, an dem geschehen antheil hat und dasz sich die handlung nicht unmittelbar auf das subject richtet, ergibt etwa das beispiel er zerblättert sich mit dem suchen des spruches; II@88) seltener erscheint die transitive construction a) mit der bedeutung übermäszigen thuns, welches eine person oder sache schädigt, entstellt, abnutzt oder starken qualen aussetzt, auch anhaltendes, lästiges thun ausdrückt, vgl.: zerarbeiten, -dichten, -foltern, -fragen (anhaltend fragen Hönig 207a, s. auch unt. zerpuffen 1), -herzen, -jagen, -kasteien (Luther 33, 574 W.), -ketzern, -klappern (Luther 38, 364 W.), -kreuzigen, -krümmen, -krüppeln, -küssen, -loben, -lügen, -malen, -martern, -peinigen, -placken, -plagen, -plappern (Luther 38, 364 W.), -quälen, -rackern, -rollen, -rühmen (übertrieben rühmen Seiler Basl. mda. 324b, -werken viel arbeiten ebda), -schänden, -schelten, -schreiben, -singen, -schwatzen, -speien, -spotten, -wüthen, wozu sich in dem sinne von durchhecheln, bös mitnehmen, kein gutes haar an einem lassen noch zerrupfen, -tragen, -zausen, -zupfen gesellen; b) in der zss. mit intrans. grundverben, die eine körperliche bewegung, eine geistige thätigkeit, reden oder singen ausdrücken und als object den eigenen körper (den kopf zerdenken, -rechnen, -sinnen, -sorgen, -fallen, die lippen zersprechen, den bauch zerlachen, die füsze zerlaufen, -springen, -tanzen, die schenkel zerreiten), die eigene kleidung (seine schuhe zerlaufen, -rennen, -springen, -tanzen, die hose zersitzen) oder die stelle, über welche die bewegung hin geschieht (den weg zerfahren, -laufen, den acker zerreiten), und geräthe haben (das sofa zersitzen, -liegen, den speer zerstechen, die waffe zerfechten, ein glas zersingen, -schreien); junge entwicklung gibt den zss. zersingen, -sagen, -spielen den fachbegriff- der formauflösung volksthümlicher überlieferung; c) in der zss. mit trans. verben zum ausdruck der beschädigung: zergreifen, -lesen, -melken, -waschen, -wetzen, -winden; d) günstiger sinn wie etwa bei der zss. zerwerken (s. a) ist im mnld. anzutreffen: ic sel ... u tesaden ende u tevoeden (ganz sättigen und speisen) quelle bei Verwijs-Verdam 8, 286; II@99) transitive bildungen entstehn in reicher fülle a) aus der verbindung von zer- mit grundverben, welche eine ton- oder lichterscheinung ausdrücken und nun durch zer- die bedeutung des vernichtens, zerstörens unter begleitung dieser erscheinungen gewinnen: zerdonnern, -klatschen, -klecken, -knallen, -schreien, -singen (s. ob. 8), -wettern; zerblitzen, -flammen, -flattern; einige zss. bleiben gewöhnlich intrans.: zerklirren, -knallen, -knellen, -platschen, -prasseln, -schellen; b) aus der zss. mit einem substantiv, wobei zer- α) den im substantiv liegenden begriff des theilens, trennens [] oder zerreiszens nur verstärkt, vgl.: zerackern, -brosmen, -fasern, -fetzen, -gliedern, -hadern, -hecheln, -inseln (in inseln auflösen Ritter erdk. 1, 778), -krallen, -krümeln, -lästern, -löchern, -messern (Fischart Garg. 385 ndr.), -narben, -pfriemen, -rotten, -runzeln, -säbeln, -scharten (H. v. Barth Kalkalp. 288), -schrammen, -stufen, -zasern, -zotteln, β) der zss. erst die bedeutung des zerbrechens, zertheilens, verderbens verleiht, vgl.: mhd. zerbiuten als beute vertheilen, -brüdern (brüder entzweien M. Claudius w. 8, 221), -federn, -fenstern, -fiedeln, -flammt (s. 4 a und 9 a), -fleischen, -geiszeln, -gläsern (glas zerschlagen Müller-Fr. 2, 699b), -hämmern, -kacheln (irdenes geschirr zerbrechen schweiz. id. 3, 120), -karbatschen, -keilen, -keulen, -knien (übers knie zerbrechen E. Wipf mda. v. Visperterminen 68; -schweinen beschmutzen ebda), -knöchen (alle knochen zersplittern W. Mylius drei hpsche mAerlein [1777] 582; Bürger hist. v. Europa u. Jupiter [1777] 7), -pauken, -peitschen, -riemen (zu riemen schneiden schweiz. id. 6, 912), -töppern (töpfe zerschlagen Albrecht Leipz. mda. 240a; brand.), -trommeln; vgl. noch sick topungeln sich durch schleppen von säcken (punge) müde machen brem. wb. 5, 76; γ) einige dieser compositen scheinen geradezu aus dem satze heraus zusammengewachsen zu sein, wie zerkrümeln aus zu krümeln machen, zerzasern aus zu zasern machen. diese entstehung gilt als wahrscheinlich bei zerscheitern und zertrümmern und läszt sich noch in ihrer bildung erkennen bei lothr. zerlichten zur leiche gehn (aus zer licht gehn) Follmann 556b; δ) eigenartiger sinn ist den zss. zerdieben-, -huren, -schelmen (s. unt. zerhuren) 'dieb ... schelten' eigen; II@1010) eine merkwürdige sonderbedeutung, die im nhd. abgekommen ist, hat zer- a) in mhd. zerflicken mit flicken besetzen, -næjen besticken, -rihten falsch zusammensetzen, -strîfen aus streifen von verschiedenem tuch zusammensetzen, -stücken aus verschiedenen stücken zusammensetzen, wobei zer- etwa nebeneinander, hier und da bedeutet; vgl. zerstreuen 5; b) der schroffe gegensatz von zerlegen 1 d entzweien und 2 a beilegen, von zertragen 1 b uneins machen und 1 c ausgleichen erklärt sich aus der art der objecte im zweiten falle, indem 'beilegen' aus 'spannungen auseinanderlegen' entstanden zu denken ist; c) die erstreckung nach einer richtung ergab sich für zer- bei den zss. zerfliegen, -flieszen, -gehn, -laufen, -rinnen, wenn sie von der zeit oder in der zeit ablaufenden vorgängen ausgesagt wurden; im nhd. wird ver- vorgezogen; d) mit ent- für älteres zer- in zerlassen, -laufen, -senden (heer, gesellschaft, boten) leistet die neuere sprache auf die bezeichnung der zwei oder mehr richtungen der bewegung verzicht; II@1111) neuerdings zeigt sich vereinzelt vorliebe für zer-, und neue sinnlich faszbare zss. werden gewagt, vgl. u. a.: zerbärmlicht A. Kerr ges. schr. 5, 84, -decken 3, 43, -fernen 5, 524, -nerven 5, 230, -platten 3, 304, -schwirren 4, 143, -seelen 2, 19, -wischen 3, 252; -wimmeln R. H. Bartsch bittersüsze liebesgesch. 23; -schweigen Werfel spiegelmensch 18; vgl.zerleben und zerschelten (A. Schopenhauer tageb. 1, 90); II@1212) zur formenbildung: a) einzige composita ihrer grundverben sind zerknirschen, -knitschen, -malmen, -manschen, -matschen, -scheitern, -schmettern, -trümmern; b) substantiva mit zer-: zerbruch, -fall, -gang, -risz; hierzu adjectivische ableitungen; aus participien sind gebildet: zerblasenheit, -brochenheit, -fahrenheit, -fallenheit, -flossenheit, -fressenheit, -rissenheit, -schlagenheit, -worfenheit, -zogenheit; c) ungewöhnlich steht -ge- im partic. perf.: din vederlike erve dat hestu snodeliken togebracht (verbracht) quelle bei Schiller-L. 4, 556a; mit zergedrückter stimme Jean Paul uns. loge (1793) 2, 171; d) zer- ist aus präpositionalem ze-, zu- umgebildet, ein zeichen des kampfes der beiden formen ze- und zer- der vorsilbe miteinander, in folgenden belegen: zererschte zuerst Jecht 127b; zergegen Martin-L. 1, 202. so wird auch wol mhd. zersamenen versammeln Lexer 3, 1080 nach zesamen zusammen gebildet sein. jedoch ist zer— [] berechtigt in zerletzt zuletzt: Müller-Fr. 2, 699b; Jecht 127b; Schambach 229b.
34863 Zeichen · 683 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ZËRuntrennbare part.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    ZËR- , ZË- untrennbare part. goth. dis , ahd. zar, zi , za, ze Gr. 2,723. 861. Ulfil. wb. 44. Graff 5,696. md. zurzu- . …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zer

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Zer- , eine alte untrennbare Vorsylbe, welche Verbis, und einigen davon abgeleiteten Wörtern vorgesetzet wird, eine Tren…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Zer (engl. auch zar und gez ), pers. Ellenmaß, soviel wie Göß (s. d.); Z. i Schah murabé zu 16 Tscherek murabé = 1,2544 …

  4. modern
    Dialekt
    zer

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    zer- Präfix: in echten Mundartwörtern, ebenso wie PfWB er- , meist durch ver- vertreten; Ausnahmen bes. in historischen …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zer

5.367 Bildungen · 2.411 Erstglied · 2.947 Zweitglied · 9 Ableitungen

zer‑ als Erstglied (30 von 2.411)

Zer(r)aug

Idiotikon

Zer(r)aug Band 1, Spalte 139 Zer(r)aug 1,139

Zer(r)band

Idiotikon

Zer(r)band Band 4, Spalte 1334 Zer(r)band 4,1334

Zer(r)fieber

Idiotikon

Zer(r)fieber Band 1, Spalte 637 Zer(r)fieber 1,637

Zer(r)huesteⁿ

Idiotikon

Zer(r)huesteⁿ Band 2, Spalte 1767 Zer(r)huesteⁿ 2,1767

Zer(r)hāggeⁿ

Idiotikon

Zer(r)hāggeⁿ Band 2, Spalte 1095 Zer(r)hāggeⁿ 2,1095

Zer(r)lämpeⁿ

Idiotikon

Zer(r)lämpeⁿ Band 3, Spalte 1277 Zer(r)lämpeⁿ 3,1277

Zer(r)äugler

Idiotikon

Zer(r)äugler Band 1, Spalte 141 Zer(r)äugler 1,141

zerfahren

SHW

zer-fahren Band 6, Spalte 785-786

zerfasern

SHW

zer-fasern Band 6, Spalte 785-786

zerlassen

SHW

zer-lassen Band 6, Spalte 787-788

zerlegen

SHW

zer-legen Band 6, Spalte 787-788

zerplatzen

SHW

zer-platzen Band 6, Spalte 787-788

zerraufen

SHW

zer-raufen Band 6, Spalte 787-788

zerreißen

SHW

zer-reißen Band 6, Spalte 787-788

zerrinnen

SHW

zer-rinnen Band 6, Spalte 787-788

zerrühren

SHW

zer-rühren Band 6, Spalte 789-790

zersetzen

SHW

zer-setzen Band 6, Spalte 789-790

zerspalten

SHW

zer-spalten Band 6, Spalte 789-790

zerstoßen

SHW

zer-stoßen Band 6, Spalte 789-790

zerstreuen

SHW

zer-streuen Band 6, Spalte 789-790

zertragen

SHW

zer-tragen Band 6, Spalte 789-790

zer als Zweitglied (30 von 2.947)

snīdmezzer

KöblerMhd

*snīdmezzer , st. M. nhd. „Schneidmesser“ Vw.: s. be- Hw.: s. snīdemezzer E.: s. snīden, mezzer (2) W.: s. nhd. Schneidemesser, Schneidmesse…

ätzer

BWB

-ätzer Band 1, Spalte 1,674

Blitzer

RDWB1

Blitzer m umg. "скворечник" разг. , радар, контроль скорости

Dummschwätzer

RDWB1

Dummschwätzer m болтун, пустобрёх (не имеет отношения к "глупый")

Ɉauchzer

Campe

Der Ɉauchzer , des — s , d. Mz . w. d. Ez. 1) Einer der jauchzet. 2) Х Der Ausruf juch als ein Zeichen und Ausbruch der höchsten und ausgela…

Klinkenputzer

RDWB1

Klinkenputzer m (kein Bezug zu "ручка" oder "чистить") проситель

Nestbeschmutzer

RDWB1

Nestbeschmutzer m изменник, предатель, выносить сор из избы (не имеет отношения к "гнезду") идиом. Heinrich Böll war als ~ verschrieben - Ге…

Panzer

RDWB1

Panzer m броня панцырь танк

Revoluzzer

RDWB1

Revoluzzer m abwertend (Lakune) профессиональный революционер

Schmarotzer

RDWB1

Schmarotzer m паразит бран. , тунеядец, иждивенец, нахлебник, дармоед груб. , захребетник разг.

Schnitzer

RDWB1

Schnitzer m j-m ist ein ~ unterlaufen idiom. - кто-л. совершил оплошность; кто-л. совершил ошибку

Schweizer

RDWB1

Schweizer m (nicht "швейцар") швейцарец, житель Швейцарии

Spritzer

RDWB1

Spritzer m брызги (толькомн.ч., чуть-чуть, самая малость, толика устар. , самая толика устар. , капля (какой-л. жидкости), капелька einen Sp…

Übersetzer

Campe

Der Übersetzer , — s, Mz . gl; die — inn. 1. Der \Uumlacute;bersetzer , einer der ǘbersetzt. 2. Der Übersétzer , einer der übersétzt, wo es …

Úmsetzer

Campe

Der Úmsetzer , — s, Mz . gl. einer der etwas umsetzt. S. Campe Umsetzen .

Úmwälzer

Campe

Der Úmwälzer , — s, Mz . gl. einer der etwas umwälzet, besonders der etwas Bestehendes, die Einrichtung eines Staates  ganz umkehret  »Ide…

Wälzer

RDWB1

Wälzer m ein dicker ~ - толстый томина, кирпич перен. , разг. , толстенный фолиант

Zweisitzer

RDWB1

Zweisitzer m (В зависимости от контекста) двухместный самолёт, двухместный грузовой автомобиль, двухместный диван

A(n)reizer

Idiotikon

A(n)reizer Band 6, Spalte 1925 A(n)reizer 6,1925

A(n)setzer

Idiotikon

A(n)setzer Band 7, Spalte 1659 A(n)setzer 7,1659

Aalhölzer

RhWBN

Aal-hölzer -htər Viersen Pl.: Balken im Dachwerk.

Abbletzer

BWB

Abbletzer Band 2, Spalte 2,1299

Abbutzer

ElsWB

PfWB Abbutzer S. O., Abbutze n Hattst. m. Verweis, Strafpredigt. E s het e A. ge gë ben ! Katzent. Du hes t e A. bekumme n Hattst.

Abchratzer

Idiotikon

Abchratzer Band 3, Spalte 931 Abchratzer 3,931

ABC-Stritzer

PfWB

abc·stritzer

ABC-Stritzer m. : ' Lernanfänger ', -stritzer [ LA-Ilbh ]; vgl. PfWB ABC-Schisser .

Abe(n)butzer

Idiotikon

Abe(n)butzer Band 4, Spalte 2019 Abe(n)butzer 4,2019

aberīzer

KöblerMhd

aberīzer , st. M. Vw.: s. aberīzære

abesetzer

Lexer

abe·setzer

abe-setzer stm. depositor; absetzer der spisz von dem bret, depositarius Dfg. 175 a .

Ableitungen von zer (9 von 9)

bezeren

KöblerMhd

bezeren , sw. V. nhd. verköstigen Q.: LexerHW (1429) E.: s. be, zeren W.: nhd. DW- L.: Lexer 20c (bezern), LexerN 3, 81 (bezern)

erzer

KöblerMhd

erzer , st. M. Vw.: s. erzære*

gezer

BMZ

gezer swv. das verstärkte zer. a. ûf sîn selbes verch gezern W. Wh. 365,20. b. transit. wær daʒ willeclîche getân, sô enmöht ein ganzeʒ her …

gezeren

KöblerMhd

gezeren , sw. V. nhd. einsetzen für, zehren Vw.: s. abe- Q.: BvH, Helbl, Wh (um 1210) E.: s. ge, zeren W.: nhd. (ält.) gezehren, sw. V., gez…

unzer

DWB

unzer , m. , dasselbe wie unzel ( s. d. ) ; mhd. unzer Lexer 2, 1993 ; mnd. unser wb. 5, 77 a ; u., ' die kleine wage, die man im sack trage…

vërzer

Lexer

vërzer stm. in altvërzer.

verzeren

KöblerMhd

verzeren , sw. V. nhd. verzehren, aufessen, fressen, zu sich nehmen, aufzehren, aufwenden, aufbrauchen, verbrauchen, vergeuden, aufnehmen, v…

zêre

Lexer

zêre pl. s. zaher.