zerlegen,
verb. ,
ahd. ze(r)leg(g)en,
mhd. ze(r)legen,
mnd. toleggen,
auseinander legen; 11)
im sinne von auflösen, ein zusammenhängendes ganzes in seine theile ohne besondere rücksicht auf deren organische gliederung trennen, a)
gegenständliches, α)
wie geräthschaften, gebäude u. a. in theile oder stücke auseinander nehmen oder (
seltener)
gewaltsam zerschlagen: die zerleiten daz werk (1362)
württ. geschichtsqu. 20, 811;
ein flosz: 1. kön. 5, 9
Zürch. bib. (1531); diesz pompenwerck ist in desz Agriculi buch ... zerlegt auffgerissen J. de Strada
künstl. abrisz (1618) 2, 12;
ein thürschlosz: Heppe
wohlred. jäg. 340
b;
spielzeug: Immermann 18, 110
B.; ein haus kann in steine und balken zerlegt werden Hegel
w. 13, 345;
aber: de van Lubeck ... dat schlott in der stadt mit liste genhamen und tholecht (
niedergelegt, abgebrochen) hadden Neocorus 1, 348;
β)
thierische körper durch zerschneiden: Diefenbach
n. gl. 135
b; Reyher
thes. p 2
vb; Stieler 1117; aber den wider soltu zulegen in stck
2. Mos. 29, 17; das wildprAeth in braten, zimmel, keulen und blAetter zu z. v. Fleming
vollk. jäg. 121;
kunstgerecht vorschneiden, tranchieren: als man den krannich trueg zu disch, der herr wolt in zerlegen frisch H. Sachs 22, 234
G.; 8, 309
K.; H. Laube
ges. schr. 8, 192;
früchte zertheilen: die melone ... z. Chph. v. Schmid
ges. schr. 8, 91;
secieren: wenn wir einen körper auf dem anatomischen wege z. Göthe II 6, 10
W.; Stieler 1117; Kramer
teutsch-it. 1, 925
c;
die glieder und gebeine von einander lösen: Hiob 5476
K.; so ruh auch eur gebein zerlegt im stillen grab! A. Gryphius
trauersp. 804
P.; Jean Paul
uns. loge 1, 43;
γ)
auf mechanischem, chemischem und physikalischem wege körper in stücke oder ihre bestandtheile auftheilen, analysieren: in kleine gewrfflete stck ... zerlegt oder zersetzt Thurneyszer
magna alchymia 18; Jung-Stilling
s. schr. 5, 112; sihe, das nenn ich doch würdig, fürwahr, sich im alter beschäftigen! er (
Göthe) zerlegt jetzt den strahl, den seine jugend einst warf H. v. Kleist 4, 11
Schm.; kohlensaurer kalk wird durch wässerige salzsäure zerlegt Just. Liebig
hdb. d. chemie 1, 51;
δ)
eine zahl in ihre factoren auftheilen, gleich zerfällen 2
b: Krünitz 241, 171; (
zahlen) in kleinere, aus denen sie wieder entstehen, bis auf ihre ersten einheiten z. A. G. Kästner
verm. schr. 2, 98;
irgend eine grösze theilen: die truppen in zwei gleiche massen ... z. Mommsen
röm. staatsrecht 1, 80;
br. d. n. litt. betr. 17, 83; b)
künstlerische schöpfungen oder abstracte gegenstände zertheilen, α)
analysieren: Frisch 1, 596
b; mein beruf ist zusammenzufügen, verbinden, ungleichartige theile in ein ganzes zu vereinigen, des
[] kritikers beruf ist, aufzulösen, trennen, das gleichartigste ganze in theile zu z. Göthe
gespr. 8, 264
B.; II 6, 8
W.; H. Brunn
kl. schr. 3, 287; Balzac, der scharf z-de kenner menschlicher schwächen und stärken Holtei
erz. schr. 36, 282; Ranke
s. w. 28, 475;
auslegen, explicare: das ich ... meinen pfarrkindern die sprch ... zurlegen, recht frschneiden, erkleren und auszlegen sol Mathesius
Sar. (1571)
vorr. 2
a; dichtung in ... prosa ... z. Göthe
gespr. 2, 61
B.; auch schweiz. üblich: schweiz. id. 3, 1194;
theilen, auftheilen: ein sogenanntes double oder gebrochenes, in kleinere noten zerlegtes stck J. Mattheson
generalbaszsch. 52; der einschnitt ... zerlegt ... den pentameter ... in unveränderliche haupttheile J. H. Vosz
zeitmessg 241;
refl.: Göthe 49, 430
W.; synonym ist zergliedern,
bei dem aber die organische einheit der theile bewahrt bleibt;
vgl. Weigand
wb. d. syn.2 3, 1157; c)
diese verwendung in b leitet sich aus a über die bedeutung jemand durchhecheln, derb ausschelten, gleichsam in stücke zerlegen, secieren her: kein mensch ward da zerlegt und hinterrücks beredet S. Dach 772
Ö.; Varnhagen
tageb. 1, 272;
schweiz., ansbach. (Schmeller-Fr. 1, 1458),
österr. (Unger-Kh. 648
b; Castelli
mda. in Österr. 270; Hügel 194
a)
noch im gebrauch; d)
entzweien, uneins machen: was soll man von eins ordens wegen ein ehstand trennen und zerlegen? Fischart
nachtrab 61
K.; auch bei ausgelassenem object scheinbar intrans. uneins werden, sich entzweien: ir ding ist nüt denn mit allen mentschen z. Zwingli im
schweiz. id. 3, 1194; kaiser und böpst zerleitend mit einanderen
ebda; 22)
in fester ordnung verlegen, vertheilen, ausbreiten, disponere; daher Aler 2, 2238 z.
geradezu durch ordnen
erläutert, a)
beilegen, schlichten, entscheiden, componere: sie begunden beidersit zurlegen finde unde frunde Herbort v. Fritzlar 5119; (15.
jahrh. Zürich)
weisth. 4, 301; H. Fischer;
schweiz. id. 3, 1194;
vielfach bei Frisius: 271
b; 326
a; 423
b; 823
a; etwas frndtlich und glcklich vertragen, verrichten und z. 610
b; 367
b; welche (
unruhe) ... nit one besondere muoi und arbeit mOegend zerlegt und abgeschafft werden L. Lavater
hist. (1564) A 3
b; er wuste alle verwickelungen zu z. Lohenstein
Arm. 2, 806
a; den krieg z. und verrichten Tschudi
chron. helv. 2, 112; b)
vertheilen: Rudolf v. Ems
weltchronik 8477; 258
E.; ir finger sich in Aest zerleyten (
spreizten) Wickram 7, 41
B.; digero umbhin und anhin oder hin und wider tragen, zertragen, z. Frisius 416
a; sie (
die austern) sind in drey schsseln zerlegt Gottsched
schaub. 4, 458; das kriegszvolck hin und hAer z. '
von einanderen teilen und absünderen' Maaler 515
c; die DAenen waren noch zerlegt an nAechsten orten v. Hohberg
habsb. Ottobert (1664) F 7
a; Stumpf
Schweizerchron. 725
b; 394
a; zerlegte, zerstreute bienen
displicatae apes Aler 2, 2238
b; c)
von bäumen und pflanzen die zweige, blätter oder wurzeln ausbreiten, '
auslegen': der myrtenbaum hat bletter ordenlich zerlegt Frisius 428
b; weynrAeben, die lang gerten hat one kurtzen stock, die sich weyt auszzeücht, als die so auf rAeblauben ligend, weyt zerlegte weynrAeben 164
b; 421
a; 416
a; zerleiter baum
ein baum, dessen äste abwärts in wagerechte richtung gedrückt und unter einander verschränkt wurden; bes. eichen und linden auf öffentlichen plätzen, unter denen gesellige zusammenkünfte und gerichtstage abgehalten wurden;
noch jetzt vorhanden schweiz. id. 3, 1194;
belege s. ebda; den gerösteten (
th. 8, 1284)
flachs und getreide zum trocknen spreiten: auf einen plan zerlegen mich (
die gerste) fein dnn, auf dasz soll treugen ich A. Tharäus
klage der gerste 53
b B.; sodann von breit auslegendem körperbau: d bräuknecht san zerlegti kerln
vierschrötige leute Hügel
Wien. dial. 194
a; d)
eine zahlung in posten auf termine vertheilen: H. Fischer; das gemeiner statt von sölichem guot 500 guldin
[] werden und sölichs zuo zimlichen zilen zerleit und gestellt werden sölle
doc. z. gesch. d. bürgermeist. Hans Waldmann 2, 136;
eine umlage umlegen: es was von des gelts (
der kosten), wie man das zerleiti (1407)
schweiz. id. 3, 1194. —
andere zss.: ab-, an-, auf-, aus-, be-, bei-, dar-, ein-, er-, nieder-, über-, um-, unter-, ver-, vor-, zu-. —