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wissenschaft

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wissenschaft f.

Bd. 30, Sp. 781
wissenschaft, f. , notitia, scientia, ist zwar spätmhd. vereinzelt bezeugt, bleibt aber noch im sechzehnten jahrhundert neben dem üblicheren wissenheit (s. d.) ein seltenes wort. keines der frühnhd. wörterbücher verzeichnet es (wohl das niederdeutsche witscap). erst mit beginn des 17. jhs. findet es aufnahme bei den lexikographen. früh übergehend in die objective bedeutung (s.B) wird wissenschaft im zeitalter der aufklärung bezeichnung einer gelehrten disciplin, älteres kunst verdrängend (s.C). die ursprüngliche bedeutung 'nachricht, kenntnis, kunde' tritt mit dem 18. jh. dieser neuen bedeutung gegenüber bereits zurück und hat sich heute aus der schriftsprache fast ganz verloren (s.A). AA. nachricht, kunde, kenntnis, wissen; notitia, cognitio, notio ein erkandnusz, wissenschafft H. Decimator thesaurus (1608) 848; wissenschaft umb ein ding haben sçavoir à parler de quelque chose, essere informato di a'cuna cosa Hulsius-Ravellus ditt. (1616) 417; scientia, notio, notitia, cognitio wissenheit, wissenschaft Schönsleder promptuarium (1618) pp 1a; scientia, notitia ein wissenschaft nomenclator (Hamburg 1634) 274; compertum et exploratum habere aliquid eines dinges gute wissenschafft tragen, gute kundschafft haben Corvinus fons latinit. (1646) 619; wissenschaft um etwas haben, bekommen Kramer dict. (1702) 1371b; wissenschaft um wege und stege haben haver notitia, pratica delle strade, esserne pratico ebda; Adelung bemerkt 5 (1786) 261, dasz wissenschaft als 'nachricht, kenntnis, persönliches wissen' veralte und wenig mehr vorkomme. die mundarten jedoch halten diese ursprüngliche bedeutung bis heute weithin fest: Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 610; Schambach 296a; Woeste westf. ma. 323; Müller-Fraureuth obersächs. wb. 2, 674; Jecht Mansfeld 125; Vilmar Kurhessen 456; Fischer schwäb. wb. 6, 900; Lexer Kärnt. 259; das elsäss. wb. jedoch bezeichnet wissenschaft als 'kenntnis' ausdrücklich als ausgestorben. A@11) nachricht, kunde. die ältesten belege entstammen rechtlichen dokumenten und zeigen abgeleitete sonderbedeutungen, darunter 'schriftlicher beweis', 'urkunde': (wer in die zunft der leineweber eintritt,) der sal deme hantwerke gebin zcu wyssenschaft (d. i. recognition) einen halben eimer gutis birs unde ein phunt wachs (1392) bei Michelsen rechtsdenkmale aus Thür. 273; noch dirkentnisse und wissenschaft der briffe (1397) cod. dipl. Sax. reg. II 7, 244; wil her (der fremde) ir (der bürgerschaft) mete-inwohner werdin, der sal wissinschaft brengin und sal burgin seczin, jhor und tag mit der stat czu leidin (1400) bei Böhlau nove constitutiones 21; und wer es sache, das ... die bfantbrive zu christen und juden odir wissenschaft auffweiset, die seine gnaden ... dorüber inne würden haben, dass soll mann als unsern herrn herczog ... auffrichten und weder keren (1443) lehnsurkunden Schles. 2, 149; des czu urkund und merer wissenschaft haben wir obgenannte fursten und herren desen brief lassen vorsegilt werden mit unsern anhangend ingesegiln (1449) lehnsurkunden Schles. 1, 404; vgl. auch: soe salmen hem (dem fortgereisten fremden) eene schriftelijcke wetenschap doen opde arrestacie toe vervolgen (um 1550) bei Telting de friesche stadrechten 266. dagegen: so wir dan dess wissenschafft entphiengen, wollen wir eur lieb mit nichte verhalten (1478) bei Steinhausen privatbr. des mittelalters 1, 90; sintemal ich zwar von den ... ungewöhnlichen digniteten ... gar und gantz kain wissenhafft (d. i. wissenschaft) gehabt Joh. Nas das antipap. eins und hundert 1 (1567) 80b; doch lässet der profosz ... dem schultheissen (zeugen) zustellen, sie umb ihre wissenschafft ... zu erfragen und abzuhören H. W. Kirchhof militaris disciplina (1602) 221; nach erlangter wissenschafft von diesem einfall v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 196; (dann) solle er demjenigen, deme das stuck geherig, wissenschaft thuen österr. weist. 4, 58; ist blosze wissenschaft ein sterbenswerth verbrechen? — wenn man verrätherei weisz, aber sie verschweigt ... Lohenstein Epicharis 92; haben doch die vätter allezeit das glück, dasz sie diejenige sind, welche von ihrer kinder verhalten keine wissenschaft bekommen Stranitzky ollapatr. 176 Wiener ndr.; (harte strafen) für jeden, der um irgend eine religionsentweihung wissenschaft trüge A. G. Meissner Alcibiades (1781) 3, 97; und sagen: wie? das merkte gott? von uns hätt der erhabne wissenschaft Herder 12, 237 S.; bergrath W. vom befinden des auf der jagd verwundeten herrn v. M. wissenschaft gebend Göthe III 12, 5 W.; s. Schiller 12, 80; 12, 435; 9, 316 G.; ich, ja. ein ich, das wissenschaft? von allen unsern heimlichkeiten hat H. v. Kleist 1, 232; und bald hat jene wissenschaft empfangen von dem, was längst das herz ihr prophezeit Geibel 2, 242; aus einer erlangten wissenschaft von dem anvertrauten gelde Gutzkow 2, 224. mehr im sinne von näherer kunde, kenntnis: und wie solt der herr unötige und unnütze ding verordenen, der allein aller derer ding rechte wissenschaft tregt, die nütz und nötig sein Er. Sarcerius hirtenbuch (1566) 168; ist doch unmüglich, dessen satten verstandt und wissenschaft daraus zu bekommen Xylander Polybius (1574) 3; wir ... wissen sollen, dass solche creaturen im firmament seind, die solche wissenheit tragen wie ein geist: was in der welt ist, dass auch im firmament wissenschafft bei ihnen sei Paracelsus opera (1616) 2, 78B H.; weilen man aber zu zeit derselben beschreibung die eigentliche wissenschaft nicht gehabt Frz. A. v. Brandis tirol. adler 2, 225; ein wandersmann ohne wissenschaft des weges bei Olearius persian. rosenthal (1696) 105b; wenn ich aus voller wissenschaft sage, dasz es wahr sei Wieland auswahl denkw. briefe 1, 43; zum verständnis muss ich später erlangte wissenschaft einlegen. es war einige tage nach der schlacht bei Bautzen ... H. Laube ges. schr. 1, 4; wer fühlte nicht den zug in sich, aus eigener wissenschaft das erzählte zu berichtigen Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 47. verbalverbindungen, die auszer den im voraufgehenden genannten (wissenschaft haben, tragen, erlangen, bekommen) begegnen; gern zur wissenschaft kommen, bringen: dessen mir täglich zur wissenschaft gekommenen thaten Lohenstein Arminius (1689) 2, 1323a; durch wöchentlich gedruckte blätgen zu jedermanns wissenschaft ... gebracht werden zeitungslex. (1703) )( 5a; was von der griechischen und römischen heiden gottesdienst und mythologie zur wissenschaft germanischer völker kam Ad. Müller verm. schr. 2, 51; und da er sein anerbieten ... zur wissenschaft des volkes bringen würde H. v. Kleist 3, 187. in anderer ordnung: dann ein richter kommt zur wissenschaffte der miszthate durch vermutung M. Beuther v. Carlstat praxis rerum criminal. (1565) 20; aber so haben die hexen ... offte bekant, dasz sie ... in eine ungläubliche vieler unerforschlicher dinge wissenschafft kommen sind J. Prätorius Blockesberg (1668) 92. als 'bedacht sein auf': ordnungen, darauf ... jeder gemeinsmann sich zu halten und nachzugleben in wissenschaft hab (1607) österr. weist. 4, 240, 38. vgl. weiter die formel: zu jedermanns wissenschaft bekannt gemacht österr. weist. 3, 228, 5; 577, 28; 6, 181, 22; 6, 185, 26 u. ö.; zu mänigliches wissenschaft und achthaltung publiciret acta publica 1, 16 Palm; 1, 229. neben mit (ohne) jemandes wissen steht mit (ohne) jemandes wissenschaft: mit des mannes wissentschaft adir ane sine wizzentschaft kulm. r. 3, 126; das ich solch erczt mit wissenschaft nemen mag A. Zycha böhmisches bergrecht 2, 453; dwilenn alle obgedachte clausell mit unser guder wittenschaft ergangen (1562) bei Schiller-Lübben 5, 753; ohne wissenschaft der stände acta publica 6, 169; im beisein des gedachten obercommendanten ... und mit dessen wissenschaft v. Chemnitz schwed. krieg (1648) 68; mit wissenschaft und unter schutz der hohen herrschaften Leibniz dtsche schr. 2, 466; wenn der squire sich dieser that vermessen hat auf eigene gefahr und ohne deine wissenschaft gehandelt Schiller 12, 578 G. wider wissenschaft ist wohl älter als wider wissen: wand her in zû gezûge brâchte wider recht unde wider sîne wizzenschaft Sachsenspiegel 52 Hildebrand. A@22) wissenschaft als persönlicher besitz. A@2@aa) vorangestellt seien die belege, in denen wissenschaft durch gegenüberstellung mit anderen seelischen begriffen schärfer umrissen wird: zum ersten von gott, das ist wenn ich glaub, das war sei, was man von gott sagt, gleich als wenn ich glaub, das war sei, was man vom Turcken, teuffel, hell sagt. disser glaub ist mehr ein wisszenschaft odder merckung, denn ein glaub Luther 10, 2, 389 W.; der glaub ist ... nicht allein ein erkenntnisz und wissenschaft, sondern auch ein assensus, zufall des willen Luther tischreden 1, 614 W.; die rechte begreiffung und wahre erkantnusz eines dinges ist eine wissenschaft, die falsche ein irrthumb ... Comenius janua (1643) 125; dein glaube ist nur eine historische wissenschaft von gott Jac. Böhme s. schr. 3, 246 Sch.; vgl. 2, 228; so ist nun der glaube nicht eine historische wissenschaft J. Böhme von der menschwerdung Christi (1682) 172; es ist aber ein unterschied zwischen den glauben credere, welches eine handlung des gemüths ist; da ich eine sache lese, höre oder sonst erfahre, die ich nicht sehe, das ist wissenschaft Zinzendorf sonderbare gespräche (1739) 16; jene durch kritik der vernunft selbst alleinmögliche erkenntnisz seiner unwissenheit ist also wissenschaft, diese ist nichts als wahrnehmung, von der man nicht sagen kann, wie weit der schlusz aus selbiger reichen möge Kant 3, 495 ak.; dagegen: wenn du nun blosz dabei stehen bleiben wilst, was in deinen betrachtungen und äuszerlichen wissenschaft vorgehet und wilst deine innerliche beschaffenheit blosz darnach beurtheilen, forschest aber nicht die bewegungen deines gemüthes und willens ... Chr. Fr. Richter ursprung und adel der seele (1739) 100. A@2@bb) wissenschaft als das auf einem bestimmten gebiete erworbene wissen: zum siebenden haben die teuffel auch grosse wissenschafft der prophetischen und apostolischen schrifften theatr. diab. (1569) 97a; nun ist aber am tag und bedarff keiner beweisungen, das dem menschen ... nichts anmütiger ist dann vieler dingen wissenschafft zu bekommen Xylander Polybius (1574) )( 2b; dazu dann erfordert würd studium historicum et chronologicum, ein wissenschafft der historien und zeitrechnung H. Röslin hist. discurs (1609) a 4a; zum dritten ist auch hoch von nöten, dasz ein paterfamilias der historien ein gute wissenschafft trage Binhardus thüring. chron. (1613) b 4b; aller sprachen wissenschafft Weckherlin ged. 2, 262 F.; wissenschafft viler zungen 1, 438; es ist den medicis zu nutz geschrieben, welche solcher dingen wissenschafft haben solten umb vieler ursach willen Paracelsus opera (1616) 1, 355C H.; die von dem wahren lebendigen gott keine rechte, gewisse und gründliche wissenschafft haben Dannhawer catechismusmilch (1657) 1, 73; was ist schöners als eine theologische wissenschaft? Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 81; dasz ein ausbündiger componist keine wissenschaft haben solte um den grund und gebrauch der tertien, quinten und octaven Schottel haubtspr. (1682) 1, 27; was darffs dann vielen nachgrüblens, ob solche präadamiten gewesen sein oder nicht? sintemalen sie oder die wissenschaft von ihnen uns auff dem weg unsers Heilands Christi weder fürdern noch hindern können Grimmelshausen 2, 388 K.; Daniel (hat) der chaldeischen künsten wissenschaft gehabt Moscherosch cura parentum 37 ndr.; des herrn D. J. ungemeine wissenschaft in antiquitatibus ecclesiasticis Leibniz dtsche schr. 2, 383; gute und ... gründliche wissenschafft ... von der fortification und artillerie H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 416; der aber selbst (Tieck) zur zeit der herausgegebenen minnelieder noch keine gründliche historische wiszenschaft davon gehabt hat Jacob Grimm br. an Benecke 4; ich ehre seine talente, seine mathematische wissenschaft, seine schreibart, seinen witz G. Forster s. schr. 7, 150; vor dem altar wurden wir ... geprüft in unserer wissenschaft vom christentume H. Laube 1, 32. A@2@cc) wissenschaft als persönliches wissen ohne inhaltliche bestimmung: in diesem helm aber seyndt klaine löcher oder fensterlein, dardurch wirdt die wissenschafft und lange erfahrenheit des teufels verstanden Äg. Albertinus Lucifers königreich 15 L.; habe ich von jugend auf zu der reuterei lust gehabt, und dadurch wieder einbringen wollen, was mir die göttliche providenz am lesen und schreiben und daher rührenden wissenschaft entzogen M. Böhme roszartznei (1618) vorr. 3b; wissenschaft und unwissenheit Lehman floril. polit. (1662) 2, 915, als capitelüberschrift, wofür man im voraufgehenden jh. wissenheit und unwissenheit gesagt haben würde; dasz sie nemlich bei ihren wichtigen geschäfften eines müssigen menschens wissenschaft behalten kan Opitz teutsche poemata 224 ndr.; (das eingeständnis) ist besser als wan sie (die jugend) sich grosser wissenschaft annehmen wolte Moscherosch cura parentum 84 ndr.; alle der menschen wissenschafft kompt durch die fünff sinn; ... wie nun die sinne, also auch die wissenschafft Lehman floril. polit. (1662) 2, 915; diese beiden fragen zu erörtern befindet sich meine wissenschaft zu klein, meine kündigkeit zu schlecht Ph. Zesen Assenat (1670) 37; derselbe besasz neben ungemeinen naturgaben auch sehr viel wissenschaft Zinzendorf der teutsche Socrates (1732) 99; nach der erfindung wird hauptsächlich der ausdruck, das ist, das lebendige, geistreiche der darstellung in betracht gezogen, alsdann erst die zeichnung und die anordnung, weil dieses dinge sind, die schon mehr von der wissenschaft als vom talente abhangen Göthe I 48, 10 W.; ebenso vom erworbenen können im gegensatz zur angeborenen gabe: ausübung der kunst nach wissenschaft (vom dilettanten gesagt) I 47, 324 W.; durch eine reiche ader von witz und eine fülle von wissenschaft wuszte (er) seinen umgang zu beseelen Schiller 6, 105 G.; es war der raum, in dem ich als kind den gröszten teil meiner wissenschaft und meiner träume empfangen hatte E. Wiechert wälder und menschen (1936) 15. als bewusztdurchdachtes wissen: Aeschylus (hat) die tragische dichtkunst nicht studiert, sondern sich durch einen gewaltigen und gleichsam unwillkürlichen trieb seines genies damit abgegeben und dem ohngeachtet würde er sie allerdings auch andere haben lehren können, wenn er wenigstens nachher darüber nachgedacht und seine natürliche fähigkeit in wissenschaft verwandelt hätte Lessing 8, 317 M. mit besonderem sinngehalt: dort wird jetzt deine unschuld glänzen vom licht verklärter wissenschaft (auf Mariane) Haller ged. (1748) 173; du wirst mir meinen glauben nicht erschüttern, der auf die tiefste wissenschaft sich baut Schiller 12, 247 G. sprichwörtliches, das von der ursprünglichen bedeutung her verstanden werden musz: mühe ist der wissenschaft mutter P. Winckler gute gedanken (1685) f 8b; die wissenschaft, so aller ehren werth ist, liegt nicht in einem weichen bette der wohlgeplagte priester (1695) 26; viel wissenschaft, wenig gewissen Kramer dict. 2 (1702) 1371b, vgl. weiter Wander sprichw. 5, 316. die verbindung kunst und wissenschaft (s. u.C 1 c) verwendet ältere sprache auch vom persönlichen wissen: so die halb geleert sind, mässen si inen zuo bereit alle weissheit, kunst und wüssenschafft Stumpf Schweizerchron. (1606) 12b; darumb erhebe dich nicht wegen vieler kunst und groszer wissenschaft Joh. Arnd Thomas a Kempis nachf. Christi (1631) 4; oder viel mehr bin ich gleich einem schüler, welchem seine gantze kunst und wissenschafft (in der vorlage nur knowledge) zu nichts anders dienet, als dasz sie ihm zu erkennen gibt, wie er noch gantz und gar nichts wisse Opitz Arcadia (1638) 281; der nichts von seiner kunst und wissenschafft vergessen Treuer Dädalus (1675) 67. dafür verwendet sie auch den plural wissenschaften, der sonst für die bezeichnung der wissensdisciplinen typisch ist (s.C 2): wie weit seine wissenschafften und gaben des gemüht die eusserliche gestalt des leibs übertreffen thaten Grimmelshausen 2, 438 Keller; was aber die höheren und einig in dem verstande bestehenden wissenschafften betrifft, scheinet es fast nicht vernunfftmässig, dasz ein geist, welcher sich durch langen fleisz vollkommen gemacht und einen grossen schatz vieler wissenschafften beigeleget, alles auf einmal sterbend verlieren und die seele eines hohen naturkündigers von allen wissenschaften so entblösset sein sollte als die seele eines schornsteinfegers Chr. v. Ryssel von dem seelenfrieden (1685) 256; es malet derselbe ihre vortreffliche gemüths- und leibesgaben, den groszen verstand, die vielen wissenschaften, das unbefleckte leben und andere grosze tugenden mit lebendigen farben ab Leibniz dtsche schr. 2, 416; so weisz ich doch gar zu wohl, dasz mir noch allzuviel an conduite und wissenschaften mangelt, welches ich aber mit der zeit durch einigen fleisz und den umgang mit geschickten leuten zu verbessern trachten werde Schnabel insel Felsenburg 13; sie war im besitz all seiner bescheidenen kenntnisse und wissenschaften Holtei erz. schr. 6, 99; (er) tat in immer neuen wendungen dar, dass Cornelius Friebott am diamantengeschäft beteiligt sei und seine geheimen wissenschaften haben müsse Hans Grimm volk ohne raum 2, 189. A@2@dd) in bestimmten zusammenhängen verliert wissenschaft den nebensinn des erworbenen wissens und wird ausdruck einer geistigen fähigkeit oder eigenschaft oder nähert sich ihm doch. A@2@d@aα) als 'klugheit, einsicht, verstand'. die annäherung ist daraus ersichtlich, dasz es häufig neben die eigentlichen begriffe dieses inhaltes tritt; vgl. intelletto, intelligenza, intendimento verstandt, wissenschaft Hulsius (1618) 2, 120b: die ankunft des weltlichen regiments, oberkeit und adels ... ist gottesfurcht, wiszenschafft und verstand, redlichkeit und tugenhaffte gemüter Kirchhof wendunmuth 2, 269 lit. ver.; mein sohn hatt, gottlob, verstandt undt wiszenschafft (1718) El.-Charlotte v. Orleans br. 337 H.; (ihr kritiker) erforschet ja wohl, wie weit euer verstandt, euer geschmack und eure wissenschaft reichen Bodmer sammlg. krit. schr. 1, 53; er hat verstand, geschmack und wissenschaft Wieland Agathon 1, 144; wenn aber nur die werkzeuge des denkens ungekränkt bleiben, so wird der geist immer stärker an erfahrung, einsicht, wissenschaft, weisheit Reimarus wahrheiten d. natürl. religion (1766) 551; sie (Julie) nahm ... zu an wissenschaft und einsicht Göthe I 24, 131 W. als 'gabe der erkenntnis': sondern er (gott) figurirte den leib des königs Lucifer aus dem kern des besten zusammen, darin die allerbeste wissenschaft war Jac. Böhme s. w. 2, 153 Sch.; vgl. der baum der wissenschaft des guten und bösen (lignum scientiae boni et mali) Hartmann volksschauspiele 400, wofür auch baum der wissenheit, des wissens, der kunst, der erkenntnis steht. durch wissen erworbene einsicht und besonnenheit: du narr, sagte ich damahls zu mir selbst, wann du keine vernunft hast wie ein verständiger mensch haben soll und wann dirs an weisheit und wissenschaft mangelt, so lerne doch hier an diesen stummen gewächsen, wie dich gott wiederumb zu segnen beschlossen Grimmelshausen 4, 517 K. vom allwaltenden und allgegenwärtigen wissen gottes: wie die sichtbare welt ein ausflusz und gegenwurf göttlicher wissenschaft sei Jac. Böhme s. schr. 5, 701 Sch.; denn wunderwerke erfordern blosz gottes macht und erkäntnis eines dinges: hingegen natürliche begebenheiten erfordern gottes wissenschaft, dadurch er ein jedes mit allem in der welt verknüpfet, seine weisheit und auch seine macht Chr. Wolff vernünftige gedanken von gott (1720) 565. dann gern mit anderen eigenschaften zur formel verbunden: es pfleget eine nacht der andern seine macht und wissenschaft zu sagen Königsberger dichterkreis 120 ndr.; seine (gottes) wissenschaft und güte unendlich ist Fr. v. Spee tugendbuch (1649) 57. A@2@d@bβ) als 'bildung'. die wörterbücher lassen den versuch erkennen, diesen neuen begriff mit wissenschaft zu gewinnen: ein mann von groszer und vielfältiger wissenschaft un huomo di gran sapere, huomo saputo, un saputone; huomo scientiato, scientioso, pieno di scienza e di sapienza, uno che ha belle conoscenze, penetrationi, bei lumi, grand' eruditione Kramer dict. 2 (1702) 1371c; ein mann von grosser wissenschaft un huomo di gran sapere, un huomo scienzioso, un homme d'un grand savoir, d'une grande erudition Rädlein 1, 1067b; sein edles herz, seine wissenschaft und seine freundschaft für dich ersetzen bei mir den mangel der ahnen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 21; geehrt durch meine wissenschaften, meinen rang Göthe 11, 50 W. (Clavigo I 1); ihr steht zu niedrig in allem, was geistige bildung, was wissen angeht ... mit dem biszchen lasterhaftigkeit ist es nicht getan, verbindet sich diese nicht mit wissenschaft und klassischem geschmack, ... Holtei erz. schr. 3, 61; der feinste, beinah spitzfindige kenner des menschlichen herzens, aber menschenfreundlich, vol wissenschaft und wiz, das mag genug sein Caroline 1, 313 W. in den formelhaften verbindungen von intellektualworten mit ethischen begriffen, die charakter und bildung fassen und den ganzen menschen kennzeichnen sollen (vgl. die häufigen klugheit und tugend, tugend und verstand, tugend und witz, tugend und gelehrtes wissen) fehlt auch wissenschaft nicht: wer kennt die andern nicht? sie sind so leicht zu zählen; doch wann einst zugedrückt die wehrten augen fehlen wer ist es, auf den man dann den grund des staates legt? der wissenschaft im sinn, im herzen tugend trägt? Haller gedichte (1748) 102; in dem das geblüte nur den leib, tugend und wissenschaft aber den ganzen menschen edel macht Lohenstein Arminius (1689) 1, c 1b; dasz er in das feine gold guter sitten und wissenschaften versetzet werde ebda 1, c 1a. A@2@ee) wissenschaft als fertigkeit, d. h. anwendbares oder angewandtes wissen, dann auch ein vermögen überhaupt; vgl. alle dinge haben ihre wissenschaft, zu allen dingen gehört eine wissenschaft Ludwig teutschengl. lex. (1716) 2508. gern bei nachfolgendem infinitiv, wie auch wissen mit nachfolgendem infinitiv gerade diese bedeutung zeigt: wissenschaft etwas zu führen, zu bearbeiten, mit umzugehen maniement Frisch nouv. dict. (1730) 675; er hat rechte wissenschaft es zu thun, er weisz die vortheile dazu he got the way, knack or skill to do it; ... he is very well practised, very much skilled or very skillfull in it Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 2508; als nun seine löbliche achthabung ihm dieses alles gute wissenschaft zu weg gebracht hatte, ... entweder den feind anzugreifen oder sich selber ... zuwehren Opitz Arcadia (1638) 654; die geschickliche wissenschaft recht haus zu halten Hohberg georgica curiosa (1682) 1, vorr. a 2; die wissenschaft, ein werk ... wohl ... einzutheilen, wäre ... der weg zur glückseligkeit Lohenstein Arminius (1689) 2, 1071b; der erste mensch, der die wissenschaft leinen zu machen und die hand mit ringen zu ziehren eingeführet hat, ist gewesen Schimschid persian. rosenthal 109a; (dasz er) nur seine eigene wissenschaft zu leben damit zeigen (will) J. Moore gesellschaftl. leben (1779) 47; diese ihre christliche aufführung ..., nebst vollkommener wissenschaft einer haushaltung vorzustehen (leichensermon für Händels mutter) bei Chrysander G. Fr. Händel 1, 7; und sonst: wo er kein wissenschafft des destillierens ... hat Sebiz feldbau (1579) 398; die breche (eine arbeit im weinbau) soll mit ziemlicher vorsichtigkeit und groszer wissenschaft geschehen Hohberg georg. cur. 3 (1715) 267a; ihm (dem freund) werde nichts verheelt: er weisz die kunst zu schweigen. o schwere wissenschaft, wie vielen bist du eigen? Hagedorn poet. w. (1757) 1, 79; damit zog er seinen degen und stellte sich in die positur des parirens, denn das war die einzige wissenschaft, die er verstand J. Chr. Bode Thomas Jones 6, 136; die edle wissenschaft, die edle kunst des feldbaues Göthe 24, 209 W.; dagegen von kunst deutlich geschieden: 'in meinen gegenden sagt der gemeine mann, wenn man ihm etwa eine solche aufgabe vorlegt wie Columbus mit seinem ei: das ist keine kunst, es ist nur eine wissenschaft d. i. wenn man es weisz, so kann man es, und eben dieses sagt er von allen vorgeblichen künsten des taschenspielers; die des seiltänzers wird er garnicht in abrede sein kunst zu nennen' Kant w. 7 (1839) 164 anm. der gebrauch reicht bis in die gegenwart: ihre wissenschaft der urbarmachung sumpfiger landschaften verschaffte ihnen (den Cisterciensern) eingang in den früheren Wendenlanden Ranke s. w. 25, 13; er (Casimir von der Pfalz) führt den krieg weder mit der hingebung, die eine religiöse sache erfordert ... noch mit dem nachdruck oder der wissenschaft, die man ihm entgegensetzt 38, 75; wer hat euch die wunde verbunden? — die schwester hat darin gute wissenschaft G. Freytag ges. w. 12, 53; mundartlich ist die bedeutung noch ausgeprägter, so als 'geschicklichkeit und fertigkeit bes. in technischen dingen' bei Müller-Fraureuth 2, 674. BB. wissenschaft als objectives wissen, wissenszweig. die grenze zu wissenschaft als gelehrter disziplin (s.C) ist naturgemäsz schwer zu ziehen, die letztgenannte gruppe nähert sich bereits dieser bedeutung: darinn verfasset: ... auch wissenschafft von so viel grossen herren und unzalbar viel fürtrefflichen und gelehrten männern in allen professionen D. Federman Niderlands beschreibung (1580) vorr.; darauff ich dir zur antwert geben, dasz diese wissenschafft (der zeit des weltunterganges) verborgen und versiegelt sei und bleibe bisz auff die letzte zeit D. Schaller theolog. heroldt (1604) 141; so diese wissenschafft unter den sternkundigern gemeine wehre, so dürffte man nicht so viel rechnens und abmessens mit den planeten und anderen sternen A. v. Franckenberg oculus sidereus (1644) c 1a; die augen ... seind fenster und instrument ... allerhandt weiszheiten ... und wissenschafften zu vergreiffen Äg. Albertinus hirnschleiffer (1664) 50; solche wissenschafft (dasz die geburtsstunde das leben bestimmt) kömt den meisten leuten ... unglaublich für Butschky Pathmos (1677) 14; so hätte man von allen ländern eine richtige wissenschafft zu hoffen S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) vorr. 5; bald darnach herrschte ... Oeagrus ..., welcher die weiszheit und wissenschaft von gott aus Egypten nach Grichenland geholet ... hat 2, 29b; übertragen, wohl in anlehnung an den mundartlichen gebrauch: obwohl ..., wohl erfahren in der wissenschaft des leidens, fanden sie doch ihre lust darin, andere gequält zu sehen P. Dörfler Peter Farde (1929) 273. als nachricht, kunde, einzelerkenntnis zu den unter A 1 aufgeführten belegen gehörend: sagt woher habt ihr (hexen) diese wunderbare wissenschaft (this strange intelligence) H. L. Wagner theaterstücke (1799) 16 (Macbeth I 5); so auch bei Schiller 13, 15 G.; von wannen kommt dir diese wissenschaft? Schiller 13, 215 G.; ich hatte gesehen, dasz ein loch darinn war und wollte diese wissenschaft gern vor ihm verbergen Bettine die Günderode 2, 39; aber wie ich meiner nachwelt die wissenschaft nicht unterschlagen darf Immermann 2, 170 Boxb.; da er nun so deutlich und bestimmt um das wuszte, was er gestern gesehen: diese wissenschaft war ihm wie vom himmel gefallen G. Keller 4, 105. als lebenserfahrung, weisheit: in denen (den sprichwörtern) gleichsam der kern, nicht allein teutscher, sondern aller himmlischen und irdischen philosophia und wissenschafft begriffen ist Zinkgref apophthegmata (1639) vorr. 8; als menschliches wissen an sich, ohne inhaltliche bestimmung: wo ist nun die natur, wo seindt die grossen sinnen, mit derer hochheit ihr zuvor erschöpffen künnen den grundt der wissenschafft M. Opitz teutsche poemata 54 ndr.; vermöge gottes wortes als des grundes aller wissenschaft und geschichte Gueintz rechtschreib. (1666) 2. als wissenszweig, studienfach: diese gesprächspiel in allerlei wissenschaften einlauffen Harsdörffer gesprächsp. (1641) 1, b 1a; der jetzige könig von Frankreich ist durch allerhand chartenspiel in unterschiedenen wissenschaften informirt worden B. Schupp schr. (1663) 84, unmittelbar voraufgehend: in andern ihm nützlichen künsten durch allerhand schöne compendia informieret; dasz er nicht auch alle freie künste und verschiedene sprachen sonderlich die einem fürsten wolanständige wissenschaften mit aller darzu gehörigen sittsamkeit erlernet hätte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 86; in allen wissenschaften erfahren sein esser perito, versato in tutte le scienze ò in ogni scibili Kramer dict. 2 (1702) 1371b; (sie) haben ihre kinder in den besten wissenschaften unterrichtet Leibniz dtsche schr. 2, 340; in einem brief an frau Gottsched über die erziehung eines jungen frauenzimmers teilt madame Runckel die unterrichtfächer ein in unentbehrliche wissenschaften (religion, allgemeine sittenlehre, recht- und schönschreiben, briefstil, erdbeschreibung, heraldik, rechenkunst, tanzen, vernunftlehre) und nützliche und angenehme wissenschaften (musik, zeichnen, poesie, mythologie, weltbetrachtung, naturlehre): wissenschaften sind wissenszweige und fertigkeiten, s. briefe der frau Gottsched 3 (1772) 67. CC. wissenschaft als disciplin. literarisch ist wissenschaft in diesem sinne bereits im 16. jh. bezeugt (s. 1 b), seit beginn des 17. jhs. begegnet es auch in den umschreibungen einzelner artes liberales (s. 1 a). der allgemeine gebrauch setzt erst in der aufklärungszeit ein. jedoch umfaszt wissenschaft auch da nicht ausschlieszlich gelehrte forschung oder ein systematisch geordnetes wissen, sondern jeglichen wissenszweig samt der praktischnützlichen anwendung. als bezeichnung der wissensdisciplinen traf wissenschaft auf das ältere kunst. weniger üblich waren die gleichfalls älteren rede, studia oder auch das stammverwandte wissenheit, das sich fast ganz auf die subjective verwendung beschränkt. der werdegang von wissenschaft ist zunächst eine auseinandersetzung mit kunst (s. auch die belege unter kunst teil 5, 2673). C@11) das verhältnis von wissenschaft zu kunst. bis weit in das 18. jh. hinein überdecken sich beide begriffe. kunst ist ein altes wort des wissens, und wissenschaft umfaszt jede geistige tätigkeit, unter anderem auch dichtung und musik (s.b), und selbst nichtgeistiges können. darum handelt es sich in kunst und wissenschaft (s.c) ursprünglich durchaus nicht um zwei seiten des geistigen lebens, sondern um einen gesamtbegriff von groszer spannweite. nach und nach erst schränken sich beide worte auf das geistige gebiet ein, differenzieren sich aber gleichzeitig so sehr, dasz wir heute für die theoretische seite der kunst feste terminologische bezeichnungen wie kunstwissenschaft, musikwissenschaft bilden können. C@1@aa) die verwendung beider begriffe bei den lexikographen. die frühnhd. vocabularien geben die bezeichnungen der sieben artes liberales (und auch der logica, mathematica, metaphysica, philosophia, phisica, theologia) fast ausschlieszlich mit kunst wieder, nie erscheint das wort wissenschaft (s. o.). im folgenden 16. jh. setzen die lexikographen mehr und mehr worte des wissens und verstehens hinzu, als ob kunst allein dem fremdsprachlichen ausdruck nicht mehr entspreche. aber auch unter diesen zusätzlichen umschreibungen erscheint wissenschaft nicht; wohl vereinzeltes wissenheit: theologia ein redung von der gottheit Dasypodius dict. (1536) 211b; magia wissenheit oder weiszheit der natürlichen ding, jurisprudentia wissenheit der rechten ebda. 459b; geometrica scientia die kunstund das wüssen das ärdtrich auszzemässen Frisius dict. (1556) 602; physic wissen und kunst oder verstand der natürlichen dingen Roth ein teutscher dict. (1571) m 7a; theologei kunst und wissen, lehr, auslegung, erklerung göttlicher sachen, heilige geschrift q 2b; theologia die kunst und wissenheit göttlicher händel und der heiligen geschrift Golius onomasticon (1579) 155; jurisprudentia kunst und verstand der rechten und gesatzen ebda 155; theologia verstand in gottes wort Emmelius nomenclator (1592) 165; jurisprudentia verstand in rechten und gesetzen 165; astronomia kunst oder wissenheit des himmelslaufs oder des gestirns 166. erst im folgenden jh. taucht wissenschaft in den wörterbüchern überhaupt auf, und zwar zuerst bei Joh. Orsäus, einem Niederdeutschen, in seinem nomenclator methodicus (1623): metaphysica die allgemeine wissenschafft 1; metaphysica, scientia entium die allgemeine wissenschafft der dinge, die da sind 10; facultates die hohen faculteten: theologia die göttliche lehr, jurisprudentia die wissenschafft der rechte, medicina die artzeniekunst, philosophia die wissenschafft der freien künste 106; im übrigen aber hält Orsäus an der alten bezeichnung fest, die 'artes liberales' sind künste: physica die naturkunst, ethica die tugendkunst 1; gegen ende des jahrhunderts verzeichnet Stieler stammb. (1691) 2567: wiszenschaften etiam sunt artes et scientiae liberales, und erst Kramer dict. 2 (1702) 1371 gibt die disciplinen der theologie, astronomie, astrologie, geometrie und jurisprudenz, physik nur noch mit wissenschaft wieder. C@1@bb) die literarischen belege zeigen das nebeneinander von kunst und wissenschaft schon früher; die gleichartigkeit der bedeutungen ist mitunter deutlich sichtbar: die wunderwerck und treum zu deuten fieng Amphiction an, die kunst von dem gestirn Atlas, der Lybie son, die wissenschafft von den winden (erfand) Eolus (invenit ventorum rationem) Heyden Plinius (1565) 79; die künste schlieffen fort. die wissenschaften blieben noch im schlummer. ja es schien, dasz; je älter die welt ward, je mehr sie die nacht der unwissenheit überfiel Ph. Zesen helikon. rosenthal (1669) 1; der adel hat sich nie der wiszenschaft geschämt, wie nunmehr mancher meint, dasz kunst den adel lähmt und bücher übel stehn bei stoltzen rittersfahnen G. Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 44; wissenschaft bringt schlechte lust, weil so viel noch unbewust. ei was ist gelehrte kunst? hart erworben, bald verdorben, nur ein fast verwirrter dunst J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 112; alchymie und magie sind künste, welche die lügner lehren und die einfältigen lernen ... so nichtig und betrüglich aber diese wissenschaften sind ... J. B. Scheibe freimüthige ged. (1732) 45. Steinbach dtsches wb. 2 (1737) 1059 gibt Günthers vers er kennt der wissenschaften preis wieder mit: 'scit artium bonarum pretium'; oben die leier des Apollo angeleget an andere geräthschaft der wissenschaften Heräus ged. (1721) 205; vgl. auch: die musen alle neun sind wissenschaften nur, die uns sind abgemahlt in weiblicher figur J. Rachel satyr. ged. 112 ndr. einer zeit, die den wesensunterschied zwischen kunst und wissenschaft noch nicht kannte und dichterisches schaffen für eine erlernbare fertigkeit und einen teil guter bildung hielt, muszte die poesie unter die wissenschaften fallen: dann dasz ich es der poesie selber als einer unnötigen und vergeblichen wissenschafft zuschreiben solte, glaube ich nimmermehr Opitz teutsche poemata 6 ndr.; diese ädle wissenschaft (die dichtkunst) freudigkeit des gemühtes ... neben fleiszigem lesen gelehrter bücher erfordert Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwäldlin (1657) 1, 7; die poesie, eine edle gabe gottes und galante wissenschafft politer welt J. G. Neukirch anfangsgr. z. teutschen poesie (1724) 1; warum wäre die poesie eine so erhabne wichtige wissenschaft maler Müller w. 1, 255; das gleiche gilt aber auch von der musik: die musik allein ist noch übrig (auszer der dicht- und redekunst). diese edle wissenschaft brauchet noch alle bemühungen ... J. A. Scheibe der critische musicus (1745) 3. wenn es auch an unterscheidung der beiden begriffe kunst und wissenschaft im 18. jh. nicht fehlt (s. Bodmer teil 5, 2681), so hält der wechselseitige gebrauch noch das jahrhundert an, wie man aus Göthes erwägungen ersehen kann (I 42, 2, 199 W., angeführt teil 5, 2673). C@1@cc) die verbindung kunst und wissenschaft ist alt und weit verbreitet, vgl. etwa das me. writeres of arte and of science (1387) Murray 8, 222. in älterer zeit gilt sie wie wissenheit und kunst (schon bei Wurm v. Geydertheim [1523] s. o. sp. 777 und in der Zürcher bibel [1531] 2, 191) auch vom persönlichen wissen (s. o. A 2 c). der stark formelhafte charakter erhellt daraus, dasz Opitz das englische knowledges mit kunst und wissenschaft wiedergibt: weisz ich schon nicht alle künst und wissenschafft von grund ausz, so unterlaz ich gleichwol nit, fleiszig zu erkundigen, wohin sie ziehlen (as I know not all the particularities, so yet I see the bounds of all these knowledges) Opitz Arcadia (1638) 105. die weite des begriffes und den abstand von der heutigen bedeutung zeigen belege wie: (halbfische), welche sie ohne zweifel, weil die menschen den akkerbau und andere wissenschaften und künste von ihnen sollen gelernet haben, selbsten als abgötter und vorsteher der früchte geehret Ph. Zesen Simson (1679) anm. 188; oder auch: ihnen (dem lautenspieler, fechtmeister, tanzmeister, bereiter, balletmeister) ihre künste und wissenschaften abzulernen Grimmelshausen 1, 856 Keller, wobei es sich nicht, wie in der gelegentlich heute vorkommenden verwendung, um ein spiel mit der höheren bedeutung handelt; Leonhart Thurneysser zum Thurn churfürstlich brandenburgischs bestalten leibsmedici schreiben von alchymistischen sachen, auch der darzu gehörenden specien, naturerkantnussen, wissenschaften und künsten L. Thurneysser magna alchymia (1583) 38; sintemal sie (königin Johanna) in lateinischer und griechischer sprach wie auch in fast allen freien künsten und wissenschafften dermassen ... unterrichtet gewesen, dasz sie auch den gelehrtesten männern zu vergleichen war E. v. Merteren niderländ. krieg (1614) 31a; in den bis etwa mitte des 18. jhs. häufig zugefügten adjectiven zeigt sich das bedürfnis nach schärferer unterscheidung: daselbst habe ich an ihrem hoff allerhand gute künst und wissenschaften gelernt, welche das gemüth zieren Opitz Arcadia 1154; wie alle diese hohe künste und wissenschafften mit drei oder vier buchstaben ... einem jeden fantasten unvermerckter weise einzugiessen Moscherosch gesichte 1 (1650) 64, es ist im voraufgehenden die rede von philosophie, medicin, jurisprudenz und theologie; dasz er in allen guten künsten und wissenschafften ... gestiegen und zugenommen Schoch com. v. studentenleben (1657) m 4b; durch kauffmannschaft wird ... die religion fortgepflanzt, die klugheit vermehrt, die künste und wissenschafften zu höherem wachsthum gebracht Abr. a s. Clara etwas für alle 2 (1711) 47; handel, künste und wissenschaften selbst, alles erhält leben und lenkung vom staate W. v. Humboldt 1, 105; nicht minder hat die königliche regierung der förderung der wissenschaft und kunst ihre angelegentliche fürsorge gewidmet Bismarck polit. reden 2, 67; als studiengebiet: (auf hohen schulen) um kunst und wissenschaft ... zu bulen J. Rachel sat. ged. 69 ndr.; künste und wissenschaften, viel wissenschaften erlernen studiare, imparare, apparare molte scienze, arti e discipline Kramer dict. 2 (1702) 1371b. C@22) das alleinstehende wissenschaft. C@2@aa) wissenschaft als bezeichnung einer einzelnen gelehrten disciplin oder mehrerer verschiedenartiger disciplinen. am beginn steht die wiedergabe der metaphysica, jurisprudentia und philosophia mit wissenschaft bei Orsäus (s. o.): es war ein hochgelährter mann auf der universität, welcher in vielen wissenschaften incomparabel war B. Schupp freund in der not 25 ndr.; noch manche wissenschaft von wunderbarer kraft lehrt meine (der philosophie) wissenschaft (auszer der rhetorik, logik, musik usw.) Neumark fortgepfl. lustwäldlin (1657) 1, 194; es bestehet der grund dieser wissenschaft darinnen, dasz man aus gewissen wenigen und in der allgemeinen menschlichen natur offenbar gegründeten regeln des andern seinen hauptaffect ... ergründen und ..., was er dem gemeinen wesen für nutzen schaffen oder tun könne, ... durch eine unbetriegliche folgerung schlieszen kann Chr. Thomasius (bei Brüggemann aus der frühzeit der deutschen aufklärung 69) in seinem neujahrsschreiben an den kurfürsten von Brandenburg von 1692, worin er dessen interesse erbittet für seine neue 'wohlgegründete und für das gemeine wesen höchstnötige wissenschaft'; doch hat wissenschaft bei ihm noch nicht die heutige bestimmtheit und würde: aber wer eine wissenschaft recht gelernet hat und keine hantierung wie die marktschreier damit zu treiben gedenket 75 und ebda; es bezeuget die gewiszheit dieser kunst nicht allein das tägliche exempel vieler staatskluger leute ..., wie er denn überhaupt an eine praktische anweisung fürs leben dabei denkt; für einen geist schickt sich nur eine wissenschaft. so grosz ist der umfang der kunst, und so enge sind des verstandes grenzen. ja wir müssen uns nicht nur an eine einige wissenschaft, sondern oft allein an einzelne theile derselben beschräncken Bodmer crit. schr. 1 (1741) 54; selbst meine wissenschaft wohin mein geist, erhitzt, mit angestreckter kraft sich forttrieb über macht ... wird itzt (nach Marianens tode) mir pflicht und last A. v. Haller ged. 180 H.; (man hat) die aufsätze zu einer jeden wissenschaft einem in derselben geübten gelehrten übergeben A. v. Haller tageb. 1, 100; schon in ziemlich frühen jahren, da die auen der wissenschaften noch in alle dem morgenschmuck vor mir lagen, kam mir oft der gedanke ein: ob denn, da alles in der welt seine philosophie und wissenschaft habe, nicht auch das, was uns am nächsten angeht, die geschichte der menschheit im ganzen und groszen eine philosophie und wissenschaft haben sollte Herder 13, 7 S.; wenn es irgendeine wissenschaft gibt, die der mensch wirklich bedarf, so ist es die, welche ich lehre, die stelle geziemend zu erfüllen, welche dem menschen in der schöpfung angewiesen ist und aus der er lernen kann, was man sein musz, um ein mensch zu sein Kant verm. schr. (1922) 274; dieser menschlichsten und göttlichsten wissenschaft (der physiognomik) Lavater fragm. (1775) vorr. 3; alle philosophie (ist) nichts andres als ... die wissenschaft aller sich ewig mischenden und wieder trennenden wissenschaften Friedr. Schlegel im Athenäum 1, 2, 58; jede wissenschaft ist ein sich wölbender tempel, am giebel aber bleibt eine öfnung, die nicht kann zugemauert werden, gleichsam ein anblick des menschlichen augen undurchdringbaren himmels J. Grimm kl. schr. 1, 246; sie (die brüder Grimm) haben der sache des vaterlandes einen ganz anderen und viel gewaltigeren dienst geleistet mit der wissenschaft, welche ewig an ihren namen geknüpft bleibt ... diese wiszenschaft (der deutschen philologie) ist gebaut auf das reichste, edelste, heiligste gefühl, das einen menschen erfüllen kann, auf die liebe zu der geistigen gemeinschaft, der er entstammt, auf die liebe zu seiner nation W. Scherer vorr. zur gramm. 1, xxv. wiederherstellung der wissenschaften ist die bezeichnung der renaissance: die Franzosen wissen sich ein vieles damit, wie ihre vorfahren noch lange vor der wiederherstellung der wissenschaften in Europa durch übersetzung der alten griechischen und lateinischen scribenten gleichsam in die wette gearbeitet, ... ihre muttersprache zu verbessern Gottsched beiträge zu einer crit. historie 1, 2; (die) epoche seit der wiederherstellung der wissenschaften Fr. Schlegel s. w. 1, 15; daneben heiszt es dann auch: nach der wiederfindung der wissenschaften Bodmer crit. schr. 7 (1743) 54; vgl. die wiederherstellung der künste Lessing 4, 392 M. der singular ist im 17. jh. und darüber hinaus für eine einzeldisciplin noch selten, er bleibt vornehmlich ausdruck des persönlichen wissens, so etwa in den erwähnten crit. schr. Bodmers 1, 53; 77; 88; 114; 2, 114; 3, 76; 100; 108; 204; 213 u. s. w. gleiches läszt sich auch an den schriften von Leibniz beobachten. bei Bodmer heiszt es einmal auch nebeneinander: doch florierten die critischen wissenschaften am meisten in Frankreich 1, 84; so dasz derjenige sinn der auf die vertheidigung der getadelten stellen nur gedencket, in der critischen wissenschaft schlecht bewandert sein musz 3, 20. für das heutige sprachempfinden nimmt der plural dem worte den charakter der strengen wissenschaftlichkeit und wird anscheinend darum gern auf frühe stufen des geistigen lebens angewandt: um unterricht in den heiligen wissenschaften der weissagung zu empfangen Niebuhr m. gesch. 1, 80; mit dem zerfallenden karolingischen reiche ... sinken die wissenschaften W. Scherer litteraturgeschichte 59; die ... wissenschaften der gymnastik und der pädeia Mommsen m. gesch. 1, 28; den wissenschaften war die base ... in naiver weise ergeben Raabe der hungerpastor (1864) 1, 32. als studien, d. h. gelehrtes und gelerntes wissen: hernach können sie sich vorstellen, wie viel einer zu thun hat, seine wissenschaften in ordnung zu bringen, der drei jahre zu Leipzig die guten studien zu studiren sich angelegen sein liesz Göthe IV 1, 227 W.; man wolle uns (frauen) zu keinen wissenschaften zulassen I 23, 54. verbalverbindungen: ein innerer zug, den wissenschaften obzuliegen J. J. Schwabe tintenfässl (1745) 99; 1758 im herbste reiszt ich ... ab, um, wie man zu sagen pflegt, in Jena den kurs der wissenschaften zu absolvieren Schubart leben 1, 45; eine wissenschaft studieren Bahrdt gesch. seines lebens (1790) 2, 21, treiben Bürger 1, 251 B.; sich den wissenschaften widmen Holtei erz. schr. 7, 42, ergeben Storm 6, 4. C@2@bb) die arten wissenschaftlicher disciplinen. C@2@b@aα) die weite des begriffes machte eine unterscheidung der wissenschaften durch zusätzliche adjective notwendig, die weniger die art als den grad herausheben sollen; daher die fülle der epitheta in den gelehrten schriften der aufklärungszeit, vgl. die bereits unter 1 c angeführten belege für hohe (freie, gute) wissenschaften und künste und bei Thomasius von nachahmung der Franzosen (hg. v. Sauer): höhere wissenschaften 13; anmuthige und nützliche wissenschaften 13; kluge wissenschaften 14; gute wissenschaften 9; 15; 16; ebenso solide wissenschaften Thomasius bei Brüggemann frühzeit der deutschen aufklärung 19; edle wissenschaften 77; 78; subtile wissenschaften 36; wahre und nützliche wissenschaften Leibniz dtsche schr. 1, 376; rechte, unfehlbare wissenschaften 1, 383. unter ihnen sind hohe, gute wissenschaften gebräuchlicher: (seine) stärke in den höheren wissenschaften Wieland Lukian 1, 212; auch dieser (Kästner) hätte so viel beruf gehabt, einige, poetischer bearbeitung fähiger gegenstände der höheren wissenschaften didaktisch zu bearbeiten Eschenburg beispielsammlung 3 (1789) 193. das von Thomasius gern verwendete gute wissenschaften ist in anlehnung an gute künste gebildet, das seinerseits auf lat. bonae artes zurückgeht, s. teil 4, 1, 6, 1279: was vor eine frucht ich aus dem hausz der guten wissenschafften, nemlich von der hohen schul hinweg getragen Zend. a Zendoriis teutsche winternächte (1682) 446. freie künste, die wiedergabe von artes liberales hatte neben sich freie studien; freie wissenschaften ist nicht bezeugt. am gebräuchlichsten ist dem 18. jh. schöne wissenschaften, eine übersetzung des frz. belles lettres und das gegenstück zu schöne künste, frz. beaux arts. der zeitpunkt der übernahme läszt sich nicht genau ersehen. noch nicht hierhin rechnet: ich wollte dich ... erheben durch die tugent der schönen wissenschaft Opitz teutsche poemata 141 ndr.; eine schöne wissenschaft una bella scienza Kramer dict. 2 (1702) 1371b; Thomasius kennt es nach den erwähnten tractaten noch nicht. jedoch: wären wir so zeitig als andere auf die ausbreitung der schönen wissenschaften in unserer muttersprache geraten, so würden vielleicht diejenigen itzo von uns lernen müssen, welche wir uns zu mustern bei beförderung der freien künste vorstellen J. J. Schwabe belustigungen des verstandes und witzes 1 (1741) 10; die vielen titel dieses lehrhaften jahrhunderts zeigen die feste terminologie: Gottsched neuer büchersaal der schönen wissenschaften und freien künste 1745; G. F. Meier anfangsgründe der schönen wissenschaften und künste 1748; Nicolai bibliothek der schönen wissenschaften und freien künste 1757; J. J. Eschenburg entwurf einer theorie und literatur der schönen wissenschaften 1783; durchaus üblich im amtstitel: Johann Georg Jacobi, professor der schönen wissenschaften zu Freiburg in Breisgau bei Eschenburg beispielsammlung 3, 430. wie Schwabe in dem angeführten beleg macht auch Gottsched in der einleitung zu seinem wörterbuch der schönen wissenschaften und freien künste keinen erkennbaren unterschied zwischen den begriffen der schönen wissenschaften und der freien künste, doch vgl.: man unterscheidet auch kunst und wissenschaft. man sagt, die tonkunst, tanzkunst, malerei und bildhauerkunst gehörten zu den schönen künsten, und die dicht- und redekunst zu den schönen wissenschaften briefe die neueste literatur betreffend 8 (1762) 348; die schönen wissenschaften, worunter man gemeiniglich die dichtkunst und beredsamkeit versteht M. Mendelssohn ges. schr. 1, 291; dem entspricht es, wenn die 'allgemeine deutsche bibliothek' die besprochenen neuerscheinungen einordnet unter die abschnitte gottesgelahrtheit, arzneigelahrtheit (noch nicht arzneiwissenschaft) undgetrennt voneinander — schöne wissenschaften und schöne künste, und unter jenen die dichtkunst und rhetorik mit ihrer theorie, unter diesen die bildenden künste und die musik versteht. Kant sah in dem ausdruck schöne wissenschaften einen inneren widerspruch: es gibt weder eine wissenschaft des schönen, sondern nur kritik, noch schöne wissenschaft, sondern schöne kunst w. 7 (1839) 165. seine erklärung für die entstehung des ausdrucks (angeführt teil 9, 1478) ist rein rational und berücksichtigt nicht die historische herkunft. anders: wenn der sprachgebrauch ... schöne künste und schöne wissenschaften unterscheidet, so nimmt er das wort wissenschaft in uneigentlicher bedeutung. der Franzose spricht belles lettres, aber nicht belles sciences. die belles lettres verhalten sich zu den beaux arts nicht wie wissenschaften zu künsten, sondern wie künste, die sich willkürlicher zeichen, zu künsten, die sich natürlicher zeichen bedienen br. die neueste lit. betr. 8 (1762) 349. wenn späterhin in der 'allgemeinen deutschen bibliothek' der titel des abschnittes schöne wissenschaften den zusatz erfährt schöne wissenschaften, besonders dichtung; schöne wissenschaften und poesien, so zeigt sich darin, dasz der allgemeine sprachgebrauch Kants strengerer auffassung des begriffes wissenschaft gefolgt war. schöne wissenschaften deckt sich fast mit heutigem schöne literatur: (er) gehört unter die seltenen rechtslehrer, die bei der mühsamen untersuchung der gesetze ihre erhohlungsstunden in den schönen wissenschaften und der litteratur suchen. er übersetzte den Petron von dem bürgerlichen kriege in die gebundene sprache seines landes A. v. Haller tagebuch 1, 12; (schriften), die sich mit dem tande der weltlichen weisheit und mit dem spielwerke der schönen wissenschaften beschäfftigen Nicolai Seb. Nothanker 1, 20; (sie) war eine viel zu feine kennerin der schönen wissenschaften 1, 35; alles bis auf die geschichte und die schönen wissenschaften trug das finstre gepräg der schule Schiller 4, 101 G.; Hugo Blairs vorlesungen über rhetorik und schöne wissenschaften ... ursprüngliche bestimmung war, junge leute mit den grundsätzen der schönen literatur und guten schreibart bekannt zu machen allgem. dtsche bibl. 70, 97; schon um die jahrhundertwende ist schöne wissenschaften auszer kurs, doch: ein liebhaber der schönen wissenschaften Bauernfeld ges. schr. 1, 8. gegenüber stehen die ernsten wissenschaften: der leser, dem hr. Breitinger schon aus seinen critisch-poetischen werken bekannt geworden ist, (wird) hier (in einer theologischen abhandlung) mit vergnügen antreffen, was ihm die fähigkeit desselben auch in dieser ernstlichen wissenschaft zu erkennen geben kan Bodmer crit. schr. 1 (1741) 139; die ernstesten wissenschaften, naturerkenntnisz und mathematik Herder 22, 142 S.; zeigen die ernsthaften wissenschaften, welche man im engeren verstande die gelehrsamkeit nennet, von nichts als von dem elende und verderben der menschen, von der mühseligkeit ihres lebens ..., so sind es allein die schönen wissenschaften, welche durch bezaubernde reitze die ursprüngliche empfindung der freiheit in uns ersticken und unsere schimpflichen ketten mit blumenkränzen umwinden Lessing 4, 388 M.; es ist ein glück für unsere zeiten, dasz die ernsthaften und die schönsten wissenschaften nicht mehr in die hörsäle ... der gelehrten verschlossen sind J. A. Cramer nord. aufseher 1, 14. dann auch: Th. Abbt vom einflusse des schönen auf die strengen wissenschaften 1762; oder schon früher: er besasz eine grosse richtigkeit des verstandes, und alles, was er wuste, wuste er recht, beides in gründlichen wissenschaften als auch in der zierlichen belesenheit Canitz ged. (1750) 101, wo zierliche belesenheit ebenso wie zierliche gelehrsamkeit (auch angenehme, anmuthige gelehrsamkeit, s. o. gelehrsamkeit 2 e) nur eine andere wiedergabe des frz. belles lettres ist. C@2@b@bβ) die sachlich-inhaltlichen benennungen: dieses aber den anfangenden lehrlingen zum unterrichte, damit sie beides die heiligen satzungen und die natürlichen wissenschaften begreiffen möchten Ph. Zesen Assenat (1670) 366; was Gassendus, was Digby in der natürlichen wissenschaft, was Grotius, Hobbes ... in der sittenlehre theils geneuert, theils gebessert Thomasius von nachahmung der Franzosen 23 S.; reale wissenschaften sind ... geometria, astronomia, architectonica, mechanica, chymia und mineralibus, botanica und anatomia Leibniz dtsche schr. 2, 273. C@2@b@gγ) die bezeichnung der einzeldisciplin: die wissenschaft der rechte J. A. Cramer nord. aufseher (1758) 48; die wissenschaft der deutschen philologie G. Roethe wege der deutschen philologie (1923) 18. durch zugesetztes adjectiv: chemische wissenschaft Stöckhardt chem. feldpred. 1, V; historische wissenschaft G. Freytag drama, ges. w. 14, 84; medizinische wissenschaft Bismarck ged. 2, 335. wohl nur ein persönlicher versuch einer verdeutschung liegt vor in: die vernunftkunst oder logik samt ihrer nahen anverwandtinn, der gemeinlichen wissenschaft oder metaphysik Leibniz dtsche schr. 1, 376; selbst bei den bezeichnungen der einzelwissenschaft steht nicht selten der plural: um der besondern in denen mathematischen ... medicinischen, chymischen wissenschaften erlangten, ungemeinen erfahrung aus dem entwurf des aufnahmeformulars der Berliner societät der wissenschaften bei Leibniz dtsche schr. 2, 190; s. auch Thomasius bei Brüggemann frühzeit der deutschen aufklärung 75; 77; die neigung (der Deutschen) zu philosophischen wissenschaften Bodmer crit. schr. 3, 121; in den historischen wissenschaften unerfahren ebda; auch späterhin bleibt es so: (sie) halten überaus viel auf mathematische und philosophische wissenschaften Schiller 1, 16 G.; sogar: das studium der chirurgischen wissenschaften H. Steffens was ich erlebte 1, 302. C@2@cc) wissenschaft als gesamtbegriff. der heutige singular ist erst gegen ende des 18. jhs. durchgedrungen. Thomasius und Leibniz verwenden abgesehen von einzelnen sonderfällen nur den plural, noch in Bodmers crit. schr. (1741 bis 1743) besteht dieses verhältnis. wie schon oben gezeigt, legt das damalige sprachgefühl objective bedeutung zunächst dem plural bei, der sing. wissenschaft ist das persönliche wissen. ein beleg wie: hat man aber in wissenschaft und zugleich in demuth wol zugenommen, so lernet man die ungewiszheit der wissenschaften und dasz man nichts wisse, erkennen Chr. v. Ryssel von dem seelenfrieden (1685) 287, gibt in dem nebeneinander beider numeri den gültigen sprachgebrauch zu beginn des 18. jhs. wieder. vgl. auch unten Lindenborn. gestützt wurde der plural durch die fremdsprachlichen vorbilder, vgl. das häufige studien oder scientien bei Leibniz. der plural greift auch in die compositionsbildung über, vgl. wissenschaftenkenner Lavater physiognom. fragmente 3, 93, -entwicklung K. Chr. Fr. Krause vorlesungen 502 u. s. w. neben dem plural wissenschaften steht im 18. jh. als gesamtbegriff auch gelehrsamkeit (s. d.) und das weit ältere studien (s. d.). beide bezeichnungen umfassen nur die gelehrte welt, nähern sich also dem heutigen begriff wissenschaft. vgl. für den gebrauch von gelehrsamkeit bei Leibniz die teil 4, 1, 2, 2957 angeführten belege, für studien Pietsch G. W. Leibniz (1916) 37; 38; ferner die unten folgenden belege aus Leibniz deutschen schriften, wo bezeichnenderweise gelehrsamkeit und studien zu wissenschaft hinzutreten, um gröszere bestimmtheit zu erzielen: das reich der wissenschaften S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 160; den ruhm der wissenschaften schüzen J. Chr. Günther 2, 51 K.; weilen vornehmlich bei universitäten, academieen, gymnasiis und sowohl hohen als niedrigen schulen solche personen von dem publico erhalten werden, deren amt ist die studia und wissenschaften zu treiben und fortzupflanzen (sollen sie zur mitarbeit aufgefordert werden, damit) nichts zu aufnahme der wissenschaften und studien verabsäumt werde Leibniz dtsche schr. 2, 270; nachdem es dahin kommen, dasz auch damen und cavalier einigen schmack der wiszenschaften und gelehrsamkeit in der muttersprach erlanget Leibniz bei Pietsch G. W. Leibniz 38; der wilde krieg ... ist den wissenschaften hold, und ich glaube, dass die wissenschaftsgöttin Minerva um deswillen eine sturmhaube, lanze und andere kriegesrüstung trage, auf dass man erkenne, wie wol die wissenschaft und der degen zusammen stehen Lindenborn Diogenes (1742) 1, 63; die wissenschaft, vielfach die wissenschaften Braun wb. (1793) 307b. den klassikern ist der plural durchaus geläufig: der krieg, ..., der ... auf die wissenschaften weiter keinen einflusz hat als dasz ... Lessing 8, 4 M.; die wissenschaften ruhen weit mehr auf der erfahrung als die kunst Göthe II 1, 373 W.; in den wissenschaften ist die absoluteste freiheit nöthig I 25, 270. bei Herder: unzerstörbar bauen sich die wiszenschaften fort 23, 53 S.; trotz aller künstlich gepflanzten irrgänge musz die wiszenschaft fortgehn 23, 5. der singular begegnet schon im 17. jh., hat jedoch noch nicht die strenge des heutigen begriffes wissenschaft: jetzt wohnt Apollo da mit seinen Pierrinnen! die wunderschöne stadt hat alle hohen sinnen, hat alle wissenschaft in ihren kreisz gebracht und an des krieges statt der künste sitz gemacht M. Opitz opera (1690) 3, 304; kömmt aber an den hof ein andrer freund geschritten der in das blasse reich der wissenschaft gehört bei Weichmann poesie der Niedersachsen 2, 62; ihr künste! eilt im freien flug durch dunst und barbarei zu dringen: denn Ruszlands Phoebus ist genug die wissenschaft emporzubringen Hagedorn vers. einiger ged. 17 lit.-denkm.; dagegen: und wiewohl ich durch fürfallende gelegenheiten zum justizwesen, historien und publicis gezogen worden, so habe doch alle zeit von jugend auf die wissenschaft geliebt und getrieben Leibniz dtsche schr. 2, 470; (der genieszer weisz nicht), was wissenschaft, was vaterland und pflicht Haller ged. (1748) 104; zu allen zeiten sind es nur die individuen, welche für die wissenschaft gewirkt, nicht das zeitalter. das zeitalter wars, das den Sokrates durch gift hinrichtete, das zeitalter, das Hussen verbrannte Göthe I 42, 2, 151 W.; nur die gegenwärtige wissenschaft gehört uns an, nicht die vergangene noch die zukünftige ebda 256; er (Leonardo) befolgte ... die forderungen der kunst mit der strenge der wissenschaft A. W. Schlegel s. w. 9, 64; es ist unmöglich, die heutige wissenschaft mit dem glauben auf diesem wege zu versöhnen D. Fr. Strausz leben Jesu, s. ges. schr. 3, 28; zwischen den bedürfnissen des gemüths und den ergebnissen menschlicher wissenschaft ist ein alter, nie geschlichteter zwist H. Lotze mikrokosmus 1, V; die wissenschaft hat kein geheimnis und doch ihre heimlichkeit, sie mag nicht auf der groszen heerstrasze weilen, sondern lieber sich in alle wege, pfade und steige ausdehnen, die ihr neue aussichten öffnen, wo ihr jedes geleit zur last wird J. Grimm kl. schr. 1, 249; mir ahnt, dasz selbst ein reiches und langes leben im dienste der wissenschaft es kaum höher als zum ausgang des Moses bringen könnte: zu einem einzigen kurzen blicke auf das gelobte land W. Scherer z. gesch. d. dtschen sprache xvii. die verbindung mann der (von) wissenschaft (Herder 23, 58; H. v. Kahlenberg Eva Sehring 63; Holtei erz. schr. 1, 63) als bezeichnung des gelehrten, auch des arztes, geht auf fremdsprachliche vorbilder zurück, vgl. man of science (1552) Murray 8, 222. C@2@dd) parallel dem vordringen des singulars und der fortschreitenden einschränkung auf den heutigen bedeutungsumfang geht eine innere umwandlung des begriffes. wissenschaft wird wertbegriff. infolgedessen fallen die zu beginn des 18. jhs. noch üblichen verbindungen gute, hohe, edle, kluge, rechte wissenschaft(en) fort. der vorgang prägt sich auch darin aus, dasz wissenschaftlich, ein erst um die mitte des 18. jhs. in aufnahme kommendes wort, die bedeutung 'den anforderungen der wissenschaft entsprechend' annimmt und wissenschaftlichkeit (s. d.) als das in diesem sinne qualifizierende substantiv neu dazu gebildet wird. in der aufklärung erhält wissenschaft die erste philosophische formulierung: was aus ungezweifelten gründen durch richtige schlüsse heraus gebracht wird, davon pflegen wir zu sagen, dasz wir es wissen. und die fertigkeit dasjenige, was man behauptet, aus ungezweifelten gründen durch richtige schlüsse heraus zu bringen, nennet man wissenschaft Chr. Wolff vernünftige gedanken von gott (1720) 195; noch ist wissenschaft hier als persönliche fertigkeit gefaszt und auch in anwendung auf das praktische leben gesehen, sie empfängt sogar von dorther ihren wert. denn an anderer stelle (vernünftige gedanken von der menschen thun [1720] s. 293), wo Chr. Wolff diese begriffsbestimmung in ähnlicher form wiederholt, fährt er fort: da nun der mensch zu gründlicher erkäntnis verbunden ist, so ist er auch zur wissenschaft verbunden, und zwar, da ein jeder hauptsächlich dasjenige zu erkennen hat, was ihm in den verrichtungen, die er vermöge seiner lebensart vorzunehmen hat, dienlich und was zur ausübung des guten und vermeidung des bösen nötig ist, so sollen wir uns absonderlich bemühen, in diesen dingen eine wissenschaft zu erhalten. Kant kennt keinen auszerhalb liegenden zweck mehr: eine jede lehre, wenn sie ein system, d. i. ein nach prinzipien geordnetes ganze der erkenntnisz sein soll, heiszt wissenschaft w. 8 (1838) 442; enger umgrenzt: eigentliche wissenschaft kann nur diejenige genannt werden, deren gewiszheit apodiktisch ist; erkenntnisz, die blos empirische gewiszheit enthalten kann, ist ein nur uneigentlich so genanntes wissen. dasjenige ganze der erkenntnisz, was systematisch ist, kann schon darum wissenschaft heiszen, und, wenn die verknüpfung der erkenntnisz in diesem system ein zusammenhang von gründen und folgen ist, sogar rationale wissenschaft ebda 442. die geistige entwicklung, die sich in dem unterschied der beiden begriffsbestimmungen wiederspiegelt, spricht auch aus der wechselnden auffassung unserer akademie. ihr stifter nannte in seiner 'denkschrift über die errichtung einer churfürstlichen societät der wissenschaften' (1700) als zweck: solche churfürstliche societät müszte nicht auf blosze curiosität oder wissensbegierde und unfruchtbare experimenta gerichtet sein, ... man müszte gleich anfangs das werk sammt der wissenschaft auf den nutzen richten Leibniz dtsche schr. 2, 268; dagegen: aufgabe und zweck der akademie (kann) kein andrer sein, als wie ein mächtiges schif die hohe see, die höhe der wissenschaft zu halten J. Grimm kl. schr. 1, 247; für das heutige sprachgefühl hat wissenschaft alle fremdartige zweckhaftigkeit verloren, aber an bestimmtheit und wert gewonnen. wir wenden es überall dort an, wo der menschliche geist über blosze empirie und speculation zur erkenntnis gesetzmäsziger zusammenhänge vorgedrungen ist: wissenschaft fängt an, wo der geist sich des stoffes bemächtigt, wo versucht wird, die masse der erfahrungen einer vernunfterkenntnis zu unterwerfen, sie ist der geist zugewandt der natur A. v. Humboldt kosmos 1, 69. unter den abendländischen völkern haben zuerst die Griechen diesen schritt getan: wissenschaft ward, als der göttliche drang zur erkenntnis der wahrheit in den seelen jonischer männer fortzuschreiten wagte vom vielen zum einen, da sie die einheit alles lebenden erkannten U. v. Wilamowitz-Möllendorf glaube der Hellenen 2, 532. es entspricht dieser historischen tatsache und dem heutigen sprachgebrauch, wenn Max Pohlenz seinem vortrag den titel der geist der griechischen wissenschaft (1923) und anderseits Hermann Oldenberg seiner untersuchung der weltanschauung der brahmanatexte (1919) den nebentitel vorwissenschaftliche wissenschaft gibt. wissenschaft ist masz für den wahrheits- und wertgehalt eines erkenntniszusammenhanges geworden, was in bestimmten ausdrucksweisen deutlich wird: hat man doch die giftmischerei beinahe in den rang einer ordentlichen wissenschaft erhoben Schiller 2, 58 G.; in dergleichen spitzfindigkeiten liegt keine wahre wissenschaft M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 3, 120; dasz diese wissenschaft selbst damals (im 17. jh.) noch gar keine wissenschaft, nur erst äuszerliche kenntnis war R. Prutz im deutschen museum 1 (1851) 341; dass in jeder besonderen naturlehre nur so viel eigentliche wissenschaft angetroffen werden könne du Bois-Reymond grenzen der naturerkenntnis 4; sollte diese vermutung jemals von der wissenschaft anerkannt werden O. Peschel völkerkunde (1874) 5; sie (die geschichte der volkswirtschaft) begann sich erst seit wenigen jahrzehnten zum gehalt und der würde einer wirklichen wissenschaft aufzuringen W. H. Riehl die dtsche arbeit 10. in raschem anstieg hat sich wissenschaft von der einstigen bedeutung einer bloszen kunde, kenntnis zur jetzigen würde erhoben. als ein noch junges wort steht es neben dem ehrwürdigen kunst, beide die höchsten güter der nation bezeichnend, denn: nicht Herrmann und Wodan sind die nationalgötter der Deutschen, sondern die kunst und die wissenschaft. gedenke noch einmal an Keppler, Dürer, Luther, Böhme; dann an Lessing, Winckelmann, Goethe, Fichte Friedrich Schlegel im Athenäum 3 (1800) 28; beide aber weisen auch über die grenzen der zeit und des raumes hinaus: es gibt keine patriotische kunst und keine patriotische wissenschaft, beide gehören wie alles hohe gute der ganzen welt an Göthe I 42, 2, 195 W.; daran musz der mensch sich halten, die wissenschaft wird dauern auch über die nationen hinaus Mommsen an Wilamowitz 483; als erscheinungsform der zeit kann er (der staat) nicht tätig teilnehmen an dem überzeitlichen werden der wissenschaft v. Seeckt die zukunft des reiches (1929) 74; (die) wissenschaft ... ist das am mühsamsten errungene, das am langsamsten wachsende, das am stetigsten schreitende, das bleibendste unter den ideellen gütern des menschen Arthur Hübner Gustav Roethe als wissenschaftlicher organisator (1937) 1.
67169 Zeichen · 965 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wissenschaft

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Wissenschaft , plur. die -en. 1. Der Zustand, da man etwas weiß, Kenntniß, Nachricht davon hat; ohne Plural. Ich hab…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wissenschaft

    Goethe-Wörterbuch

    Wissenschaft [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wissenschaft

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Wissenschaft , im weitesten Sinn dasselbe was Erkenntniß, im engeren die systematische Zusammenstellung von Erkenntnisse…

  4. modern
    Dialekt
    Wissenschaft

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Wissenschaft f. Kenntnis von einer Sache. (Der Richter kann demjenigen einen Eid auflegen) ‘der die beste Wissenschafft …

  5. Sprichwörter
    Wissenschaft

    Wander (Sprichwörter)

    Wissenschaft 1. All Ding hätt sin Wêtenschap, säd jene lütje Dêren, un har dat Licht mit dem Steert utpustet. ( Holst. )…

  6. Spezial
    Wissenschaft, exaktef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Wissenschaft , f , exakte наука , ж , точная

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wissenschaft

71 Bildungen · 53 Erstglied · 13 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von wissenschaft

wissen + -schaft

wissenschaft leitet sich vom Lemma wissen ab mit Suffix -schaft.

wissenschaft‑ als Erstglied (30 von 53)

wissenschafter

DWB

wissen·schafter

wissenschafter , m. , ' einer der eine wissenschaft treibt, sich mit wissenschaften beschäftigt ' Campe 5, 747 : du ein wissenschaftlicher k…

wissenschaftler

DWB

wissenschaft·ler

wissenschaftler , m. , ' ein wissenschafter oder gelehrter in verkleinelndem sinne oder verächtlichem oder spottendem verstande ' Campe 5, 7…

wissenschaftlich

DWB

wissenschaft·lich

wissenschaftlich , adj. , scientificus, scientiosus, ein bis zur mitte des 18. jhs. selten belegtes wort. Thomasius, Leibniz, Bodmer, ansche…

wissenschaftsanstalt

DWB

wissenschaft·s·anstalt

wissenschaftsanstalt , f. : was von wissenschafts- und kunstanstalten in Jena und Weimar unmittelbar unter mir selbst steht Göthe IV 19, 223…

wissenschaftsartikel

DWB

wissenschaft·s·artikel

wissenschaftsartikel , m. : zu der dreifachen zeitlichen wohlfahrt aber sind auch dreierlei doctores philosophiae bestellet, dieselbe nach d…

Wissenschaftsfreiheit

DERW

wissenschaft·s·freiheit

Wissenschaftsfreiheit, F., ›Freiheit der wissenschaftlichen Tätigkeit‹, 20. Jh.?, s. Wissenschaft, Freiheit wissentlich, Adj., ›bewußt‹, mhd…

wissenschaftsgöttin

DWB

wissenschaft·s·goettin

wissenschaftsgöttin , f. : der wilde krieg ... ist den wissenschaften hold, und ich glaube, dass die wissenschaftsgöttin Minerva um des will…

wissenschaft als Zweitglied (13 von 13)

gewissenschaft

DWB

gewissen·schaft

gewissenschaft , gewissentschaft , f. während wizzentschaft ( mhd. wb. 3, 791 a ) wizzenschaft ( Lexer 3, 963 ) den einen begriff der aus de…

grundwissenschaft

DWB

grundwissen·schaft

grundwissenschaft , f. , wissenschaft, die grundlage anderer wissenschaften ist ( vgl. comp.-typ. 5 o): diese beyden ( rechnen und geometrie…

hauptwissenschaft

DWB

haupt·wissenschaft

hauptwissenschaft , f. : lasz die hauptwissenschaft, mit der du einst der welt in einem öffentlichen amte nützen sollst, .. auch stets das h…

Hülfswissenschaft

Adelung

hulf·s·wissenschaft

Die Hülfswissenschaft , plur. die -en, eine Wissenschaft, aus welcher eine andere Grundsätze entlehnet, oder Regeln herleitet und erweiset.

kriegswissenschaft

DWB

kriegs·wissenschaft

kriegswissenschaft , f. 1 1) militaris prudentia, scientia Kirsch , Aler u. a. ( s. das vorige ): welche ... die Tuniser, Algierer .. mit al…

münzwissenschaft

DWB

muenz·wissenschaft

münzwissenschaft , f. wissenschaft vom münzwesen: wie verschieden sind nicht die absichten, welche die gelehrten bei dem studio der alten mü…

naturwissenschaft

DWB

naturwissen·schaft

naturwissenschaft , f. die wissenschaftliche kenntnis der natur und naturgesetze, die naturkunde, naturforschung: naturwissenschafft ist nic…

rechtswissenschaft

DWB

rechts·wissenschaft

rechtswissenschaft , f. wissenschaft des gesetzlichen rechtes. Adelung : Cicero hat philosophie in die rechtswissenschaft gebracht. Schlosse…

Spezialwissenschaft

DRW

spezialwissen·schaft

Spezialwissenschaft, f. konkretes Wissen, Vorkenntnis vgl. Spezialvorbewußt ohne ihr. durchl. special-wissenschafft, consens und authoritaͤt…

staatswissenschaft

DWB

staats·wissenschaft

staatswissenschaft , f. die wissenschaftliche oder aus gründen hergeleitete erkenntnis der einrichtung und verwaltung eines staates. Adelung…

sternwissenschaft

DWB

stern·wissenschaft

sternwissenschaft , f. , astronomie, im 18. jh. durchaus üblich: gestaltsam auch die alte heidnische sternweisen ... den mond für einen lehr…

Ableitungen von wissenschaft (5 von 5)

gewissenschaft

DWB

gewissenschaft , gewissentschaft , f. während wizzentschaft ( mhd. wb. 3, 791 a ) wizzenschaft ( Lexer 3, 963 ) den einen begriff der aus de…

unwissenschaft

DWB

unwissenschaft , f. , mangel der wissenschaft und ihr gs.; mnl. onwetenscap, nl. onwetenschap. ignoratio B. Faber (1587) 403 b . vgl. unwiss…

unwissenschaftlich

DWB

unwissenschaftlich , adj. adv. , nicht wissenschaftlich im engern sinne ( vgl. unwissenschaft b). nl. onwetenschappelijk; dän. uvidenskabeli…

urwissenschaft

DWB

urwissenschaft Schelling I 1, 92; vgl. grundwissenschaft. —