golden,
gülden,
gulden,
gölden,
adj. ,
aureus. herkunft und form. alte adjektivbildung von gold,
got. gulþeins,
ahd. as. guldîn,
ags. gylden,
mengl. gilden
u. golden,
neuengl. golden,
anord. gullin (
schwed. gyllen,
norw. dän. gylden),
mhd. mnd. guldîn,
mnl. goudyn (gouden, guldijn, gulden),
nhd. gulden, gülden, gölden
und seit dem 2.
viertel des 18.
jhs. mit zunehmender häufigkeit golden,
näheres s. unten 1
d. 11)
der stammsilbenvokal tritt in vierfacher gestalt auf. 1@aa)
unumgelautetes u
literarisch vereinzelt noch bis ins frühe 19.
jh. belegt, im 16.
jh. namentlich im bair. (
seltener im elsäss. und ostmd.),
zuletzt archaisch oder bei mundartlich beeinfluszten autoren; bei der bis ins 17.
jh. nicht [] streng durchgeführten schreibung des umlautzeichens bei ü
können z. t. auch belegformen von gulden
umgelautetes gülden
meinen, vgl. gulden,
m., teil 4, 1, 6,
sp. 1054
ff.; die heutigen mundarten haben sich den literarisch üblichen formen (gülden,
später golden)
nicht überall verschlossen; gulden
gilt noch weithin auf bair. und schweizer. und z. t. auf elsäss. gebiet, bis ins rheinfränk. auslaufend; vgl. z. b. guldə~, guldi~ Schmeller-Fr. 1, 896, guldan Lexer
kärnt. 118, gulden Schöpf
tirol. 223, guld (
auch gold) Gebhardt
Nürnberg 81, guldin Staub-Tobler 2, 227; gulden (kùltə, koltə, kolti) Martin-Lienhart
els. 1, 213,
auch guldə Follmann
lothr. 205,
rhfrk. gulə (
neben golə)
rhein. wb. 2, 1301.
für das 15.
und 16.
jh. vgl. z. b. gulden (
nach 1427) Schiltberger
reisebuch 74, 14
lit. ver.; guldin Arigo
decam. 42, 8; 70, 28; 90, 9,
aber gülden 146, 9
K.; gulden Hans Sachs 1, 226
lit. ver.; 2, 27; 2, 35,
aber gülden 1, 178; 19, 87; gulden Luther 29, 32
W.; 10, 3, 148; 12, 682,
aber gülden 15, 31; 19, 561; 23, 34;
nach 1600
bereits weniger häufig: guldenen Äg. Albertinus
zeitkürtzer (1603) 63; guldnen Opitz
t. poem. 16
ndr.; guldenen Grimmelshausen 3, 409
lit. ver.; guldene Schupp
schr. (1663) 773; guldnes Angelus Silesius
heil. seelenlust 55
ndr.; guldene Abraham a
s. Clara 1, 57
Strigl; guldener
ollapatrida 264
Wiener ndr.; guldene Heräus
ged. (1721) 48; guldne J. Chr. Günther
ged. (1735) 547;
archaisierend oder dialektisierend: mit der guldenen gnadenkette Schiller 12, 17
u. 365
G. (
Wallenstein); das guldene kalb Holtei
erz. schr. 24, 129; mit guldenem halsband br. Grimm
dt. sagen (1891) 2, 65. 1@bb)
umgelautetes gülden,
in spätmhd. hss. vor allem niederalem. auch orthographisch gut bezeugt, gewinnt im 16.
jh. an boden und drängt sich um die wende des 16.-17.
jhs. als literarische gemeinform zur vorherrschaft auch in gebieten, deren dialekt die umlautlosigkeit bewahrt; schon in den erstdrucken der werke Luthers
und Hans Sachsens
sind gulden
und gülden
bunt gemischt, s. die belege oben unter a;
bis in die 2.
hälfte des 18.
jhs. behält gülden
die führung, da gölden (
s. unten c)
räumlich und zeitlich beschränkt bleibt, um dann von golden (
s. unter d)
langsam verdrängt zu werden; doch hat gülden
als poetische form bis tief ins 19.
jh. hinein nachgelebt und gilt dialektisch heute noch weithin, seltener obd., häufig md. und auch nd., z. t. neben vordringendem oder bereits vorherrschendem golden,
vgl. z. b. gülden, güllen Schmeller
cimbr. 127
a; gülɐn Bacher
Lusern 263; gille
n (gìlə
n fast allg.) Follmann
lothr. 205; göllen, gölden
lux. ma. 149; gülden (gülle) Vilmar
Kurhessen 140; gülden (gealle) Crecelius
oberhess. 443;
moselfrk. gelə(n),
rip. jølə
rhein. wb. 2, 1301; gȳelən Leihener
Cronenberg 48; gül
en Bauer-Collitz
Waldeck 42; gülden (gele, gyle, gile, gøle) Hertel
Thür. 108; gelən (
nur noch in einigen erstarrten verbindungen) Hofmann
nhess. 111; giltən (
in Zschorlau, dafür meist goldig) Müller-Fr.
obers. 1, 429; güllen Schambach
Gött. 70, Woeste-Nörr.
westf. 87; gülden (
neben golden, gollen) Doornkaat-Koolman 1, 663;
vereinzelt gülden (güll) Mensing
schlesw.-holst. 2, 420. —
frühnhd. literarische belege für die umlautsform: güldein Schiltberger
reiseb. 25, 30
lit. ver.; güldin
bibel v. 1483 (
spr. Sal. 25, 11); H. Braunschweig
kunst zu dist. (1500) 173 a; güldener (
v. j. 1507)
Wilwolt v. Schaumburg 112
K.; gülden (
v. j. 1517)
Teuerdank 257
Göd.; güldin Geiler v. Keisersberg
brösamlin (1517) 1, 95
b; güldiner
sprichw. (1548) 157
a;
belege seit der mitte des 18.
jhs. von autoren, die zwischen gülden
und golden (
oder gölden)
schwanken oder gülden
noch als poetische form benutzen: güldene (
v. j. 1747)
bei Kant; güldnen Gottsched
ged. (1751) 1, 362; Bürger
s. w. 1, 153
B.; güldene Schubart
s. ged. (1825) 3, 36; güldene Herder 25, 443
S.; güldenem
ebda 26, 224; güldne
ebda 5, 494; güldene Lessing 9, 58
M.; güldene Göthe I 8, 58
W.; 37, 307; gülden maler Müller
w. (1811) 1, 176; Tieck
schr. (1828) 1, 299; Brentano
ges. schr. (1852) 4, 8; güldne Bettine
dies buch (1843) 1, 384; güldenen graf Strachwitz
ged. (1850) 62; güldnen Uhland
ged. (1898) 1, 256; gülden
[] Mörike
ges. schr. 1, 260
Göschen, güldene Platen 1, 236
R.; güldne O. Ludwig
ges. schr. 3, 433, Grillparzer 6, 253
S.; güldenen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 101; güldne Geibel
w. (1883) 1, 185; güldene Storm
ges. schr. (1884) 1, 169; güldenen G. Keller
ges. w. (1889) 6, 167; güldenem
ebda 2, 181;
vereinzelt bei späteren lyrikern, vgl. z. b. güldne Stefan George
d. siebente ring5 15, güldene Rud. A. Schröder
ged. (1935) 83. 1@cc)
um die mitte des 17.
jhs., vom ostmd. gebiet ausgehend und besonders von ostmd. autoren verwendet, in der form gölden,
die zwar mundartlich bedingt ist (
vgl. bereits 1613
dialektisch gölner [
goldner]
bei M. Rinckhart
christl. ritter 339
ndr.),
aber als sprachrichtigere ableitung von gold
empfunden wurde; bis zur mitte des 18.
jhs. oft neben gülden
bezeugt, stirbt gölden
in der 2.
hälfte des jhs. infolge des wettbewerbs mit golden
völlig aus, wurde aber gerade im 18.
jh. noch von süddeutschen (
drucke in Zürich und Wien)
gelegentlich gebraucht, vgl. auch H. Paul
dtsch. gramm. 5, 89: göldnes (
v. j. 1654) Logau
sinnged. 40
E. (
aber noch güldne
erst. hundert t. reimensprüche [1638] c 11
b), göldenen G. Neumark
fortgepfl. mus. poet. lustw. (1657) 2, 10 (
aber güldne 1, 448); göldnem Stieler
geh. Venus 36
ndr.; gölden Butschky
Pathmos (1677) 85; göldnen Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677)
absond. buch 25, Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 1019, Lohenstein
Arminius (1689) 1, 174
b; göldner Chr. Weise
zeitvertreib (1699) 2, 30; göldenen H. v. Fleming
t. soldat (1726)
vorber. 9; göldnen Henrici
ernst.-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 84, J. Chr. Günther
ged. (1735) 79 (
aber güldne 184); göldnen v. König
ged. (1745) 71 (
aber güldner 70); göldene B. Neukirch
ged. (1744) 286; göldnen J. El. Schlegel
w. (1761) 1, 447; göldnen A. v. Haller
schweiz. ged. (1743) 10, 34
u. ö.; göldnen Wieland
w. I 1, 41
akad., Araspes (1761) 24, 26
u. ö.; göldenen U. Bräker
s. schr. (1789) 2, 201; göldnen Kretschmann
s. w. (1784) 1, 41 (
aber goldnen 6, 244); göldne Denis
lieder Sineds (1772) 100; göldner Mastalier
ged. (1774) 53 (
aber goldnen 121); göldene A. Blumauer
ged. (1782) 8; göldnen Gellert
s. schr. (1794) 1, 319.
mundartliches gölden
geht lautlich auf gülden
zurück, vgl. oben unter gülden
sowie rhein. wb. 1, 1297, gäldən Kisch
Nösner w. 52, gölle Spiesz
henneberg. 86; gölden, göllen Leithäuser
Barmen 60
b. 1@dd)
die an das subst. gold
angelehnte form golden
bleibt bis zum 2.
viertel des 18.
jhs. vereinzelt, vgl. goldin (
v. j. 1404)
Marienburger treszlerbuch 312
Joachim; goldynne
ebda 403 (
v. j. 1406)
neben häufigem gulden; goldnen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 35; goldne D. Stoppe
t. ged. (1729) 2, 41; goldnen (1722/23) J. Chr. Günther
s. w. 2, 169
Kr.; goldnes v. König
ged. (1745) 45; goldnen Lichtwer
Äsop. fabeln (1748) 104; Gottsched
ged. (1751) 1, 365 (
neben häufigerem gülden,
z. b. 362). gülden
wird noch von Gottsched
sprachkunst (1748) 202
als reguläre form gebucht, aber ein jahrzehnt später schreibt derselbe: 'golden, gülden,
mit diesem letzteren fehlet man; was von golde
ist, soll eigentlich golden
heiszen, weil es vergoldet ist. aber einige alte bücher reden von güldenen ketten'
beob. (1758) 120,
und seinem einflusz ist wohl die rasche oberherrschaft von golden
zu danken, das dann als literarische normalform der prosa gilt, vgl. auch: '
warum denn nun noch (
statt golden)
das im hochdeutschen längst veraltete gülden
oder gölden?' Adelung
magazin f. d. dtsch. spr. (1783) 2, 2, 114. golden
herrscht im 3.
viertel des 18.
jhs. bereits vor, besonders in prosawerken, wenn auch das süddeutsche schrifttum zögernd folgt und erst im letzten viertel des jhs. golden
in der poesie breiteren raum gewährt. im folgenden belege aus den ersten jahrzehnten nach 1750
und spätere zeugnisse, besonders aus der versdichtung und von solchen autoren, die sonst auch gülden
noch verwendet haben (
s. oben c): goldne
d. Leipziger avent. (1756) 1, 165; goldnen Lessing 3, 131
M.; goldnen
samml. v. schausp. (1764) 1,
stärke d. naturelle 31; goldnen Bürger 156
B.; goldene Schubart
ästhet. (1806) 214; Herder 3, 120
S.; goldne Göthe I 2, 169
W., maler Müller
w. (1811) 1, 238; golden Tieck
schr. (1828) 1, 32;
[] goldenen Brentano
ges. schr. (1852) 5, 11; goldne Bettine
dies buch (1843) 2, 335; goldner graf Strachwitz
ged. (1850) 55; goldnen Uhland
ged. (1898) 1, 307; golden Mörike
w. (1905) 1, 44; goldne Grillparzer 6, 86
S.; A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 227; goldnem Geibel
w. (1888) 1, 37; goldenen Storm
s. w. (1899) 1, 146; golden G. Keller
ges. w. (1889) 2, 76.
in den mundarten ist golden
gegenüber gülden
vielfach im vordringen, soweit nicht goldig (
s. dort)
als ersatz eingetreten ist, vgl. z. b. '
schwäb. hat gold
eingewirkt' Fischer 3, 740; gold
neben guld Gebhardt
Nürnberg 81; goldə (
Forbach) Follmann
lothr. 205;
rhfrk. golə
neben gulə
rhein. wb. 2, 1301; golde Hönig
Köln 67;
früh im nd., vgl. bereits golden '
gülden' Dähnert
vorpomm. (1781) 157; gollen Mi
mecklenb. 28; golden, gollen
neben gülden Doornkaat-Koolman 1, 663; golln Mensing
schlesw.-holst. 2, 420; gollen Jensen
nordfries. 162. 22)
form des suffixes. mhd. -în
der endung vorab im bair. zunächst diphthongiert, vgl. guldeinen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 485
Pf.; guldein
erste dt. bibel 2, 259
Kurr.; güldein Schiltberger
reiseb. 25, 30
lit. ver.; besonders alem. wird -in
nicht selten noch im frühnhd. geschrieben, vgl. guldin
erste dt. bibel 2, 259
Kurr.; güldin
Terenz deutsch (1499) 64
a; guldine
bei Baumann
quell. z. gesch. d. bauernkrieges in Oberschwaben 218; guldin
sprichw. (1548) 146
a; güldinen Niclas Manuel
todtentanz v. 38
Bächt.; guldin Fischart
flöhhatz 1239
ndr.; güldine
ders. 1, 123
H.; güldin Paracelsus
chir. bücher (1618) 258; gulden, guldin Henisch (1616) 1774.
später auszerhalb des schweizer. nur vereinzelt belegt, vgl. guldin Schupp
schr. (1663) 773; güldin Herder 15, 27
S.; für das schweizer. s. Staub-Tobler 1, 227;
mundartl. ist i
unter nasalschwund z. t. schweizer., els. usw. erhalten, vgl. belege oben unter a.
verlust des -n
beruht teils auf ersparung, die von schwach flektierten formen ausgehen konnte (güldenen > gülden,
wozu ein nom. gülde
oder gulde),
teils auf dialektischem nasalschwund, vgl. ein gulder zwei (
zweig) Luther 27, 30
W.; die allergüldesten freund 23, 36; du güldes ledelein
bergreihen 8
ndr.; gülde Paracelsus
opera (1616) 1, 833
Huser; die gulde zahl Fischart
practic (1574) b 2
b nach Meusebach
Fischartstudien 200; gulde (
münzen) (
v. j. 1606)
bei Staub-Tobler 2, 227; guldi hemmet (16.
jh.)
bei Birlinger
schwäb.-augsb. 199
a;
vgl. dazu die dialektischen belege unter a
und b.
abgeschwächtes -en
herrscht auszerhalb des bair., schweizer. und els. bereits im 16.
jh. stark vor, vgl. die belege oben unter a
und b.
suffixerweiterung in analogie zu anderen nhd. stoffadjektiven (hölzern, gläsern, steinern)
oder unmittelbar zu silbern, kupfern, eisern
bleibt selten, vgl. das gölderne flisz
discourse der mahlern (1721) 2, 75; die goldern kett Bettine
dies buch (1843) 2, 139;
vgl. z. b. dialektisch guldren Schmeller-Fr. 1, 896; guldern Loritza
Wien 56
b; goldern Askenasy
Frankf. 191. 33)
einzelnes. mit abweichung in der schreibung des dentals vgl. gülten Hans Sachs
fabeln u. schwänke 5, 39
Götze-Drescher; gültin L. Ercker
mineral. ertzt (1590) 57
a; güldten
theatr. amoris (1626) 130; gülten Corvinus
fons lat. (1660)
reg.; gültten Elisabeth Charlotte v.
d. Pfalz
briefe a. d. j. 1716 /18 159
lit. ver. —
verdrängung des d
bei synkope des e
literarisch nur vereinzelt in flektierten formen: gölner
M. Rinckhart
christl. ritter v. 339
ndr.; gülne
Königsberger dichterkreis 14
ndr.; gölnenen Chr. Reuter
Schelmuffsky 129
ndr. mundartlich häufig, vgl. die belege unter a
und b. —
steigerungsformen treten bei bildlichem gebrauch öfter auf (
vgl. unten D): goldner Bürger
s. w. 5
B.; goldneres Göthe I 4, 20
W.; goldner Voss
s. ged. (1825) 1, 144; güldesten Luther 23, 36
W.; goldenster Stoppe
Parnass (1735) 292;
theater der Deutschen (1768) 13, 340; goldenste Cramer
Neseggab (1791) 3, 131; goldenstes Holtei
erz. schr. (1861) 7, 155; goldensten graf Strachwitz
ged. (1850) 115.
[] bedeutung und gebrauch. AA.
als eigenschaftsbezeichnung von gegenständen, die aus gold oder goldartig aussehender metallischer masse bestehen oder damit überzogen sind; neben die blosze stoffangabe tritt vielfach noch ein gefühlsausdruck für wert und schönheit. A@11)
von dingen, die aus dem edelmetall gold sind, '
aus gold bestehend'
; doch macht der allgemeine sprachgebrauch meist nicht den technischen unterschied zwischen golden '
aus massivem gold'
und vergoldet '
mit gold überzogen',
vgl. dazu: die (
leute) gelich ich uf daz golt, da mit man daz silber frumt daz ez zu der wirde kumt, daz man ez guldin namt und ez zu ritterlichem amt nützet von des goldes dach Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 63
Regel; aber bewuszt kontrastiert: das eine das ist ein húltzin bilde und ist úbergúlt. das ander das ist ein silberin bilde und ist och úbergúlt. das dritte das ist ein bilde von einem luterem golde ..., aber die starke minne die gelichet sich dem gúldin bilde Tauler
pred. 248
V.; weliche frow ... hinfüro guldene oder vergullte ketten haben oder tragen will, die mag das thun (15.
jh.)
Nürnberger polizeiordn. 102
B.; gulden kopf
anaphus, ciphus deauratus voc. teuton. (
c. 1471) k 5
a,
dafür vergulter kopf
voc. theut. (
Nürnb. 1482) ii 2
b; gulden, guldin, von gold
aureus, auratus Henisch (1616) 1774; das trysur (
war) mit güldenen silbernen und überguldeten trinkgeschirren überstellt Grimmelshausen 2, 400
Keller; sonst wird bei beabsichtigter unterscheidung ein zusatz nötig, in älterer sprache z. b.: driu und zwaintzic tusent bysantzer si hent die alle luter guldin sint Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 6203
R.; auff einen lauter guldin sessel Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 20
b; und unter den ampellen sind ir vil, die gantz güldein sind (
nach 1427) Schiltberger
reisebuch 25
lit. ver.; auch liesz er machen ain gantz gulden creütz
rock Christi (1512) b 1
a; nach fast vollbrachter mahlzeit liesz hertzog Herrmann ihm einen gantz güldenen becher reichen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 17
a;
in neuerer sprache ist dafür echt golden
üblich, z. b. eine echt goldene kette;
vereinzelt mundartlich auch anders differenziert, so z. b. in Ostdorf golde '
aus gold'
gegenüber goldig '
vergoldet' Fischer
schwäb. 3, 740; gold '
goldfarben'
gegenüber goln '
golden' Mensing
schlesw.-holst. 2, 420;
auch der gebrauch der präpositionalen verbindungen von gold, aus gold
dient vielfach dieser unterscheidung. A@1@aa)
von schmuckstücken und ehrenzeichen aus gold oder mit vergoldung: umbe sinen hals einen bouch (
ring) der was guldin ouch
Milst. genesis 86, 26
Diemer; das warn vier ringe guldin, die gabin userwelten schin Rudolf v. Ems
weltchron. 11872
Ehr.; (
er hat) dem Lucio Silla ... einen schönen güldenen ring geschencket
engl. comedien u. trag. (1624) a 2
b; ach! und den goldenen ring erblickt er am finger des mädchens Göthe I 50, 247
W.; ain guldein keten Konrad v. Megenberg
buch der natur 278, 33
Pf.; die goldne kette gib mir nicht, die kette gib den rittern Göthe I 21, 206
W.; seine gilblichen, stark beringten finger spielten an der goldenen kette, die ihm über die weisze weste hing W. v. Polenz
Grabenhäger (1897) 2, 189; in guldinen fason Notker 2, 172
P. (
ps. 44, 14); also zog Titus Manlius dem Frantzosen eyn güldens köstlichs halszband ab, henckt das an sein halsz Carbach
Livius (1551) 66
b; güldene oder silberne ohrenspangen Zesen
rosenmând (1651) a 6
b; als weihgeschenk stifteten sie ... den vergoldeten
[] pantoffel, goldene hafte, alles zum putz der Venus gehörig Göthe I 49, 1, 86
W. —
in fester verbindung goldene krone; im sinne von '
kronleuchter aus gold': dâr inni (
im tempel Salomos) hangitin scôni dî guldînin crônin
d. lob Salomos 122
bei Waag
kleinere dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (
21916) 31.
als goldener kopfschmuck, zumeist als fürstenkrone: achtich scone vrowin mit goldinen cronin
könig Rother 4585
de Vries; der aber wolt vor allen dingen kein güldin kron auff seim haupt tragen wie ein könig Hans Sachs 16, 335
K.-G.; sie sasz auf ihrem hohen throne, den scepter in der weiszen hand, auf ihrem haupt die güldne krone, die königin von morgenland W. Müller
ged. (1868) 1, 135;
im bilde: gott wird sich zu uns kehren, eim jeden setzen auf die gülden kron der ehren Joh. Walther
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 188; (
der) das haupt mit dem goldenen siegeslorbeer sich kränzen liesz Mommsen
röm. gesch. 3 (1866)9; do bot er ir (
der könig der Esther) das guldin zepter Tauler
pred. 153, 8
V.; ... die inful um das goldne zepter des ferntreffenden Apoll in seinen händen Bürger
s. w. 146
b Bohtz; ihr goldnen, silbren ordenszeichen alle brecht vor dem stärkeren metall in splitter Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 17 goldene rose (
rosa aurea),
päpstliches gnadengeschenk: benediction der güldnen rose Apinus
gloss. nov. (1728) 70; er beschlosz, dem churfürsten ein zeichen der apostolischen gnade ..., die goldene rose, zuzusenden Ranke
s. w. (1867) 1, 271. A@1@bb)
von kostbaren geräten und anderen gegenständen, für die gold als material verwendet wird; besonders von gefäszen, namentlich trinkgeschirren aus gold, vgl. kasa guldeina
got. bibel 2. Tim. 2, 20: dî scuzzilin undi dî nepphi dî woli gisteinitin chophi, daz was alliz guldîn
d. lob Salomos 169
bei Waag
kleinere dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (
21916) 33; swaz ritter dô gesezzen was ..., den wâren kamerære mit guldîn becken swære ie viern geschaffet einer dar Wolfram
Parzival 236, 26; das sint gar selsam kirchengpräng, fremd ceremoni und gesäng ain sacristei voll mummerklaidung, gulden kelch, paten, meszberaitung Fischart 1, 419
Hauffen; disz trinckgschirr ... und disz gülden pocal geziert schenckt dir mein vatter Spangenberg
griech. dramen 2, 28
lit. ver.; (
die trinker) erzeigend allen ihren fleisz und ernst, ... ihre credentzen von gülden bechern und schalen mit groszem pracht in ordnung zu stellen Ambach
vom zusauffen (1544) c 4
b; es war ein könig in Thule, gar treu bis an das grab, dem sterbend seine buhle einen goldnen becher gab Göthe I 1, 171
W.; sprichwörtlich: was nutzt mich e guldeni schüss
el, wann nix drin ist Martin-Lienhart
els. 1, 213;
im bilde: geh, und bring ihm nur das gift in güldnen schaalen!
theater d. Deutschen (1768) 6, 69; so oftmals helden, grosze thaten blühen, aufsteigend aus der zeiten goldnen schaalen Tieck
schr. (1828) 1, 11;
[] die goldne dose, — denkt nur, denkt! — die könig Friedrich mir geschenkt, die war — was das bedeuten musz? — statt voll dukaten, voll helleborus Lessing 1, 9
M.; worinne ... eine goldene uhr und 14 schnuren grosze köstliche perlen (
lagen)
d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 165; den langen rohrstock mit goldenem knopf trug er unter dem arm Storm
s. w. (1899) 1, 3.
bei einem goldenen thron, goldenen stühlen, sesseln
u. s. w. ist an massives gold gedacht, wenn sie als sitz göttlicher wesen oder groszer herrscher gelten (
s. unten C 1)
sonst ist meist vergoldung gemeint, vgl. auch anord. Hávamál 105, 2: die guldînen schamele ob liehtem phelle guot
Nibelungenlied 531, 3
L.; da setzt ihn Dionysius ... in einen güldenen seszel Kirchhof
wendunmuth 2, 37
Öst.; mit gefühlsgehalt: princessin sonder land! die aus dem güldnen throne der schlag in abgrund stöst! A. Gryphius
trauerspiele 114
Palm; im bilde: auf einem golden richtstuhl lasz es (
mein eigenes bewusztsein) thronen, und alle schrecken des gewissens ihm in flammenrüstungen zur seite stehn H. v. Kleist 2, 198
E. Schmidt; die tugend steht erhaben auf einem güldnen thron Knittel
poet. sinnenfr. (1677) 32. goldene bulle
das kaiserliche siegel aus gold: und darüber zu ainer ganzen stritigkait und ewigen urkund geben wir in disen brief mit unsern gulden bull und unserm gewonlichen zaichen versigelt (
v. j. 1332)
bei Lori
baier. bergrecht 9;
kaiserliche urkunde mit angehängtem goldenen majestätssiegel: (
kaiser) Sigmund (
hat) anno domini 1433 beyde den abt und die von Schweytz zu Basel vereiniget, den Schweytzern das lehen der vogtey unnd kastvogtey bekrefftiget und darüber die keyserlich guldin bull geben am zinsztag vor
s. Lucien tag Stumpf
Schweizerchron. (1606) 501;
terminologisch für das reichsgrundgesetz Karls IV.
v. j. 1356: unde wolde he ok secgen, dat he sik to den eren an unser stad vorwaret hadde, so te wy uns an dat recht unde gesette, dat keyser Karolus ... darvan gesat unde mit der gulden bullen na vulborde der heren korvorsten ... unde andersaten des romischen rikes bezegeld heft (
v. j. 1418)
urk. d. stadt Lübeck 6, 40; (
die) stadt Wien ..., deren privilegium mit hinwegreiszung der goldenen bulle cassirt ward
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 33;
bildlich für irgend ein fundamentalgesetz, ein grundprinzip: (
von) einem ausgedörrten professor oder fresser der schönen wissenschaften ..., dessen ganzes verdienst darin besteht, uns die unverdaulichkeiten seiner lektüre für güldene bullen der kunst zu geben Lenz
vertheid. d. herrn Wieland 16
lit.-dkm. A@1@cc)
von münzen aus gold; vgl. in übersetzung von Matth. 17, 26 (
invenies staterem): thar maht thu undar them kaflon niman guldina scattos, that thu forgeldan maht them manne te gimuodie minan endi thinan
Heliand 3205
Sievers; mhd. sonst zufrühest guldîner phenninc,
woraus sich das subst. gulden
verselbständigt hat (
s. teil 4, 1, 6,
sp. 1054): guldîner phenninc tusent pfunt
Lohengrin 6511
Rückert; der phenninge guldîn die da heizent florîn Ottokar
österr. reimchron. 53339
Seemüller; man mag es (
das gold) treiben mit dem hammer, das ausz einem guldenin phennig fünffzig guldenin täfelin gemacht werden, wie sie die goltschmid brauchen Seb. Münster
cosm. (1550) 8; der (
zoll) giltet vierzec tusent guldin bysantzer der Sarrazin Joh. v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 6193
Regel, vgl. 6203;
[] das sy eyn guldin muncz munczen und slahen mugen (
v. j. 1422)
städtechron. 1, 246; (
ein gelehrter mensch) ist gleich der gülden müntze, wo die hinkompt bleibt sie in ihrem werth A. Olearius
persian. rosenthal (1696) 53
b; daher (
war) es kein wunder, dasz er ... sein zeit fast mit beschauen der gulden goldstuck und alter müntz ... vollbracht Fischart
binenkorb (1588) 233
b; den guldin guldi geben (
v. j. 1601)
bei Birlinger
schwäb.-augsb. 198
b; indem er so viele güldene species bey sich führete Schnabel
insel Felsenburg, vorr. 6
Ullrich; anders als wertangabe bei silbertalern im werte eines rechnungsguldens (51
groschen)
neu adjektiviert aus gulden, gülden,
m., im sinne von '
guldenwertig',
vgl. guldentaler
teil 4, 1, 6,
sp. 1069
sowie: aureus imperialis ein gulden thaler
nomencl. lat.-germ. (1634) 320: die güldenen stückthaler zu 1 thaler 15
gr. (
v. j. 1621)
acta publ. 4, 148
Palm; wie ich nun also an die nechst verstrichene mittagsmahlzeit gedacht, erinnerte ich mich auch der zweyen guldnen thaler Grimmelshausen 3, 409
lit. ver. —goldner beutel
beutel voll goldmünzen: ich wünsche dir und deinem bruder güldene beutel, dann ich weisz besser, was zum studiren gehöre, als ihr mir es sagen könnet Schupp
schr. (1663) 397;
ähnlich: salpeter hofft er (
der bauer) von der leimenwand, und findet golden-goldne rolle erschreckt, erfreut in kümmerlicher hand Göthe I 15, 1, 19
W.; goldener fuchs '
goldstück'
ist poetisch aufgelöstes goldfuchs (
s. sp. 775
f.): der lange Peter aus Itzehö? der seines vaters goldne füchse mit unserm regiment hat durchgebracht Schiller 12, 20
G. (
Wallensteins Lager); ... als sie die goldnen füchse sah, da ward sie zahm Bauernfeld
ges. schr. 1, 176. A@1@dd)
in besonderen verbindungen und formelhaften ausdrücken, zumeist mythologischen, biblischen oder sagenhaften ursprungs; von abgöttern u. dgl., deren bildnis aus gold gemacht ist: sînû abgot er worchti âni gotis vorchti, êni sûl guldîn widir demo himilischin kunigi
Nabuchodonosor 17
bei Waag
kl. ged. (1916) 36; den güldenen abgot Rodegast Joh. Micraelius
altes Pommerland (1640) 2, 135; setzt mir meinen güldnen gott, meinen vielgeliebten Machmud, hier im zelte nahe zu mir Tieck
schr. (1828) 1, 298;
im bilde: (
ein törichter mensch,) der, ob er gleich an geld, an ehr und glück gestiegen; doch, weil vernunft ihm fehlt, ein güldner götze scheint Triller
poet. betracht. (1750) 4, 334;
nach 2. Mose 32, 3
und 1. kön. 12, 28 das goldene kalb
als götzenbild: und der könig hielt einen rat und macht zwey güldene kelber
1. kön. 12, 28;
meist symbolisch für eine als götze angebetete sache, z. b. eine irrlehre, besonders häufig aber sinnbildlich für den vergötterten reichtum, den mammon: die gulden kelber sind seyne (
des papstes) erdichte leren Luther 8, 556
W.; du meinst, ich sei verpflicht, dir ehre zu erzeigen, und mein entblöstes haupt gar tief vor dir zu neigen, nur dasz du reicher bist; o nein, ich lasz es wol, weil man ein gülden kalb je nicht verehren soll J. Grob
dichter. versuchg. (1678) 15; so denkt ein wuchrer nur, der sich das goldne kalb zum götzen ausersehn E. Raupach
dram. w. ernst. gatt. (1835) 7, 89.
in antiker mythologie und sage; Jupiter, der sich als goldener regen
der Danae nähert: da dis gemeld was, wie der Jupiter etwan ein güldin schlegregen Dann (
lies Danae) in die schoss gesandt habe
Terenz deutsch (1499) 64
a;
[] so bald nicht mehr der goldne regen rinnt, ist keine Danae, so bald im trocknen becher der wein versiegt, ist kein Patroklus mehr Wieland
s. w. 9 (1795) 4; das goldne vliesz
aus Kolchis: ein insil wer Colcos genant, darinne wer ein guldin vel behalten Rudolf v. Ems
weltchron. 20272
Ehr.; mit disen knaben solte einer werden des Jasons schiffartgmeyner in die insul zum gulden wider Fischart
glückh. schiff 11
ndr.; allein sie schützt ein gott, Minerva führte sie, der preis der göldnen haut reizt ihre heldenmüh Wieland I 1, 41
akad.; Grillparzer das goldene vliesz, dramatisches gedicht in drei abtheilungen (1822)
titel; bildlich: der könig in Frankreich ist ein reicher hirt, alle seine schaf tragen das gülden flüsz Lehman
flor. pol. (1662) 3, 357; volk! dein goldnes vliesz nur zicht in der wage des fürsten: und er veredelt das schaf, wenn ihm die wolle zu schlecht Herwegh
ged. e. lebendigen (1843) 2, 101; orden vom goldenen vliesz
name eines 1429
gestifteten ritterordens: des gülden flusses ritterordn von ihm (
Philipp v. Burgund) ist erst gestifftet wordn Hollonius
somnium vitae hum. 10
ndr.; die titel des Eugen sind: ... ritter des goldenen vlieszes, der römisch kaiserlichen ... majestät würklicher ... raht Hippel
lebensläufe (1778) 1, 57. goldene äpfel,
vgl. ahd. chuldine effili
mala aurea (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 543, 47: der apfel guldîn unde ergraben, den Discordiâ dur strît brâht ûf der göte hôchgezît Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 23662
K.; die guldein ophel in den silberin petten
spr. Salomos 25, 11,
s. erste dt. bibel 8, 68
K.;
als reichsapfel das symbol königlicher würde: den güldnen apffel, wie gebrauch, trug der oberst richter auch
lieder auf d. winterkönig 15
Wolkan. in älterer gnomischer prägung etwas
oder jemand ist golden
zur bezeichnung einer unmöglichkeit: sie sprach: entriuwen, ist daz wâr, sô sint guldîn mîniu hâr
gesamtabenteuer 3, 117
v. d. H.; (
die wächter des grabes:) mer woln zu dem grabe gan, Jhesus der wel uff stan. ist das wore, ist das wore, so sint gulden unser hare
Alsfelder passionsspiel 6916
Grein; denn du sprichst, man sölle sie on alle barmhertzickeyt tödten. antwort ich: meynstu das recht, so byn ich gulden Luther 18, 388
W., vgl. 18, 89;
anders '
wertvoll': het er (
Daniel) nit wol verschuldet das, möcht er sin leben lenger han, het eyner das usz uns gethan, er müszt wie er den kampff bestan, man wurd in dennocht nit vil klagen als man dem juden nach thuot fragen. deszhalb ist ja, hiedurch muosz er und wenn er schon gantz guldin wer
geschicht d. propheten Danielis (1545) p 4
b.
bildlich mit goldenen netzen (hamen, angel) fischen
allzu wertvollen besitz aufs spiel setzen, also mit D 1 f
vermischt: er hielt kriegen für ein ding, als wann einer mit güldenen netzen vischet, da er mer in gefahr setzet dann zuo gewinnen glaublich ist Seb. Franck
Germ. chron. (
nov. 1538) 16
b; (
von dem fürsten, der unrechte kriege führt) denn erfehrt er erst an dem end, dasz er durch sein mutwillig that mit güldin netzen gfischet hat, vil mer verloren denn gewunnen, und im ist aller kunst zerrunnen Hans Sachs 16, 272
K.-G.; [] ... ach! also lob erwischen, so triumphiren heist: mit güldnen netzen fischen Opitz
opera (1689) 3, 304; ein zancker schafft sich harten gram, ... er fischt mit einem güldnen ham B. Ringwaldt
evangelia (1581) y 5
a; so hette man doch mit guldin hammen gefischet, mehr in die far ... gesetzt dan gewunnen Eberlin v. Günzburg 3, 151
ndr.; so noch mit goldnem hamen fischen
bei Fischer
schwäb. 3, 738; das hiesze also doch einmal: mit goldner angel fischen? — und — nichts fangen? (1810) Böttiger
an Göschen in: schriftsteller u. buchhändler vor 100
jahren 260
L. Gerhardt. A@1@ee)
als reine stoffbezeichnung, wo in neuerer sprache fast nur noch komposition mit dem subst. gold
üblich ist, weil golden
mehr als bezeichnung für das aussehen empfunden wird: (
der Antichrist gibt seinen anhängern) manic guldin phunt, silbir und edil gesteine
Linzer Antichrist in: fundgr. 2, 114
Hoffm.; der künec in alles werte ... manec tiwer goltvaz und mangen guldînen klôz Wolfram
Parzival 10, 5; wie kan ein göldner klump das höchste gut erlangen? Chr. Weise
zeitvertreib (1699) 2 30; fliezendeu wazzer, ... diu ziehent guldeinen griez Konrad v. Megenberg
buch d. natur 485
Pf.;
poetisch dagegen: ... was nach der Tiber schmekkt, geht Tagus göldnen sand und Isters perlen oben (
voran) Lohenstein
Arminius (1689) 1, e 1
a; ... Persian der was herre über alles Kaukasas, daz gebirge guldin Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 2105
R.; lamina guldein blech (
anf. d. 15.
jh., obd.) Diefenbach
gl. 316
C,
vgl. goldblech; die berg er (
gott) auch durchschmücken was mit metall, silber, gülden ertz Hans Sachs 1, 178
K. frühnhd. gülden stat '
mit gold gefüllte schatzkammer',
vgl. aurilegium goltkamer
vel gulden stat (15.
jh.) Diefenbach
gl. 62
b: den nommen den er (
der verstorbene) mir verladt, den acht ich für ein gülden stadt und alles guot, das kam uff erden, das ietzund ist und mag noch werden Murner
badenfahrt 23
Martin; goldener schatz
u. ähnl.: du solt den gulden schacz ... dem künig Dionisio geben Steinhöwel
Äsop 62
Öst.; wo man silberne und güldene schätze merket, da sucht man gelegenheit zur bekantschafft Chr. Weise
pol. redner (1677) 7; was ist das güldne gut und geld? Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 321; und (
dein haupt) wird vielleicht gar von solcher blumenmenge, wie jene Römerin von göldner beuth, erstickt J. Chr. Günther
ged. (1735) 400; (
an der krone) werdet ihr allerley zierrathe, edelgesteine und goldene arbeit sehen, die etliche tausend mark werth sind Gottsched
Reineke fuchs 52
Bieling; nun war ich (
Cellini) unausgesetzt mit der groszen goldenen arbeit beschäftigt Göthe I 43, 138
W. A@1@ff) '
mit gold ausgestattet, geschmückt, bekleidet, versehen',
wobei der gesamteindruck für die einzelnen teile eintritt, z. t. in D 2 b
übergehend: Thais, du must auch das frümal mit essen auff dem gülden saal, dort in der gastherberig mein Hans Sachs 20, 21
K.-G.; die leute da droben in den goldenen sälen tanzen und lachen, höhnen vergangenheit und zukunft Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 7, 2;
[] mögen sich die sein joch aufladen, die mitessen von seinen gnaden, die mit ihm tafeln im goldenen zimmer Schiller 12, 51
G. (
Wallensteins lager 900); es fragt der goldne stutzer, weis sie gestickte westen nach ihrem werth zu schätzen?
Bremer beitr. (1746) 1, 405; ... es standen im saale goldene knaben umher auf schönen gestellen und hielten brennende fackein Göthe I 4, 327
W.; wenn ich mir itzt das goldne gepränge, die trophäen, den stolz meiner kriegerischen tage zurück erkaufen könnte Gerstenberg
Ugolino in: Kürschners nat.-lit. 48, 247; soldaten, bediente, hausofficianten und ein glänzender hofstaat folgten hintereinander. endlich erblickte man ein goldnes gedränge und in demselben den könig selbst Göthe I 25, 1, 160
W.; wo die goldnen ritter sitzen und um ihre liebe buhlen maler Müller
w. (1811) 1, 260;
vgl. die güldinen reiter
stadtgardisten Birlinger
schwäb.-augsb. 198. A@22)
bei geweben wie borten, gürteln, tuchen, kleidern u. s. w. im sinne von '
aus oder mit goldfäden oder goldstoff hergestellt',
wobei oft nicht mehr an material aus echtem gold gedacht wird, so dasz golden
sich vielfach zur angabe des goldartigen aussehens (
s. unten 3)
erweitert; vgl. ahd. culdinaz uuerh
barbarica (9.
jh.)
ahd. gl. 4, 4, 53
St.-S.; bissio halb sidin und halb guldin (
obd., anf. d. 15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 54: mit rîchen borten guldîn Konrad v. Würzburg
Alexius 77
Gereke; da dan i. k.
m. unter einem baldachin von nägelfarben sammet mit güldenen posamentborten ... geseszen (
v. j. 1620)
acta publica 3, 144
Palm; si truoc ein guldîn hârbant
s. Oswald 2594
Baes.; und durch den blonden schmuck der haare schlingt zierlich sich ein goldnes band Schiller 11, 21
G.; und ein hut mit grünem band, goldne franzen an dem rand Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 118; (
die frauen) giengen uf daz gestül: manic guldin tuoch durch kül für sunnen schin gespannen was Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 10138
R.; von India sidin und guldin tuch
md. Marco Polo 9
v. Tscharner; du ehrenhold, behenck den sal mit gülden tüchern uberal Hans Sachs 8, 31
K.; eindeutig '
goldgestickt': item ain swartze guldeine gasel (
casula), item ein grune guldeine gasel (
v. j. 1431)
notizenbl. z. archiv f. kunde österr. geschichtsqu. 1, 301; ein priester und weissager schon sasz da in güldinem gewand Spreng
Ilias (1610) 135
a; meine mutter hat manch gülden gewand Göthe I 1, 167
W.; eine goldne decke macht den esel nicht zum pferde Rabener
s. w. (1777) 4, 32; wenn er auff hochzeit gehen sol, so lest er sich gantz prechtig schawen in füchsen, schauben, gülden hauben Eyering
proverbiorum copia (1610) 1, 74; ach, sprach die alte, er hat gesagt, du solltest deine güldne haube abthun und deiner schwester geben br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 256; wâpenroc und kursît ..., hermîn anker drûf genæt, guldîniu seil dran gedræt Wolfram
Parzival 14, 28; die säulen waren mit ... goldenen tressen umwunden Göthe IV 8, 65
W.; er reiszt seine goldene hutschnur ab und erdrosselt sich Schiller 2, 190
G.; indesz die eine goldne fäden zwirnt maler Müller
w. (1811) 1, 138;
[] im bilde: dieses fliehen und schmachten der wachsenden leidenschaft ist der goldne faden, an dem sich von selbst, gleich perlen, die köstlichsten gespräche über liebe, schönheit, ehe reihen Eichendorff
s. w. (1864) 3, 170. goldnes stück
in älterer sprache '
gewand aus goldbrokatstoff' (
s. o. teil 10, 4, 213),
vgl.en blâ golden stücke
brokat mnd. hwb. 1, 2, 186; gulden stuck, kleid
vestis attalica, vestis texti attalici, vestis auro intexta, vestis ex auro textilis Henisch (1616) 1776: der hertzog hett gross hoffart angericht mit seiner und der seinen kleidung von gulden stucken, sammath
M. v. Kemnat
chron. Friedr. I. 91
Hofm.; gleich wie auch ihr liebliche jugent schimmert in einem guldin stuck Weckherlin 1, 103
Fischer; ja, ich habe unrecht, ... dich zu beklagen, dasz du einer welt voll elend, voll betrug, voll bosheit entrissen worden, wo das laster in güldenem stücke gehet, wo tugend und menschenfreundschaft betteln musz Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 69. A@33) '
vergoldet'
und '
goldfarben'
von dingen, die wie gold aussehen, weil sie mit blattgold oder echtem goldstaub vergoldet sind, oder sonst einen goldähnlichen metallischen anstrich haben. die grenze zwischen material- und farbangabe ist hier oft flieszend; mhd. steht guldîn
meist noch als stoffbezeichnung '
aus echtem gold bestehend'
oder aber '
mit echtem gold überzogen'.
in späterer zeit tritt golden
als blosze farbbezeichnung stärker oder ausschlieszlich in den vordergrund, vgl. ahd. goltfar (
s. unten goldfarb)
und auch mhd. goltvar: sehs ûzerwelte striche den schilt sîn überviengen ..., drî wâren guldîn und drî blâ von lâsûr edel unde fîn Konrad v. Würzburg
turnier 664
Schröder; (
da) siht man vogel vliegen (nieman ez hab für liegen!) der varwe guldin schinet Joh. v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 7747
R.; carpasinus guldein farib (
voc. v. 1432) Diefenbach
nov. gl. 77
a; goldene pforte
die goldene tür in s. Peter zu Rom, die bei der feier des goldenen jahres (
s.C 4b)
geöffnet wird: es sagt der bapst hie ynn der bulle, er wölle die gulden pforte auff thun Luther 18, 255
W.; der schöne junge herr fuhr stolz in goldnen wagen v. Cronegk
schr. (1766) 2, 120; eine goldene karosse Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 8; zimmer mit goldnem getäfel E.
M. Arndt
s. w. 1, 61
R.-M.; das innere des Münchner theaters ist weit, hoch, reich, golden H. Laube
ges. schr. (1875) 8, 171;
heraldisch als wappenfarbe: in dem guldînen velde (
des schildes) lac ein blâwer löuwe schône Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 36122
K.; vel edelir ist eyn guldin veld danne eyn guldin bilde Joh. Rothe
ritterspiegel 641
Neum.; als die Medicis zurückkehrten, ward das kreuz wieder ausgekratzt, die rothen kugeln kamen wieder hinein, und das goldne feld (
im wappen) ward vortrefflich ausstaffiert Göthe I 43, 24
W.; besonders von den vergoldeten hauszeichen der wirtshäuser, nach denen sich diese benennen: wer ich zum gulden stern by mynem gedruwen wirt meister Altswert 247, 34
Holl.; eins mals het der edelmann ... ein grosze malzeit und gloch (
gelage) zu Wien in Osterreich zum guldin hirsch angeschlagen Jac. Frey
gartengesellsch. 82, 7
Bolte; ich zahle dem postillon einen ganzen thaler trinkgeld und bin spätestens um ein uhr in Dresden, wo mich im goldnen engel ... ein gut zugerichtetes abendessen und ein weiches bett erwartet E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 217
Gr.; auch sonst bei gegenständen, die vergoldet sind: goldener schnitt
vergoldeter schnitt eines buches, goldschnitt, doch vgl. unten D 2 b,
sp. 759
f.: dasz ein jeder kerl
[] ... dieses wercklein (
das vorliegende buch), wann es gleich in grünen atlas ... eingebunden, mit einem güldenen schnitt, auszgeziert ... wäre, ohnverhindert ... in das wasser (
werfen mag) Grimmelshausen 2, 503
Keller; die meisten buchbinder, die nicht allein einen guldenen schnitt zu machen wissen Abr. a
s. Clara
schr. 4, 166
Str.; goldenes buch
buch mit vergoldetem, selten echt goldenem einband: es ging ein knäblein wohl über das land, ein gülden buch trug es in seiner hand Göthe I 4, 168
W.; halb terminologisch das goldene buch,
in dem der venezianische adel verzeichnet war; daran anknüpfend im bilde: Doria hat das goldene buch besudelt, davon jeder genuesische edelmann ein blatt ist Schiller 3, 52
G.; als ehrenbuch der städte und behörden, in dem sich vornehme gäste eintragen, z. b. das goldene buch der stadt Berlin. goldener rahmen
und anderes: da sich jedermann um leidlichen preis auf velinpapier oder im goldenen rahmen sehen möchte, so hat er die lebhafteste kundschaft Göthe IV 25, 129
W.; mit den lebensgroszen bildern der alten grafen von Montfort, in schweren goldenen rahmen A. v. Droste-Hülshoff
br. (1893) 58; der hl. Christ bescheret dessentwegen denen kindern so schöne güldene ruthen, dasz sie sich entweder untereinander damit peitschen und schlagen soller, oder damit sie destomehr spielzeug dranne haben J. Prätorius
saturnalia (1663) 376; aber die goldenen nüsse blinkten in dem ... licht umso goldener Fontane
ges. w. I 6, 258.
in formelhafter verbindung goldene buchstaben, letterr, schrift
und verwandtes, vgl. aurigraphia gulden scrift (
voc. v. 1417,
nd.) Diefenbach
nov. gl. 43, gulden geschrifft
voc. theut. (
Nürnb. 1482) k 4
b: mit guldîn buochstaben an der porte wol ergraben
himml. Jerusalem 47
Waag; da wurden sy zway schön begraben. mitt guldinen büchstaben ward den geliben, so man saitt, ain aigen grabe da beraitt
Göttweiger Trojanerkrieg 20082
K.; bald ihme ein sehr schönen harnisch machen und darauff mit guldin buochstaben schreiben liesz Montanus
schwankb. 19
B.; braucht andre grabschrift nicht, noch güldne zeichen Grillparzer
s. w. 6, 253
S. dann redensartlich etwas mit goldenen buchstaben schreiben
einen wertvollen spruch, eine tiefe wahrheit, einen teuren namen u. dgl. weithin sichtbar oder besonders einprägsam machen; vgl. schon mhd.: die si in hertz hat gegraben: 'Wildhelm' die buochstaben in irm hertzen guldin sin geveltzet, da von schin get durch alle triwe lit Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 12777
R.; dasz man den spruch mit gülden buchstaben allenthalben an die wende ... schriebe
theatr. diabol. (1569) 49
a; die wort Isocratis sind werth, dasz sie mit güldenen buchstaben geschrieben seyn sollten Stranitzky
ollapatrida 51
Wiener ndr.; (
sie möchten) den spruch ... mit goldnen buchstaben an die wand der rathsstube schreiben Klinger
w. (1809) 3, 72;
ähnlich gemeint: er bringt mich an die pforten, die in den himmel führt, daran mit güldnen worten der reim gelesen wird Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 310;
oft abstrakter: diese wort solt man mit güldenen buchstaben, ja mit lebendigen buchstaben (das were besser) ins hertz schreiben Luther 33, 61
W.; wie ist der verfasser auf diesen nahmen gekommen, der in mein herz mit goldnen buchstaben geäzt ist? Hippel
über d. ehe (1774) 16;
bildlich von der schrift, die Klio mit dem goldenen griffel in das buch der geschichte schreibt: [] schau, wie sie (
Klio) auf ihren kniehen so ädles lob beschreibt, und mit zierlich göldnen lettern solchs auf marmor einverleibt G. Neumark
neuspr. teutsche palmbaum (1668) 351;
in vielfach variierten wendungen wie z. b. seine taten mit goldenen lettern in das buch der geschichte eintragen; seine taten leuchten mit goldenen lettern im buche der geschichte
u. ähnl.; hierzu auch: dasz wier rechtmäszige uhrsache finden, ihren ruhm mit güldenen buchstaben selbst zwischen das gestirne zu setzen Zesen
verm. Helikon (1656) 1, a 7
b; sein name flammt mit goldner schrift im lebensbuche Schubart
s. gedichte (1825) 2, 44;
stärker abgewandelt: sie leben frisch in dem gedächtnisz der menschen und werden in den goldenen rollen der weltgeschichte unsterblich glänzen E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 511. goldene harfe, saiten, leier
meint zunächst das goldene aussehen des instrumentes und der saiten, biegt dann aber vielfach in D 2 b
um und kennzeichnet den gefühlswert des wohlklangs (
vgl. auch gold II A 1 b): sein gülden harpff schlug er zu hand (1553) Casp. Scheit
frölich heimfart 78
Strauch (
v. 2490); sprich, widerhall, der, wenn die laute klang, ... mit hellem ton in güldne saiten sang, sprich, soll ich nie die ruhe wieder finden? E. v. Kleist
w. 1, 41
Sauer; lieblich klinget der ton von goldnen saiten, wenn der göttliche sänger sie belebet; aber lieblicher klingt die mehr als güldne leier des herzens Herder 27, 37
S.; Hermes verlangte die leier, die leier verlangt auch Apollon, doch vergeblich erfüllt hoffnung den beiden das herz; denn rasch dränget sich Ares heran, gewaltsam entscheidend, schlägt das goldene spiel wild mit dem eisen entzwei Göthe I 2, 134
W.; es greift der dichter nach der goldnen leier Tieck
schr. (1828) 1, 8; nun sitzt er droben im krystallnen schlosse, wo ich ihn sehe goldne saiten rühren Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 38. BB.
übertragen erscheint golden
vielfältig als eigenschaftsbezeichnung (
entsprechend gold II A)
bei dingen, die nicht aus gold bestehen oder mit einer metallischen vergoldung überzogen sind; neben der farbvorstellung steht meistens zugleich auch der sinneseindruck des glänzens im vordergrunde, während die reine farbangabe in nhd. prosa mehr durch goldgelb
oder auch goldfarben
bezeichnet wird; poetisch dagegen gilt golden
schlechthin für die goldgelbe farbe auch nicht metallisch glänzender gegenstände. B@11)
von leuchtenden körpern, wobei der glanz die vorstellung beherrscht, vgl. gold II A 1 a;
mhd. nicht belegt, auf anderer linie liegt: der leuhtend ohs (
ein sternbild) entsleuzzet uns daz jar mit seinen gldeinen hOernern Konrad v. Megenberg
dt. sphaera 25, 26
M.; häufig erst seit dem 17.
jh. von der sonne, vor allem am morgen und abend, und ihren lichtwirkungen, auf antikem vorbild beruhend: ehe früe ausz ihrem bette noch die gülne sonn auffsteht
Königsberger dichterkr. 14
ndr.; die güldne sonne voll freud und wonne Paul Gerhardt
ged. 293
Goed.; die sonne so golden blickend als ie Göthe IV 3, 45
W.; goldne abendsonne, o wie bist du schön A. B. Urner-Welti
in: neue schweiz. blumenlese (1798) 206; wenn die güldnen sonnenstrahlen dieses blaue wieder mahlen und die nacht ist gantz dahin Buchner
anleitung zur deutschen poeterey (1665) 60; dort der abendhimmel in purpurfarbnem und goldnem lichte E. v. Kleist
s. w. (1760) 2, 163; er sah ... in den sonnenball ..., alles schwamm in einem goldenen schimmer Fontane
ges. w. I 5, 42; und jener wald, wen läszt er unvergnüget? ... (
wo) sich grüne nacht mit güldnem tage gattet A. v. Haller
gedichte 120
Hirzel; [] ich war auch weit in deinen gauen, und hab' die schafe weiden sehen, und uralte bäume, und einen goldenen abendhimmel, und hab' eine lust im herzen gehabt mit thränen gemischt fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 124
Assing; gefühlsbetont: doch noch wandl' ich auf dem abendfeld, nur dem sinkenden gestirn gesellt; trinkt, ihr augen, was die wimper hält von dem goldnen überflusz der welt ('
abendlied') G. Keller
ges. w. (1889) 9, 43;
dazu stellen sich im anschlusz an antike vorstellungen: derwegen als die sonn vermerkt, das nur jr manhait wurd gestärkt, und sah allweil das schiff forteilen, ... derhalben nicht halb ausgerhut spannt sie frisch pferd vor wolgemut, lis sich aus irem guldnen sal und rennt in aim kib ab zu thal Fischart
d. glückh. schiff v. 657
ndr.; wo jetzt nur, wie unsre weisen sagen, seelenlos ein feuerball sich dreht, lenkte damals seinen goldnen wagen Helios in stiller majestät Schiller 11, 3
G.; vom monde im ganzen seltener, vgl. gold II A 1 a: die göldne nachtlaterne K. Stieler
geharnschte Venus 6
ndr.; sage, mond, wo ist dein güldner schein hinkommen? A. Gryphius
lustsp. 48
Palm; endlich leuchtest meinem pfad, Luna, klar und golden Göthe I 3, 222
W.; wer hat die schönsten schäfchen? die hat der goldne mond Hoffmann v. Fallersleben
ges. w. (1890) 2, 94;
von den sternen, vgl. nox aurea die nacht von guldinem gstirn Frisius (1556) 146
a: die gülden lichter hat der himmel auffgesteckt Zinkgref
auserles. gedichte 29
ndr.; der tag ist nun vergangen, die güldnen sternen prangen am blauen himmelssaal Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 298; es schienen so golden die sterne, am fenster ich einsam stand Eichendorff
s. w. (1864) 1, 267.
allgemein von lichtwirkungen: von oben wird unsz geben dasz liecht und gülden schein in stätem lauff und leben, sonn, mon und himmel sein Fr. v. Spee
trutznachtigall (1649) 110; ward das leibliche auge vergebens so schön gebildet? und findet es nicht sogleich den goldnen lichtstral vor sich? Herder 13, 349
S.; so wie die kerze golden angefacht am dochte brennet Tieck
schr. (1828) 1, 64; das goldene licht der lampe fiel auf sein antlitz und die bücher, welche um ihn lagen G. Freytag
ges. w. (1886) 6, 7. B@22)
von andern goldgelben oder wie gold glänzenden dingen, insbesondere vom hellblonden haar, vgl. gold II A 1 b
und goldfarb;
um haar aus goldfäden handelt es sich bei Notker: tu wândist selbiz taz sin fahs wesen guldinez unde sine loccha gefedelgoldote 1, 754
P.; sonst von menschlichem haar: daz man durch ez (
das tüchlein) ir guldîn hâr ... sach liuhten schône als einen tac der durch die wolken schînet Konrad
V. Würzburg
trojan. krieg 20278
B.; von deszwegen ir gelb und güldin haar sich die lenge uber sie auszbreitet
Amadis 228
Keller; der wind trieb ihr langes goldenes haar weit vor ihr voraus Göthe I 13, 2, 286
W.; ihr (
Annas) haar glänzte frisch und golden G. Keller
ges. w. (1889) 2, 76;
[] lange finger, weisze hände, augen als ein demantstein, göldne locken, armenbände wie der Venus ihre sein K. Stieler
geharnschte Venus 110
ndr.; einst zog nach diesem schlosse ein edles sängerpaar, der ein in goldnen locken, der andre grau von haar L. Uhland
ged. (1898) 1, 307; die blauen augen blickten gar fromm und gut aus den goldnen wimpern herfür Gaudy
s. w. (1844) 4, 129;
von rothaarigen, vgl. he es en gölde
mensch mit rotem haar rhein. wb. 2, 1303; gille
n rothaarig Follmann
lothr. 205.
häufig als epitheton von reifem getreide, früchten, herbstlaub, wein und honig, gern in poetisch gehobener sprache: bald, wenn sein (
des frühlings) bunter schmuck vergangen, erscheint der ähren göldnes prangen Drollinger
gedichte (1743) 8; windet zum kranze die goldenen ähren, flechtet auch blaue cyanen hinein Schiller 11, 292
G.; (
die hühner) verlassen das thauigte gras, vom hahne geführet; kommen ... bis güldener regen (
goldgelbes futter) aus der zarten hand sie begieszt Zachariä
tagzeiten (1757) 21; (
die gans schlürft) den gelblichen hafer und die goldne gerste erst in ihren kropf K. Fr. Cramer
Neseggab (1791) 1, 5; an denen göldenen zitronäpfeln wären auch die schalen nicht ohne kern Lohenstein
Arminius (1689) 2, 342
a; zum schönen morgen schick ich dir ein paar goldne äpfel Göthe IV 5, 105
W.; milch schäumt in alle feldbecher, und mit goldensten parmänen (
äpfeln) füllen sich die taschen Carossa
rumän. tagebuch (1926) 39; zwischen dem goldenen herbstlaube der birken grafen Stolberg
ges. w. (1820) 6, 306; bis die goldnen blätter an der erde rauschten Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 448; die raup umspinnt den goldnen zweig zum winterhaus für ihre brut Göthe I 2, 176
W.; der halsz ist gantz umbgeben mit seinem kraussen haar, als wie mit güldnen reben Rachel
satyr. gedichte 27
ndr.; wo auf und auf die goldne traube hängt Grillparzer
s. w. 6, 86
Sauer; viele pflückten um die wette den goldenen crocos Ramler
einleit. (1758) 1, 353; die goldne sonnenblume Herder 22, 61
S.; der goldne rebensaft vertreibet gram und schmerz Schwabe
belustigungen (1741) 1, 244; scherze springen aus dem goldnen wein Schiller 1, 260
G.; endlich erscheint ... das auf erden arm geborne neue wunderkind ..., nährt sich von säften süszer blüthen und bringt den goldnen honig zum stocke Göthe I 41, 2, 383
W. vom blick und von den augen, noch deutlich von 1
aus bestimmt: Laura — sonnenaufgangsglut brennt in deinen goldnen blicken Schiller 1, 295
G.; recht ein herz spricht aus den augen, senken sie sich golden nieder Tieck
schr. (1828) 1, 24; goldner als golden glänzt allen dein blick Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 125; der kuckuck lacht von ferne, es geht mir durch den sinn: sie hat die goldnen augen der waldeskönigin Storm
s. w. 1, 128
Köster. CC.
über den gebrauch als stoff- oder farbbezeichnung hinaus gewinnt golden
vielfach einen besonderen symbolcharakter und gilt dann meist als wertmäszig kennzeichnender ausdruck. C@11)
als typisches epitheton in der religiösen vorstellung von der wohnung göttlicher wesen und allgemein von dingen himmlischen ursprungs mit dem beisinn des herrlichen, kostbaren, überirdisch schönen, vgl. anord. [] Glaðsheimr er inn flmti,þars en gullbiarta Valhll við of þrumir
ä. Edda Grímnismál 8, 2,
vgl. Snorraedda Gylfaginning 14,
wie auch in antiker poesie alles golden
heiszt, was den göttern zu eigen ist, vgl. von antiken vorstellungen ausgehend: an seiner goldnen tafel sitzt ... der herr der menschen und der götter (
Jupiter) Gotter
ged. (1787) 1, 61; vater der götter und menschen! ruhst du noch oben auf deinem goldenen stuhle? Göthe I 17, 45
W.; die goldenen paläste der unterirdischen E.
M. Arndt
s. w. 1, 47
R.-M.; wenn du unter Elysiums goldnes thor eingehst maler Müller
w. (1811) 1, 119.
in der christlichen jenseitsvorstellung von offenbar. 21, 18
und 21
aus weiter übertragen: in himelrîche ein hûs stât, ein guldîn wec dar in gât Spervogel
in: minnesangs frühl. 28, 28; im guldenen himmel Paracelsus
opera (1616) 2, 681
Huser; (
bis ich) mit ewgen freuden singe im güldnen himmelssaal Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 350
b; nimm mich aus dieser welt ins güldne himmelszelt
Schweizer volkslieder 1, 191
Tobler; o lasz mich ewig schauen im stillen kindersinn zu jenen güldnen auen, woher ich kommen bin E.
M. Arndt
s. w. 5, 65
R.-M.; vergleichbar: (
die abgeschiedene seele des Hieronymus) bekleidet mit des ewigen lebens guldeinem gewande Joh. v. Neumarkt
hl. Hieron. 115
Ben.; gott lasz euch selig schlafen, stell euch die güldne waffen ums bett und seiner engel schaar Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 298; o herr! auf dunkelschwankem meere fahr ich im schwachen boot, treufolgend deinem goldnen heere zum ewgen morgenroth Eichendorff
s. w. (1864) 1, 576. C@22)
formelhaft in der liebessymbolik, im anschlusz an die antike vorstellung von Amors goldenem bogen und goldenen pfeilen; dann oft mit dem beiklang des wohlgefallen, lust und begierde erregenden, vgl. dazu unten D 1
und 2: mit dem gülden pfeil der begierdt verwundt seyn
buch d. liebe (1587) 109
a; in dessen (
des mundes der geliebten) wundersafft zu seinem liebesköcher Cupido allemahl die güldne pfeile netzt Hoffmannswaldau
u. and. Deutsch. ged. (1697) 2, 25; Amors leichte pfeile fliegen von dem schlanken goldnen bogen Göthe I 11, 208
W.; so bald die Venus ihn mit güldnen liebesstrikken nur angeschnüret hat, er wuste sich zu bükken: er folgte wie ein schaff Rachel
satyr. gedichte 33
ndr.; flieht vor seinen (
Hymens) goldnen stricken! Gotter
gedichte (1787) 1, 130; sag an, wo steht der goldne thron, der goldne thron der liebe? maler Müller
w. (1811) 1, 238; der liebe goldnes land Körner
w. 1, 131 (
Hempel); die liebe lieh mir ihre goldnen schwingen, zu diesem liebsten einzgen gut zu dringen Tieck
schr. (1828) 1, 349;
mit D 1 c
und 2 a
vermengt: das hochzeitbette winket schon, geht, eilt und schlaft das goldne schläfgen! D. Stoppe
Parnass (1729) 2, 41; süsze goldne liebe maler Müller
w. (1811) 1, 155; die herrlichste, goldenste, reichste liebe Fr. v. Gentz
schr. 1, 48
Schles. [] C@33)
im anschlusz an gold I D
drückt golden
vielfach die beziehung auf besitz, geld, gewinn und reichtum aus. C@3@aa)
in formelhaften metaphern für besitz, gewinn, wohlleben und glück; als grösztes, unerreichbares masz von reichtum gilt der besitz eines goldenen berges: waz solte mir ein guldin berc, des ich geniezen möhte niht?
Winsbekin 10, 13
Haupt; (
anrede des hauptmanns an die soldaten vor dem einbruch in Holland:) vor uns steht ein güldener perg und reichs lant, darin wir zu hern werden möchten (
v. j. 1507)
Wilwolt von Schaumburg 112
Keller; vor mir mögen goldne berge stehn maler Müller
w. (1811) 1, 216; o du lügengeist! schon vor dreiszig jahren hast du mir, so wie heute, von lauter guten tagen vorgeschwatzt, mir einen güldnen berg nach dem andern gezeigt Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 1, 216; (
auswanderer schreiben:) o ir glüklichen zu hause in der guden heimat, lassett eich nicht in eierer heimat goldne berge vormachen Jos. Rank
aus d. Böhmerwald 152
K. Wagner; de sett op enen golden berg '
ist sehr reich'
rhein. wb. 2, 1302;
redensartlich jem. goldene berge verheiszen, versprechen, zusagen
u. ähnl. im sinne von '
alles erdenkliche an gewinn versprechen': der selb hat den alten durch brieff gelickert, im gar schier guldene berg verheiszende Boltz
Terenz (1539) 136
b; er verhiesz mir, ich weisz nicht was für hohe güldene berge B. Schupp
freund in d. not 46
ndr.; die (
kriegsleute) warden mit wartgeld versehen, auch darneben von guldinen bergen vertröst
zimmer. chron.2 3, 427
B.; der ihnen gute worte gibet und güldene berge zusaget
Reinicke fuchs (1650) 373; der kayser möchte ihnen ja güldene berge versprechen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
b; seine dienstleute staunten: jedem versprach er goldene berge Gutzkow
ges. w. (1872) 4, 398; ei
nem guldi berg verspreche
n Staub-Tobler 2, 227.
sprichwörtlich: ein handtwerck hat ein gulden boden Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 7
b,
d. h. ist gewinnbringend, ernährt seinen mann: zum pschlües merkt, das man kain hantwerck auf ert verachten söll; ides ein guelden poden hat H. Sachs
fabeln u. schwänke 5, 229
Goetze-Drescher; obgleich er sein handwerk liebte, und es in keiner weise versäumte, so hatte es doch keinen goldenen boden für ihn W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 17;
variiert: der reichthum bestehet nicht in gelde, sondern in stärke, geschicklichkeit und fleisz. diese haben einen güldnen boden J. Möser
s. w. 1, 159
Ab.; ein handwerck hat ein gülden grund
jedermanns jammerklage (1621) b 1
a;
ironisch und mit golden D 2 a
gekreuzt: betteln hiesz vordem das güldene faule handwerk W. H. Riehl
d. dt. arbeit (1861) 125.
in anderen bildlichen wendungen und umschreibungen: (
er ist) der hoffnung, es werde ein mal ein güldiner schnee fallen, da werd mann gold und gelt mit schauflen zusamen scheuflen
sprichw. (1548) 157; auch sonst in den historiis ungelehrte reiche leuthe schafe mit güldener wollen genennet werden R. Lorichius
pädagogia princ. (1595) 15;
vgl. auch goldenes vliesz
unter A 1 d; darum man auch zu sagen pfleget: ein schaf hat allezeit einen güldenen fusz, dann wo es seinen fusz aufsetzt, da ist eitel gottes segen
viehbüchlein 52;
anders, vielleicht auf zinsen deutend: summa aller uncosten auf eine schäferey 230 fl. 11
gr. 6 D. rest endlich, ohne den güldenen fusz, 61 fl. 7
gr. 10 D
haushalt. in vorw. 174
E.-W., vgl. aber auch guldenfusz
teil 4, 1, 6,
sp. 1066; die edelleute versprechen zuweilen güldene eyer, und wanns dazu kommt, so sinds kaum ratzendreck Zendorius a Zendoriis
winternächte (1682) 88; noch weniger mag es ... den genossen ... verarget werden, wenn sie zu der zeit, wo das schwein eine güldne schnauze haben soll, ihr vieh ... ohne hirten herumlaufen lassen J. Möser
s. w. (1842) 3, 208
Ab.; [] die pracht, die euch (
städte) umringt, schlieszt euch in göldne ketten A. v. Haller
schweiz. gedichte (1743) 34; zu selig, schnitte das geschicke von seiner (
des kaisers) hand die güldnen stricke, womit es ihn zum sklaven macht
ders. gedichte 14
Hirzel; ich gieng zu einigen meiner guten freunde, die ... wuszten, dasz ich mir goldene federn ausrupfen liesz Ph. Hafner
ges. schr. (1812) 1, 76; was hilft es, venn man einen goldenen galgen hat und musz daran hängen Kirchhofer
schweizer. sprüchw. (1824) 180,
vgl. ebenso Fischer
schwäb. 3, 738; an en golden galg hange
von einer heirat um des geldes willen rhein. wb. 2, 1301; ein hölzerner bock ist einer goldenen ziege werth Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 127
b; vom goldenen wägele fällt ab ein golden nägele Rother
schles. sprichw. 420; goldene wiege
für eine reiche familie: warum ist er nicht in die goldne wiege geboren Bettine
dies buch (1843) 2, 335;
in bildern für '
goldgeld': der goldene regen, der oft in strömen aus männerhänden in ihren (
der metzen) schoos sich ergieszt Blumauer
gedichte (1782) 128; dat hus hät golden panne (
dachziegel)
ist mit hypotheken belastet rhein. wb. 2, 1301. C@3@bb)
häufig in metaphern, die eine bestechung durch gold bezeichnen (
s.gold I D 2 c,
sp. 697;
auch goldbeladen
sp. 717),
vgl.man hat in mit einer gulden kuogel geworffen, mit eim guldin hamer die zeen einschlagen, man hat im (
die) zungen an ein guldin ketten gelegt, sein zung ist an eyn guldin seyl gelegt, mit guldin öpffeln werffen, einn güldin apffel an weg legen, mit guldin spieszen kriegen Seb. Franck
bei Joh. Bolte
in den Berliner sitzungsber., phil.-hist. kl. (1925), 107: das geld kan alles, wer guldene flügel hat, der fliegt zum höchsten. wer einen guldenen schlüssel hat, sperret alles auf, auch die her tze der menschen. wer mit guldenen kugeln schiest, erobert auch die stärckeste vestung. wer mit guldenen angel fischt, der fängt alles was er will. wer ein guldenen praeceptor hat, der wird der gelehrteste. pecuniae obediunt omnia, o allmächtiges gold, dir geschicht die gröste ehr Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 65; do werden sie den Pilatum ouch myt guldenen buchsen mussen geschossen haben Luther 34, 1, 279
W., vgl. Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 164
b; guldin brunnen reden
ebda 1, 12
a; man schmirt den regenten die hend mit guldiner salb Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 168
ndr.; wer nicht hatte die hände mit güldinen männlein zu füllen, der muste unterliegen unnd seinem widersacher die schue putzen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 158; bestechungen (
überschrift) auff göldenen bericht wann bleyern urthel fellt, ists recht? o, nicht um recht, es ist zu thun um geld Logau
sinnged. 599
E.; (
Aquilar:) es ist ein arzt im hause, der wird nun immer nach meiner wunde sehen wollen, die ich nicht habe. (
Ponce:) setze ihm eine brille mit goldenen gläsern auf, so sieht er sie nicht Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 7, 127; e
in goldener schlüssel macht alle türe
n auf Fischer
schwäb. 3, 738;
von hier aus zu verstehen: solche heisze ich silbern und gülden juristen, die dem recht dienen nicht um des rechts willen, sondern nach den personen umb der taler willen Luther 50, 430
W.; hierher auch: herr Schenk und Güldne Gunst daselbsten richter sind
Reinicke fuchs (1650) 274. C@3@cc) '
aus goldgeld bestehend', '
goldgeld bringend',
vgl. guldein zinse oder rente
redditus, census voc. theut. (1482) n 2
b,
wo aber verderbtes gülte
vorliegen kann: ferner ward das ambt Laub und der güldene zoll daselbst, so hiebevor Churpfaltz zugestanden, ... gedachten landgraffen vom keyser vorehret und eingeräumet v. Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 826; jeder bildete ihm ... ein, er kriege mit seiner landvogtey einen beruff zu einer güldenen erndte Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
b;
[] der dichter hofft auf goldnen dank Ramler
fabellese (1783) 3, 224; sie haben sich heute so bald entfernt, dasz ich ihnen den goldnen segen Cottas nicht mit auf den weg geben konnte Göthe IV 14, 74
W.; (
er) verwies den unentschlossenen richter ... auf das blendende corpus delicti, und diese güldene hoffnung unterliesz nicht, einen verhaftungsbefehl auszuwirken Musäus
volksmärchen 1, 22 (
Hempel); sie überschlug rechnend den goldenen gewinn dieser ... stunde Holtei
erz. schr. (1861) 3, 23; auszerdem ward ... durch diesen brief bestätigt, dasz ... Veronika reich war. dieser umstand gab der ganzen angelegenheit einen angenehmen goldenen hintergrund, auf welchem sich alles noch einmal so schön ausnahm H. Seidel
vorstadtgesch. (1880) 153; '
auf geldgewinn zielend',
oft dem sinne von '
gewinnbringend, einträglich, lohnend'
angenähert: er ist ein doctor, reitet guldin meylin, gibt guldin räht Paracelsus
chir. bücher u. schr. (1618) 258; wir armen gebirger müssen uns indessen dieser güldenen handgriffe entschlagen Chr. Lehmann
hist. schauplatz (1699) 443; will einer die güldne praxin exerciren, so musz er cantzeley acta, urtheile, bescheide und solche sachen fleiszig durchgehen H. v. Fleming
teutscher soldat (1726) 20;
ironisch gemeint wie oben b: wenn sie nützliche anleitungen zur güldnen praxis schreiben wollen Rabener
s. schr. (1777) 2, 156;
vergleichbar: als sie und Boie mit Dietrich wegen des almanachs zerfielen, plagte mich Dietrich basz durch drey oder vier expresse boten, bepackt mit schwehren, güldnen versprechungen, seinen almanach zu übernehmen Bürger
br. 2, 16
Strodtmann. C@3@dd)
metaphorisch für '
reich, voll von schätzen, ertragbringend'
; so früh in flurnamen bezeugt goldene aue,
vgl. in der gulden ouwe (
v. j. 1480), in der gülden aue (
v. j. 1641)
bei Gerbing
d. flurnamen d. herzogt. Gotha 163; die goldene au, der goldene steig, goldene äcker, huben
bei Buck
flurnamen 86;
als landschaftsname die Goldene Aue
zwischen der Unstrut und dem Kyffhäuser: Güldene Aue ist der garten wo man diese rose (
die stadt Roszla) sieht (
v. j. 1740)
bei E. Dietrich
die landschaftl. u. geschichtl. merkwürdigkeiten der güldenen Aue (1897) 20; es lag die Goldne Aue im blutgen frührotschein, als wär mit blutgem thaue besprengt der gelbe rain Freiligrath
ges. dichtungen (1870) 1, 57;
allgemeiner: denn sie haben genug, sie sind die güldene, reiche awe in der welt Luther 19, 561
W., vgl. 28, 206.
oft mehr nach D 2
neigend, auszer dem reichtum auch schönheit und pracht bezeichnend: in des Ebro goldnen auen Müllner
dram. w. (1828) 2, 27; dann ist bei uns alles schlecht, auswärts das goldene land und der himmel auf erden Fr. L. Jahn
w. 2, 755
E.; an c
anknüpfend, wegen des geldertrages: nun erhebt sich die frage: hatte die burg Wolfkers gleich von anfang an diese bestimmung, seine pfleger zu beherbergen, oder ist sie ursprünglich nur zum schutz des 'goldenen steiges', der damaligen handelsstrasze nach Böhmen, errichtet worden? Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 81; '
reich, voller schätze und kunstgegenstände',
von herrschaftsgebieten, städten u. s. w.: (
ich) hette aber doch gemeint, du habst Meintz ausz einer andern ursach gulden genent
in: U. v. Hutten 4, 150
Böck., vgl. 1, 401; der Juno goldnes Mycene Ramler
lyr. ged. (1772) 221; trotz aller schmeicheleien der dichter konnte August sein goldnes Rom nicht einen augenblick zum Athen in absicht auf geschmack und schöne fühlung machen Herder 5, 623
S.; die grafschaft war so reich und gut, dasz man sie der zeith nennen thut die gülden grafschafft ... (
v. j. 1532)
bei Haltaus
gloss. 758;
[] (
bischof Pretislaus I.) besserte sein bisthumb so sehr, dasz es hernach das güldene bisthumb genennet ward Rätel
Curäi chron. (1607) 393; weszwegen August ..., umb ... das reichthum seines güldnen reiches zu bezeichnen, auff den marckt zu Rom eine säule aus golde setzte Lohenstein
Arminius (1689) 1, 7
a.
mit dem nebensinn des täuschenden, nur äuszeren prunkes, der nicht wahrhaftes glück bedeutet: in guldin heuszern hat man eisen odder höltzin leben Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 117
b; auch der besiz des ersten und schönsten königreichs der welt ist mir, um mit Schakespear zu reden, eine glänzende unruhe, eine goldne sorge Schubart
vaterl. chron. (1787) 147; und du, in deinen goldnen kerker eingesperrt, du hast von aller unsrer freude nichts
deutsches museum (1780) 1, 3; goldenes elend,
bei Auerbach
schatzkästlein (1857) 333
zuerst bezeugt im sinne von '
körperliches oder seelisches elend reicher leute',
ist nur eine variante von glänzendes elend,
vgl. teil 4, 1, 4,
sp. 7642
sowie ztschr. f. dt. wortf. 11, 291.
vereinzelt von personen: er eilt, der goldne narr (
der reiche Mops), aus dem verhaszten voll sehnsucht nach der stadt wald Wieland I 1, 272
akad.; und mögen goldne schurken beben und sich vor kraft und tugend grauen Körner
w. 1, 137 (
Hempel); die gesuchte goldene braut P. Dörfler
d. notwender (1934) 64. C@44)
als kennzeichnende bestimmung von zeitabschnitten sowie kirchlichen terminangaben, für die gold
einen bestimmten symbolwert besitzt. C@4@aa) das goldene zeitalter (alter, weltalter; die goldene welt, zeit; die goldenen jahre),
auf grund antiker anschauungen mythologischen ursprungs, vgl. O. Schrader
sprachvergl. u. urgesch.3 2, 1, 12,
bei Hesiod und danach bei Ovid, eine art paradiesvorstellung von einer frühesten epoche der welt, wo noch friede, glück, allgemeine sorgenlosigkeit und tugend herrschte. für jene sagenhafte urzeit, vgl. aetas aurea die guldine zeyt, do die gerechtigkeit embor was und die laster hindan gesetzt, do frid und fromkeit regiert Frisius (1556) 146
a: armuot die yetz ist gantz unwerdt was ettwann liep und hoch uff erd und was genem der gulden welt, do was nyemans der achtet gelt oder der ettwas hatt alleyn, all ding die woren do gemeyn Seb. Brant
narrenschiff 83, 33
Z.; wie die guldinen jar warn rummen, seind sie zuo den isennen kummen Jörg Wickram
w. 8, 235
B.; wie selig war die gülden zeit da in der gantzen welt die leut lebten in fried und fröligkeit Rollenhagen
froschmeuseler (1595) c 6
a; die goldne zeit ... da auf der freien erde menschen sich wie frohe herden im genusz verbreiteten Göthe I 10, 144
W. (
Tasso 979); von der uralten goldenen zeit Novalis
schr. 4, 93
M.; die schäfergedichte mahlen die glückselige einfalt und unschuld des ersten güldenen weltalters (
ab) Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 88; ach die glücklichen menschen der goldenen vorzeit! Eschenburg
beispielsamml. (1788) 1, 309; er lebte ... nur in dem goldenen heroischen zeitalter der welt Klinger
w. (1809) 4, 13; uranfänglich glückliche eilande, paradies oder goldnes alter Göthe IV 13, 37
W.; erweitert: die glückseligkeit ... liebt noch immer ihre kleine erde, die ihr sitz in goldnen zeiten war R.
Z. Becker
mildheimisches liederbuch (1799) 63; (
wo) kraftgefühl die sitten des goldnen alters lohnt v. Matthisson
schr. (1825) 1, 30. C@4@bb)
bei jubiläumsangaben. goldenes jahr
ein päpstliches jubeljahr, bei dem die Rompilger einen besonders groszen ablasz erhielten; angeblich nach der goldenen tür zu s. Peter [] in Rom (
s. oben sp. 738),
die dabei geöffnet wurde, benannt, vgl. Grotefend
zeitrechn. 1, 75,
aber golden
meint hier eher '
gewinnbringend'
für das seelenheil, daher auch gnadenreich,
vgl.gulden oder gnadenreich iare
annus jubileus, annus gracie, annus remissionis voc. theut. (
Nürnberg 1482) n 2
b,
sowie jubileus annus das güldin jor (
voc. v. 1440,
md.) Diefenbach
gl. 311
a: disse sulve cardinale gaf ... allen luden in unses heren van Magdeburg stichte (
stift,) do dat gnadenrike jar edder dat gulden jar in mate und wise, als ed to Rome was (15.
jh.)
städtechron. 7, 401; als man schreib nach Christus gebort tusent vierhundert unnd funffczig jar, do was das guldene jar unnd eine grosze Romfart K. Stolle
thür. chron. 29
lit. ver.; weet wol wise jeghen dyt tokomende guldene jar, dat alle dat gheld, dat me wert vorende na Rome, dat schole gij sulven upnemen ... unde altomale myt ware to betalende uthe dessen landen (
v. j. 1448)
urk. d. stadt Lübeck 8, 613; wenn der bapst den engeln gebeut, das sie der pilger seelen (so auff der Romfart sterben im gülden jar) gen himel füren müssen, ists auch gewis? Luther 30, 2, 478
W.; vgl. noch gülden jaar
päpstliches jubeljahr Dähnert
Pomm. 164
b;
ironisch, mit dem nebensinn des einträglichen: also ist der gottsdienst nu durch die gantze christenheit zwey mal groszer worden und die priester werden auch zeitlich zwey mal reicher werden denn zuvor. o der seligen zeit, das wil ein gulden iar werden! Luther 26, 605
W.; übertragen im sinne von '
segensreich': darumb ist nicht gnug, das uns gott lesset anbieten vergebung der sunde und eyn gnadenreych gulden jar verkundigen
ebda 12, 682; weyl uns denn itzt gott so gnediglich beratten hat mit aller fülle beyde der kunst, gelerter leutte und bücher, so ists zeyt, das wyr erndten und eynschneytten das beste, das wyr künden, und schetze samlen, damit wyr ettwas behallten auff das zukunfftige von disen gülden jaren und nicht dise reyche erndte verseumen
ebda 15, 52; unnd so also der papst und die bären verzehrt werden, so wird das selig gülden jahr kommen und der verstandt im glauben Paracelsus
opera (1616) 2, 585
Huser. goldene hochzeit
das fest der 50-
jährung des hochzeitstages, wobei das ehepaar vergoldete myrten trägt, vgl. die güldene hochzeit Scherz-Oberlin
gl. (1781) 1, 576; gülden hogtiid Dähnert
Pomm. (1781) 164
b: heute will ich vor allen dingen zum 22. glück wünschen und hoffen, dasz sie in ihrer neuen schön bereiteten wohnung mitten durch ein eisernes zeitalter der goldenen hochzeit entgegen gehen werden (
v. j. 1809) Göthe IV 20, 334
W.; bei eurer goldnen hochzeit
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 284. C@4@cc)
verschiedenes. goldener sonntag, goldener freitag
die in die quatember, goldfasten, fallenden tage (
s. unten goldfasten),
vgl. Grotefend
zeitrechn. 1, 75
sowie teil 10, 1,
sp. 1714: am gülden suntag in der fasten was es wider warm (
z. j. 1503)
städtechron. 11, 661; am gülden suntag Michahelis (
z. j. 1464)
ebda 10, 289; gulden sunntag
jeder sonntag nach den goldfasten Schmeller-Fr. 1, 896; goldener sonntag
sonntag nach den 4
quatembern Fischer
schwäb. 3, 739; uff den gulden freitag nach reminiscere (
v. j. 1510)
bei Spiesz
archiv. nebenarb. 3, 198;
anders, der sonntag, der auf den Johannistag fällt: die
s. g. geisterkirche im Fichtelgebirge öffnet sich am Johannis- oder am goldenen sonntag A. Sommerer
das Alexandersbad 163; an einem goldenen sonntag, das ist ein sonntag, welcher auf den Johannistag fällt Herm. Gröszler
sagen d. grafsch. Mansfeld (1880) 50; goldener sonntag
der letzte sonntag vor Weihnachten, an dem die kaufleute besonders groszen gewinn erzielen, also an C 3 c
anknüpfend, vgl. der goldene sonntag
sonntag vor Weihnachten Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 429. die drei guldenen samstage oder samstagnächte
die drei samstage nach Michaelis, vgl. Schmeller-Fr. 1, 896
sowie '
sonnabend in der vollen woche nach Michaelis, auch deutsch als goldene messe, goldenes amt
bezeichnet, nach der an dem tage entwickelten kirchlichen pracht oder wohl noch eher nach den an dem tage gegebenen präsenzgeldern'
[] Grotefend
zeitrechn. 1, 124: am güldein samstag da hieb man den Henffenvelder mit gerten ausz (
z. j. 1503)
städtechron. 11, 661; goldene messe
messe an diesen goldenen samstagen, vgl. Schmeller-Fr. 1, 896
sowie 'gulden mesz
missa solemnis antelucana de annunciatione b. virginis, quatuor temporum adventus feria quarta celebrari solita, sic dicta ob excellentiam' Henisch (1616) 1776: fünf messen von dem liden unsers herren, als ich mein so sind es gesin die fünf guldin messen (15.
jh.)
Stretlinger chron. 1, 106
Bächt.; die prediger münch erdencken siben guldin mäss, die darumb guldin haiszen, dann man muosz in ein guldin do von zuo läsen geben Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 160
ndr., vgl. guldine messen (
um 1597)
bei Fischer
schwäb. 3, 739; das guldene amt
das engelamt, das rorate (
frühmesse der adventszeit),
vgl. Schöpf
tirol. 105: disz ist die ursach, dasz das rorate oder guldene amt zu morgens in aller fruhe gehalten wird Heribert v. Salurn
pred. bei Birlinger
kirchensprache in: kirchenschmuck 21, 19; o was für andacht hatten unsere gottselige voreltern zu dem gulden amt! es pflegten unsere gottselige voreltern diesen gottesdienst, das rorate, das guldene amt zu nennen, anzuzeigen, dasz ihnen nichts angenehmeres, nichts köstlicheres und nichts wertheres sei als dieser gottesdienst, gleichwie das gold dem menschen am angenehmsten und werthesten ist
ebda; der herbst was warm und naz und aun allen schne biz an die plüenden (
var. guldin) vesper (
z. j. 1382)
städtechron. 4, 72; goldene none
nontag, Christi himmelfahrt: luiders (
glockenläuter), de de gulden none luidet
Freckenhorster hebungsbuch bei Grotefend
zeitrechn. 1, 135; daz si daz hailtum zu der guldin non auf den altar sazten
Andexer chron. bei Schmeller-Fr. 1, 896. DD.
entsprechend gold II B-D
vielfältig metaphorisch angewendet, wobei bestimmte typische eigenschaften des goldes, wie hoher wert, schönheit und beständigkeit, besondere sinnfüllungen von golden
hervorrufen, die mehr den charakter eines symbolausdrucks als den einer wortbedeutung haben. D@11)
vergleichsmerkmal ist vor allem der hohe wert, die kostbarkeit goldener gegenstände, vgl. gold II C;
dinge, personen und abstracta werden golden
genannt, wenn sie einen vergleichbaren wertcharakter haben. D@1@aa)
im kontrastvergleich von etwas wertvollem im gegensatz zu etwas weniger wertvollem; oder von etwas geringwertigem gegenüber völlig minderwertigem (
vgl. oben gold II C 2) etwas ist golden gegen
etwas anderes, '
wertvoller, besser als etwas anderes',
die ältere adjektivische fassung des gleichen gebrauches von gold II C 2 (
s. sp. 707): fahre hin messe, fahre hin sacrament, fahre hin gebet, fahre hin orden, ich will des werks gern entbehren, ich will meinem nächsten dienen; die liebe, so ich an meinem nächsten übe, ist gülden gegen dem werke Luther 14, 129
Erl.; ja, schweigt, gfatter! dann eur man ist warlich gulden gegenn meym. meiner khumbt wunder seltten heim Peter Probst
dram. w. 111
ndr.; dasz es unter allen übeln ... für kinder, wogegen das verschrieene buchstabieren und wixen golden ist, kein giftigeres ... giebt als eine — hausfranzösin Jean Paul
w. 1, 45 (
Hempel); dagegen ist die hannöversche indolenz noch gülden, ob sie gleich auch unverantwortlich ist G. Forster
s. schr. (1843) 8, 153;
vgl.s is
t golden d
ergege
n es ist unvergleichlich mehr wert Martin-Lienhart
elsäss. 1, 213; dat is dr nog golden tägen
ist golden dagegen Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 663; dat wif hett weer (
wieder) efräiet (
gefreit) un de twäide keerl es golden tiägen dän iärsten (
ersten) Frederking
Hahlen 45;
so auch: die Wertheimer bibel, eine übersetzung nur der fünf bücher Mosis, ist golden im vergleich mit der Altonaer bibel Claus Harms
verm. aufs. (1853) 316;
ähnlich: dannenhero pflegt man zu sagen: die liebe der ersten ehe pflegt gülden, der andern aber silbern zu seyn v. Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715) 1, 133
a;
formelhaft goldner als gold '
wertvoller': so ist doch euer leben, darinnen ihr jetzt seyd, und künftig bleiben solt, geliebt es gott und euch, noch güldener als goldt
M. Opitz
teutsche poemata 233
ndr.; [] noch goldner ist als gold gesang von edlen dingen J. H. Voss
s. ged. (1802) 5, 210. D@1@bb)
feste terminologische bestimmungen wie goldene zeit
oder zeiten,
auch zeitalter, jahre, tage
und verwandtes gehen zunächst von C 4 a
aus und gelten übertragen gebraucht besonders als umschreibungen für eine epoche des friedens und hochstandes der kultur, eine blütezeit der kunst (
so die epoche einer klassischen literatur)
oder überhaupt für eine glückliche, harmonische, sorgenfreie zeit im leben der völker und des einzelnen menschen, hier besonders für kindheit und jugend; verknüpft werden damit zugleich die vorstellungen von kostbarkeit und schönheit, entsprechend gold II C
und D,
und neben die objektiv gemeinte bewertung treten vielfach verwendungen mit mehr oder weniger stark betontem gefühlsgehalt, der sich vor allem auf starke gefühel des glückes, materiellen oder seelischen wohlbefindens, der freude, lust u. s. w. bezieht (
s. darüber besonders D 2 a): auch müssendt die ständt untergohn und gar ausz der welt gereutt werden ... alsdann ist die güldin welt, das ist, alsdann wirdt der mensch in seinen rechten verstandt kommen und menschlich leben, nicht viehisch Paracelsus
opera (1616) 1, 1056
Huser; sie (
hatten) das goldne alter ihrer dichtkunst und sprache in ein silbernes und ehernes verwandelt Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. (1751) 6, 194; endlich hat Frankreichs goldenes alter unter Ludewig dem vierzehnten den La Fontaine hervorgebracht Ramler
einl. in d. schön. wiss. (1758) 1, 288; bis unter dem chalifen Almansor ... sich das goldne saeculum der litteratur unter den Saracenen anfieng Wieland
gesch. d. gelehrtheit 37
Hirzel; (
man sollte) glauben: der allgemeine friede sei befestigt und das goldne zeitalter vor der türe Göthe I 20, 296
W.; lasset ... uns nicht glauben, dasz menschen eines goldnen jahrhunderts, wofern je ein goldnes jahrhundert gewesen ist, eine akademie der wissenschaften vermiszt haben grafen Stolberg
ges. w. (1820) 3, 149; goldene jahrtausende hüpften wie bräute vor unsrer seele vorbei Schiller 3, 500
G.; wodurch das zeitalter des Augustus zum goldenen alter geworden
ders. 1, 157; manches volk (
hat) mehr als eine periode seines sogenannten goldenen zeitalters der kunst gehabt A. Stifter
s. w. 14, 36
Sauer; mein städtchen liegt wohl kaum einmal in deiner geographie; lauter arme leineweber, deren goldenes zeitalter gewesen (
vorbei ist) Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 81.
gern von der jugend gesagt: als er nun seine güldne jugend mit ädler übung ausgeziehrt ... hat er sich wieder her gewandt Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 448; wenn wir uns vor allem der jünglingszeit mit lust und freude erinnern ... wie wir die jahre fürs güldne alter und für ein elysium unserer erinnerung halten (denn wer erinnert sich seiner unentwickelten kindheit?) die am glänzendsten ins auge fallen Herder 5, 494
S.; hierzu auch: keine frau wird imstande sein, die tendenzen zu ändern, welche sie in jener goldnen zeit hatte, die ihr allein das leben scheint E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 110
Gr.; noch ist die blühende, goldene zeit, noch sind die tage der rosen Otto Roquette
waldmeisters brautfahrt (1874) 53;
anders, in f
übergreifend, '
wertvoll': sehet ihr hier ... die früchte des lustigen studentenlebens. einen solchen ausgang gewinnet es zu letzt: ... wir werden uns selbsten gram und betauern mit unserm höchsten schaden das schöne geld, und welches unwiederersetzlicher, die edle und güldene zeit Schoch
studentenleben 79, 33
Fabr.; bald richtete ich mich nach den sitten der leute ..., verlohrne goldne zeit! Knigge
umgang m. menschen (1796) 1, 31;
mit C 3 c
sich kreuzend: für den sohn war dies eine goldene zeit, da nicht nur das unternehmen überhaupt eine spekulation vorstellte, sondern auch eine menge geschicklichkeiten an den mann gebracht werden konnten G. Keller
ges. w. (1889) 1, 159.
[] formelhaft goldene zeiten: da gieng es redlich zu! da waren göldne zeiten! Neumark
fortgepfl. musikalisch-poet. lustwäldchen (1657) 4; o güldene zeiten! o selige stunden! J. Chr. Günther
gedichte (1735) 334; kein zeitpunkt war so dumm, so voller dunkelheiten, in dem man nicht geschrien: itzt sind die güldnen zeiten v. Cronegk
schr. (1766) 2, 118; o, wo sind jene goldenen zeiten, da wir einander jeden posttag schrieben! G. Forster
s. schr. (1843) 7, 347.
goldene jahre, tage, stunden; hierbei ist der persönliche gefühlsklang oft besonders kräftig; objektiver: was glückseliger und guldiner jaren gewesen ... by unser vatter zyten (
v. j. 1586)
bei Staub-Tobler 2, 227; ehstes wird die böse zeit kummen auff die bahre, ehstes werden werden jung tausend göldne jahre Logau
sinnged. 300
Eitner; ironisch: ja endlich haben wir erlebt die güldne jahren, dasz auch das weibervolk läst spul und haspel fahren und macht ein kunstgedicht Rachel
satyr. gedichte 111
ndr.; stärker subjektiv: die goldne mayenjahre der knabenzeit leben wieder auf in der seele des elenden Schiller 2, 129
G.; objektiv gemeint: vor zytten was wypliche schon nit also werdt und wol gethon; wir sindt ietzundt in gulden tagen und weln nit von den alten sagen, was kleydung sy handt vor getragen Th. Murner
gäuchmatt 19, 118
Uhl; (
du wirst) den Spaniern die goldnen tage schenken, die sie von mir umsonst gehofft Schiller 5, 402
G.; mehr subjektiv: mit solchem heimwehähnlichen schmerz denke ich an die goldenen tage, die glücklichsten meines lebens zurück Lavater
aussichten ind. ewigkeit (1770) 1, 25; stelle her der goldnen tage paradiese noch einmal, liebes herz! ja schlage, schlage! freier athem, deine lieder mischen sich mit lust und qual Göthe I 2, 39
W.; er hat ... ihr frühes ende vorausgesehen und ihr deshalb die goldenen tage bereitet
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 199.
in D 2 a
übergreifend goldener tag
tag nach der hochzeit Birlinger
schwäb.-augsburg. 198; der guldene tag
dasselbe Schmeller-Fr.
bair. 1, 896;
entsprechend auch di guldi wuche
flitterwochen Staub-Tobler 2, 227.
fast durchweg auf das persönliche gefühlsleben gerichtet goldene stunden, minuten;
objektiv, an f
grenzend, '
kostbar' (
s. unten): (
ihr) habt tausend ... guldene stunden gehabt, gutes zu thun Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 507;
sonst mehr subjektiv wie 2a: und habt ihr dann in goldnen stunden, vom schicksal zugeführt, den edlen freund gefunden, dem euch die liebe schuf ... Wieland I 1, 318
akad.; glückliche tage, goldne stunden, o wär ich schon da! Gleim
briefw. 1, 393
Körte; träumte da von vollen goldnen stunden ungemischter lust, hatte schon dein liebes bild empfunden tief in meiner brust Göthe I 1, 71
W.; tanzet nun, in lust verloren, ihr, der liebe goldne horen, tanzt um meinen schönsten sohn! Bürger
s. w. 75
b Bohtz; das waren goldene minuten Bettine
Göthes briefw. m. e. kinde (1835) 1, 173. D@1@cc)
in anwendung auf personen, die jem. teuer sind, mit besonders betontem gefühlsgehalt vor allem bei zärtlicher und schmeichelnder anrede; namentlich für die geliebte, den geliebten, vgl. entsprechendes bei gold II C 3 a
und goldig
sp. 797: so kom du güldens freundelein auff den abend spate und acker mir mein allerbestes felt!
bergreihen 72
ndr.; [] o meine güldene hertzallerliebste frau, was hab ich denn getan? Chr. Weise
erznarren 12
ndr.; herzchen, blümchen, goldnes mädchen Herder 25, 401
S.; liebster, närrischer, goldener mann Mörike
ges. schr. (1905) 1, 235
Göschen; (
Johannes:) Käthchen! du goldnes, goldnes geschöpf G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 64;
so auch mundartlich, aber wie in der umgangssprache weithin von goldig
verdrängt, vgl. gülden (gëalle)
ein übliches liebes- und schmeichelwort Crecelius
oberhess. 443.
ebenso bei der anrede naher verwandter und freunde als zärtlichkeitsausdruck, vgl. gülden vrünt
mnd. hwb. 1, 2, 186: ach lieb, hertze, gülde vetter
engl. comed. (1620) 41; o mein gantz guldener schwehervatter! höret doch einmal auf (
zu schlagen) Abele v. Lilienberg
künstl. unordnung (1670) 2, 228; ach mein göldner herr sohn, ist das nicht freude, wenn man solche ehre an seinen kindern erlebet? Chr. Weise
Masaniello 114
ndr.; (
tochter:) derowegen thu ich mich unterthänigst bedancken, guldener papa Stranitzky
ollapatrida 264
Wiener ndr.; theuerster, liebster, goldener vater Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 31;
ironisch: ich hab yhr noch keynen (
der falschen propheten) gesehen, der gerne hette geben, sie wöllen alleyne, man mus yhn geben, ey lieber, yhr gulden freunde, wer möchte des nicht? Luther 17, 1, 368
W.; du prächtiger, goldener freund Kotzebue
almanach dram. spiele (1806) 2, 287;
auch sonst als schmeichelndes epitheton bei bitte oder dank, besonders gegenüber höhergestellten personen, vgl. ja, es ist wohl bräuchlich gewesen, dasz man vornehme leute gülden genennet Chr. Weise
pol. redner (1677) 675: (
Hans Pfriem): ach hertzige, güldne herren viel, ich bitte euch lauter umb gottes will Hayneccius
Hans Pfriem v. 1653
ndr.; ach gölner heer, nich dach so streng, ich wils noch heut alls gebreng geld oder weetz (
weizen)
M. Rinckhart
christl. ritter v. 339
ndr.; ach ihr hertze gülden leute, steuret doch einem armen mann auch etwas umb gottes willen
engl. comed. (1620) 120; ja! mein goldenster herr rittmeister
theater d. Deutschen (1768) 13, 340; verzeih, lieber, goldner Perlendaniel, verzeih! Schiller 2, 188
G.; komm her, du lieber goldner knabe du, der mich befreit, nimm diesen ring von mir H. v. Kleist
w. 2, 229
E. Schmidt; nein, seien sie barmherzig, goldner herr Barbarossa! Gaudy
s. w. (1844) 2, 154;
als kosendes beiwort von kindern, vgl. das heute dafür häufigere goldig (
s. unten): dieses guldene kind (
Jesus) Abr. a
s. Clara 1, 75
Strigl; gölles kend Estor
rechtsgelahrtheit (1767) 3, 1409,
vgl. Vilmar
Kurhessen 140; gölde
kosewort für kleine kinder rhein. wb. 2, 1303. —
anders, wenn weniger das persönliche gefühl als eine mehr objektive qualitätsbewertung gemeint ist; ironisch: ach, das weren mir die feinesten christen und die güldene brüder Luther 30, 3, 562
W.; vor zeiten waren gülden priester und höltzen kelch: nun seind die priester höltzen und die kelch gülden
de generibus ebriosorum (1599) 60; jenes teutsche sprichwort lautet: vor diesem hatten wir güldene pfaffen unnd nur höltzerne kelch, jetzo haben wir güldene kelch unnd höltzerne pfaffen J. H. Schill
d. teutsch. sprach ehrenkranz (1644) 28,
vgl. dazu: hölzigi chelch und guldige priester hat die alt chil
chen gha
n — und jetzt?
bei Staub-Tobler 2, 227;
oft mehr nach f
hinüberweisend: o goldenster Virgil! D. Stoppe
Parnass (1735) 292; unser herzog ist ein goldner junge Göthe IV 3, 22
W.; Diez ist ein ganz goldner mensch: er hat in kraft, einfalt, heiterkeit und nächstenliebe ... ungemein zugenommen Görres
ges. br. (1858) 3, 261; und der herr von Natas? fragte ich kleinlaut. 'ist noch hier. ach, das ist ein goldener herr' W. Hauff
s. w. (1890) 2, 24.
vergleichbar auch goldener zirkel
kreis erlauchter persönlichkeiten: da es bey dem goldenen zirkel des Osymandias unter den ägyptischen
[] priestern an sternkundigen nicht gefehlt hatte Gottsched
d. neueste aus d. anmuth. gelehrs. (1751) 2, 37; zuweilen ein goldener zirkel von ihren verwandten und freundinnen um sie her Schubart
leben u. gesinn. (1793) 1, 104. D@1@dd)
von weisheitssprüchen, lehren, regeln u. ähnl., die besonders wertvoll erscheinen; in diesen gebrauch gehört die übertragung auf den mund und die zunge des weisheitslehrers, vgl. im griechisch. χρυσόστομος als ehrenname groszer redner, z. b. den namen Johannes Chrysostomus: Johannes mit dem gulden munde der sprag also zu einer stunde Johannes Rothe
lob d. keuschheit 1564
Neum.; der evangelist sagett nit, was das vor ein zceichen sein wirtt, sonder der Gulden Mundt sagett uns das (
v. j. 1521) Egranus
pred. 53
Buchwald; do sprach der junger (
zum meister): dine guldine zunge hat mich erhabin hoher denne dehein berc si. nu sage mir von der heiligen froide
Lucidarius 73, 2
Heidlauf; (
die) universität werde ... grosze traurigkeit empfunden haben, als sie ... den güldenen mund des Mylii zu der erden bestattet (
hatte) Chr. Weise
pol. redner (1677) 554;
gleichen sinnes ist der titel legenda aurea
des Jacobus a Voragine, daran anknüpfend: sihe, das sind die rechten güldenen legenden, darynne uns gott leret Luther 24, 613
W.; also dasz weniger zweiffels hieran, dann uber der gulden legend, die im meszbuch authentisiert ... ist, fürfallen kan Fischart
binenkorb (1588) 156
a; disz ist das guldin
abc, das diser from man dem doctor für gab zuo lernen Tauler
pred. (1521) b 5
a; wie wohl hätten die leute gethan, wenn sie bedacht hätten, was die christliche kirche im güldenen
abc singet Liscow
samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 21; da er das goldene
abc bei der heiligen taufe zu seinen vornamen empfangen hatte, so ward er A. B. C. freiherr von und zu Rosenthal ... genannt Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 3.
am häufigsten goldener spruch, goldenes wort, goldene regel: es ist eyn guldener spruch, qui summis verbis haud dubio a Petro est explicatus Luther 34, 1, 484
W.; diss sey ein gülden spruch in peinlichen sachen Nigrinus
v. zäuberern (1592) 453; thränen ..., die zu ihrer zeit beredter sind als alle goldne sprüche der griechischen und römischen weisen Rabener
s. w. (1777) 3, 212; goldne sittensprüche und regeln sind ... von unschätzbarem werth Herder 16, 585
S.; dicta aurea guldine wörter, das ist schöne und nutzbare Frisius (1556) 146
a; o runde, ausztruckne, gründliche warheit, o güldene wörter, denen das allerbest alchimistisch gold in ewigkeit nit wirdt gleichen Guarinonius
grewel d. verwüst. (1610) 45; weisen freundes goldne worte lispelten am schattenorte Göthe I 4, 20
W.; dazu ist vor allem geduld nötig und einsicht und die ruhe des gemütes, die von der einsicht kommt. das sind goldene worte Waggerl
Wagrainer tagebuch (1936) 58. wiltu aber ye etwas bey der sunde thun deynes nehesten, so halt die edle, kostliche, gulden regel Christi, da er spricht: so dein bruder etwas sundiget, das dir wyddert, so gang hyn und straff yn tzwischen dir und im allein Luther 2, 120
W.; es ist eine goldene regel, dasz man die menschen nicht nach ihren meinungen beurtheilen müsse, sondern nach dem, was diese meinungen aus ihnen machen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 129; mein vater prägte seinen sieben buben fleiszig die goldene lehre ein Musäus
volksmärchen 1, 64 (
Hempel); höre, herr sohn, erlaube mir, dir zwei güldene lehren zu geben Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 203; so hatte ich jedoch diese güldene warnung und lehr weder recht verstanden noch ihren nutz beobachtet Grimmelshausen 2, 455
Keller; demnach finde ich pag. 1 a deines wehrten schreibens den unvergleichlichen und recht güldenen ausdruck J. Chr. Edelmann
göttlichkeit d. vernunft (1740) 360; du hast mir goldne sachen über mich selbst und über meine nächsten verhältnisse gesagt Göthe IV 8, 217
W.; [] ich habe goldne meinungen von leuten aller art mir eingekauft Schiller 13, 35
G. (
Macbeth I 15);
in weiterer anwendung, vgl. aureolus libellus ein guldins büchlin, fürträffenlich, nutzlich wie gold Frisius (1556) 146
a: hätte nun die posterität solchem begeren nachkommen und wie andere recht guldene schrifften ... untertrucken und verlegen wollen Dannhawer
cat.-milch (1657) 1, )( 3
a; so will man lieber sagen, es käme dieses güldne büchlein von irgend einer andern universität her Lichtenberg
nachlasz 24
Leitzm.; erwach, mein volk, mit neuen sinnen, blick in des schicksals goldnes buch Herwegh
ged. e. lebend. (1843) 2, 26;
in dieser sinnrichtung oft in titeln älterer zeit, z. b. Seb. Franck die guldin arch (1538), A. Comenius aufgeschlossene güldene sprachenthür (1643). D@1@ee)
von sittlichen handlungen, ethischen werten, hohen lebensgütern, idealen u. ähnl., vielfach von dem religiösen symbolcharakter (
s. oben C 1)
ausgehend, vgl. der ussewendige mensche ... weschet sich rechte in Cristo in sime hochguldigen (
var. hoch guldinen) bluote Tauler
pred. 38, 13
V.: es sind eitel hertzliche, lebendige wort, wilche anzeigen, das, was er gethan hat, hat gott wolgefallen, und hat eitel rechtschaffene güldene werck gethan Luther 24, 492
W.; (
das) seynd eytel guldine guote werck
reformationsflugschr. 1, 13
Clemen; das hie ist das gulden leyden, das man verfolget werd und getödt mit schmachait Luther 10, 3, 148
W.; es sind auch einige schmied gewesen, welche zwar immerzu mit eisen umgegangen, aber zugleich einen guldenen wandel geführt Abr. a
s. Clara
schr. 4, 200
Strigl; ein schöne güldene warhayt, dem evangelio gemäsz Joh. Nas
antipap. eins (1567) 2, a 7
a; er wuste aber die güldne warheit mit baumwollen auffzutragen Harsdörffer
t. secret. (1656) 2, a 3
b; wir haben immer gemeint, die goldene wahrheit wiege schwerer als guineen und napoleons d'or E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 450; der keuschheit güldnen tugend sind gott und menschen hold Simon Dach
in: Königsb. dichterkreis 10
ndr.; unsere goldenen ideale steigen endlich aus ihren himmeln nieder und wandeln und wohnen unter uns
br. v. u. an Herwegh 105
H.; die leute unterlassen nichts, mir meinen guten, goldenen stolz in die schlechte kupfermünze der eitelkeit umzuschlagen Levin Schücking
in: A. v. Droste-Hülshoff
br. (183) 16
Sch.; blüte edelsten gemütes ist die rücksicht; doch zu zeiten sind erfrischend wie gewitter goldne rücksichtslosigkeiten Storm
s. w. 1, 179
Köster. in fester verbindung goldene freiheit, goldener friede, vielfach mit stärker subjektivem beiklang '
beglückend': du güldne freiheit du, mein wünschen und begehren Opitz
dt. poeterei 16
ndr.; die unterthänigkeit bey dir zieht man der güldnen freyheit für D. Stoppe
Parnass (1735) 14; dort lehnte er sich bitterlich seufzend an die wand, und wünschte der goldenen freiheit der landstrasze wieder teilhaftig zu sein G. Keller
ges. w. (1889) 5, 16;
die zeit des unverheiratetseins: (
Amalie:) nein, nein! goldne freiheit, nimmer werde ich dich vertauschen, wenn nicht das verdienst mir die fesseln reicht Kotzebue
s. dram. w. (1827) 5, 143;
ebenso gemeint: was uns sonsten nur erfreut, es sei was es sei auf erden, das mag nicht verglichen werden mit der güldnen ledigkeit P. Fleming
dt. ged. 293
lit. ver.; damit in deroselben königreich und landen der guldene religion- und prophanfriede erhalten (
bleibe) (
v. j. 1619)
acta publ. 2, 228
Palm; (
gott wolle) dem hochbedrängten
[] ... Teutschlande den edlen, wehrten und güldenen friede ... schenken J. Rist
friedewünsch. Teutschland (1648) 28; ich zuerst zerrisz ihrer unschuld goldenen frieden Schiller 3, 405
G.; und was er schaut, ist frieden, goldner frieden Geibel
ges. w. (1888) 1, 150;
ähnlich: ja der himmlische richter ... zwingt dich zu der rechnung, aus was vor gerechter anleitung du ... die güldene sicherheit zerstöret hast Chr. Weise
pol. redner (1677) 16. D@1@ff)
für '
kostbar, wertvoll'
von objekten verschiedenster art: du hast ... eyn guldene begrebnusse empfangen ... als du wol wirdig bist Arigo
decam. 254
Keller; alszo haben wyr nu hie ynn Mose die recht guldene fundgrube, darausz genommen ist alsz, was von der gottheytt Christi ym neuen testament geschrieben ist Luther 10, 1, 1, 185
W.; 'nur' den wein! 'nur' deinen goldensten hort! ... wir undankbaren und so schon durch deinen reichtum verwöhnten! Gutzkow
zauberer von Rom (1858) 2, 4; er wolle schlieszen mich in seine güldne huld
Reinicke fuchs (1650) 178;
mit dem nebensinn des seltenen: dis were die recht gülden kunst, die ir wenig konnen Luther 34, 1, 57
W.; o eine güldne kunst, da beyde theil (
die ehegatten) sich schikken Rachel
satyr. gedichte 102
ndr.; die goldne kunst, die völker zu beglycken Wieland I 1, 355
akad.; herzige liebe menschen voll theilnahme und güte. aber sie sind goldene ausnahmen von der allgemeinen regel Gutzkow
ges. w. (1872) 11, 158. —
redensartlich: de
n dārfst net a
nrege
n, der ist golde
n! (
von einem übermäszig heiklen kind)
d. h. allzu kostbar Fischer
schwäb. 3, 738. D@1@gg)
ohne subjektiven gefühlswert, wohl an die vorstellung des wirtschaftlichen vorteils und nutzens anknüpfend, den reichtum und besitz gewährleisten (
s. oben C 3),
im sinne von '
nutzen bringend, vorteilhaft, förderlich, ersprieszlich',
vgl. '
weil nun das gold eine so herrliche sache ist, wodurch dem gemeinen wesen viel ersprieszliches wiederfähret, so pfleget man daher mancherley dingen, welche einen groszen nutzen haben, den namen der güldenen
beyzulegen'
allg. haushaltlex. (1749) 1, 629
a; die goldene zahl (
numerus aureus)
die zahlen des 19
jährigen mondzyklus, mit deren hilfe die perioden des neumonds bestimmt werden, wegen ihres nutzens bei der berechnung der mondphasen im kalenderjahr und der beweglichen feste golden
genannt, vgl. Grotefend
zeitrechn. 1, 75
und mnd. hwb. 1, 2, 186;
ciclus die güldein zal (15.
jh., obd.) Diefenbach
nov. gl. 89
a; zuo suochen die gulden zal
d. ew. wiszheit betbüchl. (1518) b 6
b; so hondt wir ouch die guldin zal, sternen schen, rechen, messen, singen, sprechen nüt vergessen Th. Murner
narrenbeschwör. 130, 28
Spanier; daher scherzhaft: die gulden zahl erzeigt sich bei den armen schmal Fischart
praktik 3
ndr.; derselbe calendermacher sagt: dasz in dem künfftigen jahre die güldene zahl bey den armen leuten, sonderlich in Holstein werde gar geringe seyn Schupp
schr. (1663) 574;
allgemein '
nützlich': in Rom hergegen fängt ein kind, das reden kann, die güldne rechenkunst mit vielem eifer an Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 49; die goldene regel
in der rechenkunst, die '
regel de tri',
als regula aurea
schon 1468
bezeugt, vgl. Tropfke
gesch. d. elementarmathem. 1
2, 152,
deutsch die gulden regel
im Bamberger rechenbuch v. 1483
ebda: die gulden regel die dan alszo genant ist, wan gleicherweysz als das golt ubertrit al ander metal also auch diesze regel in gebrauchung ubertrit al ander regel, auch wird sy genant regula detri Joh. Widmann
rechenung auff allen kauffmanschafft (1489) k 1
b; als sein vater ihn (
Gleim) die edle rechenkunst nach pfunden und thalern ... und die güldene regel-de-tri lehren wollte, dachte der unartige
[] knabe schon an nichts als mädchen Herder 3, 275
S.; ebenso die goldene regel der mechanik
die wirkung des hebels betreffend; redensartlich dem feinde eine goldene brücke bauen, schlagen
d. h. ihm einen vorteil gewähren, damit er sich durch die flucht retten kann und nicht zum verzweiflungskampfe genötigt wird: deshalben sollte man einem ins gedrange gebrachten feinde lieber eine güldene brücke bauen Lohenstein
Armin. (1689) 1, 420
a; sie wollten auch dem feind zur flucht ein goldne brücken schlagen A. v. Arnim
w. (1853) 14, 483;
verallgemeinert '
jem. behilflich sein': ihrer viel wehren zur höchsten unseligkeit nie gelanget, wenn die vorhergehende glückseligkeit ihren begierden keine güldene brücke dazu gebauet Butschky
Pathmos (1677) 25; '
ein gewisses entgegenkommen beweisen': der könig blieb bei seiner abneigung gegen indemnität, während es mir nothwendig schien, den parlamentarischen gegnern ... eine goldne brücke zu bauen Bismarck
gedank. u. erinn. 2, 90.
von Horazens aurea mediocritas (
oden II 10, 5)
ausgehend, wobei der begriff des vorteilhaften, nützlichen sich vielfach mit dem des angenehmen, bequemen verbindet: o güldne mittelstrasz! wer dich hält, findt vergnügen Gottsched
anmuth. gelehrsamk. (1751) 7, 53; geht zwischen hasz und enthusiasmus die mittelstrasze, die von den weisen aller zeiten immer die goldne genannt wurde Immermann
w. 1, 37
Boxb.; da es in den wissenschaften keine goldne mittelmäszigkeit giebt Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 114; die goldne mittelmäszigkeit, die sich ganz in ihre zeit zu schicken wuszte Herder 23, 171
S.; wer, klug in seiner wahl, den güldnen mittelstand liebet J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 259; wenn der goldene mittelzustand durch den streit der vertheidiger beider extreme erfochten werden soll, so ist es eine gar miszliche sache Lichtenberg
verm. schr. 1, 234; manch leben ist, wie licht und nacht, verschieden, in goldner mitte wohnest du Hölderlin
s. w. 4, 52
v. Hellingrath; die goldene mitte zu halten, ist ... schwer Fontane
ges. w. I 4, 128. D@22)
entsprechend gold II D
als beiwort, das die schönheit und pracht eines gegenstandes oder überhaupt einen gesteigerten ästhetischen gefühlswert kennzeichnet oder auch einen hohen grad von lustgefühlen zum ausdruck bringt, wie sie mit dem besitz wertvoller und schöner dinge verknüpft sind; während golden
im älteren nhd. fast stets noch den objektiven wertcharakter mit dem subjektiven gefühlsbezug verbindet, löst sich im 18.
jh. vor allem seit Klopstock (
s. unten b)
eine ausschlieszlicher ästhetisch oder ganz allgemein seelisch bestimmte verwendungsweise ab, deren wurzeln z. t. in der religiösen bildsprache (
s. oben C 1)
wie in der liebessymbolik (
s. oben C 2),
namentlich aber in der vorstellung von glanz, schönheit und reinheit des goldes liegen, vergleichbar schon: dich (
Maria) zieret daz gemælde güldîner schœne garwe Konrad v. Würzburg
gold. schmiede 585
Schr.; dann der schönheit guldner schein nimt das hertz und sinnen ein Schupp
schr. (1663)
titelbl.b. D@2@aa)
vereinzelt schon in älterer sprache findet sich ein bildlicher gebrauch von golden
im sinne von '
beglückend, erfreulich, angenehm',
für den wohl die vorstellung vom goldenen zeitalter und die daran angeschlossenen typologischen verbindungen goldene zeit, goldene jahre
u. s. w. (
s. oben C 4 a
und D 1 b)
ebenso von einflusz gewesen sind wie der wertbegriff C 1
d. D@2@a@aα)
auf einen sinnenhaften genusz äuszerer güter des daseins zielend: goldenes
leben; derb erotisch gemeint: (
wir wollen) das vöglin lassen sorgen, so bleibt die Greta schön und disz leben guldin
sprichw. (1548) 25
a;
auf die lebensfreuden bezogen: [] grau, theurer freund, ist alle theorie, und grün des lebens goldner baum Göthe I 14, 95
W. (
Faust I v. 2039);
etwas anders, von C 4 a
her bestimmt: jedes glück des lebens fühlten wir im unbescholtnen sinn; wie der unschuld lämmer spielten wir durchs goldne leben hin J.
M. Miller
in: (
Göttinger)
musenalmanach (1775) 44.
ähnlich: mein gemüht und dessen güldne ruh Simon Dach 711
Österley; er könte seinen rest der tage glücklich schlieszen, und als sein eigner herr der güldnen ruh genieszen v. Canitz
gedichte (1727) 91; heut zu tage aber sitzen die gnädigen herren, wenn sie nicht selbst anders wollen, ruhig beim kaminfeuer und lassen die andern ins feld ziehen; ist es nun wohl unbillig, dasz sie für ihre güldene ruhe wenigstens etwas bezahlen?
M. Claudius
w.13 2, 403
Redlich; dasz Goethe sitzt, statt zu stehen, hat mir wegen seiner bekannten liebe zur goldenen behaglichkeit immer besser geschienen Gutzkow
ges. w. (1872) 11, 109; der güldne schlaf Hagedorn
poet. w. (1760) 1, 24; goldner schlaf, nur dessen herz zufrieden wohlthätger tugend wahre freude kennt, nur der fühlt dich Hölderlin
s. w. 1, 5
v. Hell.; hier (
in seiner höhle) denn leget er (
der riese) nieder die ungeheueren tore und sich selber dazu, des goldenen schlafes genieszend Mörike
w.2 1, 70
Maync. D@2@a@bβ)
mit allgemeinerem gefühlswert; von den schönen jahreszeiten, besonders dem frühling, auch von guter witterung, z. t. mit einflusz von B 1: der güldne sommer blicket nun vom himmel und winket dem landmann E. v. Kleist 1, 242
Sauer; im bilde: blikst von des alters winterwolkenthrone und schmälest auf den goldnen may (
ged.: an einen moralischen) Schiller 1, 248
G.; ihr wollt von mir ein lied, ein lied vom goldnen mai, vom goldnen mai graf Strachwitz
ged. 202
W.; an dem schönen morgen in der herrlichen goldenen frühlingszeit E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 149
Gr.; ach, das toben roher stürme risz den goldnen frühling fort Uhland
ged. (1898) 1, 8; nun hatten aber die leute, bei dem goldenen wetter, gerade viel zu arbeiten (
in der ernte) G. Keller
ges. w. (1889) 1, 252.
als inbegriff des erwünschten: goldneres hab ich genossen, als ich euch ins herz geschlossen Göthe I 4, 20
W.; und werd ich einmal im leben sein, das mir alles goldenste gibt R.
M. Rilke
buch d. bilder2 16.
anders, mehr ein materielles wohlergehen meinend, also von B 2
her gefärbt: dahero (
wegen der verwandtschaft von sonne und gold) auch die sonntagskinder in dem verdacht sind, ob hätten sie gülden glück J. G. Schmidt
gestr. rockenphilos. (1718) 2, 155; indesz aus moder, sturz und wettern sein golden loos sich mancher zieht, spiel ich mit leichten rosenblättern Herwegh
ged. e. lebend. (1841) 19; und wird sich jeder lehrer besserer art die goldene aussicht erhalten wollen, in anderen freyhäfen eine freundliche aufnahme zu finden Thibaut
notwend. e. allg. bürg. rechts in: civilist. abh. (1814) 427;
mit doppelsinn: sei wiren taufreden mit den glatten rundgang von de geldgeschäften, un de utsichten würden in den eigentlichsten verstann ümmer güldener Fr. Reuter
s. w. 2, 359
Seelmann. D@2@a@gγ)
von geistig-seelischen werten, wünschen, erwartungen, hoffnungen, vgl. yglicher gerne wolt, das alle welt guldens von yhm redete Luther
deudsch cat. (1529)
nach Dietz 2, 182
b: das ist ein guldener gewunschter trost Carlstadt
[] sermon vom stand der christglaubigen seelen (1523) a 2
a; schenken sie mir doch ferner ihre liebe und mit derselben den goldenen trost — wenigstens einen freund zu haben Schubart
br. 1, 56
Strausz; (
er) ward gewahr, dasz er zwar in seinem zimmer das bild, nicht aber das güldene glücke selbst ... besäsze Lohenstein
Arminius (1689) 2, 11
a; und die blicke suchen in den schwarzen räumen sich ein goldnes glück zu träumen A. v. Arnim
w. (1853) 12, 1; weg sind meine hoffnungen ..., weg die goldnen träume Göthe I 18, 10
W.; und wie in goldnen träumen geht linder frühlingswind rings in den stillen räumen Eichendorff
s. w. (1864) 1, 546; goldene träume aber hatte seine beschäftigung für ihn (
den schuster) W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 17;
anders jedoch unter d. aber ein goldner gedank, ein frölicher schimmer von hoffnung, zeigt mir, o himmlischer freund, den ausgang der traurigen sich in freude verliehren scene Wieland I 2, 112
akad.; der die schickungen lenkt, heiszet den frömsten wunsch, mancher seligkeit goldnes bild oft verwehen Klopstock
oden 1, 81
M.-P.; goldne phantasie Göthe I 1, 13
W.; tausend güldne hoffnungen schlossen sich an diesen gedanken Hölderlin
s. w. 2, 78
v. Hell.; in der hellen gegenwart genosz ich und weidete mich an träumen einer goldenen zukunft Tieck
schr. (1828) 6, 11; tage ..., an welchen ich mir von der phantasie goldene luftschlösser vormalen liesz Immermann
w. 1, 106
Boxberger; zudem war ich trotz aller dieser goldenen luftschlösser unsäglich kleinmüthig und traurig G. Keller
ges. w. (1889) 4, 50; er lacht dabei so tröstlich, dasz diese worte wie eine goldene verheiszung klingen Storm
s. w. (1899) 1, 179; aber eine goldene erinnerung waren diese jugendtage für ihn doch Meinecke
v. Boyen (1896) 1, 16. goldene worte
schöne, beglückende worte: o mehr als güldene worte! o diamantine verheiszungen! J. Rist
friedejauchz. Teutschland (1653) 167; (
Hystaspes:) man schätzt ihn gar zu hoch; seitdem bin ich (
Araspes:) o mehr als güldnes wort! ihm feind. Gottschedin
br. 3, 219
Runkel; und immer fiel ein goldenes wort ihrer freundlichkeit mit darunter Fouqué
gefühle (1819) 1, 11;
von hier ausgehend: ihr lieber, süszer, goldner brief Zelter in:
briefw. zw. Göthe und Zelter (1833) 1, 241.
gern von frohsinn und seelischer unbeschwertheit: ach, auch dieser fand die goldene laune jenes lustlagers nicht mehr H. Laube
ges. schr. (1875) 4, 148; Frommel, der echte Süddeutsche mit dem weichen herzen und dem goldenen humor C. Kayser
Emil Frommel4 154; wer wäre nicht dankbar dafür, wollte nicht gerne lauschen einem kameraden, dem die gottesgabe goldener fröhlichkeit in die wiege gelegt ward
Liller krz., soldatenworte (1917) 105. D@2@bb)
als ausdruck ästhetischen wohlgefallens, des gefühls für schönheit und künstlerischen wohlklang in werken der kunst, rhetorik u. dgl.; seit der mitte des 18.
jhs. breiter entfaltet, aber schon älter bezeugt. noch streng im bildzusammenhang: von Strâzburc meister Gotfrit, der als ein wæher houbetsmit guldîn getihte worhte Konrad v. Würzburg
gold. schmiede 99
Schr.; freier: die güldne musica, die thier und uns erfreuet Opitz
opera poet. (1646) 1, 13;
mit einschlag von 1 d: der weise Plato ward vom schüler schon verlachet, der güldne Cicero vom Crispus umbgetrieben. Polybius wird noch in schulen offt veracht; da keiner doch so treu von Deutschen hat geschrieben Lohenstein
Arminius (1689) 2, a 2
b;
[] vor sprach nur Cicero mit einer güldnen zungen B. Neukirch
gedichte (1744) 123; hinflog der gott, und war bereit mit goldener beredtsamkeit den aufruhr zu beschwichten Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 171; disz war die güldne kunst zu reden und zu schreiben Rachel
satyr. gedichte 118
ndr.; namentlich bei und nach Klopstock (
vgl. die anm. Kösters zu der unten angegebenen stelle aus Schönaichs ästhetik)
als epitheton für alles auserlesene, schöne herrliche, besonders auch in der romantik beliebt; vornehmlich im bereich der poetischen und musikalischen künste, vgl. oben A 3
ende: uns ist zwar niemals vorgekommen, als klänge das gold so vortrefflich, dasz man einen goldenen klang schmieden sollte. allein das gold ist schön, daher musz alles, was von gold kömmt, schön seyn: ein goldner klang, ein goldner laut, ein goldner hauch. es ist unnöthig, einen anzuführen; unsere bibel- und teufeldichter blasen gern einen goldenen klang v. Schönaich
d. ganze ästhetik in einer nusz 210
lit.-denkm.; Zenophila, lieblich entzückend klingt dein goldenes spiel, singet dein zarter gesang Herder 26, 33
S.; und da ist ein saitenspiel erklungen, goldne töne ernsthaft mich umschweben Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 2, 498; o horcht! nun tanzt es sanft auf goldner töne leiter Mörike
ges. schr. (1905) 1, 131; bald vergnügt, bald sinnig, wie die wolken ziehn, taucht die quelle nieder, steigt die quelle wieder goldner melodien Löben
gedichte (1817) 8
Pissin; er wirft sein schwert, das blitzend des jünglings brust durchdringt, draus, statt der goldnen lieder, ein blutstrahl hochauf springt Uhland
gedichte (1898) 1, 302; noch märchenhafter war es, wenn ... nun Clarissens harfe plötzlich ertönte ... und wenn die leichten einzelnen töne, wie ein süszer pulsschlag, durch die schlafende mitternachtluft gingen, ... das echo versuchte sogleich das goldne räthsel nachzulallen A. Stifter
s. w. 1, 263
S.; (
die) enthüllung des rätsels vom goldenen klang (
der Amatigeigen) Karl Nef
unsere musikinstrum. (1926) 63;
daher bedeutet goldene ader
auch die poetische ader: bestrebungen der natur zur goldnen ader, die ihr (
der frau Gottscheds) ... so schmerzlich geworden, dasz sie sie ... eine bleyerne ader zu nennen pflegte
briefe, d. neueste litt. betr. 21, 180; die poetische goldene ader Jean Paul
w. 7/10, 247 (
Hempel);
im spiel mit der alten bedeutung von goldene ader (
s. unten E 2): sie bedienten sich ... dabei des ausdruckes 'güldene ader', welches ihre einzige poetische ader ist Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 404; sie (
Klotzens homerische briefe) sind kinder der goldenen muse
allg. dt. bibl. (1765) 1, 1, 198; sie haben goldne verse mir, phaläcische, das zierlichste latein, geschickt Mörike
ges. schr. (1905) 1, 187
Göschen; dann ist der gut gelaunte sänger mitunter auch ein kinderfänger, der selbst die wildesten bezwingt, wenn er die goldnen mährchen singt Göthe I 1, 183
W. anders in der meistersingerischen bezeichnung von tönen neben anderen farbadjektiven, vgl. des Harders guldyn rey, disz ist Leschen guldyner reye
Kolmarer meisterl. 6
B.: meister Cunrads guldin reyel
ebda 7; ein strafliet im guldinen done
ebda 295; im gülten ton Hans Sachs
fabeln u. schwänke 5, 39
Goetze-Dr. terminologisch in der geometrie der goldene schnitt,
das ästhetisch ideale proportionsverhältnis zweier strecken von verschiedener länge; erst im zweiten drittel des 19.
jhs. nachweisbar für ältere bezeichnungen wie stäte proportz (16.
jh.), stetige teilung (18.
jh.),
lat. proportio continua, proportio divina, sectio divina, anscheinend angelehnt an den älteren ausdruck goldene regel (
s. oben sp. 755),
während lat. sectio aurea weder im altertum noch im mittelalter [] nachweisbar ist u. erst im 19.
jh., später als der goldene schnitt,
auftritt, vgl. Tropfke
gesch. d. elementarmathem. 4
2, 186
u. 187: diese zerteilung nennt man wohl auch den goldenen schnitt
M. Ohm
raumgröszenlehre (1835) 194
anm.; die mathematiker nennen die hier erörterte theilung einer gegebenen linie die 'theilung im äuszern und mittlern verhältnisse', oder 'den goldnen schnitt'. der grund der letztern benennung ist mir nicht bekannt; doch rührt sie wahrscheinlich daher, weil man die auszerordentlichen vorzüge des verhältnisses, welches man durch diese theilung gewinnt, und die vollkommenheit der durch dieses verhältnis gebildeten proportion mit richtigem blick erkannt hat A. Zeising
neue lehre v. d. proport. d. menschl. körpers (1854) 163;
auf andere ästhetisch wohlgefällige maszverhältnisse in natur und kunst übertragen und als gesetzmäsziges prinzip der schönheit aufgefaszt: F. X. Pfeifer der goldene schnitt und dessen erscheinungsweisen in mathematik, natur und kunst (1885)
titel; ein menschlich gleichförmiges wohlgefallen, etwa an der einteilung des goldenen schnittes, (
geht) auch auf eine gleichförmige liebe zu diesem objekt zurück Scheler
schr. aus d. nachlasz (1933) 1, 256. D@2@cc)
poetisch oft zu einem beiwort ohne spezifischen sinngehalt aufgelöst, das lediglich eine unbestimmte, lustbetonte gefühlsregung ausdrückt; vgl. dafür bereits golden
als intensivierendes adverb: und hat es seine tage hertzen gülden gut gemeint
engl. comed. (1620) 37; das mägdgen hat mich frey gülden lieb
ebda 32;
noch deutlich von B 1
aus bestimmt: der frewden güldner schein Simon Dach
bei Fischer-Tümpel 3, 69; du wirst uns wohl ein recht verkehrter donnerstag, weil (=
dieweil) deinen donner du durch himmlisches geschicke verkehrst in lauter lust und güldne freudenblicke Hoffmannswaldau-Neukirch
gedichte (1697) 2, 29.
subjektiv besonders gehaltvoll als '
lieb, ersehnt, beglückend'
wie etwas sehr kostbares: goldne thränen, schwimmt ihr, den kusz zu krönen, den die allersüszeste lippe gab? maler Müller
w. (1811) 1, 215; ich seh das goldne land herüber winken, mein aug erreicht es, aber nicht mein fusz Grillparzer
s. w. 4, 153
Sauer; wie golden winkt die neue schwelle des lebens jedem jungen paar! Mörike
w.2 1, 40
Maync. objektiver, mehr als wertendes beiwort gemeint, '
herrlich, prächtig, schön': doch schöner ists, wenn sanfter wind die flut von Milons finsterm haar mit blüthen und mit güldnen veilchen schmückt E. v. Kleist
s. w. (1760) 1, 75; wem hat nicht in gegenwart seines mädchens die ganze welt golden geschienen? Göthe I 37, 317
W.; der schönsten mädchen goldne zahl Pfeffel
poet. versuche (1812) 3, 100; ... denn es quillet heller nicht vom Parnasz die ewge quelle sprudelnd von fels zu fels ins goldne thal hinab Göthe I 10, 52
W.; auf glänzenden muscheln getragen, fuhr der schöne himmel (
die götter) über Oceans spiegelnden rücken dahin, und es sangen und klangen die wogen, als am goldnen gestade sich die schöne schaar gelagert maler Müller
w. (1811) 1, 152; das goldene land der vaterländischen geschichte Fr. L. Jahn
w. 1, 12
E.; du wirst ein schöner leben schauen, und ewig, ewig bleibt es dein; man wird dir goldne schlösser bauen, nur — muszt du erst gestorben sein! Herwegh
gedichte e. lebendigen (1842) 98.
ähnlich als symbolisches epitheton für etwas ideales: und Marc Aurel und Titus und Trajan für ihrer groszmuth goldne thaten nun ewig an dem spiesz und auf dem roste braten Gotter
gedichte (1787) 1, 421;
[] das napoleonische kaiserthum ... war in vielen beziehungen das goldene reich der beamten E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lieben Deutschen (1845) 2, 337; so war Milton ein berühmter reisender, als er ... Italien besuchte, das noch immer wie in Shakespeares tagen den Briten als das goldne land der künste galt
historische u. pol. aufsätze (1886) 1, 7; an jenem goldenen ort der kunst (
Florenz) verrinnt die zeit doppelt Wilamowitz-Möllendorff
briefw. mit Usener (1934) 3. D@2@dd)
mit besonderem nebensinn '
schön, aber im grunde täuschend, trügerisch'
negativ bewertet, vgl. ähnliches bei gold II D;
wohl von dem bilde einer täuschenden vergoldung ausgehend, vgl. schon: si (
die minne) truoc uf daz wize geverwet under ougen daz guldine lougen, ir allerbeste varwe: nein Gottfried v. Straszburg
Tristan 17543
R.; diu guldin unschulde
ebda 17552; untriuwe izzet maniges mannes brôt, der güldîniu wort hât in dem munde und valschen hort in herzen grunde Hugo v. Trimberg
renner 4431
Ehr.; dann zieht er (
der neuere dichter) die rüstung der goldnen phrasen an O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 55;
anders als oben D 2a
γ,
negativ bewertet: der betreugt sich selbs weidlich und macht yhm selbs einen gülden traum, da er eitel dreck finden wird, so bald er auffwacht Luther 23, 28
W.; ein güldiner traum (
d. h. eine schöne täuschung)
sprichw. (1548) 149
b; die goldnen träume, die schimären von menschenwerth und erdenglück Gotter
gedichte (1787) 1, 468; ladet mich der goldne schein der wollust dieses lebens ein R.
Z. Becker
mildheim. liederbuch (1799) 27; (
Heine) wird sich allmälich ganz auflösen in das 'goldene' nichts der eitelkeit Gutzkow
ges. w. (1872) 12, 219; noch war er (
der junge kaiser Otto III.) nicht eingefangen in das goldene netz groszartiger vorstellungen, das sich später um ihn legen sollte O. Gmelin
d. ruf z. reich (1936) 82.
vergleichbar auch die metaphorisch gebrauchte verbindung goldner glanz: im Nibelungenlied findet er (
Göthe) einen 'grauerlichen rittersinn', und an den kreuzfahrerscharen, die dem abendland eine neue bunte welt eroberten, sieht er nur die entsagung. ... den goldnen glanz, den die romantik auf diese trübe warf, konnte Göthe nicht gelten lassen, er hätte sich denn untreu werden müssen A. Hübner
kl. schr. z. dtsch. philologie (1940) 277. D@33)
das vergleichsmerkmal der dauerhaftigkeit, lauterkeit, echtheit und beständigkeit (
s.gold II B)
tritt bei golden
weniger heraus; in bildlicher umschreibung von '
lauter, gediegen',
in bezug auf menschlichen charakter; vgl. im bilde mhd. guldîn adel
echter adel: von kupfer scheidet man daz golt mit eines unkes aschen: hei, daz mîner taschen vil nâhe ein pulver nie gelac, dâmite ich guldîn adel schiede ûz kupferînem willen Konrad v. Würzburg
lieder 32, 230
Schr.; wie mancher ehemann ... würde in seinem heimkommen ein schönen hausz- und vorraht von gantz guldenen kindern finden, und sehen, wie emsig seine fromme und hertzallerliebste hauszhenne in der ein bildung gearbeitet habe
M. Abele v. Lilienberg
gerichtshändel 1 (1655) 505,
sowie auch: weil nun die landgerichtshändel ... ein lapis lydius (
sind), daran man den goldenen strich der wahrheit meistens erkennen kan v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 35; es ist niemand gar güldin (
echt, zuverlässig)
sprichw. (1548) 105
a; solte er unsere hoffart auf den probierstein streichen, sie würde nicht gülden herausz kommen Chr. Weise
erznarren 159
ndr.; in fester formel ein goldenes herz: ist das ein gewiegter ... geschäftsmann, und dabei wie theilnehmend und fürsorglich, ... er hat ein goldenes herz
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr (1893) 4, 368; en golden herz han
rhein. wb. [] 2, 1302;
hierher auch: wenn ihm die zunge einmal mit dem herzen durchgeht, dann blicken wir auf dessen goldenen grund
jahrbuch d. Grillparzergesellschaft 3, 34; Wilhelm war aber trotz seiner rauh beinigkeit ein golden guter kerl und allgemein geschätzt P. Grabein
o alte burschenherrlichkeit7 155; denn Gschnaxl hat eine so goldene hundeseele, dasz man bedenkenlos über alle miszbildungen seines in der tat ungeratenen körpers hinwegsehen darf
Liller krz., sechste auslese (1917) 247. '
gediegen'
hinsichtlich der künstlerischen ausführung: vor Dürern ... krieg ich alle tage mehr respekt. so bald ich einmal einigen raum finde, will ich ... meine gedanken aufsetzen, nicht sowohl über erfindung und composition, als über die aussprache und die ganz goldene ausführung Göthe IV 4, 201
W.; (
Bürger strebe in seiner übersetzung des Homer) nach der goldnen, einfachen, lebendigen bestimmtheit des originals: kurz, thue das seinige Göthe in:
teutsch. Merkur (1776) 1, 194; während Shakespeare (
in seinen werken) massives gold mit goldner kunst behandelt O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 272. '
unverfälscht',
wohl im anklang an B 3 a: das leben in den gelehrtenrepubliken nähert sich noch am meisten dem goldnen stande der natur Heinse
s. w. 3, 456
Sch. EE.
in terminologischen sachbezeichnungen. E@11)
in älterer arzneikunde bei heilmitteln, die als besonders hochwertig gekennzeichnet werden sollen. gülden wasser, s. auch güldenwasser (guldenwasser)
teil 4, 1, 6,
sp. 1065,
wo weitere belege, sowie unten goldwasser;
vgl. aqua capponis das lebendigk gulden wasser (
vor 1419) Diefenbach
nov. gl. 30
a: güldine wasser von wegen ihrer wirdigkeit nenneten Wirsung
artzneybuch (1584) 785
a; dahero ich mehr für ein tieffsinniges lehrstücke ... halte, dasz bey lebensstraffe kein mensch das so genennte güldene wasser kosten darff Lohenstein
Arminius (1689) 1, 1066
a.
gülden latwerge, salbe, milch u. anderes: aurea Alexandrina, dise latwerg hat beschriebenn, als etlich meynen, der grosz Alexander, heyszt zu teutsch die güldin latwerg Joh. Dryander
d. ganzen arzenei gemeiner inhalt (1542) 65
b; latwerg vom eye, die gülden latwerg und gülden eye
electuarium de ovo oder electuarium aureum Wirsung
artzneybuch (1584)
reg. f 3
b; man lobt auch die güldin salb
unguentum aureum Mesuae ebda (1588) 642; guldine oder jungfrauenmilch. also nenneten die alten ein gut und sicher wasser, das nit allein zu allen flecken und masen desz angesichts, sondern auch zu viel andern sachen ... nützlich gebraucht wirdt
ebda 61; daz man der hitz wolte euszerlichen wehren, alsz mit der guldenen milch, die gesotten wirdt ausz essig, glätty, saltz und wasser Fel. Würtz
wundartzney (1612) 148;
vgl. guldinöhl
als heilmittel für kindbetterinnen (
v. j. 1671) Fischer
schwäb. 3, 739; sie klopfen an jede hütte ..., um mit trompetenschall ihre goldene tinktur anzubieten W. H. Riehl
d. dt. arbeit (1861) 267;
so auch: der fünffte modus ist, das wir etwann machenn hafften (
nähte), die mann nennet die güldin oder selbhafften, von tüchlin unnd das gezimmet in den stetten, sonderlich in dem angesicht da wir wöllen das die mal nit erscheinent H. Braunschweig
chirurg. (1539) 14;
bei der mundartlich verbreiteten bezeichnung goldenes pflaster
kann dagegen auch ein euphemismus vorliegen, da es sich meist um ein gegen brandwunden gebrauchtes pflaster aus menschenkot handelt und gold
ebendiesen kot umschreibt (
s. oben sp. 709),
vgl.güllen plAester Woeste-Nörr.
westfäl. 87
b, gülen plAester Bauer-Collitz
wald. 42
a, gel
en blosd
e r Hofmann
niederhess. 111
a, golden ploster
heiszer kuhkot rhein. wb. 2, 1302. E@22)
in volksmedizinischen benennungen. seit etwa 1500
bezeugt ist güldene ader (
vgl. auch güldenader
teil 4, 1, 6,
sp. 1063
und oben goldader);
die bezeichnung meint zunächst die venen des mastdarms, deren spontanes bluten angeblich bestimmte unterleibsbeschwerden erleichtert, vgl. 'güldene ader,
diese pfleget ihres nutzens wegen, welchen sie den leibe verschaffet, also genennet zu werden, indem nicht nur, wenn die natur zu rechter zeit [] diese adern öfnet, dadurch überflüsziges, sondern auch verdorbenes blut abgeführet wird ... es werden aber zu der güldenen ader
gewisse blutgefäsze, welche um den hindern und in dem mastdarme sich finden, gerechnet'
allg. haushaltungslex. (1749) 1, 629
a,
sowie Hyrtl
kunstworte d. anatomie (1884) 70.
eine andere deutung ist s. v. goldader
verzeichnet: zepfflin von rohen zwibeln gemacht und in leib gethon, reynigt die gulden adern H. Bock
kräuterbuch (1539) 2, 58
b; dise (
adern) werden von etlichen fälschlichen ausz unverstand für die guldin adern des affterns angezeygt Ryff
anatomi (1541) 46
b; ein ander gebrechen (
des afterdarms), welchen wir die feigwartzen und feigblatern, die Griechen haemorrhoides, blutflusz ... (
nennen), seynd nun solche ... geschwer, die sich im hindern und umb den afftern ... erzeigen; ihr ursprung ist ausz etlichen kleinen äderlen, so sich bisz auff das eusserst desz magens erstrecken, von uns die rosen- oder güldin ader genannt Wirsung
artzneybuch (1584) 329
b;
dann für die krankhaften krampfadern der mastdarmvenen, deren blutiger flusz die erscheinungsform der haemorrhoiden darstellt: breitwegrichwasser ist gut für den flusz der güldin adern des bluotz, das sint die vickblattern, so sie bluotent Hier. Braunschweig
kunst zu dist. (1500) 173
a; eisenrost ... zu stuolzäpflin gebraucht, (
stillet) auch den unnatürlichen flusz der guldin adern Ryff
spiegel u. regiment d. gesundheit (1544) 100
b;
als volksmäsziger krankheitsname für das medizinische gesamtbild der hämorrhoidalknoten und ihrer blutungen (
phlebectasis haemorrhoidalis)
bis heute geläufig: der rauch von dem wein, darinn das apostemakraut gesotten ist, den mit einem zäpflin gethon in den hindern ... stillet die güldin äderlin in des menschen hindern, ist dise krankheit in latin genant emorroida
Petrus de Crescentiis vom ackerbau (1531) 91
b; die bletter (
des pastemenkrauts) gestoszen ist gut dem flusz im afftern, der güldin adern, darauff gelegt, stillets ihn Lonicerus
kräuterbuch (1604) 179
b; diese kranckheit wäre natürlich die haemorrhoida oder güldene ader genant Frz. Ferd. v. Troilo
oriental. reisebeschr. (1676) 107; bey der güldenen ader mach zwey säckgen aus gestoszenen eicheln und eichenlaub, koche sie stark in essig und lege eines über das andere über H. v. Fleming
teutscher soldat (1726) 332; eine andere anlage ist die zu hämorrhoiden (der güldnen ader) Hufeland
kunst d. menschl. leben zu verlängern (1798) 375;
die form güldene ader
ist terminologisch erstarrt, goldene ader Villaret
hwb. d. ges. medizin (1888) 1, 786
b erscheint als künstliche verhochdeutschung, doch vgl. auch d golden oder (
ader)
hämorrhoiden Martin-Lienhart
els. 1, 213.
in anderer bedeutung golə orer. (
ader)
wildwachs im fleisch rhein. wb. 2, 1302. güldene pforte
für vulva wird euphemistische benennung sein: (
die hobwurz) zeuht die gepurt auz der güldeinen porten Konrad v. Megenberg
buch d. natur 383
Pf.; vgl. der magede guldîn tor Konrad v. Fussesbrunnen
kindheit Jesu 19
Kochendörfer. E@33)
in pflanzennamen; teilweise ihrer offizinellen nützlichkeit wegen als gülden '
goldwertig'
bezeichnet, andere wegen der goldgelben farbe ihrer blütenblätter, später meist als einheitlicher name zusammengerückt, vgl. daher gülden gänserich
unter güldengänserich
teil 4, 1, 6,
sp. 1064, gulden günsel
ebda, gülden haar
ebda sp. 1064; gülden klee (gulden klee)
ebda, gülden kraut
ebda, gülden lack
ebda, gülden leberkraut
ebda, gülden milzkraut
ebda, gülden raute (rute)
ebda 1065, gülden steinbrech
ebda, gülden steinklee
ebda, gülden widerton
ebda, gülden wundkraut
ebda 1066. gülden gertel (
ajuga reptans L.)
vgl. Wirsung
artzneybuch (1584) d 4
b; gülden haarmoos
und goldenes frauenhaar (
polytrichum L.) Pritzel-Jessen 300,
vgl. güldenwiderton
teil 4, 1, 6,
sp. 1065; guldner ehrenpreis (
lysimachia nemorum L.) Pritzel-Jessen 227; die goldene engelsüsze (
polypodium L.),
vgl. Oken
allg. naturgesch. (1839) 3, 326; gülden kreuzkraut
und güldener (golden) waldmeister (
galium cruciatum Scop.),
vgl. Wijk
dict. of plant. 1, 569
a, Pritzel-Jessen 159; gulden leinkraut (
aster linosyris Bernh.) Pritzel-Jessen 50; Marzell 1, 499
f.; goldner lack
lackviole (
goldlack) Krünitz 19, 52;
[] güldene lungenwurz (
hieracium murorum L.) Wijk
dict. 1, 641
b; gulden mausöhrlein (
hieracium aurantiacum L.) Pritzel-Jessen 181; goldenes ruhrkraut
gnaphalium fulgidum, aureum Oken 3, 767; güldin skepter (
dipsacus fullonum L.) Pritzel-Jessen 136 (
nach Toxites). E@44)
einzelnes. goldene schnitten
ein beliebtes gebäck, das aus semmelschnitten besteht, die in eigelb getränkt und in schmalz gebacken werden, vgl. auch güldenschnitten
teil 4, 1, 6,
sp. 1065; gülden schnitz
artolaganus (
voc. v. j. 1590) Diefenbach
gl. 52
a;
triolaganus genus panis delicatissimi, qualia liba, placentae güldene schnitten, zottete schnitten, brodkuchen, gogelhopf Corvinus
fons. lat. (1660) 1, 145; guldene schnittlein
crocati panes Comenius
orb. pictus (1769) 2, 338; guldene schnittlein Schmeller-Fr. 1, 896; mit guldenen schnidln (
Böhmerwald) (
v. j. 1844)
bei Crecelius
oberhess. 443; gülden schnitten Vilmar
Kurhess. 140; gêalle schnitt Crecelius
a. a. o.; gel
en šner
en Hofmann
niederhess. 111
a; g. schnitt(chen)
rhein. wb. 2, 1302;
ein anders backwerk heiszt 'güldene hauben,
ein sehr niedliches gebäcke von feinem semmelmähl ..., welches ... in einer gewissen form wie hohlziegel gestaltet und in butter ausgebacken wird' Spreng
idiot. Raur. (
ca. 1760)
in: Alemannia 15, 203,
vgl. Staub-Tobler 2, 915. goldner stein
stein der weisen, der andere metalle in gold verwandeln soll: obwol von den gar alten philosophis durch langwirige müh und nachforschung der güldin philosophische stein (lapis philosophorum) offtmals gefunden Paracelsus
opera (1616) 2, 671
Huser, vgl. oben philosophisches gold
sp. 684.
in älterer metallurgischer fachsprache gülden
wohl in kontamination mit gültig '
ertragreich' (
vgl. gültig
teil 4, 1,
sp. 1086): weisz- und rothgültig oder gülden ertz heiszet deszwegen nicht gültig oder gülden, dasz es gold führe, sondern dasz es reichhaltig sey und die kuxe viel gelten Minerophilus
bergwerkslex. (1730) 319;
vgl.roth gülden ertz ist ein art gutes ertzes, braunroth an der farbe und hält über den halben theil gut silber Junghans
gräublein ertz (1680) e 1
a.
anders: güldnes metall
eine legierung von gold und silber Sittel-Strausz
handelswb. (1921) 91
a.