wundern,
vb. auf einem gemeinwest- und nordgerm. *wunðarōn
beruhen ahd. wuntarôn,
mhd. wundern,
asächs. wundrôn,
mnd. wunderen (
nd. wunderen, wunneren [Schambach
Göttingen 307
b ]),
anord. undra,
norw. dän. undre,
schwed. undra,
ae. wundrian,
engl. to wonder; -o-
im stamm haben mnl. und nl. wonderen,
fries. wonre (Jensen
Wiedingharde 711)
sowie einige md. mundarten: wonneren Gangler
Luxemb. 485; wonnern Crecelius
oberhess. 926; vondərn Hasenclever
Wermelskirchen 98; dos wondara Schönig
glätzische ged. 1, 25
Langer. mit gleichzeitiger vollvelarisierung des dentals: wongere Rovenhagen
Aachen 164.
[] das verb ist deutlich vom sb. wunder,
n. (
s. d.)
abgeleitet. ausgangsbedeutung ist '
etwas für ein wunder halten'.
im got. ist das wort nicht überliefert; Luk. 7, 9
und sk. 8, 11
haben für trans. θαυμάζειν τί sildaleikjan (
von sildaleiks '
θαυμαστός' =
ags. sellīc '
seltsam, wunderbar, ausgezeichnet',
as. seldlic '
wunderbar'; sildaleik '
θάμβος'
ist nomen postverbale, s. Wissmann
d. ältesten postverbalia des germ. [1938] 77
ff.);
Mark. 1, 27
und an anderen stellen ist intrans. θαμβεῖσθαι mit dem gleichen wort übersetzt, und 2. Thess. 1, 10
steht sildaleiknan
für θαυμασθῆναι. wundern
flektiert im ahd. durchweg als schw. vb. II; uuntrentiu
Monseer fragm. 5, 17
Hench und uuntrâton
Tatian 104, 4
vermögen nicht die zugehörigkeit zu einer anderen verbalklasse zu sichern, vgl. Schatz
ahd. doppelformen schwacher verba in: Germanica (1925) 355; 356.
zu spätahd. überliefertem ge-wunderôn (Notker 1, 227, 32
P. und variante der Einsiedler hs. zu Williram 106, 6
Seem.)
sieh s. v. gewundern,
vb. (
teil 4, 1, 4,
sp. 6789).
abschwächung des suffixvokals o
zu a
liegt vor in asächs. uundran
Heliand C 160
Sievers, uundradun
ebda M 816
und 2336,
sowie in uundraian
ebda M 2261.
vgl. hierzu und zu uu(u)ndroian
ebda MC 5024 Schlüter
unters. z. gesch. d. asächs. spr. 1, 100; 101; Gallee
asächs. gramm. § 409
und zs. f. dt. altertum 19, 67.
als verbum affectivum beschreibt wundern
entsprechend wunder,
n. I
den durch die perzeption von etwas unerwartetem oder etwas unbegreiflichem eingetretenen psychischen zustand (A 1)
bzw. den vorgang, dasz jemand in einen solchen versetzt wird (A 2),
oder aber die auf eine entsprechende wahrnehmung erfolgende reaktion (B).
zum anderen entwickelt sich seit dem mhd., im anschlusz an wunder,
n. II A 1—3,
eine prägnante bedeutung '
wunder tun, wunder (
be)
wirken, wunder verrichten',
vorzüglich von handlungen gottes und Christi ausgesagt. sie findet sich in spuren noch im 17.
jh. (C).
während für die früheste deutsche bezeugung des wortes: mirator [
l. miratur] uuntarod (8.
jh.)
ahd. gl. 1, 254, 32
St.-S. die syntaktische verwendung nicht erschlieszbar ist, entfaltet wundern
seit beginn der literarischen überlieferung eine fülle der verschiedensten syntaktischen gebrauchsweisen und verknüpfungsmöglichkeiten, ohne dasz für die eine oder andere eine historische priorität erkennbar wäre (
s. u.A 1
u. 2).
gewöhnlich steht wundern
mit dem akkusativ als bestimmung der affizierten person, nur selten und fast ausschlieszlich in impersonalen fügungen begegnet der dativ, z. b.: endi im (
Zacharias) thero dâdeo bigan, uundron thero uuordo
Heliand 141
Behaghel; wie wol dem wundern dan mac Heinrich v. Hesler
apokalypse 17396
Helm; es wundertte wol eynem Luther 29, 100
W.; das wundert mir noch mehr Fleming
dt. ged. 1, 503
Lappenberg; dasz einem wundert Kosegarten
rhapsod. (1790) 2, 102.
vgl. dazu die ausgedehntere verwendung des dativs im mnl. (Verwijs-Verdam 9, 2783
unter 2). AA.
zur kennzeichnung eines (
passiven)
psychischen zustands, in dem jem. sich befindet, oder zur bezeichnung des vorgangs, dasz jem. in einen solchen versetzt wird, '
erstaunt sein'
und '
in erstaunen versetzen'.
darüber hinaus kann wundern
neben diesen ausgedehnten, gewissermaszen neutralen bedeutungen (
s. u. 1 a
und 2 a)
noch positive oder negative akzente erhalten (
s. u. 1 b
und 2 b). A@11)
den psychischen zustand kennzeichnend, in dem jem. sich befindet. A@1@aa) (sich) wundern '
erstaunt sein',
als ausgedehnteste und vorherrschende bedeutung des wortes. A@1@a@aα)
vom beginn der überlieferung an (
s. u.ββ)
ist der reflexive gebrauch in einer fülle von syntaktischen anwendungen und verknüpfungsmöglichkeiten bezeugt. A@1@a@a@aaαα)
absolut sich wundern: dô Jhêsus diz (
die reden des hauptmanns v. Kapernaum) gehôrte, her wuondirte sich Matthias v. Beheim
evangelienb. 21
Bechstein; vnd do er (
Christus) hett aus geworffen den teuffel der
[] tum der redt: vnd die geselschafft wunderten sich
Matth. 9, 33:
miratae sunt)
erste dt. bibel 1, 35
Kurr.; die sonn wird new vnd reine, der mond, die sternen all gar vielmal heller scheinen, das man sich wundern sol
bei Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 187
a; und (
der winter) füllt mit blüthe den wald, dasz alle thiere sich wundern Ramler
lyr. ged. (1772) 15; das grün der saat und des grases ist jetzt prächtig, die linden schlagen kaum aus, die nachtigallen sitzen auf kahlen ästen und wundern sich (1823) Jac. Grimm
bei Scherer
kl. schr. 1, 44; Martin wunderte sich Feuchtwanger
geschw. Oppermann (1948) 28. A@1@a@a@bbββ)
mit genitivischem komplement, '
über jem. oder etw. erstaunt sein'
; im jüngernhd. wohl nur noch archaisierend: enti (
Christus) ni ant uurta imo ... so daz sih es drato uuntrota der ... (
et non respondit ei ad ullum uerbum, ita ut miraretur praeses uehementer) (
Matth. 27, 14)
Monseer fragm. 24, 23
Hench; wuntorota sih tho harto thiu muater thero worto (
Simeons) Otfrid I 15, 21
Erdmann; und wundrent sich des grôssen wunders dez si an got sehent
St. Georgener pred. 220, 32
Rieder; so sere werte sich Banin das sichs alle die welt wundert
Lancelot 1, 9
Kluge; (
sie) sich wunderten des grossen geschrey vnd lauffens des volkes Arigo
decameron 55
Keller; der ist ein schiffman, sagt von winden, ... vnd von dem vngestümen meer, des wundern sich die leut dann sehr, die auff dem meer nie sind gewesen Scheit
Grobianus 2178
ndr.; was aber ist mir das? wo kömmt der lichte strahl, die schnelle stille her, die Jupiters gemahl von ost in westen führt? ich wunder mich des wunders (
nach einem sturm) Fleming
dt. ged. 480
Lappenberg; fand ihn (
Geron), und wunderte mich seiner schöne, der stärke seines arms, und seines muths, doch mehr der treue seines herzens Wieland
ges. schr. I 12, 213
akad. im volksliedstil: sie (
die vermeintliche müllerin) zeigt so stolze sitten, des wundert er sich sehr Mörike
w. 1, 25
Maync. A@1@a@a@ggγγ)
mit präpositionalverbindungen, '
über jem. oder etw. erstaunt sein'.
am verbreitetsten und bis heute gebräuchlich sich wundern über,
älter sich wundern ob: daz sich die engel ze hýmelriche wundertent ob ir (
Marias) wunderlichen schOeni
St. Georgener pred. 329, 11
Rieder; fürwar ich musz mich wundern drab, dasz er (
Rabe) so lang blieb sitzen still (
um ein buch zu schreiben), dann er sonst nur spatzieren will Fischart
s. dicht. 1, 23
Kurz; wenn mir etwas unerwartetes begegnen konnte, in einer welt, die ich alle tage wunderbarer finde, und worüber ich mich also immer weniger wundere, ... so war es ihr brief, aber befremdet hat er mich nicht (1789) Caroline
br. 1, 47
Waitz; ich wundre mich nur, sagte der baron, der sich noch immer von seinem erstaunen nicht erholen konnte, über alle die gelehrten anspielungen Immermann
w. 1, 77
Hempel; es wunderte sich wahrscheinlich mancher darüber O.
M. Graf
unruhe (1948) 355.
nur älter sich wundern von: an dem kinde (
Christus) wundertent sú sich von siner schOeni und wishait schweizer Wernher
Marienleben 4472
Päpke-Hübner; (
Straszburg, um 1400)
städtechron. 8, 258.
in engem anschlusz an die lat. vorlage sich wundern in: manige wuonderten sich in sîner lêre (
Mark. 6, 2:
admirabantur in doctrina eius) Matthias v. Beheim
evangelienb. 83
Bechstein; erste dt. bibel 1, 85
Kurr. auch sich wundern an: es sol sich niemans wundren dran, das man ir (
der verstorbenen müllerin) iarzeit will began Murner
d. mülle 149
Albrecht. [] sich wundern vor: das sich ein christlich hertz davor wundern mus Luther 24, 694
W. sich wundern um: und ihr wundert euch darum, dasz der wein mich umgerissen? Lessing 1, 67
L.-M. A@1@a@a@ddδδ)
mit abhängigen sätzen. am häufigsten sich wundern, dasz: nîoman neuuunderôt sih, taz in (
den bösen) leid keskihet (
ac de tristibus quidem nemo miratur) Notker 1, 287, 7
P.; erselb wundert sich sere das im das hercz in dem libe nicht brast (
über den verlust seines sohnes)
Lancelot 1, 63
Kluge; wer mich hat vor dem gekandt, wundert sich, dasz mein geblühte ... sich so sehr hat ümgewandt Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 131; wundert ihr euch, dasz Amor dem herzen brennende pfeile sendet und auf euch stürmt und der verwundeten lacht? Herder 26, 51
S.; wundern sie sich nicht, dasz ich Ida Freiligrath nicht als meine freundin nenne (1842) L. v. Gall in:
br. 8
Muschler; nun schien man sich dort zu wundern, dasz ich die schlichte kleine pension einem groszen bequemen hotel vorzog Carossa
winterl. Rom (1947) 19. sih wuntarôn, nub,
nur ahd.: ni wuntoro thu thih, friunt min, nub iz wola megi sin, nub iz werde wanne, thaz sih es worolt mende Otfrid II 12, 37
Erdmann. sich wundern, wenn: dass sich also nicht zu wundern, wann die tugendliebenden einander lieben Harsdörffer
teutscher secretarius (1656) 1, 695; ich hätte mich, gott weisz es, gewundert, wenn sie mit mir gekommen wäre H. Mann
d. blaue engel (1950) 159.
jünger sich wundern, als: ich wunderte mich nicht wenig, als alles stillschweigend vorüberging Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 45.
mit konjunktionaladverbien; sich wundern, wie '
erstaunt sein, dasz': ich wundern mich selbs wie jch so vil pine hab mugen lyden Niclas v. Wyle
translat. 41
Keller; ist nun nicht sich höchst zu wundern, wie unsere traurige cypressen sich über aller anwesenden einbildung in annehmliche myrrhen verwandeln? Lohenstein
Arminius (1689) 1, 79
a; nur wundre ich mich, wie sie ihre weiberfeindschaft gleichwohl dreymal so glücklich haben besiegen können Lessing 2, 9
L.-M.; (
der oberförster) kann doch mehr, als Chopin spielen; du wirst dich wundern, wie weit wir schon mit unserer wildnisz sind Storm
s. w. (1900) 7, 141.
trotz des mit einem fragewort eingeleiteten abhängigen satzes nicht wie unten unter B 3 a—b
mit dem beisinn des gern wissenwollens, sondern durchaus affirmativ zu verstehen: (
Plume:) ich habe offiziers gekannt, die sich ... gewünscht haben, auf eine leicht art gefangen zu werden. (
Melinde:) nun wundere ich mich nicht mehr, warum ich so viele die gefangenschaft habe loben hören Stephanie
sämtl. lustsp. (1771) 28; ich wundre mich, welche geheime kraft in diesen todten zügen (
der schrift) verborgen liegt Fr. Schlegel in:
Athenäum 2, 3.
mit abhängigem infinitivsatz: man gewöhnte die kanzeln mit ihren heiligen satiren sparsamer zu thönen, und die laster wunderten sich ihre schmeichler darauf zu erbliken Bodmer
slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 76; man musz sich hiernach nur wundern, sooft wiederholt gelesen zu haben, man wisse nicht, was das ding-an-sich sey Hegel
w. (1832) 6, 95. A@1@a@bβ)
im ganzen weniger häufig, syntaktisch jedoch ebenfalls recht differenziert sind die nicht-reflexiven gebrauchsweisen, die vor allem in der älteren sprache bezeugt sind (
vgl. aber u. δδ). A@1@a@b@aaαα)
selten und nicht über das mhd. hinaus ohne jede rektion: lerte (
Christus) sie in iro samanungun, so thaz sie vvuntarotun (
ita ut mirarentur) (
Matth. 13, 54)
Tatian 78, 1
Sievers; vgl. ebda 88, 7; ... thô bigunnun an iro hugi uundron meginfolc mikil
Heliand 1826
Behaghel; [] alsô daz di schare wunderten sehinde di stummen redende und di lamen wandernde und di blinden sehinde (
Matth. 15, 31) Matthias v. Beheim
evangelienb. 38
Bechstein; vgl. schweizer Wernher
Marienleben 4640
Päpke-Hübner. A@1@a@b@bbββ)
transitiv jem.
oder etw. wundern '
über jem. oder etw. erstaunt sein'.
fast ausschlieszlich in älterer sprache: Iôhannes ist sîn namo; vvuntorôtun thaz thô allê (
et mirati sunt universi) (
Luk. 1, 63)
Tatian 4, 13
Sievers; vgl. ebda 88, 9; 119, 4; gotes geist imo (
Christus) anawas; ni tharft thu wuntoron thaz Otfrid I 16, 27
Erdmann; die (
berge) sint vilo hôh, habant manigin dichin lôh, daz mag man wunteran daz dâr ie ieman durh chuam
merigarto 1, 17
in: MSD
31, 93;
vgl. ebda 98; wer wil nu wundern die fabel ... von Tisbe vnd Piramo Niclas v. Wyle
translat. 25
Keller. in einer partizipialkonstruktion: uuârun thaz vvuntorôntê (
mirati sunt) (
Luk. 2, 18)
Tatian 6, 5
Sievers. nicht selten wird das transitive verhältnis durch einen objektsatz konstituiert. wundern, dasz: inti (
sie) vvuntorôtun thaz her lazzêta in templo (
et mirabantur quod tardaret ipse in templo) (
Luk. 1, 21)
ebda 2, 10; der son wirt och wundren ..., daz Aellú creature sin gti lobt
St. Georgener pred. 289, 6
Rieder; als ob er wunderte das ain mensch so listig solt sein wann das ander Neidhart
Terenz 44
lit. ver. nur singulär wundern, was
oder wie: (
Petrus) sach die lîlachen alleine gelegit und gînc inwec mit ime wuondernde waz da geschên was (
Luk. 24, 12) Matthias v. Beheim
evangelienb. 176
Bechstein. in anlehnung an älteren sprachgebrauch: wundert' ich doch, wie traurig den göttern du riefst, Amaryllis (
mirabar, quid maesta deos, Amarylli, vocares) J. H. Voss
d. Virgilius ländl. ged. (1797) 1, 7. A@1@a@b@ggγγ)
wie sich wundern (
vgl. ob. α γγ),
jedoch weniger häufig und nur in der älteren sprache, begegnet auch nicht-reflexives wundern
mit präpositionalverbindungen oder genitivischen komplementen in der bedeutung '
erstaunt sein über'.
selten und nur in enger anlehnung an die lat. vorlage wundern über: uuas thô sîn fater inti muoter vvuntorônti ubar thiu thiu dâr giquetanu uuârun fon imo (
mirantes super his quae dicebantur de illo) (
Luk. 2, 33)
Tatian 7, 7
Sievers. mhd. und frühnhd. wundern ab: alle creaturen, alle engel und all hailgen wundrent ab siner schonhait
St. Georgener pred. 291, 4
Rieder; Esopus nam den (
schweren) korb ... und fürgieng die andern gar wyt, dar ab wunderten sie Steinhöwel
Äsop 43
lit. ver.; vgl. Neidhart
Terenz 42
lit. ver.; ebda 101.
frühnhd. wundern von: doch wil ich dir ettlichs (
von den begebenheiten) sagen, die zu unnsern zeitten geschehen sind, davon du vast wundern wirst Joh. Hartlieb
dial. miraculorum 270, 36
Drescher. singulär im spätmhd. wundern an: ich hân daz (
leben der wale) selb beschawet und hân gewundert an gotes weishait Konrad v. Megenberg
buch d. natur 247, 32
Pfeiffer. mit genitivischem komplement nur vornhd.: uundrodun thes uuerkes, bihuî it gio mahti giuuerdan sô, that undar sô aldun tuêm ôdan uurdi barn an giburdeon
Heliand 203
Behaghel; vgl. ebda 2336; 5024; daz dises got vorhenget, des endarf niemant wundern Heinrich v. Hesler
apokalypse 19543
Helm; vgl. ebda 264. A@1@a@b@ddδδ)
nur in der form des part. praes. und substantiviert ist nicht-reflexives wundern
bis heute gebräuchlich, als part. praes. soviel wie '
staunend, erstaunt'
und oft dem gebrauch unter B 1
nahe: ob mein busen mir nicht mit eiteln hoffnungen schmeichelt, der in dir Noahs sohn (
Japhet) den wundernden augen verkündigt Bodmer
d. Noah (1752) 15;
[] wanderten wir (
Odysseus und seine gefährten) umher, und besahen wundernd das eiland J. H. Voss
Odyssee 155
B. substantiviert '
das erstauntsein, das erstaunen': sô uuirdet sâr uuunderônnes ende Notker 1, 271, 24
P.; (
sie) haten ein wundren von herr Salomons des kuniges aller liepsten frowen ... dar ab namen sú wunder, daz sú so swarz was, und im doch under der grossen zal aller siner frowen dú liepst waz Seuse
dt. schr. 367, 7
Bihlm.; jenes grosze erstaunen vor der welt, jenes tiefe philosophische wundern, worauf alle religion letzten endes zurückgeht K. Scheffler
geist d. gotik (1917) 37. A@1@bb)
sind bestimmte objektive und subjektive sachverhalte gegeben, kann (sich) wundern
zusätzlich noch andere psychische affektionen als das erstauntsein (
s. ob. a)
beschreiben, wobei die anwendungsbreite des wortes auszerordentlich grosz ist. auch in den folgenden bedeutungsnuancierungen sind die unter a
vorgeführten syntaktischen anwendungen belegt, aber nicht nochmals durchgegliedert. A@1@b@aα)
unter dem unmittelbaren eindruck eines unerwartet eingetretenen sachverhalts '
überrascht sein, befremdet sein, stutzen'.
vereinzelt eine interjektion glossierend: o int. stupet wundert (
Straszburg 1515) Diefenbach
gl. 386
a; (
die jünger) sih wuntorotun harto iro zueio worto, thaz sih liaz thiu sin diurimit otmuati so nidiri, thaz thaz ewiniga liblerta thar ein armaz wib Otfrid II 14, 82
Erdmann; (
er) sah das im (
dem ritter) die trehen von den augen runnen, des wundert sich Galahot sere
Lancelot 1, 282
Kluge; den hirs, der zu Zürch kochet war, ... dessen sich mancher gwundert hat wann er jn an mund prennen that Fischart
glückh. schiff v. Zürich 827
ndr.; (
er) hat sich sogleich auf den weg machen wollen. ich wundre mich, dasz er noch nicht hier ist Lessing 2, 291
L.-M.; meiner sammlung ..., deren wunderliche elemente schon manchen überrascht haben ... auch ... sie wunderten sich über den seltsamen reichthum in den verschiedensten fächern Göthe I 47, 122
W.; da seh ich wundernd das erschrockne thier (
einen weiszen hirsch) zu einer nonne füszen zitternd liegen Schiller 14, 42
G.; als sie ihn (
meinen toten vater) aus dem hause trugen ..., wunderte ich mich sehr, dasz die mutter ganz gleichgültig schien Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 58; freilich musz ich mich wundern, dasz ein so privates vorkommnis wie meine ankunft in Weimar ihnen schon zu ohren gekommen ist Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 55. A@1@b@bβ)
infolge der wahrnehmung von etwas unerhörtem oder unerklärlichem, das unheimlich und furchterregend wirkt, oder unter dem eindruck einer bedrohung '
bestürzt, entsetzt, erschreckt sein': enti uuntrentiu uur tun elliu dhiu folc (
et stupebant omnes turbae) (
Matth. 12, 23)
Monseer fragm. 5, 17
Hench; diê sih des uuunderôton, uuîo sie soltin ezzen sîn fleîsch, unde trinchen sîn bluôt (
zu ps. 33, 1) Notker 2, 112, 5
P.; da ward der benant Lwcz vast betrubt und wundern von dem gesicht (
einer todesvision) Joh. Hartlieb
dial. miraculorum 335, 20
Drescher; vnde die alten der stat die wundertten sich, sy lieffen im (
erschrocken) entgegen, vnd sprachen, ist dein eingang nit gefridsam? vnd er sprach, gefridsam (1.
Sam. 16, 4)
erste dt. bibel 5, 68
Kurr.; daruon (
dasz er den verräter nicht im bett fand) er sich wundern wardt ... (
und) schrey seinem bruoder ... zuo: bruoder wir seindt verraten
hertzog Aymont (1535) f 2
b; ein seltsam neues schrecknisz glaub ich ahndend vor mir zu sehn, und stehe wundernd, wie das irrsal sich entwirren soll und lösen Schiller 14, 101
G. vielleicht auch nur neutral und dann zu a: sie (
die infanteristen) blicken in die graue weite. wind und wellen, himmel und meer, sie schauen es wundernd und staunend
bei v. Hase
kriegsmarine (1940) 250.
[] A@1@b@gγ)
zur kennzeichnung einer tiefer gehenden affektion, '
zornig sein, entrüstet und empört sein, indigniert oder ärgerlich sein'
; zuweilen nur aus dem weiteren zusammenhang erschlieszbar: das mir e k f g (
Joachim II. v. Brandenburg) durch yhn lasse yhren gnedigen grus sagen vnd sich wundere, das ich e k f g nichts schreibe (1545) Luther
br. 11, 50
W.; dasz i. kurf. g. nicht wenig wundert, dasz i.
f. g. unangesaget ... in sein land ... aus trotz und frechem gemüt gezogen wär Schweinichen
denkw. 41
Öst.; die tänzerin, von muntern grazien umgeben, jede bewegung voll reiz ... man soll sich nicht wundern, nicht zanken, wenn sie geliebt wird S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 160.
vgl. die umgangssprachliche wendung ich musz mich doch sehr wundern! A@1@b@dδ) '
bekümmert sein, verdrieszlich sein',
das durative moment der affektion stärker betonend: dasz wir ... uns darüber nicht wundern sollten, wenn aus triftigen gründen der druck (
unserer bekenntnisschriften) aufgeschoben würde (1537)
bei Luther
br. 8, 147
W.; sie (
die hinterlist) weis die redlichkeit zu fällen, ... die tugend steht, und wundert sich, und spricht: wie sehr versiehst du dich, in deiner gunst, du blindes glücke Gottsched
ged. (1751) 1, 111; un natürlich, was denn kommt, das musz man aushalten und darf sich nicht wundern Fontane
ges. w. (1905) I 5, 133.
mundartlich: wundern '
vergrämt, wunderlich, griesgrämig sein' Unger-Khull
steir. 639
b.
vgl. noch wunderlich,
adj., A 4 c. A@1@b@eε)
den zustand des angenehm berührtseins umschreibend; '
erfreut sein': ihr (
der toten prinzessin) lieblich-zornig antlitz wird verkehrt in eine lichte sonne, ihr hertz vergisst die rauhe schmertzen und wundert sich ob neuer wonne Gryphius
trauersp. 249
Palm; da ist man dann erstarrt und stutzet zweifelsvoll, worüber sich das herz am meisten wundern soll: ob es der garten sey, der pracht und anmuth zeiget? obs der besitzer ist, der alles übersteiget? Gottsched
ged. (1751) 1, 376; und wenn du (
Bettine) so herzlich bist, mein schüler sein zu wollen, so werd ich mich einst wundern, was ich da für einen vogel ausgebrütet habe Karoline Günderode
bei Bettine
d. Günderode (1840) 1, 20; wir haben nämlich eine überraschung ... du wirst dich wundern
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 121.
im sinne von '
belustigt sein, amüsiert sein': wir wundern oder ärgern uns, dasz jedes jahrzehend uns immer wieder dasselbe schauspiel gibt, welches bereits seit jahrtausenden die völker entzweite J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 260. A@1@b@zζ)
in weniger verbreiteten sonderanwendungen. einem sachverhalt gegenüber '
ratlos sein': ez wonderin sich ungeleubige lûde und etlîche ungelârte cristine lûde, und joch etlîche phaffin wizzin dâ fon alse wenic alse ein stein meister Eckhart in:
zs. f. dt. altert. 15, 378.
etw. '
unbegreiflich finden': darumb ist sich zuwundern, dasz licentiat Eisengrein ... ein gantz predigt ... hat dörffen lassen auszgehn Fischart
binenkorb (1588) 171
b; er war ... im staat und in der literatur productiv: er wunderte sich, dasz jemand lange weile haben könne Ranke
s. w. (1867) 2, 39. '
an etwas zweifeln, etw. bezweifeln': es möchten etlich mainen unmüglich syn, daz wyber zuo solcher manhait komen solten (
wie Penthesilea), aber daz wondren mag in lycht enzogen werden Steinhöwel
de claris mul. 114
lit. ver. A@22)
für das affiziertwerden als einen vorgang, durch den jem. in einen bestimmten psychischen zustand versetzt wird. A@2@aa) etw.
oder jem. wundert mich '
setzt mich in erstaunen'. A@2@a@aα)
mit bestimmten subjekten: ze dem altar es (
die dreijährige Maria) sich naigte, demuoteklich es erzaigte zegebette andæchteclichen: das wunderte mænigklichen schweizer Wernher
Marienleben 632
Päpke-Hübner; [] do sach er (
Alexander) hende und füsse vor ime (
dem rosz Bucephalus) ligen, die ime worent überbliben an den lüten die es hette gessen. das wunderte in gar sere (
Straszburg, um 1400)
städtechron. 8, 302; wundert mich nicht unbillich etlicher leute eingebildete tapfferkeit ..., die da sagen: sie wollen es (
den himmel) mit dem letzten ahtem erschnappen Butschky
Pathmos (1677) 41; dasz unter tausenden ein weiser mann kein gutes weibchen finden kann, das wundert mich recht sehr Lessing 1, 12
L.-M. seltener mit subjektischen nebensätzen: das wundert mich sehr, dasz sie mägdlein ist annoch; doch sagt sie es selbst ja Platen
ges. w. (1853) 4, 80.
in der formel das soll(te) mich wundern, wenn: das sollt mich doch wundern, wenn's hie ni mal böse käm Gerhart Hauptmann
d. weber (1892) 67. A@2@a@bβ)
wie der reflexive gebrauch, so begegnet auch der impersonale sehr häufig und in einer fülle von syntaktischen fügungen. A@2@a@b@aaαα)
nur durch akkusativobjekt ergänzt: vil sere wundren sú began schweizer Wernher
Marienleben 4856
Päpke-Hübner; der bruoder (
ein ehemaliger notar) sprach, es (
dasz ich jeden prozesz für das kloster verliere) sol euch nit wunderen, wan in der welt hab ich gelogen das erdreich möcht erzittern, ietzund so lüg ich nit me Pauli
schimpf u. ernst 93
Öst.; da schlangen sie (
rose und linde) sich zum liebesknoten, und jeden wunderts sehr Herder 25, 195
S. A@2@a@b@bbββ)
mit genitivischem komplement, mit dem dasjenige ausgedrückt wird, was die affektion auslöst. nur bis ins 18.
jh. geläufig: ... endi im (
Zacharias) thero dâdeo bigan, uundron thero uuordo
Heliand 141
Behaghel; des wunderet die fursten algemaine
kaiserchron. 5008
E. Schröder; daz ich der not, in der ich was, ie dannen kam und ie genas, des wundert unde wundert mich Gottfried v. Straszburg
Tristan 9229
Ranke; (
die schlange) peis ein teil dar von (
von dem wegerich) vnd kaw es vnd leget es hin vnd her in die wunten, des wundert Auicennam sere (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 643
b; mich wundert aber dessen so stark nicht Abr. a
s. Clara
Judas 2 (1699) 79; ... gleichwohl wundert ihn (
Lanzelot) des schwarzen ritters. denn was itzt geschah, war, seit die tafelrunde stand, noch nie geschehn Wieland
ges. schr. I 12, 207
akad. A@2@a@b@ggγγ)
vor allem in der älteren sprache mit präpositionalverbindungen zur bezeichnung des auslösenden moments komplementiert. (es) wundert jem. um, von, ob
bzw. ab etw.: uns leien wundert umbe der pfaffen lêre. si lêrten uns bî kurzen tagen: daz wellents uns nû widersagen Walther v.
d. Vogelweide 12, 32
Kraus; die trûben ir liezet iuch swæren; dâ von mich niht enwundert, ob iuch diu selbe spîse kan wol zuo der vrühte gestiuren Frauenlob 2, 18
Ettm.; und wundert die menschen ser ab ir (
der Maria Magdalena) schöne und ab ir weisheit
d. heiligen leben (1472) 90
a; dan würdt die badstub also heisz daz mich nit wundret ab dym schweisz Murner
badenfahrt 1, 2, 16
Michels. A@2@a@b@ddδδ)
in gebundenen impersonalen fügungen mit subjektischen nebensätzen; am verbreitetsten mich wundert (es), dasz:
[] ouch wundert mich ie mêre daz ein alsô vrumer man sô starke missetuon kan Hartmann v. Aue
Iwein 4062
Benecke-Lachmann; mich wundert, das ir so wisen rihtere den üppigen worten gloubent (
Straszburg 1400)
städtechron. 8, 365; nit losz dich wundern das ich disen sack des christlichen gloubens so gross acht Keisersberg
bilgersch. (1512) 19
b; vnnd wundert mich, dasz du nicht wollest auffhören (
zu reisen)
engl. comedien u. tragedien (1624) L 7
a; doch dasz es (
das volk) ihn den weisen Nathan nennt, und nicht vielmehr den reichen, hat mich oft gewundert Lessing 3, 36
L.-M.; wen wundert's, dasz es freiheit nicht auf erden giebt und volksbeglückung? Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 257; mich wundert's, dasz er (
der könig) nicht schon vor Prag steht Sperl
söhne d. hrn. Budiwoj (1927) 218.
in der formel (es) sollte mich wundern, wenn: es sollte mich wundern, wenn der geist, der vor jahrhunderten in dieser bergöde so gewaltig wirkte ... nicht auch aus diesen trümmern noch seine lebenskraft auf ein lebendiges wesen ausübte Göthe I 24, 16
W.; vgl. Holtei
erz. schr. (1861) 6, 27. (es) wundert mich, wie
oder warum '
es erstaunt mich, dasz': mich wundert ê, wie daz geschach Frauenlob 16, 22
Ettmüller; vgl. Tauler
pred. 190, 10
Vetter; so wundert mich, wie ihr meinem schwerd entrunnen, dasz ich auff euch gewetzt Zinkgref-Weidner
teutscher nation weish. 3 (1653) 78; mich wundert nur, wie sie (
die vermeintliche geliebte) sich mag so herumschleppen lassen Göthe I 17, 51
W.; auszerdem wundert es mich, warum der zauberer selbst ... sich mit dem kleinfügigen gewinn abgeben mag Wieland
Lucian (1788) 1, 168. A@2@bb)
wie unter 1 b
auf verschiedene weise akzentuiert und von sehr divergenten seelischen regungen ausgesagt; entsprechend auch syntaktisch in fast allen der oben unter 2 a
dargestellten anwendungsmöglichkeiten. A@2@b@aα) '
etw. oder jem. überrascht mich, befremdet mich, macht mich stutzig': als er diu vrischen cleider einhalp bî im ligen sach, des wundert in, unde sprach 'ditz sint cleider der ich gnuoc in mîme troume dicke truoc' Hartmann v. Aue
Iwein 3586
Benecke-Lachm.; darnach wondert mich das du zweyfelst ob ich etzwas zuo schreiben oder tichten vOerhabe, gleich als ob du mich ye nichtes schreybend gefunden hettest Hutten
opera omnia 1, 323
Böcking; ich mich entfernen, herr? mich wundert, was ich höre König
ged. (1745) 391; so allein madame? und auch nicht eine dame zur begleitung? das wundert mich — wo blieben ihre frauen? Schiller 5, 49
G.; es sollte mich nicht wundern, wenn manche die wahlverwandtschaften unmoralisch fänden W. v. Humboldt
br. an Welcker 16
Haym; von meinem schwager Heuteufel wundert mich selbst das gefährlichste sektenwesen nicht H. Mann
d. untertan (1949) 143. A@2@b@bβ) '
etw. oder jem. entsetzt mich, erschreckt mich, macht mich bestürzt'
; vom mhd. bis ins 16.
jh.: als das (
heer des feindes) Galaal irsach, ir komins wundert in Rudolf v. Ems
weltchronik 19183
Ehrismann; wenne si (
die hirsche) die hund jagent, sô wundert si der hund lautlaufen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 130
Pfeiffer; mich wundert, das ein mensch so tief khan fallen a cognitione dei, als Erasmus gefallen ist (1532)
bei Luther
tischr. 2, 146
W.; mich wundert ausdermassen sehr das jr mich also komet an, ... ich hoff nicht das jr zornig seid Dedekind
christl. ritter (1590) C 7
b.
[] A@2@b@gγ) '
etw. oder jem. erzürnt mich, entrüstet mich, empört oder ärgert mich': da wundert es den herren hoch liess in den sal fordern den koch und fraget in trotzig dermassen, wo er das ein tiech (
keule des kranichs) het gelassen Hans Sachs 9, 475
lit. ver.; mich wundert warlich nicht klein an dich ..., dasz du dich vmb liebe willen ... vnderstehst in den todt vnd andere gefahr zubegeben
buch d. liebe (1587) 246
b; aber das kann einen wundern, dasz die menschen sichs gefallen lassen von denen (
den hofschranzen) sich regieren zu lassen statt von ihrem angestammte (!) herrn Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 1, 21; Sophie von Gorse freut sich dieses vertraulichen und freundschaftlichen tones, aber Winfried wundert er A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 435. A@2@b@dδ) '
etw. oder jem. bekümmert mich, verdrieszt mich',
oft mit unscharfer grenze zu γ: mich wundert einer mære, der ich verdagen niht enwil ... des verdriuzet sêremîn herze und mînen lîp, daz ich dich sihe sô selten,dar umb sô ist mir leide, bî dînen küenen helden
Kudrun 26, 4
Symons-Boesch; mich billich wundert, das mir so gar kein antwort wirdt (1539) Luther
br. 8, 492
W.; wir dancken gott auch nicht allweg, drumb sols vns nicht wundern, ob zu weilen die leut vns nicht dancken Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Mmm 1
b; meine augen sind überflüssig mit perlenschatz, meine lippen mit seufzeredelgestein versehn. was mich wundert, dein süszer mund ist auf jedes ja meiner bitten mit einem bitteren nein versehn Rückert
ges. ged. 4 (1837) 172. A@2@b@eε) '
etw. erfreut mich': daran (
an dem brief) dem könig hoch gelegen, das wird den könig wundern sehr, vnd eüch belieben desto mehr
Reinicke fuchs (1650) 215; es wundert mich desto mehr, dasz ich mich hier so wohl abgemalt finde, da mich doch sonst niemals kein maler recht hat treffen können J. E. Schlegel
w. (1761) 3, 515. A@2@b@zζ)
in singulären anwendungen. '
etw. kommt einem unerklärlich, unverständlich vor': fürwahr, es wundert mich, dasz sie sich nicht ergiebet; ich weis doch ganz gewisz, dasz sie dich heimlich liebet Gottsched
dt. schaubühne (1740) 5, 474.
in gelegentlichem gebrauch '
mir miszfällt': mir selten wol behaget ûz rîchen mannes munde lüge, und swâ den bern ein eichorn jaget. mich wundert armiu hôchvart, und ist alter man unwîs der Marner 15, 235
Strauch. für ein gefühl der selbstgefälligkeit: es wunderte ihn gewaltig, dasz es ihm gelungen, die bestimmten und unveränderlichen merkzeichen der thierischen natur so klar beweisen und auf den menschen anwenden zu können Klinger
w. 3 (1815) 163. BB.
zur beschreibung eines (
aktiven)
verhaltens als einer der gemütslage, in der jem. sich befindet, entspringenden äuszerung bzw. als spontane reaktion auf einen empfangenen eindruck. B@11) '
seinem erstaunen, seinem befremden, seinem unmut, seiner freude, seiner neugier auf irgendeine weise ausdruck geben'.
vgl. lexikalisch: wundern ... '
verwunderung, oder die empfindung des ungewohnten durch worte und geberden ausdrucken; ein provinzieller, nur in einigen gegenden üblicher gebrauch' Adelung
versuch (1774) 5, 1, 302. B@1@aa)
durch mündliche oder schriftliche äuszerungen; im anschlusz an A 1 a '
sein erstaunen ausdrücken': thô bigan that folc undar im, uuerod uundraian
Heliand 2261
Behaghel; [] nû alrêst wirt gewundert, dô sî nû zuo dem keiser saz Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm 282, 10
Singer; Strepsiades: ey, b'hüt mich doch der starck gott mein, was wunderseltzame thierlein?
schüler: was wundersts dich, sag viel mehr mir, wie kommen dir die thierlein für? (1613) Fröreisen
bei: Dähnhardt
griech. dramen 2, 176
lit. ver.; ich wunderte mich einst gegen einen Engelländer, dasz sein groszes volk keine eigne musikalische oder auch malerschule hervorgebracht hätte Schubart
leben (1791) 1, 136.
von A 1 b
α her '
sein befremden ausdrücken': der wirth wunderte, dasz ich ein so lausigen kerl bey mir lidte Grimmelshausen
Simpl. 367
Scholte. an A 1 b
γ anknüpfend '
seinem unmut ausdruck geben, sich ereifern': (
Thomas Beckets) rasch aufleuchtender stern, die ... über ihn ausgeschütteten gnaden und würden ... (
sein reichtum, sein aufwand) — das alles gab den leuten von London zu wundern und zu reden von morgen bis abend C.
F. Meyer
d. heilige (1900) 36.
im sinne von A 1 b
ε '
seiner freude ausdruck geben',
auch '
sich lustig machen': er (
graf Thun) wunderte sich oft, dasz ich (
Gellert) ihn so wohl leiden könnte (1763) Gellert
s. schr. (1839) 9, 185; die wirthin ..., die freudig und verschämt lächelnd herumging und alle hände voll zu thun und ihres wunderns und gesegnens kein ende hatte (
über ihr wohlgelungenes porträt) Stifter
s. w. 1 (1904) 169; den kleinen Agathon (
Bürgers sohn), der, seit die leute sich nicht mehr über den nahmen wundern, von aller welt und von der mutter vergessen ist (1791) Caroline
br. 1, 86
Waitz. im sinne von '(
vor sich hin)
reden': das ich euch reden hör so ferr was wundert vnd gedencket jr? Schmeltzl
Samuel u. Saul 10
Wiener ndr. jünger geradezu in der funktion eines verbum dicendi, zur konstatierung eines ungewöhnlichen, staunenerregenden sachverhalts: das ist wirklich sonderbar, wunderte er sich, mehr für sich selber sprechend, als für den anderen Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 216; na, mensch, wundert er sich, wenn sich schon mal einer um unsereinen gekümmert hat A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 347.
prägnant in der bedeutung '(
erstaunt, wiszbegierig, überrascht)
fragen',
zufrühest substantiviert: dar gotes hûs ist, dar daz uuunderôn abaist, uuanda fons intellegentiE dar ist, unde alle questiones (reatisca) dar inchnuphet uuerdent (
zu ps. 41, 5) Notker 2, 154, 29
P.; das volck begund wundern, wan die hochzeit solt sein
Meier Betz 56
Wiessner; wohin fährst du mich? wunderte sich Winfried A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 214.
mundartlich: er wunderet '
er stellt neugierige fragen' Hunziker
Aargau 303. B@1@bb)
durch sonstiges verhalten. zunächst allgemein '
irgendwelche zeichen des erstauntseins geben': (
depositor:) ... ich bin der mann.
Pickelhering sihet ihn an, und wundert sich (1658) Schoch
com. v. stud. leben 46
Fabricius. '
erstaunt blicken, vor staunen erstarren': sîniu zeîchen gesehendo uuunderôton sîe sih. ketruôbet unde iruueget uuurden siê, unde forhta cham sie ana (
ipsi uidentes sic admirati sunt) (
ps. 47, 6) Notker 2, 182, 5
P.; (
sie) wunderte sich hinterher, das heiszt, sie machte grosze augen Anzengruber
ges. w. (1890) 1, 19. B@22)
nur in reflexivem gebrauch und mit indirekten, seltener direkten fragesätzen verknüpft '
sich fragen'.
von A 1 a
her aus einem erstaunen heraus: (
der könig) gab so viel das siehs (!) all die welt wunderte wo ers neme
Lancelot 1, 305
Kluge; wie ich (
Mopsus) in den verfluchten strauch kommen, darin ihr mich gefunden, habt ihr wohl ursach, euch zu wundern maler Müller
w. (1811) 1, 124; im stillen wunderte er (
der gutsbesitzer) sich: hatte er denn so viele tagelöhner auf Grabenhagen? Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 40. '
sich überrascht, befremdet fragen' (
vgl.A 1 b
α): da er (
Ywan) sah das yn (
den ritter der tölpelhafte) Dagenot bracht, da wundert
[] er sich sere wie das wesen möcht
Lancelot 1, 228
Kluge. gelegentlich im anschlusz an A 1 b
ε '
sich belustigt fragen': man möchte sich wohl wundern, wie die heiligen (
d. i. heiligenbilder) zum salzmagazine kommen. aber sie sollen vermuthlich zu schildwachen dienen Nicolai
reise d. Deutschl. (1783) 2, 468. B@33)
unter dem eindruck von etwas noch unbekanntem, unerklärlichem stehend '
neugierig sein, (
gern)
wissen wollen'
; vgl. dazu wunder,
n. I 1 b
und 2 b,
sowie engl. to wonder (Murray 10, 2, 254
c).
mundartlich nur im ober- und mitteldt. nachgewiesen: wundern '
wissen mögen' Stalder
schweiz. id. 2, 458; 's wundert ne gar nid '
er hat gar kein interesse daran' Follmann
Lothr. 549
b; es wundert mich, ob '
ich bin neugierig, möchte wissen, ob' Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 681
b.
literarisch durchweg mit indirekten fragesätzen. B@3@aa)
allgemein, ohne erkennbaren anschlusz: mich wundert, waz doch wære den gesten dâ geschehen, ob Wâte der vil grimme hiete daz gesehen
Kudrun 793, 1
Symons-Boesch; ob an mir iuwer herze lît, vil kleine mich des wundert Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 21 785
Keller; mich wundert ser, wo sie (
mönche und pfaffen) es geschriben finden, dasz man also in sünden soll all weg müszig gan (
wie sie es tun) (1534)
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs 388
a Steiff-Mehring; mich wunderte offt auch nit wenig, ob dann mit einem ... aufrecht stehenden pöler solcher gestalt zu werffen were Furttenbach
büchsenmeisterey-schul (1643) 76; mich (
Oberon) wunderts, ob Titania erwachte, und welch geschöpf ihr gleich ins auge fiel
Shakespeare 1 (1797) 229.
modern wohl nur noch in der wendung mich soll (es doch, nur) wundern '
ich möchte (
nur)
wissen'
möglich: mich soll nur wundern, wie es werden wird (1823) Göthe
gespr. 4, 212
W. v. Biederm.; unter den stein habe ich den ring verscharrt, soll mich wundern ob er noch da liegt? Immermann
Münchhausen (1841) 4, 32.
als part. praes. '
neugierig': Deutschland fragt nach gedichten nicht viel; ihr kleinen gesellen lärmt, bis jeglicher sich wundernd ans fenster begibt Göthe I 5, 222
W. B@3@bb)
im anschlusz an A 1 a '
über etw. erstaunt sein und gern wissen wollen': diu werlt hât manic wunder ûf dem lande und in dem sê, ... mich wundert gar besunder, ... wâ der wâc an rüere grundelôsen grunt der Marner 14, 37
Strauch; mich wundert wes doch ist die schuld, das got bey guottem päsz (
böses) gedult J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 129
b; mich wundert aber doch, was die ursache sey, dasz dieselben (
die krebssteine) den werthe nach so hoch gestiegen Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 137.
von A 1 b
α her '
überrascht oder befremdet sein, stutzen und gern wissen wollen': Pilatus uuntrota, oba her (
Christus) iu entoti, inti gihalotemo uualtambahte frageta inan oba her iu entoti? (
Pilatus autem mirabatur, si iam obisset ...) (
Mark. 15, 44)
Tatian 212, 5
Sievers; vgl. schweizer Wernher
Marienleben 11 523
Päpke-Hübner; da (
sie) ... sahen das er (
der ritter) off myns herrn Gawans rosz sasz, da wundert sie sere wie im das rosz zu were komen
Lancelot 1, 269
Kluge; es wundert mich, was nur unsere herren thun, dasz sie es (
das martyrium Christi) nicht einmal vollends erörtern (,
sondern immer noch darüber predigen) Grimmelshausen 2, 355
Keller. an A 1 b
β anknüpfend '
entsetzt, erschreckt, bestürzt sein und gern wissen wollen': Moyses erchom harte susgetanir worte; harte in wnderen began wer offen habete getan den man den er habete erslagen
exodus 123, 23
Diemer; [] der künig (
Pharao) wunderte was dis (
seine träume) were, und besante des morgens die wisesten in dem lande (
Straszburg, um 1400)
städtechron. 8, 258; mich wundert auch selber, wasz dises (
das starke glänzen am himmel) bedeuth
volksschausp. 359
Hartmann. im sinne von A 1 b
γ '
empört, ärgerlich sein und gern wissen wollen': was grosser klag, was grossen gschrey hör ich? mich wundert wer da sey der sich so mächtig vbel gheb, ob es sey todt, oder obs leb Fischart
flöhatz 3
ndr. '
bekümmert sein und gern wissen wollen',
entsprechend A 1 b
δ: ouwî, mîn her Iwein, ... es wundert mîne sinne, wer iu geriete disen wân Hartmann v. Aue
Iwein 2344
Benecke-Lachmann; o guoter fründ du thurest mich so ich also hör clagen dich, mich wundert, was dich btrogen hat Gengenbach 74
Goedeke. B@44)
vom spätahd. an, im ganzen aber selten und vor allem bei Luther
bezeichnet wundern
auch den akt der wertschätzung einer person oder eines sachverhalts und heiszt dann soviel wie '
bewundern'. bewundern
selbst scheint erst seit dem ende des 17.
jhs. wundern
in dieser bedeutung abzulösen (
vgl. teil 1,
spalte 1788,
wozu für die bildung bewundern
noch ein sehr frühes, jedoch singuläres zeugnis: admirari bewundern [
md. 15.
jh.] Diefenbach
gl. 13
a).
nach ausweis des benutzten psalmenkommentars, und zwar in reflexivem gebrauch, zuerst bei Notker: vuiê uunderlîch dîn namo ist in allero uuerlte. vuiê siê sih alle dîn uunderont (
quam admirabile est nomen tuum in uniuersa terra) (Augustinus
zu ps. 8, 2:
quam te admirantur omnes qui incolunt terram, vgl. Sehrt-Starck 3, 1, 29) 2, 20, 20
P. vgl. in entsprechender konstruktion: dô die engele aller êrist gescaffin wurdin, dô begunden siu sich sîner (
Christi) scône ze wunderenne
St. Trudperter hohes lied 89, 32
Menhardt; wer musz, Miranda, sich nicht wundern über dir? an schönheit bist du mehr als menschlich anzuschauen, so tugendhaft, so keusch Fleming
dt. ged. 503
Lappenberg. meist nicht reflexiv: an etlichen sinen werken ist er (
Christus) úns ze volgen, an etlichen ist er allein zuo schowen und zuo wundren Seuse
dt. schr. 477, 2
Bihlm.; dise ausserliche und gleissende ding, wölche der mensch für guot und götlich helt und wundert Luther 17, 2, 499
W.; vgl. ebda 10, 1, 1, 445; 23, 487.
zu jüngerem fortleben dieser bedeutung vgl. wundernswert 2, wundernswürdig 2.
substantiviert '
bewunderung': der wegen seines reichthumbs und herrligkeit viel wunderns gehabt Olearius
pers. rosenthal (1696) 21
a.
seltener im sinne von '
rühmen, preisen': (
ihr seid nicht deswegen geflohen,) dasz die leute euch loben und wundern, sondern gott zu lob und ehren (1533) Luther
br. 6, 422
W. CC.
im anschlusz an wunder,
n. II A 1—3
und ebda 4 a
entsprechend kann wundern
die bedeutung '
wunder tun, wunder (
be)
wirken, wunder verrichten'
erhalten, mit welchen wendungen es seit dem mhd. und vor allem bei Luther
konkurriert, ohne sich jedoch durchsetzen zu können. die wenigen zeugnisse aus jüngerer zeit stehen entweder in der tradition des Luther
schen gebrauchs (
s. u. 1)
oder belegen nur zeitlich und geographisch eingeschränkte vereinzelte sonderanwendungen (
s. u. 2). C@11)
im christlich-religiösen bereich. C@1@aa)
für das handeln und wirken gottes (
vgl. wunder,
n. II A 1). C@1@a@aα)
für das handeln gottes schlechthin und in seinem ganzen umfang: wie möht ich allez daz volsagen daz du ie her gewundert hâst? Winsbeke 76, 2
Haupt; [] Hermann Damen in:
minnesinger 3, 167
b v. d. Hagen; gott wundert uber all Luther 16, 267
W. (
zusatzvar. zu zeile 27
f.).
in der mhd. wendung wunder wundern (
vgl. u. 2): got, der aller wunder wunder wundert Rumsland v. Sachsen
in: minnesinger 2, 368
b v. d. Hagen; Friedrich v. Sunnenburg
ebda 357
b; daz menschen sin begreiffet nicht, wie und wo, in welher pflicht got seine wunder wundert Peter Suchenwirt 41, 103
Primisser. so auch gewundern (
vgl. teil 4, 1, 4,
sp. 6789
unter 1 b).
vereinzelt von dem geheimnis der menschwerdung Christi: wol dem wunder, daz der wunderære gewundert hât an der vil süezen, sît er kan kint unt vater sîn Reinmar v. Zweter (?) 236, 9
Roethe. C@1@a@bβ)
als äuszerung göttlicher gnade und liebe, vereinzelt auch göttlichen zorns oder des souveränen göttlichen handelns schlechthin: der ûz der hant dem man sich windet als ein âl, owê daz got nicht zorneclîchen sêre an deme wundert Walther v.
d. Vogelweide 30, 25
Kraus; got hât mit uns (
den liebenden) gewundert (
indem er uns wieder zusammengeführt hat)
Mai und Beaflor 206, 23
Pfeiffer; vgl. Konrad v. Würzburg
Engelhard 491
Gereke; got hât gewundert sêre mit schœne an mîner frouwen Hadamar v. Laber
d. jagd 655
Schmeller; ihr (
Leonhard Koppe) wisset auch, was mir geschehen ist, dasz ich meiner metzen in die zöpfe geflochten bin (
d. i. geheiratet habe). gott hat lust zu wundern, mich und die welt zu närren und äffen (1525) Luther
br. 3, 534
W.; also siehet man wie vnser herr gott mit den grossen monarchien vnd reichen dieser welt gewundert, bald sind sie gestiegen, wunderbarlich aber auch widerumb gefallen C. Spangenberg
Mansfeld. chron. (1572) 1, 52
b; es ist ... die rede nicht so eingerichtet, als
ob dardurch gott alles wundern unter den todten würde abgesprochen (
zu ps. 88, 11) Frisch
neukling. harpfe Davids (1719) 770. C@1@bb)
vom wirken Christi auf erden, fast ausschlieszlich bei Luther: wie er auff der selbigen (
reise) predigt und wundert hatt 8, 354
W.; da aber Jhesus anhub zu wundern (
signa aedere B) und ynsz geschrey kam
ebda 10, 1, 2, 150;
dazu ebda 28, 18; 108; 34, 2, 81; 45, 531; 46, 331; was dis wunderkind ... in seiner jugent fürgehabt habe, ehe er öffentlich zu predigen und wundern angefangen Gigas
postilla (1595) 1, 49
b. C@1@cc)
von den kraftwirkungen guter und böser mächte, soweit sie innerhalb des göttlichen weltplanes ihre stelle haben: (
die seele ist) ein lebendiger tempel gottes ..., darin der heilige geist wohnet, prediget, wundert und wircket Scriver
seelen-schatz (1681) 1, 742; daher der satan auch für sie gewundert
anmüt. weiszh. lustgarten (1621) 19. C@1@dd)
von den taten bestimmter menschen, durch die mittelbar gott selber handelt; so im hinblick auf 2. Mos. 7, 9
ff.; 2. kön. 1, 10
ff.: die propheten, patriarchen und konige ym alten testament haben auch geschlagen und gewundert, aber es steht ymer geschrieben da bey, das es sey geschehen umb des wort gots und des volcks gottes willen Luther 15, 189
W.; Alexander magnus, durch welchen gott viel gewundert hat
M. Friderich
wider d. sauffteuffel (1552) C 4
a;
vgl. theatr. diabol. (1569) 319
a. C@22)
in den verschiedensten anwendungen auf vorgänge, die nicht unbedingt unter einem religiösen aspekt gesehen sind. zunächst in der formel wunder wundern (
vgl. ob. 1 a
α): minne hât gewundert
an mir sô wildiu wunder, daz ich iemer under der brust trag nâ iuch swære
Reinfrid v. Braunschweig 4296
Bartsch. [] absolut '
etw. ungewöhnliches, auszerordentliches bewirken oder vollbringen': er (
Paris) hete vor gewundert mit slegen an der Kriechen her Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 34 942
Keller. mit bezug auf (
angemaszte)
wissenschaftliche leistungen: (
student:) ik hebbe studeret mit grotem vlît ..., in den seven vrien künsten plach ik jo to wunderen
des dodes danz 925
Baethcke. auch in abwertendem sinn (
vgl. wunder,
n., II E 3 d),
insofern das handeln oder verhalten eines menschen die grenzen von anstand und gesittung nicht einhält. '
seltsame dinge tun, sich absonderlich benehmen',
vom gebaren betrunkener: ich sprach: wenn du denn bist beladen foll wein, mit halbem wind her segelst, fantasirest, wunderst und egelst Hans Sachs 3, 518
lit. ver.; M. Lindener
katzipori 127
lit. ver. als '
drohen, lärm machen'
o. ä.: sie sprach zum ehebrecherischen bürger: nim dein schwerd blosz in deine hand, fluche vnd wundere scheuszlich W. Bütner
epitome hist. (1596) 269
a.
von streitsüchtigem verhalten oder zänkisches wesen und gereiztes, lärmendes gebaren beschreibend (
vgl. wunder,
n. II E 3 b): binnen der tid dat he (
bischof Borchard) mit den borgeren alsus wunderde und groten schaden dede, do reit he in de stad to Magdeborch up ein twidracht (
Magdeburg, um 1360)
städtechron. 7, 193; ja man find wol weiber die für vnd für grumsen vnd wundern Huberinus
mancherl. form zu predigen (1555) 80
a; was ist deinem weibe widerfahren, dasz sie so gewundert ... so grewlich geschryen hat
discursz ... v. d. zustande d. kipper u. wipper (1621) D 1
a.
bei Luther
bereits der bedeutung '
zaubern'
nahe: das itzt magus eyn schmehlicher name worden ist und nit mehr heyssett, denn die alszo durch den boszen geyst weyssagen und wundern 10, 1, 1, 561
W. in elsässischen volksbräuchen dann prägnant für '
zauberische handlungen vornehmen',
um zukünftiges zu erfahren: (
in der Andreasnacht) wundern die junge hexen ..., das ist, sie treiben abergläubige und zauberische künste, wann sie der unnöthige fürwitz sticht, was sie ins künfftige vor männer bekommen möchten Grimmelshausen
ewigw. kal. (1677) 224
b;
vgl. Stöber
sagen d. Elsasses (1852) 26; wundere
n ... '
das schicksal befragen in der Andreasnacht, auch in der weihnachtsnacht, durch bleigieszen' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 839
b.
vgl.: portendere wonderen (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 448
c.
nur vereinzelt nicht von personen ausgesagt. zur beschreibung von naturphänomenen und ihrer wirkung: dar inne (
in dem berg) ez vast wundert, ez brdelt und dundert in dem gebirge vaste Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 4395
Regel; ist ein grosses vnd schreckliches wetter gewesen, so zu Eisleben in gasthoff eingeschlagen, vnd sunst an andern orten ... seltzam gewundert C. Spangenberg
Mansfeld. chron. (1572) 1, 478
a; ja fraw, er (
der wein) haist der wunderer, wen er do vil meer wundert, wen sust tausentmal tausent hundert
pfarrer v. Kalenberg 1107
ndr. bei Fischart
in der wendung das wunder wundert '
das (
erstrebte)
wunder gelingt, glückt': (
Calvin) predigt, wie es jhres vnglaubens schuld were, dasz das wunder nicht hett wöllen wundern (
von einer miszglückten totenerweckung)
binenkorb (1588) 214
b.
sich in gleichem sinne: es wolt jhnen nicht wunderen
ebda 67
a.