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verwundern

mhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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15 in 13 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verwundern vb.

Bd. 25, Sp. 2366
verwundern, vb. , bewundern; sich wundern. seit etwa 1200 bezeugt (s. u. II A und mhd. wb. 3, 816; Lexer 3, 314). mnd. vorwundern, mnl., nl. verwonderen. frühe lexikalische nachweise: admirari verwundern (15. jh., obd.) Diefenbach gl. 13a; 12c; obstupere gar verwondern (15. jh., md.) ebda 390c; reuiuiscere verwondern (15. jh., md.) 497b; stupefieri vOerwondern (15. jh., md.), verwonderen (16. jh., ndrh.) 557c; stupere verwondern, -wundern, -wonnern (15. jh.) 558a; torpere verwondern (15. jh., nd. u. md.) 589a; mlat.-hd.-böhm. wb. 12; 261; ammirari, mirari, voc. theut. (1482) kk 3b; obstupere verwundern oder geprechen an der vernunfft ebda kk 1b; verwundern admirari, valde mirari, voc. inc. teut. (um 1485) ii 6b; verwundern und erschrecken obstupere, obstupescere ebda; admirari vast verwundern gemma gemm. (1508) a 4d; verwonderen ebda a 8a; A 4b; affici admiratione sich verwunderen oder in grosser achtung seyn Frisius dict. (1556) 58a; agere animum in admirationem zeuerwunderen machen, das gemt treyben sich zeuerwunderen ebda 66b; 38a; 135b; 386a; 578b; 907b; 933b. auch mundartlich durchaus geläufig: sik verwunnern Dähnert plattdt. wb. 529; Mensing schlesw.-holst. 5. 447; ferwundern Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 472; sik verwünnern Woeste westf. 297; sek ferwunderen Bauer-Collitz Waldeck 32; sek verwongern Leithäuser Barmen 166; verwongere Rovenhagen Aachen 156; seΧ fərwøŋərn Hofmann niederhess. 253; verwonneren lux. ma. 468; verwunderen Martin-Lienhart elsäss. 2, 839; Fischer schwäb. 2, 1419; zum verwundere schön wunderschön Seiler Basel 115. ob die bedeutung 'bewundern' oder 'staunen, sich wundern' vorliegt, ist in vielen einzelfällen zweifelhaft. wenn der gegenstand des verwunderns positiv gewertet wird, fallen die beiden grundbedeutungen zusammen oder sind wenigstens vielfach kaum zu unterscheiden. doch ergibt sich aus dem gesamten material, dasz im gegensatz zu verwunderlich bei verwundern in älterer und neuerer zeit der sinn 'staunen, sich wundern' häufiger ist. II. die bedeutung 'bewundern' ist deutlich oder liegt wenigstens näher. I@11) transitiv. I@1@aa) im sinne von 'bewundern': die schöne vnd hüpschkait der gestalt dins buolen, die du yetz verwunderst Niclas v. Wyle translat. 100 lit. ver.; sy (die augen) verwundern die werck der welt A. v. Eyb spiegel (1511) c 7b; unser altvordern, die wir doch mit so grossem lob tund verwundern und erheben (vor 1572) Tschudi chron. Helvet. (1734) 2, 59; das vil schönheiten hie auf erden gelobet und verwundert werden Weckherlin ged. 1, 158 Fischer; es ist auch dieses spiel ... von vielen hohen standespersonen betrachtet, von nicht weinigen verwundert, von den meisten aber weit ber seine wrdigkeit gelobet und erhoben worden Rist friedewünsch. Teutschl. (1647) 16; alles was ich zuvor an ihr verwunderte und liebte Olearius persian. rosenthal (1696) 67a; dasz man nun allererst, nachdem sie bey den todten, was sie gewesen sind, verwundert und erkennt. nun lebet erst ihr ruhm, nachdem ihr leib begraben Besser schr. (1732) 1, 77. 'zur bewunderung veranlassen': mich verwundert sein (Christi) ler und zeichen altdt. passionssp. 12 Wackernell. I@1@bb) oft in wendungen wie eine person oder sache ist oder bleibt zu verwundern, läszt sich verwundern u. dgl.: der sieg, den könig Alexander Magnus gegen den könig Darium erhalten, ist kaum so grosz und zu verwundern, als dasz er gegen sich selbst ein starcker überwinder gewesen Kirchhof wendunmuth 2, 16 Ö.; solche und dergleichen kOepfe, die auch mitten im todte sich kOennen ergetzen, seyn billig zu verwundern Reinicke Fuchs (1650) 150; von der kostlicheit der gebeüw kan ich nit gnugsam sagen, es laszt sich mer verwundern dann glauben S. Franck weltbuch (1534) 232b; Arminius bleibt ... mehr mit verdecktem munde und angesicht stillschweigend zu verwundern, als durch eine ohnmAechtige feder abzuzirckeln Lohenstein Arminius (1689) 1, b 2b (zuschrift). I@22) reflexiv: aines unnützen pracht verwundert sich niemandt mer dann die narren G. Mayr sprüchwörter (1567) 3b; die thorhafftigen hassen das geringe vermOegen vnd verwundern sich der reichthumb Friedrich Wilhelm sprichwörterreg. (1577) e 1b; der kOenig Priamus darob verwundert sich mit hohem lob sprach, selig Agamemnon bist, auch reich vnd mAechtig zu der frist Spreng Ilias (1610) 33a. belege aus späterer zeit lassen mehr und mehr die bedeutung 'staunen, sich wundern' anklingen: es sind fast die meisten so geartet, dasz sie vor einheimischen dingen einen eckel haben, sich ber alle frembde sachen verwundern Morhof unterricht v. d. dt. spr. (1682) 3; sie ist vollkommen mit euch ausgesöhnt, seit ihr so gütig wart, euch über ihre frischen blauen augen zu verwundern Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 131. ähnliches s. u. II. I@33) der substantivierte infinitiv im sinne von 'bewunderung, hochschätzung': (die könige) werden ... dich nachmals in besonderm werth vnnd verwundern halten Ambach vom zusauffen (1544) F 1a; dessen tugenden nicht weniger als sein hohes alter verwunderens und aller ehren würdig Grimmelshausen 2, 836 Keller. IIII. mit der grundbedeutung 'staunen, sich wundern'. II@AA. mit perfektiver funktion der vorsilbe 'zu ende, vollkommen, ausreichend (sich) wundern'; besonders mhd. und durchweg in negativem zusammenhang. II@A@11) unpers. einen nicht verwundern 'ihn mit staunen nicht fertig werden lassen': wie ir mugt belîben ein also wætlîcher man, swie mich des niht verwundern kan Hartmann v. Aue Erek 9436 Haupt; niemer mich verwundert die wîle ich geleben mac daz geburtlîcher tac ein ander was gemeine und ich nû alters eine als ein weise muoz leben Konrad Fleck Flore 2248 (Berliner hs.) Sommer; dâ von kan mich verwundern nimmer, wie der mensche den wîn müge immer verdöuwen Hugo v. Trimberg renner 10023 E. II@A@22) reflexiv, 'mit dem staunen gar nicht fertig werden, sich nicht genug wundern können': ez ist ein wunderlich geschiht, ichn kan mich sîn verwundern niht Mai und Beaflor 187, 12 Pf.; da die Walhen (Welschen) sein wesen und springen sachen, kunden sy sich nit verwundern Füetrer bayer. chron. 262 Spiller; mich wundert dryer ding also fast an den dorechten menschen, die nun uff ertrich lebent, das ich mich kum kan verwundern d. ew. wiszh. betbüchlin (1518) 73a. II@A@33) nhd. 'sich nicht genug verwundern können, mögen' u. dgl.: ich mag mich nit gnuog verwundern Riederer rhetoric (1493) a 8b; dasz man sich ab sinen gnaden nimmer gnuog verwundren mag Zwingli dt. schr. 1, 33 Sch.; noch kan ich mich nit genugsam verwundern, das dye mnchen ... dem evangelio alszo vyl wyder seindt (1523) reform. flugschr. 1, 41 Clemen: er stund vnd kundt sich nie genug verwundern der grossen schOene vnd desz liechten glantzes, so von der frauwen glastet buch d. liebe (1587) 98c; ich sah hernach die weisze pracht von einer schnee-blum' an, worber man sich nicht genung verwundern kann Brockes ird. vergnügen (1744) 2, 19; über den närrischen tod der weisen Dido weisz sich der gute Heinrich nicht genug zu verwundern Gervinus dt. dichtung (1853) 1, 274. ähnlich: kann man sich satt verwundern, dasz zwar alle grosze wahrheiten in jeder weise bejaht werden, nur nicht mit der that? Bettine d. buch gehört d. könig (1843) 1, 303. II@BB. ohne deutlich hervortretende eigenfunktion der vorsilbe meist in annäherung an die bedeutung von '(sich) wundern', doch von diesem durch bestimmte gebrauchsweisen unterschieden (vgl. wundern). s. auch verwunderung 2. II@B@11) transitiv. II@B@1@aa) einen zum staunen bringen, in verwunderung versetzen. II@B@1@a@aα) nicht sehr häufig mit inhaltlich bestimmtem subjekt: die zil verwunderte den hôhen adelar Johannes meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 303 Pfeiffer; verwundert dich der erden last oder der liechten sunnen glast? Hans Sachs 1, 23 lit. ver.; so verwundert uns z. b. der natürliche krystall durch seine regelmäszige gestalt Hegel w. (1832) 10, 1, 168; wie er mich anlächelte und seine groszen schwarzen augen mich verwunderten, dasz ich darüber den stock fallen liesz Bettine Günderode (1840) 2, 50; eine schrift, die die machthaber um so mehr verwundern musz, da sie mich nicht persönlich beleidigt haben J. Kerner bilderbuch (1849) 83. II@B@1@a@bβ) gewöhnlich unpersönlich mit unbestimmtem subjekt: in diesem hause darf sie gar nichts verwundern Deinhardstein ges. dram. w. (1848) 1, 46; du muszt mich fragen, wenn dich etwas verwundert Frenssen Hilligenlei (1905) 465. in älterer zeit auch mit dem genitiv: doch verwundert in an massen ser seiner zuekunft (ankunft) Füetrer bayer. chron. 61 Spiller; als der pfarherr diesen brieff ... las, verwundert es yhn seer solchs gebots Luther 18, 234 W. auf einen satzinhalt bezogen: da stacken eitel mnch darunter, Dominici bruder besonder, welchs sehr Dominicum verwundert Fischart s. dicht. 1, 206 Kurz; lieder ..., die, was dich vielleicht verwundern wird, von drei violinen ... begleitet wurden Fontane ges. w. (1905) I 1, 313. mit abhängigem satz: das mich verwundert, das ein clein vrsach diser verhindrung ist ein kurtzer wollust und fröud buch d. beispiele 20 lit. ver.; in sollicher miner fürgsetzten arbait verwundert, ergrust und erschreckt mich ser, das vormals kainer die burde, besonder weder maister Hans ..., noch maister Hainrich Blant ... nit beladen und understanden haben Oheim chron. v. Reichenau 1 lit. ver.; das ich ... mich zu schreyben unterstanden habe und zu dem ehlichen leben von der unkeuschen keuscheyt zu radten, las sich ewr liebe nicht verwundern Luther 12, 232 W.; es würde ihn nicht verwundert haben, wenn aus dem ... zaubergefäsze jetzt wieder jene gestalt hervor geblüht wäre Tieck schr. (1828) 4, 412; und dasz Gottfried ihm abgeneigt war, verwundert uns nicht Scherer litteraturgesch. 170. mit infinitiv: nicht wenig muszte es ihn daher verwundern, hier einen gnädigsten herrn fürsten und einen hof zu finden E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 37 Gr. II@B@1@bb) etwas verwundern, 'sich darüber wundern': doch wil ichs nit sonderlich bestreiten, sondern gern etwas nit wissen und verwundern Kepler opera 1, 459 Frisch; denn was wir stets vor uns haben, verwundern wir nicht Thomasius artzenei wider d. unvernünfft. liebe (1696) 115. ähnliches s. I 1 a. II@B@22) reflexiv. II@B@2@aa) sich verwundern steht gleichbedeutend mit dem simplex sich wundern: da das Jhesus höret, verwundert er sich Luther Matth. 8, 10 (ähnlich erste dt. bibel); das wir uns nicht verwundern, warumb die welt so arg ... ist ebda 28, 324 W.; sein vatter und mutter haben sich vorwundert von den dingen, di do vom kindt gesagt sein ebda 9, 537 W.; daruber ich mich seer vorwundert vnd gantz besturtzt byn worden U. v. Hutten opera 2, 186 B.; etliche (haben) sich nit wenig, das jch noch lebte, vorwundert ebda 1, 408 B.; so hat sich ja billich niemandt zu verwundern, wie diser so mühsame feldbaw ... auff die allergeringsten vnnd vor der welt vnachtbaren menschen kommen vnd erwachsen sey M. Herr feldbau (1551) 6a; es möchte sich einer verwundern, wie doch ein menschlich hertz nur immermehr so grausam wühtig vnd boshafftig sein ... könne Rätel Curaei chron. (1607) 353; selbst der neid hat sich verwundert, wenn der liebe funken-gluht in der liebsten herzen zundert Stieler geharnschte Venus 106 ndr.; der einsidel verwunderte sich mit seufftzen Grimmelshausen Simpl. 25 Scholte; es darff sich aber niemand darumb verwundern, dasz dieser streich von so kräfftiger würckung gewesen ders., vogelnest 1, 31 Scholte; ich verwundert mich mit bekreutzung ders. 2, 557 Keller; wie verwunderte sich Mariane, wie entsetzte sich Barbara, als die aufgebundene serviette einen verworrenen haufen spannenlanger puppen sehen liesz Göthe I 21, 14 W.; du würdest dich verwundern, die gränzenlosen fascikel zu sehen, die immerfort geheftet werden ders. IV 33, 239; sie werden sich verwundern, dasz die verlassene stelle eigentlich keine stelle ist ders. IV 30, 129 W.; helden unsrer art ziemt's nicht sich übermäszig zu verwundern Fouqué held d. nordens (1810) 1, 135; Edelbert verwunderte sich, sie so gerührt zu sehen Ch. v. Schmid ges. schr. (1856) 7, 96; verwundern sie sich nicht, dasz ich ihnen mein letztes buch nicht schicke Pückler briefw. (1873) 6, 52; wie verwunderte ich mich, als sie den schleier zurückschlug Storm s. w. (1898) 1, 239; als ich ... weiter nachdachte, verwunderte ich mich aufs neue, wie es überhaupt möglich gewesen sei, dasz ich ... meinen unberatenen willen so leicht habe durchsetzen können G. Keller ges. w. (1889) 3, 11. II@B@2@bb) wie bei den sonstigen verben des affekts wird der gegenstand des verwunderns gern mit über angeschlossen (mit nachfolgendem akkusativ, in älterer sprache auch mit dem dativ): das sind sie, die sich vorwundern ubir den sprchen der propheten Luther 10, 1, 1, 387 W.; ich verwunderte mich ber dieser begebnisz S. v. Birken lorbeerhayn (1657) 16. mit dem akkusativ: Penelope verwundert sich über die dapferkait Schaidenreiszer Odyssea (1537) 4a; dasz ich mich selbst über meine fortun verwundert Grimmelshausen 2, 329 Keller; so werde ich nicht aufhören, mich über ihn zu verwundern Lessing 8, 15 L.-M.; dasz ich mich gar nicht mehr über jene fabeln verwunderte, welche die heiden von ihren göttern des himmels erzählen Göthe I 43, 60 W.; daruber ich mich seer vorwundert vnd gantz besturtzt byn worden U. v. Hutten opera 2, 186 B.; man darf sich darüber nicht verwundern Ranke s. w. (1867) 1, 267; als aber ein jeder sich hierber verwunderte Happel akad. roman (1690) 146; der weinstock ... sprosz zum theil mitten in den flammen, worüber man sich nicht verwundern musz Göthe I 49, 111 W. II@B@2@cc) ältere sprache greift auch zu anderen präpositionen, die ein kausales verhältnis ausdrücken können. sich verwundern ab: ab seiner (Christi) auffart Keisersberg granatapfel (1510) F 2a; ab der geschicht Luther 17, 1, 184 W.; ab der menschlichen thorheit Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 36 ndr.; ab diesem osterspiel Fischart w. 2, 87 Hauffen; sich verwundern ob: ob seiner stercke und mannheit Schumann nachtbüchlein 317 lit. ver.; doch auch sich verwundern an: wy sich das volck an Jhesu verwundert erste dt. bibel 1, 431 lit. ver.; dasz sich nun alle menschen daran verwunderten Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 24 B.; vereinzelt sich verwundern auf: desz er sich nit gnug mer auff sein sun verwundern kan S. Franck Germ. chron. (1538) 105b. II@B@2@dd) der genitiv wird nach sich verwundern noch im 18. jh. zuweilen belegt: der antwürt verwunderten sich die schuoler Steinhöwel Äsop 45 Öst.; das sich ... die ROemer selbs verwunderten der mechtigen gebew und veste diser stat Luther 34, 2, 83 W.; den andern psalm fecht David an und redt samb in gottes person, samb verwunder sich gott der heyden, so handlen also unbescheyden Hans Sachs 18, 26 lit. ver.; ich verwundere mich dieses dinges Schottel haubtspr. (1663) 751; man sich ... meiner unwissenheit verwundern mOechte Leipziger avanturieur (1756) 1, 50; die, welche seine reden hören, verwunderten sich seiner lehren Cramer s. ged. (1781) 3, 194; verwundert euch desselben nicht Tieck schr. (1828) 10, 45. II@B@2@ee) vereinzelt mit dem akkus. eines pronomens: ir herren sollen mir sagen, was ir euch aller meist uff ertreich verwundern Pauli schimpf u. ernst 79 Öst.; ja sie kOennen sich das nimmermehr genug verwundern vnnd gott darfr dancken Mathesius ausgew. w. 1, 52 L. II@B@33) die verbindung unpersönlicher und reflexiver konstruktion mit fragesätzen kommt zuweilen der bedeutung 'etwas gern wissen wollen, neugierig sein' nahe: ich verwundert mich, ob daz also hingieng Boltz Terenz (1539) 6a; und weil Schlesier ... bei dem haufen waren, so mich wohl kannten, verwunderten sie sich, wie ich zu diesem käme Schweinichen denkw. 84 Öst.; dasz er sich verwunderte, wie sie sich auff dem pferdt erhalten möcht Amadis 37 Keller; der stelt sich alsobald auch ein, verwundert sich, was mochte seyn, dasz er beym kOenig solte machen Reinicke Fuchs (1650) 216; ihr herrn, mich verwundert, was euch darzu vervrsacht schausp. d. engl. comöd. 247 Creizenach; mein herr, ich musz euch sagen, mich verwundert, wie ihr solch herrlich pferd so wohlfeil laszt Tieck schr. (1828) 1, 203; ein bauer ... verwunderte sich, was doch die störchin alle tage zum brunnen flöge und badete br. Grimm sagen (1871) 2, 112. II@B@44) zu den nominalformen. II@B@4@aa) der substantivierte infinitiv ist besonders in älterer zeit häufig, tritt aber später gegen verwunderung zurück: swenne dich wil wundern einer bewegelicheit oder manicvaltikeit von einem menschen, sô sich an, war ûffe der mensche stande und waz sîn tuon sî. sô wirt geminret dîn verwundern meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 665 Pf.; dich solichs verwundrens vffzeheben, wOellest wissen, das min wyb vnd ich vns ordenlichs husshaltens gebruchend Riederer rhetoric (1493) t 1b; darumb kein frommer mensch sich in ein verwunderen stellen sol, dasz zuo disen unsern ziten ... die geistlichen höupter mit sampt iren verwanten der selbigen götlichen warheit widerwertig sind (1521) bei Schade satiren 3, 59; also dOerfte es keines verwunderns, dasz er diesem irrwische kein licht angezndet Lohenstein Arminius (1689) 1, 653; die erste periode des überraschten verwunderns ist im ganzen ziemlich schnell vorübergegangen Fouqué gefühle, bilder (1819) 1, 113. in neuerer zeit nur noch im nominativ und in präpositionalen wendungen üblich: alsdann wird das verwundern bewunderung Herder 23, 178 S.; o diesz lallen, diesz kindische verwundern! maler Müller w. (1811) 1, 28; o da ging das verwundern erst recht an Brentano ges. schr. (1852) 5, 95; sie hört dem mutwill meiner scherze mit kindischem verwundern zu Mörike ges. schr. (1905) 1, 41 Göschen; so mag es kommen, dasz ein künft'ger leser wohl einmal in Klopstocks oden, nicht ohn' einiges verwundern, auch etwelcher schnaken sich erfreut ebda 1, 187. ungewöhnlich ist reflexiver gebrauch: jetzt war die reihe des sich verwunderns am grafen Holtei erz. schr. (1861) 20, 101. II@B@4@bb) einen sonderfall bilden die verbindungen mit zu. II@B@4@b@aα) zum verwundern. in neuerer zeit in adverbialer funktion, 'erstaunlich': (die probe) gelang auch sogleich zum verwundern Heinse s. w. 5, 35 Schüddek.; klarer und unumwundener ... hat sich — zum verwundern, wenn man will ... — Schleiermacher über diesen punkt ausgesprochen D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 6, 79; die fahrt habe ich zum verwundern gut bestanden jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 1, 160. II@B@4@b@bβ) es ist zu verwundern und ähnliche wendungen: (es) ist genug zu verwundern, das sollich gemuote des menschen ... ist so schnell und beweglich A. v. Eyb dt. schr. 1, 46 Herrmann; das sie ... die heil. treifaltigkeit mit dreien angesichten in jhre meszbcher vnd kirchen gemalt haben, disz ist nicht zu uerwundern Fischart binenkorb (1588) 144a; es ist nicht zu verwundern, misz, dasz sie wider sie eingenommen sind Lessing 2, 332 L.-M.; ists zu verwundern, dasz ich den neffen für den onkel nahm? Schiller 17, 164 G.; so sah ich sie gestern in der flora. nicht zu verwundern. das wetter lockt ja jetzt täglich heraus Fontane ges. w. (1905) I 5, 140. es ist zum verwundern, selten und nur in neuerer zeit: es ist oft zum verwundern, wie gut es meinen provinsalen ... gelingt, mir ... das spiel des lebens nicht nur erträglich, sondern auch angenehm zu machen Thümmel reise (1791) 7, 91; zum verwundern ist es, dass sie auf dem sprung stehn sollen, ihr selbsterdachtes neues haus schon wieder zu verkaufen J. Grimm in: briefw. 2, 62 Ippel. bis ins 18. jh. auch es ist sich zu verwundern: das ist sich noch vil mehr zu verwundern, das kein lerer mit dem andernn stimpt S. Franck Germ. chron. (1538) 4a; das sich darab ze uorwundern ist, das so vil pfaffen jn einer pfar ... gefunden werden Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 4 ndr.; dasz ... kein einziger unter den grossen lust hatte, sich um die oberherrschaft seines vaterlandes zu bewerben, ist sich gar nicht zu verwundern M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 72. II@B@4@cc) das part. präs. selten reflexiv: wer? Scandor? fragte der sich verwundernde prinz Ziegler asiat. Banise (1689) 42. gewöhnlich verwundernd 'verwundert, erstaunt': zum dritten ist ein vnderscheid der verwundrung genant exclamatiuus oder admiratiuus, der wirdt gebrucht, wenn einer in siner red verwundrende ein scharpffen vszdruck tuot Riederer rhetoric (1493) h 5a; der feldherr ward ie länger ie mehr verwundernd über dieser königin tieffsinnigen schlüssen Lohenstein Arminius (1689) 1, 204b; welche mich alle mit einander höchst verwundernd ansahen Chr. Reuter Schelmuffsky 8 ndr.; in Salem sehn sie sich erst, verwundernd, dasz sie sich hier nicht fanden Klopstock Messias (1780) 461; die nachtigall verwundernd lauscht Goekingk ged. (1780) 1, 91; wie sie verwundernd aufstand Lenz ges. schr. (1828) 3, 100; verwundernd blickt dieser auf ihn Klinger w. 4 (1815) 198; Amalia kommt zurück und blickt ihn verwundernd an Schiller 2, 113 G. in attributiver verwendung: auf meine verwundernde frage E. M. Arndt w. (1892) 1, 150 R.-M.; ein grosser, verwundernder blick flog auf ihn Stifter s. w. 1 (1904) 26; Sachs macht eine verwundernde bewegung R. Wagner ges. schr. (1897) 7, 232. substantiviert: Leszings lebensumstände dringen dem verwundernden die frage ab: nicht, warum er nicht mehr hervorgebracht, sondern wie er in seinen lagen das ... habe hervorbringen können, was er geleistet Herder 18, 181 S. in neuerer zeit kaum noch gebräuchlich. II@B@4@dd) das part. prät.; mhd. vereinzelt im sinne von 'verwunderung erregend, erstaunlich': es ist nit eine verwonderte sache, als du wenest odir verstalte sache, sondern ist eine sache die notdurfftig ist allen den die da hant den list pilgerf. d. träum. mönchs 4808 Bömer. sonst immer 'erstaunt, in verwunderung versetzt', erst seit dem 18. jh. häufiger gebraucht; als verbalergänzung: der fromme Joseph sitzt ... verwundert vber gott, wann er das kindt beschawt Opitz teutsche poemata 182 ndr.; Gleim sah uns etwas verwundert an Fr. H. Jacobi w. (1812) 41, 79; don Diego, der ganz etwas anderes erwartete, stand verwundert Göthe I 43, 277 W.; und alle die männer umher und frauen auf den herrlichen jüngling verwundert schauen Schiller 11, 221 G.; sie standen neugierig und verwundert um den schulmeister her Immermann w. 1, 74 Hempel; verwundert höre ich, wie klug du die worte setzest G. Freytag ges. w. 9 (1887) 79; verwundert fragte er Mommsen m. gesch. 5 (1894) 163; sie öffnete das fenster und guckte verwundert heraus G. Keller ges. w. (1889) 5, 50; verwundert stehen bleibend Gerhart Hauptmann weber (1892) 114. als prädikatsnomen: es ist, als wenn bey ihrem erwachen die bäume verwundert wären, sich schon so weit im jahre zu befinden Göthe IV 33, 29 W.; attributiv: der verwunderten frage Herder 12, 393 S.; in dem verwunderten ohr Göthe I 1, 318 W.; ein verwundertes oder lachendes angesicht Tieck schr. (1828) 4, 46; die gar verwunderten blicke Alexis Roland (1840) 1, 36; verwunderte augen Scheffel ges. w. (1907) 1, 138; er sprach verwunderte entrüstung aus Ranke s. w. (1867) 9, 361; die Heunen in verwunderten und aufmerksamen gruppen um beide herum Hebbel w. 4, 269 Werner.
23250 Zeichen · 486 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    verwundernstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    verwundern stn. dîn verwundern myst. 2,665,23.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verwundern

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verwundern , verb. regul. welches in doppelter Gestalt gefunden wird. 1. Als ein Activum. (1) Empfindung des Ungewöhnlic…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verwundern

    Goethe-Wörterbuch

    verwundern [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    verwundernschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ver-wundern schw. : 1. wie schd., meist refl., (sich) veʳwunnere [verbr.]. 's is net se verwunnere, wann ... [NPfGV Nr. …

  5. Sprichwörter
    Verwundern

    Wander (Sprichwörter)

    Verwundern 1. Er hat sich verwundert, wie d' Henn' über ein'n Reg'wourm, wenn's schneitt. – Wurth, 90. 2. Er ist so verw…

  6. Spezial
    verwundern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ver|wun|dern I vb.tr. fá demorvëia II vb.refl. sich verwundern se fá demorvëia, ciaré ca. ▬ es ist nicht zu verwundern a…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verwundern

7 Bildungen · 6 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von verwundern

ver- + wundern

verwundern leitet sich vom Lemma wundern ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verwundern 2 Komponenten

ver+wundern

verwundern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verwundern‑ als Erstglied (6 von 6)

verwundernsvoll

DWB

verwundern·s·voll

verwundernsvoll , adj. , erstaunt, voller bewunderung ( vgl. verwunderungsvoll): doch wird der mund zu arm, das hertz verwundernsvoll Henric…

verwundernswert

DWB

verwundern·swert

verwundernswert , adj. , bis ins 18. jh. belegt ( vgl. verwunderungswert). mirandus, admiratione dignus wundersam, verwunderens wAert, wunde…

verwundernswürdig

DWB

verwundern·s·wuerdig

verwundernswürdig , adj. , wert, bewundert zu werden ( vgl. verwunderungswürdig): der jenige, der viel redet und plaudert, ist nicht verwund…

verwundernüs

DWB

verwundern·ues

-nüs , -nus , f. und n., substantivbildung zu verwundern; wunder: der vogel Enanthe ... ist ... ein verwundernüssz Eppendorff Plinius (1543)…

Ableitungen von verwundern (1 von 1)

unverwundern

DWB

unverwundern , ein scheinbares adj., das für ohne verwundern stehn musz: ich kan nit u. sin, das du zwyfelst Riederer rhetoric (1493) C 1 a …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „verwundern". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/verwundern/dwb?formid=V06546
MLA
Cotta, Marcel. „verwundern". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/verwundern/dwb?formid=V06546. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „verwundern". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/verwundern/dwb?formid=V06546.
BibTeX
@misc{lautwandel_verwundern_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„verwundern"},
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