I ,
der höchste unter den vocalen, nimmt im griechischen, lateinischen und deutschen alphabet die neunte, im gothischen die zehnte stelle ein, wie sich aus seinem werth als zahlzeichen ergibt. in dem nordischen runenalphabete steht sein zeichen an neunter, in dem erweiterten angelsächsisch - gothischen runenalphabete an elfter stelle. Der ilaut, von dessen geschichte im folgenden zu handeln ist, wird von Ickelsamer A 6
a b in naiver weise beschrieben. nachdem er angegeben, wie das e
hervorgebracht wird, sagt er: also auch das i, allein mit engerer beschlieszung der zene, die sich geneuer berieren, und ist fast der laut des kirrens der seu, wenn mans (
man sie) sticht oder würget. AA.
Geschichte des lautes. A@II.
Kurzes i. A@I@11)
in der stammsilbe. abgesehen von dialectischer aussprache hat sich die kürze des lautes vor einfacher muta oder liquida nur in den einsilbigen partikeln in
in (im)
und mit
cum, in dem pronominalen adv. hin
illuc und in bin
sum erhalten. häufiger hat ein ihm folgender, von keiner weiteren consonanz begleiteter harter reibelaut (ch, s, sz, sch)
seine kürze gewahrt, vgl. ich ego; mich
me; sichel
falx; kichererbse
cicer; bis
usque ad; wissen
scire; isz
ede; biszchen
offula; fisch
piscis; tische
mensae; zwischen
inter. gewöhnlich aber folgt dem kurzen i
mehrfache consonanz, die doch nicht hindert dasz es in einzelnen fällen gedehnt und demgemäsz bezeichnet wird, vgl. z. b. gebiert
parit, mhd. gebirt; stiehlst
furaris, mhd. stilst.
Wie kurzes a
und u
zu den drei grund- oder urvocalen gehörend, aus denen sich die reiche fülle der indo-europäischen vocale entwickelt haben mag, ist doch das i
auf dem gebiet der deutschen sprachen nur in den seltensten fällen ursprünglich d. h. mit indogermanischem (
altindischem) i
identisch, und meist das ergebnis verschiedenartiger lautveränderungen. A@I@1@aa) '
ursprünglich'
wird man das kurze i
der stammsilbe nur dá nennen dürfen, wo auch die urverwandten sprachen es darbieten oder darauf deuten. dies ist z. b. der fall in wissen
scire, mhd. wiʒʒen,
ahd. wizzan,
goth. vitan,
kslav. viděti,
lat. videre,
griech. ἰδεῖν,
sskr. védmi
cognosco, von wz. vid; mist
stercus, mhd. ahd. mist,
goth. maíhstus,
lat. mingo, mejo,
griech. ὀμιχέω,
sskr. méhâmi,
von wz. mih; bitter
amarus, mhd. bitter,
ahd. bittar,
goth. baítrs,
mit beiszen,
mhd. bîʒen,
ahd. bîzan,
goth. beitan
aus der germanischen wurzel bit =
lat. fid (
in fidi, findo),
sskr. bhid (
in bhinádmi
findo)
entsprungen; be-zicht-igen
arguere, ahd. mhd. bî-ziht
criminatio, goth. ga-taíhan varþ
ἀπηγγέλη,
lat. dico,
griech. δίκη,
δείκνυμι,
sskr. diçâmi
monstro, von wz. diç.
und so liegt im allgemeinen kurzes i
als ursprünglicher stamm- oder wurzelvocal in denjenigen verben nebst ihren ableitungen vor, die in der heutigen sprache stark verblieben, ei
zum praesensvocal, i
oder dessen durch ie
bezeichnete dehnung im sing. und plur. praeteriti, sowie im conj. praet. und im particip des praet. haben, wie in beisze
mordeo, bisz, bissen, gebissen; leide
patior, litt, litten, gelitten; pfeifen
tibia canere; reiten
equitare; reiszen
scindere; scheiszen
cacare; schleichen
repere; schleifen
acuere; schmeiszen
percutere; schneiden
secare; schreiten
incedere; streichen
mulcere; streiten
pugnare; weichen
cedere; oder in bleibe
maneo, blieb, blieben, geblieben; gedeihe
proficio, gedich, gediehen, gediehen; leihen
mutuari; meiden
vitare; reiben
fricare; scheinen
lucere; schreien
clamare; schreiben
scribere; schweigen
tacere; speien
spuere; steigen
scandere; treiben
agere; verweisen,
besser verweiszen
vituperare; zeihen
arguere. A@I@1@bb)
in den meisten fällen aber ist germanisches kurzes i,
mag es im nhd. kurz geblieben sein oder dehnung erfahren haben, welche graphisch bald durch einfaches i (
vgl. mir),
bald durch ie (
vgl. viel),
bald durch ih (
vgl. ihr),
bald durch ieh (
vgl. stiehlt)
ausgedrückt wird, ergebnis einer schwächung des indogermanischen a,
wobei, was die graeco-italischen, die slavischen und selbst die germanischen sprachen lehren, der vocal e,
seltener o,
als mittelstufe anzunehmen ist. über diese spaltung des alten alautes vgl. G. Curtius
ber. d. k. sächs. ges. d. w. 16, 9
ff. vergleicht man nämlich hinsichtlich des alautes das griechische, lateinische und deutsche miteinander, so erscheint er in denselben wörtern bisweilen noch in allen drei sprachen, z. b. in griech. δάκρυ,
lat. lacruma,
goth. tagr,
ahd. zahar,
nhd. zähre;
griech. πατήρ,
lat. pater,
goth. fadar,
ahd. fatar,
nhd. vater;
sskr. áǵras,
griech. ἀγρός,
lat. ager,
goth. akrs,
ahd. ahhar,
nhd. acker;
sskr. dáçâmi '
beisze',
griech. δάκνω,
goth. tahja '
reisze',
aholld. tangher '
bijtende op de tonghe' (Kilian 662
b),
ahd. zangar '
beiszend, scharf' (Fick
vergl. w.2 1, 85),
ahd. zâhi (G. Curtius
grundz.4 132),
nhd. zähe
und zach.
Viel häufiger treffen wir jedoch an stelle eines ursprünglichen a
im deutschen ein i
oder u
an, während im griechischen und lateinischen sich ein e
oder o
dafür darbietet. man vergleiche sskr. átti (
aus ad-ti),
gr. ἔδει,
lat. edit,
goth. fra-ïtiþ,
ahd. izzit,
nhd. isset, iszt;
sskr. sádas '
sitzung',
zend. hadhis '
sitz',
gr. ἕδος,
lat. sedere,
goth. sitan,
ahd. sizzan,
nhd. sitzen;
sskr. ahám,
gr. ἐγών,
lat. ego,
goth. ik,
ahd. ih,
nhd. ich;
sskr. ásti,
zend. açti,
gr. ἐστί,
lat. est,
altbulg. jestĭ,
lit. ésti,
goth. und hochd. ist;
sskr. sáptan (
vedisch saptán),
zend. haptan,
gr. ἑπτά,
lat. septem,
goth. ahd. sibun,
mhd. siben,
nhd. sieben;
sskr. paçús,
lat. pecu,
altpreusz. peku,
goth. faíhu,
ahd. fihu,
nhd. vieh;
sskr. wz. var '
wählen', váras '
wunsch',
gr. βόλομαι,
βούλομαι,
lat. volo, velle,
kslav. volja '
wille',
goth. vilja,
ahd. willo,
nhd. wille;
altpers. parus,
sskr. purus,
gr. πολύς,
goth. ahd. filu,
nhd. viel.
überhaupt gehören diejenigen in der stammsilbe kurzes oder aus kurzem gedehntes i
darbietenden nhd. wörter, besonders aber die verbalformen hierher, welche awurzeln entsprungen, aus noch unerklärten gründen die in rede stehende lautabschwächung erfahren haben. erkennbar aber sind die hierher gehörigen starken verba dáran, dasz der singularis ihres praeteriti den alten wurzelvocal a
in der stammsilbe aufweist, dessen ursprüngliche kürze freilich sich nur vor zwiefacher, die wurzel schlieszender consonanz (
zuweilen mit verdumpfung zu kurzem o)
erhalten hat, vor einfacher consonanz dagegen zu langem a
oder dessen verdumpfung, d. h. zu langem o
geworden ist. als resultat einer schwächung von a
ist daher jedes i (
graphisch auch ie
und ieh)
zu betrachten, das in der conjugation der gedachten verba oder in der stammsilbe ihrer ableitungen erscheint. es fallen, nach ihrem wurzelauslaut geordnet, der bald in einfacher muta oder spirans, bald in einfacher liquida, bald in doppelter liquida oder liquida cum muta oder spirans cum muta besteht, hierher die verba: liegen (
nhd. wz. lag)
jacere; bitten (
nhd. wz. bat)
precari; sitzen (
nhd. wz. sasz)
sedere; geben
dare; weben
texere; treffen (
nhd. wz. traf)
icere; pflegen
solere; wägen
pendere; wiegen
pondus habere; brechen
frangere; sprechen
loqui; stechen
pungere; geschehen
fieri; sehen
videre; erschrecken (
nhd. wz. schrak)
terreri; lesen
legere; essen
edere; fressen
vorare; vergessen
oblivisci; messen
metiri; treten
calcare; ferner befehlen
iubere, empfehlen
commendare; (hehlen
celare); stehlen
furari; nehmen
prehendere; gebären
parere; scheren
tondere; schwären
suppurare; dann (bellen
latrare); quellen
emergi; schwellen
tumescere; glimmen
gliscere; klimmen
eniti; schwimmen
natare; beginnen
incipere; rinnen
fluere; sinnen
meditari; spinnen
nere; gewinnen
lucrari; wirren
turbare; ferner helfen
juvare; (melken
mulgere); gelten
pretium habere; schelten
objurgare; schmelzen
dilabi; verderben
perire; sterben
mori; werben
ambire; werden
fieri; werfen
jacere; bergen
abscondere, servare; binden
ligare; finden
invenire; (schinden
glubere); winden
volvere; schwinden
tabescere; (dingen
conducere); gelingen
succedere; klingen
sonare; schlingen
plectere (schlingen
vorare ist aus schlinden
entstanden, vgl. schlund gula); ringen
luctari; dringen
instare; springen
rumpi, salire; singen
canere; schwingen
vibrare; zwingen
cogere; sinken
sidere, cadere; stinken
foetere; trinken
bibere; endlich dreschen
triturare; löschen
exstingui; fechten
pugnare; flechten
nectere; und bersten
dirumpi. A@I@1@cc)
mit dieser schwächung eines ursprünglichen a
hängt die erscheinung der sogenannten '
brechung'
aufs engste zusammen, über welche 3, 1
ff. gesprochen worden ist. nur wird '
gebrochenes'
hd. ë,
goth. aí
nach Scherers
ausführungen (
zur gesch. d. d. spr. 7
ff. u. anderwärts)
nicht mehr so aufzufassen sein, dasz es, was die ältere sprache betrift, ein i
voraussetzt und aus diesem entsprungen wäre. vergleicht man freilich z. b. unser hëlfe
adjuvo, hilfst, hilft,
mit mhd. hilfe, hilfest, hilfet,
ahd. hilfu, hilfis, hilfit,
goth. hilpa, hilpis, hilpiþ,
so steht die priorität der iformen in diesem fall unzweifelhaft fest; hëlfe
musz als ergebnis beliebter gleichmacherei nach analogie der gebrochenen formen von hëlfen
betrachtet werden, wie denn mundartlich selbst die 2.
sing. imperat. von dieser brechung ergriffen wird und man z. b. in frankfurtwiesbadener gegend auch in den besseren kreisen ësz, bübche, ësz
für isz
vernimmt und sëh mal
für sieh mal
weit verbreitet ist, was Fischart
auch schreibt: seh an, wie ich geplaget bin.
flöhh. (
Sch.) 773.
Anders dagegen verhält es sich mit dem älteren hd. ë
und goth. aí,
wenn sie an stelle von ursprünglichem a
in wurzelhafter silbe sich finden und in bestimmter lage das reiner articulierte i
ihren platz einnehmen lassen. stimmt zu altindischem bhárâmi
fero, bhárâmas
ferimus goth. baíra, baíram,
ahd. biru, bëramês,
mhd. bir, bërn,
nhd. ge-bähre, ge-bähren,
so lehrt das entsprechende griech. φέρω,
φέρο-
μεν (-
μες),
lat. fero, ferimus,
dasz die den gebrochenen laut darbietenden deutschen formen baíra, baíram, bëramês, bërn
dem ursprünglichen näher stehen als das reiner articulierte ahd. biru
und mhd. bir,
da man bei annahme des umgekehrten verhältnisses die alterthümlichkeit des althochdeutschen über die des gothischen, lateinischen und griechischen erheben würde und goth. baíra
als aus bira,
lat. fero
aus firo,
griech. φέρω aus φίρω entsprungen ansehen müste. das gesetz der brechung, wonach goth. i
vor h
oder r
zu aí,
ahd. i
vor flexivischem a (ê, ô)
zu ë
getrübt erscheint, scheint also dahin aufzufassen, dasz es ursprünglich nicht einen gebrochenen laut (ë)
hervorrief, sondern den schon vorhandenen schützte, ihn hinderte, sich zu i
zu verdünnen. weshalb jedoch das nicht so geschützte ahd. ë,
goth aí
zu i
ward, ist zur zeit noch ein räthsel, ein räthsel, warum wir nicht gëbt (
für gabt),
sondern gibt
dat, nicht hëlft (
für halft),
sondern hilft
adiuvat sprechen. die lösung desselben dürfte innerhalb der germanischen sprachen gar nicht zu finden sein, zumal das gothische alle auskunft verweigert und jüngere durch assimilation bewirkte vocalschöpfungen hierbei nicht in frage kommen. A@I@1@dd)
ergebnis einer regressiven vocalischen assimilation aber ist es, wenn wir gebirge (
ahd. gibirgi)
neben bërg (
ahd. bërg), gefilde (
ahd. gifildi)
neben fëld (
ahd. fëld), gewitter (
ahd. giwitiri)
neben wëtter (
ahd. wëtar), geschwister
neben schwëster, (
gedehntes) feder
neben gefieder
sprechen, indem das ë
des ahd. bërg, fëld, wëtar
bei bildung der collectiva gibirgi, gifildi, giwitiri
durch einflusz des auslautenden i
der ableitung in i
gewandelt wurde; wie denn ähnliche assimilation bei entwickelung von irden
und irdisch
aus erde
vorliegt, was die entsprechenden ahd. formen irdîn, irdisc, ërda
beweisen. dem gegenüber ist es zu beachten, dasz sowol das ableitende als das flexivische ahd. î, i
und j
da, wo es '
umlaut'
zeugt, zwar das a
der vorhergehenden silbe sich assimilierend beeinfluszt, gestî
gäste aus gastî, grebir
gräber aus grabir, gibenti
compactio aus bant
vinculum, menigî
multitudo aus managî
entspringen läszt, dabei aber stehen bleibt und das durch umlaut entstandene ę
nicht noch in i
verwandelt. und dieses verhalten des ahd. bewahrt unsere schriftsprache noch. In den mundarten freilich hat das zu i
verdünnte e,
gleichviel welches ursprungs es ist, allmählich bedeutenden raum gewonnen, was die von Weinhold alem. gr. § 21. 82. 115,
bair. gr. § 18
gegebenen beispiele für das süddeutsche reichlich belegen. hier nur eine kleine lese. auf alem. gebiet begegnet z. b. ahd. pinimant
für pinëmant
auferunt, kelirnêta
für kelërnêta
dtscebat, rigenôt
für rëgenôt
pluit, farwihsalit
für farwëhsalit
commutat, herebirga
für herebërga
mansio, miniscun
für mniscun
homines; mhd. willen
für wëllen
velint, gewirbe
für gewërbe, lidec
für lëdec, verwihseln
für verwëhseln, vrimiden
für vrmeden
alienis, wirme
für wrme
calor, gewilbe
für gewlbe
fornix; nhd. allgemeingeltend britt
für brĕt, erkirnen
für erkernen
enucleare Keisersberg
pred. teutsch 89
d, gegenwirtig
praesens ebend. 98
a, schwirmen
schwärmen Weckherlin 3.
auf bair.-österr. gebiet findet sich z. b. amhd. minnisken
für mnnisken
homines, mhd. schinkel
für schënkel
crus, twirhlingen
für twërhlingen
inimice, sigeln
für sëgeln
vela dare, misse
für mësse
missa, swiren
für swrn
jurare, wirme
für wrme
calor; nhd. allgemeingeltend schmirz
für schmerz, glirnig
für gelernig
gelehrig (
auch bei H. Sachs), stingel
neben stengel,
wie schon im ahd.; H. Sachs
schreibt schwirmen, schwürmen, schwermen, schwärmen (
vgl. R. Köhler
vier dialoge, zu 71, 5)
und ingedirme
für ingedärme
intestina (Gödeke
u. Tittmann 1, 19, 31).
auf mitteldeutschem gebiet, wo namentlich altes a
diesem wandel ausgesetzt scheint, lesen wir bei dem Südfranken Otfried 1, 9, 36: allaz thaz gibirgi inti allo thia burgi ioh dales ebonoti, so wis iz allaz lobonti.
für wis = was '
fuit'
hat die pfälzer und freis. hs. wes,
vgl. 1, 5, 37. 2, 7, 16;
andere beispiele sind: hirtzog (
frankf. hs. des schwanr. Konr. v. Wirzb., 14.
jh.)
v. 3. 71; verdirben
corrumpere: enthyrben
exheredare. 315; hirte
durus. 554. 1054. 1060; geplitz '
albernes geschwätz'
im Alsfelder passionsspiel 4910 =
mhd. geplätze; das mirk ich Uhland 86;
in Luthers
bibelübersetzung, ausg. von 1545,
findet sich neben häufigerem gewesser
aquae gewisser
1 Mos. 7, 24. 8, 7
und bei Zesen
steht dasselbe: (
regenwasser und geschmolzener schnee verursachen) solches gewaltiggrosze gewisser.
Assenat (1679) 38; da er (
der Nil) seinen ursprung aus so vielem herzuflieszendem gewisser gewinnet. 40;
ähnliches bei Mathesius: ach gott, lasz dirs geklagt sein, wis (
was) sihet man zebrechligkeit und greuliche feil (
fehl) und schandmal an leuten!
Sar. 202
b,
und ebenda: ach, wis werden schlimmer und schicketer (
ist schrickicht '
rimosus'
gemeint?) gleser formirt, die ir lebenlang kein kraden (
geraden) tritt thun! 203
a;
auch gelirnig
schreibt er 33
a;
vorherschend galt in Deutschland vom 15.
bis ins 18.
jh. hinein küris
für kürass,
s. 5, 2809;
sehr verbreitet ist nĭseln '
durch die nase reden'. Reinwald 1, 109; schmittern
neben schmettern
frangere führt Stieler 1876
auf; in mittelrheinischer und niederdeutscher gegend gilt missing
für messing. Schambach
wb. 136
a;
und auch das niedersächs. iller
für aller
in illerbeste, illererste, illermeiste (Schütze 2, 190)
ist hierher zu ziehn. Haben alle diese i
in unsere schriftsprache keinen eingang gefunden, so hat doch volles bürgerrecht erlangt das ebenfalls hierher gehörende, erst im 18.
jh. durchdringende wichsen
für wächsen '
mit wachs bestreichen, wachsglanz geben'
; ferner trichter,
niederd. und mitteld. trechter, trehter,
spät-ahd. trahtære
aus mittellat. tractarius '
heber'
; ebenso gitter
cancelli, das erst in der zweiten hälfte des 15.
jh. in Nürnberger schriftwerken vorzukommen scheint (
vgl. Lexer
mhd. hwb. 1, 1025. Diefenbach 94
b)
und wohl aus dem älteren hd. getter, geter =
mhd. gater (
ahd. cataro? Hattemer
dm. 1, 215
a)
unmittelbar hervorgieng; in allgemeiner geltung ist ferner ursprünglich md. hippe
falx, mhd. und mniederd. hepe,
ahd. hepa, heppa
u. a. (
s. 4
2, 471. 472. 999. 1552),
wie denn auch das auf afranz. harnas
beruhende mhd. harnasch
seit dem 15.
jh. immer allgemeiner zu harnisch
geworden ist (
s. 4
2, 488).
beachtenswerth ist, dasz bei den meisten dieser vocalverdünnungen benachbarte liquidae, mehr noch reibelaute wie w, ch, s, sch
oder das zusammenwirken beider den wandel des vocals begünstigt oder herbeigeführt haben. A@I@22)
in ableitungen, zusammensetzungen und in der flexion. A@I@2@aa)
in den ableitungssuffixen ich, icht, ig, igen, in, ing, ling, isch, ist, nis
hat sich das reiner articulierte i
entweder für trübere vocale der älteren sprachperioden endgiltig eingestellt oder setzt sich als alter laut einfach fort: vgl. z. b. kranich,
mhd. kranech,
ahd. chranih, chranuh, chranoh; habicht
aus habich,
mhd. habech,
ahd. habuh; röhricht '
rohrdickicht'
aus röhrich,
mhd. rôrich, rôrech, rôrach,
ahd. rôrahi; thöricht,
mhd. tôreht, tôroht, tôraht; blutig,
mhd. bluotic, bluotec,
ahd. pluotac,
alts. blôdag; mächtig,
mhd. mehtic, mehtec,
ahd. mahtîc,
goth. mahteigs; heiligen
sanctificare, mhd. heiligen, heilgen,
ahd. heiligôn, heilegôn, heilagôn; be-schuldigen,
mhd. schuldigen, schuldegen,
ahd. sculdîgôn; königin,
mhd. künigin, küniginne, künigîn
u. a., ahd. kuningin, kuninginna; pfenning, pfennig,
mhd. phenninc, phennic,
ahd. phantinc, phending, phenning, phennig (
Tatian); jüngling,
mhd. jungelinc,
ahd. jungeling; irdisch,
mhd. irdisch, irdesch,
ahd. irdisc;
die volle form des superlativsuffixes -ist
nur in dem substantivischen obrist
erhalten; finsternis, gefängnis,
mhd. vinsternisse, gevancnisse, -vencnisse, -nüsse, -nusse,
ahd. finstarnessi, finstarnissi.
mehr über diese ableitungssuffixe an ihrer alphabetischen stelle. A@I@2@bb)
in eigentlichen nominalzusammensetzungen hat sich stammhaftes, das declinationsthema ursprünglich auslautendes, kurzes scharfes i
nur in bräutigam
und nachtigall
erhalten. bräutigam,
ahd. brûtigomo,
mhd. briutegome,
mmd. brûdegam, brûdgam,
mundartlich, wenn es überhaupt vom volke gebraucht wird, im süden und norden stark gekürzt (
vgl. kärnt. präuggàm,
ndsächs. brögam,
sieb.-sächs. brégem),
verdankt die erhaltung seines i
nicht Luthers
feder, da er, wie Dietz
lehrt, gewöhnlich breutgam
schreibt. auch Fischart
schwankt zwischen beiden formen: bräutigam
bienenk. (1581) 23
b, präutigam
ehezb. (
Sch.) 413, bräutgam
ebend. 445,
der Schwabe Weckherlin 457
hat ohne umlaut brautigam; Maaler 227
c verzeichnet breütigam, Golius (1582) 108
dagegen breutgam; W. Spangenberg
hat breutigam
fangbr. C v
b; Opitz 2, 75. 83. 85. 87
braucht beide formen, wie auch Hoffmannswaldau
getr. sch. 204,
hochzg. 36; Fleming,
wie es scheint, nur die gekürzte, Günther
beide, aber bräutgam
apostrophiert. Stieler 225
führt breutigam
und breutgam
auf, Rädlein
nur noch bräutigam,
wie auch Steinbach, Frisch, Adelung,
während auffallender weise Schottel 655
nur breutgam
kennt, was er nicht zu erklären weisz. in der that wird auch heute der themavocal mehr blosz geschrieben als in gewöhnlicher rede vernommen, wogegen er in nachtigall
ziemlich rein gesprochen zu werden pflegt. nachtigall,
ahd. nahtigala
und nahtagala,
alts. nahtigala,
mhd. gewöhnlich nahtegale, nahtegal,
daneben auch nahtigale, nahtigal,
hat ebenso wie bräutigam
kämpfend den themavocal zu behaupten gehabt. obwohl die gloss. des 15.
jh. (
vgl. Diefenbach 235
b. 340
a)
die mhd. formen bewahren, so wird a. a. o. und 10
b doch auch nachtgalle, nachtgall
verzeichnet, welche letztere form im vocab. inc. teuton. o 3
b und von Maaler 300
b als alleinige aufgeführt wird. gleichwohl scheint nachtigall
im verlauf des 16.
jh. in die schriftsprache eingang gefunden zu haben: H. Sachs (
Göz) 4, 33
preist die Wittembergisch nachtigal,
und Luther
selbst, in dessen bibelübersetzung das wort nicht vorkommt, hat es in einem briefe (
leseb. 3
1, 170)
und gewis öfter; im Simplicissimus (
b. 1,
cap. 7)
beginnt der einsiedel sein schönes lied mit den worten 'komm, trost der nacht, o nachtigall'
und so nur die iform gewähren Schottel 267, Rädlein
und Frisch.
überall durchgedrungen war sie trotzdem noch nicht, da Frischens zeitgenosse Steinbach (1, 615. 2, 99)
nur nachtegall
aufführt. A@I@2@cc)
flexivisches (
tonloses) i.
als im verlauf des 11.
jahrh. die vollen ahd. vocale in den tonlosen silben gleichmäszig zu e
sich abzuschleifen begannen, zeigte sich in oberdeutschen wie mitteldeutschen hss. dafür auch i,
vgl. z. b. unsir
noster, giheiligit
sanctificatus, tiufilis
diaboli; nur mit dem unterschiede, dasz dieses tonlose i
in mitteldeutschen denkmälern dieser zeit, z. b. dem Annoliede und in no xxxiv-xxxvii
der von Müllenhoff
u. Scherer herausg. denkm. (
vgl. deren vorr. xxvii)
von anfang an bis ins 15.
jh. ein übergewicht behauptete. weiterhin findet sich tonloses i
für e
auch noch in Luthers
älteren, bis etwa zum jahre 1525
verfaszten schriften (
vgl. Dietz 1, viii),
von welchem zeitpunct ab, was wenigstens die bibelübersetzung betrift, er e
dafür eingesetzt hat. hatte er ehedem geschrieben: offinbart, vbir, vbirhand, Christis (
Christi), eynis, edlisz
nobile (
leseb. 3
1, 87), geystis, gottis, golltis
oder goltis, grassis
oder grasis, guttis, haltist, helltist
oder heltist
u. a., so schrieb er nun: offenbart, vber, vberhand, Christes, eynes, geistes, gottes, goldes, grases, gutes, haltest, heltest;
vgl. Luthers
bibelübersetzung von Bindseil th. 7, xliv
ff. und Opitz
spr. L. 13
ff. A@I@33)
ein wort über i
als ergebnis einer kürzung. In der grammatik 1
3, 217
wird gelehrt, dasz trotz der neigung unserer sprache, den ursprünglichen kürzen abbruch zu thun, sich auch einige fälle ereignen, in welchen umgekehrt die organische länge kürzung erleidet; zur begründung dieser behauptung werden beispielsweise mhd. jâmer, râche, iemer, muoter
mit nhd. jammer, răche, immer, mutter
verglichen. es ist jedoch damit viel mehr auf die gleichmäszig durchgedrungene schreibung dieser wörter hingewiesen als einheitliche aussprache derselben gemeint, da ja ein und dasselbe wort (
z. b. gut,
mhd. guot)
in Deutschlands norden langen vocal, im süden diphthongischen, in Mitteldeutschland kurzen erhalten kann und erhält. Faszt man die fälle ins auge, in denen mhd. î
sich im verlauf der zeit gekürzt zu haben scheint, so können etwa die mit -lich
und -rich,
ahd. -lîh
und -rîh(hi)
gebildeten zusammensetzungen, wie glücklich, sicherlich, Dietrich, Friedrich, Heinrich, Ulrich, Richard
angeführt werden, wiewohl schon mhd. dichter, z. b. Walther
und Hartmann (
vgl. Lachmann
zu Iwein v. 5522)
hinsichtlich der quantität des vocals schwankten und unser gleich,
mhd. gelîch,
sowie der eigenname Reichard,
ahd. Rîhhart
schwanken zwischen gelîch
und gelich,
zwischen Rîchard
und Richard
voraussetzt. vgl. was über langes i
im eingang gesagt wird. Ebensowenig ist über die kürzung des diphthongen ie
in dirne, licht, nicht, immer, nimmer
u. a. chronologisch etwas sicheres zu sagen, da in einzelnen dieser wörter bereits in guter mhd. zeit die vocalquantität nicht mehr feststand. wenn Wolfram
im Parzival imer (331, 12)
und nimer (359, 11)
metrisch einsilbig als hebung verwendet, so deutet das doch wohl ebenso auf bereits eingetretene kürze des diphthongen, wie sein reimen von lieht
auf giht
und geschiht
die volle diphthongische aussprache des ie
zweifelhaft macht. wenn aber nach drei jahrhunderten Maaler yemer, niemer
und liecht
aufstellt, Luther (
weish. Sal. 18, 4.
ev. Matth. 6, 22)
ebenfalls liecht
schreibt (
was noch Rädlein
allein verzeichnet),
so spricht dies wieder gegen die kürze des vocals. und wenn Luther,
abgesehen von gelegentlichem dyrne, dirne
schreibt, Maaler
nur dirn
und dirnli
aufstellt, so beweist dies doch nichts für damals überall geltende kürze des i,
da H. Sachs 1, 479
c diern
auf frn '
führen'
reimt. Bei alledem musz die schriftsprache auf einheitliche schreibung dringen, sowenig diese die mannigfaltigkeit des lautes wiederzugeben vermag. A@I@44) i
mit ü (u)
und ö (o)
sich berührend. Lässige aussprache des ü
hat in mehreren fällen i
dafür eintreten lassen, das sich z. b. in findling, gimpel, kissen, kitt, spitzfindig
u. a. festgesetzt hat, während die mehrzahl dieser '
unechten' i,
welche unsere litteratur aufweist, durch verständige schreibung wieder über bord geworfen wurden. gewöhnlich sind es auf den vocal folgende liquidae oder reibelaute, welche dem ilaut stelle verschafften. da lesen wir z. b. abtrinnig
discedens. Ulenberg
psalt. 268; brinnlein
fonticulus. H. Sachs (
G.-T.) 2, 4, 14; winschen
optare. Uhland 704; fricht
fructus. H. Sachs
a. a. o. 2, 4, 36; gewinnsichtigkeit '
gewinnsucht'.
Simpl. schr. (
K.) 3, 95, 22; glick
fortuna. Calixt. u. Mel. A vi
b; sich verdricken
se compingere. H. Sachs
a. a. o. 2, 2, 10; hipsch
lepidus. Weckherlin 403,
und viele andere. mitunter entspricht dieses i
mhd. ü,
nhd. ö
oder o,
vgl. kinge
reges. H. Sachs
a. a. o. 2, 2, 631; minnich
monachi. 2, 2, 504; tricknet
siccat. Uhland 52; firt (fürt, furt, fort)
prorsum. H. Sachs
a. a. o. 2, 2, 466; firm, furm, form
mensura. Diefenbach 356
b,
u. dgl. im einklang mit diesen lautverhältnissen gestatten sich Opitz
und Fleming,
letzterer, wie A. Tscherning
unvorgr. bed. 80
annimmt, es Opitz
nachthuend, reime wie nimt : kömt (O. 1, 44. 2, 162. 3, 72; Fl. [1642] 109.
Lapp. 1, 508), sinnen : können (O. 1, 348), hinnen : können (Fl. 562), spinnt: gönnt (O. 2, 206)
u. a. da nun Fleming (
Lapp. 1, 463) können
und künnen,
ebenso a. a. o. 1, 499 gönnen
und günnen
sprach, Opitz (2, 186. 180) sonnen
auf brunnen, komme
auf verstumme, Fleming (
Lapp. 1, 468. 156) sonnen
auf brunnen, geschwommen
auf summen
reimt, und beide dichter selbstverständlich sich reime wie gründen : finden (O. 2, 205), gründen : winden (Fl. 205)
erlauben, so ist auch ihr auf i
gereimtes, an ü
anklingendes, auf altes u
hinweisendes ö
nicht eben befremdlich. In einigen wörtern schwankt ü
und i: hilfe, hülfe; gebirge, gebürge; wirken, würken; giltig, gültig; sprichwort, sprüchwort,
und oft wird die frage aufgeworfen, wie man sie '
richtig'
zu schreiben habe. mit recht bemerkt Rumpelt
d. gr. 1, 224
darüber, dasz jenes schwanken einerseits auf einer (
irrigen)
etymologischen analogie, andrerseits auf einem phonetischen gesetz beruhe. das i
als allein berechtigt vertheidigt, wer nicht weisz, dasz die jenen wörtern zu grunde liegenden verba innerhalb ihrer conjugation neben i
auch den ülaut (
und diesen viel häufiger und kräftiger)
entwickelt haben; und das ü
nimmt in schutz, wer sich lediglich an die aussprache hält, da bei der starken assimilation, welche die liquidae, besonders l, r
mit folgender consonanz auf vorangehende helle vocale üben und diese zu dunkelen (u, ü)
machen, in der that jeder, selbst der vertheidiger des i,
wenn er sich nicht zwang anthut, jene wörter mit ü
spricht. A@I@55) i (î)
in ablautenden schallnachahmungen, tautologien, spielnamen u. dgl. Die eigenthümliche neigung unserer sprache zur reichsten entfaltung des ablauts, wobei der dreiklang i, a, u
eine bedeutende rolle spielt, zeigt uns, dasz eine grosze menge gleiches oder ähnliches bedeutender wörter zu einander in ablautverhältnis stehn, wofür angeführt werden mögen: bimmeln, bammeln, bummeln; blabbern, blubbern
br. wb.; flickern, flackern, fluckern
br. wb.; flinkern, flunkern; gitter, gatter; gnistern, gnastern; hippeln, huppeln; kibbeln, kabbeln; kisten, kasten; klicken, klacken; klippern, klappern; klitschen, klatschen; knicken, knacken; knickern, knackern; knirren, knarren, knurren; knistern, knastern; knîtschen, knâtschen, knûtschen; knittern, knattern; kribbeln, krabbeln; kritzen, kratzen; quiken, quacken
br. wb.; rimpeln, rumpeln
runzeln br. wb.; rippeln, rappeln, ruppeln Reinwald 1, 129. Frommann 2, 192; risch, rasch; schlicker-
und schlackerwetter; schlampe, schlumpe; schlipper-
und schlappermilch; schnippen, schnappen; schwippen, schwappen; snicken, snacken
schluchzen br. wb.; snippsk, snappsk
naseweis, beiszig. br. wb.; sticheln, stacheln; tippen, tappen; titschen, tatschen; trippeln, trappeln; zwicken, zwacken.
Wie nun viele dieser wörter auf schallnachahmung beruhen, so waltet doch der ablaut vornehmlich in schallnachahmenden interjectionen, die lebendig gebraucht mehr gesprochen als geschrieben werden; so für den glockenklang in bim! bam! bum!
die kinder singen: bimbam bámbau die glocke läutet zu Spandau. Simrock
kinderb. 70; bum bam, die glock ist krank. 87;
vgl. Garg. 93
b (
Sch. 163): da giengen die glocken an: prim! pram!;
für den schall eines brechenden dinges: krick! krack! Göthe 14, 281;
eines auffallenden: klipp! klapp!;
vom schusz: piff! paff! puff!;
vom schlag auf nasses oder weiches: pitsch(e)! patsch(e)! Bernd
d. spr. in P. 210,
vgl. Fromm. 2, 236;
für das geräusch von stoffen, die eilig zusammengerafft und weggerissen werden: rips! raps!
br. wb.; Rädlein 741
b;
auch grips! graps! Fromm. 5, 460;
die zerrissen werden: rîtsch! râtsch!
oder riz! raz! Bernd 235;
für das geklapper der holzschuhe: schnip! schnap! Brant
narrensch. 44, 10;
für den schlag der uhr: tick! tack!;
für die gebrochene linie des blitzstrahls: zick! zack! Wieland (
beleg bei Campe).
Sie wachsen aber auch zu éinem worte zusammen (
manche sind selbständig gar nicht nachzuweisen),
das dann, zwischen interjection und substantiv die mitte haltend, theils collectivbegriffe bezeichnet, wie: fixfax
gaukelei, blendwerk; grigelgragel
undeutliches gemurmel br. wb.; klimperklamper
geklimper; klingklang
geklinge, geklingel; klippklapp
eintöniges geklapper; klitschklatsch
geschwätz, klatsch; krikelkrakel
schlechtes geschreibe; krimskrams
gerümpel, geschwätz; mischmasch, miskmask
gemisch br. wb.; pinkepank
gehämmer br. wb.; piterpater
geplapper br. wb.; quitschquatsch
sinnlose worte; singsang
gesinge; snicksnack
geschwätz; visevase = snicksnack
br. wb. 1, 397; wirrwarr
gewirre; wischwasch, wischiwaschi
gewäsch, geschwätz Bernd 354;
theils personen, thiere, gegenstände, z. b. meister fickfack
der henker (
s. 3, 1619); gîgâk
die gans Fromm. 2, 415,
aber auch die langgewachsene person Regel
ruhl. m. 194 [
vgl. weder gicks noch gacks wissen. Stieler, Rädlein; (
wir) mügen weder guck noch gack. Murner
schelmenz. (1788) 82 ];
und die im br. wb. verzeichneten: himphamp
gebrechliches werkzeug; hinkhank
der unentschlossene; nisenase
der naseweis; pinkepank
der schmidt; quiksquaks
der lebhafte, wankelmüthige; slikslak
der plauderhafte; zieskezaaske
die schmeichelnde, tändelhafte u. a. auch an so gebildeten verben fehlt es nicht. abgesehen von denen die einzelnen der genannten substantiva zur seite stehen, wie hinkhanken, nisenasen,
findet sich z. b. gripsgrapsen
an sich reiszen; nirtnarren
närren; plikplacken
wiederholentlich nicht zusammen schieszen (
vom unregelmäszigen salvenfeuer der soldaten); snirtsnarten
oft farzen; tirtarren
unaufhörlich necken; wigelwageln
hin und herschwanken, u. a., alle im br. wb. Endlich aber waltet das in rede stehende ablautverhältnis in spielnamen und kinderreimen. ein bretspiel mit würfeln, das französische trictrac, hiesz dickedak, dickedäcket (
s. 2, 1079); klipklap spielen
verzeichnet Schottel 1346;
ein kartenspiel snipsnapsnur
wird im br. wb. 4, 881
beschrieben; und im einklang mit dem kinderspielreim (Frommann 2, 230): pinka, panka, schmidt is kranka ...
schreibt Becherer
newe thür. chron. (1601) 482: (
als beide grafen) von Münzer selber gar spitzige drauwbriefe empfangen hatten, dasz er sie mit seinen bauren besuchen und pinck panck auf Nimrods ambosz, das ist, der grafen köpfe spielen wolte, wölten sie im zuvorkommen.
Für die kinderreime genügt es auf Simrock
zu verweisen. in seinem kinderbuch wimmelt es von: bickebackeneie, billi balli, dippe dappe, fimmelti fammelti, hicke hacke, lirum larum, rische rasche, sige sage, tri tra trull
u. dgl. m. A@IIII.
Langes i.
Nur in vereinzelten fällen ist unser langes i
fortsetzung des mhd. ahd. î,
welches spurweis bereits im 12.
jahrh., wenn nicht früher, und zwar zuerst auf steierisch-österreichischem gebiet, bald auch in Baiern als kurzes i
mit einem dem a
sich nähernden, unsicher, ob vor- oder nachschlagenden laute gesprochen wurde und demgemäsz in hss. bald durch ie,
bald durch e
i oder ei
gegeben wird (
vergl. litt. centralbl. 1868, 977
ff.).
allmählich aber setzte für diese diphthongische auflösung des î,
nachdem der früher unbestimmte beilaut deutlicher geworden war und als e
vor i
erklang, die schreibung ei
sich fest (
vgl. Scherer
z. GDS. 27),
woneben freilich noch in der zweiten hälfte des 13.
jahrh. das î
bei baierisch-österreichischen dichtern stand hielt, während in den urkunden dieser zeit der neue vocal schon regel ist, ohne doch î
ganz verdrängen zu können; vgl. Weinhold
bair. gr. § 78.
so in die werdende reichssprache dringend verschaffte sich der neue vocal nebst andern veränderungen im vocalismus durch den einflusz der böhmischen hof- und kanzleisprache schon im 14.
und beginnenden 15.
jh. auch in schriftwerken mitteldeutscher landschaften östlich der Elbe geltung, während gleichzeitig im westlichen Mitteldeutschland der alte landübliche vocalismus, also auch î,
die herschaft behielt (
vergl. Müllenhoff
u. Scherer
denkm.2 vorr. xxix
ff.).
gleichwohl drang auch in diesen gegenden der neue vocal frühzeitiger durch als es auf alemannischem gebiet der fall war. wie spät er hier in die schriftsprache allgemein aufnahme fand, lehrt Weinhold
alem. gr. § 57. 99. 131. Luthers
geläutertes mitteldeutsch, an die vorhandene sprache der kursächsischen, der kaiserlichen kanzlei sich anlehnend, verdrängte endlich alles dialectische aus litteratur und schriftgebrauch, mithin auch das alte î,
das doch in den meisten deutschen mundarten fortlebt und bald mit gröszerer bald geringerer consequenz vom volke gesprochen wird. Fehlt also unserer schriftsprache ein '
organisches' î,
so hat sie 1)
durch dehnung der mhd. kürze sich die länge geschaffen. 2)
sie hat das î,
welches als verengung des diphthongen ie
in mitteldeutschen denkmälern aus dem ende des 11.,
anfang des 12.
jh., derartig dasz dînôn, hîlt, vîr, wî
u. a. für dienôn, hielt, vier, wie
geschrieben wird, auftaucht und bis auf Luthers
zeit, der selbst z. b. noch hilt
für hielt
schrieb, fürs mitteldeutsche charakteristisch ist, in Mittel- und Norddeutschland dem laut nach bewahrt, während die schrift es seinem ursprung und der süddeutschen aussprache gemäsz diphthongisch behandelt, es durch ie
bezeichnet. 3)
ähnlich verfährt die sprache mit demjenigen ie,
das schon früh im ahd. für kurzes i
sich hier und da einstellt (
vgl. Weinhold
alem. gr. § 63),
besonders aber in gedichten des 12.
jh., denen eine gewisse neigung zum nd. dialect beizulegen ist (
vgl. gr. 1
3, 163),
erscheint, in der mhd. kunstsprache nur ausnahmsweise platz findet, dagegen im mitteldeutschen mehr und mehr raum gewinnt und von hier aus ins nhd. gekommen ist. es wird als einfache länge behandelt, '
unzerzogen',
wie Logau
in der vorrede zum dritten tausend seiner sinngedichte sich ausdrückt, ausgesprochen, auch im süden nicht anders (
vgl. Schmid
schwäb. wb. 297),
aber ie
geschrieben. Demnächst ist an beispielen zu zeigen, wie der ursprung unseres langen ilautes und seine schriftliche wiedergabe durch i, ih, ie, ieh
sich zu einander verhalten. A@II@11)
einfaches i
empfangen A@II@1@aa)
für mhd. i: biber
fiber; dir
tibi; igel
erinaceus; mir
mihi; wider
contra; wir
nos. auszerdem zum theil schon im mhd. vorhandene fremdwörter, wie bibel
biblia; bisam
moschus; fibel
abecedarium; fiber
fibra; mime
mimus; mine
cuniculus u. a. A@II@1@bb)
für mhd. î:
die mit win,
mhd. wîn (wine)
amicus, zusammengesetzten eigennamen, wie Alwin, Edwin, Ortwin
u. dergl.; auch andere, z. b. Isegrim, Wigand. A@II@22)
dehnendes ih,
von noch geringerem umfang, erhalten für mhd. i : ihm
ei; ihn
eum; ihnen
iis; ihr
ei, vos, suus. A@II@33) ie
erhalten A@II@3@aa)
für mhd. î (
ein seltener fall): versiegen
exarescere, woneben Stieler 1661
allein zu erwartendes verseigen
verzeichnet (
vermischung mit siech, siechen
scheint versiegen
durchgesetzt zu haben); friedhof
coemeterium, wohl auf friede
pax gedeutet, während goth. freidjan
schonen, ahd. vrîten
ut delicias fovere zu grunde liegt (
s. 4
1, 123),
dessen î
sich in dem zustimmenden eigennamen Freithof
regelrecht aufgelöst hat. A@II@3@bb)
für mhd. i (
md. ie): bieder
probus; biene
apis; gebiert
parit; bliebe
remaneret; gediegen
solidus; diele
asser; dieser
hic; fiedel
fidula; gefieder
pluma; friede
pax; giebel
summitas; gier
cupido; glied
membrum; kiel
caulis pennae; kiel
zwiebel des lauches; kies
arena; kiesel
calculus; augenlied
palpebra; lieferblut
cruor coagulatus (
vgl. Lessing 8, 299); liegen
jacere; liesest
legis; miede
caveret; nieder
deorsum; riebe
fricaret; riege
series, ordo; riegel
pessulus; riese
gigas; geschieht
fit; schiel
limis spectans; schiene
luceret; schiene
ocrea; schmiede
officina ferraria; schmieden
cudere; schriebe
scriberet; schwiege
taceret; schwiegermutter
socrus; sieb
cribrum; sieben
cribrare; sieben
septem; siedeln
sedem parare, habere; einsiedler
eremita; sieg
victoria; siegel
sigillum; siegeln
signare; siegen
vincere; sieht
videt; spiel
ludus; spielen
ludere; gespiel
socius; spiesz
veru; stiefel
ocrea; stiege
scanderet; stieglitz
carduelis; stiel
caulis, manubrium; striegel
strigilis; trieb
impulsio; triebe
ageret; vieh
pecus; viel
multum; wiebel
curculio granarius; wiede
lignum tortum; wiedehopf
upupa; wieder
iterum; wiege
pendo; wiege
cunae; wiegen
cunas movere; langwierig
longinquus; wiese
pratum; wiesel
mustela; ungeziefer
bestiolae graves; ziege
capra; zieger
seracium; ziel
scopus; zielen
collineare; ziemt
decet; ziemer
tergum cervi; ziemlich
modicus; zwie-,
in zwiefach
duplex u. a.; zwiebel
cepulla; zwiesel
furca. A@II@3@cc)
für mhd. i,
d. h. scheinbar für mhd. ei (ê),
welches noch im ältern nhd., z. b. bei Luther,
stand gehalten hatte, die praeterita: blieb
mansit, mhd. beleip; gedieh
profecit, mhd. gedêch; lieh
mutuatus est, mhd. lêch; mied
cavit, mhd. meit; rieb
fricuit, mhd. reip; schien
luxit, mhd. schein; schrie
clamavit, mhd. schrei, schrê; schrieb
scripsit, mhd. schreip; schwieg
tacuit, mhd. sweic; spie
spuit, mhd. spei, spê; trieb
egit, mhd. treip; verwies
obiecit, mhd. verweiʒ; zieh
arguit, mhd. zêch.
bei allen diesen drang das kurze mhd. i
des plur. praet. (
vgl. bliben, schinen
u. s. w.),
nhd. zu î
gedehnt und durch ie
bezeichnet, in den sing. praet. und stellte sich an den platz des alten ei (ê);
wie ja überall in der heutigen sprache im sing. und plur. praet. der starken verba, mit ausnahme von werden,
gleicher vocal in der stammsilbe angetroffen wird, gewöhnlich aber der vocal des sing. praet. den des plur. verdrängt hat. A@II@3@dd)
für mhd. ie,
und zwar A@II@3@d@aα)
für '
gebrochenes'
mhd. ie (
md. î) =
ahd. ie, io (ia), iu: biegen
flectere; bier
cerevisia; bieten
offerre; dieb
fur; dienen
servire; dienst
servitus; Dietrich; verdrieszen
pigere; fliege
musca; fliegen
volare; fliehen
fugere; flieszen
fluere; friedel
amator; frieren
frigere; gieszen
fundere; griesz
sabulum; kiel
navis; kiesen
eligere; knie
genu; kriechen
repere; lieb
carus, gratus; liebe
amo, amor; lied
carmen; verlieren
perdere; niere
ren; niesen
sternutare; niet
clavulus; nieten
clavulo figere; genieszen
uti; nieszbrauch
usus; pfrieme
subula; riechen
olere, odorari; riemen
lorum; riet
carex; schieben
trudere; schier
mox; schieszen
jaculari; schlieszen
claudere; schmiegen
contrahere; siech
aegrotus; sieden
coquere; spiesz
hasta; sprieszen
pullulare; stieben
pulverem suscitare; stief
privignus; stier
taurus; tief
profundus; tier
bestia; triefen
stillare; zieche
stragulum; ziehen
trahere; zierde
decus. an umfang hat dieses ie
im nhd. dadurch gewonnen, dasz bei den hierher fallenden starken verben die brechung auch in den sing. praes. ind. und imperat. eindrang. sagte man mhd.: sg. biute biutest biutet,
pl. bieten bietet bietent,
imp. biut,
so lauten die nhd. formen: biete bietest bietet, bieten bietet bieten, biete. A@II@3@d@bβ)
für mhd. ie,
welches auf ahd. theils aus altem ê (e)
hervorgegangenen ea, ia, ie,
theils altem eo
entsprungenen io (iu), ie
beruht, die ursprünglich reduplicierten praeterita: blies
flavi, briet
assavi; fiel
cecidi; fieng
cepi; gieng
ivi; hieb
cecidi; hielt
tenui; hieng
pependi; lief
cucurri; liesz
sivi; rief
vocavi; rieth
consului; schied
separavi; schlief
dormivi; stiesz
tutudi. A@II@3@d@gγ)
für mhd. ie
in fremdwörtern die folgenden: brief
litterae, ahd. briaf,
lat. breve; fieber,
ahd. fiebar,
lat. febris; Grieche,
ahd. Crêh, Creah, Kriach, Kriecho,
lat. Graecus; priester,
ahd. prḙstaṙ priestar,
altfranz. prov. prestre; spiegel,
ahd. spiagal,
lat. speculum; ziegel,
ahd. zeagal, ziagal,
lat. tegula.
die ahd. formen zeigen, dasz hier dieselbe auflösung eines ursprünglichen e
wie in den unter β aufgeführten praeteritis vorliegt. auf die quantität des fremden e
ward bei der herübernahme keine rücksicht genommen. im romanischen dieselbe auflösung, vgl. fr. brief, fièvre;
it. brieve;
sp. fiebre, Griego. A@II@3@d@dδ)
für mhd. ie =
ahd. ê (e): hier
hic, goth. hêr,
ahd. hêr, hear, hiar, hier (hîr
Tat. 91, 2); miethe
merces, ahd. mêta, meata, miata.
auch hier hat sich auflösung eines alten e
ereignet, dessen quantität im ahd., wenn man die alts. ags. fries. formen beider wörter vergleicht, nicht festzustellen ist. A@II@3@d@eε)
für mhd. ie =
ahd. io, eo: nie
nunquam, ahd. nio, neo (niêo),
alts. nêo, nio,
goth. ni aiv; wie
quomodo, ahd. uuio, huueo, uueo (uuiêo),
alts. hwiu, hweo, hwî,
vgl. goth. hvaiva
und hvê. A@II@3@d@zζ)
für mhd. ie =
goth. i-ô: vier
quattuor, ahd. fior,
goth. fidvôr. A@II@3@ee)
für mhd. iu,
ahd. iu: die
haec (
fem. u. neutr.); sie
ea (
fem. u. neutr.).
für mhd. ie,
ahd. ia, iê, iô: die
hanc, hi, hae; sie
eam, ii, eae. A@II@3@ff)
für mhd. üe (uo): mieder
thorax. wie sich in diesem fall e
für mhd. üe
festgesetzt hat, so findet sich im 15. 16.
jahrh. vielfach: fiegen
für mhd. vüegen, fieren
für vüeren, gietlich
für güetlich, hieten
für hüeten, mieszen
für müeʒen, mieszigkeit
für müeʒecheit, schliege
für slüege, siesz
für süeʒe,
und viele andere. A@II@3@gg)
für mhd. ahd. ei
in leif, leip, leib '
reliquiae, progenies'
: die damit zusammengesetzten eigennamen, wie Dietlieb,
mhd. Dietleip; Friedlieb,
mhd. Fridleip (
Biterolf 5073); Ortlieb,
ahd. Ortleip.
dasz der zweite bestandtheil dieser namen frühzeitig nicht mehr verstanden, daher umgedeutet und durch lieb '
carus'
ersetzt wurde, lehrt auszer Ortliep
in den Nibelungen und Frideliep
bei Neidhart 39, 20
der name Ruodlieb
im Eckenliede 82, 6
und dem lat. ged. des 11.
jahrh., wofür in der Thidrekssaga des 13.
jahrh. cap. 40 Roseleif, Rozeleif, Rutseleif (=
altnord. Hrôdsleifr?)
steht. A@II@3@hh)
zahlreiche auf ie
auslautende, dem französischen entlehnte substantiva, wofür beispiele zu geben nicht nöthig scheint. A@II@44) ieh
erhalten für mhd. (
md.) i: befiehlst
jubes, befiehlt
jubet; empfiehlst
commendas, empfiehlt
commendat; stiehlst
furaris, stiehlt
furatur. BB.
Verhältnis des i
zum j.
hierüber wird unter j
gesprochen. CC.
Das schriftzeichen. In den runenalphabeten wird kürze wie länge des ilautes durch l
bezeichnet. der Gothe Vulfila,
bei seiner schrifterfindung theils an die runen theils an die griechische und lateinische schriftentwickelung anknüpfend, gibt die kürze durch I,
die länge nach der griechischen diphthongischen schreibung durch ΕΙ denn ει wie ῖ auszusprechen war damals in Griechenland längst allgemein üblich. nicht minder beruht es auf griechischem vorbild, wenn anlautendes oder silbenbeginnendes oder zwischen vocalen stehendes i
in den gothischen handschriften zwei puncte erhält: Ï,
da schon in der ältesten griechischen uncialschrift iota auch mit diesen diakritischen puncten bald selten bald häufiger versehen wird, welche nicht diäretisch sind, auch wenn sie häufiger da vorkommen, wo iota zwischen vocalen steht. vgl. Wattenbach
anl. z. griech. pal., autogr. 11.
Die lateinisch redende und schreibende kirche brachte uns mit dem christenthum und der römischen cultur die lateinische schrift. rücksichtlich des izeichens und seiner behandlung sei hier nur soviel bemerkt, dasz es in der majuskel bald beibehalten: I,
bald nach oben verlängert, bald unter die zeile nach links sich krümmend gezogen wurde und in dieser gestalt, jedoch noch geschwungener und sonst verändert, zur bezeichnung des i- wie des jodlautes, welcher letztere heute zur unterscheidung von I
durch J
bezeichnet wird, in die druckschrift übergieng und endlich die gestalt I
erhielt. Was die minuskel betrift, so ward das i
bis zum 11.
jahrh. ohne bestrichelung oder punctierung geschrieben. erst damals begann man zusammentreffende istriche mit accenten zu bezeichnen, um verwechselungen vorzubeuten: í, ín, uí.
ein frühes beispiel dafür gewähren die genetive bonifacíí, antoníí, coníí
in der im königl. archive zu Berlin befindlichen hs. der Freckenhorster heberolle; vgl. Heyne
kl. altniederd. denkm. 79.
schon im 12.
jh. erscheint das strichlein zuweilen auch über dem einzelnen í
daneben aber kommen immer noch i
ohne bestrichelung häufig vor und nicht selten sind in älteren hss. dergleichen striche später nachgetragen worden. aus dem strichlein ward weiterhin der längst übliche punct, doch finden sich puncte über dem i,
wie Wattenbach
anl. zur lat. pal., autogr. 8
bemerkt, wohl kaum vor 1350. C@ii,
dem der punct, das '
tüpfchen'
fehlt, ist uns ein bedeutungsloser strich. erst durch punctierung wird es ein buchstab, etwas wirkliches, ganzes und pflegt daher in bildlicher rede jenachdem auf mangelhaftes oder vollständiges, vollendetes bezogen zu werden: der sonnenschein hob die localfarben blendend hervor, und die schattenseiten waren so licht, dasz sie verhältnismäszig wieder zu lichtern hätten dienen können. ein gleiches galt von den widerscheinen des meergrünen wassers. alles war hell in hell gemahlt, so dasz die schäumende welle und die blitzlichter darauf nöthig waren, um die tüpfchen aufs i zu setzen. Göthe 27, 135; Ludwig Philipp kokettierte mit dem bürgerlichen oberrock und dem unvermeidlichen regenschirme, damit bei seinem 'bürgerkönigthume' auch das tüpfelchen auf dem i nicht fehle. Riehl
bürgerl. ges. (1861) 249;
Homunculus in Göthes Faust (41, 111.
Hempel 13, 74)
strebt, ein gedanke, nach verwirklichung, leiblichkeit, ganzheit und sagt daher beim scheiden zu Wagner: indessen ich ein stückchen welt durchwandre, entdeck ich wol das tüpfchen auf das i.