gaufe,
f. die hohle hand, besonders die doppelte, ein altgermanisches wort in reicher formentwickelung noch in den heutigen mundarten, aus der schriftsprache verbannt. II.
Form, nebenformen, verbreitung. I@11)
neben dem vorhergehenden fem. ein m. gauf (
s. das vor.),
das nur zufällig erst nhd. bezeugt sein musz, und ein f. mit weiterbildendem -n
das bei uns nur ahd. einmal zufällig auftaucht im dat. pl., von kriegern die am fluszrande niederkauernd trinken flexo poplite, kifaldanem fingarum edo (
oder) coufanom,
s. Graff 4, 177;
das f. ist wahrscheinlich, und zwar in der form goufana,
nach der nebenform guosena (
s. 3,
d)
und nach seiner geltung im norden, wo diese n-
form sich bis heute behauptet: altn. gaupn
f., wie noch norw., isl.; schwed. dagegen als masc. göpen,
mundartlich aber göppen, gäpn
f., wie altschw. göpn
f., s. Rietz 229
a;
dän. dial. giöben, giövn.
auch in England diese n-
form, ags. leider nicht überliefert, aber altengl. goupyne
nach goupynes
plur. als gl. von altfranz. galeins Wright
vocc. 147
anm. 8,
noch mundartl., nordengl. gaupen,
two handfulls Halliw. 394
b, goppen-full
a large handfull 410
b,
schott. goupin, gowpen Jamieson 1, 497
b.
übrigens gibt Aasen
aus Norwegen auch ein m. gaupe
und ein f. gaupa,
wie Rietz
aus Schweden ein fem. göpa,
dän. dial. giöve,
wonach die formentheilung altgermanisch sein kann. I@22) gaufe
f., mhd. goufe
pugillus sum. 14, 1,
schwachformig, ahd. nicht bezeugt, vgl. nord. gaupa
vorhin. später I@2@aa) gauf
und gaufen,
jenes z. b. im voc. 1482 'gawff oder gawchsz oder denr,
vola' k iij
a. e 7
a,
dieses im voc. inc. teut. 'gauffen,
vola, concavitas manus' h iij
a;
freilich kann in jenem auch das m. gauf
enthalten sein, in diesem aber das ahd. goufana,
woraus ohnehin mhd. goufen
werden, auch flectiertes goufenen
sich zu goufen
kürzen muszte (
wie z. b. versen
ferse, ahd. versana,
auch im dat. pl. versen),
und J. Grimm
setzte gramm. 1
3, 193
mit recht mhd. goufen
an. noch z. b. bair. gaufen
f., österr. 'die gaufe,
in gemeinen reden gauffen'
eine handvoll Höfer 1, 277,
kärnt. gôfe
f. Lexer 117,
gekürzt, cimbr., lusern. goffela
f. (
vgl. 3,
b, γ). I@2@bb)
übrigens bestand auch ein starkes fem. gaufe,
wenn Dasypodius
angibt: vola die gauff,
und mit der gauff erwüschen,
involare. 263
c. I@2@cc)
mit â
für au
gâfe, wie gâch
für gauch
u. ä.: gaff
vola Dief.
nov. gl. 385
a,
tirol. 15.
jh.; gib ime denselben morgen drei gaffen reinen habern. Seuter
rossarznei Augsb. 1599
s. 8; nimb ein masz leinöl, würf ein gaffen oder handvoll rockenkoren darein. 350,
er wechselt mit au: gib ime ein gauffen oder zwo mit geseubertem fuotter. 8.
aus Tirol gibt Schöpf 166 gâf
f., mit der genaueren bestimmung 'gaff, gâfn, gaufn',
wonach doch auch kurzer vocal vorliegen müszte (
s. 3,
b, γ);
in Gottschee gâwe (
d. i. gaufe) Schröer 90.
übrigens erscheint das a
über seinen sonstigen mundartlichen kreis hinaus, s. u. II, 1. 2 gaffen
bei Wirsung, gaf
bei Mathesius,
es mochte beiden ein gelerntes, nicht ein natürliches wort sein. I@33)
dazu aber nebenformen, die sich zum theil weit entfernen, ohne dasz doch der zusammenhang zerreiszt. I@3@aa)
am bedeutsamsten mit kehllaut für den lippenlaut schottisch gouken
gleich goupen Jamieson 1, 497
a,
in schwed. mundarten gauken
m., gökken, gökn
f. Rietz 229
a (
nebst gaukna
für gaupna 229
b,
s. das zeitwort gaufen)
und auch bei uns eine spur in gauchse (
s. d.),
obwol nur einmal im 15.
jh. bezeugt, doch sicher von hohem alter, auch mit der bildung -se (
s. b);
es ist wie oberd. kuche (
s. d.)
für kufe,
schlittenkufe, zwei weitere belege für den auslautwandel der V, 5
fg. nachgewiesen wurde. I@3@bb)
diesz bildende -se (
auch -sche),
das gewöhnlich ein weib bezeichnet im unterschied vom manne (
s. Weigands
wb. 2, 568),
ist auch sonst entwickelt und alt. I@3@b@aα)
zwar das mhd. göufse
fundgr. 1, 374
a ist nur geraten (
hs. geuse),
aber wol glaubhaft. mnd. erscheint es, noch mit dem -n
der mutterform, in '
draga, i. e. implecio manus, en goepsen' Dief. 191
b,
d. i. handfüllung, handvoll (
vergl. unter d dracca).
nnd. mit verlust des -n
göpse, mit dem vocal als lang bezeichnet, eine doppelte hohle hand voll Brem. wb. 2, 528,
pomm. gOeps
f., goepps Dähnert 157
a. I@3@b@bβ)
der mnd. form entsprechend altengl. ʒêpsen,
wie Stratmann 260
fragend, aber gewiss richtig ansetzt auf grund einer gl. aus dem 13.
jh. zu franz. versen: deus meyns ensemble, vodes ou pleyns, sount apelés les galeyns,
das letzte mit the thepsene
glossiert, übrigens mit var. thespone,
wie weiterhin das. galeynes
mit thespen
glossiert, s. Wright
vocc. 147;
s. dazu das yaspen
unter c, β. I@3@b@gγ)
neben jenem goepsen
im 15.
jahrh. auch mnd. '
racca, en
gaupesche' Dief. 482
b,
aber in der form, vielleicht auch in der bed. nicht rein (
s. III, 2),
der voc. hat stark rhein. färbung; aber das -sche
musz echt sein, wie in niederd. göppelsche, göpsche
unter δ,
und aus dem 15.
jh. geifersche(r)
unter c, γ a. e.; in reiner gestalt noch in ostfries. geppsk (
s. II, 4),
d. i. gepske,
es erscheint wieder in gausche, geischel
u. s. w. (
s. e)
und mag auch in geischpel
u. dgl. unter c, γ zum theil echt sein. I@3@b@dδ)
dagegen mit kurzem vocal niederd. in der Altmark göpsch Danneil 68
a,
götting. göpsche
f. Schamb. 66
b,
westf. in der Mark göppelsche
f. Woeste
volksüb. 98;
auch mit anderm vocal oldenb. gepse
neben göpse,
ostfries. geppse, gepps Stürenburg 68
b,
in Fallersleben gepsche
f. Fromm. 5, 145,
ostpreusz. geps, gepsel Hennig 83,
livl. geps
m. (göps) Hupel 75;
und selbst mit a
ostfries. gappse, gapps (
f. und m.?) Stürenb. 68
b, gaps Fromm. 4, 479,
auch schles. gabsche
f. Weinh. 25
a,
bei Frisch 1, 327
a gebsel (
ohne angabe der mundart, zu geben
gezogen, daher wol gêbsel)
und nl. gepse, gapse, gaps,
sodasz an echtheit auch der vocalkürze und einer a-
form nicht zu zweifeln ist, vgl. unter c, auch oberd. gaff
unter 2,
c, goffela
unter 2,
a. I@3@cc)
dieselben formen aber auch mit -sp
für -ps,
mit dem umsprung des s
wie in trefse
und trespe, wefse
und wespe (
vgl. krispel adj. 3,
c),
s. besonders auch unter kurz I,
c, vgl. garz adj. 3.
auch zu a gehörig erscheint diese form in gausche
gleich gauchse,
s. unter e. I@3@c@aα)
im 14.
jahrh. gouspen (
dat.)
Wig. 141, 30
in B für das goufen
der andern hss., von einem nd. schreiber, der aber sonst die hd. formen möglichst schonte, sodasz man die form auch als oberd., wenigstens als md. ansehen darf; genauer vielleicht göuspe
oder göuspen (
dem mnd. gœpsen
unter b, α entsprechend),
denn noch jetzt heiszt in Thüringen die doppelte hohle hand eine geispen (
Greuszen, vgl. geisten unter e),
gewöhnlich gêschpe
f., mit ê
für œ,
im Osterlande auch geischpe (Bech),
in Berlin geispe,
bei Frisch 1, 346
b geuspe (
vgl. aus dem öcon. lex. unter II, 3),
jenes göuspe
bestätigend. I@3@c@bβ)
und wieder auch mit der vocalkürze von b, γ gespe Frisch 1, 346
b,
schon im 16.
jh. ostmd., s. gäspe sp. 1434,
den nd. md. gepse, geps
entsprechend; ebenso neben dem schles. gabsche
obersächs. gaschpel
f., wie bei Halle geschpe,
und für hohes alter auch hier bürgend altengl. ʒespe
vola Stratm.
2 238
a,
in Essex noch yaspen,
as much as can be taken up in both hands joined together, s. Halliw. 944
a,
noch mit dem alten -n
unter 1,
s. dazu das altengl. 'thespen, thespone'
unter b, β,
dessen th-
auf jeden fall den wert eines ʒ-
hat, ob nun verlesen (
wie in Percys
relics z. b. umgekehrt ye
für the)
oder für ʒ-
eingetreten, wie ähnlich f-
für th-
eintritt, vgl. thinder
für yonder Halliwell 864
a.
auch nl. gasp Kil.,
bei uns aber auch gispe, gispel
f. Stieler 658. I@3@c@gγ)
jetzt besonders in alter verkleinerung, d. h. mit bewahrung des urspr. geschlechtes, wie gaufel (
s. d.): geuspel Hohberg (
s. II, 5), geispel
f. Frisch 1, 336
b,
nördlich von Leipzig gêspel (
mit reinem s),
henneb. geischpel, geschpel
f., beide an einander gehaltene hände voll Reinw. 1, 45,
schmalk. gaischpel
f. Vilmar 113,
thür. gischpel Keller 23, Regel 195,
vgl.gaschpel
unter β,
ostpreusz. gepsel
unter b, γ.
auch nd. mit dem -el
in westf. göppelsche
ebend., mit dem alten -sche
in gaupesche
u. b, α,
im Siegerlande geifelsche
f. eine doppelte hand voll Schütz 1, 26
b,
aber auch gäubertsche 2, 13
b,
in Nassau gewersch, gowersch
f. Kehrein 151,
westerw. 'ganversch (n
kaum hörbar)
f.' Schmidt 64,
wetterauisch gâñfertsche,
was nach Weigand
hd. gaufertse
oder geifertse
wäre, vgl. schon im 15.
jh. in einem voc. aus jenen gegenden '
dracca, ein geiferscher vulle' (
s. II, 5) Dief. 191
b,
mit einem überflüssig nachklingendem r. I@3@dd)
aber das -s
tritt auch wie stammhaft auf in fränk. gause (
s. d.) Schm. 2, 74,
das dann wieder auch fast die ganze formenfülle von gaufe
durchläuft in geuse
fundgr. 1, 374
a, gayse Henisch 1333, göse
weisth. 4, 232,
dann gösel
f. (
nrh., bei Cöln), geusel, geisel (
vgl. II, 6), gassel,
auch gusel Dief. 628
a,
und schon ahd. bezeugt in einer gl. guosena
pugillus Graff 4, 267,
in der bildung gleich dem goufana;
es wird aber gousena
zu lesen sein, daher auch rhein. um 1100 gôsne
dracca Nyer. symb. 262 (
wie snôre
nurus 266),
s. Dief.
nov. gl. 141
b, dracca,
auch draga
unter a, α ist griech. δράξ,
handvoll; noch hübsch erhalten in siebenb. gûsem
f. hohle gekrümmte hand, en gûsem vel
eine hand voll Haltrich
plan 13
b (û
ist dort oft gleich mhd. ou),
nordfriesisch gâsem, gassem,
ein gaufel oder beide hände voll Outzen 91. I@3@ee)
endlich, wie vermittelnd zwischen diesem gause
und dem nord. gauken
unter a gausche in 'gausch
vola'
voc. inc. t., geischel
mitt. hausb. 22, 24. 28, gäuschel Schmid
schwäb. wb. 221 (
als nrh.),
luxemb. gâschel Gangler 165,
nordfränkisch gäsche (
bei Coburg).
zugleich erscheint diesz gausche
als gegenstück zu gouspe,
wie gauchse
zu göufse, gOepse,
mit umgesprungnem s,
erinnert aber ebensogut an gaupesche.
übrigens auch gaustel,
elsäss. nach Schmidt
west. id. 64,
wie osterl. auch gêschte
neben gêschpe,
in Berlin geiste
neben geispe,
nordthüringisch, in Nordhausen geisten
hohle hand Schultze 35
a (
s. geispen
u. c, α),
und merkwürdig auch hochd. mit p
bei M. Krämer 502
a gaup, flache hand, kärnt. gepale
n. eine handvoll Lexer 113 —
eine verwirrende formenfülle, die zudem auf keinen fall hier erschöpft ist, in den grundzügen aber in hohes alter zurückgeht, wie die sache selbst in ihrer höchsten einfachheit für höchstes alter des wortes bürgt. zu bemerken ist dabei, dasz bis 3,
a alle drei hauptgruppen, das deutsche, englische und nordische zusammengehn, von 3,
b an nur noch das deutsche und englische, mit 3,
d endlich das deutsche allein steht, was rückblicke eröffnet auf die stufenweise ausbildung. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
im allgemeinen die höhlung des fuszes sowol als der hand, s. unter gauf m. aus Frisius, Maaler, Henisch;
ebenso vom f.: vola, die gauff, das mittel in der hand oder das hol unden am fuosz. Dasypodius 263
c (
vola die gauff und höle des fuosz 289
c),
also auch abgesehen von willkürlicher krümmung, wie deutlich auch im folg.: weiter so wirt die hand in zwei stuck abgetheilt, in die flachen oder gaffen (
s. I, 2,
c) und finger. Wirsungs
arzneib. Neustadt a. d. H. 1597
s. 561; so oft sie (
die Araber) mit andern leuten pündtnus machten, stunde einer zwischen hinein in die mitte und trafe mit eim spitzigen stein die gaufen (
volam) nahet bei den gröszern fingern der leuten welche die pündtnisse aufrichteten. Tatius
übers. des Polyd. Verg. 54
b.
und dasz die erstreckung auf den fusz nicht etwa durch das lat. wort nur herbeigeführt ist, verbürgt einmal fuoszgauf
vola Dief. 628
a,
vestigium, vola pedis, die gauf
Apherd. 1581
s. 30,
besonders aber altn. ilja gaupnir,
volae pedum, plantarum Egilsson 226
a. 435
b (il
f., planta pedis). II@22)
besonders aber die hohl gekrümmte hand, d. h. eine für sich, mit der man z. b. wasser schöpft zum trinken: caph (
hebr.) hat den namen vom krump sein, daher man ein krumpe hand gaf nennet, damit Gideonis kriegsleut wasser schepften. Mathesius
Sar. 192
b;
sächs. aus der geschpe trinken; mit ir goufen truoc si dar des waʒʒers unde gôʒ im in (
zur wiederbelebung).
Wigalois 141, 30.
besonders auch körner, mehl werden so genommen und gegeben, schott. z. b. a gowpen o' aits Jamieson 1, 497
b,
mhd. ein goufen weiʒes,
wie lat. pugillus lentis, farris;
von einem geizigen z. b. heiszt es: der (
wenn einer) im zesamen schütte weiʒes tûsent mütte (
scheffel) an einen grôʒen houfen, und trüeg man im éin goufen des selben weiʒes hin dan, er wænte sîn gar zergân (
verloren).
Helbling 2, 582.
wer etwas auf die hand bekommen soll oder haben will, macht eine gaufen,
z. b. der bettler: wurd also Ruffino das haupt abgeschlagen mit sampt der rechten hand .. und die hand, so die finger krümmet, ein gaufen machet, muszt in der statt Constantinopel von haus zu haus .. bettlen .. gleich sam er noch lebte. Aventinus
chr. 273
b.
von beiden händen, die man gekrümmt zusammenhält, galt der plur., so ahd. unter I, 1 coufanom,
auch das mhd. goufen
im Wig. vorhin kann plur. sein. ebenso noch schottisch goupin
die gekrümmte hand zum empfangen, die doppelte aber goupins
pl., both hands held together in form of a round vessel Jam. 1, 497
b;
auch norw. gaupn,
z. b. taka upp i gaupni
in die hohle hand nehmen, altn. aber im plur. gaupnir
von der doppelten hand (
auch wenn man damit z. b. im schmerz die augen bedeckt),
s. Fritzner 194
b,
altschwed. z. b. twa fulla göpnar,
s. Rietz 229
a.
nhd. doppelte gaufe,
z. b.: nimm zu einer lagel oder einem eimer (
bier zu brauen) zwo oder drei doppelte gaufen waitzes. Hohberg 2, 88
b. II@33)
aber auch für die doppelte hohle hand der sing. (
zugleich für das darin gefaszte),
vielleicht erst nhd.: gespe, geuspe, gaufe
heiszt eine doppelte hohle hand voll, z. b. eine geuspe haber, sand, eine gespe mehl.
öcon. lex. 817.
so bair. gaufen '
die höhlung der hand, noch öfter die höhlung der zusammengefügten beiden hände' Schm. 2, 17.
auch norwegisch gaupn
sing. gilt in manchen gegenden nur von der doppelten gaufe Aasen 211
b,
in Dalekarlien gäpn
ebenso Rietz 229
a,
nordengl. s. I, 1. II@44)
als eine art ungefähres masz (
lat. mensura pugilli);
von einer handvoll s. unter 2,
von einer doppelten z. b. schweizerisch gauf
m. so viel als beide hohle hände in sich fassen mögen Stalder 1, 429;
ostfries. selbst in unterscheidender form geppsk
das masz getreide u. s. w. (gepps
die zusammen gehaltenen hände) Stürenb. 68
b,
gleich nd. gepsche,
s. I, 3,
b, γ.
nd. göpse
eine doppelte hohle hand voll Brem. wb. 2, 528,
z. b. ene göpse vull geld.
Recht alterthümlich sieht es aus, wenn das noch zur bezeichnung von verschwenderischer fülle gebraucht wird, z. b. in Schmalkalden für menge überhaupt, besonders von gelde, er hat das geld gaischpelweis Vilmar 113 (
vgl. gaufelweis),
im Osterlande gêschpenweise warf er das geld weg Bech;
vergl. bei Jamieson
von goud in goupens,
gold in gaufen, altn. gaupnir silfrs Vigfusson 193
a,
es ist dem schilte ähnlich mit dem man in alter zeit geld 'âne wâge'
masz, schenkte u. ä. auch nordenglisch gaupen,
two handfulls, ist zugleich an immoderate quantity Halliwell 394
b. II@55)
die gewöhnlichste verbindung ist gaufen voll,
nd. göpse vull
u. ähnl., die dann auch im sprechen zu einem worte zusammengewachsen ist, und zwar so dasz das geschlecht von gaufe
bleibt und voll
unter tonverlust angehängt wird. so in Gottschee eine gaufenfolle (
gesprochen gâwenwolle) Schröer 90,
ostfries. ene gepsvull Fromm. 4, 479,
nordengl. a goppen-full
s. I, 1,
schott. a gowpinful,
plur. four gowpinfulls of corn Jam.
suppl. 1, 503
a.
im folgenden ist das entsprechende hd. gáufenvòll
gemeint: drei gaufen voll rockenmehl. Hohberg 2, 149
b; etliche gaufen voll gestoszenen waitzen. 2, 89
b; gebt dem pferd eine geuspel voll geschrotener gersten. 3, 2, 156
b; ein gösen fol korns.
weisth. 4, 232; dasz der bauermann ganze gaufen voll des besten getraids in die erd werfe. Abr. a S. Clara
reime dich 161,
d. h. der gen. hängt nicht von voll
ab, sondern von gaufen(voll).
es ist wie mit handvoll
als f., armvoll
und mundvoll
als m. auch mit hand
verbunden: das bad hat ganze 'gaufen und händ voll' sand, griesz und stain vom kranken getrieben. Schmeller 2, 17, hände voll
als pl. zu hand voll,
aber als ein wort behandelt. II@66)
bedeutsam heiszt gaufe
im Unterinnthal auch jedes der hohlen hand ähnliche gefäsz, demin. gaufal
n. Schöpf 166,
bair. gaufal
n. hohles werkzeug, um getreide, mehl u. dergl. zu schöpfen Schm. 2, 18,
d. h. das maszgefäsz nur als künstliche fortsetzung der hand als maszes, was zugleich in vorgeschichtliche zeit blicken läszt in bezug auf das werden solcher dinge. so erklärt sich auch bei Schm. 2, 75 geisel
als ein Bamberger masz, dem fränk. gause, geise
unter I, 3,
d entsprechend. II@77)
erweitert übrigens auch von anderm erfassen mit beiden händen, z. b. in Sachsen eine geschpe heu, stroh, ähren,
manipulus, handvoll mit umklammernden händen. IIIIII.
Weiteres zur vorgeschichte des wortes. III@11)
das niederd. goepps I, 3,
a, α gibt Dähnert
auch als '
eine spange, mit der frauensleute die weite des hemdes über der brust zusammenfassen' (
auf dem dorfe noch viel gebräuchlich bei der arbeit);
eins damit ist nl. gaspe,
nrh. gaspe
und gaspen
spange sp. 1434,
beide aber mit unserm worte, in letzter form auch mit dem alten -n;
nl. auch gespe
fibula, confibula Kil.,
wie auch nrh. Dief. 547
b (
auch als schnalle).
die spange musz urspr. als umspannende oder gekrümmte hand gedacht sein. III@22)
aber weiter zurück auf den mund weist folgendes. das nl. gespe
bezeichnet auch eine mundverzerrung in der redensart ghespen setten,
subsannare, faire la moue à quelcun Kilian, eene gespe setten Binnaert;
fläm. eene gespe trekken,
den mund, das gesicht verziehen Schuermans 151
a;
die verhöhnung besteht wesentlich in einem öffnen des mundes, womit man den andern zum dummen gaffer, zum narren macht, s. u. gähnaffe (
mit der übertragung, wie beim zeigen der eselsohren, s. u. gäuchstecher);
s. auch u. gaspen
mit offnem munde schnappen, schwed. gäspa,
altengl. gaspe
prompt. parv. 188
a.
Ich weisz nicht ob etwa auch das '
racca en gaupesche'
unter I, 3,
b, γ zugleich hierher gehört, da das lat. wort auch mit nl. gaspe
glossiert wird Dief. 482
b,
der zugleich '
racea, in quo vertitur mandibula'
beibringt, welches letztere auf das mundöffnen weist; aber racca
berührt sich zugleich mit dem dracca (
δράξ) I, 3,
d. III@33)
auch bei den formen mit -f
oder -p
liegt der offne mund im hintergrunde, z. b. in geifen
gleich gaffen Pauli
sch. u. ernst 123
Öst., bair. gaifen (
s. sp. 1138
m.),
schweiz. gifele
hiare Fromm. 3, 83
b, gyffen
dehiscere Maaler 202
b,
besonders in engl. gaup,
schott. goup
mit nebenform gauk
und gouk,
wie hier I, 3,
a, s. sp. 1137.
danach war vielleicht gauf, gaufe
ursprünglich der geöffnete mund, mit dem ja noch kinder und thiere zugreifen und ihr begehren ausdrücken, erst später übertragen auf die greifende oder auch die begehrende hand, die eine höhlung macht dem munde ähnlich (
dann weiter auf die hohle hand überhaupt, von da auf den hohlen fusz).
dazu stimmt, auch mit dem ablaute, ein ags. starkes geópan
mit dem munde fassen, in sich nehmen Grein 1, 504,
das ganze wort aber tritt damit in den kreis von gaffen,
s. d.