lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

kolbe

mhd. bis sprichw. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
15 in 13 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
103
Verweise raus
53

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kolbe m. f.

Bd. 11, Sp. 1602
kolbe, kolben,m.kolbe,f. , keule u. a. II. Formen und verwandtschaft. I@aa) das m. ist hd. vorwiegend, ahd. cholbo, cholpo, mhd. kolbe m., und noch oberd. wie es scheint nur m.; doch verrät sich in 'clavae cholpo' (l. cholpô) Graff 4, 393 auch ein ahd. starkes fem. cholpa, vielleicht auch in cholbo thyrso, pilo das. I@bb) das fem. ist dagegen md. vorherschend, daher auch im nhd. vorgedrungen, wie denn Stieler, Rädlein, M. Kramer, Steinbach, Frisch nur f. ansetzen; gebraucht wird es von Lessing, Göthe, Voss, Hamann, früher von den Schlesiern, auch im Simpl., bei Luther, doch oft mit dem m. schwankend nach verschiedner anwendung. das md. fem. ist alt bezeugt: clava colva Germ. 9, 29, aber auch colvo fustis 25. auch mnd. kolve f. (und m.?), z. b. Namelos u. Val. 1328. 1958, auch als schwaches fem. 1954. 1431; nnd. kulf f. brem. wb. 2, 892, nl. kolf f., kolve. I@cc) auszerdeutsch nur im scand. norden, altnorw. kólfr m. pfeil, wurfspeer, keule zum werfen (vgl.knüttel 1, a a. e.) und kylfa f. keule, diesz auch kylfi n. Fritzner 378b, altschw. kolfver m. keule, pfeil Rietz 344b, noch schwed. kolf m. kolben, auch pfeil Rietz 344b (vgl. kölva f. 376a), abern. kolbe nach dem deutschen, wie poln. russ. kolba f., vielleicht auch litt. kulbẽ f. schlägel. I@dd) wegen der verwandtschaft denkt man zunächst an keule, das im begriffe fast oder ganz gleich ist; denn wie keule bezeichnet kolbe einen knüttel mit dickem ende, und wie dort fällt auch hier das hauptgewicht des begriffs auf das dicke kugelige 'kolbige' ende, das eben selbst kolbe heiszt (wie keule), s. II, 6. so heiszt altn. kylfa am schiffe das ende des kiels das am vordertheil (knopfartig?) emporsteht, s. Egilsson 487b, isl. kólfr wurzelknollen, s. II, 6, c a. e. da nun hinter keule als urspr. form kul, kula zu liegen scheint (skr. gula kugel), so wäre kolbe, kylfa diesz kul durch angesetzten lippenlaut verstärkt; s. weiter II, 9, d, β. I@ee) nebenformen sind mit andrer lautstufe des lippenlauts kolpe, kolpel und kulpe (auch nd.), s. dort; mit dem vocal des letzteren kulb in einem tirol. voc. des 15. jh.: epistrilium est superior pars teli, kulb an dem pfeil Diefenb. nov. gl. 151b; und merkwürdig in Nassau kilbe, auch kölbe mohnkopf und mohn überhaupt, auch speltähre (das kolbige ende des halmes, s. 6, c) Kehrein 223, kilbe wol für külbe, das dann mit nord. kylfa zusammentrifft. das ungebrochene u auch in dem ahd. mannsnamen Chulpinc. ein bair. kolm, flect. kolmen kann nur aus kolbn geworden sein, wie alm aus albn: dann mich die bauren halb zu todt geschlagen, wie man dann die wahrzaichen von den kolmen und stecken noch heutiges tags in meinem kopf sihet. Bacchusia 356; vgl. bair. 15. jh. cholbm Fromm. 4, 291a und pl. kölben sp. 1603 (δ), von kolben als neuem starken nom. (wie gärten). IIII. Gebrauch und bedeutung. II@11) die gewöhnliche bed. ist clava, fustis, contus, mit denen schon das ahd. wort glossiert ist, wie in den vocab. des 15. jh. kolb, kolbe, kolben, nd. kolve Dief. 126a. 148b. 254b. II@1@aa) als waffe. II@1@a@aα) hauptsächlich als einfachste waffe, wie keule, knüttel: als auf, was kolben und stecken trag, das man beiden eilend nach jag. H. Sachs 3, 2, 46a; in der marterwochen jagt man ... den Judas finster (im finstern) in der rumpelmetten mit hämmern, steinen, schlegeln, klüpfeln, kolben, stecken. Fischart bien. 150a (1588 164a); darauf hat Herodes disen Tyron mit kolben lassen zu tod schlahen. Reiszner Jerus. 2, 91b. dasz mans noch im 18. jh. mit keule überein fühlte, zeigt folg.: den kolben Herculis in händen haben. Simpl. (1713) 3, 63. Ein nachklang aus höchstem alterthum ist folg.; Pauli erzählt von einem vater, der sterbend seinen untreuen kindern von einem verborgenen schatze in einem troge sagt, sie finden aber darin sant und stein und ein kolben, daran stuond geschriben also in engelischer sprach: kunt und [] wissen (für wissend) sei aller welt, das man den mit kolben schlagen sol, der seinen kinden (das erbe) gibt, das ér darnach manglen musz. schimpf u. ernst s. 260 Öst., s. die nachweisungen das. 523 und unter keule sp. 648 mitte. Man hatte den kolben als hausrat hinter der thür stehn oder hängen (vgl. unter keule 2, a), wie jetzt einen spazierstock (der ja selbst der leibhaftige enkel jener ältesten waffe ist): der wirt lief sâ zehant (als der buhler gemeldet wird) hinter die tür an eine want, ein kolben het er gevangen (erfaszt) u. s. w. lieders. 1, 314. II@1@a@bβ) als förmliche waffe, die der gemeine mann auch bei sich führte (bei bauern Parz. 570, 5. Neidh. xxi, 16 H.): wer es sach dasz zween hinaus gingen (vors dorf) und zweiten oder zankten sich an der steinbrücken, reiszen (zücken) sie kolbe oder schwerdt ... weisth. 1, 463 v. j. 1562, deutlich als fem., von der Bergstrasze; 13 alb. wird gestraft Heinz Dick zu Erxdorf, dasz er gedachten Jochemen mit einem kolben geschlagen haben solte. Vilmar kurhess. id. 216 aus dem buszregister eines oberhess. dorfes von 1607; Gerhart Kretter sei des vogts knecht C. Ainrosser, der den theter (übelthäter) gefurt, nachgelaufen mit aim kolben (um den verhafteten zu befreien). das. v. 1533. Daher im gerichtlichen zweikampfe, von bürgern geführt: (der kämpfer vor gericht) soll haben in seiner hand einen schild ohn eisen .. und in der andern hand soll er haben ein hülzen kolben, gedörret oder gebrennet (gehärtet). Nürnberg. kampfgerichtsordnung oder kolbenrecht bei Schottel 1235, nach § 50 s. 1240 darf er drei kolben von holz mitbringen. II@1@a@gγ) er findet sich wol auch als ritterliche waffe, wie deutlich knütel sp. 1531 mitte. wenigstens wird noch im 16. jh. der kampf mit kolben als ein kunstgerecht betriebener genannt neben dem mit speer und schwert, und zwar als ritterliche kunst, denn Lienhart Sollinger, ein bestellter kempfer, fechtmeister, schwur in seinem amtseide: gelob ich die kunst zu halten zu eren und underweisung fürsten und herren, ritter und knecht (acc.) nach auserweisung des kampfes (kunstkampfes), den zu lernen (lehren) mit sper, schwert, kolben, degen. Serapeum 5, 57 (in J. Sutors fechtbuch Frankf. 1612 ist von kolben nicht mehr die rede). bei Wieland in ritterlichem gebrauche: was hängt ihr so die kolbe nieder? 21, 37 (1856 19, 187, Gandalin 2); er schwingt den kolben um sein haupt. 17, 73. II@1@a@dδ) es gab auch künstliche kolben neben dem einfachen hölzen kolb cala Dasyp. 365d. dieser selbst war schon auch künstlicher geformt: trinodis clava, kolb der drei knöpf oder knorren hat, im gegensatz zur irrasa clava, groszer raucher kolb der noch nit butzet ist. Maaler 247c. aber auch nagelkolb (s.keule 1, a) mit nägeln, eisenspitzen am knopf (vgl. Kraft unter faustkolbe): kein prügl, kein stecken will gegen ihn klecken, noch unsere kölben spitzig (zur form I a. e.). bauernlied aus dem östr. bauernkrieg 1626, hist.-pol. bl. 33, 964. eiserin kolb, contus. voc. inc. teut. e 6b, cestus isner kolb Brack bei Dief. 116b, mhd. îserîn, stähelîn kolbe wb. 1, 857b; hatte einen stählin kolben. buch d. liebe 273d; zucket den stählen kolben von dem satelbogen. 274b; ich hatte eine stählerne streitkolbe anhangen (am sattel). Simpl. 2, 102, 28 Kz.; s. auch kämpfkolbe cestus, mhd. kampfkolbe Berthold 325, 22, blîkolbe, cestus, schon ahd. plîcholpo, plîîn cholpo, mnd. blîecûle Dief. 116b, wol mit blei ausgegossen (s. unter keule 1, a). zum schimpfspiel dienten lederkolben: pychmachia, ein kampf (d. i. zweikampf) mit liddern kolben. Alberus k 3a. was ist lodderkolbe, sirtes. Dief. 538b ? vgl. mnd. loerkolve, librilla, instrumentum projiciendi lapides. 327b, schleuderwerkzeug, wie klobe 1, b a. e. II@1@a@eε) ein häufiges sprichwort sagt von narren, wie engl. fools must be loused with clubs: man sol narren mit kolben lûsen. gesamtab. 2, 282, 196; man sol den narren mit kolben lausen. fastnachtsp. 119, 35, mit dem knüppel tractieren, vernünftig machen (vergl. dazu den narrenkolben unter 2), das lausen stammt als witzwort aus der baderei, wie kämmen, scheren u. a. in gleichem sinne (s. sp. 108 mitte); narren muosz man mit kolben lausen (Luther 4, 433a. H. Sachs 3, 3, 22b), kolben seind dem narren und nuszbaum die besten salben. Frank spr. 2, 11b, das salben des kopfes war eben auch sache des baders. auch mit dat. der person: des soll man im (nämlich den kopf) mit kolben lusen. Brant 90, 12; narren werden nimmer wizig, bis man ihnen mit dem kolben lauset, nunquam sapiunt stulti nisi in angustiis. Denzler 2, 174a [] (er hat auch mit zweien kolben lausen, binis tondere forficibus 1, 285a, mit doppelter plage heimsuchen). selbst gottes war die redensart nicht unwürdig: darumb musz gott widerumb die narren zuweilen mit kolben lausen. Luther 5, 463a; denkt dasz euch gott kan selber strafen und euch mit solcher kolbe lausen. Simpl. 1, 58. auch anders gewendet, z. b.: also lert man die affen gigen, und dnarren mit dem kolben schwigen. trag. Joh. K iij. s. übrigens dazu die andere wendung unter 9, a. II@1@a@zζ) folg. ist wie mit keulen drein schlagen, mit dem gröbsten mittel dem gegner kommen: lieber, sie machens zuo grob ... und so wir nit hinwider bissen, so schrieen sie fro 'hie gewunnen!' darumb ist not dasz man in den kolben auf den schild leg. H. Sachs dialoge 73, 25, es ist dabei aber deutlich an den zweikampf unter β, an das kolbenrecht gedacht. II@1@bb) hirtenkolb Dief. n. gl. 13a, hirtenkeule, 'dicker stecken mit einem kolben oder rundlich gebognen knollen am ende, sich damit gegen den wolf zu wehren' Adelung, als treibstecken der ochsenhändler Frisch 1, 532a: kolben, dar uber sich der huter lainet, podium, podrum. voc. inc. t. n iiija; agolus, kolbe (hirtenstecken, hutkeule). Dief. 18c; agolium, hertercholbm Fromm. 4, 291a. II@1@cc) vischerkolbe, auch fischekolbe, contus. Dief. 148b, das. vischekule, fischerstorl, störstange, 'strudel quo piscator perscrutat aquam'. II@1@dd) im spiele, vgl. keule 2, d (ballkeule beim ballspiel noch in Halle), nl. kolf, spielkolbe, einen kolbball zu schlagen, auf der klotzbahn oder auf dem eise M. Kramer 1719 1, 155a, eine kugelkolbe oder kaatzkolbe, womit man in der klotzbahn die kugeln schlägt Ludwig 1047, der kolben hat am dicken ende ein knie, s. brem. wb. 2, 892 unter kulf; es ist kein gut spiel das mit krummen kolben schlägt. Simrock sprichw. 9737; er liesz sich plagen wie ein ball, der nach beliebung der kolbe hin und wieder getrieben wird. Olearius pers. baumg. 4, 19; die wolredenheit bestehet .. nicht in der freiheit zu plaudern von kühen und kälbern, ballen, kolben. 7, 1, als etwas alltägliches, allgemeines. wie geläufig der gedanke daran allen war, zeigt folg.: umblaufen als ain garnwind da zuo dem tanz, da zuo den höfen (in gesellschaften), da man den kolben gibt. Keisersberg g. spinn. (granatapfel) P 1b, d. h. kolbball spielt, es war deutlich ohne erwähnung des balls. bei Frisch 1, 532a als kinderspiel bleikolb, clava plumbata, den ballen in ein loch zu treiben, aus Apherdian 119. II@1@ee) als werkzeug im hause zum schlagen, stoszen, reiben: reibkolb, tritorium, ribkule. voc. th. 1482 aa 7a, mörserkeule, s. keule 2, e; eine beuchkolbe, a buking-beetle. Ludwig 1047, s.bäuchen am ende. II@1@ff) brunnenschwengel, brunnenkolben, z. b. in Sachsen hie und da, wie keule 2, h (auch bair. 15. jh. in prunkuele Frommann 4, 296b). ähnlich heiszt isl. der glockenschwengel kólfr, und so auch hd.: der schlegel ... schwingel oder kolben. Garzoni schaupl. 1659 660a unter den theilen der glocke. II@1@gg) eigen kolbe, damit man einem heimleuchtet, laterna obelisco praefixa. Kirsch 2, 195b, stocklaterne, noch schwäb. kolb m. grosze runde laterne, an einem stabe oder ringe getragen Schmid 322. II@1@hh) endlich die frage ob auch kolben vorkommen ohne das kolbige ende, das ihnen den namen gab (s. 6). man möchte es vermuten bei dem fischerkolben unter c, der auch stange kurzweg heiszt; so erklärt Dasypodius 232d stipes allgemein mit ein pfal, kolb, stecke. anderseits zeigt sich eine berührung mit klobe, s. sp. 1218 6, c, hirdencloveken hirtenkolbe Dief. n. gl. 285a, und hier unter a, δ am ende, auch unter kolbdarm. II@22) besondere hervorhebung verdient der narrenkolbe, der stete begleiter des narren, urspr. seine waffe, dann sein wesentlichstes abzeichen nebst der kappe, franz. marotte. er gab wie die kappe zu mancherlei redensarten veranlassung. II@2@aa) mhd. wird er bei einer beschreibung des aufzugs eines närrischen zuerst genannt: heiʒ in (Tristan, verkleidet) komen in tôren wîs, ze handen tragen ein kolbenrîs u. s. w. Trist. 559, 20, offenbar noch ein einfacher knüttel vom baume, der tôre aber nicht ein thor oder narr in unserm sinne, sondern ein wirklich geisteskranker; ein kolbe was sîn geverte, den er kûme getruoc ..... vil kinde nâch dem tôren zôch. etslîch küener man der vlôch ... swenne er swancte mit dem slage (den kolben drohend schwenkte). 560, 12 ff. [] auch schon bildlich gebraucht: ich trage doch tôren kolben niht. Hartm. büchl. 2, 230; dem tôren, der sîn kolben treit, der im ist lieber denn ein rîch. Bon. 1, 25. II@2@bb) so später bildlich für narrheit, wie man sie da verstand, man hatte ja jährlich zur fasnacht die sache öffentlich vor augen als spiel: dar umb mit flisz sich iedes suoch, findt es sich nit in disem buoch, so mag es sprechen, das es si der kappen und des kolben fri. Brant narrenschiff vorr. 132, man bemerke kappe, kolbe schlechthin als genügend; ein wiser man ist nütz der gmein, ein narr sin kolben dreit allein. 42, 8, 'geht für sich seiner narrheit nach', es ist aber schon mehr oder zugleich wunderlichkeit, eigenheit, 'thorheit' wie wir sie jetzt verstehen; kein guot dem narren in der welt basz dan sin kolb und pfif gefelt. 54, 10; und rat (denkt drauf), das er nit si allein der narr, der trag den kolben hein. 105, 16; musz man derowegen einen jeden mit seinem kolben seines wegs gehen lassen. Simpl. teutscher Michel 724, denn jeder hat seinen kolben, hat sein zöpfchen hinten oder wie wir jetzt in uns näher liegenden bildern sagen; der Franzos aber sagt noch chacun a sa marotte, d. i. eben 'seinen narrenkolben'. Dasz kolbe im 16. 17. jh. ganz gleich diesem marotte galt, zeigt folg.: es gefellt uns sunst unser weis und kolb wol. Frank weltb. 135b, kolbe schon ganz unsinnlich wie der zusatz weise zeigt; da war es zeit, dʒ in gott iren kolben zeigt (die bauern zur vernunft brachte), die larven, schanddeckel und narrenkappen von den augen risz. chronica (1536) 272b, vom ausgang des bauernkriegs; einem ieden narren gefellt seine kolbe wol. Melander joc. 2, 2 (1625), wie à chaque fou plaît sa marotte; ein jeder narr sagt von seim kolben. Scheit grob. E 4b am rande, wie jeder schäfer lobt seine keule. Aber auch im 17. jh. noch ganz frisch im bilde: dummel dich narr, es musz gewaget sein, (auch noch) den kolben und kappen nach der witz zu verlieren ist ein schlechter verlust. Weckherlin 867; dieser narr ist an dem ziele, du verdienst die kolbe dir. Göthe 57, 252. II@33) ganz wie keule, schlegel auch vom hinterschenkel der thiere: den beichtvatter hungert .. er sprach zuo der köchin .. 'geben mir ein kolben von dem kranch' ... der beichtvatter mit dem messer an den braten und reisz den kolben usz. Pauli sch. u. ernst s. 48 Öst.; einen hammelkolben oder keul. Simpl. 1, 225, 5. wisb. wisenbr. 48. 49. nach Adelung noch oberd. kalbskolben, schöpskolben, s. auch kölblein 3. ob nicht auch von menschen? s. dazu keule 3, c. II@44) von kolbenähnlichen pflanzen (s. dazu 6, c). II@4@aa) z. b. lauchkolb tallus voc. 1482 s 4a, im voc. opt. 50b louchkolb asparagus, tallus (unterschieden von louchzeh bulbus), letzteres auch kängel Dief. 572b, also der stengel mit dem knollen. II@4@bb) besonders aber die sumpfkolbe, rohrkolbe, typha: ein weier, darinnen wachsen viel rohr und kolben. Pauli sch. u. ernst 83a, es können freilich auch nur die kolben im genauen sinne gemeint sein, wie bei Voss unter 6, c. es heiszt auch teichkolbe, wasserkolbe, weiherkolbe, lieschkolbe, narrenkolbe wie lat. sceptrum morionis Junius nom. 106a (nach Frisch gab man sie narren wirklich als ihren scepter, kolben), deutelkolbe, letzteres schon ahd., s. 2, 1038. was ist kolbe, bömischer ohrleffel, clava muricata Stieler 1061 ? II@55) destillierkolben, alembica, cucurbita, nach der ähnlichkeit der form; in diesem sinne jetzt wol blosz als m., obwol Steinbach, Frisch (scheidekolbe) auch dafür das f. ansetzen, bei Rädlein 162b aber der brennkolbe, ebenso bei Ludwig 1047, obwol er sonst nur fem. ansetzt: sahe ich auf einer seite ein uberaus groszen gläserin kolben oder brennhelm. Philander 1, 222 (1650) in der werkstatt eines schwarzkünstlers; die grosze gläserne kolbe. Rist die alleredelste thorheit Frankf. 1669 s. 246, eine distillirkolbe 245; denn oft brannt ihm, wann er genicket, das aquavit im kolben an. Götz 3, 196. II@66) aber auch das dicke ende selbst heiszt der kolben, und man musz das, obwol eig. nur nhd. bezeugt, als die älteste und ursprüngliche bed. ansehen (wie schon Adelung that), von der das ganze wort ausgieng, wie bei keule. s. weiter 9, d. [] II@6@aa) das dicke ende am streitkolben u. a. (Adelung, s. b); als mhd. zeugnis dafür kann wahrscheinlich Erec 5386 ff. gelten, wo an und von dem kolben seine stange unterschieden wird (vergl.kolbenstange), sodasz für das hauptstück daran kolbe als name bleibt, wie diesz auch kiule (am kolben) hiesz, wonach ebenso die ganze keule benannt wurde, s. sp. 649 unten. II@6@bb) so noch am gewehr, flintenkolbe, gewehrkolbe (das gewehr hat ja noch keulenform, daher in volksmäszigem scherze schieszprügel, und wird auch noch als keule gebraucht): mit der kolbe des gewehrs. Lessing 8, 121, diesz fem. ist in Norddeutschland herschend, aber schon in Sachsen wechseln fem. und masc.; sonst schlag ich mit donnernder kolbe die thür ein. Voss das ständchen v. 107; vor der Preuszenkolbe laufen alle flink. Immermann ged. (1822) 167; (bei Hagelberg) haben die preuszischen landwehren mit der kolbe ganze bataillone niedergeschlagen. Beitzke freiheitskriege 2, 278. 283; dann mit dem kolben an das viereck und schlugen es .. wie mit der keule zu boden. Häusser deutsche geschichte 4, 262; nun nahm der soldat das gewehr verkehrt und schlug mit dem kolben in die Franzosen hinein. Droysen leben Yorks 2, 267. auch pistolenkolben m. Immermann Münchh. 3, 190 fg. II@6@cc) an pflanzen, wie an den sumpfkolben (s. 4, b): drinnen im kämmerlein hatte der greis zum lager des mittags weich ein polster gestopft mit fedrichten kolben des teichschilfs. Voss Philem. u. Baucis 83. am mais, maiskolben, auch am weizen die ähren (in Sachsen, der Lausitz, Nassau, s. I, e, nicht am roggen), vgl. kolbenweizen; kolben an kräutern, darinn der samen, muscarium Denzler, Aler, somenkolbe Dasyp. 365d (vgl. kölblein 2), wie am mohn, der daher mrh., schweiz. kurzweg kolben heiszt Stalder 2, 120; am hirse die blüten- und samenbüschel Frisch 1, 532b; kolb an den bäumen, die kätzger an den nuszbäumen u. a. Aler 1219b; distelkolben, distelkopf (2, 1195), krautkolben, krautkopf (in Sachsen), ganz mit kopf übereinkommend wie beim mohn vorhin. bei zwiebelgewächsen die zwiebel: kolb, bulbus. Aler, schon um 1400 bulbus louchkölpe (so mit umlaut?), s. Dief. n. gl. 61b. II@6@dd) der kolb oder knopf am männlichen glied, glans. Dasyp., Maaler 247c: (der mohel, bei der beschneidung) nimpt allererst darnach das ubrig heutlin .. und streifts hindersich uber den kolben oder kern, das sein schwenzlin vornen glatzend und emblöst bleib. S. Frank weltb. 155b (153a). II@6@ee) an den fühlhörnern der insecten das dicker zulaufende ende. Adelung. ähnlich an den haaren die wurzel. Frisch 1, 532a. II@6@ff) am brennenden dachte die schnuppe: so ist fleisch und blut faul und lasz und leszt das liecht einen butzen und kolbe (fem.) kriegen, davon es tunkel wird. Luther 4, 264b (281b), versäumt die pflicht der lehre. so schweiz. kolben Stald. 2, 120, s. kölblein 2. II@6@gg) der butzen an einem geschwür: caput in abscessu, ubi eruptionem minatur, eugle, kolben. Junius nom. 306b; ein kolben gwünnen wie ein eisz (3, 382), caput facere. Maaler 247c. II@6@hh) runder kolb oder kopf an einem groszen nagel, bulla. das., da tritt die rundung als begriff recht deutlich heraus. II@6@ii) krankhafter auswuchs, geschwür: de cambucca, vulgo kolb. ich sag vom kolben, dasz er kompt von der materi des schliers u. s. w. Paracelsus chir. schr. 442a; aus dem wachsen kröff, schlier, drüsen und kolben. 211b; alle fressende schäden, als grind, malcey, schlier, kolben, fistuln. Thurneisser von wass. 80; hab dran (an der nase) ein roten kolben vorn. H. Sachs 3, 3, 16; krebs, schlier, kolben und andern dergleichen kleinoten. Fischart groszm. 612 Sch.; s. kaule in gleicher bed., kölblein 5. II@6@kk) die jäger nennen am hirsch, rehbock kolben das frisch wachsende geweih, so lange es weich ist und keine enden ansetzt. Flemming t. jäger 108. Hohberg 2, 608a. 610b; kolben oder zotten des hirses. Schm. 4, 296. s. kolbenhirsch, kolben 4. II@77) in vielerlei technischer verwendung, nur als m. II@7@aa) im geschützwesen der gedrechselte dickere theil am setzer, am wischer und der ladeschaufel. Adelung. schon Garg. 201a (Sch. 372) ansetzkolben, wo aber der ganze ladestock, setzer so genannt ist. II@7@bb) in dampfmaschinen der kolben am ende der kolbenstange, der im treibcylinder auf und ab steigt; es musz dahin übertragen sein vom kolben in der alten wasserkunst, röhrkunst, der ähnlich an der kolbenstange befestigt in der kolbenröhre (dem stiefel) auf und ab geht und eigentlich den druck des wassers verrichtet, [] die höhe bis zu der er steigt, heiszt der kolbenhub oder kolbenzug, s. Krünitz 43, 280. II@7@cc) bei den büchsenmachern ein werkzeug mit cylinderförmigem starkem ende, womit der lauf des gewehrs innerlich gekolbet, d. i. geglättet wird. auch die buchbinder haben einen glättkolben, in kolbenform, die glaser, klempner einen lötkolben. II@7@dd) im hüttenbau das ende des tragstempels der in das bühnloch gelegt wird. in schmelzhütten ein stöszel zum stoszen des herdes. II@7@ee) auf eisenhämmern die eisenstücke woraus das stabeisen geschmiedet wird. vgl. kölbel. II@7@ff) bei uhrmachern die kegelförmige spitze am kolbenzirkel, in taschenuhren ein stück im gehwerk. II@7@gg) der kolben am bohrer, s. kolbenbohrer. II@7@hh) ein baderwerkzeug, wie es scheint beim scheren: über den kolben scheren (wie über den kamm), strictim attondere. Denzler 1, 814a. 2, 174a; vgl.übern löffel barbieren. oder ist narrenkolben gemeint? II@7@ii) kolbe (hier doch als f., nordd.) zum glühen des punsches, s. die aufsätze von Ernestine Voss s. 55. 79 und unter glühen. II@7@kk) schwäb. rundes dickes gefäsz, wie essigkolb. Schmid 322; vgl. böhm. kolba f. ampulla, hd. gutter, kolb. diction. von dreien spr. Prag 1700 3, 93a, mit engem hals und weitem bauch, also in kolbenform, s. dazu kolbenglas. II@7@ll) weidmännisch, beim vogelfang, ein pyramidenförmig zugeschnittener fichtenbusch, s. Döbel 2, 219b. II@88) ein kleiner keulenförmiger fisch (s.kaulhaupt) heiszt murkolbe, rotzkolbe. Frisch 1, 532b; schon im 15. jh. kolbe schlechthin, capito Dief. 97c, wie kule (keule oder kaule) schlechthin sp. 349 unten (e). rotzkolbe ist übrigens auch gleich rotzkengel (kengel 6), z. b. bei Keisersberg, wie schwed. aiskolv eiszapfe Rietz 344b. II@99) am wichtigsten für die geschichte des wortes ist kolbe vom menschlichen kopfe. II@9@aa) vom kopfe überhaupt, 'kolbe, kopf, caboche (frz.)'. Rädlein 553b, noch z. b. nordböhm. kulbe (und koile) f. Petters andeut. 23; doch fast nur noch in gewissen festgewordenen wendungen, wie das bei alternden, absterbenden worten gewöhnlich ist. II@9@a@aα) hauptsächlich 'einem die kolbe lausen', mit fem., noch jetzt wie im 16. jh. (md.): denn sie müssens erfaren wie man den narren die kolben lauset. Luther 3, 408b, d. i. müssen wie narren durch schläge belehrt werden; so musz man narren die kolben lausen. Römolt D 7a; da wolt er ihm (der pabst Luthern) die kolbe lausn, das ihm die haar ufn kopfe sausn. postreuter 1591 B iijb; narren musz man die kolbe lausen, il faut grater les foux il leur démange (die narren jucken wo sies kitzelt). Rädlein 553b; einem die kolbe lausen, einen abprügeln. das., in die haare fahren Stieler 909; drum hab ich noch zu guter letzt reimweis dies an ihn aufgesetzt, seine kolb' ihm noch einmal zu lausen, bevor ich komm' ihn recht zu zausen. J. Chr. Rost der teufel an Gottsched (Berl. monatschr. 1805 13, 37. Gödeke eilf bücher d. d. 1, 545a); die dramaturgen und orthodoxen, welche sich am hellen mittag einander die kolbe lausen. Hamann 6, 87, sich schmähen, 'sich in die haare fahren'. es ist eine landläufige annahme, dasz das nur verdreht sei aus narren musz man mit kolben lausen (sp. 1603), und ein einflusz von diesem wird wol richtig sein; aber daraus erst entstanden ist diesz kolbe nicht, wie das folg. zeigt. II@9@a@bβ) zunächst auch als m.: also sol man den narren den kolben lausen. Luther tischr. 245a; narren den kolben lausen. Simpl. 3, 217 Kz.; einem den kolben lausen, ins haar fallen. M. Kramer (1787) 2, 255b. II@9@a@gγ) auch in andern wendungen: er gab ihm ein oder zweimahl tüchtig auf die kolbe. Wieland 19, 320 (wol erst in Thüringen gelernt). der bader reibt einem die kolbe als mittel gegen grillen: o weh dem der mit einem hadr (lappen) in seiner noth von disem badr (einem wucherer nämlich) sich musz die kolbe lassen reibn, darinnen die grilln zuvertreibn. er wird .... ihm das häupt also balbiern, das er wird haut und haar verliern. Ringwald laut. w. 34 (30), man bemerke das darinnen, also in der kolbe, im kopfe schlechthin. II@9@a@dδ) doch wird auch besonders das haar damit gemeint: es ist ihm aus dieser schule verdriesz genug geschehen und die kolbe mit einer schartigen sichel geschorn. Luther br. 5, 540; man würde vielleicht in kurzer zeit einem vornehmen mönche [] die kolbe scheren müssen. Weise zeitvertr. III Heinrich IV., 3, doch kann da die tonsur selbst gemeint sein. er schaute mir (Socrates dem Phaedon) mit ernst recht unter das gesichte und fuhr mit seiner hand um meine kolbe her .... so fuhr er noch einmal mir in das haar hinein, er liesz die treue faust um meine schläfe schweben und sprach: es wird das haar wol morgen runder sein (ge schoren, als trauerzeichen). Hoffmannswaldau sterb. Socr. 70 (77), sogar im edelsten und ernstesten sinne; im jahre 1513, auch aus Schlesien: dasz Schwarz Christoph eine grosze person gewesen, eine schwarze krause kolbe gehabt. scr. rer. siles. 3, 47. II@9@bb) besonders der haarschopf in eine gewisse form geschnitten: kolbe, rund gestutztes haar Stieler 910, die haar in die ründe geschoren Aler 1219b, kolbig verschnittnes haar Schmotther 2, 389, einem eine kolbe schneiden Stieler. II@9@b@aα) so bei narren (so dasz die redensarten unter a zum theil hierher gehören werden): 'kolbe, geschorner kopf, als die narren vor diesem hatten' Frisch 1, 532a, s. z. b. Luther sp. 105 mitte. schon im 13. jh. wird dem närrisch gewordnen das lange haar (das zeichen des freien) abgenommen, wie den leibeignen (und noch den sträflingen), er trägt als abzeichen (vgl. sp. 1143 mitte) gesnitenʒ hâr ob ôren Trist. 559, 23, dasz es nicht über die ohren geht, vgl. ir hâr geschorn alleʒ abe Herbort 16869 von trauernden, die 'tôren gelîch' sich verunstalten; ein mädchen sagt einem bewerber schnippisch, er sei nit hoch genuog geschoren und lasz dich bescheren schnel, um 'ir narr' (liebhaber) zu sein, s. Schades bergr. 31, 3. 4, vgl. mit 33, 7 (ir narr wie mhd. ir tôre minn. frühl. 157, 39). II@9@b@bβ) diese kolbe war aber auch modetracht: umme de tidt (1559) heft man erstlick, wo allen bekandt, angefangen kolven to dragen. Neocorus ditm. chron. 1, 152, vorher ist vom langen haar der vorfahren die rede; a. 1503 fiengen die burger erstmals an das har kurz abzuscheren und kolben zu machen. Augsb. chron. v. 1595 bei Birlinger Augsb. wb. 286a, wo auch aus einer chron. von 1634 von einem mönche die rede ist, der sein kutten ausgezogen und sich weltlich beklaidt, auch sich gar kolbet bescheren laszen. s. auch unter kolben 2. diese haartour erscheint übrigens schon mhd., z. b. auf dem Erfurter Tristanteppich (anz. des germ. mus. 1866 sp. 19), wie hiesz sie da? und wieder im 17. jh., ein bauer singt: in einem seid ihr (städter) mir gleich kommen, weil ihrs von meiner tracht genommen: denn jeder ihm aufs allerbest mir gleich die kolben machen lest. Finkelthaus D 6b (Gödeke eilf bücher 1, 304b). aber auch die perücken nachher finden sich kolben genannt, s. zeit. für die elegante welt 1840 s. 536. II@9@b@gγ) sache und name gelten noch bei den md. bauern, z. b. die ähnliche haartracht der Altenburger bauern heiszt die kulbe. in städten verklingend z. b. von einer schlecht geschnittenen, verschnittenen haartour: was hat dir der friseur für eine kolbe geschnitten! auch wenn einer das stirnhaar emporgekämmt trägt (was als bäurisch gilt), heiszt das eine kolbe, thür., sächs. II@9@cc) aber auch der kahle kopf heiszt so. II@9@c@aα) kolbe auf dem haupte, calvitium Steinbach 1, 893, Kirsch 2, 195b, Aler 1219a, und schon im 16. jahrh.: calva, dicitur os capitis, ubi capilli esse consuevere, dy kulbe. Trochus prompt. Lpz. 1517 N 1b (Dief. 91c); so kulbe f. noch sächs., kolbe glatze thür. daher von der tonsur der mönche (vgl. u. a, δ): ir armut, gehorsam, keuscheit, gürtel, kolben, kappen sind eitel sonnen und monden im himel (darauf legen sie alles gewicht). Luther 3, 517a (durch eignen zufall sind kolbe und kappe auch narrenzeichen, und er behandelt das eben als närrisch). II@9@c@bβ) entlehnt davon, aber recht alt aussehend ist kolbe, kopf eines bocks der keine hörner bekommt Frisch, Adelung, vergl.kolbenbock, bes. kolbicht 4, b. gehört hierher schweiz. kolb m., stier der erst im zweiten oder dritten jahr verschnitten wird Stald. 2, 120 ? II@9@c@gγ) bildlich davon genommen auch kolbe der bäume (die ja auch haar haben, vgl. kahl 2), die gekappte krone M. Kramer 1787 2, 255b, vgl. kolbweide, kolben 3. II@9@dd) von hier aus läszt sich vielleicht in die vorzeit des wortes tief hinein blicken. II@9@d@aα) kolbe als kopf läszt sich nicht aus dem vorigen kolbe begreifen, es musz älter sein und wird vielmehr dieses erklären, sodasz der knopf der keule u. s. w. (s. 6) urspr. als ihr kopf bezeichnet war; die form der äuszeren dinge scheint man sich überhaupt von haus aus durch die formen des eignen leibes faszbar [] gemacht zu haben. so wechselt noch geradezu kolbe mit kopf beim mohnkopf, distelkopf (6, c), die ja noch uns den eindruck eines wirklichen kopfes machen. es war mit der keule gewiss nicht anders. eigner weise heiszt der kopf selbst auch keule (s. hier 9, a, koile), aber auch knopf (sp. 1471 unten). II@9@d@bβ) dasz aber sowol der behaarte als der kahle kopf und das haar selbst kolbe heiszt, auch dieser widerspruch begreift sich nur aus dem urspr. begriffe menschenkopf überhaupt, es ist ganz wie bei kol (s. d. 3, d). aber der stamm kolb sieht selber aus wie eine weiterbildung von jenem kol, und wie dort die lautverschiebung urverwandten gegenüber fehlt, so stimmt zu kolbe kopf älter gael. colp m. kopf (auch schenkel, keule, wie kolbe 3). II@9@d@gγ) dasz auch kahl (stamm kalw), calvus in die sippe gehört, ist bei kol bemerkt (3, c); diesz kalw liegt wie in der mitte zwischen kol und kolb. das letztere hat übrigens auch eine härtere nebenform kolpe, kulpe, schädel. II@1010) endlich ein merkwürdiges kolbe, fest, lustbarkeit: ainest het der Absolon ainen kolben oder wirtschaft aufgericht und luod sein bruoder Amon darzuo, und der wirt der den kolben gab, der luod iren vater David auch darzuo, und do si geessen hetten und der Amon vol weins was ... Keisersberg geistl. spinn. (granatapf. 1511) P 7b. in einem Straszburger ratserlasz v. 1535 wird geklagt, wie allenthalben auf den stuben (gesellschaftshäusern) und wirtshäusern von den burgern künigreich, kolben und andere zerung, zechen und prassen getriben wirt .... solich künigreich, kolben oder geselschaft u. s. w., s. Scherz 809. Es erklärt sich glücklich aus einer angabe bei Dasypodius Straszb. 1537 (8°) im lat. theile: circumpotatio, ein schlegel oder kolben, das ist wann man ein gastung laszt umbgehen (in der von J. Grimm gebrauchten ausg. weggelassen). also ein kränzchen (s. d.), wobei ein reihe um gehender kolben die meldung oder mahnung verrichtete, wie in dorfgemeinden ein herumgehender klöppel, hammer, pfeil o. dgl. zur versammlung lud (s. rechtsalt. 162).
32770 Zeichen · 808 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KOLBEswm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    KOLBE swm. keule, kurzer dicker knüttel. ahd. cholbo Graff 4,393. clava, contus, pilus sumerl. 3,60. 50,64. voc. o. 23,5…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kolbe

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Kolbe , plur. die -n, oder der Kolben, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kölbchen, Oberd. Kölblein, im gemein…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kolbe

    Goethe-Wörterbuch

    Kolbe s Kolben Nikolaus Lohse N.L.

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kolbe

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Kolbe , Karl Wilh., geb. 1757 zu Berlin, gest. 1835 als Zeichnungslehrer in Dessau, Landschaftsmaler u. Kupferstecher, V…

  5. Sprichwörter
    Kolbe

    Wander (Sprichwörter)

    Kolbe 1. Jeder geht mit seinem Kolben den eigenen Weg. » ... Muss man derowegen einen jeden mit seinem Kolben seines Weg…

Verweisungsnetz

123 Knoten, 125 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 6 Hub 2 Kompositum 108 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kolbe

164 Bildungen · 100 Erstglied · 64 Zweitglied · 0 Ableitungen

kolbe‑ als Erstglied (30 von 100)

kolbegêr

Lexer

kolbe·ger

kolbe-gêr stm. gêr mit einem kolben am ende. ndrh. kolvegêr Karlm. 403,51.

kolbegêr

MWB

kolbegêr stM. gêr, dessen Stange ein dickes Ende hat?: Olyuer der wygant, / der droich da in syner hant / eynen groessen kolue geyr, / dar m…

kolbegēr

KöblerMhd

kolbe·gēr

kolbegēr , st. M. nhd. „Kolbeger“, Kolbenspieß, Wurfspieß mit einem Kolben am Ende Q.: Karlmeinet (1320-1340) E.: s. kolbe, gēr W.: nhd. DW-…

kolbelen

KöblerMhd

kolbe·len

kolbelen , sw. V. nhd. „kolbeln“, abziehen des Gesindes, umziehen des Gesindes Q.: DW (1460) E.: s. kolbe? W.: nhd. (ält.) kolbeln, sw. V., …

kolbelîn

Lexer

kolbe·lin

kolbelîn stn. dem. zu kolbe Renn. 16729. kölbelîn, vom pistille der blume Hpt. 9,33.

kolbeln

DWB

kolbeln , im Egerer stadtb. v. 1460, vom abziehen, umziehen des gesindes beim dienstwechsel: süllen dieselben dienstboten .. umb lichtmess, …

kolbelîn

MWB

kolbelîn stN. Dimin. zu kolbe 1: der suochet ein schirmswertelîn, / einen buckeler und ein kölbelîn Renner 16759. – übertr., von keulenförmi…

kolbelīn

KöblerMhd

kolbe·līn

kolbelīn , st. N. nhd. Kölblein, Kölbchen, Keulchen, Blumenpistill Q.: DvAOff (1250-1272), Renner E.: s. kolbe W.: s. nhd. Kölblein, N., Köl…

Kolbengras

SHW

Kolben-gras Band 3, Spalte 1601-1602

Kolbenäcker

PfWB

Kolben-äcker Pl. : FlN, Äcker mit Sumpfboden, auf denen Rohrkolben wachsen, Kolweäckeʳ [ RO-Wartbg LU-Opp ]. —

kolbenartig

GWB

kolben·artig

kolbenartig bauchig, in Form eines Destillierkolbens erinnere man sich .. der sogenannten Florentiner kolben- oder keulenartig geblasenen ..…

Kolbenbirsch

Adelung

kolben·birsch

Der Kolbenbirsch , des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Hirsch so lange er noch Kolben statt des völlig vereckten Geweihes hat, ein Hi…

Kolbenblume

Campe

kolben·blume

Die Kolbenblume , Mz. die — n , in der Pflanzenlehre, eine Art zusammengesetzter Blumen, deren gemeinschaftlicher Boden für die Blümchen in …

kolbenbock

DWB

kolben·bock

kolbenbock , m. bock ohne hörner, s. DWB kolbe 9, c, β , vgl. kielbock.

kolbenbohrer

DWB

kolben·bohrer

kolbenbohrer , m. bohrer mit kegelförmigem kolben, dessen feilenstreife alle auf die spitze zugehen, die löcher zu versenkten schrauben oder…

kolbenbürste

DWB

kolben·buerste

kolbenbürste , f. kolbenförmige bürste, wie zum ausputzen von kannen, gläsern, bei Frisch 1, 532 b aus einer sächs. bürstenbindertaxe.

Kolbendrǟjeⁿ

Idiotikon

Kolbendrǟjeⁿ Band 14, Spalte 696 Kolbendrǟjeⁿ 14,696

Kolbenente

Campe

kolben·ente

Die Kolbenente , Mz. die — n , ein Art Enten am Kaspischen Meere; die einsame Ente (Anas rufina L .).

kolbe als Zweitglied (30 von 64)

ansetzkolbe

DWB

ansetzkolbe , m. beim geschütz. Garg. 201 a .

berkolbe

Lexer

ber·kolbe

ber-kolbe swm. schlagkolben, zum einstossen des ausgesottenen salzes in die kufen Schm. Fr. 1,258.

blîkolbe

MWB

blîkolbe swM. eine Schlagwaffe ähnlich wie blîkiule : cestus: blicolbe VocBV927 3:360,63; dâ golden sie in rehte / [...] mit blîkolben swâre…

blīkolbe

KöblerMhd

blī·kolbe

blīkolbe , sw. M. nhd. Bleikolben, Bleikeule ÜG.: lat. caestus Gl Q.: En, Gl (11./12. Jh.), PassIII E.: ahd. blīkolbo* 11, sw. M. (n), Bleik…

brechkolbe

DWB

brech·kolbe

brechkolbe , m. ein eisen, das die kammacher glühen, um ochsenhörner inwendig dünn zu brennen.

dampfkolbe

DWB

dampf·kolbe

dampfkolbe , f. dampfkolben , m. 1 1. rundbauchiges gefäsz zur bereitung des wasserdampfs. der kopf ist wie ein dampfkolben, um in diesem re…

destillierkolbe

DWB

destillierkolbe , m. brennkolbe, wie destillierblase, destillierglas, franz. alambic, cucurbite, ein gefäsz von glas mit rundem bauch und en…

deutelkolbe

DWB

deutelkolbe , f. typha, rohrkolbe, tuttelkolbe, deutelkolbe, dittlekolbe, narrenkolbe Nemnich 2, 1517 . ahd. tûtilcholbo m. tirsus Graff 4, …

distelkolbe

DWB

distel·kolbe

distelkolbe , m. caput cardui. von der haberzins keinen distelkolben wannen durch die wanne wegschwingen Weisth. 1, 254.

duttenkolbe

DWB

dutte·n·kolbe

duttenkolbe , f. wie deutelkolbe. tuttenkolb oder ast oder sprusz aller kreuter, thyrsus Voc. theut. 1482 hh 4 a . düttenkolb typha Dasypod.…

faustkolbe

DWB

faust·kolbe

faustkolbe , m. clava, fausthammer: da nun die stadtknecht mit faustkolben in anfallen. Kirchhof wendunm. 289 b ; wenn ich erwisch ein schle…

fühlkolbe

DWB

fuhl·kolbe

fühlkolbe [fülkolbe], m. der zum fühlen dienende kolbe an dem oberen ende des fühlhornes: das letzte glied ( der fühlhörner des schwarzen st…

glockenkolbe

DWB

glocken·kolbe

-kolbe dasselbe wie glockenbalken, nur in wbb. zu ausgang des 18. jahrh. belegt: ' balke, daran eine glocke vest gemacht ' Schrader dtsch.-f…

harnkolbe

DWB

harn·kolbe

harnkolbe , f. kolbe zum destillieren des harns. Jacobsson 2, 221 b .

Ielskolbe

Campe

iel·s·kolbe

Die Ielskolbe , Mz. die — n . 1) Ein Name der Ielsknospe oder des Schwertriedels . S. d. 2) Ein Name des Stechapfels.

igelskolbe

DWB

igel·s·kolbe

igelskolbe , f. 1 1) hölzerne streitkolbe, am kopf mit stacheln beschlagen, falscher morgenstern: scharmützeln mit der wechter igelskolben. …

kampfkolbe

Lexer

kampf·kolbe

kampf-kolbe swm. welich der tiuvel heiʒet dich kempfen unde welich der tiuvel hât dir den kampkolben erloubet Berth. 325,22. kempf kolb, ces…

lauchkolbe

DWB

lauch·kolbe

lauchkolbe , m. blüten- oder samenkolbe des lauchs: asparagus, tallus, louchkolb voc. opt. 50 b , 15.