kolbe,
kolben,
m.kolbe,
f. ,
keule u. a. II.
Formen und verwandtschaft. I@aa)
das m. ist hd. vorwiegend, ahd. cholbo, cholpo,
mhd. kolbe
m., und noch oberd. wie es scheint nur m.; doch verrät sich in '
clavae cholpo' (
l. cholpô) Graff 4, 393
auch ein ahd. starkes fem. cholpa,
vielleicht auch in cholbo
thyrso, pilo das. I@bb)
das fem. ist dagegen md. vorherschend, daher auch im nhd. vorgedrungen, wie denn Stieler, Rädlein,
M. Kramer, Steinbach, Frisch
nur f. ansetzen; gebraucht wird es von Lessing, Göthe, Voss, Hamann,
früher von den Schlesiern, auch im Simpl., bei Luther,
doch oft mit dem m. schwankend nach verschiedner anwendung. das md. fem. ist alt bezeugt: clava colva
Germ. 9, 29,
aber auch colvo
fustis 25.
auch mnd. kolve
f. (
und m.?),
z. b. Namelos u. Val. 1328. 1958,
auch als schwaches fem. 1954. 1431;
nnd. kulf
f. brem. wb. 2, 892,
nl. kolf
f., kolve. I@cc)
auszerdeutsch nur im scand. norden, altnorw. kólfr
m. pfeil, wurfspeer, keule zum werfen (
vgl.knüttel 1,
a a. e.)
und kylfa
f. keule, diesz auch kylfi
n. Fritzner 378
b,
altschw. kolfver
m. keule, pfeil Rietz 344
b,
noch schwed. kolf
m. kolben, auch pfeil Rietz 344
b (
vgl. kölva
f. 376
a),
aber dän. kolbe
nach dem deutschen, wie poln. russ. kolba
f., vielleicht auch litt. kulbẽ
f. schlägel. I@dd)
wegen der verwandtschaft denkt man zunächst an keule,
das im begriffe fast oder ganz gleich ist; denn wie keule
bezeichnet kolbe
einen knüttel mit dickem ende, und wie dort fällt auch hier das hauptgewicht des begriffs auf das dicke kugelige '
kolbige'
ende, das eben selbst kolbe
heiszt (
wie keule),
s. II, 6.
so heiszt altn. kylfa
am schiffe das ende des kiels das am vordertheil (
knopfartig?)
emporsteht, s. Egilsson 487
b,
isl. kólfr
wurzelknollen, s. II, 6,
c a. e. da nun hinter keule
als urspr. form kul, kula
zu liegen scheint (
skr. gula
kugel),
so wäre kolbe, kylfa
diesz kul
durch angesetzten lippenlaut verstärkt; s. weiter II, 9,
d, β. I@ee)
nebenformen sind mit andrer lautstufe des lippenlauts kolpe, kolpel
und kulpe (
auch nd.),
s. dort; mit dem vocal des letzteren kulb in einem tirol. voc. des 15.
jh.: epistrilium
est superior pars teli, kulb an dem pfeil Diefenb.
nov. gl. 151
b;
und merkwürdig in Nassau kilbe,
auch kölbe
mohnkopf und mohn überhaupt, auch speltähre (
das kolbige ende des halmes, s. 6,
c) Kehrein 223, kilbe
wol für külbe,
das dann mit nord. kylfa
zusammentrifft. das ungebrochene u
auch in dem ahd. mannsnamen Chulpinc.
ein bair. kolm, flect. kolmen
kann nur aus kolbn
geworden sein, wie alm
aus albn: dann mich die bauren halb zu todt geschlagen, wie man dann die wahrzaichen von den kolmen und stecken noch heutiges tags in meinem kopf sihet.
Bacchusia 356;
vgl. bair. 15.
jh. cholbm Fromm. 4, 291
a und pl. kölben
sp. 1603 (
δ),
von kolben
als neuem starken nom. (
wie gärten). IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
die gewöhnliche bed. ist clava, fustis, contus, mit denen schon das ahd. wort glossiert ist, wie in den vocab. des 15.
jh. kolb, kolbe, kolben,
nd. kolve Dief. 126
a. 148
b. 254
b. II@1@aa)
als waffe. II@1@a@aα)
hauptsächlich als einfachste waffe, wie keule, knüttel: als auf, was kolben und stecken trag, das man beiden eilend nach jag. H. Sachs 3, 2, 46
a; in der marterwochen jagt man ... den Judas finster (
im finstern) in der rumpelmetten mit hämmern, steinen, schlegeln, klüpfeln, kolben, stecken. Fischart
bien. 150
a (1588 164
a); darauf hat Herodes disen Tyron mit kolben lassen zu tod schlahen. Reiszner
Jerus. 2, 91
b.
dasz mans noch im 18.
jh. mit keule
überein fühlte, zeigt folg.: den kolben Herculis in händen haben.
Simpl. (1713) 3, 63.
Ein nachklang aus höchstem alterthum ist folg.; Pauli
erzählt von einem vater, der sterbend seinen untreuen kindern von einem verborgenen schatze in einem troge sagt, sie finden aber darin sant und stein und ein kolben, daran stuond geschriben also in engelischer sprach: kunt und
[] wissen (
für wissend) sei aller welt, das man den mit kolben schlagen sol, der seinen kinden (
das erbe) gibt, das ér darnach manglen musz.
schimpf u. ernst s. 260
Öst., s. die nachweisungen das. 523
und unter keule
sp. 648
mitte. Man hatte den kolben
als hausrat hinter der thür stehn oder hängen (
vgl. unter keule 2,
a),
wie jetzt einen spazierstock (
der ja selbst der leibhaftige enkel jener ältesten waffe ist): der wirt lief sâ zehant (
als der buhler gemeldet wird) hinter die tür an eine want, ein kolben het er gevangen (
erfaszt)
u. s. w. lieders. 1, 314. II@1@a@bβ)
als förmliche waffe, die der gemeine mann auch bei sich führte (
bei bauern Parz. 570, 5.
Neidh. xxi, 16
H.): wer es sach dasz zween hinaus gingen (
vors dorf) und zweiten oder zankten sich an der steinbrücken, reiszen (
zücken) sie kolbe oder schwerdt ...
weisth. 1, 463
v. j. 1562,
deutlich als fem., von der Bergstrasze; 13 alb. wird gestraft Heinz Dick zu Erxdorf, dasz er gedachten Jochemen mit einem kolben geschlagen haben solte. Vilmar
kurhess. id. 216
aus dem buszregister eines oberhess. dorfes von 1607; Gerhart Kretter sei des vogts knecht C. Ainrosser, der den theter (
übelthäter) gefurt, nachgelaufen mit aim kolben (
um den verhafteten zu befreien).
das. v. 1533.
Daher im gerichtlichen zweikampfe, von bürgern geführt: (
der kämpfer vor gericht) soll haben in seiner hand einen schild ohn eisen .. und in der andern hand soll er haben ein hülzen kolben, gedörret oder gebrennet (
gehärtet).
Nürnberg. kampfgerichtsordnung oder kolbenrecht
bei Schottel 1235,
nach § 50
s. 1240
darf er drei kolben von holz
mitbringen. II@1@a@gγ)
er findet sich wol auch als ritterliche waffe, wie deutlich knütel
sp. 1531
mitte. wenigstens wird noch im 16.
jh. der kampf mit kolben
als ein kunstgerecht betriebener genannt neben dem mit speer
und schwert,
und zwar als ritterliche kunst, denn Lienhart Sollinger, ein bestellter kempfer,
fechtmeister, schwur in seinem amtseide: gelob ich die kunst zu halten zu eren und underweisung fürsten und herren, ritter und knecht (
acc.) nach auserweisung des kampfes (
kunstkampfes), den zu lernen (
lehren) mit sper, schwert, kolben, degen.
Serapeum 5, 57 (
in J. Sutors
fechtbuch Frankf. 1612
ist von kolben
nicht mehr die rede).
bei Wieland
in ritterlichem gebrauche: was hängt ihr so die kolbe nieder? 21, 37 (1856 19, 187,
Gandalin 2); er schwingt den kolben um sein haupt. 17, 73. II@1@a@dδ)
es gab auch künstliche kolben
neben dem einfachen hölzen kolb
cala Dasyp. 365
d.
dieser selbst war schon auch künstlicher geformt: trinodis clava, kolb der drei knöpf oder knorren hat,
im gegensatz zur irrasa clava, groszer raucher kolb der noch nit butzet ist. Maaler 247
c.
aber auch nagelkolb (
s.keule 1,
a)
mit nägeln, eisenspitzen am knopf (
vgl. Kraft
unter faustkolbe): kein prügl, kein stecken will gegen ihn klecken, noch unsere
kölben spitzig (
zur form I
a. e.).
bauernlied aus dem östr. bauernkrieg 1626,
hist.-pol. bl. 33, 964. eiserin kolb,
contus. voc. inc. teut. e 6
b,
cestus isner kolb Brack
bei Dief. 116
b,
mhd. îserîn, stähelîn kolbe
wb. 1, 857
b; hatte einen stählin kolben.
buch d. liebe 273
d; zucket den stählen kolben von dem satelbogen. 274
b; ich hatte eine stählerne streitkolbe anhangen (
am sattel).
Simpl. 2, 102, 28
Kz.; s. auch kämpfkolbe
cestus, mhd. kampfkolbe Berthold 325, 22, blîkolbe,
cestus, schon ahd. plîcholpo, plîîn cholpo,
mnd. blîecûle Dief. 116
b,
wol mit blei ausgegossen (
s. unter keule 1,
a).
zum schimpfspiel dienten lederkolben: pychmachia, ein kampf (
d. i. zweikampf) mit liddern kolben. Alberus k 3
a.
was ist lodderkolbe,
sirtes. Dief. 538
b ?
vgl. mnd. loerkolve,
librilla, instrumentum projiciendi lapides. 327
b,
schleuderwerkzeug, wie klobe 1,
b a. e. II@1@a@eε)
ein häufiges sprichwort sagt von narren, wie engl. fools must be loused with clubs: man sol narren mit kolben lûsen.
gesamtab. 2, 282, 196; man sol den narren mit kolben lausen.
fastnachtsp. 119, 35,
mit dem knüppel tractieren, vernünftig machen (
vergl. dazu den narrenkolben
unter 2),
das lausen
stammt als witzwort aus der baderei, wie kämmen, scheren
u. a. in gleichem sinne (
s. sp. 108
mitte); narren muosz man mit kolben lausen (Luther 4, 433
a. H. Sachs 3, 3, 22
b), kolben seind dem narren und nuszbaum die besten salben. Frank
spr. 2, 11
b,
das salben
des kopfes war eben auch sache des baders. auch mit dat. der person: des soll man im (
nämlich den kopf) mit kolben lusen. Brant 90, 12; narren werden nimmer wizig, bis man ihnen mit dem kolben lauset,
nunquam sapiunt stulti nisi in angustiis. Denzler 2, 174
a [] (
er hat auch mit zweien kolben lausen,
binis tondere forficibus 1, 285
a,
mit doppelter plage heimsuchen).
selbst gottes war die redensart nicht unwürdig: darumb musz gott widerumb die narren zuweilen mit kolben lausen. Luther 5, 463
a; denkt dasz euch gott kan selber strafen und euch mit solcher kolbe lausen.
Simpl. 1, 58.
auch anders gewendet, z. b.: also lert man die affen gigen, und dnarren mit dem kolben schwigen.
trag. Joh. K iij.
s. übrigens dazu die andere wendung unter 9,
a. II@1@a@zζ)
folg. ist wie mit keulen drein schlagen,
mit dem gröbsten mittel dem gegner kommen: lieber, sie machens zuo grob ... und so wir nit hinwider bissen, so schrieen sie fro 'hie gewunnen!' darumb ist not dasz man in den kolben auf den schild leg. H. Sachs
dialoge 73, 25,
es ist dabei aber deutlich an den zweikampf unter β,
an das kolbenrecht
gedacht. II@1@bb) hirtenkolb Dief.
n. gl. 13
a,
hirtenkeule, '
dicker stecken mit einem kolben oder rundlich gebognen knollen am ende, sich damit gegen den wolf zu wehren' Adelung,
als treibstecken der ochsenhändler Frisch 1, 532
a: kolben, dar uber sich der huter lainet,
podium, podrum. voc. inc. t. n iiij
a;
agolus, kolbe (hirtenstecken, hutkeule). Dief. 18
c;
agolium, hertercholbm Fromm. 4, 291
a. II@1@cc) vischerkolbe,
auch fischekolbe,
contus. Dief. 148
b,
das. vischekule, fischerstorl, störstange, 'strudel
quo piscator perscrutat aquam'. II@1@dd)
im spiele, vgl. keule 2,
d (ballkeule
beim ballspiel noch in Halle),
nl. kolf, spielkolbe, einen kolbball zu schlagen,
auf der klotzbahn oder auf dem eise M. Kramer 1719 1, 155
a, eine kugelkolbe oder kaatzkolbe,
womit man in der klotzbahn die kugeln schlägt Ludwig 1047,
der kolben hat am dicken ende ein knie, s. brem. wb. 2, 892
unter kulf; es ist kein gut spiel das mit krummen kolben schlägt. Simrock
sprichw. 9737; er liesz sich plagen wie ein ball, der nach beliebung der kolbe hin und wieder getrieben wird. Olearius
pers. baumg. 4, 19; die wolredenheit bestehet .. nicht in der freiheit zu plaudern von kühen und kälbern, ballen, kolben. 7, 1,
als etwas alltägliches, allgemeines. wie geläufig der gedanke daran allen war, zeigt folg.: umblaufen als ain garnwind da zuo dem tanz, da zuo den höfen (
in gesellschaften), da man den kolben gibt. Keisersberg
g. spinn. (
granatapfel) P 1
b,
d. h. kolbball spielt, es war deutlich ohne erwähnung des balls. bei Frisch 1, 532
a als kinderspiel bleikolb,
clava plumbata, den ballen in ein loch zu treiben, aus Apherdian 119. II@1@ee)
als werkzeug im hause zum schlagen, stoszen, reiben: reibkolb,
tritorium, ribkule.
voc. th. 1482 aa 7
a,
mörserkeule, s. keule 2,
e; eine beuchkolbe,
a buking-beetle. Ludwig 1047,
s.bäuchen
am ende. II@1@ff)
brunnenschwengel, brunnenkolben,
z. b. in Sachsen hie und da, wie keule 2,
h (
auch bair. 15.
jh. in prunkuele Frommann 4, 296
b).
ähnlich heiszt isl. der glockenschwengel kólfr,
und so auch hd.: der schlegel ... schwingel oder kolben.
Garzoni schaupl. 1659 660
a unter den theilen der glocke. II@1@gg)
eigen kolbe,
damit man einem heimleuchtet, laterna obelisco praefixa. Kirsch 2, 195
b,
stocklaterne, noch schwäb. kolb
m. grosze runde laterne, an einem stabe oder ringe getragen Schmid 322. II@1@hh)
endlich die frage ob auch kolben
vorkommen ohne das kolbige ende, das ihnen den namen gab (
s. 6).
man möchte es vermuten bei dem fischerkolben
unter c, der auch stange
kurzweg heiszt; so erklärt Dasypodius 232
d stipes
allgemein mit ein pfal, kolb, stecke.
anderseits zeigt sich eine berührung mit klobe,
s. sp. 1218 6,
c, hirdencloveken
hirtenkolbe Dief.
n. gl. 285
a,
und hier unter a, δ am ende, auch unter kolbdarm. II@22)
besondere hervorhebung verdient der narrenkolbe,
der stete begleiter des narren, urspr. seine waffe, dann sein wesentlichstes abzeichen nebst der kappe, franz. marotte.
er gab wie die kappe
zu mancherlei redensarten veranlassung. II@2@aa)
mhd. wird er bei einer beschreibung des aufzugs eines närrischen zuerst genannt: heiʒ in (
Tristan, verkleidet) komen in tôren wîs, ze handen tragen ein kolbenrîs
u. s. w. Trist. 559, 20,
offenbar noch ein einfacher knüttel vom baume, der tôre
aber nicht ein thor
oder narr
in unserm sinne, sondern ein wirklich geisteskranker; ein kolbe was sîn geverte, den er kûme getruoc ..... vil kinde nâch dem tôren zôch. etslîch küener man der vlôch ... swenne er swancte mit dem slage (
den kolben drohend schwenkte). 560, 12
ff. [] auch schon bildlich gebraucht: ich trage doch tôren kolben niht. Hartm.
büchl. 2, 230; dem tôren, der sîn kolben treit, der im ist lieber denn ein rîch. Bon. 1, 25. II@2@bb)
so später bildlich für narrheit,
wie man sie da verstand, man hatte ja jährlich zur fasnacht die sache öffentlich vor augen als spiel: dar umb mit flisz sich iedes suoch, findt es sich nit in disem buoch, so mag es sprechen, das es si der kappen und des kolben fri. Brant
narrenschiff vorr. 132,
man bemerke kappe, kolbe
schlechthin als genügend; ein wiser man ist nütz der gmein, ein narr sin kolben dreit allein. 42, 8, '
geht für sich seiner narrheit nach',
es ist aber schon mehr oder zugleich wunderlichkeit, eigenheit, '
thorheit'
wie wir sie jetzt verstehen; kein guot dem narren in der welt basz dan sin kolb und pfif gefelt. 54, 10; und rat (
denkt drauf), das er nit si allein der narr, der trag den kolben hein. 105, 16; musz man derowegen einen jeden mit seinem kolben seines wegs gehen lassen.
Simpl. teutscher Michel 724,
denn jeder hat seinen kolben,
hat sein zöpfchen hinten oder wie wir jetzt in uns näher liegenden bildern sagen; der Franzos aber sagt noch chacun a sa marotte,
d. i. eben '
seinen narrenkolben'.
Dasz kolbe
im 16. 17.
jh. ganz gleich diesem marotte
galt, zeigt folg.: es gefellt uns sunst unser weis und kolb wol. Frank
weltb. 135
b, kolbe
schon ganz unsinnlich wie der zusatz weise
zeigt; da war es zeit, dʒ in gott iren kolben zeigt (
die bauern zur vernunft brachte), die larven, schanddeckel und narrenkappen von den augen risz.
chronica (1536) 272
b,
vom ausgang des bauernkriegs; einem ieden narren gefellt seine kolbe wol. Melander
joc. 2, 2 (1625),
wie à chaque fou plaît sa marotte; ein jeder narr sagt von seim kolben. Scheit
grob. E 4
b am rande, wie jeder schäfer lobt seine keule.
Aber auch im 17.
jh. noch ganz frisch im bilde: dummel dich narr, es musz gewaget sein, (
auch noch) den kolben und kappen nach der witz zu verlieren ist ein schlechter verlust. Weckherlin 867; dieser narr ist an dem ziele, du verdienst die kolbe dir. Göthe 57, 252. II@33)
ganz wie keule, schlegel
auch vom hinterschenkel der thiere: den beichtvatter hungert .. er sprach zuo der köchin .. 'geben mir ein kolben von dem kranch' ... der beichtvatter mit dem messer an den braten und reisz den kolben usz. Pauli
sch. u. ernst s. 48
Öst.; einen hammelkolben oder keul.
Simpl. 1, 225, 5.
wisb. wisenbr. 48. 49.
nach Adelung
noch oberd. kalbskolben, schöpskolben,
s. auch kölblein 3.
ob nicht auch von menschen? s. dazu keule 3,
c. II@44)
von kolbenähnlichen pflanzen (
s. dazu 6,
c). II@4@aa)
z. b. lauchkolb
tallus voc. 1482 s 4
a,
im voc. opt. 50
b louchkolb
asparagus, tallus (
unterschieden von louchzeh
bulbus),
letzteres auch kängel Dief. 572
b,
also der stengel mit dem knollen. II@4@bb)
besonders aber die sumpfkolbe, rohrkolbe,
typha: ein weier, darinnen wachsen viel rohr und kolben. Pauli
sch. u. ernst 83
a,
es können freilich auch nur die kolben
im genauen sinne gemeint sein, wie bei Voss
unter 6,
c. es heiszt auch teichkolbe, wasserkolbe, weiherkolbe, lieschkolbe, narrenkolbe
wie lat. sceptrum morionis Junius
nom. 106
a (
nach Frisch
gab man sie narren wirklich als ihren scepter, kolben), deutelkolbe,
letzteres schon ahd., s. 2, 1038.
was ist kolbe, bömischer ohrleffel,
clava muricata Stieler 1061 ? II@55)
destillierkolben, alembica, cucurbita, nach der ähnlichkeit der form; in diesem sinne jetzt wol blosz als m., obwol Steinbach, Frisch (scheidekolbe)
auch dafür das f. ansetzen, bei Rädlein 162
b aber der brennkolbe,
ebenso bei Ludwig 1047,
obwol er sonst nur fem. ansetzt: sahe ich auf einer seite ein uberaus groszen gläserin kolben oder brennhelm. Philander 1, 222 (1650)
in der werkstatt eines schwarzkünstlers; die grosze gläserne kolbe. Rist
die alleredelste thorheit Frankf. 1669
s. 246, eine distillirkolbe 245; denn oft brannt ihm, wann er genicket, das aquavit im kolben
an. Götz 3, 196. II@66)
aber auch das dicke ende selbst heiszt der kolben,
und man musz das, obwol eig. nur nhd. bezeugt, als die älteste und ursprüngliche bed. ansehen (
wie schon Adelung
that),
von der das ganze wort ausgieng, wie bei keule.
s. weiter 9,
d. [] II@6@aa)
das dicke ende am streitkolben u. a. (Adelung,
s. b)
; als mhd. zeugnis dafür kann wahrscheinlich Erec 5386
ff. gelten, wo an und von dem kolben
seine stange
unterschieden wird (
vergl.kolbenstange),
sodasz für das hauptstück daran kolbe
als name bleibt, wie diesz auch kiule (
am kolben)
hiesz, wonach ebenso die ganze keule
benannt wurde, s. sp. 649
unten. II@6@bb)
so noch am gewehr, flintenkolbe, gewehrkolbe (
das gewehr hat ja noch keulenform, daher in volksmäszigem scherze schieszprügel,
und wird auch noch als keule gebraucht): mit der kolbe des gewehrs. Lessing 8, 121,
diesz fem. ist in Norddeutschland herschend, aber schon in Sachsen wechseln fem. und masc.; sonst schlag ich mit donnernder kolbe die thür ein. Voss
das ständchen v. 107; vor der Preuszenkolbe laufen alle flink. Immermann
ged. (1822) 167; (
bei Hagelberg) haben die preuszischen landwehren mit der kolbe ganze bataillone niedergeschlagen. Beitzke
freiheitskriege 2, 278. 283; dann mit dem kolben an das viereck und schlugen es .. wie mit der keule zu boden. Häusser
deutsche geschichte 4, 262; nun nahm der soldat das gewehr verkehrt und schlug mit dem kolben in die Franzosen hinein. Droysen
leben Yorks 2, 267.
auch pistolenkolben
m. Immermann
Münchh. 3, 190
fg. II@6@cc)
an pflanzen, wie an den sumpfkolben (
s. 4,
b): drinnen im kämmerlein hatte der greis zum lager des mittags weich ein polster gestopft mit fedrichten kolben des teichschilfs. Voss
Philem. u. Baucis 83.
am mais, maiskolben,
auch am weizen die ähren (
in Sachsen, der Lausitz, Nassau, s. I,
e, nicht am roggen),
vgl. kolbenweizen; kolben an kräutern, darinn der samen,
muscarium Denzler, Aler, somenkolbe Dasyp. 365
d (
vgl. kölblein 2),
wie am mohn, der daher mrh., schweiz. kurzweg kolben
heiszt Stalder 2, 120;
am hirse die blüten- und samenbüschel Frisch 1, 532
b; kolb an den bäumen,
die kätzger an den nuszbäumen u. a. Aler 1219
b; distelkolben,
distelkopf (2, 1195), krautkolben,
krautkopf (
in Sachsen),
ganz mit kopf
übereinkommend wie beim mohn vorhin. bei zwiebelgewächsen die zwiebel: kolb,
bulbus. Aler,
schon um 1400
bulbus louchkölpe (
so mit umlaut?),
s. Dief.
n. gl. 61
b. II@6@dd)
der kolb
oder knopf am männlichen glied, glans. Dasyp., Maaler 247
c: (
der mohel, bei der beschneidung) nimpt allererst darnach das ubrig heutlin .. und streifts hindersich uber den kolben oder kern, das sein schwenzlin vornen glatzend und emblöst bleib. S. Frank
weltb. 155
b (153
a). II@6@ee)
an den fühlhörnern der insecten das dicker zulaufende ende. Adelung.
ähnlich an den haaren die wurzel. Frisch 1, 532
a. II@6@ff)
am brennenden dachte die schnuppe: so ist fleisch und blut faul und lasz und leszt das liecht einen butzen und kolbe (
fem.) kriegen, davon es tunkel wird. Luther 4, 264
b (281
b),
versäumt die pflicht der lehre. so schweiz. kolben Stald. 2, 120,
s. kölblein 2. II@6@gg)
der butzen an einem geschwür: caput in abscessu, ubi eruptionem minatur, eugle, kolben. Junius
nom. 306
b; ein kolben gwünnen wie ein eisz (3, 382),
caput facere. Maaler 247
c. II@6@hh) runder kolb oder kopf an einem groszen nagel,
bulla. das., da tritt die rundung als begriff recht deutlich heraus. II@6@ii)
krankhafter auswuchs, geschwür: de cambucca, vulgo kolb. ich sag vom kolben, dasz er kompt von der materi des schliers
u. s. w. Paracelsus
chir. schr. 442
a; aus dem wachsen kröff, schlier, drüsen und kolben. 211
b; alle fressende schäden, als grind, malcey, schlier, kolben, fistuln. Thurneisser
von wass. 80; hab dran (
an der nase) ein roten kolben vorn. H. Sachs 3, 3, 16; krebs, schlier, kolben und andern dergleichen kleinoten. Fischart
groszm. 612
Sch.; s. kaule
in gleicher bed., kölblein 5. II@6@kk)
die jäger nennen am hirsch, rehbock kolben
das frisch wachsende geweih, so lange es weich ist und keine enden ansetzt. Flemming
t. jäger 108. Hohberg 2, 608
a. 610
b; kolben oder zotten des hirses. Schm. 4, 296.
s. kolbenhirsch, kolben 4. II@77)
in vielerlei technischer verwendung, nur als m. II@7@aa)
im geschützwesen der gedrechselte dickere theil am setzer, am wischer und der ladeschaufel. Adelung.
schon Garg. 201
a (
Sch. 372) ansetzkolben,
wo aber der ganze ladestock, setzer so genannt ist. II@7@bb)
in dampfmaschinen der kolben
am ende der kolbenstange,
der im treibcylinder auf und ab steigt; es musz dahin übertragen sein vom kolben
in der alten wasserkunst, röhrkunst, der ähnlich an der kolbenstange
befestigt in der kolbenröhre (
dem stiefel)
auf und ab geht und eigentlich den druck des wassers verrichtet, [] die höhe bis zu der er steigt, heiszt der kolbenhub
oder kolbenzug,
s. Krünitz 43, 280. II@7@cc)
bei den büchsenmachern ein werkzeug mit cylinderförmigem starkem ende, womit der lauf des gewehrs innerlich gekolbet,
d. i. geglättet wird. auch die buchbinder haben einen glättkolben,
in kolbenform, die glaser, klempner einen lötkolben. II@7@dd)
im hüttenbau das ende des tragstempels der in das bühnloch gelegt wird. in schmelzhütten ein stöszel zum stoszen des herdes. II@7@ee)
auf eisenhämmern die eisenstücke woraus das stabeisen geschmiedet wird. vgl. kölbel. II@7@ff)
bei uhrmachern die kegelförmige spitze am kolbenzirkel,
in taschenuhren ein stück im gehwerk. II@7@gg)
der kolben
am bohrer, s. kolbenbohrer. II@7@hh)
ein baderwerkzeug, wie es scheint beim scheren: über den kolben scheren (
wie über den kamm),
strictim attondere. Denzler 1, 814
a. 2, 174
a;
vgl.übern löffel barbieren.
oder ist narrenkolben gemeint? II@7@ii) kolbe (
hier doch als f., nordd.)
zum glühen des punsches, s. die aufsätze von Ernestine Voss
s. 55. 79
und unter glühen. II@7@kk)
schwäb. rundes dickes gefäsz, wie essigkolb. Schmid 322;
vgl. böhm. kolba
f. ampulla, hd. gutter, kolb.
diction. von dreien spr. Prag 1700 3, 93
a,
mit engem hals und weitem bauch, also in kolbenform, s. dazu kolbenglas. II@7@ll)
weidmännisch, beim vogelfang, ein pyramidenförmig zugeschnittener fichtenbusch, s. Döbel 2, 219
b. II@88)
ein kleiner keulenförmiger fisch (
s.kaulhaupt)
heiszt murkolbe, rotzkolbe. Frisch 1, 532
b;
schon im 15.
jh. kolbe
schlechthin, capito Dief. 97
c,
wie kule (
keule oder kaule)
schlechthin sp. 349
unten (
e). rotzkolbe
ist übrigens auch gleich rotzkengel (kengel 6),
z. b. bei Keisersberg,
wie schwed. aiskolv
eiszapfe Rietz 344
b. II@99)
am wichtigsten für die geschichte des wortes ist kolbe
vom menschlichen kopfe. II@9@aa)
vom kopfe überhaupt, 'kolbe,
kopf, caboche (
frz.)'. Rädlein 553
b,
noch z. b. nordböhm. kulbe (
und koile)
f. Petters
andeut. 23;
doch fast nur noch in gewissen festgewordenen wendungen, wie das bei alternden, absterbenden worten gewöhnlich ist. II@9@a@aα)
hauptsächlich 'einem die kolbe lausen',
mit fem., noch jetzt wie im 16.
jh. (
md.): denn sie müssens erfaren wie man den narren die kolben lauset. Luther 3, 408
b,
d. i. müssen wie narren durch schläge belehrt werden; so musz man narren die kolben lausen. Römolt D 7
a; da wolt er ihm (
der pabst Luthern) die kolbe lausn, das ihm die haar ufn kopfe sausn.
postreuter 1591 B iij
b; narren musz man die kolbe lausen,
il faut grater les foux là où il leur démange (
die narren jucken wo sies kitzelt). Rädlein 553
b; einem die kolbe lausen,
einen abprügeln. das., in die haare fahren Stieler 909; drum hab ich noch zu guter letzt reimweis dies an ihn aufgesetzt, seine kolb' ihm noch einmal zu lausen, bevor ich komm' ihn recht zu zausen. J. Chr. Rost
der teufel an Gottsched (
Berl. monatschr. 1805 13, 37. Gödeke
eilf bücher d. d. 1, 545
a); die dramaturgen und orthodoxen, welche sich am hellen mittag einander die kolbe lausen. Hamann 6, 87,
sich schmähen, '
sich in die haare fahren'.
es ist eine landläufige annahme, dasz das nur verdreht sei aus narren musz man mit kolben lausen (
sp. 1603),
und ein einflusz von diesem wird wol richtig sein; aber daraus erst entstanden ist diesz kolbe
nicht, wie das folg. zeigt. II@9@a@bβ)
zunächst auch als m.: also sol man den narren den kolben lausen. Luther
tischr. 245
a; narren den kolben lausen.
Simpl. 3, 217
Kz.; einem den kolben lausen,
ins haar fallen. M. Kramer (1787) 2, 255
b. II@9@a@gγ)
auch in andern wendungen: er gab ihm ein oder zweimahl tüchtig auf die kolbe. Wieland 19, 320 (
wol erst in Thüringen gelernt).
der bader reibt einem die kolbe
als mittel gegen grillen: o weh dem der mit einem hadr (
lappen) in seiner noth von disem badr (
einem wucherer nämlich) sich musz die kolbe lassen reibn, darinnen die grilln zuvertreibn. er wird .... ihm das häupt also balbiern, das er wird haut und haar verliern. Ringwald
laut. w. 34 (30),
man bemerke das darinnen,
also in der kolbe,
im kopfe schlechthin. II@9@a@dδ)
doch wird auch besonders das haar damit gemeint: es ist ihm aus dieser schule verdriesz genug geschehen und die kolbe mit einer schartigen sichel geschorn. Luther
br. 5, 540; man würde vielleicht in kurzer zeit einem vornehmen mönche
[] die kolbe scheren müssen. Weise
zeitvertr. III Heinrich IV., 3,
doch kann da die tonsur selbst gemeint sein. er schaute mir (
Socrates dem Phaedon) mit ernst recht unter das gesichte und fuhr mit seiner hand um meine kolbe her .... so fuhr er noch einmal mir in das haar hinein, er liesz die treue faust um meine schläfe schweben und sprach: es wird das haar wol morgen runder sein (
ge schoren, als trauerzeichen). Hoffmannswaldau
sterb. Socr. 70 (77),
sogar im edelsten und ernstesten sinne; im jahre 1513,
auch aus Schlesien: dasz Schwarz Christoph eine grosze person gewesen, eine schwarze krause kolbe gehabt.
scr. rer. siles. 3, 47. II@9@bb)
besonders der haarschopf in eine gewisse form geschnitten: kolbe,
rund gestutztes haar Stieler 910,
die haar in die ründe geschoren Aler 1219
b, kolbig verschnittnes haar Schmotther 2, 389, einem eine kolbe schneiden Stieler. II@9@b@aα)
so bei narren (
so dasz die redensarten unter a zum theil hierher gehören werden): 'kolbe,
geschorner kopf, als die narren vor diesem hatten' Frisch 1, 532
a,
s. z. b. Luther
sp. 105
mitte. schon im 13.
jh. wird dem närrisch gewordnen das lange haar (
das zeichen des freien)
abgenommen, wie den leibeignen (
und noch den sträflingen),
er trägt als abzeichen (
vgl. sp. 1143
mitte) gesnitenʒ hâr ob ôren
Trist. 559, 23,
dasz es nicht über die ohren geht, vgl. ir hâr geschorn alleʒ abe Herbort 16869
von trauernden, die 'tôren gelîch'
sich verunstalten; ein mädchen sagt einem bewerber schnippisch, er sei nit hoch genuog geschoren
und lasz dich bescheren schnel,
um 'ir narr' (
liebhaber)
zu sein, s. Schades
bergr. 31, 3. 4,
vgl. mit 33, 7 (ir narr
wie mhd. ir tôre
minn. frühl. 157, 39). II@9@b@bβ)
diese kolbe
war aber auch modetracht: umme de tidt (1559) heft man erstlick, wo allen bekandt, angefangen kolven to dragen. Neocorus
ditm. chron. 1, 152,
vorher ist vom langen haar der vorfahren die rede; a. 1503 fiengen die burger erstmals an das har kurz abzuscheren und kolben zu machen.
Augsb. chron. v. 1595
bei Birlinger
Augsb. wb. 286
a,
wo auch aus einer chron. von 1634
von einem mönche die rede ist, der sein kutten ausgezogen und sich weltlich beklaidt, auch sich gar kolbet bescheren laszen.
s. auch unter kolben 2.
diese haartour erscheint übrigens schon mhd., z. b. auf dem Erfurter Tristanteppich (
anz. des germ. mus. 1866
sp. 19),
wie hiesz sie da? und wieder im 17.
jh., ein bauer singt: in einem seid ihr (
städter) mir gleich kommen, weil ihrs von meiner tracht genommen: denn jeder ihm aufs allerbest mir gleich die kolben machen lest. Finkelthaus D 6
b (Gödeke
eilf bücher 1, 304
b).
aber auch die perücken nachher finden sich kolben
genannt, s. zeit. für die elegante welt 1840
s. 536. II@9@b@gγ)
sache und name gelten noch bei den md. bauern, z. b. die ähnliche haartracht der Altenburger bauern heiszt die kulbe.
in städten verklingend z. b. von einer schlecht geschnittenen, verschnittenen haartour: was hat dir der friseur für eine kolbe geschnitten!
auch wenn einer das stirnhaar emporgekämmt trägt (
was als bäurisch gilt),
heiszt das eine kolbe,
thür., sächs. II@9@cc)
aber auch der kahle kopf heiszt so. II@9@c@aα) kolbe
auf dem haupte, calvitium Steinbach 1, 893, Kirsch 2, 195
b, Aler 1219
a,
und schon im 16.
jahrh.: calva,
dicitur os capitis, ubi capilli esse consuevere, dy kulbe. Trochus
prompt. Lpz. 1517 N 1
b (Dief. 91
c);
so kulbe
f. noch sächs., kolbe
glatze thür. daher von der tonsur der mönche (
vgl. u. a, δ): ir armut, gehorsam, keuscheit, gürtel, kolben, kappen sind eitel sonnen und monden im himel (
darauf legen sie alles gewicht). Luther 3, 517
a (
durch eignen zufall sind kolbe
und kappe
auch narrenzeichen, und er behandelt das eben als närrisch). II@9@c@bβ)
entlehnt davon, aber recht alt aussehend ist kolbe,
kopf eines bocks der keine hörner bekommt Frisch, Adelung,
vergl.kolbenbock,
bes. kolbicht 4,
b. gehört hierher schweiz. kolb
m., stier der erst im zweiten oder dritten jahr verschnitten wird Stald. 2, 120 ? II@9@c@gγ)
bildlich davon genommen auch kolbe der bäume (
die ja auch haar haben, vgl. kahl 2),
die gekappte krone M. Kramer 1787 2, 255
b,
vgl. kolbweide, kolben 3. II@9@dd)
von hier aus läszt sich vielleicht in die vorzeit des wortes tief hinein blicken. II@9@d@aα) kolbe
als kopf läszt sich nicht aus dem vorigen kolbe
begreifen, es musz älter sein und wird vielmehr dieses erklären, sodasz der knopf der keule u. s. w. (
s. 6)
urspr. als ihr kopf bezeichnet war; die form der äuszeren dinge scheint man sich überhaupt von haus aus durch die formen des eignen leibes faszbar [] gemacht zu haben. so wechselt noch geradezu kolbe
mit kopf
beim mohnkopf, distelkopf (6,
c),
die ja noch uns den eindruck eines wirklichen kopfes machen. es war mit der keule
gewiss nicht anders. eigner weise heiszt der kopf selbst auch keule (
s. hier 9,
a, koile),
aber auch knopf (
sp. 1471
unten). II@9@d@bβ)
dasz aber sowol der behaarte als der kahle kopf und das haar selbst kolbe
heiszt, auch dieser widerspruch begreift sich nur aus dem urspr. begriffe menschenkopf überhaupt, es ist ganz wie bei kol (
s. d. 3,
d).
aber der stamm kolb
sieht selber aus wie eine weiterbildung von jenem kol,
und wie dort die lautverschiebung urverwandten gegenüber fehlt, so stimmt zu kolbe
kopf älter gael. colp
m. kopf (
auch schenkel, keule, wie kolbe 3). II@9@d@gγ)
dasz auch kahl (
stamm kalw), calvus
in die sippe gehört, ist bei kol
bemerkt (3,
c)
; diesz kalw
liegt wie in der mitte zwischen kol
und kolb.
das letztere hat übrigens auch eine härtere nebenform kolpe, kulpe,
schädel. II@1010)
endlich ein merkwürdiges kolbe,
fest, lustbarkeit: ainest het der Absolon ainen kolben oder wirtschaft aufgericht und luod sein bruoder Amon darzuo, und der wirt der den kolben gab, der luod iren vater David auch darzuo, und do si geessen hetten und der Amon vol weins was ... Keisersberg
geistl. spinn. (
granatapf. 1511) P 7
b.
in einem Straszburger ratserlasz v. 1535
wird geklagt, wie allenthalben auf den stuben (
gesellschaftshäusern) und wirtshäusern von den burgern künigreich, kolben und andere zerung, zechen und prassen getriben wirt .... solich künigreich, kolben oder geselschaft
u. s. w., s. Scherz 809.
Es erklärt sich glücklich aus einer angabe bei Dasypodius
Straszb. 1537 (8°)
im lat. theile: circumpotatio, ein schlegel oder kolben, das ist wann man ein gastung laszt umbgehen (
in der von J. Grimm
gebrauchten ausg. weggelassen).
also ein kränzchen (
s. d.),
wobei ein reihe um gehender kolben
die meldung oder mahnung verrichtete, wie in dorfgemeinden ein herumgehender klöppel, hammer, pfeil
o. dgl. zur versammlung lud (
s. rechtsalt. 162).