Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kolbe swM.
1.1 allg.
1.2 als (unritterliche) Waffe der Riesen und Wilden
1.3 Stock, Stab eines Hirten
1.4 als Attribut eines Narren (zur Sache vgl. LexMA 6,1023-1026)
2 ‘Stange, Stiel (eines Gerätes)’
3 ‘Stachel’ (?)
1 ‘Keule, Knüppel, Streitkolben’ 1.1 allg.: do slvͦch sant Sebastian den tiͤufel mit einem pliͤgenen cholben Konr 6,49; (als Folterwerkzeug:) do hiez er in mit pligienen cholben vaste ane slahen ebd. 13,19a; mit scharfen swerten was ez [das Rad] gar / und mit kolben wol beslagen Wig 6784; daz werte manic werder man / mit kolben und mit swerten Mai 121,25; Cain einen kolben gevie / und sluoc den bruoder an den nac EnikWchr 1346; bischolf Arnolt / mit sînem kolben Ottok 30015. 33492; wer nu heldes namen hatt / und den weyben dienen will, / der kem alldar, er vint ir vil / freuden der sein hertze gert. / er pringe kolben oder schwert HvNstAp 17070; der wirt lief sâ zehant / hinder die tür an eine want; / einen kolben het er gevangen Niemand 211; wan alle die toͤde der bluͦt stúrzungen, die kloppele, die kulben [Kolbenschläge] , die wunden, die vientliche antlitze der boͤsen lúte: dis alles ging ir [der Märtyrerin Cordula] durch ir herze und durch ir fantasien Tauler 431,7. – in Rechtstexten; als Gegenstand von Strafvorschriften: obe ieman swert, mezzer adir kolbin zuhit UrkFrankf 1,422 (a. 1303); geschehe aber, daz von ieman kolben oder stangen oder ungefuͤge schit, oder ander wofen in vintlicher wise erhaben oder erzogen wuͤrden WüP 41,7; ditz selbe ist ouch von mortkûlen odir kolben, di messîn, kupfrîn, îsrîn oder stêhlîn zanggen haben StRZwick 206; als Waffe im gerichtl. Zweikampf: wirt ir [Klägerin] aver ein kamph ertailt, sô sol man den nôtnufter [Vergewaltiger] ein [in] di erd begraben untz an den nabel [...]. und sol man im einen kamphcholben ein deu hant geben und sol einen rinch stræn um in mit strô ein der weit, daz er sei mit dem cholben erlangen mug RbRupr 138. – Sprichw.: man sol toren mit kolben lusen [lausen] RittermdN 202 (vgl. TPMA 8,392) 1.2 als (unritterliche) Waffe der Riesen und Wilden: mit îsenînen kolven / grôzen, die si [Riesen im Gefolge des Eneas] trûgen, / des hers si vil erslûgen En 7136; wâfens wâren si blôz. / waz ir wer wære? / zwêne kolben swære, / grôze unde lange: / den wâren die stange / mit îsen beslagen Er 5387. 5522; er truoc einn kolben alsô grôz Iw 469. 6683. 6726; GTroj 12141. 12463; des künec Gorhandes her / mit stehlînen kolben streit / ze vuoz Wh 35,21. 395,24. 396,13. 397,2. – der Bauern: sin [des Bauern] kolbe was vreislich ReinFu K,467; einen kolbn er [ ein starker gebûr ] in der hende truoc, / des kiule grœzer denne ein kruoc Parz 570,5; einer [der dörpel ] [...], / der treit einen kolben grôz, / der wil uns reigen bî der linden leiden SM:Go 3: 1,10. – der Zwerge: einen kolben er gevienc, / der im an dem arme hienc Wig 6669; Karriôz ouch vaste / mit sînem kolben ûf in sluoc ebd. 6681; im Vergleich: den wilden getwergen / furen si vil nach geliche [...]. / si furten cholben unde swert Dietr 6490. – der Gestalten der griech. Mythologie: dâ leite ich sînen [des Herkules] kolben / und alle sîne strâlen în KvWTroj 38716; mitt ainem kolben, den es trüg, / uff den erwelten es [Minotaurus] do schlüg GTroj 22051 1.3 Stock, Stab eines Hirten: sie trugen kolben v̄ bogen Wernh D 4046. A 3527; ouch truoc er bî den stunden / einen kolben in der hant KvWTroj 1661; der fürst [Paris als Hirte] luff den berren an / mitt ainem kolben fraisan GTroj 1530; ich verliche im den kalben [(humor. Ausdruck:) versetze ihm eins mit der Hirtenkeule (vgl. Glossar z.St.)] ebd. 1528 1.4 als Attribut eines Narren (zur Sache vgl. LexMA 6,1023-1026): ich bin under den wîsen / wol eines tôren genôz: / dâ wider bin ab ich ze grôz / zeinem fürsten sinnes [an Verstand] under in / die sô gar sint âne sin / daz man in tobender tôrheit giht, / wan ich trage doch tôren kolben niht ZwBüchl 230; sîn kugele [Kappe, Kapuze] was gevullet / mit zwein kæsen herte, / ein kolbe was sîn geverte UvTürhTr 2512; HvFreibTr 5142. 5159; einen kolben swære als ein blî, / den nemet zuo eime leitestabe HBirne 154. 182. – Sprichw. (vgl. TPMA 8,367-379): den [= tôren ] dunchet nihtes guot, / wan daz er mit sinem cholben tuot Trost 53; dis bîschaft sî geseit / dem tôren, der sîn kolben treit, / der im ist lieber denn ein rîch Boner 1,25 2 ‘Stange, Stiel (eines Gerätes)’ dy hack eine kulbin vbir sich richt, / [so auch jener,] wer sich vor sinen viendin czu gerichte gibt Dalimil (B) 60,53; 3 ‘Stachel’ (?): ire [der Schlangen] zegele [...] / hadden manegen colben [...]; / die warin crump alse engele sint TundN 458
MWB 3,2 420,7; Bearbeiter: Tao