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Kolbe

mhd. bis sprichw. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
15 in 13 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Kolbe

Bd. 2, Sp. 1690
Die Kolbe, plur. die -n, oder der Kolben, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kölbchen, Oberd. Kölblein, im gemeinen Leben Kölbel, ein Wort, welches überhaupt den Begriff der Ründe und besonders einer kurzen dicken Ründe hat, und so wohl ein dickes rundliches Theil, als auch einen damit versehenen Körper bezeichnet. 1) Ein dickes rundliches Stück, so wohl allein für sich betrachtet, als auch in so fern es sich an einem andern Körper befindet. So wird der dickere rundliche Theil an einer Keule, der dickere Theil eines Schießgewehres, vermuthlich so fern er sich ehedem mehr der runden Gestalt näherte, und welcher auch der Anschlag heißt, die Kolbe oder der Kolben genannt. Der Kopf an Menschen, besonders ein glatter geschorner Kopf, heißt im gemeinen Leben mehrmahls die Kolbe. Daher die niedrige figürliche R. A. einem Narren die Kolbe lausen, ihn durch Schlüge zur Vernunft bringen, weil die erklärten Narren vom Handwerke schon von alten Zeiten her geschorne Köpfe tragen. So fern man auch sagt, einen Narren mit Kolben lausen, gehöret es zur folgenden Bedeutung einer Keule. Auch der glatte dicke Kopf eines Bockes ohne Hörner heißt die Kolbe, und ein solcher Bock, der von Natur keine Hörner hat, ein humliger oder kolbiger Bock, Kolbenbock. Die Griechen nannten ihn κολοβος, in der Lakonischen Mundart κολορ. Bey den Jägern[] wird das junge, welche, noch nicht verendete Geweih der Hirsche die Kolben genannt; S. Kolbenhirsch. An den Haaren sind die Kolben die dickern Wurzeln derselben, mit welchen sie in der Haut befestiget sind. Die büscheligen Samenähren einiger Arten der Hirse heißen Kolben, zum Unterschiede von den zotigen Rispen anderer Arten. Die walzenförmigen Kätzchen gewisser Schilfgewächse führen den Nahmen der Kolben, welchen auch diese Gewächse selbst bekommen; dergleichen die Rohrkolbe, Narrenkolbe, Teichkolbe oder Wasserkolbe, Typha L. und die Igelskolbe, Sparganium L. ist. Im Hüttenbaue heißt das Ende des Tragestämpels, welcher in das Bühnloch geleget wird, der Kolben. Auf den Eisenhämmern führen diesen Nahmen diejenigen Stücke Eisen, aus welchen das Stabeisen geschmiedet wird, und auf den Blechhämmern werden die eine halbe Elle langen viereckigen Stücke Stäbe Eisen, welche aus den Deulen (Theilen) und Stürzen geschmiedet werden, und welche der Kölbelaufheber unter den Zainhammer bringt, sie breit zu schmieden, Kölbel genannt. Bey den Uhrmachern ist der Kolben die kegelförmige Spitze an dem Kolbenzirkel. In der Geschützkunst ist es der gedrechselte dickere Theil an dem Setzer, dem Wischer und der Ladeschaufel; anderer Fälle zu geschweigen. 2) Ein mit einem solchen dickern, gemeiniglich rundlichen Ende versehenes Ding oder Werkzeug. So wurde eine Keule ehedem häufig ein Kolben genannt, S. Streitkolben und Kolbenrecht. Bey dem Ottfried Kolbon, in den Monseeischen Glossen Cholpo, im mittlern Lat. Colum, im Nieders. Kulf, im Schwed. Kolf, im Isländ. Kylfa, im Dän. Kolle. An einigen Orten haben die Schäfer und Hirten noch jetzt Kolben, d. i. dicke Stecken mit einem Kolben, oder rundlichen gebogenen Knollen am Ende, sich damit gegen den Wolf zu wehren. Jemanden mit der Kolbe lausen, in den niedrigen Sprecharten, ihn durchprügeln. Bey den Saug- und Druckwerken ist der Kolben ein eiserner Bolzen mit einem Ringe, die Zugstange daselbst anzumachen. Eben daselbst wird auch das runde Klötzchen mit Löchern auf den Seiten, auf welches die Scheiben- und Pumpenleder gelegt werden, ehe man es an die Zugstange schraubet, der Kolben genannt. Er passet in die Kolben- oder Stiefelröhre, und verrichtet eigentlich den Druck des Wassers. Dasjenige kolbige Holz, womit in den Schmelzhütten der Herd derb gestoßen wird, heißt ein Kolben. Bey den Büchsenmachern sind die Kolben Cylinder von Holz, Bley oder Eisen, womit der Lauf eines Gewehres inwendig gekolbet, d. i. geglättet wird. Ihr gespaltener Kolben, hat wenig kolbenähnliches, sondern gleicht eher einer Gabel, dienet aber doch zu eben demselben Endzwecke. In der Chymie werden Gläser oder Gefäße mit einem runden Bauche und engen Halse Kolben genannt, dahin der Brennkolben oder Destillirkolben, der Scheidekolben und andere mehr gehören. Im Oberdeutschen wird auch eine Kalbskeule oder Hammelkeule ein Kalbskolben und Schöpskolben genannt. Anm. Im gemeinen Leben nur Kolm. Der Begriff der Ründe ist auch in diesem Worte der herrschende, daher es mit Keule, Kugel, in den gemeinen Sprecharten Kaule, und andern zu einem und eben demselben Geschlechte gehöret. S. Kolatsche, Kollern, Kugel, Welle und Wälzen. Im Hochdeutschen wird dieses Wort so wohl im männlichen als weiblichen Geschlechte gebraucht. Doch kommt es in der ersten Bedeutung mehr im weiblichen, in der zweyten aber mehr im männlichen vor.
4772 Zeichen · 57 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KOLBEswm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    KOLBE swm. keule, kurzer dicker knüttel. ahd. cholbo Graff 4,393. clava, contus, pilus sumerl. 3,60. 50,64. voc. o. 23,5…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kolbe

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Kolbe , plur. die -n, oder der Kolben, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Kölbchen, Oberd. Kölblein, im gemein…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kolbe

    Goethe-Wörterbuch

    Kolbe s Kolben Nikolaus Lohse N.L.

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kolbe

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Kolbe , Karl Wilh., geb. 1757 zu Berlin, gest. 1835 als Zeichnungslehrer in Dessau, Landschaftsmaler u. Kupferstecher, V…

  5. Sprichwörter
    Kolbe

    Wander (Sprichwörter)

    Kolbe 1. Jeder geht mit seinem Kolben den eigenen Weg. » ... Muss man derowegen einen jeden mit seinem Kolben seines Weg…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kolbe

164 Bildungen · 100 Erstglied · 64 Zweitglied · 0 Ableitungen

kolbe‑ als Erstglied (30 von 100)

kolbegêr

Lexer

kolbe·ger

kolbe-gêr stm. gêr mit einem kolben am ende. ndrh. kolvegêr Karlm. 403,51.

kolbegêr

MWB

kolbegêr stM. gêr, dessen Stange ein dickes Ende hat?: Olyuer der wygant, / der droich da in syner hant / eynen groessen kolue geyr, / dar m…

kolbegēr

KöblerMhd

kolbe·gēr

kolbegēr , st. M. nhd. „Kolbeger“, Kolbenspieß, Wurfspieß mit einem Kolben am Ende Q.: Karlmeinet (1320-1340) E.: s. kolbe, gēr W.: nhd. DW-…

kolbelen

KöblerMhd

kolbe·len

kolbelen , sw. V. nhd. „kolbeln“, abziehen des Gesindes, umziehen des Gesindes Q.: DW (1460) E.: s. kolbe? W.: nhd. (ält.) kolbeln, sw. V., …

kolbelîn

Lexer

kolbe·lin

kolbelîn stn. dem. zu kolbe Renn. 16729. kölbelîn, vom pistille der blume Hpt. 9,33.

kolbeln

DWB

kolbeln , im Egerer stadtb. v. 1460, vom abziehen, umziehen des gesindes beim dienstwechsel: süllen dieselben dienstboten .. umb lichtmess, …

kolbelîn

MWB

kolbelîn stN. Dimin. zu kolbe 1: der suochet ein schirmswertelîn, / einen buckeler und ein kölbelîn Renner 16759. – übertr., von keulenförmi…

kolbelīn

KöblerMhd

kolbe·līn

kolbelīn , st. N. nhd. Kölblein, Kölbchen, Keulchen, Blumenpistill Q.: DvAOff (1250-1272), Renner E.: s. kolbe W.: s. nhd. Kölblein, N., Köl…

Kolbengras

SHW

Kolben-gras Band 3, Spalte 1601-1602

Kolbenäcker

PfWB

Kolben-äcker Pl. : FlN, Äcker mit Sumpfboden, auf denen Rohrkolben wachsen, Kolweäckeʳ [ RO-Wartbg LU-Opp ]. —

kolbenartig

GWB

kolben·artig

kolbenartig bauchig, in Form eines Destillierkolbens erinnere man sich .. der sogenannten Florentiner kolben- oder keulenartig geblasenen ..…

Kolbenbirsch

Adelung

kolben·birsch

Der Kolbenbirsch , des -es, plur. die -e, bey den Jägern, ein Hirsch so lange er noch Kolben statt des völlig vereckten Geweihes hat, ein Hi…

Kolbenblume

Campe

kolben·blume

Die Kolbenblume , Mz. die — n , in der Pflanzenlehre, eine Art zusammengesetzter Blumen, deren gemeinschaftlicher Boden für die Blümchen in …

kolbenbock

DWB

kolben·bock

kolbenbock , m. bock ohne hörner, s. DWB kolbe 9, c, β , vgl. kielbock.

kolbenbohrer

DWB

kolben·bohrer

kolbenbohrer , m. bohrer mit kegelförmigem kolben, dessen feilenstreife alle auf die spitze zugehen, die löcher zu versenkten schrauben oder…

kolbenbürste

DWB

kolben·buerste

kolbenbürste , f. kolbenförmige bürste, wie zum ausputzen von kannen, gläsern, bei Frisch 1, 532 b aus einer sächs. bürstenbindertaxe.

Kolbendrǟjeⁿ

Idiotikon

Kolbendrǟjeⁿ Band 14, Spalte 696 Kolbendrǟjeⁿ 14,696

Kolbenente

Campe

kolben·ente

Die Kolbenente , Mz. die — n , ein Art Enten am Kaspischen Meere; die einsame Ente (Anas rufina L .).

kolbe als Zweitglied (30 von 64)

ansetzkolbe

DWB

ansetzkolbe , m. beim geschütz. Garg. 201 a .

berkolbe

Lexer

ber·kolbe

ber-kolbe swm. schlagkolben, zum einstossen des ausgesottenen salzes in die kufen Schm. Fr. 1,258.

blîkolbe

MWB

blîkolbe swM. eine Schlagwaffe ähnlich wie blîkiule : cestus: blicolbe VocBV927 3:360,63; dâ golden sie in rehte / [...] mit blîkolben swâre…

blīkolbe

KöblerMhd

blī·kolbe

blīkolbe , sw. M. nhd. Bleikolben, Bleikeule ÜG.: lat. caestus Gl Q.: En, Gl (11./12. Jh.), PassIII E.: ahd. blīkolbo* 11, sw. M. (n), Bleik…

brechkolbe

DWB

brech·kolbe

brechkolbe , m. ein eisen, das die kammacher glühen, um ochsenhörner inwendig dünn zu brennen.

dampfkolbe

DWB

dampf·kolbe

dampfkolbe , f. dampfkolben , m. 1 1. rundbauchiges gefäsz zur bereitung des wasserdampfs. der kopf ist wie ein dampfkolben, um in diesem re…

destillierkolbe

DWB

destillierkolbe , m. brennkolbe, wie destillierblase, destillierglas, franz. alambic, cucurbite, ein gefäsz von glas mit rundem bauch und en…

deutelkolbe

DWB

deutelkolbe , f. typha, rohrkolbe, tuttelkolbe, deutelkolbe, dittlekolbe, narrenkolbe Nemnich 2, 1517 . ahd. tûtilcholbo m. tirsus Graff 4, …

distelkolbe

DWB

distel·kolbe

distelkolbe , m. caput cardui. von der haberzins keinen distelkolben wannen durch die wanne wegschwingen Weisth. 1, 254.

duttenkolbe

DWB

dutte·n·kolbe

duttenkolbe , f. wie deutelkolbe. tuttenkolb oder ast oder sprusz aller kreuter, thyrsus Voc. theut. 1482 hh 4 a . düttenkolb typha Dasypod.…

faustkolbe

DWB

faust·kolbe

faustkolbe , m. clava, fausthammer: da nun die stadtknecht mit faustkolben in anfallen. Kirchhof wendunm. 289 b ; wenn ich erwisch ein schle…

fühlkolbe

DWB

fuhl·kolbe

fühlkolbe [fülkolbe], m. der zum fühlen dienende kolbe an dem oberen ende des fühlhornes: das letzte glied ( der fühlhörner des schwarzen st…

glockenkolbe

DWB

glocken·kolbe

-kolbe dasselbe wie glockenbalken, nur in wbb. zu ausgang des 18. jahrh. belegt: ' balke, daran eine glocke vest gemacht ' Schrader dtsch.-f…

harnkolbe

DWB

harn·kolbe

harnkolbe , f. kolbe zum destillieren des harns. Jacobsson 2, 221 b .

Ielskolbe

Campe

iel·s·kolbe

Die Ielskolbe , Mz. die — n . 1) Ein Name der Ielsknospe oder des Schwertriedels . S. d. 2) Ein Name des Stechapfels.

igelskolbe

DWB

igel·s·kolbe

igelskolbe , f. 1 1) hölzerne streitkolbe, am kopf mit stacheln beschlagen, falscher morgenstern: scharmützeln mit der wechter igelskolben. …

kampfkolbe

Lexer

kampf·kolbe

kampf-kolbe swm. welich der tiuvel heiʒet dich kempfen unde welich der tiuvel hât dir den kampkolben erloubet Berth. 325,22. kempf kolb, ces…

lauchkolbe

DWB

lauch·kolbe

lauchkolbe , m. blüten- oder samenkolbe des lauchs: asparagus, tallus, louchkolb voc. opt. 50 b , 15.