schwellen,
verb. sich von innen ausdehnen. II.
formelles. I@11)
ein gemeingermanisches verbum, im idg. als solches nicht nachzuweisen, doch begegnen ableitungen, wie lat. salus
schwall, salum,
gr. σάλος,
σαλεύω,
κονίσσαλος,
ir. sál
meer (
urkelt. svâlos),
s. Fick
vgl. wb.4 1, 580. 2, 321. 3
3, 363 (silva,
ὕλη werden kaum hierhergehören; über solea
s.schwelle).
innerhalb des germanischen sind aus dieser wurzel gebildet schwall, schwiele, schwulst, geschwulst
und gleichbedeutendes altn. sullr,
s. auch das zweite schwelle. I@22)
das verbum findet sich in allen germ. sprachen: got. unbezeugt, aber durch die ableitung ufswalleins
φυσίωσις gesichert; altn. svella (svall - sullum - sollinn),
schwed. svälla,
dän. nur im part. svullen
und der weiterbildung svulne, svulme
erhalten; ags. swellan (sweall - swullon - swollen),
mittelengl. swellen,
neuengl. swell,
s. Skeat 617
a;
altfries. swella (
nur 3.
sing. swilith
belegt) Richthofen 1058
b;
alts. swellan (3.
plur. suellad
obturgescunt. Straszb. gl. 42) Heyne
kl. altnd. denkm.2 182
b,
mnd. swellen, swillen
tumescere Schiller-Lübben 4, 497
b;
mnl. swellen,
neunl. zwellen (zwol-geswollen)
s. Franck 1230;
ahd. suellan
tumere, intumescere, turgere, extuberare, grossescere. Graff 6, 873
f.; mhd. swellen (
part. perf. geswollen
und geswullen) Lexer
handwb. 2, 1357. I@33)
die form bietet im hd. keine bedeutenden abweichungen: intumere hd. swellen, geswellen,
nd. zweellen Dief.
gloss. 306
b;
tumere quellen, swellen,
hd. sweln, quelen, uff-, zu-, geswellen, schwellen, ge-, zuschwellen, op zweellen. 601
b;
tumescere anfahen geschwellen, begynnen tzo swellen.
ebenda; turgere .. swellen. 602
b. —
nhd. findet sich ab und zu die schreibung schwöllen: ab solchem seinem zorn das erdreich, welches er hat unbewöglich föst, als ein grundwerck, gelöget, mit zagheit, angst und grausz geschwöllend, schwanger, schwer, zu klagen sich bewöget. Weckherlin 60 (
ps. 18, 9).
entsprechend schwüllt
für schwillt: er geschwüllt vor zorn und rasen. Lichtwer
fabeln 1, 8.
s. auch das zweite schwellen. —
ferner eine nebenform schwillen,
die wol auf analogiebildung nach du schwillst, er schwillt
beruht: mein Gleim, du hast die fülle der seele mir entführt, die sonst aus ihrer stille, wie hoch die fluth auch schwille, nicht leicht ein wort verliert um dinge, die dem vollen gejagten strom entquollen. Tiedge
epist. 1, 245; (
Bacchus) läszt die blüten rötlich schwillen und die beeren saftig quillen. Tieck
Sternbalds wander. 1, 3.
cap.; und gegen den thron, den krystallenen, brandeten, hochauf schwillend, von ferne gewälzt, die dicht anwogenden wolken. Baggesen 1, 181; und sie lagerten alle sich jetzt auf schwillende moose. 191. I@44)
die flexion ist überall die starke (
vgl. indes 5).
die regelmäszigen formen sind im nhd.: ich schwelle — du schwillst — er schwillt — wir schwellen,
prät. ich schwoll — wir schwollen,
conj. ich schwölle,
part. geschwollen.
sie stehen von vornherein fest mit einer ausnahme: für schwoll
hat das ältere nhd. durchweg schwall: ich schwelle,
tumesco, du schwillest.
imper. ich schwall, du schwollest,
per. ich bin geschwollen. Clajus
deutsche gramm. 105, 22
f. ndr.; ebenso Schottel 595. Stieler 1968
und Steinbach 2, 548
geben: ich schwall
und schwoll. Frisch 2, 247
b:
imperf. ist nicht im gebrauch. man sagt, es lief ihm die hand auf,
manus intumescebat. dies bestreitet Kinderling 424,
indem er schwoll
aus Wieland
belegt. seit Adelung
steht schwoll
fest. in der litteratur herrscht schwall
durch das ganze 16.
u. 17.
jahrh. (
belege aus Luther, Steinhöwel, H. Sachs, Fischart
u. a. s. unten),
ist aber auch im 18.
jahrh. noch ziemlich häufig: [] da schwall dein wildes fleisch und blut von geilheit und von ubermuth. Günther 92; die wunde schwall. Lichtwer 32 (1, 20).
dem simplex schlieszen sich die composita an, so in der ältern sprache häufig geschwall,
s. th. 4, 1, 3992;
weitere belege: es geschwall ir der gantze bauch. Rivander 2, 117
b; darfon ich arme hawt geschwal. H. Sachs
fab. u. schwänke nr. 67, 141
neudr.; aufgeschwall: so begab sich, dasz ausz jrrung des schencken ... das gift jm selbs eingeschenckt ward, also dasz er darvon aufgeschwal, und auf den tod kranck lag. Fischart
bienenk. 220
b; das mirs maul aufgeschwal, wie ein fawst. H. Sachs
fastn. sp. 1, 153, 198
neudruck; erst im der pawch gros auf geschwal.
fabeln u. schwänke 185, 58. verschwall: das dem abt gleich der hals und der schlundte dermaszen verschwal.
Zimm. chron.2 2, 534, 4
Barack; es verschwal im noch dieselbig nacht das angesicht, das er sich erblindens verwegen. 4, 86, 31,
ebenso 124, 9. —
noch im 18.
jahrh. schwall auf, entschwall;
vgl. unten die pluralformen. —
nach dem sing. schwall
wird vereinzelt ein unregelmäsziger plural schwallen
gebildet: das wasser ward so vergift, dasz leut und vych, so darausz getrunken, von stund an geschwallen und sturben. Carron.
schlangenb. 41
b; geschwalens jhm im bauch so sehr. H. Sachs
fab. u. schwänke 176, 27
neudruck. entschwallen
noch bei Stolberg,
s. th. 3, 616 (
in den gesamm. werken 12, 383
dafür entschwollen).
ebenso: meine papiere schwallen zu einem ansehnlichen fascikel auf. Musäus
physiogn. reisen 3, 12. — schwoll
ist zuerst belegt bei Wieland (
s. II, 2,
c. d). I@55)
vielfach dringen schwache formen ein durch vermischung mit dem zweiten, transitiven schwellen,
doch hat das sprachgefühl im allgemeinen den unterschied festgehalten, sodasz jene ausnahmen als sprachfehler erscheinen: I@5@aa)
präs. ind. 3.
sing. schwellt
für schwillt: ach dann schwellt mir die brust, und hæufige thrænen quillen vom auge! Geszner 3, 18; wenn der frühling des lebens blüht, die kräfte sich entfalten, das herz von wünschen schwellt. Gotthelf
Uli der pächter s. 9
Vetter; oft schwellt die pfütze selbst zum strom in einem nächtlichen gewitter. Thümmel
reise 1, 35; wann am blüthenbaum die knospe schwellet, wann der hayden düstres braun sich hellet. Kosegarten
rhapsod. 2, 36; und ich werd' ihm wüthend sagen, wie es mir der sinn gebietet, wie es mir im busen schwellet. Göthe 3, 16; herrlich lohnt sich unser streben, bringt .. des demants pracht zu tage, die in finstrer tiefe schwellt. Körner 1, 86
Fischer; und einst verrinn' ich im sande, wenn die himmelsthräne nicht länger schwellt. 94;
weitere belege s. unten II, 2,
h (Körner)
k. ebenso in zusammensetzungen; schwellt auf (
bez. aufschwället Lessing 8, 451;
s. th. 1, 733): meine hand schwellt auf, und zuckt, und greift ans schwert.
Göttinger musenalmanach 1772, 205 (Claudius 1, 208). I@5@bb)
kaum als schwache bildung wird empfunden der imperativ mit -e,
da dieser sich bei vielen starken verben festgesetzt hat: schwelle, brust! Göthe 9, 150 (
Tasso 2, 2); schwelle, herz, mein herz, und sprenge dieses busens kerkerwände! Ludwig 1, 19. (schwill
wird nicht mehr gebraucht, höchstens noch in zusammensetzungen). I@5@cc)
ganz selten sind schwache präteritalformen: die reichen und lockigen haare schwellten in lieblicher verwirrung auf nacken, brust und schultern. Tieck 16, 253; aus den entlegeneren provinzen fiengen schon kleine haufen an, zu marschieren, welche immer mehr anschwellten, je näher sie ihrem standorte kamen. Schiller 9, 310. I@66)
mundartlich allgemein verbreitet: schweiz. schwelle,
gewöhnl. gschwelle (i g'schwille, de g'schwilst, er g'schwilt, mr g'schwelle, i g'schwull, i bi g'schwulle) Hunziker 235;
schwäb. schwellen Schmid 488;
bair. (ge)schwellen, geschwillen,
prät. schwul
und schwellet,
part. geschwollen Schm. 2, 630;
ebenso Hügel 147
a. Schöpf 660,
lusern. geswellen Zingerle 54
a,
cimbr sbellen,
part. gasbollet
cimbr. wb. 226
a;
thür. schwäll Hertel 43;
nd. swellen,
part. (ge)swullen Strodtmann 342. Dähnert 477
b.
[] ten Doornkaat Koolman 3, 376 (
die flexion im einzelnen gibt Schambach 221
a an: praes. swelle, swelst, swelt [
sonst swilst, swilt], swellet;
praet. swul,
conj. swülle;
part. eswullen;
imper. swelle, swellet),
daneben swillen
brem. wb. 4, 1122. Danneil 218
b. IIII.
bedeutung: geschwellen,
tumere, intumere, extumere, tumescere, intumescere Dasyp.; schwellen, sich auffbläen, aufflauffen,
s'enfler Hulsius 293
a; schwellen,
verb. neutr. irreg. . enfiarsi, gonfiarsi, it. tumidire .. lat. inflari v. geschwellen. aufschwellen. blähen. Kramer
dict. 2, 712
a; belzen ...
idem est quod auflaufen, schwellen,
extumere, tumidum esse Stieler 467; geschwollen,
tumens, tumidus. geschwollen seyn,
tumere, turgidum esse Frisch 2, 247
b. II@11)
vom menschlichen körper, II@1@aa)
infolge von krankheit, so besonders mhd.: ouch was zu Waltirshusin ein frouwe, di hatte di gicht swerlich gebrochin wol sibin jar unde was dar zu geswollen obir al den lip. Ködiz 77, 33; aldâ was ouch ein junger kneht siech unde geswollen zehen jâr. Lamprecht v. Regensburg
Francisc. leb. 4640; die sûche igwinaria, die in volgete alsus nâ, dâvon daʒ lût enbinnen swal an deme dunnen uberall.
pass. 196, 69
Köpke; im swullen alle die gelit. 214, 2.
so er ist noch gantz geschwollen von ausgestandener kranckheit; etwas geschwollenes am leibe,
qualche tumore ò gonfiatura al corpo; von eingenommenen gift aufschwellen, dick, hoch aufschwellen,
gonfiarsi, gonfiare, alto dal veleno preso. Kramer
dict. 2, 112
a f.; vom gift aufschwellen,
exhausto poculo mortis turgere Stieler 1968; es geschwillt kein glid, es sey dann vergifft. Henisch 1549, 35.
von einem schlangenbisz: wen diu slang heket, der geswillt unmæʒleichen grôʒ, als ob er waʒʒersühtig sei, und stirbt alsô. Megenberg 276, 10; wan ze der selben zeit begraif derlai slangen aineu sant Pauls hant und paiʒ in. dô wânten sein gesellen, er schölt geswellen und sterben. 285, 23; sie aber warteten, wenn er schwellen würde oder tod nider fallen.
ap. gesch. 28, 6;
vgl.: in Africa war eine schlange, die alle thier ohn ursach bisz, und was sie bisz, das trieb's nicht lange, die wunde schwall, es starb gewisz. Lichtwer
fabeln 1, 20.
ähnlich auch von thieren: diu tierl unkäuschent mit enander gestracht, und ist, daʒ daʒ weibel niht ain männel hât sô eʒ diu hitz der unkäusch entzünt, sô geswillt eʒ und stirbt. Megenberg 139, 8. —
von einzelnen gliedern: der bauch schwillt (
vgl. e): so gehe nu das verfluchte wasser in deinen leib, das dein bauch schwelle und deine hüffte schwinde.
4 Mose 5, 22; eine geschwollene brust,
mammella gonfiata Kramer
dict. 2, 712
a. — es schwillet ihm der kopf, der hals
etc. la testa, il collo gli si gonfia Kramer
dict. 2, 712
a; ein geschwollener hals, geschwollene mandeln
etc. collo gonfiato, gonfio, gengive gonfie, intumorite 712
b; der hals schwillet ihm,
collum intumescit Stieler 1968; wande ir der hals geswollen ist.
pass. 161, 34
Hahn; die hände sind ihm geschwollen,
manus ejus sunt in tumore Stieler 1968; die hände schwellen,
manus tument Steinbach 2, 548; erst stach er sich nur an einem dorn in den daumen; der wurde geschwollen. er band frischwarmen kühmist drauf; da schwoll die ganze hand.
der arme mann im Tockenb. s. 17
Recl. ebenso von füszen und beinen: geschwollene beine,
gambe gonfiate Kramer
dict. 2, 712
b; eneme kinde, dat geboren was van Tullifelt, deme swal dat vordere bein lange wile; to jungest brac de swele.
d. chron. 2, 198, 25; ungeachtet meines geschwollnen fuszes, bin ich ihr einmal in Münster drey gassen zärtlich nachgehinkt. Rabener
sat.8 4, 191; diu beine und die vüeʒe die wâren vil unsüeʒe ze tal gelîche envollen sam sie wærn geswollen. Heinrich v.
d. Türlin
crone 9414. einen geschwollenen backen haben,
haver la mascella gonfia [
dal male di denti] Kramer
dict. 2, 712
b; zunge: geschwillet die zunge und dz der mensch nicht in einer sucht ist und nicht hitze hat so gib im dise ertzney. Ortolf v. Bayerland (1477) 23
a; von dem (
trinken) die zunge leit gequollen, in dem munde und ist geswollen, daʒ sie sich niht geregen mak.
renner 10517;
[] milder, die schläfe schwillt
von kopfweh: über den männern schwebet das kopfweh, vom weine gezeuget, und sticht ihre schwellenden schläfe mit grimmigen schmerzen. Zachariä
tagesz. 26. II@1@bb)
der tote schwillt: ausz dem sein todt wurd offenbar. viel volckes kam geloffen dar, funden sein leib grosz wie ein zeck geschwollen und vol schwartzer fleck. H. Sachs 1, 163
c; (
du) verderbtest auch mit dir zugleich deine drei gesellen; o, sieh nun ihre glieder bleich am monde schwellen. A. v. Droste-Hülshoff 1, 263; sie faszt der todten geschwollene hand. 312. II@1@cc) schwellen
von schlägen: der kopf ist ihm von ohrfeigen geschwollen,
colaphis tuber est totum caput Stieler 1968; ein geschwollener kopf von schlä
gen. Kramer
dict. 2, 712
b; die juden sluegen Chr. an sein wang, das im sein mund geswall.
quelle bei Schm. 2, 630; unnd von dem starcken streich dem riesen seine hüfft gar sehr geschwallen.
buch der liebe 278
b; sîn (
Jesu) antlütze schœn was worden bleich, bluotic und geswollen gar. bruder Philipp
Marienleben 7780; sîn lîp wart aller keʒelvar und als geswullen von dien slegen, daʒ er sich kûme mahte regen. Walther von Rheinau 163, 17; owê, sô ist dîn houbet mit slegen betoubet unt sô sêr zerknullen, daʒ eʒ dir ist geswullen. 183, 9; und (
er) rempt mir des angesichts mit der faust, das mirs maul geschwall als ainr krotten.
fastn. sp. 331, 27.
ähnlich die wunde schwillt: waʒ wunden man mit golt macht, die geswellent niht. Megenberg 474, 14; ich gesegen dich hewt dise vermailte wunden mit den rechten karachtern † das du dein sweren und dein swällen und dein rysen ... lassest.
wundsegen des 15.
jahrh. s. anz. f. kunde d. d. vorzeit 25, 67; eine striem' erhub sich, mit blut aufschwellend, am rücken, unter dem goldenen stab. Voss
Il. 2, 287. II@1@dd)
von anstrengung u. ähnl.; die füsze vom gehen: mir g'schwell'n d'füasz. Hügel 147
a;
boa ... das schwellen der schenkel vom gehen. Corvin.
fons latin. 93
a. Stieler 1968; deine füsse sind nicht geschwollen diese vierzig jar.
5 Mose 8, 4; vierzig jar versorgetestu sie in der wüsten, das jnen nichts mangelt. jre kleider veralteten nicht, und jre füsse zuschwollen nicht.
Nehem. 9, 21. —
arme, hände von der arbeit oder vom kampfe (
vgl. c): von tjost dâ arme wâren rôt, geswollen, swarz und dar zuo blâ. Ulr. v. Lichtenstein 492, 25; er glaubt's und fuhr in stollen; da fand er einen held, desz faust, vom stahl geschwollen, zum schlegel sich wohl stellt.
wunderhorn 1, 289
Boxberger. das rosz vom sattel: wenn ein rosz geschwillet, so nim geblehet brod, geusz essig drauf und binds drauf. Coler
hausb. (1640) 264. —
ähnlich auch das gesicht, wenn das blut zu kopfe steigt: ja du solltest drei oder vier bauern ins zimmer herunter stoszen, blos um dich zum aufheben nachzubücken, damit etwa dein schwellendes gesicht auf ihr herz eindruck machte, und damit du das blut in deinen und ihren kopf zugleich empor triebest. J. Paul
uns. loge 1, 15.
die augen vom weinen: geschwollene augen haben,
havere gli occhi gonfi [
dal sonno, lagrime, ubbriacchezza, ò dalla natura] Kramer
dict. 2, 712
b; '
von den augen wenn sie von den zudringenden thränen ausgedehnt werden.' mit schwellenden augen abschied nehmen. Adelung; mein andlitz ist geschwollen von weinen, und meine augenliede sind vertunckelt.
Hiob 16, 16; dann ging allezeit das geschwollne herz und der geschwollne augapfel entzwei, und die von der nacht verdeckten thränen strömten von seinem erker auf die harten steine hernieder. J. Paul
Hesper. 2, 166;
vgl. das zweite schwellen 1,
g. II@1@ee)
in der schwangerschaft: das mägdlein beginnet zuschwellen,
puella ventrem fert, uterus ejus intumescit Stieler 1968;
dafür meist der leib schwillt ihr,
uterus illi extumet Steinbach 2, 548; es schwillet ihr der bauch, es schwellen die brüste,
il ventre se le gonfia ... le tette, mammelle se le gonfiano, cioè ell' è gravida Kramer
dict. 2, 712
a; de buuk beginnet er te schwellen. Strodtmann 342;
[] den knechten bist lang nach geloffen .. bisz dir doch yetzt der bauch thut gschweln. H. Sachs 1, 514
a; nichts desto minder schwillt zusehens ihr kontur. Wieland 18, 140 (
Pervonte 1); da unter der linde, da schwoll mein leib. Ludwig 1, 117. II@1@ff) schwellen
dick werden, fett ansetzen: sag du mehr, ob das kein luder-leben ist? und dabey bleibt man frisch und stark, und das korpus ist noch beysamen, und schwillt dir stündlich wie ein prälats-bauch. Schiller
räub. 2, 3
schausp.; aber auf dem markte zu sitzen, die arme geschlungen über dem schwellenden bauch. Göthe 1, 340;
im wortspiel mit der übertragenen bedeutung (
s. 2,
l): 'warum nur die hübschen leute mir nicht gefallen sollen?' manchen hält man für fett, er ist nur geschwollen. 3, 253. II@1@gg)
bei thieren schwellende euter,
auch zusammengesetzt milchschwellende euter Voss
Od. 4, 89,
s. theil 6, 21. II@1@hh)
anderes: das weinperl (
uvula) ist ain klaineʒ flaischel hinten in dem mund ... eʒ geswillt auch ze stunden alsô, daʒ eʒ daʒ tier erstecket. Megenberg 17, 5; das herz junger mädchen läszt wie neue wannen und butten anfangs alles durchtropfen, bis es die gefäsze durch schwellen behalten. J. Paul
Kampanerthal 43. II@1@ii)
häufig bezeichnet schwellen
einen dauernden zustand, voll, rund und weich sein, als zeichen blühender gesundheit; schwellende glieder: schön bist du, fröhlicher tanz! wenn du die schwellenden glieder hebest und senkest sie wieder. Grillparzer
2 6, 249 (
Melus. 2); arm: lasz los den weiszen, den schwellenden arm! Leuthold
ged.4 42; schwellende brust: wie lieblich verschämt sah ich schon deine wangen erröthen, deinen busen, wie fürstlich schön unter dem silberflor schwellen. Schiller
Fiesko 5, 13; manche Troerin auch und Dardanerin, schwellendes busens. Voss
bei Campe;
vgl.: wer hat zur fülle höchster lust gewölbt der holden weisze brust? — er auch, durch den ihr ebenbild, des schwanes brust, von flaumen schwillt. Bürger 37
b.
besonders schwellender mund, lippen: die lippen schwollen von den rosen. Günther 221 (
labia rosis erant turgida Steinbach 2, 548); o wie reifend schwellen die lippen dir, zwey küssende morellen!
Shakesp. sommernachtstraum 3, 2;
so auch: von künft'gen küssen schien ihr kleiner mund zu schwellen. Wieland 21, 168 (
Klelia 1, 84).
selten auch vom sprossen des barts: wäre Vincenz mir wert, kaum hätt' ich zu schämen der wahl mich, ehe der flaum ihm schwoll, küsztest den schönen du selbst. Platen 122
b.
andrerseits kann eine geschwollene (
dicke, wulstige) lippe
und ähnl. auch häszlich sein: ein dick garstig geschwollen gesicht,
un viso tutto brutto e gonfio. gall. bour soufflé. geschwollene lippen. Kramer
dict. 2, 712
b; eine kleine unscheinbare figur .. eine plattgedrükte nase und eine geschwollene oberlippe .. gaben seinem anblik eine widrigkeit, welche alle weiber von ihm zurükscheuchte. Schiller 4, 65. II@1@kk)
ein geist schwillt,
dehnt sich aus, zerflieszt: aber das zwerglein schwoll immer gröszer und höher, ward zu einem ungeheuren riesen und zerflosz in luft. Grimm
sagen 45; ihr schlangenleib beginnt zu schwellen. A. v. Droste-Hülshoff 1, 317. II@22)
häufig stellt sich dabei eine beziehung auf seelisches ein. II@2@aa) die adern schwellen
bei aufregung: den wilden rossen schwillt vor kampflust jede ader. Freiligrath
ged. (1841) 145; stirnader
vor zorn: nur wer gewuszt hätte, was vorgefallen war, würde aus seinen geschwollenen stirnadern, aus den augen, die zuweilen hervorgequollen .. auf das, was in ihm vorging, haben schlieszen können. Immermann
Münchh. 4, 40; wem je im grimm, wem je im groll die blaue stirnenader schwoll. Strachwitz
ged.8 66.
ähnliches: und jede muskel that durch sanftes schwellen kund, es müsse sie der schönste traum vergnü
gen. Wieland 17, 179 (
Idris 3, 88);
[] aus den schranken schwellen alle sennen, seine ufer überwallt das blut, körper will in körper über stürzen, lodern seelen in vereinter glut. Schiller 1, 210. II@2@bb) der busen, die brust schwillt,
eigentlich, beim wachsen: es schwillt die brust, es bräunt der pflaum, er ist ein jüngling worden. Göthe 5, 42.
vor freude: die tasche schwillt von geld, von freuden meine brust. Göthe 7, 64 (
mitschuld. 2, 1);
vor stolz: stolzer, kühner schwillt die brust. Schiller 1, 260; glühst du Laura? schwillt die stolze brust? 297;
von hohem streben: mîn herze iedoch nâch hœhe strebet: ine weiʒ wâr umbeʒ alsus lebet, daʒ mir swillet sus mîn winster brust.
Parz. 9, 25;
ähnlich: der ehrsucht schwillt die brust von wünschen nach der höh. Günther
bei Steinbach 2, 548.
vor bewunderung: Antonie sasz ohne bewegung: ihr busen schien so viel grösze fassen zu wollen: er schwoll hoch empor. ein tiefer seufzer muszte ihn endlich entledigen.
deutsche erzähler des 19.
jh. s. 25, 35
neudr. von liebe u. ähnl.: er hörte clarinetten, waldhörner und fagotte, es schwoll sein busen. Göthe 18, 109 (
W. Meisters lehrj. 1, 17); sie kommt mir nicht entgegen wie sonst, an ihre wollustschwellende brust den könig des Olympus zu empfangen? Schiller 1, 331 (
Semele 2).
vor kummer: beiden schwoll der tapfre busen von herzkränkender empfindung. Immermann 12, 68
Hempel (
Tulif. 2, 5);
vor aufregung, wut: hier röthet sich sein kamm, es schwellen brust und lungen, er schreyt. Wieland 9, 56 (
Musar. 2). II@2@cc)
noch häufiger das herz schwillt: so fuhr eine kalte hand in Viktors geschwollnes herz und wendete sich darin um. J. Paul
Hesp. 1, 273; die volle seele wurde von laub und nacht und thränen zugehüllt — das sprachlose herz sog schwellend die töne in sich. 2, 99; ein langer seufzer schien ihren ganzen busen zu überladen und aufzuheben .. und der überbauende schneehügel schien vom schwellenden herzen, das unter ihm glühte, und vom schwellenden seufzer zu zittern. 3, 37; da das schwellende herz doch endlich den damm der verstellung überwältigt. 57; ach und mein herz! wie geht es auf! wie schwillt's vor ihnen! Göthe 10, 146 (
Stella 2); (
von liebe und ähnlichem:) daʒ herze ir in der minne swal.
pass. 384, 59
Hahn; nur dies herz, es ist von dauer, schwillt in jugendlichstem flor. Göthe 5, 167; in mächt'gen schlägen schwoll empor mein herz, nicht halten wollt' es mehr in seinen banden. Grillparzer
4 6, 53 (
des meeres u. der liebe wellen 3); (
ferner:) dem herzen, das in trunkenheit der lieder schwillt und ragt. Göthe 5, 212;
von stolz (
vgl. unten i. l): sonderlich in Egypten, legten sie einmal unter Traiano den römischen heubtman danider, ja da schwal jnen das hertz, hirn und bauch. Luther 8, 82
b; ihr gemüthe schwillet nicht wenn das glücke sie bescheinet. Opitz
bei Adelung; sein herz war ihm viel stolzer geschwollen. Klopstock
Mess. 7, 508; ha! ich fühle mich! — Kronos blut in den unsterblichen adern! königlich schwillt mein göttliches herz! Schiller 1, 315 (
Semele 1).
ähnlich: (
die göttinnen) empfinden jhre brust durch dises apfels schrift, als der begird zünd strick, und jhres eyfers gift, so häfftiglich entbrant, und jhr hertz so geschwollen, dasz sie nu keines wegs einander weichen wollen. Weckherlin
ged. 721.
von begierde: also riefen mir hold die singenden. aber das herz mir schwoll von begier zu hören. Voss
Od. 12, 193;
mhd. sogar swellen nâch: sîn herze gap von stôʒen schal, wand eʒ nâch rîterschefte swal.
Parz. 35, 28;
von schmerz oder kummer: die (
liebeswunden) mir daʒ herze erstreckent, daʒ eʒ nâch jâmer swillet. Wolfram
Willeh. 62, 19; daʒ herze ir vor leide swal. Heinrich v.
d. Türlin
crone 10968; sîn herze in grôʒer riuwe swal. Rud. v. Ems
Barl. u. Jos. 187, 17; dem bischove in dem leide swal sîn edel herze, daʒ er trûc.
pass. 15, 8
Köpke; [] dieser zweyer vatter ertodt den unsern, darvon ist mir mein hertz geschwollen ... ich werd auch niemmer frölich, bisz ich jrer eynen getodt hab.
Aimon D 5
b; sie errieth, was das herz einer untröstlichen mutter bedürfe, nämlich zwei liebende arme, als einen verband um die zerschmetterte brust, und tausend balsamtropfen fremder thränen auf das unter den splittern schwellende herz. J. Paul
Hesp. 4, 100. —
von zorn, grimm: dem vursten sîn gemûte swal, daʒ er was sus von im versmât.
pass. 129, 66
Köpke; (
der zornig spricht:) wenn man mir etwas thut odr sagt, das mir nit gfelt grosz oder klein, so gschwilt mir auff das hertze mein und ist mir gleich, samb sey ich wütig. H. Sachs
fastn. sp. 2, 56, 224
neudruck; o, freund, voll edlen zornes schwillt das herz in mir, den kampf ihm anzutragen. Gotter 1, 373; nichts sagte sie — schwoll gleich von scham und grimm ihr stolzes herz. Wieland 10, 235; und wenn dein groszes herz von unmuth schwoll. Göthe 57, 294.
dafür mit durchgeführtem bilde von galle schwellen (
zunächst unbildlich verstanden): aber es schwillt mein herz von galle mir, wenn ich des mannes denke, der mir so schnöde vor Argos' volke gethan hat. Voss
Il. 9, 646; aber Eupeithes' sohn Antinoos sprach zur versammlung, zürnend vor schmerz; ihm schwoll sein finsteres herz, von der galle schwarz umströmt.
Odyssee 4, 661. II@2@dd)
gleichbedeutend mit letzterer wendung, aber anatomisch correcter, ist die milz schwillt: voll ungeduld so lang' umsonst zu warten, trabt er, indesz die milz ihm mächtig schwillt, ... im dunkeln auf und ab. Wieland 21, 226 (
Klelia 3, 240).
aber auch vom lachen: ich wollte nicht spotten, aber ich musz, so schwillt mir die milz von lautem gelächter. Herder 26, 285
Suphan (
Pers. 1.
sat. 15). die leber: den köchen von schmerz die leber schwoll, von blut das auge, das haupt von groll. Rückert
Firdosi 1, 34;
auch die galle schwillt: man weisz wie leicht die galle den dichtern schwillt. Wieland 5, 246 (
der verkl. Amor 3, 271); verdient ein schattenbild, ein bloszer traum, dasz mir die galle schwillt? 17, 167 (
Idris 3, 66); wiewohl bey seinem knurren ihr heimlich oft die gall' ein wenig schwoll. 22, 274 (
Oberon 6, 49). II@2@ee)
seltnere verbindungen; das haupt schwillt
vor aufregung, leidenschaft: oder nun die verliebte mordraserei im heiszen, schwellenden haupt des mohren, die berühmte 'scene Othello's mit licht und schwert'. Herder 25, 36
Suphan; dem stümper schwillt der schädel, er schreibt recepte nach. Günther 396;
unklar in folgender stelle: ich wil gehn meinen gast auffwecken, .. mich dünckt, er hab ein gschwolen kopff und sey zumal ein fauler dropff. H. Sachs
fastn. sp. 2, 144
neudruck. der hals schwillt
bei heftiger erregung: als träf' ihn selber das todesgeschosz, so zuckt der prälat, seine augen blitzen, 'marschalk!' stöhnt er, die stirne wird nasz, am schwellenden halse zittern die spitzen. A. v. Droste-Hülshoff 1, 336.
der mund von liebe (
zum kusse? vgl. 1,
i): ir begunde daʒ herze quellen, ir süeʒer munt ûf swellen.
Trist. 11980;
vgl.: er wart von senelicher scham geverwet als ein rôse rôt. minn unde blûcheit im gebôt, daʒ im der muot in leide qual. der munt der wuohs im unde swal, ê daʒ er möhte sprechen.
troj. krieg 20984. II@2@ff)
vom hahn oder truthahn hergenommen ist die wendung einem schwillt der kamm,
er wird übermütig: die furcht ist weg, der respect, die scheu, da schwillt dem bauer der kamm auf's neu. Schiller 12, 46 (
Wallensteins lager 11); ich weisz, ihr übermüthgen, wovon der kamm euch schwoll. Uhland
ged. 367 (
graf Eberhard 4);
[] was fällt dir ein? bezähme deinen übermut! ... dir schwillt der kamm gewaltig, bitter höhnst du mich. Platen 300
a. II@2@gg)
häufig sind auch abstractere wendungen; so sagt man gleichbedeutend mit das herz schwillt einem
mhd. gern der muot swillet: thuruh ubarmuoti in wârsô suillit uns thaʒ muat sâr. Otfrid 3, 3, 26; mir ist geswollen hie der muot, al dâ daʒ herze lît. Reinmar v. Zweter 151
Roethe; dafür unpersönlich: und swem von trüebem muote swillet. Lamprecht v. Regensburg
tohter von Syon 2437.
nhd. die seele schwillt: darob entbrennt in Roberts brust, des jägers, giftger groll, ihm längst von böser schadenlust die schwarze seele schwoll. Schiller 11, 248.
anders gewendet: und jede seele schwillt und mündet hinüber in den opferstrom. Lenau 1, 98
Koch (
liebesfeier). II@2@hh) schwellendes gefühl
u. ähnl.: als ich mit schwellendem gefühl, was mir in der stadt bevorstehe, .. die grosze strasze herabfuhr. Arnim 2, 205; und meine schwellende empfindung darf in wollustvollen strömen sich ergieszen. Schiller 5, 1, 34 (
dom Karlos 2, 5); entsunken dem schwellenden wunsche nach triumphen, wie jene, die blutvergieszer belohnten. Klopstock
Mess. 15, 780;
so im einzelnen (der) zorn schwillt in jemand (
in gleichem sinne wie jemandes herz schwillt von zorn)
u. anderes: wenn man den bauern bittet, so schwillt ihm der muth. Adelung; in ihrer jungen brust schwoll das gelüsten auf. Gotthelf
Uli der knecht s. 195
Vetter; Felix schwoll der zorn.
käserei in d. vehfr. 333; des konniges herte begunde harde quellen, sin woldige torn bernen unde swellen. Eberhard
reimchron. von Gandersh. 1398; aus seinen augen strahlt ein muth, der alles wagt, und von begierde schwillt sein leben zu verschwenden. Wieland 17, 35 (
Idris 1, 43); er sagt's, und seufzt, und stiller kummer schwillt in seinem aug'. 22, 252 (
Oberon 6, 10); doch mir will ein dünkel schwellen, der mir kühnheit gibt. Göthe 56, 116; der innre sturm, der ihm im busen schwoll. Chamisso 2, 56
Koch (
d. mordthal); so über alle schranken schwillt die wuth des Bolingbroke.
Shakesp. Richard II, 3, 3.
vgl. auch: und wie ich nun in liebeswellen schäume, und wie der gott mir in dem busen schwellt. Körner 1, 148
Fischer. anderes: die kraft, die in des fechters muskel schwillt, musz in des gottes schönheit lieblich schweigen. Schiller 6, 272. II@2@ii)
ferner jemand schwillt,
meist in demselben sinne wie die unter b. c. g angeführten verbindungen: er schien am zweyten tag vor hohem muth zu schwellen. Wieland 22, 271 (
Oberon 6, 43); der teufel — Amor mit der krücke, der hinter sanct Georgens schild von böser lust wie eine kröte schwillt. 21, 202 (
Klelia 2, 144); schwillst du von ruhmsucht?
Horazens briefe 1, 24 (
ep. 1, 1, 36).
ähnlich auch: ich schwoll neben dir, denn ich war stolz auf deine freundschaft. Schiller 1, 55.
vom dichter in bezug auf den '
schwülstigen'
stil: ein andrer strebt nach grösze auf, und schwillt. Wieland
Horazens briefe 2, 201 (
professus grandia turget. ep. 2, 3, 27).
zuweilen indesz in ganz anderer verwendung. so wider einen schwellen,
sich auflehnen: den sterblichen sünder seit gestern, welcher wider den ewigen schwillt! Klopstock
Mess. 6, 447.
eigenthümlich ist folgende wendung: ein groszer vorsahl war's, mit sklaven aller farben kombabischen geschlechts erfüllt, die ewig hier am quell der freude darben, und, da ein mann, von emirsglanz umhüllt, in ihre hohlen augen schwillt, mit blicken, die in knechtsgefühl erstarben, die arme auf die brust ins kreuz gefaltet, stehn. Wieland 22, 209 (
Oberon 5, 33).
[] II@2@kk)
eine schlange schwillt
vor wut: die gleichet dem, der, zwischen laub und gras, nach blumen greift, und eine schlang entdecket, die zischend schwellt, und, ungereizt, voll hasz den gelben hals der hand entgegen strecket. Hagedorn 2, 79; der fürchterliche kampf beginnt. er flieht, er schlägt! der drache schwellt! (: held). Isaschar Falkensohn Behr
bei Matthisson
lyr. anthol. 9, 23. II@2@ll)
häufig ist das part. geschwollen,
meist in der bedeutung '
aufgeblasen, hochmütig': er ist geschwollen,
egli è gonfio, tumido, met. superbo, orgoglioso, borioso, arrogante, v. stoltz, aufgeblasen, geschwülstig. Kramer
dict. 2, 712
a; mein begangne hoffart, die ich ... inn meinem ganzen leben getriben habe, mit herrlichen klaidern ... sonderlichen aber mit aufgeblasnem und geschwolnem hertzen.
spec. vit. human. s. 28
ndr.; fleuch, hochgeschwollner erobrer! Klopstock
Mess. 11, 976; ich finde wenigstens in einem solchen leben unendlichmahl mehr wahrheit und vernunft, als von der freudescheuen zunft geschwollner stoiker ein mitglied abzugeben. Wieland 9, 27 (
Musar. 1).
in anderm sinne: in unvollkommenheit vollkommen werden wollen, das machet unsern sinn auff neues so geschwollen. Fleming 549.
so vielfach in mundarten: tirol. g'schwoll'n
aufgebläht, stolz. Schöpf 660,
thür. er spielt den geschwollenen,
den groszen herrn. Hertel 43
und sprachsch. 225;
dagegen in Wien reden s' ned so g'schwoll'n,
so albern. Hügel 147
a. II@33)
von dingen, besonders vom gewässer. II@3@aa)
eigentlich: das wasser rauscht', das wasser schwoll. Göthe 1, 185.
von der see, flut u. ähnl.: das meer brauset und schwillet,
il mare freme, schiuma e si gonfia, intumida. Kramer
dict. 2, 712
a; wahrscheinlich hatte, als Tacitus schrieb, der marschbewohner an der Nordsee schon die ersten einfachen dämme gegen die schwellende see gezogen. Freytag
bilder 1, 67; (
gott) sah fluthen über fluthen schwellen, und rettete mit starker macht mich mitten durch die schwarzen wellen. Uz 186
Sauer; wohin? wohin? die breite schwoll; des wassers ist hüben und drüben voll. Göthe 1, 38; und wie erfreulich das land herschwimmenden männern erscheinet, welchen Poseidon's macht das rüstige schiff in der meerfluth schmetterte durch die gewalt des orkans und geschwollener brandung. Voss
Od. 23, 235; in des meeres nacht, wo die fluten des ozeans schwellen. Körner 1, 92
Fischer. ein strom, bach schwillt (vom regen): aber wenn sie (
flieszende gewässer) jrgends keinen auszlauff, oder ablauff haben, schwellen (lauffen) sie auff, und ergiessen sich in stehenden seen. Comenius
sprachenth. 67; es war im märzmonat, wo dieser strom (
d. Lech) von häufigen regengüssen und von dem schnee der tyrolischen gebirge zu einer ungewöhnlichen höhe schwillt. Schiller 8, 230; so wüthet nicht der hochgeschwollne bach, der schäumend seinen damm durchbrach. 6, 371 (
zerstörung Trojas 87); ins Bayerland, wie ein geschwollner strom, ergosz sich dieser Gustav. 12, 245 (
Wallenst. tod 3, 13); denn er (
Diomed) durchtobte das feld, dem geschwollenen strome vergleichbar, der voll herbstlicher fluth sich ergeuszt und die brücken zerscheitert. Voss
Il. 5, 87; ich .. will in den strom mich stürzen, der unter mir zur woge schwillt. Seume
ged. (1826) 140; nur selten schwillt zu einem kleinen bache der wasserstreif, der sickernd über kiesel rinnt. Anzengruber
3 5, 280.
von den wellen: und selbst des mühlbachs wellen lassen das wilde schwellen und schlummern murmelnd ein. Geibel 1, 143; da wo vor Ranstädts thor der krummen Pleisze wellen mit stillem sanftem lauf an grüne küsten schwellen. Zachariä
renomm. 6, 78; die zephyr wiegten sich auf sanft geschwollnen wellen. Weisze
kl. lyr. ged. 1, 24; und von den schwarzen stürmen schwellen die aufgebrachten wellen. Uz 169
Sauer; siehst auf und ab lichtgrüne schwanke wellen, mit purpursaum, zu schönster wohnung schwellen. Göthe 41, 62 (
Faust II, 1).
[] seltneres: wenn langsam schwellend der tropfen sank. A. v. Droste-Hülshoff 1, 191.
von thränen: und euch bethauen, ach! aus diesen augen der ewig belebenden liebe vollschwellende thränen. Göthe 1, 92 (
herbstgef.).
vgl. noch: daʒ machet mich junc, daʒ ich mîne trünke lenge unt den slünden des verhenge daʒ si swellent unde grôʒent.
weinschwelg 203.
vom anwachsen einer lavine: jetzt rieselte, rollte es daher und schwoll und schwoll. Felder
sonderl. 2, 256. II@3@bb)
ebenso schwellen (
quellen)
gegenstände im wasser: etwas im wasser schwellen lassen. Kramer
dict. 2, 712
a.
technisch bei den gerbern die häute (in der schwellfarbe) schwellen lassen,
s. Brosenius 1, 59,
vgl. auch schwellbeize
und das zweite schwellen 5,
a. —
überhaupt, von feuchtigkeit aufquellen; so auch: die thüre ist vor kälte geschwollen,
extumuit frigore janua. Steinbach 2, 548. —
anders: sihe! wie erstlich im wasser die blasen, schwällen. doch eylig und bald vergehn.
Venusgärtl. s. 13, 7
neudruck. II@3@cc)
an a schlieszen sich bildliche gebrauchsweisen: ach damals, wie oft habe ich mich mit fittigen eines kranichs, der über mich hinflog, zu dem ufer des ungemessenen meeres gesehnt, aus dem schäumenden becher des unendlichen jene schwellende lebenswonne zu trinken. Göthe 16, 75; ihm (
Schiller) schwollen der geschichte fluth auf fluthen. 13, 171; an den wurzeln heiliger eiche schwillt ein lebensquell hervor. 47, 154. II@44)
vom wuchse der pflanzen: an dem ufer des stillen wassers fehlt weder das rohr noch irgend eine schwellende pflanze. Göthe 33, 149; nun vereinzelt schwellen sogleich unzählige keime, hold in den mutterschosz schwellender früchte gehüllt. 1, 328; weil er von schakals geschlechte legt' ich bei geschwollne trauben. 3, 186; die wollust deckt ihr bett auf sanft-geschwollnes moosz. Haller
ged.10 27; jene kamen und sahn die geschwollenen beeren, die ringsum .. schimmerten. Voss
Luise 1, 160; Antron's laute gestad' und Pteleos' schwellende rasen.
Il. 2, 697; musz der blume schmuck vergehen, wenn des herbstes gabe schwellen soll? Schiller 11, 54; und die rebe war entsprossen, und des nektars tugend schwoll und quoll in purpurtrauben. Rückert
ged. (1841) 384; sanft schwelle der apfel, und winke vom zweige.
poet. werke (1882) 1, 634 (
liebesfr. 6, 77); wo auf und ab die goldne traube hängt und schwellend reift in gottes sonnenglanze. Grillparzer
4 5, 90 (
könig Ottokar 3); als wir in dunkler waldeseinsamkeit das reh belauschten und der knospen schwellen. Geibel 1, 74.
im bilde: ach sie (
die jungfrau) suchet umsonst, was sie sanft anschmiegend umfasse, und die schwellende frucht beuget zur erde die last. Schiller 12, 196; doch prächtig schwillt der baum des lebens, und strebt den hohen wolken an! Platen 61
a.
mit verschiebung der beziehung auch von der erde: maigefühle, die ihr in der brust meines Viktors schluget, da er über die knospende schwellende erde sah. J. Paul
Hesp. 3, 139.
vom frühlinge: steige höher, mond, damit er den quellenden, geschwollenen, dunkel - grünen frühling leichter sehe, der mit kleinen blassen spitzen aus der erde dringt.
ebenda; und munter mit des frühlings schwellen hebt sich die knospe in die luft. Körner 1, 90
Fischer. unsinnlicher (
im bilde): aber so lange der ehrgeiz der ersten männer der nation nach dem schwellenden kranze des dichters rang, galt noch die natürliche regel, dasz künstlerisches schaffen ... männerarbeit ist. Treitschke
deutsche geschichte 3, 683. II@55)
weitere concrete gebrauchsweisen. II@5@aa) nebel, wolken schwellen: und als die geschwollnen wolkenklumpen im weiten blau zu flocken eingingen. J. Paul
Hesp. 1, 240; der haidemann schwillt! A. v. Droste-Hülshoff 1, 111;
[] so auch: nur sah' ich sie den reinsten schleier halten, er flosz um sie und schwoll in tausend falten. Göthe 1, 6 (
zueignung). II@5@bb) das segel schwillt,
wenn es vom winde aufgebauscht wird: als, fern am horizonte, sie die geschwollnen segel sah. Hölty 30
Halm; segel schwellen. Göthe 6, 45 (
Rinaldo); ein günst'ger wind bewegt die wimpel seewärts, bald werd' ich alle segel schwellen sehn. 9, 371 (
nat. tochter 5, 6); das segel steigt! das segel schwillt! 47, 120; ihr busen stieg, wie sanft im schwülen wehen der sommerluft ein weiszes segel schwillt. Schulze
bezaub. rose 1, 32; der hafen wimmelt, wie von riesenschwänen, von schiffen, deren weisze segel schwellen. Leuthold
ged. 175.
von flaggen: schon wehen schwellende flaggen am gestad' hinab. Platen 165
b. II@5@cc) beutel schwillt,
wenn er mit gelde gefüllt wird, u. ähnl.: ein mäszig beutelchen, das von zechinen schwillt, und wenn es leer ist stets von selbst sich wieder füllt. Wieland 18, 209 (
Pervonte 3); die tasche schwillt von geld. Göthe 7, 64; schöner beutel, goldgeschwollen, du gefällst mir. Chamisso 1, 286
Koch; so auch mit kühner erweiterung der gebrauchssphäre: wol die schwalbe kehrt, wol die schwalbe kehrt, und der leere kasten schwoll. Rückert
ged. (1841) 292.
freier: und das glück ... gieszt in freudiger erfüllung mir sein schwellend füllhorn hin. Grillparzer
4 3, 19 (
ahnfrau 1). II@5@dd)
aufsteigen, sich erheben: er (
Hephaistos) tritt mit hammer und zange vor seinen anbosz, und nachdem er die platten aus dem gröbsten geschmiedet, schwellen die bilder ... vor unsern augen, eines nach dem andern, unter seinen feinern schlägen aus dem erzte hervor. Lessing 6, 481 (
Laok. 18).
ähnlich freier und allgemeiner: o diese zeit hat fürchterliche zeichen, das niedre schwillt, das hohe senkt sich nieder. Göthe 9, 266 (
nat. tochter 1, 5). II@5@ee)
als dauernder zustand, schwellende
oder geschwollene hügel,
die sanft, in bogenlinie ansteigen: und hinten gefilde voll seen, und büschichter thäler, umringt mit geschwollenen bergen. E. v. Kleist 2, 16. II@5@ff) schwellend,
vom moos, s. I, 3 (Baggesen),
vom bett, polster u. ähnl., weich, nachgebend und elastisch: auf die postille gebückt, zur seite des wärmenden ofens, sasz der redliche Tamm in dem lehnstuhl, welcher mit schnizwerk, und braunnarbigem jucht voll schwellender haare, geziert war. Voss 2, 267; und wann, müde des spiels, er (
Astyanax) auszuruhen sich sehnte, schlummert' er süsz im schönen gestell, in den armen der amme, auf sanftschwellendem lager.
Ilias 22, 504. II@5@gg)
was ist der sinn des sprichworts es schwilt nicht alles was die gense blasen. Petri Cc 7
b? II@66)
abstracter von einer menschenmenge, anwachsen, an zahl zunehmen: die vögel unterm himmel, mein sohn, sie sind ein bild von diesem volksgewimmel, das unaufhörlich schwillt. Rückert
ged. (1841) 161.
ähnlich: das getreibe des lebens schwoll und wogt' in den alleen. A. v. Droste-Hülshoff 1, 174.
selten von gegenständen, zahlreicher werden: die bücher schwellen. Herder
bei Adelung.
andre übertragene und unsinnliche verwendungen: der aufruhr schwelle mir an die gurgel! Schiller
Fiesko 2, 14; ach sire! es drängt die höchste noth, und stündlich wachsend schwillt das verderben an die stadt heran.
jungfrau von Orleans 1, 3; und sogleich entspringt ein leben, schwillt ein heilig heimlich wirken. Göthe 5, 25; sei erst, du armer schelm, mit mir im bunde, so schwillt dein glück. Chamisso 2, 46
Koch; und schwölle berghoch die verneinung an wie eine neue sündflut:mag sie schwellen! nicht eurem machtspruch ist sie unterthan. Geibel 2, 90. II@77)
insbesondere wird schwellen
von tönen gesagt, an stärke zunehmen, auch blosz für hervordringen: schlagen nicht die laute, im hauche verflogen, an fernen blumen zurück und
[] umflieszen, vom echo geschwollen, den schwanenbusen, der selig-zergehend auf flügeln schwimmt. J. Paul
Hesperus 3, 76; es blitzte (
von einem gewehr) ... und fürchterlich schwoll der knall die berge hinauf. Felder
sonderl. 2, 246; tausend, abertausend stimmen hör' ich durch die lüfte schwimmen, wie sie wogen, wie sie schwellen! Göthe 4, 200; düstre harmonieen hör' ich klingen, mutig schwellen sie ans volle herz. Körner 1, 49
Fischer; und mählich schwellen orgelklänge wie heroldsrufe an mein ohr. A. v. Droste-Hülshoff 1, 210; dann leise das fenster öffnend, leise, horcht sie der mählich schwellenden weise. 299; als ich zum erstenmal dich sah, verstummten meine worte! es löste all' mein denken sich in schwellende accorde Scheffel
trompeter 212.
in andrem sinne: dazu kam noch ein nebel, dick zum greifen, der (wie ein blinder weisz) die formen zu ersäufen und zu verschwemmen pflegt. dasselbe gilt vom tone, der im nebel schwillt und dumpfer wird. Wieland 21, 233 (
Klelia 3, 353). II@88)
ein ganz anderes wort liegt vermutlich vor in spätahd. mhd. swellen
verschmachten, verhungern, s. Müllenhoff-Scherer
denkm.3 2, 95 (
anm. zu nr. 17, 14: dâr swullen zwei wîb, kenerit er daʒ ire lîb).
mhd. wb. 2, 2, 791
b.
es gehört wol zu schwelen,
ebenso wie eine andere gemeingerm. weiterbildung mit t:
got. swiltan, gaswiltan
sterben (
dazu swultawairþja
und krimgot. schwalth
tod),
altn. svelta (svalt-sultu-soltinn)
hungern, verhungern, dazu das causativ svelta (
pf. svelta);
ags. sweltan (swiltan, swyltan - swealt - swulton - swolten)
sterben, mittelenglisch swelten;
as. sweltan,
ahd. suelzan, zuuelzan,
cremare, exurere, s. Graff 6, 873;
mhd. swelzen
brennen, verbrennen (
intr.) Lexer
handwb. 2, 1358.
vgl. Fick
vergl. wb.3 3, 363
f.