schwellen,
verb. machen, dasz etwas sich ausdehnt oder anwächst, causativ des vorigen, ebenfalls gemeingerm., got. swalljan (
zu erschlieszen aus ufswalleins),
altn. svella,
indessen besonders im hochd. üblich, ahd. suellen, suellan
in bisuellan
obturare (
belegt pisualta
obturavit, pisuualtaʒ
circumclausa)
und uuidarsuellan (uuidarsualtan
vagum) Graff 6, 874,
mhd. swellen (
prät. swellete
und swalte,
part. geswellet) Lexer
handwörterb. 2, 1357;
nhd. schwellen, hindersich treyben,
propellere, tumefacere, inflare Maaler 367
a,
far gonfiare Kramer
dict. 2, 712
a; geschwellet (
act. ich habe),
präs. ich schwelle,
tumefacio Steinbach 2, 548;
neben schwellen
findet sich vereinzelt auch hier die schreibung mit ö: wann eyn rosz vom sattel getruckt und geschwöllt ist worden. Sebiz
feldb. 157; wenn sie sehn, dasz sich die Oder hoch schwöllt auff. Fleming 404 (
oden 4, 5).
ferner bei Rompler v. Löwenhalt,
z. b. s. 5. 148 (
s. unten). —
die flexion ist durchgehends schwach, nhd. ich schwelle — schwellte — habe geschwellt,
s. Frisch 2, 247
b.
das ahd. zeigt im prät. den sogenannten rückumlaut, im mhd. tritt daneben die umgelautete neubildung swellete (
s. ob.),
die im nhd. allein begegnet. vereinzelt zeigen sich starke formen, die auf vermischung mit dem intransitiven verbum beruhen; doch sind sie so selten, dasz man sie wol als sprachfehler betrachten darf. so im präs. er schwillt: zorn schwillt zwar die muskeln auf, aber aufgeschwollne muskeln und ein zorniges gemüthe sollen nicht als wirkung und ursache angesehen werden dürfen? Lavater
phys. fragm. 1, 45; da musz ich .. mich verstellen! lachen, wenn ich mit den zähnen knirsche, die galle mir
das herz aufschwillt! Klinger
theater 3, 145 (
derw. 2, 1); aber wer ermiszt die hohen wonnen, deren ahndung seinen busen schwillt! Kosegarten
rhapsod. 2, 135.
im prät. schwoll, schwollen: mit zerrisznem trauerschleier sprach Ximene jetzt zum könig: thränen schwollen ihre augen. Herder 28, 408
Suphan (
Cid 6).
im part. geschwollen: ihr seifenblasen, die mein hauch geschwollen, und flücht'gen schimmers meine huld gehoben. Chamisso 2, 13
Koch (
an d. apost. 4).
mundartlich im oberdeutschen als (ge)schwellen
oder schwelle,
besonders in der bedeutung 6,
s. Stalder 363. Hunziker 235. Seiler 267
a. Schmid 488. Schm. 2, 630
und unten. die bedeutung gliedert sich entsprechend der des stammworts. 11)
vom menschlichen oder thierischen körper. 1@aa)
von krankheit u. ähnl.: diu slang tœtt mit durst, wan si zeplæt dâ mit und swellt und alsô tœtt ir vergift den menschen. Megenberg 267, 26; sîn antlütze er (
Tristan) hæte misseverwet unde geswellet, lîb unde wât verstellet.
Trist. 15567.
mit schlägen: du solt in dar nider vellen und solt im das maul swellen.
ges. abent. 1, 491. der sattel schwellt das rosz (
vgl. erstes schwellen 1,
d): cornu ist ein gebrechen der pferdt, in welchem die haut auff dem rucken dermassen verhartet, als ob es ein horn were. sollicher gebrechen wirt verursacht, so ein pferdt von hartem tragen geschwelt wirdt, und man es widder uberlestiget, ehr sich solche beulen oder geschwulst nidder gesetzet haben. Alb. Magnus
thierb. übers. v. Ryff (
Frankf. 1545) D 2
a; wenn der sattel oder kummet das pferd geschwellet hat. Coler
hausb. (1640) 277. 1@bb)
andrerseits als ausdruck blühender gesundheit: die wangen darunter (
unter der stirn) schwellte jugendkraft. Ludwig 1, 378; und einen leib, den reitz und jugend schwellen, zu einem leichnam zu gesellen ... ist eine möglichkeit, wovon ihr übel wird. Wieland 21, 199 (
Klelia 2, 94); reizende fülle schwellt der jungfrau blühende glieder. Schiller 11, 195; von jugend und von kraft geschwellt war seine brust. Rückert (1882) 12, 195 (
Rostem 68). 1@cc)
im einzelnen; blut schwellt die adern: ich glaub, ich hab ein heisses fieber; das blut lauffet mir zu dem hertzen und schwelt mirs auff mit grossem schmertzen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 56, 212
neudr.; und jeder tropfen blut, der diese adern schwellt, sey euch dafür geweihet! Wieland 17, 88 (
Idris 2, 33). 1@dd) den bauch schwellen,
schwängern: der (
dritte gesell) hat ein junge dirn geefft und hat ir iren pauch geswelt, das sie schir in ein stro velt, dorinnen sie sechs wochen musz harren.
fastn. sp. 851, 20;
in anderm sinne: ihr thätig leben stärkt der leiber reiffe kräfte, der träge müsziggang schwellt niemals ihren bauch. Haller
ged. 28. 1@ee) die lunge schwellen,
mit luft füllen u. ähnl.: wie lauschte jedes, seinen athemzug, der lusterfüllt den busen höher schwellte, ob allzulauter störung still verklagend. Grillparzer
4 3, 154 (
Sappho 1, 3); da plötzlich nimmt ers fester, die lungen hoch geschwellt, dasz fast das horn zerberstet, und wald und himmel gellt. Ludwig 1, 127.
ähnlich sich schwellen,
aufblähen, vom frosch: als wie der albre frosch sich streckt, hebt, bleht und schwellt und sich und sein coax für ochs und brüllen hält. Logau 3, 215. 1@ff) den mund schwellen: sie lächelte, und ihr mund schwellte sich zum kusse. Auerbach
dorfgesch. 3, 31;
von den lippen: es wäre schwer zu sagen, was in diesem gesicht mehr anzieht, die klugheit der augen oder die sanfte güte der weich geschwellten lippen. Heyse
kinder d. welt 2, 234. 1@gg)
die augen vom weinen geschwellt: eʒ bleip ouch niht underwegen, eʒ würde ir langeʒ valweʒ hâr ûʒ der swarten sô gar geroufet und vervellet und ir antlütze geswellet von ungevüegem weinen. Heinr. v.
d. Türlin
crone 19062; jüngling, was füllet den blick schwellend mit thränen dir an? Schiller 11, 196; und deine augen seh ich weinen herab auf meine bangen lieder. seh' ich der augen zauberkreise gesenkt, geschwellt, in trauter nähe
u. s. w. Lenau 1, 285
Koch (
zueign.). 1@hh)
der puter schwellt den kamm (
vgl. d. erste schwellen II, 2,
f): wo des putervolks gekoller rothe kämme schwellt. Voss 2, 252. 1@ii)
unklar ist der sinn von schwellen
in folgender stelle: die drite fraw auch haim-hin lieff, fand, das ir man vol war und schlieff ... 'dw folle saw, wie hastw dich', sprachs, 'in klaidern geschwellet nider?' H. Sachs 22, 461, 14
Keller-Götze. 22)
auf seelisches bezogen. 2@aa) die adern, sehnen schwellen,
vgl. 1,
c: in diesem hoffen und entzücken, das seine adern schwellte, seine sehnen stärkte. Gutzkow
ritter vom g. 2, 254; ein faun, dem junger most und feurige begierde die sehnen schwellt. Wieland 17, 180 (
Idris 3, 89); ob ich auch nie zu jenen mich gesellte, die lachend deine einfalt angeschaut; des hauptes, das in ehren war ergraut, verhöhnung immer mir die adern schwellte. A. v. Droste-Hülshoff 1, 204; von muth und kühnem hoffen ist jeder puls geschwellt. Leuthold
ged. 74 (
490). 2@bb) die brust, der busen ist geschwellt
von gefühl u. ähnl.: das kommt mir albern und abgeschmackt vor und schrecklich wiederum, dasz so mir vorkommen kann, was damals so reich, so grosz die brust mir schwellte. Chamisso 2, 297
Koch (
P. Schlemihl 4); was des jünglings brust mit sehnsucht schwellte. Kosegarten
rhapsod. 2, 5; mächtig ahndets mich und süsz und bange, dasz der fremdling, der die brust mir schwellt (
der geist) .. bald vielleicht die morsche hülle sprenget. 41; von allem groszen und wunderbaren, von allem, was unsern busen schwellt. Platen 162
b; einziger gedanke du, der diesen busen bis zum springen schwellt, reif in des schweigens schatten. Ludwig 3, 327 (
Macc. 1); als ob dich eine schöpfung neu umfinge, wird dir die brust erschüttert und geschwellt. Heyse 3, 8.
besonders von freude: mir war von freud' und stolz die brust geschwellt. Chamisso 2, 29
Koch (
Salas y Gomez 2);
aber auch von schmerz u. ähnl.; sinnlicher, von seufzern: wenn dort ein trübes stöhnen den busen hat geschwellt. Rückert (1882) 1, 76 (
gräber zu Ottensen 3); und seufzer, so wie damals, schwellend, heben die müde brust von mancher sorge schwer. Grillparzer
5 1, 226. 2@cc)
ebenso das herz: die neigung zu einer versagten braut, das bestreben meisterstücke fremder literatur der unsrigen zu erwerben und anzueignen, die bemühung naturgegenstände nicht nur mit worten, sondern auch mit griffel und pinsel ... nachzuahmen: jedes einzeln wäre schon hinreichend gewesen, das herz zu schwellen und die brust zu beklemmen Göthe 26, 158;
im durchgeführten bilde (
zu 1,
c): seitdem die luft der reiselust — mir hatte geschwellt das herz in der brust. Rückert 11, 262 (6.
mak.); dies schwellt mit ahnungen des guten ritters herz. Wieland
bei Campe. liebe schwellt das herz: die reinste liebe schwelle mein ganzes herz zu dir (
gott) empor! Uz
s. 204
Sauer; ein wollustreiches sehnen schwellt sanft das herz. Wieland 9, 140; mein herz ist vom rausche der liebe geschwellt. Rückert (1882) 5, 236 (
Dschelaleddin Rumi 2, 24).
freude: wie sanft die nachtluft fächelt! wie froh mein herz sich schwellt! Neuffer
in Schillers
musenalm. 1796, 87.
schmerz: daʒ begunde si rüeren unde ir herze swellen, daʒ si ir trûtgesellen alsus bî ir sitzen lie, daʒ si den torste getrœsten nie.
Mai und Beaflor 220, 23; wande der starke smerze swellete mir daʒ herze in ûfwallender nôt.
pass. 75, 67
Hahn. 2@dd) die seele schwellen: von der liebe, welche die flügel der seele entwickelt, sie mit jeder tugend und vollkommenheit schwellt. Wieland 2, 46 (
Agath. 7, 6); der ganze sturm, der seine seele schwellte, brach also über den verräther aus. 209 (9, 3); so grosz und wichtig die gedanken waren, welche seine seele schwellten. 272 (9, 8); um eine that ... zu einer so glorreichen unternehmung zu machen, als jemahls die grosze seele eines Römers geschwellt hatte. 306 (10, 2); mit welch herrlichen empfindungen, entschlüssen, leidenschaften schwellt sie (
die schaubühne) unsere seele! Schiller 3, 516; ein maszloses selbstgefühl schwellte den führern der neuen republik die seele. Treitschke
d. gesch. 1, 129; himmelan schwellten die schwellenden töne der hörer trunkene seelen. Kosegarten
rhapsod. 3, 6;
anders gewendet: auch die musik bezähmt die wilde leidenschaft, verfeinert das gefühl, und schwellt die seelenflügel. Wieland 9, 72 (
Musar. 2). 2@ee)
seltener einen schwellen: der sänger merkt wie wuth ihn schwellt. Ramler 2, 51.
eigenthümlich ist die wendung sich gegen jemand schwellen,
auflehnen, insurgere contra aliquem. Scherz-Oberlin 1463,
vgl. das erste schwellen II, 2,
i: und also möcht ir rych nitt beston, als wenig als so ein burger in der statt wider den anderen ist, und ein parthey im rot wider die ander, oder so sich ein zunfft schwellet wider die ander. Keisersberg
post. 2, 53
b. 2@ff)
auch ein gefühl, schmerz, muth
u. ähnl. schwellen: und die begierde nie gesättigt, aber durch neue freuden immer genährt, befeuert, geschwellt wird. Engel
philos. für die welt; dô vant er pî dem herzen geswellet grôʒen smerzen. Heinrich v. Neustadt
Apollon. 2709; ihr damen, so genant, die krausen komplimenten die euch das leichte volck der tollen liebs-studenten in eure sinnen geust, die schwellen euren muth. Logau 2, 68; so sonst (
l. saust) der buhler-wind, und schwellt euch die gedancken. 69; der feierstunde heilig wehn schwellt meinen jungen muth. Körner 1, 53
Fischer; doch brüder sind wir allzusamm'; und das schwellt unsern mut. 61. 33)
sehr häufig vom gewässer, stauen. 3@aa) ein bach, ein fliessend wasser schwellen,
gonfiare un ruscello ò altra acqua corrente, arginandone il decorso. Kramer
dict. 2, 712
a, schwellen das wasser,
refrenare aquas. Dentzler 2, 259
b;
colligere aquam Steinbach 2, 548;
aquam affluentem colligere, fluxum aquae inhibere, stagnare facere. Frisch 2, 247
b;
so jetzt in oberd. mundarten, s. Hunziker 235. Schm. 2, 630.
belege aus der litteratur: schwelt also die flüesz, das si über alle eben und felder oben auszliefen. Aventin
chron. 1, 136, 18; und wie das wasser erschaffen, dasz es gegen thal lauffen solle, da es aber geschwellet wird, und wider sein art in die höhe oder gegen berg steigen musse, sich nicht anders stellet, als wann es mit einer grossen last beschweret were. Gretter
erkl. der ep. Pauli an d. Römer (1566) 494; item, so du werest in einem wasserhausz, oder in einem hausz da wasser umbgehet, unnd dich besorgest, man schwell dir das wasser, oder füll dir den graben ausz mit holtz. Fronsperger
kriegsb. 2, 195
b; von den winden, so in hundtstagen von mitternacht wehen, darvon werde der flusz (
Nil) gestellt und geschwellt.
buch der liebe 190
b; Bosphorus meer-schlund, schwelle die wellen über die ufer, über die gräntzen, über die stadt! Lohenstein
Ibrahim Bassa 57, 190.
mit angabe des erfolges: auch ein quell, der den bach zum nambaren schwellet, ... stärkt das gebadete haupt. Voss
Horaz 2, 277 (
ep. 1, 16, 12); geborsten ist die wolke, der bach zum strom geschwellt. Uhland
ged. 326.
dafür mit umgekehrter beziehung: usz eim sechle machst ein sach und usz eim rünszlin schwelst ein bach. Murner
narrenbeschw. s. 78
neudr. (21, 58).
vgl. auch: (
da) rührt' er pauken und führt' ins feld sein heer wie ein meer von blut geschwellt. Rückert
Firdosi 2, 175. 3@bb)
sehr gern auch relativisch: und man machet an der statmaur grosse löcher mit gitter, ob es darzue kem, das sich kain wassert schwelln mecht.
d. städtechron. 15, 56, 5; wann das wasser von oben an wirdt sich schwellen uber ein hauffen und das untertheil wirt verlauffen, das mittn durch den Jordan fürbas dem volcke wirdt ein weite strasz. H. Sachs 3, 1, 25
b; wie wunderlich hältt gott das wüthend mer imm zaum! er prämst es der gestallt, dasz es in seinem raum, wie grausam es sich schwölt, doch mus gefangen bleiben. Rompler v. Löwenhalt
reimged. 148; wie die Neutra und die Rabe sich mit türckschen leichen schwellt. Lohenstein
Ibrahim sult. 3, 87.
freier: und von der Donau flut, die, stolz mit ihrem Wien, sich schwellt, der flüsse königin. Haller
ged. 206.
vom blut: daʒ ûʒ ieglichem hûs ein bach von heiʒem bluote ran, ... daʒ sich daʒ bluot an si (
die leichen) swelte an dem selben tor. Ottokar
reimchron. 51368;
so auch: wande daʒ geliberte pluot swellt sich umbe ir herze. Heinr. v. Neustadt
Apollon. 2461; und in der athemlosen brust geschwellt, begann das dicke blut zu stocken. Wieland
Oberon 5, 52. 3@cc)
daher auch übertragen, einen vorgang schwellen,
hemmen, hindern: schwellen, figürlich,
retardare, differre, moras trahere, inferre moram alicui. Frisch 2, 247
b; sie schwelltend die sache bis zum frieden. Stumpf 415
a,
s. ebenda; denen das wort und warhait geschwölt und verboten wird.
quelle bei Schmid 488; nichts soll euch hie schwöllen am evangelio.
ebenda; eʒ râtet unde swellet. Heinr. v.
d. Türlin
crone 6060.
reflexiv: die geschäfte schwellen sich,
negotia tument Dentzler 2, 259
b. 3@dd)
von gegenständen, die von der feuchtigkeit aufquellen (
vgl. das erste schwellen II, 3,
b): '
ein leckes gefäsz mit wasser füllen, damit sich das eingetrocknete holz wieder ausdehne'. Schmid 488,
schweizerisch es fass ferschwelle Hunziker 235,
s. auch unten 5,
a. 44)
andere gebrauchsweisen. 4@aa)
vom pflanzenwuchs (
vgl. erstes schwellen II, 4): und wenn der eiche grünes holz die neuen blätter schwellt. Körner 1, 70
Fischer. so auch freier: und segen schwellt die erde, der fruchtbaum und der acker sprieszt. Voss 4, 68. 4@bb) die erde schwellen
in anderm sinne: dergleichen herentgegen geschwal und schwelt sich über sich das erdrich ... etlich mainen, es sei ain pesundre plag von got gewesen; die andern schreiben's der natur, rauhen winden und groben dicken dempfen zue, so verschlossen im ertrich über sich herausz drungen und also das ertrich swelten und erhebten. Aventin
chron. 1, 136, 16—22. 4@cc) der wind schwellt die segel (
vgl. erstes schwellen II, 5,
b): die günstigsten winde schwellten die segel, welche ihn aus dem verderblichen Smyrna entfernten. Wieland 2, 251 (
Agath. 9, 6); mir schwoll das herz von verschiednen leidenschaften, so wie der wind die seegel schwellte. Heinse
Ardingh. 1, 248; der wind, der unsre segel schwellt, er bringe erst unsre volle freude zum Olymp. Göthe 9, 61 (
Iphig. 3, 3); ach! er (
Zeus) verleiht die winde nach gefallen, dem schwellt er mit gelindem wehn die segel. Schiller 6, 217 (
Iphig. in Aulis 5, 4); und ruhig sah ich her das fahrzeug gleiten mit windgeschwellten segeln auf den wogen. Chamisso 2, 31 (
Salas y Gomez 3).
von einer fahne, sie wehen, flattern lassen: die heilige fahne schwellten sie. Rückert
Firdosi 2, 437.
uneigentlicher, die luft schwellt
einen hohlraum, erfüllt ihn: und die luft, die schnee verstöbert, schwellte süsz jeden gang des flötenrohres ehedem. Platen 72
a. 4@dd)
von weichen gegenständen, die dem druck nachgeben und sich nachher wieder erheben (
vgl. erstes schwellen II, 5,
f): auf weichen polstern, mit federn vom feinsten stahl geschwellt. Wieland 4, 75 (
Amadis 3, 28); noch ruhten sie um einen alten baum, wo dichtes moos sich schwellt zum weichen sitze. 22, 158 (
Oberon 4, 23).
so auch: hier prangt ein seidnes bett von weichem flaum geschwellet. Alxinger
bei Campe. 4@ee)
von tönen (
vgl. erstes schwellen II, 7): da hör' ich schreckhaft mitternächt'ges läuten, das dumpf und schwer die trauertöne schwellt. Göthe 13, 169 (
epil.). 4@ff)
freier und allgemeiner: dadurch erreicht Shakespeare .. das behagliche sichausleben der gespräche und personen, weil seine handlung ... bis auf den kern simplifiziert und konzentriert ist. dieser engste kern wird wiederum durch die äuszerste kunst des dialoges geschwellt. Ludwig 5, 87; sodasz nur ein geschwelltes einfaches, ein ausgeführtes wesentliches zu stande kam. 154.
von abstracten, wie der zeit: zeit, die du alls begünst; zeit, die du alles endest; ... verschwindend schwölst du dich, und nimst durch abgang zu. Rompler v. Löwenhalt
reimged. 5. 55)
technisches. 5@aa)
in der sohllederfabrikation häute schwellen,
quellen lassen, in die schwellbeize (
vgl. das.)
legen, um sie für die gerbstoffaufnahme empfänglicher zu machen. Karmarsch-Heeren
3 5, 330. 5@bb) kalch schwellen,
extinguere calcem Dentzler 2, 259
b. 66)
im oberdeutschen ist schwellen
sehr gewöhnlich in der bedeutung '
etwas im wasser sieden, bis es weich wird, in siedendem wasser kochen,'
bes. erdäpfel (
kartoffeln),
s. Stalder 2, 363. Hunziker 235. Seiler 267
a. Schm. 2, 630: o sprach Bruno, du wirst sie (
die frau) swellen und essen mit dein czen. Steinhöwel
decam. s. 565
Keller (9, 5); (
man soll einer mastgans) trei mal im tage gersten, und inn wasser geschwöllten weytzen ... zuessen geben. Sebiz
feldbau 111; er hat viel tag nichts dann einen geschwelten weitzen zu essen gehabt. Rivander 2, 222
b.
so auch (?): sawer und murrecht sehen, gleich als wann er ein pfann voller geschwelter teuffel gefressen hett. Höniger
narrensch. 30
b. 77)
in Nürnberg bedeutet schwellen (
schwach)
auch fest schlafen und schnarchen. Schm. 2, 630.