grantig,
adj. ,
grandig, auch umgelautet gräntig, grändig,
ein vornehmlich bair.-österr. wort im sinne von '
zänkisch, mürrisch, übellaunig'
u. ä. seit dem 16.
jh. belegbar, doch sieh noch grantigkeit.
für die herleitung bieten sich verschiedene möglichkeiten an. von der bedeutung her läge beziehung zu 1grannen (
s. d. 2 a)
sehr nahe; dies aber gehört ins westl. sprachgebiet, und einer erklärung bedürfte auch der dental; die eher zu erwartenden ableitungen grannig (
s. 1grannig)
und grannisch (
s. d.)
stehen hinter grantig
weit zurück. einer beziehung auf 1grand '
grober sand',
das in abgeleitetem adj. grandig (
s. 1grandig 2)
zu ähnlichen bedeutungen gelangt wie grantig,
steht die regionale verbreitung der wörter im wege. Fick
43, 139
stellt grantig
mit mnd. granten '
gierig sein'
zur wurzel *grat '
spitzig, scharf sein',
als bildungen mit eingeschobener nasalis oder als kreuzungsformen zwischen *grat
und *granna '
scharf, dünn' (
s. 3grannig).
einen weiteren herleitungsversuch sieh s. v. krantwerre
und grand,
adj. in jüngerem sprachstand, zumal in der mundart, finden zwischen grantig,
1grannig,
3grannig,
ferner 1grandig,
2grandig (
s. überall dort)
offensichtlich austausch und grenzverwischung statt. 11)
auch die literarische bezeugung weist meist in das heimatgebiet des wortes. als '
zänkisch, streitsüchtig, mürrisch, unliebenswürdig'
im sinne einer charakterlichen grundveranlagung: wie sie sey so zornig und grendtig, so wünderlich, seltzam und endtig Hans Sachs 5, 202
lit. ver.; die vngeduldige zanckische vnnd gräntige menschen seyndt menniglichen verdrieszlich Albertinus
zeitkürtzer (1603) 75
b; 's musz a grantige frau sein ... die ... muhme Nestroy
ges. w. (1890) 2, 253; ein zollhaus mit einem grantigen zollwächter Leppa
herzenssachen (1923) 98.
in alliterierender reihung: ein grosser, ein grausamer, ... ein grandiger, ein grimiger, ein grober, greilicher Goliath ist der bose feindt Abr. a
s. Clara
w. 147
lit. ver. das wort begegnet vereinzelt auch auszerhalb seines ursprungsgebietes, ohne freilich allgemein literaturfähig zu werden: lasz den erst mal ein dutzend suppen gelöffelt haben, so wird er dir wieder so grantig, wie die schwerenöter alle W. Speck
zwei seelen 2350.
in besonderem sinne als eine dem alter zugehörige eigenschaft: der Eva nemb ich warlich nicht (
zur frau), wann sie ist alt, zornig und grentig Hans Sachs 14, 210
lit. ver.; ein gräntiger alter Guarinonius
grewel (1610) 240; 's war grad a alti gsellin da, a grantis mensch zum teufelholen Karl Stieler
ged. 1, 49
Reclam. daneben oft auf einen vorübergehenden gemütszustand bezogen, soviel wie '
miszmutig, übellaunig, unfreundlich in worten und taten': (
ein betrunkener) ist wüst und wild, fluchend und endich, rachgierig, häderisch und grentich Hans Sachs 3, 524
lit. ver. so namentlich in jüngerem gebrauch: wenn einem kleinen buben nix fehlt, und er ist grantig, so giebt man ihm a paar pracker, und 's is gut Nestroy
ges. w. (1890) 3, 116; die schöne Charlotte ... fragte mich sehr gutmütig mit einem landesüblichen ausdruck: 'warum so grandig?' Hamerling
s. w. 14, 117
Hesse; du bist aber heut wieder rechtschaffen grantig Rosegger
schr. (1895) I 4, 268. 22)
die maa. des bair.-österr. halten das wort in gleicher bedeutung fest, vgl. die wbb., dazu zs. f. dt. maa. 2, 347; 3, 328; 5, 393; 439; 465
Frommann; auch im siebenbürg., vgl. Kramer
Bistritz 38; Haltrich
id. 12
b,
und im östl. schwäb., s. Fischer 3, 790
s. v. grandig 2 c.
bair. in der redensart ändig und grändig Schmeller-Fr. 1, 1003,
s. auch Hans Sachs 5, 202
lit. ver. oben unter 1.
wohl unter einflusz von hier aus schweiz. grandig,
rhein. grantig, granten,
beide neben grannig, grännig,
s. ob. 1grannig.
kärnt. grántik, grántisch
zeigt über '
mürrisch, unwillig'
hinaus bedeutungen, wie sie unter 1grandig (
s. d.)
im nd. begegnen. —