spicken,
verb. II.
mit speck durchziehen, womit gut versehen. denominativ zu speck,
seit dem 15.
jahrh. bezeugt, s. Lexer
handwb. 2, 1086. Wachter 1560. Weigand 2, 761. Kluge
6 370
b.
neben spicken
begegnet auch specken,
s. das. 1,
sp. 2041,
so mnd. Schiller-Lübben 4, 308
b,
nl. specken, lardéren,
lardo transfigere. Kilian,
auch noch in neuern, besonders nd. mundarten. I@11)
im eigentlichen sinne: spicken, mit speck durchziehen,
larder. Hulsius 302
b; spikken spekken
lardo transfigere. lardare. Schottel 1418; specken
hoggi spicken, [
connotando lo stromento e l' attione, quasi piccare di lardo]
lardare, inlardare, impilottare. Kramer
dict. 2, 854
b; spicken, gespickt,
propr. est lardo redimire, configere, transfigere, vulgo lardare. Stieler 2076; gespicket (ich habe)
praes. ich spicke,
lardo trajicio, suffigo. Steinbach 2, 620;
lardo trajectare. Dentzler 2, 268
b; spicken, das
verb. act. von speck,
lardo trajicere, als die köche ihre braten. Frisch 2, 299
b; spicken, heisset den braten von allerley arten und gattung vorher mit klein geschnittenen speck, vermöge der spicke - nadel, über und über beziehen und durchstechen.
frauenz.-lex. (1715) 1879,
vgl. Adelung. Jacobsson 7, 389
b.
so auch [] in lebenden mundarten; ausdrücklich angegeben bei Hunziker 246 (špĭke). Schm. 2, 657. Höfer 3, 159. Hügel 152
b. Schöpf 685. Lenz 66
b (spikə).
nd. Schütze 4, 167. Mi 84
b. Woeste 249
b.
pommerisch neben einander spekken '
ein stück fleisch mit geschnittenem speck durchziehen' (
auch für specken 2),
und spikken '
mit speck durchstechen'. Dähnert 447,
ostfries. in diesem sinne spikken ten Doornkaat Koolman 3, 274
b,
daneben spekken 271
b,
s. unten. —
belege: einen braten spicken,
lardare etc. un' arrosto, pilottarlo di lardo. Kramer
dict. 2, 854
b;
assaturam trajectare larido. Stieler 2076: wie nicht von nöten ist, das man einen braten, der an sich selbs fett ist, spicket. Barth
weiberspiegel (1565) C 1
a; lasz nur den gespickten braten ans feuer bringen. Lessing 3, 66;
bildlich: das sie nur ewre gunst erlangn, ein weile vor den leuten prangn, und neben dem, in vielen stückn, auch mögen jren braten spickn. Ringwaldt
trew. Eckart G 8
b.
besonders bei wildpret; im bilde: sie (
die erziehungskunst) putzt und spickt und salzt das wildpret, das sie behandelt, nach verschiedenen methoden, und bringt doch am ende nur ein verkünsteltes gericht, oder höchstens ein schauessen zuwege. Thümmel
reise 6, 233. einen hasen spicken,
leporem lardo trajicere. Stieler 2076. Steinbach 2, 620: ich spickte just einen hasen auf der einen seite, und sie (
die köchin) that es auf der andern seite. Immermann
Münchh. 1, 118; das geflügel, das war göttlich, und der hase war gespickt. Heine 1, 241
Elster. mit tautologischem, verdeutlichendem zusatz: ein halbwüchsigter hase, bunter mit specke gespickt, als ein pedante mit griechisch. Zachariä 299 (
Phaeton 1, 118).
so auch: nehmt die gespickte hasenkeule für euch. Voss 1, 180 (
Luise 3, 555).
von geflügel: einen hasen, welschen hanen
etc. spicken. gespickte feld-
ò rebhüner. Kramer
dict. 2, 854
b; die rebhühner und schnepfen fliegen einem gespickt und gebraten um den mund, und bitten demüthig dass man sie essen möchte. Wieland 19, 113 (
Abderiten 1, 10); wenn einer eine wilde ente spickte. Seume 1, 65
Hempel; der thuot, als ob er hner spickt, die von megre sindt erstickt, und sy mit speck wil machen feiszt, so schmacken sy wie schwynen fleisch, und solten dannocht hner syn. Murner
narrenbeschw. 75, 15; zwey gebradtne hnelein, die waren gar wol gespicket.
bergreihen s. 72
neudr. (36, 11).
im bilde: sie scheinen zu fragen: ob es nicht unrecht sei, dasz ich die narren solchermaszen zurichte, an den spiesz stecke, zerhacke, spicke und viele sogar hinschlachte, die ich unverzehrt liegen lassen musz. Heine 3, 183
Elster (
buch le grand 15).
ganz in demselben sinne auch, jetzt ungebräuchlich: wann ich gleich eben nechten spat den meinen grossen sAewsack asz der mit griben gespicket was. H. Sachs 4, 3, 50
a;
dazu: ey wie ein weidlichr dreck, jr lieben! wiewol ist er gespickt mit grieben. 50
d.
ostfries. de pankôk is gôd spekt. ten Doornkaat Koolman 3, 271
b. I@22)
zuweilen, doch nur in der ältern sprache, auch in weiterm sinne in bezug auf speisebereitung. einen braten mit anderm fleisch füllen: ein gebratener ochs mit hasen, enten und dergleichen geflügel gespickt,
un bue arrosto lardato di lepri, anitre e simili uccellami. Kramer
dict. 2, 854
b.
meist in dem sinne '
mit gewürzen versetzen, womit würzen': ein hammelschlägel mit salbey, knoblauch gespickt,
un coscia di castrato lardata di salvia, di aglio etc. ebenda; solt ich nicht lieber ein starcken quallen mit knoblauch gespicket darfür essen?
Garg. 42
a; guten vorrhat von starcken quallen vom Hundsruck und hanenkamm, mit zwibeln den Egiptischen göttern gespickt, auszgefült, eingebaiszt. 53
b; derhalben füllet er ein gansz, und darin zehen goldgulten. ... ey, dasz euch disz und yens ankomme, sprach der jud, es war ein füllsal darin, gespickt mit zehen goldgulden. Kirchhof
wendunm. 1, 331
Österley (1, 285); der geschmack wurde angemahnet von den gewürtzen, mit welchen man die ohne das herrlichsten speisen bereitet und gespicket. J.
M. Meyfart
das himml. Jerusalem (1630) 1, 240. I@33)
weitere ausdehnungen des gebrauchs. ziemlich selten sind solche, in denen der begriff des fettmachens gewahrt ist, vgl.: gespickt mit feyszte,
adipatus. Dasypodius.
[] I@3@aa)
im 16.
jahrh. für '
die stiefel schmieren': Cristoffer het (
hiesz?) ein stiffel macher zuo Brunschwick uff dem kolmarck, zuo dem gieng Ulenspiegel und wolt sein stiffel schmieren lassen. als er nun zuo dem stiffel macher kam, da sprach er meister wan ir mir wolten disse stiffelen spicken, dz ich sie uff montag wider haben mOecht. ... der knecht sprach er hiesz uch die stiffeln spicken und er meint schmieren. nun wolt ich sie nit schmieren ich wolt sie spicken als man die braten spickt, der meister sagt dz wellen wir thuon als er uns geheiszen hat und nimpt speck und schneid in und spickt den durch die stiffeln mit einer spicknadeln als ein braten.
Eulensp. s. 71
neudr. (45.
hist.); und der knecht die stifel ihm auswüschet schlecht und spickts ime gantz rain und schon. Montanus
schwankb. 444, 42
Bolte. I@3@bb)
als poetische hyperbel: Falstaff schwitzt sich todt, und spickt die magre erde, wo er geht.
Shakespeare Heinr. IV., 1.
theil, 2, 3.
vgl.: so fett, dasz sein schweisz, wie Falstaff sagt, die erde spicken konnte, beförderte er auch in seiner kleidung diesen heilsamen einflusz auf die fruchtbarkeit des bodens. Gutzkow
ritter v. geist 1, 69. I@44)
ausdrucksweisen, die von der äuszern erscheinung eines gespickten hasen ausgehen. I@4@aa)
so zunächst direct: der gespickte hase, bey den henkern ehmals ein holz, etwan arms-dick, und 3. viertel ellen lang, worinnen um und um hölzene zugespitzte pflöcke sind, so in der tortur einem auf dem rücken hin und her gezogen wird, und grosse pein verursacht,
echinus ligneus tortorum. Frisch 2, 299
c,
s. auch Adelung (1). I@4@bb)
ferner: der wackre Schwabe forcht' sich nit, gieng seines weges schritt vor schritt, liesz sich den schild mit pfeilen spicken. Uhland
ged. (1864) 329; dort brüllet Ferragut: ihm hat der paladin den arm gespickt, und noch steckt ihm der lanzensplitter im fleisch. Nicolai
verm. ged. (1784) 8, 262; gleich werd' ich zum kampf mit dem recken mich schicken und seinen leib mit pfeilen spicken. Rückert
Firdosi 2, 492; mit einem pfeil spick' ich jeden rumpf. 3, 166. I@4@cc)
ähnlich früher militärisch: spicken,
fraiser; ein bataillon spicken,
fraiser un bataillon, heiszt von allen seiten eines bataillons, die mousquetiers mit piquenierern umgeben, welche durch fällung ihrer piquen die ersten decken, und dem anprellen der cavallerie in einer ebene einhalt thun. die piquen sind zwar in abkommen gerathen, aber das aufgepflantzte bajonet, præstiret das nämliche. Eggers 2, 947.
ferner die wälle mit kanonen spicken,
reichlich besetzen. Adelung (2),
vgl. dazu 5,
b. I@55)
am gewöhnlichsten wird spicken
in dem allgemeinern sinne '
füllen, anfüllen, mit füllung, ladung, dem nötigen material oder vorrat versehen'
gebraucht, vgl.: spicken, füllen,
complere. Dentzler 2, 268 (?).
doch finden sich diese wendungen zumeist nur in der ältern sprache (
besonders 16.
jahrh.). I@5@aa)
der eigentlichen bedeutung steht noch nahe die verbindung die küche, speisekammer spicken: und wir können auch widerumben gar baldt wilbrets gnug uberkommen, die speiszkammer wider zu spicken. Ayrer 1629, 21
Keller (
Melus. 1).
freier: die herren rechtsgelehrten seindt fro, dasz ein proces langsahm gehet; dasz spickt ihnen ihre küche undt keller. Elisab. Charlotte 2, 279. I@5@bb)
sonst in mannigfacher weise. so in den ältesten belegen in bezug auf brennstoff: ind si hadten eirst dat huis binnen gespickt e si ewech zogen ind e id dach wurde ... also geink dat huis an zo der midternacht ind brant.
d. städtechron. 13, 58, 5 (
z. j. 1416); di vesten mit vûr spicken.
quelle bei Lexer
handwb. 2, 1086; dieselben fackelen hab ich lassen zufellen und die mit newen holtz lassen spicken und vernewen. Tucher
baumeisterb. 117, 16; unnd liesz oben an dem wasser etlich schiff mit holtz und reisz zuorichten, die mit schwebel unnd anderm darzuo gehörig, gespickt waren, und wartet eyns winds der gegen den feinden gieng. do er auff stund, liesz er die schiff an zünden. Carbach
Liv. (1551) 14
a;
ähnlich: von dem pfleger, der an der stett das bild mit pulfer gspicket hett. H. Sachs 4, 3, 90
d (
vgl. oben 90
b: da thet der pfleger bey der nacht vil löcher in das bilde porn, stisz jhn vol pulffer hindn und vorn
u. s. w.);
[] wann unser feynd imm schwartzen hOer ... haben volgks ain grosse zal, darzuo von püchsen vil dj wal. auch haimlich gräbenn wol gespygkt. Schwartzenberg
Cic. 152
c.
ferner: gleich wie solche hanfgebutzte apoteckergeschirr und weinbüchssen von aussen häszlich und greszlich uberausz scheinen, unnd doch zu jnnerst mit herrlichem schleck und confect seind geschicket unnd gespicket.
Garg. 19
b; er trank sich satt, und zur jagd sich schickt', indem er mit pfeilen den köcher spickt'. Rückert
Firdosi 1, 332.
ungewöhnlicheres: ruckt zusamen jr knospen, ich gehör auch an den pfosten, sagt der dib, dir lib, zu eim gespickten galgen.
Garg. 97
b; jetzt ists alles nichts mehr; 's wild nimmt ab ... aber damals waren d' wälder voll gespickt.
Siegwart (1778) 1, 289; schmarozerpflanzen schafft sie (
die natur) so, schmarozertiere, dasz sie vom schöpfungsraum ja keinen zoll verliere. ein gärtner, der wie sie den garten wollte spicken, das eine würd' er durch das andre nur ersticken. Rückert
lieder u. sprüche (1867) 73. I@5@cc)
ungemein häufig ist auch jetzt noch die redeweise seinen beutel spicken,
lardare, met. empire, fornire la borsa. ein wolgespickter beutel. Kramer
dict. 2, 854
b; ein gespickter beutel,
marsupium bene nummatum. Steinbach 2, 620; ein gespickter beutel, figürlich, vom fett seyn, der wohl mit geld versehen,
marsupium nummis plenum. Frisch 2, 299
b;
s. auch Adelung (2)
und Kluge
studentenspr. 127
a (den geldbeutel spicken 1744).
ähnlich schon bei Alberus:
condo intus, ich thu drein,
i. spick den kasten.
belege: welchen der seckel ... gespickt worden ist. Kirchhof
milit. discipl. (1602) 213; oder ich werde vor einen bettler gehalten, da ich den beutel mit heimlichen wechselthalern wohl gespickt habe? Weise
kl. leute 279; die arme fraw ist es woll gar nicht, undt wen ihrer dochter beüttel mitt ihrem gespickt solte werden, wirdt es schmahle biszen geben. Elisab. Charlotte 3, 486; und da mit (
mit dem geld) seinen beutel spicken.
Salinde 153; resolvirte sich der herr vater bald seinen beyden söhnen eine standesmäszige equippage verfertigen zu lassen, und jedweden einen wohlgespickten beutel mit zu geben.
cavalier im irrg. (1738) 2; sein beutel war vortrefflich gespickt.
Felsenb. 1,
vorr. 4
a; die kunst einen gespickten beutel in kurzer zeit auszuleeren.
Pierot 1, 91; hier ist sie (
die börse), noch ziemlich gespickt. 103; denn ich hatte durch mein vieles spielen solche künste gelernet, die den gespickten beutel meiner mitspieler sehr rein auszufegen im stande waren. 2, 373; also war meine erste sorge, über meines vaters geld-casse zu kommen. ... weil nun niemand auf mein thun und lassen sonderlich acht hatte, so war es mir sehr leicht, meinen beutel wohl zu spicken.
Plesse 3, 36; eine wahre liebe mit einem wohlgespickten beutel, darüber geht gar nichts. Göthe 14, 29 (
triumph d. empf. 3); er liesz mir alle seine habseeligkeiten zurück; und nahm nichts mit sich, als einen wohlgespickten beutel. Heinse
Ardingh. 1, 168; das spickt jhnen den beutel fein, und musz jhn gar nicht fehlen. Soltau
hist. volksl. 1, 476 (
v. j. 1628); herr bräutgam spickt die casse, denn alle kinder auf der gasse gehn euch ietzt um den beutel rum. Picander 3, 407; jetzt schnallt er sich die katze los — er legt sie auf den tisch — die ist gespickt und grosz! Werner
d. 24.
febr. 3,
v. 708; wo leute von geschmack darum sich rissen, mit ihrem gold den beutel ihm zu spicken. Rückert (1882) 11, 511 (38.
mak.).
vgl.: ist ein gelddieb, wer eine katze stahl? — ja eine gespickte zumal. 427 (26, 55;
anm.: katze, geldgurt).
so auch: beym element! es ist ein wahrer spass auf der feerey herum zu wandern; aber es gehört ein wohl gespickter zwerchsack dazu. Wieland 11, 214 (
don Sylvio 1, 3, 6); eines abends fand er in einem der dunkelsten gänge ... eine vollgespickte brieftasche. Immermann
Münchh. 1, 174 (2, 6). —
zuweilen in freierem gebrauche, so deutlich: solche schelmereyen werden von den geistlichen im pabstthum täglich begangen, wodurch sie ihren beutel zu spicken, und ihre einkünffte zu verbessern suchen. Sperling
Nicodemus quaerens (1718) 1, 1050.
nd. sinen büdel spikken '
sich vortheile machen'. Dähnert 447
b.
vgl. noch: propter deum helffe den gemeinen kasten spicken. Luther 27, 411, 2
Weim. ausg [] I@66)
ähnlich in bezug auf menschen. I@6@aa)
fett machen, mästen. so im part. gespickt
feist: der dritt (
bauer) sprach: gros und ungeschicket dick faist am leyb und wol gespicket so ist in meinem haus mein fraw.
meisterl. fol. 23
nr. 240.
mundartlich: köln. specke
ironisch '
überfüttern'. Hönig 148
a ostfries. spekken
auch '(
sich)
vollfressen, (
sich)
feist machen, (
sich)
mästen': hê hed sük gôd spekt. ten Doornkaat Koolman 3, 271
b.
vgl.: habe abermal dem faulen marschall seinen dienst versorgen müssen, und dasz er immittelst aus küche und keller die seinigen spicken konnte. Schweinichen 3, 114. I@6@bb)
diese stelle leitet über zu der freiern verwendung für '(
sich)
bereichern',
so nd. sikk spikken Dähnert 447
b,
und sik bespikken Schütze 4, 167, sich mit etwas bespicken, '
reichlich versehen'. Adelung: dann plündern land und leute, und durchgehn, wann man sich gespickt mit frembder beute, ist deines dinges nicht. Opitz 1, 14. I@6@cc)
so besonders für '
bestechen'
s. Hunziker 246. Schm. 2, 657. Castelli 231. Hügel 152
b. Schöpf 685. Frischbier 2, 350
a (3): sie klagt! und sieh da, seit der zeit ist das haus voll advokaten, und die werden geschmeichelt, gespikt, angebetet, dasz ich den gräul nicht ausstehn kan. Hermes
Sophiens reise 5, 583.
sprichwörtlich: man muss oft den spicken, der uns ausgerupft. wer zu spicken versteht, niemals fehlgeht. Wander 4, 691.
ähnlich wol auch zu verstehen: wie dasz der ritter-stand so sehr jetzt wird gedrückt? weil er zu mager ist, und städte mehr nicht spickt. Logau 2, 128, 44. I@6@dd)
unbestimmter in dem sprichwort: sicht mans, so spick ichs, sicht mans nicht, so stich ichs. Lehmann (1640) 107, 44 (
unter betriegen,
also wol: einem ins gesicht schön thun). I@77)
häufig auf geistiges angewendet. mit beweiszthümern
etc. wol gespickt seyn,
esser ben fornito di argomenti. Kramer
dict. 2, 854
b.
gewöhnlich eine rede, ein buch womit spicken;
so schon mnd.: ein offentlick, mit calumnien woll gespecket scriptum.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 308
b; diesen selbtigen sonnabendt ist diesz hiernegst folgende gedruckte vom doctor zu S. Ulrich uszgegangen, dasz er alsz ein Halberstetischer probst an den radt zue Halberstadt geschrieben und uszgehen hat lassen mit viele scheldtworten gespickt.
d. städtechron. 27, 174, 27; denn dis (1
Petri) ist, wie ich gesagt hab, eyn reyche epistel und wol gespickt mitt schrifften. Luther 12, 299, 17
Weim. ausg.; und wiewohl ich bedacht bis daher gewest, kein scholia dabey zu machen, will ichs (
das buch) doch (so gott mich leben läszt) nu fort mit scholien spicken.
briefe 5, 388; die fasznacht spiel, mancherley art, mit schimpflichen schwencken gespicket. H. Sachs 3,
vorr.; unsere teutsche sprach ist nicht dergestalt arm und bawfällig, wie sie etliche naszweise nunmehr machen, die sie mit frantzösischem und italiänischen pletzen also flicken, dasz sie auch nicht ein kleines briefflein fort schicken, es seye dann mit andern sprachen dermassen durchspickt, dasz einer, der es will verstehen, fast in allen sprachen der christenheit bedörffte erkantnusz haben.
der teutschen sprach ehren-krantz (1644) 124; ich spickete endlich meine rede so künstlich und prächtig heraus, dasz mich der buchdrucker alsobald anredete, ihm einen calender aufzusetzen.
Simpl. 2, 275, 8
Kurz; sie (
die Russen) haben in einem buche weitläufftigere beschreibung und auszlegungen etlicher evangelischen historien, welche mit zusetzen, fabeln und grossen gefährlichen lügen gespicket. Olearius
pers. reisebeschr. 149
b; nicht zwar, dasz ich ihnen jede hämische anspielung; ... jede pflichtschuldige pastoralverhetzung der weltlichen obrigkeit, womit sie gegen mich von nun an ihre freywilligen beyträge spicken und würzen werden, aufmutzen .. wollte. Lessing 10, 131; die damals (
zu Luthers zeit) schon gedruckten nahmenlosen übersetzungen (
der bibel), welche ... keinen schaden anrichten konnten, indem sie alle aus der vulgata genommen, und zum theil mit anmerkungen gespickt waren, die allem eigenen raisonnement den weg abschnitten. 11, 525; wenn sie ihre halb thracische sprache mit attischen redensarten spickten. Wieland 19, 74 (
Abder. 1, 7); übrigens wimmelte es darin von ekelhaften schmeicheleyen und übertriebenen lobeserhebungen wiewohl er nicht unterlassen konnte, auch diese mit syllogismen zu spicken.
Luc. 4, 100; finden wir ja doch oft personen, die sich die allerseltsamsten töne, ausathmungen und banale reden angewöhnen, um damit ihren vortrag zu spicken, zu flicken und zu zerstücken. Göthe
[] 49, 156; ihm wurde jede stadtgeschichte vorgetragen und er muszte sie vermehren und mit einfällen spicken. Arnim 1, 71; wie öffters hat dein mund mir nicht das ohr erquickt, und mein excerpten-buch mit weisheit voll gespickt! Günther 1096; und anderseits den reim mit leichten fabeln spicken, heist ihm ein neues kleid mit alten lumpen flicken. 778; ein streng geheisz, gespickt mit vielen gründen.
Shakespeare Haml. 5, 2.
im ausgeführten bilde: so werden jhr die süsse diser holdseligen büchlein von jnnerlicher dicker fette, und mercklichem marckhafftem schmär viler lehren gespicket, fülen.
Garg. 22
a so auch: es kan aber nicht seyn, das die lüge von yhr selbs bestehe, man muss sie mit der warheit spicken, will mans ja ynn die leut treyben. Luther 15, 127, 2
Weim. ausg. gespickte lüge
in anderm sinne (
zu 6,
a): solte nit ein kleines kind dise wolgemeste, grobe, dicke, gespickte lugen ein lugen achten? Kirchhof
wendunm. 1, 441
Österley (1, 2, 1).
im anschlusz an 6,
c: ein einfeltiger mann hette vorher ... ihm auch gesagt sein laszen, dasz kein supplication, sie were denn zuvor gespickt, angenommen ... würde; liesz seine klag ... in schrifften verfaszen, steckt darin ein halben thaler. ... der keyser fragt den bawren, was er damit meinet, welcher antwort, er hette von mehr denn einem verstanden, wolte einer mit seiner supplication rath schaffen oder vorkommen, müste sie nit ungespickt bleiben. hette sich besorgt, sie möchte mit dem speck, dessen ohn das wenig bey ihm zu finden, besudelt und unflätig gemacht worden seyn, darumb were so viel gelt, als in bedeucht für speck hierzu genugsamb, nach seinem beduncken an die stat gelegt. 2, 277 (3, 8). I@88)
mit verschobener beziehung speck wohinein
oder wodurch spicken,
s. Eulensp. unter 3,
a. so übertragen (
zu 7): die rede war eine anhäufung von donnerworten gegen jesuiten und aristokraten, und dazwischen waren die ausdrücke freiheit, menschenrecht, knechtschaft und verdummung
u. dgl. reichlich gespickt. Keller 6, 310. I@99)
eine weitere verschiebung liegt vor in der (
sonst nicht bekannten)
redensart: einem den hintern spicken,
lardare le natiche ad uno; dargli delle ferite nelle natiche con uno stiletto etc. Kramer 2, 854
b.
vgl. indessen specken 5,
sp. 2042. I@1010)
eine bedeutung '
räuchern' (
wie speck
zubereiten?)
scheint durch die zusammensetzungen spickaal, -flunder, -hering, -bückling; spickgans, -brust (-schwein?)
vorausgesetzt zu werden, doch ist hier überall auch der begriff des fetten deutlich vorhanden (
s. auch spickfett)
und stehen daneben formen mit speck- (
ein als grundwort angesetztes adj. spick
ist nicht sicher bezeugt). IIII.
daneben finden sich wörter von gleicher oder ähnlicher form, aber mit abweichenden, sehr mannigfaltigen bedeutungen, die offenbar andern, jedoch zumeist unbekannten ursprung haben. II@11)
durch eine schnelle bewegung entfernen oder fortstoszen. so in Schweizer mundarten: schnellen, schnippen Stalder 2, 383 (2,
s. dazu spick 2),
daneben '
durch ein rohr (spickrohr)
blasen',
s. ebenda (3).
so in Basel spike '
durch das blaserohr fortblasen; schnellen; auch mit dem finger fortschnellen'. Seiler 272
a.
dazu: potz himmel! wie sausten da die eisenbrocken ob unsern köpfen weg ... und spickten uns die leute aus den gliedern weg, als wenn's stohhälme wären. Bräker
der arme mann im Tockenb. 109
Reclam. auch intransitiv: der musboga spickt (uf)
schnellt in die höhe. Tobler 378
b. II@22)
so oder ähnlich als bezeichnung von kinderspielen. II@2@aa)
schweiz. špĭke
mit kügelchen (spickkugeln)
spielen, schnippen. Hunziker 246. Stalder 2, 383 (2);
s. auch specken 4,
sp. 2042. II@2@bb) huffa spicka,
ein spiel mit nüssen, s. Tobler 278
b f. II@2@cc)
schwäb. spicken, spitzeln, '
die spitzen der eier an einander schlagen, ein spiel der jugend zur osterzeit; die spielenden stoszen die eierspitzen auf einander; wessen ei unversehrt bleibt, der gewinnt das gebrochene'. Schmid 501. Campe. II@2@dd)
das unter spichelieren
beschriebene spiel, so schweiz. spicken
oder patschädern. Stalder 2, 383,
tirol. specken Hintner 209,
vgl.specken 6,
sp. 2042. II@33)
andre angaben lassen eine bedeutung '
stechen'
oder '
stecken' (
trans. und intrans.)
erkennen. spicken ...
post autem in genere fodere, figere, trajicere cuspide, hasta, pilo, alioque telo notat, magnamque affinitatem cum spiesz,
et spitz
habere videtur, ita ut sit mucrone petere. Stieler 2076; einen spiesz spicken,
torquere hastam, emittere et conjicere telum. compos. sunt: anspicken,
affigere, et einspicken,
infigere. er hat den degen dem feinde ins herz gespicket,
gladium hosti in pectus infixit. ... nach einem spicken,
petere aliquem hasta. ebenda. Campe
giebt [] spiken '
mit seiner spitze in etwas haften, fest stecken. das messer fiel und spikte in den boden',
und giebt als grundbedeutung von spicken '
mit seiner spitze oder seinem dünnen ende in einem körper fest stecken machen, wo es das überleitende (
transitive)
und verstärkende wort von spiken
ist'.
mundartlich ist spicken,
nd. spöcke(n)
in Preuszen lebendig im sinne '
stechen, stoszen': mit der nadel spicken, mit füszen spicken. es spickt mir im auge. Frischbier 2, 350
a.
vgl. noch das übertragene sich einspicken '
sich in eine gesellschaft eindringen' (
Augsb.). Schmid 501. Schm. 2, 658 (
e). —
es ist nicht wol denkbar, dasz diese verwendungen nur eine übertragung von I
aus wären, wobei das bild des äuszern vorgangs zu grunde läge, noch weniger, wie Campe
u. a. wollen (
vgl. Frisch 2, 299
b und Adelung),
dasz die bedeutung I
nur eine spezialisierung dieser allgemeinern sei. beziehungen werden allerdings vom sprachgefühl empfunden oder hergestellt, vgl. besonders I, 4. 8.
man wird also hier ein besonderes wort annehmen müssen und zusammenhang mit picken (
theil 7, 1840
f.)
oder mit spitz
vermuten dürfen. über das intrans. (
nd.) spiken
s. unter spiker. II@44) spicken,
verb. burlesco forse da spähen,
esplorare]
vedere, guardare, guatare. lat. spicere etc. v. gucken. kucken
etc. schauen
etc. verb. compos. aus-spicken, spicken,
vedere cioè guardare nel libro ò nel foglio, perorando in publico; it. rubbare d'un altro, componendo ò scrivendo. Kramer
dict. 2, 861
b; spieken,
n. ist ehmahls vom lateinischen alten
specio, und von diesem das französisch
espier. holl. spien, unter den Teutschen sonderlich im krieg gewöhnlich gewesen, aber so abgekommen, dasz es selten von jemand in den büchern verstanden wird,
s. oben spehen. (
folgen belege, die indessen kaum hierher gehören.) in einigen schulen in Teutschland heissen die kinder von alter gewohnheit her, spicken, wann eines seine lection vergessen hat, und deszwegen in sein eigenes oder eines andern buch speculiren und einsehen musz, und dieselbe daraus hersagen,
furtim librum inspicere, et ex eo petere quae ex memoria exciderunt. item, furtim exscribere aliquid. Frisch 2, 300
a,
danach Scherz-Oberlin 1534.
dies wort ist von letzterem und Adelung
wol richtig als intensivbildung zu spähen
erklärt, vgl. Weigand 2, 761.
es findet sich besonders in süddeutschen mundarten, so elsäss. 'spicken (
in den schulen),
heimlich in das buch blicken, wenn man seine aufgabe nicht auswendig weisz'. Klein 2, 161;
schwäb. spicken, abspicken, '
einem eine arbeit absehen, um sie als die seinige nachzumachen; dieser ausdruck ist insonderheit bei den schriftlichen übungen der schüler gebräuchlich'. Schmid 501, âšpiggə Birlinger 408
a (
niederschw. schülerspr.);
bair. heimlich schauen, blicken. ins buch spicken. einem einen handwerksvortail abspicken. Schm. 2, 658 (
c).
österr. Höfer 3, 158. Schöpf 685 (heimlich auf etwas spicken, etwas abspicken). Lexer 236.
vgl. auch Kehrein 1, 382.
vereinzelt auch in der litteratur (18.
jahrh.): eins thails ist zwar wol wahr, dasz die herren Zuricher manicks aus den frantzosischen buecheln abgspickt habn, aber sie seyn dennest so narret net, dasz sie die thorechten namen der kerl, wo sies her habn, dazusetzn thetn.
tintenfäszl 15; wenn ja einer neben uns etwas nachschreibt, so spicken wir von ihm, stehlen, was er selbst vielleicht undeutlich hörte. Lichtenberg 1, 91. —
unklar ist, ob folgende stelle hierher zu ziehen ist: faselnde gedichte, hin und her spickende, nickende und tickende kritisirungen. Tieck
novellenkr. 4, 204. II@55)
weitere abstracte ausdrucksweisen in hd. mundarten. II@5@aa)
lügen, so schwäbisch Schmid 501,
bair. österr. Schm. 2, 657
f. (
b: '
gelinderer ausdruck für lügen, aufschneiden', anspicken). Schöpf 685 (
Unterinnthal),
vgl. Klein 2, 161 (
Augsburg, Pfalz): manche seynd die gröste lugner und aydbrüchige gesellen worden, welche anfangs nur ein wenig gespickt. Abraham
bei Schm. 2, 658; glaub, ehr, treu, lieb und redlichkeit gilt sauber nix bey dieser zeit, der nicht kann liegn, spickn und lavirn, mag wol die ganze welt quitirn. Selhamer
s. ebenda. II@5@bb)
angeben, verraten. ebenda (
d, nach d. voc. v. 1618).
ähnlich schweiz. '
etwas nachtheiliges über jemanden in geheim sagen, zunächst von kindern, schülern bey ihren eltern, lehrern; verspicken,
verklagen'. Stalder 2, 383. II@5@cc)
worauf anspielen: ich hab ihm darauf gespickt.
ebenda. II@5@dd)
österr. schbikn (auf),
wonach trachten, es wünschen, z. b. ih schbik hiazd auf an uhr. Castelli 231 (
vgl. 3? 4?). II@5@ee)
henneb. sich spicken (spéck)
sich worauf freuen, etwas erfreuliches erwarten, vgl. spitzen. Spiess 237.
[] II@66)
sonst vereinzeltes. II@6@aa)
flicken, zusammenstücken: da zog man mir meinen allenthalben zerlumpten und von vielfärbigen flecken zusamm gespickten rock ab.
Simpl. 1, 71, 28
Kurz (
zu I?). II@6@bb)
preusz. auch schnell laufen oder reiten. Frischbier 2, 350
a.