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zaum

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zaum

Bd. 31, Sp. 399
zaum , pl. zäume, m., riemenzeug am kopf der pferde und saumthiere, um diese zu lenken und zu bändigen; ahd. zaum, mhd. zoum, as., mnd., nnd. tôm, mnld., nnld. toom, afrs. tâm, altn. taumr in gleicher bedeutung, woneben das wort im mnd. auch die stelle, wo netze gezogen werden (Schiller-Lübben 4, 473a) bedeutet und ags. téam ein gespann zugochsen bezeichnet. eine dritte bedeutungslinie zeigt sich in fries.-nld.-ags. nachkommenschaft, geschlecht. alle vereinigen sich in dem begriff ziehen, welcher den ansatz germ. *taugm-a- (zum verbum *teuhan ziehen) ergibt. die von einigen vertretene ableitung aus der grundwurzel * tu (s. darüber zauen sp. 396) erweist sich angesichts der in ziehen ursprünglichen bedeutung 'erzeugen' (vgl. mnd. togen unde boren erzeugt und geboren) als unnöthig. danach also ein ziehriemen, früher gewisz nur so viel wie seil, tau, wie die ahd. glosse fona zoumum de resticolis (Graff 5, 624) und die fortdauernde bedeutung seil und binde darthun. im fries., luxemb., pfälz. und bair. wandelt sich ou zu ā, im md.-nd. zu ō; rein lautlich zu verstehen ist der umlaut des elsässischen; grammatischer umlaut im pl. setzt sich zuerst im md. durch. von dem kampf um das pluralend-e im obd. zeugt die hybride form des acc. sing. den zǒme N. Wyle translat. 27 K.; den zaume Tauler serm. (1508) 17d; gelegentlich begegnet schwacher plur.: der zöumen Forer Gesners thierb. 3, 108. die schwächung des endconsonanten verräth die form zaun 1. dtsche bib. 8, 432, Luther 23, 531 W., S. Franck sprüchw. (1545) 1, 19a u. a., sogar noch Brendicke berl. 195a. sprachlich als ein einfacher gedrehter oder geflochtener strick erwiesen (s. auch unten 1), wofür auch die zeugnisze für das flechten des zaums (s.zaumflechter und -stricker) sprechen, hat der zaum doch früh die ihn zum brauchbaren geräth gestaltenden haltestücke um genick, nase und an den backen erhalten: den breiten kopfriemen oder sattel, die beiden backen-, einen stirn- und einen kehlriemen (insgesamt das hauptgestell). den nasenriemen erhält regelmäszig nur der stangenzaum (th. 10, 2, 820 und stange sp. 801) mit der kandarre, dem zugleich eine kinnkette zukommt; auch brechzaum (lupus Stieler 2594, Kramer teutsch-it. 1426c) genannt. am gebisz (bei reitpferden eine trense), das über die zunge gelegt ist, sind die beiden zügel befestigt, während an die kandarre noch eigene zügel geknüpft sind. ein dressierzaum für junge pferde ist der kappzaum (th. 5, 201). einen leichten z. nennt Stieler 2594 strenzenzaum. ochsen werden ohne gebisz gezäumt. vgl. Krünitz 241, 63. im sprachgebrauch umfaszt z. gewöhnlich das kopfgestell, gebisz und zügel, doch ist in den letzten jahrhunderten, wenn es sich um die lenkung [] des pferdes handelt, an seine stelle das wort zügel getreten. in den wörterbüchern mit habenae, frenum, camus (kappzaum), weniger genau mit lorum (zügel), capistrum (halfter) wiedergegeben. die ohrriemen meint aureae (Calepinus XI ling. 146a), das gebisz orea (ebda. 1002a); vgl. Diefenbach gl. 247a. 272a. 336a, n. gl. 46b. 70a. 200a. 239a; voc. opt. 29b. 30a; gemma gemm. d 2a. l 1b. o 7a; Alberus G g 4b; Frisius 30b. 179a. 581b. 615b; Maaler; Calepinus; Schottel; Reyher thes. p 2 rb; Stieler u. s. w. 11) in der ältesten bedeutung strick, band auszer im ahd. nur noch selten nachweisbar: z. wurfriemen Wackernagel hdwb. 397b; an einer winde: welicher dann das windenseil einzeucht, oder so man den zaum nider leget und die winden ab will heben; der hinauf steiget, dem gibt man zwen pfenning Tucher baumeisterbuch 45; langes, dickes tau, das um den wiesbaum geschlungen wird, um die wagenladung fest zu halten; groszer strang bei maurern und zimmerleuten Martin-L. els. 2, 904a; 'z. (am pfluge) zucht' Stalder 2, 466; er aber liesz sich mit eim zaum starck pinden an den segelbaum H. Sachs 7, 412 K.; baiulum i. frenum ein bendel oder zoum gemma gemm. c 4a; habenula ein riemlein, am (lies ein) z. oder ein binden, wie es die wundAertzte brauchen B. Garth lex. 329a (vgl.zaumbandage und -binde); bandstückchen oder zäume (an der orgel) ... zäume werden sie genannt, weil ihre länge das masz ist, wie weit sich die falte beim aufziehen des balges aufthun kann G. Töpfer lehrb. d. orgelbaukunst (1855) 573. diese bedeutung als ursprüngliche zuerst von Adelung (wb.2 4, 1659) erkannt; danach so Voigtel 3, 680b, Campe, Hübner31 4, 1000a; plur., durch den trichter getriebenes, bandartiges schmalzbackwerk Fischer schwäb. 6, 1061; s. unten 3; 22) wenngleich seit der ahd. zeit und sehr reich in der mhd. periode, der zeit des blühenden ritterthums, für habena, frenum bezeugt, gilt z. in diesem sinne doch erst unumschränkt, nachdem es das concurrierende breidel (s. th. 2, 354), brîdel, brittel, das als ältere lesart brittel neben jüngerem z. noch Hiob 30, 11, ps. 31, 9 in der ältesten dtsch. bibel 7, 207. 284 und im cod. Teplens. 3, 5 begegnet, verdrängt hat; 2@aa) in eigentlicher verwendung 2@a@aα) allgemeines: häufig verziert: mit schildkrötenschalen besetzt Forer Gesners thierb. 3, 108; mit guldin zäumen Spreng Il. 5, 66b; der keyser ... auff einem weiszen, stoltzen hengst, mit einem gulden bisz, z., stegreiff Kirchhof wendunm. 2, 57 Öst.; einen weiszen zelter mit zäumen von carmoisinsammet ritt der papst (Ranke s. w. 1, 218), wenn der kaiser ihm den steigbügel beim aufsteigen zu halten und das pferd am zaum zu führen hatte; um so zäher lebte uralte herstellungsweise im rechtsbrauch fort, wenn der herr oder sein bote auf einem pferde, das er mit einem zaume aus lindenbast lenkte, ins land einritt: J. Grimm rechtsalterth.4 1, 355. 362; aber noch im 17. jahrh. von livländischen bauern so angefertigt: ik stige up den berkenbom, davon hauw ik sadel und tom A. Olearius reise (1663) 113; landesverwiesene durften heimkehren, wenn sie sich bei feierlichem einzug des fürsten an dem zaum seines rosses hielten: Schiller-Lübb. 4, 573b; J. Grimm rechtsalterth.4 1, 368; 2, 341; nun so leg ich den z. lediglich einem iedlichen auf den hals (des pferdes) und sei frei (d. h. lasse ihn frei; indem ihm damit ein freies pferd geschenkt wird) Meisterlin chron. v. Nürnberg in chron. dtsch. städte 3, 44; so denn: (zogen) auf ir selbs zawm (d. h. auf eigene kosten) 2, 47; auf eignem z. und sold Th. Körner 3, 31 Hemp.; ebenso: so laszt mich ein abtei auff meine sondere weisz und eygenen z. willigs muts stifften Fischart Garg. 435 ndr., oder s. v. w. unabhängig, nach gutdünken? zaum und stegreif halten als höflicher dienst: (wir) lerendt unser jungen kinder, ... den stegreiff halten und den zoum Murner narr. 85 ndr.; zur vollständigen ausrüstung eines reitpferdes gehören zaum und sattel: eyn weyssz pfAerd ..., das wol bereit wAer mit zam und mit satel summerteil d. heyl. leb. 78b b; [] diese folgen zwar dem pferde nicht, wenn es verkauft wird; aber insgemein verbleibt der zaum, den das pferd beim verkauf trägt, dabei, und es wird dafür dem stallknecht ein besonderes zaumgeld (s. d., auch zaumrecht) entrichtet: Jablonski lex. 1427a; manche die freyen nach hoheit und ehren, kAeuffen ohn sattel und zaum ein pferd Venusgärtlein 13 ndr.; häufig z. und zügel: ein edles pferd macht sich von zaum und zügel frey Lohenstein Agripp. 43; aber auch: ein rosz on ein zaum und ein junger on ein ruot theten nie kein guot sprichw. klugreden (1548) 1408; nach Adelung wb. 2 4, 1659 in einigen gegenden auch das leit- oder gängelband der kinder, wofür auch leitzaum gesagt wird; 2@a@bβ) gebrauch des zaums; in den verben lebt z. th. die alte bedeutung zügel fort; gewöhnen: soll man ihnen (den 19 monate alten füllen) halfftern anlegen und die zAeum an die barren (krippen) hencken M. Herr feldbau 186a; an den z. gewöhnen Schiller 15, 1, 21 G.; zäumen: z. anlegen Konrad v. Würzb. troj. kr. 15 076 K.; Frisius 30b; gebisz und z. anlegen Lohenstein Arm. 1, 30a; unter den z. nehmen Reyher thes. p 2 rb; den z. straff halten: adducere habenas den z. an sich ziehen nomencl. lat.-germ. Hamburg. (1634) 374; vgl. übertr.: und creutziget sein fleisch und blut und liget ihm scharpff in dem zaum H. Sachs 16, 514 G.; den zaum schieszen lassen: den zaum den liess ich schiessen und sprengte hin zu ihr A. Metzger (1612) in Böhme lied. d. Deutsch. 272; Stieler 2594; Kramer teutsch-it. 2, 520b; den z. nachlassen Frisius 1139b; dem pferde den z. folgen lassen Orsäus 199; dem pferd den z. lassen, hängen lassen Kramer 2, 1426a; liesse ich dem pferde den z., willens dahin zu reiten, wohin es mich bringen würde Zendorius winternächte 33; dem rosz den z. verhengen (nach vorn hängen) und es lassen in den feind rennen equum in hostem permittere Maaler 421b; mit lossem, verhängtem z. drauf sprengen, mit vollem z. rennen Kramer 2, 1426b; wiehernde rappen und verhängte zäume Freiligrath ges. dicht. 1, 128; weitere belege s. th. 12, 524 ob.; in vollem z. lauffen Duez nom. 181; abzäumen: zoch ... den pferden ire zaume ab und liesse sie weyden und grasen V. Warbeck Magelone 39 Bo.; den z. abstreiffen Kramer; am z. fassen und führen: daz ros bî dem zoume vâhen Hugo von Trimberg renner 13893 Ehr.; so fielen mir ... (die) häscher meinem pferde in z. Chr. Reuter Schelm. 104 vollst. ausg. ndr.; war, dass im ein biderman begegnet uf dem veldt, den mag er wol mit im dahin laden, aber er soll inn nit in den zam griffen, dass er in mit im ziehen well 1488 Reyscher altwürtt. statutarrechte 43; nach dem absteigen des reiters das pferd beim z-e halten Abr. a s. Clara etw. f. alle 2, 218; führen maler Müller w. 1, 185; feuriges pferd u. ä.: (deine stute) schäumt und drängt in zaum und zügel Fr. W. Weber dreizehnlinden 136 350; hat auch ein rosz ... einen kurtzen halsz, das ligt hart im z. und drücket hart J. Walther pferde- u. viehzucht 6; besonderes: das pferdgespreng, das trabschencken, das libtraben, das zaumdAentzelen Fischart geschichtkl. 279 ndr. (s. unter zäumen 2 a); das er nit vil zaum greiffens leiden mochte (nicht reiten mochte) Kirchhof wendunm. 1, 458 Öst.; 2@bb) übertragen seit dem ma., vgl. êwiger êren zoum Trimberg renner 4987 Ehr., und überaus reich vertreten, wobei wendungen älteren eig. gebrauches kund werden; 2@b@aα) in verbaler verbindung; zäumen: den Fuckern und dergleychen geselschafften ein zawm ynsz maul legen Luther 6, 466; 7, 9; ... und sporn in die seiten 34, 2, 198 W.; ain zaume und pysze inn das maul legen Sickingen bei O. Clemen reform.-flugschr. 2, 210; lege meinen gedanken ... keinen z. an B. v. Arnim nd. [] 2, 190; der freyen rede z. und sporn ... geben Shakespeare 5, 150; halten: den aussern menschen in ainem tzaume halten Tauler serm. (1508) 147a b; gewöhnlicher im z.: den Josua ... demütigen und ym z. halten Luther 23, 549 W.; sehr häufig; (ihre kinder) mit guter zucht halten im zaumb H. Sachs 12, 486 K.; den povel Luther 19, 281 W.; die unterthanen Rätel Curäi chron. 116; das Bayerland Chemnitz schwed. krieg 2, 100; untertrucken, i. z. h. Hulsius 2, 327a; wütende löwen Herder 26, 35 S.; die hände derer soldaten v. Fleming teutsche sold. 186; dasz vleisch in zoume Jeroschin 14087 Strehlke; ut carnem zuchtigen und halten ym z. Luther 29, 232; 26, 218 W.; fleisch und blut H. Sachs 6, 190 K.; das der leyb eyngefasset bleyb und ym zawm gehalten werde Luther 15, 450 W.; um des stabreims willen besonders beliebt die zunge im z. h.: H. Sachs 18, 169 G.; sprichwörtlich und allgemein; halte dein maul im z. Äg. Albertinus hirnschl. 3, (den) mund Moscherosch ges. 4; sich: du muost ... dich selbs im zoum halten Keisersberg bilgersch. 9d; H. Sachs 22, 225 G.; Göthe 15, 33 W.; abstr.: gemüt Fischart Stauff. 35 H.; die begierden Butschky Pathm. 45; deine kühnheit im z-e zu halten Lessing 6, 117 M.; nichts ... konnte meinen gekränkten stolz im z-e halten Pfeffel pros. vers. 1, 8; den z. der neigungen des andern in händen (halten) Bode Montaigne 2, 20; erweitert: die Gallier in z-e und gehorsam zu halten Lohenstein Arm. 1, 961; mit den waffen ebda 1, 7b, das volk ... durch harte strafen Fichte s. w. 7, 219, wodurch die anschauung aufgegeben ist; hielte (gott nicht) sonderlich dem Trcken den z., er bliebe nicht so lange von diesem spiele J. Prätorius philos. colus 87; anziehen: den gebietigern der z. etwas kürtzer angezogen Schütz hist. rer. Pruss. 4, Cc 2b; hängen (s. th. 4, 2, 451): dasz sie der bgird den zaum nicht häng Fischart lob. d. laut. 368 H.; wann ihme gott den z. henget und den lauff lasset Schopff wett. 76; Fischer schwäb. wb. 6, 1061; verhengte den ... begierden den z. v. Brandis tirol. adler (1678) 50; wo ... dem alten menschen der z. gelassen wird Luther 30, 1, 220; dem teufel 23, 72 W.; allen muotwilligen und unrwigen war der z. gelassen Stumpf Schweytzerchron. 343a; der sünde den z. lassen Mathesius Sarepta 112b; den begirden den z. zu lang lassen Heyden Plinius 210; die entscheidung überlassen: alssdann lest der mensch gott den tzawm, ergibt sich yhm tzu eygen Luther 10, 1, 1, 38 W.; gern im reim: rawm und zawm ... lassen 24, 531 W.; zaum: raum Treuer d. 1, 240; zuweilen der jugend begeren den z. schiesen lassen Fischart ehez. 312 H.; ihnen einen freyen z. zu hurerey Luther 33, 650 W.; der freude freyen z. ... lassen Stoppe Parnasz 8; führen: ain volkomener man mag seinen gantzen leib am zAem fern Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 296; die dürfftigkeit führet offt der begier den z. gar kurtz Chr. v. Ryssel seelenfrieden 364; in den z. fallen: der neyd fallt ihm und seinem pferdt ... in z. Abr. a s. Clara Judas 1, 95; ungebärdig sein: wir dringen auff den zaum Logau sinnged. 351 Eit.; die menschliche vernunfft ... wil ... auff iren z. gehen Luther 28, 540 W.; stolz sein: der all mal hohen zaum mir trug H. Sachs 8, 82 K.; Ayrer 2069 K.; 2@b@bβ) in substantivischer verbindung: under dem zoum ... der gehorsam (halten) Keisersberg bilgersch. (1512) 8; biss sie auch nach dem z. der herrschaft griffen Stumpf Schweytzerchronik 342b; hielt er seinen zorn am z. der vernunfft Schaidenreisser Odyssea 72b; z. der erziehung Lessing 6, 138 M.; z. der mässigkeit Albr. v. Eyb spiegel 96b; der tugend z. Neumark lustwäldch. 94; stabreimend: das sie ... eynes ... starcken zAeumes und zigels vonnOeten hat Fischart ehz. 308 H.; der falschen eifersucht z. und zügel (anlegen) Herder 17, 12 S.; z. und gebisz: wie solt ich meinem glück z. und gebisz in den mund legen Hippel lebensl. 1, 268; Lavater verm. schr. 2, 192; ohne z.: [] wann solch gedanken machen flügel wie ein adler on zaum und zügel H. Sachs 19, 328 G.; effrenate ohne z. Calepinus septem ling. 3 1, 306b; 2@b@gγ) im sinne von zwang: so du ausserhalb dem kloster on zam lebest Eberlin v. Günzburg 2, 130 ndr.; kein weib noch jungfraw der massen ym z. leben mus Luther 30, 2, 190 W.; der stoltzen feinde (gen. obj.) z. Besser schr. 1, 26; die leute ym z. und zwang halten Luther 24, 676 W.; ein mittel der einschränkung, z. b. gesetze sind ein z. des volkes Voigtel wb. 3, 680b; das volk in zucht und z. halten Schleiermacher s. w. I 5, 100; rotwelsch: z. polizeiaufsicht württ. vierteljahrsh. n. f. 16, 73; 2@b@dδ) im sprichwort gemäsz seiner bedeutung im volksleben auszerordentlich beliebt: ain weyser mann kan sich selbs im z. reyten G. Mayr sprüchw. A 8a; z. und sporn machen das pferd gut Lehmann florileg. (1662) 1, 147; man faszt das pferd beym z., den mann beym wort Schellhorn sprw. 106; hat der teuffel das pferd gefressen, so fresz er auch den z. Lehmann florileg. (1662) 2, 714; H. R. Manuel weinspiel 283 ndr.; man soll z. und sattel nicht mit dem pferd zum schinder führen Lehmann flor. (1662) 3, 227; ein güldener z. macht das pferd nicht besser 1, 458; wissen, wie man eine sache angreift, bewandert sein in etwas, sich auf seinen nutzen verstehn: ich will dir meinen advokaten schicken, der weis, wo die zäume hängen Rabener w. 3, 289; ob ich gleich selbst wissen musz, wo in meinem stall die zäume hängen Göthe IV 20, 91 W.; IV 23, 23; 27, 198 W.; gespr. 2, 209 Bied.; H. v. Kleist 1, 390 Schm.; Adelung wb. 2 4, 1659; weiteres bei Müller-Fr. 2, 693a; 33) als diminutiv zäumchen, obd. -lein im besondern die bedeutung unter 1 specialisierend; a) anatomisch: häute, die zwei theile des körpers verbinden, wie das zungenband und die vorhaut: ahd. zoumili funiculos in fimbris Graff 5, 624; Kramer teutsch-it., Ludwig, allg. haush.-lex. 3, 808, Adelung; b) band im haar (s.zaumband): die mägde sollen nicht tragen gestückte zeumlin, noch messerscheiden gestückt Straszburger policeyordnung 46 Frisch 2, 465c; tômeken eine art schuhe Schiller-Lübben 4, 574a; c) was für ein spiel: spielt er ... des zAeumlins Fischart geschichtklitt. 261 ndr.?
16714 Zeichen · 512 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zaum

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Zaum , des -es, plur. die Zäume, Diminut. das Zäumchen, Oberd. Zäumlein. 1. Ein Band, Strick; eine längst veraltete …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zaum

    Goethe-Wörterbuch

    Zaum [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Zaum

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Zaum ( Zäumung , hierzu Tafel »Zäumung« mit Text), Vorrichtung zur Führung der Reit- und Wagenpferde mit der Hand mittel…

  4. modern
    Dialekt
    Zaum

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    PfWB RhWB Zaum [Tsàim Su. ; Tsòim Logelnh. Co. Tsym Ndhsn. ; Tsm K. Z. ; Tsôm Wh. ; Pl. saim Co. , Tsǽm K. Z. ; Tsm …

  5. Sprichwörter
    Zaum

    Wander (Sprichwörter)

    Zaum 1. Am Zaum erkennt man das Pferd. Poln. : Uzda konia, język człowieka, smak potrawę pokazać ma. ( Čelakovsky, 425. …

  6. Spezial
    Zaum

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Zaum m. (-[e]s, Zäume) 1 ciavëza (-zes) f. 2 (Gebiss) pis (pisc) m. ▬ dem Pferd den Zaum anlegen ti vistí (ti mëte) la c…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zaum

77 Bildungen · 51 Erstglied · 26 Zweitglied · 0 Ableitungen

zaum‑ als Erstglied (30 von 51)

Zaumkette

SHW

Zaum-kette Band 6, Spalte 751-752

Zaumriemen

SHW

Zaum-riemen Band 6, Spalte 751-752

Zaumzeug

SHW

Zaum-zeug Band 6, Spalte 751-752

Zaumzügel

SHW

Zaum-zügel Band 6, Spalte 751-752

zaumbandage

DWB

zaum·bandage

-bandage , f. : halffter- oder z. ... eine art binden, deren man sich, den untersten kinnbacken zu verbinden, bedienet Noel Chomel 5, 80. —

zaumbinde

DWB

zaum·binde

-binde , f. , zusammengesetzte binde für wunden der lippen Krünitz 241, 66 ; Mozin frz. wb. 3, 216 a . —

Zaumbiß

BWB

Zaumbiß Band 2, Spalte 2,938

zaumbuch

DWB

zaum·buch

-buch , n. , als buchtitel: diss newe ... biss- oder z. Seutter bissb. (1584) . —

Zaumel

RhWB

Zaumel -ǫu-, Pl. -ələ (s. Zammel) f.: Faser; dein Rock hängt voll Z.ə.

zaumen

PfWB

zaumen , zäumen schw. : ' einem Tier den Zaum 1 anlegen ', zaame (dsāmə) [ Christmann Kaulb 26], zääme (dsEmə) [ZW-L'wied BZ-Stein Höh 63], …

Zaumes

RhWB

Zaumes tsǫuməs aus der jüd. Metzgerspr. Bernk-Morb , Dür-Pier m.: 1. Knochen, Beihau zum Fleisch. — 2. Spottn. Wittl-Eisenschmitt .

zaumfrei

DWB

zaum·frei

-frei : effrenis Stieler 559 ; Kramer 2, 1426 b ; Campe ; last das hertz nicht zaumfrey stehen und stets zwischen spornen gehen, womit uns d…

zaumgebisz

DWB

-gebisz , n. : Ludwig teutschengl. lex. 2562 . —

zaumgeld

DWB

zaum·geld

-geld , n. , trinkgeld für den zaum, der dem pferde verbleibt, an den pferdeknecht beim verkauf eines pferdes: 1 m zoumgelt des herren bisch…

zaumgerecht

DWB

zaum·gerecht

-gerecht , den zaum duldend, sich zäumen und lenken lassend: ( Alexander ) macht ... ( den Bucephalus ) bändig, laitig und z. Fischart gesch…

zaumholz

DWB

zaum·holz

-holz , n. , beim tüdern, anpflöcken des pferdes auf der weide: Jac. Grimm rechtsalt. 4 1, 555 . —

zaumigkeit

DWB

-igkeit , f. : effrenatio ..., effrenatio impotentis animi Aler dict. 2, 2228 b ; rechtlosigkeit und z. gehen immer gepaart Pestalozzi s. sc…

Zaumkopf

RhWB

zaum·kopf

Zaum-kopf (s. S.) Mosfrk in Trier , Bitb , Prüm , Daun , Koch , May u. in Aden m.: Zaum 1 a.

zaumkunst

DWB

zaum·kunst

-kunst , f. : reut- und z. Harsdörfer frauenz. 5, Pp 5 a ; allg. dtsche bibl. 49, 269. —

zaumleidig

DWB

zaum·leidig

-leidig , s. v. w. -gerecht: Kramer ; z. machen Pomey 419 ; Ludwig, Schwan, Schrader frz. —

zaumlos

DWB

zaum·los

-los , 1) eig.: z. on ein zaum Frisius 694 b , Maaler , Calepinus XI ling., Diefenbach-W. 911 , Reyher thes. p 2 r b , Hulsius, ein z-es pfe…

zaummacher

DWB

zaum·macher

-macher , m. , verfertiger von zäumen: Fritz Gebhart der z. Tucher baumeisterb. 153 Lex.; lorifex voc. 1482; von den sattlern verschieden: g…

zaummuschel

DWB

zaum·muschel

-muschel , f. : marine ... seynd zahnschnecken oder z-n Marperger kaufmannsmagazin 815 . —

zaum als Zweitglied (26 von 26)

dienstzaum

DWB

dienst·zaum

dienstzaum , m. der name der stadt Gath die als gränzfestung die benachbarten länder im zaum hielt: und es begab sich darnach das David die …

Kappezaum

RhWB

kappe·zaum

Kappezaum Verbr. zunächst vom NOHunsr n. Simm-Crastel , Goar-Boppard (abseits Trier-SMatthias ) über die uMos (w. Ort Koch-Hambuch ) durch K…

kappzaum

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kapp·zaum

kappzaum , m. ein zaum der besonders jungen pferden angelegt wird, mit einem nasenbande und scharfem gebisz, um sie zu bändigen, brechzaum, …

kinderzaum

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kinder·zaum

kinderzaum , m. laufband für ein kind das laufen lernt, einem zaume ähnlich: ein moralischer knabe, welcher vor ein paar jahren noch am kind…

laufzaum

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lauf·zaum

laufzaum , m. gängelband für kleine kinder, laufband: liebe frau, sagte ich, den laufzaum schliesze in deine lade und den gängelwagen stelle…

leitzaum

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leit·zaum

leitzaum , m. : der ( der renner ) trabt bedächtig durch die bahn am leitzaum nur. Freiligrath dicht. 1, 87 .

lenkzaum

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lenk·zaum

lenkzaum , m. zaum der die thiere lenkt, zum unterschiede von dem, der sie zügelt. bei Bürger vielleicht nur des metrums wegen in der sonst …

pferdezaum

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pferd·e·zaum

pferdezaum , m. bride, pferdzaum Rädlein 700 b , pferdezaum Zedler 27, 1414 .

Pferdzaum

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pferd·zaum

Pferdzaum Kopfgeschirr eines Reitpferdes; Neutr wohl figurensprachl [ Zweite Zigeunerin: ] Was hast du, Wolf? [ Wolf: ] ..drei Kochlöffel un…

purpurzaum

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purpur·zaum

purpurzaum , m. : die dichten mähnen wehten, um die ein purpurzaum, mit gold durchwirket, flosz. Alxinger Doolin 2 1, 45 .

regierungszaum

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regierung·s·zaum

regierungszaum , m. regierung unter dem bild eines zaumes: dasz nach dem sie ( die hand einer fürstin ) des lands regierungszaum annam, das …

Reitzaum

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reit·zaum

Reit-zaum m. : 'Zaum zum Reiten'. a. 1537: Ein reittsattel vnd ein reittzame [SpeyTreudInv.]. SHW Südhess. IV 1361 .

rosenzaum

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rosen·zaum

rosenzaum , m. ein angenehmer, gern getragener zaum, bildlich: so spiel' er ( Amor ) wie er will mit seinem goldnen bogen .. regiere löwen o…

rosszaum

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ross·zaum

rosszaum , m. der zaum für ein pferd, ephippium rosszoun voc. opt. im mhd. wb. 3, 944 a , ross zovn Dief. gloss. 206 a : der alte Omar, trau…

silberzaum

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silber·zaum

silberzaum , m. silberner, mit silber verzierter zaum, im bilde, das wol auf beeinflussung durch geld geht: wie man durch ränke sich von der…

spangenzaum

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spangen·zaum

spangenzaum , m. mit spangen gezierter zaum. Campe, freno, briglia à boccole. Kramer 2, 846 b .

stangenzaum

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stangen·zaum

stangenzaum , m. lupatum, fuscina. Stieler 2595 ; briglia à stanghe, branche, stanghette. Kramer dict. 2, 907 b ; froenum quod duobus brevib…

strenzenzaum

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strenzen·zaum

strenzenzaum , m. , nur vereinzelt lexikalisch belegt: strenzenzaum habena levis, teres Stieler stammb. (1691) 2594 ; strentzenzaum briglia …

tummelzaum

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tummel·zaum

tummelzaum , m. , zaum zum tummeln der pferde Fischer schwäb. 2, 453 . —

wasserzaum

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wasser·zaum

wasserzaum , m. 1) wassertrense Rondeau (' trankgebisz '). ndl. watertoom Kramer-Moerbeek (1768) 408 b . de Bo 2 1185 a . 2) die beiden taue…

wolfszaum

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wolfs·zaum

-zaum , m. , gebisz für hartmäulige pferde: lupatum Diefenbach gloss. 339 c ; Aler dict. (1727) 2, 2210 b . —