schwitzen,
verb. sudare, mhd. switzen,
ahd. suizzan Graff 6, 107,
schwach flectierend, in engstem etymologischen zusammenhange stehend zu schweisz, schweiszen,
eine bildung, der auszerhalb des germanischen die gleichbedeutenden verben sanskr. svídyati, siṣvidâná (
dazu svedana,
n. das schwitzen, svedanî,
eiserne platte, pfanne)
und griech. Ϝιδίω,
ἰδίω (
dazu [] Ϝῖδος,
ἶδος)
deutlich entsprechen. Fick
vgl. wb.4 1, 152,
die also wahrscheinlich zum ältesten sprachgut der Indogermanen gehörig ursprünglich ihr -ja
nur im präsens aufwies und im übrigen der starken flexion folgte. vgl. Scherer
zur gesch. d. d. sprache2 226. 291. 295. Fick
a. a. o. vergleicht weiter lett. swístu, swídu, swíst,
schwitzen; lat. sudare, sudor;
cambr. chwys,
aram. chues,
schweisz; sanskr. svidita,
geschmolzen. die übrigen germ. dialecte auszer dem hd. bevorzugen eine andere bildung, die im hd. als schweiszen
erscheint, hier aber seltner ist als schwitzen.
so ist im nd. die form sweeten,
die entsprechung des hochd. schweiszen,
die gewöhnliche; hinter ihr tritt swetten,
das dem hochd. schwitzen
entspricht, zurück (
bezeugt bei Woeste 265
b. ten Doornkaat Koolman 3, 379
b,
vergl. schweiszen 1
oben spalte 2462).
zu trennen davon ist das schon ahd. bezeugte schweiszen,
schwitzen machen, das wegen seines alters als selbständige bildung angesehen werden musz (
dafür spricht auch die alemannische nebenform schweitzen).
vgl. schweiszen 2
oben sp. 2464.
auch schwitzen
wird im sinne von '
schwitzen machen'
gebraucht, doch ist das wol erst jüngere übertragung in anlehnung an dies schweiszen.
s. unten 2. 11)
schweisz aussondern. 1@aa)
dem eigentlichen sinne von schweisz
gemäsz, s. dies 1
oben sp. 2455.
heute in feinerer umgangssprache gemieden, auch früher da wol schon als anstöszig empfunden: wan man von schwitzen hir (
in Frankreich) recht (
wol verschrieben für spricht
oder redet), sagt man nicht 'mitt urlaub' (
das that man also wol in Deutschland). Elisabeth Charlotte
briefe aus den jahren 1707 —1715 336
Holland. 1@a@aα)
in allgemeiner anwendung, 1@a@a@aaαα)
meist von personen: sellig ist der mensch, sprach der herr, der do nitt würd geergert oder geschendet in mir, das ist, ob er sicht meine menschliche werck, das ich yssz und trinck, schwitz, müd werd und schloff, daʒ er dorumb nitt struche ab meiner gottheit. Keisersberg
postille (1522) 1, 5
b; was ist das für eine seligkeit, da man ewiglich alle stunde, on auffhören, schwitzen, schweusten, und stinken mus, wie in einem bade oder stuben? Luther 8, 22
a; wann ein mensch nicht schwitzen kan: so nimb weinrauten, saltz und essig, stosse sie wol durch einander, und reibe jhm die hände inwendig und unten die fuszsohlen warm damit. Tabernaemontanus (1664) 399 H; es ist gar wol gethan, wen man schwitzt, nicht in der lufft zu bleiben, sonst gibt es flüsse, husten und schnupen. Elis. Charlotte
briefe aus den jahren 1707 —1715 320
Holland; ich switze; mir ist vür wâr, gar ze heiʒ! Heinr. v.
d. Türlin
krone 17442; ihr erfröret wenn wir (
holzhauer) nicht schwitzten. Göthe 12, 278.
von thieren: man sach eʒ (
das pferd) selten switzen. Ulr. v. Zazikhoven
Lanz. 1460; er trägt sie (
ehren als lasten gedacht) doch nur, wie der esel gold, der unter dem geschäfte stöhnt und schwitzt.
Shakespeare Cäsar 4, 1.
vgl. auch schwitzen wie ein pferd
u. s. w. unter γγ.
von belebt gedachten wesen: das starck- und müde schiff ward von der last geritzt, und selbst die kalte see hat, wie man sagt, geschwitzt, eh sie das ungeheur von ost nach westen rückte. Günther 608.
vgl. auch b, θ und c, β.
es heiszt auch: der leib schwitzt. Steinbach 2, 548. ein leichnam schwitzt,
wenn der mörder nahe kommt: und do er (
der mörder) für die prediger (
wohin man den ermordeten gebracht hatte) kam, do fieng der tot licham an zu schwitzen. Richental
chron. des Constanzer concils 131
Buck (
es kann nicht '
bluten'
gemeint sein —
vgl. unten b, α —,
denn es heiszt weiter: do nun der mörder vertailt ward in der rautstuben, do fieng der tot licham an ze bluoten). der rücken, der buckel, das gesicht, der kopf, die füsse . schwitzen einem. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 726
c; im switzten âdern unde bein. Wolfram
Parz. 245, 19.
landschaftlich auch es schwitzt einen,
wol nach analogie von es friert einen.
vgl. nd. mek swëtet Schambach 222
a. 1@a@a@bbββ)
eine häufige verbindung ist einen schwitzen machen,
in älterer sprache schwitzend machen,
sudorem provocare Stieler 1986: die veigen habent die art, daʒ si die überflüʒʒichait auʒtreibent in dem menschen an die end zwischen vel und flaisch, und dâ von machent si den menschen switzent mit haiʒem swaiʒ. Megenberg 322, 29; der roszmarinwein .. machet schwitzen. Tabernaemont. (1664) 312 A; diese salb auff den
[] nabel geschmiret, sol schwitzen machen. 1394 D;
mit persönlichem subject: ihr habt mich weidlich schwitzen machen. Göthe 12, 69. 1@a@a@ggγγ)
mit näheren bestimmungen, die das masz angeben, fast schwitzen,
desudare, exsudare Dasypodius. Maaler 368
a (vast), sehr schwitzen Steinbach 2, 548, stark schwitzen.
ebenda. Campe
u. ähnl.: der saamen oder die wurtzel (
des rosmarinkrauts) zu pulver gestossen, und eines quintleins schwer mit wein zertrieben und getruncken, machet gewaltig schwitzen. Tabernaemont. (1664) 310 H.
vgl. auch Göthe 12, 69
oben und Ludwig 2, 251
unten. mit abhängigem satz: schwitzen das es abhin rünt,
sudore diffluere Maaler 368
b; er schwitzet, dasz es von ihm fleuszt,
madet sudore Stieler 1986.
vergleichend: hä swettet as en prd. Woeste 265
b; er schwitzt wie ein lastthier, wie ein bär, eine sau, ein biber, ein braten, ein rettich, wie gurkensalat. Wander 4, 481 (
vergl. dazu unten b und f, α).
auch mit acc. (
factitivem object)
zur bezeichnung des maszes verbunden: (
sie) schwitzten tropfen wie haselnusz. Hebel 2, 227; durch meine schwer erworbne sitzgelehrsamkeit, für die ich in Leipzig manchen scheffel schweisz geschwitzt. Platen 249.
mit bestimmungen, die die art genauer bezeichnen: mit haiʒem swaiʒ switzen. Megenberg 322, 29 (
s. oben). kalt schwitzen,
in freierer anwendung: ich danke gott, dasz das ohnmächtige, kalt-schwitzende leben wieder einen herzschlag, eine leidenschaft gewinnt. J. Paul
Tit. 3, 178.
auch mit acc. (
factitivem object): kalten schweisz schwitzen. Stieler 1986. da hab ich neunerlei schweisz geschwitzt (
fränkisch). Frommanns
zeitschr. 6, 324, 354.
mit localen zusätzen: allenthalben schwitzen. Maaler 368
a, über und über schwitzen. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 726
c, an einem theile des leibes schwitzen. Steinbach 2, 548: dann (
wenn ein gefecht bevorstand) schwitzten wir jungen freilich an allen fingern. Bräker 104
Bülow. mit angabe des grundes: er sah aus wie die gesegnete mahlzeit selber und schwitzte leise vor wohlsein. Ludwig 2 (1891), 251; mag nicht für langer weile schwitzen. Göthe 47, 235.
in älterer sprache erscheint in solchen fügungen von.
belege unter γγ.
reflexiv gewendet mit prädicativem adj.: sich tot schwitzen,
stark schwitzen, vgl. nd. sik dâd swêten Schambach 221,
auch Lessing 1, 65
unter β,
γγ. 1@a@bβ)
besondere gebrauchsarten, an die sich zum theil eine freiere anwendung schlieszt. 1@a@b@aaαα) schwitzen
als krankheitserscheinung und als heilmittel, der gesundheit förderlich: man soll den schweisz nicht abtreiben, bisz sich die materi so den ursacht, vollkomenlich gereinigt hab, und weil der schwitzend ringerung empfindet. Wirsung
arzneib. (1597) 657 A; nim ein zwifel, thu dareyn guten theriac, brate den gemach auff heisser aschen, darvon jsz ein theil, lege dich zu beth und schwitz, nachmals trückne dich mit warmen tüchern. D; zum dritten, so stöszt solche (
schwindsüchtige) zu zeiten ein uber grosz schwitzen an, welches sie, die zuvor schwach seynd, noch mehr von krefften bringt. 699 A; der gemeine mann braucht disz pulver wider die nachlassende fieber, also dasz sie vor desz fiebers ankunfft das pulver mit einem warmen trunck wein einnemmen, und darauff schwitzen. Tabernaemont. (1664) 1067 B; einen kranken schwitzen lassen. Kramer
deutsch-ital. diction. 2 (1702), 726
c; ein pulver zum schwitzen.
ebenda; fraueli, er (
der gatte) kömmt dir auf; die sache ist gut; jetzt schläft er ruhig, schwitzt recht. Gotthelf
Uli d. pächter 373
Vetter; ich will meine braunen tropfen nehmen, und mich in's bett legen, zu schwitzen. Geibel 7 (1888), 118; drîaken nam diu wîse dô diu listige künegîn und vlôʒte im (
dem ohnmächtigen Tristan) als vil în biʒ daʒ er switzen began. 'er wil genesen' sprach si 'der man ... Gottfried v. Straszburg
Trist. 238, 5
Maszmann; acht eben, wenn ich (
eine fieberkranke) switze: sô nim den belz und decke mich. lâ nieman în, des bit ich dich, daʒ der sweiʒ niht erwinde. Boner 48, 98. im bad schwitzen. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 726
c,
mit scherzhafter übertragung: ihr schwitzt viel leicht im narren bad (
im heilbad für narren, d. h. ihr seid ein narr, vgl. narrenbad
oben th. 7, 369). H. Sachs
fastn. sp. 1, 39, 84
neudruck. [] sprichwörtlich: wer nicht schwitzt, den soll man reiben, wer nicht arbeitet, den soll man treiben. Simrock 445, 9423,
was an den brauch des reibens im schwitzbade erinnert. vergl. Zarncke
commentar zu Brants narrensch. protestation 4 (
s. 294
b),
jedenfalls aber schwitzen
als heilmittel meint. vergl. dazu: dar durch verdampt in hellen gluot gar mancher umb solch synden sitzt, den man offt ribt, so er nit schwitzt. Brant
narrensch. 20, 22
Zarncke (
das heiszt vielleicht: dem man durch reiben das höllenbad noch heiszer macht, wenn's ihm noch nicht heisz genug ist. Zarncke
erklärt: den man oft reibt, wo er gar kein bedürfnis, verlangen darnach hat).
in besonderem sinne landschaftlich sie schwitzt,
sie hält wochen (
weil wöchnerinnen stark schwitzen). Wander 4, 481 (
Breslau).
in accusativverbindungen: da wart sin (
eines kranken) corper alse heiʒ unde swizzete einen sweiʒ, daʒ si mit keiner witze den damp unde di hitze mochten nu geliden.
Elisabeth 8532
Rieger; eine krankheit aus dem leibe schwitzen;
ähnlich: ich muss eilends nach der nächsten palästra laufen, um das tolle zeug (
lehren Platos) wieder aus dem leibe zu schwitzen. Wieland 35, 64 (
Arist. 3, 6). 1@a@b@bbββ) schwitzen
als folge seelischer erregung: vil weinens, dâ bî switzen mit jâmer dolte vil ir lîp. Wolfram
Parz. 269, 26. vor angst schwitzen
u. ähnl.: vor engesten ich switzte. Ulrich v. Türheim
Willehalm 183
c (
nach Lexer
mhd. hdwb.); swâ man den frouwen sprichet wol, als man von grôʒem rehte sol, so ir (
der frauenverächter) einer dâ bî sitzet, vor leide er drumbe switzet. Ulrich v. Lichtenstein 646, 10; vor grossem sehnen thu ich schwitzen. H. Sachs
fastn. sp. 1, 39, 82
neudruck. mit acc. verbunden: der schöne Fritz wurde mit entsetzen gewahr, dasz er sich schlimm vergriffen hatte, schwitzte todesschweisz. Musäus
volksm. 4, 121
Hempel; angstschweisz schwitzen,
freier angst schwitzen: stehe indessen zu meinen füssen, und schwitze todesangst unter deinem reichen turban. Klinger 5, 108.
auch sonst freier mit bezug auch seelische erregung, sehnsucht, angst, verlegenheit u. dgl., sodasz die eigentliche bedeutung des worts verblaszt: wer weisz, wie viel bereits in stillen flammen schwitzen, und schon auf deinen (
einer witwe) kusz die lüstern mäuler spitzen? Günther 764; mit stichelreden, naserümpfen soll jeder schurke mich beschimpfen! soll wie ein böser schuldner sitzen, bei jedem zufallswörtchen schwitzen! Göthe 12, 192; da der militairstand täglich gewinnt, und in der spannung, worin Europa schwitzt, immer mehr und mehr gewinnen musz. Möser
patriot. phant. 4 (1786), 296.
so auch studentisch schwitzen,
in verlegenheit sein Kluge
studentenspr. 125
b (
bezeugt aus dem jahre 1781). 1@a@b@ggγγ) schwitzen
als folge von mühe, anstrengung, von arbeit schwitzen (
heute veraltet), wercken das eim der schweisz auszgadt. Maaler 368
a (
in der folgenden stelle der vorigen gebrauchsart näher: wan er leit manige armuot dar obe, itewîʒ unde hunger unde frost unde durst unde hitze unde trûren unde leit, und er switzte ofte dar abe von maniger grôʒen arbeit, die er dar obe hete. Berthold v. Regensburg 1, 293, 2), bei der arbeit schwitzen. Campe.
daher mit zurücktreten der eigentlichen bedeutung laborare, operari Stieler 1986,
vehementer laborare Frisch 2, 251
c,
einen hohen grad von mühe, arbeit haben Adelung,
mühsam beschäftigt sein mit dem nebenbegriffe des beschwerlichen, unangenehmen Campe,
emsig arbeiten Kluge
studentenspr. 125
b (
bezeugt aus der zeit von 1781—1841): für den gemeinen nutz schwitzen, müy und arbeit haben. Maaler 368
a; vergeblich schwitzen,
operam in aliqua re frustra consumere. Stieler 1986; er schwitzet nicht sehr über der arbeit,
in labore remissus nimis parumque patiens est. ebenda; über einer arbeit schwitzen,
affaticarvisi, travagliarvi da dovero. Kramer
deutsch-ital. diction. 2 (1702), 726
c; falls er es unternehmen sollte, lange und vielleicht vergeblich schwitzen
[] würde. Ramler
dichtk. des Horaz 83; den ganzen tag bey den büchern schwitzen. Adelung; soll er immer über eurer verdammten juristerey schwizen. H. L. Wagner
frohe frau 11; gott weisz, dasz ich mehr geschwitzt hab meinem nächsten zu dienen als mir, dasz ich um den namen eines tapfern und treuen ritters gearbeitet habe. Göthe 8, 133; man lyszt von Alexander das die gantze welt jm zuo enge was und schwitzt dar jnn, als ob er nit fur synen lyb genuog hett witt (
weite). Brant
narrensch. 24, 9
Zarncke; drumb behalt dein uberige witz unnd in der bibel besser schwitz. Th. Birck
doppelspieler 97; redlich will ich lieber schwitzen als die heuchler-banck besitzen. Logau 1, 149, 47; ein dichter mag nach neuen reimen schwitzen. Cronegk 2 (1765) 307; der immer sitzen, bey acten schwitzen und doctern musz. Göckingk 1 (1780), 201; ihr alle seyd für uns zu schwitzen, uns zu nähren, und unser joch zu dulden auf der welt. Ramler
fabellese 1 (2.
buch), 229; wann die meister müssen schwitzen, fi fa fallitera, können wir (
gesellen) bei jungfern sitzen.
handwerkslieder 166
Schade. im bilde der eigentlichen verwendung wieder genähert: weit besser hätt' ich doch mein weniges verpraszt, als mit dem wenigen belastet hier zu schwitzen! Göthe 12, 42.
bei unpersönlichem subject: allein schwitzt uber dir (
der ewigkeit) umbsunst Euclidis lehr und rechenkunst.
kath. kirchenlied (
gedruckt 1625)
bei Wackernagel
kirchenlied 5, 1258
b (
nr. 1509, 7).
mit prädicativem adj.: sorgt und schwitzt euch alt und schwach! Lessing 1, 65.
in besonderem sinne, im gefängnis sitzen Frischbier 2, 333
a. Hügel 147
b: ihr höllenbrand! für den rothen hahn (
anmerk.: drohung feuer anlegen zu wollen) solt ihr mir noch ein jährchen länger schwizen. marsch ins zuchthaus. Hermes
Sophiens reise 1, 617; er musz acht tag schwitzen. Hügel 147
b. 1@bb)
auf andere flüssigkeiten bezogen, die sich in ähnlicher art aussondern oder ansetzen. 1@b@aα)
Christus vergosz in der nacht, da er verraten ward, nach Luc. 22, 44
blutigen schweisz (
vergl. schweisz 3
oben sp. 2457).
darauf gehen die verbindungen blutigen, roten schweisz schwitzen
in den folgenden stellen: do du pluotigen swaiʒ suitzotest.
quelle bei Graff 6, 907; im geschach als wê drobe, daʒ er bluotigen sweiʒ drobe switzte. Berth. v. Regensburg 1, 293, 7; wan eʒ wart niemer gehôrt von anegenge der werlte, daʒ ie dehein mensch so bittern tôt ie erlite, wan er bluotigen sweiʒ switzte. 370, 16; durch deʒ willen der durch (dich) swizte bluotigen swaiʒ.
deutsche predigten des 13.
jahrh. 2, 53
Grieshaber; wan so swizzeter vor angesten und vor nœten bluotegen swaiʒ. 120; er swizte swæiʒ der was rôt. Konrad v. Heimesfurt
urstende 124, 9,
ebenso blut schwitzen
in den folgenden stellen: umb dis ein (
das fehlen des rechten glaubens) hastu unserm herren also angest gemachet, das er bluot switzete. Tauler
bei Wackernagel
altd. leseb.2 865, 19; daʒ er suicide blût, daʒ man in bant, daʒ man in slûc.
fundgruben 2, 135, 21
Hoffmann. in anlehnung daran zur bezeichnung höchster qual, not: west er, waʒ im dar nâch geschiht, so er daʒ unrechte guot an siht, er switzet unde weinet bluot. Stricker
kl. ged. 12, 325
Hahn; (
ein armer) nackend vor der thüren sitzt, gantz von armut blut schwitzt.
concil zu Trient (1545) 808.
so auch in neuerer zeit blut schwitzen,
met. far fatica gravissima. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 726
b.
aber auch sonst wird blut schwitzen
in eigentlichem sinne erwähnt als krankhafter zustand beim menschen: welcher mensch von der slangen (
emorois) gepiʒʒen wirt, der switzet sein aigen pluot auʒ im selber alsô lang, daʒ sich all sein âdern entslieʒent. Megenberg 272, 22.
stigmatisierte, reliquien, heiligenbilder sollen blut schwitzen.
darauf bezieht sich wol das einfache schwitzen
in den folgenden stellen: fürwar sie (
die heiligen) bitten so
[] hertzlich, das jre bilder auff erden manch mal darvon schwitzen und schweysen. Fischart
bienenk. 188
b; dieses ist aber nicht der ort, wo er (
der heil. Januarius) gewöhnlich schwitzen musz; das geschieht vor der stadt in dem hospital bey den katakomben. Seume 2 (1826), 223.
vergl.: de (
heiligenbilder) hestu vil mannich jâr ane angest jamerliken unrenet, dat se darumme dicke wenet unde van torne dicke swetet.
Gerhard v. Minden 77, 21
Seelmann und die unter schweiszen 1,
b oben sp. 2463
auszerdem angeführten darauf bezüglichen belege. edle pferde sollen nach anstrengungen blut schwitzen,
was als blutung der oberflächlichen hautadern erklärt wird. am fünften der letzten tage vor dem jüngsten gericht wird auf baum, gras und kraut blutfarbiger thau liegen: rehte als eʒ von hitze rôteʒ pluot switze. Heinr. v. Neustadt
von gottes zukunft 5921 (
vgl. offenb. 8, 7);
es heiszt auch geradezu: alles laub und gras das schwitzet blut.
wunderhorn 2, 489
Boxberger. eine schöne freiere verwendung der verbindung blut schwitzen
bietet Logau: weil (
solange) jhr (
o fürst) dieses liecht genussen, weil jhr diesen hut besitzt, hat die Oder roth geflussen, denn das land hat blut geschwitzt. 2, 243.
es geht das auf wirkliches blutvergieszen, und zugleich klingt der bei Kramer
erwähnte bildliche gebrauch an. blut schwitzen
oder bloszes schwitzen
im allgemeinen sinne von bluten ist nicht bezeugt. vgl. schweiszen 1,
b oben sp. 2463. 1@b@bβ) die augenwinckel schwitzen die thränen und die geelweisse dütte (klattern) heraus. Comenius
sprachenthür deutsch (1657) 248; ei, mein schwarzbraun äugelein, muszt du wasser schwitzen!
wunderhorn 1, 332
Boxberger. thränen schwitzen,
in freierer fügung: ob müsziggang an freudenfesten, ob fleisz, der blut und thränen schwitzt? Gleim 1 (1811), 415. 1@b@gγ)
die gebeine eines heiligen schwitzen öl: sîn (
des heil. Nicolaus) gebeine noch hiute pflît olei switzen, und daʒ ist an vil genâden mitewist der siechen trôst, die eʒ hâ
n. pass. 18, 61
Köpke. ähnlich: wenn man der slangen horn auf der reicher läut tisch setzt, ist vergift auf dem tisch, so switzet daʒ horn. Megenberg 266, 29. 1@b@dδ) die tannen, fichten schwitzen hartz, pech. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 726
c;
ähnlich: denn gleich wie die kräuter auff Libano ein geruch von weyrauch unnd myrrhen gaben, ausz ursach, dieweil sie diesen edlen safft heimlich jnnerhalb der rinden brachten, unnd zu seiner zeit von sich schwitzeten. Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 1, 298. 1@b@eε)
hölzerne salztröge schwitzen
beim nahen von regen: und so höltzerne saltztröge, in welchen fleisch ingesaltzen wird, zu schwizen beginnen, und das saltz von sich selber zerschmiltzet in dem geschirr, darin es verwahret wird, so geben sie anzeigung von regen. Colerus
hausbuch (1686)
astrologia 7, 153. 1@b@zζ) das schwitzen der wänden,
aspergines parietum Maaler 368
a; die mauren, wände schwitzen. Kramer
deutsch-italien. dict. 2 (1702), 726
c; die steine schwitzen. Steinbach 2, 548; schwitzen, als steine,
wenn bei änderung des kalten wetters sich die warmen dünste an die kalten steine hängen und gefrieren, aspergine candere. Frisch 2, 251,
wenn sich die warmen dünste von auszen an die kalten steine hängen. Adelung,
aber natürlich ebenso mit noch mehr berechtigung, wenn aus steinen, wänden wirklich feuchtigkeit quillt. als wunder: es mochten wol die stein schwitzen vor huiusmodi verbis. Luther 14, 51, 19
Weim. ausg., vgl.: dit (
Silvester II) is de paves, van deme dumme lude wanet, dat sin graf swete, alse en paves sterven sole, wande it is maneges stenes art, dat he nat wirt.
deutsche chron. 2, 166, 33
Weiland. 1@b@hη) das glas schwitzet, die fenster schwitzen. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 726
c; schwitzen, als fenster- glas,
vaporarii stillis adhaerentibus madere. Frisch 2, 251
c. Adelung: ich weisz das sie beym wein all sitzen und trinckend das die fenster schwitzen.
ein hüpsch, new und kurtzweylig spil, wie man die narren von einem beschweeren sol (1554) B 3
b.
[] 1@b@thθ) schwitzen
mit bezug auf regen gebraucht, in dichterischer sprache, indem das subject wolken
belebt gedacht wird: da sieht man recht for angst die schwartzen wolcken schwitzen. Rompler 71.
vgl. nd. sweeten
in einer gleichartigen, der umgangssprache angehörigen redensart oben sp. 2463,
z. 3
von oben. 1@cc)
auf sonstiges bezogen, was hervorgebracht, herausgegeben wird. 1@c@aα) Murner
sagt von einem, den er von buhlerinnen als '
gauch berupft'
werden läszt: got geseg den geuchen disses bad! so bald der gouch entpfindt der hitzen, gold und sylber muosz er schwitzen, röck und mantel, beltz und schuben.
gäuchmatt 1028 (9, 30)
Uhl. das bild, das vom schwitzbade hergenommen ist (
vgl. Zarncke
commentar zu Brants
narrenschiff protestation 4
s. 294
b),
vermittelt mit einer häufigen übertragenen gebrauchsart von schwitzen,
zu der auch bluten müssen
in solcher anwendung (
intransitiv)
zu vergleichen ist: geld schwitzen, herschwitzen, herausschwitzen müssen,
contribuire danari con stento e discommodo suo grandissimo. Kramer
dict. 2 (1702), 726
c; dasz sie so oft der Türk nur ein wenig sauer sehe, gleich den beutel in den händen haben und geld schwitzen solten. Philander (1647) 6, 167; wenn man ihn könne zum schweigen bringen, so wollen sie die drei kronen für ihn schwitzen. Pestalozzi
Lienhard u. Gertr. 2 (1831), 37; vielleicht dasz, was Joggeli dem tochtermann geschwitzt, als weibergut könne geltend gemacht werden. Gotthelf
Uli d. pächter 425
Vetter. auch ohne object in solcher anwendung, schwitzen müssen,
geld hergeben müssen. Hunziker 237. Seiler 267
b. Hügel 147
b. Spiesz 232, schwitzen,
zahlen Castelli 254.
vergl. auch schweiszen 3,
a oben sp. 2465. 1@c@bβ)
in anderen fügungen: darnach gieng er (
der meeraffe als schatzgräber) mit jhr da sitzen, da der keller den schatz solt schwitzen. Rollenhagen
froschm. (1595) O 7
a.
mit belebt gedachtem subject: lacht jhr wiesen, lachet jetzt, ewrer herrschafft lieb- zu kosen, sehet, dasz jhr reichlich schwitzt nelcken, lilien und rosen. S. Dach
in den ged. des Königsberger dichterkr. 25 (
nr. 21), 3
neudr. 1@dd) schwitzen
verhüllend im sinne von cacare, vgl. schweiszen 3,
b oben sp. 2465: in weinländern wird das bauchgerümpel mit einer wüsten influentz den durchbring bringen, verknipfft nit die nestel vor allen dingen, dann manchem wird der weg zu lang seyn, bey dem nächsten weinstock niderzusitzen und zu schwitzen. Fischart
groszm. in Scheibles
kloster 8, 1, 569. in die hosen schwitzen: ich schwitze für angst in die hosen. Rist
friedejauchz. Teutschl. (1653) 176; neben mir schnarchte ein groszer bengel auf der bank, der wahrscheinlich im rausch in die hosen geschwitzt, dasz es kaum zu erleiden war. Bräker 68
Bülow. 1@ee)
in freierem gebrauch des worts erscheint zuweilen nicht das dem körper ähnlich hervorbringende, sondern das dem schweisz ähnlich hervorgebrachte als subject, so dasz die bedeutung umschlägt in den sinn: hervordringen wie schweisz: vil lange er mit im (
der engel mit Jacob) ranch,daʒ er in niht ubirwant, die huf er im dwanch,oʒ swizzot im daʒ march sam eʒ im von ringins notegare dorrote.
genes. u. exod. 1, 65, 5
Diemer; ein bächlein rein auch eben fein von hohlem felsen schwitzet. Spee
trutznachtigall 8, 10
Balke; der magen quillt, ist überfüllt, der wein will von mir schwitzen.
studentenlieder des 17. u. 18. jh. 22
Keil. 1@ff)
in technischer sprache. 1@f@aα)
als küchenausdruck, auf das austreten von fett oder andrer feuchtigkeit beim rösten, braten bezogen: nun dampften die kessel über dem prasselnden feuer und die schinken brodelten und schwitzten am spiesz. Alexis
hosen des herrn v. Bredow12 47; so bleibstu hinderm offen sitzen, und luogst ob auch die öpfell schwitzen, wann sie dann heben an zu pfeisen (
zischen), soltu sie fein dem maul zuo weisen (
mit der randbemerk.: Stubenheinz, ker die öpffel umb in der kachlen). Scheidt
Grob. 48, 1421
neudruck; [] ämsig stand an dem heerde das mütterchen, brannte den kaffee über der glut in der pfann' und rührte mit hölzernem löffel; knatternd schwizten die bohnen, und bräunten sich. Voss 2 (1802), 281 (70.
geburtstag 128).
vgl. schwitzen wie ein braten
oben unter 1,
a, α,
γγ. 1@f@bβ)
bei den landwirten, getreide, heu, grummet schwitzt,
wird nach dem einfahren feucht, darin enthaltene feuchtigkeit tritt heraus. Jacobsson 4, 109
b. 1@f@gγ)
bei den lohgerbern, das leder schwitzt,
wenn es zur lockerung der haare in der schwitze (
s. dies)
liegt. Jacobsson 4, 109
b. 1@f@dδ)
bei den buchdruckern, der bogen schwitzt unter der presse,
wird gedruckt, weil er vom druck feucht wird. 1@f@eε)
bei den köhlern, der meiler schwitzt,
wenn in den ersten stunden des brandes rauch und dampf davon aufsteigt. Behlen 5, 599. 22)
schweisz aussondern machen, nur in beschränktem umfang üblich. vgl. schweiszen 2
oben sp. 2464
und das formale. 2@aa)
der gewöhnlichen bedeutung von schweisz
entsprechend, vgl. 1,
a: sollte sich aber die raude nach denen recepten bald wieder finden, so musz man den hund schwitzen. Döbel
jägerpract. 2, 114
b. 2@bb)
der unter 1,
f, α erwähnten anwendung entsprechend, rösten, braten, vgl. schweiszen 2,
a: zwiebeln in butter schwitzen. den braten aufschwitzen,
aufwärmen. Campe. 2@cc)
der unter 1,
f, γ erwähnten anwendung entsprechend: häute, felle, leder schwitzen,
durch behandlung mit salz oder kalk die haare daran lockern. Jacobsson 4, 109
b. Karmarsch-Heeren
3 5, 330. 2@dd)
von metall, in glühhitze hämmern, verarbeiten, vergleiche schweiszen 2,
b, das in dieser anwendung allgemein üblich ist: ein vergulter geschwitzter becher.
quelle von 1590 (
Straszburg)
bei Dief.-Wülcker 850; ein eingeschwitzter becher.
ebenda.