lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

schweiszen

nur nhd. · 1 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
2 in 1 Wb.
Sprachstufen
1 von 16
Verweise rein
12
Verweise raus
9

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schweiszen verb.

Bd. 15, Sp. 2462
schweiszen, verb. 11) schweisz aussondern, schwitzen (nach schweisz 1) und bluten (nach schweisz 2); altnord. sveita, refl. sveitask, sudare, ags. swætan, schwitzen und bluten, mnd. sweten, sudare Schiller - Lübben 4, 494b, und so im neund. (daneben theilweise swetten) brem. wb. 4, 1118. Schütze 4, 234. Dähnert 478a. Danneil 218b. Mi 90b. Schambach 221b. Woeste 265b. Stürenburg 241b. ten Doornkaat Koolman 3, 379b; mhd. sweiʒen, schweisz vergieszen, von schweisze nasz sein, bluten, vom blute nasz sein. mhd. wb. 2, 768b. Lexer mhd. handwb. 2, 1355. in ausgebildeter nhd. schriftsprache nur weidmännisch im sinne von bluten. 1@aa) sudare, swei-, schwei-, schwaiszen, sudare Dief. 564b; schweissen, sudare Maaler 367a; schweissen, schwitzen, suer Hulsius dict. (1616) 292b, ebenso Schottel 1412; schweiszen, sudare, insudare, et metonym. laborare Stieler 1987. Steinbach 541 hat schweiszen in diesem sinne nicht mehr, verzeichnet dagegen beschweiszen, sudore afficere (ebenso mhd. besweiʒen Wolfram Willeh. 270, 12); schweiszen, sudare als veraltet bezeichnet bei Adelung und Campe. mundartlich ist das wort, auch abgesehen vom nd., erhalten: schwäsza, schwitzen Tobler 402b; in abgeleiteter bedeutung (s. unten) auch bei Stalder 2, 362. Castelli 253. Hügel 146b. Klein provinzialwörterbuch 2, 149 (Würt.). Schmidt 215; schweeszen, schwitzen Albrecht 209b. nd. en sweten daun, stark schwitzen; mek swetet, mich schwitzt Schambach 221b. 222a; hä swetet as en perd. Woeste 265b; hê swêtd as'n otter. ten Doornkaat Koolman 3, 379b; he ett, dat he swêtet, un arbeidet, dat em friren mag, er ist beim essen fleiszig, aber nicht beim arbeiten. Dähnert 478a; swêten un de steren tellen, coire (nur von den weibern gesagt) Schambach 221b; übertragen: de wenne swêtet, sie schlagen feucht aus. 222a; dat kôrn mut erst ûtsweten, er't düsken (gedroschen) word. ten Doornkaat Koolman 3, 379b; de himmel fangt en bitjen an to sweeten, es beginnt zu tröpfeln. Schütze 4, 234. hochdeutsches: wie faumens nit, wie schaumens net, wie dämpfens nit, wie schwaisens net. quelle bei Schm. 2, 649. beim geröstet werden schwitzen: zupffet die stengel ab, last sie in einem stollichten hafen oder auch in einer pfanne schweiszen. Hohberg ad. landleb. 3, 1, 198a. im fegefeuer: seel die im fegfeur schwaiszt. Schm. a. a. o (s. unten 2, a); verbreitet ist schweiszen in der bedeutung von 'durchsickern lassen', besonders auf undichte gefäsze bezogen; diese anwendung kann aber auch von schweiszen, bluten abgeleitet sein. s. Tobler 402b. Stalder 2, 362. Klein prov.-wb. 2, 149 (Würt.). Schmidt 215. Hügel 146b. sein wasser lassen: ds schf schwāszt. Castelli 253; in technischer sprache: das eisen beginnt zu schweiszen, in glühhitze weich, flüssig zu werden ( Adelung), vgl. unten 2, b. 1@bb) mhd. sweiʒen, bluten, vom blute nasz sein (vgl. schweisz 2): daʒ sêre sweiʒen began des künic Etzelen man. Biterolf 10485; man sol ê sehen sweiʒen von bluote swert unde sper. krone 6329. die spätere entwicklung in der schriftsprache verläuft so, dasz schweiszen, bluten, allmählich auf die jägersprache sich beschränkt und auf die gejagten, angeschossenen thiere bezogen wird; die allgemeine bedeutung haftet besonders fest in wendungen wie: die nase schweiszt, aus der nase, durch die nase schweiszen; schweissen, bluten, saigner Hulsius dict. (1616) 292b; als weidmännisch bei Stieler 1987 (ebenso bei Steinbach 2, 541 und Adelung), daneben hat aber Stieler noch: die nase schweiszet ihm; er schweiszt aus der nase. Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 711b; schweiszen, sanguinem emittere Frisch 2, 246c. aus lebendigem mundartlichem gebrauche bezeugt es Schm. 2, 650 im sinne von bluten (auf menschen bezogen); schwoasz'n, bluten Schöpf 657; von wunden, geschwüren, sickern Tobler 402b. Stalder 2, 362. belege aus der litteratur (vgl. Schm. a. a. o.): im fall verletzet er in ohn geverde an dem mund, also das im die zeen schwaisten. Zimm. chron.2 1, 334, 7; da hat das bild am crucifix anfahen reulichen zu schwaiszen. 450, 39; da hat die haut reichlichen geschwaist. 578, 24; fing der todt cörper an heftig zu schweiszen. 2, 473, 24; das ich ihme irgend ein aederlein getroffen, das schweiszt feindlich. Berlichingen 168; dann Lewfrid fing gar fast an zuoschweissen. Wickram goldf. E 1b; fürwar sie (die heiligen) bitten so hertzlich, das jre bilder auff erden manchmal davon schwitzen und schweysen. Fischart bienenk. 188b (oder sudare, vgl. fastn. sp. 300, 15); zur stund die wunde anfange zuschweissen. Bodinus 92b (1591); darnach alsbald häszlin rueten nemmen, den bueg (des pferdes) darmit gestrichen das er schwaisse. Seuter roszarzn. (1599) 353; dasz em sweiszet (mit blut befleckt wird) sin swarczer bart. Alsfeld. passion 3439; bluten der nase: einem iglichen dem sein nase schweyset oder plütet. Steinhöwel decameron 3 Keller; als ob im die nassen schweiste. Zimm. chron.2 4, 274, 16; gleich darauf hat er angefangen etlich stund user der nasen zu schweisen. 4, 203, 18; muste doch Attila in seiner frölichsten nacht am blut ersticken, das jm zur nasen pflegt heraus zu schweissen. Luther 4, 247b; da werden die scheiben schön unnd rot, als hette einem die nase darauff geschweisset. Mathesius Sarepta 71b (1571); naszschweysen Sebiz feldbau 215; es wöllen etliche, dasz der safft in die nasen gethan, mache sie schweissen. Tabernaemont. kräuterb. (1664) 923 A; sie wollen mir vergönnen ein wenig auffzustehen, weil mir die nase schweisset. ped. schulfuchs 143; stüsz ein finger heimlich in dnasen ... und macht jhr selb zuoschweiszen die. Fischart 2, 408, 817 Kurz; nase und mund: do schlegt er ine an hals, das im mundt und nassen übergieng und schweist. Zimm. chron.2 3, 70, 22. blut schweiszen: (er) fieng an aus der nasen, aus dem mund und aus den ohren häuffig blut zu schweiszen. Harnisch (1669) 131. blutig schweiszen, mit blutigem schaum sich bedecken: da er gekämpft, blutig geschweist. Fr. Müller 1, 104. im weidmännischen gebrauche: schweiszen oder fehrt, auch färt geben, ist wenn ein angeschossen wild den schweisz (das blut, s. schweisz 2) fallen lässet. Heppe wohlred. jäger 276a; schweiszen, bei allem wilde s. v. w. bluten, blut verlieren nach einem anschusz oder einer sonstigen verletzung. Behlen lex. d. forst- u. jagdk. 5, 586; der hirsch schweiszet. Stieler 1987; die sauen schweiszen, und nicht bluten. Döbel jägerpract. 1, 25b; ausschweiszen, cruorem fundere Stieler a. a. o.; was fliegt daher, als wie ein blitz? es war ein angeschweister hirsch. Brockes 6 (1739), 194. 22) schweiszen (von 1 zu trennen), schwitzen machen, zurückgehend auf ein factitives sweitjan. alem. mit verschärfung zur affricata schweitzen. 2@aa) küchenwort, in hitze zubereiten, rösten, braten: ahd. frigetur, kisuueizzit, kipratan uuirdit. Steinmeyer - Sievers gloss. 1, 279, 59; inn butter geröstelet, geschwaisset und geschmeisset. Fischart Garg. 56a; man nimbt des meels wenig oder viel, nach dem man desz breyes wenig oder viel machen wil in ein pfännlein, thut frischen butter darzu, schweiszets ein wenig doch dasz es nit braun wird. Tabernaemontanus kräuterb. (1664) 599 K; die bayrischen oder pfetter-rüblein werden sauber geschabet, gewaschen, dann wie die weisze rüben geschweist ... will man die rüben aber nit schweisen. Hohberg adel. landleb. 3, kochb. 81a; eins theils thet er schweisen und braten. H. Sachs 17, 295, 21 Keller-Götze. schweiz. mit verschärfung der tonlosen spirans zur affricata: schweitzen, eine speise mit butterbrühe begieszen. Stalder 2, 362; daher schweize (s. dieses), f. die butterbrühe; do mit den glust, und magen reytzen mit kochen, syeden, broten, schweytzen. Brant narrenschiff 81, 40; Zarncke in der anm. erklärt schweitzen mit 'im eigenen blute sieden', in dem er auf die vielfache verwendung des blutes besonders in der älteren küche hinweist; einen beleg für das verbum in diesem speziellen sinne vermag er indessen nicht anzuführen; die stellen aus Tabernaemont., Hohberg, die ahd. glosse, der schweizerische gebrauch stimmt nicht zur erklärung Zarnckes; die von uns angenommene deutung wird auch unterstützt durch den entsprechenden intransitiven gebrauch des wortes, s. oben unter 1, a die stelle aus Hohberg. 2@bb) schweiszen, eisen, stahlstücke in glühhitze bringen, in glühhitze durch hämmern verarbeiten oder verbinden; der eigentliche sinn kann nichts anderes sein als 'schwitzen machen' wie bei a; das weiszglühende eisen wird an seiner oberfläche bis zur flüssigkeit weich gemacht; mehr und mehr tritt beim gebrauche der begriff des verbindens der stücke in den vordergrund (daher zusammen-, an-, aufschweiszen): schweiszen des roheisen, ist, solches in einen grad des feuers bringen, darinn die schlacken, zwischen den theilen des roheisens schmelzen, absaigern, und die theile des eisens sich berühren können, wodurch das eisen reiner wird. Jacobsson 7, 306a; schweiszen, heiszt bey den schmieden, zwey oder mehr stück eisen, nachdem sie in die hitze gebracht, vermittelst eines groben flusses von sand, leimen oder gestoszener galle, auf dem ambosze über einander geleget und gehalten, so zusammen schlagen, dasz sie sich mit einander vereinigen und dergestalt verbinden, dasz man nicht wahrnehmen kann, wo sie zusammen gesetzet sind. Eggers kriegslex. 2, 859; vgl. Karmarsch-Heeren3 7, 743 ff., eisen zusammenschweiszen. Stieler 1987; zwey stück eisen schweiszen, zusammenschweiszen, eins ans andere anschweiszen; einen eisernen ring schweiszen, zuschweiszen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 711b; schweiszen bey den schmidten, ferruminare, das eisen durch ein flieszendes und zerschmolzenes metall zusammen löten. Frisch 2, 246c. vgl. Castelli 253. Schöpf 657; von bickeln und hamern zu spiczin und zu schweiszin. Frankfurter baumeisterb. von 1396; von eim hamer zu sweiszen. Diefenbach-Wülcker 849 (15. jahrh.); von einem steinkeil zu schweiszen drei haller und 2 pf. Tucher baumeisterb. 100, 19; (wie) ein eysen an das ander, oder ein silber an das ander gelötet oder geschweiszet wird. Mathesius Sar. (1571) 58a; schlug und schweiszte es (das stück eisen) mit zwei gewaltigen schlägen fest. Immermann Münchh. 1, 135 (1841); ob er (der schmied) nicht endlich an die zerbrochene lünse mir neu den nagel geschweiszt hat. Voss Luise 3, 554. im alemannischen affricata statt der tonlosen sprirans: schweize, in glühhitze zusammenschmieden. Hunziker 235; als der (wenn einer) stahel und isen tuot swaitzen. teufels netz 7198. übertragungen: der nam suantewiz ist zusamb geschwaiszet aus zway sclavischen worten swante heilig und witz liecht. quelle d. 17. jahrh. bei Schm. 2, 650; häufig mit dem nebensinne des mühsamen: verse schweiszen. 33) besonderes. 3@aa) abschweiszen, jemanden etwas abpressen, ist th. 1, sp. 112 erklärt als ein ursprünglicher schmiedeausdruck (ferrumen auferre, gegensatz von anschweiszen), also nach 2, b. Schm. 2, 650 geht von schweisz, blut aus (einem den letzten tropfen blut heraus schwaiszen, figürlich, einem etwas abschwaiszen, im handel abnötigen, abdrücken, abpressen). vgl. noch Schmid 485. 488 (abschweisen, 'am lohn abdringen, den man im schweisze seines angesichts verdient'); vielleicht stammt der ausdruck vom entschweiszen, reinigen der wolle (unten 4) her: und schweiset jm sein gut und haab mit jren schweichelworten ab. H. Sachs 5, 215a (1579); oft aim ab schwais klaider und gelt. fastn. sp. 7, 39, 85 neudruck. 3@bb) schweiszen verhüllend für scheiszen: (wenn ein habicht) zum schweiszen weiten geräumen auszwwurff hat. jagd- u. weidw.-buch (1582) 2, 12b; inn die hosen hofieren, oder uber die zeen schwaiszen wie die rayger, das ainer saw zuovil wer. Franck laster der trunkenheit (1531) C 2b (vgl.über die zunge scheiszen, speien th. 8, sp. 2468); verläugnet seine eltern und vorfahren und schweist in sein eigen nest. Lehmann 156. 44) in technischer sprache: wolle schweiszen, die rohe wolle vom wollschweisze (hautsekreten, schmutz) reinigen. Jacobsson 4, 98a; s. schweisz 8, c, α.
12096 Zeichen · 247 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    schweiszenverb.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    schweiszen , verb. 1 1) schweisz aussondern, schwitzen ( nach schweisz 1) und bluten ( nach schweisz 2); altnord. sveita…

Verweisungsnetz

14 Knoten, 13 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 12 Sackgasse 1

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schweiszen

4 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schweiszen 2 Komponenten

schwei+s+zen

schweiszen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schweiszen‑ als Erstglied (1 von 1)

schweiszenzen

DWB

schweisz·enzen

schweiszenzen , verb. schwitzen, nach schweisz riechen. Kramer deutsch-ital. gloss. (1702) 2, 727 c .

Ableitungen von schweiszen (3 von 3)

beschweiszen

DWB

beschweiszen , sudore occupare, rigare, nnl. bezweeten, mhd. besweiʒen: dâ sîn vel was besweiʒet, und der stoup was drûf gevallen. Wh. 270, …

geschweiszen

DWB

geschweiszen , verb. blutrünstig sein, zu schweisz, blut: denen in der kindheit die nas geschweiszet ( quibus in pueritia sanguis ex naribus…

verschweiszen

DWB

verschweiszen , verb. 1 1) zu schweiszen, bluten ( weidmännisch ): das wild verschweiszt, verblutet, verendet durch blutverlust; aber auch, …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schweiszen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schweiszen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „schweiszen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schweiszen/dwb. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schweiszen". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schweiszen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_schweiszen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„schweiszen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/schweiszen/dwb},
  urldate      = {2026-05-13},
}