schweiszen,
verb. 11)
schweisz aussondern, schwitzen (
nach schweisz 1)
und bluten (
nach schweisz 2);
altnord. sveita,
refl. sveitask,
sudare, ags. swætan,
schwitzen und bluten, mnd. sweten,
sudare Schiller - Lübben 4, 494
b,
und so im neund. (
daneben theilweise swetten)
brem. wb. 4, 1118. Schütze 4, 234. Dähnert 478
a. Danneil 218
b. Mi 90
b. Schambach 221
b. Woeste 265
b. Stürenburg 241
b. ten Doornkaat Koolman 3, 379
b;
mhd. sweiʒen,
schweisz vergieszen, von schweisze nasz sein, bluten, vom blute nasz sein. mhd. wb. 2, 768
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 1355.
in ausgebildeter nhd. schriftsprache nur weidmännisch im sinne von bluten. 1@aa)
sudare, swei-, schwei-, schwaiszen,
sudare Dief. 564
b; schweissen,
sudare Maaler 367
a; schweissen, schwitzen,
suer Hulsius
dict. (1616) 292
b,
ebenso Schottel 1412; schweiszen,
sudare, insudare, et metonym. laborare Stieler 1987. Steinbach 541
hat schweiszen
in diesem sinne nicht mehr, verzeichnet dagegen beschweiszen,
sudore afficere (
ebenso mhd. besweiʒen Wolfram
Willeh. 270, 12); schweiszen,
sudare als veraltet bezeichnet bei Adelung
und Campe.
mundartlich ist das wort, auch abgesehen vom nd., erhalten: schwäsza,
schwitzen Tobler 402
b;
in abgeleiteter bedeutung (
s. unten)
auch bei Stalder 2, 362. Castelli 253. Hügel 146
b. Klein
provinzialwörterbuch 2, 149 (
Würt.). Schmidt 215; schweeszen,
schwitzen Albrecht 209
b.
nd. en sweten daun,
stark schwitzen; mek swetet,
mich schwitzt Schambach 221
b. 222
a; hä swetet as en perd. Woeste 265
b; hê swêtd as'n otter. ten Doornkaat Koolman 3, 379
b; he ett, dat he swêtet, un arbeidet, dat em friren mag,
er ist beim essen fleiszig, aber nicht beim arbeiten. Dähnert 478
a; swêten un de steren tellen,
coire (
nur von den weibern gesagt) Schambach 221
b;
übertragen: de wenne swêtet,
sie schlagen feucht aus. 222
a; dat kôrn mut erst ûtsweten, er't düsken (
gedroschen) word. ten Doornkaat Koolman 3, 379
b; de himmel fangt en bitjen an to sweeten,
es beginnt zu tröpfeln. Schütze 4, 234.
hochdeutsches: wie faumens nit, wie schaumens net, wie dämpfens nit, wie schwaisens net.
quelle bei Schm. 2, 649.
beim geröstet werden schwitzen: zupffet die stengel ab, last sie in einem stollichten hafen oder auch in einer pfanne schweiszen. Hohberg
ad. landleb. 3, 1, 198
a.
im fegefeuer: seel die im fegfeur schwaiszt. Schm.
a. a. o (
s. unten 2,
a);
verbreitet ist schweiszen
in der bedeutung von '
durchsickern lassen',
besonders auf undichte gefäsze bezogen; diese anwendung kann aber auch von schweiszen,
bluten abgeleitet sein. s. Tobler 402
b. Stalder 2, 362. Klein
prov.-wb. 2, 149 (
Würt.). Schmidt 215. Hügel 146
b.
sein wasser lassen: ds schf schwāszt. Castelli 253;
in technischer sprache: das eisen beginnt zu schweiszen,
in glühhitze weich, flüssig zu werden ( Adelung),
vgl. unten 2,
b. 1@bb)
mhd. sweiʒen,
bluten, vom blute nasz sein (
vgl. schweisz 2): daʒ sêre sweiʒen began des künic Etzelen man.
Biterolf 10485; man sol ê sehen sweiʒen von bluote swert unde sper.
krone 6329.
die spätere entwicklung in der schriftsprache verläuft so, dasz schweiszen,
bluten, allmählich auf die jägersprache sich beschränkt und auf die gejagten, angeschossenen thiere bezogen wird; die allgemeine bedeutung haftet besonders fest in wendungen wie: die nase schweiszt, aus der nase, durch die nase schweiszen; schweissen, bluten,
saigner Hulsius
dict. (1616) 292
b;
als weidmännisch bei Stieler 1987 (
ebenso bei Steinbach 2, 541
und Adelung),
daneben hat aber Stieler
noch: die nase schweiszet ihm; er schweiszt aus der nase. Kramer
deutschital. dict. (1702) 2, 711
b; schweiszen,
sanguinem emittere Frisch 2, 246
c.
aus lebendigem mundartlichem gebrauche bezeugt es Schm. 2, 650
im sinne von bluten (
auf menschen bezogen); schwoasz'n,
bluten Schöpf 657;
von wunden, geschwüren, sickern Tobler 402
b. Stalder 2, 362.
belege aus der litteratur (
vgl. Schm.
a. a. o.): im fall verletzet er in ohn geverde an dem mund, also das im die zeen schwaisten.
Zimm. chron.2 1, 334, 7; da hat das bild am crucifix anfahen reulichen zu schwaiszen. 450, 39; da hat die haut reichlichen geschwaist. 578, 24; fing der todt cörper an heftig zu schweiszen. 2, 473, 24; das ich ihme irgend ein aederlein getroffen, das schweiszt feindlich. Berlichingen 168; dann Lewfrid fing gar fast an zuoschweissen. Wickram
goldf. E 1
b; fürwar sie (
die heiligen) bitten so hertzlich, das jre bilder auff erden manchmal davon schwitzen und schweysen. Fischart
bienenk. 188
b (
oder sudare, vgl. fastn. sp. 300, 15); zur stund die wunde anfange zuschweissen.
Bodinus 92
b (1591); darnach alsbald häszlin rueten nemmen, den bueg (
des pferdes) darmit gestrichen das er schwaisse. Seuter
roszarzn. (1599) 353; dasz em sweiszet (
mit blut befleckt wird) sin swarczer bart.
Alsfeld. passion 3439;
bluten der nase: einem iglichen dem sein nase schweyset oder plütet. Steinhöwel
decameron 3
Keller; als ob im die nassen schweiste.
Zimm. chron.2 4, 274, 16; gleich darauf hat er angefangen etlich stund user der nasen zu schweisen. 4, 203, 18; muste doch Attila in seiner frölichsten nacht am blut ersticken, das jm zur nasen pflegt heraus zu schweissen. Luther 4, 247
b; da werden die scheiben schön unnd rot, als hette einem die nase darauff geschweisset. Mathesius
Sarepta 71
b (1571); naszschweysen Sebiz
feldbau 215; es wöllen etliche, dasz der safft in die nasen gethan, mache sie schweissen. Tabernaemont.
kräuterb. (1664) 923 A; sie wollen mir vergönnen ein wenig auffzustehen, weil mir die nase schweisset.
ped. schulfuchs 143; stüsz ein finger heimlich in dnasen ... und macht jhr selb zuoschweiszen die. Fischart 2, 408, 817
Kurz; nase und mund: do schlegt er ine an hals, das im mundt und nassen übergieng und schweist.
Zimm. chron.2 3, 70, 22. blut schweiszen: (
er) fieng an aus der nasen, aus dem mund und aus den ohren häuffig blut zu schweiszen.
Harnisch (1669) 131. blutig schweiszen,
mit blutigem schaum sich bedecken: da er gekämpft, blutig geschweist. Fr. Müller 1, 104.
im weidmännischen gebrauche: schweiszen oder fehrt, auch färt geben, ist wenn ein angeschossen wild den schweisz (
das blut, s. schweisz 2) fallen lässet. Heppe
wohlred. jäger 276
a; schweiszen,
bei allem wilde s. v. w. bluten, blut verlieren nach einem anschusz oder einer sonstigen verletzung. Behlen
lex. d. forst- u. jagdk. 5, 586; der hirsch schweiszet. Stieler 1987; die sauen schweiszen, und nicht bluten. Döbel
jägerpract. 1, 25
b; ausschweiszen,
cruorem fundere Stieler
a. a. o.; was fliegt daher, als wie ein blitz? es war ein angeschweister hirsch. Brockes 6 (1739), 194. 22) schweiszen (
von 1
zu trennen),
schwitzen machen, zurückgehend auf ein factitives sweitjan.
alem. mit verschärfung zur affricata schweitzen. 2@aa)
küchenwort, in hitze zubereiten, rösten, braten: ahd. frigetur, kisuueizzit, kipratan uuirdit. Steinmeyer - Sievers
gloss. 1, 279, 59; inn butter geröstelet, geschwaisset und geschmeisset. Fischart
Garg. 56
a; man nimbt des meels wenig oder viel, nach dem man desz breyes wenig oder viel machen wil in ein pfännlein, thut frischen butter darzu, schweiszets ein wenig doch dasz es nit braun wird. Tabernaemontanus
kräuterb. (1664) 599 K; die bayrischen oder pfetter-rüblein werden sauber geschabet, gewaschen, dann wie die weisze rüben geschweist ... will man die rüben aber nit schweisen. Hohberg
adel. landleb. 3,
kochb. 81
a; eins theils thet er schweisen und braten. H. Sachs 17, 295, 21
Keller-Götze. schweiz. mit verschärfung der tonlosen spirans zur affricata: schweitzen,
eine speise mit butterbrühe begieszen. Stalder 2, 362;
daher schweize (
s. dieses),
f. die butterbrühe; do mit den glust, und magen reytzen mit kochen, syeden, broten, schweytzen. Brant
narrenschiff 81, 40; Zarncke
in der anm. erklärt schweitzen
mit '
im eigenen blute sieden',
in dem er auf die vielfache verwendung des blutes besonders in der älteren küche hinweist; einen beleg für das verbum in diesem speziellen sinne vermag er indessen nicht anzuführen; die stellen aus Tabernaemont., Hohberg,
die ahd. glosse, der schweizerische gebrauch stimmt nicht zur erklärung Zarnckes;
die von uns angenommene deutung wird auch unterstützt durch den entsprechenden intransitiven gebrauch des wortes, s. oben unter 1,
a die stelle aus Hohberg. 2@bb) schweiszen,
eisen, stahlstücke in glühhitze bringen, in glühhitze durch hämmern verarbeiten oder verbinden; der eigentliche sinn kann nichts anderes sein als '
schwitzen machen'
wie bei a; das weiszglühende eisen wird an seiner oberfläche bis zur flüssigkeit weich gemacht; mehr und mehr tritt beim gebrauche der begriff des verbindens der stücke in den vordergrund (
daher zusammen-, an-, aufschweiszen): schweiszen des roheisen, ist, solches in einen grad des feuers bringen, darinn die schlacken, zwischen den theilen des roheisens schmelzen, absaigern, und die theile des eisens sich berühren können, wodurch das eisen reiner wird. Jacobsson 7, 306
a; schweiszen, heiszt bey den schmieden, zwey oder mehr stück eisen, nachdem sie in die hitze gebracht, vermittelst eines groben flusses von sand, leimen oder gestoszener galle, auf dem ambosze über einander geleget und gehalten, so zusammen schlagen, dasz sie sich mit einander vereinigen und dergestalt verbinden, dasz man nicht wahrnehmen kann, wo sie zusammen gesetzet sind. Eggers
kriegslex. 2, 859;
vgl. Karmarsch-Heeren
3 7, 743
ff., eisen zusammenschweiszen. Stieler 1987; zwey stück eisen schweiszen, zusammenschweiszen, eins ans andere anschweiszen; einen eisernen ring schweiszen, zuschweiszen. Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 711
b; schweiszen bey den schmidten,
ferruminare, das eisen durch ein flieszendes und zerschmolzenes metall zusammen löten. Frisch 2, 246
c.
vgl. Castelli 253. Schöpf 657; von bickeln und hamern zu spiczin und zu schweiszin.
Frankfurter baumeisterb. von 1396; von eim hamer zu sweiszen. Diefenbach-Wülcker 849 (15.
jahrh.); von einem steinkeil zu schweiszen drei haller und 2 pf. Tucher
baumeisterb. 100, 19; (
wie) ein eysen an das ander, oder ein silber an das ander gelötet oder geschweiszet wird. Mathesius
Sar. (1571) 58
a; schlug und schweiszte es (
das stück eisen) mit zwei gewaltigen schlägen fest. Immermann
Münchh. 1, 135 (1841); ob er (
der schmied) nicht endlich an die zerbrochene lünse mir neu den nagel geschweiszt hat. Voss
Luise 3, 554.
im alemannischen affricata statt der tonlosen sprirans: schweize,
in glühhitze zusammenschmieden. Hunziker 235; als der (
wenn einer) stahel und isen tuot swaitzen.
teufels netz 7198.
übertragungen: der nam suantewiz ist zusamb geschwaiszet aus zway sclavischen worten swante heilig und witz liecht.
quelle d. 17.
jahrh. bei Schm. 2, 650;
häufig mit dem nebensinne des mühsamen: verse schweiszen. 33)
besonderes. 3@aa) abschweiszen,
jemanden etwas abpressen, ist th. 1,
sp. 112
erklärt als ein ursprünglicher schmiedeausdruck (
ferrumen auferre, gegensatz von anschweiszen),
also nach 2,
b. Schm. 2, 650
geht von schweisz,
blut aus (einem den letzten tropfen blut heraus schwaiszen,
figürlich, einem etwas abschwaiszen,
im handel abnötigen, abdrücken, abpressen).
vgl. noch Schmid 485. 488 (abschweisen, '
am lohn abdringen, den man im schweisze seines angesichts verdient');
vielleicht stammt der ausdruck vom entschweiszen, reinigen der wolle (
unten 4)
her: und schweiset jm sein gut und haab mit jren schweichelworten ab. H. Sachs 5, 215
a (1579); oft aim ab schwais klaider und gelt.
fastn. sp. 7, 39, 85
neudruck. 3@bb) schweiszen
verhüllend für scheiszen: (
wenn ein habicht) zum schweiszen weiten geräumen auszwwurff hat.
jagd- u. weidw.-buch (1582) 2, 12
b; inn die hosen hofieren, oder uber die zeen schwaiszen wie die rayger, das ainer saw zuovil wer. Franck
laster der trunkenheit (1531) C 2
b (
vgl.über die zunge scheiszen,
speien th. 8,
sp. 2468); verläugnet seine eltern und vorfahren und schweist in sein eigen nest. Lehmann 156. 44)
in technischer sprache: wolle schweiszen,
die rohe wolle vom wollschweisze (
hautsekreten, schmutz)
reinigen. Jacobsson 4, 98
a;
s. schweisz 8,
c, α.